Kitabı oku: «Christliche Pflanzennamen»
Dieter Kremp
CHRISTLICHE
PFLANZENNAMEN
Unserer Lieben Frau Bettstroh – Marienblumen
und Christuspflanzen – Vom Aronstab bis zur
Stachligen Zilla
Engelsdorfer Verlag
Leipzig
2015
Das Buch ist gewidmet dem biblisch-christlichen Garten der Prot. Kirchengemeinde Niederkirchen im Ostertal
Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
Copyright (2015) Engelsdorfer Verlag Leipzig
Alle Rechte beim Autor
Titelbild Pfaffenhütchen © tunedin - Fotolia.com
1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2015
www.engelsdorfer-verlag.de
Inhaltsverzeichnis (schräggestellt sind die Gedichte)
Cover
Titel
Widmung
Impressum
Der Einfluss des Christentums auf die Namen der Pflanzen
Der Baum Jesse
Wie eine Lilie unter Dornen
Mutter Maria und ihre Marienblumen
Heilige Pflanzen der Jungfrau Maria
Die Madonnenlilie, Symbol der Jungfräulichkeit Marias
Madonnenlilien am Muttertag
Die weiße Lilie der Maria
Die Frauenminze heißt auch Marienbalsam
Die „schöne Bella“ ist ein Marienblümchen
Angelika, der Engel auf Erden, heißt auch Marienbote
Die Marienbraut Rosmarin, Sinnbild der Jungfräulichkeit Marias
Rose des Meeres
Das „Marienbräutli“ Viola – Sinnbild der Sittsamkeit und Bescheidenheit
Viola und Maya
Veilchen im Glück
In den Blättern der Mariendistel ist die Milch der Jungfrau Maria
Maria durch den Dornwald ging ... Die Mariendistel entgiftet die Leber
Die Marienglockenblume, eine romantische Sommerblume mit nostalgischem Charme
Die Schneeglöckchen heißen auch Marienglöckchen
Aus Marias Tränen entstand das Maiglöckchen, das Marienglöckchen
Duftendes Mariengras
Der Venusfrauenfarn heißt auch Marienhaar
Die Marienkerze, der Himmelsbrand der Jungfrau Maria
Die Brautblume Myrte – der Marienkranz, Symbol der Jungfräulichkeit Marias
Das Schöllkraut ist ein Marienkraut, eine Himmels- und Gottesgabe
Wenn der Marienmantel seine Tränen vergießt
Das Mädesüß heißt auch Mariensüß
Der Sonnentau weint Marientränen
Der Lavendel war im Mittelalter die Muttergottespflanze
Lavendel, Balsam für die Seele
Pflanzennamen zu Ehren unserer lieben Frau
Das Labkraut: Unserer Lieben Frau Bettstroh
Der Quendel: Das Liebfrauenbettstroh der Maria
Die Akelei – „Unserer lieben Frau Handschuh“
Der Rote Fingerhut – „Unserer Lieben Frau Handschuh“
Der Frauenfarn trägt Schleier wie Frauenhaare
Der Frauenflachs ist wie ein wildes Löwenmaul
Marias Frauenschuh ist schön wie Aphrodite
Die Iris ist ein Marienattribut
Die Ringelblume, eine Marien- und Christuspflanze
Aus Marias Tränen erblühten die Nelken
Die blaue Kornblume, Symbol für die Krone der Himmelskönigin
Der Borretsch verkörpert symbolisch das Wesen der Jungfrau Maria
Salbei beschützte die heilige Familie
Marias paradiesische Walderdbeere
Der brennende Dornbusch, Sinnbild für die reine Jungfrau Maria
Wenn Rosen Dornen tragen
Der Ölbaum in der Marienverehrung
Der Granatapfel repräsentiert die Tugenden Marias
Auch die Kamille ist ein Mariensymbol
Die Rose, Symbol der himmlischen Liebe der Jungfrau Maria
Die Königin der Blumen
Der Rose Zaubernacht
Christlich geprägte Pflanzennamen
Der Alant, das Helenenkraut, trägt auch den Namen Christusauge
Der Christusdorn erinnert an die biblische Dornenkrone Jesu
Der biblische Christdorn, Symbol der Dornenkrone Jesu
Die Christrose, ein Kind des Mondes
Die Christwurz Arnika, Sonnwendkraut und Herzenstrost
Die Christwurz Adlerfarn wehrt Stechmücken ab
Heilige als Namensträger von Pflanzen
Das Barbarakraut schmeckt scharf wie Senf
Mit Barbarazweigen den Winter überlisten
Das Orakel der heiligen Barbara
Die Benediktendistel steigert den Appetit
Die Nelkenwurz heißt auch Benediktenkraut
Christophskraut – Christophorus stand Pate
Die Raute heißt auch Gertrudenkraut
Sankt Gertraud
Die Traubenhyazinthen, die Georgsblumen, wecken neue Lebensgeister
Sankt Georg
Der Gute Heinrich als Frühgemüse
Rote Johannisbeeren erfrischen
Schwarze Johannisbeeren, ein natürliches Tonikum und Rheumamittel
Johannes aß die Früchte des Johannisbrotbaumes
Johannisnacht
Herz-Jesu-Blut im Johanniskraut
Der Märzenbecher heißt auch Josephsblume
Die Schneeglöckchen heißen im Volksmund Josephsglöckchen
Kapuzinerkresse, Heilpflanze mit antibiotischen Wirkstoffen
Die Karthäusernelke, Heilkraut in jedem Klostergarten
Das Kunigundenkraut steigert die Abwehrkraft
Die Perlenblume Margerite, der heiligen Margarethe von Antiochien geweiht
Margarethe
Die Herbstzeitlose heißt auch Michaelisblume
Sankt Michael
Das Ruprechtskraut ist ein stinkender Storchschnabel
Das Sophienkraut trägt den Namen der Heiligen Sophie
Die „kalte Sophie“
Veronika, der Lenz ist da
Der Kleine Wiesenknopf ist der Heiligenbart
Die Heiligengarbe ist ein Wurmmittel
Das Heiligenkraut, eine Heilpflanze im Steingarten
Kirchliche Feste und christliche Symbole als Namensgeber von Pflanzen
Die Osterglocken – sie läuten in der Nacht der Auferstehung des Herrn
Ostern
Die Osterluzei war ein Mittel gegen Schlangenbiss
Ostersonntag
Das Leberblümchen heißt auch Osterblume und Fastenblume
Den Seidelbast nennt man auch Karfreitagsblume
Karfreitag
Die Blüte der Passionsblume symbolisiert die Passionsgeschichte Jesu
Die Schlüsselblume, der Himmelsschlüssel der Jungfrau Maria
Die Pfingstrose, ambrosianischer Duftspender im Bauerngarten
Aromatischer Duft der Pfingst-Nelken und Pfingst-Veilchen
O, Heiliger Geist
Der „Weihnachtsstern“ ist keine Blüte
Frieden auf Erden
Die Kreuzblume heißt auch Himmelfahrtsblume
Der Kreuzdorn wird auch „Spina-Christi“ genannt
Biblische Personen und biblische Symbole als Namengeber von Pflanzen
Der Aronstab fängt Fliegen im Wald
Die Engelstrompete ist wahrhaft kein Engel
Das Engelsüß ist süßer als Zucker
Das Gottesgnadenkraut heißt auch Allerheiligenkraut
Die Früchte der Hiobsträne sind die Perlen am Rosenkranz
Jakobsgreiskraut – der weiße Bart des heiligen Jakobus
Die Jakobsleiter heißt auch Himmelsleiter
Jakobus
Der Jakobsstab ist eine Rute aus purem Gold
Johannes aß die Früchte des Johannisbrotbaumes
Der Apostel Judas erhängte sich an einem Judasbaum
Judassilberling – Judas verriet Jesu für 30 Silberlinge
Tomaten – die wahren Paradies – und Liebesäpfel
Das Salomonssiegel kann Felsen sprengen
Die Kornblume heißt auch Zachariasblume
Die stachlige Zilla
Priester und ihre Amtstracht in Pflanzennamen
Die Bischofsmütze hat eine aphrodisierende Wirkung
Der Mönchspfeffer dämpfte den Geschlechtstrieb der Mönche
Das Pfaffenhütchen ist sehr giftig
Literaturhinweise
Vorspann
Der Einfluss des Christentums auf die Namen der Pflanzen
Die Namensgebung der Pflanzen hat das Christentum zu allen Zeiten stark bereichert. Seine Namen haften besonders dauerhaft in unserem Wortschatz, oft schon seit vielen Jahrhunderten. Gott und Maria, Heilige und Priester, die Sprache der Bibel, der Klöster und der Kirche sprechen aus vielen Namen von Pflanzen.
Viele Pflanzen, die einen Frauennamen im Namen tragen, verherrlichen damit die Mutter Gottes, Maria. Manche Namen erklärt die Legende. Die Mariendistel zum Beispiel, eine bekannte Heilpflanze, hat Blätter mit weißen Flecken. Sie sind nach der Legende dadurch entstanden, dass Marias Milch auf die Blätter tropfte. – Der Steinsame bringt als Frucht vier knochenharte, eiförmige, bräunliche Nüsschen hervor. Es sind die zu Stein gewordenen Tränen der Maria, um den Herrn vergossen; sie bleiben auch oft im Winter noch an den längst verdorrten Stängeln hängen wie eine stille Mahnung: Marientränen.
Andere „Marienpflanzen“ sind besonders schöne Vertreter ihrer Verwandtschaft und tragen daher den Ehrennamen. Die Marienglocke zum Beispiel ist eine besonders großblütige Glockenblume, die als Gartenpflanze geschätzt wird. Ein Süßgras ist, wenn man seinen griechischen Namen „Hierochloa“ übersetzt, „Heiliges Gras“ getauft worden und wird auch Mariengras genannt. Dabei spielt es als Futtergras kaum eine Rolle. Aber ihm entströmt ein süßer Duft, ähnlich dem Waldmeister, so dass man früher trockene Sträuße in Kleiderschränke legte wie andere Duftspender, zum Beispiel Lavendel, Mutterkraut oder Quitten. Schließlich gibt es auch noch eine Marienkerze. Es ist die Königskerze, die im Kräuterwisch an Maria Himmelfahrt in der Mitte ihren Stammplatz hat.
Die Weiße Lilie Salomos, die Madonnenlilie, ist ein Sinnbild der Muttergottes. Unter christlichem Einfluss wurde sie zum Sinnbild für geistige Reinheit, Heiligkeit und Auferstehung. Die Madonnenlilie steht im Zusammenhang mit der künstlerischen Darstellung der Verkündigung Mariä. In der Tat zeigen viele Madonnenbilder der Renaissance das auffallende Weiß und die anmutige Form der Weißen Lilie. So wurde sie eben zur „Madonnenlilie“.
Ebenso ist der Name des Herrn in die Namen der Pflanzen aufgenommen worden. Im tiefen Winter blüht eine weiße Blume, eine Nieswurz, in den Gärten um die Weihnachtszeit. Sie heißt „Rose“ des Christfestes, eben Christrose. – Verschiedene Pflanzen geben nach den Legenden ihre Zweige und Äste her, damit daraus die Dornenkrone Christi entstand. Das Volk nennt sie alle Christusdorn. Eine wilde Rose ist unter ihnen und eine Wolfsmilch aus Madagaskar; auch die Stechpalme und ein aus Amerika stammender Parkbaum, die Gleditschie, tragen harte Dornen. – Manche Zierpflanzen schauen uns mit großen Blumenaugen an: Christusaugen könnte man sie bezeichnen. Am bekanntesten unter ihnen ist ein gelbblühender Alant. – Es gibt auch eine Christusträne, ein tropisches Gras mit tränenähnlichen Scheinfrüchten, den Hüllkapseln der weiblichen Ähren; es heißt auch Moses-, Marien- und Frauenträne und dient zu Rosenkranzperlen. – Dass mancherlei Pflanzen mit wertvollen, in der Heilkunde verwendeten Wurzeln Christwurz genannt werden, zum Beispiel Arnika, Nieswurz oder Schöllkraut, ist fast überflüssig zu sagen.
Auch der Name Gott kehrt häufiger in unserem Namengut wieder. Mit einem Kraut, das Wunder wirkt und daher in der Volksheilkunde verwendet wird, lässt Gott uns seine Gnade widerfahren. Es ist das Gottesgnadenkraut, ein Ehrenname, den mehrere Pflanzen tragen.
Zu Ehren unserer lieben Frau ist ihr Name in mehreren Pflanzennamen enthalten. In unseren Bergwäldern begegnet man hin und wieder einer wunderschönen Orchidee mit einer großen wohlriechenden Blüte. Die gelbe Unterlippe ist wie ein Holzschuh ausgebildet; sie ist aufgeblasen, und eine Öffnung führt in das innen rotgepunktete, schuhförmig umgewandelte Blütenblatt. Ein sehr zierlicher Fuß müsste in diesen Zwergenschuh schlüpfen, der von vier lanzettförmigen, langen, purpurbraunen Perigonblättern umstellt wird.
Frauenschuh heißt die Pflanze mit dem köstlichen Blütengebilde, zu Ehren unserer lieben Frau. Sie ist die vollendetste Schöpfung dieser auch sonst so schönen Pflanzenverwandtschaft auf deutscher Erde. Linné freilich nennt den Frauenschuh Cypripedium. Cyprus aber ist die Insel des östlichen Mittelmeers, die als der Hauptsitz des Venuskultes galt. Nach ihm gehört also der kunstvolle Schuh der Venus, die er auch sonst gern statt Maria in die Namen einsetzt. Vor Linné hieß nämlich der Frauenschuh eindeutig „Calceolus Marianus“.
Eine andere, noch zierlichere Orchidee trifft man gelegentlich auf Triften und an Waldrändern an; nicht einzeln, sondern in einer dichten Ähre schmücken hier die Blüten. Sie sind klein und weiß, und ihre Lippen sind nicht differenziert, nicht einmal ein Sporn ist ausgebildet. Dafür aber ist die schlanke Ähre spiralig um ihre Achse gedreht, ähnlich wie eine Haarlocke. Frauenlocke wird die Pflanze genannt oder – prosaischer – auch Drehwurz.
Aus einem Moospolster steigen schlanke, goldgelbe, unten rötliche Stiele empor und tragen eine Kapsel, über die sich eine Haube mit fransigem Rand schützend breitet. Das Frauenhaar entleert seine reifen Sporen, indem sich die Kapseln auf ihren haarförmigen, elastischen Seiten schaukeln. Es sind goldene und kurze, aber harte Haare. Die Haare der Venus, die Blattstiele des Venusfrauenfarns sind noch derber und schwarzgefärbt.
Besondere Ehren widerfährt dem gelben Labkraut. Es war bei den Germanen der Göttin Freia zugeeignet, später aber war die reich mit Aberglauben verknüpfte Pflanze der Mutter Gottes geweiht. Sie diente als Unsererlieben Frau Bettstroh. Vielleich ist ihr wegen ihres Duftes oder des kleinblättrigen Laubes diese Aufgabe in der Legende zuteil geworden. – Auch der Quendel trägt denselben Ehrennamen. Sein Duft ist noch auffälliger. Es ist selbstverständlich, dass Pflanzen, auf denen Maria ruhen darf, auch in der Volksheilkunde Bedeutung haben. Der Thymian z. B. ist ein gutes Hustenmittel und unterstützt die Verdauung. – Unser Fingerhut mit seinem purpurroten Blütenschmuck heißt Unsererlieben Frau Handschuh. Er ist zwar giftig, aber trotzdem als Heilpflanze ein Wohltäter der Menschheit, da seine Giftstoffe auf die Herztätigkeit günstig einwirken.
Die Blätter des Frauenmantels haben eine besondere Gestalt: sie sind rundlich, fast nierenförmig. Ihr Rand ist von neun abgerundeten Lappen umgeben, die bis zum Grunde gesägt sind. In den Kerben zwischen den Lappen und den Randzähnen stehen am frühen Morgen glitzernde Tautropfen, die sich mitunter im Blattgrund wie in einem Becher sammeln. Die Blattform ist das Abbild eines ausgebreiteten Mantels, wie ihn Maria tragen könnte. Auf Heiligenbildern kann man die Mutter Gottes mit einem ähnlichen, weiten, faltenschlagenden Überwurf dargestellt finden. Auch der Frauenmantel hat sich einen Wechsel der Namensgeberin gefallen lassen müssen. Er war ursprünglich der Göttin Frigga geweiht. Die mittelalterlichen Alchimisten schrieben ihm besondere Kräfte zu und brauchten ihn zum „Goldmachen“.
Es ist wohl möglich, dass auch das Frauenholz und der Frauenflachs in diesen Zusammenhang gehören.
Manche Pflanzen tragen auch die Namen biblischer Personen. der Basidienpilz Judasohr hat ein ohrähnliches Aussehen. Der Pilz ist häufig am Holunder anzutreffen. Nach der Legende soll sich Judas an einem Holunderbaum erhängt haben. – An einer Staude hängen die Silberlinge, für die Judas den Herrn verriet. Es sind die kreisförmigen Scheidewände einer Schotenfrucht, die wie silberne Münzen glänzen, wenn sie der Wind bewegt. Man nennt sie Judassilberlinge.
Das Jakobskreuzkraut heißt nach Jakobus, dem Sohn des Zebedäus und Bruder des Johannes. Es blüht um Jakobi, 25. Juli. Herodes Agrippa I. ließ den Apostel (Apostelgeschichte 12, 2) enthaupten, daher der Gedenktag in der römischen Kirche am 25. Juli. Früher hatte der Jakobstag in Bauernkalendern eine besondere Bedeutung, weil er der Termin war zum Mähen der Wiesen (Grummetmahd). – Noch ein zweites Mal wird Jakob verherrlicht. Die Jakobsleiter, auch Himmelsleiter genannt, besitzt gefiederte Blätter. Mag sein, dass man die Leitersprossen mit diesen Fiederblättchen vergleicht. Man steigt über die Sprossen bis zum Himmel, d. h. bis zu den himmelblauen Blüten der Pflanze.
Wenn die oberirdischen Sprosse des Salomonssiegel absterben, entstehen auf dem Wurzelstock siegelähnliche Narben. Die Legende erzählt, dass König Salomon mit dieser Pflanze, die sein Siegel trägt, Felsen gespalten habe, also sein Tempel gebaut wurde. – Johannes der Täufer gab dem Johannisbrot seinen Namen. Mit dem süßen Mark seiner Früchte soll der jüdische Bußprediger, wie die Legende wissen will, in der Wüste sein Leben gefristet haben. Es ist vielleicht der „wilde Honig“ der Bibel. Die linsenähnlichen Samen des Johannisbrots dienten früher als Vergleichsgewicht für Juweliere und Apotheker. Auch das Johanniskraut trägt den Namen von Johannes dem Täufer. Es blüht um den Johannistag, 24. Juni, auf, und hat deshalb seinen Namen. Es trägt auch den Namen „Herrgottskraut“ und „Herz-Jesu-Blut“, weil man den blutroten Saft in den Blüten des Johanniskrautes mit dem Blut des Gekreuzigten vergleicht.
Es ist möglich, dass das lateinische Wort „arum“ (= Nutzen) falsch verstanden wurde. Aus dem grünlichen Hüllblatt der „Blüte“ ragt ein violetter Endabschnitt eines Kolbens hervor. Dieser Kolben wurde irrtümlich mit dem grünenden Stab des Hohenpriesters Aron (4. Moses, 17, 8) verglichen, da der Name ähnlichen Klang besitzt. So entstand der Aronstab.
Es gibt auch eine Reihe von Heiligen, die Pflanzen ihren Namen gaben. Seit dem 16. Jahrhundert heißt eine Pflanze nach der heiligen Barbara Barbarakraut. Da das Barbarakraut am nassen Standort bis in den frühen Winter hinein grüne Blätter besitzt, kann man es (was vor allem in Frankreich geschieht) selbst noch am Barbaratag, also am 4. Dezember, als Gemüse einsammeln und als Salat zubereiten. Und so sind dann auch die Barbarazweige nach der heiligen Barbara benannt, die man an ihrem Patronatstag, 4. Dezember, draußen von Kirschbäumen abschneidet, sie im Zimmer in eine Vase steckt und die dann an Weihnachten aufblühen. –
Das Kunigundenkraut, der Gemeine Wasserdost, kann heilen. Die heilige Kunigunde war eine Schutzpatronin der kranken Kinder; an ihrem Grabe (im Bamberger Dom beigesetzt) sollen viele Kranke geheilt worden sein. – die Samen der Pfingstrose sind der heiligen Apollonia, der Märtyrerin aus Alexandrien, geweiht. Sie ist die Patronin gegen Zahnschmerzen, da sie, wie ihre Leidensgeschichte erzählt, aller ihrer Zähne beraubt wurde. So heißen die Samen der Pflanze in Oberbayern auch Apolloniakörner. In manchen Gegenden gibt man sie, auf eine Schnur aufgereiht, zahnenden Kindern in den Mund, damit sie sich im Beißen üben.
