Kitabı oku: «Mörderisches Kärnten»

Yazı tipi:

Dorothea Böhme / Alexandra Bleyer

Mörderisches Kärnten

11 Krimis und 125 Freizeittipps

Zum Buch

Skurriles aus Kärnten Irene Weratschnig ist Kettenraucherin und Polizistin. Mit Kurzhaarschnitt und Lederjacke fühlt sie sich wie Lena Odenthal und löst dabei mit Raucherhusten den einen oder anderen Fall. Wilma Brandstätter ist eine ehemalige Kleinkriminelle, die über so manche Leiche stolpert. Dr. Franz-Josef Hahn, seit 13 Jahren verwitwet, ist fest entschlossen, seinen 80. Geburtstag nicht allein zu feiern. Dabei trifft er bei seinen Unternehmungen durch Österreichs südlichstes Bundesland nicht immer nur Frauen, die es gut mit ihm meinen. Die 11 Kurzkrimis vereinen skurrile Figuren, die nur auf der Suche nach dem persönlichen Glück sind und dabei die wunderschönen Facetten und Möglichkeiten ihrer Heimat aufzeigen.

Dorothea Böhme zieht es immer wieder in die weite Welt hinaus: Italien, Ungarn und Ecuador waren unter anderen Stationen in ihrem Leben. Einige Jahre verbrachte sie auch im wunderschönen Kärnten, das sie schnell in ihr Herz schloss und zum Schauplatz ihrer skurrilen Kriminalromane um den Chefinspektor Fritz Reichel machte.

Die Historikerin Alexandra Bleyer lebt in Seeboden am Millstätter See. Sie ist Sachbuch- und Krimiautorin. Ihre humorvollen Jägerkrimis schaffen es regelmäßig unter die Top 10 der österreichischen Bestsellerlisten; „Waidmannsdank“ wurde 2019 von ORF und ZDF als Landkrimi verfilmt. Sie ist für die Freizeittipps dieses Bands sowie drei Kurzgeschichten verantwortlich.

Impressum

Personen und Handlung sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen

sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

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Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

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Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Sven Lang

Herstellung: Julia Franze

E-Book: Mirjam Hecht

Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart

unter Verwendung der Fotos von:

© by Paul / shutterstock.com

ISBN 978-3-8392-6836-0

Inhalt

Impressum

Karte

Schiachperchten

Freizeittipps

Kaltes Schicksal

Freizeittipps

O du selige

Freizeittipps

Sparmaßnahme

Freizeittipps

Schlüsselerlebnis

Freizeittipps

Hahn im Korb

Freizeittipps

Der Berg ruft

Freizeittipps

Hahnenkampf

Freizeittipps

Das Monster vom Keutschacher See

Freizeittipps

Fuchs im Hühnerstall

Freizeittipps

Schifoan

Freizeittipps

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Karte


Schiachperchten
Region Mittelkärnten/St. Veit/Burg Hochosterwitz

Dorothea Böhme

Der Tote baumelte im zweiten Torbogen. Später würde Wilma von einer Krähe erzählen, die sich schon bereit gemacht hatte, ihm ein Auge auszuhacken, als sie kurz vor ihrem Arbeitsbeginn als Kassiererin auf ihn gestoßen war. Tatsächlich hing er allein hier, über dem Gehweg, der zur Burg Hochosterwitz 1 hinaufführte, und bewegte sich leicht im Luftzug des kühlen Morgens. Das Seil war durch die Fenster oben im Wächtertor geschlungen und dann um den Hals des Mannes geknüpft worden.

Der Tote hieß Herbert Aschenwalder und war 67 Jahre alt. Das wusste Wilma deshalb so genau, weil sein Portemonnaie inklusive Führerschein in ihrer Handtasche steckte.

Wilma lehnte sich an die Steinmauer und blickte zum Magdalensberg 2 hinüber. Um diese Zeit war es richtig schön hier. Dann zog sie ihr Handy aus der Tasche, machte sich auf den Weg zurück zum Parkplatz und rief die Polizei.

Sie musste nicht lange warten, zwei Streifenwagen aus St. Veit schafften es in 13 Minuten zur Burg. Wilmas Kollegen, Clara und Bernhard, die oben in der Burggaststätte arbeiteten, erschienen weitere fünf Minuten später.

»Ach du liebe Zeit!« Claras Stimme zitterte, während sie sich an Bernhard klammerte.

Der Polizist, der Wilmas Personalien aufgenommen hatte, ignorierte die beiden. Ein kaugummikauender Kollege von der Kriminalpolizei, der gerade angekommen war, ließ sich auf den neuesten Stand bringen. So hatten Clara und Bernhard freie Bahn, Theorien zu spinnen.

»Vielleicht hatte er eine Geliebte, mit der er sich heimlich getroffen hat. Und seine Ehefrau ist ihm auf die Schliche gekommen«, schlug Clara vor.

»Illegale Drogengeschäfte«, war Bernhards Beitrag.

Wilma schwieg.

Schließlich kam der Polizist mit Kaugummi auf sie zu. Aus der Nähe betrachtet, sah er gar nicht einmal schlecht aus. Schade, dass er Polizist war. »Wilma Brandstätter? Interessant. Eine Kriminelle.«

»Ehemalige.« Sie hob die Hände. »Ehrenwort.«

»Jedenfalls ein schönes Vorstrafenregister.«

»Alles Jugendsünden.«

»Sie sind erst seit einem halben Jahr draußen. Und 33 Jahre alt.«

Wilma schob sich eine dunkle Locke hinter das Ohr. »Wollen S’ eine Zeugenaussage?«

»Das wär’ nett.«

»Vor einer knappen halben Stunde bin ich zur Arbeit gekommen.« Sie deutete auf das Kassenhäuschen. Ihre Chefin war großer Fan davon, Exkriminelle zu resozialisieren, und hielt auch nichts von alten Redensarten. Wilma erklärte weiter: »Da schon ein Auto auf dem Parkplatz stand, ich aber niemanden gesehen habe, bin ich ein Stückchen den Weg hinaufgelaufen. Und dann hing er da. Im Torbogen.«

»Kannten S’ den Toten?«

»Er hat gestern eine Eintrittskarte bei mir gekauft. Bis halb fünf ist Einlass, etwa um die Zeit kam er und wanderte nach oben.«

»Besondere Vorkommnisse?«

»Er war unfreundlich.« Wilma zuckte mit den Schultern. Das war der Grund gewesen, weshalb sie ihm das Portemonnaie geklaut hatte, Kompensation für erlittenes Unrecht. Nette Menschen versuchte Wilma nicht mehr zu bestehlen, das war ihre Interpretation der Bewährungsauflagen.

»Unfreundlich, so, so. Und was haben S’ dann gemacht?«, nuschelte er.

Beamten sollten Kaugummis verboten werden, fand Wilma. »Feierabend.«

»Das können wir bezeugen«, mischte Clara sich ein, die inzwischen Bernhards Hand fest gedrückt hielt. »Wir arbeiten oben im Burgrestaurant, Wilma hat Bescheid gesagt. Und als wir um halb sieben etwa am Parkplatz waren, war ihr Auto schon weg.«

»Haben S’ den Toten gesehen?«

Beide schüttelten den Kopf. In diesem Augenblick wurde der Leichnam von einem Team Beamter, vermutlich Forensiker, vorbeigetragen. Aber so genau kannte Wilma sich bei der Polizei nicht aus, von der hielt sie sich lieber fern. Clara klammerte sich weiterhin an Bernhard, dem die Farbe aus dem Gesicht gewichen war.

Der Polizist deutete mit seinem Zeigefinger auf Wilma. »Halten Sie sich bereit für weitere Befragungen.« Damit war Wilma offenbar entlassen, denn er wandte sich wieder seinem Kollegen zu, der mit den Forensikern sprach.

Inzwischen war Wilmas Chefin von der Tourismusbehörde eingetroffen und stöckelte aufgeregt auf sie zu. »Und dabei soll heute Abend doch das Akkordeonfestival stattfinden! Um Himmels willen!« Was es die Akkordeonspieler stören sollte, dass am Morgen noch eine Leiche im Wächtertor gehangen hatte, verstand Wilma zwar nicht, aber bevor sie nachfragen konnte, sprach ihre Chefin schon hektisch ins Handy.

Wilma ging zu ihrem Kassenhäuschen, vor dem sich die ersten Touristen versammelt hatten, die allerdings die Polizei und den Leichenwagen faszinierender fanden als die Burg. Das war für den Augenblick gut so, denn Wilma durfte nur Karten für den Aufzug verkaufen, nicht für den Fußweg, solange die Polizei den Tatort noch untersuchte. Während sie die Kasse einräumte, die Kleingeldrollen überprüfte und hin und wieder zur Polizei hinüberschielte, war sie trotz allem zufrieden mit dem bisherigen Tagesverlauf. Nicht, dass sie ihre Arbeit gehasst hätte, aber etwas langweilig war der Job für eine ehemalige – Ehrenwort! Meistens jedenfalls – Kriminelle schon. Da brachte ein toter Unsympathler gerade die richtige Abwechslung.

Bis Wilma um halb fünf Feierabend machte, hatte sie Herbert Aschenwalders Portemonnaie schon mehrmals durchwühlt. Auch wenn sie sich immer wieder sagte, dass der Mann nicht nett gewesen war, ihr schlechtes Gewissen blieb: Erst beklaute sie ihn, dann hing er tot von ihrem Burgtor. Wilma Brandstätter, ehemalige Kleinkriminelle, stahl vielleicht hin und wieder Geldbörsen, aber Mord, das war doch etwas anderes. Und die Kieberei? Der würde sie zwar keine Träne nachweinen wegen der Extra-Arbeit. Dass sie aber wertvolle Ermittlungszeit vergeudete, damit die Identität des Mannes geklärt würde, lag an ihr. Wilma schürzte die Lippen. Der Polizei helfen, nein, das war zu viel gesagt, das würde sie nicht tun. Aber ein klitzekleines bisserl nachfragen am richtigen Ort … Sie klappte das Portemonnaie zum vierten Mal auf. Der Führerschein half ihr nicht weiter, genauso wenig die BIPA-Kundenkarte. Interessanter war der Flyer der Perchtengruppe 3 der St. Veiter Höllenhunde und der inoffizielle Mitgliedsausweis, der auf Herbert Aschenwalder, Kassenwart, ausgestellt war. Nun hatte Wilma einen Hinweis auf ein Privatleben. Dazu passend gab es zwei Bankomatkarten, eine für Aschenwalder persönlich, eine für die St. Veiter Höllenhunde. Sie drehte den Mitgliedsausweis ein paarmal hin und her. Perchten, Wilma mochte Perchten. Bei den Schauläufen im November und Dezember gab es immer so ein Gedränge, dass niemand bemerkte, wenn ein bisserl Kleingeld aus einer Jackentasche in Wilmas geöffnete Handfläche fiel.

»Sag, Wilma, du hast mit der Sache nichts zu tun, oder?« Wie aus dem Nichts war ihre Chefin aufgetaucht. Noch gerade rechtzeitig konnte Wilma die Karte in der Hosentasche verschwinden lassen.

»Wieso sollte ich einen Touristen ermorden?«

Die Chefin zuckte zusammen.

»Wir hatten heute mehr Besucher als in der ganzen letzten Woche.« So etwas munterte sie immer auf.

