Kitabı oku: «Covid-19 – neuartig, gefährlich, besiegbar!»

Corona-Pandemie
Jetzt konzentrierter kompletter Lockdown erforderlich!
Aktuelle Erklärung der Autoren (nach Redaktionsschluss des Buches, notwendig und geboten aufgrund der neuen bedrohlichen Lage) 16. Januar 2021
Die Zahl der mit Corona Infizierten knackte die Zwei-Millionen-Grenze. Aktuell infizieren sich im Durchschnitt täglich 20 682 Menschen neu. Bislang konnte nur das exponentielle Wachstum der Zahl der Neuinfektionen abgebremst werden.
Die Covid-Sterblichkeit ist weiterhin hoch, zuletzt über 1200 Todesfälle pro Tag. Pflegepersonal und Ärzte geraten über die Belastungsgrenze. Inzwischen werden mutierte Virusstämme aus Großbritannien und aus Südafrika, die um 70 Prozent infektiöser sind, auch in Deutschland und der EU registriert. Es droht eine sprunghafte Verschärfung bis hin zu einem erneut exponentiellen Anstieg der Infektionen und der Kollaps des Gesundheitssystems in einem der reichsten Länder der Welt.
Kein „Schrecken ohne Ende“! Jetzt Lockdown auf Kosten der Monopolprofite!
Die jetzige katastrophale Situation mit unzumutbaren Zuständen für die Masse der Bevölkerung und der Vernichtung der Existenzgrundlagen vieler kleiner Selbständiger wäre nicht nötig gewesen, wenn man auf die MLPD, die begründeten Vorschläge in diesem Buch und die Medizinerplattform im Internationalistischen Bündnis gehört und ihre Forderungen in die Tat umgesetzt hätte! Was wir von Beginn an gefordert haben, hätte die jetzige Lage verhindern können. Es bleibt weiterhin langfristig dringend geboten:
•In den Betrieben und der Logistik: Konsequenter Gesundheitsschutz statt rücksichtslosem Hochtreiben der Produktion und des Warenverkehrs!
•Entzerrung der Schichtzeiten, Pausen, Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, Homeoffice, wenn die Kinderbetreuung geregelt ist!
•Teilen der Schulklassen! Schichtunterricht! Betreuung der Kinder in konstanten Kleingruppen in Schulen und Kitas!
•Taktzahl im ÖPNV vervielfachen, ausreichendes Platzangebot! Im ÖPNV und den Zügen der Deutschen Bahn müssen Abstandsregeln wie auch sonst im öffentlichen Raum festgelegt werden: Jede Sitzreihe darf nur mit einer Person belegt werden, keine stehenden Fahrgäste. Um dies sicherzustellen, müssen Taxis, Busse und Busfahrer zahlreicher privater Unternehmen einbezogen werden, auch als Maßnahme, dass sie nicht in Konkurs gehen!
•KN95 oder FFP2- und FFP3-Masken kostenlos und ausreichend für die gesamte Bevölkerung!
•Lückenlose Massentestung ohne Wenn und Aber mit breit angelegter Erfassung über PCR-, Antigen-Schnelltests und Antikörpertests! Schnelltest vor jeder Impfung! Antikörpertests bei Verdacht auf bereits durchlittene Infektion mit CoV-2 und zügige wissenschaftliche Klärung, ob und wann nach durchgemachter Infektion nachgeimpft werden soll.
•Beginn dieser Maßnahmen in Verbindung mit Wiederaufnahme der Kontaktverfolgung jetzt und dauerhaft bis zum Ende der Pandemie!
•Die Frage, ob Impfstoffe die Weitergabe der Infektion verhindern, muss umgehend in großem Maßstab erforscht werden, ebenso die Wirkung der Impfung bei mutierten Virusformen. Dazu muss auf Kosten des Staates eine routinemäßige Gensequenzierung bei mindestens jeder zehnten positiven PCR-Untersuchung durchgeführt werden! Bei auffälligen regionalen Ausbrüchen ist dies sogar routinemäßig bei allen positiven PCR-Tests durchzuführen bis zur lückenlosen Aufklärung der Zusammenhänge! Das ist entscheidend, um andere und vor allem hoch infektiöse Mutationen sofort zu identifizieren.
Stand Mitte Januar 2021: Wir haben eine neue bedrohliche Lage!
Jetzt ist aber eine massiv bedrohliche Lage eingetreten, und jetzt ist er notwendig: der konzentrierte echte Lockdown inklusive Industriebetriebe, Büros, Ämter und Logistik. Dabei ist umfassend die Grundversorgung der Bevölkerung und die Funktionsfähigkeit des Gesundheitswesens zu gewährleisten. Undemokratische Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Bevölkerung sind abzulehnen. Elementare soziale Beziehungen und sportliche Betätigung der Masse der Bevölkerung müssen möglich sein.
In diesem Zusammenhang kritisieren wir die schleichende suggestive Veränderung des Lockdown-Begriffs. Das, was Kanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsident Markus Söder oder der SPD-Gesundheitsexperte Professor Karl Lauterbach jetzt als „notwendige Verschärfung“ fordern und planen, ist kein wirklicher Lockdown. Das Herunterfahren der Wirtschaft wird nur als „Homeoffice, wo immer es möglich ist“, diskutiert. Am Fließband sollen die Leute weiterarbeiten? Dazu von unserer Seite ein klares Nein! Bei einem konzentrierten kompletten Lockdown muss auch die Homeoffice-Arbeit ruhen.
Durch einen echten Lockdown werden die Familien sehr stark belastet werden. Den Eltern wie den Kindern kann und darf diese Zerreißprobe nicht zugemutet werden. Weitere schwerwiegende gesundheitliche, soziale und psychische Folgeschäden müssen verhindert werden.
Gerade gegenüber Kindern und Jugendlichen muss diese Zeit genutzt werden, dass die Kinder- und Schülerbetreuung in konstanten Klein- und Kleinstgruppen gewährleistet wird, gegebenenfalls mit zusätzlichen Neueinstellungen, Elternmithilfe und freiwilligen Helfern. Die Betreuung der Kinder und Jugendlichen darf nicht vollständig auf die Familien zurückgeworfen und Unterricht und Spielen mit Freunden total eingefroren werden. Wir sehen das auch als Chance zu einem nachhaltigen jugend- und schulpolitischen Neuanfang über die Pandemie hinaus – weg von überfüllten Klassen und Auslesemethoden!
