Kitabı oku: «Chill Work Pray»
Diana Schmid
Chill Work Pray
Einfach beten

© Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH,
Stuttgart, 2020
Alle Rechte vorbehalten.
Für die Texte der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten.
Gesamtgestaltung, Layout und Satz:
Friederike Schröder, Leipzig
Hersteller gemäß ProdSG:
Druck und Bindung: Finidr s.r.o., Lípová 1965,
737 01 Český Těšín, Czech Republic
Verlag: Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH,
Deckerstraße 39, 70372 Stuttgart
www.bibelwerkverlag.de
ISBN 978-3-460-25535-7
eISBN 978-3-460-51088-3
Inhalt
Kapitel 1
Morgens
Morgenstund … hat Gott im Mund
Kapitel 2
Unterwegs und zwischendurch
Nicht bummeln, beten
Kapitel 3
Keine Zeit
Stoßgebete gehen immer
Kapitel 4
Mit Jesus quatschen
Kaffeeklatsch mit Jesus
Kapitel 5
Mit anderen
Potenziertes Power-Praying
Kapitel 6
Für andere
Andere auf dem Zettel haben
Kapitel 7
Die Psalmen: Gefühlskarussell pur
150 + 1 Möglichkeiten
Kapitel 8
Feste Formen
Gebetsbaukasten – Backformen fürs Beten
Kapitel 9
Feste Orte
Gebetsanker werfen
Kapitel 10
Besondere Orte
Tapetenwechsel fürs Gebet
Kapitel 11
Kreativ werden
High-Five, Popcorn-Gebet & Co.
Kapitel 12
Abends
Müde bin ich, chill und ruh …
Begleitende Worte
Liebe Leserin, lieber Leser,
manchmal kann das mit dem Beten ein ganz schöner Kampf sein. Wir wollen das richtig machen. Klar wollen wir uns auch richtig Zeit dafür nehmen. Doch wann genau soll das sein? Immer und immer wieder funkt uns das Leben dazwischen. Die Arbeit ruft. Die Kinder quaken. Der Partner fordert einen heraus. Und dann gibt es noch Familie, Freunde und Bekannte. Jeder will was von uns. Das macht unentspannt. Dabei wollen wir einfach gut drauf sein; lieber mal eine Runde chillen. Uns eben keinen Kopf machen, schon gar nicht ums Beten. Wie nur sollen wir neben all der Hektik auch noch das Beten hinkriegen, entspannt obendrein?
Stopp. Das muss nicht so verkrampft ablaufen. Wie wäre es, wenn wir einfach immer wieder gern beten, ganz kurz, oder mal länger, wie es uns gerade in den Kram passt? Womöglich liegen uns bestimmte Formen besser als die, mit denen wir bislang eher unentspannt geblieben sind? Oder wir dürfen Bewährtes neu entdecken? Wenn wir mit Freude und einer entspannten Grundhaltung beten, schicken wir ein Lächeln im Expressmodus direkt gen Himmel. Lassen Sie sich inspirieren und dazu verführen, mal anders zu beten. Wenn wir gechillt sind, ist Beten keine Arbeit für uns. Im Gegenteil, dann verleiht es uns so viel Kraft und Freude und Erfüllung, dass wir gar nicht mehr ohne leben können. Sie werden sehen, das ganze Leben kann zum Gebet werden, wenn wir mit Gott ständig verbunden bleiben. Das wünsche ich Ihnen von Herzen.
Ihre
Diana Schmid

Morgenstund … hat Gott im Mund
Jeden Morgen bekommen wir einen neuen Tag geschenkt. Indem wir aufwachen, die Augen öffnen, wurde uns dieses Geschenk bereits zu eigen. Nehmen wir es dankbar von Gott entgegen! Auch das ist Gebet: die Wertschätzung unserer Lebenszeit. Man könnte auch sagen unserer Lebenstage, oder unserer Lebensmorgenzeit. Also danken wir Gott für diesen neuen Tag, der ganz offen vor uns liegt, wie ein unbeschriebenes Blatt. Danken wir ihm, dass wir es beschreiben dürfen. Auch wenn der Alltag, die Arbeit, die Familie, der Haushalt und wer weiß was noch alles auf uns da draußen wartet, winkt und weiter will. Wir können diesen neuen Tag gestalten. Uns überlegen, was für uns heute wichtig sein soll. Wem gehört heute unsere Aufmerksamkeit? Wie ordnen wir unsere Prioritäten? Wo können wir uns heute ein bisschen Freude abholen? Danken wir für diesen neuen Lebenstag, während wir noch im Bett liegen. Das kann so einen großen Unterschied bewirken, wenn wir den kostbaren neuen Tag bewusst aus Gottes Hand entgegennehmen. Mit Achtsamkeit und Dank. Seit geraumer Zeit mache ich das. Meistens. Manchmal vergesse ich es auch. Hin und wieder bin ich dabei auch ziemlich müde, weil der Wecker mal wieder viel zu früh klingelt. Doch darauf kommt es aus meiner Sicht nicht an. Ein kleines „danke“, und sei es noch so verschlafen dahingemurmelt, ist immer drin. Und mit diesem Dank nach oben startet es sich schöner, aufrichtiger und würdiger in den neuen Tag hinein.
Danke, Jesus, für diesen neuen Tag. Lass ihn zu einem guten Tag werden. Lass mich Gutes denken, sagen, tun. Hilf mir, denn heute stehen so viele Aufgaben an [nennen Sie Ihre Anliegen, Ängste, Belastungen].
Danke Jesus. Amen.
Auch wenn es uns schlecht geht, wir vielleicht krank aufwachen, uns Dinge auf dem Herzen liegen, dürfen wir das Jesus hinhalten, es mit ihm vor Gott bringen, ihn um Gesundung, um Kraft und Weisung bitten. Denn diese Dinge müssen wir nicht mit uns allein ausmachen. Früher dachte ich irgendwie, dass ich alles allein hinkriegen müsste. Mir wäre nicht immer und nicht unbedingt sofort in den Sinn gekommen, dass ich das auch alles mit Gott ausmachen kann, dass ich das abgeben darf. Dass Jesus mich begleitet. So habe ich gegrübelt. War hier und da verzagt. Habe diese und jene Menschen um Rat gefragt. Letzten Endes war ich doch nur wieder auf mich allein gestellt. Richtig sicher bin ich mir nie gewesen. Da lag kein richtiger Frieden über einem Beschluss. Ich merkte über die Zeit, dass Sicherheit und Zuversicht zunehmen, wenn ich Dinge an Gott abgebe. Wenn ich die Dinge mit ihm ausmache. Denn das macht unser Christenleben aus. Wenn wir morgens mal erwachen und uns leer fühlen sollten, dann ist das so; und genau so dürfen wir es Gott hinhalten. Eine liebe Glaubensgefährtin teilte einst einen wunderbaren Satz mit mir, eine Gebetszeile, die so einfach wie wunderbar ist: „So wie ich bin, halt ich mich Dir, Gott, hin.“ Wir müssen nichts beschönigen, nichts schönreden. Gott weiß doch ohnehin, wie es in uns aussieht. Doch er will es von uns hören. Psalm 139 berichtet über das Leben in Gottes Allgegenwart, nachstehend ein Auszug. Mit „es“ meint Vers 2 das Herz, unser Herz. Gott kennt unser Herz. Setzen Sie anstelle von „es“ einfach „mein Herz“ ein, also: „Ob ich sitze oder stehe, du kennst mein Herz“.
1 Für den Chormeister. Von David. Ein Psalm. HERR, du hast mich erforscht und kennst mich.
2 Ob ich sitze oder stehe, du kennst es. Du durchschaust meine Gedanken von fern.
3 Ob ich gehe oder ruhe, du hast es gemessen. Du bist vertraut mit all meinen Wegen.
4 Ja, noch nicht ist das Wort auf meiner Zunge, siehe, HERR, da hast du es schon völlig erkannt.
16 Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen. In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: die Tage, die schon geformt waren, als noch keiner von ihnen da war.
17 Wie kostbar sind mir deine Gedanken, Gott! Wie gewaltig ist ihre Summe!
18 Wollte ich sie zählen, sie sind zahlreicher als der Sand. Ich erwache und noch immer bin ich bei dir.
23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne meine Gedanken!