Die Passionsblume (Passiflora) erzählt in ihrer Blüte die ganze Leidensgeschichte des Herrn und weist alle Folterwerkzeuge auf. In ihrer Nebenkrone erblickt man die Dornenkrone, die Staubbeutel erinnern an die Gestalt eines Hammers (manche sehen darin die Wundmale); das Gynandrophor wird als Kelch oder Stock mit Schwamm gedeutet, es endet in den drei kurzgestielten, nagelähnlichen Narben. Die zehn Blütenblätter aber stellen zehn Apostel dar, denn Petrus und Judas fehlen. Auch die Laubblätter und Ranken werden oft in die Betrachtung eingeschlossen (Lanzen und Geißeln). Die Passionsblumen wurden von ihren Entdeckern, den Jesuiten in Paraguay, beschrieben, die auch den Namen für das Blütenwunder prägten.
Nach dem Heiligen Benedikt von Nursia, dem Vater des abendländischen Mönchtums, ist das Benediktenkraut benannt, die Echte Nelkenwurz. Man verbindet den nelkenartigen Geruch der Wurzel mit dem Weihrauchgeruch in den mittelalterlichen Klöstern, worauf der Name Benediktenkraut oder Benediktenwurz zurückgeht. Die Benediktinermönche hatten in ihren Klostergärten zahlreiche Kräuter zum Würzen ihrer Speisen, auch das Benediktenkraut, das den Speisen einen Nelkengeruch verlieh.
Der heilige Christophorus galt als Schutzpatron gegen die Pest. Das Christophskraut wurde früher gegen diese Krankheit verwendet. Es diente aber genau so zum Vertreiben von Ungeziefer, ja sogar als Hexenkraut. Der heilige Christophorus war auch Schutzpatron der Schatzgräber; ein eigenes Christophsgebet half unterirdische Schätze erschließen. Daher brauchte man früher das Kraut, um die Geister zu beschwören, die das Gold verwahrten („christopheln“).
Zu den Franziskanern, nach Franz von Assisi genannt, gehören die „Kapuziner“. Die Mönche des Bettelordens tragen ohne Strümpfe Sandalen und eine große, wollene, braune Kutte, an der sich eine Kapuze befindet. Diese Kapuze nun kehrt in ähnlicher Form in der Blütengestalt einer südamerikanischen Pflanzengattung wieder, der Kapuzinerkresse, die in vielen Formen als Gartenblume gezüchtet wird. Ihr Geschmack ist senfartig scharf.
Die Karthäusernelke geht tatsächlich auf den Eremitenorden zurück, den der heilige Bruno von Köln gründete. Man hat wohl die Nelke gern in Klostergärten gezogen; vielleicht sollte auch den botanischen Arbeiten des Ordens ein Denkmal gesetzt werden. – Unser Märzenbecher heißt auch Josephsblume, weil er um den St. Josephstag (19. März) bereits blüht; andere nennen ihn auch „Schnee-Katherl“ nach der Schutzheiligen des Dominikanerordens, der Katharina von Siena, die 1461 heiliggesprochen wurde. Denn auch der 30. April fällt noch in die Blütezeit der Frühlingsblume.
Ein weit verbreiteter Storchschnabel mit sehr unangenehmem Geruch ist dem Schutzgott des Hauses gewidmet, dem heiligen Ruprecht. Die Pflanze heißt Stinkender Storchschnabel oder Ruprechtskraut. Botanisch heißt sie nach dem Vornamen Robert, der gleicher sprachlicher Herkunft ist: Geranium Robertianum.
Sophie, auch Sophia, ist ein weiblicher Vorname griechischen Ursprungs, was eigentlich „Weisheit“ heißt. Die ehemalige byzantinische Kirche in Konstantinopel war die „Hagia Sophia“, die „Heilige weisheit“. Als Vorname geht Sophie auf den Namen einer römischen Märtyrerin des 2. Jahrhunderts zurück, die im Mittelalter besonders im Elsass verehrt wurde. Ihr Namenstag ist der 15. Mai. Es ist im alten Bauernkalender als „Kalte Sophie“ der letzte Tag der Eisheiligen. Der heiligen Sophie zu Ehren ist das Sophienkraut gewidmet.
Unter den Namen von Pflanzen fehlen nicht die Diener des Herrn. Zunächst kehren die Priester in mancherlei Namen wieder. Manche Pflanzen ahmen nämlich die Amtstracht der Geistlichen nach. Vom Pfaffenhütchen bis zur Bischofsmütze, vom Priesterkragen bis zur Papstkrone spannt sich ein weiter Bogen. Manche Namen sind noch zudem vieldeutig. Eine „Bischofsmütze“ ist nicht nur ein kugelförmiger Kaktus, sondern auch ein Zierkürbis mit einer mützenähnlich gewachsenen Frucht und sogar eine tropische Meeresschnecke, die ein mitraähnliches Turmhaus aufbaut, edel und kunstvoll wie aus Porzellan.
Auch der Mönch ist unter den christlichen Pflanzennamen anzutreffen. Eine Pflanze mit Früchten, die antiaphrodisch wirken, trägt den Scherznamen Mönchspfeffer. Sie diente im Mittelalter gegen die Sinnlichkeit, „daher legten sich die Frauen an Tagen geschlechtlicher Enthaltsamkeit die Zweige unter die Brüste“.
Gleich dreimal ist der „Engel“ in einem Pflanzennamen vertreten. Da gibt es eine giftige Engelstrompete, die wahrlich kein „Engel“ ist. Die Wurzel eines Farns, des Engelsüß, hat einen süßlichen Geschmack. Nach der Legende des Volkes ist der Farn von Engeln zur Erde gebracht worden, damit er gegen Schlaganfall helfe. Dass zwei Doldengewächse auf die Namen „Angelica“ (Brustwurz) und „Archangelica“ (Engelwurz) getauft wurden, deutet man so, dass ein Engel und ein Erzengel die Heilkraft der nach ihnen benannten Pflanzen entdeckt haben sollen.
Es muss schon seine Bewandtnis haben, wenn eine Pflanze „paradiesisch“ ist. Es braucht uns schließlich nicht zu wundern, dass begehrte und vortreffliche Früchte aus dem Paradies stammen sollen, wie z. B. der Paradiesapfel (= Tomate) und die Paradiesfeige (Banane).
Wir stoßen bei Pflanzennamen auch auf das „Kreuz“ als Namensbestandteil. „Kreuzweise gegenständig“ ist ein fester Begriff der Bestimmungsbücher und die Ursache manchen „Kreuznamens“. Die Pflanzenfamilie der Kreuzblütler ist allen voran zu nennen. Die „Kreuzblüte“ ist bestimmt durch vier Kelchblätter, die im Winkel von 90 Grad zueinander stehen, vier Blütenblätter füllen die Lücken aus. Bei dem Kreuzlabkraut bilden vier dreinervige Blättchen einen Quirl, in dessen Achsel kleine gelbe Blüten in Trugdolden stehen. So reihen sich hier Blütensträußchen am Stängel in vielen Etagen. Zu den Faulbaumgewächsen gehört der Kreuzdorn. Sein Name kommt von seiner gegenständigen Verzweigung; die Zweige laufen in Dornen aus. Die Früchte sind die „Kreuzbeeren“.
Es sollte noch erwähnt werden, dass es noch viele derartige „Kreuzpflanzen“ gibt. Zu den Kreuzkräutern hat man auch schon die Einbeere und einen Enzian neben anderen gerechnet. Bei den Enzianblättern tritt die Kreuzstellung auf; andere Beobachter aber fanden, dass das Rhizom in der Mitte kreuzähnlich zerspalten sei. Auf diese Weise habe der Herr die heilkräftige, in Legenden oft erwähnte Pflanze besonders kennzeichnen wollen; er durchstach sie mit einem vierschneidigen Speer. Das Kreuzkraut (Senecio) aber trägt kein Kreuz, es ist vielmehr als „Greiskraut“ zu deuten. An den flugfähigen Samen sitzen kleine Flugapparate, Haarschöpfe aus grauweißen Pappushaaren geformt, wie das graue Haar auf dem Kopf eines alten Mannes: Jakobskreuzkraut oder Jakobsgreiskraut.
Der Baum Jesse
Ein Baum, der mit der Erlösung zusammenhängt, kam in der mittelalterlichen Ikonographie zu großen Ehren. Man bildete ihn häufig in Manuskripten und auf Kirchenfenstern ab; dies geschah besonders vom 13. Jahrhundert an unter dem Einfluss der Zisterzienser, die eine besondere Verehrung für die Jungfrau Maria hegten. Der Baum Jesse hat seinen Ursprung im Alten Testament, im Buch Jesaja. Hier straft Gott einen Baum, der aber von neuem ergrünt; in diesem Fall handelt es sich allerdings nicht um einen heidnischen König, sondern um das Geschlecht Davids, dessen Begründer Isai (Jesse) ist. „Siehe der Herr, der Gott der Heerscharen, zerschlägt die Äste der Krone mit Schreckensgewalt, und die Hochgewachsenen sind gefällt, und die Hohen sinken nieder. Zusammengehauen wird das Dickicht des Waldes mit dem Eisen, und der Libanon fällt durch einen Herrlichen. Ein Reis wird hervorgehen aus dem Sumpf Jesses, und ein Schoß aus seinen Wurzeln Frucht tragen. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Frucht des Herrn.“
Für die Christen konnte es keinen Zweifel geben: der Stamm Jesse war Maria, die von David abstammte, und das Reis war Christus. Der Baum Jesse wurde für sich zu einem ganzen Bündel von Symbolen der christlichen Mystik. Man brachte mit ihm natürlich die Vision Seths vom Lebensbaum in Verbindung, der in seinem Wipfel Jesus und seine Mutter trug. Die Jungfrau wurde zur „neuen Eva„ und Abel, der das Opfer seines Bruders wurde, wie auch Joseph, der Sohn Jakobs, von seinen Brüdern verkauft wurde, glich Jesus, dem Menschensohn, der von seinem Jünger Judas an seine Feinde ausgeliefert wurde. Der Baum versinnbildlichte auch die allgegenwärtige Kirche, die aus Jesu Opfer entstanden war, und selbstverständlich auch das Paradies. Ferner erinnerte er an die Jakobsleiter und an die feurige Leiter des Johannes, die Himmel und Erde verbindet. Die Ikonographie zeigte Jesse, den Patriarchen, wie er schlafend und träumend am Boden liegt, eine angezündete Lampe ist neben ihm aufgestellt. Aus seinem Nabel oder seinem Mund wuchs der Stamm hervor; auf den Ästen waren die Könige von Juda oder die Propheten abgebildet, die von Zeitalter zu Zeitalter das Kommen des „Sprosses aus dem Hause Davids“, des künftigen Messias, angekündigt hatten. Ganz zuoberst erschien wie eine riesige Blüte die Jungfrau Maria, die auf ihrem rechten Arm das göttliche Kind hielt und ihm mit der linken Hand eine Blume reichte.
Dieser exemplarische Baum liegt dem genealogischen Baum zugrunde, dem Bild des „Stammbaums“ mit seinen verschiedenen Verzweigungen, der im 19. Jahrhundert als „Baum der Evolution“ erscheint und aufzeigt, wie sich die Arten in verschiedene „Ableger“ aufspalten, als ob sie voneinander abstammten und eine einzige riesige Familie bildeten.
Wie eine Lilie unter Dornen
Ein jeder kennt den Orakelspruch, den man beim Abzupfen der einzelnen Blütenblätter bei der Margerite und beim Gänseblümchen aufsagt: „Er liebt mich, liebt mich nicht. Er liebt mich, liebt mich nicht …“ Der Orakelspruch wird aber auch vielfach abgewandelt, so zum Beispiel: „Er liebt mich von Herzen, mit Schmerzen, ein wenig oder gar nicht …“ Nach und nach zupft man dem Gänseblümchen jedes einzelne Blütenblatt ab, bis aufs Letzte, bis man es dann weiß. Das genügsame Gänseblümchen, das Mondscheinblümchen, ist eine Blume, die der Jungfrau Maria zugeordnet ist – eine Marienblume. Und den Namen Marienblümchen trägt sie auch in Österreich. Es ist Sinnbild der Demut, der Reinheit und Bescheidenheit, auch Sinnbild für den Schutz, den die Gottesmutter gewährt. Das gelbe Blütenkörbchen in der Mitte der Blüte ist eine Zusammenballung von vielen kleinenb Blüten. Am Abend und bei schlechtem Wetter schließt sich die Blüte. „Die Hüllblätter beschützen die armen Seelen“, sagt man.
Die weiße Madonnenlilie fehlt auf keiner bildlich dargestellten Verkündigungsszene. Sie ist die wichtigste Marienblume. „Ich bin die Narzisse in Saron, die Lilie in den Tälern. Wie die Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Mädchen“, so heißt es in der Bibel im Hohelied. Und im Matthäusevangelium wird von der „Lilie auf dem Felde“ gesprochen.
Die weiße Lilie zierte die Säulenkapitelle in vielen antiken Zivilisationen, in Ägypten, Assyrien, in der minoischen Kultur und im Tempel Salomos in Jerusalem. Sie war ein Symbol der Schönheit, oft auch von Fruchtbarkeit und Reichtum. Unter christlichem Einfluss wurde sie zum Symbol für geistliche Reinheit, Heiligkeit und Auferstehung und deshalb als Mariensymbol häufig in der Nähe und Umgebung von Kirchen angepflanzt. Unter dem Namen „Marienlilie“, später „Madonnenlilie“, taucht sie dann oft auf alten Kirchengemälden auf, die Maria mit der Lilie in der Hand zeigen.
Ab dem 10. Jahrhundert wurde auch die Kartoffelrose Maria zugeschrieben. In Weiß – die Farbe der Unschuld und unbefleckten Empfängnis. Später kam Marias Anteil an der Passion hinzu: Symbolisch drückt das die Farbe Rot aus. In der blauen Kornblume lässt sich sogar eine Krone für die Himmelskönigin erkennen.
Die Kornblume wurde das Symbol Marias für ihre Treue und Beständigkeit. Die Blüten der Erdbeere verkörpern Marias Keuschheit. Warum Maria so viele Blumen zugeordnet sind, geht wohl auf die Geschichte ihres Todes zurück. Als die Apostel der Legende nach die Verstorbene, die bereits im Sarg lag, beerdigen wollten, war der Leib von Maria verschwunden. Es lagen nur noch wohlriechende Blumen dort.
Als Mariensymbole oder marianische Symbole bezeichnet man Sinnbilder, die sich auf die Person Maria beziehen. Zu den Mariensymbolen zählen viele Blumen, auch Tiere, Gestirne und Gegenstände, die dem Alten und Neuen Testament, den Apokryphen, den Schriften der Kirchenväter, der Lauretanischen Litanei sowie der geistlichen Dichtung oder den Visionen der Mystiker entlehnt sind und die in Bezug zur Jungfrau Maria stehen. Wird ein Ereignis, wie die Szene mit Moses vor dem brennenden Dornbusch, mit Maria gleichgesetzt, sprechen wir von einer Allegorie. Meistens werden Mariensymbole mit allegorischen Mariendarstellungen kombiniert. Der blühende Stab Aarons, das Vlies Gideons, die Porta clausa, das verschlossene Tor des Propheten Ezechiel, Tiere wie Phönix, Löwe, Schwalbe, Pelikan, Marienkäfer oder das Einhorn, und viele Pflanzen wie die Madonnenlilie, Akelei, Rose, Walderdbeere, Schlüsselblume und Maiglöckchen sind Symbole Mariens. Einfache Symbole, die früher anstelle der Gottesmutter wiedergegeben wurden, waren u. a. ein Brunnen, als Quell des Lebens, Sonne, Mond und Sterne.
Mutter Maria und ihre Marienblumen
Viele Lebewesen, die einen Frauennamen im Namen tragen, verherrlichen damit die Mutter Gottes, Maria. Manche Namen von „Marienblumen“ erklärt die Legende. Die Mariendistel hat Blätter mit weißen Flecken. Sie sind nach der Legende dadurch entstanden, dass Marias Milch auf die Blätter tropfte. Der Steinsame bringt als Frucht vier knochenharte, eiförmige, bräunliche Nüsschen hervor. Es sind die zu Stein gewordenen Tränen der Maria, um den Herrn vergossen; sie bleiben auch oft im Winter noch an den längst verdorrten Stängeln hängen wie eine stille Mahnung: Marientränen. So wird auch das Johanniskraut, das „Herrgottkräutlein“, auch „Marienblut“ genannt, was auf den blutroten Saft in den Blüten zurückzuführen ist.
Andere „Marienpflanzen“ sind besonders schöne Vertreter ihrer Verwandtschaft und tragen daher den Ehrennamen. Die Marienkerze, auch „Himmelsbrand“ oder „Himmelsschlüssel“ genannt, wächst kerzengerade in den Himmel und als Königskerze war sie deshalb „Marias Zepter“ in der Mitte des Kräuterbuschen an Maria Himmelfahrt. Die Marienglocke z. B. ist eine besonders großblütige Glockenblume, die als Zierpflanze im Garten geschätzt wird. Ein Süßgras ist, wenn man seinen griechischen Namen Hierochloa übersetzt, „Heiliges Gras“ getauft worden und wird auch Mariengras genannt. Dabei spielt es als Futtergras kaum eine Rolle. Aber ihm entströmt euin süßer Duft, ähnlich dem Waldmeister, so dass man früher trockene Sträuße in Kleiderschränke legte wie andere Duftspender. Die gelben Blüten des Echten Labkrauts strömen einen betörenden süßen Duft aus. Nach der Legende hat Maria das Jesuskind auf duftendes Labkraut gebettet. So trägt es im Volksmund den Namen „Marienstroh“ oder „Marienbettstroh“. Aus Marias Tränen entstand der Legende nach auch das Maiglöckchen, das deshalb die Namen „Marientränen“ und „Marienglöckchen“ trägt. Schließlich ist die Weiße Lilie Symbol der Muttergottes und heißt Madonnenlilie. Das Mädesüß in feuchten Wiesenauen ist eine wahre „Wiesenkönigin“, deren süßer Duft unübertrefflich ist. So ist das Mädesüß im Volksmund eben auch das „Mariensüß“. Die Engelwurz Angelika, der Engel auf Erden, ist der „Marienbote“. Ein Marienblümchen ist auch das Gänseblümchen, sittsam, bescheiden und klein, Symbol der Reinheit. Rosmarin gehörte neben Thymian und Myrrhe zum Brautstrauß und heißt deshalb auch „Marienbraut“.
Manche Heilkräuter tragen ihren Namen „zu Ehren unserer lieben Frau“; so das Labkraut als „Frauenbettstroh“ oder in unseren Bergwäldern der „Marienschuh“, eine Orchidee mit Namen „Liebfrauenschuh“. Eine andere, noch zierlichere Orchidee, deren Blüten sich in einer dichten Ähre schmücken, heißt Frauenlocke. Die schlanke Ähre ist spiralig um ihre Achse gedreht, ähnlich wie eine Haarlocke. Es gibt auch ein Frauenhaar, es ist der Venusfrauenfarn. Der Fingerhut mit seinem purpurroten Blütenschmuck heißt „Unserer lieben Frau Handschuh“. Er ist zwar giftig, aber trotzdem als Heilpflanze ein Wohltäter der Menschheit, da seine Giftstoffe auf die Herztätigkeit günstig einwirken. Die Blätter des Frauenmantels haben eine besondere Gestalt: sie sind rundlich, fast nierenförmig. Ihr Rand ist von neun abgerundeten Lappen umgeben, die bis zum Grunde gesägt sind. In den Kerben zwischen den Lappen und den Randzähnen stehen am frühen Morgen glitzernde Tautropfen, die sich im Blattgrund wie in einem Becher sammeln. Die Blattform ist das Abbild eines ausgebreiteten Mantels, wie ihn Maria tragen könnte. Auf Heiligenbildern kann man die Muttergottes mit einem ähnlichen, weiten, faltenschlagenden Überwurf dargestellt finden. Auch der Frauenmantel hat sich einen Wechsel der Namensgeberin gefallen lassen müssen. Er war ursprünglich der Göttin Freya geweiht und heute der Muttergottes, die ihre Marientränen vergießt. Die mittelalterlichen Alchemisten schrieben dem „Marienmantel“ besondere Kräfte zu und brauchten ihn zum „Goldmachen“.
Es gibt noch einige Pflanzen, die wohl auch Maria, „Unsere liebe Frau“, als Namensgeberin haben; so der Frauenflachs, das Frauenholz und das Frauenhaar (Venusfrauenfarn). Aber auch das Veilchen und das Gänseblümchen werden zu den „Marienblumen“ gezählt.
Und schließlich trägt die Schwertlilie Iris ein Marienattribut. Aber auch „dem lieben Gott“ wurden zwei Heilkräuter geehrt, das Gottesgnadenkraut und das Johanniskraut („Herrgottskraut“).
Ein jeder kennt den Marienkäfer, den freudig begrüßten halbkugeligen Käfer mit schwarzen Punkten auf dem roten Flügelfeld. Farben und Punktzahl wandelt er indes vielfältig ab (von 2 bis 22 Punkten). Der bekannteste unter den Marienkäfern aber ist der „Siebenpunkt“, der als Glückskäfer gilt. Es ist der Lieblingskäfer der Kinder, er vereinigt auf sich viele, zum Teil poetische Namen, wenn wir an „Gotteskälbchen“, „Herrgottstierchen“, „Sonnenkälbchen“, „Herrgottspferdchen“ und „Herrgottsschäfchen“ erinnern. Und dass die Schwalbe, der Lieblingsvogel der Deutschen, auch die Namen „Muttergottesvogel“ und „Marienvogel“ trägt, weiß heute fast keiner mehr.
