Kitabı oku: «Pragmatische Bedingungen der Topikalität»

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Detmer Wulf

Pragmatische Bedingungen der Topikalität

Zur Identifizierbarkeit von Satztopiks im Deutschen

Narr Francke Attempto Verlag Tübingen

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© 2019 • Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG

Dischingerweg 5 • D-72070 Tübingen

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ISBN 978-3-8233-8260-7 (Print)

ISBN 978-3-8233-0166-0 (ePub)

Inhalt

  Vorwort

  1 Einleitung

  2 Ältere und neuere Ansätze zur Informationsstruktur 2.1 Historische Ansätze: psychologisches Subjekt und psychologisches Prädikat 2.2 Die Prager Schule und der Begriff der Funktionalen Satzperspektive 2.3 Firbas’ Begriff des Kommunikativen Dynamismus 2.4 Halliday: Theme vs. Given 2.5 Molnár: Topik – Thema – Hintergrund

  3 Topik und Aboutness 3.1 Strawson: Topiks als „centers of current interest“ 3.2 Reinhart: Topiks als „referential entries“ 3.3 Gundel: referentielle vs. relationale Givenness/Newness 3.4 Lambrecht: Topik-Relation vs. Fokus-Relation

  4 Topik und Präsupposition 4.1 Topikalität und Identifizierbarkeit 4.2 Fokus/Hintergrund und die presupposition/assertion-Unterscheidung 4.3 Identifizierbarkeitspräsupposition, Bewusstseinspräsupposition, Topik-Präsupposition

  5 Topik-Eigenschaften 5.1 Adressierbarkeit: Weiter vs. enger Topik-Begriff 5.2 Adressierung und Assertion: Semantische vs. pragmatische Ebene der Prädikation 5.3 Exkurs: Salienz, Zugänglichkeit, Familiarity 5.4 Topikalität und diskursive Salienz 5.5 Topikalität und Diskursreferentialität

  6 Topik-Identifizierung und Topik-Identifizierbarkeit 6.1 Identifizierungstests: Fragetest, Ankündigungstest, Umformungstest 6.2 Quaestio und Topikalität 6.3 Feste Topik-Position im Mittelfeld? 6.4 Gute Topiks – schlechte Topiks

  7 Resümee

  Literatur

Vorwort

Dies ist die leicht überarbeitete Fassung meiner Dissertation, die ich im Mai 2016 unter dem gleichen Titel an der Philologischen Fakultät der Universität Leipzig eingereicht habe. Ohne vielseitige Unterstützung und Förderung wäre der erfolgreiche Abschluss der Arbeit nicht möglich gewesen. Mein besonderer Dank geht zunächst an die Betreuer meiner Dissertation, Prof. Dr. Frank Liedtke (Leipzig) und Univ.-Prof. Dr. Dietrich Busse (Düsseldorf). Das Vertrauen, das sie mir entgegenbrachten, und auch die Freiheit, die sie mir in wissenschaftlicher Hinsicht ließen, waren für mich von großer Bedeutung.

Die Arbeit wurde in Leipzig eingereicht, ist aber in Düsseldorf verfasst worden. Darum möchte ich mich noch einmal bei Dietrich Busse für die stets vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanken sowie dafür, dass er – auch und gerade während meiner Zeit als Projektmitarbeiter im Sonderforschungsbereich 991 – die für das Gelingen meiner Dissertation bestmöglichen Rahmenbedingungen geschaffen hat.

Mein Dank geht auch an Freunde und Kollegen, die mich in der einen oder anderen Form unterstützt haben. Für Feedback (nicht nur) in fachlicher Hinsicht danke ich insbesondere Brigitte Schwarze und Robert Mroczynski. Christian Horn und Doris Gerland haben in unserer (wenn auch nur kurz bestehenden) Schreibgruppe dazu beigetragen, dass diese Arbeit an einem kritischen Punkt wieder ‚in die Spur‘ gekommen ist. Für moralische Unterstützung (und Ablenkung) sorgten Michaela Felden, Lars Inderelst und Nansaa Tsagaan.

Den Herausgeberinnen und Herausgebern der „Studien zur Pragmatik“ danke ich schließlich für die Aufnahme der Arbeit in die vorliegende Reihe.

Düsseldorf, im April 2019 Detmer Wulf

1 Einleitung

Terminological profusion and confusion, and underlying

conceptual vagueness, plague the relevant literature to a point

where little may salvageable. (Levinson 1983, x)

Diese Arbeit widmet sich der Kategorie des Satztopiks, für die innerhalb funktional-grammatischer Ansätze häufig (mehr oder weniger verdeckt) die traditionelle Unterscheidung von Satzgegenstand und Satzaussage zugrunde gelegt wird. Der Satztopik-Kategorie liegt die Idee zugrunde, dass sich (prädizierende) Sätze aufgliedern lassen in dasjenige, worüber etwas ausgesagt wird und dasjenige, was darüber ausgesagt wird. Diese Unterscheidung kommt auch in Hocketts einflussreicher Topik-Definition zum Ausdruck: „The most general characteristic of predicative constructions is suggested by the terms ‘topic’ and ‘comment’ for their ICs: the speaker announces a topic and then says something about it“ (Hockett 1958, 201). Hockett geht es hierbei jedoch nicht um eine Identifizierung der Topik/Kommentar-Unterscheidung in der Subjekt-Prädikat-Struktur – so wie etwa in (1), wo Topik und Subjekt zusammenfallen; denn eine ganze Reihe von Fällen – so wie bspw. in (2) – lassen auch andere Deutungen zu (vgl. Hockett, ebd.):


(1) John ran away.
(2) That new book by Thomas Guernsey I havent’t read.

Hockett deutet die vorangestellte Objektkonstituente als Topik, den restlichen Teil als Kommentar und somit prädizierenden Bereich des Satzes, der hier auch noch das Subjekt enthält.

Dies ist natürlich alles andere als eine neue Entdeckung. Schon die traditionelle Unterscheidung von psychologischem vs. grammatischem Subjekt bzw. Prädikat (vgl. etwa Paul 1880) beruhte auf der Beobachtung, dass sich auch andere Satzglieder als das Subjekt als das ‚Worüber‘ eines Satzes deuten lassen. Aus den Kategorien psychologisches Subjekt und psychologisches Prädikat ist dann in der weiteren Entwicklung u.a. die Thema/Rhema-Dichotomie der sogenannten ‚Funktionalen Satzperspektive‘ hervorgegangen (als historischen Überblick vgl. Daneš 1974), deren Ziel es war, Wortstellungsvarianten funktional zu beschreiben und die Voranstellungen von Objektkonstituenten, so wie etwa die in (2), als Indikator für Thematizität gedeutet hat. An diese Tradition schließen auch zeitgenössische, pragmatisch orientierte Ansätze an (etwa Gundel 1988b, Lambrecht 1994), die den Topik-Begriff – auch unter Rückgriff auf bestimmte kognitiv-kommunikative Prinzipien – als Bestandteil der sogenannten Aboutness-Relation deuten.

Die Topik-Kategorie stellt sicherlich, zusammen mit ihren Komplementär-Kategorien ‚Fokus‘ oder ‚Kommentar‘, eine der zentralen informationsstrukturellen Kategorie-Konzepte dar, trotz der von Levinson beklagten Terminologie-Fülle – und vielleicht auch Verwirrung (siehe das oben vorangestellte Zitat aus Levinson 1983). Der Grund für diese Terminologie-Fülle mag auch in den unterschiedlichen analytischen Zugriffen liegen. So zielen einige Ansätze mit ihren terminologischen Unterscheidungen zunächst primär auf die Benennung oder Beschreibung bestimmter syntaktischer Strukturen ab. Dies ist etwa der Fall in Diks (1981) Unterscheidung zwischen ‚Theme‘ und ‚Topic‘, die er für die Analyse von Satz-Konstruktionen mit Linksherausstellungen in Anspruch nimmt. Während ‚Topic‘ als Bestandteil der Subjekt-Prädikat-Struktur des Matrix-Satzes bestimmt ist, wird ‚Theme‘ auf die nach links herausgestellte Konstituente bezogen.1 Ein weiteres Beispiel ist Vallduvis (1992) link-Begriff, mit dem er auf die seiner Meinung nach allgemein bestehende Funktion satzinitialer Konstituenten als „address pointer“ abzielt, d.h. als diejenige Konstituente, die den Gegenstand denotiert, auf den die durch den Satz ausgedrückte Information zu beziehen ist (Vallduvi 1992, 48). Demgegenüber werden in anderen Ansätzen informationsstrukturelle Kategorien zunächst unabhängig von ausdrucksseitigen Aspekten als kognitiv-kommunikative Kategorien expliziert und erst dann hinsichtlich ihres Niederschlags in der Struktur von Sätzen (unterschiedlicher Sprachen) untersucht. Für diese Vorgehensweise stehen m.E. Ansätze wie etwa die von Gundel (1988a; 1988b) oder Lambrecht (1994), die Topikalität nicht auf Konstituenten, sondern auf Diskursreferenten beziehen, die in einer besonderen Relation zu der durch den Satz ausgedrückten Proposition stehen. So ist etwa nach Lambrecht ein durch einen Satz realisierter Referent genau dann „topic of a proposition“, wenn „in a given situation the proposition is construed as being about this referent, i.e. as expressing information which is relevant to and which increases the addressee’s knowledge of this referent“ (Lambrecht 1994, 131). Die pragmatische Perspektive einer solchen Explikation besteht somit zunächst vor allem darin, dass sie die Aboutness-Relation auf der Basis des Sprecher-Hörer-Verhältnisses deutet: Topik ist derjenige Diskursgegenstand, über den der Sprecher dem Hörer etwas Neues bzw. Relevantes mitteilen möchte. Wie sich diese Relation (in den jeweiligen Sprachen) ausdrucksseitig niederschlagen kann, ist dann eine daran anschließende Frage (vgl. u.a. Gundel 1988a; Lambrecht 1994).

Auch für das Deutsche ist die Frage nach den ausdrucksseitigen Indikatoren für Topikalität nach wie vor Gegenstand der Diskussion. So wird etwa Satzinitialität als Topik-Indikator aufgefasst (Molnár 1991; 1993; Welke 2005); es wird vermutet, dass Topiks vornehmlich durch (Agens-)Subjekte realisiert werden (von Stutterheim/Carroll 2005, Modrián-Horváth 2016); es werden bestimmte Herausstellungsstrukturen (Linksversetzungen) als Topik- oder Thema-indizierende Strukturen gedeutet (Selting 1993; Frey 2005; Endriss 2009); oder es wird die These vertreten, dass es im Mittelfeld des Deutschen eine feste Topik-Position gibt (Frey 2000; 2004). Ebenso wird aber auch auf die notorischen Schwierigkeiten hingewiesen, die insbesondere Satzabfolgen bei der Topik-Identifizierung bereiten (Cook/Bildhauer 2013).

In dieser Arbeit wird die These vertreten, dass es im Deutschen keine eindeutig ausgewiesene Position für Aboutness-Topiks gibt. Die Deutung eines Diskursreferenten als Topik (eines Satzes) beruht vielmehr auf spezifischen diskursiven (Situations-)Bedingungen, in denen der (aktuell geäußerte) Satz eingebettet ist. Ausgehend von dem pragmatischen Topik-Verständnis Lambrechts (1994) und Gundels (1988b) möchte ich der Frage nachgehen, wie diese Bedingungen genau aussehen und über welche Eigenschaften Diskursreferenten verfügen müssen, damit sie sich plausibel als Topiks deuten lassen.

In der Arbeit wird drei zentralen Fragen nachgegangen. Die erste Frage bezieht sich auf den spezifischen Charakter der Aboutness-Relation. Wodurch genau zeichnet sich diese Relation aus und wie wird sie in den unterschiedlichen Ansätzen expliziert? Die zweite Frage bezieht sich auf das für Referenten mit Topikstatus immer wieder hervorgehobene Verhältnis von Topikalität und Präsupposition. Was genau ist darunter zu verstehen, wenn man sagt, dass Topiks präsupponiert sind? Die dritte Frage ist mit der zweiten eng verwandt und zielt auf die diskursiven Bedingungen für Topikalität und auf die Eigenschaften von Diskursreferenten mit Topikstatus ab: Welche diskursiven Bedingungen müssen für die Aboutness-Relation vorausgesetzt sein und über welche Eigenschaften müssen Diskursreferenten verfügen, wenn sie Topikstatus haben? Wie sich zeigen wird, sind es Frage/Antwort-Kontexte, auf deren Basis sich die ‚Ideal‘-Bedingungen für die Identifizierbarkeit und die Eigenschaften ‚zweifelsfreier‘ Topiks am besten rekonstruieren lassen. Und wie sich des Weiteren zeigen wird, gestaltet es sich bzgl. der Identifizierbarkeit z.T. deutlich schwieriger, wenn man versucht, diese Bedingungen auf Satzabfolgen (d.h. auf Texte) zu übertragen.

Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: Das folgende Kapitel (Kap. 2) bietet zunächst einen kurzen Abriss älterer und neuerer Ansätze zur Informationsstruktur. In Kap. 3 sollen die jeweiligen Explikationsvorschläge der Autoren bezüglich des Aboutness-Begriffs vorgestellt werden. Bei der Diskussion der in manchen Punkten ähnlichen, sich im Detail aber auch deutlich unterscheidenden Ansätze soll das Hauptaugenmerk auf zwei Problemfelder gerichtet werden: zum einen auf die Frage nach dem Verhältnis von Topikalität und ‚Givenness‘, zum anderen auf die Frage, wie sich die Topik-Kategorie zur Fokus-Kategorie verhält. Ist die Fokus-Kategorie ebenfalls auf Diskursreferenten zu beziehen? Es wird sich zeigen, dass es Lambrechts Ansatz am besten gelingt, diese Problemfelder zufriedenstellend in den Griff zu bekommen. Wie wir sehen werden, zeichnet sich Lambrechts Ansatz durch zwei zentrale Merkmale aus: zum einen durch seine Unterscheidung zwischen Topik-Relation und Fokus-Relation, die beide in jeweils spezifischer Weise auf die durch den Satz ausgedrückte Proposition bezogen sind, und zum anderen durch seine Unterscheidung dreier „pragmatischer Gliederungstypen“ (pragmatic articulations), zu denen er neben dem Topik/Kommentar-Typ auch den Satzfokus-Typ und den sogenannten Argumentfokus-Typ zählt. Die Unterscheidung dieser drei Typen wird in der Arbeit eine wesentliche Rolle spielen.

In Kap. 4 wird das Verhältnis von Topikalität und Präsupposition genauer unter die Lupe genommen. Dieses Verhältnis wird häufig auf die (sprecherseitige) Präsupposition (adressatenseitiger) Identifizierbarkeit (Givenness) des Topik-Referenten (Topic-Familiarity Condition, vgl. Gundel 1988a) reduziert. Zunächst soll darum noch einmal genauer gezeigt werden, dass das Vorhandensein dieser (sprecherseitigen) Voraussetzung für die Bestimmung der Topik-Relation allein nicht hinreicht. Dies ist nicht nur in Lambrechts Abgrenzung des Topik/Kommentar-Typs von den zwei anderen von ihm vorgeschlagenen Gliederungstypen reflektiert, sondern gilt auch für seine Unterscheidung zwischen pragmatic presupposition und pragmatic assertion, innerhalb der das Kriterium hörerseitigen Identifizierungswissens keine unterscheidungsrelevante Rolle spielt. Der genaue Charakter dieser allen Gliederungstypen zugrunde liegenden Unterscheidung wird diskutiert, mit besonderem Augenmerk auf den Umstand, dass Präsupposition und Assertion propositional aufzufassen sind. Zum Abschluss des Kapitels werden die präsuppositionalen Eigenschaften von Diskursreferenten mit Topikstatus genauer bestimmt, deren Charakterisierung als hörerseitig „familiar“ bzw. „identifizierbar“ bei Lambrecht durch die Annahme weiterer Präsuppositionen (Bewusstseinspräsupposition, Topik-Präsupposition) eine Präzisierung erfährt.

Diese präsuppositionalen Eigenschaften stellen die Basis für meine Ausformulierung der Topik-Eigenschaften in Kap. 5 dar. Den Ausgangs- und Bezugspunkt bildet hierbei die Position, dass Topik-Referenten hörerseitig vorhersehbare (predictable) bzw. erwartbare (expectable) und daher aktivierte, d.h. vorerwähnte „Argumente der Prädikation“ sind (Lambrecht/Michaelis 1998). Letzteres, nämlich die Position, dass Topiks als „Argumente der Prädikation“ aufzufassen sind, findet sich auch in Ansätzen, die, wie ich zeigen werde, einen ‚weiten‘ Topik-Begriff zugrunde legen (u.a. Jacobs 2001, Erteschik-Shir 2007). Das zentrale Konzept ‚weiter‘ Topik-Ansätze ist m.E. der Adressen-Begriff (siehe etwa Jacobs 2001). Topiks stellen nach dieser Auffassung die sogenannte ‚Adresse der Prädikation‘ dar, d.h. Topik ist derjenige ‚Gegenstand‘, auf den die Prädikation abzielt und in Hinblick auf den der durch den Satz ausgedrückte propositionale Gehalt hinsichtlich seines Wahrheitswerts „überprüft“ (assessed) wird (Reinhart 1981; Erteschik-Shir 2007).

Wie gezeigt wird, unterscheiden sich Adressierungsansätze von ‚engen‘ Topik-Ansätzen (Gundel, Lambrecht) insbesondere darin, dass sie auf das Kriterium der (vorausgesetzten) Hörer-familiarity verzichten und das Spezifizitätskriterium für die Eignung eines Ausdrucks als Topik-Ausdruck für ausreichend halten. Wie ich zeigen werde, ergeben sich aus diesem Zugriff jedoch gewisse Konsequenzen für das Verständnis von Topikalität als Relation der Aboutness, dem auch ‚weite‘ Topik-Ansätze grundsätzlich verhaftet bleiben. Eine Konsequenz ist, dass mit der Beschränkung der Aboutness-Relation auf die, wie ich es nennen werde, semantische Ebene der Prädikation die Unterscheidbarkeit der drei Lambrecht’schen Gliederungstypen (Topik/Kommentar, Argumentfokus, Satzfokus) hinfällig wird. Die wesentliche Konsequenz der Gleichsetzung von Topikalität und Adressierung besteht jedoch darin, dass es so nicht gelingt, die Topik- (bzw. Aboutness-)Relation auf der Basis der pragmatischen Unterscheidung von Präsupposition und Assertion zu explizieren. So können etwa Prädikationsadressen auch zur Assertion gehören, was in bestimmten Argumentfokus-Kontexten der Fall ist. Würde man einen solchen Zusammenfall von Topik und Fokus zulassen, so wäre damit in der Konsequenz aber auch die Herleitung der Aboutness-Relation aus der Unterscheidung von Präsupposition und Assertion (und ebenso ihr Verständnis als Spezialfall dieser Unterscheidung) hinfällig. Zwar möchte ich das Adressenkonzept für die Charakterisierung von Topiks übernehmen, jedoch mit der Einschränkung versehen, dass Topiks zwar immer die Adresse der Prädikation bilden, aber Prädikationsadressen nicht notwendig Topikstatus haben müssen. Den Status von Topiks als Adressen und ‚centers of current interest‘ (Strawson) möchte ich über den Begriff der diskursiven Salienz fassen. Anhand einer Reihe von (konstruierten) Beispielen werde ich zeigen, auf welche Faktoren die Salienz eines Referenten zurückgeführt werden kann. So ist die Salienz eines Referenten nicht nur durch seine adressatenseitige Zugänglichkeit, sondern auch durch bestimmte diskursive Aspekte bedingt. Auf der Basis dieser Faktoren lassen sich Topiks dann als Adressen charakterisieren, die diskursiv salient, aktiviert und (somit notwendig auch) adressatenseitig zugänglich sind. Zum Abschluss des fünften Kapitels werde ich noch auf einige Konsequenzen eingehen, die sich aus der in dieser Arbeit zugrunde gelegten Position ergeben, dass Topikalität eine Status-Eigenschaft von Diskursreferenten ist.

