Kitabı oku: «Moderner Biathlon»
Dipl.-Ing. Frank Röder
Moderner Biathlon
Spannung ohne Schall und Rauch
Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis
Titel
Moderner Biathlon - Spannung ohne Schall und Rauch
Was ist Moderner Biathlon?
So läuft ein Moderner Biathlon ab
Moderner Biathlon – wirklich ein Sport für Jedermann
Die Sportgeräte
Warum ist Moderner Biathlon modern?
Gemeinsamkeiten zur Wintersportart Biathlon
Unterschiede zur Wintersportart Biathlon
Die Idee des Modernen Biathlons
Stand der Entwicklung
Begriffe des Modernen Biathlons
Die Vorteile
Moderner Biathlon - ist diese Bezeichnung nicht etwas anmaßend?
Was benötige ich für den Modernen Biathlon?
Training für den Modernen Biathlon
Die besondere Psychologie des Modernen Biathlons
Die relative Schwierigkeit
Qualitative Auswertung
Analysen von Trefferbildern
Trainingsaufbau und –methoden
Ausdauertraining
Typische Fragen zum Modernen Biathlon
Wettkämpfe
Varianten des Modernen Biathlons
Tuning und Tipps
Die kurze Geschichte des Modernen Biathlons
Moderner Biathlon 2020 - eine Konzeptstudie zur Zukunft des Modernen Biathlons
Auszüge aus dem Handbuch des Modernen Biathlons
Moderner Biathlon im Internet und andere Medien
Literatur über Modernen Biathlon, Ausdauersport und Cross-Skating
Impressum neobooks
Moderner Biathlon - Spannung ohne Schall und Rauch

Abb. 1: Moderner Biathlet im Schema
Vorwort zur fünften Auflage
Der Moderne Biathlon ist zwar nie wirklich spürbar bekannt geworden, ein interessanter Sport ist er dennoch. Von Anfang an war er meist nur Gaudi, aber wurde trotzdem sehr gewissenhaft und professionell entwickelt. Ebenso professionell kann man ihn auch betreiben, denn warum sollte man ein sportlichen Hobby nicht gleich "richtig" betreiben. Das gilt auch für den Modernen Biathlon. Schon kurz nach seiner Entwicklungsphase, es hatten kaum ein Dutzend öffentliche Wettkämpfe stattgefunden, wurde er ab etwa 2009 kopiert. Besonders der griffige Begriff Moderner Biathlon wurde gern verwendet, um ähnliche Sportveranstaltungen aufzuwerten, die aber nie die Prinzipien und Grundlagen der Idee des Modernen Biathlons befolgten. Man wollte von der Entwicklungsarbeit finanziell profitieren, ohne selbst daran beteiligt gewesen zu sein. Und die Entwicklungsarbeit hatte es in sich, sie bestand aus langen Entwicklungsreihen, vielen Probewettkämpfen und vielen Grundlagen, die auf sportwissenschaftlicher Basis und ergonomischen Prinzipien bestehen. Die Plagiat-Wettkämpfe wurden teilweise von den Ausrichtern minimal bis mäßig umbenannt, um auf eine gewisse "Eigenständigkeit" verweisen zu können, auch wenn es nur ein Buchstabe war, der verändert wurde. Das war weder kreativ noch kompetent. Nichtsdestotrotz funktioniert der original Moderne Biathlon (groß geschrieben) immer noch so, wie es in der jahrelangen Entwicklungszeit beabsichtigt war. Es sollte ja etwas praxisnäheres, weniger aufwändiges und letzten Endes praktischeres dabei heraus kommen. Ich bin mir sicher, dass dies gelungen ist.
Viel Spaß beim Kennenlernen des Abenteuers Moderner Biathlon!
Was ist Moderner Biathlon?
Moderner Biathlon ist eine Variante des Biathlons, bei dem mit elektronischen Lasergewehren „geschossen“ und auf so genannten Cross-Skates mit der Unterstützung von Stöcken gefahren wird. Damit enthält diese modernisierte Sportart noch die Hauptelemente des Wintersports Biathlon - der Kombinations-Sportart, die aus Skilanglauf und dem Schießen mit Kleinkaliberwaffen besteht - und ist auch im Ablauf sehr ähnlich. Um Verwechslungen vorzubeugen, sollen hier die bekanntere Sporart als Wintersport Biathlon und die neuere Variante als Moderner Biathlon bezeichnet werden. Ziel des Modernen Biathlons ist es die Aufgabenstellung und die Spannung des Wintersports Biathlon zu erreichen, ihn aber nicht zwangsläufig originalgetreu zu imitieren oder zu simulieren. Es gibt auch keine notwendigen Gründe dafür, denn besonders diese neue Variation soll ein sehr erschwinglicher Sport für Jedermann sein, der aber gleichzeitig einige Nachteile der Wintersportart Biathlon hinter sich lässt.
Moderner Biathlon ist praktischer und vielseitiger als die Profi-Sportart Biathlon, sogar eingefleischte Biathlon-Fans müssen das zugeben. Allein die Verbindung von Anstrengung und Geschicklichkeit macht die Herausforderung und die Spannung der Biathlon-Idee aus. Durch die erhebliche Vereinfachung des Sports bleiben diese essenziellen Elemente hervorragend erhalten, während man überflüssigen „Ballast“ abgeworfen hat, der den Sport als Volkssport sonst nur aufwändiger, teurer, störanfälliger und mitunter auch gefährlicher machen würde. Jeder, der die Sportart Moderner Biathlon ausprobiert, wird spätestens nach dem Startsignal ganz automatisch von der dem Biathlon eigenen Dynamik und Spannung erfasst, die sich zwischen den körperlichen und den mentalen Anforderungen aufbaut. Durch die Vereinfachung vieler Abläufe ist man sehr schnell in der Lage problemlos an einem Modernen Biathlon teilzunehmen. Technische Pannen sind fast ausgeschlossen und sonst notwendige Waffen-Sicherheitsvorkehrungen werden wegen des rein elektronischen „Schießens“ überflüssig. Durch die umfassende Modernisierung ist Moderner Biathlon einfach und bezahlbar worden. Somit ist der Moderne Biathlon weniger Kampf gegen die Tücken des Materials, des Wetters, unpraktischer Regelvorschriften oder aufwändiger Sicherheitsauflagen. All das fällt praktisch weg und übrig bleibt ein wesentlich höherer Anteil „reinen Sports“. Denn der Sportler selbst trägt mehr zum Ausgang bei, weil er größeren Einfluss auf alle Vorgänge hat. Man kann davon ausgehen, dass diese Fokussierung auf mehr Sport und weniger Überflüssiges eine Sportart eher spannender als langweiliger macht.

