Kitabı oku: «Yoga und die Zukunft der Menschheit»

Yazı tipi:


Omsriaurobindomira

Alles

Leben

ist

Yoga

“All life is Yoga.” – Sri Aurobindo

Yoga und die Zukunft der Menschheit

Sri Aurobindo


SRI AUROBINDO BHAVAN

BERCHTESGADENER LAND


Copyright 2020

AURO MEDIA

Verlag und Fachbuchhandel

Wilfried Schuh

Deutschland

www.sriaurobindo.center

www.auro.media

ALLES LEBEN IST YOGA

Yoga und die Zukunft der Menschheit Auszüge aus den Werken von Sri Aurobindo 1. Aufl. 2020 ISBN 978-3-96387-070-5


© Fotos und Textauszüge Sri Aurobindos und der Mutter:

Sri Aurobindo Ashram Trust

Puducherry, Indien


Blume auf dem Cover:

Hibiscus rosa-sinensis. Tiefrot. Die von der Mutter gegebene spirituelle Bedeutung: Macht der Zukunft Fähig sein, für die Zukunft zu arbeiten.

Anmerkung des Herausgebers

Einfache Auszüge aus den Werken Sri Aurobindos und der Mutter sollen für die Sadhana eine praktische Orientierung zu bestimmten Themen geben. Die Themen behandeln das gesamte Feld menschlicher Aktivitäten, denn wahre Spiritualität ist nicht eine Abkehr vom Leben, sondern die Kunst, das Leben zu vervollkommnen.

Die Übersetzung der Textstellen von Sri Aurobindo erfolgte aus dem ursprünglichen Englisch, während die meisten Passagen der Mutter bereits Übersetzungen aus dem Französischen waren. Fast alle Texte der Mutter wurden ihren Gesprächen, die sie mit Kindern und Erwachsenen führte, entnommen, einige ihren Schriften. Wir müssen außerdem berücksichtigen, dass die Auszüge ihrem ursprünglichen Zusammenhang entnommen wurden und dass jede Zusammenstellung ihrer Natur nach möglicherweise einen persönlichen und subjektiven Charakter hat. Es wurde jedoch der aufrichtige Versuch unternommen, der Vision Sri Aurobindos und der Mutter treu zu bleiben.

Die Textauszüge sind vom Verlag zum Teil mit Kapiteln und Überschriften versehen worden, um ihre Themen hervorzuheben. Sofern es möglich war, wurden sie in Anlehnung eines Satzes aus dem Text selbst gewählt.

Sri Aurobindo und die Mutter machen von der in der englischen Sprache gegebenen Möglichkeit, Wörter groß zu schreiben, um ihre Bedeutung hervorzuheben, häufig Gebrauch. Mit dieser Großschreibung bezeichnen sie meist Begriffe aus übergeordneten Daseinsbereichen, doch auch allgemeine wie Licht, Friede, Kraft usw., wenn sie ihnen einen vom üblichen Gebrauch abweichenden Sinn zuordnen. Diese Begriffe wurden in diesem Buch kursiv hervorgehoben, um dem Leser zu einer leichteren Einfühlung in diese subtilen Unterscheidungen zu verhelfen.

Eckige Klammern bezeichnen Einfügungen des Übersetzers, die um des besseren Verständnisses willen angebracht erschienen. Einige wenige Sanskritwörter wie Sadhana, Sadhaka, Yoga usw. wurden eingedeutscht, da sie durch ihren häufigen Gebrauch bereits als Bestandteil der deutschen Sprache angesehen werden können. Alle anderen Sanskritwörter sind kursiv hervorgehoben, wobei auf diakritische Transkriptionszeichen verzichtet wurde.

Die kursiv geschriebenen Textpassagen vor den Worten Sri Aurobindos und der Mutter sind Fragen bzw. Antworten von Schülern oder sonstige erläuternde Texte.

„Wahre Spiritualität bedeutet nicht, dem Leben zu entsagen, sondern das Leben mit einer Göttlichen Vollkommenheit zu vollenden.“ – Die Mutter

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InhaltTitelseiteCopyrightAnmerkung des HerausgebersI. MIT YOGA DER NÄCHSTE EVOLUTIONÄRE SCHRITTZitat1. Die Psychologie des Yoga2. Das Ziel unseres Yoga3. Das evolutionäre Ziel im Yoga4. Die Fülle des Yoga im Bedingten5. Die Voraussetzung zur integralen Erfüllung6. Sachchidananda7. Jenseits von Gut und Böse8. Das Prinzip des Bösen9. Der Mensch – Sklave oder frei?10. Yoga und die Evolution des Menschen11. AphorismenII. ALLES LEBEN IST YOGAZitat1. Leben und Yoga2. Die drei Stufen der Natur3. Das dreifache Leben4. Die Systeme des Yoga5. Die Synthese der Yoga-SystemeIII. DIE INTEGRALE UMWANDLUNGZitate1. Das Supramental und das göttliche Leben2. Das Supramental und die Menschheit3. Das Supramental in der EvolutionANHANGQuellenangabenGuideCoverInhaltStart

Teil I

Sri Aurobindo

Yoga muss der Menschheit enthüllt werden, weil sie ohne ihn den nächsten Schritt in der menschlichen Entwicklung nicht machen kann. — Sri Aurobindo

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Kapitel 1
Die Psychologie des Yoga

Yoga ist keine moderne Erfindung des menschlichen Geistes, sondern unser urzeitlicher und prähistorischer Besitz. Der Veda ist unser ältestes erhalten gebliebenes menschliches Dokument, und der Veda ist von einem Gesichtspunkt aus gesehen eine großartige Zusammenstellung praktischer Hinweise über Yoga. Alle Religion ist eine Blume, deren Wurzel der Yoga ist; alle Philosophie, Poesie und die Werke des Genies benutzen ihn, bewusst oder unbewusst, als ein Instrument. Wir glauben, dass Gott die Welt durch Yoga erschaffen hat und durch Yoga wird Er sie wieder in sich hineinziehen. Yogah prabhavapyayau, Yoga ist die Geburt und das Vergehen von Dingen. Wenn Srikrishna Arjuna die Größe Seiner Schöpfung offenbart und die Art und Weise, wie Er sie aus Seinem Wesen heraus durch eine Versöhnung logischer Gegensätze aufgebaut hat, sagt Er: „Pasya me yogam aishwaram“, – „Sieh Meinen göttlichen Yoga.“ Wenn wir das Wort „Yoga“ verwenden oder es hören, denken wir an das System von Patanjali, an rhythmische Atmung, an spezielle Sitzweisen, an Konzentration, an die Trance des Adepten. Aber das sind nur Einzelheiten bestimmter Systeme. Die Systeme sind aber nicht die Sache selbst, genauso wenig wie das Wasser eines Bewässerungskanals der Ganges ist. Yoga kann ohne den geringsten Gedanken an die Atmung, in jeder oder keiner Haltung, ohne jegliches Beharren auf Konzentration, im vollen Wachzustand, beim Gehen, Arbeiten, Essen, Trinken, im Gespräch mit anderen, in jeder Beschäftigung, im Schlaf, im Traum, in Zuständen der Bewusstlosigkeit, des Halbbewusstseins, des Doppelbewusstseins getan werden. Es ist kein Patentrezept oder starres System oder festgelegte Praxis, sondern eine ewige Tatsache des Prozesses, die auf der Natur des Universums selbst beruht.

Trotzdem kann der Begriff „Yoga“ in der Praxis auf besondere, klar umgrenzte Zwecke auf gewisse Anwendungen des allgemeinen Vorgangs eingeschränkt werden. Yoga fußt wesenhaft auf der Tatsache, dass wir in dieser Welt überall eins und doch getrennt sind; eins und doch getrennt in unserem Wesen, eins mit und doch getrennt von unseren Mitgeschöpfen aller Art, eins und doch getrennt von der unendlichen Existenz, die wir Gott, Natur oder Brahman nennen. Ganz allgemein ist Yoga das Vermögen, das der Seele in einem Körper zu eigen ist, um mit anderen Seelen in eine wirksame Beziehung zu treten, mit Teilen ihrer selbst hinter dem Wachbewusstsein, mit Naturkräften und Objekten in der Natur, mit der Höchsten Intelligenz, Macht und Glückseligkeit, die die Welt lenkt, entweder um dieser Vereinigung willen oder um unser manifestes Wesen, unser Wissen, unsere Fähigkeit, Kraft oder Freude zu mehren oder zu wandeln. Jedes System, das unser inneres Wesen und unser äußeres Gefüge für diese Ziele gestaltet, kann ein Yoga-System genannt werden.

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Kapitel 2
Das Ziel unseres Yoga

Das Ziel unseres Yoga ist Selbst-Vollendung, nicht Selbst-Auslöschung.

Zwei Pfade bieten sich den Schritten des Yogin, Rückzug aus dem Universum und Vollendung im Universum. Das erste Ziel wird durch Askese erreicht, das zweite durch Tapasya. Das erste nimmt uns auf, wenn wir Gott im Sein verlieren; das zweite wird erlangt, wenn wir unser Sein in Gott erfüllen. Lasst unseren Pfad den der Vollendung und nicht den der Preisgabe sein. Lasst den Sieg in der Schlacht und nicht die Flucht vor allen Konflikten unser Ziel sein.

Buddha und Shankara nahmen an, die Welt sei von Grund auf falsch und elendig. Deshalb war für sie die Flucht aus der Welt die einzige Weisheit. Aber diese Welt ist Brahman, die Welt ist Gott, die Welt ist Satyam, die Welt ist Ananda. Falsch ist bloß die Fehldeutung der Welt durch unseren mentalen Egoismus; das einzige Elend ist unsere verkehrte Beziehung zu Gott in der Welt. Es gibt sonst nichts Falsches und nichts, dass Anlass gäbe zu klagen.

Gott erschuf die Welt in Sich durch Maya; die ursprüngliche, vedische Bedeutung von Maya ist jedoch nicht Illusion, sondern Weisheit, Erkenntnis, Vermögen, weite Ausdehnung des Bewusstseins. Prajna prasrta purani. Eine Allmächtige Weisheit erschuf die Welt; sie ist nicht der organisierte Missgriff eines Unendlichen Träumers. Eine allwissende Macht manifestiert sie oder hält sie in Sich oder Ihrer eigenen Wonne verborgen; sie ist keine dem freien und absoluten Brahman durch Seine eigene Unwissenheit auferlegte Fessel.

Wäre die Welt ein selbstauferlegter Alptraum Brahmans, so wäre es das natürliche und einzige Ziel unseres höchsten Strebens, daraus zu erwachen. Wäre das Leben in der Welt unwiderruflich mit Elend verbunden, dann wäre das einzige entdeckenswerte Geheimnis ein Mittel zur Flucht aus dieser Knechtschaft. Vollkommene Wahrheit im Weltdasein ist jedoch möglich, denn Gott sieht hier alle Dinge mit den Augen der Wahrheit. Vollendete Seligkeit in der Welt ist möglich, denn Gott freut sich aller Dinge im Bewusstsein unbeeinträchtigter Freiheit. Auch wir können uns dieser Wahrheit und Seligkeit erfreuen, die im Veda amrtam, Unsterblichkeit, genannt wird, wenn wir unser egoistisches Dasein abwerfen und aufgehen in vollkommener Einheit mit Seinem Wesen und somit einwilligen, die göttliche Wahrnehmung und die göttliche Freiheit zu empfangen.