Wie die in Kap. 5 diskutierten Beispiele zeigen werden, sind es vor allem Frage/Antwort-Kontexte, in denen sich leicht rekonstruieren lässt, ob einem Referenten die oben genannten Eigenschaften zugesprochen werden können oder nicht. Der wesentliche Grund hierfür ist, dass Frage/Antwort-Kontexte über eine vergleichsweise hohe diskursive ‚Transparenz‘ verfügen: Durch die (vorausgesetzte) Frage ist nicht nur festgelegt, welcher Referent (bzw. welche Referenten) als aktiviert und adressatenseitig zugänglich gelten kann (bzw. können), sondern es ist darüber hinaus auch in hohem Maße durchsichtig, welche Elemente im Antwortsatz zur Assertion (im Sinne der Unterscheidung von Präsupposition und Assertion) gehören. Diese (Fragekontext-induzierte) Transparenz kann für Satzabfolgen jedoch nicht vorausgesetzt werden.

Dennoch wird auch für Texte vorgeschlagen, die darin enthaltenen Sätze als Antwortsätze zu deuten. So setzen auch einschlägige Topik-Identifizierungstests (vgl. Götze et al. 2007) voraus, dass sich prinzipiell jeder assertierende Satz (isoliert ebenso wie innerhalb von Satzabfolgen) als Antwort auf eine (implizit) vorausgesetzte Frage analysieren lässt. Wie ich im sechsten Kapitel zunächst zeigen werde, ist dieser Analysezugriff aber durchaus problematisch – weswegen fragebasierte Identifizierungstests (aber nicht nur diese!) schnell an ihre Grenzen kommen.

Auch der sogenannte Quaestio-Ansatz (Klein/von Stutterheim 1992; von Stutterheim 1997) geht von der These aus, dass die einen Text konstituierenden Sätze als Antworten auf implizit vorausgesetzte Fragen deutbar sind. Dies ist auch die Auffassung von van Kuppevelt (1995), der in seinem Ansatz die These vertritt, dass Satzabfolgen sogenannte „topic-forming questions“ generieren. Diese zwei Ansätze werde ich in Kap. 6.2 kritisch diskutieren und zeigen, dass sich aus Satzabfolgen keine eindeutigen Frage/Antwort-Kontexte ableiten lassen, weswegen die so generierten Fragen nichts zur Topik-Identifizierung beitragen können.

Die mit den einschlägigen Identifizierungstests (die sich letztlich alle als Wohlgeformtheitstests erweisen) einhergehende Vermutung ist (u.a.), dass sich Topikalität (auch) syntaktisch niederschlägt. Hiervon geht (eingeschränkt) auch Frey (2000; 2004) aus, der für das Mittelfeld eine feste Topik-Position annimmt. Dass dies m.E. nicht der Fall ist, werde ich in Kap. 6.3 diskutieren.

Zum Abschluss des sechsten Kapitels werde ich diskutieren, auf welche Anhaltspunkte für die Topik-Identifizierung rekurriert werden kann, wenn, wie in Satzabfolgen, Frage/Antwort-Kontexte wegfallen. Die Frage ist dann, wie gut die daraus abgeleiteten Topik-Bedingungen auf Texte übertragbar sind und wie erfolgreich die Eigenschaften ‚idealer‘ Topiks auch bei Textreferenten nachgewiesen werden können. Anhand einer Reihe von authentischen Text-Beispielen werde ich zeigen, dass dies – wenn auch mit gewissen Abstrichen – durchaus möglich ist: Auf der Basis der in Kap. 5 ermittelten Bedingungen und Eigenschaften lassen sich drei Parameter (Zugänglichkeit, Adressenstatus sowie Gliederungstyp-Zuordnung) formulieren, die in Kombination miteinander Kriterien für die Topikstatus-Zuschreibung liefern können, sodass sich der Topikstatus eines Textreferenten kategorisch ausschließen lässt oder ein Textreferent sich als ‚gutes‘, ‚weniger gutes‘ oder u.U. sogar ‚schlechtes‘ Topik erweist.

2 Ältere und neuere Ansätze zur Informationsstruktur

Das Kapitel beginnt mit einem kurzen historischen Abriss über die aus meiner Sicht zentralen Entwicklungsstufen informationsstruktureller Kategorienbildung. Diese Entwicklung hat ihre Anfänge im 19. Jahrhundert mit Henri Weils Unterscheidung zwischen „mouvement objectif“ und „mouvement subjectif“ und wird um die Wende zum 20. Jahrhundert mit der Unterscheidung zwischen psychologischem vs. grammatischem Subjekt bzw. Prädikat von Georg v.d. Gabelentz und Hermann Paul weitergeführt. Sie erreicht um die Mitte des 20. Jahrhunderts ihren ersten Höhepunkt mit dem u.a. von Vilém Mathesius, einem Mitbegründer der sogenannten ‚Prager Schule‘, geprägten Konzept der ‚Funktionalen Satzperspektive‘, durch die das bekannte Terminologie-Paar ‚Thema/Rhema‘ geprägt wurde. Im Anschluss an diesem kurzen historischen Abriss werde ich drei zeitgenössischere Ansätze vorstellen, zunächst den von Jan Firbas entwickelten und stark in der Tradition der Prager Schule stehenden Begriff des ‚Kommunikativen Dynamismus‘ (ausführlich dargestellt in Firbas 1992), in dem versucht wird, die ‚Thema/Rhema‘-Dichotomie durch ein graduelles Konzept zu ersetzen. Danach stelle ich zwei Ansätze vor, die eine Ebenen-Unterscheidung vornehmen, zunächst das Modell von Halliday, der ein Zwei-Ebenen-Modell vorschlägt, das zwischen der Satzgegenstand/Satzaussage-Ebene (Theme/Rheme) und einer (im engeren Sinne) „informationsstrukturellen“ Ebene unterscheidet, die allein auf die bekannt/neu-Dichotomie (given/new) abzielt (vgl. ausführlich Halliday 1985). Zum Abschluss des ersten Kapitels wird das Drei-Ebenen-Modell von Molnár (1993) vorgestellt, in dem neben der Satzgegenstand/Satzaussage-Ebene (Topik/Kommentar) und bekannt/neu-Ebene (in Molnárs Terminologie: Thema/Rhema) noch eine dritte Ebene (Fokus/Hintergrund) hinzukommt, mit der sie auf sprecherseitige Relevanz-Setzungen abstellt und die ihrer Meinung nach relativ unabhängig von den zwei anderen Ebenen operiert. Inwieweit die Unabhängigkeit und Unterscheidbarkeit dieser verschiedenen Ebenen gewährleistet ist, werde ich insbesondere anhand dieses Modells diskutieren. Es wird sich zeigen, dass die Schwierigkeiten, die hierbei zutage treten, auf Problemen basieren, die uns auch noch in den nachfolgenden Kapiteln begleiten werden.

2.1 Historische Ansätze: psychologisches Subjekt und psychologisches Prädikat

Als einer der frühesten Ansätze zur Analyse von Äußerungen unter kommunikativen Gesichtspunkten kann Henri Weils Essay De l’ordre des mots dans les langues anciennes comparées aux langues modernes (1844) gelten. Ausgehend von der Feststellung, dass eine klassische Sprache wie das Lateinische eine wesentlich freiere Wortstellung aufweist als beispielsweise die aus ihr hervorgegangenen romanischen Sprachen, entwickelt er Ideen zur Funktion der Stellung der Satzglieder in Abgrenzung zu den von ihnen ausgedrückten syntaktischen Relationen. Weil unterscheidet hierbei zwischen einem „mouvement objectif, qui est exprimé par les rapports syntaxiques“ und einem „mouvement subjectif, qui est exprimé par l’ordre des mots“ (Weil 1844, 21). Während die ‚objektive‘ Ebene der syntaktischen Relationen sich auf die äußeren Dinge bezieht – „la syntaxe se rapport aux choses, à l’extérieur“ –, steht die ‚subjektive‘ Ebene in Relation zum Sprecher, „au sujet qui parle“. Die „succession des mots“ orientiert sich dabei an den Bedingungen der Äußerungssituation:

Il y a donc un point de départ, une notion initiale, qui est également présente et à celui qui parle et à celui qui écoute, qui forme comme le lieu où les deux intelligences se rencontrent; et une autre partie du discours, qui forme l’énonciation proprement dite. Cette division se retrouve dans presque tout ce que nous disons. (Weil 1844, 20)

Hier finden sich im Kern schon alle wesentlichen Aspekte, die in unterschiedlicher Begrifflichkeit auch in späteren Ansätzen immer wieder auftauchen werden. Weil unterteilt den Satz in zwei Bereiche: Der satzintiale Teil als Basis und Ausgangspunkt (point de départ) der Äußerung umfasst das, was Sprecher und Hörer „gegenwärtig“ ist, mit anderen Worten: was an Bekanntes anknüpft. Der daran anschließende Teil bildet die „eigentliche Aussage“ (énonciation proprement dite), d.h. die neue Information, um derentwillen der Sprecher den Satz äußert. Weil spricht in diesem Zusammenhang an anderer Stelle auch vom „but du discours“ (Weil 1844, 21).

Die Kennzeichnung der Satzelemente im Hinblick auf ihren kommunikativen Status als alte bzw. neue Information durch ihre Stellung im Satz – für Weil ein hervorstechendes Merkmal der klassischen Sprachen – demonstriert er anhand von Beispielen aus dem Lateinischen, in dessen freier Wortstellung er die funktionale Differenzierung zwischen „mouvement objectif“ und „mouvement subjectif“ deutlich ausgeprägt sieht (vgl. ebd., 20f.). Wortstellungsvarianten wie beispielsweise Romulus condidit Romam und condidit Romam Romulus, die hinsichtlich ihrer syntaktischen Relationen identisch sind – beide benennen ‚objektiv‘ denselben Sachverhalt – sind ‚subjektiv‘ auf verschiedene Kommunikationskontexte zu beziehen, in denen jeweils anderes als bekannt vorausgesetzt ist. Weil deutet die erste Variante als Aussage über die Person Romulus, wobei die satzinitiale Stellung das Subjekt als bekannt auszeichnet, und die zweite Variante Auskunft darüber, wer Gründer der Stadt Rom ist, sodass das Subjekt als Träger der neuen Information an den Schluss des Satzes rückt.

Weils Ansatz, zusätzlich zur Ebene der syntaktischen Relationen eine zweite, kommunikativ orientierte Ebene anzunehmen, ist von späteren Autoren aufgegriffen, jedoch in unterschiedlicher Weise inhaltlich bestimmt worden. Während sich Weil in seiner funktionalen Unterscheidung zwischen objektiver und subjektiver Ebene noch an einzelsprachlichen Strukturmerkmalen orientiert1 – die Beziehung der Satzglieder zueinander wird morphologisch, ihre Beziehung zur Äußerungssituation über die Wortstellung markiert – erhält die Interpretation des von Weil so genannten „mouvement subjectif“ bei Georg v.d. Gabelentz (1891) eine von der sprachlichen Ebene losgelöste, psychologische Interpretation.2 V. d. Gabelentz analysiert die Struktur von Sätzen bzw. Äußerungen auch hinsichtlich ihres Informationsstatus, wobei er seine Bestimmung informationsstruktureller Kategorien an den Bedingungen der Informationsübermittlung festmacht.

Wie lässt sich nun der Informationsstatus der einzelnen Redebestandteile bestimmen? V. d. Gabelentz nimmt hierfür eine adressatenorientierte Perspektive ein. Ziel einer Äußerung ist es nämlich, das eigene Vorstellungsbild in gleicher Form beim Hörer zu erzeugen. Diesen Vorgang vergleicht v.d. Gabelentz mit dem Beschreiben eines Papierstreifens in einem Telegraphenapparat, wobei die beschriebene Rolle „immer stärker anschwillt“ und der Papierstreifen „der noch vollgeschrieben werden soll […], zur anderen Rolle hinübergleitet“ (v.d. Gabelentz 1891, 369). Der Sprecher kennt den gesamten Vorstellungsinhalt, in der vom Autor gewählten Metapher also den beschriebenen sowie den unbeschrieben Teil des Papierstreifens; der Hörer muss die Vorstellung im Verlauf der Äußerung erst noch vervollständigen. Einen solchen Akkumulationsprozess stellt sich v.d. Gabelentz als durchaus sprechergelenkt vor. Der Sprecher „leitet […] mit dem ersten Worte des Anderen Denken auf eine gewisse Vorstellung und dann weiter und immer weiter, immer neue Erwartungen jetzt weckend, jetzt, gleich darauf, befriedigend“ (ebd., 369).

V. d. Gabelentz’ Pointe ist es nun, den Zusammenhang zwischen schon Gehörtem und Erwartetem im Verlauf der Äußerung in Analogie zu den grammatischen Kategorien Subjekt und Prädikat zu bestimmen: Ich nenne zuerst dasjenige, „was mein Denken anregt, mein psychologisches Subject, und dann das, was ich darüber denke, mein psychologisches Prädicat“ (ebd., 369f.). Das, worüber man etwas mitteilt und das, was man darüber mitteilt, also psychologisches Subjekt bzw. Prädikat, kann den jeweiligen grammatischen Kategorien entsprechen, es kann aber auch ganz anderen grammatischen Einheiten zugeordnet sein, wie v.d. Gabelentz anhand zahlreicher Beispiele demonstriert (vgl. 370f.). So lässt sich etwa in einem Satz wie


(1) Gestern war mein Geburtstag.

die adverbiale Bestimmung gestern unter bestimmten Bedingungen als psychologisches Subjekt auffassen, nämlich dann, wenn „ich von einem gewissen Tage [rede] und […] von ihm aus[sage], dass er mein Geburtstag war“ (ebd., 370). Und in einem Sprichwort wie


(2) Mit Speck fängt man Mäuse.

übernimmt die satzinitiale Adverbialbestimmung (mit Speck) die Rolle des psychologischen Subjekts, denn, so v.d. Gabelentz, nicht vom grammatischen Subjekt man sei hier die Rede, sondern das Mittel (der Speck) bilde den Gegenstand der Äußerung, von dem dann ausgesagt werde, was man damit macht, nämlich Mäuse zu fangen (vgl. ebd., 370).

Im Rahmen seiner Ausführungen zur Funktion der Intonation beschreibt v.d. Gabelentz des Weiteren Phänomene, die in heutiger Terminologie als Fokus- oder Kontrastakzent bezeichnet werden:

Was wir für’s Ohr betonen, für’s Auge unterstreichen oder typographisch auszeichnen lassen, ist also dasjenige, worauf es uns besonders ankommt, was uns das wichtigste ist. Wichtig ist es uns in Rücksicht auf einen vorhandenen oder vorgesetzten Gegensatz. (373)

Hier kommt v.d. Gabelentz einer adressatenorientierten Perspektive recht nahe; einen systematischen Zusammenhang zu seinem Verständnis der psychologischen Subjekts- bzw. Prädikatsebene stellt er jedoch nicht her. Explizit weist er diese Kategorienebene der Wortstellung zu:

Nicht die Betonung, sondern die psychologischen Subjects- und Prädicatsverhältnisse entscheiden über die bevorzugte Stellung der Satzglieder, und das seelische Verhalten, das sich in der Betonung äussert, hat mit jenem Verhältnisse nichts zu thun. (376)

Das, worüber gesprochen werden soll, ist im Verlauf der Äußerung des Satzes zuerst zu nennen. Was darüber ausgesagt wird, muss dann daran angeschlossen werden.3 Mit seiner Metapher vom Telegraphenapparat will v.d. Gabelentz verdeutlichen, dass diese Reihenfolge zwingend aus den Bedingungen der Kommunikationssituation hervorgeht, wobei er diese nicht dialogorientiert, also im Hinblick auf wechselseitige Äußerungsabfolgen zwischen zwei Gesprächsteilnehmern betrachtet, sondern unter dem Aspekt der Mitteilung von Information an einen Adressaten. Die Satzgliedstellung hat für ihn somit eine informationsstrukturierende Funktion: Sie zeigt an, welche Elemente als das ‚Worüber‘ des Satzes zu verstehen sind, unabhängig von ihren oberflächengrammatischen Relationen.

In heutige Terminologie lässt sich v.d. Gabelentz’ psychologisches Subjekt und Prädikat wohl am besten mit den Begriffen Satzgegenstand und Satzaussage übersetzen. Seine Perspektive ist zwar adressatenorientiert, sie bleibt hierbei aber wesentlich der Linearität der Äußerungsabfolge in ihrer sprachlichen Realisierung und deren Perzeption durch den Hörer verhaftet. Hieraus erklärt sich wohl seine Auffassung, dass das psychologische Subjekt dem psychologischen Prädikat immer vorauszugehen habe.

Hermann Paul (1880), der ebenfalls die Begriffe psychologisches Subjekt bzw. Prädikat verwendet,4 folgt ihm in diesem Punkt nicht, und dies hat seinen Grund vor allem darin, dass er hinsichtlich der Informationsstrukturierung von Äußerungen weitere Aspekte mit in den Blick nimmt. Seine Definition ist dabei zunächst ähnlich wie die von Georg v.d. Gabelentz von wahrnehmungspsychologischen Begriffen geleitet:

Das psychologische Subjekt ist die zuerst in dem Bewusstsein des Sprechenden, Denkenden vorhandene Vorstellungsmasse, an die sich eine zweite, das psychologische Prädikat anschliesst. Das Subjekt ist […] das Apperzipierende, das Prädikat das Apperzipierte. (Paul 1880, 124f.)

