Kitabı oku: «Raus aus der Mutterfalle»

Yazı tipi:

Das Buch

Beruflich erfolgreich, perfekt im Haushalt, attraktive Partnerin, liebevolle Mutter: Das alles sollten Mütter sein - natürlich gleichzeitig! Kein Wunder, dass sich Selbstzweifel und Schuldgefühle in Form eines permanent schlechten Gewissens einstellen, wenn sie feststellen, dass sie diesem unrealistischen Mutterideal nicht entsprechen.

Dorothee Döring, Mutter zweier Kinder, weiß um die Folgen dieses Perfektionismus und lädt ein zu einer Selbstentdeckungsreise: zum Verstehen alter Verstrickungen, zum Heilen alter Wunden und zu einer neuen, versöhnlichen, mitfühlenden Begegnung - mit den Kindern und vor allem mit sich selbst.

Die Autorin

Dorothee Döring, Kunstlehrerin a. D., Dozentin in der Erwachsenenbildung, Lebens-und Konfliktberaterin, kennt Mutter‐Kind‐Konflikte aus ihren Seminaren, aus ihrer Beratungspraxis sowie aus eigener Erfahrung. Sie hat sich mit zahlreichen Publikationen einen Namen gemacht und ist medial präsent. Dorothee Döring ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und vier Enkel. Sie lebt und arbeitet in Kempen am Niederrhein.

www.DorotheeDoering.de

Dorothee Döring

Raus aus der Mutterfalle

Befreiung von Selbstzweifeln

und Schuldgefühlen


Inhaltsverzeichnis

Umschlag

Das Buch / Die Autorin

Titel

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Teil I Mütter zwischen Selbstzweifeln und Schuldgefühlen 1. Der Mythos der „idealen Mutter"

Merkmale der „idealen Mutter"

Die Mutterliebe als wesentliches Merkmal der „idealen Mutter"

2. Übermütter, Rabenmütter und andere

Die Vollzeit-Mutter

Die berufstätige Mutter

Die Freundin-Mutter

Die Chaos-Mutter

Die Helikopter-Mutter

Die Tiger-Mutter

Die eingeschüchterte Mutter

3. Mütter am Pranger Wie sie es machen, ist es verkehrt

Der Vorwurf, das Kind nicht genug geliebt zu haben

Der Vorwurf, das Kind ungerecht behandelt zu haben

Der Vorwurf der Missachtung kindlicher Gefühle und Bedürfnisse

Der Vorwurf, sich nur für sich selbst interessiert zu haben

Der Vorwurf, das Kind wegen zu hoher Leistungs­erwartungen überfordert und für eigene Träume missbraucht zu haben

Der Vorwurf, in der Entwicklung eingeengt worden zu sein

Der Vorwurf mangelnder Einfühlung und fehlenden Verständnisses

Kritik an Lebensentscheidungen und Lebensmodell der Mutter

Der Vorwurf fehlender Grenzen, Disziplin, Ordnung und Struktur

Der Vorwurf, das Kind nicht genug beschützt zu haben

Die Pauschalabwertung der Mutter

4. Die Folgen ständiger Vorwürfe

Selbstvorwürfe - Schuldgefühle- ein chronisch schlechtes Gewissen

Verlust des Selbstwertgefühls - Beschädigung des Selbstbildes - Selbstabwertung

Überforderung als Folge verstärkten Einsatzes

Teil II Wege aus der Mutterfalle 1. Der Umgang mit Vorwürfen

Der Vorwurf, das Kind nicht genug geliebt zu haben

Der Vorwurf, nicht genug gelobt und ermutigt worden zu sein

Der Vorwurf, das Kind nicht genug beschützt zu haben

Der Vorwurf, sich nur für sich selbst interessiert zu haben

Kritik an Lebensentscheidungen der Mutter

Pauschale Vorwürfe

Zusammenfassung: Umgang mit Vorwürfen

2. Selbsteinschätzung und Selbstbewusstsein

Ursachenforschung - was habe ich falsch gemacht?

Strategien zur Verbesserung von Selbstbild und Selbstbewusstsein

Befreiung von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen

Die Kunst, sich selbst zu lieben - Der wertschätzende Umgang mit sich selbst

3. Verstehen, versöhnen und verzeihen

Wodurch wir wurden, was wir sind - Prägungen entschlüsseln und verstehen

Selbstanalyse - Was würde ich heute anders machen?

Versöhnung mit sich selbst

Versöhnung mit den Kindern

Was Mütter für eine gute Beziehung zu ihren Kindern tun können

4. Zusammenfassung

Quellen

Impressum

Einführung

Auch wenn Sie als Mutter immer nur das Beste geben wollten, kann es Ihnen passieren, mit Vorwürfen und Anklagen überhäuft zu werden. Bekannte und Verwandte messen Sie am gerade aktuellen Mythos der „idealen Mutter", ob Sie z. B. berufstätig sein dürften oder nicht, ihre Kinder versuchen Sie mit Vorwürfen zu einem bestimmten Verhalten zu manipulieren, und wenn sie erwachsen sind, werfen sie Ihnen vor, dass Sie z. B. schuld daran sind, dass sie nicht oder das Verkehrte studiert haben.

Unter dem Dauerbeschuss von Vorwürfen, knicken viele Mütter ein, besonders, wenn sie über ein geringes Selbstbewusstsein verfügen. Schließlich verinnerlichen sie, was ihnen vorgeworfen wird und sitzen damit in der „Mutterfalle".

Diese Zusammenhänge werden im Teil I Mütter zwischen Selbstzweifeln und Schuldgefühlen beschrieben.

Im Teil II Wege aus der Mutterfalle beschreibe ich eine Strategie, um aus dieser „psychischen Falle" herauszukommen.

Der erste Schritt ist die kühle und distanzierte Analyse der Kritik, die Außenwelt und Kinder erheben, mit dem Ziel, berechtigte von unberechtigten Vorwürfen zu unterscheiden. Der zweite Schritt erfordert, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, zu erkennen, wo man Fehler gemacht hat, welche charakterlichen Eigenschaften, wie z. B. der Hang zum Perfektionismus, ursächlich für die Vorwürfe waren.

Die aus diesen Schritten gewonnenen Erkenntnisse sind die Voraussetzung und Grundlage für den letzten Schritt: den Wiederaufbau eines gesunden Selbstbewusstseins und der Versöhnung mit sich selbst und den Kindern.

Mein Anliegen besteht darin, Mütter dabei zu unterstützen, ihre Selbstachtung zu fördern, einen wertschätzenden Umgang mit sich selbst zu erlernen und - ihnen zu zeigen, wie sie es schaffen können, sich selbst wie eine gute Freundin liebevoll anzunehmen.

Teil I Mütter zwischen Selbstzweifeln und Schuldgefühlen

1.
Der Mythos der „idealen Mutter"
Merkmale der „idealen Mutter"

Die „ideale Mutter" ist eine Fiktion in unseren Köpfen, wie eine Mutter sein sollte.

Mütter werden mit diesem Leitbild verglichen und beurteilt. So kommt es zu den Urteilen: „Sie ist eine gute Mutter - sie ist eine schlechte Mutter". Aber auch die Mütter selbst messen sich an diesem Anspruch, was dann zu Selbstzweifeln und Schuldgefühlen führen kann und ihnen das Gefühl gibt, ausweglos quasi in einer Falle zu sitzen, der „Mutterfalle".

Welche Rollen die „ideale Mutter" kennzeichnen, ist vom Zeitgeist abhängig, von politischen und sozialen Gegebenheiten. So hat sich das Mutterbild im Laufe der Jahrzehnte mehrfach gewandelt.1

Gehen wir zurück in die Geschichte, ist festzustellen, dass das Mutterbild in Deutschland wesentlich geprägt wurde durch Königin Luise von Preußen (1776-1810). Im Gegensatz zu arrangierten Ehen in anderen Königshäusern führte sie mit ihrem Gatten Friedrich Wilhelm keine auf Staatsräson fußende Zweckehe, sondern eine Liebesbeziehung. Ihre Kinder überließ Königin Luise keinen Gouvernanten, sondern kümmerte sich selbst um sie. Noch weit über ihren Tod hinaus beeinflusste sie das Bild der Frau und Mutter. Mit ihrer Haltung war Luise Vorbild für das Ideal der bürgerlichen Kleinfamilie, in dem der Vater als Erwerbstätiger die Familie versorgt und die Mutter zu Hause ein gemütliches, angenehmes Heim schafft und sich um Haushalt und Kinder kümmert.

Hatte vorher die Einheit von Mutter und Kind als etwas zutiefst Privates gegolten, so wurde das Mutterideal von den Nationalsozialisten funktionalisiert. Die Aufgabe der deutschen Mutter bestand während dieser Zeit darin, die arische Rasse fortzupflanzen. Frauen, die sich bewusst gegen die Mutterschaft entschieden, galten als entartet und krank. Die Nazis führten eine Steuerpolitik ein, die die Berufstätigkeit von Ehefrauen bestrafte. Die „deutsche Frau" sollte zu Hause bleiben und dem Führer möglichst viele Kinder gebären. Wichtig war nicht mehr, ob ein Kind ehelich geboren wurde oder nicht, sondern ob es von reiner (arischer) Abstammung war. Der Müttermythos des Dritten Reiches diente der nationalsozialistischen Propaganda. Danach bestand die Aufgabe der Frau im Gebären und der Aufzucht neuer Generationen. Wer „deutschblütig", „erbrein", nicht „asozial", „anständig", „sittlich einwandfrei" war und mindestens vier Kinder lebend geboren hatte, bekam das Mutterkreuz verliehen, das als große Ehre galt. Eine Frau galt nur etwas, wenn sie Mutter möglichst vieler Kinder war und so zur Stärkung der arischen Rasse beitrug. Dazu kam mit fortschreitendem Krieg die Verpflichtung, in der Kriegsindustrie zu arbeiten.