»Aber das ist ja fantastisch! Da haben die Besucher vom Morgen gleich alle ihre Bekannten angerufen. Was passiert, wenn es erst in der Zeitung steht?« Die Chefin legte ihr eine Hand auf die Schultern. »Ich bin immer dafür, Menschen eine zweite Chance zu geben.«

Wenn Wilma genau nachrechnete, war dieser Job ihre sechste oder siebte Chance, auf den Pfad der Tugend zurückzukommen. »Ich habe ihn trotzdem nicht ermordet.«

»Ganz egal, wer’s war, er ist ein Schatz! Mehr Besucher als in der letzten Woche!« Die Chefin drückte noch einmal Wilmas Schulter, dann holte sie ihr Handy hervor. »Wir müssen unbedingt einen Gruselabend mit Mordgeschichten veranstalten!«

Wilma machte sich auf den Weg über den Parkplatz zu ihrem Golf, der neben Claras Wagen stand. Wer hatte diesen Aschenwalder ermordet? Ein Eifersuchtsdrama, wie Clara vermutete? Bernhards Theorie mit den Drogen schloss Wilma aus, der Mann hatte wie ein Steuerberater gewirkt, der sogar seinen Alkoholgenuss rationierte. Sie sah auf die Uhr, in einer halben Stunde fing ihr Yogakurs an. Seit der Entlassung aus der Justizanstalt Klagenfurt hatte der Bewährungshelfer ihr einen harmlosen, gesunden und extrem langweiligen Freizeitplan vorgeschlagen. Kontaktabbruch zu alten Freunden, neue im bürgerlichen Milieu suchen. Sie schulterte ihre Handtasche und beschloss, stattdessen in St. Veit 4 nach den Höllenhunden zu fragen. Völlig unverbindlich.

Sie parkte ihr Auto auf dem Parkplatz am Burggraben und machte sich von da aus auf den Weg in die Innenstadt. Auf dem Hauptplatz 5 mit den alten Bürgerhäusern gönnte sie sich ein Eis, setzte sich auf die Treppenstufen des Walther-von-der-Vogelweide-Brunnens und kramte nach dem Flyer der Perchtengruppe. Das Eis in der einen, das Handy in der anderen Hand, wählte sie die Nummer des Vorstands.

»Grüß Gott, Brandstätter mein Name, Kleine Zeitung. Hätten S’ vielleicht Zeit für ein Interview?« Lügen war Wilmas Spezialität. Eine ihrer Spezialitäten. Die anderen waren Taschendiebstahl und Küssen. Singen und Schlösser knacken konnte sie nicht so gut.

Walter Grim, wie der Perchtenvorstand hieß, war begeistert von einem Interview, hatte Zeit und würde sie in zehn Minuten im Café Central treffen. Zufrieden steckte Wilma das Telefon weg. Wenn sie es schaffte, charmant zu sein, sprang vielleicht ein Gratis-Verlängerter heraus. Wie versprochen musste sie nicht lange warten, bis Walter Grim auf dem Hauptplatz erschien. Er war ein gar nicht übel aussehender Kerl mit dunklen Haaren und Dreitagebart. Wilma schätzte ihn auf Mitte bis Ende 30, also ein paar Jahre älter als sie.

»Griaß di«, ging Walter gleich zum Du über, als er ihr ein Küsschen auf die Wange hauchte. »Was willst denn wissen?«

»Vielleicht fangst erst einmal an, mir etwas über euch zu erzählen?«

Während Walter ihr erklärte, dass es die St. Veiter Höllenhunde seit etwas mehr als einem Jahr gab, aber alle 14 Mitglieder begeistert bei der Sache wären, schlürfte Wilma ihren Verlängerten und fragte sich, wie sie das Gespräch unauffällig auf Herbert Aschenwalder bringen konnte.

»Heuer treten wir natürlich in St. Veit auf, dann in Villach und bei den Klagenfurtern. Unsere Masken haben wirklich etwas von Höllenhunden.« Er suchte ein Foto heraus, offenbar bei einem der letztjährigen Perchtenläufe geschossen, und reichte es Wilma. Er erzählte ihr von der Anfangsgeschichte der Gruppe und ihren bisherigen Showläufen, wobei er besonders begeistert von sich selbst berichtete.

»Servas, Walter«, grüßte da ein junger Bursche, der auf ihren Tisch zukam. Er nickte Wilma zu, bevor er einen wahren Redeschwall über Walter ergoss, der verzweifelt versuchte, ihn zu unterbrechen. Es ging um den Perchtenverein, und bei dem Namen »Herbert« spitzte Wilma die Ohren.

»Hast du das endlich mit ihm geklärt?«, wollte der junge Mann wissen.

»Oh, gab es Probleme?«, hakte Wilma nach.

»Nur eine kleine Unstimmigkeit. Etwas Privates«, sagte Walter, und als der Bursche protestieren wollte, stellte er schnell Wilma vor, mit der er »ein wichtiges Gespräch führe«. Der Bursche klappte den Mund wieder zu.

Jetzt war Wilma erst recht interessiert. Als professionelle Lügnerin erkannte sie sofort, wenn ihr jemand Märchen erzählen wollte, und der Perchtenverein hatte offenbar Probleme mit Herbert Aschenwalder gehabt. Dummerweise verabschiedete sich Walters Gesprächspartner so schnell, wie er gekommen war, ohne dass Wilma seinen Namen erfahren konnte. Und Walter selbst war nicht bereit, mehr auszuplaudern.

»Da hast du wohl eh genug für einen Artikel«, sagte er abrupt, stand auf und ließ Wilma mit der Rechnung sitzen. Na, herzlichen Dank. Missmutig zahlte sie mit dem Geld aus Aschenwalders Portemonnaie. Bevor sie es wieder zurück in ihre Handasche steckte, zögerte sie kurz. Vom Hauptplatz zur Filiale der Raiffeisenbank in der Ossiacher Straße brauchte sie keine fünf Minuten. Der Bankomat war zwecklos, Herbert hatte im Gegensatz zu einigen anderen Rentnern leider keinen Zettel mit der PIN-Nummer neben der Karte stecken. Aber Wilma ließ sich die Kontoauszüge für die Bankomatkarte der St. Veiter Höllenhunde ausdrucken. Erstaunlicherweise spuckte der Automat einen ganzen Stapel Papiere aus, die Wilma auf einer Bank am Kirchplatz 6 durchging. Es gab eine Menge Überweisungen, hin und her, von einem anderen Konto, das Wilma sofort als Aschenwalders persönliches Konto identifizierte. Zudem gab es mehrere Abhebungen in Klagenfurt. Die St. Veiter Höllenhunde hatten einen unglaublichen Zahlungsverkehr.

Wilma steckte die Dokumente in die Handtasche und machte sich auf den Weg zu ihrem Auto. Für heute hatte sie genug Nachforschungen angestellt. Morgen würde sie mal schauen, ob sie den jungen Bekannten von Walter ausfindig machen konnte.

Als sie am nächsten Tag zur Arbeit kam, warteten bereits einige Touristen vor ihrem Kassenhäuschen, ein paar von ihnen mit der Zeitung in der Hand. Die Krone hatte sich wieder einmal selbst übertroffen, ›Schauriger Burgmord: Wer erhängte Herbert A.?‹ stand in riesigen Lettern auf der ersten Seite. Zumindest ihre Chefin würde es freuen, dachte Wilma, während sie ihr Kassenhäuschen aufschloss.

»Ist das nicht eine schreckliche Geschichte?«

»Haben S’ die Leich’ selbst gesehen?«

Jeder hatte einen Kommentar, jeder wollte über den Toten sprechen. Wilma hatte etwa 50 Eintrittskarten verkauft, da kam die Chefin zu ihr ins Kassenhäuschen.

»Du, Wilma, der Tote ist gar nicht erhängt worden.« Sie ließ sich auf den zweiten kleinen Hocker fallen. »Der hat Knochenbrüche gehabt noch und nöcher, und erst danach haben s’ ihn da hingehängt. Grauslich, oder?« Sie hielt Wilma die Kleine Zeitung hin, die etwas sachlicher getitelt hatte. »Aber das Geschäft läuft gut, wie ich sehe«, kommentierte sie Wilmas unablässiges Kartenverkaufen.

Wilma nickte. »Hat die Polizei schon eine Spur?« Die Chefin schien ja bestens informiert zu sein.

»Na. Nicht, dass ich wüsst’. Sie haben gesagt, meist findet sich der Täter im engeren Umfeld. Also, die Ehefrau zum Beispiel. Es soll getarnt worden sein als Raub­überfall. Sein Portemonnaie haben s’ nirgends gefunden, dabei hat er ja vorher noch bei dir seine Karte gekauft.«

Wilma kaute auf ihrer Unterlippe. Wusste die Polizei von den Perchten? Dem kaugummikauenden Kieberer wollte sie nicht noch einmal in die Arme laufen.

»Du, ich muss weiter tun.« Die Chefin stand auf. »Es gibt ja noch so viel zu organisieren. Vielleicht geh ich auch zur Beerdigung von diesem Aschenbach.«

»Aschenwalder.«

Die Chefin winkte ab, warf Wilma eine Kusshand zu, die diese mit einer hochgezogenen Augenbraue quittierte, und entschwebte, mit dem unvermeidlichen Handy am Ohr, in Richtung Burg.

Als Wilma um halb fünf ihre Kasse schließen wollte, kamen nach wie vor Leute über den Parkplatz. Kurz überlegte sie, erhöhte Eintrittspreise einzuführen und bis fünf Uhr zu kassieren, dann entschied sie sich doch dagegen und für den Feierabend. Clara und Bernhard oben auf der Burg wollten schließlich auch irgendwann heim. Sie vertröstete die Touristen auf den nächsten Tag und während sie ihr Kassenhäuschen abschloss, rief sie einen Freund an.

Einen von früher, der dank seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei der ›aidsHilfe Kärnten‹ ihrem Bewährungshelfer Freude machte.

»Sag mal, Toni, kennst du die St. Veiter Höllenhunde?«

»Die Perchtengruppe? Ich nicht, aber ich glaub, der Roland hatte mal ein Aug’ auf einen von denen geworfen.« Aus genau dem Grund hatte Wilma Toni angerufen. Er kannte einfach alle und jeden in Kärnten.

»Die haben eh nur 14 Mitglieder«, erklärte Wilma. »Kannst du vielleicht aussafinden, wer von denen ein blonder Bersch so um die 20 ist? Ich bräuchte Namen und Adresse, bitte, das wär ganz lieb.«

»Das sollt kein Problem sein, auf der Arbeit ist grad eh nix zu tun. Aber wieso brauchst du den? 20, geh Wilma, du hast dich gut gehalten, aber das ist doch zu jung!«

»Ist was Geschäftliches.« Mehr würde Wilma ihm erzählen, wenn sie überhaupt wusste, was sie da gerade tat.

»Ich ruf dich gleich zurück«, versprach Toni.

Während sie auf seinen Rückruf wartete, untersuchte Wilma ihr Auto und das von Clara auf Kratzer. Die Chefin war eine katastrophale Autofahrerin, die nicht einmal bemerkte, wenn sie andere Autos streifte. Zum Glück war ihr Wagen heil, und auch bei Clara konnte sie nur eine bereits ausgebesserte Stelle finden. Sie hatte ihre Inspektion gerade abgeschlossen, als ihr Handy klingelte.

Moritz Prigl hieß der junge St. Veiter Höllenhund, und er wohnte in St. Georgen am Längsee 7. Von der Burg waren es nur ein paar Autominuten bis zur malerischen Gemeinde zwischen Krappfeld und Zollfeld. Moritz Prigl lebte in einem Einfamilienhaus nicht unweit vom Stift St. Georgen. Wilma vermutete, dass der Bursche dort bei seinen Eltern wohnte. Während sie mit sich rang, ob sie aus dem Auto aussteigen und klingeln sollte, kam Moritz mit dem Fahrrad von der Schlossallee hinunter.

»Hey.« Wilma stellte sich ganz locker neben ihre Autotür. Gut, dass sie in jungen Jahren schon geübt hatte, unverfänglich Männer anzusprechen, um sie dann um ihr Bargeld zu erleichtern. Oder in diesem Fall um Gerüchte über ein Vereinsmitglied. »Wir haben uns gestern doch in St. Veit gesehen, oder? Du bist der Freund vom Walter.«

Moritz blinzelte sie an.