Dann weben die Spinnen im Altweibersommer ihre „Marienfädchen“ oder „Marienfäden“ und der Regenbogen trägt Marias Gewandsaum.
Heilige Pflanzen der Jungfrau Maria
Viele Pflanzen und Tiere, die einen Frauennamen tragen, verherrlichen damit die Jungfrau Maria.
Die Mariendistel, eine Heilpflanze gegen Leberkrankheiten, hat Blätter mit weißen Flecken. Sie sind der Legende nach dadurch entstanden, dass Marias Milch auf die Blätter tropfte. Der Steinsame der Mariendistel bringt als Frucht vier knochenharte, eiförmige bräunliche Nüsschen hervor. Es sind, so heißt es, die zu Stein gewordenen Tränen der Maria, um den Herrn vergossen. Sie bleiben auch oft im Winter noch an den längst verdorrten Stängeln hängen wie eine stille Mahnung: Marientränen.
Andere „Marienpflanzen“ sind besonders schöne Vertreter ihrer Verwandtschaft und tragen daher diesen Ehrennamen.
Die Marienglocke zum Beispiel ist eine großblütige Glockenblume, die als Gartenpflanze geschätzt wird.
Ein Süßgras ist, wenn man seinen griechischen Namen Hierochloa übersetzt, ein „Heiliges Gras“ und wird auch Mariengras und Mariensüß genannt. Dabei spielt es als Futterpflanze kaum eine Rolle. Aber ihm entströmt ein süßer Duft, ähnlich dem Waldmeister, so dass man früher trockene Mariensträuße in den Kleiderschrank legte, so wie andere Duftspender, etwa Lavendel, auch. Sie brachten im Schlaf wundersame Marienträume.
Die Königskerze wächst meterhoch in den Himmel, deswegen heißt sie auch Marienkrone und Himmelskerze.,
Der Frauenmantel vergießt Marientränen. Es sind am frühen Morgen kleine Tautropfen auf den Blättern.
Das Gottesgnadenkraut macht alle Kranken wieder gesund. Das Johanniskraut, auch „Herz-Jesu-Blut“ genannt, speichert in den Blüten einen blutroten Saft, der an die Leiden des Herrn erinnert. Es ist ein Wirkstoff, der wunde Seelen heilt. Deshalb wird die Heilpflanze gegen Depressionen eingesetzt.
Ein jeder kennt den Marienkäfer, den freudig begrüßten halbkugeligen Käfer mit den schwarzen Punkten auf dem roten Flügelkleid. Farben und Punktzahl wandelt er indes vielfältig ab. Die meisten aber haben sieben Punkte auf den Deckflügeln. Deshalb heißen sie auch Glückskäfer. Der Liebling des Volkes und besonders der kleinen Kinder trägt dann so poetische Namen wie „Herrgottstierchen“, „Herrgottspferdchen“, „Herrgottsschäfchen“, „Gotteskälbchen“, „Marienpunkt“, „Marienkleid“, „Sonnenkälbchen“ oder „Marienblatt“.
Ebenso ist der Name des Herrn selbst in die Namen der Pflanzenwelt aufgenommen worden. Im tiefen Winter blüht eine schneeweiße Blume, eine Nieswurz, in den Gärten um die Zeit des Weihnachtsfestes. Sie heißt eben „Christrose“.
Verschiedene Pflanzen gaben nach den Legenden ihre Zweige und Äste her, damit daraus die Dornenkrone Christi entstand. Das Volk nennt sie „Christusdorn“.
Manche Zierpflanzen schauen uns mit großen Blumenaugen an: als „Christusaugen“ bezeichnet man sie. Am bekanntesten unter ihnen ist der gelb blühende Alant.
Es gibt eine „Christusträne“, ein tropisches Gras mit tränenähnlichen Scheinfrüchten, den Hüllkapseln der weiblichen Ähren. Dieses Gras heißt auch „Marien-, „Moses- oder „Frauenträne“ und dient zur Herstellung von Rosenkranzperlen.
Es gibt außerdem wertvolle Arzneipflanzen, deren Wurzeln verwendet werden. Sie werden „Christwurz“ genannt, wie zum Beispiel Arnika, Schöllkraut und Nieswurz.
Der Name Gottes findet sich häufiger in unserem Namensgut. Mit einem Kraut, das wahre Wunder wirkt und deshalb in der Volksheilkunde verwendet wird, lässt Gott uns seine Gnade widerfahren. Es ist das Gottesgnadenkraut, ein Ehrenname, den mehrere Pflanzen tragen.
Eine sonderbare Fangheuschrecke heißt „Gottesanbeterin“, auch „Betjungfrau“ genannt. Aber diesen Namen trägt sie zu Unrecht. Es sieht zwar tatsächlich so aus, als erhöbe das Insekt seine Vorderbeine zum Gebet. Während es aber auf den vier langen anderen Beinen langsam dahin schreitet, wird mit den ersten Fangbeinen das überraschte Opfer rasch gegriffen, indem Schenkel und Schiene wie eine geöffnete Schere zusammenklappen.
Besondere Ehre widerfährt dem gelben Labkraut. Es war bei den Germanen der Fruchtbarkeitsgöttin Freia zugeeignet, später aber war die reich mit Aberglauben verknüpfte Pflanze der Mutter Gottes geweiht. Sie diente als „Unserer lieben Frau Bettstroh“. Vielleicht ist ihr wegen ihres Duftes diese Aufgabe in der Legende zuteil geworden.
Unser Fingerhut mit seinem purpurroten Blütenschmuck heißt „Unserer lieben Frau Handschuh“. Er ist zwar giftig, aber trotzdem als Heilpflanze ein Wohltäter für die Menschheit, da seine Giftstoffe auf die Herztätigkeit günstig einwirken.
Die Blätter des Frauenmantels haben eine besondere Gestalt: Sie sind rundlich, fast nierenförmig. Ihr Rand ist von neun abgerundeten Lappen umgeben, die bis zum Grunde gesägt sind. In den Kerben zwischen den Lappen und den Randzähnen stehen am frühen Morgen glitzernde Tautropfen, die sich mitunter im Blattgrund wie in einem Becher sammeln. Die Blattform ist das Abbild eines ausgebreiteten Mantels, wie ihn Maria tragen könnte. Also heißt der Frauenmantel im Volksmund auch Marienmantel. Auf Heiligenbildern kann man die Mutter Gottes mit einem ähnlichen, weiten, Falten schlagenden Überwurf dargestellt finden.
Die Madonnenlilie, Symbol der Jungfräulichkeit Marias
Jupiter legte den Säugling Herkules an die Brust Junos, während die Göttin schlief. Als das Kind trank, wurden einige Tropfen der göttlichen Milch verschüttet. Jene, die in den Himmel tropften, wurden in die Milchstraße verwandelt, aus denen, die die Erde erreichten, sprang die Madonnenlilie hervor (Lilium candidum). Diese Blume wird immer mit Reinheit in Verbindung gebracht, sowohl in der heidnischen als auch in der christlichen Welt. Ihre Kultivierung geht Tausende von Jahren zurück: die alten Ägypter priesen sie ihrer Schönheit und medizinischer Vorzüge wegen; aus den Knollen wurde eine Art Brot gemacht, das auch jetzt noch in einigen östlichen Ländern so verwendet wird.
Parkinson, Gerard, Culpeper und vor ihnen die heilkundigen Mönche – alle hatten die Madonnenlilie als Mittel gegen Schwellungen, Verbrennungen, Schnitte und Quetschungen angewandt, und diese Praxis hat bis jetzt überdauert. Hildegard von Bingen hingegen verwendete sie als Salbe gegen Ausschlag. Die Droge ist die Knolle. Die Madonnenlilie hat in Form eines Dekokts zahlreiche Wirkungen, einschließlich harntreibender, regelfördernder und die Gicht vertreibender.
„Ich bin eine Blume auf den Wiesen des Scharons, eine Lilie der Täler. Eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Mädchen.“ So spricht die Bibel im Hohenlied Salomos von der Lilie, die die Christenheit der Jungfrau Maria, der Muttergottes, weihte. So kam sie zu ihrem Namen Madonnenlilie. Die Weiße Lilie, auch Marienlilie genannt, zierte die Säulenkapitelle im Tempel Salomos. Sie war ein Symbol der Schönheit, oft auch von Fruchtbarkeit und Reichtum. Unter christlichem Einfluss wurde sie zum Sinnbild für geistige Reinheit, Heiligkeit und Auferstehung.
„Zuoberst auf den beiden Säulen bei der Vorhalle des Tempels war eine Arbeit aus Lilien, jede vier Ellen dick.“ (1. Könige 7, Vers 19). „Ich will für Israel sein wie der Tau, es soll blühen wie die Lilien und Wurzeln schlagen wie die Pappel.“ (Hosea 14, 5).
„Freuen sollen sich die Wüste und das dürre Land, frohlocken die Steppe und blühen! Gleich der Narzisse soll die Lilie blühen und frohlocken, ja frohlocken und jubeln!“ (Jesaja 35, 1 - 2).
Die weiße Lilie zierte die Säulenkapitelle in vielen anderen Zivilisationen, in Ägypten, Assyrien, in der minoischen Kultur und im Tempel Salomos in Jerusalem. Unter christlichem Einfluss wurde sie zum Sinnbild für geistliche Reinheit, Heiligkeit und der Auferstehung und deshalb wurde sie häufig in der Nähe und Umgebung von Kirchen angepflanzt. Unter dem Namen „Marienlilie“ und „Madonnenlilie“ taucht die Blume oft auf alten Kirchengemälden auf, die Maria mit der Lilie in der Hand oder in ihrer Nähe zeigen.
Nach einer alten Sage spross die Lilie aus den Gräbern von Liebenden und unschuldig Hingerichteten hervor. Wenn sie auf der Friedhofsstätte unschuldig Ermordeter erscheint, so ist sie ein Zeichen der kommenden Rache; entsprießt sie auf einem Grabhügel eines armen Sünders, so kündigt sich Vergebung, die Sühne der Todesgottheiten an. Die Lilie galt auch als Gruß des Todes an den zurückbleibenden Lebenden; daher die Sage, dass der Geist des Verstorbenen selbst die Blume auf dem Grab gepflanzt habe.
In enger Beziehung zu den Weißen Lilien stand auch das ehemalige Wappen Frankreichs, hieß doch Frankreich „das Reich der Lilien“. Als die Jungfrau von Orléans von König Karl V: in den Adelstand erhoben wurde, bekam sie den Namen „Lys“ (= von der Lilie) und zum Geschenk einen Degen, der mit der Darstellung eines Lilienkranzes geschmückt war. Die geistlichen Eigenschaften, die in früheren Zeiten der Weißen Lilie zugeschrieben wurden, fanden durch einen päpstlichen Erlass im 17. Jahrhundert ihre offizielle religiöse Anerkennung. Der Erlass weist auf die Lilie im Zusammenhang mit der künstlerischen Darstellung der Verkündigung Mariä. In der Tat zeigen viele Madonnenbilder der Renaissance das auffallende weiß und die anmutige Form der Weißen Lilie so u. a. die Werke von Tizian und Botticelli. So wurde sie auch zur „Madonnenlilie“. Auch die deutsche Romantik spricht von der „Madonnenlilie“ und Friedrich von Hardenberg (Novalis) singt das „Marienlied“ dazu: „Ich sehe dich in tausend Bildern, Maria, lieblich ausgedrückt, doch keins von allen kann dich schildern, wie meine Seele dich erblickt. Ich weiß nur, dass der Welt Getümmel seitdem mir wie ein Traum verweht, und ein unendlich süßer Himmel mir ewig im Gemüte steht.“
Lilia oder Lilie heißen seltsamerweise viele deutschstämmige Mädchen in Kasachstan. Vielleicht wollen damit ihre Eltern und Großeltern durch die Namensgebung an ihre deutsche Urheimat erinnern, als die Lilien die Modeschönheiten im deutschen Bauerngarten waren. Der Vorname kommt jetzt bei uns wieder zusammen mit Lilian und Liliane immer mehr in Mode.
Die einheimische Türkenbundlilie (Lilium maarttagon) gehört zu den unter Naturschutz stehenden Wildpflanzen. Sie kommt auf Bergwiesen in kalkhaltigem Boden vor. Ende Mai entfaltet sie ihr hellpurpurnes, reich punktiertes Blütenblattröckchen. Statt der erwarteten Lilienblüten lässt sie lauter vtürkische Turbane am 60 bis 80 cm hohen Blütenschaft lustig umherbaumeln. Diese unbekümmerten Gäste sollen natürlich den pfeilschnellen, auf der Stelle schwirrenden Nachtschwärmern den Zugang zu den Nektarrinnen im Innern der Blüten erleichtern. Deshalb ist auch der Duft aus ihnen am Abend stärker als am Tage, immer aber mit einer besonderen Note wie nach Vanille oder Zimt.
Die Weißen Lilien (Lilium candidum) sind die Lieblingsblumen der Orientalen, der Deutschen und der Romanen. Bei den Römern galt die Lilie als Zeichen der Hoffnung, im Morgenland war sie Sinnbild der Reinheit und der Unschuld. Nicht nur die „holde Jungfrau“ erhielt bei feierlichen Anlässen Lilien geschenkt, sondern Lilien wurden auch zum Zeichen der Trauer und der Treue als letzte Liebesgabe der Toten auf den Sarg gelegt. Bei den feierlichen Prozessionen an Fronleichnam tragen noch heute weißgekleidete Mädchen weiße Lilien in der Hand. In der deutschen Mythologie trägt Donar in der rechten Hand den Blitz und in der Linken das Zepter, das mit einer Lilie gekrönt ist. Während des Mittelalters wurden besonders in den Klostergärten die Lilien stolz bewundert. Die Weiße Lilie, später als Madonnenlilie kreiert, ist ein altes und weitverbreitetes Lichtsymbol; daneben gilt sie vor allem in der christlichen Kunst als Symbol der Einheit, Unschuld und Jungfräulichkeit. Auf Darstellungen Christi ist die Lilie auch ein Symbol der Gnade. Die Bibel spricht von den „Lilien auf dem Feld“ als einem Symbol der vertrauensvollen Hingabe an Gott. Die Lilie ist zudem ein uraltes Königssymbol und spielt besonders in der Heraldik eine bedeutende Rolle. Mit den Rosen zusammen wurden Lilien schon in altdeutscher Zeit oft erwähnt, und sie spielten in der Poesie unserer Dichter, besonders der Romantiker, eine wesentliche Rolle. Auch im Volkslied wurden die Lilien verewigt: „Drei Lilien, drei Lilien, die pflanzt ich auf sein Grab …“
Lilien gehören zum uralten Gartenadel. Die edlen Blüten der Lilien verleihen dem Platz, an dem sie wachsen, eine gewisse Würde. Auch in der Vase verlangen diese stolzen Adligen besondere Aufmerksamkeit und allen voran steht die Madonnenlilie – sie passen eben nicht in jede beliebige Gesellschaft. Es gibt heute hervorragende Neuzüchtungen. Die Begegnung mit diesen großblumigen, standfesten Hybriden ist ein Naturerlebnis besonderer Art. Grundregel aller Lilienkultur ist, dass sie mit den „Füßen“ kühlschattig stehen wollen, ihre Blüten aber im warmen Licht der Sonne entfalten wollen.
Die Naturformen können jahrelang ungestört in Wildstaudenpflanzenwachsen. Madonnenlilien und Hybride passen auch ins Staudenbeet. Leider werden ihre Zwiebeln hin und wieder von Wühlmäusen gefressen.
Zu den altbekannten Naturformen gehören die Goldbandlilie mit breit geöffneten, schalenförmigen Blüten, die Madonnenlilien mit schneeweißen trichterförmigen Blüten, die lebhaft gefleckten Tigerlilien, die orangeroten Feuerlilien mit offenen Kelchen und die Königslilien mit großen trichterförmigen Blüten. Im Riesenreich der Zuchtformen sind besonders die Martagon-Hybriden, die Auratum-Hybriden und die Bellingham-Hybriden zu empfehlen. Ihr starker, warmer, außerordentlich angenehmer Duft teilt sich der ganzen Umgebung mit.
In der Pflanzenheilkunde Chinas setzt man Lilien bei Vergiftungen, als stimulierende Mittel, bei Melancholie, zur Entwässerung, harntreibend, blut- und schmerzstillend ein.
In der Küche verwendet man alle Teile, getrocknet, frisch und eingefroren, hauptsächlich aber Knospen und Blüten. Je nach Sorte, schmecken sie – oder nicht – roh oder filtriert. Wer es übers Herz bringt, kann auch Taglilien für einen Blumenstrauß verwenden. Dafür werden abends dickknospige Stängel geschnitten. Allerdings müssen abgeblühte Blüten entfernt werden, denn sie werden matschig, nässen und verursachen dunkle farbige Flächen.
Madonnenlilien am Muttertag
„Diese mein frumme Mutter hat 18 Kind getragen und erzogen, hat große Armut gelitten, Schrecken und große Widerwärtigkeit.“ Schonungslos, wie ihr Leben war, zeichnete Albrecht Dürer das Gesicht der Mutter. Dieses „Bildnis der Mutter“ von 1514 wurde zum Symbol der „durch Krankheit, Kriege, Not und Entbehrung“ leidenden Mutter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Ganz anders sah Vincent van Gogh das „Bild einer Mutter“. Er malte eine gütige Bürgersfrau als Denkmal der zeitlosen Mütterlichkeit. In seiner Figur, der bretonischen Wiegenfrau, stellt er die Mutter dar, die nach dem Volksglauben der Bretonen den Schiffern auf hoher See als milden Trost das Schlummerlied ihrer Kindheit sang; und wenn sein letzter Vers ihnen Untergang und Tod ansagt, dann nimmt sie die Allmacht der Liebe auf. Wir erfahren aus Briefen des Malers, dass er das Bild in den Hafenschenken von Marseille zwischen zwei kreisenden Sonnen aufgehängt wissen wollte, um damit die menschlich Gestrandeten zur Ahnung einer höheren, reinen und ewigen Liebe zu bekehren: Die Gestalt der geheimnisvollen, mütterlichen Frau im Verein mit dem glühenden Wirbel von mächtigem Licht, den die Sonne bei van Gogh immer bedeutet, soll als Tröstung und Kraft die Verlorenen in der ewigen Versöhnung bergen.
Fast in allen frühen Kulturen findet man unter wechselnden Formen die Figur der Mutter mit dem Kind, die ebenso gut eine Gruppe aus dem alltäglichen Leben darstellen kann wie eine machtvolle Göttin, die den Menschen Segen bringt. Das Bild der fruchtbaren Frau erscheint in der Geschichte der Menschheit als älteste Weihegabe an die großen Kräfte, denen alles Gedeihen anheimgegeben ist.
Ein mütterliches Wesen ist nach altägyptischen Göttermythen das Weltall – eine große Kuh, die jeden Morgen die Sonne und damit alles Leben gebiert. Ihr Leib ist der sternenbesetzte Himmel, und auf dem gütigen Haupt trägt sie zwischen den Hörnern, die den Mond bedeuten, die golden strahlende Sonnenscheibe. Unter ihrem Haupt aber steht die Gestalt Pharaos, den sie mütterlich beschützt und der von ihr seine Kraft empfängt.
Gewaltig und drohend wie eine Urmacht ist die große Diana von Ephesus, eine Muttergottheit aus dem ältesten Kleinasien, die noch die späte Antike in berauschenden Orgien und sinnüberladenden Bildern feierte. Ihr Leib ist schwarz wie die Tiefe der Erde, aber ihr Haupt ist umgeben vom Lichtkreis des Himmels und Sternbilder sind ihr Halsgeschmeide. Löwen und Stiere auf ihrem Gewand sind ihre heiligen Tiere. Die Vielzahl der Brüste bezeugt die nährende Allmacht der großen Mutter Natur. Unendlich spendet die Allgebärende.
Mutter aller Gläubigen ist die heilige Kirche, ihr Leben ist die Liebe des Heiligen Geistes. In ihren Visionen schaut sie die heilige Hildegard von Bingen, Mystikerin, Pflanzenheilkundige und Äbtissin des Mittelalters, als Frau in königlicher Gestalt, überragt vom festen und lichten Turm der göttlichen Kraft, aus dem die goldenen Feuerzungen des Pfingstfestes hervorbrechen. Die ganze Christenheit birgt sie im jungfräulichen Schoß, und unablässig fleht ihre liebende Sorge um die Gnade Gottes für die Menschen.
„und Adam gab seiner Frau den Namen Eva, das ist: Mutter aller Lebendigen.“ Aus dem Ursprung dieses Geschlechtes empfängt die ganze Menschheit das Leben, aber auch die schwere Last der Schuld und des Schicksals, die Erde und Himmel trennen. Als Königin ist die Jungfrau Maria geschmückt, selig gepriesen von allen Geschlechtern der Zukunft. Die gebenedeite Frucht der neuen Eva ist der Sohn Gottes, der Erlöser aller Menschen. Maria wurde vom göttlichen Ratschluss zur Mutter einer erneuerten Welt bestimmt, weil sie mit der Geburt Jesu allen das wahre unsterbliche Leben schenkt.