In den 1950er und 1960er Jahren rückte im Westen Deutschlands die Mutterschaft wieder in den privaten Bereich. Aus der Mutterrolle sollten Frauen eine tiefe Befriedigung ziehen können. Mütter sollten verheiratet sein und ihren Beruf zugunsten der Kinder aufgegeben haben. Den Bedürfnissen ihrer Kinder sollten sie höchste Priorität einräumen. Der Vater hatte lediglich die Rolle des Ernährers inne, seine Bedeutung in der kindlichen Entwicklung wurde fast vollständig ignoriert. An die Frauen stellte dieses Ideal hohe Ansprüche: Viele hatten ein schlechtes Gewissen, weil sie diesem rosigen Bild der Mutterschaft in der Praxis nicht entsprachen. Wer nicht in das Schema der glücklichen Kleinfamilie passte - z. B. Alleinerziehende, berufstätige Mütter, Stiefmütter - wurde gesellschaftlich ausgegrenzt.

Ausgelöst durch die Emanzipationsbewegung suchten während der 1970er und 1980er Jahre immer mehr Frauen einen Kompromiss zwischen dem traditionellen Mutterbild und dem zunehmenden Wunsch nach Berufstätigkeit, Gleichberechtigung und Unabhängigkeit. Man erachtete es schon als wichtig, dass Frauen eine gute Schul- und Berufsausbildung anstrebten, einen Beruf erlernten und diesen auch ausübten, bis das erste Kind geboren war. Anschließend sollte die Frau zu Hause bleiben und sich um die Familie kümmern. Erst wenn das Kind oder die Kinder sie nicht mehr dringend brauchten - so die damalige Vorstellung - könnte sie wieder einer Berufstätigkeit nachgehen. Noch heute gibt es Vertreter dieser Ideologie.

Die DDR setzte als zweiter deutscher Staat ganz auf die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Mutterschaft, weil Frauen im Arbeitsprozess unentbehrlich waren. Für die Kinder gab es Kinderkrippen, Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen. Finanzielle Zuwendungen und Förderungen bekamen Mütter unabhängig davon, ob sie verheiratet waren oder nicht. Die Berufstätigkeit der Frauen wurde ideologisch angestrebt und konsequent gefördert, auch wenn Frauen - ähnlich wie in der Bundesrepublik - selten in Führungspositionen gelangten. Die Frau musste gleichberechtigt am Aufbau des Sozialismus mitwirken. Nur eine werktätige Mutter war dort eine gute Mutter.

Seit den 1990er Jahren gibt es kein vorherrschendes Mutterbild mehr. Inzwischen existieren verschiedene Lebensformen parallel nebeneinander. So gibt es zum einen die „Supermütter", die anscheinend spielend Karriere, Kinder und Haushalt unter einen Hut bringen. Zahlreiche Frauen arbeiten in Teilzeit, wieder andere - vor allem Frauen aus der Mittelschicht - verzichten ganz bewusst auf eine Berufsausübung, weil sie sich nicht weiter dem Druck von Konkurrenz und Fremdbestimmung im Arbeitsleben aussetzen wollen. Sie erhoffen sich durch das Ausleben der Familienrolle eine bessere Selbstverwirklichung als im Beruf. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Alleinerziehende oder Frauen aus den unteren sozialen Schichten, für die sich diese Frage gar nicht stellt: Sie sind aus finanzieller Notwendigkeit heraus gezwungen, trotz Kindern zu arbeiten. Die Kinderbetreuung übernehmen hier oft Großeltern, Geschwister, Nachbarn oder Bekannte, besonders wenn die Frauen in Schichtdiensten arbeiten. Viele Kinder bleiben auch zeitweise sich selbst überlassen.

Das gesellschaftliche Leitbild der Mutterrolle wurde auch durch das neue Unterhaltsrecht vom 1. Januar 2008 nachhaltig verändert. Der nacheheliche Ehegattenunterhalt für den geschiedenen Ehepartner wurde vom Gesetzgeber zur Ausnahme erklärt, wodurch der bisherige Regelfall ausgehebelt wurde. Durch das neue Unterhaltsrecht wird unterstellt, dass jeder Ehegatte sich selbst unterhalten kann und er Unterhalt nur dann bekommt, wenn er außer Stande ist, für seine Existenz zu sorgen. Das ist der Fall, wenn ein Ehepartner nicht genug Geld verdienen kann, weil er Kinder betreut, zu alt oder zu krank ist, eine Ausbildung abschließt oder keinen Job findet.

Nach altem Recht galt, dass nicht verheiratete Mütter vom Kindesvater im Normalfall nur Unterhalt verlangen konnten, bis das Kind drei Jahre alt war. Geschiedene dagegen durften darauf bauen, dass sie überhaupt erst wieder Teilzeit arbeiten mussten, wenn ihr Kind acht Jahre alt war, bei zwei oder mehr Kindern sogar noch später.


Heidi, 33:

„Ich habe nie darüber nachgedacht, ob ich nach der Geburt unserer Kinder wieder berufstätig sein wollte. Ich war glücklich mit meiner Familie, meinen Kindern und der Rollenteilung, dass mein Mann das Familieneinkommen verdiente und ich Haus- und Familienarbeit leistete. Aber mich finanziell nicht abzusichern, das war nicht gerade clever von mir. Nachdem mein Mann mich verlassen hat, bekomme ich keinen Cent von ihm, obwohl unsere kleine Tochter erst 4 Jahre alt ist. Während der Kindergartenbetreuung wird von mir erwartet, dass ich Teilzeit arbeiten gehe. Meinen ehemaligen Beruf als Krankenschwester kann ich wegen des Schichtdienstes vergessen. Teilzeitarbeit ist dort ohnehin nicht möglich und mein Einkommen reicht auch bei Vollzeitarbeit nicht aus, um eine Kinderbetreuung zu organisieren und zu bezahlen. Heute rate ich allen Frauen, bei aller Verliebtheit auch an ihre Versorgung zu denken. Gefühle können sich schnell ändern."

Seit Ursula von der Leyens Zeit im Familienministerium während der Großen Koalition (2005-2009) fördert der Staat ganz gezielt die volle Berufstätigkeit von Müttern. Es wurde die bezahlte Elternzeit eingerichtet, um hoch qualifizierte Frauen zu motivieren, Kinder zu bekommen. Berufstätige Mütter können 14 Monate zu Hause bei ihrem Kind bleiben und es selbst versorgen, statt es - wie es früher üblich war - nach der gesetzlichen Mutterschutzfrist (6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt) in Fremdbetreuung zu geben. Nebenbei wurde von der Familienpolitik aber auch das Ziel verfolgt, Frauen finanziell unabhängiger zu machen und die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass jede Frau ihre eigene Altersvorsorge erwirtschaftet. Das allerdings geht nur mit Vollzeitbeschäftigung.

Inzwischen hat man auch den Eindruck, dass die nicht berufstätigen Mütter in eine Rechtfertigungshaltung gedrängt werden, weil man ihnen unterstellt, den Staat zu schädigen, weil sie das Bruttosozialprodukt nicht mehren, sondern oft auf staatliche Unterstützung angewiesen sind und auch später von Altersarmut bedroht sein könnten und dann der Allgemeinheit zur Last fielen.


Die Mutterliebe als wesentliches Merkmal der „idealen Mutter"

Unter Mutterliebe wird allgemein die reinste, innigste und selbstloseste Liebe verstanden und damit ist sie stark idealisiert und Teil des Mythos von der „idealen Mutter".

Mutterliebe war schon im Alten Testament ein Thema:

Zwei Frauen streiten sich um einen Säugling. König Salomo soll entscheiden, wer die richtige Mutter ist. Er lässt sich ein Schwert bringen und sagt, er wolle das Kind in zwei Hälften teilen. Daraufhin verzichtet die eine Frau sofort: Lieber soll das Kind bei der anderen aufwachsen, als getötet zu werden. König Salomo wertet das als Zeichen echter Mutterliebe.

Auch heute wird Mutterliebe vielfach immer noch mit selbstloser Aufopferung für die Kinder gleichgesetzt. Die Bindungsforschung beginnt erst heute zu verstehen, wie das große Gefühl einer Mutter entsteht und warum Mütter für ihre Kinder tatsächlich vieles tun, was sie für keinen anderen Menschen auf sich nehmen würden.

Was ist Mutterliebe? Ist sie ein euphorisches Gefühl, das sich direkt nach der Geburt wie auf Knopfdruck einstellt, oder eher eine langsam wachsende Zuneigung? Ist sie ein Trick der Natur, angeboren oder unbewusst erlerntes Verhalten? Wie entsteht dieses Gefühl, das viele als die stärkste Bindung ansehen? Sind es die Hormone, die für Mutterliebe verantwortlich sind, oder doch eher die Erziehung? Denn schließlich gibt es ja auch Frauen, die ihre Kinder misshandeln oder sogar töten - was geschah mit deren Mutterliebe?

Während der Geburt eines Kindes schüttet der weibliche Körper große Mengen an Endorphinen aus. Sie haben schmerzlindernde Wirkung, ähnlich wie Morphine, und sind außerdem angstlösend. Wenn das Kind geboren ist, endet der Schmerz zwar, der Endorphinspiegel ist jedoch nach wie vor sehr hoch: Die Mutter ist quasi high, im Rausch körpereigener Drogen.

