Kitabı oku: «Erkenne Dein Pferd in den 5 Elementen»

Yazı tipi:

Natural Horse

Das Magazin über den achtsamen Umgang mit Pferden.

Für Pferdefreunde, die mehr als reiten wollen.

•Natural Horse bietet Beschäftigungsideen für Pferd und Mensch von kompetenten Autoren und gibt Hilfestellungen für ein besseres und schonendes Reiten sowie Tipps für die natürliche und ganzheitliche Gesunderhaltung der Pferde.

•Natural Horse hilft, eine tiefere Bindung zu Pferden aufzubauen und „pferdisch“ zu denken.

•Natural Horse setzt sich für artgerechte Haltung und Fütterung ein.


www.naturalhorse.de

DR. CHRISTINA FRITZ

Erkenne
dein Pferd
in den 5 Elementen


Haftungsausschluss

Autorin und Verlag haben den Inhalt dieses Buches mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Für eventuelle Schäden an Mensch und Tier, die als Folge von Handlungen und/oder gefassten Beschlüssen aufgrund der gegebenen Informationen entstehen, kann dennoch keine Haftung übernommen werden.

Copyright © 2017 by Crystal Verlag, Wentorf

Gestaltung und Satz: jb:design, Johanna Böhm, Dassendorf

Titelfoto: Christiane Slawik

Fotos: Daniela Bolze, Lisa Kittler, Christiane Slawik

Illustrationen: Susanne Retsch-Amschler, Johanna Böhm

Lektorat: Martina Kiss

Druck: Westermann Druck, Zwickau

Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten.

Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.

Printed in Germany

ISBN: 978-3-95847-018-7

Inhalt

Vorwort

Einleitung

Einführung in die Welt der 5 Elemente

Die Bedeutung von …

Jahreszeiten

Lebensalter

Farben

Ernährung

Meridiane

Reiter-Element

Der nährende und der kontrollierende Zyklus

Einfluss der 5 Elemente auf das Pferd

Element Holz (Mu)

Körperliche Eigenschaften

Charaktereigenschaften

Gesundheitsprobleme

Pferd-Reiter-Harmonie

Beteiligte Meridiane

Element Feuer (Huo)

Körperliche Eigenschaften

Charaktereigenschaften

Gesundheitsprobleme

Pferd-Reiter-Harmonie

Beteiligte Meridiane

Element Erde (Pi)

Körperliche Eigenschaften

Charaktereigenschaften

Gesundheitsprobleme

Pferd-Reiter-Harmonie

Beteiligte Meridiane

Element Metall (Fei)

Körperliche Eigenschaften

Charaktereigenschaften

Gesundheitsprobleme

Pferd-Reiter-Harmonie

Beteiligte Meridiane

Element Wasser (Shen)

Körperliche Eigenschaften

Charaktereigenschaften

Gesundheitsprobleme

Pferd-Reiter-Harmonie

Beteiligte Meridiane

Fragebogen der 5 Elemente

Register

Quellenangaben


„Je stiller man ist, desto mehr kann man hören.“

(Chinesisches Sprichwort)

(Foto: Christiane Slawik)

Vorwort


In meiner Praxis passiert es mir immer wieder, dass ich wunderbare Pferde kennenlerne, die ebenso wunderbare Besitzer haben – nur passen beide leider überhaupt nicht zusammen. Da bringt das Feuer-Pferd den Metall-Besitzer schier um den Verstand und der Wasser-Reiter geht seinem Holz-Pferd mit seiner ewigen Ängstlichkeit gründlich auf die Nerven. Meist ist zu diesem Zeitpunkt schon viel Geld in diverse Trainings, Ausbildungen und Spezialtherapien geflossen und alle Beteiligten sind mit Geld und Nerven am Ende.

Dabei gehen wir meist davon aus, dass im Wesentlichen die Rasse den Charakter eines Pferdes beeinflusst, und wenn man nur die richtige Sorte Pferd kauft, am besten noch mit dem passenden Abstammungspapier, dann wird der Rest schon passen. Aber nicht jeder Kaltblüter ist gemütlich, nicht jedes Warmblut ein geborenes Sportpferd, und der auf dem Papier perfekte zukünftige Reining Champion kann sich als verfressene, faule Socke entpuppen.

Betrachtet man sein Pferd aber aus der Perspektive der 5 Elemente, dann werden plötzlich viele Verhaltensweisen sowohl aufseiten des Pferdes als auch des Reiters sonnenklar. Man versteht auf einmal, warum die Reitbeteiligung, die doch eigentlich gar nicht viel Ahnung vom Reiten hat, mit dem Holz-Pferd im Gelände viel besser zurechtkommt als der Besitzer, der doch schließlich weiß, wie es zu laufen hat! Und dass das Erde-Pferd sofort in den Hänger steigen wird, wenn am Ende ein Futtereimer lockt.

Sein Pferd in den 5 Elementen zu erkennen heißt auch, es entsprechend seinem Grundwesen besser zu verstehen und seine „Marotten“ neu zu interpretieren. Denn mit diesem Wissen wird klarer, dass viele Verhaltensweisen der Pferde gar nicht so viel mit „Dominanzgehabe“ oder „Der verarscht dich doch nur!“ zu tun haben, über die man „drüber wegreiten“ muss. Vielmehr gilt es, jedes Pferd – so wie jeden Reiter – entsprechend seines Typs richtig zu nehmen und ihm den passenden Weg zu zeigen – für ein harmonisches Miteinander.

Ihre Christina Fritz

Wenn man weiß, welchen Charakter das eigene Pferd hat, kann man es auch richtig fördern und kann sich über die gemeinsame Zeit freuen.