Abb. 2: Beim Modernen Biathlon „schießt“ man mit Licht und skatet auf Cross-Skates.

Abb. 3: „Schießen“ mit Laserlicht, hier mit einem Lasergewehr für ergonomische Haltung

Abb. 4: „Cross-Skating“ ist die zweite Komponente, die dazu gehört.

Abb. 5: Zusammen ergeben beide Komponenten den Modernen Biathlon.
So läuft ein Moderner Biathlon ab
Wenn eine Veranstaltung verschiedene Wettkämpfe enthält, entscheiden die Teilnehmer, an welchem Wettkampf sie teilnehmen. Oft unterscheiden sich die Wettkäpfe durch verschiedene Distanzen oder Abläufe. Manchmal sind auch andere Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren oder Einradfahren als Alternative möglich, damit die spontane Teilnahme für Sportler aus anderen Sportarten leichter möglich wird.
In Einzelwettkämpfen starten die Teilnehmer seltener im Massenstart, häufiger im Kleingruppen- oder Einzelstart. In Staffelwettkämpfen wechseln sich die Staffelmitglieder ab. Manche Sportler nutzen aber auch die noch seltene Gelegenheit eines Modernen Biathlons und starten gleich bei allen angebotenen Wettkämpfen.
In der Regel beginnt der Moderne Biathlon mit dem ersten Durchgang der Ausdauerdisziplin, oft 1,5 bis über 3 Kilometer Cross-Skating. Manche Wettkampfstrecken bieten am Anfang der Cross-Skating-Strecke nicht genügend breite Wege für ein dichteres Teilnehmerfeld. Unter diesen Bedingungen kann man mit einem anderen Start-Modus trotzdem in Kleingruppen starten. Die Zielsport-Disziplin (oder das „Schießen“) wird dann gleich zu Anfang durchgeführt, wodurch sich das Teilnehmerfeld sichtbar in die Länge zieht und die Teilnehmer oft deutlich hintereinander auf die Cross-Skating-Strecke gehen.
Einige Veranstalter lassen die Teilnehmer abwechselnd liegend und stehend schießen, andere verzichten völlig auf das liegende Schießen, und zwar aus gut verständlichen Gründen. Mit wenig Routine beim Hinlegen und Aufstehen mit Cross-Skates besteht ein gewisses Verletzungsrisiko, auch das Material wird beim Hinlegen nicht gerade geschont. Und sollte der Boden bei Regen feucht werden, sind viele dankbar sich nicht hinlegen zu müssen.
Korrekt wäre es, die Größe der Ziele für das liegende Schießen auf etwa 40 % zu verkleinern. Aus Bequemlichkeit und auch, um es nicht zu schwer zu machen, wird darauf aber leider oft verzichtet. Ein besonders sportliches Niveau hat das liegende Schießen mit zu großen Zielen nicht mehr, was auch ein Grund für einige Veranstalter ist, die Teilnehmer nur stehend schießen zu lassen.
Dazu muss erwähnt werden, das liegende Schießen auf große Ziele ist dermaßen leicht, dass man es eigentlich auch gleich lassen könnte. Die bereits während der Entstehungsphase dieses Sports festgestellte Unterbewertung des Schießens würde dadurch noch deutlich verstärkt werden und solche Wettkämpfe kann man dann tatsächlich nicht mehr als einen ausgewogenen Zwei-Disziplinen Sport bezeichnen. Man „spielt“ dann eigentlich nur noch Biathlon.
Der nächste Abschnitt soll zeigen, wie spannend die Teilnahme an einem Moderen Biathlon sein kann.
Moderner Biathlon – wirklich ein Sport für Jedermann
Die Anfahrt zum Wettkampf war zwar mit rund mehr als 300 Kilometern nicht kurz, aber angemessen, wenn man bedenkt, dass viele Biathlon-Fans noch viel weiter zu einem Winter-Biathlon anreisen, allein um zuschauen zu können. Aber ich war immerhin als Teilnehmer gemeldet. Der Austragungsort, ein Festplatz, war in dem kleinen süddeutschen Dörfchen schnell gefunden und dort regte sich schon sichtbare Geschäftigkeit. Das Wetter war schön, ein herrlicher sonniger Frühommertag. In aller Ruhe bauten die Helfer die „Schießstände“ auf, an denen später kein einziger echter Schuss fallen würde, weil die Ziele dann nur „gelasert“ wurden. Meine Frau und ich meldeten uns ganz unspektakulär an und gingen dann zum Festplatz, um die dort bereit liegenden Lasergewehre auszuprobieren und ein paar Fotos zu "schießen". Ganz unwichtig war dieses „Einschießen“ nicht, denn von zu Hause waren wir wesentlich sportlichere Lasergewehre gewohnt; diese hier sahen mehr aus wie die Gewehre einer Schießbude, die Abzüge gingen entsprechend "robust" und die Visierungen waren alle etwas anders eingestellt. Aber da alle Teilnehmer die gleichen Gewehre benutzen und diese auch, sehr praktisch, nach ihrer Benutzung beim Modernen Biathlon einfach liegen bleiben, dürfen sich Moderne Biathleten nicht so sensibel geben wie Biathlon-Profis, die schon bei kleinsten Änderungen am Gewehr gleich übernervös werden und dann oft schlechter treffen. Ich merkte mir trotzdem zwei Lasergewehre, die ich dann im Wettkampf vorzugsweise benutzen wollte.