24 Sieh doch, ob ich auf dem Weg der Götzen bin, leite mich auf dem Weg der Ewigkeit!
Psalm 139,1–4.16–18.23–24
Wenn es uns gut geht, wenn unser Leben munter und kinderleicht verläuft, könnten wir womöglich meinen, dass wir Gott nicht nötig hätten. Dass wir auch ohne ihn ganz gut klarkommen würden. Doch das ist fatal und ein Trugschluss! Wir sollten uns immer eng an Gott halten und mit Jesus leben. Auch hier gilt „in guten wie in schweren Zeiten“. Eine Sache stimmt jedoch: Dass es uns nämlich in schwierigen Zeiten näher zu Gott hinzieht. Es fällt uns dann leichter, uns ihm zuzuwenden. Weil wir wollen, dass Dinge wieder gelingen, Beziehungen funktionieren, Zustände sich wieder verbessern. Die Not bringt Menschen somit oft und fast schon unmittelbar zu Gott. Schon morgens beim Aufwachen denken wir dann an das Problem, das uns so bedrängt. An eine Niederlage. Die verpatzte Prüfung. Die zerbrochene Liebschaft. Die verlorene Arbeitsstelle. Wir spüren stechenden Schmerz, körperlich oder seelisch. Wir befinden uns in tiefer Trauer. Oder wir sind total einsam, halten uns selbst kaum aus. Dann fällt es leichter, dass wir Gott morgens direkt bitten, dass er eingreifen möge. Wenn wir krank sind und mit verschnupfter Nase und dickem Kopf erwachen, dann ist ganz klar, was wir uns wünschen. Wir wollen wieder gesund sein. Also bete ich dann sofort darum, dass ich rasch wieder gesund werde. Interessanterweise gibt es eine schleichende Übergangszeit, die ich oft schon beobachtet habe. Eines Tages ist man wieder gesund – geworden – ohne, dass man das zunächst so ganz explizit sofort bemerkt hätte. Wir bewegen uns einfach weiter, funktionieren, machen und tun. Und wie aus dem Nichts fällt uns dann vielleicht und hoffentlich, fast mit Schrecken, auf, dass wir wieder gesund sind. Mit Schrecken fällt es mir deshalb auf, weil ich ja schon einige Zeit gesund gewesen sein musste, ohne es richtig bemerkt zu haben. Da schleicht sich so eine Gewohnheit ein, dass man das nicht mehr richtig wahrnimmt, nicht mehr richtig wertschätzt. Schon allein deshalb könnten wir eigentlich im Umkehrschluss an jedem Morgen, an dem wir gesund erwachen dürfen, dankbar sein – Gott für diesen guten, da gesunden Morgen danken.
Dieses Buch entstand in den unwägbaren anfänglichen Corona-Zeiten. Wie oft habe ich mit Freunden und Glaubensgefährtinnen telefoniert. Wir waren richtig fertig, oft verärgert, dann wieder entmutigt, wütend, ungläubig ob der ganzen Verbote, Umstände, Zustände. Und wiederum eines Morgens – ausgerechnet beim Haarebürsten – fiel es mir fast wie Schuppen von den Augen: Es könnte noch schlimmer sein, ich könnte das Virus haben. Doch – ich – bin – gesund. Ich darf gesund sein. Wenn ich mich jetzt schon, im gesunden Zustand, morgens zermürbt fühle – wie viel zermürbter wäre ich, wenn … Das allein hat mich ermutigt, meine Situation wertzuschätzen. Auch wenn unbestritten viele Einschränkungen dagewesen sind. Doch diese Einschränkungen plus die Erkrankung, das wäre in Kombination richtig heftig. Dennoch halten andere Menschen das aus. So war ich fortan, meistens zumindest, dankbar für meinen aus dieser Perspektive ganz annehmbaren Zustand. Das darf jetzt freilich nicht heißen, dass wir alles relativieren sollen, uns mit sterbenskranken Menschen vergleichen. Das wäre allein diesen leidenden Menschen gegenüber nicht fair. Für diese können und sollten wir beten. Wir für uns jedoch können unseren kleinen Mikrokosmos durchleuchten, was da drin los ist. Was in uns los ist. Wie wir den Fokus umlenken können auf die guten Dinge in und um uns herum. Das alles gelingt in einem Schnell-Merker-Modus, indem wir morgens noch im Bett liegen, kurz vorm Aufstehen. Indem wir ganz entspannt, vor der Arbeit des Tages, erstmal eine Runde beten.
Das Wichtigste kommt vor dem Frühstück
Versuchen Sie, wenn Sie aufgestanden sind, eine „Stille Zeit“ für sich und Gott einzurichten. Das kann am Küchentisch sein, auf dem Sofa oder am Schreibtisch. Hauptsache, Sie haben Ruhe und fühlen sich wohl. Übrigens muss man dafür nicht geschminkt und top gestylt am Tisch sitzen. Doch vielleicht mögen Sie eine Kerze anzünden, bevor Sie Ihre Bibel oder ein Buch mit Gebetsimpulsen aufschlagen. Womöglich ist es draußen noch dunkel, ein verhangener, ruhiger Tag. Das Haus schläft. Oder draußen geht die Sonne auf – ein magischer Moment. In diesem Moment sprechen Sie zu Jesus und Gott. Wie mit einem Menschen. „Guten Morgen Jesus, da bin ich. Diese Zeit gehört uns beiden.“ Man muss nicht immer etwas zu sagen haben. Wir dürfen auch einfach in dieser Stille verweilen. Hineinhorchen, ob Jesus uns etwas mit auf den Weg für den Tag geben will. Oft ist nichts zu hören, weil wir zu unruhig sind. Möglicherweise bekommen wir aber mehr Klarheit, wissen nach einem Gebet, wie wir eine Situation lösen können, deretwegen wir zuvor ratlos gewesen sind. Mit dem Stillsein ist das manchmal gar nicht so leicht. Vielleicht kommen wir nicht zur Ruhe, oder rasende Gedanken lenken uns ab. Wir sind gedanklich schon bei den verschiedenen Tagesaktionen, die von uns heute erwartet werden. Doch dann halten wir genau das Jesus hin. Das, was gerade mit oder in uns los ist, das halten wir ihm hin: „Jesus, heute kann ich nichts fühlen. Jesus, heute kann ich Dich nicht hören. Jesus, heute kann ich mich selbst nicht leiden, heute bin ich verzweifelt. Jesus, heute fühle ich mich gehetzt und kann keine lange Stille Zeit abhalten, vielleicht muss ich gleich abbrechen, bitte vergib mir.“ Diese Stille Zeit ist Gebet. Auch wenn Sie nichts sagen, wenn Sie nicht innerlich ununterbrochen beten, reden, sich austauschen. Es ist die Haltung und das Dasein vor und für Gott, vor und für Jesus, auf die es ankommt. Das geht nur, wenn wir es einrichten. Wenn wir Zeit freiräumen, damit ein Gebetsraum entstehen kann. Erfahrungsgemäß geht das am frühen Morgen leichter als im Trubel des Tages oder in den Schlummerstunden des Abends. Für mich klingt das fast wie „gestohlene Zeit“, weil sie so besonders ist. Glauben Sie nicht, dass ich jeden Morgen eine Stille Zeit hätte. Ganz oft habe ich diese nicht, bin traurig und betrübt darüber. Es will mir einfach nicht gelingen. Doch wenn ich sie einmal einrichten kann, dann frage ich mich, wie ich all die anderen Tage nur aushalten und durchlaufen konnte – ganz ohne diesen intensiven Gottesmoment. Ganz ohne den Kontakt aufgefrischt zu haben. Unserer Familie wünschen wir doch auch täglich aufs Neue einen Guten Morgen, besprechen kurz den Tageslauf, freuen uns aufs Wiedersehen am Mittag oder Abend. Jesus gehört auch zu unserer Familie. Deshalb sollte er einfach dabei sein. Ohne ihn geht es nicht. Also leben wir auch entsprechend. „So Jesus, guten Morgen, ich sage Dir jetzt, was heute bei mir ansteht. Und ich freue mich immer, wenn wir beide uns austauschen können, Du und ich. Also, ich muss jetzt los, bis später, und danke für alles!“
Paargespräche am Morgen
Mir geht es so, dass ich oft überlege, wie mir das mit dem Beten besser gelingen kann. Wie man sich dazu fast schon „überlistet“. Deshalb mache ich mir viele Gedanken dazu. Die müssen natürlich raus. So kommt es, dass ich mit verschiedenen Freunden und Bekannten darüber spreche. Und so kam es, dass mir jemand eines Tages nach dem Gottesdienst von einer herrlichen Analogie berichtet hat. Das hat mich deshalb so begeistert, weil es so logisch für mich klang, so lebensnah. Das ging mir direkt ins Ohr und ans Herz. Es ging um die persönliche Beziehung zu Jesus und darum, wie viel Zeit man mit ihm verbringen sollte. Mit „man“ meine ich Sie, mich, uns alle. Also wie viel Zeit sollten wir mit Jesus verbringen? Schon komisch, wenn man so was fragen muss. Wir würden wohl kaum auf die Idee kommen zu fragen, wie viel Zeit wir mit einem lieben Menschen verbringen müssen … doch Zeit mit Jesus verbringen, mit ihm reden, ihm begegnen – das genau ist Beten. Wie oft müssen wir beten? Kann das unser Ernst sein? Und doch ist es so oft mein – unser – Ihr Ernst. Und so waren wir seinerzeit bei genau dieser Frage des Betens angekommen. Dieser Jemand, am Sonntag nach dem Gottesdienst, verglich das folgendermaßen: Wenn er sonntagmorgens vor dem Gang in die Gemeinde am Frühstückstisch mit seiner Frau sitzt, dann wäre es doch völlig kurios, wenn er nicht mit seiner Frau reden würde. Wenn nichts stattfände. Keine Interaktion, keine Kommunikation, einfach nichts. Stumm dasitzen, sich anschweigen. Oder wenn man nicht mal einen gemeinsamen Raum teilen würde. Er sitzt im Wohnzimmer. Sie in der Küche. Jeder frühstückt allein und stumm vor sich hin. Keine Ansprache. Keine Gemeinschaft. Obwohl es doch das Gegenüber gibt – greifbar nah – wenige Schritte, ein Gespräch weit entfernt. So war es für diesen Jemand total wichtig, dass er mit seiner Frau beim Frühstück und auch sonst spricht. Sonst wäre das einfach nicht normal, unnatürlich, völlig fremd. Und man würde sich dadurch fremd, irgendwann. Man würde nicht so eng verbunden bleiben. Das genau verglich er im nächsten Atemzug mit der Verbindung eines jeden zu Jesus. Dass da auch eine Verbindung da sein müsste. Dass es sonst komisch wäre. Eben nicht normal, sondern unnatürlich, völlig fremd. Genau deshalb sollten wir immer im Dialog bleiben. Mit unseren Partnern, Freunden und ebenso mit Jesus. Klar kann man nicht ständig quatschen. Irgendwann müssen wir auch mal die Luft anhalten, sei es beim Zahnarzt, bei einem Vortrag oder anderswie. Irgendwann müssen wir natürlich auch arbeiten, uns konzentrieren. Oder wir schlafen. Entspannung muss sein. Da kann man nicht unentwegt reden. Doch wenn die Basis stimmt, kann man sich auch im Schweigen verstehen. Darauf kommt es an! Denn das Herz funkt weiter, die Liebe und Wertschätzung zum anderen hält nicht an, wenn wir einfach mal leise sind. Die geht weiter. Es ist die Herzenshaltung, die uns Lust macht, uns mit dem anderen zu beschäftigen. Mit dem Verlangen nach Austausch, nach Beziehung, nach gemeinsamem Wachstum. Austausch geht bekanntlich übers Reden und den Dialog – mit dem wertvollen Gegenüber. Im Lukasevangelium gibt es im Kapitel 6 im Vers 45 einen Teilsatz, der es auf den Punkt bringt.