»Ich wollt’ gern bei euch mitmachen, weißt schon, den Höllenhunden. Aber du hast gestern was gesagt, und wenn’s bei euch Probleme gibt, dann wüsst’ ich das lieber vorher.«

»Ach so.« Moritz schob sein Fahrrad zur Garage, stellte es ab und wandte sich Wilma zu. »Na, Probleme gibt’s keine.«

Oh je, da war ja sogar der Vorstand Walter Grim ein besserer Lügner. Wilma beschloss, ihr Halbwissen aus den Kontoauszügen preiszugeben. »Der Walter hat mir eh von dem Geld erzählt. Was der Herbert da für einen Mist angestellt hat.«

Die Erleichterung war Moritz anzusehen. »Ma, echt, so ein deppertes Arschloch. Hätt uns fast reingerissen mit seinen Mauscheleien. Erst Geld klauen, dann alles für die Steuer abschreiben. Fast hätten sie uns gehabt, und dann, was wär aus uns geworden? Aufgelöst hätten sie uns. Und das, wo wir dieses Jahr so an unseren Kostümen gearbeitet haben.«

»Die sind echt toll geworden. Eine Schande wär das, nicht aufzutreten mit denen.«

»Ja, nicht wahr? Ich war so irre sauer auf den Herbert, als ich das mitbekommen hab! Walter hat ihn zur Rede gestellt, nach unserem letzten Treffen. Die anderen waren schon weg, aber ich musst noch mal zurück, weil ich mein iPhone hab liegen lassen. Jedenfalls erzählt der Herbert, er hätt das Geld nur wegen der Steuer genommen und immer schon vorgehabt, es zruckzuzahlen. Das musst du dir reinziehen! Der Walter war fuchsteufelswild. Ich hab mich dann natürlich auch eingemischt und den Walter unterstützt.«

»Das kann ich mir vorstellen.« Interessant. Ob die Polizei vom fuchsteufelswilden Walter wusste?

»Aber dann hat er die Sache klären können mit’n Herbert. Geld ist zurückgezahlt und Stress mit’n Finanzamt gibt’s auch keinen mehr. Walters Cousin arbeitet da, der hat mal mit seinem Kollegen gesprochen. Brauchst dir also keine Sorgen machen, kannst ruhig zu uns kommen.« Er lächelte. »Die besten Partys gibt’s eh bei uns.«

»Werd’ ich machen. Dank dir.« Wilma winkte und stieg in ihr Auto. Hatte sie es sich doch gedacht, es ging ums Geld. Wo Herbert Aschenwalder und das Finanzamt sich bereichern wollten, da blieb doch sicherlich auch ein kleines Stückchen für die arme Wilma übrig … Sie blickte auf die Uhr, nicht einmal sechs. Sie würde es sogar noch rechtzeitig zum Yoga schaffen. Du liebe Zeit, sie musste wirklich einen neuen Freizeitplan erstellen, dreimal in der Woche Yoga, und das direkt hintereinander, das war zu viel für jede noch so ehrliche Kleinkriminelle.

Kaum am nächsten Morgen bei der Arbeit angekommen, war der Touristenstrom kein bisserl weniger geworden. Überall ein Gedränge. Auf dem Parkplatz, auf dem Weg, im Aufzug, und vor allem: vor Wilmas Kassenhäuschen.

»Du, ich hab mir gedacht, wir könnten ein Zeitungsinterview geben«, kündigte ihre Chefin gegen Mittag an. »Die wären doch sicher interessiert! ›Er hat schon ganz blau ausgeschaut‹, oder hattest du nicht was von einer Krähe erzählt?«

»Die passte gut ins Landschaftsbild.«

»Eben. Und noch viel besser in die Krone.«

Begeistert war Wilma davon nicht. »Was, wenn die über meine Vergangenheit schreiben?«

»Umso besser, ›geläuterte Kriminelle auf dem Pfad der Tugend‹ und dann dieses schreckliche Erlebnis.« Die Chefin tippte schon eine Nummer auf dem Handy ein. »Ich besprech’ das mal mit Bernhard.« Sie schaute kurz zu Wilma hoch. »Das wär auch eine Idee. Die Clara ist ganz unglücklich, die Arme. Vielleicht kann sie weinen, das macht sicher Eindruck.«

›Unglücklich‹ war kein Wort, das auf die Chefin zutraf, die durch den Mord regelrecht aufblühte. So gut gelaunt hatte Wilma sie noch nie erlebt.

Da Clara zu den Personen gehörte, deren Dunstkreis ihr Bewährungshelfer befürwortet hatte – lieb, langweilig und nicht kriminell –, beschloss Wilma, nach Feierabend noch oben in der Burg vorbeizuschauen, um sie vor einem möglichen Interview zu warnen. Um kurz nach halb fünf verließ sie ihr Kassenhäuschen und machte sich zu Fuß auf den Weg, der sich um den Bergkopf schlängelte, gut gesichert durch die 14 Tore, die alle mit unterschiedlich Hinterlistigem auf etwaige Angreifer warteten. Da sie heute wieder vorhatte, das Yoga zu schwänzen, würde ihr die Bewegung guttun. Den Rückweg, wenn sie die Tore und den wunderschönen Ausblick, von dem sie den Touristen vorschwärmen musste, satt hatte, würde sie mit dem Aufzug antreten.

Oben auf der Burg befanden sich ganze Heerscharen von Menschen, die sich durchs Museum drängelten oder bei Clara und Bernhard Bier und Cola bestellten. Der größte Auflauf allerdings war an den einzelnen Toren zu finden, allen voran am Wächtertor, wo jemand fachkundig erklärte, wie man von außen das Seil durch die Fenster hätte schlingen können.

Wilma setzte sich mit einem gespritzten Apfelsaft auf eine der Bänke und schrieb Toni eine SMS, bis Clara sich sichtlich erschöpft für einen Augenblick neben ihr niederließ.

»Du, das macht mich alles ganz fertig«, jammerte sie. »Der arme Mann ist tot und hier wird ein Tourismusspektakel draus.« Sie knabberte an ihren Fingernägeln, der rote Lack war schon ganz abgeblättert.

»Ich glaube, er war nicht besonders nett.«

»Wer weiß, ob er’s nicht verdient hat«, mischte sich Bernhard ein, der ein Bein über die Bierbank schwang, um sich neben Clara zu setzen.

»Ach, lasst’s mich doch in Ruh’, ihr herzlosen Deppen!« Clara sprang auf und flüchtete aufs WC.

»Der Mord hat sie echt mitgenommen.« Bernhard lächelte entschuldigend und stand ebenfalls auf. »Wir sehen uns morgen.«

Wilma erzählte ihm schnell von den Interviewplänen der Chefin, trank einen letzten Schluck und nickte zum Abschied. Dann machte sie sich auf den Weg zurück zum Parkplatz, diesmal wie geplant mit dem Aufzug. Gerade als sie ihr Auto aufschloss – wie immer hatte sie neben Clara geparkt –, kam Tonis Antwort-SMS mit Walter Grims Adresse in St. Veit. Die hätte Wilma zwar auch selbst googeln können, aber Toni war auf der Arbeit ohnehin immer fad. Eine gute Tat für den Tag war getan, da musste sie den Rest des Nachmittags nicht mehr nett sein.

Der Vorstand der Höllenteufel wohnte in Treffelsdorf am Waldrand, sehr hübsch, wie Wilma fand. Sie stellte ihr Auto ab und klingelte.

Walter öffnete, und Wilma konnte den Moment in seinen Augen sehen, in dem er überlegte, die Tür einfach wieder zuzuschlagen. Schnell schlängelte sie sich ins Innere.

»Ich hätt’ auch nur ein paar ganz kurze Fragen.« Sie lächelte ihm zu und fand allein den Weg ins Wohnzimmer. Auf ihrem Sterbebett würde sie noch die zwei, drei Hilfestellungen bei den Wohnungseinbrüchen leugnen. Hier würde sich ein Einbruch sogar lohnen, fand Wilma. Walter besaß eine ganze Menge Hi-Fi-Zeug. Sie setzte sich in den Sessel einer Sitzecke, von dem aus sie sowohl die Terrassen- als auch die Wohnzimmertür im Blick hatte. Alte Reflexe.

»Was willst denn wissen?« Walter seufzte und holte zwei Gläser Hollersaft, bevor er ihr gegenüber auf der Couch Platz nahm. Manieren hatte der Mann, das musste sie ihm lassen. Schade, ihre Chancen bei ihm würde sie gleich endgültig verspielen.

»Es geht um Herbert.« Wozu um den heißen Brei herumreden? Wilma zog die Kontoauszüge aus ihrer Handtasche und legte sie auf den Couchtisch. »Die sind mir anonym zugeschickt worden. Gemeinsam mit einer Erklärung, was Herbert im Namen eures Vereins so alles angestellt hat.«

Walter, der gerade von seinem Saft getrunken hatte, verschluckte sich. Er hustete, räusperte sich und fragte dann betont gleichgültig: »Was soll er denn angestellt haben?«

»Genug.« Wilma lehnte sich zurück. »Und ich würd gern deine Sicht der Dinge wissen.«

»Ich hab keine Ahnung, wovon du sprichst.«

»Ich nenne dir mal ein paar Stichworte.« Damit war Wilma auf der sicheren Seite, falls doch nicht alles so war, wie sie es sich dachte. »Finanzamt, Steuerbetrug, Veruntreuung von Vereinsgeldern. Herbert hat sich bereichert, du hast’s herausbekommen. Und bevor du das jetzt leugnest: Moritz hat euch gehört.«

Walter fluchte lautlos, bevor er einen Rettungsversuch startete: »Der Moritz muss da was falsch verstanden haben. Es ging um ganz harmlose Rechnungen, die der Herbert vergessen hatte einzureichen.«

»Rechnungen über, Augenblick«, Wilma schaute demonstrativ in den Kontoauszügen nach, »750 Euro, zum Beispiel, am 12. August. Ich nehm an, das war ein Cola für jedes Mitglied?«

Walter sank in sich zusammen. »Okay, ja«, gab er schließlich zu. »Du hast recht, es war Mist. Aber es war Herberts Idee!«

»Das Finanzamt zu bescheißen?«

»Ja, nein. Alles halt. Den Verein zu nutzen, um privates Geld abzuschreiben, und es sich später wiederzuholen. Ich dachte an erhöhte Mitgliedsbeiträge. Spenden. Mal hier ein paar Hunderter, dort ein paar, was dem Verein zugutekommt. Aber Herbert … der ist gleich aufs Ganze gegangen. Hat seinen kompletten Nebenjob auf uns abgewälzt, vor dem Finanzamt keinen Schilling gehabt, aber in Wirklichkeit alles bei uns auf dem Konto. Als ich das rausgekriegt hab … ja, das hat mir gestunken.« Er seufzte. »Wann erscheint dein Artikel?«

Mit der Frage hatte Wilma zwar nicht gerechnet, aber eine Antwort konnte sie geben: »Morgen, wegen Aktualität hat die Chefredaktion mir die Titelseite eingeräumt.«

»Skandal bei den Höllenhunden«, murmelte Walter. »Und wir sind im Fokus der Mordermittlungen.«

»Ein Motiv zumindest hättet ihr.«

»Nein, nein, nein!« Walter stand auf und fuhr sich mit den Händen durch die Haare. »Damit haben wir nichts zu tun, absolut nicht. Ich nicht, der Moritz nicht, und die anderen wussten ja nicht einmal Bescheid!«

»Das ist hart.«

Walter schien ihr nicht zuzuhören. »Erst das Finanzamt, jetzt die Kripo, die machen uns doch den Verein zua!« Er ließ sich zurück auf die Couch fallen. »Wie viel zahlt dir deine Zeitung?«

»Sagen wir mal so.« Wilma überschlug ein paar Zahlen. »Mit dem Mordfall, der an der Sache dranhängt, ist sicher auch die Krone interessiert. Vielleicht fragen noch ein paar Zeitungen nach. Da ist ein Tausender sicher drin. Ganz zu schweigen vom Karriereschub.«

Sie machte eine Kunstpause. Vermutlich lag sie völlig daneben, was die Bezahlung von freien Journalisten anging, aber Walter schien genauso wenig Ahnung zu haben wie sie.

