Kitabı oku: «Praxisbuch analytische Kinesiologie»
Dr. Christa Keding
Praxisbuch
analytische Kinesiologie
Die Ursachen erforschen –
die Behandlung optimieren –
mit dem Muskeltest

VAK Verlags GmbH
Kirchzarten bei Freiburg
Hinweise des Verlags
Inhalt
Einführung
Die Faszination des Einfachen
Warum dieses Buch?
Was Ihnen dieses Buch bietet
Unser Weg zur Kinesiologie
Kurzer Blick in die Geschichte der Kinesiologie
Weshalb gerade der Muskeltest?
TEIL I: DIE GRUNDLAGEN DES MUSKELTESTENS
Die Physiologie
Die „Stressreaktion“
Die idiomotorische Steuerung
Die Technik des Muskeltestens
Die Adaptation
Der Substanztest
Der Dialogtest
Der Rastertest
Der Selbsttest
Der Surrogattest
Was tun, wenn es nicht funktioniert?
Woher kommen die Testantworten?
TEIL II: DIE PRAXIS DES MUSKELTESTENS
Von einfachen zu komplexen Anwendungen
Der Rastertest in der Praxis
Der Dialogtest im Einsatz
Ursachenorientierte Heilkunde
Die vier Kategorien von Ursachen
Struktur
Funktion
Psychosomatik
Energetik
Narben als Störfelder
Zähne als Störfelder
Elektrosmog
Die Gewichtung der Krankheitsursachen
Ursache oder Auslöser?
Testpunkte und körperliches Check-up
Teststrategie für ein Fallbeispiel
TEIL III: HEILUNGSGESCHICHTEN
Unvermeidliches Leid und unsere Antwort darauf
Nachklang
Ein anderer Heilungsansatz
Der Muskeltest und die Kommunikationsfelder
Persönliche Qualitäten
ANHANG
Einstieg ins Muskeltesten und Arbeitshilfen
„Denkzettel“
Selbstklärung bei typischen Problemsituationen
Fehlercheck
Literaturempfehlungen
Über die Autorin
Einführung
Die Faszination des Einfachen
Jan Philipp ist ein Kind des Muskeltests – im wörtlichen Sinne: Seine Eltern hatten schon eine wahre Odyssee hinter sich. Ihr Kinderwunsch war unerfüllt geblieben, trotz langer Hormonbehandlungen, trotz „Liebe nach Plan“ und wiederholter künstlicher Insemination. Ihr letzter, eher halbherziger Versuch war ein Beratungsgespräch in meiner Praxis.
Es war geradezu erschreckend einfach: Mithilfe eines einfachen Tests von Muskelreaktionen stellte sich heraus, dass beide Ehepartner unter einer chronischen Störung des Immunsystems litten – mit Auswirkung auf den Hormonhaushalt. In beiden Fällen war ein alltägliches Virus, nämlich das der Windpocken, dafür verantwortlich. Beide Partner wurden daraufhin drei Monate lang mit einer homöopathischen Ausleitung behandelt. Sechs Wochen nach Beendigung der Therapie erhielt ich die Nachricht des Jahres: Die junge Frau war schwanger geworden, auf ganz natürlichem Wege! Heute ist Jan Philipp längst erwachsen und denkt vielleicht schon an eigene Kinder …
* * *
Jemandem, der über Muskeltesten oder Kinesiologie noch nichts weiß, mag diese kleine Geschichte befremdlich vorkommen. Und es ist in der Tat ein erstaunliches Phänomen, das da zum Vorschein kommt. Eine sozusagen diagnostische Untersuchung in Form des Testens der Muskelreaktion dürfte (auch in der Medizin) nicht landläufig vertraut sein, sodass dazu in diesem Buch noch manches erklärt werden muss. Aber damit Sie vor einem tieferen Einstieg in die Thematik zumindest schon ein ungefähres Bild vom Muskeltest vor Augen haben, möchte ich hier kurz beschreiben, was ein außenstehender Beobachter in meiner Praxis konkret zu sehen bekommen hätte, wenn er bei der eben erwähnten Untersuchung zugegen gewesen wäre:
Stellen Sie sich also vor, wie dieses Ehepaar in meine Praxis kam. Nach meiner eigenen Anamnese konnte ich auf die Befunde zurückgreifen, die vom Gynäkologen, vom Urologen und vom Kinderwunschzentrum schon vorlagen. Ich musste also nicht von vorn anfangen, sondern konnte gleich mein spezielles Instrument – den besagten Muskeltest – einsetzen und sowohl die Frau als auch den Mann „testen“:
Die zu untersuchende Person setzt sich dabei auf einen bequemen Stuhl und wird aufgefordert, einen Arm gerade vor sich auszustrecken und in dieser Position zu halten – mit ein wenig Spannung, aber ohne Kraftanstrengung. Ob der Wille zum Halten bei den Armmuskeln „ankommt“, prüfe ich, indem ich auf diesen Arm etwas oberhalb des Handgelenks einen kurzen, leichten, allmählich zunehmenden Druck nach unten ausübe. Im Normalfall behält der Arm seine Position bei.
Aber nicht immer hält der Arm stand: In bestimmten Situationen verliert der Getestete kurz die „Kontrolle“ über die Muskelsteuerung, sodass der Arm dem Druck nachgibt und nach unten sinkt. Immer, wenn das geschieht, kann ich als Untersucherin darauf schließen, dass soeben eine Störung auf den Untersuchten eingewirkt hat.
Diese Prüfung der Muskelreaktion lässt sich – das wird den größten Teil dieses Buches ausmachen – mit einem System verbinden, das Informationen aus dem vegetativen Nervensystem und dem Unterbewusstsein des Patienten an die Oberfläche holt. Auf diesem Wege lassen sich konkrete krank machende Einflüsse aufdecken und individuell optimale Therapieansätze ermitteln.
Dazu werden die nachfolgenden Kapitel noch einiges an Erklärungen liefern. Festzuhalten bleibt aber zunächst die verblüffende Tatsache, dass offenbar jeder Mensch von Natur aus mit einem einfachen und hoch effizienten „Untersuchungsinstrument“ ausgestattet ist, das er ständig bei sich trägt und das für jeden Therapeuten unmittelbar zugänglich ist: Es ist die willkürlich gesteuerte Skelettmuskulatur, die mit dem Muskeltest testbar ist. Seine Anwendung möchte ich in diesem Buch vorstellen.
Wenn man sich einmal ernsthaft auf die Kinesiologie eingelassen hat, ist es schwer, wieder loszulassen. Ich kenne keine einfachere und überzeugendere Methode, mit unbewussten Informationen in Kontakt zu treten. Dies geschieht über den leicht zu erlernenden Test der Muskelkraft. Dieser ist so einfach wie das Abc und so vielseitig wie dessen Ausdrucksformen. Er ist sozusagen Übersetzer einer Sprache, die zu hören und zu verstehen wir verlernt haben oder die uns aus anderen Gründen verschlossen ist. Er macht es uns möglich, zu unbewussten Informationen unseres Körpers, unserer Psyche, unseres Geistes, ja, unseres Selbst in Verbindung zu treten. Er ist einfach, praktisch und überzeugend.
Warum dieses Buch?
Mit dem Muskeltest haben wir einen Schatz gehoben, der sich ständig vergrößert, wenn man ihn mit anderen teilt, und der wächst, wenn man ihn benutzt. Suchen auch Sie einen so gewinnbringenden Schatz? Solche Schätze sind eine hervorragende Investition, nicht nur im Gesundheitswesen, aber ganz besonders dort. Bekanntermaßen ist Gesundheit ein kostbares Gut. Keine Zeitschrift ohne Gesundheitstipps, kaum ein Supermarkt, keine Bushaltestelle, kein Kaffeekränzchen oder Stammtisch, wo nicht im kleinen Kreis Beschwerden, Befunde und die neuesten Medikamente oder dergleichen besprochen werden. Der Büchermarkt quillt über von Ratgebern für Selbsthilfe und Gesundheitspflege, von bewährten und abstrusen Rezepten, von wertvollen Informationen und von immer neuen, oft fragwürdigen Heilungsmethoden.
Der Muskeltest bietet eine Chance, sich im Dschungel des Gesundheitsmarktes zu orientieren und zu den wahren Wurzeln von Krankheit, Gesundheit und Heilung (zurück) zu finden. Er hilft uns, aus den Tausenden von Puzzlesteinen, die das Bild unseres Lebens gestalten, diejenigen herauszufinden, die sich nicht in das Gesamtbild einfügen, die verdreht oder verschoben sind und so zu Disharmonie, Krankheit und Leid geführt haben. Das zu erkennen scheint gerade heute dringend nötig zu sein.
Trotz dankenswerter Erfolge bei der Eindämmung vieler Infektionskrankheiten und trotz des Anstiegs unserer Lebenserwartung klagen andererseits mehr Menschen als je zuvor über sogenannte Befindlichkeitsstörungen. Wir haben bisher kein Rezept gefunden zur erfolgreichen Behandlung von Krebs und Aids. Immer mehr Menschen leiden und sterben an den Folgen sogenannter Zivilisationskrankheiten. Erkrankungen des Immunsystems wie Allergien, Neurodermitis und chronische Infekte nehmen stetig zu, neue unbeherrschbare Viruserkrankungen treten auf …
Die etablierte Medizin hilft sich, indem sie eifrig nach Bekämpfungsstrategien forscht, ohne den Boden zu ergründen, auf dem Krankheit gedeiht. Dem schließen sich nahtlos etliche komplementärmedizinische Richtungen an, indem sie dasselbe tun, nämlich Symptome behandeln (= bekämpfen) – nur mit weniger radikalen Mitteln.
Wenn Sie davon genug haben, wenn Sie durchschauen, dass hier auf allen Ebenen ein riesiger Markt boomt, auf dem sich Heilsversprecher und Dogmatiker jeglicher Couleur tummeln, dann sehnen Sie sich vielleicht wie ich nach einer Möglichkeit, aus diesem Rad von Reaktionen auszusteigen, wieder kreativ und konstruktiv zu werden.
Wenn Sie zu denjenigen gehören, die gern ökonomisch arbeiten, dann kann Ihnen kaum etwas Sinnvolleres begegnen als der Muskeltest. Er ist einfach, billig zu haben und vielseitig. Er ist extrem ökonomisch, weil wir bei einer ursächlichen Behandlung so gut wie keine Symptombekämpfung mehr brauchen und uns damit Freiraum schaffen für die effektive Behandlung von immer mehr Menschen. Mit diesem Buch möchte ich eine Brücke bauen für alle, die sich in der heutigen Medizin nicht mehr (ausschließlich) aufgehoben fühlen und die erkennen, dass die viel propagierte „Machbarkeit“ in der Medizin nur eine scheinbare ist.