Denn wovon das Herz überfließt,
davon spricht sein Mund.
Lukas 6,45
Alle zwei Wochen bei der Chorprobe
Eine im Radio gehörte Predigt hat mich echt begeistert. Es ging ums Dranbleiben. Im Glauben, im Beten, in der Gemeinschaft mit Jesus. Der Pastor hat das verglichen mit einer Ehe. Genauer gesagt, mit der lieben Kommunikation in der Ehe. Das will ich hier für meine Leser schildern, aus meiner Erinnerung zusammentragen. Wie kann das sein, dass wir sagen, wir lieben Jesus, haben dann am Tag aber keine fünf Minuten übrig, um mit ihm zu reden? Keine fünf Minuten, um mal eben „Hallo, da bin ich“ zu sagen? Das wäre, wie wenn in einer Ehe der Mann zur Frau sagt: „Also, wenn wir uns alle zwei Wochen in der Kirche zur Chorprobe sehen und uns da kurz austauschen, dort miteinander reden, dann reicht das doch völlig aus. Das reicht dann wieder für zwei Wochen.“ So etwas wäre wirklich heftig. Das denken wir doch sofort, oder nicht? Ein völliges No-Go und völlig undenkbar in einer gut funktionierenden Partnerschaft oder gar Ehe. Aber wie steht es um unsere Glaubenspartnerschaft? Was, wenn wir Jesus nur in groben, undefinierten Abständen begegnen, mit ihm quatschen? Vielleicht nur jeden Sonntag in der einen Stunde Gottesdienst? Vielleicht noch viel seltener, wenn wir nicht jeden Sonntag das Gotteshaus aufsuchen. Wenn wir nur sporadisch den Gottesdienst besuchen, dann allenfalls sporadisch. Und wenn wir gar niemals in der Gemeinde auftauchen, dann … Das kann sich jeder für sich selbst ganz ehrlich ausmalen. Nun, es wäre schon schön, was vom anderen zu erfahren, bei ihm am Ball zu bleiben. Immer wieder bei ihm aufzuschlagen. Den Ball in der Luft zu halten, auf dem Laufenden zu bleiben. Dazu bedarf es der Kommunikation. Wenn wir wollen, geht die immer bei uns los. Wir brauchen dazu nur mit jemandem in Kontakt zu treten. Uns ihm mitteilen. Unserem Gegenüber selbst ein Gegenüber sein. Wie wäre das, wenn wir einmal täglich eine Chorprobe hätten, eine ganz kurze? Zu viele Leute? Zu viel Liedtext? Zu viele Noten? Extra aus dem Haus müssen? Das auch noch abends, bei Wind und Wetter? Dann noch dieser Dirigent und Chorleiter … und wieso kommen immer die Lieder dran, die wir gar nicht so gern mögen? Davon können Sie ein Lied singen? Dann nehmen Sie doch all das raus. Den Chor. Die Probe. Die Leute. Den Chorleiter. Den anderen Ort. Die unpassende abendliche Tageszeit. Die krummen Töne, die unliebsamen Lieder. Jetzt machen wir den Switch. Jeden Morgen gemeinsam genüsslich frühstücken und sich ganz entspannt austauschen – das hätte doch was, oder? Das klingt sehr annehmbar. Also widmen wir diese Zeit einem Austausch mit Jesus. Das muss gar nichts Großes oder Langes sein. Besser jeden Tag fünf oder zehn Minuten, als jeden Tag zu denken: „Mist, ich habe keine 15, 20 oder 30 Minuten mehr übrig, also lass ich’s aus“. Die Kontinuität tut unserer Gottes- und Jesusbeziehung gut. Indem wir dranbleiben, bleiben wir in unserem Glaubensleben am Ball. Wir gehen verändert in den Tag, wenn wir vorher unsere Stille Zeit mit Jesus hatten. Das muss nicht unbedingt am Küchentisch geschehen. Bei schönem Wetter geht das auch auf dem Balkon, auf der Terrasse – oder bei einem kleinen Morgenspaziergang – im Fortbewegen oder auf einer Bank sitzend. Ich habe die wunderschöne Erfahrung gemacht, dass, wenn es mir gelingt, sehr früh aufzustehen, mir dann auch die Stille Zeit gut gelingt. Das Haus ruht, ich ruhe noch in mir, und so kann man sich sehr wohltuend zurückziehen. Manchmal zieht es mich dazu nach draußen, auf den Balkon bei schönem Wetter. Ab und zu auch mit einem Andachtsbuch, mit einer Tasse Tee. Dann sitze ich dort, bete ein Vaterunser, gucke zum Himmel und in die Landschaft, bin berührt von Gottes Schöpfung. Das bringt mich schon in die Dankbarkeit, in eine Demut, und so hänge ich Gedanke an Gedanke, reihe innere Worte aneinander, leise, mich hört niemand anderes dabei. Meine Hände habe ich dabei gefaltet. Manchmal stehe ich, oft sitze ich auch. Ich sage Jesus, wie es mir geht, was heute alles ansteht. Ich denke an Menschen, die für mich beten. Ihre Namen nenne ich, halte sie Jesus hin. Einen nach dem anderen zähle ich auf. Ich hab da keine feste Reihenfolge. Wie sie mir in den Kopf schießen, zähle ich sie auf. Schiebe manchmal noch jemanden nach, der mir später erst in den Sinn kommt. Ich bin glücklich, dass ich diese Menschen kennen darf. Welch ein Privileg für mich – und Anlass, um ein Dank-Anliegen zu äußern:
„Lieber Herr Jesus, danke für diese Menschen. Und danke für diesen Morgen, für diesen guten Morgen.“
Wenn ich mir anschließend noch den Losungstext durchlese oder einen geistlichen Impuls oder einen anderen Andachtstext für den Tag, und sei dieser noch so kurz, dann ist das einfach ein gelungener und würdiger Start in den Tag. Ich gehe verändert in den Tag hinein. Und der Tag schaut mir verändert entgegen. Ich bin mit Jesus unterwegs, was könnte Schlimmes passieren? Da kann man nur guter Dinge sein oder mindestens besserer Dinge als zuvor. In schwierigen Zeiten ist es schon schlimm, da muss nicht noch was Schlimmeres kommen. Doch auch dann können wir Jesus um Trost, um neue Kraft und Wegbegleiter bitten. Wir können ihn bitten, dass er uns begleitet und beschützt.
Der frühe Beter fängt den Segen
Ein Spaziergang am frühen Morgen tut gut. Er kann unseren Geist erfrischen. Wir müssen einfach den Wecker früher stellen – und dann raus aus den Federn. Das lohnt sich! Wenn wir beim Spaziergang auch noch beten, entfaltet das eine besondere Kraft. Indem wir durch Gottes wunderbare Schöpfung wandeln, empfinden wir nochmals eine andere Dankbarkeit, als wenn wir uns innerhalb unserer eigenen vier Wände Gott zuwenden würden. Es braucht gar kein langer Spaziergang zu werden, eine kurze Strecke reicht, und wir kommen verändert zurück. Man kann das ein bisschen mit dem Vorher und Nachher beim Sport vergleichen. Wenn ich mich zum Joggen aufmache – meist ist das eher abends –, habe ich einen schweren Kopf, in mir wirbeln Gedanken herum, Gefühle tosen umher. Irgendwann während des Joggens reguliert sich das, ohne dass ich es gleich bemerke. Denn ich bin ja bei der Sache, also beim Joggen. Ich bekomme Eindrücke links und rechts vom Wegrand. Vögel flattern durch die Luft, eine Ente watschelt über den Weg. Oder wenn ein Hund angesprungen kommt, sollte man als Jogger schon wachsam sein. Allein deswegen kann ich nicht ständig krampfhaft an meinen schweren Gedanken und Gefühlen festhalten. Wenn ich dann vom Laufen nach Hause zurückkehre, fühle ich mich befreit. Zumindest etwas leichter ums Herz – und zugegebenermaßen ziemlich aus der Puste – als beim Weggehen.