Wir legten danach unsere Cross-Skates an, die wir anlässlich des Wettkampfes, mit etwas mehr Luftdruck, nämlich mit 9 bar, aufgepumpt hatten. So nahmen wir noch unsere Cross-Skating Stöcke und fuhren die Wettkampfrunde kurz ab. Sie war übersichtlich: 900 Meter bergauf, die Aussicht über die Mittelgebirgslandschaft war wunderschön, dann wenden und den gleichen Weg zurück zum Festplatz. Während wir auf unseren Start warteten, schauten wir uns um. Die Szene des Modernen Biathlon war noch klein, war sie damals doch erst seit 5 Jahren langsam gewachsen, aber sie war schon sehr vielfältig. Von Gelegenheitssportlern bis hin zu sehr Ehrgeizigen waren fast alle Kategorien vertreten: Einer hatte sogar eigene Fans zum Jubeln und zum Transparente schwenken mitgebracht, andere hatten sogar exakt die gleichen schießbuden-ähnlichen Gewehre zu Hause, die auch hier verwendet wurden, wieder andere hatten sich spontan überreden lassen hier mitzumachen. Mehr als ein Viertel der Teilnehmer waren Frauen. Vor der Veranstaltung versuchte uns noch netterweise ein älterer Herr, den Modernen Biathlon zu erklären, obwohl er, selbstbekenned, mit ihm sonst keine Berührungspunkte hatte. Seine Erläuterungen zum Schießen passten auch nicht wirklich wirklich lückenlos zum Modernen Biathlon, aber wir schätzten den Service des ausrichtenden Schützenvereins und hörten höflicherweise zu. Hauptsache, der Sport wird bekannter. Anschließend wollte er uns dann auch im Wettkampf zeigen, was er konnte - wir waren gespannt. Ein mir bekannter teilnehmender Moderner Biathlet war ein sehr ruhig und konzentriert wirkender Polizeibeamter, der immer sehr gut vorbereitet zum Wettkampf antrat.
Es starteten immer neun Biathleten in einer Gruppe, was bei acht Laseranlagen voraussichtlich keine Probleme bereiten würde, weil der Schnellste erfahrungsgemäß schon die Laseranlagen verlassen hatte, wenn der Letzte eintraf. So ging es auf der Cross-Skating-Strecke nicht zu eng zu, aber man erfuhr seine Platzierung erst am Ende, wenn alle Startgruppen ausgewertet waren.
Nach dem Startschuss verlor ich meine Frau schnell aus den Augen , denn das Teilnehmerfeld zog sich rasch auseinander. Mein ständiger Begleiter wurde aber jener Polizeibeamte, der, obwohl 7 Jahre älter als ich, sehr zähen Widerstand leistete. Am Ende der Steigung überholte ich ihn, wusste ich doch um seine Qualitäten als Schütze. Sofort ergaben sich die typische biathletischen Überlegungen, dass ich Vorsprung herausholen musste, ohne zu viel beim Schießen zu riskieren. Der Veranstalter hatte auch liegendes Schießen im Programm, jedoch die eigentlich zu leichte Variante, ohne verkleinerte Ziele, die eine simple Strategie nahe legte: Vor dem liegenden Schießen einfach das Tempo nicht herausnehmen, weil das Treffen so leicht war, dass nichts schief gehen konnte. Mit der Ausnahmen vielleicht, das falsche Lasergewehr zu erwischen.
Ich erinnerte mich an eine Veranstaltung im Jahr davor, wo sich der technische Ausrichter weigerte die nach seinem Augenmaß aufgestellten Ziele auf genau 10 Meter Entfernung zu platzieren. So standen sie in 11,5 Meter Distanz. Das Problem ist dann weniger, das kleinere Ziel zu treffen, als die zu tief zielende Visierung einzuschätzen. Folglich gingen 30 % meiner Treffer damals exakt in der Mitte weinge Millmeter über das Ziel. Heute stimmten aber die Entfernungen, was mich bei meinen Überlegungen etwas beruhigte.
Der eine Kilometer auf Cross-Skates zur Laseranlage war keine lange Strecke mehr, doch ich war etwas überrascht, dass mein Sportsbekannter nur zwei Sekunden hinter mir zum liegenden Schießen eintraf. Ich traf sicher, fehlerfrei und schnell, aber mein Nachbar schoss noch schneller, einfach unglaublich schnell! Meine nur drei Sekunden Rückstand zeigten sich dann als fast 20 Meter Abstand zu ihm. Jetzt steckte ich in der Zwickmühle, ich musste ihn nach Möglichkeit wieder überholen ohne es zu riskieren, beim anschließenden anspruchsvolleren stehenden Schießen zu viel zu wagen. Nach 2 Kilometern auf den Cross-Skates ist man noch frisch, aber das waren wir noch beide und mein Kollege legte ein Tempo vor, das ich kaum mithalten konnte. Trotz theoretisch gleicher Überlegungen war er sich offenbar sicher dieses Tempo aushalten zu können. Am Wendepunkt der Strecke hatte ich ihn zwar wieder eingeholt, wollte bergab aber kein Überholmanöver riskieren und blieb hinter ihm. Also versuchte ich mich „taktisch klug“ zu verhalten, mich etwas zu erholen und es auf ein schnelles und fehlerfreies stehendes Schießen anzulegen. Kurz vor der Laseranlage kam uns meine Frau entgegen, die uns Heißsporne fröhlich und entspannt begrüßte und anfeuerte.
Diesmal rechnete ich mit einem größeren zeitlichen Rückstand nach dem Schießen, konzentrierte mich aber darauf unbedingt fehlerfrei zu bleiben. Das kostete etwas Zeit, doch auch neben mir wurde langsamer geschossen. Rund 5 Sekunden bzw. rund 30 Meter war mein Rückstand, allerdings wäre es keine Schande gegen einen so perfekten Schützen das Nachsehen zu haben. Doch nach dem Cross-Skating stand als Nächstes liegendes Schießen bevor, so dass meine Strategie wieder „Vollgas“ lautete. Schneller als erwartet hatte ich meinen Mitstreiter eingeholt und sogar überholt, vielleicht, weil er eine andere Strategie verfolgte oder aber seine Kräfte schonen musste. Meine Stimmung kippte sofort in eine andere Richtung. Diesmal kam uns, kurz bevor wir den Festplatz erreichten, ein anderer Teilnehmer entgegen, jener ältere Herr, der uns noch vorher Erklärungen über das Schießen geben wollte. Nur noch eine gute Minute aufzuholen, dann würden wir ihn überrunden. Ich hatte ungefähr 40 Meter Vorsprung vor meinem Mitstreiter erkämpft, ziemlich genau der Abstand, den ich mindestens benötigte.