(Foto: Christiane Slawik)

Einleitung


Immer mehr Menschen erfüllen sich den Kindheitstraum vom eigenen Pferd. Ob mit allerbester Abstammung für teures Geld beim renommierten Händler gekauft, ob aus Liebe das Reitschul- oder Reitbeteiligungspferd übernommen, bevor es an den Händler und vielleicht zum Metzger geht, oder Liebe auf den ersten Blick in einer Internetanzeige – am Ende hat man sein Traumpferd im Stall stehen. Und dann fangen viele Probleme erst an. Neben den üblichen Fragen wie „Passt mein Sattel überhaupt?“ oder „Wer kennt einen guten Hufschmied?“ kommen häufig charakterliche Eigenschaften zutage, die man beim Probereiten vielleicht gar nicht wahrgenommen hat. Auch wenn man ein Pferd schon länger kennt, kann ein Wechsel des Besitzers, der Umgebung oder der Aufgaben dazu führen, dass wir unseren Partner plötzlich nicht wiedererkennen. Aus dem Turnierkracher, der immer unter Strom stand, wird ein entspannter Ausreitkumpel. Oder das träge ehemalige Reitschulpferd dreht richtig auf, wenn es nicht mehr täglich fünf Stunden unter wechselnden Reitern geht.

Es ist nicht immer einfach, mit den charakterlichen Eigenheiten seines Pferdes umzugehen. Bin ich selbst eher ein nüchterner und kontrollierter Typ, dann kann mich das hysterische „Hochdrehen“ eines Arabers ebenso wahnsinnig machen wie ein Pferd, das dauernd ängstlich vor allem zurückscheut. Und wenn ich ein eher ängstlicher Reiter bin, will ich doch ein ruhiges Verlasspferd und keines, dass sofort begeistert über jedes Hindernis springt, das jemand auf dem Platz stehen gelassen hat. Aus dieser Not heraus hat sich mittlerweile eine ganze Industrie an Trainingsmethoden entwickelt, die mit unterschiedlichen Mitteln versuchen, Pferd und Reiter einander näherzubringen. Mit verschiedenen Konditionierungsmethoden wird daran gearbeitet, dem Pferd gewisse „Angewohnheiten“ auszutreiben, damit es „funktioniert“. Sehr oft muss sich dabei das Pferd den Wünschen des Reiters anpassen, nicht umgekehrt. Dabei kann man den Grundcharakter eines Pferdes nicht verändern, ebenso wenig wie den eines Menschen. Es ist vielmehr wichtig zu verstehen, warum ein Pferd so „tickt“, und dieses Temperament dann in die richtigen Bahnen zu lenken.

Um Grundcharaktere und die Reaktionen eines Pferdes besser verstehen zu können, hilft uns die Chinesische Medizin. Es ist eine energetische Medizinlehre, die sich mit den Energieflüssen in den Leitbahnen (Meridianen) des Körpers beschäftigt und mit den Problemen, die aus Ungleichgewichten in diesem Meridiansystem entstehen können. Das System der Chinesischen Medizin, aus der die Grundprinzipien abgeleitet wurden, beruht auf jahrtausendelanger Beobachtung von Menschen und Tieren.

Viele kennen das Prinzip von Yin und Yang: die Gegensätze wie Tag und Nacht, Licht und Schatten, die aber immer zusammengehören, denn nur wenn es Licht gibt, dann entsteht auch Schatten. Yin und Yang sind zwar Gegensätze, aber sie bedingen sich gegenseitig. Der eine kann nicht ohne den anderen sein.


Die Einheit von Yin und Yang wird durch den perfekten Kreis beschrieben, der von dunkel (Yin) und hell (Yang) in gleichem Maß gebildet wird. Der jeweilige Punkt in der anderen Farbe deutet an, dass im Yin auch immer Yang zu finden ist – im Yang auch immer Yin seine Wurzel hat. (Zeichnung: kuklos/www.fotolia.com)


Hat ein geerdeter Reiter ein ängstliches Pferd unter dem Sattel, wird die Gefahr, dass das Tier scheut, überschaubar, weil der Reiter dem Pferd Sicherheit gibt.

(Foto: Christiane Slawik)


Pferde durchschauen ihre Reiter meist viel schneller als Reiter ihre Pferde.

(Foto: Christiane Slawik)

Einführung
in die Welt der 5 Elemente


Chinesische Medizin

Die Chinesische Medizin ist eine jahrtausendealte Erfahrungsmedizin. Bereits im zweiten Jahrhundert vor Christus entstand das erste schriftliche Werk, dem viele weitere Bücher folgten. Die Chinesische Volksrepublik wollte diesen Erfahrungsschatz in den 1960er-Jahren modernisieren. Eine Kommission filterte das gesammelte Wissen, um es in Einklang mit der westlichen Wissenschaft zu bringen. Das daraus entstandene Produkt wird seitdem unter dem Begriff „Traditionelle Chinesische Medizin“ (TCM) weltweit gelehrt. In diesem Buch verwenden wir den Begriff Chinesische Medizin, da das Wissen um die 5 Elemente viel umfangreicher ist und weiter zurückreicht als die TCM.

Weniger bekannt als Yin und Yang ist das System der 5 Elemente. In der Chinesischen Medizin wird alles diesen 5 Elementen zugeordnet, die auch als Wandlungsphasen bezeichnet werden. Daher finden wir sie nicht nur in der Medizin wieder, wo beispielsweise Erkältungen häufig klassische „Wind-Erkrankungen“ sind, die dem Element Holz zugeordnet sind und damit dem Organ Leber. So wird dann auch in der klassischen Akupunktur nicht nach Symptomen gearbeitet, sondern danach, welches der 5 Elemente aus dem Gleichgewicht geraten ist und wieder balanciert werden muss.