Außer den Endorphinen wird noch ein weiteres Hormon während des Geburtsvorgangs ausgeschüttet: das Oxytocin. Es gilt als Bindungshormon und entsteht während der Geburt. Eine weitere Dosis des Botenstoffes schüttet das Gehirn beim Stillen aus. Bereits in den ersten Monaten der Schwangerschaft konnten israelische Forscher nach einer 2007 veröffentlichten Studie schon Oxytocin in stärkerer Dosierung nachweisen, als dies bei nicht schwangeren Frauen der Fall war. Und sie fanden heraus: Je höher der Oxytocin-Spiegel der Mutter während der Schwangerschaft war, desto intensiver beschäftigten sich die Frauen anschließend mit dem Kind und desto stärker waren sie ihm zugewandt. Das wäre eine mögliche Erklärung dafür, warum Mütter ihre Babys auch dann nicht verstoßen, wenn sie in einer Kaiserschnitt-Entbindung unter Vollnarkose geboren wurden.

Bedeutenderer scheinen aber Lernfähigkeit und Erfahrung zu sein, was übrigens nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Affen dazu führt, dass sie Babys adoptieren und liebevoll großziehen können.

Schafe dagegen lehnen ihre Lämmer ab, wenn sie durch Kaiserschnitt unter Narkose zur Welt kommen. Auch wenn ein Lamm direkt nach der Geburt von der Mutter weggenommen wird, nimmt sie es nicht an, wenn man es ihr nur wenig später zurückgibt. Menschen dagegen können Mutterliebe erlernen. Bindungsforscher haben herausgefunden, dass es Frauen, die selbst eine liebevolle, zärtliche Mutter hatten, deutlich leichter fällt, ihre Kinder ebenso zu behandeln.

Bei Menschen, die durch häufigen Umgang bereits viel Erfahrung mit Kindern gesammelt haben, sind keine Hormonschübe mehr nötig, um mütterliches Verhalten auszulösen. Hier genügen kleinere Reize wie beispielsweise der bloße Anblick eines Babys.

Es ist auch richtig, dass sich Mutterliebe im Laufe der Jahre verändert. Sie wird nicht mehr oder weniger, sondern anders. Sie verändert sich mit ihren Aufgaben, und das ist gut und wichtig so! Denn liebten wir einen Dreijährigen auf die gleiche Weise wie einen Säugling oder eine Fünfzehnjährige so wie eine Siebenjährige - dem Kind täte es nicht gut. Damit Kinder sich in der Pubertät ablösen können, brauchen sie die Unterstützung ihrer Mütter, die bereit sind, Distanz zuzulassen. Und einen Dreijährigen, dessen Bedürfnisse wir so umgehend befriedigen wie die eines Säuglings, bringen wir um die „optimale Frustration", die er braucht, um sich gut entwickeln zu können. Eilen Mütter stets herbei, bevor nur eine Träne fließen kann, geben sie jeder Wut nach, weil sie den Zorn des Kindes nicht ertragen wollen, beseitigen sie jedes Unwohlsein, bevor es richtig gespürt wird, dann bringen Mütter ihr Kind um die wichtige Erfahrung, Kummer und Spannung aushalten zu lernen. Nur so kann ein Kind die Erfahrung machen, dass Bedürfnisse und Wünsche nicht immer umgehend erfüllt werden.

Aber nicht immer verläuft die Bindung zwischen Mutter und Kind so störungsfrei.

Bei Müttern, die nach der Geburt eine Depression, auch „Babyblues" genannt, entwickeln, ist die sensible Bindungsphase krankheitsbedingt gestört. Die Mutter leidet an Ängsten, Zwangsgedanken oder Schuldgefühlen und hat ihrem Kind gegenüber zwiespältige Gefühle. Meist ist eine stationäre Behandlung notwendig. Obwohl depressive Mütter stark leiden, gibt es doch zumindest eine positive Prognose: In den meisten Fällen klingt eine postnatale Depression wieder vollständig ab.

Was aber passiert, wenn die Mutterliebe fehlt und sich auch später nicht einstellt? Jede Woche wird in Deutschland ein Baby ausgesetzt. Nur etwa die Hälfte aller Säuglinge überlebt eine solche Verzweiflungstat der eigenen Mutter. Es gibt aber auch Mütter, die grundsätzlich nicht zur Mutterliebe fähig sind.

Darüber hinaus gibt es Frauen, die ihre Schwangerschaft verdrängt haben und dann selbst völlig überrascht von der Geburt sind und in Panik geraten. Im günstigsten Fall für das Kind wird es in der Babyklappe abgelegt.

Eine junge Frau erzählte in einem Interview, sie sei in Panik gewesen, weil sie nichts von ihrer Schwangerschaft bemerkt habe. Allein habe sie entbunden und sich zur Babyklappe des Krankenhauses geschleppt, um ihren Sohn dort abzugeben. Nach einigen Tagen habe sie realisiert, was geschehen sei und gespürt, wie sich eine tiefe Liebe zu ihrem Kind entwickelt habe. Sie sei zum Krankenhaus gegangen, habe sich als die Mutter des anonymen Babys zu erkennen gegeben und ihr Kind zurückgefordert.

Das Beispiel zeigt, dass Mutterliebe oft nur Zeit braucht. Manchmal bleibt sie aber auch ganz aus, vor allem bei Müttern, die selbst keine Wärme, Liebe und Geborgenheit erfahren haben. Wenn die Mutterliebe fehlt, reicht das Spektrum der Folgen für ein Kind, unabhängig von der sozialen Schicht, von emotionaler Kälte über Vernachlässigung bis hin zu körperlicher Gewalt.

Frauen, die nicht erkannt werden wollten, sprachen in einem Interview auch über das Tabu der Kindstötung. Eine junge Frau, die zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde und die unerkannt bleiben wollte, setzte ihr Kind am Tag der Geburt aus und nahm seinen Tod „billigend in Kauf". Ihre kleine Tochter erfror nur wenige Schritte vom elterlichen Haus entfernt. Die Mutter sagt, sie habe sich nicht zu helfen gewusst, einfach nicht gewusst, was sie machen sollte.

„Es gibt nur eine ganz selbstlose, ganz reine, ganz göttliche Liebe, und das ist die der Mutter für das Kind", so beschrieb einst der deutsche Schriftsteller Georg Ebers (1837-1898) Mutterliebe und unterstützte damit den Muttermythos. In einfühlsamer und kompetenter Weise analysiert die Schweizer Psychologin und Psychotherapeutin Gabi Gschwend in ihrem Buch „Mütter ohne Liebe. Vom Mythos der Mutter und seinen Tabus"2 die fatalen Konsequenzen eines überhöhten, romantisierten Mutterideals.

Sie kann auf eine Reihe von guten Gründen verweisen, den Muttermythos kritisch zu hinterfragen. So führe die Vorstellung der unerschöpflichen Mutterliebe zu einer Verdrängung und Verleugnung der negativen Seiten der Mutterschaft und ambivalenter oder auch negativer Gefühle.

Die den Muttermythos verherrlichenden Medien vermittelten ein Bild des Mutterseins als Hort reinen Glücks und permanenter Erfüllung, verschwiegen jedoch beispielsweise die Monotonie, die Einsamkeit und die „gnadenlose Häuslichkeit", die mit der Kindererziehung einhergehe. Gefühle der Frustration, Erschöpfung und auch der Wut lösten vielfach Schuldgefühle bei den Müttern aus, würden jedoch verleugnet und verdrängt, da sie nicht dem Bild einer „guten Mutter" entsprächen.

Dadurch verschwänden sie aber nicht, sondern äußerten sich häufig in destruktiver Weise. Gschwend sieht Lieblosigkeit und familiäre Gewalt als direkte Folge der Normen des Muttermythos. Wer seine negativen Gefühle abkapsele, weil sie mit dem Müttermythos nicht vereinbar seien, der könne auch seine positiven Gefühle wie Liebe nicht spüren.

Die Autorin zeigt, dass die Vorstellung, eine Mutter sei in jedem Fall - zumindest in den ersten Lebensjahren - das Beste für ihr Kind und andere Bezugs- oder Betreuungspersonen die zweite und schlechtere Wahl, eine durch den Muttermythos unterstützte Ansicht ist. Sie plädiert dafür, eine realistischere Sichtweise der Mutter-Kind-Beziehung einzunehmen und auch die Schattenseiten, die dem gesellschaftlichen Bild der „idealen Mutter" nicht entsprechen, ins Bewusstsein zu heben und anzunehmen. Dazu gehören etwa negative Gefühle dem Kind gegenüber, die wohl jede Mutter in manchen Situationen verspürt, aber auch die Existenz „liebloser Mütter", die nicht fähig oder bereit sind, ihr Kind bedingungslos anzunehmen.