Die Welt ist eine Bewegung Gottes in Seinem eigenen Sein. Wir sind die Zentren und Knotenpunkte des göttlichen Bewusstseins, die den Ablauf Seiner Bewegung zusammenfassen und tragen. Die Welt ist Sein Spiel mit Seiner eigenen selbstbewussten Freude – das Spiel dessen, der allein ist, der unendlich ist, frei und vollkommen. Wir sind die Selbstvervielfältigungen dieser bewussten Freude, die ins Sein ausgesandt wurden, um Seine Spielgefährten zu sein. Die Welt ist eine Formel, ein Rhythmus, ein System von Symbolen, durch das Gott Sich selbst Seinem eigenen Bewusstsein gegenüber zum Ausdruck bringt. Sie hat kein materielles Dasein, sondern existiert nur in Seinem Bewusstsein und als Sein Selbstausdruck. Gleich Ihm sind wir in unserem inneren Wesen Das, was zum Ausdruck kommt; in unserem äußeren Wesen aber sind wir Glieder jener Formel, Noten aus jenem Rhythmus, Symbole jenes Systems. Lasst uns Gottes Bewegung weiterführen, Sein Spiel zu Ende spielen, Seine Formel ausarbeiten, Seine Harmonie ausführen, Ihn durch uns in Seinem System zum Ausdruck bringen. Dies ist unsere Freude und unsere Erfüllung. Zu diesem Zweck sind wir, die wir über das Universum hinausreichen und es transzendieren, in die kosmische Existenz eingetreten.

Vollkommenheit gilt es zu erlangen, Harmonie zu verwirklichen. Unvollkommenheit, Begrenzung. Tod, Kummer, Unwissen, Materie sind nur die ersten Glieder der Formel – unverständlich bis wir die weiteren Glieder ausgearbeitet und die Formel neu interpretiert haben. Sie sind die anfänglichen Dissonanzen beim Stimmen der Instrumente. Aus Unvollkommenem müssen wir Vollendetes formen, aus Begrenzung die Unendlichkeit enthüllen, aus dem Tod heraus die Unsterblichkeit finden, aus Kummer die göttliche Seligkeit zurückgewinnen, aus Unwissen das göttliche Selbst-Wissen befreien, aus der Materie den Geist offenbaren. Dieses Ziel für uns und für die gesamte Menschheit zu erreichen ist das Anliegen unseres Yoga.

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Kapitel 3
Das evolutionäre Ziel im Yoga

In der Katha Upanishad kommt einer dieser machtvollen und prägnanten Sätze vor, die auf kleinstem Wortraum eine Welt an Bedeutung enthalten und mit denen die Upanishaden so reich besät sind: Denn Yoga ist der Anfang und das Ende aller Dinge – yogah hi prabhavapayayau. In den Puranas wird die Bedeutung dieses Satzes unterstrichen und deutlicher herausgearbeitet: Durch Yoga schuf Gott die Welt, durch Yoga wird Er sie am Ende wieder in Sich zurücknehmen. Aber nicht nur die ursprüngliche Schöpfung und die endgültige Auflösung des Weltalls, sondern alle großen Veränderungen, alle Schöpfungen, Entfaltungen und Zerstörungen werden durch den zentralen Prozess des Yoga, tapasya, bewirkt. In dieser uralten Betrachtungsweise stellt sich Yoga dar als die effektive, vielleicht sogar als die essenzielle und eigentlich ausführende Bewegung der Natur in all ihren Prozessen. Falls dies für das allgemeine Wirken der Natur zutrifft, das heißt falls ein göttliches Wissen und ein göttlicher Wille in den Dingen dadurch zur wahren Ursache aller Kraft und Wirksamkeit wird, dass er zu Objekten in Beziehung tritt, sollte die gleiche Regel auch für das menschliche Handeln gelten. Sie sollte insbesondere für alle bewussten und willentlich angewandten Methoden jener psychologischen Disziplinen gelten, die wir Yoga-Systeme nennen. Yoga kann tatsächlich nichts anderes sein als ein vollendeter und bewusst gewordener natürlicher Prozess, der dazu bestimmt ist, Ziele rasch zu erreichen, die von der gewöhnlichen Bewegungsweise der Natur nur langsam, im säumigen Schritt einer jahrhunderte- oder gar jahrtausendelangen Evolution zuwege gebracht werden.

Es gibt hier einen scheinbaren Unterschied. Das Ziel, das uns im Yoga vorschwebt, ist Gott. Das Ziel der Natur jedoch besteht darin, die Übernatur zu verwirklichen. Doch diese beiden Ziele stehen miteinander in Einklang und entsprechen derselben Absicht. Gott und die Übernatur sind nichts weiter als der wesentliche und der formale Aspekt jener einzigen, unerreichbaren Erfüllung, auf die unsere menschliche Entwicklung in ihrer Aufwärtsbewegung ausgerichtet ist. Yoga ist für den Menschen das Emporarbeiten der von einer langsamen Evolution und weiten Rückfällen befreiten Natur, die sich in göttlichem oder menschlichem Wissen ihrer selbst bewusst wurde.

Gott ist Das, was das Ganze ist und doch weit über das Ganze hinausgeht, es transzendiert. Nichts existiert, was nicht Gott wäre, doch ist Gott weder die Summe des Existierenden noch irgendein Teil dieser Summe, außer als symbolisches Bild für Sein eigenes Bewusstsein. Anders ausgedrückt: Alles getrennt Existierende ist ein besonderes Symbol, die gesamte Summe des Existierenden ist ein allgemeines Symbol, das versucht, die unübersetzbare Existenz – Gott – in die Begriffe des Welt-Bewusstseins zu übersetzen. Es ist zu diesem Versuch bestimmt. Erfolg aber ist ihm nicht bestimmt, denn im selben Augenblick, da es Erfolg hat, hört es auf, es selbst zu sein und wird zu jenem unübersetzbaren Etwas, von dem es seinen Ausgang nahm, d. h. zu Gott. Keinem Symbol ist es bestimmt, Gott vollkommen auszudrücken, nicht einmal dem höchsten. Doch ist es das Vorrecht der höchsten Symbole, ihre gesonderte Bestimmtheit in Ihm zu verlieren, aufzuhören Symbole zu sein und im Bewusstsein zu dem zu werden, was versinnbildlicht ist. Der Mensch ist solch ein Symbol oder Eidolon Gottes. Wir sind, um die biblische Wendung zu gebrauchen, in Seinem Bilde erschaffen. Damit ist nicht ein formales Bild gemeint, sondern das Bild Seines Wesens und Seiner Persönlichkeit. Wir sind vom innersten Wesen Seiner Göttlichkeit und haben Teil am Vermögen Seiner Göttlichkeit. Wir sind nach dem Vorbild eines göttlichen Wesens und eines göttlichen Wissens geformt und tragen seinen Stempel.

In allem, was phänomenal existiert – oder symbolisch, wie ich bei tieferem Eindringen in die Natur der Dinge eher sagen möchte –, gibt es zwei Seiten des Seins: Das Ding-an-sich und das Symbol, Selbst und Natur, res (das Ding, das ist, das Seiende) und factum (das Ding, das getan oder gemacht wurde, Getanes oder Gemachtes), unveränderliches Sein und veränderliches Werden, das Übernatürliche und das Natürliche. Jeder Zustand des Daseins birgt in sich eine Kraft, die ihn dazu treibt, sich selbst zu transzendieren. Die Materie bewegt sich darauf hin, Leben zu werden. Das Leben ringt darum, Mental zu werden. Das Mental strebt sehnsuchtsvoll danach, ideale Wahrheit zu werden. Die Wahrheit strebt dorthin auf, wo sie göttlicher und unendlicher Geist wird. Der Grund dafür ist, dass jedes Symbol ein unvollständiger Ausdruck Gottes ist und sich deshalb seiner eigenen gänzlichen Wirklichkeit entgegenstreckt, sie zu werden sucht. Es drängt darauf, sein wirkliches Selbst zu werden, indem es über sein scheinbares Selbst hinauswächst. Das Gemachte fühlt sich angezogen vom Seienden, das Werden vom Sein, das Natürliche vom Übernatürlichen, das Symbol vom Ding-an-sich, die Natur von Gott.

Die Aufwärtsbewegung ist demnach das Mittel zur Selbsterfüllung in dieser Welt, aber sie ist nicht allen Objekten auferlegt. Denn es gibt dreierlei Zustände, denen alles Veränderliche im Dasein unterworfen ist: das Aufsteigen, den Stillstand und das Abgleiten. Zwar bewegt sich die Natur in ihren niederen Zuständen im Allgemeinen nach oben, doch sucht sie die endgültige Erlösung nur für eine begrenzte Anzahl von Individuen. Nicht jede Form von Materie organisiert sich zu lebender Materie, obgleich jede Form von Materie erfüllt ist vom Geist des Lebens und von seinem heftigen Verlangen nach Befreiung und Selbstbekundung. Nicht jede Form von Leben organisiert sich zu mentalem Leben, obwohl in allen Lebensformen das Mental vorhanden ist und darauf drängt, freizukommen und sich kundzutun. Ebensowenig ist jedes mentale Wesen dazu befähigt, in sich das Leben der idealen Wahrheit herauszubilden, obwohl in jedem mentalen Wesen – im Hund, Affen und Wurm nicht minder als im Menschen – der eingekerkerte Geist der Wahrheit und des Wissens nach Freiheit und Selbstausdruck trachtet. In jedem erreichten Zustand ihres Gefüges bemüht sich die Natur zunächst darum, die natürliche Existenz ihrer Geschöpfe darin abzusichern. Erst nachdem diese vorrangige Aufgabe erfüllt ist, sucht sie durch die bestgeeigneten unter ihnen, ihren eigenen Werken zu entkommen, das von ihr Errichtete niederzureißen und etwas zustandezubringen, was darüber hinausgeht. Aber erst mit dem Menschen gelingt ihr die Entwicklung eines Typus, der in allen seinen Individuen im Prinzip dazu fähig ist, nicht nur das Natürliche, sondern auch das Übernatürliche in sich zu verwirklichen. Allerdings ist auch dies nur bedingt und mit Einschränkungen wahr.

Dennoch bleibt es wahr, dass die Aufwärtsbewegung die Hauptbewegung der Natur ist. Ein gleichbleibender Zustand ist eine geringere Errungenschaft und, falls vollkommen, eine vorübergehende Vollkommenheit. Es ist eine Vollkommenheit im Reich des Kampfes und im Stil vergänglicher Formen, eine Erfüllung im Königreich von Ashanaya Mrityu – Hunger, welcher Tod ist, Hunger, der erschafft und sich von seinen Schöpfungen nährt. Die Aufwärtsbewegung ist jene, die durch den Tod hin zur Unsterblichkeit führt und in dieser Erde des Körpers das selige und leuchtende Himmelreich verwirklicht. Das Abgleiten ist Zerstörung, Hölle, ein großes Unheil, mahati vinastih. Dies sind die drei von der Gita erwähnten gatis oder Endzustände des Werdens, uttama, madhyama und adhama, der höchste, der mittlere und der unterste Zustand, die der Menschheit zur Auswahl dargeboten sind. An jedem Einzelnen von uns liegt es, seine Wahl zu treffen. Denn so wie wir wählen, wird Gott sich in uns entfalten, und zwar in Richtung auf vorübergehende menschliche Befriedigung oder göttliche Vollendung oder Zersetzung unserer menschlichen Natur in die fruchtbaren Abfallprodukte der Natur.