Elemente


(Zeichnung: Jb:design)

Auch in der Ernährungslehre werden die 5 Elemente miteinbezogen. Die Diätetik spielt eine große Rolle in der Chinesischen Medizin, und je nachdem, welches Element gestärkt oder auch geschwächt werden soll, verschreibt einem der Arzt unterschiedliche Lebensmittel oder Zubereitungen. Dieser Teil ist in der Therapie beim Pferd kaum abzubilden, da die natürliche Ernährung des Pferdes aus rohfaserreichem Gras und Heu Variationen kaum erlaubt. Aber die Phytotherapie der Chinesischen Medizin zielt genau in diese Richtung, denn hier wird weniger mit Wirkstoffkomponenten gearbeitet – im Gegensatz zur klassischen Kräuterkunde bei uns –, sondern der Schwerpunkt liegt auf den energetischen Eigenschaften der einzelnen Kräuter. Daher hat die Phytotherapie in der Chinesischen Medizin für Pferde durchaus ihren Raum und kann unterstützend eingesetzt werden, beispielsweise zur Akupunktur. Selbst in der Gestaltung der Wohnräume werden die einzelnen Bereiche den 5 Elementen zugeordnet, was erklärt, warum dann an dieser Stelle im Raum unbedingt ein Brunnen stehen muss oder warum der Herd in jenem Raum auf keinen Fall installiert werden darf.

Die 5 Elemente sind damit ein Grundsystem, das sich durch das ganze tägliche Leben zieht. Vom Lebensalter bis zu den Jahreszeiten, von den Himmelsrichtungen bis zu den inneren Organen findet man immer wieder die Zuordnung zu einem der Elemente. Jedes Element steht dabei für verschiedene Grundprinzipien und Charakterzüge. Vergleichbar mit unseren Sternzeichen wird jedes Lebewesen in einer bestimmten Elementekonstellation geboren. Das oder die Grundelemente bestimmen dann vielfach nicht nur den Grundcharakter, sondern auch Schwächen und Anfälligkeiten für Krankheiten, aber auch Stärken und Talente. Hat man ein Pferd, das im Grundtyp Holz ist, und das trifft zusammen mit dem Lebensalter Holz und derselben Jahreszeit, summieren sich die Eigenschaften dieses Elements, was zu Ungleichgewichten führen kann. Verhaltensprobleme ebenso wie körperliche Erkrankungen können die Folge sein.

Das Verständnis um die 5 Elemente der Chinesischen Medizin hilft einem Pferdebesitzer, sowohl Verhalten als auch Stärken und Schwächen seines Pferdes besser einzuordnen. Das kann allen Beteiligten viel Frust und hohe Kosten für Tierarzt und „Spezialtrainings“ sparen, wenn man versteht, warum ein Pferd nun mal so und nicht anders ist. Insbesondere der Zusammenhang zwischen Emotionen und Krankheiten wird in der westlichen Medizin eher stiefmütterlich behandelt und noch heute ist der Begriff „psychosomatische Erkrankung“ in der Humanmedizin stigmatisiert. In der Veterinärmedizin wird den Tieren teilweise abgesprochen, überhaupt zu komplexen Emotionen fähig zu sein, und sie werden überhaupt nicht in Diagnosen zur Krankheitsentstehung einbezogen. Dabei weiß jeder Pferdebesitzer, dass auch Tiere die ganze Bandbreite von Emotionen zeigen können – von Freude über Zorn bis Trauer.

So konnte nachgewiesen werden, dass beispielsweise Stress bei Pferden zu organischen Krankheiten wie Magengeschwüren führen kann. Nach der Chinesischen Medizin ist der Magen verantwortlich dafür, Erfahrungen „zu verdauen“. Eine Überlastung führt somit logischerweise zu einer Störung des Magens auf allen Ebenen von körperlich bis psychisch. Emotionen werden nach der Chinesischen Medizin vor allem von der Leber verarbeitet. Ein Übermaß an erfahrenen Emotionen würde vom Pferd normalerweise durch Bewegung abgebaut: Rennen, Buckeln, Ausschlagen und so weiter, denn Muskeln, Sehnen und Bänder gehören zum Funktionskreis der Leber und können eingesetzt werden, um diese zu entlasten. Wird dem Pferd durch Boxenhaltung, überfüllte Winterausläufe oder dicht gedrängte Offenstallhaltung diese Möglichkeit zum Emotionsabbau genommen, richten sich diese Emotionen nach innen und schädigen die Leber auf allen Ebenen. Die große Anzahl von Pferden mit Leberfunktionsstörungen in unseren Breitengraden lässt vermuten, dass hier nicht nur körperliche Zusammenhänge wie toxische Belastungen am Werk sind, sondern emotionale Überlastung mit in Betracht gezogen werden sollte.


Pferde mit Sattel- oder Gurtzwang leiden häufig unter Magenproblemen. Neben den medizinischen Maßnahmen sollte man hier unbedingt das 5 Elemente-System und traumatische Erfahrungen, die nicht „verdaut“ werden konnten, in die Therapie einbeziehen. (Foto: Daniela Bolze)

In der Chinesischen Medizin werden den Organen noch wesentlich mehr Funktionen zugeordnet als die reinen physischen Aufgaben. Die Organe wiederum werden den 5 Elementen zugeordnet. So gehört der Zorn zur Leber und damit zum Element Holz. Übermäßiger Zorn kann demnach die Leber schädigen. Der Volksmund sagt nicht ohne Grund, dass jemandem „eine Laus über die Leber gelaufen“ ist, wenn jemand offensichtlich grundlos schlechte Laune hat. Umgekehrt kann eine geschädigte Leber ein Pferd auch schneller zornig werden lassen. Viele Besitzer von stoffwechselkranken Pferden kennen die schlechte Laune und die Unmutsbekundungen zum Beispiel beim Satteln. Häufig fällt einem die Veränderung dann erst deutlich auf, wenn die Leber wieder richtig arbeitet und die Tage der schlechten Laune vorbei sind.