Was bedeutet, jetzt konsequent zu handeln?
China und Neuseeland konnten mit konsequentem Herunterfahren von Wirtschaft und öffentlichem Leben die hohen Infektionszahlen Mitte 2020 gegen Null drücken. Ein konsequenter Lockdown muss gegen Staat und Monopole erkämpft werden, und zwar so, dass die Lasten nicht auf die Massen abgewälzt werden. Voller Lohnausgleich auf Kosten der Monopole! Keine Verrechnung von im Lockdown ausfallender Arbeitszeit mit dem Urlaub! Auch der Ausfall bei den kleinen und mittleren Selbstständigen muss vollständig, schnell und unbürokratisch erstattet werden – nicht mit zwei Monaten Verspätung und nur zu einem geringen Teil, wie jetzt die „Novemberhilfen“ der Regierung. Letztendlich sind die volkswirtschaftlichen Kosten des konsequenten Vorgehens viel niedriger als beim Schrecken ohne Ende im Kniefall vor den Konzernen.
Während dieser Maßnahme muss im höchstmöglichen Umfang die Impfstoffproduktion hochgefahren und die Bevölkerung geimpft werden. Und zwar in den bewährten Hausarztstrukturen und nicht in sinnlosen, teuren Impfzentren. Unter diesen Umständen könnte nach zwei bis drei Wochen wirklich wieder Schritt für Schritt und durch Massentests und Kontaktverfolgung flankiert hochgefahren werden.
Der Patentschutz für CoV-2-Impfstoffe muss umgehend aufgehoben werden, eine sofortige staatlich und international koordinierte Massenproduktion der besten Impfstoffe muss sofort organisiert und begonnen werden. Während der Biontec-Pfizer-Impfstoff noch ein „rohes Ei“ ist und eine aufwendige Logistik erfordert, können andere weniger sensible Impfstoffe einfacher in den Praxen niedergelassener Ärzte, bei Betriebsmedizinern und in Krankenhäusern zügig verimpft werden. Eine weitgehende Durchimpfung der Bevölkerung innerhalb von drei Monaten wäre damit möglich, auch zur Vermeidung des Auftretens und der Verbreitung weiterer aggressiver Mutationen von SARS-CoV-2!
Die Verteilung an arme Länder muss zügig weltweit angepackt werden. Nachdem alle imperialistischen Länder viel mehr Impfstoff-Dosen geordert haben, als sie insgesamt brauchen, sollen sie diese Impfstoffmengen umgehend und auf ihre Kosten weitergeben!
Breite Aufklärung und Überzeugungsarbeit zum Impfen – Impfpflicht für hochsensible Bereiche als letzte Möglichkeit
Nach einer Umfrage Ende Dezember wollen sich nur die Hälfte des medizinischen Personals impfen lassen. Die Gewerkschaft ver.di fordert dringend zur Impfung auf. Zur Verunsicherung der Leute hat das chaotische Krisenmanagement von Regierung und Robert-Koch-Institut (RKI) und die Zersetzungsarbeit der faschistischen Querfrontstrategen erheblich beigetragen. Ob man sich impfen lässt, ist auch eine Frage des Bewusstseins. Kein Streik, kein Arbeitskampf ist erfolgreich, wenn nicht jeder Einzelne das Ziel des gemeinsamen Kampfes zu seiner eigenen Sache macht. Keine Seuche der Geschichte konnte ohne einheitliche Massenanstrengung besiegt werden!
Wir als Autoren dieses Buches und die Medizinerplattform fordern gemeinsam mit vielen Gewerkschaftern, Medizinern und dem Internationalistischen Bündnis deshalb eine bewusstseinsbildende Aufklärungskampagne unter der gesamten Bevölkerung, besonders auch unter medizinischem Personal. Sie sind selbst mit am meisten gefährdet und tragen als Infizierte – was ja oft nicht sofort erkannt wird – auch zur Verbreitung bei. Befreit von der Impfpflicht werden natürlich alle, die medizinische Gegenanzeigen haben oder bereits Covid-19 hatten. Es ist erst knapp 45 Jahre her, dass der Bundestag am 12. Februar 1976 die Impfpflicht gegen Pocken aufgehoben hat. Damals konnte die Weltgesundheits-organisation (WHO) erklären, dass die Pocken ausgerottet sind.
Polarisierung: unvermeidlich und notwendig!
Der „Wirtschaftsweise“ der Monopolverbände, Michael Hüther, spricht von Kurzschluss-Panik und vertröstet darauf, dass wir „dauerhaft Coronatote haben werden“. Wie zynisch und menschenverachtend ist das! Das gibt dann bürgerlichen Politikern wie Christian Lindner (FDP) und auch faschistoiden Kräften wie Alice Weidel (AfD) Oberwasser, die ohnehin gegen konsequente Schutzmaßnahmen sind, nur noch „besonders vulnerable Gruppen“ wie Pflegeheimbewohner schützen wollen, das zerstörerische Potenzial dieser Pandemie verharmlosen und selbst keinerlei Konzept zur Krisenbewältigung haben.
Die Forderungen der Medizinerplattform, der Sofortprogramme von MLPD und REBELL sind weiterhin hochaktuell, um im gemeinsamen Kampf anhaltend wirksame Maßnahmen zum Gesundheitsschutz durchzusetzen, den Kampf um demokratische Rechte und Freiheiten und eine gesellschaftliche Zukunft zu entwickeln.
Dr. Günther Bittel • Dr. Willi Mast • Günter Wagner
COVID-19 –
neuartig, gefährlich, besiegbar!
3. Auflage, aktualisiert, erweitert
Januar 2021
Erstausgabe August 2020
© Verlag Neuer Weg
in der Mediengruppe Neuer Weg GmbH
Alte Bottroper Straße 42, 45356 Essen
Telefon +49-(0)-201-25915
Fax +49-(0)-201-6144462
www.neuerweg.de
Gestaltung: Fabio Biasio
Gesamtherstellung: Mediengruppe Neuer Weg GmbH
ISBN: 978-3-88021-582-5
E-Book ISBN: 978-3-88021-583-2
Dr. Günther Bittel • Dr. Willi Mast • Günter Wagner
COVID-19 –
neuartig, gefährlich,
besiegbar!