Die ganze Natur ist demnach ein Schritt hin zur Übernatur, d. h. zu etwas, das für sich selbst natürlich ist, aber übernatürlich für alles, was darunter liegt. Das Leben ist übernatürlich für die Materie, das Mental ist übernatürlich für das Leben, das Ideale Sein ist übernatürlich für das Mental, der Unendliche Geist ist übernatürlich für das ideale Sein. Wir müssen daher das Übernatürliche als unser Ziel anerkennen. Die Tendenz unserer Natur zu der unmittelbar über ihr befindlichen Übernatur ist ein Geheiß der Welt-Macht, dem Folge zu leisten und nicht mit Auflehnung oder Misstrauen zu begegnen ist. Hier hat der Glaube seine Wichtigkeit und die Religion, solange sie unverfälscht ist, ihren unschätzbaren Nutzen, denn unser natürliches Mental hat die Tendenz, in seiner Natur zu verharren, und hegt Zweifel an der Übernatur. Glaube und Religion waren Vorkehrungen der Allweisen Energie, die den natürlichen und nur mentalen Menschen an die Eingebungen der idealen Seele in ihm zu gewöhnen hatte, einer Seele, die am liebsten jetzt gleich aus dem Zwielicht in das Licht, aus dem Tappen im Dunkeln in die Wahrheit, aus den Sinnen und dem Verstand in die Schau und die direkte Erfahrung entrinnen möchte. Das Streben nach oben ist uns also auferlegt, und wir können uns ihm auf die Dauer nicht widersetzen. Früher oder später wird Gott sich unserer bemächtigen und uns diesen steilen, für unsere strauchelnden Schritte so schwierigen Hang hinauftreiben. Denn so sicher sich das Tier hin zum Menschen entwickelt und in seinen wandlungsfähigsten Arten so etwas wie einen menschlichen Charakter erlangt hat, und so sicher der Mensch, nachdem Affe und Ameise einmal erschienen waren, unweigerlich zu folgen hatte, ebenso sicher entwickelt sich der Mensch hin zur Gottheit und kommt ihr in seinen fähigeren Typen ständig näher, erlangt er selbst eine Art von Gottheit. Und es ist ebenso gewiss, dass der Mensch, nachdem das Genie und der Heilige einmal erschienen sind, zwangsläufig in sich und aus sich heraus den Übermenschen hervorbringen wird, den siddha purusha. Diese Schlussfolgerung setzt keine prophetische Gabe oder Offenbarung voraus. Sie ist die unvermeidliche Konsequenz aus allen vorausgegangenen Demonstrationen, die für uns in dem gewaltigen Laboratorium der Natur durchgeführt wurden.

Wir haben die Natur zu transzendieren und Über-Natur zu werden. Aus dem oben Gesagten geht jedoch hervor, dass dies geschehen sollte, indem wir etwas ausnutzen, was noch in der Natur eingeschlossen ist, und wir einer Entwicklungslinie folgen, die die Natur uns zu erschließen versucht. Indem wir unserer gewohnten Natur nachgeben, fallen wir sowohl von der Natur als auch von Gott ab. Indem wir die Natur transzendieren, befriedigen wir den stärksten Impuls der Natur, schöpfen wir all ihre Möglichkeiten aus und steigen auf zu Gott. Das Menschliche berührt zunächst das Göttliche und wird anschließend selbst zum Göttlichen. Aber es gibt auch jene, die die Natur abtöten wollen, um so zum Selbst zu werden. Sollen wir ihnen folgen? Nein, wie groß und erhaben ihr Pfad auch sei, wie ehrfurchtgebietend und blendend ihre Aspiration, denn es ist nicht Gottes Vorhaben mit der Menschheit und deshalb nicht unser Dharma. Mag sagen, wer will, wir hätten die geringere Wahl getroffen. Wir antworten darauf mit den Worten der Gita, sreyan svadharmo vigunah: „Besser ist das Gesetz unseres eigenen Wesens, sollte es auch geringer sein, zu gefährlich das höhere Gesetz eines anderen Wesens.“ Dem Willen Gottes in uns zu gehorchen ist ganz gewiss glückseliger, vielleicht sogar göttlicher, als sich zu den asketischen Höhen des Advaitin und zu einer unsagbaren Selbstauslöschung in einem unbestimmbaren Sein zu erheben. Uns genügt die Umarmung Krishnas und die Herrlichkeit des allmächtigen Busens Kalis. Wir haben die Natur zu transzendieren und zu besitzen, nicht sie abzutöten.

Wie auch immer außergewöhnliche Einzelne sich entscheiden mögen, was wir suchen, ist ein allgemein gangbarer Pfad zur höchsten Verwirklichung für die Menschen – denn ich schlage mit dem Yoga kein individuelles Vorgehen vor, bei dem der Rest der Menschheit keine Rolle spielt –, und da kann es keine Zweifel und kein Zögern geben. Weder die Übertreibungen der Spiritualität noch die Übertreibungen des Materialismus sind unser wahrer Weg. Jede Tendenz im Menschen, die die Natur zu leugnen sucht, wie religiös, erhaben und hehr, von welch blendender Untadeligkeit, welch ätherischem Wesen sie auch sein mag, war und wird stets zum Scheitern verurteilt sein, zu Misserfolg, Enttäuschung, Desillusionierung oder Verkehrung, weil sie ihrer Natur nach für die Masse der Menschen ein vergänglicher Impuls zu einer Übertreibung ist und weil sie sich nicht an die von Gott gestellten Bedingungen hält. Gott hat die Natur als eine Voraussetzung für Seine Selbsterfüllung im Universum geschaffen, und Er hat uns bei dieser göttlichen Selbsterfüllung zu überlegenen Werkzeugen und Helfern auf dieser Erde gemacht. Jede von Menschen ins Leben gerufene Bewegung, die uns heißt, mit unserer gewohnten Natur vorlieb zu nehmen und uns auf die Erde zu beschränken, aufzuhören, uns nach dem Empyreum in unserem Inneren zu sehnen und lieber den Tieren gleich zu leben, unseren Blick voraus auf unsere sterbliche Zukunft zu richten sowie hinab zur Erde, die wir bestellen, nicht aber hinauf zu Gott und auf unsere noch nicht erlangte Vollkommenheit – jede solche Bewegung war und wird stets zu Überdruss, Versteinerung und Stillstand oder einer plötzlichen und heftigen Reaktion der Übernatur verurteilt sein. Denn auch sie ist für die Masse der Menschen ein vergänglicher Impuls zu einer Übertreibung und läuft dem Vorhaben Gottes in uns zuwider, der in unsere Natur eingetreten ist und verborgen in ihr wohnt und der uns durch eine heimliche, instinktive und unwiderstehliche Anziehungskraft zu Sich zieht. Materialistische Bewegungen sind noch widernatürlicher, noch anomaler als die asketischen und weltverneinenden Religionen und Philosophien, denn diese führen uns zumindest aufwärts, auch wenn sie für die menschliche Natur viel zu schnell und zu weit gehen, während der Materialist unter dem Vorwand, uns zur Natur zurückzuführen, uns in Wirklichkeit gänzlich von ihr wegführt. Er vergisst oder übersieht, dass die Natur nur phänomenal Natur, tatsächlich aber Gott ist. Das göttliche Element in ihr ist das, was sie am reinsten und wahrhaftigsten ist. Alles andere ist bloße Frist und Bedingung, bloßes Verfahren und Stadium innerhalb ihrer gesamten stufenweisen Entfaltung der geheimen Gottheit. Ebenso vergisst er, dass die Natur noch in der Evolution begriffen ist und nicht schon voll evolviert, weshalb das, was wir jetzt sind, niemals ein Kriterium für das sein kann, was wir einmal sein werden. Das Übernatürliche muss schon der reinen Logik der Dinge zufolge der Zweck und das Ziel ihrer Entwicklung sein.

Deshalb müssen wir als erstes lernen, nicht in die Natur verstrickt, von ihr umgarnt oder an sie gefesselt zu sein, aber andererseits auch nicht auf sie wütend zu sein und sie abzutöten, falls wir vollendete Yogis werden und unserer göttlichen Vollkommenheit gefahrlos entgegengehen wollen. „Alle Wesen, sogar die Weisen, folgen ihrer Natur; was soll es helfen, ihr Gewalt anzutun?“ Prakrtim yanti bhutani, nigrahah kim karisyati? Dabei ist alles so nutzlos! Fühlst du dich an sie gebunden und lechzt nach Freiheit? In ihrer Hand allein befindet sich der Schlüssel, der deine Fesseln lösen wird. Steht sie zwischen dir und dem Herrn? Sie ist Sita; bete zu ihr, sie wird zur Seite treten und Ihn dir zeigen. Aber maße dir nicht an, Sita von Rama zu trennen, sie auszusetzen auf ein fernes Lanca unter Bewachung von gewaltigen Selbstkasteiungen, um Rama für dich allein zu haben in Ayodhya. Wenn du willst, so ringe mit Kali; sie mag einen guten Ringer. Aber ringe nicht lieblos oder aus bloßem Widerwillen und Hass mit ihr; denn ihr Missvergnügen ist schrecklich, und wenngleich sie die Asuras liebt, so tötet sie sie doch. Gehe lieber mit ihrer Hilfe und unter ihrem Schutz, gehe mit einem rechten Verständnis ihres Wesens und mit einem wahren und unbeugsamen Willen. Sie wird dich, auf was für Umwegen auch immer, stets sicher und aufs weiseste hinführen zu der Allseligen Persönlichkeit und der Unbeschreiblichen Gegenwart. Die Natur ist Gottes eigene Macht und führt diese Unzahl von Wesen durch die Nacht und die Einöde und die Gebiete des Feindes zu ihrem geheimen, versprochenen Erbe.

Die Übernatur ist also in jeglicher Hinsicht unser Ziel im Yoga: Ein natürlicher Bestandteil der Welt zu bleiben und doch die Natur im Inneren zu transzendieren, so dass wir sie sowohl innerlich als auch äußerlich frei und als Herr, svarat und samrat, besitzen und uns an ihr erfreuen mögen, Symbol zu bleiben in einer Welt der Symbolwesen und doch durch das Sinnbild das Versinnbildlichte zu erreichen, es zu verwirklichen, ein Ausdruck des Menschlichen zu bleiben, ein Mensch unter Menschen, ein lebender Körper unter lebenden Körpern, ein in dieser lebenden Materie wohnendes mentales Wesen, manus, unter anderen verkörperten mentalen Wesen, in unserem äußeren Wesen alles zu sein und zu bleiben, was wir dem Schein nach sind, und doch darüber hinauszugehen und im Körper das zu werden, was wir in unserem verborgenen Selbst in Wirklichkeit sind, nämlich Gott, Geist, höchstes und unendliches Sein, reine Seligkeit göttlicher Freude, reine Kraft göttlichen Handelns, reines Licht göttlichen Wissens. Unser ganzes sichtbares Leben hat nur einen symbolischen Wert, ist gut und notwendig als ein Werden, doch alles Werden hat Sein zu seinem Ziel und zu seiner Erfüllung, und Gott ist das einzige Sein. Göttlich zu werden in der Natur der Welt und im Symbol des Menschen ist die Vollendung, für die wir erschaffen wurden.

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Kapitel 4
Die Fülle des Yoga im Bedingten

Wir sind aufgefordert, über unsere menschliche Statur hinauszuwachsen und göttlich zu werden. Um aber dies zu tun, müssen wir als erstes Gott erreichen, denn das menschliche Ego ist der geringere, unvollkommene Zustand unseres Seins, Gott ist der höhere, vollkommene Zustand. Er ist im Besitz unserer Übernatur, und ohne Seine Zustimmung ist kein effektiver Aufstieg möglich. Das Endliche kann nur unendlich werden, wenn es seiner eigenen verborgenen Unendlichkeit gewahr wird und sich von ihr angezogen oder zu ihr hingezogen fühlt. Ebensowenig kann das symbolische Wesen aus eigener Kraft die Grenzen seiner scheinbaren Natur überschreiten, es sei denn, es erblickte das Wirkliche Wesen in sich, liebte es und setzte ihm nach. Als ein besonderes Werden ist es festgelegt auf die Natur des Symbols, zu dem es wurde. Nur indem es von dem angerührt wird, was alles Werdende ist und über alles Werdende hinausgeht, kann es von der Bindung an seine eigene begrenzte Natur befreit werden. Das aber, was das Ganze ist und über das Ganze hinausgeht, ist Gott. Deshalb kann uns einzig und allein die Erkenntnis Gottes, die Liebe zu Ihm und die Besitznahme Seiner freimachen. Allein Er, der transzendent ist, kann uns dazu befähigen, uns selbst zu transzendieren. Allein Er, der allumfassend ist, kann uns über unser begrenztes So-sein ausweiten.