Stress und Angst schwächen die Energie der Nieren, was sich langfristig in Krankheitssymptomen, wie dem Cushing-Syndrom, zeigen kann. (Foto: Christiane Slawik)

Die Freude ist dem Herzen zugeordnet und damit dem Element Feuer. Wer schon mal sein Pferd vor Lebensfreude über die Koppel galoppieren sah, der weiß, wie ihm bei einem solchen Anblick „das Herz aufging“. Die Nachdenklichkeit als eine in der Chinesischen Medizin wichtige Emotion sitzt in der Milz und gehört damit zum Element Erde. Die Milz ist wichtig für das Immunsystem und die Blutreinigung, beides wird durch übermäßige Grübelei geschwächt, was Stoffwechselstörungen, Lympheinlagerungen und Apathie zur Folge haben kann. Die Trauer ist der Lunge zugeordnet und damit dem Element Metall. Viele Fohlen entwickeln nach dem harten Absetzen von der Mutter und dem Verbringen auf die Fohlenweide erst mal einen „Husteninfekt“. Was für die westliche Medizin einfach nur ein Infekt ist, das ist aus Sicht der Chinesischen Medizin eine Schwäche der Lunge durch die Trauer, was den Erregern überhaupt erst ermöglicht, sich festzusetzen. Umgekehrt sorgt auch hier wiederum eine geschädigte Lunge für Trauer. Ein aufgrund einer Schimmelpilzallergie chronisch hustendes Pferd kann also für unsere Wahrnehmung auch depressiv werden. Auch hier fällt die Veränderung oft erst auf, wenn die Atemwegsproblematik therapiert ist und das Pferd wieder fröhlich wird und aufmerksam am Leben teilnimmt.

Die Angst schließlich gehört zur Niere und damit zum Element Wasser. Zu den Nieren gehören in der Chinesischen Medizin auch die Nebennieren, Hormondrüsen, die den Nieren eng anliegen und auch funktional eng mit ihnen verbunden sind. Die Cushing-Symptomatik ist die Folge eines entgleisten Nebennieren-Hormonhaushalts, wenn diese nämlich zu viel körpereigenes Cortisol produzieren. Damit ist die Emotion Angst eng mit dem Hormonhaushalt verknüpft, insbesondere wenn sie chronisch besteht, was wir auch als „Stress“ bezeichnen. In der Chinesischen Medizin gibt es den Spruch, dass jeder Schreck ein kleiner Tod sei – denn in den Nieren ist gleichzeitig die Lebensenergie gespeichert, sozusagen das „energetische Sparbuch“ eines Lebewesens. Angst (Stress) schädigt damit die Nieren und entzieht dem Körper gleichzeitig seine wichtige Lebensenergie. Nicht nur beim Menschen, auch beim Pferd kann es zum „Burn-out“ kommen, das sieht man bei vielen älteren Sportpferden.

Emotionen


(Zeichnung: Jb:design)


Fressen ist für Erde-Pferde das Wichtigste, aber da sie sehr leichtfuttrig sind, neigen sie zu Übergewicht.

(Foto: Christiane Slawik)

Die Bedeutung von …


Jahreszeiten

Die Jahreszeiten sind dem Rhythmus der 5 Elemente zugeordnet. Das verwundert zunächst, sprechen wir in der westlichen Welt doch immer von vier Jahreszeiten, haben aber 5 Elemente. Das erklärt sich daraus, dass der Sommer in zwei Phasen unterteilt wird: den Frühsommer und den Spätsommer, die zu unterschiedlichen Elementen gehören. Das Jahr beginnt und endet für uns im Winter. Das dem Winter zugeordnete Element Wasser wird oft als Anfang und Ende vom 5-Elemente-Zyklus gesehen. Jedoch ist die Einteilung in Jahre, die mit dem 1. Januar mitten im Winter beginnen, vom Menschen recht willkürlich gewählt. In früheren Zeiten, als der Mensch noch mehr im Rhythmus mit der Natur gelebt hat und weniger nach Uhr und Kalender, hat man das Jahr nach Jahreszeiten und ihren zugeordneten Tätigkeiten wie Aussaat- oder Erntezeit sowie nach Sommer- und Wintersonnenwende beziehungsweise Tagundnachtgleiche unterteilt. Orientiert man sich an diesen Einteilungen, dann wird einem viel deutlicher, dass wir uns in einem Jahresrad bewegen, das sich immer weiter dreht. So bewegt sich auch der 5-Elemente-Zyklus stets im Kreis, ohne definierten Anfang oder Ende.

Der Winter ist dem Element Wasser zugeordnet und damit den Organen Blase und Niere. Entsprechend häufig zeigen Pferde im Winter energetische Probleme mit den Nieren an. Auf den Winter folgt der Frühling, der mit seinen aufsteigenden Energien nicht nur die Natur grün werden lässt, sondern auch dem Element Holz Kraft gibt. Das Holz ist ein sehr emotionales Element, was man vor allem an den „Frühlingsgefühlen“ im Stall merkt, wenn die Tage länger werden, die Sonne wieder wärmt und die Pferde sich beim ersten Koppelgang so richtig ausbocken. Auf den Frühling folgt der Frühsommer und damit die Zeit des Feuers. Jetzt brennt die Sonne am heißesten und das Risiko für Sonnenbrand auf empfindlichen, unpigmentierten Pferdenasen ist am größten. Und eines Tages – mitten in dem, was für uns noch Sommer ist – geht man morgens aus dem Haus und die Luft hat sich verändert. Es ist immer noch warm, aber die Sonne fühlt sich milder auf der Haut an. Die Luft riecht anders und lässt schon das Nahen des Herbstes erahnen, obwohl die Bäume noch grün sind. Das ist die Zeit des Elements Erde, die Zeit, in der das Korn geerntet wird und auch die Pferde Vorräte für den Winter anlegen in Form von Fetteinlagerungen durch das noch immer saftige Weidegras. Darauf folgt der Herbst mit seinen sich nach innen zurückziehenden Energien, die Zeit des Metall-Elements. Die Bäume verlieren ihre Blätter, das Wetter wird nasskalt und grau. Ein typischer frühnebelverhangener Novembermorgen ist das Sinnbild des Metalls, das dann wieder in den Winter übergeht und damit in das Element Wasser. So wie der Jahreszyklus dann von Neuem beginnt, dreht sich auch das Rad der 5 Elemente weiter.