Inhaltsverzeichnis
Vorwort zur dritten Auflage
Vorwort zur ersten Auflage
1.Was ist Covid-19?
Wie die Pandemie begann
2.Virusnachweis mit PCR und Antigen-Schnelltest
Antikörper und Antikörper-Tests bei Covid-19
3.Blamable Bilanz des Robert-Koch-Instituts und der Bundesregierung
4.Wann und wo waren die Epizentren?
5.Coronaviren und SARS-CoV-2
6.Die Suche nach dem Zwischenwirt
7.Natürlicher oder künstlicher Ursprung von SARS-CoV-2?
8.Ein denkwürdiger Briefwechsel mit dem Robert-Koch-Institut
Covid-19-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen und die Auseinandersetzung um die Schul- und Jugendpolitik
9.Was macht CoV-2 so gefährlich?
10.Welche Besonderheiten zeigt das Immunsystem bei Covid-19?
11.Einige Überlegungen zur Immunisierung und zur Therapie
Ein hoffnungsvoller Therapieansatz: die photodynamische Therapie
12.Bei welchen Beschwerden sollte man an eine Covid-19-Infektion denken?
13.Der phasenhafte und wechselhafte Verlauf von Covid-19
•Infektion der Atemwege und akutes respiratorisches Distress-Syndrom (ARDS)
•Gefäß-Innenhaut-Entzündungen (Endothelitis) und Thrombosen
•Herzbeteiligung
•Nierenbeteiligung
•Beteiligung von Magen, Darm und Bauchspeicheldrüse
•Schädigung des Geruchs- und Geschmacksinns
•Beteiligung des zentralen Nervensystems
•Immunsystem
•Multiorganversagen
•Post-Covid-Syndrom
Welche Labordiagnostik sollte bei Verdacht auf Covid-19 durchgeführt werden?
14.Der ACE-2-Rezeptor, das RAAS, Sauerstoffradikale und Covid-19-Langzeitfolgen
15.Einige Konsequenzen für Diagnostik und Therapie von Covid-19
Die Bedeutung von Vitamin C und anderen Vitaminen, Mineralstoffen und pflanzlichen Heilstoffen
16.Was man vorbeugend gegen Covid-19 tun kann
17.Coronaleugner und neofaschistische Strategen mit dem irreführenden Namen „Querfront“: „Nur ein harmloser grippaler Infekt“?
Das neue Infektionsschutzgesetz
18.Wirksame und verträgliche Corona-Impfstoffe für alle!
19.„Corona-Krise“ und globale Umweltkatastrophe
20.Lehren für ein künftiges Krisenmanagement und die Perspektiven einer künftigen Medizin
21.Gefragt: ein dialektisches Modell von Covid-19
22.Covid-19 ist besiegbar!
23.Praktische Hinweise und Erläuterung von Fachbegriffen
24.Quellen und Belege
25.Machen Sie mit
Vorwort zur dritten Auflage
Aufgrund der großen Nachfrage und positiven Resonanz erscheint jetzt die dritte Auflage des Buchs. Als Autoren sehen wir uns bestätigt in dem Anliegen, angesichts einer verwirrenden Fülle von widersprüchlichen Informationen in den Medien, mit einem kurzen, wissenschaftlich fundierten und dennoch allgemeinverständlichen Handbuch zur Orientierung und kritischen Bewusstseinsbildung beizutragen. An dieser Stelle herzlichen Dank an alle, die mit ihren vielfältigen Beiträgen zu dem Erkenntnisfortschritt beigetragen haben.
Alle wesentlichen Aussagen haben sich seit dem Erscheinen im August 2020 voll und ganz bestätigt. Inzwischen hat sich – wie bei dem kritikwürdigen Krisenmanagement zu erwarten – in Europa eine zweite Welle der Pandemie herausgebildet, mit einem bislang noch weitgehend unkontrollierten Verlauf. Die Hoffnungen, dass es mit der Ausbreitung der Pandemie zu einer „Herdenimmunität“ kommt, haben sich zerschlagen. Das lässt sich anhand des Pandemie-Verlaufs in Schweden belegen. Ebenso anhand einer Untersuchung in der brasilianischen Provinz Manaus. Aufgrund fehlender Schutzmaßnahmen breitete sich dort Covid-19 ungebremst aus, sodass Antikörper im Sommer bereits bei über 60 Prozent der Bevölkerung nachzuweisen waren. Im Folgenden sank die Zahl der Menschen mit nachweisbarem Antikörper-Titer wieder ab, während die Sterblichkeit weiter ansteigt. Das bestätigt unsere Aussagen über das längerfristige tödliche Potenzial dieser Infektion, die oft ein geschwächtes Immunsystem hinterlässt.1
Bestätigt wurden auch Aussagen zur Bedeutung der Viruslast: Die Quantität der aufgenommen Viren entscheidet wesentlich darüber, ob das angeborene Immunsystem das Virus abwehren kann oder ob eine Infektion zustande kommt. Eine Konsequenz ist, neben den „AHA-Regeln“ durch häufiges Lüften und den Einsatz von Luftreinigungsgeräten in Innenräumen die Viruslast zu minimieren.
Europa wurde wieder zu einem Epizentrum der Pandemie, kurz vor Weihnachten 2020 riegelte die EU Großbritannien vom Kontinent ab – weil dort eine mutierte Virusvariante aufgetaucht ist, die 70 Prozent mehr Infektiosität aufweist als der bisherige Stamm. Auch in Südafrika tauchten Mutationen auf. Die Behandlungskapazitäten der Kliniken sind an ihre Grenzen geraten – Triage für Covid-19-Patienten droht nun auch in Deutschland. In anderen Ländern ist sie schon länger traurige Realität!