Wenn wir das nun auf einen Gebetsspaziergang am Morgen (oder auch am Abend) übertragen, dann kann uns das doppelt beflügeln. Zum einen, weil wir in Bewegung kommen, weil uns neue Eindrücke überraschen. Vielleicht flattert uns ein Schmetterling entgegen, eine kleine Maus huscht über den Weg oder wir erleben den Sonnenaufgang. Ein andermal hören wir den Schnee unter unseren Füßen knirschen, wir bewundern magische Nebelschwaden oder erschnuppern frischen Regen. In jeder Jahreszeit können wir andere Wunder entdecken. Doch nicht nur die Bewegung tut uns körperlich und seelisch gut. Das Wandeln in Gottes Schöpfungsgarten macht dankbar. Wenn wir dann auch noch beten, entfaltet das einfach eine besondere Kraft. Vielleicht ist es der einen oder dem anderen unangenehm, mit vor sich zum Gebet verschränkten Händen aufrecht durch die Prärie zu marschieren. Das kann ich gut verstehen. Ich habe meine Hände beim Spaziergang entspannt in der Jackentasche, eine betende Haltung dabei nehme ich trotzdem ein. Ich bete leise, innerlich, zu Gott hin. Sage ihm meine Anliegen. Klar kann man auch zwischendurch jemanden grüßen, wenn uns ein Nachbar oder Bekannter entgegenkommt. Das ist keine Unterbrechung. An sich ist unser ganzes Leben idealerweise ein Gebet. Dieses Gebet geht einfach immer weiter. Wir docken uns immer wieder bei Gott an. Klinken uns ein. Rufen ihn an. Wenn wir etwas anderes tun müssen, beispielsweise arbeiten oder die Steuer erledigen oder eine Klausur ablegen, dann sind wir immer noch Gottes Töchter und Söhne. Unsere Grundhaltung, unser Herz, ist auf ihn ausgerichtet. Nur können wir nicht unentwegt aktiv zu ihm hinbeten. Doch wir wissen, dass er da ist. Wir erkennen ihn als unseren Gott an und verehren ihn. Damit ist alles in Ordnung.
Im Laufe dieses Buches entdecken Sie, wie oft im Alltag wir Möglichkeiten haben, ins Gebet ab- und einzutauchen. Und zwar ganz entspannt, oft auch ganz inkognito. Indem wir uns öfters einklinken ins Gebet und uns mit dem Segensstrom von Gott verbinden, entsteht eine starke Verbindung. Es fühlt sich natürlicher an, verbunden zu sein. Ein Gebet fällt dann nicht mehr so aus der Rolle, aus der Reihe, aus dem Alltag raus. Nein, es passt da voll rein, überall da, wo wir gerade sind. Ein Gebetsspaziergang am Morgen ist eine Möglichkeit, wie wir mit Gott bewegt in unseren neuen Tag starten können. Wir werden wach für den Tag und wach für Gott. Wir gehen als eine veränderte Person durch den neuen Tag. So, wie man sich nach dem Joggen befreit fühlt, gelingt das durchs Beten auf geistlicher Ebene. Und ganz gleich, was kommt, wir wissen einfach, dass wir bereits etwas Wichtiges für Gott und für uns getan haben. Ein wahrer Segen für den bevorstehenden Tag.
Toolbox zum In-die-Gänge-kommen
Es gibt eine Menge praktischer, bewährter und auch sehr schöner Hilfsmittel, mit denen wir es uns einfacher machen können, um uns ins Beten einzufinden. Nachstehend sind einige Möglichkeiten zur Inspiration und zum Ausprobieren aufgelistet.
•Losungsbuch mit „Gottes Wort für jeden Tag“. Wenn wir mit dem Losungsbuch der Herrnhuter beten, können wir mit einer himmlischen Maxime in den Tag starten. Bei vielen Menschen liegt so ein Losungsbuch auf dem Nachttisch oder dem Küchentisch. Manche nutzen die zugehörige App und haben die Tagestexte auf diese Weise immer griffbereit. Jedes Jahr gibt es ein neues Losungsbuch, in dem es für jeden Tag einen Vers aus dem Alten und einen aus dem Neuen Testament gibt. Ergänzt wird das noch durch eine passende Gedichts- oder Liedstrophe. Dieser Dreiklang kann einen ganz schönen Einklang in unser Gebetsleben zaubern. Wir haben etwas Handfestes, nach dem wir uns richten können. Wir haben damit auch eine Stütze und Tagesorientierung fürs Gebet.
•Andachtsbücher- und Zeitschriften. Es gibt von verschiedenen Verlagen unterschiedliche kleinere und größere Büchlein und Hefte, die anleiten wollen bei der persönlichen täglichen Bibellese und damit auch beim Gebet. Viele Bücher sind ziemlich dick, weil der Bibeltext darin schon abgedruckt steht für den jeweiligen Tag. Dieser wird noch erläutert und ausgelegt, oft mit einer praktischen Brücke hinein in unser tägliches Leben. Es gibt auch dünnere Varianten, die für jeden Tag im Jahr einfach nur die Bibelstellen anzeigen, die man dann in seiner eigenen gewohnten oder sogar Lieblingsbibel nachlesen kann. Beides hat seinen Charme. Beides kann uns näher zu Gott bringen, durch das Studium seines Wortes, durchs damit einhergehende Gebet.
•Gebetbücher. Hier gibt es wunderschöne Bücher mit vorformulierten Gebeten; oft sind sie auch für bestimmte Zielgruppen gestaltet. So gibt es Varianten für Kids, Jugendliche, junge Erwachsene, Familien, für Frauen oder für Männer. In den Büchern selbst finden wir öfters eine Unterteilung nach Situationen, nach Jahres- oder Lebenszeiten. Je nach Ausgangslage, Situation oder persönlicher Verfassung kann man das passende Gebet für sich finden. Manche trösten, andere bauen auf, wiederum andere loben, andere klagen an.
•Gesangbücher. Auch im „Evangelischen Gesangbuch“ und im „Gotteslob“ finden wir viele Gebete, von denen wir oft überrascht sind, dass wir sie im Liederbuch vorfinden. Manche treffen total ins Herz, andere kommen einem richtig modern vor, obwohl sie aus alten Zeiten stammen. Es lohnt sich, ältere und auch neuere Gesangbücher auf Gebete hin durchzublättern.
•Eigenes Gebetbuch. Das ist eine schöne Weise, auf welche wir Gebete festhalten können, die uns persönlich berühren und bewegen. Vielleicht entdecken wir diese, wenn wir eine Kirche besuchen, wenn wir in der Bibel lesen, wenn wir ein christliches Buch oder eine Zeitschrift über Glaubensthemen durchschmökern. Wann immer uns ein Gebet gefällt, können wir es uns notieren. Über die Zeit entsteht unser ureigenes Gebetbuch, mit dem wir immer wieder beten können. Wir können darin übrigens auch notieren, was wir für Anliegen haben, was wir an Bitte, Lob und Dank Gott entgegenbringen. Last but not least ist solch ein eigenes Gebetbuch auch perfekt dazu geeignet und lädt förmlich dazu ein, dass wir selbst kreativ werden und eigene Gebete schreiben, wie einen Brief an Gott.

Nicht bummeln, beten
Manchmal läuft einfach zu viel in unserem Alltag ab. Das ist ziemlich oft der Fall. Wir sollen dies und müssen das. Erwartungen lasten auf uns. Natürlich wollen wir da unsere rare Freizeit richtig auskosten, Aktivitäten hineinpacken, Freunde treffen, Zeit mit unserer Familie verbringen. Auch der Haushalt will in Schuss gebracht werden. Wollten wir nicht auch längst schon mal wieder über eine neue Wohnungseinrichtung nachgedacht haben? Wo bleibt nur die Zeit! Und dann auch noch Zeit für Beten aufbringen? Viele Menschen reden sich raus, machen es sich leicht oder unnötig schwer. Doch wir müssen nicht immer viel Zeit freischaufeln, um zu beten. Beten geht immer, das ist der Clou! Auch zwischendurch und unterwegs. Wenn wir längere Strecken mit dem Auto fahren, wenn wir zum Supermarkt oder in die Kita laufen. Immer dann können wir, statt zu grübeln, genauso gut beten, mit Jesus ausmachen, was uns bewegt: „Jesus, heute ist mir alles zu viel. Hilf mir tragen.“ „Jesus, heut bin ich gut drauf, danke, dass es mir so gut geht.“ Wenn wir im Büro sitzen, ist immer mal wieder ein kleines Gebet drin: „Jesus, das ging jetzt gerade nochmals gut mit diesem Projekt, danke, dass Du mir beigestanden hast und ich den Termin einhalten konnte.“ Wenn wir im Supermarkt immerzu scheinbar die falsche Schlange erwischen, an der wir länger warten müssen … dann muss das gar nicht die schlechtere Schlange sein. Denn wir haben somit etwas Freiraum, um zu beten. Dafür müssen wir nicht an einem Tisch sitzen und fromm aus der Wäsche gucken. Einfach den Moment nutzen und los geht’s. Sprechen wir mit Jesus. Sagen wir ihm, wie es gerade in uns aussieht. Was wir machen, was heute schon hinter uns und was noch vor uns liegt. Auch während der Hausarbeit können wir immer wieder mit Jesus in Kontakt kommen – beten. Beim Abwasch, beim Bügeln, beim chaotischen Wäschezusammensammeln. „Jesus, eigentlich wollte ich heute was ganz anderes schaffen. Eigentlich wollte ich doch ganz anders Zeit mit Dir verbringen.“ Bevor wir gar keine Zeit mit Jesus verbringen, sind wir doch lieber mal kurz zwischendurch da, ploppen auf, sind wieder weg, kommen aber wieder zurück. Das ist es, was eine Beziehung ausmacht – die Beständigkeit, der regelmäßige Kontakt, den man gern hat und immer wieder von Neuem sucht.
