Kitabı oku: «Stoffwechselstörung HPU»
Dr. Tina Maria Ritter
Dr. Liutgard Baumeister-Jesch
Stoffwechselstörung HPU
Diagnose, Vitalstoffe und Entgiftung
bei Hämopyrrollaktamurie
Für Patienten und Therapeuten

VAK Verlags GmbH Kirchzarten bei Freiburg
Hinweise des Verlags
Inhalt
Vorwort von Dr. Joachim Mutter
Einführung: Warum uns die HPU so wichtig ist
Kapitel 1: HPU – Charakteristika, Diagnostik und Therapie
Biochemischer Hintergrund
Abgrenzung der HPU zur KPU
HPU oder KPU? – Irrungen und Wirrungen
Abgrenzung der HPU zur Porphyrie
Diagnostik der HPU
Körperzeichen und Symptome der HPU
Häufige Persönlichkeitsmerkmale von HPU-Patienten
Therapie der HPU
Kapitel 2: HPU – Ursache einer Entgiftungsstörung
Körpereigene Entgiftung – das Prinzip der Selbstreinigung
Beeinträchtigung der Entgiftungsfähigkeit durch HPU
Interview mit Dr. Joachim Mutter
Kapitel 3: HPU und Mikronährstoffe
Vitamin B6
Zink
Mangan
Interview mit dem Mikronährstoffexperten Uwe Gröber
Checkliste: Mikronährstoffe in der HPU-Therapie
Kapitel 4: Mit HPU assoziierte Erkrankungen und Beschwerden
Schilddrüsenstörungen
Interview mit Dr. John Kamsteeg
Nebennierenschwäche
Verdauungsprobleme und Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Histamin-Intoleranz
Fructose-Malabsorption
Gluten-Unverträglichkeit
Laktose-Intoleranz und Casein-Unverträglichkeit
Floraveränderungen
Nahrungsmittelunverträglichkeiten und ADHS/Autismus
Pellagra
Menstruation, Fruchtbarkeit, Schwangerschaft
Infektionen
Halswirbelsäulentraumata
Probleme im Bereich der Zähne
Schlafstörungen
HPU und Medikamente/Chemikalien
Kapitel 5: HPU und die Psyche
HPU in der psychotherapeutischen Praxis
Wechselwirkungen zwischen Mikronährstoffdefiziten, organischen Störungen und psychischem Befinden
Kapitel 6: HPU und Mitochondriopathie
Kapitel 7: Umgang mit HPU im Alltag
Elektrosmog
Impfungen und ihre Risiken
Ernährung
Schlusswort
Anhang
Verzeichnis der Fachbegriffe
Verzeichnis der Abkürzungen
Literaturverzeichnis
Bildquellenverzeichnis
Informationen zu Bezugsquellen
Über die Autorinnen
Vorwort
Es freut mich sehr, für dieses außergewöhnliche Buch ein Vorwort schreiben zu dürfen. Tatsächlich kann die Hämopyrrollaktamurie (HPU) – wie die beiden Autorinnen hier ausführen – die Ursache für viele Krankheiten und Beschwerden sein, mit denen unser Gesundheitssystem heute konfrontiert ist.
Die Stoffwechselstörung HPU blockiert über mehrere Mechanismen zentrale Lebensvorgänge in unseren Zellen und somit in unseren Organen. Zunehmend wird (an)erkannt, dass den meisten chronischen Krankheiten – und das sind über 80 Prozent aller Krankheiten in den „zivilisierten“ Ländern – eine Belastung mit schädigenden Faktoren wie Giften oder künstlichen Strahlungen (zusammen mit Vitalstoffmängeln) zugrunde liegt. Zahlreiche chronische Krankheiten kann man effektiv behandeln, wenn Gifte aus dem Körper entfernt und gleichzeitig über eine qualitativ hochwertige, möglichst frische Nahrung sowie mit Nahrungsergänzungen Vitalstoffe zugeführt werden.
Dies gilt auch für sogenannte unheilbare Erkrankungen wie die Verengung von Blutgefäßen, Rheuma und andere Autoimmunerkrankungen, therapieresistente Krebsarten, Alzheimer, Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose, Morbus Pick, für viele als „psychisch“, „psychiatrisch“ oder „psychosomatisch“ eingestufte Erkrankungen (etwa endogene Depression, Schizophrenie, Schmerzerkrankungen, Süchte) sowie für manche Entwicklungsstörungen im Kindesalter. Manchmal müssen im Zusammenhang damit auch unerkannte chronische Infektionen (wie Borreliose) therapiert werden.
Menschen mit HPU speichern mehr Umweltgifte in ihrem Körper als andere. Und sie reagieren deutlich empfindlicher auf Schadfaktoren, besser gesagt: Sie sind anfälliger für chronische Infektionen und eben Krankheiten, auch für mitochondriale Erkrankungen oder Erkrankungen der Peroxisomen.
Umgekehrt kann eine HPU jede Art von Therapie gegen Erkrankungen unwirksam werden lassen. Nach der laborkontrollierten Diagnose einer HPU kann sie mit der intelligenten Verabreichung bestimmter Mikronährstoffe kompensiert werden – und die ursprünglich vorgesehenen Therapien funktionieren dann wieder. Auch kann die alleinige Behandlung der HPU eine Vielzahl von Beschwerden und Krankheiten bereits verbessern.
Obwohl die etablierte Medizin die Aufklärung dieser Stoffwechselstörung mehr behinderte als förderte, ist der Forschergruppe um den kanadischen Arzt Dr. A. Hoffer, einen der Begründer der „orthomolekularen Medizin“, viel Grundlagenforschung zu verdanken. Es ist das Verdienst der beiden Autorinnen des vorliegenden Buches – meiner Ansicht nach in ganz Europa die führenden Expertinnen auf diesem Gebiet –, das komplizierte Thema für jeden Interessierten gut verständlich und sofort umsetzbar darzustellen.
Dieses Buch ist hervorragend recherchiert und aufgearbeitet. Die Therapeuten unter den Lesern werden nach seiner Lektüre und praktischen Umsetzung sofort mehr Heilungserfolge bei ihren Patienten beobachten können. Von daher halte ich es für in höchstem Maße geeignet, als Pflichtliteratur in die Ausbildung von Ärzten und Heilpraktikern aufgenommen zu werden. Und es ist eine wahre Fundgrube auch für alle, die bisher glaubten, sich bei HPU schon auszukennen.
In diesem Sinne wünsche ich dem Buch eine möglichst weite Verbreitung und freue mich für Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie sich zur Lektüre entschlossen haben.
Konstanz, im Dezember 2013
Dr. Joachim Mutter
(Autor der Bücher Amalgam – Risiko für die Menschheit, Gesund statt chronisch krank, Grün essen!, Lass dich nicht vergiften!)
Einführung:
Warum uns die HPU so wichtig ist
Rat suchenden Patienten (und Therapeuten) möchten wir hier eine neue, gute Perspektive eröffnen: Die Stoffwechselstörung HPU verursacht zwar eine Störung der körpereigenen Entgiftung; ab dem Moment aber, in dem wir die HPU behandeln, fördern wir die körpereigene Entgiftung.
Viele von Ihnen werden das kennen: Manchmal geht es in der Therapie einfach nicht recht voran. Nach einer anfänglichen Besserung stagniert die Entwicklung oder es kommen neue Schwierigkeiten hinzu. „Therapieversagen“ kann man das nennen, wenn Behandlungen solch einen Verlauf nehmen. Weder Patient noch Therapeut sind zufrieden. Am meisten belastet es, wenn es sogar rückwärts zu gehen scheint und beide Seiten sich hilflos fühlen.
Natürlich haben auch wir das erlebt: Da hatten wir nach bestem Wissen und besten Kräften behandelt, für die Entgiftung gesorgt, psychotherapeutisch behandelt, das ganze Repertoire investiert – und dann ging es doch nicht weiter oder gar wieder zurück zum ursprünglichen Zustand; die Therapie schien sich im Kreis zu drehen.
Doch damit haben wir uns nicht abgefunden. Wir haben gesucht und geforscht und sind dabei unter anderem auch dem Thema HPU begegnet. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass durch die HPU-Therapie viele therapeutisch schwierige Situationen lösbar oder zumindest wesentlich einfacher wurden. Oft ist die HPU einfach der Schlüssel, der die Tür zum Verstehen der Problematik öffnet und vor allen Dingen die Tür für Behandlungsmöglichkeiten. Seitdem wir die HPU mit in die therapeutische Arbeit einbeziehen – jede von uns auf unterschiedliche Weise –, haben wir sehr viele gute Erfahrungen damit gemacht und konnten sehr positive Entwicklungen beobachten.