Grammatisches Subjekt und Prädikat sind aus diesen psychologischen Kategorien abgeleitet zu denken, sie „beruhen auf einem psychologischen Verhältnis“ (ebd., 124). Zwar bestimmt auch Paul den Satz als Ausdruck der „Verbindung mehrerer Vorstellungen oder Vorstellungsgruppen in der Seele des Sprechenden“ (ebd., 121) und wie bei v.d. Gabelentz ist auch für ihn der Satz „das Mittel dazu, die nämliche Verbindung der nämlichen Vorstellungen in der Seele des Hörenden zu erzeugen“ (ebd.), jedoch müssen diese nicht in jeder Redesituation vollständig ausgedrückt werden. Paul erläutert dies im Rahmen seiner Diskussion der Subjekt-Prädikat-Abfolge. Kritisch wendet er sich gegen v.d. Gabelentz’ Annahme, dass das psychologische Subjekt ausnahmslos die erste Position einnehme. Zwar gesteht er zu, dass dies in vielen Fällen zutreffe, insbesondere „bei ruhiger Erzählung oder Erörterung“ (ebd., 127), die umgekehrte Reihenfolge sei jedoch eine „nicht wegzuleugnende und nicht gar seltene Anomalie“ (ebd.). Das psychologische Subjekt

[…] ist zwar immer früher im Bewusstsein des Sprechenden, aber indem er zu sprechen anfängt, kann sich der bedeutsamere Prädikatsbegriff schon so in den Vordergrund drängen, dass er zuerst ausgesprochen und das Subjekt erst nachträglich angefügt wird. (ebd., 127)

Dies ist etwa der Fall, „wenn der Subjektsbegriff schon vorher im Gespräche da gewesen ist“ (ebd.). Als Beispiel hierfür nennt Paul den folgenden Dialog (siehe ebd.):


(3) Müller scheint ein verständiger Mann zu sein. – Ein Esel ist er.

In einem Frage-Antwort-Dialog wie: Was ist mit Maier? – Kaufmann (ist er). (vgl. ebd., 127) hat der Angeredete „in der Regel, während er das Prädikat hört, schon das dazu gehörige Subj. im Sinne, welches daher auch manchmal eben so gut wegbleiben kann“ (ebd.). Derartige Beispiele weisen für Paul eine Verwandtschaft mit Sätzen auf, „in denen überhaupt nur das Präd. ausgedrückt wird“ (ebd.). Dies ist nach Paul etwa dann der Fall, wenn die Antwort nur aus einem psychologischen Prädikat besteht, da sein Gegenstück, das psychologische Subjekt, in der vorangegangenen Frage enthalten ist oder der gesamte Fragesatz als psychologisches Subjekt gelten kann (vgl. ebd., 129):


(4) Wer hat dich geschlagen? – Max.
(5) Bist du das gewesen? – Ja.

Diese „dem sprachlichen Ausdruck nach eingliedrigen Sätze“ (ebd.) sind also darum kommunikativ adäquat, weil die Zweigliedrigkeit der psychologischen Ebene im Kontext des Frage-Antwort-Dialogs verankert ist. Entsprechend können dann auch eingliedrige Sätze wie Feuer! oder Hilfe! auf der psychologischen Ebene als zweigliedrig analysiert werden, weil dort die Äußerungssituation das psychologische Subjekt bildet. Aus diesem Grund stehen syntaktisch eingliedrige Äußerungen auch nicht in Konflikt mit seiner Definition vom Satz als Ausdruck miteinander in Verbindung stehender „Vorstellungsgruppen“ (ebd., 121), denn ihre kommunikative Adäquatheit ist immer durch die Mehrgliedrigkeit der psychologischen Ebene, mit der sie assoziiert sind, gewährleistet.

Nicht nur weil er sich von der Betrachtung des isolierten Satzes löst und ebenfalls kontextuelle und situative Faktoren mitberücksichtigt, geht Paul über v.d. Gabelentz hinaus, auch sein Verständnis des psychologischen Subjekts und Prädikats erfährt eine Neuausrichtung. Ist v.d. Gabelentz’ Verständnis noch von der Gegenüberstellung von Satzgegenstand und Satzaussage geprägt, so lässt sich bei Paul vor allem für das psychologische Prädikat eine weiterreichende Bestimmung ausmachen. So führt er etwa an, dass sich das Prädikat als der „bedeutsamere“ Bestandteil des Satzes „in den Vordergrund drängen“ kann (s.o.) und im 16. Kapitel der Prinzipien heißt es:

Am schärfsten von den übrigen Gliedern des Satzes sondert sich […] das psychologische Präd. ab als das wichtigste, dessen Mitteilung der Endzeck des Satzes ist, auf welches daher der stärkste Ton fällt“ (Paul 1880, 283).

Paul veranschaulich dies an dem Satz Karl fährt morgen nach Berlin, in dem nahezu jedes Wort intonatorisch als psychologisches Prädikat ausgezeichnet werden kann. Je nach der vom Sprecher vorausgesetzten „Disposition des Angeredeten“ (ebd.), d.h. je nach dem, was ein Sprecher im jeweiligen Äußerungskontext als bekannt voraussetzt, weist er das betonte Element als die neue Information aus, auf deren Mitteilung die Äußerung abzielt. Die in dem Beispielsatz möglichen Betonungsvarianten lassen sich dann als Antworten auf vier verschiedene Fragen verstehen, in denen jeweils etwas anderes erfragt wird (vgl. ebd, 283):


(6a) Wohin fährt Karl morgen? Karl fährt morgen nach Berlin.
(6b) Wann fährt Karl nach Berlin? Karl fährt morgen nach Berlin.
(6c) Wie reist Karl nach Berlin? Karl fährt morgen nach Berlin.
(6d) Wer fährt morgen nach Berlin? Karl fährt morgen nach Berlin.

Die Beispiele zeigen nicht nur, dass prinzipiell jedes Satzglied die Rolle des psychologischen Prädikats einnehmen kann; selbst dort, wo psychologisches und grammatisches Prädikat zusammenfallen – wie in (6c) – sind die zwei Ebenen nicht völlig identisch. So lässt sich für die Antwortvariante in (6c) ein Fragekontext konstruieren, in dem die Tatsache, dass Karl nach Berlin reist, schon bekannt ist „und nur noch nicht, ob er dahin geht oder reitet oder fährt“ (ebd.).

Wie die Beispiele zeigen, ist die Realisierung des psychologischen Prädikats (bzw. Subjekts) nicht auf eine bestimmte syntaktische Position festgelegt. Dennoch gibt es auch syntaktische Strategien zur Kenntlichmachung des psychologischen Prädikats. Diese greifen etwa dann, wenn es gilt, den „Widerspruch zwischen grammatischem und psychologischem Prädikat […] durch eine umständlichere Ausdrucksweise [zu] vermeiden“ (ebd., 285). Hierzu zählt er „Herausstellungskonstruktionen“ (vgl. Altmann 1981) wie etwa die folgende, die in heutiger Terminologie als Spaltsatz bezeichnet wird (vgl. ebd.):


(7) Christen sind es, die es getan haben.

Der „Widerspruch“ entsteht Paul zufolge durch die Tendenz, die psychologische Subjekt- bzw. Prädikatsebene mit der grammatischen zu identifizieren. Dass dies so ist, führt Paul auf sprachgeschichtliche Prozesse zurück. Im Zusammenhang mit der Spezialisierung von Ausdrücken für bestimmte syntaktische Funktionen, etwa der Kopula als „Bindeglied“ (ebd., 293) zwischen psychologischem Subjekt und Prädikat, kommt es dann zu einer Verfestigung der Konstruktion: „Indem gewisse Wörter regelmässig so verwendet werden, wird die psychologische Kategorie zu einer grammatischen“ (293f.). Soll nun aber das grammatische Subjekt als das in kommunikativer Hinsicht „bedeutsamere“ Element der Äußerung herausgestellt werden, so müssen Sprecher zu Ausweichkonstruktionen greifen. Durch die Spaltsatz-Konstruktion in (7) wird das grammatische Subjekt dann gewissermaßen als psychologisches Prädikat ausgewiesen.5

2.2 Die Prager Schule und der Begriff der Funktionalen Satzperspektive

Die Analyse von Sätzen unter informationsstrukturellen Gesichtspunkten hat in den Ansätzen der sogenannten Prager Schule ihre Fortführung gefunden. Aber im Gegensatz zu Paul und v.d. Gabelentz, deren Terminologie, wie wir gesehen haben, wesentlich auf einem psychologisch geprägten Satzverständnis fußt, entwickelt die Prager Schule eine an sprachlichen Strukturen orientierte Perspektive. Dies zeigt sich etwa daran, dass dort verstärkt die strukturellen Unterschiede zwischen den Sprachen in den Blick genommen werden. So entwickelt Vilém Mathesius, der als einer der Begründer des Prager Linguistenkreises gilt, seine Bestimmung informationsstruktureller Kategorien vor allem auf der Grundlage kontrastiver Untersuchungen. Mathesius’ Einsichten bilden die Basis für Konzepte, die bei seinen Nachfolgern unter dem Titel „Funktionale Satzperspektive“ bzw. „Thema-Rhema-Gliederung“ firmieren. Den Anlass seiner Überlegungen zur Informationsstruktur von Sätzen bilden für ihn die Unterschiede im Tschechischen, Deutschen und Englischen hinsichtlich der Möglichkeit freier Wortstellung. Während sich die Wortfolge des Tschechischen durch ihre „Plastizität“ (Mathesius, 1929a, 6) auszeichnet, weist das Englische eine feste Wortstellung auf, und diese strukturellen Unterschiede möchte er einer funktionalen Deutung unter kommunikativen Gesichtspunkten unterziehen. In seinem Aufsatz „Die Funktionale Linguistik“ aus dem Jahr 1929 führt Mathesius hierfür den Begriff der aktuellen Satzgliederung ein:1 „Der eigentliche Wortfolgefaktor im Tschechischen ist das Moment der aktuellen Satzgliederung“ (1929a, 6). Und mit explizitem Bezug auf die Terminologie von Paul und v.d. Gabelentz bestimmt er diese hinsichtlich informationsstruktureller Kategorien:

Jede zweigliedrige Mitteilung zerfällt in zwei Teile. Der erste von ihnen ist der Teil, der etwas verhältnismäßig Neues ausdrückt und in dem das konzentriert ist, was man in dem Satz behauptet. Dieser Teil des Satzes wird manchmal auch als psychologisches Prädikat bezeichnet, wir aber bezeichnen ihn lieber als Mitteilungskern, um ihn von dem grammatischen Prädikat deutlicher zu unterscheiden, mit dem er nicht immer zusammenfällt. Der zweite Teil des Satzes enthält die Basis der Mitteilung oder Thema, nach der älteren Terminologie das psychologische Subjekt, d.h. die verhältnismäßig bekannten oder auf der Hand liegenden Dinge, von denen der Sprecher ausgeht. (1929a, 6f.)2

Der „Mitteilungskern“, der hier auf etwas irreführende Weise als „erster“ Teil eingeführt wird, nimmt allerdings nicht die erste Position ein. Im Normalfall, so Mathesius, gehe das Thema dem Mitteilungskern voraus; dies ist die sogenannte „objektive Abfolge“. Bei einer „erregten Behauptung“ kann jedoch auch der umgekehrte Fall vorliegen, in diesem Fall spricht er von einer „subjektiven Abfolge“ (ebd., 7).

Für das Tschechische ist es nach Mathesius charakteristisch, dass grammatische Kategorien dort in weitaus geringerem Maße als etwa im Englischen mit informationsstrukturellen Kategorien wie Thema bzw. Mitteilungskern zusammenfallen. Das heißt, wenn andere grammatische Kategorien als das Subjekt das Thema des Satzes bilden, dann nehmen diese an seiner Stelle die erste Position im Satz ein. Die Wortfolge des Tschechischen ist somit nicht im strikten Sinne „frei“, sondern lässt sich auf der Basis der „aktuellen Satzgliederung“ funktional deuten. Die Erklärung für den Verlauf vom Bekannten zum Neuen findet sich nach Mathesius in der Hörerorientierung der Äußerungshandlung. In der posthum erschienenen Monographie „A functional analysis of present day English on a general linguistic basis“ (1975) führt er hierzu aus:

When we realize the relation between the speaker and the hearer we find that the order theme – rheme takes into account the hearer. The speaker starts from what is known and proceeds to what is new. […] Above all, the arrangement to be avoided is the choice of a theme that has not yet been stated in the preceding sentence, and secondly, the rhematic elements should not be introduced too early since they might be misinterpreted by the hearer (or reader), who expects that rhematic elements will constitute the culmination of the sentence. (82f.)3

Abgesehen von der Ersetzung der alten, psychologischen Terminologie scheinen Mathesius’ Ausführungen in den hier zitierten Passagen noch auf der Linie von Hermann Paul zu bleiben und nicht über dessen Ansätze hinauszugehen. Sein Aufsatz „Zur Satzperspektive im modernen Englisch“ (Mathesius, 1929b) zeigt jedoch deutlich die funktionale Perspektive seines Ansatzes. Dort analysiert er die Funktion des grammatischen Subjekts im Englischen und weist auf Unterschiede im Vergleich zu anderen Sprachen hin. Mathesius geht von der Annahme aus, dass es zwei Hauptfunktionen des grammatischen Subjekts gibt, die von Sprache zu Sprache unterschiedlich ausgeprägt sein können. Das Subjekt könne zum einen „den Urheber der durch das Prädikatsverbum ausgedrückten Handlung“ bezeichnen und zum anderen „das Thema der durch das Prädikat ausgedrückten Aussage“ (1929b, 202). Für das Englische gelte nun, dass dort im Vergleich zum Deutschen oder Tschechischen „die thematische Funktion des grammatischen Subjekts besonders stark hervortritt“ (ebd.). Im Englischen mache sich „die Tendenz klar fühlbar, das Thema der Satzaussage womöglich zum grammatischen Subjekt des Satzes zu machen“ (ebd.) Mathesius führt weiter aus:

Wenn sich zwei Vorstellungen als durch die Situation gegeben darbieten, wird diejenige von ihnen zum grammatischen Subjekt gemacht, die mehr Aktualität besitzt oder als etwas Bestimmteres erscheint. Diese Eigenschaften treffen besonders häufig bei einem persönlichen Subjekte zu. (ebd.)

Mathesius’ Bestimmung des Themas als den bekannten Teil der Mitteilung findet sich hier – wenn auch mit anderer Akzentuierung – wieder. Das „persönliche Subjekt“ – er meint damit das als Subjekt realisierte Personalpronomen der ersten Person – ist aus der Sicht des Hörers das Element mit besonders hoher Referenten-Zugänglichkeit. Darum besitzt es „mehr Aktualität“ oder erscheint es „als etwas Bestimmteres“ – Eigenschaften, die es zu einen besonders geeigneten Kandidaten für die Realisierung des Satzthemas machen. Den ‚thematischen‘ Charakter des pronominalen Subjekts macht Mathesius nun für bestimmte strukturelle Besonderheiten des englischen Satzbaus verantwortlich.

Dass die ‚thematische‘ Funktion des Subjekts im Englischen so deutlich ausgeprägt ist, zeigt sich für Mathesius in Konstruktionen, in denen das Personalpronomen der ersten Person der Träger eines im Prädikat ausgedrückten psychischen oder physischen Zustands ist (vgl. ebd., 206):


(8) I am warm enough. Es ist mir warm genug.
I am extremely sorry. Es tut mir leid.

Ein Vergleich der englischen Konstruktionen mit ihren deutschen Entsprechungen, in denen das Personalpronomen nicht die Subjektstelle besetzt, sondern als Dativ erscheint, ist für Mathesius ein Hinweis darauf, dass in der englischen Konstruktion nicht Agentivität, sondern Thematizität der ausschlaggebenden Faktor für die Besetzung der Subjektstelle ist.4

Die strukturellen Besonderheiten einiger englischer Passivkonstruktionen sind für Mathesius ein weiterer Beleg für seine These von der thematischen Funktion des Subjekts im Englischen (vgl. 1929b, 203):


(9) I was told […]. Es wurde mir gesagt, […].
I have been given the advice […]. Es ist mir der Rat gegeben worden, […].

Während im Deutschen die Intransitivität von sagen und die Nicht-Akkusativität des Ziel-Arguments von geben die Realisierung des Personalpronomens als Subjekt unterbindet, erlaubt das Englische die Subjektrealisierung. Dass im Englischen persönliche Passivkonstruktionen möglich sind, in denen das Subjekt nur indirekt von einer Handlung betroffen ist, öffnet den Raum für bestimmte, für das Englische typische Passivkonstruktionen. Bei dem von Mathesius so genannten Possessivpassiv handelt es sich um eine Konstruktion mit to have, auf dessen Objekt ein Partizip im Präsens oder Perfekt bezogen ist (vgl. 1929b, 203):


(10) Everywhere he had crowds hanging on his lips.
(11) Even great lords and ladies have their mouth sometimes stopped.

In (10) bezeichnet das Akkusativobjekt (crowds) den eigentlichen Handlungsträger, der auf das nominale Element im Adverbialkomplement (on his lips) einwirkt, und das Subjekt ist lediglich indirekt, als ‚Possessor‘ der in der Adverbialergänzung genannten Sache, von der Handlung betroffen. In (11) ist das Akkusativobjekt von der im Partizip Perfekt genannten Verbalhandlung affiziert und auch dort kann das Subjekt nicht als direktes Patiens der Handlung gelten, sondern lässt sich – vermittelt über to have – durch ein Possessiv-Verhältnis zum Akkusativobjekt charakterisieren.

2.3 Firbas’ Begriff des Kommunikativen Dynamismus

Trotz seiner Ausrichtung auf die strukturellen Eigenschaften von Einzelsprachen speist sich Mathesius’ Konzept – ebenso wie Pauls und v.d. Gabelentz’ psychologisches Subjekt und Prädikat – aus zwei Quellen. Mit seiner Gliederung des Satzes in Thema oder Basis auf der einen Seite und Mitteilungskern auf der anderen Seite zielt er auf die Unterscheidung von Satzgegenstand und Satzaussage ab. Mit seiner Bestimmung des Satzthemas als das Bekanntere oder „Bestimmtere“ situiert er den Satz in den Äußerungskontext und nimmt die Beziehung zwischen Sprecher und Hörer in den Blick. Die Spannung zwischen diesen zwei Perspektiven prägt die an Mathesius anschließende Diskussion im Grunde noch bis heute. Dies zeigt sich besonders an dem Bemühen um eine genauere Explikation der Thema-Rhema-Dichotomie: Aufgrund welcher Kriterien können Satzelemente der einen oder der anderen Seite zugeschlagen werden? Damit zusammen hängt schließlich auch die Frage, ob die Dichotomie als ein Phänomen der Oberflächenstruktur von Sätzen anzusehen ist, das in der Abfolge der Satzglieder oder in bestimmten Intonationsmustern zu Tage tritt oder als ‚interpretative‘ Kategorie aufgefasst werden muss.