Von der Krux, keine Heilige zu sein
Die Karmelitin und Mystikerin Teresa von Avila sprach vom „Herrn der Töpfe und Pfannen“. Das ist wirklich köstlich, weil sie damit genau das auf den Punkt bringt, wie es auch uns, hier und heute, in unserem modernen Alltag ergeht. Sogar sie, als Heilige, hatte nur bedingt Zeit, eine Heilige vor und für Gott zu sein. Auch sie musste schauen, jonglieren, bangen, wie sie ihre Aufgaben im Kloster vereinen konnte mit ihrer Beziehung zum himmlischen Vater.
Herr der Töpfe und Pfannen
Herr der Töpfe und Pfannen,
ich habe keine Zeit, eine Heilige zu sein
und Dir zum Wohlgefallen
in der Nacht zu wachen,
auch kann ich nicht meditieren
in der Morgendämmerung
und im stürmischen Horizont.
Mache mich zu einer Heiligen,
indem ich Mahlzeiten zubereite
und Teller wasche.
Nimm an meine rauen Hände,
weil sie für Dich rau geworden sind.
Kannst Du meinen Spüllappen
als einen Geigenbogen gelten lassen,
der himmlische Harmonie
hervorbringt auf einer Pfanne?
Sie ist so schwer zu reinigen
und ach, so abscheulich!
Hörst Du, lieber Herr,
die Musik, die ich meine?
Die Stunde des Gebetes ist vorbei,
bis ich mein Geschirr
vom Abendessen gespült habe,
und dann bin ich sehr müde.
Wenn mein Herz noch am Morgen
bei der Arbeit gesungen hat,
ist es am Abend schon längst
vor mir zu Bett gegangen.
Schenke mir, Herr,
Dein unermüdliches Herz,
dass es in mir arbeite statt des meinen.
Mein Morgengebet
habe ich in die Nacht gesprochen
zur Ehre Deines Namens.
Ich habe es im Voraus gebetet
für die Arbeit des morgigen Tages,
die genau dieselbe sein wird wie heute.
Herr der Töpfe und Pfannen,
bitte darf ich Dir anstatt gewonnener Seelen
die Ermüdung anbieten,
die mich ankommt
beim Anblick von Kaffeesatz
und angebrannten Gemüsetöpfen?
Erinnere mich an alles,
was ich leicht vergesse;
nicht nur, um Treppen zu sparen,
sondern, dass mein vollendet gedeckter
Tisch ein Gebet werde.
Obgleich ich Martha-Hände habe,
hab’ ich doch ein Maria-Gemüt,
und wenn ich die schwarzen Schuhe putze,
versuche ich, Herr,
Deine Sandalen zu finden.
Ich denke daran,
wie sie auf Erden gewandelt sind,
wenn ich den Boden schrubbe.
Herr, nimm meine Betrachtung an,
weil ich keine Zeit habe für mehr.
Herr, mache Dein Aschenbrödel
zu einer himmlischen Prinzessin;
erwärme die ganze Küche mit Deiner Liebe
und erleuchte sie mit Deinem Frieden.
Vergib mir, dass ich mich absorge,
und hilf mir, dass mein Murren aufhört.
Nun sind die meisten von uns sicherlich keine Mystikerinnen oder Heilige. Und doch haben auch wir das Recht, uns als Christen Gott zuzuwenden. In meinen Augen ist dieses Recht ein Privileg und gleichermaßen eine Pflicht. Eine Pflichtprüfung vor Gott, dass wir es ehrlich meinen. Eine Verpflichtung, die wir eingehen. Weil wir ein Bündnis mit ihm schließen. Viele von uns würden sich gern Gott zuwenden. Doch dann finden sie das irgendwie altmodisch, nicht zeitgemäß. Andere sind tieftraurig, dass sie den Dreh nicht hinbekommen. Wie nur steigt man ein in eine beständige und tragende Gottesbeziehung? Im Rundfunk habe ich von einem Prediger mal eine ganz tolle Weisheit gehört und die ging in etwa so: Es ist nicht Gott, der menschen- oder weltfremd sei. Wir Menschen heutzutage seien gottesfern.
Zurück zum Gebet von Teresa von Avila. Sie hat ihre irdischen Arbeiten verrichtet und fragte sich, wann sie noch Zeit hätte, eine Heilige zu sein. Eine Heilige, die regelmäßig vor Gott tritt. Eine, die lange Gebetszeiten pflegt. So eine, die eben dem Abbild – oder ist das viel eher ein Trugbild – einer echten Heiligen entspricht. Das eine ist die Orientierung ins Irdisch-Weltliche. Das andere die Orientierung und Hingabe zu Gott hin. Wir erkennen unseren eigenen Zwiespalt. Stehen mit beiden Beinen auf Gottes Erde – unsere Verpflichtungen erscheinen wie ein Sog, der uns hineinzieht. Dabei wollten wir dem Himmel doch so nahe sein. So ein Zwiespalt kann eine Zerreißprobe sein. Auf Erden ist so viel los. Wie auf einem Wimmelbild. Auch bei uns. Nur zu gut kennen wir die Verrichtungen im Haushalt, die im Gebet der Heiligen rund um die Töpfe und Pfannen aufgelistet sind. Eine richtige To-do-Liste ist das. Vielleicht ist es bei uns ja das Ein- und Ausräumen des Geschirrspülers statt die angebrannten Gemüsereste in Töpfen und Pfannen zu schrubben. Wie luxuriös – und doch kann es lästig erscheinen! Vielleicht hantieren wir mit Super-Mixern, um uns unser neuzeitliches Essen zuzubereiten. Oder auch mit leichten Akkusaugern oder wir lassen Staubsaugerroboter in unseren Zimmern herumflitzen, die für uns alles blitzeblank machen. Womöglich polieren wir unsere High Heels oder futuristischen Sneaker anstelle von gewöhnlichen schwarzen Schuhen.
Doch eine Sache, die bleibt immer die gleiche: Dass wir uns Gott zuwenden wollen. Und das fällt uns allzu oft so verdammt schwer. Warum müssen wir immer darum ringen, dass wir Gott nicht in unserem Alltag verlieren? Ich glaube, weil wir in Systemen denken. Da gibt es einerseits unseren Alltag. Unsere Arbeit. Unsere Ehe und Partnerschaft. Unsere Familie. Unsere Hobbys. Und dann, klar, gibt es für uns als Christen auch noch Gott. Auch das noch. Noch was. Das kommt noch obendrauf – für uns als Christen. Wir denken scheinbar in Schubladen. Wenn wir putzen, dann putzen wir, dann ist schon keine Zeit für Gott da. Wo, bei all der Plackerei, bleibt noch Zeit für und mit Gott. Es kann womöglich wie eine Bedrohung, ein Zeitfresser oder Überlastungsfaktor wirken, dass wir noch Zeit für Gott freiräumen müssen, obwohl wir das aus tiefem Herzen ja wollen, gar keine Frage. Doch wieso nehmen wir Gott nicht mit in unser Leben hinein, durchwühlen mit ihm gemeinsam all unsere Lebensschubladen? Schaffen Ordnung mit ihm, vertrauen darauf, dass mit ihm tragende Systeme für uns entstehen dürfen. Also wenden wir uns ihm zu, einfach immer – immer wieder. Beim Staubsaugen können wir ihm sagen, was uns belastet. Beim Spülmaschineausräumen können wir ihm danken für Dinge, die sauber gelaufen sind. Beim Arrangieren unserer Schuhkollektion können wir darum beten, dass er unsere Wege begleiten möge, sobald wir in diesen Schuhen stecken. Jeder Knopf auf den Super-Mixer könnte ein „danke“ bedeuten. Vielleicht auch ein Turbo-Danke oder ein Refresh-Danke, je nach Tastenwahl. Immer wieder, wenn wir draufdrücken, könnte ein „Amen“ dahinterstehen für ein zuvor gesprochenes kurzes Anliegen. Lassen wir Gott in unseren Alltag hinein. Dann brauchen wir gar nicht immerzu Zeit für ihn freizuschaufeln, weil er schon mittendrin ist. Beim Putzen, Kochen, Essen, Abwaschen. Und beim Super-Smoothie-Zubereiten.