In dieser Notwendigkeit liegt die Berechtigung jener großen und unvergänglichen Kraft der Natur, auf die der Rationalismus zu Unrecht und irrational mit Verachtung herabschaut: die Religion. Ich spreche von Religion und nicht von einem Glaubensbekenntnis, einer Kirche oder einer Theologie, denn diese sind weniger das Wesen der Religion und nicht einmal in jedem Fall wirklich religiöse Handlungsweisen, als vielmehr bloße Formen von Religiosität. Ich spreche von jener persönlichen und intimen Religion, die eine Sache des Temperaments, des Geistes und des Lebens ist, nicht aber der Anschauungen und formalen Handlungen, und die einen Menschen leidenschaftlich und ausschließlich zu seiner eigenen Schau des Höchsten oder zu seiner eigenen Idee von etwas Höherem als ihn selbst hinzieht, dem er zu folgen oder zu dem er zu werden hat. Ohne eine inbrünstige Verehrung des Höchsten im Herzen, eine starke, aufwärtsgerichtete Sehnsucht nach Ihm im Willen oder ein ungestümes Verlangen nach Ihm im Charakter können wir nicht den Auftrieb dazu erhalten, anders zu werden als wir sind, noch die Kraft dazu, etwas so Schwieriges zu unternehmen wie das Überwinden unserer eingewurzelten menschlichen Natur. Wenn die Propheten sprachen und die Avatare herabkamen, geschah dies stets mit der einzigen Absicht, uns zu Gott zu rufen, uns zu beflügeln, dieser großen, an unsere aufstrebenden Energien gerichteten Aufforderung Folge zu leisten oder aber um etwas in der Welt vorzubereiten, das die Menschheit dem Ziel ihrer beschwerlichen, emporführenden Reise näherbringt.

Es mag auf den ersten Blick so aussehen, als gäbe es keine Notwendigkeit für diese religiösen Begriffe oder diese religiöse Gesinnung. Wenn das Ziel darin besteht, zu etwas dem Menschen Überlegenem zu werden, uns zum Übermenschen zu entwickeln, so wie der Mensch sich aus dem Affen entwickelt hat – falls diese Aufeinanderfolge tatsächlich der Wahrheit entspricht – und wie der Affe aus niedrigeren Tierformen hervorging, diese wiederum aus Weichtieren und Protoplasma, aus Quallen oder pflanzenähnlichen Tieren und so fort bis ans Ende der Reihe, welche andere Notwendigkeit besteht dann als die Ausbildung, vorzugsweise die intelligenteste und wissenschaftlichste Ausbildung unserer mentalen, moralischen und physischen Energien, bis hin zu dem Punkt, an dem sie durch die psychische Chemie der Natur in den kommenden höheren Typus umgewandelt werden? Doch in Wirklichkeit ist das Problem nicht so einfach. Drei versteckte Irrtümer liegen dieser skeptischen Frage zugrunde. Wir haben eine falsche Vorstellung von der Natur des auszuführenden Unternehmens, wir haben eine falsche Vorstellung von der Natur der ausführenden Kraft und ihrer Prozesse, und wir verkennen die Natur der Sache, die sich der Kraft bedient und ihre Prozesse zur Anwendung bringt.

Die Natur bietet es dem Menschen nicht an, einen höheren mentalen, moralischen und physischen Variationstypus nach dem Muster des gegenwärtigen Menschen zu erarbeiten, dem Symbol, das wir sind. Sie schlägt ihm vielmehr vor, diesen allgemeinen Typus ganz und gar zu durchbrechen und zu einem neuen Symbolwesen vorzudringen, das dem jetzigen Menschen gegenüber so übernatürlich ist wie der jetzige Mensch dem Tier gegenüber. Es ist zu bezweifeln, ob die Natur in der rein menschlichen Form sehr viel weiter gehen kann als sie es bisher tat, dass sie zum Beispiel einen höheren mentalen Typus als Newton, Shakespeare, Caesar oder Napoleon hervorbringen kann, einen höheren moralischen Typus als Buddha, Christus oder den Heiligen Franziskus, einen höheren physischen Typus als den griechischen Athleten oder, um moderne Beispiele anzuführen, einen Sandow oder einen Ramamurti. Sie mag versuchen, eine bessere Kombination mentaler und moralischer oder mentaler, moralischer und physischer Energien zustandezubringen. Aber wird es ihr je gelingen, etwas weit über das Niveau eines Konfuzius oder Sokrates Hinausgehendes zu produzieren? Auf diesem Gebiet ist es wahrscheinlicher, und es scheint auch so zu sein, dass die Natur auf die weitere Verbreitung eines höheren Niveaus und einer besseren Kombination aus ist. Aber auch hier ist nicht anzunehmen, dass es ihr Anliegen ist, alle Menschen auf dieselbe Stufe zu heben, denn so etwas kann nur geschehen, wenn nach unten hin angeglichen wird. Nichts in der Natur ist frei von Unterschieden, mit Ausnahme der untersten und am wenigsten entwickelten Formen. Je bedeutender das Erreichte, je reicher ausgestattet der der Art eigene Organismus, desto größer sind auch die Gelegenheiten zu Ungleichheit. Bei einer so hoch angelegten und so weit entwickelten natürlichen Formation wie dem Menschen ist zwar individuelle Chancengleichheit vorstellbar, die Gleichheit seiner natürlichen Fertigkeiten und Begabungen aber muss als ein Hirngespinst angesehen werden. Außerdem kann eine Verallgemeinerung der Fertigkeiten oder ein Zuwachs an Material nichts an dem Grad des von der Natur Erreichten ändern. All die angesammelten Entdeckungen und vielseitigen Kenntnisse des modernen Wissenschaftlers machen ihn einem Aristoteles oder Sokrates nicht mental überlegen. Er ist weder ein scharfsinnigerer Denker noch eine mentale Kraft von größerer Tragweite. All die vielfältigen Betätigungen der modernen Philanthropie bringen keinen vollkommeneren moralischen Typus als den Buddha oder den Heiligen Franziskus hervor. Die Erfindung des Automobils entschädigt uns ebensowenig für eingebüßte Schnelligkeit und Ausdauer, als uns die Gymnastik die körperliche Leistungsfähigkeit eines Eingeborenen oder Indianers wiedergibt. Wir sind uns also der Grenzen bewusst, die den Möglichkeiten der Natur im menschlichen Sinnbild gesetzt sind. Sie sind durch die Beschaffenheit des Sinnbildes selbst bedingt und werden von der Natur in ihren Bestrebungen beachtet.

Es bleibt die Frage, ob es innerhalb dieser Grenzen das Hauptanliegen der Natur sein kann, die Möglichkeiten des menschlichen Symbols voll auszuschöpfen. Denn eigentlich ist dies eher die Hauptbeschäftigung des Menschen und daher die Richtung, die die Natur einschlägt, wenn der menschliche Verstand sich in ihr normales Vorgehen einschaltet. Sich selbst überlassen und sogar dann, wenn sie sich der menschlichen Eingriffe bedient, scheint sie mehr darauf erpicht zu sein, die Form zu zerbrechen als sie zu vervollkommnen – dies allerdings nur in ihren fortgeschritteneren Individuen und bei ihren kühneren Unternehmungen und auch nur mit gebührlicher Rücksicht auf die Sicherheit des allgemeinen Menschentyps. Aber dies ist ja stets ihre Methode, wenn sie zu einem neuen Symbol überzugehen wünscht, ohne die vorhergehenden Arten zu zerstören. Je zivilisierter der Mensch wird, desto mehr plagt sie ihn mit moralischen Entartungen, mit Exzessen sowohl der Sünde als auch der Tugend, ja selbst mit Verwechslungen der eigentlichen Urbilder von Tugend und Sünde. Je mehr er mit seinem Verstand erklärt, je mehr er auf Rationalität als seinem höchsten Zweck beharrt, desto ungehaltener wird sie und desto lautstarker verlangt sie von ihm, stattdessen seine Instinkte und seine Intuitionen zu entwickeln. Je mehr er sich um Gesundheit und Hygiene bemüht, desto mehr vermehrt sie die Krankheiten des Mentals und des Körpers. Er triumphiert über den Supranaturalismus, er kettet sie fest an das Materielle, das Menschliche und das Rationale, doch sofort bricht sie ungestüm in unerwartete Erneuerungen und gigantische Supranaturalismen aus. Was sie auch vorhaben mag, sie wird sich nicht durch die beschränkte menschliche Vernunft daran hindern lassen. Durch ihr ganzes unermessliche Wesen fühlt sie den Pulsschlag einer übernatürlichen Kraft und das Wirken und Drängen eines der materiellen Vernunft weit überlegenen Wissens. Deshalb bricht sie aus, zwingt, fordert, beharrt. Überall sehen wir sie darum bemüht, den von ihr erschaffenen mentalen, moralischen und physischen Typus zu durchbrechen und über ihn hinaus zu neuen, bislang noch nicht klar erkennbaren Prozessen zu gelangen. Vorsätzlich greift sie die gute Gesundheit und das ungestörte Gleichgewicht unserer normalen Intelligenz, Sittlichkeit und körperlichen Existenz an. Außerdem ist sie von einer Manie zum Kolossalen besessen: Gewaltige Strukturen, gigantische Zusammenschlüsse, riesige Höhen und Geschwindigkeiten, ungeheure Träume und Ambitionen zeichnen sich überall mehr oder weniger deutlich, mehr oder weniger verschwommen ab. Bisher unfähig, ihren Willen im Einzelnen durchzusetzen, arbeitet sie mit Massen. Unfähig im Mental, befasst sie sich mit materiellen Formen und Erfindungen. Unfähig im aktuell Gegebenen, wirkt sie durch Hoffnungen und Träume. Unfähig, Napoleone und Super-Napoleone nachzuschaffen oder neu zu erschaffen, wirkt sie auf eine weitere Verbreitung und eine größere Reichweite der menschlichen Fähigkeiten hin, so dass solche Wesen künftig vielleicht leichter hervorzubringen sein werden. Und inzwischen produziert sie stattdessen Großkampfschiffe und Supergroßkampfschiffe, Trusts und Riesenkonzerne, strotzt vor entfernungsüberwindenden Erfindungen und scheint darauf versessen zu sein, alle Grenzen des Raumes und der Zeit niederzureißen, die sie selbst geschaffen hat.