»Okay.« Er schluckte. »Wie wäre es, wenn der Verein … Sonderausgaben hat?«

»Du willst mich doch nicht etwa bestechen?« Wilma öffnete den Mund und riss die Augen auf. Beim Ladendetektiv in den City-Arkaden in Klagenfurt hatte der Unschuldsblick funktioniert.

»Hör zu.« Walter rutschte auf der Couch nach vorn. »Das mit dem Geld ist kein Problem bei uns. Deshalb ja auch die ganze Finanzamtsgeschichte.«

So etwas hatte Wilma vermutet. Wenn sie sich in Walters Haus mit der schicken Einrichtung umsah, musste allein der Fernseher mehr als Wilmas Auto gekostet haben.

»Aber der Verein ist uns wichtig«, fuhr Walter fort. »Du würdest uns damit einen wahnsinnigen Gefallen tun.«

Gefallen tat Wilma gern. Das sollte sie ihrem Bewährungshelfer erzählen. Eine weitere gute Tat für die St. Veiter Höllenhunde.

»Sonderausgaben klingt gut«, nickte sie. »Sind auch hundertprozentig von der Steuer absetzbar.«

»Als Scheck oder in bar?«

So viel hatte der Mann bar bei sich herumliegen? Wilma kniff sich in den Arm. Einbrüche waren wirklich nicht mehr drin.

Sie nahm die Scheine in Empfang – und merkte sich nicht die Schublade, in der er sie liegen hatte –, dann gab sie Walter ein Küsschen auf die Wange. »Ich wünsch deinen Höllenhunden alles Gute.«

Er lächelte schief, als er die Haustür hinter ihr schloss.

Zurück im Auto verstaute Wilma das Geld im Geheimfach ihrer Handtasche und schickte Toni eine SMS. ›Hast was gut bei mir! Und ein Glaserl Aperol ist auch drin!‹ Dann startete sie den Motor und fuhr zurück zur Burg Hochosterwitz. Es war kurz nach sechs, Clara und Bernhard würden gleich Feierabend machen.

Sie hatte recht. Claras Auto stand noch auf dem Parkplatz und gerade, als sie daneben eingeparkt hatte, kamen die beiden Arm in Arm auf sie zugeschlendert.

»Was machst du denn noch hier?«, fragte Clara, nur um sich gleich darauf zu entschuldigen, dass sie vorher so empfindlich gewesen war. »Aber weißt, es ist ganz schlimm zu wissen, dass da einer gestorben ist.«

Wilma nickte und drückte ihren Arm. »Ist schon okay, Clara«, sagte sie leise. »Wie ist es denn passiert?«

»Was?« Clara riss die Augen auf.

»Ich weiß ganz sicher, dass du es warst. Genickbruch, hätt auch von einem Unfall herstammen können. Nach der Information ist mir dein Auto aufgefallen: Dein Nagellack hat nicht ganz den Rotton von deinem Wagen.« Wilma deutete auf die Stelle oberhalb der Stoßstange, die in einem anderen Rotton überlackiert worden war. »Als ich heute deinen Nagellack gesehen habe und wie sehr dich die Geschichte mitnimmt, hat alles einen Sinn ergeben.«

»Oh Gott, ich wollte das doch nicht!« Clara schlug die Hände vor das Gesicht, Bernhard nahm sie schützend in den Arm.

»Es war nicht ihre Schuld, wirklich nicht«, verteidigte er seine Freundin. »Wir waren die letzten und sind losgefahren und auf einmal springt dieser depperte Kerl aus den Büschen uns direkt vor die Motorhaube!«

»Ich bin doch ganz langsam gefahren«, weinte Clara. »Er hätt’ höchstens einen verstauchten Knöchel haben sollen.«

»Aber dann ist er unglücklich gefallen«, ergänzte Bernhard.

»Und wer von euch beiden hatte die Idee mit dem Seil?«

»Ich«, gab Bernhard zu. »Damit dachte ich, könnten wir sie auf eine falsche Fährte locken. Wenn es aussieht wie ein Mord, kommen sie nicht drauf, dass es ein zufälliger Unfall war.«

Da hatte Bernhard tatsächlich Nerven bewiesen. Wilma machte sich eine mentale Notiz, beim nächsten Notfall Bernhard anzurufen.

»Und was passiert jetzt?« Clara schnäuzte sich lautstark in ein Taschentuch und sah Wilma aus tränennassen Augen an.

»Folgendes.« Wilma holte ein Stück Papier und einen Stift aus ihrer Handtasche. »Ich schreibe euch eine Adresse auf, da werden keine Fragen gestellt, da lasst ihr Claras Wagen ordentlich lackieren. Und dann werdet ihr den Rest eures Lebens anständige und gute Menschen sein. Waisenkinder adoptieren. Ehemaligen Kriminellen eine zweite Chance geben. So etwas.« Wilma drückte Bernhard den Zettel in die Hand, gab Clara noch einen flüchtigen Kuss auf die Wange und stieg in ihr Auto. Schon war die Welt wieder ein besserer Ort. Hochzufrieden mit sich selbst machte Wilma sich auf den Weg zum Termin mit ihrem Bewährungshelfer. Noch ehemaliger als sie konnte eine ehemalige Kleinkriminelle gar nicht sein. Ehrenwort.

Freizeittipps

1 Burg Hochosterwitz: Weithin sichtbar eine der eindrucksvollsten Burganlagen und Hauptattraktion Kärntens im Privatbesitz der Familie Khevenhüller. Erste urkundliche Erwähnung als castrum (Burg) um 1200. Ein Erlebnis ist der Aufstieg zur Burg über den um den Felskegel geschlungenen Fußweg durch 14 individuell gestaltete, wehrhafte Torbauten hindurch (alternativ Schrägbahn), wobei jedes Tor einen Namen und seine Besonderheit hat. Nahezu uneinnehmbar bot sie der Bevölkerung beispielsweise in den Türkenkriegen Zuflucht. Hochburg mit Söller, Bergfried und Zisterne. Sehenswerte Wand- und Deckenmalereien in der Burgkapelle. Burgmuseum. Gaststätte im Burghof. Zahlreiche kulturelle Veranstaltungen wie das Akkordeonfestival im Juli und August.

2 Magdalensberg: Mittelalterliche Filialkirche der Heiligen Helena und Maria Magdalena am Gipfel des Aussichtsberges mit eindrucksvollem Fernblick über das Zollfeld und das Klagenfurter Becken.

Gipfelhaus Magdalensberg mit Hotel und empfehlenswertem Restaurant. Ideal auch als Familienausflugsziel mit großem Erlebnisspielplatz, Kinder-Gokarts, Tiergehege. Im Winter Rodelbahn.

3 Perchtenläufe und Krampusumzüge: Die Perchten (Schicksalsfrauen, weibliche Masken- und Sagengestalten) trieben ursprünglich zum Jahreswechsel, meist Anfang Januar, den Winter aus, verschmolzen aber zunehmend mit den Krampussen als Begleiter des Nikolaus. Ab Anfang November bis Dezember finden in verschiedenen Orten Kärntens zu fixen Terminen spektakuläre Schauläufe statt, wobei meist mehrere schaurige Perchtengruppen mit tollen Showeinlagen (Feuer etc.), Riesenglocken, Ketten und Ruten für den nötigen Nervenkitzel sorgen. Als Besucher ist man hinter den Absperrungen recht sicher – nur werden die am Ende des Laufes gerne aufgehoben … Rette sich, wer kann!

Hinweis: Kleinen Kindern gegenüber zeigen sich die meisten Perchten sehr freundlich, lassen sich streicheln und nehmen selbstverständlich auch ihre furchterregenden Kopfbedeckungen ab, um zu beweisen: Alles nur Verkleidung!

4 St. Veit an der Glan: Residenzstadt der mittelalterlichen Herzöge, bis 1518 Landeshauptstadt von Kärnten. Altstadt mit mittelalterlichem Kern, Reste der Stadtmauer, Herzogburg. Außerhalb der alten Stadtmauern ehemaliges Bürgerspital mit Spitalskirche (Oktoberplatz 5) aus dem 14. Jahrhundert.

Ausflugsziele und Freizeittipps

Ca. 40 Wander- und Rundwanderwege im Raum St. Veit. Besonders lohnenswert ist eine Wanderung zum Schloss Frauenstein (spätgotische Wasserburg, Privatbesitz), zu den Kraiger Schlössern (Burgruinen, mittelalterliches Aquädukt zwischen Hoch- und Niederkraig), zur Burgruine Nussberg und zur Feste Freiberg.

Heilige Dreifaltigkeit (Schaumboden, Gemeinde Frauenstein): Wallfahrtsort. Einzige Holzblockbaukirche Kärntens. Kräutergarten mit mehr als 300 Kräutern mit Führungen zur Volksheilkunde.

Kraigerberg: In der Zeit der Gegenreformation zogen sich viele Protestanten nach Eggen (Gemeinde Frauenstein) am Kraigerberg zurück, sehenswert sind ein altes Gehöft und die evangelische Kirche. Wanderwege, Aussichtslage. Empfehlenswert ist die Buschenschenke Zietner mit schönem Gastgarten und Kinderspielplatz, Zwein 4.

Wimitztal – Goggausee: Der idyllische, kaum besiedelte Wimitzgraben mit Moorlandschaft, ideal für einen Ausflug mit dem Fahrrad oder als Wanderung, führt ausgehend von St. Veit (über die Ortschaft Kraig mit mittelalterlicher Pfarr- und Propsteikirche, wehrhafter Friedhofsmauer, Wehrturm, gotischem Propsteihof) zum kleinen Goggausee (Badesee im Landschaftsschutzgebiet).

Frei- und Hallenbad mit sehr schöner Saunalandschaft.

St. Veiter Wiesenmarkt, traditionelles Volksfest (Michaelimarkt) Ende September/Anfang Oktober. Turbulenter Jahrmarkt mit Vergnügungspark. Freier Eintritt.

5 Hauptplatz: mit spätgotischem Rathaus, Walther-von-der-Vogelweise-Brunne, Pestsäule sowie einem Museum für Verkehrs- und Stadtgeschichte.

6 Kirchplatz: nahezu quadratischer Kirchplatz. Urkundlich ab 1131 erwähnte Stadtpfarrkirche mit einem romanischen Karner (Beinhaus).

7 St. Georgen am Längsee: Stift St. Georgen (1002 gegründet) – wird heute als Bildungshaus, Seminarzentrum, Hotel und für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Strandbad, zusätzlicher FKK-Bereich. Wanderwege.

Kaltes Schicksal
Region Oberkärnten/Weissensee

Dorothea Böhme

»Und nimm ja genug Teelichter mit!«, rief seine Mutter ihm hinterher, als Robert schon fast aus der Tür war. Als ob er Teelichter vergessen würde. Seit Jahren, ach, Ewigkeiten war er in Eva verliebt, jetzt hatte er endlich ein Date mit ihr und natürlich alles bis ins kleinste Detail geplant. Gut, dass seine Mutter von dem Date erfahren hatte, war nicht geplant gewesen, aber die kriegte einfach alles raus, und als er sie nach ihrem Kuchenrezept gefragt hatte, hatte sie nur die Augenbrauen hochgezogen und gesagt: »Eva gibt dir eine Chance?« Woher zum Kuckuck sie das wusste … Egal. Robert schnallte den Picknickkorb auf dem Beifahrersitz seines Golfs an, blies sich auf die kalten Finger und startete dann den Wagen.