Der letzteren Position kann J. Firbas zugeordnet werden, der in einer Vielzahl von Publikationen (ausführlich in Firbas 1992, als kurze Überblicksdarstellung siehe auch Firbas 1999) seine Theorie des kommunikativen Dynamismus (CD) in detaillierter Form entwickelt hat. Firbas’ Ansatz zeichnet sich dadurch aus, dass er die Thema-Rhema-Dichotomie zugunsten eines graduellen Konzepts aufbricht, in dem neben thematischen und rhematischen auch transitorische Bereiche im Satz angenommen werden. Der jeweilige Grad der Thematizität bzw. Rhematizität von Satzelementen1 ergibt sich nach Firbas aus ihrem Beitrag zum Fortgang des Kommunikationsprozesses:

By the degree of CD [communicative dynamism] carried by a sentence element we understand the extent to which the sentence element contributes to the development of the communication, to which it ‘pushes the communication forward’, as it were. (Firbas 1966, 270)

Firbas’ Konzept ist interpretativ insofern, als den Satzelementen unabhängig von ihrer Position, allein auf der Basis ihres Beitrags zum Fortgang der Kommunikation, ein bestimmter CD-Grad zukommt. Die Verteilung der CD-Grade auf die sie tragenden Elemente im Satz (distributional field of CD) ist nach Firbas nämlich abhängig von verschiedenen miteinander in Wechselwirkung stehenden Faktoren (vgl. Firbas 1992, 10f.).2 Firbas führt weiter aus:

It is obvious that elements conveying new, unknown information show higher degrees of CD than elements conveying known information. But even within a sentence section made up entirely of elements conveying new information, the degrees of CD are not the same (homogeneous). (ebd.)

Der letzte Punkt ist von besonderer Bedeutung. Firbas bestimmt Thematizität nicht absolut über Kriterien der Bekanntheit oder den Status bestimmter Elemente als Satzgegenstand, sondern relativ zum CD-Grad der anderen Satzelemente: „[…] the information conveyed by the theme will always carry the lowest degree(s) of communicative dynamism (CD) within the sentence“ (Firbas 1987, 138). Niedrige Grade kommunikativer Dynamik verknüpft Firbas nur indirekt mit dem Kriterium der Bekanntheit. Geringer kommunikativer Dynamismus von Satzelementen lässt sich nach Firbas nämlich nicht in allen Fällen auf die Bekanntheit oder diskursive Zugänglichkeit (in Firbas’ Terminologie: context dependence; vgl. Firbas 1987, 145f.) der von ihnen repräsentierten Diskursgegenstände zurückführen. Auch neu eingeführte, „kontextunabhängige“ (vgl. ebd.) Satzelemente können – aufgrund ihres im Verhältnis zu anderen Elementen im Satz niedrigeren CD-Grades – dem thematischen Bereich zugeordnet sein. So weisen etwa kontextunabhängige Orts- oder Zeitadverbiale einen geringen CD-Grad auf, wenn sie innerhalb des Satzes als „Setting“ oder Ausgangspunkt fungieren.3 Eine solche „foundation-laying function“ (vgl. Firbas 1992, 69) kommt adverbialen Bestimmungen häufig, aber nicht immer, zu.

„Foundation-laying elements“ bilden den Ausgangspunkt der Kommunikation, wohingegen „core-constituting elements“ (ebd.) diejenigen Elemente sind, auf die hin die Kommunikation orientiert ist und die sie ‚abschließen‘: „The element towards which a sentence […] is oriented conveys the information that completes the development of the communication taking place within the sentence […]“ (Firbas 1992, 6).

Indem „core-constituting elements“ die Kommunikation abschließen, konstituieren sie die Orientierungsrichtung und Perspektive des Satzes:

[…] the point of orientation is the element that contributes most to the development of the communication and in this way consummates or completes it. […] Used in this sense the words orient and orientation […] explicate the meaning in which perspective is employed in my writings. (ebd.)

Der Begriff der Perspektive ist in Firbas’ Ansatz von zentraler Bedeutung, denn über diesen Terminus expliziert er sein Konzept des kommunikativen Dynamismus. In einem Überblicksaufsatz (Firbas 1999) erläutert er seinen Begriff der Perspektive anhand des folgenden Beispielsatzes:


(12) John has come to the dining room.

Für diesen Satz konstruiert Firbas zwei Verwendungskontexte: (a) Setzt man John als das unmittelbar zugängliche (und damit kontextabhängige) Satzelement voraus, ist die Perspektive auf die adverbiale Bestimmung (to the dining room) ausgerichtet. (b) Setzt man die adverbiale Bestimmung als kontextabhängig voraus, ist der Satz auf John hin perspektiviert. Der Unterschied der zwei Perspektivierungen erschöpft sich jedoch noch nicht in der vorausgesetzten Zugänglichkeit bzw. Nichtzugänglichkeit der jeweiligen Elemente. Die Varianten unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer „dynamic semantic functions“ (1999, 5): In (a) ist die Kommunikation orientiert auf die Zuschreibung von Eigenschaften: Über einen Diskursgegenstand (John) wird etwas ausgesagt, nämlich dass er den in der adverbialen Bestimmung angegebenen Ort betreten hat. In (b) ist die Kommunikation orientiert auf die Präsentation eines Diskursgegenstands (John) innerhalb eines bestimmten Settings (the dining room). Entsprechend der jeweils eingenommenen Perspektive ordnet Firbas den Satzelementen bestimmte „dynamic semantic functions“ (DSFs) zu (vgl. Firbas 1999, 6):


(12a) Perspektive: Spezifizierung eines Diskursgegenstands
John has come to the dining room
Bearer of quality (B) quality (Q) specification (Sp)
(12b) Perspektive: Präsentation eines Diskursgegenstands in einem Setting
John has come to the dining room
phenomenon to be presented (Ph) presentation (Pr) setting (Set)

Das kommunikative Ziel, oder auch: der kommunikative Zweck (communicative purpose) ergibt sich so aus der jeweils eingenommenen Perspektive:4 In (12a) ist es die Spezifizierung einer Qualität, die einem bearer of quality zukommt. In (12b) ist es ein Phänomen, das in einem setting präsentiert wird.5

Auf der Basis der kommunizierten Perspektive bestimmt Firbas den thematischen und den nicht-thematischen Bereich der zwei Varianten:6


(12a) Thema: John (B), Nicht-Thema: has come (Q) to the dining room (Sp)
(12b) Nicht-Thema: John (Ph) has come (Pr), Thema: to the dining room (Set)

Den höchsten CD-Grad weisen somit diejenigen Elemente auf, auf die hin die Varianten jeweils perspektiviert sind. In (12a) ist es die adverbiale Bestimmung, in (12b) ist es das Subjekt, wobei sich in der jeweiligen „dynamic semantic function“ auch die spezifische rhematische Funktion zeigt. Und auch für die Elemente mit dem niedrigsten CD-Grad lassen sich spezifische thematische Funktionen angeben: In (12a) fungiert das Subjekt als bearer of quality, in (12b) bildet die adverbiale Bestimmung das setting.7

Das verbale Element steht hinsichtlich seines CD-Grades zwischen dem thematischen und dem rhematischen Pol. Sein CD-Grad ist zwar höher anzusetzen als die thematischen Elemente, jedoch schließt es den Satz nicht ab. Dies bleibt den rhematischen Elementen vorbehalten, d.h. den Elementen, auf die hin der Satz perspektiviert ist: „The element towards which a sentence […] is oriented conveys the information that completes the development of the communication taking place within the sentence“ (s.o.). Da das Verb zwischen Ausgangspunkt und Abschluss des im Satz kommunizierten Gehalts angesiedelt ist, lässt es sich als transitorisches Element begreifen. Innerhalb der Dynamik der Kommunikationsprozesses hat es entweder die Quality-Funktion oder die Presentation-Funktion und perspektiviert entsprechend seiner jeweils unterstellten Rolle den Satz entweder in Richtung auf die zusätzliche Spezifikation durch die adverbiale Bestimmung oder in Richtung auf das präsentierte Subjekt:

Either the subject or the adverbial completes the development of the communication, conveying an essential amplification of the information conveyed by the notional component of the verb and acting as its successful competitor. (Firbas 1999, 7)

Insofern das Verb über einen „successful competitor“ verfügt – was nicht notwendig der Fall sein muss – ist es als transitorisches Element aufzufassen. „Successful competitors“ können, je nach eingenommener Perspektive, kontextunabhängige direkte oder indirekte Objekte sein, sowie – wie in dem oben diskutierten Beispiel – Subjekte als Ph-Elemente oder adverbiale Bestimmungen in Sp-Funktion.8

Auf der Basis des bis hierhin Gesagten lässt sich nun festhalten, welche „dynamic semantic functions“ dem thematischen und dem nicht-thematischen Bereich zugeordnet sein können:

Ein Thema wird konstituiert durch:

 ein kontextabhängiges oder kontextunabhängiges setting

 einen kontextabhängigen oder kontextunabhängigen bearer of quality

Ein Nicht-Thema wird konstituiert durch:

 einen conveyer of the phenomenon to be presented

 einen conveyer of quality

 einen conveyer of presentation

 conveyer(s) of specification

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Settings und Bearers of quality sind immer thematisch.9 Alle anderen DSFs stehen im nicht-thematischen Bereich. Hinsichtlich der ‚kontextabhängig/kontextunabhängig‘-Dichotomie gilt: Sowohl kontextabhängige als auch kontextunabhängige Elemente können thematisch sein. Nicht-thematische Elemente sind immer kontextunabhängig.

Welchen Zusammenhang sieht Firbas zwischen dem Arrangement der Satz-Elemente und ihrem jeweiligen CD-Grad? Es wurde schon erwähnt, Firbas unterscheidet zwischen „interpretative arrangement“ und „linear arrangement“. Ersteres bezieht sich auf die Anordnung der Elemente im Satz „in accordance with a gradual rise in CD“ (1992, 12); letzteres bezieht sich auf das ‚tatsächlich‘ realisierte Arrangement der Oberflächenstruktur. Zwar räumt er ein, dass der kommunikative Dynamismus einen gewissen Einfluss auf die Position der Elemente im Satz ausübt: „Sentence linearity is not inactive. It is endowed with modificatory power“ (1999, 2). Und mit Berufung auf D.L. Bolingers Diktum „gradation of position creates gradation of meaning“ (Bolinger 1952, 1125) geht er von einer Art Basisverteilung mit dem höchsten CD-Wert am Ende des Satzes aus.10 Jedoch merkt er einschränkend an: „[…] but it cannot be claimed that the actual linear arrangement of sentence elements is always in perfect agreement with a gradual rise in CD“ (1992, 8). Da ein solches Arrangement nur einen ‚Idealfall‘ darstellt und die Oberflächenstruktur eines Satzes als Resultat eines komplexen „interplay of factors“ angesehen werden muss, bleibt die Funktionale Satzperspektive für Firbas letztlich eine interpretative Kategorie. So ist die Satzperspektive zwar auf die in kommunikativer Hinsicht dynamischsten Elemente hin orientiert, aber in deren Positionierung im Satz schlägt sich dies nicht notwendig nieder.

Die Verteilung der CD-Grade im Satz wird durch drei Faktoren beeinflusst: Kontext, Semantik und „linear modification“ (1987, 138),11 und diese Faktoren stehen nicht nur in einem Wechselverhältnis („interplay“), sondern auch in einem Hierarchieverhältnis zueinander. Der Kontextfaktor ist den zwei anderen Faktoren übergeordnet und operiert durch das Kriterium der „retrievability or irretrievability of information from the immediately relevant context.“ (Firbas 1999, 3). Das heißt, unabhängig von der Position im Satz nimmt jedes Element, sofern es im unmittelbar relevanten Kontext zugänglich ist, den Status des niedrigsten CD-Grades an.12 Die zweite Stelle in der Hierarchie nimmt der semantische Faktor ein. In semantischer Hinsicht entscheidend für die Verteilung der CD-Grade im Satz ist laut Firbas die „dynamic semantic function“ des Verbs (Q-Funktion oder Pr-Funktion) sowie die Rolle seiner „successfull competitiors“ (Sp-Funktion oder Ph-Funktion).13 Insgesamt bedeutet dies also, dass das lineare Arrangement der CD-Grade im Satz immer durch die Faktoren Semantik und Kontext ‚überschrieben‘ werden können.

Wie der semantische Faktor den der Linearität dominieren kann, zeigt der schon oben diskutierte Beispielsatz aus Firbas (1999, 6), der hier noch einmal in (13) wiedergegeben ist:


(13a) John (B) has come (Q) to the dining room (Sp).
(13b) John (Ph) has come (Pr) to the dining room (Set).

Wie schon erwähnt lassen sich für einen solchen Satz zwei Lesarten konstruieren. In seiner Variante (a) fungiert die adverbiale Bestimmung als spezifizierendes Element, auf die hin der Satz perspektiviert ist und die kommunikative Dynamik spiegelt sich im Arrangement der Satzglieder als ein „gradual rise in CD“ wider: Das in kommunikativer Hinsicht dynamischste Element steht am Ende des Satzes. In Variante (b), mit der Perspektive auf die erste Konstituente, ist das „distributional field of CD“ genau gegenläufig. Die Perspektive des Satzes zeigt sich, wie schon erwähnt wurde, nicht nur an der vorausgesetzten Kontextunabhängigkeit des Subjekts, sondern auch an den spezifischen „dynamic semantic functions“ seiner Elemente. Das Subjekt ist nicht ‚Bearer‘, sondern ‚Phenomenon‘ und dem Verb ist die ‚Presentation‘-Funktion zugewiesen. Insofern also der Wechsel zur ‚Presentation‘-Funktion die Perspektive auf das Subjekt lenkt, dominiert die Semantik über die Linerarität. Die ‚Presentation‘-Interpretation bestimmt die Zuordnung der CD-Grade und damit die eingenommene Perspektive.14

Die Frage ist jedoch, inwieweit sich die zwei konzeptuellen Orientierungen seines Ansatzes – die Herleitung der kommunikativen Perspektive eines Satzes zum einen aus seinen dynamisch-semantischen Funktionen und zum anderen aus der Kontextabhängigkeit bzw. Kontextunabhängigkeit seiner Elemente – widerspruchsfrei aufeinander beziehen lassen. Dass Firbas dem Kontextfaktor einen entscheidenden Einfluss auf die Perspektivierung eines Satzes beimisst, wurde schon herausgestellt. Jedes im unmittelbar relevanten Kontext zugängliche Element hat, unabhängig von seiner Position im Satz, einen niedrigen CD-Grad und gehört zum thematischen Bereich. Zu den in diesem Sinne kontextabhängigen Elementen will Firbas auch pronominale Elemente in Objektposition zählen, sofern sie nicht in kontrastierender Weise gebraucht werden. So beeinflusst etwa ein im unmittelbar relevanten Kontext zugängliches pronominales Objekt die im Satz ausgedrückte Perspektive dahingehend, dass es aufgrund seines niedrigen CD-Grades nicht als „successful competitor“ des Verbs in Frage kommt. In dem schon angesprochenen Beispielsatz aus Firbas (1999, 3) soll dies der Fall sein:


(14) Ich begegnete ihm.

Der Satz ist darum nicht in Richtung auf das pronominale Dativobjekt perspektiviert, sondern auf das Verb, das als einziges kontextunabhängiges Element die Kommunikation abschließt. Welche DSF soll dem pronominalen Objekt nun zugeordnet werden? Wie schon erwähnt listet Firbas für kontextabhängige Elemente folgende DSFs auf: „B-elements and Set-elements and context-dependent elements that have acquired the Set-status through context dependence“ (1992, 71). Somit ist das pronominale Objekt nach Firbas als Setting aufzufassen und bildet zusammen mit dem ebenfalls kontextabhängigen pronominalen Subjekt als ‚bearer of quality‘ die Basis (foundation-laying function), während das Verb als ‚conveyer of quality‘ die Kommunikation abschließt.

Subjekt und Objekt zusammen als „foundation-laying elements“ aufzufassen, erscheint zumindest kontraintuitiv. Dieser kontraintuitive Eindruck lässt sich m.E. darauf zurückführen, dass Firbas’ DSF-Kategorien allesamt in Relation zum Satz stehen,15 während seine Kategorie der Kontextabhängigkeit, die er ja hinsichtlich der Zugänglichkeit im unmittelbar relevanten Kontext bestimmt, eine referentielle Perspektive impliziert. Ob etwa ein Subjekt – so wie in John has come to the dining room – als B-Element oder als Ph-Element aufzufassen ist, ergibt sich eindeutig nur aus den Rollen der anderen Mitspieler, nicht aber aus dem Kriterium der Kontextabhängigkeit bzw. Kontextunabhängigkeit. Wie wir wissen, korreliert Firbas den CD-Grad eines Satzelements nur indirekt mit dem Kriterium der Zugänglichkeit: „[…] even within a sentence section made up entirely of elements conveying new information, the degrees of CD are not the same […]“ (Firbas 1966, 270). Ob also ein Subjekt als B-Element (niedriger CD-Grad) oder Ph-Element (hoher CD-Grad) aufzufassen ist, ist vom Kriterium der Zugänglichkeit unabhängig. Ebenso können adverbiale Bestimmungen unabhängig von ihrer Zugänglichkeit als Setting (niedriger CD-Grad) oder als Specification (hoher CD-Grad) fungieren.

Bestimmt man nun den CD-Grad von Satzelementen auf der Basis der Rolle der DSFs als kommunikationseröffnend oder kommunikationsabschließend unabhängig vom Kriterium der Zugänglichkeit, so sind kommunikationseröffnende Subjekte in Bearer-Funktion und adverbiale Set-Elemente in dieser Hinsicht unproblematisch. Sie können sowohl kontextabhängig als auch kontextunabhängig sein. Sp-Elemente, Ph-Elemente sowie die verbalen Q- und Pr-Elemente sind aufgrund ihrer generellen Kontextunabhängigkeit ebenfalls unproblematisch. Lediglich die kontextabhängigen Satzelemente in Objektposition entziehen sich der relationalen Perspektive. Bei ihnen leitet sich die DSF nicht aus dem Bezug zu den DSFs der anderen Mitspieler im Satz ab, sondern allein aus ihrer Zugänglichkeit im unmittelbar relevanten Kontext. Die Folge ist, dass die Bestimmung ihrer DSF eher stipulativen Charakter hat. Derartige Fälle seien, so heißt es in Firbas (1992), „context-dependent elements that have acquired the Set-status through context dependence“ (s.o.).