Die Abkehr vom vorherrschenden Muttermythos stellt Gschwend sowohl für die Mutter als auch für das Kind als Gewinn dar. Durch die Abkehr von der Tabuisierung und Verleugnung negativer Aspekte werde der Mutter eine fruchtbare Auseinandersetzung mit der eigenen Mütterlichkeit ermöglicht, die gleichzeitig auch das Bild der „schlechten Mutter" relativiere und somit entlastend wirke. Auf der anderen Seite könne die Abkehr von der Verklärung der Mutter-Kind-Beziehung auch die Augen dafür öffnen, dass es destruktive Mutter-Kind-Beziehungen durchaus gebe. Obwohl es sich um ein gesellschaftlich brisantes Thema handelt, zeichnet die Autorin ein realistisches Bild, dass die Mutter-Kind-Beziehung meist zwischen den beiden Polen der allumfassenden Liebe zu jedem Zeitpunkt einerseits und massiver Ablehnung und Destruktivität andererseits angesiedelt sei. Glück, Zärtlichkeit und das Gefühl der Verbundenheit fänden darin ebenso Platz wie Enttäuschung, Wut und Frustration, die Vorstellung symbiotischer Verschmelzung ebenso wie ein ausgeprägtes Individuationsbedürfnis, also alle Facetten, die andere Liebesbeziehungen auch aufwiesen.

Nach den Erfahrungen der Therapeutin stelle der Verzicht auf den Muttermythos sowohl für die Mutter als auch für das Kind einen Gewinn dar, weil die Abkehr von der Verklärung der Mutter-Kind-Beziehung auch die Augen dafür öffne, dass destruktive Mutter-Kind-Beziehungen durchaus weit verbreitet seien. Die Therapeutin erwartet von einer Durchbrechung des Muttermythos auch eine verstärkte soziale Kontrolle des Kindeswohls.

Als Fazit bleibt, dass die Mutter-Kind-Beziehung wohl in den allermeisten Fällen zwischen den beiden Polen der „allumfassenden Liebe zu jedem Zeitpunkt" einerseits und „massiver Ablehnung und Destruktivität" andererseits angesiedelt ist.

2.
Übermütter, Rabenmütter
und andere

Wie schon ausgeführt, gibt es seit den 1990er Jahren kein vorherrschendes Mutterbild mehr. Aufgrund von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen hat sich eine Vielzahl verschiedener Lebensformen entwickelt. So gibt es inzwischen, zusätzlich zu den bekannten Muttertypen wie der nicht erwerbstätigen und der berufstätigen Mutter, zahlreiche andere. Sie zu unterscheiden ist wichtig, wenn man verstehen will, ob, und wenn ja, welche Probleme diese verschiedenen Mütter haben, einem wie auch immer empfundenen Ideal der „guten Mutter" nahe zu kommen.

Ich unterscheide die folgenden Muttertypen:

1 nach der Zeit, die die Mutter für das Kind aufbringt:die nicht erwerbstätige Mutter oder kurz: Vollzeit-Mutterdie berufstätige Mutterals alleinerziehendeals nicht alleinerziehendeals Karriere-Mutter

2 nach der Art und Weise des Umgangs mit dem Kinddie Freundin-Mutterdie Chaos-Mutterdie Helikopter-Mutterdie Tiger-Mutterdie eingeschüchterte Mutter

Die Vollzeit-Mutter

Frauen dieses Typs können sich, weil sie nicht berufstätig sind, neben ihren Aufgaben in Haushalt und Partnerschaft voll auf ihre Mutterrolle konzentrieren. Dabei streben sie einen mehr oder weniger hohen Grad an Perfektion an. Sie wechseln Windeln, singen Schlaflieder, lesen vor oder sind mit dem Nachwuchs auf dem Spielplatz. Sie trösten bei Wehwehchen, kutschieren die Kinder durch die Gegend, werfen die Waschmaschine an, kochen, erledigen den Einkauf und beseitigen das Chaos im Kinderzimmer. Sie organisieren das Leben ihrer Kinder - angefangen vom selbst gekochten Biogemüsebrei über Frühförderkurse bis hin zur ultimativen Geburtstagsparty mit selbst genähten Kostümen. Vollzeitmütter sind Entertainerinnen, Psychologinnen, Reinigungskräfte, Köchinnen, Chauffeurinnen, Krankenschwestern und Erzieherinnen zugleich.

Vollzeit-Mütter verstehen sich als Managerinnen ihrer Kinder. Berufstätigkeit ist für diesen Muttertypus kein Thema. Ihr Ziel besteht darin, ein heimisches Paradies zu schaffen, und sie fühlen sich für das Glück ihrer Kinder verantwortlich.

Doch wie bei manchen anderen Muttertypen ist das Leben als Vollzeit-Mutter nicht immer ganz freiwillig gewählt. Fragt man diese Mütter nach ihrem Lebenskonzept, dann wünschen sich die meisten insgeheim, dass sich Beruf und Familie zusammen verwirklichen ließen.

Gelingt es ihnen aber nicht, nach der Elternzeit in den Beruf wieder einzusteigen, oder erleiden sie bei dem Versuch Schiffbruch, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, ziehen sich viele auf ihre Mutterrolle zurück. Doch für viele ist dieser (Aus-)Weg weder finanziell noch von ihrem Selbstverständnis her gangbar, denn zu groß ist die Angst vor Scheidung oder mangelnder Versorgung im Alter.

Inzwischen hat sich die Akzeptanz der Vollzeit-Mutter in der Gesellschaft etwas geändert: Während sich früher berufstätige Mütter rechtfertigen und als „Rabenmütter" titulieren lassen mussten, sind es heutzutage die Vollzeit-Mütter, die in eine Rechtfertigungssituation kommen.

Die berufstätige Mutter

Die Lebensumstände und damit auch die Möglichkeiten einer berufstätigen Frau, ihre Mutterrolle auszuüben, hängen ab von ihrem Familienstand, ihrer Stellung im Beruf und dem, damit in engem Zusammenhang stehenden, verfügbaren Einkommen. Im Folgenden unterscheide ich die alleinerziehende Mutter, die nicht alleinerziehende Mutter und die Karriere-Mutter.

Die alleinerziehende Mutter

Immer mehr Kinder in Deutschland wachsen bei nur einem Elternteil auf (Einelternfamilie) - meist bei der Mutter, die ein gewisses Organisationstalent an den Tag legen muss, um die Elternrolle allein auszufüllen und daneben zu arbeiten, um den Familienunterhalt zu verdienen.

Kinder alleinerziehender Mütter werden notgedrungen schnell zur Selbstständigkeit erzogen. Oft plagt alleinerziehende Mütter ständig ein schlechtes Gewissen, z. B. wenn sie aus Zeitnot schon wieder zur Fertigpizza greifen müssen statt zum frisch gekochten Essen oder sich nicht an der Renovierung der Kita oder der Schule beteiligen.

Alleinerziehende Mütter schätzen es durchaus, ihr eigener Herr zu sein und ihren Lebensweg selbst bestimmen zu können, zugleich lastet die alleinige Verantwortung insbesondere für die Kinder schwer auf ihnen, und sie haben auch nur wenig Freiraum für ihr Privatleben.

Miriam, 37:

„Ich bin alleinerziehende Mutter von zwei Kindern (9 und 4). Das schaffe ich nur, weil ich ein gewisses Organisationstalent besitze, das ich zweifellos von meiner Mutter geerbt oder unbewusst übernommen habe und das mir sehr dabei hilft, alles allein zu managen. Ich fülle die Elternrolle allein aus und bin zudem voll berufstätig. Zwangsläufig werden meine Kinder in viele Aufgaben im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbezogen und dadurch schnell zur Selbstständigkeit erzogen. Mich plagt oft das schlechte Gewissen, wenn einfach die Zeit für manches fehlt. Obwohl ich viel Unterstützung von meinen Eltern bekomme, gelange ich immer wieder an den Rand meiner Kräfte, denn seitdem mein Mann uns verlassen hat, bin ich permanent gefordert, denn ich bin die Hauptzuständige, die alles organisiert. Ich empfinde es als anstrengend, den Familienalltag allein zu organisieren. Alles lastet auf meinen Schultern, den Sohn vom Kindergarten abholen, einkaufen, kochen, mit der Tochter Hausaufgaben machen, die Kinder ins Bett bringen, aufräumen. Ich bin nie fertig, immer erschöpft und habe keine Zeit für mich selbst."

Im Gegensatz zu Miriam, die vollzeitbeschäftigt ist, besteht das größte Problem alleinerziehender Mütter in unzureichender finanzieller Absicherung. „90 Prozent aller Alleinerziehenden sind weiblich, viele von ihnen auf Hartz IV angewiesen und auch später von Altersarmut bedroht."3

Durch die Agenda 2010 hat sich für viele alleinerziehende Mütter die Lebenssituation deutlich verschärft. Sie sind gegenüber anderen Müttern, die in anderen Familienkonstellationen leben (Ehe oder Lebenspartnerschaft), sowohl steuerlich wie auch bezüglich des Unterhalts schlechter gestellt. Darüber hinaus sind sie auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Sie finden meist nur im Teilzeit- und Niedriglohnsektor Beschäftigung.

Der spezifische Bedarf alleinerziehender Mütter, der in flexiblen, guten, bezahlbaren Kitas und Ganztagsschulen besteht, wird immer noch ignoriert und es alleinerziehenden Müttern überlassen, wie sie Erwerbs- und Erziehungsarbeit miteinander vereinbaren können. Oft kollidieren die Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen mit Schichtdiensten. Und am Ende werden alleinerziehende Mütter im Alter infolge des niedrigen Verdienstes, ihrer geringen Einzahlungen in die Altersvorsorge und wenig privater Vorsorgemöglichkeiten überproportional häufig von Altersarmut betroffen sein.

Die Hälfte der Alleinerziehenden ist immer wieder von Arbeitslosigkeit betroffen oder nur geringfügig beschäftigt. Selbst gut ausgebildete Alleinerziehende finden oft schwer Arbeit oder haben zeitlich befristete Jobs, die weit unter ihrer Qualifikation liegen. Sehr viele Alleinerziehende erhalten nur Teilzeit-Arbeitsplätze oder müssen diese wählen, um die zeitlichen Anforderungen des oder der Kinder zu erfüllen.