Dieses Buch zeigt Wege aus der therapeutischen Sackgasse
Schwer ist es für Patienten, einen langen Leidensweg durch alle Untersuchungsinstanzen der Schulmedizin zu gehen und – wenn doch keine Ursache für ihre Beschwerden gefunden wird – schließlich als psychisch krank abgestempelt zu werden. Ernsthafte körperliche und psychische Beschwerden zu haben, die nicht aufgeklärt werden, das verursacht Unsicherheit und Angst. Nicht selten führt der Weg die Betroffenen zu Psychotherapeuten oder Psychiatern, die aber in der Regel auch nicht über HPU Bescheid wissen. So fühlen sich HPU-Patienten oft unverstanden – und sie sind es auch tatsächlich.
Dabei ist die HPU-Diagnostik so einfach und die Aussage des HPU-Tests so klar, die Therapie unproblematisch und der Nutzen so groß! Wir möchten erreichen, dass mehr Menschen von dieser Stoffwechselstörung erfahren, damit für sich selbst besser Sorge tragen und eine geeignete Therapie aufsuchen können. Und wir möchten erreichen, dass Therapeuten diese wichtige Stoffwechselbesonderheit in ihr Denken und in ihre Therapien mit einbeziehen. Immerhin betrifft die Stoffwechselstörung HPU sehr viele Menschen: etwa 10 Prozent aller Frauen und 1 Prozent der Männer. Wir gehen davon aus, dass unter (chronisch) Kranken diese Prozentsätze noch wesentlich höher liegen.
Insbesondere diejenigen Therapeuten, die darum wissen, wie wichtig es ist, die Entgiftung zu unterstützen, wird es interessieren, dass HPU die Entgiftung behindert und dass durch ihre Therapie die Entgiftung wieder in Fluss gebracht wird. Die HPU-Therapie ist nicht alles, aber oft ein zentraler Schlüssel, der entscheidende Türen öffnet.
Wir haben eine Vision. Sie beinhaltet, …
● dass das Wissen um die HPU in allgemeinärztlichen, psychotherapeutischen, endokrinologischen, gynäkologischen und vielen anderen Praxen zu Hause ist;
● dass auch AD(H)S mit Mikronährstoffen behandelt wird, einschließlich der HPU-Therapie;
● dass Psychotherapie den Körper so mit einbezieht, dass auch Entgiftung und Vitalstofftherapie und HPU-Behandlung stattfinden, etwa beim Burn-out-Syndrom, bei der Depression, bei Angsterkrankungen und vielem mehr;
● dass es psychiatrische Kliniken gibt, die das ebenfalls leisten;
● dass den Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Chronic Fatigue Syndrome, Multipler Chemikaliensensitivität, Borreliose und weiteren chronischen Infektionen die ganze Heilkraft von Vitalstoffen und speziell der HPU-Therapie zugutekommt;
● dass die vielfältigen Möglichkeiten der Mikronährstoffmedizin mehr und mehr genutzt werden.
Wir möchten auch erreichen, dass die Therapie der HPU in der neuen mitochondrialen Medizin ihren Platz bekommt.
Das Wissen um die Stoffwechselstörung HPU ist für unsere Patienten und uns selbst zu einem wahren „Schatz“ geworden. Etwas von diesem Wissen, das wir uns in den vergangenen Jahren in der Zusammenarbeit mit Dr. John Kamsteeg vom KEAC in den Niederlanden und mit viel eigener forschender Arbeit erworben haben, wollen wir mit diesem Buch weitergeben. Wir wünschen uns, dass es auch für unsere Leser von großem Nutzen sein wird.
Dr. Tina Maria Ritter & Dr. Liutgard Baumeister-Jesch
KAPITEL 1
HPU – Charakteristika, Diagnostik und Therapie
HPU ist die Kurzform für Hämopyrrollaktamurie, eine Stoffwechselstörung. Hämopyrrollaktam (kurz: HPL) ist eine Substanz aus dem Häm-Stoffwechsel, die bei Vorliegen dieser Störung über den Urin ausgeschieden wird (– das bedeutet der Wortbestandteil „-urie“). Es handelt sich hier um eine (vererbbare) Störung des Stoffwechsels, die in unserer Bevölkerung sehr häufig vorkommt. Schätzungen gehen davon aus, dass 10 Prozent der Frauen und 1 Prozent der Männer betroffen sind. Aus der Praxis wissen wir: Die Häufigkeit ist unter chronisch Kranken, die regelmäßig Arztpraxen aufsuchen, um einiges höher. Bei Patienten, die Psychotherapie in Anspruch nehmen, ist unseren eigenen Beobachtungen nach fast jeder Zweite „HPU-positiv“!
Biochemischer Hintergrund
Bei der Stoffwechselstörung HPU liegt eine Störung des Häm-Biosynthesewegs vor. Davon betroffen sind ausnahmslos alle Zellen des Körpers, die einen Zellkern und Mitochondrien aufweisen. Das Endprodukt eines gesunden, normalen Stoffwechselweges, das Häm, ist eine Ringstruktur ähnlich dem Chlorophyll der Pflanzen und besitzt ein zentrales Eisenatom. Es ist ein sehr wichtiges Molekül und wird überall im Körper benötigt. Wir kennen es von unserem roten Blutfarbstoff, dem Hämoglobin. Das Hämoglobin-Molekül transportiert Sauerstoff im Körper und besteht aus Häm und einer umgebenden Proteinstruktur. Das aktive Zentrum, das heißt, die Stelle, die die eigentliche Arbeit macht und Sauerstoff bindet, ist das Häm. Doch Häm wird nicht nur für den Sauerstofftransport im Blut benötigt. In den Muskeln läuft ein sehr ähnlicher Mechanismus zur Versorgung mit O2 (Sauerstoff) ab. Hier kommt das Häm im Myoglobin vor, um die Versorgung der Muskulatur mit Sauerstoff zu gewährleisten.
Zur Versorgung des Blutes und damit aller Organe mit Sauerstoff sowie in der Muskulatur ist das Häm also das entscheidende Molekül. Bei einer Eisenmangel-Anämie, einer Blutarmut aufgrund eines Eisendefizits, kommt es zu Schlappheit, Müdigkeit und eingeschränkter Leistungsbereitschaft. In diesem Fall fehlt dem Hämoglobin das Zentralatom Eisen zu seiner Vollständigkeit. In der Folge wird nicht genügend funktionsfähiges Häm gebildet und der Sauerstofftransport findet nur noch unzureichend statt.
Häm ist außerdem noch an der Energiegewinnung in den Zellen beteiligt, im sogenannten Cytochrom C der Atmungskette in den Mitochondrien (den „Energiekraftwerken“ unserer Zellen). Hier wird ebenfalls Häm als aktives Zentrum benötigt. Auch in der Phase 1 der körpereigenen Entgiftung, die mit ganz speziellen Enzymen funktioniert (mit einer großen Proteinfamilie, die als Cytochrom-P450-Mischoxidasen bezeichnet werden), stellt das Molekül Häm die wichtigste aktive Gruppe dar. (Näheres dazu in Kapitel 2 zum Thema Entgiftung)
Jeder Körper, jede gesunde Zelle kann Häm mit acht enzymatischen Schritten selbst herstellen. Bei Vorliegen von HPU ist es nun so, dass einige dieser Enzyme (in der Regel 3 oder 4) nicht auf ihrem vollen Leistungsniveau arbeiten. Das kann genetisch bedingt sein und durch Mikronährstoffmangel (Mangel an aktivem Vitamin B6) weiter verstärkt werden. Das führt dazu, dass das Endprodukt, das Häm, in seiner biochemischen Struktur nicht mehr exakt gebildet wird, sondern leicht verändert. Bildlich gesprochen kann man sagen, dass ein lineares Molekül im Biosyntheseprozess nicht rechtsherum, sondern linksherum geschlossen wird. Es sieht also spiegelverkehrt aus. Das so entstandene Molekül ist nicht funktionsfähig. Der Körper kann es nicht wie das „Original-Häm“ verwenden. Es ist nicht nur unbrauchbar, sondern verursacht sogar Schäden, wenn es nicht „entsorgt“ wird.
Also versucht der Körper, dieses Molekül loszuwerden. Das erreicht er, indem er Zink, teilweise auch Mangan und die aktive Form von Vitamin B6 (Pyridoxal-5-Phosphat, kurz P5P) an das fehlerhafte Molekül anhängt. Dadurch wird es wasserlöslich und kann über die Nieren ausgeschieden werden. Bedauerlicherweise gehen diese wichtigen Nährstoffe dem Organismus so auf Dauer verloren. Es kommt über Jahre zu einem ausgeprägten Zink-, teilweise auch Mangan- und Vitamin-B6-Mangel, der durch eine normale Ernährung nicht ausgeglichen werden kann.
*
Neben diesen eklatanten Mikronährstoffmängeln weisen HPU-Patienten in der Regel auch immer oder immer wieder einen Mangel an Häm auf. Symptome dieses Hämmangels betreffen die Stoffwechselabläufe, die ohne Häm nicht funktionieren können; das sind Entgiftung, Sauerstofftransport in Blut und Muskulatur sowie Energiegewinnung. Ein Mangel an Häm induziert sogenannte metabolische Krisen und verursacht durch die dabei entstehenden Sauerstoffradikale Schäden an Mitochondrien und Nervenzellen.
Außerdem kommt es zu einer gesteigerten Stickoxid-Produktion und damit zu einem erhöhten Verbrauch an Vitamin B12. Dies geht aus den Arbeiten von Dr. Bodo Kuklinski, Umweltmediziner aus Rostock, hervor und belegt eindrucksvoll die Verbindung zum nitrosativen Stressgeschehen. (Kuklinski 2006, vgl. Literaturverzeichnis) Des Weiteren verursacht der Mangel an Häm einen Abfall der intrazellulären Zinkkonzentration um die Hälfte! Warum das so ist, wissen die Forscher noch nicht. (Atamna und Kollegen 2002) Sie können nur sagen, dass es so ist und dass sie es beobachten.
Aus der Sicht der konventionellen Hochschulmedizin ist HPU den toxisch induzierbaren Porphyrien (ICD-10; E 80) zuzuordnen. Denn alles, was das bereits mangelhafte Entgiftungssystem des HPU-Patienten weiter stresst, kann aus der bloßen „Störung“ des Stoffwechsels ernst zu nehmende Erkrankungen entstehen lassen. Ein Beispiel für einen zusätzlichen Stressor ist die Belastung mit Amalgam aus Zahnfüllungen. Amalgam hemmt ebenso wie eine bestehende HPU die Häm-Biosynthese. Das heißt, dass Menschen, deren Häm-Bildung bereits wegen der HPU nur ineffizient funktioniert, durch das Vorhandensein von Quecksilber im Körper weitere zum Teil schwerwiegende Probleme mit diesem wichtigen Stoffwechselschritt haben.
*
Die Stoffwechselstörung HPU ist genetisch bedingt. Das heißt, sie wird von der Mutter auf das Kind oder auch vom Vater auf das Kind vererbt. Möglicherweise gibt es auch erworbene Formen von HPU, zum Beispiel aufgrund eines Halswirbelsäulen-Traumas (HWS-Trauma). Diskutiert wird auch, ob etwa eine Schwermetallbelastung oder eine Infektion mit Borrelien HPU auslösen kann. In jedem Fall aber verstärken Faktoren wie HWS-Traumata oder Amalgamfüllungen eine vorhandene HPU und zählen zu den Triggerfaktoren, die die Störung zum Ausbruch kommen lassen oder verstärken.
Abgrenzung der HPU zur KPU
KPU ist die Kurzform für Kryptopyrrolurie. Im deutschen Sprachraum ist es bedauerlicherweise die häufiger verwendete Bezeichnung für die Stoffwechselstörung, um die es uns hier geht. Der Test auf KPU wird von vielen deutschen Laboren angeboten, der HPU-Test® wird hingegen nur beim KEAC in den Niederlanden durchgeführt und ist in den USA das gängige Testverfahren. (Die Abkürzung KEAC steht für das Klinisch Ecologisch Allergie Centrum in Kerkrade, Holland. Es wurde 1989 von Dr. John Kamsteeg gegründet. Dieses Institut betreibt seit mehr als 20 Jahren Forschung zur Stoffwechselstörung HPU, zu Schilddrüsen- und Umwelterkrankungen. Näheres dazu weiter unten in diesem Buch.)