Firbas’ Begriff des kommunikativen Dynamismus weist somit zwei Dimensionen auf, die er in einem integralen Konzept vereinen möchte: Zum einen die referentielle Dimension, innerhalb der das Kriterium der Zugänglichkeit im unmittelbar relevanten Kontext maßgeblich ist. Hieraus ergibt sich die Bestimmung der Satzelemente als kontextabhängig oder kontextunabhängig, wobei gilt, dass nur kontextunabhängige Elemente die Kommunikation im Firbas’schen Sinne abschließen können. Zum anderen die relationale Dimension, innerhalb der die kommunikative Perspektive des Satzes aus den dynamisch-semantischen Funktionen seiner Elemente abgeleitet wird. In relationaler Hinsicht ergibt sich aus den dynamisch-semantischen Rollen der Satzelemente der spezifische Charakter der jeweiligen Satzperspektive: entweder im Sinne der Spezifizierung einer bestimmten Qualität oder im Sinne der Präsentation eines Gegenstands in einem Setting. Im CD-Grad möchte Firbas beide Dimensionen zu einem integralen Wert zusammenfassen: In ihm drückt sich dann der Beitrag eines Satzelements zum Fortgang des Kommunikationsprozesses aus. Beide Dimensionen lassen sich aber offensichtlich nicht bruchlos aufeinander beziehen, was nicht ohne Folgen für die Bestimmung des Thema-Begriffs bleibt: Thematizität wird damit zum Teil referentiell, zum Teil relational expliziert.

Auch was den so oft herausgestellten graduellen Charakter des kommunikativen Dynamismus betrifft, so muss dieser m.E. relativiert werden. Firbas löst sich in seinem Ansatz durchaus nicht von dichotomischen Konzepten. Dichotomien bilden die Grundlage sowohl für die referentielle als auch für die relationale Dimension. In referentieller Hinsicht ist die Unterscheidung von kontextabhängigen und kontextunabhängigen Elementen grundlegend, in relationaler Hinsicht die Unterteilung des Satzes in „foundation-laying“ und „core-constituting elements“.

Ein Ausweg aus der offensichtlich inkonsistenten Zusammenführung der relationalen und referentiellen Dimension bestünde möglicherweise darin, beide Ebenen kategorial voneinander zu trennen. Einen solchen Weg beschreitet Halliday, der zwischen Thematizität und Givenness unterscheidet.

2.4 Halliday: Theme vs. Given

Wie wir gesehen haben, umfasst die Thema/Rhema-Dichotomie, so wie sie im Rahmen der Prager Schule zunächst von Mathesius ausformuliert wurde, zwei Aspekte der Informationsstrukturierung: einerseits die Unterscheidung von bekannter und neuer Information (given-new), andererseits die Gegenüberstellung von Satzgegenstand und Satzaussage. Auch Firbas versucht, wie gezeigt wurde, zwei Aspekte in ein einheitliches Konzept zu integrieren. Die mit der given-new-Dichotomie verwandte Unterscheidung kontextabhängiger und kontextunabhängiger Satzelemente und die eher auf den Mitteilungsaspekt abzielende, aber durchaus mit der Unterscheidung von Satzgegenstand und Satzaussage verwandte Aufteilung des Satzes in „foundation-laying“ und „core-constituting elements“ vereint Firbas in seinem Konzept des kommunikativen Dynamismus. M.A.K. Halliday, der im Rahmen seines funktionalen Grammatikkonzepts ebenfalls mit Kategorien der Informationsstruktur operiert, schlägt einen anderen Weg ein (vgl. Halliday 1967, 1970, 1985). Halliday unterscheidet begrifflich zwischen ‚Thema vs. Rhema‘ und ‚given vs. new‘. Obwohl er beide Dichotomien der „textuellen“ Funktion ‚Theme‘ zuordnet,1 plädiert er für eine kategoriale Trennung. Beides falle zwar häufig, jedoch nicht notwendig zusammen (vgl. Halliday 1970, 162).

Die Thema/Rhema-Dichotomie bestimmt Halliday im Sinne der Unterscheidung von Satzgegenstand und Satzaussage. Ein Satz in seiner Funktion als Mitteilung („message“) lässt sich zerlegen in den satzinitialen thematischen Bereich und den daran anschließenden rhematischen Bereich, wobei das Thema als „point of departure“ (1985, 38) fungiert: „[…] the Theme is the starting-point of the message; it is what the clause is going to be about“ (ebd., 39).2 Thematisch in diesem Sinne können nach Halliday neben einfachen und komplexen Nominalphrasen in Subjektposition und satzinitialen adverbialen Ergänzungen auch die Vorfeld-Elemente von Cleft-Sätzen sein. Vgl. Halliday (1970, 161) und (1985, 60):


Theme Rheme
I don’t know.
People who live in glasshouses shouldn’t throw stones.
Yesterday we discussed the financial arrangements.
It was his teacher who persuaded him to continue.

Die Thema/Rhema-Struktur grenzt Halliday ab von der Ebene der ‚Informationsstruktur‘, die er funktional der given/new-Dichotomie zuordnet. Dabei nimmt er die Unterscheidung von ‚aboutness‘ und ‚givenness‘ nicht nur in funktionaler Hinsicht vor, sondern auch hinsichtlich der Mittel ihrer sprachlichen Signalisierung (vgl. 1970, 160f.): Die Thema/Rhema-Struktur wird über die Wortstellung realisiert, wobei Halliday für das Englische die strikte Regel formuliert, dass das Thema die satzinitiale Position einnimmt (siehe die o.a. Beispiele), wohingegen die Informationsstruktur durch Intonation ausgedrückt wird, indem ‚neue‘ Elemente durch Akzentuierung markiert werden.

Eine Konsequenz dieser strikten Bestimmung ist, dass Halliday auch die satzinitialen Elemente in Frage- und Imperativsätzen als thematisch bestimmen muss. So versucht Halliday die Thematizität des Fragepronomens oder des finiten Verbs als Erstelemente im Fragemodus mit Bezug auf seine Themabestimmung als das, „what the sentence is about“ zu rechtfertigen: „The natural theme of a question […] is ‘what I want to know’“ (1985, 47).3

Um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, Thematizität allein an topologischen Kriterien festzumachen, unterscheidet Halliday zwischen Realisierung und Funktion: „First position in the clause is not what defines the Theme; it is the means whereby the function of Theme is realized, in the grammar of English“ (1985, 39). Halliday betont zwar ausdrücklich, dass er die strikte Erstposition nur für das Englische behauptet, die satzinitiale Position des Themas hat für ihn letztlich aber doch universalen Charakter:

[…] if in any given language the message is organized in Theme-Rheme structure, and if this structure is expressed by the sequence in which the elements occur in the clause, then it seems natural that the position for the Theme should be at the beginning, rather than at the end or at some other specific point. (Halliday 1985, 39)

Die kategoriale Trennung von Thema/Rhema-Struktur und informationeller Struktur beruht jedoch nicht nur auf ihren unterschiedlichen Funktionen und den jeweils spezifischen Mitteln ihrer Signalisierung (Theme/Rheme: Wortstellung; Given/ New: Intonation), sondern auch auf dem Umstand, dass sich die Kategorien auf unterschiedliche Einheiten beziehen. Während Thema und Rhema (einfachen oder komplexen) Konstituenten des Satzes entsprechen, ordnet Halliday ‚given‘ und ‚new‘ sogenannten ‚Informationseinheiten‘ („information units“) zu:

The information unit consists of an obligatory ‘new’ element – there must be something new, otherwise there would be no information – and an optional ‘given’ element; the main stress (‘tonic nucleus’) marks the end of the ‘new’ element, and anything that is ‘given’ precedes it, unless with good reason. (Halliday 1970, 163)

Im ‚unmarkierten‘ Fall umfasst eine Informationseinheit einen ganzen Satz, wobei sich das den Hauptakzent („main stress“)4 tragende Element im rhematischen Bereich befindet und die Informationsstruktur – komplett oder zumindest partiell – mit der Thema/Rhema-Struktur zusammenfällt:5


(15) // John painted the shed //

Im ‚markierten‘ Fall, wie etwa im folgenden Beispiel (Halliday 1970, 163), ist die Entsprechung von Satz und Informationseinheit, der Gleichlauf von Informationsstruktur und Thema/Rhema-Struktur und auch die Abfolge ‚given > new‘ nicht gegeben:


(16) // this gazebo // can’t have been built by Wren //
theme rheme
new new given

Gemäß seiner Definition, nach der eine Informationseinheit aus (obligatorischen) neuen Elementen – mindestens einem – und (fakultativen) bekannten Elementen besteht, wobei die neuen Elemente intonatorisch von den bekannten abgehoben sind, muss Halliday für diesen Satz zwei „message blocks“6 annehmen, die sich jeweils über den NP- und den VP-Bereich erstrecken.

Das Auseinanderfallen von Informationsstruktur (d.h. ‚Given/New‘-Struktur) und Thema/Rhema-Struktur – neue Elemente befinden sich sowohl im thematischen als auch im rhematischen Bereich – ergibt sich aus dem spezifischen kommunikativen Kontext, in dem die Äußerung dieses Satzes eingebettet ist: „I am talking (theme), specifically, (new) about this gazebo: the fact is (rheme) that your suggestion (given) that Wren built it is actually quite impossible“ (Halliday 1970, 163). Die ‚Given/New‘-Struktur des Satzes ist also der Reflex auf die (vom Sprecher unterstellte) Überzeugung des Adressaten, dass es sich um ein von Christopher Wren entworfenes Pavillon handelt.7 Die Thema/Rhema-Struktur ist demgegenüber sprecherbezogen:

Given and new thus differ from theme and rheme, though both are textual functions, in that ‘given’ means ‘here is a point of contact with what you know’ (and thus is not tied to elements in clause structure), whereas ‘theme’ means ‘here is the heading to what I am saying’. (Halliday 1970, 163)8

Halliday bestimmt ‚new‘ allgemein im Sinne hörerseitig unzugänglicher Information – was von der der Frage der Zugänglichkeit oder Nicht-Zugänglichkeit eines Diskursreferenten unabhängig ist: „The function ‘new’ means ‘treated by the speaker as non-recoverable information’: information that the listener is not being expected to derive for himself from the text or situation“ (1970, 163).

Die intonatorische Herausstellung ‚neuer‘ Satzelemente nennt Halliday „information focus“. Der Informationsfokus indiziert intonatorisch einen bestimmten Bereich („domain“) innerhalb der Informationseinheit als neu und grenzt ihn von ‚given elements‘ ab: „What lies outside that domain can be said to have the function ‘given’“ (1967, 207). Was fokussiert wird, unterliegt dabei der Sprecherwahl und reflektiert die kommunikativ-situative Verankerung der Äußerung (vgl. 1967, 207f.):9


(17a) // John painted the shed yesterday //
(17b) // John painted the shed yesterday //
(17c) // John painted the shed yesterday //
(17d) // John painted the shed yesterday //

Für (17a) bis (17c) gibt Halliday auf der Basis des klassischen Fragetests spezifische Kontexte an, in denen die Sätze jeweils als Antworten fungieren können: (a) als Antwort auf die Frage, wer die Hütte gestrichen hat, (b) auf die Frage, was mit der Hütte gemacht wurde und (c), wann sie gestrichen wurde. Passen die Sätze mit ihrem jeweiligen Intonationsmuster nur zu spezifischen Fragekontexten, so wie in (a) bis (c), spricht Halliday von markiertem Fokus. Lässt sich ein Satz auf der Basis seines Intonationsmusters einem kommunikativ-situativen Kontext nicht eindeutig zuordnen, handelt es sich um einen unmarkierten Fokus. Ein solcher Fall liegt seiner Meinung nach in (d) vor. Was diesen Satz informationsstrukturell ‚unmarkiert‘ macht, ist der Umstand, dass der Informationsfokus dort hinsichtlich der Frage nach dem Umfang seiner Domäne ambig bleibt. Sie kann entweder innerhalb des rhematischen Bereichs bleiben (What did John do?) oder sich auf den gesamten Satz beziehen (What happened?): „An item with unmarked focus may thus be represented as being ambiguous, as having the structure either given – new or simply new“ (1967, 208).10 Den Unterschied zwischen markiertem und unmarkiertem Informationsfokus expliziert Halliday folgendermaßen:

A distinction may […] be made between unmarked focus, realized as the location of the tonic on the final accented lexical item, which assigns the function ‘new’ to the constituent in question but does not specify the status of the remainder, and marked focus, realized as any other location of the tonic, which assigns the function ‘new’ to the focal constituent and that of ‘given’ to the rest of the information unit. (Halliday 1967, 208)

Damit sind die möglichen kommunikativen Kontexte der sogenannten markierten Informationsfoki aber noch nicht erschöpft. In anderen Diskurszusammenhängen lassen sich die Informationsfoki in (17a)-(17c) auch im Sinne eines Korrekturfokus denken. Ihre ‚non-recoverability‘ besteht dann nicht darin, dass sie die von der jeweiligen Frage eingeforderte Information darstellen oder dass, wie im ‚unmarkierten‘ Fall des Gleichlaufs von thematischer und informationeller Struktur, bekannter Information neue Information hinzugefügt wird, die dann im weiteren Verlauf als gemeinsame Diskursbasis gelten kann. Sie besteht vielmehr darin, dass im Fall der Korrektur die Geltung bestimmter Sachverhalte als gemeinsamer Diskurshintergrund zurückgewiesen wird, wobei es die Funktion des Fokus ist, das entsprechende Element als Korrektur auszuweisen, wohingegen die nicht fokussierten Elemente nicht nur als bekannt gelten sondern auch als gemeinsame Diskursbasis akzeptiert sind:


(18) Diskursbasis: Mary and John resored the shed.
A: Mary painted the shed.
B: No, John painted the shed.

‚Neu‘ im Sinne von „non-recoverable“ ist das fokussierte Element hier also nicht im Hinblick auf die Erweiterung der gemeinsamen Diskursbasis durch neu hinzugefügte Information, sondern hinsichtlich seiner Ausweisung als nicht akzeptierte Diskursbasis.11

In Analogie zum unmarkiertem vs. markierten Fokus unterscheidet Halliday auch zwischen unmarkiertem und markiertem Thema. Der Standardfall eines unmarkierten Themas ist das Subjekt als Thema im Deklarativsatz (1985, 45). Ein markiertes Thema bestimmt Halliday folgendermaßen: „A Theme that is something other than the Subject, in a declarative clause, we shall refer to as a Marked Theme“ (ebd.). Hierzu zählen satzinitiale Adjektive (today, suddenly etc.) oder Präpositionalgruppen (at night, in the corner, without much hope u.ä.) in adverbialer Funktion, aber auch vorangestellte nicht-verbale Elemente des Prädikats (White as snow was its fleece.) sowie Konstruktionen mit vorangestelltem Objekt (This responsibility we accept wholly.), die Halliday als „most marked“ charakterisiert (ebd., 45). Markierte Themen haben, ähnlich wie beim markierten Fokus, die Funktion der Herausstellung und Kontrastierung: „Marked theme represents a foregrounding of the speaker’s point of departure […]“ (1967, 214).

Das „foregrounding“ des Themas, das sonst, d.h. im unmarkierten Fall den Hintergrund (background) bildet, findet seinen Niederschlag in einer spezifischen Informationsstruktur, und zwar insofern, als das markierte Thema für sich selbst eine durch Intonation indizierte „information unit“ bildet – im Gegensatz zu Sätzen mit unmarkiertem Thema wie etwa in (15), wo sich eine „information unit“ über den gesamten Satz erstreckt. Vgl. die Beispiele für „marked themes“ in Halliday (1967, 214):


(19) (a) // tomorrow // John’s taking me to the theatre //
(b) // that // I don’t know //

Die intonatorische Hervorhebung indiziert das satzinitiale Adverbial tomorrow und das vorangestellten Objekt that als ‚new‘ im Sinne von ‚non-recoverable‘. Was aber macht diese Elemente thematisch? Die Funktion des „foregrounding“ ist offenbar die ‚Thematisierung‘ sonst, d.h. im unmarkierten Fall, nicht-thematischer Elemente: Sie werden durch die satzinitiale Stellung zum „point of departure“ des Sprechers, zum „starting-point of the message“, zu dem „what the clause is going to be about“.

Hinsichtlich der Frage, was es im Rahmen der textuellen Funktion theme denn heißen soll, dass bestimmte Elemente des Satzes den „point of departure“ oder das „Worüber“ des Satzes bilden, finden sich bei Halliday allerdings nur allgemeine Aussagen mit zum Teil metaphorischem Charakter. Das Thema wird begriffen als „that which is the concern of the message“ (1985, 33), als „peg on which the message is hung“, es gilt als „body of the message“ (1970, 161). Diese Formulierungen erinnern an die klassische Unterscheidung zwischen Satzgegenstand und Satzaussage, auch an Firbas’ Unterscheidung zwischen „foundation-laying“ und „core-constituting elements“. Weitere Andeutungen finden sich in Hallidays Bemerkungen zur textuellen Funktion des Themas: „The choice of Theme, clause by clause, is what carries forward the development of the text as a whole.“ (1985, 315). Halliday hat damit wohl eine wiederaufnehmende Funktion des Themas im Sinn: „In narrative and expository texts it is quite likely for the same participant […] to remain as topical Theme for a certain stretch of discourse“ (ebd.).12 Die textuelle Funktion des (unmarkierten) Informationsfokus ist es demgegenüber, dem Text neue Information hinzuzufügen: „The choice of information focus, by contrast, expresses the main point of the information unit, what it is that the speaker is presenting as news“ (ebd.). Hier werden Thema und Fokus praktisch in traditioneller Weise als Komplementärkategorien verstanden, ohne die an anderen Stellen als so zentral herausgestellte Unterscheidung von ‚Thema vs. Rhema‘ und ‚given vs. new‘ zu berücksichtigen, die ja ein Zusammenfallen von Thema und Fokus ausdrücklich zulässt.

Die genaue Funktion des „foregrounding“ von im unmarkierten Fall nicht-thematischen Fokus-Elementen bleibt demgegenüber im Dunkeln. Was genau rechtfertigt es, die nach Halliday fokussierten Elemente in (19) als thematisch aufzufassen, wenn es sich aufgrund des Zusammenfalls von Thema und (markiertem?) Fokus nicht um den Standardfall thematischer Wiederaufnahme handeln kann? Ebenso unklar bleibt der Unterschied zwischen Fällen markierter Thematizität wie in (19) und Fällen fokussierter unmarkierter Thematizität wie etwa in (17a): John painted the shed. Hier liegt ebenso ein Zusammenfall von Thema und Fokus vor, sodass sich Thematizität auch hier nicht im Sinne thematischer Wiederaufnahme deuten lässt. Thematizität bleibt in Hallidays Ansatz somit eine außerordentlich blasse Kategorie.13 Bolkestein (1993, 344) zieht in ihrer kritischen Bewertung des Ansatzes von Halliday darum den Schluss, dass Hallidays ‚Theme‘ letztlich eine rein formale Kategorie bleibt: Alleiniges Kriterium für die Thematizität einer Konstituente ist ihre Erstposition im Satz.