Viele alleinerziehende Mütter beziehen Sozialhilfe, jedoch in den meisten Fällen nur für eine begrenzte Zeit, nämlich solange sie in Elternzeit sind. Entsprechend liegt der durchschnittliche Sozialhilfebezug von Alleinerziehenden nach Auskunft des Verbandes Alleinerziehender Mütter und Väter e. V. (VAMV) bei 22 Monaten. Oft reicht das in Teilzeit erwirtschaftete Geld danach nicht aus, so dass eine teilweise Abhängigkeit von der Sozialhilfe bestehen bleibt, indem bis zum Hartz-IV-Satz mit staatlicher Unterstützung „aufgestockt" wird.

Ein weiteres Problem - besonders für alleinerziehende, berufstätige Mütter - besteht darin, dass die öffentlichen Angebote der Kinderbetreuung nicht zur modernen Arbeitswelt passen. Die Öffnungszeiten von Kitas sind nicht kompatibel mit Schichtdiensten, beispielsweise in Pflegeberufen.

In manchen größeren Unternehmen setzt sich inzwischen, vor allem wegen der mittlerweile knapper werdenden Arbeitskräfte, eine familienfreundlichere Politik durch, indem firmeneigene Kindergärten eingerichtet werden, flexible Arbeitszeiten und Homeoffice angeboten werden. Die Probleme der zu niedrigen Bezahlung und der fehlenden Aufstiegschancen bleiben dagegen.

Viele alleinerziehende Mütter leiden unter dem Gefühl der Zerrissenheit, weil sie weder für die Familie noch für den Beruf genug Zeit haben. Ihnen fehlt die Hilfe, die z. B. berufstätige, verheiratete Mütter haben, die meist durch ihre Ehemänner unterstützt werden.

Petra, 47:

„Ich bin geschieden und alleinerziehend. Mein Sohn ist zehn. Ich arbeite als Betriebswirtin bei einer Bank Vollzeit: Im Gegensatz zu vielen Alleinerziehenden mit ihrem deutlich erhöhten Armutsrisiko habe ich zumindest genug Geld. Woran es mangelt, ist Zeit. Ich gehe so früh wie möglich ins Büro, damit ich nachmittags zeitig nach Hause kann. Mein Sohn ist infolgedessen das erste Kind in der Frühbetreuung. Nachmittags muss er die Wege zum Klavierunterricht, zum Sport, zu Freunden alleine finden. Zwischen Büro und Wohnung hetze ich im Supermarkt vorbei, damit ich etwas Frisches kochen kann. Kein Wochenende vergeht ohne Wanderausflug, Kinderkonzert oder Fußballturnier.

Wenn mein Sohn endlich im Bett ist und schläft, checke ich Mails und vollende, was im Büro liegen blieb. Die Zeit vor Weihnachten finde ich jedes Jahr besonders stressig. Zwar kommen nur die Großeltern, aber da muss die Wohnung geputzt sein, das Essen soll schon etwas Besonderes sein, der Tisch perfekt gedeckt, das Freizeitprogramm geplant, die Geschenke originell verpackt sein. Plätzchen kaufen geht gar nicht. Die müssen auf jeden Fall selbst gebacken sein. Die Frage ist nur: wann?"

Petra ist offensichtlich das, was man als „Powerfrau" bezeichnet. Sie ist gut strukturiert und organisiert und lebt selbstbestimmt und unabhängig. Woran es ihr mangelt, ist Zeit.

Andrea, 39:

„Ich kann mich nicht zerteilen, sondern muss Prioritäten setzen, besonders, nachdem ich mich nach meiner Scheidung selbstständig gemacht habe und ein Fußpflegeatelier eröffnet habe. Gerne würde ich mich mehr engagieren und Kontakte zu Frauen in ähnlicher Situation aufbauen, gleichzeitig aber habe ich das Gefühl, mich meinem Sohn (3) nicht intensiv genug zuwenden zu können. Der Mangel an Zeit führt oft zu einer Daueranspannung. Wenn ich zwischen meinem Studio und der Kita hin- und herfahre, zähle ich die Minuten. Und wenn mein Sohn plötzlich krank wird, habe ich erst recht ein Problem."

Wenn die Kita geschlossen ist, sind Alleinerziehende wie Andrea immer wieder auf die Unterstützung von Familie, Freunden und Nachbarn angewiesen. Diese informellen Netzwerke sind eine wichtige Überlebenshilfe, haben aber auch ihre Kehrseiten, nämlich permanente Abhängigkeit. Viele alleinerziehende Mütter empfinden es als belastend, auf andere angewiesen zu sein. Weil es ohne Hilfe von außen nicht geht, müssen sie immer wieder Kompromisse und Zugeständnisse machen, zum Beispiel gegenüber ihren Eltern. Nicht aus dem Haus zu können, ohne einen Babysitter für den Sohn zu organisieren, macht jeden Termin und jede Verabredung zu einer Hürde.

Trotz vieler Schwierigkeiten schätzen viele alleinerziehende Mütter es, ihr Leben selbst bestimmen zu können, obwohl vieles in einer neuen Partnerschaft einfacher wäre. In eine neue Abhängigkeit möchten sie sich jedoch oft nicht begeben. Wichtig ist für sie, ihr Leben so zu organisieren, wie sie es für richtig halten.

Die nicht alleinerziehende Mutter

Der Vater bringt das Geld nach Hause und die Mutter kümmert sich um Haushalt und Kinder - dieses Modell war vor allem in Deutschland jahrzehntelang vorherrschend. Inzwischen üben weit über die Hälfte aller Mütter einen Beruf aus, wie die offiziellen Statistiken zeigen.

Obwohl sich das traditionelle Familienbild auch in Deutschland langsam wandelt, haben es berufstätige Mütter hierzulande immer noch schwerer als in anderen europäischen Ländern. Das liegt zum Teil an fehlenden oder unzureichend vorhandenen bzw. bezahlbaren Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, die in anderen europäischen Ländern längst selbstverständlich sind.

Mit großem Interesse habe ich Barbara Streidls Buch „Kann ich gleich zurückrufen? Der alltägliche Wahnsinn einer berufstätigen Mutter"4 gelesen, in dem die Autorin eine typische Woche aus dem Leben einer Frau mit dreijährigem Sohn und 30-Stunden-Arbeitswoche beschreibt. Und es ist tatsächlich der reine Wahnsinn, obwohl die Umstände ihrer Protagonistin vergleichsweise gut sind: Sie hat einen verantwortungsvollen Ehemann, der sich des Problems bewusst ist und mitmacht, wo er kann, sie hat keine Geldsorgen und auch sonst keine größeren anderweitigen Probleme. Und trotzdem ist das Leben eine reine Hetze.

Mit genauem Blick schildert die Autorin die vielen kleinen Fallstricke der Unvereinbarkeit von „Beruf und Familie". Was mich am meisten deprimiert hat, sind ihre ständig präsenten Schuldgefühle: Schuldgefühle gegenüber den Kollegen, die ihretwegen flexibler sein müssen, gegenüber ihrer alten Mutter, die sie für Not-Kinderbetreuungs-Einsätze einspannt, gegenüber dem Ehemann, mit dem sie zu wenig gemeinsame Zeit als Paar verbringt. Aber auch gegenüber dem Kind hat sie Schuldgefühle, weil sie ständig hetzen muss.

Wichtig ist, dass Mütter ihren individuellen Mix aus Job und Familie entwickeln. Rollen und Alltagsorganisation innerhalb der Familie bedürfen der Klärung und klarer Absprachen, damit sich die üblichen Frustrationen nicht aufstauen.

Lena, 35:

„Ich bin eine berufstätige Mutter mit 2 Kindern (5 und 2) und schaffe den Spagat zwischen Beruf und Familie nur, weil meine Eltern im Zweifelsfall hinter mir stehen. Manchmal, das gebe ich zu, komme ich trotzdem an meine Grenzen. Das ist besonders dann der Fall, wenn es mir selbst schlecht geht oder ich schon eine sehr lange Zeit nicht eine Minute für mich hatte. Ich weiß, dass diese Belastungen weniger werden, je größer und selbstständiger die Kinder werden. Weil mir meine Arbeit viel Spaß macht, ist sie nicht nur Belastung, sondern gleichzeitig eine Kraftquelle für mich. Ich finde es wunderbar, immer neue Eindrücke von außen zu erhalten. Die Thematik rund ums Kind ist zwar schön und wichtig, und ich möchte meine beiden Kleinen nie wieder missen, aber eine Ergänzung durch die Arbeitswelt ist für mich definitiv eine Bereicherung."

Für Lena gehört zur Lebenszufriedenheit und zum Lebensglück offenbar die Kombination aus Berufstätigkeit und Mutterrolle. Aber ein permanentes Doppelleben heutiger berufstätiger Mütter ist enorm anstrengend: Oft stürzen sie in Panik aus dem Büro, weil die Krippen eher Feierabend machen als sie selbst, das latent vorhandene Unverständnis der kinderlosen Kollegen sitzt ihnen im Nacken und nicht zuletzt schmerzt es sie, zu verpassen, wie ihr Kind die ersten Schritte ohne sie macht. Je kleiner die Kinder, desto größer das schlechte Gewissen - gegenüber der Familie genauso wie gegenüber dem Arbeitgeber. All das verträgt sich nicht mit dem Anspruch vieler Frauen, überall perfekt zu sein.