Was ich möchte:
• Allen, die des traditionellen medizinischen Systems müde geworden sind, eine echte Alternative oder Ergänzung anbieten
• Neugier wecken, Fragen anregen, wach machen für neue Blickwinkel
• Möglichkeiten aufzeigen, die integrieren statt trennen
Worum es mir nicht geht:
– um das Bekämpfen der Schulmedizin
– um die Verbreitung einer weiteren alternativen Therapiemethode
Ich habe dieses Buch geschrieben unter dem Eindruck begeisternder Erfahrungen mit dem Muskeltest. Ich möchte diese Erfahrungen mitteilen, insbesondere anderen therapeutisch Tätigen, die sozusagen ihre Antennen für Alternativen schon ausgefahren haben: Ich möchte Sie zum Mitmachen und Anwenden animieren.
Zwar bediene ich mich einer allgemein verständlichen Sprache, weil Verantwortung für Gesundheit eine allgemeine Herausforderung ist, die nicht auf sogenannte Experten beschränkt werden darf; gleichzeitig formuliere ich aber auch therapeutisch, das heißt, ich gebe konkrete „Regieanweisungen“, die in der Praxis umgesetzt werden können.
Ja, ich möchte Ihnen ein therapeutisches Handbuch vorlegen, mit dem Sie umgehend in eine neue Dimension der Medizin starten könnten, sobald Sie die technische Anwendung des Tests beherrschen. Ob Sie nun als Arzt, Zahnarzt, Heilpraktiker oder Psychotherapeut, als Tierarzt, Krankengymnast, Hebamme oder einfach als neugieriger Mensch an den Muskeltest und an dieses Buch herangehen – in Verbindung mit Ihrem eigenen Wissen sowie Ihren Aufgaben und Fähigkeiten werden Sie spannende, erstaunliche und überzeugende Erfahrungen machen.
Noch ein paar Worte zum wissenschaftlichen Anspruch dieses Buches: Eigentlich hat es keinen! Zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich mich den konventionellen wissenschaftlichen Kriterien unterordnen solle, aber da sie für mich (wie auch für viele Wissenschaftler unserer Zeit) ohnehin überholungsbedürftig sind, mochte ich mich nicht in brüchige Formen fügen, zumal die dargestellten Beobachtungen deren Rahmen sprengen. Da ich andererseits eine entschiedene Verfechterin logischer Argumentation bin, werde ich den Pfad des Nachvollziehbaren nicht verlassen; und wo mir wissenschaftliche Erklärungen und Begründungen zugänglich sind, werde ich Sie Ihnen nicht vorenthalten.
Kybernetik und Regeltechnik, Elektronik und weltweite Vernetzung bestimmen heute unser Leben. Unser wissenschaftliches Denken, besonders in der Medizin, hält aber immer noch an den starren materiellen newtonschen Kriterien fest, die selbst in der Physik längst als überholt gelten. Die Physik kennt schon lange das Sowohl-als-auch in der Natur von Schwingung und Materie – nur die Medizin hält rigider als jeder andere Forschungszweig an den alten Denkstrukturen fest. Sie klammert sich ängstlich bis überheblich an ein längst überholtes Weltbild und erschwert damit die Synthese aus anerkennenswerter Objektivität und notwendiger Subjektivität, die beide zum Leben und besonders zur Heilung gehören.
Verhält sich unsere Wissenschaft „wissenschaftlich“, wenn sie bestimmte Erscheinungen aus den Untersuchungen ausklammert, nur weil sie ihr „nicht objektivierbar“ erscheinen? Und wenn sie nach dem Motto entscheidet, „dass nicht sein kann, was nicht sein darf“, weil sonst etablierte Paradigmen infrage gestellt würden?
Dürfen wir bei gewissenhafter medizinischer Forschung sogenannte Spontanheilungen lebensbedrohlicher Erkrankungen ebenso ignorieren wie die Kraft der Suggestion, die üblicherweise als Störfaktor wissenschaftlicher Versuchsanordnungen abgetan wird? Wenn die Suggestion doch so gut funktioniert, dass sie Versuchsergebnisse „verfälschen“ kann, gehören dann nicht Scheuklappen im Großformat dazu, ihre Wirkung und ihren Stellenwert zu ignorieren? Wie viel ergiebiger und ökonomischer könnte es sein, den Charakter dieser Phänomene zu studieren, anstatt sie zu eliminieren und für unwissenschaftlich zu erklären!
Dieser Kategorie wissenschaftlicher Ansprüche, die mit Doppelblindversuchen arbeitet, die sich bemüht, die Einzelteile in immer weitere Einzelteile zu zerlegen, und dabei das Zusammenspiel des Ganzen völlig aus den Augen verliert, werde und will ich in diesem Buch nicht entsprechen. Allein die Logik (und die Neugier) gebietet mir, mit dem „Warum“ nicht auf halber Strecke stehen zu bleiben und das Cholesterin für Herzinfarkte oder Helicobacter-Bakterien für Magengeschwüre verantwortlich zu machen. Viren, Bakterien, Hormone, Enzyme, Transmitter, Stoffwechselprodukte sind zweifellos erkennbare Mediatoren im Krankheitsgeschehen – aber sind sie wirklich „Ursachen“? Zum Vergleich: Ist das anhaltende Aufleuchten der Ölkontrollleuchte am Armaturenbrett meines Autos etwa die „Ursache“ für den „Kolbenfresser“?
Für mich wirft das Bestimmen immer neuer „Feinde“ im Organismus mehr Fragen auf, als dass es Antworten gibt. Und so würde es mich freuen, wenn es mir gelänge, in Ihnen mit meinen Beobachtungen ebenfalls Fragen zu wecken, Denkwürdiges anzuregen.
Ich verspreche Ihnen, gewissenhaft, ehrlich und logisch zu sein. Ich beschreibe meine Erfahrungen, biete Ihnen Hypothesen an, bemühe mich um gesunden Menschenverstand. Die Wahrheit – Ihre Wahrheit – zu finden, das sollte dann Ihr Vergnügen sein, Ihr Schatz, zu dem Sie dieses Buch vielleicht wie eine Art Brücke führen darf. Lassen Sie sich überraschen und freuen Sie sich auf eine spannende Reise!
Was Ihnen dieses Buch bietet
Sofern Sie den Muskeltest bereits technisch erlernt haben oder ihn sich als Naturtalent autodidaktisch erarbeiten oder parallel zum Buch praktisch vermittelt bekommen, werden Sie als Therapeut nach der Lektüre in der Lage sein, …
• mit dem Test Gesundheitsstörungen manifester und latenter Natur zu erfassen und konkreten Ursachen zuzuordnen,
• mit einfachen Mitteln für jeden Kranken ein individuell optimiertes Therapieschema zu erstellen.
Als medizinisch interessierter (wenn auch nicht medizinisch ausgebildeter) Muskeltestanwender werden Sie …
• differenzieren können, was Ihnen gesundheitlich gut tut oder abträglich ist, und
• selbstbewusster auf die Suche nach Therapeuten gehen, die nicht nur Symptome bekämpfen wollen, sondern heilen helfen.
Im Zentrum dieses Buches steht ein speziell strukturierter Einsatz des Muskeltests, nämlich die konkrete Analyse von Krankheitsbildern. Deshalb möchte ich diesen Test hier als den analytischen Muskeltest bezeichnen. Das Verfahren als solches ist keine eigene Therapiemethode, es kann offen zu jeder anderen Therapieform hinleiten. Es ist ein äußerst ökonomisches Werkzeug zur Therapieoptimierung und steht nicht in Konkurrenz zu irgendeinem anderen (medizinischen) Fachgebiet – im Gegenteil: Dieses Instrument verschafft Ihnen Zugang zu anderen „Schatzkisten“, gefüllt mit konventionellen und außergewöhnlichen Therapieangeboten.
Nehmen Sie dieses Buch als Anregung oder als konkrete Arbeitsanleitung; denken Sie aber daran: Es ist wie beim Autofahren, Segeln, Schwimmen oder Maschinenschreiben – ohne die direkte persönliche Anleitung durch erfahrene Anwender werden nur wenige Naturtalente autodidaktisch in den Genuss schneller Erfolge gelangen. Gerade eine Methode, die über ein Element der Bewegung zwischen Bewusstem und Unbewusstem vermittelt, benötigt auch die Bewegung, das heißt die praktische Demonstration und Übung, als Erfahrung.
Noch eine Anmerkung zum Sprachgebrauch: Liebe „Mit-Frauen“, hinsichtlich der Gleichbehandlung in der Sprache möchte ich Sie um Nachsicht bitten. Es erschwert mir den Sprachfluss, immer wieder „den/die TesterIn“ zu berücksichtigen und auf „den/die
PatientIn“ und „den/die TherapeutIn“ einzugehen. Wenn ich in der männlichen Form schreibe, ist dies weder als Bevorzugung noch als Ignoranz zu verstehen, sondern als besser lesbare Vereinfachung, die man mir nachsehen möge. Bislang ist mir noch keine wirklich elegante „gleichberechtigte“ Formulierung begegnet.
Unser Weg zur Kinesiologie
Wenn ich von „wir“ und „unser“ spreche, so möchte ich damit anerkennen, dass Lernen und Arbeiten mit der Kinesiologie für mich kein exklusiver Alleingang war, sondern dass die Höhenflüge einiger fantastischer Erfolge allein durch gemeinsames Forschen, Denken, Spielen und Arbeiten möglich wurden, zusammen mit Kollegen, Freunden, Patienten, Kursteilnehmern – und insbesondere mit meinem Mann.
Von Jugend an hat mich mein Traum begleitet, einen Beitrag zu leisten zu einer lebenswerteren Welt. Jeder mag ja so seinen Spleen haben – für mich war dies immer wieder ein Motor für Veränderung und Arbeit an mir selbst. Natürlich sah ich – wie viele andere Idealisten – in der Medizin die Chance, diesen Traum zu verwirklichen. Dabei war schon der Einstieg in die „Traumkarriere“ von beruflichen Umwegen gekennzeichnet und mit den Steinen des „zweiten Bildungswegs“ gepflastert, bis ich mich endlich mit hohen Erwartungen in das ersehnte Studium stürzen konnte.