Wie um mit ihrem Finger auf ihr Vorhaben zu deuten, hat sie die Merkmale dieses Vorgangs des Zerbrechens und Wiederaufbaus im Phänomen des Genies angehäuft. Es ist heutzutage Allgemeinwissen, dass Genie kaum jemals in der menschlichen Art auftritt, ohne von Abnormitäten des Körpers, der Lebenskraft oder des Mentals vorbereitet oder begleitet zu sein. Anlagen zu Entartung, Irrsinn oder Verkrüppelung sind in der Erbmasse enthalten, aus der es hervorgeht, und sogar Störungen und paranormale Einflüsse können in dem menschlichen Umfeld vorkommen, in dem es auftritt. Mit der Voreile einer brillanten Verallgemeinerung wurde auf dieser Grundlage das Paradox aufgestellt, dass Genie selbst eine morbide Form des Irrsinns oder der Entartung ist. Die der Wahrheit entsprechende Erklärung liegt auf der Hand. Um Genie in den menschlichen Organismus einzuführen, ist die Natur gezwungen, das normale Funktionieren dieses Organismus zu stören und teilweise aufzuheben, und zwar deshalb, weil sie in ihn ein Element einführt, das dem davon bereicherten Typus übergeordnet und deshalb fremd ist. Beim Genie handelt es sich nicht um die vollendete Entfaltung dieses neuen und göttlichen Elements, sondern lediglich um einen Anfang oder bestenfalls um eine Annäherung in bestimmte Richtungen. Es offenbart sich schubweise und unberechenbar inmitten einer gewaltigen Menge etwas aus der Ordnung geratener normal-menschlicher Denkvorgänge, vitaler Nervenvorgänge und tierhafter Körpervorgänge. Die Sache selbst ist göttlich, doch das ungöttliche Gefäß, in dem sie sich auswirkt, wird mehr oder weniger von der in ihm wirkenden unassimilierten Kraft aufgerodet und zerbrochen. Manchmal gibt es da ein Element in dem göttlichen Eindringling, das sich des Gefäßes bemächtigt und es festigt, so dass es nicht zerbricht und auch gar nicht erst brüchig wird oder, sollte doch eine Störung eintreten, ist sie gering und ohne Bedeutung. Solch ein Element war in Caesar, in Shakespeare und in Goethe zugegen. Manchmal offenbart sich auch eine Kraft, die wir nicht länger als Genie bezeichnen können, ohne dass unsere Terminologie hoffnungslos unzulänglich wird. Dann neigen sich jene nieder, die Augen haben zu sehen, und bezeugen den Avatar. Denn oftmals ist es das Werk des Avatars, teilweise oder summarisch das zu verkörpern, was die Natur in der Allgemeinheit oder sogar im Einzelnen noch nicht bewerkstelligt hat, auf dass sein vorübergehender Aufenthalt es dem materiellen Äther, in dem wir leben, aufprägen möge.

Aber welcher Art ist dieser Typus, mit dem die große Mutter in den Wehen liegt? Was wird nach den Schreien und den Wehen dieser langen und gewaltigen Schwangerschaft geboren werden? Ein höherer Menschentyp, möchte man sagen. Doch um zu verstehen, was wir damit meinen, müssen wir uns zunächst darüber Klarheit verschaffen, welcher Art die Menschheit ist, die die Natur zu übertreffen sucht. Dieses menschliche Symbol, dieser Typus, der wir jetzt sind, ist ein mentales Wesen mit einem mentalen Ego. Dieses wirkt stets in einer vitalen Hülle und vermittels des Mentals, doch auf die Materie, in der Materie und durch die Materie. Es ist in seinem höheren Wirken durch seine niederen Werkzeuge eingeschränkt. Seine mentale Grundlage ist egoistisch, sinnlich und durch seine Erfahrung sowie durch seine Umwelt bestimmt. Sein Wissen zieht daher weitere oder engere Kreise in einem fest vorgezeichneten und kargen Gelände. Sein sittliches Wesen und Handeln ist in ähnlicher Weise egoistisch, sinnlich, empirisch und durch die Umwelt bedingt. Aus diesem Grunde ist es der Sünde und der Tugend gleichermaßen verhaftet, und alle Versuche, die Menschheit innerhalb der Grenzen ihrer egoistischen Natur sittlich von Grund auf zu verändern, mussten und müssen notwendig, trotz einzelner Verbesserungen, in einem allgemeinen Fehlschlag enden. Der gegenwärtige Menschentyp ist etwas Zusammengewürfeltes und Verworrenes. Körper, Lebenskraft und Mental behindern sich gegenseitig und werden voneinander beeinträchtigt. Seine auf Sinneskontakt beruhende Suche nach Erkenntnis gleicht dem Herumtappen eines Menschen, der des Nachts im Walde seinen Weg zu finden versucht. Er lernt seine Umgebung kennen, indem er sie berührt, gegen sie prallt oder über sie stolpert. Zwar ist ihm das unsichere Licht der Vernunft gegeben, das dieses Unvermögen teilweise ausgleicht, doch da die Vernunft ebenfalls von den Sinnen, diesen konsequenten Verfälschern von Werten, auszugehen hat, ist ihr Erkenntnisvermögen beschränkt und stets von großer Undeutlichkeit und Ungewissheit umgeben, auch dann, wenn sie wähnt, verstanden zu haben. Er sichert sich einige wenige Blüten der Wahrheit, indem er in einer Dornenhecke von Zweifeln und Irrtümern herumwühlt. Auch die diesem Typus eigene Art zu handeln gleicht dem Durchdringen eines Dickichts, dem zuversichtlichen und doch gequälten Voranstolpern entlang übereifriger Fehlschläge zu teilweisen und kurzlebigen Erfolgen. Obwohl allem, was die Natur sonst bisher zuwege gebracht hat, weit überlegen, ist dieser Typus doch derart mit Unzulänglichkeiten behaftet, dass jene pessimistischen Philosophien durchaus gerechtfertigt wären, die am Leben verzweifeln, die im „Willen, nicht zu leben“, den einzigen Ausweg für die Menschheit sehen und kein anderes Heil für sie in Erwägung ziehen – falls es tatsächlich unmöglich sein sollte, seine charakteristischen Grenzen zu durchbrechen und weiterzugehen. Aber die Natur ist der Wille des Allweisen Gottes und arbeitet nicht auf eine Zurückführung der Welt aufs Absurde hin. Sie kennt ihr Ziel, sie weiß, dass der Mensch in seiner gegenwärtigen Beschaffenheit nur eine Übergangsform ist. So weit sie es ohne das Überleben der Art zu gefährden vermag, drängt sie vor zu dem, was sie in Gottes ewigem Wissen als über dem Menschen stehend erblickt hat. Ausgehend von diesem Ego bewegt sie sich auf ein universales Bewusstsein hin, ausgehend von dieser Begrenzung auf eine freie Beweglichkeit im Unendlichen, ausgehend von diesem im Dunkeln tappenden Mental auf eine unmittelbare sonnenerleuchtete Schau der Dinge. Von diesem ausweglosen Konflikt zwischen Laster und Tugend bewegt sie sich hin zu einem Fortschreiten, das sich spontan an den von Gott zugewiesenen Pfad hält, von diesem zersplitterten und leidumwobenen Handeln hin zu einem freien und freudigen Tätigsein, von diesem verworrenen Ringen unserer Glieder hin zu einem entwirrten, geläuterten und harmonischen Zusammenwirken, von dieser materialisierten Mentalität hin zu einem idealen und erleuchteten Leben, Körper und Mental, vom Symbol hin zur Wirklichkeit, von dem von Gott getrennten Menschen hin zum Menschen in Gott und zu Gott im Menschen. Kurz gesagt, wie ihr Streben einst erfolgreich von der Materie aus auf das Leben gerichtet war, vom Leben aus auf das Mental und das mentale Ego, so richtet es sich jetzt – und dies ebenfalls mit vorbestimmtem Erfolg – auf ein Element jenseits des Mentals, auf das vijnana der Hindus. Dieses ist die aus sich heraus leuchtende Idee oder das Wahrheits-Selbst, das derzeit verborgen und überbewusst im Menschen und in der Welt existiert, wie das Leben stets in der Materie und das Mental im Leben heimlich zugegen waren. Sie weiß, dass sie durch dieses Wahrheits-Selbst jenen höchsten Inbegriff aller Dinge in ihren festen Besitz bringen kann, der die Wirklichkeit aller Symbole ist, im Geist, in Sachchidananda.

Das Ziel der Natur ist auch das Ziel des Yoga. Wie die Natur auf ihrer höchsten Höhe, sucht auch der Yoga diese Formation, bestehend aus Ego, mentalisiertem Leben im Körper und materialisiertem Mental, zu durchbrechen, um in unserem spirituellen Wesen zum idealen Handeln, zur idealen Wahrheit und zur unendlichen Freiheit zu gelangen. Die Verwirklichung eines so ungeheuren Ziels erfordert gewaltige und gefährliche Verfahren. Diejenigen, die sich auf diesem Weg besonders hervorgetan oder neue Pfade zu diesem Ziel erschlossen haben, hatten dem Verlust ihres Verstandes, der Auflösung ihrer moralischen Integrität, ja sogar der Einbuße ihrer Gesundheit und ihres Lebens als einer häufig eintretenden Möglichkeit zu trotzen. Auch wenn sie scheiterten, sollten wir ihnen weder Mitleid noch Verachtung entgegenbringen, denn sie sind Märtyrer für den Fortschritt des Menschengeschlechts, und dies in weit größerem Maße als ein verschollener Seefahrer oder ein Wissenschaftler, der den Gefahren seiner Forschertätigkeit erlag. Sie bereiten wissentlich jene größtmögliche Vollendung vor, auf die die restliche Menschheit sich instinktiv und unbewusst zubewegt. Man kann sogar sagen, dass Yoga das spezielle Mittel ist, das die Natur zum endgültigen Erreichen ihrer Absicht für den Zeitpunkt bereithält, wenn ihre langwierige, mühevolle Vorarbeit abgeschlossen ist, wenn wenigstens ein Teil der Menschheit von seiner Konstitution her der erforderlichen Anstrengung gewachsen und intellektuell, moralisch sowie physisch zum Erfolg befähigt ist. Die Natur bewegt sich hin zur Übernatur, Yoga strebt hin zu Gott. Der Weltimpuls und das menschliche Streben sind eine einzige Bewegung, sind dieselbe Reise.

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Kapitel 5
Die Voraussetzung zur integralen Erfüllung

Gott zu erlangen ist der eigentliche Zweck aller menschlichen Bemühung, für den die anderen Anstrengungen – politische, gesellschaftliche, literarische, intellektuelle usw. – nur eine notwendige Voraussetzung und Vorbereitung der Menschenart sind; in dem Zustand der Erlangung, sowie in deren Reichweite gibt es natürlich Unterschiede. Drei Zustände göttlicher Erlangung lassen sich nutzbringend unterscheiden: mit Gott in Berührung kommen, Ihm innewohnen, Er werden. Der erste ist grundlegend und einleitend; ehe wir nicht den Schleier unserer gewöhnlichen Natur durchdringen und das göttliche Wesen berühren oder Es sich herabneigt und uns Seine Berührung auferlegt, ehe wir nicht zuerst mit Ihm in Fühlung kommen entweder im Herzen, im Mental, in der Arbeit oder in unserem Wesen, können wir nicht weitergehen, um Ihm innezuwohnen. Sind wir stark im Geist, so mag die Berührung allerdings rasch und bündig zusammengefasst sein und wir sogleich erwachen und vorwärtsschreiten zum Zustand göttlichen Innewohnens – die Seele des Menschen in der Seele Gottes, das Individuum in der Universalität; doch muss die Berührung vorhanden sein. Diesen einleitenden Schritt einzuschärfen, den Menschen in eine Art Fühlung mit Gott zu bringen, ist die übliche und manchmal die einzige Beschäftigung der Religionen. Der Natur kommt es für ihr Vorhaben nicht sehr darauf an, wie das geschieht – auf wie grobe, urtümliche Weise, durch was für intellektuelle Irrtümer, emotionale Missgriffe und ethische Gräuel auch immer – die Berührung muss hergestellt werden. Dies fordert der religiöse Geist gebieterisch und vor allen Dingen. Wie es stets ihre Art ist, drängt die Natur voran zu den ihr über alles wichtigen nächsten Schritten und ist gewillt, einen einzigen großen allgemeinen Gewinn durch jede Menge einzelner Verluste zu erkaufen. Auch ist der Mensch so vielfältig in der Anordnung seiner Eigenschaften und unterscheidet sich die Antriebsfeder wie auch die besondere Wesensart in jedem Einzelnen so gewaltig oder auch so fein von anderen, dass es für dieses Vorhaben der Natur nie zu viele Sekten, Disziplinen oder verschiedene Religionen geben kann. Swami Vivekananda hat sehr gut die Vollendung der Religion in einem Zustand gesehen, wo jeder Mensch seine eigene Religion hat, vorgeschrieben von seinen eigenen spirituellen Bedürfnissen und seiner eigenen Natur; denn kollektive Glaubensbekenntnisse, Kirchen und Theologien, trotz ihrer zeitweiligen Notwendigkeit und einigen unleugbaren dauernden Vorteilen, tragen dazu bei, die Aufwärtsbewegung zu formalisieren, und berauben sie ihrer Anpassungsfähigkeit, Freiheit und vollkommenen individuellen Aufrichtigkeit. Priester und Dogma werden Gott und der Seele selten die Freiheit lassen, einander in jener Einsamkeit und Spontanität zu begegnen, die der Vereinigung ihre höchste Kraft und Wonne schenken. Sie drängen immer herein, die Heirat zu beaufsichtigen und ihr vorzustehen, sie mit Formeln, Riten und amtlicher Beurkundung zu legitimieren.