Die Karriere-Mutter

Seitdem eine Mutter mit 7 Kindern u.a. Familienministerin wurde, hat sich die Einstellung zum Lebensentwurf der Mütter verändert, die beides wollen: Mutter sein und Karriere machen. Es ist immer noch schwer, beides miteinander zu vereinbaren, aber beide Ziele schließen sich nicht mehr grundsätzlich aus.

Gut ausgebildete, emanzipierte Frauen erwarten heute vom Leben all das, was für Männer selbstverständlich ist: einen befriedigenden Beruf und Karriere, eine erfüllte Beziehung, Freizeit und ein anständiges Gehalt. Sobald Paare aber Kinder bekommen, ändert sich alles. Wenn eine Frau dagegen trotz Familie Karriere machen will, braucht sie unerschöpfliche Energie, muss sich gegen Machtspiele am Arbeitsplatz durchsetzen und - nicht nur mehr leisten als ihre männlichen Kollegen, sondern möglichst auch noch attraktiv aussehen.

In ihrem Buch „Karrieremütter: Vom Glück, Kind und Job zu vereinen"5 interviewt die Autorin Regine Schneider 12 prominente Karriere-Mütter, u. a. Rita Süssmuth, Bettina Tietjen, Bärbel Schäfer und Silvana Koch-Mehrin, die erfolgreich in ihrem Beruf und dabei glückliche Mütter oft mehrerer Kinder sind. Sie haben sich für Kind(er) und Karriere entschieden und das ganz ohne schlechtes Gewissen. Diese Geschichten machen deutlich: Frauen, die arbeiten, tun ihren Kindern gut, denn kein Kind braucht den ganzen Tag seine Mutter um sich. Jenseits der Klischees von „Rabenmüttern" und „Mutterglucken" ist dieses Buch zumindest ein beeindruckendes Plädoyer für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Beschäftigt man sich eingehender mit Karriere-Müttern, so stellt man jenseits aller Idealisierung fest, dass sie sich oft in einem Dilemma befinden: Spannende Aufgaben im Job erfordern ihren vollen Einsatz mit Überstunden und Reisen. Auf der anderen Seite müssen sie ihre Kinder dann in Fremdbetreuung geben. So setzen sie sich immer noch dem Vorwurf aus, Egomaninnen oder Rabenmütter zu sein.

Raphaela, 42:

„Weibliche Führungskräfte verschwinden bei vielen Personalern vom Radarschirm, wenn sie Kinder bekommen, vor allem, wenn sie länger in Elternzeit sind. Dabei müsste es im Interesse der Betriebe sein, Müttern den Wiedereinstieg zu erleichtern. Bei mir war das Gott sei Dank anders, obwohl ich sicherlich eine problematische Bewerberin war: Ende 30, gerade verheiratet, noch keine Kinder, also Risikogruppe Eins. Wahrscheinlich habe ich mehr Glück als Verstand gehabt, dass ich als promovierte Juristin den Job in der Geschäftsleitung eines mittelständischen Unternehmens trotzdem bekam. Inzwischen habe ich zwei Kinder. Während meiner zweiten Schwangerschaft erhielt ich sogar das Angebot, einen weiteren Geschäftsbereich zu verantworten. Es war für mich kein Nachteil, dass ein zweites Kind auf dem Weg war. Ich habe gesagt, ich möchte beides, Beruf und Kinder, und ich schaffe beides. Wie gut ambitionierte Frauen mit Kind Karriere machen können, hängt meiner Erfahrung nach stark von der Unternehmensphilosophie ab: Ich hatte das Glück, einen Teil meiner Tätigkeit mit Homeoffice abdecken zu können und den Vorteil, im Haus meiner Eltern zu wohnen, die regelmäßig zur Verfügung stehen. Ich kenne aber auch den Druck anderer Karriere-Mütter, wenn die Kinderfrau krank ist oder der Kindergarten früher schließt. Besonders schwierig wird es für sie, wenn Kindergarten oder Schule anrufen, dass das Kind wegen einer laufenden Nase oder einer kleinen Schürfwunde abgeholt werden soll."

Natürlich wurden die Karriereperspektiven berufstätiger Mütter auch wissenschaftlich untersucht:

In dem Projekt „Karriereperspektiven berufstätiger Mütter"6wird untersucht, wie gut sich Karriere und Familie für berufstätige Mütter in Deutschland vereinbaren lässt. Mit dieser empirischen Studie, an der sich 1.801 Mütter aus ganz Deutschland beteiligt haben, wird aufgezeigt, wie schwierig sich Mutterschaft und Karriere in deutschen Unternehmen vereinbaren lassen, mit welchen besonderen Schwierigkeiten berufstätige Mütter zu kämpfen haben und welche Lösungsansätze sie vorschlagen. Aufbauend auf die empirische Studie werden anschließend Handlungsvorschläge sowohl für die karriereorientierten Mütter als auch für die betroffenen Unternehmen herausgearbeitet. Das Projekt Karriereperspektiven von Müttern in Führungsfunktionen in Deutschland soll die Lebenssituation und Interessen von karriereorientierten Frauen mit Kindern in Deutschland aktuell erfassen und verbessern. Ziel des Projektes ist es, das Bewusstsein für die Situation berufstätiger Mütter in deutschen Unternehmen zu schärfen und Verbesserungspotenziale aufzuzeigen, damit künftig mehr Frauen mit Kindern Managementpositionen im Lower-, Middle- und Top-Management innehaben, damit Unternehmen das Potenzial ihrer weiblichen Beschäftigten bestmöglich einsetzen können.

Die Freundin-Mutter

Mit dem Heranwachsen der Tochter zur jungen Frau verändert sich die Mutter-Tochter-Beziehung. Dabei strebt die Mutter nicht selten an, „beste Freundin" ihrer Tochter zu werden, indem sie mit ihr Reisen unternimmt, tanzen geht, das gleiche Outfit (Frisur, Kleidung) wählt, mit ihr Discos oder „Events" von Jugendlichen besucht, die Sprache der Jugendlichen übernimmt usw. Oft unterscheiden sich Mutter und Tochter kaum. Mit großer Selbstverständlichkeit tragen Mütter, die sich als Freundinnen ihrer Töchter verstehen, Kleidung, zu der man früher gesagt hätte, sie sei dem Alter nicht angemessen: bauchfreie Oberteile, Glitzer-Jeans und Miniröcke oder Leggings in knalligen Farben und ausgefallenen Mustern. Beim Betreten der Geschäfte und Boutiquen, die Mode für Jugendliche anbieten, ist zu beobachten, dass dort auch deren Mütter einkaufen.

Der Jugendlichkeitswahn solcher Mütter kann für diese auch zu sehr negativen Folgen führen: Der Trend zur jugendlichen Mädchenfigur treibt gestandene Frauen zunehmend zu Essstörungen, zum unkontrollierten Hungern oder zu Bulimie, sie hungern ihren Töchtern quasi hinterher. Trotz all ihrer intensiven Bemühungen, der Tochter zu gleichen, können Mütter nicht wirklich „beste Freundin" ihrer Töchter sein, weil Freundschaften auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruhen. Mütter aber kann man sich nicht aussuchen und Töchter auch nicht. Freundschaften sucht man sich auf der Basis von Ähnlichkeiten und gemeinsamen Interessen. Freundschaften kann man kündigen, das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist dagegen unkündbar.

Ein weiterer Grund dafür, dass eine Mutter nicht wirklich Freundin ihrer Tochter sein kann, ist die bestehende Intimitätsschranke.

Lisa, 18:

Ich habe ein freundschaftliches Verhältnis zu meiner Mutter und verstehe mich gut mit ihr, aber auf einer ganz anderen Ebene, als es bei meiner besten Freundin oder allgemein Freunden der Fall ist. Meine Mutter ist und bleibt meine Mutter, nicht meine Freundin. Ich hätte ehrlich gesagt nicht die geringste Lust, mit ihr über Sex oder sonstige sehr intime Dinge zu sprechen. Ganz im Gegenteil, das wäre mir wirklich unangenehm. Ehrlich gesagt möchte ich später als Mutter auch keine Einzelheiten über das Sexleben meiner Tochter erfahren."

Fanny, 21:

„Ich liebe meine Mutter über alles, kann mit ihr über fast alles sprechen, gehe gern mit ihr shoppen und tratsche auch mal mit ihr. Aber es gibt eben auch Dinge, die sie als meine Mutter nichts angehen und die ich wirklich nur mit meiner besten Freundin besprechen würde."

Wie beide Beispiele zeigen, können Kinder durchaus zwischen freundschaftlicher Beziehung und bester Freundin unterscheiden. Manchen Müttern gelingt das offenbar nicht, vor allen denen, die Probleme mit ihrem Alter haben. Sie geben sich der Illusion hin, durch gleiches Outfit den Altersunterschied kaschieren zu können, indem sie mit ihrer Tochter die „Klamotten" tauschen, die gleichen fetzigen Frisuren tragen wie auch Piercing und Tattoos. Größte Triumphe empfinden sie, wenn ihnen Komplimente gemacht werden wie „Ihr seht euch zum Verwechseln ähnlich" oder „Ich dachte, du wärst die ältere Schwester". Das kann für Töchter cool, aber auch extrem anstrengend oder sogar verunsichernd sein.