In jeder Jahreszeit ist das zugeordnete Element mit seinen Organen, Eigenschaften und Charakterzügen im Vordergrund, denn es wird jetzt am stärksten mit Energie versorgt. Kommt es aber zu einem Energiestau oder zu Überschüssen oder auch zu einem Mangel in diesem Element, so kann es aus dem Gleichgewicht geraten, was sich im Verhalten und auch in Gesundheitsproblemen bemerkbar machen kann. Dabei sind nicht nur die Jahres-, sondern auch die Tageszeiten den 5 Elementen zuzuordnen. Demnach gehört die Nacht zum Element Wasser, der frühe Morgen ist Holz-Zeit und die Mittagshitze ist ganz klar im Feuer-Element. Der Nachmittag, wenn die Sonne schon wieder Richtung Horizont wandert, ist Erde-Zeit, die am frühen Abend in das Metall übergeht, um dann nachts wieder Wasser-Element zu sein. So stellen viele Reiter von den eher trägen Erde-Pferden fest, dass diese am frühen Morgen fleißiger arbeiten als am Nachmittag. Kein Wunder: Das Holz kontrolliert schließlich die Erde und sorgt mit seinem Schwung dafür, dass sie nicht zu faul werden kann.

Jahreszeiten


(Zeichnung: Jb:design)

Lebensalter

So wie sich das Jahr durch die 5 Elemente bewegt, durchläuft auch das Pferd von der Geburt bis zum hohen Alter die verschiedenen Elemente. Der Zyklus beginnt dabei mit dem Wasser. Beobachtet man junge Fohlen, sind sie noch sehr ängstlich und verstecken sich oft hinter der Mutter. Sie verbringen die ersten neun bis zwölf Monate im Element Wasser, dessen Emotion die Angst ist. Mit dem Beginn der Geschlechtsreife folgt dann die Holz-Zeit. Sie beginnt beim Pferd mit etwa zwölf bis achtzehn Monaten und dauert während der ganzen Pubertät an, die bis etwa zum vierten oder fünften Lebensjahr geht. Es ist die Zeit der Junghengstkämpfe und des „Sich-Ausprobierens“, in der Pferde sehr emotional aufschäumend und dickköpfig reagieren können.

Darauf folgt das Element Feuer, in dem sich das Pferd als junges erwachsenes Pferd bewegt. Es ist voller Kraft und Schönheit, bewegt sich gern und ist auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit. Diese Phase beginnt mit etwa vier bis fünf Jahren und dauert bis etwa zum zehnten Lebensjahr. Zwischen dem zehnten und zwölften Jahr kommt der Zeitpunkt, wo die Pferde ruhiger werden und ihre Erde-Phase beginnt. Das Reiten wird etwas gemütlicher, das Interesse an Aufregung nimmt ab und das für Futter zu. Oft verändert sich in dieser Zeit auch noch mal das Aussehen des Pferdes: Die athletische Jugendfigur wird etwas runder und fülliger, es können sich Figurprobleme insbesondere während der Weidezeit einstellen, da sich das Pferd auch ohne Reiter jetzt zunehmend weniger bewegt.


Während seines Lebens durchläuft ein Pferd alle Elemente und deren Energien. Daher können sich sowohl der Charakter als auch gesundheitliche Themen im Lauf der Jahre stark wandeln. (Foto: Christiane Slawik)

Die Erde-Zeit geht im Alter zwischen sechzehn und Anfang zwanzig in die Metall-Zeit über, die geprägt ist von einem ruhigen, wohlüberlegten Charakter und Altersweisheit. Die Pferde in diesem Alter können zu großen Lehrmeistern für junge Reiter werden, sie blicken auf ein Leben voller Erfahrungen zurück und bringen das Stück Gelassenheit mit sich, um auch unsichere Reiter gut zu tragen. Hat man in der Erde-Zeit noch mit Übergewicht gekämpft, wandelt es sich in den Abschnitt, wo die Pferde eher abbauen und „eckig“ werden. Die Muskulatur wird weniger, die Kruppe sieht kantiger aus und es kommt die Zeit, wo man eingeweichte Heucobs zufüttern muss, um überhaupt das Gewicht zu halten. Zwischen Mitte und Ende zwanzig schließlich beginnt wieder die Wasser-Zeit und die Pferde werden zunehmend ängstlicher. Man wird bei vielen Haltungen nachdenken, die Pferde zumindest nachts aus der Gruppe zu nehmen und separat aufzustallen, weil sie oft das untere Ende der Rangordnung einnehmen, jedem Streit (mit Jüngeren!) aus dem Weg gehen und dadurch zu wenig Schlaf und Futter bekommen. Sie reagieren auch empfindlich auf nasskaltes Wetter, denn das schwächt die Nieren. So schließt sich der Kreis der Elemente im Lauf eines Lebens von Wasser zu Wasser.