Heute war der große Abend, und es musste romantisch werden. Als Mitglied im Eislaufverein und begeisterter Hockeyspieler fand er, dass ein Picknick auf dem jetzt endlich vereisten Weißensee 8 – natürlich auf einer dick isolierten Decke – genau das Richtige war, um Evas Herz zu erwärmen. Von Winklern 9 bis zum Westufer des Weißensees dauerte es durch das obere Drautal 10 eine knappe Stunde, in der Robert leise Rockmusik aus dem Autoradio laufen ließ.

Er parkte seinen Wagen, führte Eva hinaus auf die Eisfläche – die größte Eisfläche der Alpen! – und packte seinen Picknickkorb aus: Teelichter, Rosen und Glühwein aus der Thermoskanne, dazu der leichte weiße Schneeschimmer auf der Eisfläche, gemütlich eingebettet zwischen den bewaldeten Anhöhen, perfekt. Wenn das nicht romantisch war.

»Wow, Robert, das ist ja megacool.« Eva strahlte ihn an. Das war fast schon Lohn genug. Er strahlte zurück.

»Bitte, setz dich doch.« Er breitete die Thermodecke aus und stellte den Picknickkorb daneben. Während Eva ihren Schal etwas enger um sich wickelte, stellte Robert die Teelichter auf, schenkte Glühwein ein und versuchte seine Nerven zu beruhigen. Fünf Jahre war er schon in Eva verliebt, die meiste Zeit davon hatte sie einen Freund gehabt, und jetzt hatte er seine Chance, die eine, die er nicht vermasseln durfte. So viel zum Thema ›Nerven beruhigen‹. Robert zündete das letzte Teelicht an und drehte sich zu Eva. Sie hatte den Schal übers Kinn nach oben gezogen, die Kapuze über die Stirn ins Gesicht, aber sie lächelte immer noch.

Er drückte ihr ein Häferl Glühwein in die Hand, legte seine Hände um den eigenen Becher und rutschte zu ihr hinüber.

»Du, Eva …«, begann er. »Was ich dir schon ganz lange sagen wollte …«

Jetzt oder nie. Die Stunde der Wahrheit. Eva sah ihm in die Augen, dann zur Seite aufs Eis.

»Also … ich … Weißt du, ich glaub, ich bin ganz, ganz furchtbar in dich … «

Eva schrie. Eva schrie auf, dann schrie sie weiter, sie schrie und schrie.

»Aber … also …« Robert fuhr sich durch die Haare. Was war denn jetzt los? War eine Liebeserklärung denn so schlimm?

Eva schnappte nach Luft, eine kurze Pause, dann schrie sie wieder. Erst jetzt bemerkte Robert, dass ihr Blick auf das Eis direkt neben ihrer Decke gerichtet war. Und dort, von zwei Teelichtern warm bestrahlt, war der Schnee geschmolzen und einer glänzenden Eisfläche gewichen, unter der ein Gesicht nach oben starrte.

»Oh mein Gott!« Jetzt schnappte auch Robert nach Luft. Geistesgegenwärtig zückte er sein Handy, um die Polizei zu rufen. Viel zu spät fiel ihm ein, dass er einen Arm um Eva legen könnte, um sie zu beruhigen, zu trösten, einen starken Freund abzugeben. Nur, wie sollte er das anstellen? Er rückte etwas näher an sie heran. Vorsichtig legte er eine Hand auf ihren Unterarm, doch bevor er sich überlegen konnte, den anderen Arm ganz um sie zu legen, konnte er schon die Polizeisirene hören.

»Was habt’s denn ihr hier veranstaltet?«, fragte einer der beiden Streifenpolizisten, die als Erste am Tatort eintrafen.

Robert zuckte leicht verlegen die Schultern. Die Teelichter hatte er angelassen, damit man im Dunkeln etwas sehen konnte, die Decke und den Glühwein aber schon zurück zum Auto gebracht. Nach Romantik war ihm nicht mehr.

Eva zeigte mit zittrigen Fingern auf die Stelle einige Meter entfernt, die Robert mit drei Teelichtern markiert hatte. Der Polizist pfiff durch die Zähne, während sein Kollege auf dem Handy herumtippte, um Verstärkung anzufordern. Mit klaren Instruktionen an die Feuerwehr.

Herrje. Die Freiwillige Feuerwehr, da gehörte Robert ja auch dazu. Musste er nun bei einem Einsatz mitmachen? Sein Handy klingelte. Und wer kümmerte sich um Eva?

»Griaß Gott.« Ein noch recht junger und, soweit Robert das beurteilen konnte, gutaussehender Polizist in Zivil kam auf sie zu. »Martin Fleischhauer, Mordkommission, Sie haben die Leiche gefunden?«

Eva nickte. »Unter dem … unter dem Eis. Da hat mich sein Gesicht angestarrt. Es war so …« Mit einem kleinen Schluchzer brach sie ab, und Fleischhauer war sofort bei ihr, legte behutsam einen Arm um ihre Schulter und versprach ihr, die Polizeipsychologin zu rufen.

»Aber du kannst auch gern mit mir reden!« Robert drängte sich an Evas andere Seite und schubste den Polizistenarm von ihrer Schulter. Heute war sein Date mit Eva.

In diesem Augenblick kamen die Burschen von der Freiwilligen Feuerwehr. Wohl oder übel, er musste Eva los- und der Obhut des Kieberers überlassen. Es gab Arbeit.

»Na, dann sägen wir unsern Haberer mal aus dem Eis!«, rief Michi. Die anderen grölten zustimmend. Der ein oder andere hatte schon etwas getankt, kein Wunder, es war ja auch Freitagabend. Mit allen Vorsichtsmaßnahmen, um ja keinen Einbruch zu riskieren, brauchten sie über eine Stunde, um den Toten aus dem Eis zu schneiden. Eva war schon längst nach Hause gefahren, fürsorglich vom Polizisten Fleischhauer in einen Streifenwagen gesetzt worden, während ihr Robert nur aus der Ferne winken konnte.

»Na, da hat die Eva ja an Kavalier gefunden«, witzelte der kleine Hannes.

Robert presste die Zähne zusammen. Was bildete sich dieser Fleischhauer ein? Fünf Jahre hatte er selbst gewartet und der stolzierte einfach so daher mit seinem Titel, der Herr Inspektor.

»Ja, sag mal!«, rief Michi plötzlich, der nicht nur ebenfalls bei der Freiwilligen Feuerwehr, sondern auch mit Robert im gleichen Hockeyteam war. »Ist das net der Josef?«

Tatsächlich. Der Tote, den sie da gerade aus dem Eis geschnitten hatten und der nun sorgfältig von der Polizei untersucht wurde, war ihr Stürmer.

»Den hab i eh schon zwei Wochen net mehr gsegn«, murmelte Robert. Vor zwei Wochen hatten sie ein Spiel gegen die Villacher 11 gehabt, bei dem es hoch her gegangen war, seitdem war Josef nicht mehr beim Training gewesen, auf dem Handy hatten sie ihn auch nicht erreicht.

»Wahnsinn, i glab, i tram!«

Nun wurde die Polizei hellhörig. »Sie kennen den Toten?« Fleischhauer kam mit einer Kollegin zu ihnen hinüber.

»Der Josef Lechner, auch aus Winklern, unser bester Stürmer im Hockeyteam.«

Die folgende halbe Stunde verbrachten sie damit, der Polizei von Josef zu erzählen, wobei Robert zugegebenermaßen am wenigsten wusste, Josef war einer der älteren Burschen gewesen und hatte nicht zu seinem engeren Freundeskreis gehört. Traurig war es natürlich trotzdem, nun zu wissen, dass er tot war, herzlos war Robert ja nicht. Nur ziemlich durchgefroren und enttäuscht. Den Abend hatte er sich anders vorgestellt.

»Wie siehst du denn aus?«, fragte ihn seine Mutter, als er gegen halb elf heimkam. »Und wieso bist überhaupt schon so früh wieder da? Ich dachte, du gehst mit Eva vielleicht noch irgendwo in ein warmes Café?«

Robert war nicht nach Reden, also verschwand er in seine Dachwohnung mit dem Versprechen, ihr beim Frühstück alles ausführlich zu erzählen.

Der nächste Morgen brachte einen Telefonanruf von Eva. »Ich wollte mich nur bedanken für gestern«, sagte sie. »Es war ja nicht deine Schuld, dass der arme Josef dort eingefroren lag. Martin sagt …«

»Geht’s dir denn besser?«, unterbrach Robert. Was Martin sagte, wollte er gar nicht wissen!

»Ja, schon. Ich hab mich in die Badewanne glegt und noch an haßen Kakao getrunken. Albträume hatte ich trotzdem. Ich hoff, Martin findet den Mörder schnell.«

Schon wieder Martin! Moment. »Mörder?«

»Ja, hast das noch nicht gehört? Josef ist erschlagen worden, das war die Todesursache. Wie hat Martin das gsagt? ›Mit einem stumpfen Gegenstand auf den Hinterkopf.‹ Nur wer und warum, das ist natürlich die Frage.«

»Na, das wird die Polizei dann ja bald aussafinden.«

»Ich denk auch! Der Martin hat schon die brenzligsten Fälle gelöst.«

Da hatte Roberts Herz im ersten Augenblick bis zum Hals geschlagen, als er Evas Namen auf dem Handydisplay gelesen hatte, und dann sprach sie nur von diesem Kieberer. Missmutig beendete er das Gespräch, nur um seiner neugierigen Mutter in die Augen zu blicken.

»Ach, Mama, i kann jetzt net.« Er schnappte sich seine Jacke und die Autoschlüssel und verschwand erst einmal zum Michi.

»Mann, das war ja was gestern.« Sein Freund stellte ihm eine Tasse Kaffee hin. »Die Milch ist leider sauer, aber Zucker hob i noch irgendwo.« Er kramte in diversen Schubladen und förderte schließlich zwei Kaffeehaus-Zuckerpäckchen zutage. »I mein, echt, Josef, wow. Nicht, dass i ihn so wahnsinnig gern ghobt hätt’, er war schon ein bisserl ein Arschloch, aber Chancen auf den Sieg nächste Woche haben wir ohne ihn nicht.«

Robert zuckte mit den Schultern. Er hatte selbst ein schlechtes Gewissen, dass ihn Josef so wenig interessierte. »Wie fandest denn diesen Fleischhauer?«

»Den Kriminalinspektor? Da frag mal lieber Eva.« Michi lachte.

»Der hat sie ganz schön angebraten, oder?«

»Sie war ja auch ziemlich durcheinander. Ist sicher net schön, so Aug’ in Aug’ mit einer Leich’.«

»Aber muss er sie gleich anfassen? Hallo, schöne Frau, ich bin Kriminalinspektor. Dass er sich nicht selbst blöd vorkommt mit der Masche.«

»Ah.« Michi nickte. »Eifersüchtig, hm?«

»Was? Ich? Quatsch. Auf den Vollkoffer? Im Leben nicht!« Robert lehnte sich zurück. Jetzt fühlte er sich besser. Was dieser Fleischhauer sich einbildete.

Michi grinste. »Ist klar, Robbie. Was sagt denn Eva zu dem? Hast schon mit ihr gesprochen?«

»Die ist ja sooo beeindruckt. Martin hier, Martin dort.«

»Martin?« Michi zog eine Augenbraue hoch. »Oh, oh.«

»Ach, halt die Goschn.«

Michi lachte wieder, dann schlug er Robert auf die Schulter. »Nimm’s net so tragisch. Du bist ein toller Kerl.«

»Aber nur Fliesenleger.« Schnell nahm er einen Schluck Kaffee. Das war ihm so herausgerutscht. Eva studierte, Psychologie, da war ein Kriminalinspektor natürlich was Besseres.