Aus dem Traum von einer Medizin als Segen der Menschheit wurde ich sehr schnell und abrupt wach gerüttelt. Kommilitonen waren zu Konkurrenten mutiert, deren Zensurendurchschnitt von 1,0 und besser sie eigentlich zu „Höherem“ berief als nur zu einem Medizinstudienplatz, aber etwas Angeseheneres gab es eben zu diesem Zeitpunkt nicht. Eine erste Enttäuschung, aber sie war zu verschmerzen.
Ganze Glaubensgebäude stürzten allerdings ein, als ich kurz nach dem Physikum mit den Untersuchungen für meine Doktorarbeit zur Verhaltensphysiologie begann. Hier lernte ich das „Sowohl-als-auch“ der Wissenschaft kennen, aber etwas anders als Einstein, Heisenberg und Bohr: sowohl den Wunsch nach eigener Profilierung, womit auch immer diese „gestrickt“ werden musste, als auch die sogenannten „Sachzwänge“ in Form von Forschungsgeldern und Sponsoren. Parallele Vorlesungen über die Geschichte der Medizin mit Hinweisen auf einen gewissen Hippokrates nahmen sich nur noch wie Hohn aus, wenn Patienten bis zur Peinlichkeit zum Demonstrationsobjekt wurden und der Mensch mit seiner Diagnose gleichgesetzt wurde oder wenn Gespräche bei Visiten nur über ihn und in Fachchinesisch abgehalten wurden und der Chefarzt zum Gruß die gummibehandschuhte Hand reichte …
Achtung vor dem Kranken oder Ehrfurcht gegenüber dem Leben überhaupt galten als sentimentale Gefühlsduselei. Und so wurden in der Physiologie weiterhin Frösche bei lebendigem Leibe zerschnitten, pro Student einer, nur um einen einzigen Reflex plastisch zu demonstrieren; oder es wurden Hunde und Katzen grausam und unnötig gequält – unter dem Deckmantel sogenannter Wissenschaft; schließlich wurde Sarkasmus die Sprache einer „notwendigen Distanz“.
Medizin zu studieren – das heißt, das Leben zu studieren – ist unglaublich spannend. Wie schade, dass es immer besser gelingt, jegliches Staunen, jegliche Ehrfurcht vor dem Phänomen dieser großartigen Schöpfung zu zerstören und ins Lächerliche zu ziehen. In mir brodelte es, da kämpften „Durchhalten“ und „Ausbrechen“ miteinander. Das Durchhalten hat gewonnen – ich habe es letztlich nicht bereut.
Die Jahre in Kliniken und Lehrpraxen waren nach dem langen theoretischen Studium die erste Gelegenheit, das Gelernte praktisch anzuwenden und den Patienten wirklich zu helfen – eine ganz neue Erfahrung, die ich mit Freude an der Arbeit auskostete, bis ich meinte, genügend Rüstzeug erarbeitet zu haben für die Gründung einer eigenen hausärztlichen Praxis. Ich glaubte, dass ich in meiner Landpraxis endlich meinen Traum erfüllen konnte, Menschen in allen Aspekten ihres Lebens zu begleiten und ihre Leiden zu heilen. Ich werkelte mit Begeisterung, nahm kleine chirurgische Eingriffe vor, stürzte mich mit Hingabe in das Puzzlespiel der klinischen Diagnostik, begleitete Menschen ins Leben und aus diesem Leben, experimentierte, tröstete und freute mich an den Herausforderungen im Großen wie im Kleinen. Ich tat eben genau das, was jeder Hausarzt mit Leib und Seele tut. Ich nahm teil an vielen Nöten, die nur unter dem Vorwand einer Krankheit in die Praxis führten, aber Ausdruck tiefer Lebenskrisen waren, ich stellte mich den Gesprächen und suchte Unterstützung in der Ausbildung zur Psychotherapeutin.
Keine dieser Facetten möchte ich missen, es war für mich eine lehr- und segensreiche Zeit. Und dennoch blieb die Frage, warum meinem Wirken trotz fundierten medizinischen Wissens, trotz ehrlichen Engagements, trotz ständiger Fortbildungen und meines großen Erfahrungsspektrums nur so wenige anhaltende Erfolge beschieden waren.
Zugegeben, ein paar „Highlights“ detektivischer Diagnostik gab es schon, auch erfüllende Momente in der Begleitung durch körperliche und psychische Krisen, aber je länger ich Patienten betreute, desto mehr quälte mich die Frage, warum es so viele „Damit-müssen-Sie-leben“-Patienten gab und warum sich die unklaren und chronischen Fälle häuften, denen ich kaum oder gar nicht helfen konnte, bei denen die Nebenwirkungen der Medikamente die positiven Wirkungen auffraßen oder die Vorschläge der Fachkollegen in Überweisungsodysseen mündeten. Ich fühlte mich oft hilflos.
Die alte Frage wurde wieder wach: Musste es auf die Herausforderung der Krankheit nicht Antworten geben, die nicht in ihrer vordergründigen Bekämpfung lagen?
Heilung ist schließlich nicht erst eine Erfindung neuzeitlicher Medizintechnik, sondern soll ja als völlig natürlicher Regulierungsprozess schon in den Zeiten vor Antibiotika und Kortison vorgekommen sein. Nun hatte ich doch alles zur Hand: neuzeitliche Diagnosetechnik, vielversprechende Medikamente, Einfühlungsvermögen und ein offenes Ohr – und trotzdem blieben die Leute krank! Auch meine Appelle zu einer gesunden Lebensweise änderten in den seltensten Fällen etwas; die Frage nach dem spezifischen Hintergrund seiner Krankheit konnte ich dem Patienten nicht beantworten.
Ich stand vor einem therapeutischen Offenbarungseid. Das ganze Arsenal der die Symptome bekämpfenden Medizin hatte versagt, ich empfand fast jedes Therapieangebot wie das laute Singen eines Kindes, das beim Gang in den dunklen Keller die eigene Angst übertönen will. Ich fühlte mich ausgeliefert und resignierte.
Und dann wurde ich krank. Mitten aus der gut laufenden Praxis wurde ich durch eine Perimyokarditis (Entzündung von Herzbeutel und Herzmuskel) aus dem Verkehr gezogen. Die Frage, die mich sonst bei der Behandlung meiner Patienten bewegte, betraf mich jetzt selbst und wurde damit noch brisanter: Warum bin ich krank? – Warum gerade ich? – Und warum gerade jetzt?
Der Rat des behandelnden Kollegen, die Praxis für drei Monate zu schließen und mich ins Bett zu legen, war unrealistisch; alternativ konnte ich noch versuchsweise Aspirin und Kortison schlucken. Aber beides konnte nicht die Lösung sein.
Glücklicherweise gelangte ich an einen Kollegen, der mit Elektroakupunktur nach Voll (EAV) arbeitete und der mich kurzfristig untersuchte. Neben einer viralen Belastung fand er eine massive Intoxikation mit einem angeblich völlig „ungiftigen“ Pflanzenschutzmittel (aus dem Kreis der sogenannten Pyrethroide). Das war stimmig, denn unser Haus war im Jahr zuvor damit behandelt worden und ausgerechnet im Wohnzimmer war ein ganzer Eimer davon umgekippt … Die toxische Belastung wurde mit homöopathischen Mitteln ausgeleitet und innerhalb von zwei Wochen (!) war ich wieder einsatzfähig für meine Praxis und die Familie.
Ich glaube, das war (schon vor Beginn meiner „kinesiologischen Phase“) die entscheidende Erfahrung in meinem Leben und in meiner Laufbahn: Ich fühlte mich bestätigt in meiner Sicht von Krankheit, nämlich dass es tiefere Ursachen für ihre Entstehung geben musste. Mit meiner Erkrankung kam ich an den Wendepunkt, an dem ich mich endgültig medizinisch umorientierte.
Fortan war ich auf der Suche danach, meinen Patienten in ähnlicher Weise helfen zu können, wie mir geholfen wurde. Natürlich erlernte ich umgehend auch die EAV, kam aber nicht gut damit zurecht. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass für meine individuelle Fragestellung noch etwas fehlte. Wie sollte ich etwa mit der EAV insbesondere psychische Faktoren oder andere immaterielle Krankheitsursachen nachweisen?
Von einem Chirotherapiekurs brachte mein Mann dann einen neuen Impuls, ja, die methodische Überraschung, mit nach Hause: Er berichtete begeistert, dass ein Heilpraktikerkollege über Veränderungen der Muskelkraft die Therapie entschieden und hinterher deren korrekten Abschluss überprüft hatte.
Mein Mann demonstrierte mir den Muskeltest – und ich glaubte zunächst gar nichts, konnte mir in keiner Weise erklären, was da eigentlich ablief. Als ich aber immer wieder sah, dass dieser Test reproduzierbar war, dass er unabhängig von meinem Willen ablief, da packte mich die Neugier, ich wollte es genauer wissen. Erste vage Visionen drängten sich auf, dass dieser Test vielleicht sogar für meine Arbeit brauchbar sein könnte.
Mein Mann und ich absolvierten umgehend zahlreiche Kurse in Kinesiologie (Touch for Health, Three in One Concepts, Tools of the Trade, One Brain und andere), aber wir brauchten etliche Monate, bis wir uns zutrauten, Teile dieses komplexen Systems selbst anzuwenden und – über einen Showeffekt hinaus – bei Patienten praktisch einzusetzen.
Wir hatten zwar ein riesiges Spektrum von Techniken erlernt, aber leider keine für mich befriedigenden theoretischen Zusammenhänge erfahren. Vieles blieb für mich nebulös und doch konnte ich nicht leugnen, dass der Muskeltest funktionierte. Da mir verbindliche Erklärungen vorerst noch fehlten, traute ich mich auch noch nicht recht, den Test in die Praxis zu integrieren. Ich hatte erhebliche Angst vor Blamage und so blieben die ersten Sitzungen zunächst nur den dringlichsten Fällen vorbehalten.
Zaghafter Beginn
Die erste Patientin, der ich zögernd eine Austestung anbot, war eine dreißigjährige Frau, die in einer verzweifelten Lage war: Sie hatte ein Baby tot zur Welt gebracht und wünschte sich sehnlichst, wieder schwanger zu werden, hatte aber gleichzeitig Angst davor.
Meine Untersuchung (mithilfe des Muskeltests) war damals, mangels fundierter Anleitung für solche praktischen Situationen und mangels technischer Übung, extrem zeitaufwendig und aus meiner heutigen Sicht stümperhaft. Aber sie führte zu einem überraschenden und stimmigen Ergebnis:
Ursache für den Kindstod war eine chronische Belastung des mütterlichen Immunsystems mit einem Virus; dafür wiederum sollte eine Pockenschutzimpfung in der frühen Kindheit verantwortlich sein. Als ich das – selbst ziemlich skeptisch – aussprach, erinnerte sich die Patientin, dass sie (nach Aussage ihrer Eltern) nach dieser Impfung über ein halbes Jahr lang wegen einer Lähmung nicht mehr habe laufen können!