HPL im Vergleich zu KPL-Komplex – Sie sind ähnlich aber nicht identisch. So liegen die Doppelbindungen beispielsweise an unterschiedlichen Stellen innerhalb der Ringstruktur vor.
Biochemisch kommt es bei der KPU zum Ausscheiden von 2,4-Dimethyl-3-Ethylpyrrol (Kryptopyrrol) über die Nieren. Bei der HPU lautet der richtige biochemische Terminus 5-Hydroxy-Hämopyrrollaktam-Zink-Chelat-Komplex. Es sind zwei strukturell ähnliche, aber nicht identische Verbindungen. Beide gehören zu der Gruppe der Pyrrole, die im Häm-Stoffwechselweg aufgrund enzymatischer Schwächen falsch zusammengebaut werden und nicht funktionsfähig sind.
Während ein positiver HPU-Test eine tatsächlich vorliegende Stoffwechselstörung explizit anzeigt, detektiert der KPU-Test unter Umständen Menschen mit aktueller Giftexposition. Die beim KPU-Test nachgewiesenen Pyrrolverbindungen (Test auf Totalpyrrole) entstehen auch nach Einnahme bestimmter Medikamente oder toxischer Belastungen und werden mithilfe von sogenanntem Ehrlich-Reagenz, einem uralten Testverfahren, nachgewiesen. Kresole, Thiazole, Imidazole und Pyrazole, die im Dickdarm durch Dysbiosen (Störungen der Darmflora) gebildet werden können, verfälschen den KPU-Test, da dieser Test immer alle gebildeten Pyrrole anzeigt. Der eigentliche Hämopyrrollaktam-Komplex ist nur ein Teil davon. Sensitiver und genauer ist deshalb der HPU-Test®, der nur den eigentlichen HPL-Komplex misst, zum Nachweis der Stoffwechsel- und Entgiftungsstörung!
Was bedeutet das für die Praxis? – Die beiden Testverfahren unterscheiden sich in ihrer Aussagekraft erheblich:
● KPU-Test und HPU-Test überschneiden einander.
● KPU-negativ bedeutet nicht unbedingt HPU-negativ!
● HPU-negativ ist eindeutig negativ.
● KPU-positiv kann auch HPU-positiv sein, muss es aber nicht.
● Nur HPU-positiv ist eindeutig.
„Eindeutig“ meint hier: Der Patient leidet an einer Stoffwechselstörung. Diese ist genetisch bedingt und bedeutet, dass sein Stoffwechsel grundsätzlich anders arbeitet als bei einem nicht stoffwechselgestörten Menschen. Grundsätzlich impliziert das generell eine Entgiftungsschwäche und die Tatsache, dass wichtige Mikronährstoffe beim Prozess der Ausscheidung über die Niere oft dauerhaft verloren gehen; vor allem werden vermehrt Zink und Vitamin B6 ausgeschieden. Das ist bei KPU-positivem Befund nicht unbedingt der Fall. Ein KPU-positives Testergebnis rechtfertigt deswegen noch nicht eine Hochdosistherapie mit den entsprechenden Mikronährstoffen über einen längeren Zeitraum – ein HPU-positives Testergebnis indes schon.
Wichtig: HPU ist eine Störung des Stoffwechsels; es ist keine Erkrankung. Dieser Unterschied ist wesentlich. Denn ob sich aus der Stoffwechselstörung Beschwerden, Symptome oder Krankheiten entwickeln, das hängt auch von den Lebensumständen und von eventueller Giftexposition ab.
HPU oder KPU? – Irrungen und Wirrungen
Die HPU ist schon lange bekannt. Die ersten Experimente führte 1958 Dr. Abram Hoffer, ein bekannter kanadischer Wissenschaftler und Psychiater, zusammen mit Kollegen durch. Sie beschrieben einen nach seinem Aussehen so benannten „Malvenfaktor“ im Urin psychiatrischer Patienten. D. G. Irvine, ebenfalls ein kanadischer Wissenschaftler, extrahierte schließlich den Faktor aus dem Urin der Patienten und ordnete ihn der biochemischen Struktur nach der Familie der Pyrrole zu. Anfänglich war nur eine qualitative Bestimmung möglich. Später führte die Gruppe um C. C. Pfeiffer ein quantitatives Testverfahren ein, mit dem die sensitivere Bestimmung gelang. Als Standard wurde Kryptopyrrol benutzt. Standards sind wichtig, es sind Positivkontrollen, mit denen man die zu überprüfende Substanz zuordnen und bestimmen kann. Das heißt, man setzt eine Positivkontrolle einer bekannten Substanz ein (in diesem Fall das Kryptopyrrol), um daran die Urinproben der Patienten abzugleichen (zu messen).
Was damals gemessen wurde, wurde demnach den Kryptopyrrolen zugeordnet bzw. danach benannt. Doch ähnlich bedeutet nicht identisch. Auch wenn die beiden biochemischen Strukturen, also der Standard Kryptopyrrol und der „Malvenfaktor“, miteinander verwandt sind, so sind sie dennoch nicht exakt übereinstimmend. Erst Jahre später fand man heraus, dass diese Zuordnung in der Tat nicht hundertprozentig übereinstimmte. Das, was im Urin der psychiatrischen Patienten gefunden und über Jahre dem Kryptopyrrol zugeordnet worden war – der „Malvenfaktor“ –, war biochemisch gesehen der HPL-Komplex. Das erkannte 1980 der amerikanische Forscher A. Gorchein und konnte es experimentell beweisen.
Doch die Verwirrung war groß. Viele Untersuchungen liefen sprichwörtlich ins Leere. Die Forscher konnten den HPL-Komplex nicht finden, weil sie nach KPL suchten und nicht nach HPL … Erst heute haben wir sensitivere Messverfahren, die das Vorhandensein der Stoffwechselstörung eindeutig belegen. So kam es aus der Geschichte heraus zu einigen Missverständnissen und Unklarheiten. Dass mehrere Begriffe für ein und dieselbe Störung existieren (Malvaria, Kryptopyrrolurie, Hämopyrollaktamurie), das macht es für den, der sich neu dem Thema widmen will, nicht leichter. Auch hat das sicherlich nicht gerade zur Akzeptanz der Erkenntnisse über diese Stoffwechselstörung in der Ärzteschaft und unter Wissenschaftlern beigetragen.
Doch es gibt noch weitere Gründe dafür, dass HPU und KPU wissenschaftlich kontrovers diskutiert werden. Einer davon ist der, dass die Psychiatrie zu den „Stiefkindern“ der Medizin zählt. In der Vergangenheit wurden keine großen Geldsummen für psychiatrische Forschungszwecke zur Verfügung gestellt, Forschung auf diesem Gebiet wurde also kaum unterstützt. Ein anderer, sicherlich auch nicht unwesentlicher Grund ist der, dass diese Stoffwechselstörung – und das wusste man bereits seit den Anfängen – gut mit der Gabe von Mikronährstoffen zu behandeln ist. Daran haben Pharmafirmen kein gesteigertes Interesse: Die Herstellung von Mikronährstoffen ist nicht lukrativ. Außerdem sind sie nicht patentierbar.
Dass Mikronährstoffe den Patienten guttun, zeigte sich schon in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts. Damals beobachteten Hoffer und Kollegen, dass bei bestimmten Patienten der Malvenfaktor im Urin entsprechend dem Aufflammen der Symptomatik (Schizophrenie) nachgewiesen werden konnte. Nach Gabe von Vitamin B3 verschwanden die Symptome und der Faktor wurde nicht mehr gefunden. (McGinnes et al. 2008)
Heute wissen wir über die möglichen Folgen einer unbehandelten HPU sehr viel mehr, können sensitiver testen und die Patienten gut beraten und begleiten.
Warum wir auf HPU testen:
● Weil der HPU-Test® sensitiver und genauer ist als der KPU-Test.
● Weil das KEAC (siehe oben) dazu bereits mehr als 20 Jahre Forschungsarbeit geleistet hat und die daraus resultierenden Erkenntnisse zur Therapie der HPU und der Folgeerkrankungen (wie Schilddrüsenerkrankungen, Histaminprobleme, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Nebennierenschwäche) bei unseren Patienten durchschlagende Erfolge erbringen.
● Weil die Therapie der HPU mit aktiven Vitaminen (zum Beispiel P5P) erfolgt und damit viel effizienter ist als die Therapie mit konventionellem Vitamin B6.
Warum wir nicht auf KPU testen:
● Weil das Testverfahren veraltet ist.
● Weil die Forschung zum Thema KPU im vergangenen Jahrhundert stehen geblieben ist.
● Weil die Therapie den besonderen Stoffwechsel des Patienten nicht beachtet und inaktive Vitamine gegeben werden.
● Weil die Folgeerkrankungen und deren Therapie bei uns weitgehend unbekannt sind.
Aufklärung zu diesem komplexen Thema tut hier im deutschen Sprachraum Not und wäre für viele Patienten ein Segen.
Abgrenzung der HPU zur Porphyrie
Das Krankheitsbild der Porphyrie ist in der konventionellen Medizin bekannt und anerkannt. Mit dem Begriff der Porphyrie wird eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen zusammengefasst, die mit Störungen im Häm-Biosyntheseweg einhergehen. Je nachdem, welches der acht Enzyme der Biosynthese des roten Blutfarbstoffs betroffen ist, reichern sich bestimmte Zwischenprodukte in den verschiedenen Organen an und führen zu den spezifischen Symptomen der jeweiligen Porphyrie. Porphyrie bedeutet also: Ein Enzym der Häm-Biosynthese ist betroffen. Zum Vergleich: Bei HPU sind drei bis vier Schritte dieses Syntheseweges fehlerhaft oder gestört.
Porphyrien sind in der Regel genetisch bedingt, können aber auch durch akute Vergiftungen (etwa durch Blei oder bestimmte Pflanzenschutzmittel) ausgelöst werden. Unterschieden wird zwischen akuten Porphyrien (die ihrerseits in die Blutbildung bzw. die Leber betreffende Porphyrien unterteilt werden) und kutanen (die Haut betreffenden) Porphyrien. Akute Porphyrien verlaufen schubweise. Das heißt, akute Phasen wechseln sich mit symptomlosen Phasen ab.
Bei den kutanen Porphyrien kommt es zu einer Unverträglichkeit von Sonnenlicht, wobei die Haut unter Exposition von sichtbarem Licht extrem schmerzempfindlich reagiert. Teilweise kommt es zu dramatischen Gewebeschäden und Entstellungen.
Bei den akuten Porphyrieformen imponieren Symptome wie Übelkeit und Erbrechen, kolikartige Oberbauchbeschwerden, Schmerzen im Rücken und in den Extremitäten, neurologische Ausfälle und psychische Probleme (Angst, Aufregung, Unruhe). Ein klares Erkennungsmerkmal ist die Rotfärbung des Urins bei längerer Lufteinwirkung.
Auslöser dieser Symptome können lange Nahrungskarenzen sein (Entschlackungsdiäten), Infektionen (zum Beispiel durch das Epstein-Barr-Virus, EBV), Kontakt mit Chemikalien, Stress, Einnahme bestimmter Medikamente oder Hormone.
Die Stoffwechselstörung HPU zeigt demgegenüber in der Regel einen weniger dramatischen, eher milden, chronischen Verlauf. Erste Symptome kommen erst im jungen Erwachsenenalter, oft zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr zum Vorschein. Zu Beginn erscheinen ernstere Beschwerden nur nach direkten Auslösern (Stress, Infektion …) und verschwinden wieder, bis die Symptome immer häufiger auftreten und der Patient sich zwischenzeitlich nicht mehr vollständig erholt.
Diagnostik der HPU
Die Stoffwechselstörung HPU kann mithilfe der Messung von HPL-Komplexen im Urin nachgewiesen werden. Geschichtlich älter ist die Messung von Kryptopyrrol im Urin. Dieses Testverfahren weist allerdings auch Verbindungen nach, die nach Einnahme von Medikamenten oder durch toxische Belastungen im Urin erhöht sein können. Das gilt für jeden Menschen, nicht nur für „Pyrroliker“. Der HPU-Test zur Detektion von HPL-Komplexen ist dagegen zum Nachweis der Stoffwechselstörung, das heißt bei Verdacht auf enzymatische Schwächen des Häm-Biosyntheseweges, spezifisch. Achten Sie also darauf, dass Sie den original HPU-Test® durchführen! (Informationen zu Bezugsquellen für die Testsets: siehe Anhang)
Zur Verfügung stehen Testsets für Morgenurin (einmaliges Auffangen des Mittelstrahl-Urins) und 24-Stunden-Sammelurin. Kinder und junge Erwachsene sowie Erwachsene bis circa 35 Jahre, die gelegentlich Symptome aufweisen, testen anhand des Morgenurin-Sets. Patienten, die bereits chronische Krankheiten ausgebildet haben oder sich schon länger immer wieder müde und erschöpft fühlen, machen den 24-Stunden-Sammelurin-Test. Auch Patienten, die nachts auf die Toilette müssen oder Diuretika einnehmen, wird geraten, den 24-Stunden-Sammelurin-Test durchzuführen.