Tetris-Technik – Lücken geschickt ausnutzen
Also beim Tetris-Spielen sollte man eines tunlichst vermeiden: Lücken. Da heißt es auf Teufel komm raus sämtliche Lücken auszunutzen. Oft entstehen auch in unserem Alltag scheinbar unerwünschte Lücken. Einfach mittendrin. Die Pläne rattern im Kopf weiter. Unseren To-do-Listen hinken wir weit hinterher. Wir können nicht sofort mit dem weitermachen, was wir eigentlich vorhatten. So ein Mist, denkt nun der eine. So ein Segen, sagt sich der andere, und macht sich diese Lücke geschickt zunutze: Indem er einfach mal kurz in sich geht, sich zu Gott ausrichtet und betet. Das gibt Kraft. Das verbindet. Das intensiviert unsere Gemeinschaft mit Gott. Wir können unseren Alltag bereichern mit solchen Gebetszeiten. Ohne diese wäre ein Tag wohl eher löchrig, einem Lückenwerk gleich. Immer wieder wäre er ausgehöhlt und hätte diese Löcher drin. Mit Gebetszeiten versehen wird er zu einem Gebetswerk – welch ein wunderschönes Muster im Laufe eines Tages entstehen kann. Natürlich brauchen wir hier vielleicht etwas Übung. Wir müssen uns womöglich anfangs selbst einen kleinen Gebets-Schubs geben, damit wir die Lücken nutzen. Wie beim Tetris-Spielen heißt es dann: üben, weitermachen, dranbleiben, damit wir immer besser werden. Nun geht es beim Beten keineswegs darum, einen Highscore herauszuholen oder darum, ein Gebet in einer gewissen Spitzenzeit herunterzurattern. Wir wollen lernen, Freiräume geschickt zu nutzen und einüben, darin kurz zu beten. Denn es geht einfach immer und immer wieder darum, dass wir uns Gott zuwenden. Dass wir den Kontakt zu ihm suchen. Dass wir mit ihm reden – beten. Darum geht es. Das verlangt anfangs ein bisschen Training. Das ist normal. Wenn wir uns im Alltag entstehende Lücken fürs Gebets-Tetris zunutze machen, brauchen wir eine kleine Portion Flexibilität. Denn es ist nicht gesagt, dass nun unbedingt exakt ein ganzes Vaterunser in genau die Wartezeit passt, in der wir in der Postschlange stehen. Und während wir vielleicht noch ins Gebet versunken sind, kann sich in der Kassenschlange wie aus dem Nichts ein Ruck tun und wir sind plötzlich an der Reihe. Dann müssen wir in den weltlichen Modus zurückswitchen, unsere Äpfel, Nudeln, Kartoffeln & Co. vom Band hieven und schließlich noch bezahlen. Da ist es eher schwierig, seelenruhig zu Ende zu beten. Es wäre für uns und andere auch eher merkwürdig, wenn wir sagen würden: „Moment, ich reihe mich mal eben aus, denn ich muss noch zu Ende beten.“ Nein, wir bringen unseren Einkauf zu Ende. Beim Weg hinaus aus dem Geschäft können wir unser Gebet beenden oder uns vielmehr einfach immer wieder in den Gebetsstrom, in das Gespräch mit Gott, einklinken. Das kann für uns ein großartiger Normalzustand werden und muss nichts Komisches mehr an sich haben. Sind wir mutig und probieren das aus. Komisch mag es zunächst schon anmuten, ein Gebet abrupt abreißen zu lassen. Um ausgerechnet mit dem Weltlichen, dem Autotanken, dem Bezahlvorgang an der Kasse oder einer Überweisung am Automaten weiterzumachen. Doch noch komischer wäre das doch, wenn wir gar niemals die Zeit zum Beten finden würden. Wenn wir diesen Draht zu Gott gar nicht zum Glühen bringen würden. Beim Suchen und Warten auf den richtigen freien Moment einen solchen nicht finden würden. Dann bliebe alles leer. Welch tristes Muster! Viele ungenutzte Lücken. Wie eine Kraterlandschaft. Deshalb machen wir uns ab jetzt freie kurze Zeiten einfach zunutze.
Top Ten der nervigsten Wartezeiten
Wenn wir gedanklich den Schalter umlegen, können wir vielleicht künftig besser Ruhe bewahren und die Gunst der Warteminuten nutzen, um kurz ins Gebet zu gehen. So ein Moment des Sich-Sammelns, des Ausrichtens zu Gott hin, ist inmitten solch hitziger Situationen das einzig Wahre. Funktionieren wir einfach die Wartezeiten in kurze Gebetszeiten um, hier die Top Ten:
•In der falschen Supermarktschlange stehen
•Ampel springt auf Rot und will erst mal keinen Farbwechsel mehr zulassen
•Am Telefon in der Warteschleife hängen
•Die Leute vor uns am Ticketautomat checken einfach nicht, wie das geht
•Die Person vor uns in der Bäckerschlange will anscheinend den Laden leerkaufen
•Am Postschalter vor uns wickelt jemand umfangreiche Bankgeschäfte ab
•Bahnschranke geht runter, der Vordermann kam noch gut durch
•Jemand schnappt uns die Parklücke vor der Nase weg und wir kreiseln und kreiseln …
•Beim Tanken geht nichts vorwärts
•Werbeunterbrechungen während unserer Lieblingsserien
Wenn wir bei solch nervigen Wartezeiten einfach den Switch hinkriegen und mal kurz einen Moment beten, ist das wunderbar. Damit sind wir auch im beruhigenden Bewusstsein, dass wir nicht so ärgerlich aus der Wäsche gucken müssen und dass sich unser Puls rasch wieder regulieren darf. Wir brauchen nicht aus der Haut zu fahren. Wir besinnen uns auf diesen Gebetsmoment – umgeben von stillstehenden Einkaufswagen, sturen Signalanlagen, nervigen Roboterstimmen, planlosen Automaten-Nicht-Checkern, leckeren Teilchen und Plundern, exzessiven Bankgeschäftebetreibern, plötzlichen Beschränkungen, biestigen Parklücken- und Tanksäulenbesetzern sowie Serien-Anhaltern.
Ora et labora hier und heute
Jetzt noch was zur Maxime „Ora et labora“ (bete und arbeite). Diese Maxime der Benediktiner wird vielerorts in Klöstern praktiziert. Wenn man als Gast ein Kloster besucht oder sich dort zu sogenannten Ora-et-labora-Tagen anmeldet, kann man das am eigenen Leib erfahren und miterleben. Manche Klöster bieten solche Tage für ihre Gäste an. Da kann man beispielsweise im Garten mit anpacken, hat darüber hinaus eine kleine Zimmerunterkunft und nimmt als Gast an Gebets- und Essenszeiten teil. Die Klosterschwestern sieht man zum Stundengebet in ihrer Ordenstracht, meist in Schwarz und relativ verhüllt. Auf dem Acker hingegen sieht man sie in Zivil, da arbeiten sie ganz normal. Ich habe das bei Benediktinerinnen erlebt. Sie kümmern sich um Gemüseanbau, pflanzen Kräuter an, pflegen Blumen und kümmern sich um Grünflächen und den Baumbestand. Es gab noch andere Arbeitsbereiche. Eine Schwester war zuständig für die Gäste und deren Empfang, für An- und Abreisemodalitäten oder auch sonst für Fragen zum Aufenthalt. Dafür gab es ein Zeitfenster am Vormittag. Natürlich lag dieses außerhalb der gemeinsamen Gebetszeit. Eine andere Schwester war im kleinen Buchladen tätig, der mit auf dem Klosterhof gewesen ist. Wiederum eine andere Schwester war künstlerisch mit Restaurationen beschäftigt. Einige der Benediktinerinnen haben auch Kurse und Workshops für ihre Gäste gegeben, hatten für gleich mehrere Tage Gruppen zu begleiten, flankiert von den gemeinsamen Gebetszeiten. Auf individuelle Anfrage konnte man um Seelsorge- und Beratungsgespräche bei der ein oder anderen Benediktinerin bitten. Klar erkennbar war, dass so eine Gemeinschaft zurückgezogen lebt – aber zugleich, und das fand ich schön, ist sie nicht abgeschottet von der Außenwelt und kennt irdische Belastungen und Verpflichtungen. Beides gehört für sie in ihrem Klosterleben dazu. Beides verbinden sie auf eine gute Weise. Die Reihenfolge dort leitet sich stets von den gemeinsamen Gebetszeiten ab. Alles ordnet sich diesen unter. Zum gemeinsamen Beten, das sich Stundengebet oder Tagzeitengebet nennt, trifft man sich mehrfach am Tag in der Klosterkirche oder Kapelle. Der Tag wird immer wieder dafür unterbrochen. Los geht das schon sehr früh mit einer Art Frühandacht, später folgt mit der „Laudes“ das Morgengebet, mittags das Mittagsgebet. Wenn der Tag sich langsam seinem Ende zuneigt, folgen das Abendgebet „Vesper“ und in Richtung Schlafenszeit schließlich die „Komplet“. Das ist die Richtschnur und der rote Faden, nach dem sich alles, wirklich alles andere ableitet. Was kann das für uns bedeuten, wie können wir uns dieses Prinzip für unseren ganz irdisch gelagerten Alltag zunutze machen? Drehen wir den Spieß einfach um. Unser moderner Alltag, der sich normalerweise außerhalb von Klostermauern abspielt, folgt irdischen Prioritäten: Wir stehen auf, machen Frühstück für uns und die uns Anvertrauten. Wir kümmern uns um den Haushalt. Oder wir gehen an unsere Arbeitsstelle, ins Büro, in die Schule, an die Uni. Viele müssen sich einen Kopf um Haushalt und Arbeit machen, wie sie beides unter einen Hut bekommen. Natürlich gibt es Termine und Uhrzeiten, die wir im Laufe eines Werktages einhalten müssen. Das können Öffnungszeiten von Kita, Kindergarten oder Schule sein, wenn wir unsere Kinder dort hinbringen müssen. Oder es sind Start- und Endzeiten unserer Arbeit. Sicherlich kommen dann und wann noch Arzttermine hinzu oder der Wocheneinkauf steht an. Ebenso muss man mit dem Hund Gassi gehen. Das ist quasi unser Kernablauf, geprägt von solchen weltlichen Dingen, die für uns wichtig sind und um die wir uns zu kümmern haben. Wie wäre es nun, wenn wir das als Grundstruktur hinnehmen würden und ringsherum Gebetszeiten wie Blümlein einstreuen? Also immer wieder einen kleinen Freiraum dranpuzzeln fürs Gebet. Etwa vorm Frühstück. Oder danach. Wenn wir uns auf dem Weg in die Arbeit befinden. Statt verschlafen in der U-Bahn zu sitzen, könnten wir genauso gut beten. Wir können uns einen Stundenplan kreieren, in den wir zunächst unsere Pflichttätigkeiten eintragen. Und anschließend oder immer wieder zwischendurch kommt die Kür – das Beten. Wo könnte es reinpassen? Vielleicht jeweils im Übergang von einem Ereignis zum nächsten? Während der Wegstrecken? Oder lieber eine Viertelstunde länger beim einen verweilen, um dort in Ruhe zu beten? Wenn man so einen Plan vor sich liegen hat, kommt man nochmals auf andere Ideen, erkennt Lücken und Möglichkeiten. Wir können dann erfinderisch werden, ausprobieren, wann wir mal kurz beten könnten. Wann immer wir Kirchenglockengeläut hören, können wir ein Gebet sprechen – welch schöner Reminder im weltlichen Alltag. Die Glocken wollen zum Gebet rufen – zurückholen zum Wesentlichen. Folgen wir diesem Ruf. Gehen wir mit einer betenden Lebenshaltung durch unseren Alltag. Das geht auch ohne Händefalten. Das Geheimnis liegt in folgender Weisheit: Das eine tun und das andere nicht lassen – Ora et labora als Lebenshaltung. Nicht Entweder-Oder, sondern die Verbindung aus beiden Welten leben – im Jetzt und im Hier und im Nachher und im Später. Und wenn es läutet, dann noch einmal mehr.