Wir testeten eine entsprechende Ausleitungsbehandlung mit homöopathischen Mitteln aus und die Ängste der Patientin während der im darauffolgenden Jahr eintretenden neuen Schwangerschaft begleiteten wir zur psychischen Stabilisierung mit psychologischer Kinesiologie. Der Sohn Johannes wurde gesund geboren. Er war recht zierlich und in seiner Konstitution ein wenig empfindlich, aber grundsätzlich gesund. Leider konnten einige Belastungen im Lebensumfeld der Familie bislang nicht geändert werden; insgesamt jedoch sind Mutter und Sohn auch heute, fast zwanzig Jahre später, gesund und glücklich.
Diesem zaghaften Einstieg folgten viele weitere Chancen, den analytischen Muskeltest in einer gut laufenden, meist vollen Landarztpraxis einzusetzen und zu erproben. Dank des positiven Feedbacks wichen meine Vorbehalte und ich konnte diese Hilfe immer selbstverständlicher anbieten. Ich bin dankbar für die vielen Tausend Male, in denen ich auf Bereitschaft zum Testen stieß; ich habe daraus unglaublich viel gelernt und davon wiederum haben inzwischen unzählbar viele Patienten profitiert. Darüber hinaus habe ich meine Kenntnisse und Erfahrungen in Seminaren an zahlreiche andere Therapeuten weitergeben dürfen, die ihrerseits wiederum mit der analytischen Kinesiologie nun schon seit vielen Jahren großartige Arbeit leisten.
Im Alltag meiner Hausarztpraxis wandelte sich diese Muskeltestmethode der Kinesiologie, sie entfernte sich immer mehr vom ursprünglich Erlernten, sie machte sich sozusagen selbstständig. Sie wurde mehr und mehr zu einem flexiblen Instrument und fügte sich geschmeidig den Ansprüchen einer suchenden Medizin; sie wurde zu einem soliden Handwerkszeug und allmählich entdeckte ich durch die Reduktion auf das Wesentliche auch ihre Grundprinzipien und immer mehr Erklärungen für ihre Funktionsweise.
Genau diese Facette ist es, die das Testverfahren geradezu sensationell erfolgreich macht, denn sie erlaubt Rückschlüsse und damit Erkenntnis – und welches andere Instrument kann das leisten?
Dieser analytische Muskeltest stellt keine eigenständige Behandlungsform dar, sondern führt nur zur idealen Therapie hin. Er ist nicht wirklich eine „Methode“ (mit Alleinstellungsanspruch), sondern eher ein Prinzip, die praktische Umsetzung eines Naturgesetzes. Er ist schlicht und undogmatisch und so lässt er die wirklichen Segnungen der Schulmedizin gleichberechtigt stehen neben wirkungsvollen Alternativtherapien und der Erkenntnis der eigentlichen Krankheitsursachen. An dieser „Brücke“ zu bauen, die keine bestimmte medizinische Richtung vorschreibt, das ist mein größtes Anliegen.
Kurzer Blick in die Geschichte der Kinesiologie
Die Kinesiologie, die heute ein vielfältiges Gesicht mit unterschiedlichsten Ausrichtungen zeigt, entwickelte sich in den Sechziger- und Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts in Amerika aus dem Zusammenwirken mehrerer Therapeuten. Die Chiropraktiker George Goodheart und John Thie erforschten Wechselwirkungen im menschlichen Organismus zwischen Muskulatur und Wirbelsäule einerseits und inneren Organen andererseits. Sie legten dabei im Wesentlichen das Meridiansystem der traditionellen chinesischen Medizin zugrunde, erarbeiteten die Bezüge der Meridiane zu spezifischen Muskeln und entwickelten die Methode, die Funktion dieser Muskeln und damit die Integrität des jeweiligen Meridians zu überprüfen. Energetische Beeinträchtigungen der Muskeln weisen dabei auf Störungen im zugehörigen Meridian hin, dem wiederum nicht nur Organe, sondern auch Drüsen, Gewebestrukturen, Sinnesorgane, Emotionen und mehr zugeordnet werden. Durch Stimulieren bestimmter Reflexpunkte lassen sich die gestörten Meridiane harmonisieren und „geschwächte“ Muskeln stärken.
Damit integrierten Goodheart und Thie auch die Entdeckungen von Frank Chapman und Terrence Bennet in ihre Arbeit. Chapman fand Punkte und Zonen auf der Körperoberfläche, die mit den Meridianen reflektorisch verbunden sind. Eine leichte Reizung dieser Zonen, etwa durch Reiben, regt die Lymphzirkulation an und entgiftet auf diese Weise die entsprechenden Körperregionen. Bennet entdeckte, dass die Berührung bestimmter Punkte am Kopf die Durchblutung korrespondierender Gehirnareale steigerte – die Grundlage vor allem für emotionalen Stressabbau.
Die Entwicklungsarbeit von Goodheart und Thie ist die Basis der meisten kinesiologischen Richtungen, vor allem des Touch for Health, das zur Selbsthilfe und Gesundheitsvorsorge entwickelt wurde. Auf dieser Grundlage entstanden weitere kinesiologische Varianten mit unterschiedlichen Anwendungsgebieten, von denen ich zwei besonders erwähnen möchte: die emotionale Balancierung und Brain-Gym® als Methode zur Förderung des Lernens.
Die Amerikaner Gordon Stokes und Daniel Whiteside entwickelten die Grundlagen des Touch for Health weiter, um speziell an emotionalen Blockaden zu arbeiten. Mit ihren Techniken und Übungen, die sie unter dem Namen Three in One Concepts® zusammenfassten, lassen sich untaugliche, meist vor langer Zeit erworbene Reaktionsweisen aufdecken und in gewünschter Ausrichtung neu bahnen. Weitere Pioniere waren Wayne Topping (Das Muskeltest-ABC) und der Psychiater Dr. John Diamond, der mit seinem Buch Der Körper lügt nicht die Kinesiologie einem breiten Publikum zugänglich machte. (Beide Bücher sind im Verlag VAK erschienen.)
Die Kinesiologie wurde und wird durch die unterschiedlichsten Bedürfnisse und Ideen ihrer Anwender ständig weiterentwickelt. Der Professional Kinesiology Practitioner und die Behavioural Kinesiology weisen zum Teil schon ein wenig in Richtung auf unsere Arbeit, indem sie die Einflüsse des Lebensumfelds auf den Organismus untersuchen. Andere Varianten widmen sich verschiedenen Spezialgebieten, bei denen die Kinesiologie als solche nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.
Hervorheben möchte ich noch eine äußerst effektive Richtung, die wir primär der Arbeit von Gail und Paul E. Dennison zu verdanken haben: die Edukinestetik mit ihrem Übungsprogramm Brain-Gym®. Diese Methode erreicht mit einfachen Bewegungsübungen die optimale Koordination beider Gehirnhälften und trägt damit zur Maximierung von Konzentration, Denkvermögen und Kreativität bei. Hierüber gibt es umfangreiche Literatur, die auch gut zum autodidaktischen Studium geeignet ist. Schulen öffnen sich zunehmend dieser überzeugenden Lernhilfe; interessierten Lehrern, Erziehern und Eltern wird eine große Auswahl von Kursen angeboten.
In ähnlicher Weise hat sich die Kinesiologie in unseren Händen gewandelt und den Erfordernissen unserer Arbeit angepasst. Die Bedingungen in einer großen Hausarztpraxis ließen den umfassenden Einsatz etwa des klassischen Touch for Health zeitlich nicht zu; außerdem war meine Intention ohnehin nicht nur, eine regulierende Therapie zu finden. Ich erahnte im Muskeltest die Möglichkeit, eine Antwort auf meine eigentlichen Fragen nach Gesundheit und Krankheit zu finden. Ich brauchte einfache und praktikable Hilfsmittel, um individuell und effektiv zu klären:
1. Was liegt vor?
2. Wie ist es dazu gekommen?
3. Welches ist die optimale Therapieform?
Solange man, wie Goodheart und andere, auf der physiotherapeutischen Ebene arbeitet, ist das Touch for Health eine ideale Methode: Sie bleibt völlig im neuromuskulären Funktionssystem, sowohl diagnostisch wie therapeutisch wie auch klinisch betrachtet. Aber schon die damals erste Patientin, die verzweifelt Rat suchte und der ich den Test anbot, benötigte eine Antwort auf die Frage, warum ihr erstes Kind tot zur Welt gekommen war und was sie tun konnte, um dies beim zweiten Kind zu verhindern. Eine Balancierung mit Touch for Health allein hätte ihr sicherlich nicht dasselbe Vertrauen vermittelt wie die (für sie nachvollziehbare) Erkenntnis, was ihrem Körper geschadet hatte. Diese Erkenntnis ließ sich aber erst durch modifiziertes Arbeiten mit dem Muskeltest ermitteln.
So entwickelte ich im Laufe der Jahre durch tausendfache praktische Anwendung in meinen Sprechstunden ein strukturiertes System, das mir über den Muskeltest eine Krankheitsanalyse und das Verständnis für die jeweiligen Ursachen und Auslöser vermittelte. Damit wird einerseits die Therapie zur logischen Antwort auf die ursächliche Schädigung, andererseits motiviert die Erkenntnis den Patienten eher zu den notwendigen Konsequenzen in der Lebensführung (beispielsweise Zahnbehandlung, Narbenentstörung, spezifische Toxinausleitung, Trauma-Aufarbeitung, Ernährungsumstellung oder Ähnliches). Diesen Weg möchte ich Ihnen als Gerüst für einen vielfältigen Einsatz im Sinne von Gesundheit und Heilung vorstellen.
Weshalb gerade der Muskeltest?
Die oben erwähnten Wechselwirkungen zwischen Reflexpunkten, Muskeln und inneren Organen sind therapeutisch zweifellos effizient. Wenn man sich in diesem System bewegt, finden sich deutliche Parallelen zu anderen Verfahren wie Akupunktur und Reflexzonentherapie. Auch diese regulieren ja Dysbalancen im Organismus reflektorisch, jedoch in der Regel, ohne nachzuvollziehen, wodurch die Störung entstanden ist, und auch, ohne andere Behandlungswege mit einzubeziehen.