2.5 Molnár: Topik – Thema – Hintergrund

Auch Molnár (1993) plädiert für eine kategoriale Aufspaltung der klassischen Dichotomie. Sie geht über Hallidays Zwei-Ebenen-Modell (Theme/Rheme vs. Given/New) hinaus und schlägt ein Drei-Ebenen-Modell vor, mit eigenen kategorialen Bestimmungen und terminologischen Festlegungen. Zunächst zu ihrer Terminologie: Anders als Halliday nennt sie die ‚Worüber‘-Kategorie nicht Thema, sondern Topik. Auch bei Molnár ist ‚Fokus‘ kein Komplementärbegriff zur ‚Worüber‘-Kategorie, steht jedoch auch nicht der Givenness gegenüber, sondern bildet die Komplementärkategorie zum sogenannten Hintergrund. Hierdurch ergeben sich in Molnárs Modell drei Dichotomie-Ebenen – Topik/Kommentar, Thema/Rhema und Hintergrund/Fokus – für deren Unterscheidung funktionale und ausdrucksseitige Kriterien geltend gemacht werden. Für die funktionale Unterscheidung der drei Ebenen greift Molnár auf die Bühler’schen Sprachfunktionen ‚Ausdruck‘, ‚Appell‘ und ‚Darstellung‘ zurück (Molnár 1993, 164). Die „sachbezogene“ Ebene der ‚Darstellung‘ bezieht sich auf die Gliederung der Äußerung in Topik (im Sinne des ‚Worüber‘) und den darauf bezogenen Kommentar. Die „empfängerbezogene“ Ebene des ‚Appells‘ zielt auf den „Kenntnisgrad des Adressaten“ ab. Relevant hierfür ist das Kriterium ‚bekannt vs. neu‘, wofür in Molnárs Modell die Termini Thema und Rhema reserviert sind. Auf der „senderbezogenen“ Ebene des ‚Ausdrucks‘ unterscheidet Molnár zwischen Hintergrund und Fokus.1

Ausdrucksseitig korrelieren die drei Ebenen mit jeweils spezifischen „Formmitteln“. Für den Ausdruck der Kategorie des ‚Worüber‘ auf der Topik/Kommentar-Ebene ist ihrer Meinung nach das syntaktische Kriterium der Satzinitialität charakteristisch. Die Verwendung voller und komplexer oder pronominaler Ausdrücke kann auf die ‚bekannt/neu‘-Unterscheidung der Thema-Rhema-Ebene zurückgeführt werden. Und für die Fokus-Hintergrund-Gliederung macht Molnár – wohl in Anlehnung an Halliday – intonatorische Ausdrucksmittel geltend, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass hier auch „das komplizierte Verhältnis zwischen Prominenz und Fokusinterpretation“ zu beachten sei (1993, 164). Hier spielt sie wohl auf einen Sachverhalt an, den schon Halliday angesprochen hat: dass nämlich die Fokusdomäne oft über den Bereich der intonatorisch hervorgehobenen Elemente hinausgeht. In einer zusammenfassenden Übersicht ergibt sich so das folgende Schema:


Darstellung: Topik – Kommentar (Aboutness)
Empfänger: Thema – Rhema (bekannt vs. neu)
Sender: Hintergrund – Fokus (Relevanz)

Bemerkenswert an Molnárs Drei-Ebenen-Modell ist zunächst, dass sie den Fokusbegriff nicht auf der Basis des Kriteriums der ‚Neuheit‘ bestimmt. Die Unterscheidung von Fokus und Hintergrund beruhe vielmehr auf einer „vom Sender entschiedenen ‚Relevanz‘ […], die vom Kenntnisgrad des Adressaten relativ unabhängig ist“ (1993, 164). Ein Hinweis darauf, was Molnár damit meint, findet sich ihrer Bemerkung, dass die kommunikative Strukturierung wesentlich auf einer „zweifachen Anforderung“ beruhe, nämlich „Kohärenz und Informativität“ in „bestmöglicher Weise“ zu erfüllen (ebd., 164f.). In einer Fußnote hierzu (vgl. ebd., 165) beruft sie sich auf zwei von Strawson formulierte Prinzipien der Kommunikation, nämlich (i) das „principle of the presumption of knowledge“ und (ii) das „principle of relevance“ (vgl. Strawson 1971a). Kohärenz und Informativität ist sichergestellt, wenn der Sprecher – wie in dem in der Literatur zur Informationsstruktur immer wieder bemühten prototypischen Fall – an etwas Bekanntes anknüpft, worüber er dann etwas Neues mitteilt.2 Dass Molnár ihren Fokusbegriff dennoch nicht über das ‚bekannt/neu‘-Kriterium bestimmt und zwischen Rhema und Fokus unterscheiden möchte, rechtfertigt sie mit der Beobachtung, dass offensichtlich auch vorerwähnte und damit bekannte (d.h. in Molnárs Terminologie thematische) Diskursreferenten fokussiert sein können. Molnár führt für einen solchen Fall u.a. das folgende Beispiel an (vgl. Molnar, 1993, 171):


(20) Wer spielt Klavier, Peter oder Eva?
[PEter] Thema = Fokus spielt Klavier. Wenn ich mich nicht täusche, spielt EVa GEIge.

Die Subjekt-Konstituente muss wegen der Vorerwähntheit ihres Referenten im vorangegangen Fragesatz als thematisch gelten. Über den Status von Prädikat und Objekt wird nichts gesagt – rhematisch im Sinne ihres Verständnisses können sie nicht sein, da beides vorerwähnt ist. Damit bleibt ihre Analyse im Großen und Ganzen auf die Fokus-Hintergrund-Ebene beschränkt: Die Subjekt-Konstituente ist Fokus und fällt mit dem Thema zusammen, der Rest des Satzes ist Hintergrund.3 Die durch die Fokussierung indizierte ‚Relevanz‘ der vorerwähnten Subjekt-Konstituente ergibt sich aus der für diesen Satz geltenden Funktion des Fokus als Alternativenausschluss. Relevant im Sinne des Kriteriums der Informativität ist das fokussierte Element, weil es indiziert, welche der beiden (in der vorangegangenen Frage genannten) Personen Klavier spielt. Da Ersterwähnung somit keine notwendige Bedingung für die Möglichkeit der Fokussierung von Diskursreferenten ist, möchte Molnár die Fokus-Kategorie nicht auf der Basis des ‚bekannt/neu‘-Kriteriums bestimmen: Die Fokuskategorie ist nämlich insofern „relativ unabhängig“ (s.o.) vom Kriterium der Neuheit, als „die vom Sender beabsichtigte Relevanz des Gliedes innerhalb der Aussage […] entweder mit der ‚Neuheit‘ des Gliedes selbst oder nur mit seiner ‚neuen‘ Beziehung zur Umgebung korreliert“ (Molnar 1993, 172). Es gibt also zum einen den Zusammenfall von Ersterwähnung (neu = rhematisch) und Fokussierung, zum anderen aber auch den Zusammenfall von Vorerwähnung (bekannt = thematisch) und Fokussierung.4

Molnárs Unterscheidung zwischen Fokus/Hintergrund (Relevanz) und Thema/Rhema (bekannt/neu) erinnert an eine Unterscheidung, die Gundel (1988a) vorgeschlagen hat: die Unterscheidung zwischen referentieller Givenness/Newness und relationaler Givenness/Newness (siehe auch Gundel/Fretheim 2004). Gundel führt diese Unterscheidung ein, um – ähnlich wie Molnár – Fälle angemessen beschreiben zu können, in denen vorerwähnte Elemente fokussiert sind. Peter in Beispiel (20) ist in Gundels Terminologie referentiell ‚given‘ – aufgrund der Vorerwähntheit seines Referenten – und relational ‚new‘ – aufgrund des Status des Ausdrucks als relevante Information in Bezug auf die vorangegangene Frage.

Die Ähnlichkeit mit Gundels Unterscheidung bleibt allerdings auf den Aspekt der ‚Newness‘ beschränkt, die Unterscheidung zwischen referentieller und relationaler ‚Givenness‘ hat in Molnárs Terminologie keine Entsprechung. Zwar lässt sich Molnárs Thema-Begriff mit Gundels Verständnis von referentieller Givenness gleichsetzen; für Gundels Begriff der relationalen Givenness, in dessen inhaltliche Bestimmung ihr spezifisches Verständnis von Aboutness einfließt, das ausdrücklich an das Kriterium der hörerseitigen Zugänglichkeit bzw. Bekanntheit gebunden bleibt, gibt es bei Molnár keine Entsprechung. Weder Molnárs Topik-Kategorie noch ihr Hintergrund-Begriff lassen sich mit Gundels relationaler Givenness gleichsetzen.5

Um zeigen zu können, warum dies so ist und welche Konsequenzen sich daraus für Molnárs Ansatz ergeben, muss zunächst noch ein weiterer Punkt in ihrem Drei-Ebenen-Modell angesprochen werden, nämlich ihre Auffassung zum Verhältnis von Topik und Fokus. Ebenso wie Thema und Fokus sind auch Topik und Fokus für Molnár keine Komplementärkategorien. Allerdings ist die Fokus-Fähigkeit des Topiks bei ihr an bestimmte Bedingungen der Fokus/Hintergrund-Gliederung gebunden. Die Fokus-Fähigkeit des Topiks hat für Molnár zur Voraussetzung, dass sich der Fokus-Bereich über mehr als nur eine „minimal fokussierte“ Konstituente erstreckt (1993, 168). Dies ist etwa der Fall in diskursinitialen Sätzen, die nach Molnár als Ganzes den Fokus bilden, da sie aufgrund ihrer Diskursinitialität über keine Hintergrund-Elemente verfügen. Diskursinitialen Sätzen kann nach Molnár aber auch eine Topik/Kommentar-Gliederung zugesprochen werden (vgl. Molnár 1993, 167). Um die Diskursinitialität im folgenden Beispiel plausibel zu machen, bindet sie den Satz in einen Fragekontext ein:6


(21) Steht was Neues in der Zeitung?
[[Politisch Verfolgte] Topik [genießen Asylrecht.] Kommentar ] Fokus

Ein weiteres – von Molnár konstruiertes – Beispiel (ebd.) verfügt zwar über einen Hintergrund, weil dort bestimmte Gehalte der vorausgesetzten Frage in der Antwort wieder aufgegriffen werden; der Antwortsatz hat aber mehr als nur eine fokussierte Konstituente, weswegen auch dort die fokussierte Subjekt-Konstituente als Topik in Frage kommen kann:


(22) Was ist das für eine Demonstration?
[[Umweltschützer] Fokus ] Topik [[demonstrieren] Hintergrund [gegen den Brückenbau.] Fokus ] Kommentar

Demgegenüber ist die vorangestellte, ‚topikalisierte‘ Objekt-Konstituente in (23) (vgl. Molnár 1993, 168) kein Topik, da sie den „einzigen minimalen Fokus“ des Satzes bildet:


(23) Wen besucht Peter in Bonn?
[Seinen BRUder] Fokus [besucht er.] Hintergrund

Dieser Fall eines „minimalen“, satzinitialen Fokus, der nicht topikfähig ist, verhält sich ihrer Meinung nach analog zu den folgenden Beispielen aus Gundel (1988b, 34), die über die vorangestellte ‚What about?‘-Frage für diese Fälle die Inkompatibilität von Topik und Fokus belegen sollen:7


(24) What about Archie?
(a) *ARchie rejected the proposal.
(b) *It was Archie who rejected the proposal.

Hier sind es das durch Kontrastakzent fokussierte Subjekt in (a) und die Fokussierung durch Linksspaltung in (b), die als einzige und damit „minimale“ Foki die Topik-Fähigkeit unterbinden. Dass die fokussierten Elemente nicht als Topiks gelten können, hängt mit dem Fragekontext zusammen, in den sie eingebettet sind: Auf eine Frage, die auf Informationen über Archie abzielt, kann nur eine Antwort folgen, in der Archie genauso die Rolle desjenigen innehat, über den etwas mitgeteilt wird. Anders als in (24) sind die in (22) von Molnár als Topik ausgewiesenen Umweltschützer nicht schon in der Frage als Gegenstand vorausgesetzt, über den Informationen erbeten werden, sondern gehören zu den weiterführenden Details, die über die Art der Demonstration Auskunft geben.8

Fassen wir zusammen: Neben dem Zusammenfall von Topik und Hintergrund gibt es nach Molnár auch die Möglichkeit des Zusammenfalls von Topik und Fokus. Fokusfähig sind Topiks in Sätzen, die aufgrund ihres diskursinitialen Charakters keinen Hintergrund haben – so wie in (21) – oder in Sätzen, in denen das ‚fokussierte‘ Topik nicht das einzige fokussierte Element des Satzes ist – so wie in (22), wo neben dem Subjekt auch Elemente fokussiert sind, die zur Prädikation gehören.

Lässt es sich aber überhaupt rechtfertigen, in Fällen wie in (21) und (22) eine Topik/Kommentar-Gliederung anzunehmen, die unabhängig von der auf sprecherseitige Relevanz abzielenden Fokus/Hintergrund-Gliederung operiert? Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir noch einmal auf Molnárs Explikation der Topik-Kategorie eingehen und zu klären versuchen, worin sich die ihrem Verständnis nach „sachbezogene“ (s.o.) Ebene der Topik/Kommentar-Gliederung von der auf den Aspekt der „Relevanz“ abzielenden Fokus/Hintergrund-Gliederung unterscheiden soll.

Auch Molnárs Topik-Begriff orientiert sich am klassischen Aboutness-Konzept. Durch die Topik/Kommentar-Gliederung wird der Satz hinsichtlich seines „Mitteilungsaspekts“ aufgeteilt in (i) das „worüber etwas gesagt wird“ und (ii) das, „was darüber ausgesagt wird“ (1993, 162). Des Weiteren möchte sie Topikalität als ein „grundsätzlich pragmatisches Konzept“ (1993, 163) verstehen: Mit Verweis auf T. Reinharts (1981) Begriff der „pragmatic assertion“ 9 deutet sie das Topik als „eine der Komponenten der im pragmatischen Sinne gedeuteten Prädikation, wobei es sich um eine satzinterne Relation zwischen Satzgegenstand und Satzaussage handelt“ (ebd.). Neben dieser auf den Satz bezogenen Explikation weist Molnár noch darauf hin, dass „bestimmte Aspekte der Topikalität […] nur durch den Bezug auf einen größeren Diskurszusammenhang zu klären [sind]“ (ebd.).

Wie sieht im Verhältnis dazu ihr Verständnis der Fokus/Hintergrund-Gliederung aus? Wie oben ausgeführt wurde, fußt Molnár die Fokus-Kategorie auf ihr Konzept der „vom Sender entschiedenen Relevanz“ (s.o.). Molnárs knappe Ausführungen hierzu legen nahe, dass sie sich hierfür auf zwei von Strawson formulierte Prinzipien bezieht: das „principle of the presumption of knowledge“ und das „principle of relevance“. Diese Prinzipien tragen nach Molnár wesentlich zur Herstellung von Kohärenz und Informativität in der Kommunikation bei: Der Sprecher knüpft an etwas Bekanntes an (presumption of knowledge), worüber (!) er dann etwas Neues und damit für den Hörer Relevantes mitteilt (principle of relevance).10

Hier zeigt sich: die zwei von Molnár für die Fokus/Hintergrund-Gliederung ins Spiel gebrachten Prinzipien zeichnen sich dadurch aus, dass sie der Aboutness-Relation, die sie der Topik/Kommentar-Gliederung zugrunde legt, außerordentlich ähnlich sind. Strawsons Prinzipien können nämlich genauso gut auch auf die Ebene der Topik/Kommentar-Gliederung angewendet werden – mit dem Topik als dem ‚Worüber‘ der „im pragmatischen Sinne gedeuteten Prädikation“ (s.o.). Was über dieses ‚Worüber‘ ausgesagt – „pragmatisch assertiert“ – wird, sichert dann die Informativität der Äußerung im Sinne der Strawson’schen ‚presumption of ignorance‘.11

Wenn aber die im Sinne der ‚presumption of ignorance‘ zum Fokusbereich zählenden Subjektkonstituenten in (21) und (22) zu dem gehören, was in diesen Sätzen pragmatisch assertiert wird, wie können sie dann zugleich Gegenstand der Satzaussage im pragmatischen Sinne sein? Der zentrale Widerspruch in Molnárs Drei-Ebenen-Modell ist also, dass sie fokussierte Topiks in der Konsequenz sowohl als Satzgegenstand als auch zur Satzaussage gehörig deutet. Nun ist es aber dennoch so, dass sich die satzinitialen Konstituenten in (21) und (22) – anders als in (23) – durchaus als ‚Gegenstand‘ der Prädikation deuten lassen – jedoch nicht, wie Molnár meint, „im pragmatischen Sinne“ (s.o.). In Kap. 5.2 werde ich darum dafür plädieren, zwischen der semantischen und der pragmatischen Ebene der Prädikation zu unterscheiden. Diese Unterscheidung erlaubt es, auch in Fällen wie in (21) und (22) von einer auf die jeweiligen Subjekt-Konstituenten abzielenden Prädikation zu sprechen, die dort jedoch kontextbedingt nicht auf einer Relation zwischen „pragmatic assertion“ und „pragmatic presupposition“ (Lambrecht 1994) beruht. Wie ich im nächsten Kapitel zeigen möchte, ist es aber genau diese Unterscheidung, auf deren Basis sich das Konzept der Aboutness explizieren lässt.

3 Topik und Aboutness

Innerhalb neuerer pragmatisch orientierter Ansätze zur Informationsstruktur finden sich häufig Rückgriffe auf Ideen, die der Philosoph P. F. Strawson in seinem Aufsatz „Identifying reference and truth-values“ formuliert hat (Strawson 1964).1 Die Attraktivität der Ideen Strawsons für pragmatisch orientierte Ansätze zur Informationsstruktur besteht vor allem darin, die klassische Satzgegenstand/Satzaussage-Unterscheidung aus einer Perspektive zu betrachten, die die diskursiven Voraussetzungen der Äußerung von Sätzen mitberücksichtigt. Darum ist Strawson besonders für diejenigen Ansätze inspirierend gewesen, die das Verhältnis der Topik-Kategorie zu seinen Komplementärkategorien als Relation der Aboutness verstehen möchten und sich um eine Klärung des Aboutness-Begriffs bemühen. Bezugnahmen auf Strawson finden sich etwa bei Gundel (1988a; 1988b), Lambrecht (1994) und Reinhart (1981).2 Im Folgenden sollen die jeweiligen Explikationsvorschläge der Autoren bezüglich des Aboutness-Begriffs chronologisch, beginnend mit Strawson, vorgestellt werden. Bei der Diskussion der in manchen Punkten ähnlichen, sich im Detail aber auch deutlich unterscheidenden Ansätze soll das Hauptaugenmerk auf zwei Problemfelder gerichtet werden, die auch schon in den vorangegangen Abschnitten angesprochen wurden: zum einen die Frage nach dem Verhältnis von Topikalität und Givenness, zum anderen die Frage, wie sich die Topik-Kategorie zu ihren Komplementär-Kategorien verhält. Zum Abschluss des Kapitels wird gezeigt, dass es Lambrechts Ansatz am besten gelingt, diese Probleme zufriedenstellend in den Griff zu bekommen.