Marta und Maria in uns
Im Lukasevangelium lesen wir, dass Jesus einmal unterwegs gewesen und dann eingekehrt ist bei einer Marta. Dort bei Marta im Haus war auch ihre Schwester Maria anwesend. Marta meinte es gut und wollte Jesus besonders fürsorglich dienen. Also hatte sie in der Küche jede Menge zu tun. Maria hingegen schenkte in dieser Zeit ihre volle Aufmerksamkeit Jesus, hörte ihm zu. Läuft hier aus unserer Sicht etwas verkehrt? Gibt es eine gefühlte Schieflage? Kennen wir solche Situationen? Die eine rackert sich im Haushalt ab, wenn Besuch kommt, die andere ist fein raus und betreut die Gäste. Nun gut, irgendwie muss Marta bemerkt haben, dass sie ganz schön viel zu tun hat – allein in der Küche. Deshalb ging sie zu Jesus. Sie war irritiert, fragte ihn, ob es ihn denn gar nicht kümmere, dass ihre Schwester Maria ihr die ganze Arbeit allein überlassen würde. Von ihrer Schwester hätte sie sich Hilfe erwartet. Stattdessen saß diese bei Jesus, scheinbar untätig. Jesus sagte sinngemäß, dass Marta sich unnötig einen Kopf machen würde, er sprach von „Sorgen und Mühen“. Doch nur eine Sache sei notwendig. Er verwies darauf, dass Maria sich für den „guten Teil“ entschieden, „die richtige Wahl getroffen“ habe.
Mir geht es so, dass ich diese Begebenheit mit Marta, Maria und Jesus nur in Ansätzen verstehen und nachvollziehen kann. Wenn man davon hört, denkt man nach menschlicher Denke, dass Marta doch im Recht sei. Sie rackert sich ab, macht und tut, rödelt in der Küche, um ein gutes Essen zur Stärkung und als Geste der Gastfreundschaft vorsetzen zu können. Schließlich hat sie Jesus bei sich zu Gast! Wenn man solch ein Essen allein zuzubereiten hat, wünscht man sich schon helfende Hände herbei. Und dann sitzt Maria einfach nur herum – Jesus zu Füßen. Hört ihm zu. Macht in der Küche keinen Finger krumm. Klar kommt man da zunächst auf dumme Gedanken. Die eine plagt sich mit Küchenarbeit ab, die andere hockt gechillt beim Gast. Doch im Grunde geht es eigentlich um die richtige Herzenshaltung, mit der wir Dinge tun, mit der wir Menschen in unserem Zu Hause und unserem Umfeld begegnen. Jesus hat wohl bemerkt, dass nicht nur Marta sich für ihn in der Küche ins Zeug legte, sondern dass auch Maria für ihn da war und seinen Worten ganz aufmerksam zuhörte. Wenn wir unser Leben als Gebet betrachten, können wir alles aufrichtig und mit der richtigen Haltung tun. Das heißt nicht, dass wir uns ausnützen lassen oder dass immer wieder wir diejenige sein müssen, die allein in Küche und Haushalt kämpft. Doch vielleicht heißt es, dass es auch noch andere Dinge gibt, die wichtig sind. Nicht nur die Plackerei. Dass wir für Gott und andere auch dann wertvoll sind, wenn wir nicht hart arbeiten. Wenn wir einfach mal nur dasitzen, uns entspannen, jemandem zuhören. Wenn wir aufhören mit der Betriebsamkeit. Uns auf unser Gegenüber und den Moment fokussieren. Unser Herz dafür öffnen.
Wir alle haben Anteile von Marta und Maria in uns. Mal hören wir lieber intensiv zu, dann bereiten wir voller Tatendrang ein schönes Drei-Gänge-Menü. Alles soll gelingen und gut von der Hand gehen. Damit wir später beim gemeinsamen Essen harmonisch beisammensitzen und die gemeinsame Zeit genießen können. Doch das geht nicht, wenn wir einen Groll in uns tragen. Wenn uns zuvor der Küchenkoller gepackt hat. Wenn wir bei der Essenszubereitung mit einer harten Herzenshaltung am Start gewesen sind. Dann werden wir später beim Essen nicht entspannt sein. Deshalb ist mein Verständnis dieser Geschichte, dass wir mit einer guten Haltung ans Werk gehen sollten, mit einer Art betenden Haltung als Basis für alles. Mit einem Ohr bei Gott und einem Ohr bei uns wissen wir, was wir leisten können und wann wir Ruhe brauchen. Dann sind wir auch in einer guten Ausgangsposition, um anderen Menschen Gutes erweisen zu können – dies eben dann, wenn wir selbst dazu in der Verfassung sind. An manchen Tagen sind wir die fleißige Biene, die Arbeiterin, die Macherin und Anpackerin vor dem Herrn. An anderen Tagen stünde uns die Rolle der Zuhörerin, der Rumhockerin oder gar Nichtstuerin besser zu Gesicht. Wobei in diesen scheinbaren Nichtstun-Momenten viel geschieht. Das ist keine sichtbare Bewegung nach außen, doch im Innen bewegt sich dabei viel, formiert sich, setzt sich neu zusammen, hält uns beisammen. Wenn wir beten, dann haben wir diese Ruhe und Bewegung nach innen – zusammen mit der wichtigen Anbindung an Gott. Mit solch einer Innenschau werden wir wieder stärker für unser Tun im Außen. Bei alledem ist es am schönsten, wenn eine betende Grundhaltung mitschwingt. Diese lässt uns unsere Aufgaben in einer für uns und Gott stimmigen Frequenz erledigen und stimmt uns gleichermaßen immer wieder neu, wenn wir mal aus dem Takt geraten sein sollten.

Stoßgebete gehen immer
Jeder kennt das. Es gibt solche Zeiten, in denen es einfach verrückt zugeht. Wir werden gelebt, müssen uns in viele Richtungen fast schon zerreißen lassen. Dabei können wir gar nicht allem und allen gerecht werden. Das kann echt frustrierend sein. Wenn man sich in solch turbulente Zeiten allerdings erst einmal eingefunden hat, kommt man irgendwie damit klar. Man funktioniert, die Dinge laufen, man schiebt dies an, hakt dort nach. Hier noch schnell eine Nachricht absetzen, die To-do-Liste von gestern vollends abarbeiten. Den Haushalt kriegt man wundersamerweise unter Kontrolle, da kann jedoch nicht viel anbrennen, weil man vor lauter Pflichten ohnehin kaum daheim ist. Wir sollten noch die Rückrufliste erledigen, den vollgelaufenen Anrufbeantworter abhören, die ganzen E-Mails bearbeiten. Und schließlich wollten wir doch auch noch privat so viel auf die Kette bekommen. Wie blöd nur, dass uns jetzt auch noch zu Hause die Druckerpatrone ausgegangen ist, der Stromablesedienst sich für morgen angemeldet hat und wir doch schon übermorgen eine Geschäftsreise antreten müssen. Ach herrje, der Anzug muss noch in die Reinigung. Und der bei Freunden zwischengelagerte Koffer muss her und zwar schnell. Wie nur kann man solche Zeiten durchstehen. Wie nur soll man da noch Zeit für sich selbst haben. Oder für Gott? Das scheint schon richtig knifflig zu sein. Und so guckt man doppelt ungläubig aus der Wäsche.