Lebensabschnitte


(Zeichnung: Jb:design)

Farben

Farben haben einen deutlichen Einfluss auf die Psyche, nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Pferden, wie mittlerweile in verschiedenen Untersuchungen nachgewiesen wurde. Die Farben wirken dabei unter anderem über die Energien der 5 Elemente. Hat man ein Pferd, das bereits im Feuer-Typ steht, und legt diesem in der Feuer-Zeit Hochsommer am Mittag auch noch eine rote Schabracke auf, dann kann das Ganze schnell explosiv werden. Zu viel Feuer auf einmal bringt das Element aus dem Gleichgewicht, und gerade Feuer-Pferde können dann unkontrollierbar werden. Ein solches Pferd sollte besser eine blaue Schabracke tragen, denn Blau beruhigt das Feuer.

Achtet man mal bewusst darauf, dann stellt man fest, dass viele Pferde mit unterschiedlich farbigen Schabracken tatsächlich auch unterschiedlich laufen. Dasselbe gilt für Abschwitz- und Thermodecken. Pferde sind hier zwar nicht modebewusst, entscheiden sich aber durchaus aktiv für unterschiedliche Farben, sofern man ihnen die Wahl lässt. Es kann kein Zufall sein, wenn ein Pferd immer wieder seine grüne Thermodecke zerfetzt, aber die graue in Ruhe lässt. Das muss nicht an der Passform liegen. Vielleicht bringt die grüne einfach zu viel Holz-Energie auf den Pferderücken.

Hält man Pferden unterschiedlich farbige Halfter hin, kann es passieren, dass sie eines davon anstupsen, die anderen aber ignorieren. Auch beim Anziehen des Halfters kann es sein, dass sie bei einer Farbe vollkommen unkooperativ sind, während sie für ein anderes brav den Kopf senken. Dabei können sich die Farbvorlieben im Lauf eines Jahres oder auch im Lauf eines Pferdelebens ändern – je nachdem, welches Element gerade Unterstützung benötigt.


Farbige Halfter können – je nach Pferdetyp – auch nach der 5-Elemente-Lehre ausgewählt werden. Wer ein Feuer-Pferd besitzt, ist gut mit einem blauen Halfter beraten, da die Farbe Blau beruhigend wirkt. (Foto: Christiane Slawik)

Dem Element Wasser sind dabei die Farben Blau für die (Harn-)Blase und Schwarz für die Nieren zugeordnet. Zum Holz gehört das Grün, die Farbe des Frühlings, wobei hier keine Unterscheidung zwischen den dazugehörenden Organen beziehungsweise Meridianen gemacht wird. Rot ist klassisch die Farbe des Feuers, während Gelb oder Orange zur Erde gehört, die typischen Farben des reifen Korns und des spätsommerlich gefärbten Laubes. Dem Metall schließlich ist die Farbe Weiß oder auch helles Grau zugeordnet, nicht ohne Grund ist es die Zeit, in der die Pferde weiße Haare auf der Stirn und in der Mähne bekommen.

Es ist spannend, Vorlieben seines Pferdes in der Farbwahl zu beobachten, und ein Leichtes, die Farben des Zubehörs auf das Pferd abzustimmen – und nicht nur auf den eigenen Geschmack. Auch sich selbst kann man dabei beobachten, wie verschiedene Farben bei einem Pferd wirken. Denn manchmal hat man das Gefühl, dass einem Pferd eine Farbe „nicht steht“, obwohl man nicht mal genau sagen könnte, warum. Zu einem anderen Pferd der gleichen Fellfärbung kann diese Farbe hingegen hervorragend passen. Wir nehmen dabei oft unbewusst Dissonanzen im Energiefeld wahr. Führt jetzt die Farbe dazu, dass ein Element bei dem betroffenen Pferd aus der Balance gerät, so sieht sie für uns bei diesem Pferd unpassend aus. Stärkt sie hingegen bei einem anderen Pferd ein schwaches Element, so sieht das für uns harmonisch aus.

Auch seine eigene Farbwahl und -vorlieben kann man beobachten und schauen, wie das Pferd auf unterschiedlich farbige Kleidung reagiert. Insbesondere Reiter, die eine sehr enge Verbindung zu ihrem Pferd haben, wählen häufig instinktiv ihre Kleidung farblich danach aus, wie sie mit ihrem Pferd harmoniert, und weniger nach der aktuellen Modefarbe.

Farben


(Zeichnung: Jb:design)

Ernährung

Die Ernährung nach den 5 Elementen spielt in der Chinesischen Medizin eine zentrale Rolle. In diese Richtung geht nicht nur die eigentliche Ernährung, sondern auch die chinesische Phytotherapie, also die Therapie mit Kräuterpflanzen. Hier geht es weniger um biochemische Wirkstoffe (auch wenn mittlerweile einige davon in traditionellen chinesischen Heilpflanzen nachgewiesen wurden), sondern um die energetische Wirkung einer Pflanze. Da den verschiedenen Elementen unterschiedliche Geschmäcke zugeordnet sind, kann man hier schon über den Geschmack von Kräutern zuordnen, in welche Richtung auf die Elemente die Wirkung einheimischer Pflanzen gehen wird.

Der Geschmack „bitter“ gehört zum Element Feuer und man ist immer wieder erstaunt, mit welcher Begeisterung viele Pferde bittere Pflanzen wie Schafgarbe oder sogar Eichenrinde oder Walnussblätter fressen. Gerade im Herbst und zum Winter sind solche Kräuter beliebt, regen sie nicht nur die Peristaltik an – die in der kalten Jahreszeit durch die mangelnde Bewegung oft träge wird –, sondern auch das Element Feuer, das als Yang-Element ordentlich Wärme erzeugt. Erstaunlich viele Pferde mögen auch den Geschmack von sauren Kräutern. Beobachtet man instinktsichere Pferde, so kann man sehen, dass sie die jungen Blätter vom Sauerampfer fressen oder teilweise auch Sauerklee im Wald zupfen. Der saure Geschmack stärkt das Element Holz, das in diesen Fällen offenbar Unterstützung benötigt.