Diese Methoden, bei denen man aus schulmedizinischer Sicht „nicht weiß, was man eigentlich tut“, werden gern in der Schublade der „Therapien für Gesunde“ abgelegt. Sicherlich ist dies auch einer ihrer Ansprüche, nämlich zu regulieren, bevor es zum Ausbruch manifester Erkrankungen kommt. Was darüber hinausgeht, wird ähnlich beargwöhnt wie die früher in westlichen Ländern geschmähte Akupunktur, die von der Ärzteschaft zunächst vehement attackiert wurde; dieselben Institutionen fordern inzwischen, die Akupunktur wegen ihrer durchgreifenden Wirkung nur noch in die Hände von Ärzten zu legen …
Eine erfolgreiche Akupunktur setzt – wie jede Therapie – die vorangegangene Diagnostik voraus. Die klassischen chinesischen Diagnoseverfahren erfordern allerdings eine ganz eigene Denkart und eine umfangreiche zusätzliche Ausbildung, die sich nicht auf den westlichen Studiengängen aufbauen lässt und somit eine große Hürde für ihren seriösen Einsatz bildet. Das Bezugssystem ist dem westlichen Denken derart fremd, dass es nicht nur erfordert, etwas dazuzulernen, sondern neu zu lernen. Einen wichtigen Schritt hin zur Synthese beider Denksysteme hat die Elektroakupunktur nach Voll (EAV) getan, bei der aus Veränderungen des elektrischen Widerstands an Akupunkturpunkten auf Störungen von Meridianen und zugeordneten Organen geschlossen wird. Auf diese Weise können insbesondere biochemisch ausgelöste Krankheitsprozesse hervorragend erfasst und optimale ausgleichende Therapien festgelegt werden.
Damit vergleichbar und ähnlich zu verstehen ist unser Einsatz des analytischen Muskeltests: Ebenso, wie sich die Elektroakupunktur über die klassische Akupunktur hinaus von einem Therapie- zu einem Diagnoseverfahren entwickelt hat, kann auch die Kinesiologie entweder primär therapeutisch (Touch for Health) oder verstärkt analytisch angewendet werden. Für mich liegt der Vorteil hier besonders darin, dass man mit minimalem Aufwand an Material und Zeit zu einer Analyse des Krankheitsgeschehens kommt, die Ursachen nach ihrer Wertigkeit erkennt und damit äußerst ökonomisch behandeln kann. Dies ist (bei aller Anerkennung für die bioelektrischen Messverfahren) meines Wissens mit kaum einer anderen Methode so deutlich möglich wie mit dem kinesiologischen Muskeltest. Insofern sehe ich auch keinen Vorteil darin, den Muskeltest durch Einsatz eines technischen Gerätes „überzeugender“ oder „objektiver“ zu machen, denn wenn der Muskeltest fundiert dargeboten wird, werden ihn auch kritische Geister akzeptieren.
Ein Vorteil gegenüber der Arbeit mit Geräten ist zudem, dass der Muskeltest nicht durch elektromagnetische Einflüsse aus dem Testumfeld irritiert werden kann, da keine (technische) elektrische Messung stattfindet. Wenn man einige Grundregeln beachtet, ist er kaum störanfällig.
Dem Muskeltest sehr ähnlich ist ein altes östliches Diagnoseverfahren, die Pulsdiagnostik. Hierbei beurteilt man die Veränderung des Radialispulses unter verschiedenen Bedingungen, ähnlich, wie der Muskeltest Muskelreaktionen vergleicht. Es ist ein äußerst sensibles Instrument; da die Differenzen sehr subtil sind, bedarf es langer Übung, um ihn sicher anwenden zu können. Außerdem hat auch diese Methode den Nachteil, dass der Getestete die Reaktionen nicht selbst spürt.
Somit sprechen in meinen Augen wesentliche Argumente bevorzugt für den kinesiologischen Muskeltest: Das Erleben des Tests am eigenen Leibe überzeugt am stärksten und bewirkt – weil die Stimmigkeit demonstriert werden kann – ein hohes Maß an Motivation zur Mitarbeit. Was kann man sich als Therapeut Besseres wünschen? Zudem ist der Muskeltest einfach anzuwenden, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Er ist praktisch, zuverlässig – und kostensparend.
TEIL I
DIE GRUNDLAGEN
DES
MUSKELTESTENS
Die Physiologie
Die Frucht von 25 Jahren Praxiserfahrung, 20 Jahren Unterricht, Hunderten von Patienten und Kursteilnehmern, mehr als einer Million „Armdrückern“ und drei ausführlichen Büchern zum Thema Muskeltest ist eine einfache Erkenntnis: Der Muskeltest ist durch und durch logisch. Sein Einsatz und Erfolg lebt von folgerichtigem Denken. Und das macht ihn geeignet, ihn plausibel zu vermitteln, durchaus auch in einem Buch. Seine Physiologie, die Technik des Testens, das Anwendungssystem und der Zweck seines Einsatzes in einer zu untersuchenden Materie sind durchweg in Worte zu fassen und nachzuvollziehen. Beginnen wir mit der Physiologie.
Der Muskeltest beruht auf zwei physiologischen Prinzipien:
– auf der neurophysiologischen Basis einer Reizreaktion und
– auf der idiomotorischen Steuerung.
Was in der EDV – als Grundlage all ihrer Funktionen – die Elektrophysik ist („Strom fließt / Stromfluss unterbrochen“), entspricht in der Steuerung unserer willkürlichen Skelettmuskulatur der Polarität von „Muskelkontrolle vorhanden / Muskelkontrolle unterbrochen“. So wie EDV-Nutzer auf dieser Basis mit (vorgefertigten) Programmen arbeiten beziehungsweise eigene Programme erstellen können, so ergibt auch die Anwendung des Muskeltests im Wesentlichen nur unter einem programmatischen Aspekt Sinn; das wird durch die Idiomotorik ermöglicht. (Dazu weiter unten Näheres.)
Die „Stressreaktion“
Unsere Skelettmuskulatur wird im Großen und Ganzen willkürlich benutzt: In der Regel tun wir mit unserem Bewegungsapparat das, was wir wollen.
Sobald unsere Sinne eine plötzliche Gefahr wahrnehmen, wird diese willentliche Steuerung kurz unterbrochen, um automatischen, reflektorischen Handlungen wie Flucht oder Angriff Raum zu geben und schnellen Reaktionen nicht in die Quere zu kommen. Dieser kurzfristige Verlust der Kontrolle über die Skelettmuskulatur bei Konfrontation mit einem (auch minimalen) Gefahrenreiz ist die „Hardware“ des Muskeltests. Der „Kontrollverlust“ betrifft die gesamte willkürlich gesteuerte Muskulatur.
Die Wahrnehmung von Gefahren (mit den darauf folgenden entsprechenden Stressreaktionen) ist äußerst sensibel und bleibt oft unterschwellig, dringt also nicht immer bis ins Bewusstsein vor. Am Verlust der willkürlichen Muskelkontrolle lassen sich jedoch im Rückschlussverfahren solche Gefahrenreize ablesen.
Die Fähigkeit zur Reaktion auf Stressreize ist eine physiologische Voraussetzung für das „technische“ Funktionieren des Muskeltests, aber keineswegs eine ausreichende Erklärung zum Verständnis der Testabläufe und Testergebnisse. Die subtile Aussagekraft, die der Muskeltest zeigt, erklärt sich erst durch die Funktion der Idiomotorik, die ich im Folgenden erläutern werde. Mit ihr wird es möglich, auf einfache und ökonomische Weise Testserien unter verschiedenen Aspekten durchzuführen, beispielsweise: notwendige Therapiemaßnahmen festzulegen, aus einer Menge von Nahrungsmitteln die verträglichen oder die diätetisch geeigneten herauszufiltern oder aus einer Auswahl von infrage kommenden Medikamenten schnell und gezielt die wirksamsten zu bestimmen.
Auf das Prinzip der „idiomotorischen Steuerung“ werde ich in den nachfolgenden Abschnitten wiederholt und vertieft zurückkommen. Bitte lassen Sie sich von diesen theoretischen Gedankengängen nicht verschrecken: Es lohnt sich, diese Grundlage des Muskeltests zu erarbeiten und zu verstehen, denn daraus können Sie in der praktischen Anwendung Ihre individuellen Testkonzepte entwickeln und können auf unterschiedlichste Herausforderungen beim Einsatz des Muskeltests flexibel reagieren.
Die idiomotorische Steuerung
Idiomotorik bedeutet zunächst einmal nur, dass Bewegungen ohne willentlichen Einfluss vollzogen werden; Beispiel: die unbewusste Mimik. Für unseren Zusammenhang ist jedoch von besonderem Wert, dass solche unbewussten muskulären Abläufe auch bewusst genutzt, sozusagen programmiert werden können. So kann man dem Unterbewusstsein beziehungsweise dem vegetativen Nervensystem willentlich den Auftrag oder die Erlaubnis geben, „aus sich heraus“ mit einer bestimmten vereinbarten Bewegung zu antworten.
Dieses Prinzip ist vor allem aus der Hypnotherapie bekannt, die auf diesem Wege Informationen aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche holt: Bei einer Trancesitzung wird eingangs vereinbart – oder „programmiert“ –, dass der Klient innerhalb des hypnotischen „Zwiegesprächs“ ohne weiteren eigenen Willenseinfluss beispielsweise die rechte Hand hebt, wenn die Antwort auf eine Frage des Therapeuten „ja“ lautet, und die linke Hand, wenn die Antwort „nein“ lautet (oder umgekehrt). Die einmalige Einwilligung macht dann den Weg dafür frei, dass unbewusste innere Informationen „per Handzeichen“ abgerufen werden können. So gesehen wird auch in der Hypnose eine Art „Muskeltest“ benutzt, nämlich in Form des Handzeichens; in unserer Anwendungsweise geschieht das Gleiche durch „Halten“ oder „Kontrollverlust“ des getesteten Armmuskels. Letztlich ist es unerheblich, ob der Auftrag an das neuromuskuläre System lautet: „Hebe die linke (beziehungsweise rechte) Hand!“, oder wie beim Muskeltest: „Die Muskelkontrolle bleibt erhalten (beziehungsweise wird unterbrochen).“ Eine hypnotische Trance ist dafür nicht erforderlich.