Die Lilie ist die Blume der Bibel. Sie zierte auch die Säulenkapelle im Tempel Salomos in Jerusalem. Sie war ein Symbol der Schönheit, oft auch von Fruchtbarkeit und Reichtum. Unter christlichem Einfluss wurde sie zum Sinnbild für geistige Reinheit, Heiligkeit und Auferstehung und deshalb häufig in der Nähe und Umgebung von Kirchen angepflanzt.
Vornehmlich Tulpen, Nelken und Lilien schenkt man Frauen seither zu besonderen Anlässen, wobei Marienlilien, also Madonnenlilien, gerne als Blumengeschenke zum Muttertag verschenkt werden. Aber es müssen keine Lilien sein. Blumen sollte man mit Bedacht verschenken. Niemals kommt es darauf an, ob es wenige oder viele sind, ob sie selbst gepflückt, billig oder teuer waren. Blumen sollten immer ein „teures“ Geschenk sein, um damit zu zeigen, wie teuer einem ein geliebter Mensch ist.
Herz und Blumen sind die Symbole des Muttertages, Madonnenlilien und Rosen. Das Fest ist verhältnismäßig jung: Miss Anna Jarvis aus Philadelphia war die erste, die 1907 „Muttertagsblumen“ verschenkte. Und Philadelphia war auch die erste Stadt der Welt, in der der erste Muttertag gefeiert wurde: 1908. US-Präsident Wilson verkündete am 9. Mai 1914 in einem Kongressbeschluss, den zweiten Sonntag im Mai „als öffentlichen Ausdruck für die Liebe und die Dankbarkeit zu feiern, die wir den Müttern unseres Landes entgegenbringen.“ Und seither schenkt man den Müttern Madonnenlilien am Muttertag. In Deutschland wurde der „Tag der besonderen Ehrung der Mutter“ zum ersten Mal 1922 gefeiert.
Die weiße Lilie der Maria
Ich bin eine Blume auf den Wiesen des Sharon,
die weiße Lilie der Madonna,
ich bin die Königsblume der Romanen,
die Wappenblume der Orientalen
und zier die Säulen im Tempel Salomons.
Ich bin das Sinnbild der Jungfräulichkeit,
der Reinheit und der Heiligkeit,
von Gott geweiht der Christenheit,
der „holden Jungfrau“ Fruchtbarkeit.
Ich bin die stolze Lilie in den Klostergärten,
Symbol der Mönche für Marias Schönheit,
der Auferstehung und der Reinheit,
ein Denkmal in den heil’gen Stätten,
Symbol der Treue und der Seligkeit.
Ich hab die Dichter aller Zeiten
zu ihren Werken inspiriert,
in Prosa, Poesie und Lyrik
und in Romantik aufgeklärt.
Als Lichtsymbol in der Heraldik,
trag ich der Sonne goldnes Kleid,
auf dass das Leben ewig währt.
Am Grabe pflanzt ihr weiße Lilien,
der Toten Geist steigt auf zu mir,
ein Bild der Hoffnung und des Friedens,
ist ein Geschenk von mir.
(Dieter Kremp)
Die Frauenminze heißt auch Marienbalsam
Die Frauenminze (Tanacetum balsamita) ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die in ihren bläulich-grünen, auf der Unterseite fein behaarten Blättern, zahlreiche ätherische Öle enthält, darunter auch Kampfer, Thujon und Menthol. Die verzweigten Stängel sind flaumig behaart. Die Frauenminze, auch Marienbalsam, Marienblatt, Balsamkraut, Riechblatt, Marienminze und Bibelblatt bezeichnet, ist eine, leider weitgehend in Vergessenheit geratene Heilpflanze, die 795 n. Chr., von Karl dem Großen vorgeschrieben, auf allen kaiserlichen Gärten angebaut werden musste. Seit dem 16. Jahrhundert wurde sie gegen Krämpfe, Würmer und zur Förderung der Menstruation gebraucht. Die ersten Siedler in Nordamerika haben getrocknete Blätter des Marienbalsams als aromatisches Lesezeichen in die Bibel gelegt. Daher kommen auch die Namen Bibelblatt und Gebetbuch-Pflanze. Die Blätter des Marienbalsams duften beim Zerreiben nach Pfefferminze und erinnern dadurch an Kaugummi (Kaugummipflanze).
Der Marienbalsam verströmt einen herrlich würzigen Geruch, der an Minze und Zitrone erinnert, der von einer süßlichen Note begleitet wird – besonders, wenn man ihn zwischen den Fingern zerreibt. Der Geschmack des Marienbalsams ist aromatisch und leicht bitter.
Die Frauenminze ist keine Minze-Art, sondern gehört zur Familie der Korbblütler. Sie ist eng verwandt mit dem Rainfarn und dem Mutterkraut.
Das erste neuzeitliche Kräuterbuch, das die Frauenminze erwähnt, ist aus dem Jahr 1539. Hier beschreibt Hieronymus Bock ausführlich die Pflanze und geht auch auf die Heilwirkung näher ein: In „Wein gesotten und getrunken“ helfe sie gegen verschiedene tierische Gifte, „stillet auch den bauchfluss und das Grimmen im leib“. Äußerlich als Umschlag und Schweißbäder angewandt, sei die Frauenminze menstruationsfördernd und schmerzstillend: „Das kraut zerstossen und pflasters aufgelegt heilt die harten knollen und andere geschwulst.“
Heute wird der Marienbalsam in der Naturheilkunde angewandt als Tee bei Blähungen, Fieber, Verdauungsstörungen, Verstopfung, Leberschwäche, Nierenschwäche, Blasenschwäche, bei Menstruationsstörungen und gegen Periodenkrämpfe. Zerreibt man das frische Kraut auf der Haut, dann hilft es ähnlich wie der Spitzwegerich bei Insektenstichen und Wunden. Die frischen Blätter dienen auch zur Abwehr von Läusen, Flöhen und Stechinsekten. Als Küchenkraut findet der Marienbalsam wegen seines intensiven Geruches eine sparsame Verwendung – z. B. zu jungen Kartoffeln, im Salat, zu Geflügel, für Füllungen oder Obst- und Pfannkuchen. Die heutige Bauerngartenpflanze eignet sich als Duftkraut auch für Potpourris und für Duftsäckchen.
Es gibt noch einige andere Marienblumen, so z. B. auch das Marienblatt (Chrysanthemum balsamika), eine alte Bauerngartenpflanze, die Marienglockenblume (Campanula medium) und auch das Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), das zu den Amaryllisgewächsen zählt. Wie viele weiße Blumen gelten Schneeglöckchen, auch Schneehase und Marienglöckchen genannt, vielerorts als Symbol für jungfräuliche Liebe. Nach der Christianisierung wurden sie zu einer der vielen Marienblumen. Mit dem ersten Schneeglöckchen, was man im Frühjahr sieht, soll man sich die Augen wischen. Das soll sie vor Krankheiten bewahren oder sogar Augenkrankheiten heilen. In der Slowakei gräbt man Schneeglöckchen aus und gibt sie den Kühen, damit Zauberinnen ihnen die Milch nicht stehlen können. Schüchterne Liebhaber benutzten früher getrocknete oder gepresste Schneeglöckchen als Amulett, um auf Gegenliebe bei ihrer Angebeteten zu stoßen.
Der Legende nach hat das Marienglöckchen mit dem Schnee seine Farbe geteilt, darum sollen Schnee und Schneeglöckchen befreundet sein.
Die „schöne Bella“ ist ein Marienblümchen
„Bellis“ sind die „Schönen“ – ein treffender Name! Unscheinbar klein, sittsam und bescheiden und kaum beachtet, schmiegen sich die Gänseblümchen (Bellis perennis = die „schönen Kleinen“) mit ihrer runden Rosette aus kleinen, eiförmigen Blättchen dem Boden an und klecksen doch auch in den sterilsten Rasen leuchtend weiße Tupfer – und das auch noch im Winter. Klein, aber oho, in vielfacher Hinsicht!
Diese Blume, im Volksmund auch Marienblümchen, Mondscheinblümchen und Tausendschön genannt, soll dem, der die Wurzel der Pflanze bei sich trägt, Zuneigung, Klugheit und Verstand verleihen. Das zierliche, kleine Blümchen galt auch als Symbol der Mutterliebe und damit Marias, weil die Blätter sich bei Regen so über die Blüte zusammenlegen, dass sie ein schützendes Dach bilden. Es symbolisiert das ewige Leben und Erlösung, aber auch, wie die Margarite, Tränen und Blutstropfen. In der nordischen Mythologie war es der Frühlingsgöttin und der Göttin der Auferstehung, der Ostara, geweiht. Ludwig IX. nahm das Marienblümchen mit den Lilien in sein Wappen auf.
„Bescheidenheit ist seine Zier …“, könnte man beim Gänseblümchen sagen, und doch nimmt das zarte Pflänzchen in der Evolutionsskala einen hohen Rang ein. Trotz seiner großen Zahl von Floretten(Einzelblümchen) wirkt das Marienblümchen bei oberflächlicher Betrachtung so, als sei es eine einfache, offene Blüte der allerprimitivsten Prägung. Das ist es aber mitnichten. Werbung um Insekten betreibt das Marienblümchen durch ein Körbchen aus weißen Strahlenblüten, die unterseits zu meist rötlich angehaucht sind und die gelben, röhrenartigen Scheinblüten wahrhaft schamlos ausnutzt.
Bei Sonnenschein sind die Köpfchen weit geöffnet, nachts und bei Regen schließen sie sich und nicken traurig nach unten. Die Sonne lieben sie über alles, nach ihr drehen sie sogar das Körbchen.
Das Gänseblümchen versteht die Kunst des Werbens um Liebe, duckt sich flach auf den Boden unter dem Tritt des Vorübergehenden, doch es steht wieder auf. Maßliebchen und Tausendschönchen sind seine vornehmen Schwestern. Ohne Schaden an seinem Blumenschmuck zu nehmen, verträgt das Marienblümchen bei trockenem Wetter Temperaturen bis minus 16 Grad. Kein Wunder, dass das Gänseblümchen fast das ganze Jahr über blühen kann. Von den ersten Vorfrühlingstagen bis in den Winter hinein erfreuen uns die „Blümchen aus unseren Kindheitstagen“ auf Grasfluren aller Art. Wie bei der Margerite, einer ihrer zahlreichen größeren Verwandten aus der Familie der Korbblütler, werden nostalgische Erinnerungen wach. Das Gänseblümchen, auch „Orakelblume“ genannt, galt schon in alter Zeit als „Blume der Unentschiedenheit“. Man zupfte die äußeren Strahlenblüten nacheinander ab. „Er (sie) liebt mich, er (sie) liebt mich nicht …“ war der früher am häufigsten beim Abrupfen gesprochene Spruch. Und die letzte Zungenblüte entschied den Orakelspruch über die erste Jugendliebe. Aber der Spruch wurde auch abgewandelt und erweitert: „Er liebt mich – von Herzen – mit Schmerzen – ein wenig- oder gar nicht.“ Aber auch andere Fragen musste das Marienblümchen beantworten. Es entscheidet über den Beruf des Zukünftigen: „Edelmann, Bettelmann – oder Bauer.“ Schließlich orakelte das Blümchen auch über die ewige Seligkeit: „Himmel – Fegefeuer – Hölle …“
Zahlreiche Volksnamen künden von der Beliebtheit des Gänseblümchens: Marienblümchen, Marienschönchen, Mutterblümchen, Augenblümchen, Himmelsblümchen, Sonnenblümchen, Mondscheinblümchen, Gänselieschen und Mümmelie.
Tausendschönchen oder Maßliebchen, die vornehmen Schwestern unseres heimischen Gänseblümchen, sind dichtgefüllt und kugelrund; so wirken sie wie Sonntagsschönheiten auf dem Lande. Die weißen, rosa und manchmal roten Blütenköpfchen lassen sich zu hübschen Biedermeiersträußen binden. Die stets winterharten Maßliebchen eignen sich am besten für Einfassungen im Garten, als Grabschmuck und als Frühlingsbalkonzierde. Vorsicht bei ihrer Vermehrung ist geboten! Maßliebchen samen leicht aus, fallen aber meist in ihre „ungefüllte“ Vergangenheit im Gänseblümchenkleid zurück. Besser ist eine Vermehrung durch Teilung besonders kräftiger Pflanzen.
Woher kommt nun die Bezeichnung Gänseblümchen? Das Gänseblümchen ist seit Jahrhunderten eine äußerst beliebte Futterpflanze für Federvieh, insbesondere für Gänse. Die botanische Bezeichnung „bellis“ = „schön“ und „perennis“ = „ausdauernd“ hängt mit ihrer langen Blütezeit zusammen.
Die Blütenköpfchen des Marienblümchens schließen sich nachts bei Regen, tagsüber folgen sie dem Lauf der Sonne. So war es auch allerorten ein Wetterprophet. Ein Sträußlein Marienblümchen in der guten Stube symbolisierte die soziale Eintracht in der Familie. Ein Sträuchen am Hut, in der Johannisnacht gepflückt, sollte dem Jüngling offenbaren, wer seine Zukünftige ist. Umgekehrt warfen Mädchen ein Sträußlein Gänseblümchen in den Bach. Dort, wo das Sträußlein am Ufer hängen blieb, sollte der Auserwählte wohnen. Im 18. Jahrhundert geriet jedoch das Gänseblümchen in Acht und Bann und wurde systematisch vernichtet, weil man es, übrigens zu Unrecht, als abtreibendes Mittel ansah.
Als Heilpflanze wurde das Marienblümchen relativ spät entdeckt. Die medizinischen Eigenschaften sind erst seit der Renaissance bekannt. Umschläge mit frischen Blümchen wirken schmerzlindernd und blutstillend bei Wunden, Blutergüssen und Geschwüren. Gänseblümchentee wirkt bei Bronchitis schleimlösend und hustenreizmildernd, als Galle-, Magen- und Lebermittel, aber auch als blutreinigendes Schönheitsmittel. Die frischen Blüten sind außerdem eine dekorative und leckere Zutat zu grünem Salat und sollen gleichzeitig hartnäckige Verstopfung kurieren. Für einen Teeaufguss nimmt man einen Teelöffel der getrockneten Blüten auf eine Tasse kochendes Wasser und lässt zehn Minuten ziehen. Täglich trinkt man zweimal eine Tasse Tee.
Die Inhaltsstoffe der „stillen Schönen“ verschönern auch die Gesichtshaut schöner Frauen. Aus den Blüten der Gänseblümchen stellt man ein Gesichtswasser her, das die Talgproduktion einer stark fettenden Haut wieder normalisiert. Schließlich tragen auch die Blätter zur Verjüngung des Organismus bei: Sie ergeben einen wahrhaft delikaten Wildsalat, der in seinem milden Geschmack dem etwas bitteren Löwenzahnsalat Konkurrenz macht.
In der homöopathischen Anwendung nimmt man die Dilution bis D 30 bei Schleimhautentzündungen des Nasen- Rachenraumes und der Atemorgane, bei Ekzemen, Akne und Furunkeln, bei Verstauchungen und Prellungen. In der spagyrischen Anwendung nimmt man täglich 15 bis 30 Tropfen der Urtinktur als Kompresse bei Hautwunden.
Rezepte mit Marienblümchen für die Küche:
Rezept „Falsche Kapern
Man nimmt dazu die noch geschlossenen Blütenknospen, trocknet sie und gibt sie in eine kalte Essig-Salzmischung: ½ Liter Obstessig, 1 Teelöffel Salz, 1 Lorbeerblatt. In Gläser einfüllen und gut verschließen. An einem dunklen Ort aufbewahren.
Gänseblümchengemüse
Dazu benötigt man 150 Gramm Gänseblümchenblätter, 15 Gramm Butter, 1 kleine Zwiebel, 0,05 Liter Milch, Glutal, Salz, Kurkuma, Liebstöckel, Basilikum. Die Blätter in kochendem Wasser garziehen, abgießen und klein schneiden. In Butter die gewürfelte Zwiebel anschwitzen und im Anschluss eine Mehlschwitze fertigen, mit der Gemüsebrühe auffüllen und sämig rühren. Die fertigen Gänseblümchenblätter dazugeben und mit Kräutern und Gewürzen abschmecken.
Quark mit Gänseblümchen
Zutaten: 50 Gramm Gänseblümchenblätter, 100 Gramm Quark, 10 Gramm Löwenzahnblätter, 0,05 Liter Milch, Kümmel, Salz, Paprika, Thymian, Bärlauch.
Zubereitung: Den Quark mit der Milch sämig rühren. Die ausgelesenen Blätter klein hacken und mit den Kräutern unter den Quark mischen. Den Quark würzen und noch etwas durchziehen lassen.
Kräuteressig mit Gänseblümchen
Zutaten: 200 Gramm Gänseblümchenknospen, 0,3 Liter Essig, Estragon, Ysop, Bohnenkraut, Thymian, Zwiebel.
Zubereitung: Die geputzten Gänseblümchenknospen und Kräuter mit Essig übergießen. Die eingelegten Gänseblümchenknospen können anstelle von Kapern verwendet werden.
Gänseblümchen mit Sauerampfer
Zutaten: 30 Gramm Gänseblümchenblätter, 30 Gramm Sauerampfer, 30 Gramm Borretsch, 30 Gramm Kräuter wie Kerbel, Petersilie, Dill und Estragon, 50 Gramm saure Sahne, Pfeffer, Salz, Zitrone, Zucker.
Zubereitung: Die Kräuter feinhacken, würzen und mit saurer Sahne vermischen. Dazu Pellkartoffeln mit Leinöl servieren.
Angelika, der Engel auf Erden, heißt auch Marienbote
Die Engelwurz (Angelica archangelica), im Volksmund auch Marienbote, Gottesbote, Mariengruß, Marienengel, Mariensüß, Brustwurz, Himmelsengel, Waldengel, Waldbrustwurz, Engelgeist, Heiligensüß, Himmelfahrtswurz, Michaelwurz, Zahnwurzel, Magenwurz, Engelsgabe und Klosterengel genannt, hat viele Anwendungsformen in der Volksheilkunde, was ihre Volksnamen besagen.
Die Engelwurz ist eine der ältesten Symbolpflanzen innerhalb des Christentums. In der Kunst ist sie Symbol der Dreifaltigkeit und des Heiligen Geistes, weil der Stängel zwischen zwei sich gegenseitig umschließenden Häuten hervorwächst. Sie galt früher als Hauptheilmittel gegen die Pest. Der Legende nach brachte ein Engel einem Mönch die Heilpflanze. Im Mittelalter war der Glaube verbreitet, dass die Engelwurz engelhafte Kräfte gegen Zauberei und böse Verwünschungen besitze. In hohen, schon toxischen Dosen war sie jedenfalls früher ein Abortivum.
Nach altem Volksglauben blüht der Marienbote am Festtag des Erzengels Michael. So ist es kein Wunder, dass der „Heilige Engel“, wie die Mönche die Engelwurz nannten, schon in der Klostermedizin im Mittelalter eine große Rolle spielte. Und in jedem Klostergarten hatte der „Heilige Engel“ seinen Stammplatz, worauf wohl auch die „Mariennamen“ der Engelwurz zurückzuführen sind. Und so durfte die Engelwurz auch in keinem Kräuterwisch fehlen.
Angelica hat ihre ursprüngliche Heimat in ganz Nordeuropa, Russland und Mittelasien. Im 12. Jahrhundert haben sie die Mönche in Deutschland eingeführt und bauten sie in ihren Klostergärten an. Inzwischen ist die Engelwurz in ganz Europa verbreitet, wildwachsend in feuchten Wäldern und Wiesenauen und als Zierpflanze in Gärten angebaut.
Der „Engel auf Erden“ schützte bei Pest, vor Unholden und Gnomen. So wurde seine süß riechende Wurzel an der Haustür aufgehängt, um alle bösen Geister vom Haus und seinen Bewohnern abzuhalten. Angelica hat wirklich einen engelhaften süßen Duft, so dass die Wurzel beim Trocknen viele Insekten anzieht. Ein engmaschiges Netz darüber gebreitet, verhindert beim Trocknen den Fliegenbefall. Der süße Duft der Wurzel mag auch zur Namensgebung „Mariensüß“ beigetragen haben.
Der auffallend große Doldenblütler hat zahlreiche kleine Döldchen, die zu großen Dolden zusammenstehen. Der Stängel ist hohl, etwas gerillt, im oberen Bereich purpurrot angelaufen. An den Blattansätzen sind große, bauchige Blattscheiden, ein untrügliches Kennzeichender Pflanze. Die Blätter riechen beim Zerreiben angenehm würzhaft. Der dicke verzweigte Wurzelstock reicht wie eine Pfahlwurzel tief in den Boden hinein. Samen und Wurzeln liefern ein ätherisches Öl, das in der Parfüm-, Kosmetik- und Alkoholindustrie sehr geschätzt wird.