Mein liegendes Schießen ging wieder schnell und fehlerfrei, nebenan aber auch und so sprangen wir fast gleichzeitig auf. Doch ich beschleunigte schneller und lag wieder knapp vorne. Ich war zwar nun derjenige, der den Windschatten spendete, aber damit auch derjenige, der das Tempo vorgab. Ganz langsam wuchs mein Vorsprung, allerdings nicht schneller als auf den letzten drei Abschnitten. So hatte ich nach den 1,8 Kilometern wieder nicht mehr als 50 Meter Vorsprung – es war noch nichts entschieden. Zwar war dieser Wettkampf extrem wenig schießlastig, weil es keine Strafen für Fehlschüsse gab, man musste einfach nur alles „wegballern“, aber jede Sekunde, die man dadurch verlor, konnte trotzdem entscheidend sein.
Als ich zum letzten Schießen kam, lag der ältere Herr noch zum Schießen auf seiner Gummimatte, ich musste schon stehend schießen. Jetzt musste ich mir mehr Zeit nehmen, bekam aber dennoch mit, wie der ältere Herr zwei oder sogar drei Schüsse verschoss und immer noch liegend versuchte zu treffen, während ich schon fertig war. Seine eigenen Schieß-Tipps funktionierten offenbar beim Biathlon nicht so gut. Irgendwie tat er mir leid.
Und wieder hatte ich alles getroffen, wenn auch etwas langsamer. Ich war erleichtert, denn wieder sprang ich gleichzeitig mit meinen Wettkampfbegleiter auf. Wenn er im Training nicht eisenhart an besonderen Endspurt-Qualitäten gearbeitet hatte, sollte ich, auf Grund meines bisher minimal höheren Tempos, nun eigentlich die besseren Karten haben. Aber so etwas ist nie sicher, bevor man nicht im Ziel ist, und ich wollte das so früh wie möglich klar machen. Ein knallharter Endspurt wäre mir auch zu gefährlich gewesen, es darauf ankommen zu lassen. Wenn Moderne Biathloeten fallen, dann auf harten Boden und nicht auf Schnee! Ab nun also Vollgas bis ins Ziel. Bis zum Wendepunkt konnte ich rund 60 Meter Vorsprung herausfahren, das sollte ausreichen, aber im leichten Gefälle zum Ziel schlotterten mir bereits die Knie erheblich und ich fuhr lieber auf Nummer sicher ab. Meinem Verfolger ging es wohl ähnlich, aber größer wurde mein Vorsprung nicht. Die Abbiegung zur kurzen Zielgeraden nahm ich dann flüssiger, als ich befürchtet hatte, und nahm noch viel Schwung mit ins Ziel. Mein Vorsprung im Ziel vor meinem sportlichen Konkurrenten betrug im Ziel nur knappe zehn Sekunden! Bei einem rund 28-minütigem Wettkampf betrachte ich so etwas als sportlichen Gleichstand. Wir tauschten noch einen herzlichen Handschlag und Dank für das harte, aber faire Rennen aus.
Später erfuhr ich, dass meine Zeit am Ende für einen zweiten Gesamtplatz ausgereicht hatte. Meine Lieblingsplatzierung eigentlich, denn dann wird man nicht so laut gefeiert, wie der fast 20 Jahre jüngere Skilangläufer es dann als Sieger mit seinem Fanclub ausgiebig tat. Aber auch „nach vorne“ waren es zum ersten Platz keine 10 Sekunden mehr gewesen. Egal, ob man startet, um zu siegen, oder wie ich, um sich mit anderen „älteren“ Biathleten ein knappes Rennen zu liefern, alle Teilnehmer hatten bei diesem herrlichen Wetter eine spannende und faszinierende Vorstellung des Moderen Biathlonsports gegeben. Was mir erst nachträglich auffiel, war die herrliche Ruhe während des Wettkampfes. Nur der eine Teilnehmer, der seinen Fanclub mitgebracht hatte, wurde lautstark angefeuert, wir anderen nur dezent, was beim konzentrierten Zielen ein riesiger Vorteil war. Auch Profi-Biathleten schützen sich gegen den unsportlichen Lärm der Schlachtenbummler inzwischen häufig mit Ohrenstöpseln. Die Zeiten respektvoller Ruhe am Schießstand scheinen beim Winter-Biathlon vorbei zu sein. Wie angenehm dagegen Moderner Biathlon für die Sportler ist!
Meine Frau kam dann bald als erste Frau, ebenfalls nach fehlerfreiem Schießen, ins Ziel, nur etwa eine Minute nach dem älteren Herrn, der uns vorher noch den Modernen Biathlon erklären wollte, obwohl er ihn selbst nicht erfunden hatte. Moderner Biathlon ist eben in vielerlei Hinsicht anders und nie sicher vor Überraschungen. Den Körper kann man trainieren, aber der Kopf kann einem jederzeit beim Biathlon einen Streich spielen. Die Spannung und Faszination als Teilnehmer ist unbeschreiblich groß und auch alle anderen Teilnehmer, die ich gefragt hatte, haben mir das bisher bestätigt.
Abb. 6: Spannende Wettkämpfe und trotzdem die Kirche im Dorf lassen - Moderner Biathlon ist einfach zu organisieren und ungefährlich.