Eine Mischprobe des gesammelten Urins wird an das Labor des KEAC in den Niederlanden verschickt. (Anschrift: siehe Anhang) Generell sollte der Urin am Anfang der Woche verschickt werden. Planen Sie also bitte das Einfangen des Urins so, dass die Probe frisch (am besten montags oder dienstags) auf die Reise gehen kann. (Morgenurin-Proben bitte noch am selben Tag verschicken. 24-Stunden-Sammelurine am besten von Sonntag bis Montag oder Montag bis Dienstag sammeln und anschließend sofort eine Mischprobe zur Post bringen. Genaue Anweisungen zur Testdurchführung liegen jedem Testset bei.)
Tipps und Empfehlungen zum HPU-Test
Der Urin sollte nicht lange und nicht unnötig Licht und Wärme ausgesetzt sein. Lagern Sie die 24-Stunden-Sammelbox also bitte nicht direkt neben einer Heizung oder setzen Sie sie nicht direkter Sonneneinstrahlung aus. Das Aufbewahren im Kühlschrank ist sinnvoll, aber nicht zwingend erforderlich. Jede Box enthält Ascorbinsäure als Stabilisator, ebenso wie das Probenröhrchen selbst. (Ein bewährter Tipp: Falls Sie die Sammelbox nicht in Bad oder Toilette aufbewahren, sollten Sie dort einen Hinweis anbringen, der Sie an das Sammeln erinnert, damit Sie es nicht vergessen …)
Gesammelt wird mit Beginn des zweiten Morgenurins (kurz MU; definitionsgemäß ergibt der erste Toilettengang nach 4 Uhr den ersten Morgenurin; erst nach diesem ersten Toilettengang, also mit dem zweiten, fangen Sie an, MU zu sammeln); und dann sammeln Sie weiter bis zum ersten MU des darauffolgenden Tages einschließlich. Anschließend schwenken Sie den Sammelbehälter (sanft mischen) und befüllen das Probenröhrchen. Wichtig: Lesen Sie auf dem Sammelbehälter das Volumen ab, das Sie insgesamt ausgeschieden haben (also beispielsweise 2000 ml) und notieren Sie es im Begleitschreiben zum Test. Das ist eine wichtige Angabe fürs Labor. Anschließend entsorgen Sie bitte den übrig behaltenen gesammelten Urin und das Gefäß.
Die Einnahme von Vitaminen des B-Komplexes und von Zink verfälscht den Test. Vor Durchführung des Tests setzen Sie daher bitte alle Nahrungsergänzungsmittel für 7 bis 10 Tage ab, die diese Mikronährstoffe enthalten. (Alle vom Arzt verordneten Medikamente nehmen Sie ganz normal ein.) Notieren Sie im Begleitschreiben, wie viel Vitamin B6 Sie gegebenenfalls vorher täglich eingenommen haben, oder sagen Sie es Ihrem Therapeuten.
Der HPU-Test sollte nicht in einer stressfreien Zeit durchgeführt werden (also nicht im Urlaub), sondern am besten während der normalen Stressbelastung im Alltag. Auch Zeiten der Bettlägerigkeit können den Test verfälschen und eignen sich nicht zur Durchführung, ebenso wenig wie Zeiten der Einnahme von Antibiotika. Nach Einnahme von Antibiotika bitte zehn Tage Abstand einhalten! Frauen achten darauf, dass sie den Test nicht während ihrer Blutung durchführen. Halten Sie auch hier bitte eine Woche Abstand nach dem letzten Tag der Blutung.
Circa drei Wochen nach Einschicken des Urins an das KEAC erhalten Sie das Ergebnis. Der Morgenurin gilt ab 0,6 µmol/l als leicht positiv. Proben, die kleiner als 0,4 µmol/l gemessen werden, sind eindeutig negativ. Beschwerden haben dann nichts mit HPU zu tun oder mit Mikronährstoffmängeln, die aus einer HPU resultieren.
24-Stunden-Sammelurine gelten ab einer Konzentration von 0,85 µmol/l als positiv. Achtung: Auf dem Befund werden immer drei Positionen angegeben: zum einen die Konzentration der eingeschickten Probe, zum anderen das angegebene Volumen (die über den Tag ausgeschiedene Menge, also etwa 2000 ml) sowie der eigentlich relevante Wert, nämlich der aus Konzentration mal Volumen errechnete Wert. Der letzte Wert ist also der Wert, der die tatsächlich ausgeschiedene Menge an HPL-Komplexen (innerhalb der 24 Stunden) anzeigt und Ihnen sagt, ob der Test positiv zu bewerten ist oder nicht.
Menschen, die schon längere Zeit Beschwerden haben, die auf eine HPU hindeuten, sowie Patienten, die nachts häufig Wasser lassen müssen, sollten in jedem Fall einen 24-Stunden-Sammelurintest durchführen.
Weiterführende Diagnostik
Schilddrüse
Wenn Sie eine Schilddrüsenerkrankung haben oder der Verdacht auf eine Unterfunktion trotz normaler Blutwerte besteht, ist der Test auf T3 und T4 der Schilddrüsenhormone im Urin sinnvoll. Diese Untersuchung erfolgt ebenfalls mit 24-Stunden-Sammelurin. (Bezugsquellen für Testsets: die im Anhang dafür angegebenen Labore). Möglich ist auch, gleich beides, also HPU und T3/T4, aus demselben Sammelurin bestimmen zu lassen. Es ist ausreichend, eine zweite Urinprobe (auch möglich ohne Stabilisator; gelbe Probenröhrchen hat jede Hausarztpraxis oder Apotheke) mit beizulegen. Einen Anforderungsbogen für T3/T4 erhalten Sie bei Ihrem Therapeuten (oder ebenfalls bei den für die Testsets angegebenen Laboren).
Der Test misst die freien Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Urin. (Diese Spezialanalytik gibt es nur beim KEAC.) Zum Vergleich: Beim Arzt wird immer der Wert im Blut bestimmt. Warum ist das sinnvoll? Schilddrüsenhormone sind im Blut immer an Transportproteine gebunden. So zirkulieren sie durch den ganzen Körper. Erst am Ort des Verbrauchs werden sie freigesetzt, reagieren und werden dann sofort ausgeschieden. Das bedeutet, dass freie, aktive Schilddrüsenhormone im Blut nur eine sehr kurze „Lebensdauer“ aufweisen. Eine aktuelle Messung gestaltet sich schwierig. In der Praxis stellen wir als Therapeuten oft fest, dass die Blutwerte der Patienten völlig unauffällig bzw. normal sind. Schaut man sich aber die gleichen Werte im Urin an, so sieht man, dass sich derselbe Patient unter Umständen in einer Hypothyreose befindet oder aber an einer Konversionsstörung leidet.
Konversionsstörung bedeutet, dass genügend Thyroxin (T4) vorhanden ist, der Organismus es aber nicht ausreichend in die stoffwechselaktive Form, das Trijodthyronin (T3), umwandeln kann. Auch hier ist die Diagnosemethode, die Schilddrüsenhormone im Urin überprüfen zu lassen, oft von großem Wert; anschließend kann die Schilddrüse durch geeignete Präparate besser eingestellt werden. (Bitte lesen Sie hierzu auch in Kapitel 4 den Abschnitt über Schilddrüsenstörungen.)
HPU-Screening
Der sogenannte HPU-Screening-Test misst vier verschiedene Parameter: TSH, Histamin im Vollblut, Gesamt-IgA (Gluten) und Fructosamin.
Wenn Nahrungsmittelunverträglichkeiten vermutet oder immer wieder Zustände der Schwäche und des Irritiertseins beobachtet werden, ist im Anschluss an den HPU-Test das sogenannte HPU-Screening (ein Bluttest) sinnvoll. Getestet werden hierbei:
● der TSH-Wert, der Auskunft über die Stoffwechsellage der Schilddrüse gibt. (TSH steht für „Thyreoidea stimulierendes Hormon“ und wird von der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) sezerniert. Die Schilddrüse bildet daraufhin Schilddrüsenhormone, beschleunigt ihren Stoffwechsel und erhöht die Jodaufnahme.)
● das Histamin (ein Gewebshormon), da bei HPU das Gesamthistamin oft erniedrigt oder aber auch zu hoch sein kann und bei vielen Patienten beide Abweichungen zu massiven Problemen führen;
● der Fructosamin-Spiegel, der Auskunft darüber gibt, ob wechselnde Blutzuckerspiegel vorkommen oder Sie sich eventuell bereits in der Frühphase einer Insulinresistenz befinden (Altersdiabetes);
● der Gesamt-IgA-Wert; er lässt eine Aussage über mögliche Gluten-Empfindlichkeit zu und ermöglicht Rückschlüsse darauf, ob das Immunsystem generell auf Nahrungsmittel reagiert und weitere Anschlusstests auf einzelne Allergene (wie Kuhmilch, Ei, Fleisch, Fisch …) sinnvoll sind.
*
Je nach Symptomspektrum sollten Therapeuten außerdem folgende weiteren Untersuchungen veranlassen:
Bei Magen-Darm-Problemen: Histamin im Vollblut oder auch im Stuhl, Florastatus, Abklärung auf pathogene Keime (wie Clostridien, Yersinien oder Helicobacter pylori), Organix-Dysbiose-Profil (Urin), Nahrungsmittelunverträglichkeiten IgG3, IgG4 oder gesamt IgG im Blut, Gluten-Unverträglichkeit Stuhl, sekretorisches IgA, Entzündungsparameter Darm (Stuhl)
Bei Burn-out, Leistungsschwäche, depressiver Verstimmung: Cortisol-Tagesprofil, DHEA, Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin im Speichel, TSH, fT3, fT4, T3 und T4 im 24-Stunden-Urin
Bei ADS/ADHS: Neurotransmitterprofile im Speichel, Fettsäureprofil
Bei HWS-Trauma: das sogenannte „nitrosative Stressprofil“ (Citrullin, Methylmalonsäure, Nitrotyrosin, evtl. NSE und S100, Laktat / Pyruvat-Ratio), ATP, intrazelluläre Analysen von Zink und B-Vitaminen, Fructosamin
Bei unerfülltem Kinderwunsch: Schilddrüse (TSH, T3 und T4 im Urin)
(Im Anhang finden Sie Angaben dazu, welche Labore welche Spezialgebiete unter den hier genannten Untersuchungen haben.)
Körperzeichen und Symptome der HPU
Es gibt zahlreiche körperliche Anzeichen, die auf das Vorhandensein einer HPU hinweisen können. Dazu zählen weiße Flecken auf den Fingernägeln, überstreckbare Gelenke (etwa der Finger oder der Ellenbogen), Schwangerschaftsstreifen, feine Haare, das „Porzellanpuppengesicht“ (das heißt: ein ovales, längliches Gesicht mit blassem Teint), engstehende Vorderzähne oder ein verlängerter zweiter Zeh. Blasse Lippen oder blau-weiße Skleren und Ränder unter den Augen können ebenfalls Hinweise geben. Da sich die Muskulatur bei HPU-Patienten oft weniger gut entwickelt, kommt es zu dem beobachtbaren Phänomen, dass sie bereits als Kinder Mühe haben, an einem Seil hochzuklettern oder Klimmzüge zu machen. Es kommt in den betreffenden Familien häufiger zur Geburt von Mädchen.

Körperzeichen: Feine Haare
Körperzeichen bei HPU
● Blässe
● blasse Lippen
● blau-weiße Skleren
● engstehende Vorderszähne
● gelbbraune Färbung durch Sonne
● Gesichtsschwellungen (Puppengesicht)
● Hypermobilität der Gelenke
● Mühe, an einem Seil hochzuklettern
● Ränder unter den Augen
● Striae (Schwangerschaftsstreifen)
Mögliche Charaktermerkmale von HPU-Patienten
● Diener/Helfer
● Alles muss Sinn ergeben
● Furcht davor, die Kreativität zu verlieren
● Vermeiden von Stress
● Schlechtes Kurzzeitgedächtnis: Stellen von Zwischenfragen
● Leidenschaftliches Verhalten
Symptome bei HPU
● Allergien
● Ängstlichkeit, Stressempfindlichkeit
● Fruchtbarkeits-/Schwangerschafts-probleme
● Hypoglykämie/Diabetes
● Magen-Darm-Beschwerden
● Medikamentenunverträglichkeiten
● Müdigkeit/leicht erschöpfbar