Der Marienbote enthält in allen Teilen ein stark riechendes, ätherisches Öl, Bitter- und Gerbstoffe. Hinzu kommen Angelika- und Baldriansäure, die besonders stark in der Wurzel gespeichert sind. Die aromatischen Blätter finden als Gewürz Verwendung, frisch auch als Salat und gekocht als Gemüse. Sie werden vor der Blüte geschnitten und getrocknet. Sie wirken bei stressbedingten Magenbeschwerden. Zur Verdauungsförderung kommt eine starke Schweißtreibung und Entwässerung hinzu, so das der Teeaufguss auch bei Erkältungskrankheiten eingesetzt werden kann.
Ein Anbau im Garten lohnt sich, wobei die Pflanze einen nährstoffreichen und feuchten Boden in der Nähe von Sträuchern liebt. Drei bis vier Jahre lang überlebt die Pflanze, so dass man frühzeitig für Nachschub sorgen muss. Entweder besorgt man sich Wurzelstöcke im Wald oder kauft frisches Saatgut in einem Gartencenter.
Von besonderer Bedeutung ist die Wurzel, die im Herbst des ersten Jahres ausgegraben wird. Nach sorgfältiger Reinigung wird sie der Länge nach gespalten und zum Trocknen im Schatten aufgehängt. Als Gewürz wird die Engelwurz ähnlich wie Nelken verwandt. Bedeutsamer ist sie als Tee. Dafür werden ein bis zwei Teelöffel der Droge mit ¼ Liter kaltem Wasser übergossen, anschließend erhitzt, drei Minuten gekocht und noch zwei Minuten ziehen gelassen. Der Tee ist ein hervorragendes Mittel bei Blähungen im Magen- und Darmbereich. Er regt auch die Gallensekretion an und fördert die Wasserausscheidung. Der Name „Brustwurz“ erinnert daran, dass der Tee auch bei Husten und Bronchialverschleimung Anwendung findet. Der Marienbote ist auch die beste Anti-Stress-Pflanze bei nervösen Magenbeschwerden. Im Wechsel mit einem Schachtelhalmbad ist ein Angelika-Bad bei Hämorrhoiden zu verwenden. Es hilft auch bei Rheuma. Dazu nimmt man 100 Gramm der Wurzeldroge, übergießt mit 1 Liter Wasser, erhitzt zum Sieden, kocht noch 15 Minuten lang weiter und gibt die abgeseihte Flüssigkeit einem Vollbad zu. Man halte sich bei der Anwendung der Angelika genau an die vorgeschriebene Dosierung. Überdosierungen können zu schädlichen Nebenwirkungen führen. Die übermäßige Verwendung der Wurzeldroge führt zu echten Vergiftungen, sie führt zu Lähmungen des zentralen Nervensystems.
In der Küche werden die jungen grünen Stängel in kandierter Form zur Verzierung von Kuchen gebraucht. Aber auch die ganze Pflanze wird in nordeuropäischen Ländern als Gemüse gegessen. Sehr gut passt ihr Aroma auch zu Rhabarber und Orangenmarmelade.
Auch einen Likör kann man aus der Engelwurz herstellen. Man nimmt ein bis zwei Handvoll frische oder getrocknete Wurzeln und lässt sie eine Woche in einem Liter Branntwein an der Sonne stehen. Anschließend wird abfiltriert und mit einem Pfund Zucker oder Honig gesüßt. Der Likör ist ein ausgezeichnetes Magen-Darm-Mittel und steigert den Appetit.
Rezepte mit der Engelwurz:
Grüner Engelwurzsalat
Zutaten: 60 g junge geschälte Engelwurztriebe, 40 g Äpfel, 40 g Sellerie, 20 g Mayonnaise, essig, Salz und Pfeffer nach Geschmack.
Zubereitung: Die Engelwurztriebe, Äpfel und den Sellerie in feine Streifen schneiden, untereinander mengen und mit Mayonnaise und Gewürzen anrichten. Mit gehacktem Dill bestreuen.
Gebratene Engelwurzblütenknospen
Zutaten: 100 g noch nicht geöffnete Blütenknospen, 20 g Semmelmehl, 10 g zerlassene Butter.
Zubereitung: Die noch nicht geöffneten Blütenknospen in Salzwasser kochen, mit Semmelmehl bestreuen und in der Butter braten. Als selbstständige Speise oder als Beilage zu Fleisch servieren.
Apfelmarmelade mit Engelwurz
Zutaten: 3000 g kleine Äpfel, 300 g Engelwurzwurzeln, 3 Liter Zuckersirup.
Zubereitung: Die gewaschenen und zerkleinerten Engelwurzwurzeln 30 Minuten in Zuckersirup kochen. Danach kleine Äpfel mit den Stielen hineingeben und die Marmelade fertig kochen.
Die Marienbraut Rosmarin, Sinnbild der Jungfräulichkeit Marias
Rosmarin, das klingt ein wenig verstaubt, ein wenig großmütterlich. Der Name erweckt vielleicht Erinnerungen an einen feien, fernen Duft, der in der Nähe des Lavendels liegt. Es könnte auch sein, dass uns der Vers unserer Kindheit „Guten Tag, Herr Gärtnersmann, haben Sie Lavendel, Rosmarin und Thymian, und rein wenig Quendel …?“ einfällt, an den wir lange nicht gedacht haben. „Tau des Meeres“ heißt die Pflanze, wenn wir ihren Namen vom lateinischen „ros marinus“ ableiten. Darin steckt eine poetische Beschreibung der Feuchtigkeit, die sich an den Küsten des Mittelmeeres während der Nacht niederschlägt oder als leichter Sprühnebel vom Meer herüberweht. Küstenregionen eignen sich besonders gut für den Rosmarin (Rosmarinus officinalis), ein aromatischer immergrüner Lippenblütler mit typisch mittelmeerischer Verbreitung. Die Pflanze war schon in der Antike bekannt und wurde sowohl in die Siegeskränze zusammen mit Myrte und Lorbeer gewunden als auch medizinisch gebraucht.
Bei den Griechen war Rosmarin vornehmlich Kultpflanze. Sie glaubten, den Göttern gefalle ein Rosmarinkranz besser als einer aus Gold. Die Pflanze mit dem kampferartigen Duft war Aphrodite geweiht, der griechischen Göttin der Liebe. Auch in der Geschichte unseres Volkes hatte die „Rosemarie“, die „Marienbraut“, das „Marienkraut“, das „Brautkraut“, der „Marienmaien“, der „Hochzeitsmaien“, das „Brautkleid“, das „Weihrauchkraut“ oder die „Röselimarie“, wie die Pflanze im Volksmund auch genannt wird, eine besondere Stellung. Sie fand einerseits als Heilpflanze und Küchengewürz, andererseits als Brautpflanze und im Liebeszauber vielfache Anwendung. Noch heute sind Rosmarin wie Myrte Sinnbilder der Jungfräulichkeit und so nennt man das Rosmarin auch im Volksmund „Marienbraut“, „Marienkraut“ oder „Marienkränzel“. Und tatsächlich waltet hier eine gewisse Symbolik. Rosmarin ist, wie neue medizinische Forschungsergebnisse zeigen, ein typisches Frauenmittel, das eine hormonartige Wirkung hat und gerne bei Zyklusstörungen und Regelbeschwerden verordnet wird.
Rosmarin, die alte Hochzeitspflanze, taucht aber auch bei Taufe und Begräbnis auf. Bei der Hochzeit wurde sie für den Brautkranz verwendet, Bräutigam und Braut schmückten sich mit Rosmarinsträußchen. Rosmarin, Symbol der Liebe, der germanischen Göttin Hulda heilig, gehörte zu den Lebensruten, galt des starken Geruchs wegen als ein vorzügliches Mittel, Hexen zu vertreiben. Das Wachsen und Welken des Rosmarinstockes, der für die Hochzeit gepflanzt wurde, bedeutete Gedeih oder Verderb in der Zukunft. Oft wurde das bei der Hochzeit getragene Rosmarinzweiglein nach dem Fest als Steckling in einen Blumentopf gepflanzt. Schlug es Wurzeln und blühte weiter, so galt das als ein gutes Zeichen für eine lange Ehe. Der Rosmarinkranz mit seinen immergrünen Zweigen, Symbol von Segen und Lebenskraft, wurde auch als Advents- und Weihnachtsschmuck verwendet.
Im österreichischen Alpenland trugen sogar beide Brautleute den Rosmarinkranz, und mit ihm machte man gleich nach der Trauung eine bedeutsame Probe. Gelang es der Braut, dem Herrn und Gebieter den Kranz vom Kopf zu nehmen, dann war das seine Hausherrenschaft ein schlechtes Omen. Es lässt sich nicht leugnen, dass die abwehrenden Kräfte der aromatischen „Marienbraut“, wie das Rosmarin gerne genannt wird, nicht nur gegen böse Geister eingesetzt wurden oder nur Schutzkräfte der Ehe symbolisierten. Vielmehr traute man ihnen auch zu, solchen Geschehnissen entgegenwirken zu können, die an sich gut, nur eben nicht zu allen Zeiten erwünscht sind. Solches Zutrauen war Grundlage verbreiteten Brauchtums, sinnbildhafter Verwendung, wie wir sie nicht zuletzt aus vielen Versen kennen. Sogar Kinderlieder sprechen es aus, was ein Mädchen, das dem Geliebten gegenüber nicht immer hart und standhaft bleiben konnte, von Thymian und Rosmarin erwartete:
„Rosmarin und Thymian
wächst in meinem Garten.
Jungfer Ännchen ist die Braut,
kann nicht länger warten.
Roter Wein und weißer Wein,
morgen soll die Hochzeit sein.“
In Belgien gilt der Rosmarin als Symbol des Lebens; hier bringt nicht der Storch die kleinen Kinder zur Welt, sondern sie werden aus einem Rosmarinstrauch geholt. Auch in Zukunftsfragen konnte man sich an dieses Pflänzchen wenden: In Böhmen stellten sich die Burschen an fließendes Wasser und warfen Rosmarinzweige hinein; etwas tiefer am Bach standen die Mädchen. Wer nun mit viel Geschick ein Zweiglein auffing, wurde die künftige Braut. Nur träumen durfte man nicht davon: „Ich hab’ die Nacht geträumt wohl einen schweren Traum, es wuchs in meinem Garten ein Rosmarinbaum.“ In Baden steckten sich junge Eheleute gegenseitig Rosmarin in die Kleider oder nähten sie ins Hutfutter. Er soll dem anderen helfen, die Treue zu bewahren.
Kräutermönche brachten einst die „Marienbraut“ aus dem Mittelmeergebiet zu uns. Karl der Große förderte den feldmäßigen Anbau der Heilpflanze, doch sie wurde auch wild gesammelt (Feldthymian = Quendel). Der Jesuit Friedrich von Spee (1591 – 1635) aus dem Geschlecht der Spee von Langenfeld, der als Moraltheologe mutig den Hexenwahn bekämpfte, verewigte den Rosmarin und seine Kraft in seiner Sammlung geistiger Lieder: „Nur wenige Kräuter kommen ihm gleich.“ August Friedrich Christian Vilmar (1809 – 1868) dichtete: „Wir haben sie gekränzet mit Rosmarin, weil sie soll Braut und Jungfrau sein …“ Vielleicht soll der zugleich beruhigende und belebende Effekt der Pflanze das Liebesglück der Braut beständig halten.
Ein spätes Liebesglück mit Hilfe des Rosmarins fand angeblich auch Elisabeth, Königin von Ungarn. Nach einer Legende aus dem 16. Jahrhundert gab ihr ein Engel ein Rezept, das aus in Alkohol destillierten Rosmarinzweigen bestand. Man nannte es später das „Wasser der Königin von Ungarn“. Mit seiner Hilfe soll es der 72jährigen Elisabeth gelungen sein, temperamentvoll „wie eine Junge“ den König von Polen zu verführen, der sie daraufhin – leidenschaftlich verliebt – zur Frau nahm. Das berühmte „Aqua Reginae Hungariae“ soll auch dazu beigetragen haben, die Königin von ihren Gelenkschmerzen zu heilen.
Leider kann die frostempfindliche Pflanze in unseren Breiten nur während des Sommers draußen gehalten werden. Vor dem ersten Nachtfrost müssen die Töpfe oder Kübel zur Überwinterung ins Haus. Sie sollen sehr hell und möglichst kühl, bei Temperaturen dicht über zehn Grad, stehen. Manchmal eignet sich ein heller Kellerraum zur Aufbewahrung, wo man die Pflanzen dicht ans Fenster stellt. Während des Winters ist nicht zu düngen und nur sparsam zu gießen.
Rosmarin hat viele kulinarische Verwendungsweisen. Die Blätter und jungen Triebe sind voller Aroma. In Südeuropa ist es eines der verbreitesten Küchenkräuter. Frisch oder getrocknet, verfeinert es Lammbraten, Wild, Geflügel, Kaninchen, Fisch, Muscheln, Kalb- und Hackfleisch. Es passt aber auch zu Pizza, Pilzen, Gemüse, Tomaten, Saucen, Suppen und Kartoffeln. Das ätherische Rosmarinöl wird besonders in der Kosmetikindustrie zur Parfümherstellung verwendet.
Zur medizinischen Anwendung werden die Blätter und Triebspitzen während des Blühens gesammelt. Den Tee als Aufguss der Blätter nimmt man bei nervösen Herzbeschwerden, bei Stress, Appetitlosigkeit, Kreislaufschwäche, niedrigem Blutdruck, bei Regelbeschwerden und allgemeiner körperlicher Schwäche. Überdosierungen mit Rosmarin sind zu vermeiden. Sie können zu Rauschzuständen und Krämpfen führen.
Rosmarintinktur nimmt man äußerlich zum Einreiben bei Rheuma, Nervenschmerzen und Migräne, innerlich bei Kreislaufschwäche und nervösen Herzbeschwerden. Bei allen Schwächezuständen, nach schweren Krankheiten und im hohen Alter zeigt Rosmarin seine anregende und belebende Wirkung. Nach Pfarrer Kneipp ist es das Tonikum für alte Menschen. Rosmarin findet man auch in Präparatenfür die Mund- und Zahnpflege. Hier wird die antiseptische und desinfizierende Wirkung seines ätherischen Öles besonders geschätzt. Dieses ist übrigens auch Bestandteil des Kölnischen Wassers. Auch Rosmarinwein ist geschätzt. Man nimmt dafür auf einen Liter Weißwein eine kleine Handvoll Rosmarinblätter, lässt beides einige Tage unter gelegentlichem Umrühren stehen und filtriert dann ab. Einen beruhigenden und belebenden Effekt zugleich haben Rosmarinbäder. Dazu wird ein Aufguss von 50 Gramm Blättern auf einen halben Liter Wasser gemacht und dann dem Bad zugesetzt.
Rosmarin – Marienbraut – Tau des südlichen Meeres! Die Astrologen ordnen die Pflanze dem Planeten Sonne zu, von ihr wird sie regiert. Von daher wird der wärmende Einfluss auf das Herz verständlich, die anregende Wirkung auf Geist und Nerven.
Rose des Meeres
Rosmarin, Tau des südlichen Meeres,
Liebesengel des himmlischen Heeres!
Du bist wohl einer Circe gleich,
betörend, duftvoll und im Herzen reich.
Rosmarin, lass mich träumen von ewiger Liebe,
schenk mir hehre Gefühle und Triebe!
Ich atme den Duft deiner Blüten ein,
du labest mich mit Rosinen und Wein.
Aromatisch wie die stolzen Rosen,
lass ich mich von deinem Flair liebkosen.
Schamhaft wie eine Braut in der Hochzeitsnacht,
verzückst du meine Seele sacht.
(Dieter Kremp)
Das „Marienbräutli“ Viola – Sinnbild der Sittsamkeit und Bescheidenheit
Nicht die Schlüsselblume, sondern das Veilchen Viola ist zum Symbol des zeitigen Frühlings geworden. Trotz seiner sprichwörtlichen Zurückhaltung, Sinnbild der Sittsamkeit und Bescheidenheit, der Demut und der Jungfräulichkeit, gibt das Märzveilchen in der Duftmusik der Frühblüher den Ton an, obgleich die mit größeren Nahrungsspeichern begünstigten Blumenzwiebeln oft schon früher ihre Sprossen recken und es auch an Größe und Auffälligkeit des Flors übertreffen. So reiht sich auch das „sittsame, demütige“ Veilchen in die Reihe der Marienblumen ein, trägt es doch im Volksmund auch den Namen „Marienbräutli“.
Wenn wir uns an die Veilchenplätze in den Wäldern unserer Kindheit ins Gedächtnis zurückrufen, wird uns inne, welch starken Eindruck auch bescheiden gebückte Winzigkeit hervorrufen kann, wo es in Massen auftritt. Das war in der milden Märzsonne schon eine betörende Duftwolke, die aus den wirren Gräserhaaren der erwachten Erde aufstieg, wenn man das Veilchenfeld unter den Haselsträuchern pflückte, ohne dass sich seine Fülle vermindert hätte.
Das Märzveilchen oder „Wohlriechende“ Veilchen (Viola odorata) weckt – außer der Rose vielleicht –die meisten romantischen und poetischen Gedankenverbindungen aller Blumen. Der griechische Dichter und Arzt Nikandros bemerkte, dass die Nymphen von Ionien dem Jupiter ihre Liebe gestanden, indem sie ihm ein Veilchen schenkten. Oder wurde „Viola“ nach Io, der Geliebten Jupiters genannt? Er verwandelte die schöne, sittsame Nymphe Io in eine Kuh. Danach schossen Veilchen aus der Erde, um sie zu ernähren.
Die Blume der Liebenden ist das Veilchen geblieben. Ihre Sprache ist die Botschaft der Zärtlichkeit, nicht der drängenden, begehrenden Liebe.
Wollte man Venus, die Göttin der Liebe, ins Brautgemach laden, dann würde das Bett im Frühling mit Veilchen geschmückt. Duft und Farbe der blauvioletten Blüten üben offenbar eine aphrodisierende Wirkung aus.
Das Veilchen konkurriert mit dem Vergissmeinnicht als „blaue Blume“ der deutschen Romantik. Die bei Novalis genannte blaue Wunderblume symbolisiert die Sehnsucht des Menschen nach der Erfüllung verborgener Wünsche. Die blaue Blütenfarbe weist demnach auch auf das Himmelsblau des kommenden Sommers hin.
So trägt denn auch das Veilchen in den deutschen Landen verschiedene Volksnamen, die auf die Beliebtheit und Verwendung der „blauen Wunderblume“ hinweisen: Marienblümchen, Marienstängel, Marienduft, Marienbräutli, Duftengelchen, Schwalbenblume, Veicherl, Veieli und Osterveigerl. Die Bezeichnung „Marienbräutli“ weist darauf hin, dass Brautkränze aus Veilchen (Marienblumen) geflochten wurden.
Schon im Altertum war das Veilchen beliebt; man flocht aus ihm Kränze, mit denen man sich bei Festlichkeiten und Orgien schmückte, um sich vor Kopfschmerzen, verursacht durch Trunkenheit, zu schützen. Die Bilder der Hausgötter wurden mit Veilchen geziert, und noch bei manch anderen Bräuchen spielte das Veilchen eine Rolle.
Veilchen haben früher in den Frühlingsbräuchen auf dem Lande eine besondere Rolle gespielt. Das erste Veilchen wurde hoch geehrt; es durfte nur vom sittsamsten und schönsten Mädchen gepflückt werden. Wer das erste Veilchen des Jahres fand, durfte sich etwas wünschen. Und wenn der Frühling einzog, ging der Wunsch in Erfüllung. In den Dörfern wurde das erste Veilchen auf eine Stange gesteckt und umtanzt.
Dass Veilchen die „Duftnote zum Frühling“ sind, beschreiben auch die deutschen Dichter. Goethe spricht: „Ein Veilchen auf der Wiese stand, gebückt in sich und unbenannt. Es war ein herzig Veilchen.“ Und Theodor Storm ergänzt: „Die Kinder haben die Veilchen gepflückt, all, all, die da blühen am Mühlengraben. Der Lenz ist da; sie wollen ihn fest in ihren kleinen Fäusten haben.“ Aber am schönsten träumt Eduard Mörike von den Veilchen im Frühling:
„Frühling lässt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen.“
Das bescheiden am Boden kauernde Frühlingskind hat nicht nur viele, sondern auch erlauchte Verehrer gehabt. Gäbe es eine Geschichte in Blumenepochen, dann könnte das Veilchen einige Kapitel darin für sich beanspruchen.
Sanftmut, Demut und Sittsamkeit scheinen im Veilchen Viola verkörpert zu sein; deshalb wurde es auch ein Symbol der Jungfrau Maria. Früher war es als kultischer Schmuck beliebt: mit Rosmarin zusammen im Mai für die Bildnisse der Hausgötter bei den Griechen, für die Bilder der Muttergottes und die römischen Bacchantinnen banden es um ihre Stäbe. In Athen wurde das Veilchen zur Modeblume, so sehr, dass sich die anderen Griechen über das „veilchenduftende Athen“ und die „veilchenbekränzten Athener“ lustig machten. Homer weiß Rühmliches von ihm: Es wuchs auf den Matten vor der Grotte der Kalypso, die den umherirrenden Odysseus so lange Jahre umgarnt hielt. Es stand dort so reizend, dass selbst der immer eilige Götterbote Hermes verweilte, um den dunkelblauen Teppich zu bewundern.