Die Sportgeräte
Schon auf dem Titelbild dieses Buchs erkennt man, dass etwas anders ist als beim Wintersport Biathlon. Die Räder unter den Füßen des Sportlers sind kaum zu übersehen, da sie recht groß sind. Moderner Biathlon wird üblicherweise auf so genannten Cross-Skates ausgetragen. Cross-Skates sind nur entfernt ähnlich gebaut wie lange Renn-Inline-Skates. Erheblich unterscheiden sie sich in ihrer Handhabung und im Einsatzgebiet, die sie gegenüber Inline-Skates für das sportliche Training deutlich überlegen macht. Cross-Skates haben ziemlich große Räder mit 125 bis 205 Millimeter großen Luftreifen. Das ergibt eine hervorragende Bodenhaftung und ermöglicht eine gewisse Geländetauglichkeit. Somit können fast alle festen Wege mit Cross-Skates genutzt werden. Man ist nicht mehr auf Stadien, Asphaltwege oder Skirollerbahnen angewiesen. Fast alle Cross-Skates verfügen zusätzlich über eingebaute Bremsen, die beachtliche Verzögerungswerte zulassen. Zu den Cross-Skates werden noch Cross-Skating-Stöcke für den Vortrieb hinzugenommen, die Skilanglauf-Stöcken sehr ähneln. Somit ist die Fortbewegungsart sehr ähnlich dem Ski-Skating der Biathleten. Ebenso wie beim Wintersport Biathlon muss man sich vor seinem ersten Modernen Biathlon natürlich mit der Ausdauersportart, in diesem Fall dem Cross-Skating, vertraut machen. Es ist kein so hohes Leistungsniveau wie beim Profi-Biathlon notwendig, aber für eine sichere Beherrschung und eine solide Ausdauergrundlage sollte man mit den Cross-Skates vorher schon gesorgt haben. Gerade wegen der hohen Sicherheit, der schnellen Lernfortschritte und der großen Auswahl an geeigneten „Pisten“ für die Cross-Skates ist man nach rund einem halben Jahr oder etwa 1000 Kilometern Training im Prinzip schon fit genug für seinen ersten Modernen Biathlon.
Was auf dem Titelbild fast noch auffälliger ist: Der Schütze hat zwar ein „Gewehr“ angelegt, aber es ist keine Waffe! Den Unterschied sieht man in der Praxis oft erst aus der Nähe, jedoch nicht auf dem schematisierten Titelbild. Und doch ist der Unterschied zu einer Waffe so wesentlich, dass er kaum größer sein könnte. Beim Modernen Biathlon benutzt man Lasergewehre, die aber eindeutig keine Waffen sind und deswegen auch auf gar keinen Fall so genannt werden sollten. Manchmal werden diese Lasergewehre, vielleicht aus Unwissen, womöglich aber auch um damit zu beeindrucken, als Laserwaffen bezeichnet, was aber völlig falsch ist. Nun handelt es sich dabei ja weder um tödliche Laserpistolen noch um Laserschwerter, sondern „nur“ um hochpräzise Laser-Zielgeräte in Form von Sportgewehren - in anderen Wettkampf-Varianten sogar manchmal in Form von Pistolen. Mit der Präzision dieser Zielsport-Geräte, kann keine Schusswaffe mithalten und doch sind sie selbstverständlich waffenscheinfrei, da sie völlig ungefährlich sind. Die modernsten Geräte ermöglichen eine Treffer-Erkennung und Zuverlässigkeit von praktisch 100% und Spezialanfertigungen haben eine 100 % genaue und entfernungsunabhängige Visierung. In diesem Zielstrahl-Modus oder Dauerstrahl-Modus wird keine Zielvorrichtung mehr benötigt, sondern mit dem Laser gezielt und bei Erfassung des Ziels ausgelöst. Davon können sogar die Biathlon-Profis momentan nur träumen - man denke an die vielen technischen Schwierigkeiten und die Umgebungsprobleme, die man in Wettkämpfen beobachten kann. Später noch mehr zum benötigten Material.

Abb. 7: ein Cross-Skate mit Luftreifen und wirksamer Hinterradbremse

Abb. 8: Lasergewehr mit Red-Dot-Visierung
Warum ist Moderner Biathlon modern?
Die Wintersportart Biathlon ist ja noch keine alte Sportart. Trotzdem ist sie schon relativ unflexibel, weil sie mit bestimmten Sportgeräten und auch sonst unter ganz bestimmten, genau genommen, sogar recht eingeschränkten Bedingungen durchgeführt wird. Änderungen in den Sportgeräten würden den Groll der Sponsoren hervorrufen, der Wechsel in andere Biathlon-Gebiete den Ärger der Veranstalter. So unterhaltsam und bewundernswert sich unsere Bliathlon-Gladiatoren der Neuzeit auch in den Medien präsentieren, so eingeengt sind sie doch durch ein enges Reglement und die Vorgaben bestimmter Interessentengruppen.
Dies macht den Biathlonsport als Breitensportart so gut wie unmöglich. Dafür müsste man erheblich erschwinglichere Sportgeräte finden und die Durchführbarkeit so stark vereinfachen, dass der Sport erheblich näher ans Volk heranrückt. Das ist mit dem Modernen Biathlon gelungen. Diesen kann man in Mitteleuropa 8 bis 12 Monate im Jahr veranstalten, ohne großen Aufwand vor Ort und ohne große Kosten. Der Sport kann praktisch im kleinsten Dorf ausgetragen werden – eigentlich genügt schon ein Parkplatz oder eine Grillanlage am Wandrand. Das alles ist zunächst den „modernen“ Sportgeräten, den Cross-Skates und den Lasergewehren, zu verdanken, zum großen Teil aber auch dem einfachen, flexiblen und kreativen Regelwerk der Modernen Biathlons. Die Sportgeräte wurden eben bereits kurz beschrieben.
Einen großen Beitrag zur Modernisierung leistet der überarbeitete Austragungsmodus, der im Veranstalter Handbuch Cross-Skating und Moderner Biathlon detailliert beschreiben wird. Die Grundsätze dieses Handbuchs sind aber recht einfach und logisch aufgebaut und sollten mehr als Ideensammlung und Organisationshilfsmittel betrachtet werden. Seit den ersten praktischen Versuchen zum Modernen Biathlon wurden die Ergebnisse dieser Testreihen und der ersten Wettkämpfe fortlaufend in das Handbuch eingearbeitet. Natürlich mussten auch Probleme geregelt werden, die sich erst in der Praxis ergeben haben. In der Summe erscheint das erarbeitete Regelwerk, wie es manche ehrfürchtig nennen, mehr wie eine Verdichtung des Biathlonsports.