Michi war einen Augenblick still, dann kniff er die Augen zusammen. »Weißt was, Robbie? Du zeigst diesem Lakl von der Polizei einfach, wo der Hammer hängt, dann hat er keine Chance mehr bei Eva.«

»Ja klar.« Robert sah in seinen Kaffee. »Und wie?«

»Immer Onkel Michi fragen, i hab die Lösung.« Er stand auf, holte eine geöffnete Packung Lebkuchen aus dem Schrank und legte sie auf den Tisch. »Du, mein lieber Freund, wirst diesen Mord klären.«

»Bitte was?«

»Ganz anfach. Wir kennen Josef aus dem Verein, wir wissen, mit wem er unterwegs war, wer ihn leiden konnte, wer nicht. Wir haben einen riesigen Vorsprung vor der Polizei. Wir kriegen raus, wer ihn hamgedraht hat, und der Herr Kriminalinspektor ist Geschichte.« Er grinste breit.

»Du bist doch verrückt.«

»Außerdem, ist deine Tante nicht auch bei der Kriminalpolizei? Das liegt dir quasi im Blut!«

Robert schob seine Kaffeetasse weg. Michis Vorschlag … war interessant. Und Tante Irene hatte ihm schon öfter mal bei einer Zigarette von der Polizeiarbeit erzählt. Er knabberte auf seiner Unterlippe.

»Na was?«

»Na okay.« Robert hob die rechte Hand und Michi schlug ein.

»Wir lösen den Mordfall.«

»Wie fangen wir an?«

Michi zückte sein Handy. »Als Erstes sprechen wir mit der ganzen Mannschaft. Wir wissen ja noch nicht amal, seit wann Josef überhaupt verschwunden ist.«

»Wieso ist das eigentlich niemandem aufgefallen?« Das hatte Robert gestern schon gewundert. »Der See friert schon seit einer guten Woche zua, das heißt, er muss vorher hineingeworfen worden sein. Und das hat niemand gmerkt, dass er so lang net da war?«

»Super, Robbie, du hast ein kriminalistisches Gespür. Das ist genau dein Ding!« Michi grinste.

Sie trommelten die Burschen für den Abend im Tauernstüberl zusammen, nach den Neuigkeiten des Vortags wollte jeder wissen, was passiert war, und alle sagten zu.

»Josef, unser bester Stürmer seit 30 Jahren, ist ermordet worden«, eröffnete Michi das Treffen, nachdem jeder etwas zu trinken bestellt hatte. »Und Robert wird aussa­finden, wer’s war.«

Damit richteten sich alle Augen auf Robert, der nach dieser Erklärung alle Mühe hatte, zurück zum Thema zu finden.

»Ja, äh, also … ihr kennt – kanntet – Josef alle. Erst einmal sammel i alle Informationen, die uns einfallen.«

Während des Essens erstellte Robert eine Liste mit Daten: Wer war Josef wann zum letzten Mal begegnet. Offenbar war das Spiel gegen die Villacher zwei Wochen zuvor für alle der Augenblick gewesen, an dem sie Josef zuletzt gesehen hatten.

»Das wird als unser denkwürdigstes Spiel in die Vereinsgeschichte eingehen«, orakelte Michi. »Net nur das härteste Spiel des Jahrzehnts – ma, wie sie den Josef gefoult haben, der Torwart, der Drecksack –, auch das letzte Spiel unseres besten Stürmers. Auf Josef!« Er erhob sein Glas.

Robert wandte sich dem nächsten Vereinskameraden zu. Fast keiner war näher mit Josef befreundet gewesen, der wor ein Oarsch, aber gut gspuilt hat er, war der allgemeine Tenor. Grund, ihn zu hassen, hatte keiner, dafür war er für die Mannschaft zu wertvoll.

»Aber da gäb’s schon ein paar Madln, die ihm die Pest an den Hals gewünscht haben«, sagte der kleine Hannes. »Der war doch jeden Freitag und Samstag, egal ob Spiel oder nicht Spiel, in Klagenfurt und hat in der Burg oder im Teatro Frauen aufgrissen.«

»Jedes Mal ane andere?«

»Ex und hopp. Hin und wieder hat er mit aner a paarmal geschlafen, die Conny war so eine zum Beispiel.« Er machte eine kurze Pause. »Also, die Conny hat ihn sicher net hamgdreht, die Conny kenn i a. Aber eine der anderen. Puh. Josef hat sich net festlegen wollen, er is immer a paar Wochen mit aner zsamm gwesen und hat sie dann doch wieder abgschossen. Die hätten Grund genug, ihn um die Ecke zu bringen.«

Conny, notierte Robert sich. Nur weil Hannes das Dirndl kannte, würde er sie sicher nicht als Mörderin ausschließen. Die anderen Namen wollten Hannes nicht einfallen. »Aber frag mal die Conny, die weiß sicher, wen es da noch gab.«

»Wir könnten seine Facebook-Seite checken«, schlug Robert Michi vor. Dass sie da nicht schon am Vormittag drauf gekommen waren!

Den Rest des Abends tauschten sie Erinnerungen an Josef aus. Robert erstellte eine zweite Liste mit Namen von Josefs Freunden, die sie schließlich mit seiner Facebook-Seite abglichen. Darüber würde er auch mit seinen beiden augenscheinlich wichtigsten Freunden aus der Schulzeit in Kontakt treten, ebenso mit besagter Conny: Der letzte Eintrag auf Josefs Facebook-Seite lautete Du bist das größte Arschloch, dem ich jemals begegnet bin. Ich hoffe, du brichst dir beim nächsten Spiel beide Beine!, geschrieben von Conny Böhnstett. So viel zum Thema ›Die Conny hat ihn sicher net hamgdreht‹.

Schließlich verabschiedeten sie sich, und auf dem Heimweg überlegte Robert, ob er Eva noch eine SMS schicken sollte. Schlaf gut, war doch harmlos, aber nett? Er entschied sich dagegen, beschloss allerdings, ihr in der Früh einen Guten Morgen zu wünschen. Dann konnten sie unter Umständen noch Pläne für den Tag machen. Zufrieden schlief er ein, und setzte nach dem Aufwachen sein Vorhaben in die Tat um. Keine fünf Minuten später kam die Antwort: Danke, dir auch! Ich bekomme gleich Besuch von Martin, er hat noch ein paar Fragen an mich. Fragen? Von wegen, der hatte sicher eher eine Leibesvisitation im Sinn.

»Michi, wann kannst los? Wir müssen den Mord so schnell wie möglich aufklären.« Dann hatte der Kriminalinspektor keinen Grund mehr, bei Eva aufzutauchen.

Conny Böhnstett wohnte am Iselsberg 12 oben, was glücklicherweise nicht weit war. Von Michis Wohnung nahe dem Wahrzeichen Winklerns, der aus dem 13. Jahrhundert stammende Mautturm 13, aus kamen sie bald bei Conny an, die glücklicherweise daheim war. Ihre Augen und die Nase waren stark gerötet, ihr liefen immer noch Tränen die Wangen herunter.

»I hab’s grad ghört«, heulte sie. »Das mit dem Josef. Die Polizei war da.«

Dann stürzte sie sich Michi in die Arme, der sie verwirrt in ihre Wohnung führte und aufs Sofa setzte, wo sie ihren Kopf auf seine Schulter legte.

»Oh Gott, i hab ihn ja so gliebt! Und jetzt ist er tot!« Schniefend zog sie die Nase hoch.

»Na, so ein hübsches Maderl.« Michi tätschelte ihren Arm. »Du findest in Nullkommanichts an neuen Haberer.«

»Meinst?« Sie sah ihn durch einen Tränenschleier an. »Ma, aber nicht so einen Depp wie den kleinen Hannes. I will a gstandenes Mannsbild.« Sie kroch noch näher an Michi heran.

Robert kratzte sich am Kopf. »Soll i vielleicht an Tee machen? Oder an Kaffee?« Michi zuckte mit den Schultern, aber da er keine Anstalten machte, sich von der anschmiegsamen Conny zu befreien, fand Robert, ein taktischer Rückzug wäre vielleicht nicht das Schlechteste. Tatsächlich hörte er die beiden kurze Zeit später murmeln, Michi wusste ja, welches die wichtigsten Fragen waren.

»Aber sicher. Ob sie solo ist. Und der Josef hat ihr zwar das Herz gebrochen, aber sie ist drüber weg und bereit für eine neue Beziehung«, erzählte sein Kumpel grinsend auf dem Heimweg.

»Michi!«

»Keine Panik, Robbie, natürlich hab i sie gfragt, wann sie Josef das letzte Mal gsegn hat. Vor zwei Wochen beim Spiel gegen die Villacher, sie wollt’ danach mit ihm reden, aber er hat sie kurz abgefertigt und sie ist wütend heimgefahren. Dafür gibt es auch eine Zeugin, ihre beste Freundin.«

»Hast du andere Namen?«

»Freilich.« Michi grinste breit und holte einen Zettel aus der Hosentasche. »Hab mir sogar Vor- und Nachnamen geben lassen. War aber nur ein Maderl, die Viki aus Klagenfurt, wegen der hat der Josef die Affäre mit der Conny beendet.«

Weil es ohnehin noch früh am Tag war, beschlossen sie, Viki in Klagenfurt aufzusuchen, nicht allerdings, ohne ihr kurz über Facebook eine Nachricht zu schicken, ob sie daheim war. Sie war mit ihrem Freund am Hörzendorfer See 14 eislaufen, schrieb sie fünf Minuten später zurück.

»Neuer Freund? Das können wir vergessen, dann hat sie den Josef nicht auf dem Gewissen«, sagte Michi.

»Oder der Freund war’s? Aus Eifersucht?«

»Na, ein, zwei Runden können wir ja auch drehen, in drei Wochen ist das Rückspiel gegen die Villacher.«

Sie fuhren also zum Hörzendorfer See, der zwar viel kleiner war als der Weißensee, aber ein wenig Training würde nicht schaden, wie Michi sagte. Am Hörzendorfer See war einiges los, da es dort neben dem obligatorischen Glühweinstand auch einen Schlittschuhverleih gab, sodass er Anlaufpunkt nicht nur für viele Touristen, sondern auch Kärntner ohne eigene Schlittschuhe war.

Viki war nicht schwer zu erkennen. Auf ihrem Facebook-Profil war schon zu sehen gewesen, dass sie gern bunte Sachen trug. Sie drehten ein paar Runden auf dem See, und als Michi die Hockeyschläger aus dem Auto holte, fuhr Robert auf das bunt gekleidete Mädchen zu, das mit ihrem Freund am Rand der Eisfläche einen Glühwein trank.

»Du bist die Viki?«

»Und du untersuchst den Mord am Josef?« Sie blinzelte ihn an, kein bisserl traurig, Schuldbewusstsein suchte er ebenfalls vergeblich. Sie stellte ihm gleich ihren Freund vor, der so zufrieden und gelassen wirkte, dass Robert sich beim besten Willen nicht vorstellen konnte, wie der den Josef ermordet haben sollte.

»Es sind immer die stillen Wasser!«, sagte Michi später beim Spielen.

»Der war aber kein stilles, sondern ein rundum glückliches Wasser.«

»Möglicherweise eben deshalb, weil er weiß, dass er kan Konkurrenten mehr hat.«

»Er wusste nichts vom Josef. Viki hat ihn vor aner Woche beim Fortgehen kennengelernt und sofort gewusst, dass er der ane ist. Am gleichen Abend hat sie Josef eine SMS geschickt und Schluss gmacht.«

»Hm.« Michi blieb auf seinen Hockeyschläger gestützt stehen. »Dann brauchen wir eine andere Spur. Herr Meisterdetektiv, bitte eine neue Theorie.«

Robert verdrehte die Augen, schlug Michi seinen Schläger weg, und die nächste Stunde verbrachten sie mit Hockeyspielen, bis sie völlig außer Atem waren.

Am Abend versuchte Robert sich abzulenken, von Josef, hauptsächlich von Eva – mit diesem Fleischhauer! –, aber so richtig klappte es nicht.

»Was schreibst denn da dauernd?«, fragte seine Mutter. »Die Einkaufsliste hängt am Kühlschrank.«

Robert seufzte und steckte den Notizzettel in die Hosentasche. Wer hatte Josef gehasst? Nicht nur einfach nicht leiden können, wie die meisten seiner Kollegen vom Eishockey, sondern wirklich gehasst?