Vielfach wurde behauptet, „die Virologen“ bestimmten das Geschehen beziehungsweise das Krisenmanagement. In Wirklichkeit bestimmte „die Wirtschaft“- genauer gesagt die großen Unternehmerverbände – den Takt. Noch am 11. Dezember 2020 äußerte der Chef der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeber (BDA), Rainer Dulger: „Wenn schärfere Maßnahmen geplant werden, sollten wir vor allem über die Zeit nach Feierabend reden, also beispielsweise private Feiern.“2
In sämtlichen Maßnahmenkatalogen der Regierung wurden die kleinen Betriebe der Einzelhandelsgeschäfte, Gastronomen, der Kulturschaffenden etc. hart getroffen. Die großen Konzerne wurden allenfalls höflich gebeten, angemessene Arbeitsschutzmaßnahmen durchzuführen. Das unterblieb aber vielfach! Zahlreiche – den Autoren bekannte – Betriebsangehörige von Firmen wie Daimler, VW, Opel, Amazon3 und anderen mussten erst heftige Diskussionen, kämpferische Pausenversammlungen oder gar Streiks durchführen, um ein Minimum an Schutzmaßnahmen zu erreichen. Dafür sind interessante Forderungskataloge aufgestellt worden, die hohe Kompetenz zum Ausdruck brachten und wirksam waren, sofern sie Beachtung fanden. Dort, wo dies nicht der Fall war, gab es betriebliche Inzidenzwerte bis zu 3000. Vonseiten der Medien wurde darüber allerdings nie berichtet.
Sehr bedeutsam sind auch die länderübergreifenden Kontakte aus diesen Belegschaften. Sie waren teilweise aus einer Internationalen Automobilarbeiter-Konferenz im Januar 2020 in Südafrika entstanden. Jetzt bewährten sie sich im Meinungs- und Erfahrungsaustausch bis hin zur Koordinierung kämpferischer Aktivitäten wie am 1. Mai 2020. Dabei wurde in mehreren Ländern wie in Italien, Griechenland, Deutschland, den Niederlanden oder auf den Philippinen praktisch bewiesen, dass es möglich ist, Corona-gerecht Demonstrationen und Kundgebungen durchzuführen – ganz im Gegensatz zu den verantwortungslosen Aktivitäten der „Corona-Leugner“.
Zur Verwirrung vieler Menschen tragen aktuell Corona-Leugner und Corona-Skeptiker aller Couleur bei – von Impfgegnern, Esoterikern bis zu AfD und faschistischen Kräften, die mit ihrer „Querfront-Strategie“ ganz gezielt versuchen, sich als Wortführer der Kritik an der Coronapolitik der Regierung aufzubauen. Wir bezeichnen sie bewusst als neofaschistisch, da sie an der faschistischen Tradition anknüpfen, sich Fragmente der fortschrittlichen Bewegung auf die Fahnen schreiben, um Einfluss zu gewinnen. So inszenieren sie sich als Kämpfer für demokratische Rechte und Freiheiten. In Wirklichkeit betreiben sie verantwortungslose, ja lebensgefährliche Desinformation, missbrauchen ehrlich besorgte Demonstrantinnen und Demonstranten und nutzen die demokratischen Rechte für ihre hasserfüllte, unsachliche und irreführende Öffentlichkeitsarbeit. Befördert wird das durch eine breite mediale Berichterstattung und durch Toleranz des Staatsapparats gegenüber offenkundigen Provokationen und Verstößen gegen den Gesundheitsschutz.
Befördert wird das aber auch durch fragwürdige Stellungnahmen von prominenten Medizinern, die ungeachtet der wissenschaftlichen Erkenntnisse einen pragmatischen Strategiewechsel der „Anpassung an begrenzte Ressourcen“ empfehlen, die Tests begrenzen und die Kontaktverfolgung aufgeben wollen. Auf einen konsequenten Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Virus soll ganz verzichtet werden. Hier reihen sich zum Teil auch „linke Kritiker“ ein. Wir haben aufgrund der weltanschaulichen und politischen Verwirrung entsprechende Ergänzungen vorgenommen. Aktuelle Ergänzungen wurden auch aufgrund der erfolgreichen Entwicklung von Impfstoffen notwendig. Sie sind Ausdruck einer rasanten Entwicklung der modernen Biotechnologie und Produktivkräfte, die ein wichtiger Schlüssel sein werden, um diese gefährliche Pandemie zu besiegen. Die Impfstoff-Forschung zeigt aber auch, dass ein gesamtgesellschaftlicher Paradigmenwechsel erforderlich ist, damit künftig alle Menschen weltweit Zugang zu wirksamen Medikamenten und Impfstoffen haben – entgegen einer aggressiven Konkurrenz von internationalen Konzernen und imperialistischen Regierungen um Märkte und wirtschaftliche und politische Einflussgebiete.
Kritikwürdig erscheint uns, dass in der Pandemiebekämpfung immer stärker uniformierte Bundeswehrsoldaten als „Rettung in der Not“ in die Gesundheitsämter einquartiert werden – anstatt zahlreiche Studierende oder auch pensionierte Fachkräfte in Medizin, Verwaltung und Pädagogik dafür zu gewinnen. Zivile Aufgaben müssen von zivilen Fachkräften erfüllt werden! Freiwillige gibt es genug, wenn sie nur angesprochen, gewonnen und gegebenenfalls auch angemessen entlohnt werden.
Auf der ganzen Welt ruft diese krisenhafte Entwicklung mit der Durchdringung von Weltwirtschafts- und Finanzkrise, Umweltkrise, Gesundheitskrise, sozialen und politischen Krisen vielfältigen Widerstand hervor – gegen Massenentlassungen, gegen den Abbau von sozialen und politischen Rechten und gegen Unterdrückungsmaßnahmen unter dem Vorwand des Gesundheitsschutzes.
Umso wichtiger erscheinen uns der Austausch, die Koordination und der Zusammenschluss von fortschrittlichen Bewegungen, Selbstorganisationen und revolutionären Kräften über Ländergrenzen hinweg. Wir freuen uns über den Vertrauensbeweis, dass wir zu mehreren länderübergreifenden Webinaren als Referenten eingeladen wurden und Beiträge zur Aufklärung, zur Selbst-organisation und Selbsthilfe leisten konnten. In diesem Sinn geht auch unsere Einladung und Aufforderung an alle Leserinnen und Leser, zur Verbreitung des Buchs, zur Stärkung dieser Bewegung und des Internationalistischen Bündnisses und seiner verschiedenen Plattformen beizutragen. Wie bereits bei der ersten Auflage hat unser junger ärztlicher Kollege Olaf Klug durch seine kompetente Recherchen in der internationalen Fachliteratur wichtige Beiträge für dieses Buch geleistet. Dafür ganz herzlichen Dank! Günter Wagner konnte als Mitautor gewonnen werden, er hat besonders bei einer großen Anzahl von Covid-19-Patienten in seiner Hausarztpraxis eine sehr engagierte Arbeit geleistet und viele Erfahrungen beigesteuert. Ein besonderer Dank gilt auch Dr. rer. nat. Detlef Rohm für seine kompetente Unterstützung bei der Überarbeitung des Impfstoff- und Umweltkapitels und Monika Gärtner-Engel für die kritische Durchsicht, Ermutigung und wesentliche Impulse.