Durch die Idiomotorik wird der Muskeltest weit mehr als ein mechanistischer Stressindikator. Aus der Hypnotherapie und auch aus dem Autogenen Training ist bekannt, dass sich durch Ansprechen des Organismus physiologische Abläufe nachweislich (labormedizinisch nachweisbar) beeinflussen lassen (Heilhypnose). Das heißt, dass gehörte Worte über das Bewusstsein (ZNS) ins Unterbewusstsein dringen und dort über das vegetative Nervensystem (VNS) auf eine Schnittstelle zu Organen treffen, wo sie Wirkungen auslösen. Wenn dieser Weg in die eine Richtung begehbar ist, liegt auch der umgekehrte Weg nahe, nämlich Informationen aus dem Organismus via VNS ins ZNS abzurufen; die Skelettmuskulatur, die ja sowohl vom bewussten wie vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird, ist dann bei der Anwendung des Muskeltests Schnittstelle beziehungsweise Übersetzer dieser Informationen.
Während die reine Reiz-Stress-Reaktion der Muskelphysiologie nur ein sehr eingeschränktes Untersuchungsspektrum erlaubt, öffnen sich mit der Idiomotorik ungeahnte Möglichkeiten der „Programmierung“ – ähnlich wie bei der EDV, wo die physikalische Grundlage simpel ist, aber geniale Anwendungen wie Internet und Datenbanken ermöglicht. So wird der Muskeltest ein Anzeiger höchst individueller und spezifischer Informationen, die weit über den Nachweis von Stressphänomenen hinausgehen.
Falls Ihnen von diesen etwas abstrakten Hintergründen der Kopf ein wenig rauchen sollte, lassen Sie sich davon bitte nicht „stressen“; wir werden des Öfteren darauf zurückkommen, sodass sich manches, was noch wenig plastisch erscheint, weiter erschließen wird.
Die Technik des Muskeltestens
Eine Untersuchung per Muskeltest muss konsequenterweise die physiologischen Grundlagen berücksichtigen, um korrekte Ergebnisse zu erhalten. Sie beabsichtigt die Prüfung der Muskelkontrolle, nicht das Messen von Muskelkraft, und das erfordert eine entsprechende Untersuchungstechnik. (Zwar ist auch die Muskelkraft bei einer Stressreaktion reduziert, aber sie ist nicht so zuverlässig eichbar wie die Prüfung zum Beispiel eines willentlichen Halteimpulses.)
Der Muskeltest kann zwar theoretisch an jedem willkürlich gesteuerten Muskel vorgenommen werden, doch ist nicht jede Muskelpartie und jede Haltung gleichermaßen praktisch in der Anwendung. Besonders bewährt hat sich der Armhaltetest. Bevor ich ihn beschreibe, zunächst ein paar Worte zum äußeren Arrangement, damit Sie gleich innere Bilder zu meiner Beschreibung entwickeln können:
Ich bevorzuge es, den Test im Sitzen durchzuführen. Stehende Positionen der Getesteten habe ich zwar in meiner eigenen Ausbildung kennengelernt, finde sie aber für ein therapeutisches Miteinander (vor allem und ganz besonders in der psychotherapeutischen Begleitung!) wenig förderlich und der Situation unangemessen. So habe ich denn meine Patienten anfangs überwiegend auf der Untersuchungsliege getestet. Aber auch diese Position empfand ich, wenn ich mich selbst einmal als Patientin wiederfand, gerade in der psychologischen Arbeit als unangenehm, fast wie „auf der Schlachtbank“.
Eine ebenbürtige Beziehung und eine entspannende Atmosphäre lassen sich am besten herstellen, wenn die Patienten sitzen, wobei ich mich seitlich vom Patienten positioniere. Meine teuerste „Investition“ in meine Ausstattung war deshalb ein sehr bequemer gepolsterter Stuhl, der sich bei Bedarf mit einem einfachen Handgriff in eine mehr liegende Position verstellen lässt und jedem Patienten seine Lieblingssitzhaltung ermöglicht. (Man braucht nicht unbedingt ein Luxusmodell, Relaxsessel gibt es zu durchaus vertretbaren Preisen.)
Testanleitung
1. Die zu untersuchende Person sitzt auf einem Stuhl und streckt einen Arm mit etwas Spannung, aber ohne Anstrengung waagerecht vor sich aus (so, als wolle sie auf einen entfernten Gegenstand zeigen).
2. Der untersuchende Tester sitzt seitlich von der Testperson und legt die testende Hand knapp oberhalb des Handgelenks der Testperson locker auf, ohne zunächst mit Gewicht zu belasten. Erfahrungsgemäß wird es von beiden Beteiligten als angenehm empfunden, wenn die freie Hand des Testers auf der Schulter (nicht auf dem Oberarm!) des Getesteten ruht.
3. Nach der Aufforderung „Bitte halten!” beginnt der Tester, mit der testenden Hand langsam (!) Druck aufzubauen, am günstigsten durch leichtes Verlagern des Körpergewichts in Richtung dieser Hand.
Der allmähliche Druckaufbau (etwa über 2 bis 3 Sekunden – anfangs empfiehlt es sich, dabei mitzuzählen!) macht es möglich, an einem bestimmten Punkt im getesteten Muskel und darüber hinaus im gesamten Körper so etwas wie ein „Einrasten“ oder eine „Sperre“ zu spüren. Dieser stabile Tonus ist die Eichung für das neuromuskuläre System, der Ausgangspunkt für jede weitere Untersuchung.
Übrigens: Je besser der Testende im Laufe der Zeit verinnerlicht, wie es funktioniert, desto leichter überträgt sich das auf den zu Testenden (ähnlich, wie ein guter Tänzer eine Tänzerin führen kann, auch ohne dass sie die einzelnen Tanzschritte kennt).

Die Testhaltung
Die korrekte Testtechnik ist eine entscheidende Voraussetzung für klar ablesbare Ergebnisse und wenig ermüdendes Testen!
Mechanisiertes Testdruck-Training
Da die korrekte Testtechnik eine entscheidende Arbeitsgrundlage für verlässliche Ergebnisse darstellt, ist das Trainieren dieser Technik unverzichtbar. Eine einfache, aber wirkungsvolle „Trockenübung“ gelingt mit einer analogen Waage, die eine Tragkraft möglichst von 5 kg und mehr hat. (Notfalls geht es auch mit Waagen bis gut 2 kg.)
Stellen Sie die Waage vor sich auf, in einem Abstand, der etwa Ihrer Unterarmlänge entspricht, und in einer Höhe zwischen Nabel und Schulter. Am besten testen Sie im Sitzen – die Waage kann dann auf einem Tisch vor Ihnen stehen.
Üben Sie auf dieser Waage eine so langsame Drucksteigerung bis zur Markierung von 1 kg (oder auch 700–800 g), dass Sie die Zeigerbewegung während des Druckaufbaus stetig verfolgen können, und halten Sie den Druck bei dem angesteuerten Gewicht für einige Sekunden, ohne nennenswerte Schwankungen. So funktioniert es auch am Testmuskel!

Das Testdruck-Training mit einer Waage
Im Sinne eines Biofeedbacks können Sie unter Umständen sogar feststellen, dass bei einem bestimmten Testdruck Ihre eigene Muskulatur „einrastet“. Bei den meisten Testenden liegt ein sorgsam aufgebauter Enddruck zwischen 700 und 1000 g.
Als Nächstes probieren Sie, durch langsame Gewichtssteigerung den Zeiger zunächst bis 2 kg, dann bis 4 kg zu bewegen (sofern die Waage dies ermöglicht): Spüren Sie, wie viel Krafteinsatz dazu schon benötigt wird?
Wenn Sie dann den Zeiger beobachten, während Sie kurz und schnell, das heißt: mit einem Impuls, auf die Waage drücken – wie weit geht der Zeiger in diesem Fall? (Meistens kurzfristig deutlich über 4 kg hinaus.) Beobachten Sie auch, wie weit der Zeiger geht, wenn Sie das Gefühl haben, nur „ganz wenig“, aber schnell gedrückt zu haben!
Die Zeigerbewegung zeigt unerbittlich, wenn zu sehr impulshaft getestet wird – dann können Sie seiner Bewegung nicht mit den Augen folgen. Holen Sie sich auch beim Testen an einer Testperson den Waagenzeiger immer wieder einmal vor Ihr inneres Auge, sozusagen als Temporegler für den Druckaufbau!
Zurück zur Anwendung in der Realität: Zu Beginn sollten Tester und Getesteter probeweise mehrmals ein klares „Einrasten“ erspüren. Erst danach weisen Sie darauf hin, wie das Körpersystem auf unterschiedliche Reize reagieren soll:
• Muskelkontrolle (in allen nachfolgenden Darstellungen dieses Buches mit + gekennzeichnet) bei Ja, bei positiven oder neutralen Reizen
• Kontrollverlust (mit – markiert) bei Nein, bei Störung oder Negativreiz
Dies wird am Getesteten demonstriert beziehungsweise geprüft. Hierzu muss man natürlich auch einen negativen Reiz in den Test einbeziehen, um den Unterschied deutlich zu machen.
Besonders bei der ersten Einstimmung einer Testperson auf den Muskeltest wähle ich als positive und negative Reize gern einfache Piktogramme, die eindeutig positiv beziehungsweise negativ belegt sind. Gut geeignet sind die bekannten Symbole von Smilie ☺ und Heulie L. Beim Betrachten des Smilie bleibt – da kein Stress ausgelöst wird – die Muskelkontrolle erhalten. Beim Anschauen des Heulie dagegen lässt sich der getestete Arm ohne erhöhten Druck nach unten bewegen. Dabei ist zu beachten, dass der Druck auch beim Negativreiz drei Sekunden beibehalten wird, da es sonst zu fälschlicherweise positiven Ergebnissen kommen kann. Nach drei Sekunden reagiert auch ein kraftvoll gehaltener Arm mit Nachgeben, während bei einem stressfreien Reiz der Druck auf den Testarm auch bis zu zehn Sekunden oder länger fortgesetzt werden kann, ohne dass der Muskel nachgibt.

Smilie
Probieren Sie es einmal aus:
• Smilie anschauen lassen, Arm testen – Ergebnis?
• Heulie anschauen lassen, Arm testen – Ergebnis?
Ich kann längst nicht mehr zählen oder abschätzen, wie oft ich diesen Test bereits demonstriert habe, und trotz dieser langen Routine staune ich noch jedes Mal selbst, wenn ich den Test vorführe!
Nach dieser „Eichung“ beginnt der eigentliche Test, indem die Muskelkontrolle jeweils nach Konfrontation mit den zu untersuchenden Reizen überprüft wird, zum Beispiel durch Körperkontakt zu verschiedenen Objekten wie Nahrungsmitteln, Medikamenten oder Ähnlichem. Bei wiederholtem Testen unterstützt die an die Testperson gerichtete Aufforderung „Halten!“ dessen Aufmerksamkeit für den Test.