Außerdem ist der Verstand des natürlichen Menschen eng, ist seine Bemühung schnell erschöpft und begnügt sich leicht mit Unvollkommenheit. Wird ihm weisgemacht, dass seine Art des Kontakts mit dem Göttlichen die einzig richtige sei, dann ist seine Freiheit höherer Entwicklung eingeschränkt oder ihm völlig genommen, und in seinem intellektuellen und religiösen Egoismus stellt er sich gegen die Freiheit anderer. Die meisten Religionen glauben gern, dass sobald der Kontakt mit Gott einmal hergestellt ist, ganz gleich von welcher Art oder mit was für Begrenzungen, alles von Gott Verlangte erfüllt sei. Volksreligionen neigen von Natur aus dazu, dualistisch zu sein und eine scharfe Unterscheidung zwischen Mensch und Gott zu bewahren, das Symbol von Dem abtrennend, was sich in ihm ausdrückt; während sie mit der einen Hand den Menschen seiner Übernatur entgegenheben, halten sie ihn mit der anderen an seine gewöhnliche Natur nieder. Die niedere Natur wird von der Glut der höheren überflutet und von deren Macht und Entzücken berührt, steigt aber nicht selbst in sie auf, ihr innezuwohnen. Zuunterst findet die dualistische Seele Geschmack an ihren Unvollkommenheiten und zuhöchst, außer in seltenen selbst-übersteigenden Augenblicken, hält sie sich in Ehrfurcht und Huldigung gesondert vom göttlichen Liebenden und betet zu Seinen Füßen an, doch kann sich nicht in Seinem Schoß bergen.

Darum hat die Natur, weiter ihrer Aufwärtswoge folgend, eine machtvollere Reihe menschlicher Seelen bereitgestellt, fähig über diese einleitende Bemühung hinauszugehen, in das ureigenste Wesen Gottes einzutreten und dort glückselig zu verweilen. In das Bewusstsein des Unendlichen einkehrend, es rings um sich herum und in sich im Inneren spürend, stets schauernd von Seiner Berührung, gewahr des Einsseins mit Ihm in seiner Natur, Freude und inneren Wahrnehmung, bewahren sie dennoch eine beständige Losgelöstheit ihres besonderen Wesens innerhalb jenem Einsseins. Sie versenken sich nicht völlig im göttlichen Ozean, oder wenn sie in ihm untertauchen, halten sie eine Lotleine fest, die sie mit der Oberfläche verbindet. Ihrer Natur nach – was immer ihre Meinungen sein mögen – sind solche Menschen Visishtadwaitins [eingeschränktem Monismus folgend], nicht zu völligem Einssein gezogene Seelen. Aber bis der Mensch sich ganz und gar in Gott hineinstürzt und sich nicht kümmert, ob er wieder auftaucht, bis das Menschliche sich insgesamt der Göttlichkeit hinopfert und kein Teilchen seines Wesens zurückhält, auch nicht das winzigste Partikelchen von Getrenntheit des individuellen Egos, Jivatman, kann der göttliche Zweck im Menschen nicht gänzlich erfüllt werden. Darum hat die Natur oder der Wille Gottes – denn die Natur ist nichts anderes als der Wille Gottes im Wirken – vorgesehen, dass einige, nachdem sie Gott innegewohnt haben, menschliche Seele in göttlicher Seele, unvermittelt, unwiderstehlich gerufen werden, nach kurzer Frist oder zu guter, langer Letzt voll und ganz einzutauchen. Diese schreiten voran und werfen die letzte Spur von Ego in Gott hinein. Manche von uns, wie ein großer Lehrmeister gesagt hat, sind Jivakotis, Menschen, die so vorwiegend zur Symbol-Natur neigen, dass sie sich selbst verlieren, wenn sie sich für eine Weile ganz in der Wirklichkeit verloren haben; einmal eingetaucht, können sie nicht zurückkehren, sind in Gott für die Menschheit verloren; andere sind Ishwarakotis, Menschen, deren Mitte bereits aufwärts verlagert worden ist oder, von Anfang an in die höheren Ebenen unseres Bewusstseins erhoben, eher in Gott als in der Natur begründet war. Solche Menschen neigen sich bereits von Gott zur Natur herab. Darum behalten sie sich selbst auch dann, wenn sie sich in Ihm verlieren; denn indem sie Gott erreichen, verlassen sie nicht ihre Mitte, nähern sich ihr vielmehr. Angekommen, vermögen sie sich wiederum zur Menschheit nieder zu neigen. Die so aus diesem Bad Gottes auftauchen können, sind die letztlichen Helfer der Menschheit, von Gott und der Natur erwählt, den Typus des übernatürlichen Menschen vorzubereiten, zu dem unsere Menschheit sich erhebt.

So gibt es also diese drei göttlichen Voraussetzungen – gesondert aufgefasste Zustände für die Erreichung Gottes durch die Menschheit. Da der Mensch an Energie begrenzt und im Verstand eher Unterschiede betont als umfassend ist, hält er gemeinhin an dieser unterteilenden Auffassung fest und beschränkt sich auf die eine oder andere dieser Voraussetzungen. Da auch das yogische Vorgehen auf die unterschiedlichen Naturen der Menschen achtet, passt es sich deren Begrenzungen an, wählt aus und sammelt sich auf eine der Voraussetzungen. Es kann sogar einseitig, ja parteiisch werden, weil es sich in seinem Kontakt mit Gott eher auf einen Teil göttlicher Eigenschaft richtet als auf die vollkommene Göttlichkeit – auf einen Gott des Erbarmens, einen Gott der Gerechtigkeit, den Göttlichen Meister, den Göttlichen Freund, oder auch auf einen Aspekt göttlich unpersönlichen Seins, auf Unendliche Verzückung, Unendliche Kraft oder auf Unendliche Ruhe und Unendliche Reinheit. Beim Innewohnen mag es dieselben Begrenzungen geben, beim Werden mögen sie ebenfalls bestehen bleiben. An diesem auswählenden Vorgehen oder dieser Parteilichkeit ist nichts auszusetzen. Sie ist notwendig; menschliche Begrenzungen verlangen diesen Kunstgriff. Das menschliche Vermögen zu Vollkommenheit gewinnt aus diesen Zugeständnissen. Die Natur kennt ihre Aufgabe und packt sie an mit weiter, geschmeidiger und vollendeter Weisheit, die über unsere ungeduldigen logischen Engstirnigkeiten und starren einspurigen Folgerichtigkeiten lächelt. Sie weiß, dass sie es mit einem unendlich vielschichtigen und wandelbaren Werkstoff zu tun hat und unendlich vielschichtig und wandelbar in ihren Verfahrensweisen sein muss. Wir ziehen nur präzise Methoden und letztendliche Erfüllung in Betracht; sie dagegen muss auf ihrem Weg mit tausendarmigen Kämpfen und unendlichen Möglichkeiten rechnen.

Dennoch ist ihr höchstes Ziel und der vollkommene ganzheitliche Yoga mehr ein Umfangen als ein Auswählen. Wir sind dafür bestimmt, im Symbol der Menschheit das zu sein, was Gott in Sich und universal ist. Nun ist Gott absolut, frei von diesen Begrenzungen und allumfassend. Er ist immer eins in seinem Wesen, jedoch sowohl eins mit seinen Symbolen als auch von ihnen gesondert und in dieser unterschiedenen Einheit fähig, abseits von ihnen zu stehen. So können auch wir in unserer höchsten göttlichen Verwirklichung, wenn wir eins geworden sind mit unserem göttlichen Selbst, uns abheben als das in allen Dingen und Wesen eine und doch im Symbol unterschiedene Selbst, um eine selige gesonderte Nähe zu genießen gleich jener von Liebendem und Geliebter, verschmelzend und doch getrennt in ihrer beider Verzückung. Auch Gott können wir gegenüberstehen mit einer Art völliger Losgelöstheit, zwar Seine Hand haltend – ungleich dem reinen Dualisten –, aber dennoch Ihm gegenüberstehend, so dass wir jene Unendlichkeit menschlicher Beziehung mit Gott genießen können, die das Wunder, die Schönheit und Freude dualistischer Religionen ausmacht. Dies zu vollbringen ist der volle, der Purna-Yoga, und der Sadhak, der das erreichen kann, ist seiner Voraussetzung nach der vollständige Yogin.

Ist solch dreieinige Voraussetzung der Seele möglich? Logisch scheint sie unmöglich; logisch sind alle Trinitäten Hirngespinste, weil etwas nur eine Sache zur Zeit sein darf und nicht drei so auseinandergehende Zustände wie Einheit, unterschiedene Einheit und wirksame Dualität in sich verbinden kann. Aber bei diesen Dingen führt ein Zoll Erfahrung weiter als eine Elle Logik, und die Erfahrung lehrt – wie nachzuvollziehen ist –, dass der dreieinige Gott-Zustand ganz und gar möglich und einfach wird, ist Gottes Fülle einmal erlangt. Wir dürfen auf die Seele nicht eine Logik anwenden, die auf die Besonderheiten der Materie gegründet ist. Von einem Erdkloß stimmt es zwar, dass er nicht gleichzeitig an einem Ast kleben, aus dem Boden ragen und als eine formlose Masse in den Mutterboden getreten sein kann. Aber das ist so, weil er von der ursprünglichen Erdform getrennt ist. Die Seele ist von Gott nicht durch diese Schranken von Material und Dimension getrennt. Was für die Materie stimmt, trifft für den Geist nicht zu, auch werden die Richtmaße der Form nicht zu Fakten, die sich auf das Formlose anwenden lassen. Denn Materie ist in Form eingeschlossenes bewusstes Sein, der Geist ist bewusstes Sein, das Form benutzt, jedoch nicht darin eingeschlossen ist, und es ist des Geistes Vorrecht, dass er, obgleich unteilbar in seinem reinen Sein, frei selbst-teilbar ist in seiner bewussten Erfahrung und sich gleichzeitig in vielen Zuständen sammeln kann. Und durch dies Tapas, durch diese vielfältige Sammlung von Selbstkenntnis, schafft das Göttliche Sein die Welt und stützt sie und ist zugleich Gott und Natur und Welt, Persönlich und Unpersönlich, Unverfälscht und Vielseitig, Eigenschaftsreich und Eigenschaftslos, Krishna und Kali, Shiva und Brahma und Vishnu, Mensch und Tier und Pflanze und Stein, alle Aspekte Seiner selbst und alle Symbole. Wir brauchen daher nicht daran zu zweifeln, dass wir, unsere göttliche Wirklichkeit wiedererlangend, nicht an bloß eine einzige Voraussetzung, einen einzigen Aspekt gebunden sein werden, sondern über eine dreifache, ja eine vielfache Seelenerfahrung verfügen können. Indem wir Gott werden, werden wir das, was das All ist sowie es übertrifft und übersteigt. Sarvabhutani atmaivabhud vijanatah. Die Seele des vollkommen Wissenden wird zu allen existierenden Dingen und zu jenem Transzendenten, worin alle Dinge ihr Dasein haben, ihaiva, ohne aufzuhören seine menschliche Mitte gesonderter Erfahrung zu besitzen. Denn dies ist die vollständige Göttlichkeit, die das Ergebnis des vollkommenen und umfassenden Yoga ist.