Körperzeichen: Überstreckbare Gelenke
Die Symptome bei HPU können sehr vielfältig sein und sind unter Umständen bei jedem Patienten unterschiedlich stark ausgeprägt. Ein Teil des Beschwerdenbildes (aufgrund des bereits beschriebenen Mangels an Häm) zeigt Leistungsschwäche, Müdigkeit und schnelle Ermüdbarkeit (mangelnder Sauerstofftransport). Viele Patienten geben an, schon einmal irgendwie merkwürdig auf bestimmte Medikamente reagiert zu haben. Die Einnahme bestimmter pharmakologischer Präparate führte also zu Nebenwirkungen. Bedingt durch den Mangel an Häm kommt es zu Störungen der körpereigenen Entgiftung in Phase 1, wegen eines Mangels an Glutathion und Schwefel auch zu Störungen in der Entgiftungsphase 2. (Vgl. Kapitel 2)
Zu der langen Liste der möglichen Symptomen gehören des Weiteren Magen-Darm-Beschwerden, psychische Probleme, Störungen bezüglich Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Menstruation, Probleme durch Über- oder Unterzucker, Allergien und Hautausschläge, niedriger Blutdruck, Herz- und Kreislauferkrankungen, Schlafstörungen sowie Depressionen oder auch Konzentrationsstörungen.
Viele weitere Symptome entstehen aufgrund der Mikronährstoffmängel, die sich aus den Mikronährstoffbildern von Zink, Vitamin B6 und Mangan ableiten lassen. So kann sich ein Mangel an Zink in Haut- und Haarproblemen, Störungen der Sexualität und der Fruchtbarkeit sowie in Infektanfälligkeit und Schleimhautproblemen äußern. Da zahlreiche zinkabhängige Enzyme an der Entgiftung beteiligt sind, kann Mangel an Zink dementsprechend zu eingeschränkter Entgiftungsleistung führen.
Ein Mangel an Vitamin B6 hingegen zeigt sich unter anderem in Störungen des Muskel- und Aminosäuren-Stoffwechsels. Auf- und Abbau von Neurotransmittern sind B6-abhängig, sodass sich eine Verknappung immer auch in psychischen Problemen zeigen kann. Sowohl Histaminabbau wie auch Bildung von Magensäure sind ebenfalls vom Vorhandensein des Vitamins abhängig. Fehlt Vitamin B6, führt das zu Verdauungsproblemen und der Ausbildung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Letztendlich hängt die Bildung wichtiger Aminosäuren und Entgiftungsmoleküle (Glutathion) von genügender Bereitstellung von Vitamin B6 ab. Fehlt es, so hat das negative Auswirkungen auch auf die Phase 2 der Entgiftung. (Vgl. Kapitel 2)
Ein Manganmangel führt vor allem zu Störungen des Zuckerstoffwechsels. Auch Gelenkprobleme lassen sich davon ableiten. (Mehr zum Thema Mikronährstoffmangel siehe Kapitel 3.)
Häufige Persönlichkeitsmerkmale von HPU-Patienten
Die Stoffwechselstörung HPU führt zur Ausbildung einer besonderen Gehirnstruktur (vgl. Literaturverzeichnis: Dr. med. Hannes Kapuste, o. J.). HPU-Patienten leiden in der Regel an einem weniger gut funktionierenden Kurzzeitgedächtnis. Ebenso können Aufmerksamkeit und Wachheit beeinträchtigt sein. Zu ihren Stärken gehören daher sicherlich nicht das Auswendiglernen von Vokabeln oder geschichtlichen Fakten. Doch alles, was sie mit Emotionen verknüpfen können, das können sie sich gut merken. So versuchen sie in der Regel, alles innerlich an einem gedanklichen roten Faden aufzureihen. Das führt dazu, dass logisches Denken oder das Verstehen komplexer Zusammenhänge über die Jahre gut trainiert wird. HPU-Patienten machen automatisch aus der Not eine Tugend. Durch häufiges Nachfragen und Verstehenwollen werden zudem auch sprachliche Fähigkeiten gut trainiert und entwickelt.
Da sie in der Regel einen eher ängstlichen Charakter aufweisen, lernen viele Patienten schon von klein auf, ihr Gegenüber einzuschätzen. Es ist für sie von Natur aus überlebenswichtig zu wissen, wem man vertrauen kann und von wem Gefahr droht. Zu den Stärken der HPU-Patienten gehören daher die zwischenmenschlichen Beziehungen, das Lesen der Mimik oder auch die Rhetorik.
Wegen des schwachen Kurzzeitgedächtnisses verlieren HPU-Patienten leicht den Überblick. Ordnungsliebe kann bei ihnen zwanghaft sein oder zu einem großen Problem werden. Perfektionistisch sind sie in jedem Fall, auch ungeduldig und zwanghaft produktiv. Für HPU-Patienten ist es extrem wichtig, dass das Leben einen Sinn hat. Viele leiden am „Diener-/Helfer-Syndrom“. Die größte Angst haben sie davor, die Kreativität zu verlieren. Stressvermeidung zählt zu einer ihrer wichtigsten Strategien.
Folgen der Nichtbehandlung von HPU
Bleibt er unbehandelt, so reagiert ein HPU-Patient auf Stress sehr speziell. Er ist sehr leicht zu überfordern und aus dem Gefühl der Überforderung heraus wird er (verbal) aggressiv. Das kann zu Spannungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen führen. Streitigkeiten zwischen Geschwistern oder Kindern oder Streit mit den Eltern, weil die Hausaufgaben nicht gemacht werden, und Ähnliches sind keine Seltenheit. Die Konzentrationsfähigkeit kann stark eingeschränkt sein; Ordnung zu halten ist oft ein hoffnungsloses Unterfangen. Das kann bis zu einem „Messi-Haushalt“ im Erwachsenenalter führen. Und obwohl ein HPU-Patient oft durchaus einen hohen Intelligenzquotienten mitbringt, kann es sein, dass er nicht in der Lage ist, gut für sich selbst oder andere zu sorgen. Schon simple Fristen oder Behördengänge können zu einem großen Problem mit ernsten Folgen werden.
Wird er nicht behandelt, dann scheidet der HPU-Patient gerade in Phasen besonderen Stresses vermehrt HPL-Komplexe aus. Eine Aktivierung der Stoffwechselstörung kann psychische Probleme akut verstärken oder auch zu akuten Schwächezuständen führen. Blutzuckerschwankungen oder auch Blutdruckschwankungen oder ganz allgemein Herz-Kreislauf-Probleme können vermehrt auftreten.
Bleibt er unbehandelt, hat der HPU-positive Patient ein sehr viel höheres Risiko, an den Folgekrankheiten zu erkranken. HPU-positive Frauen, die keine Supplemente zum Ausgleichen der HPU nehmen, haben ein sehr viel höheres Risiko von Fehlgeburten.
Therapie der HPU
Das Ausgleichen der Stoffwechselstörung HPU erfolgt mit den Mikronährstoffen Zink, Mangan, Magnesium und mit aktivem Vitamin B6 (P5P). Kombinationspräparate sind von verschiedenen Herstellern beziehbar. (Eine Liste der Präparate und ihrer Hersteller oder Lieferanten erhalten Sie auf Anfrage beim Verlag VAK; Kontaktdaten des Verlags: siehe Informationen zu Bezugsquellen im Anhang.)
Zu Beginn wählt man niedrigere Einstiegsdosierungen und nähert sich dann allmählich der Enddosierung. (Die von Therapeuten verschriebene Enddosierung weicht dabei oft von den Herstellerdosierungen ab!) Wie schnell oder langsam der Patient die Erhöhung der Dosis vornimmt, ist abhängig davon, ob es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommt oder nicht. Diese können in einer leichten Übelkeit nach der Einnahme bestehen, die durch Schwankungen im Blutzuckerspiegel bedingt sein kann oder durch Produktion von Magensäure. Sollte das der Fall sein: Essen Sie etwas! Die Übelkeit verschwindet dann sofort. Sollten Kopfschmerzen auftreten, lassen Sie bitte Ihren Histaminspiegel mittels HPU-Screening überprüfen! Probleme mit dem Histaminstoffwechsel haben Priorität und müssen zuerst behandelt werden.
Kommt es als Nebenwirkung der Einnahme von oben genannten Präparaten zu Reizbarkeit und Stimmungslabilität, so muss an eine Schwermetallbelastung gedacht werden. In diesem Fall hilft die zusätzliche Einnahme von MSM oder Acetylcystein (zur Unterstützung der bereits erwähnten Entgiftungsphase 2). Fragen Sie außerdem Ihren Therapeuten nach einer geeigneten Entgiftung.
Patienten mit Reizdarm-Syndrom oder psychischen Belastungen nehmen als Einstieg in die Therapie erst einmal nur Zink und die Aminosäure Taurin ein. Dies ist ein sanfter Weg, den Stoffwechsel zu öffnen – schonend sowohl für den Verdauungstrakt wie auch für die Psyche. HPU-Patienten haben oft jahrelang kaum geträumt oder seelische Konflikte verdrängt und nicht verarbeitet. Ein langsames, schonendes Vorgehen ist hier oft zielführender als ein abruptes „Öffnen von Schleusen“.
Unter der HPU-Therapie wird oft auch Traumatherapie zum ersten Mal wirklich möglich. Der Patient kann in dieser Zeit deutliche Entwicklungsprozesse durchmachen; das ist für seine Umgebung nicht immer einfach. Es ist jedoch in keiner Weise als negativ, sondern als positiv anzusehen; so berichten es vor allem viele HPU-positive Patientinnen. Sie fühlen sich bereits nach kurzer Zeit der Behandlung stabiler und stärker. Sie berichten, dass sie Konflikten nicht mehr aus dem Weg gehen und im Leben deutlich besser „ihre Frau stehen“ können.
Nach zwei bis drei Monaten der Therapie nur mit Zink und Taurin kann man dann ohne Nebenwirkungen zu den Kombipräparaten wechseln. Wir empfehlen eine Therapie nach dem „Aronal-Elmex-Modell“, also morgens ein Kombipräparat zum Ausgleichen von HPU und abends ein Multivitaminpräparat ohne Kupfer. (Patienten mit bekannten autoimmunen Schilddrüsenstörungen sollten mit einem Kombipräparat auch kein Jod einnehmen.)
Therapie von Kindern
Je nach Alter und Gewicht des Kindes werden ebenfalls die auf dem Markt erhältlichen Kombipräparate mit aktivem Vitamin B6 eingesetzt. Kleinkinder bis 5 Jahre erhalten dabei Präparate ohne Mangan. Ab 5 Jahren können die normalen Kombipräparate zum Ausgleichen der HPU eingesetzt werden, mit entsprechender Dosierung nach Gewicht des Kindes. Die Einnahme erfolgt im Wesentlichen im Wechsel mit einem aktiven Vitamin-B-Komplex. Zusätzlich ist für eine gute Gehirnentwicklung die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren angezeigt (beispielsweise Omega-3-DHA-Konzentrat, Omega-3-Fischölkapseln).
*
Grundsätzlich raten wir gerade zu Beginn der Therapie von Präparaten ab, die zusätzlich Kupfer enthalten. Die meisten HPU-Patienten haben Probleme mit dem Histaminspiegel und vertragen solche Präparate nur schlecht. Entscheidend ist das Zink-Kupfer-Verhältnis im Körper. Durch das ständige Ausscheiden von Zink kommt es zu einem Kupferüberschuss im Verhältnis zum Zink. Dieses Verhältnis sollte zu Beginn der Therapie als Erstes verbessert werden. Später kann es durchaus sinnvoll sein, Kupfer mit maximal 6 mg täglich zu supplementieren. Bei Unverträglichkeit kann die Kupferaufnahme mit Cuprum metallicum D4 verbessert werden.
Die Einnahme von Pyridoxin (inaktives Vitamin B6), wie es die meisten deutschen Hersteller propagieren, ist bei HPU oft wirkungslos. Manche HPU-Patienten sind nicht in der Lage, das normale Vitamin B6 überhaupt aus dem Blutkreislauf aufzunehmen (– das erkennt man an erhöhten Vitamin-B6-Spiegeln im Blut bei gleichzeitig vorliegender HPU), geschweige denn, es in die aktive Form von P5P zu überführen. Dafür sind Magnesium, Zink und aktives Vitamin B2 (Riboflavin-5-Phosphat) nötig. Viele dieser Mikronährstoffe sind bei bestehender HPU im Mangel und dementsprechend für diesen Stoffwechselvorgang nicht verfügbar.
Allgemeine Empfehlungen:
● Essen Sie alle 2 Stunden eine kleine Mahlzeit (lange Nahrungskarenzen vermeiden).
● Schränken Sie den Konsum von Zucker stark ein.
● Reduzieren Sie Gluten und Kohlenhydrate.
● Vermeiden Sie Überanstrengung.
● Gehen Sie täglich an die frische Luft, am besten in die Natur.

Möglichst täglich: ein Spaziergang in freier Natur
Aus den Forschungsergebnissen des KEAC wissen wir, dass eine HPU-Therapie in der Regel zwischen vier und sechs Monate dauert. In dieser Zeit kommt es zur Abnahme der Ausscheidung von HPL-Komplexen und der Stoffwechsel normalisiert sich. Durch die Einnahme der B-Vitamine werden Blutbildung und Muskelaufbau gefördert. Patienten mit normalem oder hohem Ferritinspiegel werden bereits nach wenigen Wochen Verbesserungen spüren. Patienten mit niedrigem Ferritinspiegel müssen sich gedulden und können nach vier bis sechs Monaten mit deutlichen Verbesserungen rechnen.
Das liegt daran, dass für die Blutbildung Eisen erforderlich ist. Sind auch die Eisenspeicher limitiert, so muss eine neue Blutbildung über mehrere Monate erfolgen. Die Halbwertszeit der roten Blutzellen beträgt 120 Tage, das heißt vier Monate. Das ist der Zeitraum, den eine „interne Blutwäsche“ in Anspruch nimmt.
Während oder nach der Therapie kann jedes Stressereignis die HPL-Ausscheidung allerdings wieder sehr stark ansteigen lassen. Das muss man als HPU-Patient im Kopf behalten und sich entsprechend verhalten. Bei Stress, in welcher Form auch immer, sollten HPU-positive Patienten wieder über einen längeren Zeitraum die Mikronährstoffe zum Ausgleichen der Störung einnehmen.
Die Dauer der Therapie richtet sich nach dem anfangs vorherrschenden Beschwerdebild. Es ist nicht sinnvoll, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt mit der Einnahme der Supplemente aufzuhören. Therapieren sollte man immer so lange, bis der Patient sich wieder sehr gut fühlt. Manche Patienten, die einen Burn-out erlitten haben oder chronische Erschöpfung kennen, wollen gar nicht mehr auf Mikronährstoffe verzichten. Das ist durchaus in Ordnung, ebenso wie die Idee, ab und zu eine „HPU-Kur“ durchzuführen. Es kommt immer auf die Leistungsfähigkeit des Patienten an.
Spezielle Therapieempfehlungen zu den Themen HPU und Schilddrüsenstörungen, Schwermetallbelastung, Nebennierenschwäche sowie Magen-Darm-Störungen finden Sie in den entsprechenden Abschnitten in Kapitel 4.
Richtig entgiften bei HPU
Der Nachweis für die Stoffwechselstörung HPU ist auch ein Nachweis über eine mangelnde Entgiftungskapazität. HPU-Patienten sind schlechte „Entgifter“. Die HPU-Therapie und das Ausgleichen der Mikronährstoffmängel sind Voraussetzung für eine bessere Entgiftungsleistung. Bei vielen Patienten ist allein die Einnahme von Zink, Mangan und aktivem Vitamin B6 bereits entlastend und teilweise sogar schon ausreichend. Wie viel Entgiftungsunterstützung ein Patient benötigt, ist abhängig von der Giftexposition, der er ausgesetzt war oder noch ist. (Siehe Kapitel 2 – es befasst sich grundsätzlich und ausführlich mit dem Thema Entgiftung.)
Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, die ausleitend wirken, ohne die zusätzliche Einnahme der fehlenden Mikronährstoffe, das ist in der Regel ineffizient. Die Patienten spüren eine Verbesserung oder Entlastung, aber keinen wirklichen „Durchbruch“ in der Therapie. Bei ineffizienter intrazellulärer Entgiftung aufgrund der Mikronährstoffmängel werden Toxine oder Schwermetalle zurückbehalten. Eine Entgiftungstherapie ist dann nicht wirklich erfolgreich.
Sinnvoll ist, wenn beides sozusagen Hand in Hand gehen kann: wenn also eine intrazelluläre Entgiftung durch Zink und P5P gewährleistet ist und der Abtransport der Toxine aus dem Gewebe ebenfalls erfolgen kann, zum Beispiel durch die zusätzliche Einnahme wichtiger Phytotherapeutika wie Chlorella, Koriander oder Bärlauch.