Aphrodite, Miss Olymp für unbestimmte Zeit, bekam auch reichlich Veilchen verehrt und dazu den Beinamen „die Veilchenbekränzte“, was dunkelhaarig bedeutet. Vielleicht gab es auch schon bläuliche Haare?
Josephine Beauharnais liebte die Marienblümchen so sehr, dass sie sich bei ihrer Hochzeit mit Napoleon als Blumenschmuck nur einen Veilchenstrauß wünschte. Ihr Festkleid wurde mit Veilchen bestickt. Napoleon vergaß das nie, und jedes Jahr zum Hochzeitstag bekam Josephine ihren Veilchenstrauß, selbst dann, wenn der Gemahl auf dem Kriegspfad war. Dennoch opferte Napoleon die Kapitänstochter Josephine der Staatsraison und setzte eine Prinzessin an ihre Stelle. Doch als Josephine starb, da lag auf ihrem Sarg, auf weißseidenem Kissen, ein frischer Veilchenstrauß.
Die Dichter, und nicht nur sie, haben bemerkt, dass das Veilchen seine Farbe unverändert beibehält, bis es verblüht. Deshalb wurde es auch zum Sinnbild für Treue und Freundschaft. Auch die größeren Violen, die Stiefmütterchen, mit ihren melancholischen Gesichtern, gelten als Zeichen von Innigkeit und Treue.
Im duft des Veilchens mischen sich sinnliche Reize – deshalb Liebesduft und Geistiges. Frauenschönheit zu erhöhen, ist das Veilchen wohl imstande.
Ob es wohl noch jemanden gibt, der es Goethe gleichtut? Er liebte Veilchen sehr, trug oft Veilchensamen in der Rocktasche und verstreute diesen bei Spaziergängen rechts und links des Weges.
Auch im Aberglauben unserer Vorfahren spielte das Veilchen eine große Rolle. Das 16. Jahrhundert erzählt von der Bedeutung des Veilchens in der Liebe: Ein Mädchen, das heimlich einen Mann liebt, der sie nicht beachtet, soll ihm ein Veilchen in den Schuh stecken; dadurch wird er gezwungen, ihr sieben Tage nachzugehen. Diese Zeit kann sie dann nützen, um seine Liebe zu gewinnen. Oder: Befestigt ein Mädchen ein Veilchen über seiner Tür, dann wird es vom ersten Manne, der eintritt, geheiratet werden. Als Amulett um den Hals getragen, macht es den Träger bei allen Leuten beliebt. Dem Veilchen wird nachgesagt, es wirke sich, wenn man am Abend einen Tee davon trinke, besonders auf die Träume aus, und erzeuge besonders schöne und angenehme Traumbilder, in denen es den zukünftigen Mann sehe. Wegen seiner violettblauen Blüten war das Veilchen auch ein Symbol des Himmels. Warf man im Frühling ein Veilchen in den blauen Himmel, so bedeutete das auch ein schöner Frühling. Als Liebesrezept bestens empfohlen: Trage ein Veilchen mit der Wurzel in einem violetten seidenen Tüchlein bei dir, so bist du allen lieb und angenehm. Ein Mädchen soll die Erde aufgraben, wo der Mann ihrer Wahl seine Fußspuren hinterlassen hat. Die Erde wird nun in einen Topf gebracht und das Veilchen hineingepflanzt. Wenn dann die Blume blüht, wird sich auch die Liebe des Mannes entfalten, ob er nun will oder nicht.
Die medizinische Verwendung des Veilchens war bereits Hippokrates und Plinius sowie der heiligen Hildegard von Bingen bekannt. Sie beruht hauptsächlich auf dem Gehalt an Salicylsäure und Saponinen. Die auswurffördernde, schweiß- und harntreibende, schleimlösende Pflanze wird bei Erkrankungen der Luftwege, besonders bei Bronchitis und Keuchhusten verwendet. Zur Teezubereitung nimmt man Blüten und Blätter des Veilchens.
Zur Herstellung eines Brustsirups für Kinder nimmt man 150 Gramm Blüten, die man in einem Liter Wasser kurz aufkocht, zehn Minuten ziehen lässt und absiebt. Im Sud löst man ein Kilogramm Honig oder Zucker auf. Der fertige Sirup hat eine leicht violette Färbung.
Romantisch veranlagte Bräute oder Hausfrauen verwenden das Marienbräutli zur Herstellung einer Hochzeits- oder Frühlingsbowle. Man nimmt eine Tasse voll Blüten, den Saft von zwei Orangen und einen Liter Weißwein. Das lässt man zwei Stunden ziehen und filtriert ab. Zusätzlich löst man 100 Gramm Zucker auf und belebt die Bowle vor dem Servieren mit einem Liter eisgekühltem Schaumwein. Duft und Geschmack der Veilchenbowle erzählen von jungem Glück und künden den Frühling an.
In der Homöopathie nimmt man die Dilutionen D 3 bis D 6 bei Ohrenschmerzen, rheumatischen Gelenkerkrankungen, Asthma und Keuchhusten.
Leckere Gerichte mit Veilchen
Veilchen-Essig
Dazu nimmt man drei Handvoll Veilchenblüten und ½ Liter Weißweinessig.
Zubereitung: Bei den Veilchenblüten die Stiele entfernen. Die Blüten in eine Flasche geben. Essig darübergießen. Die Flasche verkorken und 14 Tage in der Sonne stehen lassen. Dann den Essig abfiltrieren und in einer gut verschließbaren Flasche aufbewahren.
Frühlingsblütensalat
Dazu nimmt man 30 Gramm Veilchenblüten, 30 Gramm Gänseblümchenblüten, 5 Gramm Öl, 10 Gramm saure Sahne, 1 hartgekochtes Ei, 30 Gramm gekochter Schinken, Essig, Salz, Kerbel, Zitronenmelisse und Pfeffer.
Zubereitung: Veilchen- und Gänseblümchenblüten etwas hacken und mit gewürfeltem Schinken und Ei mischen. Eine Marinade aus Essig, Öl, saurer Sahne bereiten, mit den Kräutern würzen und unter den Salat ziehen.
Veilchenlikör
Dazu braucht man 0,5 Liter Doppelkorn, 0,3 Liter Veilchenblütensirup, 100 Gramm Veilchenblüten.
Zubereitung: Gut ausgelesene Veilchenblütenköpfe mit Doppelkorn übergießen und etwa vier Wochen lang stehen lassen. Den Likör nach Geschmack mit Veilchenblütensirup süßen.
Veilchensirup
Dazu braucht man 300 Gramm Veilchenblütenköpfe, 750 Gramm Zucker, 1 Zitrone, 1 Liter Wasser.
Zubereitung: Die Veilchenblütenköpfe in kochendem Wasser aufbrühen. Der Ansatz bleibt fünf Stunden gut verschlossen stehe n. Das Wasser abgießen, aufkochen, erneut auf die Blüten gießen und wieder mehrere Stunden ziehen lassen. Diesen Vorgang noch einmal wiederholen. Dann die Flüssigkeit abgießen und die Blüten ausdrücken. Den gewonnenen Rohsaft mit Zucker und Zitronensaft aufkochen, entschäumen und bis zur Sirupkonsistenz reduzieren.
Viola und Maya
Wohlriechend an dem Waldesrain,
im Moos versteckt,
ganz zart und klein,
ein Veilchen reckt
sein Hälschen hoch,
nach süßem Dufte roch.
Es ziert sich wie ein himmlisch Kind,
und schaukelt wie ein Schmetterling
im lauen Frühlingswind.
Viola streckt sein Näschen hoch in Sicht
und blinkt mit seinem Angesicht
dem schönen Mädchen freudig zu:
„Wer bist denn du?“
„Ich bin die Maya, deine Schwester.
Kennst du mich nicht?“
Das Veilchen spricht:
„Du bist mein kleines Schwesterlein?
Ach, dsas ist fein!“
Die beiden schlendern Hand in Hand,
geschmückt mit einem Blumenband
und einem blauen Festgewand
durch das blütenreiche Land.
(Dieter Kremp)
Veilchen im Glück
Ein Veilchen auf der Wiese stand,
gebückt am nahen Waldesrand.
Ein kleines Mädchen es da fand.
Das Veilchen spricht:
„Ich schenk dir Freude immerdar.
Lass mich in deinem Zimmer blüh’n,
dann werd ich strahlen und erglüh’n.
Ich bring dir Freud und Sonnenschein
In dein junges Leben ein.“
Das Mädchen pflückt das Blümelein
und stellt es in die Vase ein.
Es träumt das ganze Jahr vom Glück,
von Blumen, Blüten und von Freuden.
Es hört die Osterglocken läuten
und denkt: Du hast dein Wort versprochen.
„Hab Dank, du liebes Blümelein,
für deine hehre Himmelsgabe,
daran ich mich nun immer labe.“
(Dieter Kremp)
In den Blättern der Mariendistel ist die Milch der Jungfrau
Maria
Die Mariendistel (Silybum marianum) war als Heilpflanze schon in der Antike bekannt. Ihr Name gründet auf einer Legende, die besagt, dass die weißen Flecken auf den Blättern von der Milch der Gottesmutter Maria entstanden, die an den Blättern herunter gelaufen ist. Maria war mit dem Jesuskind und Joseph auf der Flucht vor Herodes unterwegs nach Ägypten und hatte ihr Kind unter den Disteln gestillt. Bei uns trägt die Pflanze den Namen „Mariendistel“. Doch auch der englische Name spielt auf die besagte Milch an – dort heißt die Mariendistel nämlich „Milk thistle“, also „Milchdistel“. Daher wurde früher die Pflanze stillenden Müttern empfohlen. Traditionell angewendet wurde sie auch bei Verdauungsbeschwerden wegen einer Lebererkrankung.
Außerdem ist die Mariendistel im Zusammenhang mit der Milch-Interpretation ein Beispiel für die durch Paracelsus gegründete mittelalterliche Signaturenlehre, welche besagt, dass das äußere Erscheinungsbild einer Pflanze darauf hinweist, welche Leiden mit ihrer Hilfe geheilt werden können. Die Mariendistel wird nämlich traditionell erfolgreich zur Anregung des Milchflusses bei stillenden Müttern eingesetzt. Im Volksmund trägt die Mariendistel verschiedene Namen. So heißt sie auch Christi Krone, Marienkörner, Marias Milch, Heilandsdistel, Frauendistel und Fieberdistel.
Die Mariendistel wächst wild an Wegrändern und Weiden, auf Ödland und an Bahndämmen. Sie wird aber heute vor allem in Gärten als wunderschöne Zierpflanze angepflanzt. Sie blüht von Juni bis August mit purpurroten Blütenköpfen. Die Wirksubstanz, das Silymarin-Gemisch, ist nur in der Schale der Samen konzentriert. Andere Pflanzenteile enthalten die Wirkstoffe nicht. Silymarin besteht aus sekundären Pflanzenstoffen, vor allem Flavonoiden, die die Leber nicht nur bei Vergiftungen unterstützen. Auch Folgen bestimmter Medikamente, von Virusinfektionen und radioaktiver Bestrahlung werden unschädlich gemacht. Andere Inhaltsstoffe sind Tyramin, Histamin und ätherische Öle. Das Silymarin wirkt auch regenerativ bei der gerade heute so verbreiteten Fettleber. Die akute Hepatitis, die oft mit Gelbsucht einhergeht, befällt die Menschen epidemisch. Sie hinterlässt schwere Dauerschäden, wenn der Patient seine Leber nicht schützt, indem er sich richtig ernährt und Alkohol strikt meidet, bis die vom Arzt vorzunehmenden Blutuntersuchungen über längere Zeit normale Werte liefern und somit eindeutig die Gesundung der Leber beweisen. Überernährung und übermäßiger Alkoholgenuss führen aber auch ohne vorhergehende Leberentzündung meist zur Leberverfettung, das heißt zu einer Zerstörung eines großen Teils der Leberzellen. Hier bewährt sich die Mariendistel als unschädliches leberspezifisches Pflanzentherapeutikum.
Früher galt eine Vergiftung durch Knollenblätterpilze als sicheres Todesurteil. Heute können die Ärzte in vielen Fällen helfen. Möglich macht es das Silymarin in der Mariendistel. Pilzliebhaber leben gefährlich. Jedes Jahr vergiften sich in Deutschland Dutzende unerfahrener Sammler mit Knollenblätterpilzen, die sie meist für eine n Champignon gehalten haben. Kein anderer Pilz fordert mehr Opfer. Durch die Fortschritte der Medizin können jedoch immer mehr Menschen mit einer Knollenblätterpilz-Vergiftung gerettet werden. Noch vor 30 Jahren starb die Hälfte von ihnen. Heute liegt die Todesrate bei zehn Prozent. Die meisten Menschen, die versehentlich Knollenblätterpilze verspeisten, verdanken ihr Überleben heute der Mariendistel. Seit den 80er Jahren gibt es ein Gegengift, das aus den Samen der Mariendistel gewonnen und per Infusion verabreicht wird.
Molekularbiologen haben in den vergangenen Jahren aufgeklärt, worauf die Wirkung des Silymarins gegen Knollenblätterpilze beruht. Das Pilzgift schädigt vor allem die Leberzellen, weil res im Zellkern ein Enzym blockiert, das die Erbinformationen ausliest. Es stoppt so den Stoffwechsel, und die Zelle stirbt. Silymarin aktiviert die Bildung neuer Enzyme, so dass die Leberzelle ihre Aktivität wieder aufnehmen kann. Das durch das Pilzgift geschädigte Organ kann sich regenerieren. Mittlerweile haben Tierstudien ergeben, dass Mariendistel-Extrakte die Leber auch vor anderen Giftstoffen schützen können, darunter Alkohol und Tetrachlorkohlenstoff. Auch eine überstandene akute Hepatitis wird erfolgreich mit Mariendistel-Tee nachbehandelt.
So wird ein Mariendistel-Tee bereitet: 1 Teelöffel Mariendistelfrüchte wird mit ¼ Liter kochendem Wasser übergossen, 10 bis 20 Minuten ausgezogen und abgeseiht. Der Tee wird heiß und schluckweise getrunken, morgens nüchtern, ½ Stunde vor dem Mittagessen und abends vor dem Schlafengehen jeweils 1 Tasse. Der Tee kann mit Pfefferminz-Tee gemischt werden. Dadurch erreicht man nicht nur eine Geschmacksverbesserung, sondern in manchen Fällen auch eine Wirkungssteigerung.
Maria durch den Dornwald ging … Die Mariendistel entgiftet die Leber
„Da sprach Gideon: Wohlan, wenn der Herr den Sebach und den Zalmunna in meine Hand gibt, so dresche ich euer Fleisch mit Wüstendorn und Stacheldisteln.“ (Richter 8, 7). „Und er ließ die Ältesten der Stadt greifen, nahm Wüstendorn und Stacheldisteln und zerdrosch damit die Männer von Sukkoth.“ (Richter 8, 16). So steht es in der Bibel über die Stacheldisteln, dornige Vertreter der Familie der Korbblütler. Dazu gehören die Mariendistel und die Kugeldistel. Diese schlanken, dornigen Pflanzen wurden vermutlich als Peitschen verwendet.
In Gärten als Zierpflanze, in Kräuterfarmen feldmäßig in großen Kulturen, wird die Mariendistel (Silybum marianum) bei uns angebaut. Diese wunderschöne, große Distelart ist eigentlich in den Mittelmeerländern und im Orient zu Hause, fühlt sich aber auch in unseren Gärten recht wohl, wenn wir ihr einen warmen, sonnigen Platz reservieren. Die Vermehrung erfolgt durch Aussaat des Samens im April, nachdem man den Boden mit reifem Kompost vorbereitet hat. Nach vier bis sechs Wochen ist eine Auslichtung notwendig, da die Samen im Sommer schnell wachsen und mit einer Wuchshöhe von etwa 1,50 Meter viel Raum beanspruchen.
Nach der Sage hat die Mariendistel ihren Namen von den auffälligen weißen Streifen auf den Blättern. Die sollen von der Milch der Muttergottes herrühren, die sie verlor, als sie Jesus vor den Verfolgern des Herodes retten wollte.
In ihrer Jugend wirkt die Mariendistel besonders dekorativ mit ihren großen, stark gewellten, dornig gezähnten, grün-weiß marmorierten Blättern, im Hochsommer mit ihren purpurroten Blüten oder amethyst-farbenen Blütenköpfen, die einzeln an den Stängelspitzen sitzen und von einem derben Stachelkranz umgeben sind. Aus dem befruchteten Körbchenblütenstand entwickeln sich viele hartschalige schwarze Früchte, die eine seidige Haarkrone tragen. Bei der Samenreife im August und September wird die Haarkrone meist völlig abgeworfen. Während der Blütezeit fliegen Hunderte von Schmetterlingen die Distelblüten an.
Seit alten Zeiten ist die Mariendistel auch als nützliche Nahrungspflanze bekannt. Die jungen Blätter ergeben einen Salat, wobei die Wurzeln und Köpfchen in Wasser gekocht werden. Daher hat sie in manchen Ländern die Bezeichnung Wilde Artischocke erhalten. Die zerkleinerte Pflanze dient als Viehfutter, die Samen werden gern vom Geflügel gefressen.
Die Mariendistel, im Volksmund auch Leberkraut, Leberdorn, Mariendorn, Frauendistel, Christkrone, Fieberdistel, Dornenkrone, Milchdistel und Steckkraut genannt, ist als Heilpflanze in der Teeheilkunde und in der Schulmedizin heute von überragender Bedeutung in der Leberschutztherapie.
Die Mariendistelfrüchte enthalten als wichtigsten Wirkstoff Silymarin, das für die Leberschutzwirkung verantwortlich ist. Vergiftungen durch den Genuss des grünen und weißen Knollenblätterpilzes werden heute erfolgreich mit Silymarin behandelt.
Der Mariendistelwirkstoff vermag offensichtlich die Membrane der Leberzellen vor dem Angriff der tödlichen Gifte des Knollenblätterpilzes und einer Reihe anderer Lebergifte zu schützen. Wie die Erfolge bei Vergiftungsfällen gezeigt haben, kann Silymarin auch bereits an der Zellmembran fixierte Gifte von ihr verdrängen. So erstreckt sich das Anwendungsgebiet der Früchte (Fruktus cardui Mariae) auch besonders auf die Erkrankungen des Leber-Galle-Bereichs. Sie haben eine entgiftende, die Leber entlastende und schützende Wirkung.
Tee kann auch zur Vorbeugung insbesondere gegen Alkohol und Fettleber empfohlen werden. Ein- bis zweimal jährlich sollte möglichst über sechs Wochen hinweg eine Teekur durchgeführt werden. Während der Teekur sollte kein Alkohol getrunken werden. Auch eine überstandene akute Hepatitis wird erfolgreich mit Mariendistel-Tee nachbehandelt. Der Tee wird als Aufguss von einem Teelöffel grob geschroteten Mariendistelfrüchten mit ¼ Liter siedendem Wasser übergossen und zehn bis fünfzehn Minuten ziehen gelassen.
Zwei bis drei Tassen täglich vor dem Essen helfen der Leber zur Regenerierung. Silymarin-Arzneimittel sind in Apotheken in Form von Tinkturen und Dragees erhältlich.
In der Homöopathie wird das Homöopathikum „Carduus mariananus“ ebenfalls gegen Leberleiden verordnet. Auch gegen Gallenblasenentzündung, Stirnkopfschmerzen, Muskelrheuma, Seitenstechen, Blutungen der Gebärmutter, Erbrechen, Unterschenkelgeschwüre und Druck im Oberbauch setzt man das Homöopathikum in den Potenzen bis D 3 mit Erfolg ein.
Die Marienglockenblume, eine romantische Sommerblume mit nostalgischem Charme
Die Marienglockenblume (Campanula medium) ist eine bezaubernde winterharte, zweijährige Sommerblume, die zur Familie der Glockenblumengewächse gehört. Weltweit ist sie mit über dreihundert Arten vertreten, in Mitteleuropa werden etwa dreißig Arten kultiviert.
Marienglockenblumen wachsen buschig und können je nach Sorte Wuchshöhen zwischen sechzig und neunzig Zentimetern erreichen. Die großen, glockenförmigen, teils einfachen, teils gefüllten Blüten, die an den langen Stängeln nach und nach erscheinen, zeigen sich in vielen Pastelltönen. So sind sie in Blau, Rosa, Hellviolett oder Weiß sehr hübsch anzusehen und verbreiten in der Zeit von Juni bis September einen nostalgischen Charme, da sie an Unterröcke aus früherer Zeit erinnern.
Sie gelten als romantische Sommerblumen und werden nicht umsonst als Motive auf antiquarisch anmutenden Postkarten, Gemälden und weiteren Artikeln gern gewählt.
Hohe Pflanzen sollen gestützt werden, da die Stängel sehr zart sind und Wind und Regen die Pflanzen sonst schnell abknicken lassen. Hochwüchsige Sorten eignen sich insbesondere als Schnittblumen und sind lange in der Vase haltbar.