Heulie
Ein nach einem Negativreiz eingeschobener „Leertest“ (oder „Reset“ = Test ohne spezielle Reizeinwirkung) erinnert das neuromuskuläre System an die neutrale Ausgangsgröße des „Einrastens“. Wenn dieses „Reset“ nach Negativreaktionen bei seriellem Testen nicht beachtet wird, „vergisst“ das System leicht den Auftrag zur Muskelkontrolle, das heißt, auch bei Positivreizen kommt es dann unter Umständen nicht zur gewünschten Haltereaktion.
Die Adaptation
Bei der praktischen Anwendung des Muskeltests ist das Phänomen der Adaptation (= Reizgewöhnung) zu beachten: Sofern ein Stressreiz längere Zeit auf das neuromuskuläre System einwirkt, stellt sich nach wenigen Sekunden – variierend je nach Reizintensität – die willkürliche Muskelkontrolle wieder ein. Das macht den Reiz als solchen nicht „unschädlich“, ermöglicht dem Getesteten aber, die Muskelkontrolle wieder aktiv zu beherrschen. Aus dem Alltag ist uns diese Adaptation an Sinnesreize vielfach geläufig, wir gewöhnen uns an Lichtverhältnisse, Temperaturen, Geräusche und Ähnliches; genau dies ist auch für den Muskeltest von entscheidender Bedeutung. Denn erst aufgrund der Adaptation ist es überhaupt möglich, auch in einer möglicherweise störungsbelasteten (und damit potenziell Stress auslösenden) Umgebung den Muskeltest anzuwenden, weil die Steuerungsfunktion der willkürlichen Muskulatur durch Adaptation wiederhergestellt wird. Stellen Sie sich vor, wie entspannend es ist, vor dem Muskeltest die Umgebung für Ihren Patienten nicht erst von allem freimachen zu müssen, was eventuell einen subtilen Stressreiz bewirken könnte, wie Raumfarbe, Elektrosmog, ein Bild an der Wand oder Ihr Parfüm … Dasselbe gilt für Dinge, die der Getestete selbst mitbringt: Auch er muss vor dem Test nicht alles mögliche ablegen (etwa Armbanduhren, Schmuckstücke und dergleichen) – er ist ja bereits daran adaptiert und Sie können gleich mit dem Testen beginnen.
Prüfen Sie das Adaptationsphänomen einmal selbst:
• Lassen Sie Ihre Testperson kontinuierlich auf das Heulie- Piktogramm schauen. Testen Sie den Arm (immer mit dem Hinweis: „Bitte halten!”) gleich nach Konfrontation mit dem Bild und testen Sie in kurzen Abständen erneut – bei gleichzeitigem Blick auf das Bild. Vermutlich wird es weniger als zehn Sekunden dauern, bis der Arm wieder seine Haltekontrolle erlangt hat.
• Tun Sie dasselbe mit dem hier abgedruckten Bild. Wie lange braucht der Arm diesmal, bis er wieder hält? – Auf jeden Fall dauert es aufgrund des intensiveren Stressreizes erheblich länger als bei dem eher harmlosen Heulie. Bei manchen Probanden in unseren Kursen wirkte das Bild derart unangenehm, dass sie sich weigerten, den Test so lange durchzuführen, bis der Muskel die Kontrolle wiedererlangt hatte …

Älteres Titelfoto von DER SPIEGEL mit freundlicher Erlaubnis des Verlags
Selbstverständlich können nicht nur reale oder virtuelle Bildreize auf diese Weise in ihrer Auswirkung auf das Körpersystem getestet werden, sondern ebenso Klänge und Geräusche, Düfte und so weiter.
Der Substanztest
Eine Sinneswahrnehmung ganz besonderer Art ist eine, für die die wissenschaftliche Erklärung (= Nachweis von Rezeptoren) noch aussteht, obwohl sie faktisch zuverlässig belegt werden kann: unsere Fähigkeit, allein durch Körperkontakt Substanzen differenziert einzuschätzen. Es ist phänomenal, dass allein der äußerliche Kontakt zu einer Frucht, zu einem Medikament oder einem Waschpulver in der Lage ist, unsere muskuläre Reaktion zu verändern – und das selbst dann, wenn sich diese Substanzen in Testbehältern wie Laborröhrchen oder Glasampullen befinden! Das setzt doch voraus, dass von der jeweiligen Substanz Reize ausgehen, die von Sensoren unseres Körpers wahrgenommen werden können.
Beides hat noch keine ausreichende wissenschaftliche Erklärung gefunden und dürfte kritischen Geistern (verständlicherweise) suspekt erscheinen. Und ich werde mich jetzt auch nicht an einer improvisierten Theorie versuchen – eine wirklich schlüssige kann ich nämlich nicht anbieten. Zwar werden derzeit im Zusammenhang mit der Quantenphysik Hypothesen dazu angeboten, Biophotonen werden ins Spiel gebracht, allerorten ist von Schwingungen und Energien die Rede. Doch solange ich Dinge selbst (noch) nicht verstehe, scheue ich mich, sie zu „erklären“; viel zu oft haben sich zu frühe Hypothesen als untauglich erwiesen, nachdem sie sich bereits in den Köpfen der Mehrheit festgesetzt hatten. Lieber überlasse ich es anderen klugen Geistern, die Hintergründe zu erforschen; ich selbst verlasse mich hier auf die jahrelangen empirischen Belege – meine Erfahrungen und die Erfahrungen vieler weiterer Anwender.
Das heißt also, unser reizverarbeitendes Nervensystem (und damit auch der Testmuskel) ist unbestreitbar in der Lage, zu „erkennen“, inwieweit chemische und sonstige Substanzen in Bezug auf den Organismus zuträglich sind oder Gefahr signalisieren; dieses „Erkennen“ gelingt, ohne dass die Zusammensetzung des Stoffes bekannt ist und ohne dass dieser Stoff in den Körper aufgenommen wird (durch Schlucken, Einatmen oder Injektion). Hierin liegt eine der genialen Qualitäten des Muskeltests, weil genau das funktioniert!
So können Sie den Substanztest ausprobieren:
• Stellen Sie eine kleine Auswahl von Nahrungs- und Genussmitteln zusammen, unter denen Gesundes und auch Ungesundes (wie eine Zigarette oder raffinierter Zucker) zu finden ist.
• Geben Sie es – nach entsprechendem Vortest mit Smilie und Heulie – Ihrer Testperson in die Hand und prüfen Sie die Muskelkontrolle.
• Gibt es unterschiedliche Reaktionen? Können Sie diese erklären?
Vermutlich sind manche Ergebnisse schlüssig, möglicherweise aber nicht alle. Bevor Sie sich über unerwartete Ergebnisse den Kopf zerbrechen, lassen Sie uns noch die weiteren Grundlagen unseres Testsystems genauer betrachten.
Der Verlust der Muskelkontrolle beim Testen von Substanzen im Körperkontakt verweist zunächst auf einen Gefahrenreiz oder „Stress“. Bei der alleinigen Reizkonfrontation mit einer Substanz wäre „Gefahr“ die einzig zulässige Schlussfolgerung. Schon damit wäre ein wertvolles Testinstrument gewonnen, dessen Spektrum jedoch recht beschränkt bliebe. Am Beispiel der Nahrungsmittel wird das vielleicht schon deutlich: Der schwach reagierende Arm sagt zwar „Finger weg!“, hilft aber nicht zu verstehen, weshalb.
Der Dialogtest
Das wesentliche Potenzial des Muskeltests erschließt sich, wie schon erwähnt, aber erst auf der Basis der Idiomotorik. Durch ihre Funktion wird es möglich, nicht nur Reaktionen auf Reize abzulesen, die gegebenenfalls noch interpretiert werden müssen, sondern per Muskeltest mit dem Körper zu kommunizieren. Wissenschaftlich Denkenden mag das auf den ersten Blick etwas befremdlich erscheinen: Die Erfahrungen mit dem Muskeltest belegen tatsächlich, dass wir dem Organismus „Fragen stellen“ können, die über Muskelreaktionen „beantwortet“ werden. Das ist von unschätzbarem Wert in der Heilkunde, wenn es dadurch zum Beispiel möglich wird, vom Körpersystem selbst zu erfahren, welche therapeutischen Maßnahmen sinnvoll oder dringend erforderlich oder auch überflüssig sind.
Was medizinischem Anspruch zunächst obskur oder zumindest ausgesprochen ungewöhnlich erscheint, lässt sich aber durchaus (physio-) logisch erklären: Einerseits sind vegetatives Nervensystem (VNS) beziehungsweise Unterbewusstsein und Bewusstsein in der Steuerung der Skelettmuskulatur miteinander verknüpft und beeinflussen einander idiomotorisch, sodass die Muskelreaktion Informationen aus dem Un(ter)bewussten ins Bewusstsein transportieren kann. Andererseits ist auch die Sprache sowohl mit der bewussten wie mit der unbewussten Ebene verbunden. (Worte können im VNS physiologische Reaktionen auslösen, etwa beim Autogenen Training oder bei einer Liebeserklärung …) Die vielschichtige Vernetzung innerhalb unseres Gehirns legt es nahe, dass es auch Verschaltungen gibt, die über die Kombination von Sprache und Muskelreaktion sozusagen ein Zwiegespräch mit unbewussten Instanzen unseres Körpers möglich machen.
Die idiomotorische Steuerung des Muskeltests kann also in ein „Gesprächssystem“ (im weitesten Sinne) integriert werden; das bedeutet, Fragen an das Unterbewusstsein zu richten und die Reaktion des Muskels als Antwort des Unterbewusstseins anzunehmen. Man führt sozusagen ein Gespräch mit dem Gegenüber und lässt dabei nicht seinen bewussten Verstand, sondern unterbewusste Instanzen zu Wort kommen. So könnte zum Beispiel formuliert (gefragt) werden: „Eine Operation ist für den Heilungsprozess notwendig“, und das Halten des getesteten Arms würde Bejahung dieser Aussage bedeuten … Doch lassen Sie uns schrittweise vorangehen und uns weitere Vorbedingungen anschauen.
Für einen Dialog mit dem Un(ter)bewussten ist zunächst die prinzipielle Entscheidung zu treffen, ob in einem solchen Dialog Fragen gestellt oder Aussagen geprüft werden sollten – beides ist grundsätzlich möglich. Wenn Fragen gestellt werden, erwartet man vom Testmuskel eine bestimmte Reaktion – bejahend oder verneinend. Dabei ist es nicht naturgegeben, wie ein Ja oder Nein aussieht; die Idiomotorik erlaubt, das Ja sowohl durch das Halten des Arms als auch durch Kontrollverlust der Muskulatur auszudrücken. Sinnvoll ist es, für die eigene Arbeit vorab ein für alle Mal den eigenen Untersuchungsmodus festzulegen und hier möglichst einer Logik zu folgen; in diesem Sinne wird in der Regel die Aufrechterhaltung der Muskelkontrolle als „Ja“ gewertet und ein „Nein“ mit Kontrollverlust gleichgesetzt. Im Folgenden werde ich durchgängig von dieser Annahme ausgehen.