Im Hochsommer wird der Salzleckstein häufig frequentiert, was nicht bei allen Pferden mit dem Salzverlust durch Schwitzen zu erklären ist. Salzig ist der Geschmack des Elements Wasser, das benötigt wird, um das Element Feuer zu kontrollieren. Der Hochsommer ist Feuer-Zeit, und wenn ein Pferd hier zu viel Feuer hat, wird es sich nicht nur im Wasser abkühlen, sondern auch sein Element Wasser durch vermehrten Salzkonsum stärken.

Der Geschmack „süß“ ist der Erde zugeordnet. Man sollte meinen, dass alle Pferde süß mögen, aber das ist nicht so. Instinktsichere Pferde lassen mitunter den Kübel mit dem süßen Müsli stehen und gehen dafür lieber bittere, scharfe oder saure Kräuter fressen. Leider sorgt unsere Fütterung mit geflockten Getreiden, melassierten Mischfuttern oder großzügiger Fütterung von Karotten, Äpfeln oder Bananen, zusammen mit einem ohnehin schon zuckerreichen Grundfutter, dafür, dass viele Pferde eine regelrechte Zuckersucht entwickeln, wie sie bereits für den Menschen und auch für viele Tierarten nachgewiesen wurde. In diesen Fällen gehen die natürlichen Instinkte verloren und die Pferde fressen übermäßig viel süß – selbst zuckerreiches Heu wird in Massen vertilgt und die natürliche Fressbremse ausgeschaltet. Dadurch kommt das Element Erde immer mehr aus dem Gleichgewicht und Lympheinlagerungen durch den gestörten Funktionskreis von Milz/Pankreas sowie Fetteinlagerungen, Störungen im Hormonhaushalt und Insulinresistenz sind die unschöne Folge, die man in vielen Ställen sieht. Solche Pferde neigen nicht nur zur Bildung von Ödemen, sondern zeigen häufig auch eine übermäßig dicke Zunge. Hebt man die Lippe im Bereich der Lade hoch, quillt die Zunge regelrecht aus dem Maul heraus. Eine solche Zunge ist ein dringendes Signal, den Zuckergehalt in der Fütterung zu reduzieren und das Element Erde wieder in sein Gleichgewicht zu bringen, bevor Erkrankungen wie Equines Metabolisches Syndrom (EMS), Pseudo-EMS oder Pseudo-Cushing entstehen.


In der Feuer-Zeit des Sommers versuchen viele Pferde ihren Energiehaushalt auszubalancieren, indem sie gezielt ihr Wasser-Element – durch Baden in Pfützen oder Lecken am Salzstein – stärken, denn Wasser kontrolliert das Feuer. (Foto: Christiane Slawik)

Dem Element Metall schließlich ist der „scharfe“ Geschmack zugeordnet. Nun sieht man Pferde in unseren Breitengraden eher selten an Chilisträuchern knabbern. Viele Besitzer können sich auch gar nicht vorstellen, dass einem Pferd scharfes Futter schmecken könnte. Aber probieren Sie es mal aus: Es gibt Pferde, die eine Prise Pfeffer in ihrem Futter durchaus zu schätzen wissen.


Heu ist nicht gleich Heu. Es unterscheidet sich nicht nur im Nährwert, sondern wirkt auch sanft auf die 5 Elemente ein.

(Foto: Christiane Slawik)

Umgekehrt gibt es Pferde, die bestimmte Geschmäcke partout verweigern. Kann man eine Konditionierung auf Zucker ausschließen, dann spricht ein solches Verhalten dafür, dass in dem betreffenden Element ohnehin schon eine energetische Fülle herrscht. Würde das Pferd durch das Fressen dieses Geschmacks die Energie in dem Element noch vermehren, würde das gesamte System aus der Balance geraten.

Viele Gräser und Kräuterpflanzen mit unterschiedlichen Geschmäcken findet man auch im Heu. Auch wenn für uns das Grundfutter der Pferde fad und langweilig aussieht, kann es doch unterschiedlich schmecken. Von süß bei hohem Zuckergehalt über sauer, insbesondere bei Heu von Feuchtwiesen oder Bachrändern, bis zu bitter, wenn viele Bitter- oder Gerbstoffkräuter enthalten sind, reichen die Geschmacksrichtungen. Heu von Salzmarschen schmeckt entsprechend salzig, nur der scharfe Geschmack ist bei uns eher selten vertreten. Die verschiedenen Geschmäcke erklären auch, warum manches Heu geradezu verschlungen, anderes hingegen nur mit „langen Zähnen“ genommen wird. Dabei kann jedes Pferd unterschiedliche Vorlieben haben – je nachdem, welche Elemente Unterstützung benötigen, um das System ins Gleichgewicht zu bringen.

Auch andere Futtermittel haben eine Wirkung auf den 5-Elemente-Energiehaushalt bei Pferden. Allerdings ist die Ernährung des Pferdes nach den 5 Elementen insofern eingeschränkt, als dass Pferde einen deutlich reduzierten Speiseplan im Vergleich zum Menschen haben. Daher kann man mit entsprechender Heuqualität und Kräutern den größten Effekt zur Balancierung der 5 Elemente bei seinem Pferd erreichen. Auch einige andere Futtermittel können für Überraschungen sorgen: Hafer stärkt das Feuer, nicht umsonst ist er ein Leistungsgetreide, das auch adäquat in Bewegung umgesetzt werden muss, damit das feurige Pferd die Energie wieder abbauen kann. Ein überschießendes Feuer wird sonst unkontrollierbar.