Doch: Gott ist immer nur ein Gebet weit entfernt. Nur ein Gebet trennt uns von ihm. Wenn wir gar nicht beten, trennt uns alles von Gott. Wenden wir uns ihm nun also zu und beten – vielleicht nicht sofort und immer, aber ab und zu sofort und dann immer öfter!
Wichtig ist, dass wir unbedingt beten. Ebenso wichtig ist, dass wir prägnant und wesentlich bleiben. Wenige Worte. Das ist wie früher bei einem Telegramm. Es wurde sehr schnell zugestellt. Doch jedes Wort musste man teuer bezahlen. Man hat wirklich drauf geschaut, dass es sehr wenige Worte waren. Diese mussten natürlich die Message rüberbringen, den Nagel auf den Kopf treffen. Das genau ist es, diese Prägnanz brauchen wir auch in einem Stoßgebet. Dann ist klar, was wir brauchen, und es kann sofort zu Gott gelangen.
Blickwechsel im Alltag
Blickwechsel mitten im Alltag – nach oben – zu Gott: das geht, und wie! Indem wir einfach mittendrin innehalten, uns zu Gott ausrichten, macht uns das wieder fit für all das, was von uns gefragt wird. Obwohl wir heimlich womöglich so etwas denken wie „Oje, jetzt auch noch beten“ oder „Ach wie uncool, wenn das jemand mitkriegt …“ – doch Beten bringt‘s wirklich und macht solch einen Unterschied. Aus der Begegnung mit Gott gehen wir erfrischter, verändert und beruhigter hervor. Können mit unseren Herausforderungen anschließend besser umgehen. So ein Gebet muss gar nicht lange dauern. Wir denken an Gott, wenden uns ihm gedanklich und mit unserem Herzen zu. Wenn die Hütte brennt und alles Spitz auf Knopf steht, können wir auch ultraschnell und kreativ beten. Dann wird es machbar für uns. Schicken wir doch Emojis in den Himmel. Wie geht es uns gerade, wie sieht es in uns aus? Was für ein Emoji als Gefühlszustandsmesser würde ich jetzt gerade einem Freund durchschicken? Bestimmt fällt uns sofort ein passendes Emoji ein. Dieses können wir verwenden: „Hallo Gott, hier bin ich. Gerade geht es mir so: [Emoji gedanklich aufsteigen lassen, vorzeigen]. Kannst Du mir helfen, dass es mir wieder so geht: [Wunsch-Emoji überlegen, ihm wiederum hinhalten]. Gott, ich danke Dir, und jetzt bin ich schon wieder weg. Bis bald! Amen.“ Wem das mit dem Emoji zu kindisch ist, der sagt einfach: „Mir ist zum [Lachen, Weinen, Verzweifeln, …] zumute, bitte hilf mir Gott, Amen.“ Wichtig ist nur immer, dass wir einen Blickwechsel im Alltag vollziehen. Genau da, wo wir sind. So, wie wir sind. Ob beladen oder traurig oder fröhlich oder gestresst – wir dürfen uns in jedem Zustand Gott zuwenden. Er kann uns wieder ganzmachen, er kann Situationen für uns verändern. Er kann auch uns selbst verändern und dann sehen so manche Situationen schon wieder ganz anders für uns aus.
Zündende Reminder
Mit dem Beten dürfen wir es uns in stressigen Zeiten auch mal leichter machen. Hauptsache ist doch, dass wir am Ball bleiben. Dass kein Bruch reinkommt zwischen uns und unserer Beziehung zu Gott. Die sollte felsenfest stehen, belastbar sein, keinesfalls abreißen. Klar, wenn man viel um die Ohren hat, ist man ständig abgelenkt, denkt für viele Menschen gleichzeitig, muss Abgabetermine im Kopf haben, Projekte jonglieren, den Haushalt in Schuss halten. Doch gerade deshalb ist es wichtig, dass wir uns im Tagesablauf immer wieder erinnern lassen, was wirklich wichtig ist – das Beten beispielsweise. Nutzen wir also Reminder, die schon da sind, oder erfinden wir einfach welche, die für uns funktionieren. Was könnten kleine Merkhilfen für uns sein, die uns im Alltag immer wieder daran erinnern, bei Gott anzuklopfen?
Nachstehend einige erste Inspirationen:
•Gebetsarmband
•Das Läuten der Kirchturmglocken als Erinnerung an Jesus
•Eine besondere Kaffeetasse auf dem Schreibtisch, vielleicht mit biblischem Spruch?
•Hübsche Pocket-Bibel einstecken und griffbereit haben in der Manteltasche, in der Handtasche, auf dem Schreibtisch, auf dem Küchentisch, auf dem Autositz (für nach der Fahrt)
•Postkarte aufstellen, Bild aufhängen, das uns immer wieder ins Gebet bringt
•Bibelvers rahmen und in Sichtnähe aufhängen
•Kreuz an die Wand hängen
•Kreuz um den Hals hängen, das wir spüren, immer wieder anfassen und berühren können
•Klingel- und SMS-Ton vom Handy mit einem Lobpreislied, einer Anbetungsmelodie versehen
•Am PC kleine Erinnerungsfenster aufgehen lassen, in denen so etwas steht wie „Timeout, break-out, pray-out“
•Am PC Bildschirmschoner einstellen, die einen Bibelvers zeigen
•Auf dem Smartphone als Startbild beispielsweise das Cover dieses Buches drauf haben mit: „Chill, work, pray“, um sich an diesen Wechselklang im Leben zu erinnern
•Man kann sich auf die Rückseite seines Smartphones ein Zettelchen kleben
•Bestimmter Anhänger am Schlüsselband oder an der Stechkarte für die Arbeit
Routinen rein
Wenn es schon so hektisch ist, rastert man seinen Tag am besten gnadenlos durch. Denn was im Raster ist, fällt nicht raus. Also beten wir gleich morgens, nach dem Aufwachen, zwei, drei Minuten zu Gott. Entweder ganz frei, in unseren eigenen Worten. Wenn der Kopf zu leer oder noch oder schon wieder zu voll oder zu schwer ist, dürfen wir auch vertraute Worte verwenden fürs Gebet. Beten wir ein Vaterunser. Da steckt auch alles drin, und wir sind gerüstet für den Tag.
Wenn wir frühstücken, können wir zuvor einen kleinen Dank aussprechen: „Danke, Herr, für das Essen, dass ich mich jetzt stärken darf.“ Kurz vor dem Rausgehen aus der Tür: „Herr, bitte beschütze mich den Tag über und mach, dass ich alle Aufgaben bewältigen kann. Beschütze Du mich, dass ich nach verrichteter Arbeit und allen Erledigungen wieder unversehrt zurückkehren darf.“
Vorm Betreten der Firma, des Arbeitsplatzes: Wir dürfen Gott um Kraft und seine Begleitung bitten. Möge er uns helfen, dass wir alle Termine einhalten können und trotz allen Trubels auch Freude an unserer Arbeit sowie ein kollegiales, menschliches Miteinander am Arbeitsplatz erleben dürfen.
In der Mittagspause: Sprechen wir ein kurzes Tischgebet, das geht übrigens auch ganz unauffällig, nicht jeder ist unbedingt der auffällige Beter-Typ, wobei man damit auch geschickt Zeugnis ablegen kann mit solch einem Gebet. Es lohnt sich, darüber eine Runde nachzudenken.
Beim Kaffeeholen: Mal kurz die Lage checken, bin ich auf Kurs mit meinen Projekten, was habe ich schon geschafft, was steht jetzt noch an, was darf getrost auf morgen warten? Aber vielleicht auch: Was kann mir jemand abnehmen? Danken wir Gott kurz für gelungene Dinge. Und für den Kaffee.
Abends, beim Aufschließen der Tür, schicken wir ein kurzes Gebet zu Gott mit Dank, dass wir wieder heimkommen dürfen, dass wir ein Zuhause haben, das uns Schutz und Raum für Erholung bietet.
Beim Abendessen: Wir können Gott für die Gaben und Leckereien danken, die gerade auf unserem Teller liegen. Dass immer etwas auf unserem Teller liegen darf. „Danke Gott, dass Du es so gut mit mir meinst. Amen.“
Bevor wir uns eine Serie anschauen oder den Computer hochfahren: Lesen wir einen Vers in der Bibel, einen Psalm vielleicht, denken kurz darüber nach, danken Gott für sein Wort.
Vorm Schlafengehen ein kurzer Tagesrückblick: „Lieber Gott, danke für … das ist gut gelaufen … das hätte ich besser machen können … ich denke an folgende Menschen … für mich selbst erbitte ich von Dir … ich danke Dir für diesen Tag und Deinen Beistand. Danke für die Ruhe jetzt am Abend. Amen.“
Wenn wir nachts nicht schlafen können: „Lieber Gott, danke für die Nacht. Bitte lass Du meine Gedanken zur Ruhe kommen und schenke mir Erholungsschlaf. Ich danke Dir dafür. Amen.“
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