Dezember 2020
Dr. Günther Bittel, Dr. Willi Mast, Günter Wagner
Vorwort zur ersten Auflage
Dieses Buch entstand aus der Zusammenarbeit zunächst von uns als Allgemeinmedizinern. Wir waren – wie viele andere Ärzte auch – in unserer praktischen täglichen Arbeit mit der neuartigen Krankheit Covid-19 konfrontiert, mit einer Reihe von Covid-19-verdächtigen, stark verunsicherten Patienten, über Wochen hinweg auch mit einem katastrophalen Mangel an Schutzausrüstung. Stark belastend waren ebenfalls die oft fragwürdigen, verwirrenden und oft widersprüchlichen offiziellen Informationen über die Covid-19-Pandemie. Das hat uns veranlasst, enger zusammenzuarbeiten, selbständig zu recherchieren und uns zu beraten.
Daraus entwickelte sich ein fruchtbarer Austausch: mit einem wachsenden Kreis von Medizinern und anderen Beschäftigten des Gesundheitswesens; mit Biologen, Psychologen und anderen Fachleuten – vor allem auch Kolleginnen und Kollegen aus dem Internationalistischen Bündnis4. In Betrieben, Wohngebieten, Schulen, Unis und auch in ihren Familien leisteten und leisten sie wertvolle Aufklärungsarbeit. Und sie setzten und setzen notwendige Gesundheitsschutzmaßnahmen durch. Ein engerer Kreis von Medizinern entschloss sich darauf aufbauend zur Gründung einer Medizinerplattform im Internationalistischen Bündnis und zu der Herausgabe von regelmäßigen Corona-Info-Mails.5 In dieser Reihe erschienen bis Juli 2020 21 Info-Mails. Diese sollen der Orientierung und dem Austausch dienen – mit Hintergrund-Analysen, Artikeln, Stellungnahmen und Kurzinformationen.
Wir haben die Medizinerplattform bewusst im Rahmen des Internationalistischen Bündnisses gegen Rechtsentwicklung, Faschismus und Krieg (www.inter-buendnis.de) konstituiert – aus der Erkenntnis, dass der Kampf gegen die Covid-19-Pandemie nicht gewonnen werden kann ohne weitreichende gesellschaftliche Veränderungen und einen internationalen Zusammenschluss. Hat doch gerade die Corona-Pandemie gezeigt, dass privatisierte und profitorientierte Gesundheitssysteme in aller Welt wesentlich zum Desaster beitrugen. Hunderttausende Tote gehen auf ihr Konto! Dabei gibt es atemberaubende Fortschritte in der Medizin und einschlägige gesellschaftliche Erfahrungen, wie Pandemien bekämpft werden könnten. Das Gesundheitswesen auf der ganzen Welt muss demokratisiert und revolutioniert werden. Das wird nur möglich sein in demokratisierten und revolutionierten gesellschaftlichen Verhältnissen!
Erste Früchte trägt die Entwicklung internationaler Kontakte. Unter anderem hatten wir einen direkten Austausch mit engagierten Kolleginnen und Kollegen/Freundinnen und Freunden in Afghanistan, in Italien, in Bangladesch, in Sri Lanka, Indien und Südafrika, die ebenfalls nach Orientierung und Zusammenarbeit in der Corona-Krise suchen.
Aus der intensiven Recherche-Arbeit und der schöpferischen Beratung mit einer wachsenden Zahl von Mitstreiterinnen und Mitstreitern ergaben sich wichtige Erkenntnisse und Prognosen, von denen sich viele bereits bestätigt haben. Dafür gilt allen Beteiligten unser Dank!
In der Flut von Pressekonferenzen, pseudowissenschaftlichen Darlegungen des Robert-Koch-Instituts (RKI), einander widersprechenden wissenschaftlichen Einschätzungen und einem untauglichen Krisenmanagement der Bundesregierung erwuchs das Bedürfnis nach einer wissenschaftlichen Zusammenfassung des bisherigen Erkenntnisfortschritts, aber auch der offenen Fragen und notwendigen Forderungen in allgemein verständlicher Form. Dazu will dieses Buch einen Beitrag leisten.
Es soll Klarheit schaffen über Zusammenhänge und Hintergründe der Covid-19-Pandemie und über Möglichkeiten zur Prävention und Therapie – als Voraussetzung für einen Sieg über Covid-19. Es soll bewusstseinsbildend wirken und dazu anregen, selbst aktiv zu werden und sich zu organisieren. Zweifellos dokumentiert diese erste Auflage noch keine vollständige Kenntnis der Krankheit. Dennoch ist der Erkenntnisfortschritt heute schon bemerkenswert. Er soll mit diesem Buch zur Diskussion gestellt und gegebenenfalls in weiteren Auflagen weiter ausgebaut werden.
August 2020
Dr. Günther Bittel, Dr. Willi Mast
Anmerkung: Einige spezielle und für den Laien schwerer verständliche Passagen haben wir in kleinerem Schriftbild wiedergegeben. Allen Aussagen dieses Buchs liegen neben den genannten Quellen zahlreiche weitere wissenschaftliche Publikationen zugrunde, die im Anhang noch einmal aufgelistet sind.