»I bin müd’, i geh ins Bett«, erklärte er. Dort wälzte er sich jedoch noch weitere zwei Stunden herum, bevor er einschlief und von Eva, Josef und einem Gartenzwerg träumte. Es war hauptsächlich konfus, und als der Wecker klingelte, fühlte er sich wie gerädert. Er brauchte einen Kaffee und ein kräftiges Frühstück, um den Tag zu überstehen, sie hatten eine schwierige Kundin, und das an einem Montag.

»Wir könnten zu seiner Familie.« Michis Anruf kam in der Mittagspause.

»Josefs Eltern wohnen in Oberösterreich.« Das konnte doch nicht sein Ernst sein.

»Hast a bessere Idee?«

»Heute Abend will i duschen, a Käsekrainer und dann früh ins Bett.« Die Kundin war wie erwartet schwierig, dauernd stand sie hinter ihnen, während sie den Fußboden im Bad neu verlegten, und nicht amal Kaffee hatte sie ihnen angeboten.

»Quatsch nicht, Robbie. Duschen darfst, aber um sechs kommst zu mir. Deine Krainer besorg i dir, dann entwerfen wir einen Schlachtplan.«

Den Rest des Nachmittags verbrachte Robert mit schweißtreibender Arbeit, wobei er sich fragte, ob er Eva wohl eine SMS schreiben sollte oder ob sie dann nur wieder vom Kriminalinspektor Fleischhauer schwärmte. Er musste wirklich diesen Fall lösen, danach würde Eva nur noch von ihm schwärmen und der Fleischhauer würde blöd schauen.

Die Dusche nach Feierabend war ein Segen. Bevor er jedoch zu Michi fahren konnte, erwischte seine Mutter ihn, die eben erst aus dem Radio vom ›Mord am Hockeyspieler‹ erfahren hatte.

»Wo fährst du denn jetzt schon wieder hin? Und geht’s dir gut? Der Josef war doch bei dir im Verein.«

Er schickte Michi eine kurze SMS, dass es später werden würde, und erzählte seiner Mutter von den Geschehnissen am Freitagabend.

»Aber warum hast denn nichts gesagt am Wochenende?«

Es dauerte eine Zeit, bis er sie beruhigt hatte. »Wirklich, Mama, mir geht’s gut, und Eva auch. Die Polizei kümmert sich drum.«

»Der arme Kerl. Und noch so jung!«

Naja, über 30 war er schon gewesen …

»Und wo willst du jetzt wieder hin?«

»I organisier mit ein paar Burschen … die Beerdigung, genau. Wir kümmern uns da um a paar Sachen. Josef war schließlich unser bester Stürmer.«

»Und ganz und gar verhasst bei all euren Gegnern.« Seine Mutter lächelte schwach.

»Oh ja, die haben ihn …« Robert blinzelte. Da hatte seine Mutter ihn nun tatsächlich auf eine Idee gebracht. »Du, i muss los! Michi wartet. Das Blumengesteck und so.« Er drückte sie zum Abschied einmal schnell an sich, dann lief er zum Auto. Während der Fahrt rief er Michi an. »Die Villacher!«

»Was ist mit den Villachern?«

»Wer hatte einen Grund, Josef zu hassen? Seine Exfreundinnen, ja. Aber die haben wir durch, die haben ihn net umgebracht. Wer bleibt also?«

»Ganz Villach?«

»Das Hockeyteam, du Depp! Erinnerst du dich an unser letztes Spiel vor zwei Wochen?«

»Der Torwart ist ausgerastet.« Michi atmete hörbar aus. »Kleine Planänderung. Wir fahren nicht zu Josefs Eltern, sondern zu den Villachern.«

Keine fünf Minuten später hielt Robert vor Michis Haustür. Michi wartete bereits, sprang ins Auto und hielt die Hände vor die Lüftung. »Hast du eine Ahnung, wann die immer trainieren?«

Robert zuckte mit den Schultern. »Wenn wir Glück haben, heute. Wenn wir Pech haben, ist aber sicher trotzdem der an oder andre da. Und zur Not müssen wir eben die Privatadresse des Torwarts herauskriegen.«

Michi nickte. »Auf jeden Fall noch heute. Die Polizei ist uns bestimmt dicht auf den Fersen.«

Das durfte auf keinen Fall passieren, den Fleischhauer mussten sie übertrumpfen. Robert trat aufs Gaspedal. In Villach kannte er sich aus, er war dort – gemeinsam mit Michi – zur HTL gegangen, und selbst jetzt waren sie so oft sie konnten bei diversen Festen dort zu finden: Im Winter war der Villacher Fasching a Gaudi, im Sommer der Kirchtag 15, und hin und wieder gab es auch andere Gelegenheiten, um zu feiern, zum Beispiel das Honky Tonk Kneipenfestival im Frühjahr. Vielleicht sollte er mit Eva einmal im Romantikhotel Post am Hauptplatz 16 … Reiß di zsamm, schalt er sich selbst, nichts überstürzen, du hattest grad erst a einziges Date mit ihr. Als sie an der Villacher Eissporthalle ankamen, war ihnen ausnahmsweise das Glück hold, die Villacher trainierten tatsächlich montags. Weniger glücklich war die Tatsache, dass Martin Fleischhauer und ein Kollege ebenfalls auf Stippvisite beim Eishockeyverein waren.

»Josef, Richard oder Hannes, was weiß i, wer das war«, erklärte der Villacher Torwart gerade. »I spuil gegen die da oben von Winklern, i halt net mit denen Händchen.«

»Sie haben Josef Hafflechner nicht nur während des Spiels so oft gefoult, dass es Ihnen mehrminütige Time-Outs beschert hat, Sie sind auch beobachtet worden, wie Sie nach dem Spiel einen Streit mit ihm vom Zaun gebrochen haben.«

»Der war halt ein Toker.« Gleichmütig lehnte sich der Torwart an die Bande.

»I glaub, dir is’ net ganz klar, was der Herr Kriminalinspektor grad von dir will«, mischte Robert sich ein. Der Goalie war ja noch arroganter als der Fleischhauer! »Du stehst hier unter akutem Mordverdacht.«

»Was?«

»So, wie es aussieht, haben S’ den Toten als Letzter lebend gesehen. Sie hatten verbürgt Streit mit ihm, Sie …«, Fleischhauer blätterte in einem Notizbuch, »sind vorbestraft wegen Körperverletzung. Es sieht wirklich nicht gut aus für Sie.«

»Haben wir dich.« Robert verschränkte die Arme vor der Brust.

»Hey, hey!« Plötzlich kam Leben in den Villacher. »I war des net! Wirklich!« Hilfe suchend blickte er sich zum Rest seiner Mannschaft um. »I war doch danach noch Pizza essen mit euch!«

Fleischhauer blätterte wieder in seinem Notizblock. »Das stimmt zwar, aber wir haben hier ein Zeitfenster von knapp zwei Stunden. Das reicht locker, um jemanden zu erschlagen und die Leiche im Weißensee zu versenken.«

Dem Torwart trat der Schweiß auf die Stirn, er wurde abwechselnd rot und blass, bis Fleischhauer schließlich »Abführen!« rief und zwei uniformierte Beamte ihm Handschellen anlegten. Während der Villacher weiter seine Unschuld beteuerte, verließ der Kriminalinspektor selbst die Halle, ohne Robert und Michi eines Blickes zu würdigen.

»Wir haben dem seinen Fall gelöst!«, meckerte Michi. »Da könnte er sich etwas dankbarer zeigen.«

»Eigentlich haben wir ihn nicht gelöst. Oder höchstens gleichzeitig gelöst.« Frustriert fuhr Robert sich mit der Hand durch die Haare. Im Auto piepte sein Handy, eine SMS von Eva: ›Hast schon gehört? Martin hat den Fall gelöst, er hat Josefs Mörder geschnappt!!!‹ Drei Ausrufezeichen. Fleischhauer bekam drei Ausrufezeichen von Eva. Er bekam meist gar kein Satzzeichen am Ende.

»So a Schaas!« Er schlug auf das Lenkrad, erwischte die Hupe und haute sich den kleinen Finger an.

»Immer langsam«, begann Michi, aber Robert hörte ihm nicht zu. Sein Blick folgte dem Polizeiwagen, der den Villacher Goalie mit Blaulicht zum nächsten Polizeiposten fuhr.

»Irgendwas stimmt da nicht«, sagte Robert, während er sich den kleinen Finger rieb.

»War doch die Theorie.« Michi zuckte mit den Schultern.

»Trotzdem.« Robert konnte es nicht erklären, aber wie der Villacher geschaut hatte, so eine Überraschung, das konnte man nicht spielen.

»I glab, die haben den Falschen«, sagte Robert langsam, doch nun war es Michi, der ihm nicht zuhörte, weil sein Handy klingelte.

Robert startete den Wagen und ging in Gedanken weitere Möglichkeiten durch: ein eifersüchtiger Freund oder Exfreund? Der Josef war mit seinen Frauengeschichten doch sicher dem einen oder anderen Haberer auf die Füße gestiegen.

Erst nach einiger Zeit bemerkte Robert, dass bei Michi etwas nicht in Ordnung war.

»Wo bist denn? Daheim?« Michis Stimme klang angespannt. Am anderen Ende der Leitung meinte Robert jemanden weinen zu hören. »Wir sind sofort bei dir! Gib Gas!« Das letzte war an Robert gerichtet.

»Wohin?«

»Conny.« Michi hielt sich am Armaturenbrett fest, seine Fingerknöchel traten weiß hervor.

Robert ignorierte sein eigenes Handy, fegte um die nächsten Kurven und schaffte die Strecke bis nach Gerlamoos 17 in einer halben Stunde.

Kaum hatte er mit quietschenden Reifen gehalten, sprang Michi auch schon aus dem Auto. Das Haus war hell erleuchtet, die Tür stand offen, und von drinnen konnte Robert Schreie hören. Er raste hinter Michi her, die Treppe hoch, bis sie vor einer geschlossenen Tür Halt machen mussten.

»Los!« Robert ergriff die Initiative, warf sich gegen die Tür, Michi schaltete sofort und trat gegen das Schloss. Beim dritten Mal gab die Tür nach und sie stolperten ins Schlafzimmer. Conny stand, mit einem dreiarmigen Kerzenleuchter bewaffnet, in einer Ecke, vor ihr auf dem Bett turnte der kleine Hannes herum. Er blutete aus mehreren Kratzern im Gesicht und an den Armen, Conny hatte sich wacker geschlagen.

»Du Miststück!«, schrie Hannes außer sich und wollte auf sie zuspringen. Da haxelte Michi ihn, und er fiel bäuchlings aufs Bett. Sofort packte Robert seine Arme, Michi setzte sich auf seinen Rücken, und so hielten sie den tobenden Burschen in Schach.

»Oh Gott, oh Gott, oh Gott.« Conny ließ den Kerzenleuchter fallen und sank zu Boden. »Danke. Ihr seid … danke.«

»Was war denn überhaupt los?« Michi gab dem wütenden Hannes einen Schlag auf die Schulter, während Robert sich überlegte, ihn mit einem herumliegenden Socken zu knebeln.

»Was wollte der von dir?«

»Ich liebe sie!«, schrie Hannes.

»Was?« Michi blickte auf.

Conny hob abwehrend die Hände. »I hab dich noch nie gmocht, das weißt du!«

»Du hattest ja nur Augen für den Josef! Josef hier, Josef da, dieser Riesenarsch! Ausgenutzt hat er dich!«

»Ja und? Was hätt i denn machen sollen? Mit dir ausgehen?«

»I hätte dich auf Händen getragen!«

»Ich will dich aber net!« Connys Stimme schrillte in ungeahnte Höhen.