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Kapitel 6
Sachchidananda

Der Vedanta, jene erhabene Bekräftigung der letzten Wahrheiten, über die kein menschliches Denken jemals hinausgegangen ist oder hinausgehen kann, schaut tief in die äußersten Urgründe, in denen das Dasein vor der Prüfung des Mentals Zuflucht nimmt, bekräftigt dort als Anfang und Ende aller möglichen Beschreibungen des unendlichen Wissbar-Unwissbaren drei Begriffe: Sein, Bewusstheit und Wonne. Sie sind die anfängliche und endgültige Trinität des Daseins. Daraus gehen alle Erscheinungen hervor, dahin suchen alle Erscheinungen zurückzukehren. Diese als Ich wahrgenommene Persönlichkeit ist aus dem unendlichen Sein hervorgegangen und lebt im unendlichen Sein; eingehüllt in die Begrenzungen von Form und Idee sucht sie mühsam, sich selbst als das unendliche Sein wiederzufinden. Dies Gewahrsein in mir, welches, gesammelt in meiner Persönlichkeit, alle mich aus dem unendlichen Dasein erreichenden Eindrücke zulässt und prüft, ist eine Auswahl aus einem unendlichen Bewusstsein, das sich selbst in seiner Gesamtheit und seinen Teilen betrachtet; lokalisiert und begrenzt, zunächst in dieser Form, die es geschaffen hat, taucht es aus seiner Schöpfung auf und sucht zunächst sich jener bewusst zu werden und dann seiner selbst; in gewisser Weise Herr seiner Umgebungen, strebt es Herr seiner selbst zu werden; sich stets vom Faktor zur Summe ausweitend, vom Besonderen zum Allgemeinen, von der Form zum Wesen, trachtet es sich als die unendliche Selbstbewusstheit wiederzuerlangen. Dieser Wille zu sein und zu wissen in mir ist wesenhaft die Freude zu sein und die Freude bewusst zu werden – Ananda, Wonne; und die besondere Wonne in mir ist nur ein Funke, eine Welle, ein Schaumkranz einer unendlichen Wonne; zunächst an teilweise, beschränkte und vergängliche Vergnügen geheftet, strebt sie immer diese zu erweitern, zu verbinden, zu verstärken; sie geht auf die Suche nach neuen Formen des Glücks; sie wendet sich von der Lebensfreude zu den Sinnesfreuden, von den Sinnesfreuden zu den Gefühlsfreuden, von den Gefühlsfreuden zur intellektuellen Befriedigung, von der intellektuellen Befriedigung zur selbstseienden Seligkeit des Geistes, die von keinem Gegenstand oder Umstand abhängt; in all diesen Regungen sucht sie sich selbst als unendliche Wonne wiederzufinden. Dergestalt erklären die endgültigen Wahrnehmungen des Vedanta den gesamten Prozess und die Arbeit des Bewusstseins in der Welt.

Diese drei, Sat, Chit und Ananda, sind eine Dreifaltigkeit, Sachchidananda. Es handelt sich nicht um drei verschiedene Faktoren, die eine einzige Summe bilden, noch sind zwei von ihnen lediglich Attribute, ja sogar untrennbare und unveränderliche Attribute des dritten. Zweifellos bestehen sie immer koexistent. Wo es keine Wonne gibt, weder latent noch entwickelt, kann es kein Dasein geben; wo es keine Bewusstheit gibt, das sich selbst absorbiert oder manifestiert, kann es kein Dasein geben. Folgen wir dem Dasein in die völlige und blinde Trägheit, verbirgt sich das Bewusstsein insgeheim in jener Nacht; folgen wir dem Bewusstsein in den trostlosen Abgrund, steckt die Freude selbstbetäubt in der Maske jenes Elends. Aber ihre Koexistenz ist nur ein äußeres Zeichen ihrer wesenhaften Einheit. Sie existieren nicht getrennt voneinander, weil sie sich nicht voneinander unterscheiden – alle drei sind ein Einziges in sich selbst, unterschiedlich gesehen; sinnenhaft gesehen, die Fasern des bewussten Lebens in uns berührend, ist es Freude; mental gesehen, die Fasern des lebendigen Bewusstseins berührend, ist es Bewusstheit; spirituell gesehen, den Kern dieses lebendigen und bewussten Egos berührend, ist es Sein. Aber das Ding-an-sich ist eins; es ist Brahman. Gehen wir hinter die Dreifaltigkeit, können wir nichts darüber sagen als Tat, anirdeshyam, das Unbestimmbare, Das, was alle Worte und Gedanken übersteigt; suchen wir es zu erkennen und zu definieren, dann kommen wir zur universellen und geheimnisvollen Dreifaltigkeit zurück, Sachchidananda, Sein, Bewusstheit und Wonne. Das ist alles, was wir im Grunde über uns selbst wissen können; wir sind Das, was Ist, welches als Seiendes sich Seines eigenen Daseins bewusst ist, und welches, als bewusstes, in Seinem verschwiegenen Sein oder Seinem Bewusstseinsspiel eine selbstseiende Wonne birgt. Dies ist alles, was wir grundlegend wissen können und alles, was wir wissen müssen, denn, wenn einmal erfasst und im Wissen weiterverfolgt, dann beginnt sich das ganze Leben in seiner geheimen Bewegung und Bestimmung unserem Blick zu entrollen.

Gegen diese erhabene Trinität des Vedanta, diese durchdringende Darlegung der Wirklichkeit der Dinge, diese Entdeckung der realen Existenz Gottes in der Welt, spricht offenbar in vieler Hinsicht der Anschein dieser Welt. Was uns an jeder Ecke grimmig anfällt, ist Leid und Schmerz, nicht Wonne; was uns immer und überall ins Auge springt, ist nicht bewusstes Gewahrsein, sondern die Trägheit und rohe Bewegung unbewussten Stoffes. Das Dasein können wir nicht leugnen; die Stimme des mächtigen Lebens in uns lehnt immer die Systeme des Nihilismus ab und überlässt sie dem Vergnügen einiger neugieriger und spitzfindiger Metaphysiker; weder in der Wissenschaft noch in der Erfahrung unterstützt irgendetwas die rein metaphysische Idee von Nichtigkeit. Aber dies unbestreitbare Dasein steht vor uns eher als unauflösliche Verwirrung von Vergnügen und Schmerz denn als gleichbedeutend mit Wonne; in seinen weiten, mit Welten besäten Feldern finden wir statt eines allgegenwärtigen Bewusstseins vielmehr ein unermessliches Nichtbewusstsein, worin Bewusstseinszungen flammen wie kleine Feuerzungen auf riesigem trägen Scheiterhaufen verschiedenartigen Holzes. Lassen wir uns nicht täuschen, antwortet der Vedantin; Erscheinungen kann man nie trauen, bis die Geheimnisse hinter ihnen ergründet sind. Für das Auge ist die Sonne ein Feuerglobus, der seine verehrte Erde umkreist; Generationen haben sie so empfunden und hätten die Wahrheit verspottet, dass diese festen Erscheinungen nur eine Ansammlung von Gasen seien oder die Farbe einer Rose bloß eine glänzende Täuschung des Sehens. Fragen wir das Bewusstsein, was sie wirklich ist oder enthält, und das Unbewusste, was ihre Geheimnisse sind. Befragen wir nicht nur den Wachzustand, sondern auch die Zustände des Schlafes und des Traumes. Sie werden am Ende langer, geduldiger und suchender Experimente feststellen, dass das verwirrte Bewusstsein des Traumes nur in den empfangenden Teilen des materiellen wachen Mentals verwirrt war und dahinter ein Bewusstseinszustand stand, der noch vollkommener und geordneter war als das Bewusstsein unseres wachen Lebens. Wir werden feststellen, dass das Bewusstsein im traumlosen Schlaf nur in den überwältigten und verstummenden Teilen desselben materiellen wachen Mentals in der Schwebe war und dahinter ein höchst erhabener und vollkommener Bewusstseinszustand stand, der nahe der Schwelle des Hauses Gottes steht, in dem wir wirklich wohnen; denn hier sind wir nur Arbeiter oder Aufseher in Seinen äußeren Höfen. Es wird zugegeben, dass wir träumen, wenn wir in tiefem Schlaf sind; wir sind bewusst, und wenn wir ohnmächtig oder betäubt sind, ist nur ein Teil des Bewusstseins, der äußere, hier tätige, zurückgezogen. Haben wir in uns das Unbewusste befragt, dann lasst es uns im Baum und in der Scholle befragen. Sind wir nämlich einmal in die inneren Reiche eingetreten und haben gelernt, eine uns übertreffende Erfahrung zu Gebote zu haben, so finden wir im Baum und im Felsen dasselbe Sein, dasselbe Bewusstsein, dasselbe Prinzip von Lebenswillen und von Wonne wie in uns selbst. Das Unbewusstsein von Baum und Felsen ist dasselbe wie das in unserem Körper, wenn das Mental, zurückgezogen, ihn nicht beobachtet. Es ist der Schlaf, die universelle Trance der Materie. Und das bedeutet schließlich die Trance des Bewusstseins, das sich selbst in seinem eigenen Symbol oder seiner eigenen Form vergisst. Das Bewusstsein ist in dieser seiner äußeren Hülle zu etwas anderem geworden, das keine Ähnlichkeit mit bewusstem Sein zu haben scheint, so wie Gas, das zu Wasser wird, zu etwas anderem geworden ist, das nicht den geringsten gasförmigen Anschein hat. Die Wahrheit thront verschleiert hinter der Erscheinung, selbstversunken; in ausnahmslos allem befindet sich „das, was in diesen bewussten und unbewussten Wesen bewusst ist, das, was in diesen Schlafenden wach ist“.

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Kapitel 7
Jenseits von Gut und Böse

Gott ist jenseits von Gut und Böse; wer Gott entgegengeht, muss in seiner Natur eins mit Ihm werden. Er muss Gut und Böse übersteigen.

Gott ist jenseits, nicht unterhalb von Gut und Böse, nicht durch sie bestehend oder begrenzt, ja nicht einmal oberhalb von ihnen; er übertrifft und übersteigt in einem absoluteren Sinne die Vorstellungen von Gut und Böse. Er geht in seiner Universalität über sie hinaus; sie bestehen zwar in ihm, aber die Werte von Gut und Böse, die wir den Dingen beimessen, sind nicht deren göttlicher oder universeller Wert, sondern nur der von uns in unserem psychologischen und dynamischen Umgang mit dem Leben geschaffene praktische Wert. Gott erkennt sie an und scheint mit uns auf der Grundlage dieser Wertschätzung des Lebens umzugehen, aber nur in dem Maße, wie es seinem Zweck in der Natur dient. In seinem universellen Wirken lässt er sich von ihnen nicht beschränken. Aber in sein transzendentes Wesen, von dem seine höchste Universalität das Abbild ist, treten sie überhaupt nicht ein; dort in der höchsten Universalität, die für uns transzendent ist, ist nur das absolute Gute, von dem sowohl unser Gutes als auch unser Böses gewisse unterschiedliche Elemente in sich trägt. Weder unser Gutes noch unser Böses kann aus sich selber das absolute Gute sein oder es uns geben; beide müssen umgewandelt werden, Böses in Gutes, Gutes in reines und selbstseiendes Gutes, bevor sie in dieses aufgenommen werden können.