3.1 Strawson: Topiks als „centers of current interest“

Strawson geht es in „Identifying reference and thruth-values“ nicht in erster Linie um den Begriff der Aboutness. Seine Ausführungen stehen vielmehr in Zusammenhang mit der Debatte um die Frage, wie Sätze, in denen sich für einen referierenden Ausdruck kein Referent angeben lässt, in denen also die Existenzpräsupposition verletzt wird, im Hinblick auf ihren Wahrheitswert zu interpretieren sind. Lässt sich bspw. eine Behauptung wie „Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahlköpfig“ – so das klassische, von Russell (1905) stammende Beispiel – als ebenso unzutreffend bezeichnen wie eine Behauptung über eine real existierende Person, der fälschlicherweise Kahlköpfigkeit zugeschrieben wird? Oder weist eine solche Behauptung Defizite auf, die ihre Beurteilung im Hinblick auf Wahrheit oder Falschheit unmöglich macht? Anhänger der letzteren Position verweisen traditionell darauf, dass nur Aussagen über Dinge, deren Existenz als gegeben vorausgesetzt (präsupponiert) werden können, hinsichtlich ihrer Wahrheit oder Falschheit beurteilbar sind. Behauptungen über nicht existierende Dinge, Sachverhalte oder Personen (wie eben der ‚gegenwärtige‘ König von Frankreich) sind nicht etwa falsch, sondern „missglückt“ (infelicious) im Sinne Austins und verfügen daher über eine sogenannte „Wahrheitswert-Lücke“ (truth-value gap) (Quine). Auch Strawson ist dieser Auffassung. Für Strawson kommt jedoch noch ein entscheidender Aspekt hinzu: Die Zuweisbarkeit eines Wahrheitswerts ist nicht allein schon durch die Verletzung der Existenzpräsupposition unterbunden, sondern erst dann, wenn sie in Kombination mit einer bestimmten kommunikativen Rolle auftritt, die der entsprechende Referenzausdruck im Vollzug der Äußerung innehat. Dies ist der Zusammenhang, in dem Strawson den Begriff der Aboutness in die Diskussion einbringt.

Zunächst zu Strawsons Argumenten gegen die Auffassung, dass derartige Sätze wahrheitswertfähig seien: Strawson führt das Missglücken solcher Sätze auf die Nicht-Einhaltung bestimmter Sprecherannahmen und kommunikativer Prinzipien zurück. Wenn etwa jemand die Auskunft gibt: „All John’s children are asleep“, so kann er dies sinnvoll nur unter der Voraussetzung tun, dass John Kinder hat, und die Frage, ob diese Behauptung zutrifft oder nicht, stellt sich nach Strawson überhaupt nicht, wenn John in Wirklichkeit gar keine Kinder hat (vgl. Strawson 1952, 173ff.): „We can, and normally should, say that, since John has no children, the question does not arise. […] The more realistic view seems to be that the existence of children of John’s is a necessary precondition not merely of the truth of what is said, but of its being either true or false“ (ebd.).

Für Strawsons Position ist es von zentraler Bedeutung, dass er die Frage nach der Wahrheit oder Falschheit von Sachverhalten nicht an Sätze, sondern an deren Äußerung bindet.1 Hier kommen nun die von Strawson formulierten kommunikativen Prinzipien ins Spiel: Sprecher vollziehen Äußerungen auf der Basis bestimmter Annahmen (presumptions) über den (oder die) Adressaten ihrer Äußerungen (Strawson 1971a, 86). Ein Typ von Annahmen bezieht sich auf den Umstand, dass der Zweck assertiver Sprechhandlungen zuallererst darin besteht, dem Hörer etwas mitzuteilen, das er noch nicht weiß:

Since there is no point in […] informing somebody of something of which he is already apprised, the making of an assertive utterance or statement […] implies a presumption (on the part of the speaker) of ignorance (on the part of the audience) of some point to be imparted in the utterance. (Strawson 1971a, 86)

Dem aus dieser Annahme abgeleiteten „principle of the presumption of ignorance“. stellt er ein weiteres Prinzip zur Seite: das „principle of the presumption of knowledge“. Strawson begründet die Notwendigkeit für dieses zweite Prinzip mit einem weiteren Typ von Sprecherannahmen:

[…] when an empirically assertive utterance is made with an informative intention, there is usually or at least often a presumption (on the part of the speaker) of knowledge (in the possession of the audience) of empirical facts relevant to the particular point to be imparted in the utterance. (1971a, 87)

Strawson hat hierbei eine ganz bestimmte Art von Hörerwissen im Sinn: Das Wissen, von dem Sprecher annehmen, dass es seitens des Hörers vorausgesetzt werden kann, ist ein sogenanntes Identifizierungswissen (identifying knowledge). Sprecher gehen davon aus, dass bestimmte, in der Äußerung erwähnte (Diskurs-)Gegenstände auch für den Hörer zugänglich sind:

When people talk to each other they commonly and rightly assume a large community of identifying knowledge of particular items. Very often a speaker knows or assumes that a thing of which he has such a knowledge is also a thing of which his audience has such a knowledge. (1971a, 87f.)

Unter dem Begriff des Identifizierungswissens versteht Strawson das Vermögen, auf Dinge perzeptuell zugreifen und sie von anderen Dingen unterscheiden zu können, wobei Grad wie auch Art und Weise dieses Identifizierungsvermögens recht unterschiedlich ausfallen können:

[…] a person may be able to pick a thing out in his current field of perception. Or he may know there is a thing (not in his current field of perception) to which a certain description applies which applies to no other thing […]. Or he may know the name of a thing and be able to recognise it when he encounters it, even if he can normally give no identifying description of it […]. If a man satisfies any of these conditions in respect to a certain particular, I shall say he has identifying knowledge of this particular. (1971a, 87)

Die sprachliche Bezugnahme auf Gegenstände, von denen der Sprecher seitens des Hörers Identifizierungswissen voraussetzt, nennt Strawson identifizierende Referenz (identifying reference). Im Vollzug von Äußerungen wird die identifizierende Referenz durch Ausdruckstypen wie definite Kennzeichnungen, Eigennamen sowie Personal-, Demonstrativ- oder Possessivpronomen geleistet. Strawson stellt heraus, dass der Zweck identifizierender Referenz nicht darin zu sehen ist, den Hörer über die Existenz des Gegenstands, auf den referiert wurde, zu informieren. Seine Existenz wird nicht behauptet, vielmehr wird vorausgesetzt, dass für ihn hörerseitiges Identifizierungswissen schon besteht.2 Darum sind Fälle, in denen behauptet wird, dass Johns Kinder schlafen, obwohl John gar keine Kinder hat, oder in denen über einem nicht existierenden König von Frankreich ausgesagt wird, dass er kahlköpfig ist, nicht als falsche Behauptungen (false statements) zu werten, sondern als Fälle „vollständig misslingender Referenz“ (radical reference-failure) (vgl. Strawson 1971a, 89). Derartige Fälle sind missglückt in dem Sinne, dass sie dem „principle of the presumption of knowledge“ nicht Folge leisten, da die identifizierende Referenz dort hörerseitig nicht erfüllbar ist.3

Allerdings führt nicht jede ‚reference-failure‘ zu einem Missglücken in der eben beschriebenen Weise. Die oben diskutierten Beispiele zeichnen sich nämlich durch eine gemeinsame Eigenschaft aus. Die ‚reference-failure‘ betrifft dort Ausdrücke innerhalb einer bestimmten syntaktischen Position: sowohl all John’s children als auch der gegenwärtige König von Frankreich stehen in Subjekt-Position. Wie sind aber Fälle zu bewerten, in denen die ‚reference-failure‘ Ausdrücke betrifft, die nicht in Subjektposition stehen? Strawson macht die Anwendbarkeit des wahr/falsch-Kriteriums auf Behauptungsäußerungen nämlich nicht allein an der gelingenden bzw. misslingenden Referenz auf einen Diskursreferenten fest, sondern auch an der kommunikativen Rolle, die dem Referenten des von ‚reference-failure‘ betroffenen Ausdrucks jeweils zukommt. Angenommen, man würde über eine tatsächlich stattfindende Kunstausstellung – in einem Fall also, in dem die identifizierende Referenz nicht misslingt – die Aussage machen, dass diese vom gegenwärtigen König von Frankreich besucht worden sei, so ist dies für Strawson durchaus noch beurteilbar hinsichtlich des wahr/falsch-Kriteriums. Strawson stellt die folgenden Varianten gegenüber (vgl. 1971a, 96):


(1a) The exhibition was visited yesterday by the king of France.
(1b) The king of France visited the exhibition yesterday.

Je nachdem, ob die ‚reference-failure‘ Ausdrücke in Subjektposition betrifft oder nicht, ergeben sich für Strawson Unterschiede hinsichtlich der Anwendbarkeit des wahr/falsch-Kriteriums. Der Passiv-Variante in (1a) kann ein Wahrheitswert zugewiesen werden: Sie liefert falsche Informationen über die Kunstausstellung – trotz des von ‚reference-failure‘ betroffenen, Existenz präsupponierenden Referenzausdrucks innerhalb der Prädikation –, wohingegen Variante (1b), in der das Subjekt von der ‚reference-failure‘ betroffen ist, sich einer wahr/falsch-Beurteilung entzieht.

Dies ist der Punkt, an dem Strawson den Begriff der Aboutness ins Spiel bringt. Die Erklärung für den Unterschied zwischen (1a) und (1b) macht Strawson in dem jeweils vorausgesetzten „Interessenschwerpunkt“ (center of current interest) aus, den er versteht als das, „what the statement is about“ (vgl. 1971a, 96f.) und dessen Indizierung durch die Subjekt-Realisierung erfolgt:

Statements, or the pieces of discourse to which they belong, have subjects, not only in the relatively precise senses of logic and grammar, but in a vaguer sense with which I shall associate the words ‘topic’ and ‘about’. (1971a, 97)

Während der Interessenschwerpunkt in (1a) auf der (tatsächlich stattfindenden) Ausstellung liegt, und der entsprechende Referenzausdruck somit nicht von ‚reference-failure‘ betroffenen ist, fällt er in (1b) mit der misslingenden Referenz zusammen. Darum lässt sich die Passiv-Variante in (1a) Strawson zufolge noch als falsche Behauptung beurteilen: Die ‚reference-failure‘ betrifft dort nicht das Topik der Behauptungsäußerung, sondern lediglich den Bereich, der als Information über ihr Topik fungiert:

We may still judge the statement as putative information about its topic and say, perhaps, that the failure of reference has the consequence that it is misinformative about its topic. (1971a, 98)

In (1b) hingegen ist eine Deutung der Äußerung als falsche Information über ihr Topik ausgeschlossen:

If we know of the reference-failure, we know that the statement cannot really have the topic it is intended to have and hence cannot be assessed as putative information about that topic. It can be seen neither as correct, nor as incorrect, information about its topic. (ebd.)

Die oben diskutierten Beispiele, in denen das Topik immer durch das Subjekt-Argument repräsentiert wird, erwecken vielleicht zunächst den Eindruck, dass Strawson das Subjekt generell als Indikator für Topikalität begreifen möchte. Diese Auffassung kann ihm jedoch nicht zugeschrieben werden, wie die folgenden Beispiele zeigen (vgl. 1971a, 96):


(2a) A: What examples are there of famous contemporary figures who are bald? B: The king of France is bald.
(2b) A: What outstanding events, if any, have occurred recently in the social or political field? B: The king of France married again.

Beiden Antworten lässt sich Strawson zufolge ein Wahrheitswert zuordnen. Sie sind als falsch beurteilbar, trotz des von ‚reference-failure‘ betroffenen Subjekt-Ausdrucks. Diesen Befund führt er auf den jeweils vorausgesetzten Fragekontext zurück: „The question in each case represents the antecedent center of interest as a certain class“ (1971a, 96). Die Antwort in (2a) möchte Strawson darum als eine Behauptung über die in der Frage erwähnte Klasse kahlköpfiger Berühmtheiten deuten, zu der auch ein gegenwärtiger König von Frankreich gehören soll. Da dies nicht der Fall sein kann, lässt sich die Antwort von B als falsche Antwort auf die Frage nach gegenwärtigen kahlköpfigen Berühmtheiten auffassen. Auch die Antwort in (2b) lässt sich laut Strawson durch den Fragekontext als falsch deuten: Dort wird behauptet, dass ein bestimmtes Ereignis stattgefunden hat: nämlich die Heirat des (gegenwärtigen) Königs von Frankreich – was ebenfalls nicht der Fall gewesen sein kann.4

Strawson hat den Topik-Begriff in die Diskussion um referenztheoretische Fragen eingebracht, um darauf hinzuweisen, dass bei der Frage nach der Zuweisbarkeit von Wahrheitswerten auch die kommunikative Rolle der in den Behauptungsäußerungen genannten Diskursgegenstände zu berücksichtigen ist – und damit der diskursive Kontext, in den die Äußerungen jeweils eingebettet sind. Dass eine Frage wie die, ob es zutrifft, dass Johns Kinder schlafen, schlicht „nicht aufkommt“ (does not arise), wenn John gar keine Kinder hat (vgl. das oben angeführte Beispiel), erklärt sich einfach daraus, dass kein Äußerungskontext vorstellbar ist, in dem sich eine solche Frage sinnvoll stellen ließe. Denn dass ein Diskursgegenstand – wie etwa Johns Kinder – im Rahmen eines Frage-Antwort-Kontexts als „center of current interest“ gelten kann, setzt voraus, dass für diesen Gegenstand seitens des Sprechers und Hörers das vorliegt, was Strawson Identifizierungswissen nennt. Auf diesem Umstand beruht nicht nur Strawsons Intuition, dass Topiks Teil dessen sein müssen, was sprecher- und hörerseitig präsupponiert wird, sondern auch seine Einsicht, dass eine Behauptung wie etwa die, dass Johns Kinder schlafen, erst durch ihre In-Beziehung-Setzung zu einem aktuellen „center of interest“ Informativität erhält:

We do not, except in social desperation, direct isolated and unconnected pieces of information at each other, but on the contrary intend in general to give or add information about what is a matter of standing or current interest or concern. (1971a, 97)

In diesen Zusammenhang ist Strawsons ‚principle of relevance‘ zu stellen, das er seinem ‚principle of the presumption of knowledge‘ als Komplementärprinzip zur Seite stellt (vgl. 1971a, 97f.): Eine Behauptungsäußerung ist nicht nur allein dadurch informativ, dass sie dem Hörer etwas Neues mitteilt (presumption of ignorance), sondern auch dadurch, dass die neue Information auf den Diskursgegenstand zu beziehen ist, der als „center of interest“ aktuell die Topik-Rolle innehat.

3.2 Reinhart: Topiks als „referential entries“

Strawsons Explikation der Aboutness-Relation als Relation zwischen Äußerung und im Diskurs verankertem „center of current interest“ erfährt bei T. Reinhart eine kognitive Deutung (vgl. Reinhart 1981). Hierfür greift sie zunächst auf seine Diskussion der kommunikativen Voraussetzungen für die Beurteilbarkeit der Wahrheitswerte von Behauptungsäußerungen zurück. Strawsons Einsicht, dass die Beurteilbarkeit assertiver Äußerungen hinsichtlich ihrer Wahrheit oder Falschheit zu einem nicht geringen Umfang auch Topik-gesteuert ist, reformuliert Reinhart folgendermaßen:

[…] the selection of a topic for a given assertion in a given context may be viewed as a selection among the various ways to assess it – it will be verified by checking what we know about the topic. (Reinhart 1981, 60)

Angewendet auf eines der Beispiele Strawsons lassen sich Reinharts Ausführungen folgendermaßen verstehen: Wenn beispielsweise über eine aktuelle Ausstellung ausgesagt wird, dass sie von einer bestimmten Person besucht worden ist, dann wird im Fall einer Einschätzung (assessment) des Wahrheitsgehalts dieser Behauptung in aller Regel auf Wissensbestände über die Ausstellung zurückgegriffen, etwa ob für die Ausstellung tatsächlich zutrifft, dass sie von der in Rede stehenden Person besucht worden ist – und eher nicht auf Wissen über die Person, etwa ob zutrifft, dass sie die Ausstellung besucht hat. Kurz: Einschätzungen des Wahrheitsgehalts von Behauptungen sind nach Reinhart immer zu verstehen als Einschätzungen des Wahrheitsgehalts von Behauptungen über ein Topik.1

Hierauf beruht Reinharts Verständnis pragmatischer Aboutness. Aboutness ist als Mittel zur Organisation und Strukturierung des Diskursverlaufs zu verstehen. Mit Stalnaker (1978) begreift sie Diskurse als Prozesse der Anreicherung von Information, die Sprechern und Hörern im weiteren Verlauf des Diskurses als gemeinsames propositionales Wissen zur Verfügung steht, auf das ggf. zurückgegriffen werden kann und das somit als sprecher- und hörerseitig bekannt vorausgesetzt (präsupponiert) werden kann. Die im Diskurs zu einem gegebenen Zeitpunkt angesammelte ‚Menge‘ der (als bekannt vorausgesetzten) Propositionen nennt Reinhart unter Rückgriff auf Stalnaker „context set“:

[…] the context set of a given discourse at a given point [is] the set of the propositions which we accept to be true at this point. […] The effect of each new assertion in a discourse is to add the proposition expressed by it to the presuppositions in the context set. A discourse can be described, then, as a joint-procedure of constructing a context set. (Reinhart 1981, 78f.)