Robert fand, es war Zeit, einzugreifen. »Eifersüchtig auf den Josef warst du also?« Er zwickte Hannes in den Arm. »Und hast dir gedacht, na, ohne den Josef, da würd die Conny sich vielleicht in dich verlieben?«

»Ha!«, schnaubte Michi.

»Und nach dem Spiel gegen die Villacher, da war der Josef eh so in Streitlaune. Da hast dich ein bisserl mit ihm angelegt, und als er dir den Vogel gezeigt hat, da hast ihm eins übergebraten.«

»Mich ausgelacht hat er! Mir gesagt, bei der Conny hätt i eh nie Chancen.«

Wieder schnaubte Michi, und Robert warf ihm einen strafenden Blick zu. »Und dann?«, forderte Robert Hannes auf, weiterzuerzählen.

»Ja, und dann … und dann bin i wirklich wütend gworden.« Hannes wurde einen Augenblick still. »Mit dem Hockeyschläger hab i ihm eine übergezogen. Und wie er am Boden lag noch amal und noch amal.«

»Und dann hast ihn im See versenkt?«

Mit aufgerissenen Augen hatte Conny den Dialog verfolgt. »Heiliger Strohsack«, flüsterte sie.

Aus Hannes’ Körper war aller Kampf gewichen, schlaff lag er auf dem Bett und begann zu weinen.

Robert nickte, zückte sein Handy und rief Eva an. »Du sag mal, kannst du mir vielleicht die Nummer vom Kriminalinspektor Fleischhauer geben? Der hat nämlich grad den Falschen verhaftet. I hab den Mörder hier mit Michi dingfest gemacht, Geständnis und alles, und würd der Polizei gern Bescheid geben.«

Michi quittierte sein Grinsen, indem er seine ausgestreckte Hand hinhielt, in die Robert einschlug. Fliesenleger Robert Hassle, Meisterdetektiv. Evas aufgeregtes »Was? Oh Robert!« war Musik in seinen Ohren.

Freizeittipps

8 Weißensee: Zufahrt zum Ostufer (Stockenboi) oder zum Westufer (Techendorf), am See selbst keine mit dem Auto befahrbare direkte Verbindungsstraße zwischen den beiden Orten. Techendorf am Weißensee hat sich dem sanften Tourismus verschrieben. Wander- und Nordic-Walking-Wege, Mountainbikestrecken, Familienschigebiet für Anfänger und Leute, die gemütlich schifahren möchten. (Eis-)Fischen und Tauchen stehen hoch im Kurs. Im Winter steht das Eislaufen auf der Natureisfläche des Sees im Vordergrund. Seit einem Vierteljahrhundert findet hier auch die alternative holländische 11-Städte-Tour (›Elfstedentocht‹) statt, da die traditionelle Strecke in der niederländischen Provinz Friesland zumeist nicht mehr eisig genug ist.

Ausflugsziele und Freizeittipps

Wanderung am Nordufer entlang, im Schatten des Waldes und mit lauschigen Badeplätzen. Der See ist flach abfallend, das glasklare Wasser erfrischend.

Über den Ort Kreuzen gelangt man vom Drau- ins Gailtal. Etwa 5 Kilometer westlich von Kreuzen befindet sich eine senkrechte Felswand mit volkstümlichen Einmeißelungen (beispielsweise Hund, Schlange, Inschrift), im Volksmund Hundskirche genannt und eventuell ein Versammlungsort der Geheimprotestanten in der Zeit der Gegenreformation.

9 Winklern: Ort im oberen Mölltal, wo sich seit Jahrhunderten Fernwege kreuzen. Die gut ausgebaute B 106 (Mölltalstraße) und auch die nach Heiligenblut führende B 107 verlocken dazu, aufs Gaspedal zu steigen. Widerstehen Sie lieber. Denn dass die Strecke zum Rasen verleitet, weiß auch die Polizei, die Ihre Euro-Scheine gerne entgegennimmt.

Ausflugsziele und Freizeittipps

Am Eingang des Mölltals ragt der Danielsberg als markanter Kegel aus dem Tal auf. Landschaftsschutzgebiet. Archäologische Funde aus der Stein- und Bronzezeit weisen auf Besiedlung hin, ebenso wurden Kultgegenstände aus der Jungsteinzeit gefunden. Auch für Kelten und Römer war der Danielsberg eine Kultstätte, wobei Letztere hier einen Herkulestempel errichteten. Eine Steinplatte mit einer Bauinschrift desselben ist in der Außenwand der Kirche eingemauert. Zudem gibt es Spuren des frühen Christentums, vermutlich wurde bereits im 4. Jahrhundert eine erste Kapelle errichtet. Die romanische Kirche auf der Bergspitze wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts wiederhergestellt und dem hl. Georg geweiht.

Klettersteig, Naturlehrpfad. Im April Georgifest mit Prozession und Kirchtag. Hotel und Restaurant Herkuleshof, ursprünglich als Jagdhaus errichtet.

Nationalpark Hohe Tauern: Zahlreiche Wanderwege und gute Almhütten, beispielsweise der von Winklern ausgehende Kulturlandschaftsweg am Möllfluss entlang mit Schaumühlen und Wasserspielplätzen. Kulturwanderweg Römerstraßen (zwei Römerstraßen über den Mallnitzer- bzw. Korntauern) – Start am Parkplatz Jamnigalm.

Durch die Groppenstein- und Rabischschlucht (Verbindung zwischen den Ortschaften Mallnitz und Obervellach) mit ihren Wasserfällen führt der längste Schluchtenweg Kärntens. Burg Groppenstein.

Am Ende der Groppensteinschlucht empfiehlt sich in der warmen Jahreszeit die Einkehr im urigen Romantik-Gasthof Zur guten Quelle, der alte Zoll- und Wachturm dient als Raucherbereich.

In Apriach lohnt die Besichtigung der hintereinander an Bergbächen angeordneten Stockmühlen, im fast 400 Jahre alten Mentlhof ist ein Bergbauernmuseum eingerichtet.

Im Sport- und Freizeitzentrum Großkirchheim (z.B. Kletterturm, Tennis, Fußball, ein Schwimmbad ist im Bau) gibt es für Weidmänner und -frauen neuerdings auch einen Schießtunnel mit Schießkino.

Obervellach: Marktgemeinde im Mölltal. Schrothkurort. Schießstand. Erlebnisfreibad, Hallenbad. Malerische Burg Niederfalkenstein (Privatbesitz). Südlich der Möll gibt es ein Sporterlebniscamp und einen Campingplatz. Kajak, Canyoning, Rafting. Schöner und frei zugänglicher Wasserspielplatz.

Empfehlenswert ist der Bauernladen Walter, wobei man sich in der kleinen Stube gleich vor Ort durchkosten kann.

Steil hinauf auf den Berg geht es bei Kolbnitz mit der Bergbahn Reißeck. Von dort fährt Europas höchste private Schmalspureisenbahn weiter zum Bergrestaurant. Wanderrouten, geführte Erlebniswanderung. Auf die Kinder wartet der große Erlebnisspielplatz zum Thema Kraftwerk, auf die Eltern die Sonnenterrasse.

Mallnitz: Ein- bzw. Ausstieg der ÖBB-Autoschleuse Tauernbahn. Schi- und Wanderregion, Hallenbad. Besuchermagnet ist jedoch das BIOS Nationalparkzentrum (April bis Oktober): Hier lernt man den Nationalpark und seine Besonderheiten kennen und kann mittels Mikroskop & Co an einem durch den Ausstellungsraum geleiteten Bach dem Geheimnis des Lebens nachjagen. Dauer- und jährlich wechselnde Sonderausstellungen sowie Kunstinstallationen. Café.

Am Mölltaler Gletscher kann man auch im Sommer schifahren. Gletscherwanderweg.

10 Drautal: Im oberen Drautal hat sich Irschen als Natur und Kräuterdorf positioniert. Hier gibt es beim KräuterHaus Pfarrstadel zahlreiche Kräuterspezialitäten und -stationen, im Winter ist die Kräuterwerkstatt im Gemeindeamt untergebracht. Sehenswert ist in Irschen zudem die romanisch-gotische Pfarrkirche mit ihren Wandmalereien und Deckenfresken.

Gleitschirm- und Drachenfliegen kann man auf der Emberger Alm (Fliegercamp in Greifenburg), die aufgrund der Thermik zu den besten Fluggebieten Europas zählt.

Auf eine lange Siedlungsgeschichte kann der malerische Markt Oberdrauburg – mit zwei Burgruinen und Althausbestand aus dem 16. bis 19. Jahrhundert – zurückblicken.

11 Villach: Dem ORF-Publikum vom Villacher Fasching bekannt. Übrigens: Im Eishockey sind die traditionellen Konkurrenten Klagenfurt (KAC) und Villach (VSV).

Ausflugsziele und Freizeittipps

Das Stadtmuseum Villach informiert über die Regionalgeschichte. Im Schillerpark kann man von Mai bis Oktober ein 182 Quadratmeter großes Relief von Kärnten betrachten.

Der Dobratsch (Villacher Alpe, über 2.000 Meter hoher Bergstock) lädt mit seinem Naturpark zum Wandern ein, von hier oben hat man auch einen guten Ausblick.

Mit dem Zentrum Faaker See findet in der Region in der ersten Septemberwoche das Harley-Davidson-Treffen (European Bike Week) statt.

Einen der größten Klettergärten (über 300 Routen) findet man am Kanzianiberg, der bereits im 3. Jahrtausend vor Christus besiedelt war und wo einst auf spät-hallstattzeitlichen und antiken Vorläufern ein römerzeitliches Kastell stand. Gotische Kirche hl. Kanzian am Felshügel.

12 Iselsberg: Von Winklern gelangt man über den Iselsberg nach Osttirol. Von der Höhe hat man einen schönen Ausblick über Lienz und auf die Dolomiten.

13 Mautturm: Dieser Überrest einer kleinen Burg beherbergt eine Ausstellung zum Thema Kristalle. Moderner Anbau (Tauernwurm).

14 Hörzendorfer See: Zwischen Klagenfurt und St. Veit. Naturbadesee.

15 Villacher Kirchtag: Ende Juli/Anfang August findet in der Villacher Altstadt das große Brauchtumsfest, der Villacher Kirchtag, statt, mit zahlreichen Einzelveranstaltungen, Vergnügungspark und Trachtenfestzug. Das Villacher Bier fließt dabei reichlich, eine überwiegend flüssige Spezialität ist die Kirchtagssuppe, »echte« Kärntner essen zur pikanten Suppe einen picksüßen Reinling (wie zu Ostern zu Schinken und Kren).

16 Villacher Hauptplatz: Als großzügiger Straßenplatz angelegter Platz mit schönen Bürgerhäusern und Fußgängerzone. Hauptstadtpfarrkirche hl. Jakob d. Ä. am Ende des Hauptplatzes, spätgotische Hallenkirche mit ursprünglich frei stehendem Westturm. Schöner Hochaltar mit Rokokoschnitzwerk und Ziborienaufsatz, der ein spätgotisches Kruzifix miteinbezieht.

17 Gerlamoos: Der kleine Ort hat kunsthistorisch Großes zu bieten. Das über einen Fußweg erreichbare Georgskirchlein ist mit prächtigen Wandmalereien von Thomas von Villach aus den 70er-Jahren des 15. Jahrhunderts ausgestattet, sie gelten als Hauptwerk des Meisters. Dabei ist die gesamte Nordwand des Langhauses mit drei Streifen von Bilderfeldern geschmückt, welche Darstellungen aus der Georgslegende, Passionsszenen und Szenen aus dem Leiden Christi sowie von der Auferstehung und Himmelfahrt umfassen.

Die Außenseite der Kirche ist ebenfalls mit Wandgemälden, vermutlich aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert, verziert, die u. a. den hl. Christophorus, Georg mit dem Drachen und die Kreuzigung darstellen.

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Litres'teki yayın tarihi:
26 mayıs 2021
Hacim:
251 s. 3 illüstrasyon
ISBN:
9783839268360
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Telif hakkı:
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