Aber nicht nur durch das Weglassen wurden zahlreiche Vereinfachungen und Verbesserungen erreicht. Manche Abläufe werden im Modernen Biathlon völlig anders gehandhabt, weil es so praktischer und damit tatsächlich besser geht. Dorthin hat die grundsätzliche Überlegung ganz am Anfang geführt, was der Sport eigentlich braucht und was ihn ausmacht, und das ist in seiner Essenz nun einmal ein Ganzkörper-Ausdauersport in der Kombination mit einer Präzisionssportart. Alles Notwendige wurde Stück für Stück darum aufgebaut, ganz ohne die vorurteilsbelastete Vorgabe einer Simulation oder einen Ersatz für eine andere Sportart zu finden. Profis trainieren im Sommer mit empfindlicheren, aber skiähnlicheren Skirollern und ihren gewohnten Kleinkalibergewehren. Warum auch nicht? Sie sollen als Profis ihren Sport ja auch so ähnlich wie möglich simulieren – koste es, was es wolle. Das war nie das Ziel des Modernen Biathlons, weshalb diese neue Biathlon-Variante auch keinerlei Konkurrenz zur Wintersportart Biathlon, sondern vor allem eine sinnvolle Erweiterung in den Breitensport darstellt.
Trotzdem ergaben sich gerade durch den von Grund auf kompletten Neuaufbau der Regeln interessante Modernisierungen, die den neuen Sport dem Wintersport Biathlon in vielen Eigenschaften sogar überlegen macht. Im Falle des Skating-Starts war der Moderne Biathlon dem Wintersport Biathlon sogar voraus: Während bei einigen Winter-Biathlon-Disziplinen auf einen Start per Doppelstockschub beharrt wurde, war beim Modernen Biathlon schon immer der Skating-Start im kompletten Stil erlaubt. Auch bei der Staffelübergabe ist der Moderne Biathlon innovativer und verzichtet auf die schon stets problematische Berührung des Partners bei der Übergabe. Moderner Biathlon ähnelt dem Wintersport Biathlon äußerlich in einigen Punkten, aber unterscheidet sich in technisch notwendigen und in den modernisierten Details von ihm erheblich.
Abb. 9: Eine angepasste Technik ist zwar schnell erlernt, aber entwickelt sich mit den Jahren immer noch weiter.
Gemeinsamkeiten zur Wintersportart Biathlon
Von den sportlichen Anforderungen her sind die beiden Sportarten fast identisch. Nach einer mitunter sehr anstrengenden Ausdauerbelastung muss keine so präzise Schießleistung vollbracht werden, wie sie bei Schießwettkämpfen erforderlich ist. Im Groben ist auch die Gesamtbewegung der beiden Skating-Sportarten sehr nahe miteinander verwandt. Die Wettkampfdauer ist ebenfalls ähnlich, so dass auch die Anforderungen an die Ausdauerbelastung ähnlich sind. Beide Skating-Sportarten sind Ausdauersportarten mit einem hohen Kraftausdaueranteil. Es treten mitunter hohe Spitzenbelastungen auf, was zudem physische Kapazitäten im Grenzbereich zu den Mittelstreckensportarten erfordert. Moderne Biathleten müssen nicht zwangsläufig diese Spitzenbelastungen so hart trainieren wie Biathlon-Profis, für ein bloßes Ankommen genügt allein eine passable Ausdauergrundlage.
Unterschiede zur Wintersportart Biathlon
Was das Material betrifft, wurde bereits erwähnt, dass die Unterschiede recht groß sind. Es werden eben moderne Sportgräte verwendet. Moderner Biathlon ist weder Winter- noch Saisonsport. Genau genommen ist Moderner Biathlon ein „Nicht-Wintersport“, den man dort betreiben kann, wo kein richtiger Winter stattfindet, also in den mitteleuropäischen Tiefebenen inzwischen oft 11 bis 12 Monate im Jahr.
Man kann den Modernen Biathlon auch als die konsequente Antwort des Biathlonsports auf den Klimawandel bezeichnen. Dazu passt auch, dass der Moderne Biathlon um ein Vielfaches umwelftfreundlicher ist als die Wintersportart Biathlon. Denn die Belastungen für die Umwelt fallen fast völlig weg. Und das bei vergleichsweise geringen Kosten.
Eine Sache sollte man auch nicht überbewerten: Den Biathlon aus dem Fernsehen lernen. Wenn man einmal darauf achtet, hört man häufig immer wieder die gleichen Sprüche und im Fall von Fehlern auch die gleichen Fehler. Wenn sie schon nicht (mehr) auf den traditionellen Biathlon zutreffen, dann erst recht nicht für den Modernen Biathlon. Beispielsweise ist es beim jeder Art des Biathlons relativ unwesentlich, wie hoch der Puls ist. Ein sehr hoher Puls deutet lediglich auf höhere Anstrengung an und bei höherer Anstrengung steigt das Risiko, dass die Muskeln zittern oder der Biathlet früher ermüdet. Ein niedriger Puls macht sich beim Zielen nur bei Profis wirklich negativ bemerkbar, weil sie ein größeres Herz haben,das härter schlägt und weil beim Profi-Biathlon auf kleinere Ziele gezielt wird als beim Modernen Biathlon. Auch hört man häufiger, dass ein "gleichmäßiger Rhythmus" gelobt wird. Das mag zwar aus ästhetischen Gründen gefallen ist aber für das Treffer-Ergebnis unbedeutend und sogar manchmal nachteilig, wenn man solch einen Rhythmus nur anstrebt, weil er so "schön" sei oder man gern hören möchte, wie sehr ihm manche Sportreporter loben. Zielsport ist eindeutig azyklisch und hat mit dem Bewegungsrhythmus der zyklischen Sportarten rein gar nichts zu tun. Es werden einzelne, in sich vollständige Abläufe zwar hintereinander, aber völlig separat voneinander durchgeführt.