Reinhart stellt heraus, dass die im ‚context set‘ angesammelte Information nicht als unverbundene Aneinanderreihung isolierter Propositionen zu verstehen ist. Vielmehr kommt es im Diskursverlauf zu einer Strukturierung und In-Beziehung-Setzung der Einzelpropositionen, um die Verarbeitung neu hinzukommender Information zu erleichtern. Wie diese Verarbeitung vor sich gehen soll, veranschaulicht sie anhand einer Metapher: Die Menge der im ‚context set‘ enthaltenen Propositionen ist in der Art eines Schlagwort-Katalogs (subject catalogue) einer Bibliothek organisiert. Die Organisation der zum ‚context set‘ neu hinzukommenden Information geschieht dabei auf der Basis zweier kognitiver Strukturierungsprinzipien. Neu hinzukommende Information wird immer im Hinblick auf ein Topik bewertet (assessment) und im Anschluss als Information über dieses Topik abgespeichert (storage): „Assess by what you already know about the topic, store under an entry corresponding to this topic“ (Reinhart 1981, 80). Vor dem Hintergrund ihrer Katalog-Metapher lässt sich Reinharts Topik-Begriff somit folgendermaßen verstehen: Topiks fungieren als kognitive ‚Adresse‘ für die in den Propositionen enthaltene (neue) Information. 2 Sie sind der Ort, unter dem die jeweils neu hinzugekommene Information abgelegt wird:

The propositions admitted into the context set are classified into subsets of propositions, which are stored under defining entries. At least some such entries are defined by NP-interpretations. NP sentence-topics, then, will be referential entries under which we classify propositions in the context set and the propositions under such entries in the context set represent what we know about them in this set. (Reinhart 1981, 80)

Referierende NP-Ausdrücke mit Satztopik-Status stellen hierbei den ausdrucksseitigen Aspekt dieses Organisationsprozesses dar:

Sentence-topics, within this view, are one of the means available in the language to organize, or classify the information exchanged in linguistic communication – they are signals for how to construct the context set, or under which entries to classify the new proposition. (ebd.)

Aboutness ist im Rahmen dieser Perspektive also gewissermaßen ein ‚Effekt‘ kognitiver Strukturierungsprinzipien: Aus der Zuordnung neu hinzukommender Propositionen zu einem ‚Schlagwort-Eintrag‘ ergibt sich die für den jeweiligen Satz geltende „pragmatische Assertion“ (Reinhart 1981, 80f.), wodurch einer Konstituente der Status des ‚Worüber‘ der im Satz ausgedrückten Assertion zugewiesen wird. Unter Berücksichtigung der von Reinhart angenommen kognitiven Strukturierungsprinzipien lässt sich dies folgendermaßen paraphrasieren (vgl. Reinhart 1981, 81):

Dass ein Satz S, geäußert in einem Kontext C, als Satz über einen Diskursgegenstand a gilt, heißt zunächst, dass die im Satz ausgedrückte Proposition hörerseitig im Hinblick auf die anderen Propositionen, die bereits unter dem Eintrag für a gelistet sind, überprüft wird (assessment), und dann, sofern diese Proposition nicht zurückgewiesen worden ist, den anderen Einträgen unter a hinzugefügt wird (storage).

Dies entspricht dem ‚Standardfall‘, wo für den Diskursgegenstand als ‚alter‘ Information schon ein Eintrag besteht, der als ‚Ablageort‘ fungieren kann. Reinhart betont jedoch ausdrücklich, dass Topikalität – „despite its apparent intuitive appeal“ – nicht mit ‚alter‘ Information gleichzusetzten sei (vgl. Reinhart 1981, 72f.). Dennoch gilt auch für sie, „that only individuals (or sets of individuals) whose existence has been established may serve as entries in the context set“ (Reinhart 1981, 82). Um nachvollziehen zu können, wie Reinhart ihre Ablehnung der Gleichsetzung von Topik und alter Information mit ihrer Überzeugung in Einklang bringt, dass die Referenten von Topik-Einträgen „etabliert“ sein müssen, sind zwei Punkte zu klären: erstens, was Reinhart unter ‚alter‘ Information versteht, und zweitens, worüber ihrer Meinung nach Topikalität ausgesagt werden kann.

Zunächst zum ersten Punkt: Neben der oben angesprochenen Funktion als ‚Adresse‘ für die Ablage neu hinzukommender Information kommt Topiks nach Reinhart auch die Funktion zu, diese Adresse zu eröffnen:

In such cases the assertion of S opens a new NP-interpretation entry in the context set, whose member, the proposition expressed in S, is now available for assessment of future assertions about this entry. (Reinhart 1981, 82)

Der Fall, dass eine NP mit Topikstatus den entsprechenden Topik-Eintrag erst eröffnet, liegt Reinhart zufolge in dem folgenden Beispiel vor (vgl. Reinhart 1981, 76). In diesem Textausschnitt, einer Passage aus einem Artikel, den sie einem Szene-Magazin für die Stadt Los Angeles entnommen hat, geht es um die Auswirkungen des Zuzugs reicher Geschäftsleute auf den öffentlichen Raum in einem eher armen Stadtviertel:


(3) The public benches that used to be west of their restaurant are gone also, it has been rumoured that the removal of the benches has been brought about by pressure from certain business people to discourage those who can’t afford to get drunk in public behind iron work railings from annoying those who can. Of course, one of the consequences is that the tenants of 1415 Ocean Front Walk don’t have their benches to sit on […].

Im ersten Satz wird über die Entfernung der öffentlichen Bänke berichtet und es werden die Gründe dafür genannt. Im zweiten Satz werden die Konsequenzen, die sich daraus für die Anwohner ergeben, benannt. Reinhart argumentiert dafür, dass im zweiten Satz die NP, die auf die Anwohner (tenants) referiert, Topikstatus hat – obwohl auch die Bänke dort noch einmal wiederaufgenommen werden. (Sie weist noch darauf hin, dass es im weiteren Textverlauf um einen der Anwohner gehen wird.) Die NP the tenants of 1415 Ocean Front Walk eröffnet hier einen neuen Eintrag, der nun für das ‚assessment‘ anschließender Assertionen über diesen Eintrag zur Verfügung steht.3

Aus dem Beispiel wird deutlich, was Reinhart unter dem Begriff der alten Information verstehen möchte. Reinhart weist in diesem Zusammenhang auf die von Strawson diskutierten Folgen fehlgeschlagener Referenz hin: Fälle, in denen die entsprechende NP „fails to refer“, haben zur Konsequenz, „[that] we can neither find an entry for it nor open a new entry for it in the context set“ (Reinhart 1981, 82; Hervorhebung von mir). Somit gilt offensichtlich auch für sie die Bedingung, dass die Referenten von Topik-Ausdrücken im Sinne der Strawson’schen „presumption of knowledge“ präsupponiert sein müssen. Denn: „only individuals […] whose existence has been established may serve as entries in the context set“ (s.o.). In welcher Hinsicht also können die an dieser Stelle erstmalig genannten tenants als „etabliert“ gelten? Zwar führt Reinhart nicht genauer aus, unter welchen Bedingungen ein Diskursgegenstand als etabliert gelten kann; in einer Fußnote zu dem diskutierten Beispiel merkt sie hierzu jedoch an:

Of course, one may argue that the tenants are old information because they are related to or ‘inferrable’ from the general discourse topic […]. A definition of old information that would allow that would be, however, too broad to be of any use at all, since it is hard to imagine what information in a given context would not meet this requirement. (Reinhart 1981, 88f.)

Erstens gilt also, dass die Anwohner als etabliert gelten können, weil sie aus dem „general discourse topic“ „ableitbar“ sind (denn es handelt sich um die Anwohner aus dem in Rede stehenden Stadtviertel); und zweitens hält Reinhart fest, dass Etabliertheit aufgrund von Ableitbarkeit nicht mit alter Information gleichzusetzen sei. Reinhart möchte also offensichtlich nur dann von alter Information sprechen, wenn für die referierende NP schon ein ‚Schlagwort-Eintrag‘ im ‚context set‘ besteht. Die Kriterien dafür, dass ein Diskursgegenstand als etabliert gelten kann, sind bei Reinhart offenbar ähnlich weit gefasst wie Strawsons Kriterien für das Vorliegen von Identifizierungswissen, für das schon genügt, dass der Adressat „may know there is a thing (not in his current field of perception) to which a certain description applies […].“ (Strawson, 1971, 87). Somit sind die Anwohner zwar etabliert, da für sie adressatenseitig Identifizierungswissen im Sinne Strawsons vorausgesetzt werden kann; jedoch sind sie keine ‚alte‘ Information, weil für sie noch kein ‚Schlagwort-Eintrag‘ besteht. Reinhart möchte ‚alte Information‘ also im Sinne von ‚vorerwähnt im (unmittelbar) vorangegangenen Diskursabschnitt‘ verstehen; und insofern Referenten etabliert im Sinne eines vorausgesetzten Identifizierungswissens sein können, ohne vorerwähnt zu sein, lässt sich mit Reinhart sagen, dass Topikalität nicht auf das Kriterium der alten Information angewiesen ist.

Bis hierhin beziehen sich Reinharts Argumente gegen die Gleichsetzung von Topikalität mit alter Information auf ihre Position, dass Etabliertheit nicht Vorerwähntheit voraussetzt. Ihr entscheidendes Argument ist jedoch der Umstand, dass Ausdrücke, deren Referenten aufgrund von Vorerwähntheit etabliert sind, nicht notwendig Topikstatus haben. Dieses Argument betrifft den noch zu klärenden Punkt, nämlich die Frage, worüber Reinhart zufolge Topikalität ausgesagt werden kann. Hier könnte man zunächst vermuten, es ginge ihr lediglich darum, darauf hinzuweisen, dass wiederaufnehmende Ausdrücke auch fokussiert sein können.4 Als besonders problematisch erweisen sich jedoch Fälle wie das folgende Beispiel (vgl. Reinhart 1981, 72):


(4) A: Who did Felix praise?
B: Felix praised HIMSELF.

Probleme bereitet dieses Beispiel aus dem folgenden Grund: In dem Beispiel ist der Referent von himself nicht nur vorerwähnt, sondern durch den Fragekontext auch als Topik-Referent ausgewiesen: Über Felix wird in der Antwort von B ausgesagt, dass er sich selbst gelobt hat. Wenn man aber über den Referenten des Eigenamens Felix sagt, dass er Topikstatus hat, wie verhält es sich dann mit dem Referenten des Pronomens himself? Hier würde man sich – aufgrund der Referenzidentität von Felix und himself – in Widersprüche verwickeln, wenn man Kategorien wie Topik und Fokus auf den Referenten bezöge, denn dies hätte zur Folge, dass Felix in der Antwort von B nicht nur Topik-, sondern auch Fokus-Status zugesprochen werden müsste.

Reinhart zieht aus diesem Befund den Schluss, dass Topiks nicht auf der Basis dessen bestimmt werden können, „what we know about their referents“ (Reinhart 1981, 73) und hält kategorisch fest: „Topichood cannot be defined on referents“ (ebd., 72). Darum ist sie um eine nicht-referentielle Definition bemüht und bestimmt Satztopiks ‚inhaltsseitig‘ als „referential entries“ für „NP-interpretations“ (Reinhart 1981, 80).5 Dementsprechend muss auch Reinharts Aboutness-Begriff als nicht-referentieller Explikationsversuch begriffen werden: Die Aboutness-Relation besteht für sie nicht wie bei Strawson zwischen der Äußerung und einem Diskursreferenten in der Rolle des aktuellen „center of interest“, sondern ist als Relation zwischen Schlagwort-Eintrag und Proposition im ‚context set‘ zu denken.

Es ist allerdings fraglich, ob Reinharts Explikation in dieser Hinsicht überzeugend ist, denn letztlich bleibt auch ihr Topik-Begriff auf Diskursreferenten bezogen, wenn Satztopiks als „referential entries“ für „NP-interpretations“ verstanden werden, und somit auf Entscheidungen darüber beruhen, auf welchen Diskursreferenten ein NP-Ausdruck aktuell zu beziehen ist. Ebenso gut könnte man von „referential entries“ für Diskursreferenten sprechen. Und so ist Reinharts Deutung von Satztopiks als „referential entries“ letztlich nur eine kognitivistische Metapher für den Fall, dass bestimmte Diskursreferenten (aktuell) Topikstatus haben. Dennoch bleibt die Lösung des Problems, das Reinharts Beispiel aufwirft, von entscheidender Bedeutung für eine widerspruchsfreie Explikation der Aboutness-Relation. Wir werden nun im Anschluss sehen, welche Lösung J. Gundels Ansatz für dieses Problem anbietet und uns fragen, ob es ihr besser gelingt, Fälle wie (4) in den Griff zu bekommen.

3.3 Gundel: referentielle vs. relationale Givenness/Newness

Eine der zentralen Herausforderungen für eine adäquate Bestimmung des Aboutness-Begriffs besteht in der Beantwortung der Frage, auf welche Einheiten – bzw. auf welche Ebenen – die Aboutness-Relation zu beziehen ist. Reinhart fasst den Unterschied zwischen ihrer Explikation und anderen, auf Diskursreferenten bezogenen Deutungen folgendermaßen zusammen:

[…] while the first (aboutness) views topichood as a relation between an argument and a proposition relative to a context, the second (old information) views it as a property of the referents denoted by linguistic expressions in a given context. (Reinhart 1981, 61)

Reinharts Gegenüberstellung erinnert an eine Unterscheidung, die J. Gundel vorgeschlagen hat: die Unterscheidung zwischen referentieller und relationaler Givenness/Newness (vgl. Gundel 1988a; Gundel/Fretheim 2004). Anders als Reinhart expliziert Gundel die Aboutness-Relation wieder in größerer Nähe zu Strawson auf der Basis des Sprecher-Hörer-Verhältnisses. Hierfür greift sie auf die traditionelle Given/New-Dichotomie zurück, differenziert dabei jedoch zwischen zwei verschiedenen Arten der Givenness bzw. Newness (vgl. Gundel 1988a; Gundel/Fretheim 2004): Während referentielle Givenness/Newness auf die Beziehung zwischen sprachlichem Ausdruck und außersprachlichem Referenzgegenstand im Hinblick auf hörerseitige Zugänglichkeit abzielt (Gundel/Fretheim 2004, 176f.), beinhaltet relationale Givenness/Newness

a partition of the semantic/conceptual representation of a sentence into two complementary parts, X and Y, where X is what the sentence is about […] and Y is what is predicated about X. […] Relational givenness-newness thus reflects how the informational content of a particular event or state of affairs expressed by a sentence is represented and how its truth value is to be assessed. […] Topic and focus […] are thus relationally given and new, respectively. (Gundel/Fretheim 2004, 177)

Die referentiell/relational-Unterscheidung wird zunächst mit dem mittlerweile vertrauten Argument begründet, dass es problematisch ist, Topikalität allein auf der Basis des (referentiellen) Kriteriums der Zugänglichkeit zu bestimmen, da Ausdrücke, in Bezug auf deren Referenten hörerseitige Zugänglichkeit besteht, nicht selten zum Bereich der Prädikation über ein X gehören (vgl. das folgende Beispiel aus Gundel/Fretheim 2004, 177):


(5) A: Who called
B: Pat said SHE called.

Das Pronomen she, das den Subjekt-Referenten anaphorisch wiederaufnimmt und ihn damit als maximal zugänglich ausweist, gehört hier zur Prädikation. In der Terminologie von Gundel ist der Referent an dieser Stelle darum referentiell ‚given‘, aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Prädikation jedoch relational ‚new‘.

Nach Gundel/Fretheim ist referentielle Givenness von relationaler Givenness insofern klar abgrenzbar, als referentielle Givenness allein über das Wissen und den Aufmerksamkeitszustand (attention state) des Adressaten bestimmt ist – und nicht über ihre Rolle innerhalb der Aboutness-Relation. Als Kategorie hörerseitiger Zugänglichkeit sei referentielle Givenness darum kein spezifisch sprachliches Phänomen:1

Thus, one can just as easily characterize a visual or non-linguistic auditory stimulus, for example a house or a tune, as familiar or not […]. In contrast, the topic-focus partition can only apply to linguistic expressions, specifically sentences or utterances and their interpretations. (Gundel/Fretheim 2004, 178)

Allerdings findet sich die referentielle Perspektive auch auf der relationalen Ebene wieder. So ist die ‚topic-focus partition‘ laut Gundel/Fretheim zwar nur auf „sentences or utterances and their interpretations“ anwendbar, aber Gundels Definition der Topik-Kategorie, die sie im Sinne der relationalen Givenness versteht und entsprechend als Bestandteil der pragmatischen Aboutness-Relation bestimmt, ist ebenfalls mit klarem Bezug auf den Referenten formuliert:

An entity, E, is the topic of a sentence, S, iff in using S the speaker intends to increase the addressee’s knowledge about, request information about, or otherwise get the addressee to act with respect to E. (Gundel 1988a, 210)

Einerseits also ist relationale Givenness/Newness auf Äußerungen von Sätzen und deren Interpretationen bezogen und somit als satz- bzw. äußerungsinterne Relation formuliert. Aber andererseits wird das Topik selbst als eine auf (außersprachliche) Entitäten bezogene Statuskategorie expliziert, die angibt, in Hinblick auf welchen Diskursgegenstand der Sprecher (aktuell) hörerseitigen Wissenszuwachs bewirken möchte. Unscharf bleibt in Gundels Bestimmung also die genaue Natur der Aboutness-Relation: Handelt es sich um eine Relation zwischen Diskursgegenständen und (Äußerungen von) Sätzen? Handelt es sich um eine Relation zwischen Diskursgegenständen und Lesarten (interpretations) von (geäußerten) Sätzen? Oder handelt es sich um eine Relation zwischen Elementen von Sätzen?

Bezogen auf den Begriff der relationalen Newness führt die Vermengung referentieller und relationaler Perspektiven sogar zu einem konzeptionellen Widerspruch. Dies wird deutlich, wenn wir das Konzept der relationalen Newness auf das Beispiel Reinharts anwenden, das hier der Übersicht halber noch einmal aufgeführt ist:


(4) A: Who did Felix praise?
B: Felix praised HIMSELF.

Wenn wir relationale Newness, analog zur relationalen Givenness, auf den Diskursreferenten beziehen und sagen, der Referent von himself – dem aufgrund des vorausgesetzten Fragekontextes ja auch Topikstatus zukommen soll – sei in relationaler Hinsicht neu, dann hat das zur Konsequenz, diesem Diskursgegenstand (aktuell) sowohl Topik- als auch Fokus-Status zuschreiben zu müssen.

Bedeutet dies nun, dass Reinharts Skepsis gegenüber referenzorientierten Explikationen doch berechtigt ist? Zumindest kann bis hierhin festgehalten werden, dass Gundels Unterscheidung zwischen referentieller und relationaler Givenness bzw. Newness offensichtlich nicht dazu in der Lage ist, Reinharts Beispiel widerspruchsfrei zu analysieren. Dass Gundels Unterscheidung an Reinharts Beispiel scheitert, liegt allerdings weniger an ihrer unscharfen Bestimmung der Aboutness-Relation, sondern vielmehr daran, dass die Vermengung referentieller und relationaler Perspektiven unausgesprochen auch ihrem Begriff der relationalen Newness zugrunde liegt. Dies muss zu widersprüchlichen Status-Zuschreibungen führen, solange unklar bleibt, worüber Fokussiertheit ausgesagt wird und der Fokus-Begriff unausgesprochen auch auf die Referenten fokussierter Ausdrücke bezogen ist. Schauen wir uns nun an, welche Lösung sich in Lambrechts Ansatz (vgl. Lambrecht 1994) für dieses Problem findet.

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Yaş sınırı:
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441 s. 2 illüstrasyon
ISBN:
9783823301660
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