Dies erklärt die Natur des Universums, die sonst unbegreiflich wäre und unvereinbar mit dem Wesen Gottes, ein machtvoll unbewusstes und gewalttätiges Rätsel. Gott muss jenseits der Beschränkung durch unsere Vorstellungen vom Guten sein, sonst könnte das Universum, so wie es ist, weder als das teilweise offenbarte Dasein eines göttlichen Seins noch als etwas von göttlichem Willen Geschaffenes oder Zugelassenes bestehen. Er kann auch nicht böse sein, sonst könnte es im Menschen, seinem höchsten irdischen Geschöpf oder seiner höchsten irdischen Manifestation, nicht diese vorherrschende Idee des Guten und diesen Strom der Neigung zur Rechtschaffenheit geben. Er kann nicht eine Mischung aus Gut und Böse sein, sei es ein selbstverwirrt ringendes oder ein geheimnisvoll geordnetes Doppelprinzip, Ormuzd und Ahriman, oder zumindest kann er nicht durch diese Dualität begrenzt werden, denn es gibt viel im Universum, das weder gut noch böse ist. Der größte Teil des Gesamten ist wohl übermoralisch, untermoralisch oder einfach amoralisch. Gut und Böse treten mit der Entwicklung mentalen Bewusstseins auf; sie existieren in ihren rudimentären Elementen im tierischen und primitiven menschlichen Mental; sie entfalten sich mit der menschlichen Entwicklung. Gut und Böse sind Dinge, die im Laufe der Evolution auftreten; so besteht die Möglichkeit, dass sie in deren weiterem Verlauf auch wieder verschwinden. Wenn sie tatsächlich bis zu ihrem höchstmöglichen Kulminationspunkt wesentlich sind, dann werden sie bleiben; oder ist eines wesentlich und das andere nicht, dann wird das eine bleiben und dessen Gegenteil verschwinden.

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Kapitel 8
Das Prinzip des Bösen

Das Problem des Bösen hat das menschliche Denken stark beschäftigt, und verschiedenartige, einander widerstreitende Lösungen sind entwickelt worden. Für den Rationalisten, der an nichts Unstoffliches glaubt, existiert das Problem nicht. Alles in der Natur ist Ergebnis der Evolution. Die Natur ist blind und unintelligent und hat daher keine Vorstellung von Gut und Böse; die Vorstellung gehört dem menschlichen Verstand und ist das Ergebnis des sozialen Empfindens und der Vorstellungen von Lust und Schmerz, die sich in den Menschen durch einen völlig einsichtigen natürlichen Prozess entwickelt haben. Doch für Menschen, die an eine Intelligenz, eine Einsichtskraft glauben, die über der Welt waltet und sie entwickelt, gibt es das Problem. Warum ist das Böse entstanden und was ist sein Zweck?

Die Unwilligkeit der frommen Seele, zuzugeben, dass das Böse in Gott existieren kann, hat zu Variationen der manichäischen Theorie geführt, die eine doppelte Herrschaft in der Welt sieht, nämlich Gott als das Prinzip des Guten und Satan als das Prinzip des Bösen. Die den Glauben an das bestehen einer intelligenten bösen Macht als Aberglauben betrachten, finden den Ursprung des Bösen im Menschen, der seine Freiheit missbraucht und durch seine Auflehnung und seinen Eigenwillen die Sünde hervorbringt. Diese Lösung löst aber gar nichts, weil sie nicht erklärt, warum es überhaupt eine Möglichkeit zum Bösen gegeben haben sollte. Sofern wir unsere Vorstellung von Gott als dem Ursprung und Schöpfer von allem, als das, von dem alles ausgeht, nicht einschränken, müssen wir gelten lassen, dass das Böse als Teil des Haushalts der Welt nicht weniger als das Gute aus Ihm hervorgegangen sein muss. Selbst wenn wir gewaltsam eine andere schöpferische Kraft in der Welt annehmen, die seine Universalität einschränkt, müssen wir davon ausgehen, dass Er, der die Macht hat, das Böse zu verhindern, es zulässt; denn Er ist allmächtig, und ohne die Erlaubnis Seiner allweisen übermächtigen Vorsehung vermag keiner irgendetwas zu tun. Beschränken wir jedoch die Allmacht Gottes, so setzen wir Ihn zu einem bloßen Demiurgen herab, einem großen Schöpfer von Dingen, der sich inmitten von Kräften abmüht, über die Er nicht die volle Gewalt hat. Eine solche Auffassung ist unphilosophisch und widerspricht der universellen spirituellen Erfahrung der Menschheit. Das Problem bleibt, warum Er, wenn Er Gott, die All-Liebe, sarvamangalam, ist, dann das Böse erschafft, oder wenn Er es nicht erschafft, warum Er es zulässt.

Unserer Meinung nach gibt es keinen Ausweg aus dem Glauben, dass Gott, wenn es Ihn gibt, alles ist. Alles geht von Ihm aus; von welcher anderen Quelle kann es ausgehen? Alles existiert in Ihm; in welchem anderen Wesen oder Kontinent kann es existieren? Deshalb muss das Böse von Ihm ausgehen, das Böse muss in Ihm existieren. Da Er der All-Weise ist, weil alles Wissen das Seinige ist, muss es zu irgendeinem weisen und vollkommenen Zweck existieren. Da Er die All-Liebe ist, muss es für das Gute existieren und nicht für etwas, das dem Guten widerspricht. Nur, Seine Weisheit ist eine unendliche Weisheit, unsere Weisheit ist eine endliche, Seine ist vollkommen, unsere unentwickelt. Seine ist eine unendliche und allweise Liebe, unsere eine endliche und unweise Liebe, eine Liebe, die unvollkommen von Wissen geprägt ist, voller Maya, Anhänglichkeit an vergängliches Glück und Vergnügen. Gottes Liebe blickt weithin, unsere Liebe richtet ihre Augen auf den Augenblick.

Erfahrung muss immer die Grundlage wahren Wissens sein, aber sie muss von wahrer Wahrnehmung erhellt sein, nicht eine von oberflächlichen Eindrücken dominierte Erfahrung. Einzig jene Erfahrung des Mentals ist erstrebenswert, die Ruhe erlangt hat und unter heftigsten Angriffen von Schmerz, Unglück und Bösem gelassen zu bleiben vermag. Das Mental, das nicht unerschütterlich, dhira, ist, das Kummer empfindet und unter dem Einfluss von Zuneigung und Leidenschaft denkt – sei es auch eine edle Zuneigung und Leidenschaft –, kann nicht zu samyag jnanam, der vollständigen und vollkommenen Wahrheit gelangen. Gemütsregung ist für das Herz und sollte nicht den Verstand bedrängen; denn des Verstandes eigentliche Aufgabe ist beobachten und verstehen, ohne sich vom geringsten Vorurteil, der leisesten Spur von Gefühl verdunkeln zu lassen. Wer dhira ist, wird jedes Geschehen gründlich anschauen, und, wenn er nicht sogleich sehen kann, auf Erhellung des Kerns und der letztendlichen Absicht warten; so wartend, so ruhig betrachtend, dämmert dem Verstand der Sinn des Lebens, entschleiert sich ein unendlicher Zweck in kleinen und großen Dingen, in guten und schlechten Vorkommnissen: allwissende Vorsehung enthüllt sich im Sturz des Sperlings und im Tod der Ameise wie auch im Erdbeben, das große Städte zerstört, und in den Fluten, die Tausende heimat- und mittellos machen. Rudra und Shiva erweisen sich als eins. Der Yogin sieht Gott in allen Dingen, in allen Wesen und allen Geschehnissen. Er ist die Sturmflut, Er ist das Erdbeben, Er ist der Tod, der zu höherem Leben führt, Er ist der Schmerz, der uns für höhere Seligkeit vorbereitet. Darüber lässt sich nicht streiten – es muss gesehen werden Paripasyanti dhirah [Weise nehmen überall wahr]. Und Sehen ist nur dem ruhigen Herzen und dem gelassenen Verstehen möglich.

Der Materialist hat nicht Unrecht, wenn er gut und böse lediglich für Vorgänge der Natur hält, die diese unparteiisch und unterschiedslos verwendet, und Unterscheidung erst als Entwicklung des menschlichen Mentals betrachtet. Das Böse ist das Gute, das verfallend ein höheres Gutes vorbereitet. Das, was heute Tyrannei ist, war einst notwendig, um die menschliche Gesellschaft zu festigen. Was einst ein idealer Zustand der Gesellschaft war, wäre jetzt barbarisch und böse. Die Moral schreitet voran, die Religion erweitert sich mit der wachsenden Offenbarung dessen, was in der Menschenart göttlich ist. Wie beim Einzelwesen, so in der Menschenart und der Welt, trägt das Böse zum Guten bei; es tritt auf, damit die Menschen das mindere Gute ablehnen und zum höheren Guten aufsteigen mögen.

Bleibt die Frage des Schmerzes. War es notwendig, dass der Entwicklungsprozess mit Schmerzen für den Einzelnen einhergeht? Es gab eine Zeit, wo die Schmerzkapazität, physisch wie mental, unendlich viel geringer war als heute, so gut wie nicht vorhanden. Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, dass Krankheit, Schmerz und Kummer mit der zunehmend feineren Ausgestaltung des Menschen heftiger geworden sind. Das kann nur eine zeitweilige Entwicklung sein, notwendig zur Vorbereitung einer höheren Art, die sich über Schmerz und Leid hinaus zu einem höheren Vermögen für Vergnügen und Freude erheben wird. Die niedrigere Gestaltung widerstand dem samskara von Schmerz und Leid durch die Grobheit ihrer Anlage, sie entging dem Schmerz insofern, als sie ihn kaum kannte. Die höhere Gestaltung in der Zukunft wird nicht unterhalb davon sein, sondern sich darüber erheben. Erkenntnis von Gut und Böse brachte Leid und Sünde in die Welt; wird diese Kenntnis überstiegen, dann erhebt der Mensch sich über Leid und Sünde hinaus. Bevor er die verbotene Frucht aß, hatte er die Unschuld des Tieres; hört er auf davon zu essen, dann erhält er die Unschuld des Gottes. Ist es nicht so, dass in der Natur Schmerz eine Möglichkeit ist, die erschöpft werden muss, und dass der Mensch als Werkzeug erwählt wurde, ihn in das Dasein zu bringen, auf beschränktem Raum, für begrenzte Zeit, und ihn aus dem Kosmos hinauszuarbeiten? Im Lichte dieser Idee gewinnt die christliche Lehre vom Menschensohn am Kreuz eine neue Bedeutung, und der Mensch selbst wird zum Christus des Weltalls.

Da stellt sich eine weitere Frage. Ist Schmerz real oder ein Schatten? Der Vedantist glaubt, dass die Seele ein Teil Gottes oder eins mit Gott selbst ist und nicht Schmerz oder Leid, sondern nur Ananda, Seligkeit, empfinden kann. Der Jiva, die Seele, nimmt den rasa [Geschmack, essentielle Empfindung] auf, die Wonne der Dualitäten, und diese wandelt sich in seiner Natur zu Seligkeit, was aber durch die Unwissenheit verhüllt ist, die den Jiva in seiner Eigengestalt, swarupa, von dem Mental und dem Herzen sondert. Schmerz ist eine negative Entstellung, vikara, der wahren Erfahrung im Mental, Vergnügen eine positive. Die Wahrheit ist Ananda. Doch für dieses Wissen ist die Menschheit noch nicht bereit. Nur der Yogin verwirklicht sie und wird sama, gleichmütig gegenüber Schmerz und Freude, Gut und Böse, Glück oder Unglück. Er nimmt den rasa von beiden auf, und sie geben ihm Stärke und Seligkeit, denn der Schleier zwischen seinem Mental und seiner Seele hat sich gelüftet, und der scheinbare Mensch in ihm ist eins geworden mit dem wirklichen Menschen, svarupa. Erlangte die Menschheit insgesamt dies Wissen zu früh, dann würde die Entwicklung des vollkommen Guten verzögert. Die äußerste Süße von daya und prema, Erbarmen und Liebe, würde vielleicht nie aus dem Spiel, lila, gewonnen.

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Yaş sınırı:
18+
Litres'teki yayın tarihi:
25 mayıs 2021
Hacim:
215 s. 9 illüstrasyon
ISBN:
9783963870705
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