Auch Mais gehört zu den Kraftfuttersorten, die eine starke Wirkung auf das Element Feuer haben. So sagt der Volksmund mit gutem Grund „Mais macht heiß“. Wird der Mais geflockt und als „Cornflakes“ dem Mischfutter zugesetzt, dann wurde durch den Prozess sein Charakter dahingehend verändert, dass er auf das Element Erde wirkt und den Milz-/Pankreas-Funktionskreis aus der Balance bringt, was Lympheinlagerungen zur Folge hat. Die Milz hat unter anderem die Aufgabe, die Dinge an ihrem Platz zu halten – so auch die Flüssigkeit in den Blut- beziehungsweise Lymphgefäßen. Gerät die Milz energetisch gesehen aus dem Gleichgewicht, kommt es zu Lymphversackungen im Gewebe, was sich in Lymphpolstern an der Flanke, angelaufener Schlauchtasche beim Wallach, Bauchödemen vor dem Euter bei Stuten oder angelaufenen Beinen äußern kann. Was anfänglich nach der Fütterung von Maisflocken oder Maiswürfeln nach schöner Gewichtszunahme aussieht, ist ein aus dem Gleichgewicht geratenes Pferd, das vermehrt Lymphe im Bindegewebe einlagert.

Ingwer würden wir aufgrund seiner Schärfe eher dem Metall zuordnen, er gehört jedoch zu den Pflanzen, die das Feuer fördern. Das kann kurzfristig bei einem Pferd mit arthrotischen Beschwerden Linderung bringen, denn das Feuer treibt die feuchte Kälte aus den Gelenken, die nach der Chinesischen Medizin ursächlich für die arthrotischen Probleme ist. Man sollte Ingwer nie zu lange am Stück geben, da sonst das Feuer überreagiert und die 5 Elemente aus dem Gleichgewicht geraten. Für nasskalte Tage über einen Zeitraum von drei bis fünf Tagen gegeben also eine gute Unterstützung für die Elemente, im Übermaß aber problematisch. Das gilt auch für alle anderen Geschmäcke: In Maßen sind sie stets geeignet, ein Ungleichgewicht wieder auszubalancieren. Im Übermaß sorgen sie jedoch für einen Energieüberschuss im dazugehörigen Element, was wiederum das ganze System aus der Balance bringt.

Füttert man Futter einer Geschmacksrichtung zu lange, kommt es im dazugehörigen Element fast immer zu einem Überschuss und damit zu einem Ungleichgewicht im gesamten System der 5 Elemente. Wenn ein Pferd ohnehin schon aus der Balance seiner 5 Elemente ist, sollte man hier vorsichtig sein mit einseitiger Fütterung. Bei Pferden, die schon Magenprobleme oder sogar eine Insulinresistenz (Pankreas!) haben, ist – mit einer Imbalance im Element Erde – zuckerhaltiges Futter unbedingt zu vermeiden. Ist das Metall mit seinen Organen Lunge und Dickdarm aus dem Gleichgewicht, sollten scharfe Futtermittel gemieden werden. Bei Problemen mit dem Element Wasser, also vor allem den Nieren und der Blase, sollte man salzige Futtermittel weglassen, beispielsweise dem Mischfutter oder dem Mash kein Salz zusetzen. Ist das Holz bereits gestört und hat das Pferd dadurch Leberfunktionsstörungen, dann sollten saure Futtermittel wie Heulage/Silage unbedingt gemieden werden, bei einem Ungleichgewicht im Element Feuer schließlich bittere Futtermittel, wie sie vor allem in Kräutermischungen vorkommen können.

Wie bei den Farben beeinflusst auch unser eigenes Essverhalten nicht nur unsere eigenen 5 Elemente, sondern darüber hinaus auch die unseres Pferdes. Denn wenn wir mit unserem Pferd interagieren, sind wir in einer permanenten Resonanz: Unser Energiefeld beeinflusst das unseres Pferdes und umgekehrt. Das ist einer der Gründe, warum viele Reiter nach einem stressigen Arbeitstag, der ihre Elemente durcheinandergebracht hat, sich im Stall so gut erholen: Hat man ein energetisch ausgeglichenes Pferd, kann das eigene Elementesystem mit ihm in Resonanz gehen und sich dadurch zu einem guten Teil wieder harmonisieren. Wenn wir dann nach dem Reiten nach Hause fahren, ist der Arbeitsärger wie weggeblasen und wir sind wieder gut drauf.

Was unbewusst funktioniert, kann man auch bewusst einsetzen: Hat man ein Pferd, das stark im Holz-Typ ist, so kann jeder anspruchsvolle Ritt – insbesondere Turniere oder ähnliche Herausforderungen – zu einer Zerreißprobe werden. Stärkt man jetzt sein eigenes Metall-Element vor dem Ritt, indem man scharfe Nahrungsmittel zu sich nimmt, so klappt es auf einmal im Parcours viel besser. Denn das Metall kontrolliert das Holz: Stärke ich mein Metall, habe ich mehr Kontrolle über das Holz meines Pferdes, ohne dabei meinen Reitstil ändern zu müssen. Auch Reiter von Feuer-Pferden können das ausprobieren, denn gerade das Feuer kann manchmal ein rechtes Abenteuer sein, wenn es mitten beim Reiten „auflodert“. Isst man vor dem Reiten Salziges und stärkt damit sein Wasser-Element, welches das Feuer kontrolliert, so wird der Ritt um einiges entspannter.

Geschmacksrichtungen


(Zeichnung: Jb:design)

Verlauf der Meridiane


Meridiane sind die Energieleitbahnen im Körper, die sowohl an der Außenseite als auch an der Körperinnenseite entlang verlaufen. Reagiert ein Pferd empfindlich bei Berührung eines Meridians kann ein Störung oder ein Energiestau die Ursache sein. (Zeichnung: Susanne Retsch-Amschler)

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142 s. 71 illüstrasyon
ISBN:
9783958477186
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