Fragen zu stellen und die Muskelantwort abzulesen, das scheint zunächst nahezuliegen. Zwar ist diese Praxis bei vielen Anwendern des Muskeltests gängig und auch keineswegs falsch, andererseits ist sie nicht optimal. Denn zwei Vorteile sprechen mehr für das Prüfen von Aussagen: Erstens klingen Aussagen klarer als Fragen, die sprachlich eine gewisse atmosphärische Unsicherheit transportieren. Zweitens – und das ist wichtiger – lassen sich auch negierte Aussagen eindeutig per Muskeltest prüfen, während eine Frage, die eine Negation enthält, im System und damit in der Muskelreaktion für Verwirrung sorgt.
Ein Beispiel:
„Ist Rom die Hauptstadt von Italien?“ – Darauf dürfte der Muskel problemlos mit einem „Ja“ reagieren.
„Ist Rom die Hauptstadt von Schweden?“ – Das würde ebenfalls eindeutig mit einem „Nein“ beantwortet.
Wie aber reagiert der Muskel, wenn die Frage gestellt wird: „Ist Rom nicht die Hauptstadt von Schweden?“ Wie bewerten wir die jeweilige Muskelreaktion? …
Einfach wird es dagegen mit der Aussage: „Rom ist nicht die Hauptstadt von Schweden.“ Dann reagiert das System bei Zustimmung mit dem Halten des Muskels.
Wenn Sie den Dialogtest hier einmal selbst ausprobieren möchten, sollten Sie mit ein paar eindeutigen und einfachen Aussagen beginnen. Empfehlenswert sind einfache Rechenaufgaben („zwei plus drei ergibt fünf“ / „zwei plus drei ergibt sieben“) oder auch sonstige unzweifelhafte Aussagen wie „Heute ist … (Wochentag)“ oder „Wir sind hier in … (Ort des Aufenthalts)“ oder „Ich bin … Jahre alt“. Für anfängliche Übungen mit dem Muskeltest ist es wichtig, dass zunächst keine komplexen Sachverhalte formuliert werden und möglichst auch keine Themen, die emotional belastet sein können (wie „Ich sollte mich scheiden lassen“). Denn zunächst geht es darum, den Test als solchen zu erforschen und zu trainieren. Potenziell problematische Inhalte brauchen eine umfassendere Vorbereitung und Sicherheit in der Anwendung des Tests.
Im Muskeltest-Dialog zu arbeiten erfordert hohe Konzentration und strengt bei längeren Untersuchungsgängen an. Das wiederum beeinträchtigt die zugleich geforderte entspannte Aufmerksamkeit, die eine entscheidende Grundlage für die klare Anwendung des Muskeltests ist. (Dazu später mehr.) Deshalb sollte der Muskeltest-Dialog möglichst nur dort eingesetzt werden, wo sich keine bessere Alternative anbietet.
Der Rastertest
Die Aussagekraft des Muskeltests beruht zu einem entscheidenden Teil auf der Fähigkeit des Organismus, durch reinen Körperkontakt wahrzunehmen, welche Auswirkung beispielsweise eine Substanz auf ihn hat. Damit ergibt sich die Möglichkeit, den Muskeltest für die Auswahl von Therapiemitteln einzusetzen. In diesen Fällen kann man allerdings nicht von Stressreizen sprechen: Wenn beispielsweise aus einer Vielzahl biologisch angebauter Kräutertees ein Tee für eine bestimmte Indikation wie Husten oder Blähbauch ausgewählt werden soll, können die Tees, die hierfür nicht infrage kommen, wohl kaum als „Stress“ für den Organismus verstanden werden.
Erst die Idiomotorik erlaubt es, das zu erfahren, was wir uns vom Muskeltest erhoffen, nämlich einen geeigneten Tee zur Behandlung herauszufinden. Um dort, wo nicht Stress (= Gefahr) nachgewiesen werden soll, aussagekräftige Informationen zu bekommen, müssen wir die Sprache mit einbringen. Theoretisch wäre das möglich, indem zu jedem Objekt – also hier zu jedem einzelnen Tee – ein entsprechender Satz ausformuliert würde („Dieser Tee ist geeignet, den Husten zu lindern“ oder ähnlich). Ein mühseliges Verfahren, wenn das bei zwanzig oder mehr Tees jeweils wiederholt werden muss! Das ist aufwendig und erfordert viel Konzentration. Geht es nicht einfacher und entspannter?
Ja, es geht, und zwar, indem unsere Intention (Tee, der Husten lindert) nicht bei jedem Testobjekt einzeln neu ausgesprochen, sondern an den Beginn einer Testserie gestellt wird, im Sinne eines Auftrags, der für alle nachfolgenden Objekte gilt. So könnte es vorab heißen: „Wir suchen einen Tee, der den Husten lindert – der Arm bleibt gehalten bei dem Tee, der optimal geeignet ist; bei allen anderen gibt er nach.“ Wenn dann eine Teeprobe nach der anderen in die Hand gegeben wird, bedarf es keiner begleitenden Kommentare; der Muskeltest entscheidet zuverlässig nach dem vorab genannten Kriterium, das während der ganzen Testserie wie in Leuchtschrift über dem Ablauf stehen bleibt. Wenn dieser Suchauftrag geändert wird, folgt die Muskelreaktion auch dem neuen Kriterium: Beim Durchtesten derselben Teesorten unter dem Aspekt „Er soll abführend wirken“ wird der Körper tatsächlich einen anderen Tee auswählen und dies per Muskeltest anzeigen.
Kurzcharakterisierung des Rastertests
Die Form der Anwendung des Muskeltests, bei der wir vorab Suchkriterien festlegen, nenne ich „Rastertest“. Was sich hier sehr nüchtern-schematisch anhört, schafft eine entlastende Ordnung beim Testen in Serien: Wir erstellen mit der Definition der Suchvorgabe sozusagen eine Tabelle mit zwei Spalten, in die die Testobjekte einsortiert werden. In die eine Spalte werden Substanzen eingetragen, bei denen der Arm gehalten wird, in die andere die Substanzen, bei denen der Arm nachgibt.
Im Rastertest verbinden sich also auf ökonomische Weise zwei Vorgehensweisen des Muskeltestens, nämlich das reine Reiz-Reaktions-Testen (bei dem kommentarlos ein Objekt nach dem anderen in Kontakt zum Probanden gebracht wird) und das verbale Testen, das üblicherweise in einem ausformulierten Dialog abläuft (hier aber nur zur einmaligen Vorgabe der Suchkriterien benutzt wird). Grafisch könnte man das so darstellen:

So kommt der Rastertest zustande
Das Testen mit Rastern ökonomisiert, vor allem in seriellen Testungen, den gesamten Untersuchungsablauf erheblich: Er wird knapper, übersichtlicher und weitaus entspannter als eine verbale Differenzierung zu jeder einzelnen Substanz.
Entscheidend ist der Schritt, vor einem solchen Test die geeigneten Kriterien zu durchdenken und festzulegen: Welche Suchraster entsprechen dem, was Sie wirklich wollen? Sind die Vorgaben eindeutig und verständlich beziehungsweise auch ausreichend spezifiziert? Vorgaben wie „Was gut für Sie ist“ oder „Was Sie brauchen“ sind in ihrer Aussage schwammig. Einige konkrete Beispiele habe ich oben schon genannt. Solche Vorgaben müssen nicht immer kurz und knapp sein, sondern können sehr komplex ausformuliert werden: „Wir suchen Sonnenschutzmittel, die für Sie ideal sind, in Schutzfunktion und Verträglichkeit – der Arm wird bei den Präparaten gehalten, die diesen Kriterien entsprechen.“
Suchraster lassen sich einerseits mit einem Substanztest verbinden, sind jedoch andererseits nicht auf diesen beschränkt: In gleicher Weise können auch Listen erstellt und per Muskeltest unter vorgegebenen Kriterien durchsucht werden. So lassen sich insbesondere die individuell optimalen nichtmedikamentösen Behandlungsmethoden für jeden Patienten auf einfache Weise zusammenstellen: Der Therapeut benennt beispielsweise aus seinem Behandlungsspektrum die einzelnen Verfahren (wie Massage, Chirotherapie, Akupunktur, Bestrahlung usw.) unter der Vorgabe, dass der Arm bei den heilungsfördernden Maßnahmen stark bleibt – und der Muskeltest weist den individuell optimalen Weg zur Behandlung … (Im Praxisteil werden wir uns auch damit noch ausführlich beschäftigen.)
Die Arbeit mit Rastern (= Suchoptionen) zur Differenzierung von mehr als drei Objekten ist eine der wertvollsten und geradezu unverzichtbaren Formen der Untersuchung mit dem analytischen Muskeltest innerhalb einer individualisierten und damit optimierten Heilkunde:
– Der Muskeltest kommt zu Ihren sonst genutzten Auswahlkriterien als Entscheidungshilfe hinzu – erweitert also Ihre Möglichkeiten.
– Die Freiheit, Suchkriterien vorzugeben, passt sich den Bedürfnissen der Situation sehr flexibel an, spezifiziert demnach Ihre Möglichkeiten.
– Der Muskeltest wiederum individualisiert und konkretisiert innerhalb aller Optionen nach den persönlichen Erfordernissen des Patienten, reduziert somit die Belastungen von Versuch und Irrtum.
Solche Verfahren der Auswahl aus größeren Mengen, bei denen der Test individuelle Entscheidungen ermöglicht, kommen in der Praxis sehr häufig vor. Beispiele:
• Medikamente (allopathisch, homöopathisch …)
• Therapieverfahren
• Therapeutische Materialien und Werkstoffe
• Nahrungsmittel (hinsichtlich Verträglichkeit, Allergiepotenzial)
• Körper- und Wäschepflegemittel (etwa bei Hauterkrankungen)
Der Rastertest …
… entlastet uns von der durch Gedankenakrobatik eher angespannten Konzentration des Dialogtests (bei dem jedes Mal vollständige Sätze gebildet werden müssen), ist in seiner Variationsbreite unerschöpflich und dem Dialog durch seine einfache Struktur und Klarheit in den meisten Testsituationen überlegen.
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