In der Therapie eines „giftbelasteten“ HPU-Patienten ist es wichtig, dem Organismus ausreichend Bindemittel zur Verfügung zu stellen. Eine solche Giftbelastung kann vom Vorhandensein von Amalgamfüllungen im Mundraum herrühren oder auch von einer Amalgamsanierung, die bereits Jahre zuvor erfolgt ist, aber ohne Ausleitung. Weitere Giftbelastung kann eine entsprechende Exposition am Arbeitsplatz mit sich bringen. Menschen, die in der metallverarbeitenden Industrie tätig sind oder in Laboren, sind ständig toxischen Dämpfen ausgesetzt. In solchen Fällen ist eine zusätzliche Ausleitung mithilfe von Chlorella angezeigt.
Chlorella bindet Schwermetalle, aber auch Formaldehyd, Insektizide, Pestizide und Lösungsmittel im Darm und entlastet die Leber durch Verhinderung einer Rückresorption über den sogenannten enterohepatischen Kreislauf. Das heißt, dass Chlorella dafür sorgt, dass von der Leber ausgeschiedene Gifte auch tatsächlich ausgeschieden werden und nicht zusammen mit Vitalstoffen aus der Nahrung wieder resorbiert werden. Die individuelle Dosierung kann dabei sehr unterschiedlich sein und von drei mal drei Presslingen pro Tag bis hin zu drei mal 20 oder auch 30 Presslingen reichen. Das ist nicht unbedingt abhängig von der Menge der eingelagerten Gifte, sondern eher davon, wie viel an Ausleitung das System verträgt. So kann die Dosierung am Anfang sehr niedrig sein und im Laufe der Therapie stetig höher werden.
Grundsätzlich kann man sagen, dass Chlorella dann zuverlässig Symptome einer Amalgambelastung abfängt, wenn die richtige Menge verabreicht wird. Treten im Zuge der HPU-Therapie Symptome auf, die durch eine Schwermetallbelastung bedingt sind, so kann der Patient stündlich die vom Therapeuten verschriebene Menge Chlorella einnehmen, bis die Symptome sich bessern, und diese Dosierung dann einige Tage beibehalten. Vor einer Selbstmedikation raten wir grundsätzlich ab.
Koriander mobilisiert Gifte aus Nervenzellen und Knochen. Wie es das macht, ist noch nicht genau erforscht. Aus der Erfahrung mit HPU-Patienten können wir sagen, dass Koriander alleine weniger effektiv Toxine mobilisiert als zusammen mit den bei HPU fehlenden Mikronährstoffen. Koriander in Kombination mit Chlorella kann eine zweite Phase der Entgiftung sein. Die Dosierung ist auch hier individuell sehr verschieden: von wenigen Tropfen bis hin zu drei mal 20 Tropfen oder auch Kapseln. Wir empfehlen die Ausleitung mit Begleitung durch einen erfahrenen Therapeuten, der die individuelle Dosierung möglicherweise auch mit biophysikalischen Testmethoden ermittelt.
Bärlauch und Goldrute unterstützen die Entgiftung über die Nieren. Der Bärlauch enthält viele Schwefelgruppen, die vor allem Schwermetalle fest binden können. Alte Ablagerungen von Schadstoffen in der Niere können mithilfe von Bärlauch wieder mobilisiert werden. Eine gängige Dosierung bei der Einnahme von Bärlauch, die von Therapeuten oft empfohlen wird, sind drei mal 20 Tropfen.
Schwefelgruppen in Form der Aminosäure Cystein oder in Form des Entgiftungsmoleküls Glutathion sind bei HPU-Patienten im Mangel, vor allem dann, wenn eine erhöhte Giftexposition über längere Zeit bestand oder besteht. Eine die HPU-Mikronährstofftherapie begleitende Entgiftung kann deshalb auch in der zusätzlichen Einnahme von N-Acetyl-Cystein oder oral verfügbarem Glutathion bestehen. Eine weitere geeignete, hilfreiche Quelle für Schwefel ist MSM (Methylsulfonylmethan), das die Entgiftungsphase 2 unterstützt. (Vertiefende Literatur zu diesem Thema: Baumeister-Jesch 2011, Liebke 2014, Mutter 2011)
Symptome einer Mobilisierung von Toxinen, die durch unzureichende Entgiftung entstehen, können Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen, Gliederschmerzen oder auch psychische Veränderungen sein (Reizbarkeit, extreme Traurigkeit, Depression). Sollten diese Symptome mit der HPU-Therapie auftreten und sollte aus der Anamnese eine Schwermetallbelastung hervorgehen, so sind zusätzliche Maßnahmen für eine effektivere Ausleitung der Gifte erforderlich. Dann kann die zusätzliche Einnahme von Chlorella, Koriander und Bärlauch von großem Nutzen sein und innerhalb kürzester Zeit eine Linderung der Beschwerden bringen.
KAPITEL 2
HPU – Ursache einer Entgiftungsstörung
Körpereigene Entgiftung – das Prinzip der Selbstreinigung
Ein gesunder Körper ist mit allem ausgestattet, was er zum Leben und zur Fortpflanzung braucht. Dazu gehört unter anderem eine gut funktionierende Entgiftung. In jedem Augenblick unseres Lebens sind wir darauf angewiesen, dass die komplexen Vorgänge der körpereigenen Entgiftung richtig ablaufen. Dafür benötigt unser Organismus unter anderem die entsprechenden, reibungslos funktionierenden Enzymsysteme und eine Fülle von Mikronährstoffen.
Was bedeutet „Entgiftung“?
Das Wort klingt gefährlicher, als dasjenige ist, was es wirklich bedeutet, denn es geht nicht nur um giftige Substanzen, die der Körper abbauen soll. Es geht auch um wertvolle und wichtige körpereigene Stoffe, die um- und abgebaut werden müssen, damit sie keinen Schaden anrichten können. Die Bezeichnung Biotransformation trifft daher den Kern der Sache besser.
Aber in vielen Fällen geht es tatsächlich darum, den Körper vor Giften zu schützen und davon zu befreien, damit diese nicht Gewebe schädigen, Regelkreise unterbrechen, Enzyme blockieren oder die Desoxyribonukleinsäure (DNA) angreifen und auf diesen oder anderen Wegen den Grundstein für Erkrankungen legen können. Wichtige Entgiftungsorgane, wenn auch natürlich nicht die einzigen, sind Leber, Niere, Darm, Lunge und Haut. Leber und Niere haben daher auch eine sehr hohe Dichte an Entgiftungsenzymen.
Beginnen wir bei der Nahrung, so heißt „Entgiftung“ zum Beispiel, dass Eiweiße bei der Verdauung zuerst in ihre Bausteine, die Aminosäuren, zerlegt werden müssen. Sollen diese weiter abgebaut werden, entsteht giftiges Ammoniak, das Organe wie den Darm und das Gehirn schädigen kann – es muss zügig ausgeleitet, also „entgiftet“ werden. Geschieht das nicht oder nur ungenügend, verbleibt Ammoniak im Körper und kann dort schwerwiegende Schäden verursachen. Auch körpereigene Hormone und andere lebenswichtige Übermittlersubstanzen wie Nervenbotenstoffe (Neurotransmitter) müssen um- und abgebaut werden können, ebenso wie beispielsweise Bakterien, Gifte von Bakterien und Antigen-Antikörper-Komplexe des Immunsystems. All das muss der Körper „entgiften“. Zwischenprodukte, die wegen schlechter Entgiftung im Körper verbleiben, statt vollständig abgebaut und ausgeschieden zu werden, stellen ein Problem dar.
Hinzu kommen sogenannte Xenobiotika, biologisch wirksame Substanzen, die von außen in den Körper gelangen und entgiftet (ausgeleitet) werden müssen. Das können beispielsweise Schwermetalle aus Autoabgasen sein, die zu unserem alltäglichen Leben gehören, auch (Schwer-) Metalle aus Zahnmaterial wie Amalgam, Phthalate aus Plastikflaschen, Aluminium aus Körperpflegemitteln, Dünge- und Pflanzenschutzmittel aus der Nahrung, „Wohngifte“ oder auch Medikamente. Und das ist nur ein kleiner Auszug von all dem, was wir täglich entgiften müssen.

Wasser aus Glasflaschen enthält keine Phthalate
Manche Medikamente sind in der verabreichten Form gar nicht direkt wirksam, sondern erst ein Zwischenprodukt (Intermediärprodukt), das durch den Entgiftungsprozess entsteht, entfaltet die gewünschte Wirkung. Diese Transformation und natürlich später auch der Abbau von Medikamenten fordern den Körper in Sachen Entgiftung sehr.
Es versteht sich von selbst, dass niemand jemals vollständig „entgiftet“ sein kann, denn auch zum gesundesten Leben gehören Stoffe, die entgiftet werden müssen. Je höher aber die Belastung mit solchen Stoffen ist, desto mehr entgiftende Substanzen braucht und desto mehr Mikronährstoffe verbraucht der Organismus. So kann beispielsweise eine besondere toxische Belastung auf die Dauer zu einem Mangel an Selen, Zink, Glycin und B-Vitaminen führen.
Die Entgiftung erfolgt in drei Phasen:
Entgiftungsphase 1:
In der ersten Entgiftungsphase werden Moleküle so umgebaut, dass sie chemisch reaktionsfreudig und damit transportierbar werden. Hierzu wird besonders das Enzymsystem der sogenannten Cytochrome benötigt, insbesondere die Cytochrom-P450-Enzyme. Allerdings entstehen bei diesen Reaktionen häufig sehr schädliche Stoffe, auch krebserzeugende Substanzen, die viel problematischer sind als die Ausgangssubstanz. Sie sind jedoch notwendig für die Abläufe in der sich anschließenden Phase 2.
Entgiftungsphase 2:
Die „teilabgebauten“ Moleküle aus der Phase 1 werden an „Transporter“ gebunden. In dieser Kombination können sie unseren Körper über die Entgiftungsorgane gefahrlos verlassen. Auch für diesen Vorgang sind zahlreiche Mikronährstoffe erforderlich: Glutathion, Glycin, Glutamin, Cystein, Zink, Selen, Mangan, Magnesium, Vitamin B2, B6 und B12, um nur einige Beispiele zu nennen.
Entgiftungsphase 3:
Heute wird angenommen, dass zusätzlich besondere, energieverbrauchende Transportmechanismen für die Entgiftung existieren, die toxische Substanzen aus den Zellen heraustransportieren, vor allem aus den Darmzellen in das Innere des Darms, damit die toxischen Substanzen mit dem Stuhl ausgeschieden werden können.
Hinweis: Der Mangel an Mikronährstoffen, die hier benötigt werden, aber durch die HPU ständig verloren gehen und daher dem Körper fehlen, kann die körpereigene Entgiftung blockieren.
Die drei Entgiftungsphasen im Überblick
| Entgiftungsphase 1: | Funktionalisierung = Substanzen werden reaktionsfreudig bzw. wasserlöslich bzw. polarisiert. |
| Entgiftungsphase 2: | Konjugation, Bindung an Transporter |
| Entgiftungsphase 3: | Export aus der Zelle und Exkretion, ohne chemische Veränderung |
Mikronährstoffe – unverzichtbar für ausgewogene Entgiftung
Fehlen für die Entgiftung notwendige Mikronährstoffe, kommt es häufig zu einem Überwiegen der Entgiftungsphase 1 gegenüber der Entgiftungsphase 2. Dadurch fallen vermehrt toxische, auch krebserzeugende Substanzen an, die von Phase 2 nicht ausreichend aufgefangen werden können, da die Mikronährstoffe dafür fehlen. Eine solche Situation kann bei Vorliegen von HPU entstehen, da häufig das Glutathion fehlt. (Auch bei chronischem Alkoholmissbrauch kommt es zu einem entsprechenden Ungleichgewicht, da Alkohol die Entgiftungsphase 1 stimuliert. Dies kann eine Erklärung für die erhöhten Krebserkrankungsraten bei Alkoholabhängigen sein.)
Das Glutathionsystem in der Entgiftung
Eine zentrale Rolle bei den Vorgängen der körpereigenen Entgiftung spielt Glutathion. Es ist ein kleines Molekül aus nur drei Aminosäuren: Glutaminsäure, Glycin und Cystein. Letzteres liefert den Schwefel im Glutathion, der für die Entgiftung besondere Bedeutung hat. Ist an den Schwefel ein Wasserstoffatom (H-Atom) gebunden, spricht man von reduziertem Glutathion (GSH); fehlt der Wasserstoff, ist das Glutathion oxidiert und lagert sich mit einem zweiten oxidierten Glutathion zusammen (GSSG).
Das Wechselspiel zwischen oxidierter und reduzierter Form von Glutathion hat eine wichtige Funktion im Körper: Reduziertes Glutathion ist in der Lage, Stoffwechselprodukte, die in Entgiftungsphase 1 entstanden sind, in Entgiftungsphase 2 an sich zu binden und damit wasserlöslich und unschädlich zu machen und zur Ausscheidung zu bringen. So gelangt die ehemals toxische Substanz – gebunden an Glutathion – über die Blutbahn in die Nieren und wird mit dem Urin ausgeschieden, ohne im Körper Schaden anrichten zu können.