Jungpflanzen, die im Frühjahr in Töpfen oder Kübeln ausgesät und kultiviert wurden, werden im Herbst in Gruppen von drei bis fünf Pflanzen in Abständen von etwa dreißig Zentimetern eingepflanzt. Marienglockenblumen bevorzugen freie, vollsonnige Lagen, da sie hier ein üppiges Blütenmeer entwickeln. Der Boden sollte gut entwässert und mit Stallmist oder Kompost angereichert werden.
Durch ihren nostalgischen Charme passt die Marienglockenblume besonders gut in Bauerngärten und liefert zwischen Rittersporn, Rosen, Margeriten, Hortensien, Stockrosen und Lupinen bezaubernde Blickfänge.
Die Pflanze sollte zwar nie austrocknen, jedoch verträgt sie keine Staunässe. Bei lang anhaltender Trockenheit muss daher regelmäßig gewässert werden. Da die Marienglockenblume nach dem zweiten Jahr nicht mehr blüht, sollte sie ausgerissen und kompostiert werden. Vermehrt wird die Marienglockenblume durch eine Aussaat von April bis Juni im Freiland oder in Kübeln. Die Samen werden dazu nur leicht mit Erde bedeckt. Nach dem Aufgang werden die Sämlinge in Einzeltöpfe pikiert, weiter kultiviert und im Herbst ins Freiland gesetzt. Es ist auch möglich, kräftige Jungpflanzen ab Ende Mai in Abständen von dreißig Zentimetern direkt ins Freiland zu setzen.
Im Frühsommer werden die Blüten gern von Schnecken gefressen. In der Folge bleiben nur noch kahle Stängel übrig, die die Pflanze schließlich eingehen lassen. Hier schafft das zeitige Ausbringen von Schneckenkorn deutliche Abhilfe.
Die Schneeglöckchen heißen auch Marienglöckchen
Wenn das Schneeglöckchen blüht, ist der Winter endlich vorbei. Diese freundliche Botschaft der „Weißen Jungfrau“, wie das Schneeglöckchen auch im Volksmund genannt wird, kennt fast jeder. Es trägt auch den Volksnamen „Marienglöckchen“.
Die ersten warmen Sonnenstrahlen Ende Februar locken die Blüten der Schneeglöckchen hervor. Dass es wieder kalt werden kann, schreckt sie nicht. Die Glöckchen schließen sich einfach wieder, notfalls legen die Stängel sich dicht an den Boden. Die wohl schönste Erklärung für diese erstaunliche Winterhärte liefert die Legende vom Schneeglöckchen. Danach schuf Gott, schon ein wenig müde von der Schöpfertätigkeit, den Schnee, ohne ihm eine Farbe zu geben. Traurig lief der Schnee zu den prächtig bunten Blumen, um sich ein wenig Farbe zu erbitten. Aber alle wiesen ihn hochnäsig ab. Nur das Schneeglöckchen gab ihm von seinem Weiß. Seither – geht die Legende – ist der Schnee weiß, und das Schneeglöckchen darf als einzige Pflanze in seiner Gegenwart blühen. Und so erhielt es auch den Namen Marienglöckchen.
Das Schneeglöckchen kommt ursprünglich aus Südosteuropa und dem Kaukasus. Die verbreitetetste Art Galanths nivalis wächst jedoch schon lange in mitteleuropäischen Gärten und kommt in Mittel- und Westeuropa auch verwildert vor. Da die Pflanze wildwachsend sehr selten ist, ist sie in Deutschland geschützt.
Das Schneeglöckchen ist eine Zwiebelblume, sie wächst also aus Zwiebelknollen, die ziemlich dicht unter der Erdoberfläche ruhen. Sobald der Frost im Spätwinter nachlässt, treiben die Schneeglöckchen ab Ende Februar schmale Blätter aus. Die zarten Knospen werden noch von einem extra Blatt geschützt. Die jungen Triebe des Schneeglöckchens produzieren ein bisschen Wärme, sodass sie Schnee in ihrer direkten Umgebung schmelzen können.
Nur wenige Tage nach dem Erscheinen der Knospen blühen die Schneeglöckchen auf und kündigen damit den Vorfrühling an. Die Blüten sind weiß, sehr zart und hängen nickend am Stängel, was ihnen eben den Namen „Glöckchen“ eingebracht hat. Außerdem gibt es drei längliche schneeweiße Blütenblätter und im Inneren drei zusammengewachsene Blätter, die weiß und grün sind. Die Samen bilden sich nach dem Verblühen in kleinen Samenkapseln. Sie werden gerne von Ameisen verbreitet. Das Schneeglöckchen gehört zur Familie der Amaryllisgewächse.
Als Heilpflanze ist das Marienglöckchen fast unbekannt. Auch in alten Kräuterbüchern findet sich das Schneeglöckchen nicht. Es war nämlich weder in der Antike, noch im europäischen Mittelalter als Heilpflanze bekannt. Daher gibt es hierzulande keine Tradition in der Anwendung des Schneeglöckchens. Den meisten Menschen gilt das Schneeglöckchen ausschließlich als Zierpflanze ohne Heilwert.
Im Kaukasus aber wird das dortige Schneeglöckchen (Galantus woronowi) jedoch schon lange in der Volksheilkunde verwendet. Die alten Menschen essen die Zwiebeln gegen Alterserscheinungen und Gedächtnisschwäche. Die Anwendung des Schneeglöckchens im Kaukasus wurde von bulgarischen Forschern untersucht und sie entdeckten unter anderem das Alkaloid Galantamin. Dieser Wirkstoff ist in der Lage, die Folgen von Alzheimer deutlich zu lindern, wenn auch die Grunderkrankung nicht zu heilen ist. Da es weltweit sehr viele Alzheimer-Patienten gibt, die von diesem Alkaloid profitieren könnten, reichen die natürlichen Vorkommen von Schneeglöckchen bei weitem nicht aus. Daher wurde lange Zeit geforscht, bis es endlich gelang, das Galantamin synthetisch herzustellen. Inzwischen gibt es ein pharmazeutisches Mittel, das künstliches Galantamin enthält und zur Linderung der Alzheimer-Syndrome eingesetzt wird.
Marienglöckchen sind im Garten nicht wegzudenken, denn sie sind die wichtigsten Frühblüher. Sie können auch in den Rasen gesetzt werden oder sie blühen in Bodendeckern, so zum Beispiel im Immergrün. Sie lieben humosen Boden. Schneeglöckchen eignen sich auch hervorragend für Bepflanzungen in Parkanlagen und als Friedhofsbepflanzung, sei es für Gräber oder für die Friedhofsanlage.
Aus Marias Tränen entstand das Maiglöckchen, das Marienglöckchen
Bei unseren Vorfahren ist das Maiglöckchen immer ein Glücks- und Liebessymbol gewesen, weshalb es auch in die Brautsträuße gesteckt wurde. In der Blumensprache drücken Maiglöckchen „innige Liebe“ aus. Das Grün der Blätter steht für Hoffnung, das Weiß der Blüten signalisiert Reinheit.
Eine Legende besagt, dass das Maiglöckchen dort entstanden ist, wo Maria neben dem Kreuz ihre Tränen vergoss, daher entstammen die Namen „Marientränen“ oder „Frauentränen“ und deshalb gehört es zu den „Marienblumen“ und ist christliches Symbol des Heils und der reinen Liebe.
„Lilium convallium“ hieß das Maiglöckchen ursprünglich in der Vulgata, der lateinischen Bibel: „Lilie der Täler“. Zur „Lilie des Waldes“ ist sie in Deutschland erkoren. „Marienglöckchen“, „Marienlilie“, Marienherz“, „Maililie“ und „Maienschelle“ heißt die „Meyblome“ auch bei uns. Letzterer war ihr erster deutscher Name im „Gart der gesundheit“ von 1485. Das Maiglöckchen oder Marienglöckchen ist eine gegen zahlreiche Leiden verwendete Heilpflanze und häufiges Attribut Christis und Marias (auf Verkündigungsdarstellungen) anstatt der Lilie, symbolisiert das „Heil der Welt“.
Wer Maiglöckchen am 1. Mai bei sich trägt, soll das ganze Jahr Glück haben – deshalb ist es heute noch in Frankreich Sitte, am „Maiglöckchentag“ (jour de muguet) auf allen Straßen Maiglöckchensträuße als Glücksbringer (porte- bonheur) zu verkaufen.
In der Duftmusik der Frühlingsblüher gibt das poetische Aroma der Maiglöckchen unbestreitbar den Ton an. Das unbeschreibliche Süße des Wohlgeruchs der „Marientränenblüten“ inspirierte die Dichter der Romantik zur Liebeslyrik. „Ihr Duft bricht das Eis des Winters und der Herzen“, meinte Heinrich Heine. „Schon das tiefe Einatmen ihres wunderbaren Heilduftes lindert die Atemnot, stärkt das alternde Herz und macht das Treppensteigen leichter“, beschreibt ein Kräuterkundler zu Beginn des 19. Jahrhunderts den wohltuenden Duft frisch erblühter Marienglöckchen- und wahrlich ist das Maiglöckchen ein „Herzmittel der Natur“. Wie Versuche mit depressiven Patienten zeigen, scheint der Maiglöckchenduft auch „Seelenarznei“ zu sein. Nach dem Einatmen der Blütendüfte bessert sich der seelische Zustand der Kranken: Maiglöckchenaroma als Heilmittel der Psychotherapie.
Der prächtige Duftjuwel ist nicht so empfindlich wie das wohlriechende Veilchen, hält es doch seine herzerfrischende Duftspende nicht zurück, wenn es gepflückt wird. Pflücken darf man einen Maiglöckchenstrauß im schattigen Buchenwald, wenn man das Glück hat, auf einem Maienspaziergang unter lichtem Buschwerk auf eine Kolonne blühender Marienglöckchen zu stoßen. Sie stehen nie einzeln, lieben die Gesellschaft, in der sie um die Wette duften. Übrigens, ein natürliches Maiglöckchenparfüm wird industriell nicht hergestellt. Das französische „Muget“ ist ein nach Maiglöckchen duftendes Extraktöl aus Freesia-Arten.
Die glockigen, nickenden, weißen Blüten stehen in lockerer, einseitswendiger Traube an kahlen Stängeln, die sich jeweils zwischen zwei Blättern entwickeln. Die Blüten sind ohne Nektar. Honigbienen und Hummeln, die sie besuchen, bieten sie nur Pollen.
Wenn Fremdbestäubung ausbleibt, genügt auch Selbstbestäubung für einen Fruchtansatz. Will man Maiglöckchen in einem Schattenbeet im Garten bewundern, muss man sich die Wurzelstöcke in einer Gärtnerei besorgen. Das Ausgraben der Waldpflanzen ist verboten. Im Schatten unter Bäumen und Sträuchern behaupten sich die Ausläufer des Maiglöckchens auch gegen starken Wurzeldruck. Günstig ist feuchte, humusreiche Erde, die – ihrem ursprünglichen Standort entsprechend – mit etwas saurem Laubkompost vermischt werden kann. Nach wenigen Jahren bilden sich blühende und duftende Gartenteppiche. Abweichend vom „Wald-Maiglöckchen“ (Convallaria majalis), gibt es mit der großblumigen „Grandiflora“ und der rosa tönenden „Rosen“ auch zwei hübsche Zuchtsorten.
Vorsicht! Die Duftperle ist in Kinderhänden gefährlich. Alle Teile der Pflanze enthalten hochgiftige Wirkstoffe. Die giftigen Inhaltsstoffe sind wasserlöslich und gehen in das Blumenvasenwasser über, in denen Maiglöckchen längere Zeit stehen. Tödliche Vergiftungen durch das Trinken des Blumenvasenwassers sind schon vorgekommen. Auch werden schwerste Vergiftungen durch den Genuss der scharlachroten Beeren oder durch das Kauen der Blütenstiele verursacht.
Infolge seiner Giftigkeit ist das Maiglöckchen als Teeheilpflanze nicht anzuwenden. Maiglöckchenpräparate sind nicht als Hausmittel verwendbar, sondern nur auf ärztliche Verordnung hin zu nehmen. Unsere Vorfahren kannten die starkwirkenden Herzgifte noch nicht. So wurden noch im 19. Jahrhundert Maiglöckchenblätter als Tee zur Körperentwässerung gebraucht. Die Bedeutung des Maiglöckchens in der Volksmedizin früherer Zeiten war so groß, dass man glaubte, jede Krankheit damit behandeln zu können. Da hört sich die Rezeptur des Engländers Gerard um 1830 schon originell an: „Man tue die Maiglöckchen in ein Glas und setze dies in einen Ameisenhügel, lasse es dort einen Monat lang, und wenn man es dann herausnimmt, wird man darin eine Flüssigkeit finden, die Schmerzen und Gicht beseitigt, wenn man sie äußerlich anwendet.“
Als Heilpflanze in der Hand des Arztes ist das Maiglöckchen in der Herztherapie heute nicht mehr wegzudenken. Die Herzglykoside haben eine ähnliche Wirkung wie die giftigen Inhaltsstoffes des Oleanders und des Roten Fingerhutes. Sie wirken herzmuskelstärkend, der Schlagrhythmus stabilisiert sich, die Auswurfleistung wird erhöht. Die „Pumpe“ arbeitet wieder mit gewohnter Leistung.
Früher glaubte man, dass, wenn man mit Maiglöckchen das Gesicht abreibt, die Sommersprossen verschwinden. Auf diesen Glauben beziehen sich die Anfangsverse des Gedichtes von Ludwig Uhland: „Mit dem Tau der Maiglöckchen wäscht die Jungfrau ihr Gesicht, badet sie in goldnen Locken.“
Als Schnupftabak noch Mode war, dienten die Stiele als Bestandteil des „Schneeberger Schnupftabaks“, der „das Gehirn reinigen sollte“. Früher war es für bedeutende Ärzte üblich, sich mit bestimmten medizinischen Symbole n portraitieren zu lassen; als Symbol für die Heilkunde fungierte oft das Maiglöckchen. So hat sich z. B. Nikolaus Kopernikus mit einem Maiglöckchen in der Hand abbilden lassen. Dieses Bild ist nur erklärlich, wenn man weiß, dass der so berühmte Astronom auch Medizin studierte und diesen Beruf bis zu seinem Tode in Frauenburg ausübte.
Darüber hinaus zählte das Maiglöckchen in der christlichen Ikonographie neben der Lilie, der Rose und anderen Pflanzen zu den sogenannten Marienblumen; mit seinen kleinen weißen, nickenden Blüten war es Symbol für die keusche Liebe, die Demut und Bescheidenheit von Maria. Deswegen erhielt das Maiglöckchen auch den Namen „Marienglöckchen“. Entsprechend ist das Maiglöckchen auf den Gemälden meist unauffällig und klein am unteren Bildrand dargestellt; ein typisches Beispiel dafür ist das bekannte Gemälde „Paradiesgärtlein“ von einem unbekannten Meister aus dem 15. Jahrhundert.
Duftendes Mariengras
Das Duftendes Mariengras (Hierochloe odorata), auch als Duft-Mariengras, Liebfrauengras, Freyagras, Vanillegras, Süßgras oder als Bisongras bezeichnet, ist ein kumarinhaltiges Gras innerhalb der Familie der Süßgräser. Es duftet aromatisch nach Waldmeister und wurde bei der Verehrung der Jungfrau Maria verwendet, worauf der deutsche Name Bezug nimmt. Der wissenschaftliche Name ist griechischen Ursprungs und bedeutet „heiliges Gras“. Bei den Germanen war es schon der Göttin Freya geweiht.
Als Heil- und Räucherpflanze hat das Mariengras eine lange Tradition. Die Pflanze duftet stark nach Waldmeister, enthält sie doch in den Blättern Kumarin als Wirkstoff. Die Indianer Nordamerikas benutzen Mariengrasräucherungen für Friedens- und Heilrituale. Gute, hilfreiche Geister lieben den Geruch von Mariengras, so heißt es in der indianischen Tradition. Das Verbrennen von Süßgras ziehe positive Energien an.
Mariengras duftet beim Verbrennen süß nach frisch geschnittenem Gras und erinnert an Waldmeister. Ein angenehmer Wellness-Duft, der entspannt und heiter stimmt. Mariengras-Räucherungen schaffen eine angenehme, reine Atmosphäre des inneren Loslassens und der Leichtigkeit.
Die langen Grashalme werden abgeschnitten, getrocknet und zu einem Räucherzopf geflochten. Dieser wird angezündet, wieder ausgeblasen und glimmt langsam weiter. Man legt ihn in eine feuerfeste Schale. Dsas trockene Mariengras kann auch klein geschnitten und Räuchermischungen beigemischt werden.
Das Duftende Mariengras ist in ganz Europa, Asien und Nordamerika weit verbreitet, kommt aber meist nur zerstreut bis selten vor. Es ist ein seltenes Gras nasser grasiger Standorte in Bruchwäldern und an Flussufern.
Die Blütenstände sind lockere, eiförmig-ovale Rispen mit geschlängelten Ästen. Die breit elliptischen, etwas plumpen Ährchen sind etwa 4 Millimeter lang und dreiblütig. Sie sind am Grund grün oder purpurn, aufwärts goldbraun. Die beiden unteren Ähren sind rein männlich, die obere ist zweigeschlechtlich. Das Mariengras blüht in der Zeit von Ende März bis Mai.
In Deutschland ist das Duftende Mariengras in der Roten Liste gefährdeter Gefäßpflanzen. Die Gefährdungsursachen sind vor allem die Trockenlegung und intensive Beweidung vormals extensiv genutzter Feuchtwiesen.
Vor allem der unterste Teil der Blätter hat ein intensives Waldmeisteraroma und wird in Parfüms, in Tabak, Süßspeisen und Getränken verwendet. Das Gras wurde in einigen Teilen Preußens der Jungfrau Maria gewidmet und an ihren Festtagen vor die Kirchentüren gestreut. In der Volksheilkunde wird das Mariengras bei Fieber, Erkältung und Schmerzen als Tee verwendet, äußerlich als Hautpflege- und Haarpflegemittel.
Der Venusfrauenfarn heißt auch Marienhaar
Das Frauenhaar, auch Venushaar und Venusfrauenfarn genannt (Adiantum capillus veneris), das, botanisch gesehen, den Namen der römischen Liebesgöttin Venus trägt, gehört zu den Polypodiaceae. Man glaubt, dass der botanische Name diesem Farn vom frühen lateinischen „Herbal von Apuleius“ gegeben wurde wegen seiner wasserabstoßenden Eigenschaften, die an die Venus erinnern, die trocken aus dem Meer gestiegen kam. Es ist aber möglich, dass dieser Name noch viel älter ist, denn das Venus- oder Frauenhaar wird schon seit vielen Jahrhunderten in der Pharmazie verwendet. Im frühen Mittelalter taucht auch der volkstümliche Name „Marienhaar“ und „Marienfarn“ auf.
Das Marienhaar ist heimisch in Afghanistan, im Himalaja und im Iran, wächst aber auch reichlich in Südeuropa und in Ungarn. Wegen seiner anregenden, schmerzlindernden und tonischen Wirkung nimmt man das Marienhaar gegen Asthma und andere Atembeschwerden. Es ist hustenstillend und auswurffördernd und gut für die Leber. Einige Kräuterkundler glauben, dass es gegen Kahlheit wirke. Die Asche, mit Essig und Olivenöl gemischt und in die Kopfhaut gerieben, soll gegen Haarausfall wirken. In der Georgischen und Viktorianischen Zeit bereitete man in England einen Punsch aus Frauenhaar, und es ist auch jetzt noch ein ausgezeichneter Zusatz zu erfrischenden, alkoholischen Sommergetränken.
In der Homöopathie nimmt man die Dilution bis D 30 bei Husten, Krampfhusten und Keuchhusten.
Die Marienkerze, der Himmelsbrand der Jungfrau Maria
Eine herausragende Bedeutung bei der Gestaltung des Kräuterbüschels zur Weihe an Maria Himmelfahrt hatte die Königs- oder Marienkerze, die als „Marienzepter“ in der Mitte des Büschels ihren Platz fand und aus dem Strauß nach oben herausragen soll – eben „kerzengrade in den Himmel“.
Der schwedische Naturforscher Karl von Linné, auf den die Nomenklatur der botanischen Pflanzennamen zurückgeht, erklärte die Königskerze, die Marienkerze, einst zur „schönsten Wildpflanze Mitteleuropas“. Kein Wunder bei ihrer majestätischen Größe, wächst sie doch kerzengerade in den blauen Sommerhimmel. In zwei großblütigen Riesensorten kommt sie bei uns wildwachsend vor, wobei sie sonnige, trockene Plätze besonders liebt. Die Marien- oder Königskerze heißt im Volksmund auch „Himmelsbrand“, „Himmelsschlüssel“, „Himmelskerze“ und „Marienkraut“.