Die Chaos-Mutter

Ende der 60er Jahre revoltierten weltweit junge Erwachsene gegen die als verkrustet empfundenen Gesellschaftsstrukturen und gegen die „schwarze Pädagogik" ihrer Kriegseltern. Mehr als anderswo beschäftigten sich die 68er in der Bundesrepublik auch mit Erziehungsfragen. Für sie war klar: Der Nationalsozialismus hatte seine Wurzeln auch in einer Erziehung, die auf Unterordnung und unbedingtem Gehorsam fußte.

Nach Ansicht damaliger Aktivisten sollten die nachfolgenden Generationen endlich herrschaftsfrei, also antiautoritär erzogen werden. Danach waren strenge Regeln tabu - Kinder sollten ihre Grenzen selbst austesten. Zu Hause herrschte kreative Unordnung. Wildes Toben, Klettern, sich schmutzig machen - alles war erlaubt. Die antiautoritären Eltern ließen sich gern von den Kindern mit dem Vornamen anreden, um vermeintlich gleiche Augenhöhe herzustellen.

Wie sich antiautoritäre Erziehung auswirken kann, erkennt man an dem folgenden Beispiel:

Eine alte Dame steht im Supermarkt an der Kasse, hinter ihr eine Mutter mit einem Kind. Gelangweilt schiebt das Kind den Einkaufswagen hin und her und rammt ihn der alten Dame ständig in die Hacken. Die dreht sich um und bittet die Mutter, dem Kind zu sagen, dass es das unterlassen solle. Darauf die Mutter: „Ich erziehe mein Kind antiautoritär!" Hinter der Mutter steht ein junger Mann an der Kasse. Er öffnet ein Glas Honig aus seinem Einkaufswagen und kippt dem Kind den Honig über den Kopf. Die Mutter reagiert entsetzt: „Sind Sie wahnsinnig? Was machen Sie mit meinem Kind?" Der junge Mann antwortet cool: „Ich bin auch antiautoritär erzogen."

Zugegeben, die Szene, die die Folgen antiautoritärer Erziehung zeigt, fällt etwas drastisch aus. Doch sie zeigt zugespitzt die Ambivalenz dieser Erziehungsmethode.

Einerseits sollten Mütter ihren Kindern genügend Freiheit lassen, um sich entfalten zu können, andererseits müssen sie ihnen Grenzen setzen.

Kinder, die tun durften, was sie wollten, fällt es später oft sehr schwer, zwischenmenschliche Beziehungen zu knüpfen und aufrechtzuerhalten. Außerdem kommt es in der Schule und im Beruf nicht selten zu Anpassungs- und in Folge zu Leistungsproblemen. Es fehlt ihnen oft an Konzentration, Ausdauer und Disziplin.

Die Helikopter-Mutter

Mütter, die quasi wie Hubschrauber über ihren Kindern kreisen, um sie vor Stress, Frust, Ungerechtigkeiten und Zumutungen des Lebens zu bewahren, nenne ich nach Josef Kraus7 „Helikopter-Mütter".

Helikopter-Mütter wollen nur das Beste für ihre Kinder. Diese Kategorie Mütter übertreibt es nicht nur mit der optimalen Frühförderung und Ausbildung ihrer Kinder, indem sie deren Hausaufgaben minutiös überwachen, sie organisieren sogar Nachhilfe, um das Gute noch zu verbessern. Ihr Optimierungswahn treibt sie dazu an, die Leistung ihrer Kinder zu steigern, und damit deren vermeintliche Zukunftschancen.

Diese Mütter sind allgegenwärtig, werden regelmäßig bei den Lehrern vorstellig und versuchen, Einfluss auf die Notenvergabe zu nehmen. Wenn die Kinder Klavier üben sollen, ist die Mutter präsent. Selbst der Reitunterricht wird unter den kritischen Augen der Mutter absolviert. Wenn die Tochter Ballett tanzt, überwacht die Mutter die Tochter bei ihren täglichen Positionsübungen an der extra für sie im Haus installierten Übungsstange, ermahnt sie immer wieder wegen ihrer Körperhaltung und achtet bei jeglicher Nahrungsaufnahme auf die Kalorien.

Motivation für solche Mütter ist der Gedanke: „Egal, was meine Kinder machen, ich werde sie dabei unterstützen, die Besten zu werden!" Die Kinder werden dann zum „Projekt" solcher Mütter und damit verantwortlich für deren Erfolgserlebnisse und Erwartungen.

Was sind die Folgen dieser Haltung? Die Überfürsorglichkeit, das Überengagement und die ständige Präsenz von Helikopter-Müttern können sich auf die Entwicklung ihrer Kinder kontraproduktiv auswirken. So geprägte Kinder können sich zu unselbstständigen, unsicheren und passiven Menschen entwickeln, weil sie ja immer geführt wurden und vorgegeben bekamen, was sie wie zu tun hatten. Raum für Experimentelles blieb ihnen nicht und damit wurde auch ihre Kreativität unterdrückt. Solche Mütter nehmen ihren Kindern nicht nur die Chance, sich auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu machen, sondern kreisen, wie der Name sagt, wie ein Hubschrauber ständig über ihrem Kind, um seine Bedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen und seine Entwicklung zu überwachen.

Fördern, fördern, fördern lautet ihr Credo. Alphakinder und glückliche, erfüllte Sieger sollen ihre Kinder werden. Was von Helikopter-Müttern gut gemeint sein mag, betrachten Psychologen und Wissenschaftler mit großer Sorge, denn mit ihrer Überfürsorge gefährden sie die Entwicklung ihrer Kinder.8 Helikopter-Mütter übertreiben und projizieren m. E. ihre eigenen Versagensängste auf ihre Kinder.

Von außen betrachtet wirkt das Familienleben von Helikopter-Eltern perfekt. Die Eltern besuchen jede Schulaufführung und jedes Fußballspiel ihrer Kinder, kennen alle Freunde ihrer Kinder und die Berufe der anderen Eltern und wenn die Schulleistungen abfallen, organisieren sie Nachhilfe.

Nach Kraus seien Helikopter-Eltern aber auch immer öfter militant als „Kampf-Hubschrauber" unterwegs, indem sie die „ungerechte Beurteilung" der Leistungen ihrer Kinder durch deren Lehrer ahndeten, regelmäßig mit dem Anwalt drohten und Schulen mit Klagen überzögen, weil eine Überidentifikation stattfinde und die Eltern sich durch schlechte Leistungen selbst ungerecht behandelt fühlten.

Zu erkennen seien Helikopter-Eltern daran, dass diese ihr Kind völlig verplanten und deren Leben takteten wie das eines Managers. Seiner Beobachtung zufolge schone man auf der einen Seite Kinder im Übermaß, während man sie auf der anderen Seite durch Förderprogramme dressiere und auch überfordere. Er warnte, dass damit immer mehr Kinder in der „Gluckenfalle" landeten. Die Folgen seien fatal: eine zunehmende Unselbstständigkeit und eine Hilflosigkeit gepaart mit hohen Ansprüchen. Der Autor beklagt, dass die Kinder keine Zeit mehr hätten, zu spielen und auf Entdeckungsreise zu gehen, und ist davon überzeugt, dass ein normales, anregendes Elternhaus für eine gesunde Entwicklung von Kindern völlig ausreiche. Von der Vielzahl an Förderkursen und Lernprogrammen für die Kleinsten profitierten nur die Anbieter.

Dass Kinder als „Projekt" gesehen werden, zeigt sich auch darin, dass die Universität Münster seit 2004 akademische Wochenenden für die Eltern der Studierenden mit dem ironischen Titel Elternalarm9 anbietet, womit sie Helikopter-Eltern auch 2014 noch für erwachsene Kinder eine Kontroll- und Überwachungsmöglichkeit gibt.

Die Tiger-Mutter

Eine besonders extreme Ausprägung der Helikopter-Mutter ist die sog. „Tigermutter". Sie ist das krasse Gegenteil zur Chaos-Mutter. Mit Drill, Strenge und absoluter Kontrolle, Strafen und eiserner Disziplin will sie ihre Kinder zum Erfolg führen.

Hierzulande ist dieser Mutter-Typus vor allem durch den Bestseller „Die Mutter des Erfolgs: Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte" („Battle Hymn Of The Tiger Mother") von Amy Chua10 bekannt geworden und durch die Autobiografie von Midori.11

Tigermütter sind ehrgeizige Mütter, die ihre Kinder drangsalieren und unter Leistungsdruck setzen, um aus ihrem Kind ein Wunderkind zu machen, das bereits als Kind perfekt Klavier spielt, Ballett tanzt oder andere sportliche Höchstleistungen vollbringt und zur Projektion ihrer eigenen Lebensträume missbraucht wird.

Obwohl in Deutschland, im Gegensatz zu asiatischen Ländern, Kinder nicht die „Lebensversicherung" ihrer Eltern sind, gibt es auch bei uns immer mehr Tiger-Mütter, die die Weichen für ein erfolgreiches Leben ihrer Kinder stellen. Sie begründen ihre Strenge damit, dass sie ihr Kind damit fordern und fördern. Es soll am Ende zur „Elite" gehören.

Die eingeschüchterte Mutter

Eingeschüchterte Mütter wurden meist sehr autoritär erzogen und hatten sich dem Willen ihrer Eltern zu unterwerfen. Die „schwarze Pädagogik" der 50er und 60er Jahre war der Nährboden für Einschüchterung. Die Erziehung und Prägung basierte auf Kontrolle, Angst und Gewalt, was dazu führte, dass kein Selbstbewusstsein aufgebaut werden konnte. Aus Angst, bei den Eltern in „Ungnade" zu fallen, „funktionierten" solche Kinder.