Das Glutathionmolekül besteht aus drei Aminosäuren. Cystein liefert den Schwefel.
Reduziertes Glutathion kann auch andere oxidierte Substanzen wieder „reparieren“, indem es sie reduziert und dabei selbst zum GSSG wird. Darüber hinaus ist GSH ein hochwirksames Antioxidans, das unsere Zellen schützt und eine wichtige Basis für vitale Funktionen jeder Zelle ist. Es schützt vor freien Radikalen und sogenannten reaktiven Sauerstoffspezies (ROS), es bildet ein Gegengewicht zu oxidativem Stress und seinen Folgeerkrankungen inklusive Krebs. Beheben von DNA-Schädigungen, Immunkompetenz, Fettsäuresynthese und Taurin-Biosynthese sind weitere Aufgaben von Glutathion.
Freie Radikale und ROS
Freie Radikale sind Atome oder Moleküle, die eines oder mehrere ungepaarte Elektronen aufweisen. Daher können sie sehr instabil und hoch reaktionsfreudig sein. Um die Lücke des fehlenden Elektrons füllen zu können, brechen sie in andere Moleküle ein. So können schwere Schädigungen entstehen, beispielsweise an Enzymen, an Fetten, die zu Zellmembranen gehören, oder am Erbgut.
ROS oder reaktive Sauerstoffspezies sind Moleküle, aus denen sehr schnell freie Radikale entstehen können.
Andererseits sind freie Radikale aber auch wichtig zur Abwehr gegen Krankheitserreger: Abwehrzellen bilden eigene Radikale, die eingedrungene schädliche Mikroorganismen abtöten können. Dafür benötigen diese Zellen selbst wiederum einen Schutz gegen die Radikale, wie zum Beispiel Glutathion oder Vitamin C, wichtige Antioxidantien.
Das Gleichgewicht zwischen freien Radikalen und Antioxidantien ist also entscheidend. Das Mengenverhältnis wird laborchemisch als „antioxidativer Status“ im Blut gemessen.
Alle degenerativen Prozesse, also solche, die gesundes Gewebe schädigen, insbesondere auch neurodegenerative Erkrankungen, können durch einen Mangel an Glutathion verstärkt beziehungsweise mit verursacht werden. Ein solcher Mangel kann durch Ernährungsfehler, Mangel an Mikronährstoffen und Stoffwechselstörungen entstehen, aber auch durch toxische Belastungen, Alter, Erkrankungen, schwere körperliche Arbeit und durch Leistungssport. Auch die HPU begünstigt einen Mangel an Glutathion, denn:
Die Bildung von Glutathion benötigt Vitamin B6 in seiner aktiven Form, Pyridoxal-5-Phosphat (P5P). Und das ist bei Vorliegen der HPU oft im Mangel. Je mehr entgiftet werden muss, desto höher ist der Verbrauch an entgiftenden Substanzen. Es entsteht also ein Mangel, wenn mehr verbraucht als nachgeliefert wird. Daher geben wir in modernen medizinischen Behandlungen diese Substanzen und füllen solche Defizite wieder auf.
Da Glutathion aus drei Aminosäuren zusammengesetzt ist, unterliegt es den natürlichen Verdauungsprozessen in Magen und Darm. Wenn es in Form von Tabletten oder Kapseln eingenommen wird (oral), benötigt es besondere Aufbereitungsformen, um nicht verdaut, sondern als Ganzes aufgenommen zu werden. Eine Möglichkeit ist, es mit speziellen, ganz dünnen Fetthüllen (Phospholipiden) zu umgeben, damit es der Zelle unversehrt zur Verfügung steht. (Informationen zu Bezugsquellen für Glutathion, das in Phospholipidhüllen „verpackt“ ist und daher oral gegeben werden kann: siehe Anhang) Unbekannt ist noch, wie genau Glutathion dann in die Zelle gelangt, denn offensichtlich kann es nicht als Ganzes hineintransportiert werden. Vermutlich muss es zuerst auseinander- und dann wieder zusammengebaut werden.
Für die Entgiftung unerlässliche Mikronährstoffe sind Glutathion, Cystein, Glycin, Glutamin, S-Adenosyl-Methionin (SAM), Zink, Kupfer, Molybdän, Selen, die Vitamine B2, B5, B6, B12, Vitamin C, Q10, L-Carnitin, Mangan, Magnesium, Taurin, Omega-3-Fettsäuren, Alpha-Liponsäure und weitere Antioxidantien.
Beeinträchtigung der Entgiftungsfähigkeit durch HPU
Die Zusammenhänge zwischen HPU und der Entgiftung im Körper sind zahlreich. Wir möchten an dieser Stelle nur die nennen, die uns am wichtigsten erscheinen, die Hauptaspekte sozusagen.
1. Ein solcher Aspekt ist die Tatsache, dass die HPU einen Mangel an Häm erzeugt. Wie bereits erwähnt, ist Häm zum Beispiel wichtig als zentrale Struktur in den Cytochrom-P450-Enzymen, der wichtigen Gruppe der Phase-1-Entgiftungsenzyme. Damit kann dieser erste Schritt der Entgiftung durch die HPU gebremst werden. Häm spielt darüber hinaus eine Rolle bei vielen anderen Entgiftungsenzymen, so bei der Katalase, der Pyrrolase, der Stickstoff-Monoxid-Synthase (NOS), der Sulfitreduktase und anderen. Über diese „HPU-Bremse“ der lebenswichtigen Entgiftungsenzyme kommt es außerdem zu einem erhöhten oxidativen Stress im Körper der Betroffenen, das heißt, sie leiden unter den aggressiven freien Radikalen, die fortwährend ihre Zellen angreifen.
Wichtige Funktionen von Häm – auf einen Blick:
Häm wird benötigt …
● für die Bildung von Hämoglobin (roter Blutfarbstoff)
● für Myoglobin (Sauerstofftransport in Muskelfasern)
● für mehrere wichtige Entgiftungsenzyme
● für Enzyme der Atmungskette (für Energieproduktion in den Mitochondrien)
● für die Synthese von Cholesterin, Steroidhormonen, Schilddrüsenhormonen, Vitamin D, Gallensäuren
● für den Stoffwechsel von Tryptophan, Serotonin und Melatonin
2. Außerdem fehlen bei Vorliegen von HPU wesentliche Mikronährstoffe, die für die Entgiftung benötigt werden. Allen voran: das aktive Vitamin B6, Zink und Mangan. Dazu im Folgenden noch Genaueres.
Zink hat für sich allein bereits die Fähigkeit, Schwermetalle durch eine bestimmte Art der Bindung zu entgiften. Außerdem ist es Bestandteil von sehr vielen Enzymen. Diese Enzyme können bei HPU durch den Zinkmangel nicht richtig arbeiten. Zu den von Zink abhängigen Stoffwechselwegen gehört außer der Entgiftung von Schwermetallen auch die Bildung von P5P, also dem aktiven Vitamin B6 aus der inaktiven Form des Vitamins. Die Entgiftung von Schwermetallen ist bei HPU aber auch von anderer Seite gestört: Es fehlen durch den Vitamin-B6-Mangel in hohem Maße schwefelhaltige Aminosäuren, insbesondere Cystein, die jedoch wichtig sind für die als Metallothioneine bezeichneten Entgiftungsenzyme. Diese bestehen nämlich zu einem großen Teil aus Cystein. Hier beginnt der erste Teufelskreis der HPU: Schwermetalle verursachen Gen- und Enzymdefekte und können daher an der Entstehung von HPU beteiligt sein.
Umgekehrt führt die HPU durch die verminderte Entgiftungsleistung zum Anhäufen giftiger Schwermetalle und anderer toxischer Substanzen. Ebenso ist bekannt, dass Quecksilber, Blei, Cadmium und Aluminium die Bildung von Porphyrinen begünstigen und damit auch die Entstehung des HPL-Komplex (der beim HPU-Test® gemessen wird), der ein Pyrrol ist. Auf diesem Weg begünstigt eine Belastung mit Schwermetallen das Entstehen einer HPU – der zweite Teufelskreis.

Die Struktur von Häm
Gleichzeitig hemmen Blei, Quecksilber, Cadmium, Kobalt, Kupfer und Nickel die Zinkresorption – der dritte Teufelskreis.
Darüber hinaus spielt Cystein als fehlende schwefelhaltige Aminosäure eine wichtige Rolle beim schützenden reduzierten Glutathion. Belastungen mit giftigen Schwermetallen führen zu weiteren Verlusten an Glutathion. Ein einziges Quecksilberatom beispielsweise verbraucht bis zu drei Moleküle davon! Infolgedessen steht zu wenig Glutathion-Schutz zur Verfügung und es kommt zum Stau bei der Entgiftung von Schwermetallen. Auch andere toxische Stoffwechselprodukte können dann nicht mehr ausreichend entsorgt werden. Ebenso geschieht es mit anderen Mikronährstoffen, zum Beispiel mit Selen. Eine Belastung mit Schwermetallen verdrängt Selen und öffnet damit die Tür für weitere Belastungen. Das System kann sich nicht mehr wehren. (Vgl. Martin 2006) Für sehr viele Mikronährstoffe gilt, dass sie mit zunehmender Belastung an zu entgiftenden Substanzen in ein Defizit geraten.
3. Auch die durch HPU verminderte Synthese von Glutathion beeinträchtigt das Entgiftungssystem erheblich.
4. Beim Abbau von Aminosäuren entsteht Ammoniak. Die Bildung von Aminosäuren braucht aktives Vitamin B6; auch die Umwandlung von vorhandenen in fehlende Aminosäuren (Transaminierung) und die Umwandlung von Aminosäuren in biogene Amine (wie Histamin), also der Abbau der Aminosäuren, braucht dieses Vitamin. Durch diese Abhängigkeit von aktivem Vitamin B6 kann es bei HPU zu einem Stau von Ammoniak im Körper kommen. Ammoniak ist höchst giftig und muss zügig abgebaut werden. Dazu werden wiederum Aminosäuren benötigt, vor allem Ornithin und Glutamin, die zum ausscheidbaren Harnstoff führen, die aber bei zu wenig aktivem Vitamin B6 nicht genügend gebildet werden. So kann die HPU zum Anhäufen einer giftigen Substanz im Körper führen, nämlich Ammoniak.
Durch den Mangel an Zink wird der Ammoniakstau noch verstärkt, denn auch Zink ist notwendig für den Umbau von Ammoniak in Harnstoff. Und wenn außerdem Mangan fehlt, mangelt es an dem Mikronährstoff, der speziell die Mitochondrien von Ammoniak entgiftet. Ein Stau von nicht entgiftetem Ammoniak ist besonders für das Gehirn ein großes Problem. Mit dem Mikronährstoff Galactose kann hier unterstützt werden (Mosetter 2009).

Alles im Fluss? Nur keinen Stau der Entgiftung zulassen!
5. Das Fehlen des aktiven Vitamins B6 verursacht noch auf einem anderen Weg eine Störung der Entgiftung: B6 wirkt beim Regulieren der Magensäureproduktion mit. Da in einem Schritt zusammen mit Magensäure auch der wichtigste Säurepuffer, nämlich Bicarbonat, gebildet wird, fehlt dieser Puffer bei einem Mangel an Magensäure. Es mag zunächst widersprüchlich klingen, dass ein Mangel an Magensäure zu Übersäuerung führt, wird aber durch diesen Zusammenhang verständlich. So begünstigt der Mangel an aktivem Vitamin B6 die Übersäuerung.
Aber auch der Mangel an Zink beeinflusst das Säure-Basen-Gleichgewicht negativ, nämlich in Richtung Übersäuerung. Ob eine Substanz in der Entgiftungsphase 2 tatsächlich über die Niere ausgeschieden werden kann, ist jedoch unter anderem davon abhängig, ob in der Niere die richtigen Säure-Basen-Verhältnisse herrschen, ob also der pH-Wert der richtige ist. Ist der Organismus übersäuert, werden in der Niere „ausscheidungspflichtige“ Stoffe wieder aufgenommen statt ausgeschieden. Dann war die Mühe des Stoffwechsels umsonst und der Kreislauf beginnt von Neuem – es wurde nicht entgiftet. Und an dieser Stelle treffen wir auf den vierten Teufelskreis, denn Übersäuerung wiederum wird durch die HPU begünstigt.
6. Mangan ist notwendig für die Arbeit eines weiteren Entgiftungsenzyms, der Superoxiddismutase (SOD) in den Mitochondrien. Sie ist erforderlich, um diese Energie liefernden „Zellkraftwerke“ zu entgiften und so vor freien Radikalen zu schützen. Werden Mitochondrien durch Fehlen der SOD geschädigt, beginnt eine Kaskade von schädlichen Fehlfunktionen und die betroffenen Zellen geraten in einen Energiemangel, der langfristig ganze Organe schädigen kann.
*
In der Praxis sehen wir bei lange unentdeckter und unbehandelter HPU natürlich oft die Folgen der jahrelangen Entgiftungsstörung. Dann ist es aber auch beeindruckend zu beobachten, wie vieles allein durch entgiftende Maßnahmen positiv beeinflusst wird.
Zur HPU-Behandlung gehört notwendigerweise die Unterstützung der Entgiftung mit Nahrungsergänzungsmitteln!
Die Mikroalge Chlorella ist seit vielen Jahren ein bewährtes Mittel zur sanften Entgiftungsbehandlung, da sie Mikronährstoffe und Pflanzenwirkstoffe in sehr guter Kombination enthält. Aber natürlich sind, je nach Mangel und Laborbefund, auch zahlreiche weitere Mikronährstoffe wichtig. Auch Infusionsbehandlungen zur Entgiftung können erforderlich sein.
Wesentliche Faktoren der Störung der körpereigenen Entgiftung durch HPU

Interview mit Dr. Joachim Mutter
Zur Person: Dr. J. Mutter absolvierte bei Professor Franz Daschner (Freiburg, auch bekannt als „Hygienepapst“) die Ausbildung zum Facharzt für Hygiene- und Umweltmedizin. Seit 2009 führt er eine Arztpraxis für Integrative Medizin in einer Tagesklinik in Konstanz. Er absolvierte weitere Ausbildungen, unter anderem in Mikronährstofftherapie, in Ernährungsmedizin, Regulationsdiagnostik, Neuraltherapie, Sportmedizin, Naturheilverfahren und Akupunktur. Joachim Mutter ist ein gefragter Referent mit Vortrags- und Seminartätigkeit im In- und Ausland. Er hat wissenschaftliche Studien veröffentlicht und ist als Gutachter für Fachzeitschriften sowie als Experte für Umweltmedizin, insbesondere für Schwermetallbelastungen und Elektrosmog international bekannt geworden. Das hat uns dazu bewogen, ihn um einen Beitrag zu unserem Buch in Form dieses Interviews zu bitten.