Die Marienkerze (Verbascum thapsus) war früher ein Symbol der Königswürde. Zugleich wurde das Heilkraut der Jungfrau Maria zugeordnet. Maria trägt auf vielen Darstellungen eine Königskerze in der Hand, den „Himmelsbrand“. So war es denn auch Brauch, bei der Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt in der Kirche in der Mitte des Kräuterbüschels eine lange Marienkerze einzuflechten. Weil sie mit ihrem langen Stängel kerzengerade in den Himmel wächst. War sie auch Symbol der Aufnahme ins Paradies.
Andere Namen für sie sind „Himmelskerze“, „Himmelsschlüssel“, „Marienzepter“, „Mariengold“, „Feldkerze“, „Marienfackel“ und Paradiesschlüssel“. Hippokrates lobte die Pflanze schon als „Wollblume“, die bei hartnäckigem Husten half. Bereits in der Antike wurde die Königskerze zu Heilzwecken verwendet. Angeblich soll sie auch vor Angst und Unheil schützen. Nach der Sage führen nachts im Mondenschein die Elfen um die hohe Kerze ihren Ringeltanz auf. Die Muttergottes trägt diese Blume gleich einem Zepter in den Händen, wovon der alte Segensspruch herrührt: „Unsere Liebe Frau geht über Land und hat den Himmelsbrand in ihrer Hand.“
Wenn jemand eine schlimme Wunde hat, soll man sie mit den Blüten des Himmelsbrandes berühren und dreimal den vorerwähnten Spruch dazu sagen. Gegen Gicht nimmt man eine gute Handvoll Marienkerzenblüten und Kreide, so groß wie ein Ei. Die Kreide stoße man zu Pulver und koche diese beiden Stücke miteinander eine halbe Stunde lang in jenem Wasser, worin der Schmied das Eisen ablöscht. Wenn das Wasser nicht mehr so heiß ist, setze die Füße hinein wie in ein Fußbad und bade sie darin. Hernach mache ein großes Loch in die Erde, gieße das Wasser samt Blüten und der Kreide hinein und scharre es wieder zu. Wenn die Blüten verfault sind, so ist auch die Krankheit verschwunden.
Die Marienkerze verliert nach altem Glauben ihren Duft, wenn an dem Ort, an dem sie blüht, ein Leichenzug vorbeikommt. Wenn ein schweres Gewitter die Hausbewohner erschreckt, wirft man einige getrocknete Blüten ins Feuer. Auch bei allerlei Krankheiten des Viehes werden sie unter das Futter gemengt. Wer einen reichen Fischfang erzielen möchte, streut nachts heimlich den Samen der Wollblume in jenes Gewässer, in dem er am nächsten Tag fischen will. Dann scheint es, als ob der heilige Petrus persönlich den Fischfang leite, so viele Fische werden gefangen.
Dieser heute zum Teil noch geübte Brauch geht weit in die vorchristliche Zeit zurück und lässt sich durch den hohen Saponingehalt der Heilpflanze, der nervenlähmend und betäubend auf die Fische wirkt, leicht erklären.
Die ersten Königskerzenblüten woll man mit den Lippen abstreifen und verschlucken, so bekommt man das ganze Jahr hindurch kein Fieber. Die Unterseite der Blätter ist mit wolligem Flaum bedeckt. Daher heißt die Marienkerze auch Wollblume. Mütter nahmen die Blätter und legten sie in der Wiege unter das Kissen, damit das Neugeborene im Winter warm hatte.
In trocken-heißen Sommern wachsen Riesenexemplare heran, wie die großblütige Königskerze (Verbascum thapsiflora) und ihre nächste Verwandte, die Filz- oder Wollkönigskerze (Verbascum phlomoides), die beide über 2,50 Meter hoch werden könne n. Kein Wunder, dass die sonnengelben Riesen bei unseren bäuerlichen Vorfahren ein „Symbol des Himmels“ waren.
Der botanische Name „Verbascum“ (lateinisch „verbenae“ = heiliges Kraut) weist auf die religiöse Verwendung hin. Wuchsen rund um die menschlichen Behausungen Marienkerzen, dann war man vor Dämonen sicher. Man sieht sie auch auf Schuttplätzen. Doch kein Mensch hat sie dort angesiedelt, sondern Vögel, die im Herbst ihre Samen verbreiten.
In den Alpentälern soll die Königskerze auch über das zu erwartende Wetter genau Auskunft geben. Der Allgäuer schaut, nach welcher Seite die Marienkerze ihre Spitze neigt. Tut sie das nach Westen, so kommt Regen, neigt sie sich aber nach Osten, so ist gutes Wetter im Anzug („Windblume“).
Die Wärme liebende Pflanze, die gut auf steinigen Böden gedeiht, scheint geradezu prädestiniert als schmucke Zierpflanze in nach Süden und Osten neigenden Vorgärten.
Viele reißen die Blume im ersten Jahr mitsamt ihrer spindelförmigen Pfahlwurzel aus dem Boden, nicht wissend, welch majestätische Königskerze erst im zweiten Jahr „pfeilschnell“ aus der großen Blattrosette herauswächst. Das zweijährige Kraut stirbt nach der Frucht-und Samenbildung im Herbst ab.
Wer Blüten von Wildbeständen an Bahnhöfen und an trockenen Wegrändern gewinnt, sollte jeweils nur wenige von einer Pflanze pflücken, damit Versamung möglich ist. Die Wollhaare an der Blattunterseite sehen unter dem Mikroskop wie kleine Tannenbäumchen aus. Sie dienen zum Schutz gegen Verdunstung. Die großen zitronengelben und nach Honig duftenden Blüten bilden einen langen, ährenförmigen Blütenstand. Die goldgelben Blüten werden in der Mittagssonne eingesammelt und rasch getrocknet. Sie dürfen beim Pflücken nicht zerdrückt werden, sonst verfärben sie sich sofort.
Die frischen Blüten kann man zerrieben als Breimischung gegen Insektenstiche verwenden. Marienkerzenblütenöl dient zur Linderung von Hämorrhoiden-Entzündungen und bei Frostbeulen. Früher knetete man die Blüten mit Butter zusammen und bewahrte sie als gutes Hausmittel für den Winter auf. Und dass man sich mit Königskerzenblüten auch die Haare färben kann, das wusste man schon in vorchristlicher Zeit.
Die Inhaltsstoffe der Marienkerze sind auswurffördernd, schleimlösend, fiebersenkend und beruhigend. Der Tee als Aufguss der Blüten (ein bis zwei Teelöffel auf ein viertel Liter Wasser) hilft bei Husten, Heiserkeit und Bronchialkatarrh. Pfarrer Sebastian Kneipp schrieb: „Wer eine gute Fleischbrühe kochen will, die kräftigend sein soll, der nehme zu den üblichen Suppengewürzen die goldgelben Blüten der Marienkerze.“
Getränke mit Marienkerzenblüten
Königskerzenblütengetränk mit Honig
Zutaten: 1 Glas frische Königskerzenblüten, 50 g Honig, 1 Liter Wasser.
Zubereitung: Die Königskerzenblüten mit kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und den Honig hinzufügen.
Königskerzen-Likör
Zutaten: ½ Glas Königskerzenblüten, 1 Liter Wodka, 4 Esslöffel Zucker, 1 Glas Wasser.
Zubereitung: Die Königskerzenblüten mit Wasser übergießen und 1 Minute kochen. Zucker hinzufügen und in den Wodka gießen.
Getränk mit Königskerzen- und Lindenblüten
Zutaten: 2 Glas frische Königskerzenblüten, 2 Glas Lindenblütenaufguss, 50 Gramm Honig, 1 Liter Wasser.
Zubereitung: Die Königskerzenblüten mit kochendem Wasser übergießen und einen Aufguss aus Lindenblüten hinzufügen. Für den Lindenblütenaufguss 5 Gramm Lindenblüten in der Teekanne aufbrühen und nach 1 Minute in das Honiggetränk gießen.
Kochrezepte mit Marienkerzenblüten
Königskerzen-Sorbet:
Dazu benötigt man eine Handvoll Königskerzenblüten, 150 g Zucker, 2 ½ dl Wasser, Zitronenschale und etwas Zitronensaft, 1 ½ dl Orangensaft, 2 dl Weißwein, 1 Eiweiß und 1 kleine Frucht zum Garnieren. Königskerzen, Zucker, Wasser und Zitronenschale aufkochen, zudecken und abkühlen lassen. Absieben, mit Zitronensaft, Orangensaft und Weißwein mischen und das Ganze gefrieren lassen. In ein Glas spritzen und mit einer Frucht garnieren.
Königskerzen-Kraftbrühe
Man braucht eine Tasse Königskerzenblüten, 1 Liter hausgemachte Fleischbouillon, 50 g gehacktes, mageres Rindfleisch, 2 Eiweiß, 1 Tomate, ½ Karotte, etwas Lauch und Sellerie, Pfefferkörner, Kerbel und Salz. Die Tomate häuten, entkernen und würfeln. Das Gemüse fein schneiden, das Eiweiß leicht steif schlagen und mit Königskerzenblüten und allen anderen Zutaten zur kalten Bouillon geben. Unter ständigem Rühren aufkochen und 45 Minuten ziehen lassen. Danach die Suppe durch ein Tuch passieren, aufkochen und mit Salz abschmecken. Zuletzt den Kerbel dazugeben und servieren.
Die Brautblume Myrte – der Marienkranz, Symbol der Jungfräulichkeit Marias
Seit dem 16. Jahrhundert dient die Myrte, auch Marienkranz genannt, in Deutschland als Brautschmuck. Jakob Fuggers älteste Tochter war die erste, die Myrte statt Rosmarinzweigen als Brautschmuck verwendet hat. Auch der Myrtenkranz ist mit seinen immergrünen Blättern ein Symbol von Segen und Lebenskraft. Deshalb wird der Myrtenkranz nicht nur feierlich, auch sein Abschied wird bei einer „Hüllenmahlzeit“ gefeiert. Das ist eine üppige Mahlzeit im Haus der Braut, mit der ein Übergang gefeiert wird. Nachts um zwölf wird in manchen Gegenden der Braut der Myrtenkranz abgenommen, und sie bekommt die Frauenhaube aufgesetzt. Die unverheirateten Mädchen schließen dann einen Kreis um die Braut, die die Augen verbunden bekommt und den Myrtenkranz hält. Die Mädchen beginnen um die Braut herumzutanzen, und diese versucht, einer den Myrtenkranz auf den Kopf zu drücken: das wird im nächsten Jahr die „Myrtenbraut“, die „Jungfernbraut“ sein.
Die Myrte, der Marienkranz, ist ein Symbol der Fruchtbarkeit, Keuschheit, Reinheit und Jungfräulichkeit und deshalb ein Sinnbild der Jungfrau Maria. Und deshalb nennt man die Myrte auch Marienkranz und Jungfernblume. Im Nahen Osten war die Myrte bereits im Altertum auch ein Symbol des Friedens.
„Ziehet hinaus ins Gebirge und holet Zweige vom edlen und vom wilden Ölbaum, von Myrten und Palmen, dass man Laubhütten mache.“ So steht es in der Bibel in Nehemia 8, Vers 15. Und in Jesaja 41, Vers 19, steht: „Ich setzte Zedern in die Wüste, Myrten und Ölbäume; ich pflanzte Zypressen in der Steppe und Buchsbäume dazu.“
Die Myrte oder der Marienkranz zählt zu den vier Arten biblischer Pflanzen, die den Israeliten am ersten Tag des Laubhüttenfestes zu sammeln befohlen wurde. Die Myrte war bei der Bevölkerung des Heiligen Landes in biblischer und nachbiblischer Zeit beliebt; nach ihr wurden sowohl Männer als auch Frauen genannt. Auch heute noch wird der Name Myrte in Israel gerne gewählt. In Mitteleuropa hielt der Vorname Myrte im 17. Jahrhundert vornehmlich in christlichen Familien seinen Einzug.
Die Myrtenzweige fanden Verwendung bei Verlobungszeremonien und sogar als Medizin, da ihre Blätter zwischen den Palisadenzellen ölabsondernde Drüsen aufweisen.
Im alten Griechenland spielte die Myrte eine wichtige Rolle im Ritual, in Kunst und Dichtung. Der Marienkranz war der Liebesgöttin Aphrodite geweiht. Kein Wunder, dass die Priester Myrtenzweige im Tempel weihten, die dann den Bräuten als Kranz um die Stirn gewunden wurde.
Der Marienkranz ist im Gartenbau auch heute noch von Bedeutung; einmal als Ziergewächs wegen der dunkelgrünen Blätter, dann auch als Umzäunung wegen der dichten Verästelung ihrer Zweige. Die Myrte erblüht im Sommer. Ihre Blüten bestehen aus einem kugeligen Kelch, aus dem eine weiße, fünfzipfelige Krone mit vielen weißen Staubgefäßen herausragt. Die Frucht ist eine schwärzlichblaue Beere.
Im Gegensatz zum Lorbeer, der den Sieger nach blutigem Kampfe schmückte, war der Myrtenkranz ein Symbol für den auf unblutige Weise errungenen Sieg. Die Bräute der Antike schmückten sich mit Kränzen aus Rosen und Myrten mit Bezug auf ihre Liebes- und Ehegöttin Aphrodite. Heute noch gilt ein Brautkranz aus Myrten häufig als Symbol der Jungfräulichkeit.
Bei den alten Römern ist die Myrte der Venus, der aus dem Meere Schaumgeborenen gewidmet, denn sie wächst nirgendwo so gut wie direkt am Meer. In den heiligen Eleusinischen Mysterien werden die Priester und die Neuaufgenommenen mit Myrten gekrönt, doch das hat eine doppelseitige Bedeutung. Nachdem später die Myrte dem Mars gewidmet wurde, minderte sich ihr Wert, und sie wurde in der Folge zum Symbol unzüchtigen Begehrens. Wein, in den Myrtenblätter getaucht werden, trank man als potenzstärkendes und die Sinnlichkeit ermutigendes Mittel.
Der Marienkranz symbolisiert Frieden, Ruhe und Glück und wird auch als die „Blume der Götter“ bezeichnet. Er spielt bei Initiationen (Einweihungen) in spirituellen Praktiken eine große Rolle und wird von dem Initianden getragen. Die Myrte war im antiken Griechenland nicht nur Aphrodite geweiht, sondern auch in der römischen Antike der Göttin Demeter, der Mutter Erde und Göttin der Fruchtbarkeit. Im alten Ägypten war die Myrte dem Gott Hathor und in der Antike dem Gott Poseidon/Neptun und der Venus geweiht. Dort stand der Marienkranz auch in Verbindung mit biografischen Festen wie der Geburt eines Kindes oder der Ehe.
Ebenfalls mit der Ehe verbunden ist die Myrte im Judentum, wo sie außerdem noch die Blume der Stifthütte ist und beim siebentägigen Laubhüttenfest zusammen mit anderen Zweigen zu einem Strauß zusammengebunden wird. Beim Gebet wird dieser Strauß zum Zeichen für die Allgegenwärtigkeit Gottes in alle vier Himmelsrichtungen bewegt.
In der Mandäischen Religion werden bei allen biografischen Festen wie Geburt, Taufe, Hochzeit und Tod Myrtenkränze auf dem Kopf getragen und gehört außerdem zur rituellen Kopfbedeckung der Priester. In der Symbolik der Mandäer übermittelt der Marienkranz den Atem des Lebens und ist somit lebenswichtig. Zu ihrer Religion gehört die Myrte, ihr sind sogar einige Verse im offiziellen Gebetbuch gewidmet.
Ihr Gehalt an Gerbstoffen, ätherischen Ölen, Harz und Bitterstoff verleiht ihnen adstringierende, antiseptische, auswurffördernde und blutstillende Wirkungen. Ein Infus wirkt gegen Hämorrhoiden. Der Marienkranz wird auch sehr empfohlen als Nervenberuhigungsmittel und zur Anregung der Schleimhäute. Das ätherische Öl enthält Terpene. Es wird in der Parfümerie verwendet und gibt einen frischen Atem.
Das Schöllkraut ist ein Marienkraut, eine Himmels- und Gottesgabe
Das Aufblühen der kleinen, gelben Mohnblüten des Schöllkrautes im April war für unsere Vorfahren ein sichtbares Zeichen für den endgültigen Sieg des Frühlings über den Winter. Für die Mönche im Mittelalter, in deren Klostermauern das Kraut gerne wuchs, verband sich mit dem Aufblühen des Schellkrautes, wie es auch genannt wird, die Rückkehr der Schwalben aus dem fernen Afrika. Beide waren Frühlingskünder. Kein Wunder, dass man den botanischen Namen des Mohnkrautes, wie es im Volksmund auch heißt, „Chelidonium“, mit dem griechischen Wort „chelidon“ (= Schwalbe) in Verbindung bringt. Und Aristoteles, der als Vater der Naturgeschichte gilt, berichtet, die Menschen seien auf die Heilkraft des Schöllkrautes aufmerksam geworden, als sie beobachteten, wie die Schwalben ihren noch blinden Jungen den Milchsaft der Pflanze in die Augen träufelten, so dass diese sehend wurden. Im Wappenschild dieser uralten Heilpflanze steht eine Schwalbe.
Sprachkundler behaupten, der Schöllkrautname „Chelidonium“ leite sich vom griechischen Wort „kalido“ (= beflecken) ab, denn alle Teile der Pflanze enthalten einen orangegelben Milchsaft, der die Haut braun färbt. Auf alle Fälle: Das deutsche Wort Schöll- oder Schellkraut kommt von „Chelidonium“.
Die verschiedenen Volksnamen der heilkräftigen Pflanze bezeichnen Standort, Beschaffenheit, Aussehen und Anwendung: Marienkraut, Himmelsgabe, Gottesgabe, Goldkraut, Mauerkraut, Mohnkraut, Warzenkraut, Schwalbenkraut, Schuttkraut, Gelbkraut, Gelbmilch, Teufelsmilch, Gallenbalsam und Schwalbenwurz.
Die zur Familie der Mohngewächse gehörende Pflanze enthält in allen Teilen einen stark klebrigen, ätzenden, gelben Milchsaft, der an der Luft sehr schnell eintrocknet und allmählich rotbraun wird. Der Milchsaft, das Alkaloid Chelerythrin, ist ein starkes Reizgift und beseitigt Warzen. So ist auch der Gebrauch des Saftes seit altersher in der Volksmedizin bekannt. Ein einmaliges Betupfen der Warzen hilft wenig. Die tägliche Anwendung des ätzenden Milchsaftes bewirkt nach ein bis zwei Wochen eine Beseitigung der Warzen. Vorsicht! Der klebrige Saft darf nicht an die Schleimhäute oder in die Augen kommen.
Die Pflanze ist bei uns, auf Schuttplätzen und in altem Gemäuer wachsend, weit verbreitet. Aus der Mohnblüte entstehen Schotenfrüchte mit schwarzen Samen, die fleischige Anhängsel tragen. Diese locken ihres süßen Duftes wegen Ameisen an, die die Samen verschleppen und zur Verbreitung der Pflanze beitragen. Oft wächst das Schöllkraut aus zerbröckeltem Mauerwerk mit sandigen Ameisennestern am Wurzelbereich.
Arzneilich werden Kraut und Wurzelstock genutzt. Neben dem „Warzen-Alkaloid“ ist das Chelidonin am bekanntesten. Es wirkt krampflösend auf die glatte Muskulatur, ist daher gallensafttreibend und hilft bei Magen-, Darm- und Gallenkoliken. Das Galle- und Leberkraut, das auch blutdrucksenkende Wirkung hat, wird als Teeaufguss bei Gallenblasenentzündungen und Leberleiden genommen, wobei man den Tee am besten mit etwas Pfefferminze mischt. Pro Tasse nimmt man einen Teelöffel der Schöllkraut-Pfefferminz-Mischung. Höhere Dosierungen muss man vermeiden: Schöllkraut in großen Dosen kann zu Vergiftungen führen! Allerdings geht beim Trocknen der Pflanze ein Großteil des Giftes verloren. Die pharmazeutische Verarbeitung zu Warzenmitteln steht heute im Vordergrund.
Das Schöllkraut hat seit jeher wegen seines auffällig gefärbten Milchsaftes das Interesse der Menschen erregt und ihre Fantasie beflügelt. Die Alchimisten nannten diese Pflanze Marienkraut, eine Himmelsgabe und Gottesgabe, weil sie in dem gelben Saft alle vier Elemente und den Stein der Weisen, die Voraussetzungen der Kunst des Goldmachens, vermuteten.
Der Volksglaube sah in der Pflanze die Macht, streit zu schlichten, wenn man sie bei sich trug. Deshalb ist sie auch ein Symbol der Einigkeit und Zufriedenheit. In der Volksmedizin wurde sie zum Vertreiben von Warzen verwendet. Ihr Saft wird bei abnehmendem Mond auf die Warzen geträufelt, dies wird sooft wiederholt, bis die Warzen verschwinden. Bei zahnenden Kindern wird die „Goldwurz“, welche an einem Freitag während des Gebetläutens ausgegraben wird, in ein Leinensäckchen eingenäht und unter das Bett des Kindes gelegt. Eine wichtige Vorschrift: Man darf sie nicht mit der bloßen Hand berühren. Wenn man die die „Goldwurz“ über einen Kropf legt, einen Teil in den Rauch hängt und ihn nach vier Tagen wieder herunternimmt, trocknet der Kropf zugleich mit der Wurzel ein.
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