Die Idee des Modernen Biathlons
Viele Sportinteressierte können sich kaum der Spannung von Biathlon-Wettkämpfen entziehen. Sportlichere Zuschauer juckt es auch sicher ab und an, dies einmal selbst auszuprobieren. Aber wie, wenn man kein Profi ist oder nicht beim Militär beschäftigt ist? Der Wintersport Biathlon stempelt sich selbst zu einer Art Elite-Sportart ab. Wie schade!
Die Grundidee, nämlich die Kombination zweier sportlicher Hauptkomponenten, die den Biathlonsport ja ausmacht, sollte erhalten bleiben. Die dadurch hervorgerufene Faszination ist in weiten Kreisen der Bevölkerung angekommen und die Abläufe wurden allgemein gut verstanden. Kaum jemandem ist der Biathlonsport heute noch unbekannt. Viele Fans würden gerne eine sich bietende Gelegenheit nutzen, um bei einem Biathlon selbst mitzumachen. Zum Breitensport allerdings hat es der Biathlon bisher noch nicht gebracht und die Gründe dafür sind nachvollziehbar:
Beim Biathlon wird scharf geschossen! Kleinkalibergewehre können nicht nur gefährliche Geschosse abgeben. Damit sind auch weitere Nachteile verbunden, welche den Sport als Breitensportart erschweren. Scharf geschossen werden darf nur auf Schießständen und nur von Besitzern einer Waffenbesitzkarte, bekannt als Waffenschein. Hinzu kommen weitere erschwerende Umstände, die direkt mit den Schusswaffen in Verbindung stehen.
Skilanglauf erfordert die richtige Jahreszeit und eine gut präparierte Piste. Das schränkt Ort und Zeit, wo und wann man diesen Sport ausüben kann, erheblich ein.
Dies alles zieht erhebliche Kosten und großen Aufwand nach sich. Somit hat sich Biathlon überwiegend als Profisport für eine kleine, fast schon elitäre kleine Gruppe von Sportlern durchgesetzt. Die begeisterten Fans dieser Sportart konnten in der Vergangenheit somit nur zuschauen, aber kaum selbst aktiv werden.
Eine gewisse Annäherung an den Breitensport hat sich seit Mitte der 1990er Jahre durch den Sommerbiathlon ergeben, der ursprünglich als kostengünstige Biathlon-Variante gedacht war. Beim Sommerbiathlon wurden die Sportarten Crosslaufen (gelegentlich auch Mountainbiken) und Luftgewehrschießen kombiniert, was den Sport den Teilnehmern schon deutlich leichter zugänglich macht. Die Bezeichnung Sommerbiathlon war grundsätzlich unglücklich gewählt, denn Crosslaufen ist unabhängig von den Jahreszeiten möglich. Luftgewehrschießen erfordert zwar keinen Waffenschein, ist aber stets an Schießstände gebunden und bleibt dadurch organisatorisch immer noch aufwändig. So konnte auch der Sommerbiathlon bisher kaum zur wirklichen Breitensportart heranreifen. Was zum unkomplizierten Biathlon für Jedermann fehlte, waren harmlose, waffenscheinfreie „Waffen“ und eine Art von Skiern, die bei fast jedem Wetter benutzt werden konnten.
Durch die wachsende Popularität des Profisports Biathlon bekam der Sommerbiathlon Konkurrenz aus dem Winter. Zu wenig ausgelastete Biathleten oder auch die Idee, die Sportler nicht nur in den kurzen vier Monaten der Biathlon-Saison dem Publikum zu präsentieren, wurden zunehmend Biathlon-Wettkämpfe mit Skirollern ausgetragen. Biathleten trainieren ohnehin die meiste Zeit des Jahres auf Skirollern, so lag diese Idee sehr nah. Etwas unfair war die identische Bezeichnung dieser Wettkämpfe ebenfalls als Sommerbiathlon, weil dadurch eine klare Unterscheidung zwischen den beiden unterschiedlichen Sportarten erschwert wurde. Als Breitensport geeignet erscheint jedoch die Variante mit Skirollern bestenfalls nur ein ganz klein wenig, doch nicht so gut wie die ältere Variante des Sonmerbiathlons, der auf leicht verfügbare Sportgeräte, Luftgewehr und Laufschuhe, zurückgriff.
Noch vor diesen beiden Ideen ergaben sich jedoch 1992 und 1993 in Südhessen vier Gelegenheiten Cross-Biathlons auszutragen. Auch hier sprang die Faszination des Biathlons auf den Breitensport über und daher veranstaltete ich Kombinationswettkämpfe aus Mountainbikefahren und Luftgewehrschießen, alternativ Crosslaufen für weniger geübte Radfahrer. Schon nach der ersten Veranstaltung wurde die Idee erweitert und die zwei Ausdauersportarten im Biathlon kombiniert. Die Disziplinen des Wettkampfes wurden in der folgenden Reihenfolge durchgeführt: Laufen, Schießen, Radfahren, Schießen, Radfahren, Schießen und nochmals Laufen. Dieser Wettkampf wurde kurzerhand Cross-Triathlon genannt, obwohl es die Sportart Triathlon damals bereits als Cross-Variante gab.
Viel Verwirrung also in der 90er Jahren um die Namensgebung biathlonähnlicher Sportarten.
Deutlicher sollte die Bezeichnung für eine neue und ganz eindeutig für den Breitensport taugliche Variante des Biathlons ausfallen.
Die Grundlagen des Modernen Biathlons als eigenständige Sportart wurden vor allem in den Jahren 2004 und 2005 ausgebaut. Die vollständige Körperbelastung wie beim Skilanglauf war zwar erwünscht, Skiroller erschienen aber zum damaligen Zeitpunkt noch etwas zu diffizil für Ausdauersportler, die womöglich aus Sicherheitsgründen oder aus gesundheitlicher Motivation diesen Sport für sich gewählt hatten. Schießen mit meldepflichtigen oder gefährlichen Waffen sollte grundsätzlich vermieden werden. So war die Idee, eine dem Skilanglauf ähnliche Sportart und eine reproduzierbar genaue Präzisionssportart unter einem Dach zu vereinen, noch eine halbe Utopie. Seit den 1980er Jahren waren zwar so genannte Cross-Skates auf dem Markt: gutmütige, luftbereifte Cross-Inliner, die praktisch Ski-Skating auch mit Stöcken ermöglichten. Doch waren diese Sportgeräte noch so selten, dass sie fast als „Einhörner“ unter den Sportgeräten betrachtet wurden. Dagegen war elektronisches und damit harmloses Schießen bereits seit mehreren Jahrzehnten bekannt, aber bis dato leider fast unbezahlbar. Das Konzept des Modernen Biathlons sollte aber so weit entwickelt werden, dass es schon fast vollständig ausgereift angewendet werden konnte, sobald geeignete und erschwingliche Sportgeräte auf dem Markt zu Verfügung standen.