1. Was ist Covid-19?
Covid-19 steht für die 2019 aufgetretene „Corona Virus Disease“ (Corona-Virus-Erkrankung). Das neue Virus heißt SARS-CoV-2 (abgekürzt CoV-2). SARS bedeutet Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom. Es ist eine schwere, oft tödlich verlaufende, fieberhafte Lungenentzündung, die erstmals 2003 in Asien auftrat und auch durch ein damals neues Corona-Virus (CoV-1) hervorgerufen wurde. Als Ende 2019 in Wuhan zahlreiche Menschen an einer schweren fieberhaften Lungenentzündung erkrankten, dachte man zunächst an einen Neuausbruch von SARS-CoV-1. Rasch stellte sich aber heraus, dass es sich hier um ein bisher unbekanntes Corona-Virus handelte, deshalb die Bezeichnung SARS-CoV-2 für das neue Virus.
Das Virus mutiert (ändert sein Erbgut) relativ rasch: Die derzeit weltweit vorherrschende Variante D614G stammt aus Europa, ist nach aktuellen Erkenntnissen ansteckender als das Ursprungsvirus aus China, aber genauso pathogen6. In Labortests war die Fähigkeit, menschliche Zellen zu befallen, bis zu sechsmal höher.7 Die Mutation B117 mit 50 bis 70 Prozent höherer Infektiosität breitet sich seit Dezember 2020 in Europa aus.
Wie die Pandemie begann
Am 30. Dezember 2019 informierte der chinesische Augenarzt Li Wenliang seine Arbeitskollegen über das gehäufte Auftreten von Lungenentzündungen, ähnlich denen bei der SARS-Epidemie 2003. Zu diesem Zeitpunkt wurden in Wuhan bereits sieben Patienten mit SARS-CoV-2 intensivmedizinisch behandelt. Li informierte seine Kollegen und empfahl die Durchführung von entsprechenden Schutzmaßnahmen. Kurz darauf musste er bei den Behörden vorstellig werden und wurde verwarnt. „Wir wünschen, dass Sie sich beruhigen und sorgfältig nachdenken und möchten Sie ernsthaft warnen … Wenn Sie weiter halsstarrig bleiben und mit diesen illegalen Aktivitäten fortfahren, werden Sie strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen …“ – heißt es in dem Schreiben, das er unterzeichnen musste. Ende Januar 2020 veröffentlichte er dieses Schreiben auf der Internet-Plattform Weibo, was eine Solidaritätswelle auslöste. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Behörden bei dem „Whistleblower“ bereits öffentlich entschuldigt.8 Am 7. Februar 2020 erlag der 33-jährige Li Wenliang dann selbst SARS-CoV-2. In China löste dies breite Trauer und einen Sturm der Empörung aus. Internet-Blogs zitierten Li: „Wir wissen, dass sie lügen; sie wissen, dass wir wissen, dass sie lügen; und trotzdem lügen sie weiter … Eine Gesellschaft sollte nicht nur eine Stimme haben.“9
Diese Vorgänge sollten wir immer in Erinnerung behalten, wenn sich China als der große Helfer und Berater in der Bekämpfung der Krankheit darstellt und teils auch so empfunden wird. Statt Unterdrückung der Erkenntnisse von Dr. Li Wenliang hätte die Volksrepublik China (die nach unserer Ansicht schon lange keine wirkliche Volksrepublik mehr ist) sofort die WHO und die Welt-öffentlichkeit informieren müssen.
Die ersten schwer Erkrankten verstarben an einem Lungenversagen (ARDS – Acute Respiratory Distress Syndrom), welches intensivmedizinisch und mit maschineller Beatmung behandelt werden muss. Intensivmediziner bemerkten rasch, dass es hier wesentliche und dramatische Abweichungen vom bisherigen Krankheitsbild des ARDS gab, die nach Möglichkeit nichtinvasive Beatmungsverfahren erforderten. Eine Studie an 10 000 Covid-19-Patienten in deutschen Krankenhäusern ergab inzwischen, dass knapp 20 Prozent von ihnen verstarben, bei 1700 Patienten (17 Prozent) wurde eine Beatmung notwendig, aus dieser Gruppe verstarben 53 Prozent. Männer hatten ein höheres Risiko, ebenso war die Zahl der Diabetiker und Patienten mit Übergewicht und Herzrhythmusstörung mehr von einem tödlichen Verlauf betroffen.10
Aufgrund der – mit der hohen Ansteckungsgefahr begründeten, aber wissenschaftlich unsinnigen – Empfehlung, auf Obduktionen von Covid-Patienten zu verzichten (in der BRD bis Anfang April 2020), legten Mediziner ihr Augenmerk zunächst einseitig auf die Lunge. Dass auch andere Organe betroffen sind, wurde im Westen viel zu spät bekannt – vor allem, weil wichtige internationale wissenschaftliche Erkenntnisse und Publikationen, insbesondere aus der VR China, vom staatlichen deutschen Robert-Koch-Institut lange Zeit ignoriert wurden.
Inzwischen wurden in großer Zahl Sektionen an verstorbenen Covid-19-Patienten durchgeführt. Mitte August trat der Berufsverband Deutscher Pathologen an die Öffentlichkeit und belegte Covid-19 als Multiorganerkrankung auch durch die Sektionsbefunde. Bei einem Drittel der obduzierten Covid-19-Patienten war auch das Gehirn befallen. In mehr als 75 Prozent war Covid-19 die wesentliche oder alleinige Todesursache.11 Das RKI benennt in seiner Statistik die Zahl der „an oder mit Covid-19 Verstorbenen“. Corona-Leugner behaupten unbelehrbar, kein Mensch würde an Covid-19 sterben, sondern es läge eine anderweitige Todesursache vor, die die Betroffenen auch so in Bälde ereilt hätte. Diese Falschbehauptung ist durch die Sektionsergebnisse widerlegt und muss heute als böswillige Lüge eingestuft werden.