Sigrid, 67:

„Ich bin ein Nachkriegskind, das aber Kriegseltern hatte, die sicherlich durch den Krieg seelisch deformiert waren und fast täglich Gewalt als Erziehungsmittel einsetzten. Ihre Ansagen waren Befehle. Besonders mein Vater konnte seinen Kasernenhofdrill nicht ablegen und glaubte, sich dadurch Respekt und Autorität sichern zu müssen. Wer nicht ‚funktionierte‘, riskierte, eine Tracht Prügel mit der ‚siebenschwänzigen Katze‘ zu bekommen, und so gehorchten wir Kinder aus Angst, denn wir waren ja unseren Eltern ausgeliefert. So geprägt, geriet ich an einen gewalttätigen Ehemann und glaubte auch noch, seine Gewalttätigkeiten verdient zu haben und selbst schuld zu sein."

Was Sigrid erlebt hat und beschreibt, ist klassisch: Unbewusst suchen sich Kinder ihre Partner nach dem Muster aus, auf das sie geprägt wurden, selbst dann, wenn sie darunter gelitten haben.

Dass es in Partnerschaften und Ehen Krisen und Streit gibt, ist normal, solange es fair bleibt. Es kann sogar wichtig sein, dass Kinder erleben: Mama und Papa streiten miteinander und vertragen sich wieder. Doch in manchen Familien wird aus Streit seelische oder körperliche Gewalt. Das kommt in allen sozialen Schichten vor, unabhängig vom Einkommen der Eltern, ihrem Beruf oder ihrer Religion.

Oft kommt es dann zu übergriffen, wenn sich im Leben etwas ändert und die junge Familie plötzlich vor großen Problemen steht, z. B. nach der Geburt eines Kindes, bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Trennungen. In den allermeisten Fällen sind es Frauen, die von Gewalt bedroht sind, und immer leiden auch die Kinder.

Und warum lassen sich Frauen Gewalt in verschiedenster Form gefallen? Das hat oft - wie das vorausgegangene Beispiel zeigt - mit deren Biografie zu tun. Wenn z. B. bereits die eigene Mutter vom dominanten Ehemann/Vater eingeschüchtert wurde, kann dieses von Kindern erlebte Muster unbewusst in der nächsten Generation erneut wirksam werden, wie folgendes Beispiel zeigt.

Ingeborg, 65:

„Als ich meinen Mann kennenlernte, bewunderte ich seine energische, durchsetzungsfähige Art, die ich schon von meinem Vater kannte. Meine Mutter wagte es nicht, ihm zu widersprechen, und ordnete sich stets unter. Schon kurze Zeit, nachdem mein Mann und ich verheiratet waren, begann er damit, mich nicht nur zu bevormunden und zu demütigen, sondern zu unterdrücken, zu attackieren und zu drangsalieren, und ich ließ es zu - wie ich es von meiner Mutter gelernt hatte. Ich mutierte zu einem verschüchterten kleinen Mäuschen. Erst nachdem ich und unsere Kinder krank geworden waren und sie Verhaltensauffälligkeiten, schulische Probleme, Entwicklungsverzögerungen und Angstzustände entwickelten, gelang es mir, mich und meine Kinder aus dieser Tyrannei zu befreien."

Was Ingeborg erlebt hat, ist häusliche Gewalt, die viele Gesichter und Ausprägungen hat, immer aber bei den Opfern tiefgreifende Spuren zurücklässt. Zumeist betroffen sind Frauen, wobei das nicht ohne Auswirkungen für die Kinder bleibt. Es handelt sich um ganz normale Frauen jeden Alters, jeden Bildungsstands, jeden Aussehens.

Gewalt ist das, was das Opfer als solche empfindet, was verletzt, demütigt und erniedrigt. Im Gegensatz zu Streit, Konflikt oder Auseinandersetzung treffen bei Gewalt zwei ungleiche Machtpositionen aufeinander, bei der sich die eine immer durchsetzt. Dem Gewalttäter geht es um Alleinherrschaft.

Gewalttätigkeiten fangen häufig mit Demütigen, Bloßstellen und Diskriminieren an: „Meine Frau hat davon sowieso keine Ahnung!”, „Du kannst nichts!”, „Wie du schon aussiehst!” Mit vielfältigen Mitteln versuchen diese Männer, ihre Frauen psychisch zu destabilisieren und zu isolieren: Sie ziehen über Freundinnen oder Arbeitskolleginnen her oder benehmen sich ihnen gegenüber besonders schlecht. Sie überwachen jeden Schritt ihrer Frauen, sind eifersüchtig, entwickeln Kontrollverhalten, indem sie genausten Bericht verlangen, über alles, was diese machen.

Eine so eingeschüchterte Frau kann sich dann auch nicht mehr zur Wehr setzen, wenn ihr Mann auch körperlich übergriffig wird und sie zum ersten Mal schlägt oder vergewaltigt. Danach gibt es immer Erklärungen: Eifersucht, Alkohol, schlechter Tag, ärger am Arbeitsplatz, schwere Kindheit, Überforderung oder Vorwürfe: „Du hast mich provoziert”, „Die Kinder waren zu laut”, vielleicht sogar Versprechen: „Das kommt nie wieder vor!”

Viele Frauen fangen irgendwann an, selbst das Verhalten des Täters zu entschuldigen. Immer wieder bauen sie die Hoffnung auf, dass es dieses Mal das letzte Mal war, dass von jetzt an alles anders werden würde. Es bleibt aber gleichzeitig die Angst, dass es wieder passiert. Und fast durchweg wird der Partner erneut gewalttätig. Denn: ob er schlägt oder nicht, hängt nicht vom Verhalten der Frauen oder Kinder ab, sondern von seiner Entscheidung dazu.

Der Leidensdruck einer so malträtierten, eingeschüchterten Frau (Mutter) muss schon extrem sein, bis sie die Reißleine zieht und sich und die Kinder vor weiteren übergriffen schützt.

Linda, 43:

„Ich bin eine zutiefst verunsicherte, eingeschüchterte Mutter, die über Jahre massiver Gewalt ausgesetzt war, zuerst in meiner Herkunftsfamilie, später in meiner Ehe. Immer hoffte ich darauf, dass mein Mann irgendwann mit seinen Schikanen aufhören und nur noch seine ‚guten Seiten‘ zeigen würde. Ich fühlte mich für alles verantwortlich und schämte mich, versagt zu haben. Vieles habe ich auch ertragen, um Schlimmeres zu verhindern. Ich befand mich in einem Geflecht von Ängsten und Abhängigkeiten und hatte immer Angst vor der Unberechenbarkeit meines Mannes, der oft damit drohte, den Kindern oder sich selbst das Leben zu nehmen.

Erst nach einer psychosomatischen Kur mit entsprechender seelischer Aufrüstung gelang mir der Absprung, den mein Mann allerdings nicht verkraftet hat. Er, der glaubte, alles, vor allem mich, so fest im Griff und unter Kontrolle zu haben, musste erleben, dass ich ihn verließ. Sein Selbstbild geriet ins Wanken.

Meine Erfahrung ist, dass es zwar sehr schwer ist, sich als eingeschüchterte, verunsicherte Frau aus solchen Beziehungen zu lösen, dass man aber auch große Unterstützung finden kann. Ich bin sehr dankbar für die Hilfestellungen, die ich im Rahmen einer Kur bekommen habe. Ohne sie wäre es vermutlich nie gelungen, die Kinder und mich aus diesem destruktiven Umfeld zu befreien. Leider musste mein ältester Sohn bereits mehrfach die Schule wechseln, weil er gewalttätig wurde und Mitschüler zusammenschlug. Er wurde zu Sozialstunden verurteilt und musste eine Anti-Aggressions-Therapie absolvieren. Mir ist bewusst, dass das die Folge erlebter Gewalt ist, und das macht mir ein schlechtes Gewissen."

Nicht selten entwickelt sich aus erlebter Gewalt eine Gewaltspirale und Kinder neigen später als Erwachsene ebenfalls zu gewalttätigem Handeln. Gewalt vererbt sich durch das Vorbild der Eltern weiter.

Die verschiedenen Gewaltformen, die zur Unterdrückung und Einschüchterung angewandt werden, dienen immer dazu, das Rückgrat des Opfers zu brechen und sie in einer Abhängigkeit zu halten. Diese langanhaltende seelische Gewalt schlägt Wunden, die nur schwer verheilen.

Diejenigen, die einer oft jahrelangen Unterdrückung, körperlicher oder seelischer Gewalt ausgesetzt waren, sind so eingeschüchtert und geschädigt, dass sie oft kaum die Kraft haben, ohne Hilfe von außen ihrer ausweglos scheinenden Situation zu entkommen. Lethargie, Hoffnungslosigkeit, Resignation und ein Ergeben in die Situation sind die Folge.

Da häusliche Gewalt darüber hinaus ein Tabuthema ist und bei Bekanntwerden zur Ausgrenzung führt, trauen sich Betroffene nur selten, sich zu offenbaren und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im Gegenteil wird um jeden Preis das Bild einer intakten Familie nach außen aufrechterhalten, besonders dann, wenn strafrechtliche Konsequenzen drohen.

Oft verlängern durch Gewalt eingeschüchterte Mütter bestehende Verhältnisse, auch wenn sie eigentlich unerträglich sind, indem sie wegsehen, weil sie fürchten, im Falle strafrechtlicher Konsequenzen ihre eigene und die Versorgung der Kinder zu verlieren.

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Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
22 aralık 2023
Hacim:
170 s. 1 illüstrasyon
ISBN:
9783945574683
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Telif hakkı:
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