So wurde 2004 noch improvisiert und als Ausdauersportart zunächst wieder auf das Crosslaufen zurückgegriffen. Das Schießen wurde vorerst mit waffenscheinfreien „Spielzeugwaffen“, so genannten Softair-Pistolen, durchgeführt um wenigstens erste Abläufe und Versuchsreihen durchführen zu können. Völlig harmlos waren die Softair-Waffen nicht und eine Schutzbrille war wegen eventueller Querschläger dieser etwas stärkeren „Erbsenpistolen“ grundsätzlich notwendig. Zwar standen damals auch Softair-Gewehre zur Auswahl, doch grundsätzlich wollte man sich zunächst auf eine leicht durchführbare Präzisionsportart festlegen, jedoch nicht prinzipiell auf die genaue Form dieses Sportgerätes. Steinschleudern und Dartpfeile fielen als Präzisionssportgeräte wegen ihres Gefahrenpotentials schon nach kurzer Zeit aus der engeren Wahl.
Der grundsätzliche Ablauf eines Biathlons konnte mit Crosslaufen und Softair-Schießen bereits nachempfunden werden und deshalb gab es ab 2004 viele Dutzend Versuchsreihen, die sich immer weiter und weiter entwickelten. So ergaben sich bereits früh verschiedene Ablaufvarianten, die zeitlichen Abläufe und die Proportionen zwischen Laufzeiten, Schießzeiten sowie eventuelle Strafen für Fehler wurden recht genau ausgetüftelt. Ein ernüchterndes Ergebnis dieser Testreihen war, dass der Wintersport Biathlon zu wenig schießlastig war. Ein guter Ausdauersportler konnte bisher beim Biathlon erheblich mehr erreichen als ein guter Schütze.
Diese Testreihen wurden im Jahr 2005 erheblich voran getrieben. Fast zur gleichen Zeit standen dann fast plötzlich, zu recht erschwinglichen Preisen, Lasergewehre und Cross-Skates zur Verfügung. Mit den weiteren Versuchsreihen, die seitdem mit Cross-Skates und Lasergewehren durchgeführt wurden, war die Geburt des eigentlichen Modernen Biathlons besiegelt.
Heute wird Moderner Biathlon daher auf der Grundlage einiger der damaligen Grundkenntnisse durchgeführt. Diese lassen immer noch einen ganz erheblichen Spielraum in der Durchführung, mehr als jede andere Biathlon-Sportart. Um ihre Identität und die wichtige Zielsetzung nicht zu verlieren, wurde die Sportart seit 2005 im „Handbuch Moderner Biathlon“ definiert, das seitdem als Regelwerk des Modernen Biathlons gehandhabt wird.

Abb. 10: Schnell gab es erste Wettkämpfe im Modernen Biathlon mit noch sehr überschaubaren Teilnehmerzahlen.
Die verwendeten Sportgeräte sind Cross-Skates, welche Skirollern ähneln, durch Luftbereifung und Bremse jedoch enorm sicher zu fahren sind. Diese Sportgeräte können bei fast jeder Wetterlage auf sehr vielen verschiedenen Böden gefahren werden und erfordern weder ein Stadion noch befestigte Asphaltwege. In der Skating-Technik fährt man die Cross-Skates zusammen mit Stöcken um eine Belastung des ganzen Körpers zu erreichen und um besser voran zu kommen. Die Präzisionssportart wird mit inzwischen handelsüblichen Lasergewehren durchgeführt, die zwar viel günstiger sind als noch vor einigen Jahren, aber immer noch mindestens so viel kosten wie eine Ausrüstung mit Cross-Skates und Cross-Skating-Stöcken. Dagegen belaufen sich die laufenden Kosten auf verschwindend geringe Beträge, so dass der Moderne Biathlon als recht günstige Sportart gelten kann. Eine Komplettausrüstung ist heute für unter 2000 Euro zu bekommen, entspricht etwa einem guten Sportrad. Die laufenden Kosten sind danach kaum höher einzustufen als die des breitensportlichen Radsports oder der Kosten für ein paar Laufschuhe, die ein Läufer Jahr für Jahr abläuft.
Der Moderne Biathlon ist natürlich immer noch entwicklungsfähig, aber wehrt sich genau aus diesem Grund dagegen, den Winter-Biathlon imitieren oder simulieren zu wollen. Damit verbunden wäre ja auch die Nachahmung unpraktischer oder Waffensport ähnlicher Eigenschaften, die nicht von jedem Modernen Biathleten erwünscht sind. Der Ausstoß giftiger und krebserzeugender nitroser Pulverdämpfe, der Knall und das Gefährdungspotenzial durch Waffen schrecken nicht nur überzeugte Pazifisten von der Teilnahme an Sportarten mit scharfen Waffen ab.
Und warum sollte der Moderne Biathlon auch seinen Ahnen imitieren wollen? Moderner Biathlon ist nicht nur praktischer, sondern auch vielseitiger als die Profisportart Biathlon. Allein die Verbindung von Anstrengung und Geschicklichkeit macht die Herausforderung und die Spannung der Biathlon-Idee aus. Durch die erhebliche Vereinfachung des Sports bleiben diese essenziellen Elemente erhalten, während man sich aller überflüssiger, aufwändiger, teurer, störanfälliger und mitunter gefährlicher Elemente entledigen konnte. Andererseits lassen sich, durch die Befreiung von einigen unerwünschten Eigenschaften, viel mehr kreative Spielräume erschließen. Im Modernen Biathlon gab es schnell Variationen und Spielarten, die auch das Gehirn in besonderer Weise fordern und fördern.
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