Die zweite große Unbekannte besteht darin, ob Wuhan tatsächlich der Ursprungsort des Ausbruchs der Krankheit ist (siehe Abschnitt 4: „Wann und wo waren bisher Epizentren?“)
Die erste positiv getestete Person außerhalb Chinas wurde am 21. Januar 2020 in den USA registriert, in Frankreich am 24. Januar 2020. Nach einer etwa einmonatigen Frist kam es dann jeweils zu den ersten Todesfällen. Getestet wurde mit der PCR-Methode – dem Nasen-Rachenabstrich auf entsprechendes Genmaterial des neuen Virus.12
2. Virusnachweis mit PCR und Antigen-Schnelltest
Ein Virus ist im Prinzip ein Stück Erbgut, in einer Kapsel verpackt, mit dem Potenzial, lebende Zellen eines Wirtsorganismus zu befallen und sich in diesen zu vermehren. Im Gegensatz zu anderen Krankheitserregern (Bakterien, Parasiten) sind Viren so klein, dass sie nur im Elektronenmikroskop zu erkennen sind. Der sichere Nachweis erfolgt über die PCR (Polymerase-Kettenreaktion, Polymerase Chain Reaction): Dabei werden die Spuren von genetischem Material so lange kopiert, bis sie im Labor nachweisbar sind. Diese Methode kann aber nicht unterscheiden, ob es sich noch um „lebende“, also vermehrungsfähige Erreger handelt oder um abgestorbene Reste. Aus Krimis kennen wir diese Methode als „DNA-bzw. RNA-Nachweis“.
Bei den Viren gibt es Familien mit DNS (Desoxyribonukleinsäure, englisch DNA) als Erbgut, andere mit RNS (Ribonukleinsäuren) als Erbgut. Zu letzteren gehören die Coronaviren.
Bei Verdacht auf Covid-19 wird das Material durch einen Abstrich von der Schleimhaut der Nase und des hinteren Rachens gewonnen. Dieser kann durch den geöffneten Mund oder durch die Nase erreicht werden. Mit neuester Technik kann der Nachweis charakteristischer Teile des Erbguts von CoV-2 innerhalb von nur 16 Minuten erfolgen. Inzwischen wurden bereits Labor-Vollautomaten für diese Untersuchung entwickelt. Bereits im Mai 2020 war in Deutschland die Kapazität der Labore für diesen Test bei 840 000 pro Woche, durchgeführt wurden zu diesem Zeitpunkt lediglich etwas über 330 000 Untersuchungen.13 Das vorhandene Test-Potenzial wurde nie ausgeschöpft! Im Gegenteil! Ab dem 9. November 2020 wurden die wöchentlichen Tests um fast 300 000 reduziert und erst ab dem 7. Dezember wieder um 150 000 auf 1,45 Millionen erhöht. Seit dem 16. November 2020 beträgt die wöchentliche Testkapazität über 2 Millionen.
PCR-Tests auf CoV-2 in Deutschland – Anzahl und Ergebnisse
| 1. 3. 2020 – 31 5. 2020 | (90 Tage) | 4 368 709 Tests | davon 4,2 Prozent positiv |
| 1. 6. 2020 – 31. 8. 2020 | (90 Tage) | 8 014 305 Tests | davon 0,78 Prozent positiv |
| 1. 9. 2020 – 1. 12. 2020 | (90 Tage) | 16 758 158 Tests | davon 5,51 Prozent positiv |
Bewertung von PCR-Tests auf CoV-2
In der Medizin wird die Bezeichnung „falsch positiv“ für ein Testergebnis verwendet, welches einen Erreger anzeigt, obwohl er gar nicht vorliegt. Gesunde würden dadurch irreführend als krank erklärt. Die Treffsicherheit, dass nur Virusträger als positiv bezeichnet werden, nennt man „Spezifität“.
Der Begriff „falsch negativ“ bedeutet, dass trotz Anwesenheit von Virusmaterial dieses nicht angezeigt wird. Virusträger würden in diesem Fall übersehen. Die Qualität eines Tests diesbezüglich wird als „Sensitivität“ bezeichnet. Die Sensitivität der oben genannten PCR-Tests wird statistisch mit 99,9 Prozent angegeben. Dabei werden allerdings auch Virusreste erfasst, ohne dass die Infektion angegangen ist.
Ein Problem ist, dass viele Abstriche in Testzentren falsch durchgeführt wurden, zum Beispiel nur durch oberflächliches Abwischen der Wangenschleimhaut. Das erklärt eine hohe Zahl falsch negativer Tests.
Zu Unrecht wird die Aussagekraft der PCR-Methode von verschiedenen „Corona-Skeptikern“ grundsätzlich angezweifelt. Seit vielen Jahren ist der PCR-Nachweis von Virusmaterial in der Medizin allgemein anerkannt. Unterschiede in der Qualität bzw. Spezifität ergeben sich aus den Gen-Abschnitten, die dabei nachgewiesen werden. Der erste von Prof. Drosten u.a. entwickelte und in Deutschland zugelassene RNA-PCR-Nachweis von Covid-19 stützte sich auf die von chinesischen Wissenschaftlern übermittelte Gensequenzen und wurde seither noch verbessert. Zertifizierte Labors testen gegen mindestens zwei verschiedene SARS-CoV-2-spezifische Epitope (Genabschnitte). Wenn bei dieser „Dual Target“-Technik nicht alle Epitope positiv reagieren, darf der Test nicht als positiv bewertet werden. Die Spezifität liegt bei den in Deutschland zugelassenen PCR-Tests bei 99,99 Prozent. Bei 10 000 Tests ist also ein Test falsch positiv. Nach dem ersten Etappensieg in Neuseeland über die Pandemie wurden auch Tausende von Tests durchgeführt ohne ein einziges positives Ergebnis. Je nach den in anderen Ländern verwendeten Gensequenzen und der Kompetenz und Sorgfalt der Großlabors kann die Spezifität zum Teil auch geringer sein. Das muss dringend geändert und bei der Beurteilung der internationalen Pandemie-Entwicklung berücksichtigt werden! Eine Testung in einem bayrischen Großlabor erbrachte falsch positive Ergebnisse, weil falsche Reagenzien verwendet wurden. Der Fall schlug Wellen, weil Profi-Fußballer betroffen waren14 – kein Laborverfahren dieser Welt ist absolut sicher und Großlabors werden heute oft im Rahmen kapitalistischer Konzerne betrieben.