Dr. Joachim Mutter, Arzt
*
- Frage: Herr Dr. Mutter, wie denken Sie über die Bedeutung der HPU im Hinblick auf Blockaden der Entgiftung?
▶ Antwort: Das ist in meiner Arbeit ein sehr wichtiges Thema. Denn wenn jemand diese Stoffwechselstörung hat, kann er neben anderen Problemen eben auch nicht entgiften. Und die Entgiftung ist heute wichtiger denn je für die Gesundheit und einer der Königswege zur Gesundheit überhaupt.
- Sie legen in Ihrer Behandlungsmethode großen Wert auf Entlastung von Schadstoffen durch die Gabe von Vitalstoffen. Könnten Sie uns Ihre therapeutischen Erfahrungen damit erläutern?
▶ Die meisten Menschen nehmen mit ihrer Nahrung nicht genügend Vitalstoffe auf, weil ihre Ernährung nicht sinnvoll zusammengesetzt ist oder weil die Rohstoffe nicht mehr die gleiche Qualität haben wie in früheren Generationen. Dazu kommt, dass die heutige Belastung mit Giftstoffen so hoch ist wie noch nie. Das sind die beiden Hauptursachen für die meisten Krankheiten unserer Zeit:
● Vitalstoffmangel,
● Belastung durch Giftstoffe (– dazu zähle ich in diesem Zusammenhang auch die Funkstrahlung)
Will man einen Kranken wieder gesund machen, ist die Therapie der Ursachen natürlich die wirksamste. Und diese besteht eben aus dem Auffüllen der Vitalstoffspeicher und dem Entgiften. Von daher setze ich neben einer Hochleistungsernährung (wie sie in meinem Buch Grün essen! erläutert wird) auch qualitativ hochwertige Nahrungsergänzungen ein. Sie enthalten Vitamine, Spurenelemente, Vitaminoide, schwefelhaltige Moleküle, Pflanzenstoffe und Kräuter. Damit ist es möglich, auch unheilbare Krankheiten zu stoppen oder zu verbessern, und das ohne Nebenwirkungen. Dieses Programm ist übrigens auch bei chronischen Infektionen sehr wirksam oder bei der Ernährung von Leistungssportlern, wie das Beispiel der von mir mit betreuten erfolgreichen Mountainbikerin Sabine Spitz eindrucksvoll zeigt.
- Angesichts unserer heutigen Lebensbedingungen ist die Fähigkeit, gut zu entgiften, ganz besonders wichtig. Sie haben dazu intensiv geforscht und vielfach publiziert. Was ist aus Ihrer Sicht im Zusammenhang mit dem Thema HPU besonders zu berücksichtigen?
▶ Gut überleben können in unserer heutigen Zeit nur die guten „Entgifter“, das sind Menschen, die erblich bedingt gut entgiften können. Die anderen sind die „Verlierer“ – und das sind immerhin etwa 30 bis 40 Prozent der Menschen: Sie haben Mängel in Entgiftungsenzymen. Das wäre nicht weiter schlimm und war es bis vor einigen Jahrzehnten auch nicht – da waren die Luft, das Wasser und unsere Nahrung noch nicht so stark mit „menschengemachten“ Giften belastet wie heute.
Analysen zeigen: Die Menschen sind heute – überspitzt gesagt – zu „Giftmülldeponien“ geworden. Das beginnt mit zehn bis tausend Mal mehr Blei in unseren Knochen und mindestens zwanzig Mal mehr Quecksilber in unseren Geweben als bei unseren Urvorfahren. Dazu kommen die vielen Plastikweichmacher, Pestizide, Holzschutzmittel und Flammschutzmittel, die wir im Fettgewebe nachweisen können. Bei jeder Einäscherung in Krematorien werden Giftmengen freigesetzt, die Menschen sofort töten könnten.
Um gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden – und das gilt auch für Erkrankungen wie Krebs, Alzheimer, Parkinson und Autismus –, muss der Körper entgiftet werden. Und das müssen die „schlechten Entgifter“ unter uns natürlich in höherem Maße beachten und umsetzen, um gut leben zu können. Eine Stoffwechselstörung wie die HPU bedarf hier einer besonders nachhaltigen, speziellen Behandlung, da sie die Entgiftung entscheidend hemmt. Letzteres erklärt auch einen Teil der Krankheiten, die HPU-positive Menschen entwickeln.
- Was halten Sie von der Empfehlung, bei bestimmten Problemkonstellationen die Entgiftung mit der Süßwasseralge Chlorella und mit Substanzen wie Bärlauch und Koriander zu unterstützen?
▶ Das sollte unbedingt so gemacht werden! Wie gesagt, zuerst müssen die Vitalstoffe aufgefüllt werden. Aber nicht mit „Supermarkt-Vitaminen“ – die sind hoffnungslos unterdosiert und enthalten häufig zusätzlich schädigende Begleitstoffe wie Titandioxid oder Süßstoffe oder sogar die schädliche Fructose. Auch viele der in Apotheken vertriebenen Produkte gehören dazu. Deshalb sind absolut reine und hoch dosierte Vitalstoffe ein „Muss“.
Bei leichten und mittleren Beschwerden und Erkrankungen wie Migräne, chronischer Müdigkeit, Diabetes, Bluthochdruck, Arteriosklerose, ADS, ADHS, bei chronischen Schmerzen oder Übergewicht reichen für die Entgiftung meist Naturstoffe wie Chlorella oder Bärlauch aus; sie sollten dann über längere Zeit eingenommen werden. Bei schweren, zum Teil lebensbedrohenden und offiziell als „unheilbar“ bezeichneten Krankheiten (wie die meisten neurologischen Erkrankungen oder Autismus, auch bei Krebs) ist es aber wichtig, die Entgiftung auch durch Medikamente wie die Schwermetall-Entgiftungsmittel DMPS oder DMSA zu unterstützen. Gerade hier zeigt sich der Nachteil einer unbehandelten HPU: Es herrscht ein gravierender Zinkmangel, und DMPS oder DMSA binden ja nicht nur giftige Schwermetalle ab, sondern verringern auch die Zinkspeicher. Das kann bei Zinkmangel üble Nebenwirkungen haben …
- „Gute Entgifter – schlechte Entgifter“: Oft erkennen wir an der entsprechenden Symptomatik, wie jemand hier einzustufen ist. Für wie relevant halten Sie diese Unterscheidung? Teilen Sie unsere Ansicht, dass ein beträchtlicher Teil der „schlechten Entgifter“ HPU-Patienten sind?
▶ Diese Einstufung ist sehr relevant! Es gibt natürlich viele verschiedene Entgiftungsenzyme, die betroffen sein können. Doch sind schlechte Entgifter oft genau diejenigen, die früh und häufig an schweren Krankheiten leiden und auch früher sterben, wenn sie nichts dagegen unternehmen. Die HPU spielt hier eine bedeutende Rolle, da ihretwegen zu wenig von dem körpereigenen Entgiftungsmittel Glutathion aufgebaut werden kann. Und weil dieses nicht nur unseren Hauptschutzfaktor gegenüber toxischen Belastungen darstellt, sondern auch das wichtigste Mittel gegen virale Infektionen ist, müssen wir diesen Mangel beheben.
Aber es ist auch so, dass die Giftstoffe, denen wir ausgesetzt sind, regelrechte „Vitalstoffräuber“ sind. Also müssen wir den Schritt 1, nämlich die Vitalstoffe aufzufüllen, sorgfältig durchführen, bevor wir Schritt 2, die Entgiftung, starten können.
- Ein zentrales Problem bei der HPU ist das Häm. Welche Funktionen dieser Substanz sind Ihrer Ansicht nach besonders wichtig?
▶ Ohne Häm wäre Leben nicht möglich. Das bekannteste Häm-Protein ist das Hämoglobin, das in unseren roten Blutkörperchen den Sauerstoff zu den Zellen und das Kohlendioxid zu den Lungen transportiert, wo es abgeatmet wird.
Aber vielen ist nicht bekannt, dass Häm noch weitere wichtige Funktionen hat: Es ist Bestandteil aller Entgiftungsenzyme der Phase 1. Diese sind unverzichtbar in der gesamten „Entgiftungskaskade“ des Körpers. Zum anderen ist Häm Bestandteil der Atmungskette unserer Mitochondrien. Das bedeutet, ohne Häm können unsere Zellen nicht genügend Energie zum Leben produzieren. Denn nur in der Atmungskette können Kohlenhydrate oder Fett unter Sauerstoffverbrauch verbrannt werden und nur dort kann dabei sehr viel Körperenergie erzeugt werden. Wenn das nicht funktioniert, dann erhält man schon im Anfangsstadium Beschwerdenbilder wie bei den vielen chronisch müden Menschen. Das sind Vorboten für später möglicherweise eintretenden schwereren Krankheiten.
Häm hat aber auch noch eine interessante Funktion im Gehirn: Es kann schädliche Ablagerungen aus dem Gehirn entfernen – das β-Amyloid. Die Alzheimerkrankheit, die momentan auch in jüngeren Altersgruppen rasant zunimmt (2012: weltweit 35 Millionen Alzheimer-Kranke, bis 2050 wird mit 135 Millionen gerechnet), ist so eine Amyloid-Ablagerungskrankheit. Die krankhaften Ablagerungen werden hauptsächlich durch langjährige Quecksilberbelastung verursacht, wie Daten der letzten 23 Jahre nahelegen. Ein intaktes Häm kann dem entgegenwirken. Aber auch bei Autismus findet man Störungen des Hämaufbaus, verursacht durch Quecksilber (aus mütterlichen Amalgamfüllungen und Impfstoffen) und Aluminium (aus Impfstoffen) in Kombination mit genetischen Entgiftungsstörungen wie HPU. Deshalb erscheinen die betroffenen Kinder oft sehr blass, obwohl sie genügend Körpereisen aufweisen und genug Blut bilden. Durch Ursachentherapie wie Entgiftung und Ausgleichen der HPU geht es diesen Kindern meist besser und sie haben dann auch wieder eine gesündere Hautfarbe.
- Wie ist der gesundheitliche Nutzen von moderater sportlicher Betätigung einzuschätzen, speziell auch für HPU-Betroffene?
▶ Der Wert sportlicher Aktivität ist sehr hoch einzuschätzen. Wenn gleichzeitig genügend Vitalstoffe vorhanden sind und die Ernährung stimmt, dann wirkt Sport vielen Zivilisationskrankheiten entgegen. Beispielsweise wird das Risiko für Herzinfarkt oder Krebs um 30 bis 50 Prozent gesenkt. Der Effekt ist damit erklärbar, dass Sport Kohlenhydrate und Fett verbrennt und den Körper in eine Art Fastenstatus bringen kann. Und Fasten, also Kalorienrestriktion, ist eines der wirksamsten Mittel, das Leben zu verlängern. Gesunde Ernährung spielt zwar eine noch größere Rolle als Sport, aber wenn beide kombiniert werden, hat man die besten Effekte. Die Ernährung sollte frischkostreich und kohlenhydratarm sein und wenig Tierprodukte enthalten. Die sportliche Betätigung kann dadurch intensiviert und effektiver gemacht werden, dass man sie nüchtern, also im „fastenden“ Zustand (wohl meist am Morgen) praktiziert. Und sofern man nicht Leistungssportler ist, sollte man nach der sportlichen Aktivität keine Kohlenhydrate essen. Mit diesem Vorgehen lassen sich viele Verjüngungsprozesse ankurbeln, etwa das Verlängern der Telomere oder die erhöhte Sekretion von Wachstumshormonen und DHEA. –

(Näheres über die Arbeit von Dr. Joachim Mutter erfahren Sie auf dieser Website: http://detoxklinik.de)
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.