Bei einem PCR Abstrich gibt das Labor zwei Werte an. Der eine Wert ist ein qualitativer Wert: negativ oder positiv. Bei einem positiven Ergebnis gibt das Labor den Ct-Wert an. Dieser wird als Maß herangezogen für die tatsächlich vorhandene Menge an Virus RNA (Erbgut des Virus). Das Erbgut wird so lange vervielfältigt, bis ein Messsignal gefunden werden kann. Je mehr dieser Schritte zur Vervielfältigung für ein positives Testergebnis nötig sind, desto geringer war die Menge an Virusmaterial in der Ausgangsprobe – und natürlich auch umgekehrt, je weniger Schritte nötig sind, desto höher war die Virusmenge in der Probe. Damit gibt der Ct-Wert Aufschluss über die Menge an Virusmaterial und damit Hinweise auf die Infektionsität des Infizierten. Der PCR-Test weist immer nur Virusmaterial nach, beweist also nur eine Infektion, nicht eine Erkrankung. Er muss deshalb immer im Zusammenhang mit dem individuellen Krankheitsbild interpretiert werden. Den PCR-Nachweis grundsätzlich infrage zu stellen, ist Ausdruck einer medizinischen Inkompetenz oder bewußten Desinformation. Letztlich würde damit einem wesentlichen Teil der modernen mikrobiologischen Labor-Diagnostik der Boden entzogen.
Covid-19-Schnell-Test
Inzwischen sind Schnell-Tests zu akzeptablen Preisen unter acht Euro auf dem Markt. Sie erlauben es, dass das Ergebnis des Abstrichs bereits nach 15 Minuten abgelesen werden kann. Die Sensibilität dieser Tests ist allerdings zum Teil noch verbesserungswürdig und noch nicht gleichwertig mit den PCR-Tests. Insbesondere am Beginn und Ende der infektiösen Phase können falsch negative Befunde auftreten. Gleichwohl haben die Schnelltests schon sehr wertvolle Möglichkeiten eröffnet. So konnte die Tübinger Notärztin Lisa Federle mit ihrem engagierten, vielfach ehrenamtlichen und tatkräftigen Einsatz für die massenhafte Testung mithilfe der Schnelltests nicht nur die Inzidenz in Alten- und Pflegeheimen deutlich senken, sondern auch eine landesweit verstärkte Nutzung erreichen.15
Vorteile der Schnelltests:
•Massenhaftes Screening der Bevölkerung zu akzeptablen Preisen
•Möglichst rasch vorliegendes Ergebnis gibt Klarheit über Entscheidung zur Quarantäne
•Zur Absicherung bei positivem Befund oder bei dringendem Verdacht kann der PCR-Test zusätzlich Klarheit bringen
•Unverzichtbar, um eine unkontrollierte Covid-Ausbreitung in den Griff zu bekommen!
Antikörper und Antikörper-Tests bei Covid-19
Unser Immunsystem bildet spezifische Antikörper gegen Krankheitserreger, sobald spezielle Zellen des Immunsystems mit ihnen Kontakt aufgenommen haben. Antikörper sind dann eine gezielte Waffe, um diese Erreger zu zerstören. Sie gehören zur Klasse der Immunglobuline (Ig), die von bestimmten Immunzellen produziert werden.
Antikörper-Tests weisen verschiedene Immunglobulin-Klassen nach – IgA, IgG, IgM –, die zeitlich versetzt auftreten. In der Frühphase einer Infektion tauchen zunächst IgM, dann IgA auf und verschwinden relativ rasch wieder. IgG erscheint später, bleibt aber länger bestehen – als Ausdruck einer länger anhaltenden Immunität nach Überstehen der Infektion. Auffällig und besorgniserregend ist bei Covid-19, dass auch IgG-Antikörper in den meisten Studien nur zeitlich begrenzt nachzuweisen sind.
Gegen SARS-CoV-2 wurden in einem Wettlauf von Herstellern Dutzende verschiedener Antikörper-Tests entwickelt. Sie sind aber bisher ungenügend validiert und es ist bis heute nicht endgültig geklärt, wie spezifisch diese Tests eine Infektion mit CoV-2 anzeigen und wie häufig auch die Infektion mit früheren Corona-Viren zu falschen Ergebnissen führt. Eine Optimierung und dann breite Anwendung der Antikörpertests sind deshalb dringend nötig – und in kompetenten Labors schon erfolgt. Die aktuelle Einschränkung, dass die Antikörperbestimmung nur in der zweiten Woche eines akuten Infektionsgeschehens Kassenleistung ist, muss unbedingt aufgehoben werden. Die Antikörperspiegel sind auch unerlässlich für die Verlaufskontrolle der Impfungen!
Zur Erfassung der zellulären Immunität wurden inzwischen auch CoV-2-spezifische Lymphozyten-Transformationstests (LTT) entwickelt, die wichtige zusätzliche Informationen geben über die Immunität gegen den Erreger.16
Eine im Juli 2020 als Preprint veröffentlichte Untersuchung des Lübecker Gesundheitsamts fand bei 30 Prozent von 110 Corona-Infizierten mit allenfalls mäßigen Covid-19-Symptomen keine Antikörper. Und im Fachblatt „Nature Medicine“ berichten Forscher aus China Anfang Juli, dass bei Infizierten ohne Symptome die Antikörperkonzentration im Blut bereits nach kurzer Zeit deutlich sank.17 Das weist gleich auf eine doppelte Problematik hin: Nicht jeder Infizierte kann im Nachhinein durch Antikörper-Tests erfasst werden. Und: Die anfängliche Hoffnung auf anhaltende Immunität nach einer Covid-19-Infektion ist trügerisch – es ist fraglich, ob nach einmaliger Infektion IgG-Antikörper bei erneutem Kontakt wieder in ausreichender Höhe nachgebildet werden.
Unverständlich und inakzeptabel ist deswegen auch, dass es hierzulande von offizieller Seite aus wenig Interesse gibt, die örtliche und zeitliche Ausbreitung der Pandemie und die Immunitätslage durch breit angelegte und optimierte Antikörpertests in Verlaufsuntersuchungen exakt zu erfassen. So gibt es bis heute (Dezember 2020) keine verlässlichen Zahlen über die wirkliche Verbreitung der Virusinfektion – die „Dunkelziffer“ der unerkannt Infizierten bleibt weiter im Dunkeln! Ebenso der Antikörperverlauf über eine längere Zeit bei den CoV-2-Infizierten. Die Aufklärung der Dunkelziffer wäre aber Voraussetzung, um den Anteil von schweren und auch tödlichen Verläufen richtig einzuschätzen und um die Gefahr der Infektion durch symptomlose Virusträger zu erfassen. Auch die zentrale Frage, welche Antikörper effektiv vor einer Zweitinfektion schützen, ist bis heute nicht geklärt.
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