Kitabı oku: «Parapsychologie»
Hans Driesch
Parapsychologie
Die Wissenschaft von den „okkulten“ Erscheinungen. Methodik und Theorie
e-artnow, 2022
Kontakt: info@e-artnow.org
EAN: 4066338122421
Inhaltsverzeichnis
Vorrede
Erster Teil: Die Methodik der Parapsychologie
I. Die Möglichkeit der Täuschung auf dem Boden der Parapsychologie
II. Die Formen möglicher Täuschung
III. Prüfsteine für parapsychische Aussagen höherer Ordnung
Zweiter Teil: Die Theorien der Parapsychologie
IV. Die Theorien der Parapsychologie
Nachwort
Vorrede
Inhaltsverzeichnis
Diese Schrift soll nicht ein »Lehrbuch« der Parapsychologie sein. Für ein eigentliches Lehrbuch, das in systematischer Form und Strenge ein gesichertes Wissensgut, den Tatsachen und den Erklärungsversuchen nach, zusammenfaßt, ist auf dem Gebiete, mit dem diese Schrift sich abgibt, die Zeit noch nicht gekommen. Außerdem haben wir an guten vorläufigen Zusammenfassungen der einigermaßen gesicherten Dinge – (leider freilich bisweilen ohne hinreichend scharfe Abgrenzung gegen die nicht gesicherten, sondern nur behaupteten) – eine ganze Menge.
Ein Wegweiser für solche zu sein, die selbst mit Aussicht auf Erfolg auf dem Gebiet der Parapsychologie arbeiten wollen, das allein ist die bescheidene Absicht dieser Schrift, und zwar sowohl nach der Seite der eigentlichen Tatsachenerforschung wie nach der der Theorienbildung. Wie kann man entscheiden über die Sicherung des Tatsächlichen einerseits, andererseits aber über die Annahme einer bestimmten unter den vielen möglichen theoretischen Deutungen? Das zu untersuchen ist die Aufgabe. Mit anderen Worten also: Zum ersten, wie vermeidet man absichtliche oder unabsichtliche Täuschung, zum anderen, was wäre wohl ein experimentum crucis für theoretische Festlegung?
Der theoretische Teil untersucht also Möglichkeiten für künftige Festlegung, ohne sich selbst festzulegen; allenfalls äußert er sich im Sinne eines verschiedenen Grades von Wahrscheinlichkeit. Er selbst zerfällt wieder in zwei Teile, deren erster die Frage nach der Zahl der »Urphänomene«, und damit die Möglichkeit der Reduktion mehrerer auf den ersten Blick verschiedener Erscheinungen auf nur eine, behandelt, während der zweite die eigentlich letzte Theorie angeht. Für beides wird die Frage des experimentum crucis, d. h. des entscheidenden Sachverhaltes, aufgeworfen.
Das eigentlich Tatsächliche, das als gesichert anzusehen ist, spielt, wie gesagt, als solches in dieser Schrift eine Nebenrolle, obwohl es natürlich erwähnt wird: es ergibt sich stets aus der Behandlung der Frage nach der »Sicherung«. Wenn in bezug auf irgendein Phänomen alle sehr streng aufgezählten und behandelten Sicherungen erfüllt waren, und sich dieses Phänomen dann doch einstellte, dann ist es eben »gesichert« und kann als Tatsache gebucht werden.
Würde ich nicht überzeugt sein, daß es Gewisses, wenn auch nicht eben Zahlreiches, an solchem ganz gesicherten Gute gibt, so hätte ich diese Schrift nicht geschrieben, sondern die »Okkultisten« sich selbst und ihrem Schicksal überlassen. –
Die Stellung der »offiziellen« Wissenschaft den parapsychischen Dingen gegenüber ist noch immer, leider ganz besonders in Deutschland, so, daß sie einer künftigen Zeit als ganz unverantwortlich erscheinen wird.
Man verwechselt fortwährend Parapsychologie mit »Spiritismus« und sieht nicht, daß der erste Name ein nach seinen Untersuchungsgegenständen gegen andere abgegrenztes Forschungsgebiet bezeichnet, der zweite eine besondere auf diesem Gebiete erwachsene Hypothese, deren Richtigkeit oder Falschheit die Ergebnisse der eigentlichen Sachforschung gar nicht berührt. Man darf aber doch auch die allgemeine Deszendenzlehre nicht mit der besonderen Form, die ihr Darwin in seiner Lehre von der zufälligen Variabilität mit nachfolgender »Zuchtwahl« gab, verwechseln!
Man glaubt stets sehr »aufgeklärt« zu sein, und ist gerade das Gegenteil, nämlich dogmatisch festgelegt. Man glaubt zu wissen, was es »geben und nicht geben kann«. Dabei haben meist die, welche am schärfsten absprechen, ihr Wissen aus irgendeinem Zeitungsartikel. Das aber genügt doch wahrlich nicht, selbst wenn der Artikel in seiner Art gut war. Was würde man von einem sagen, der über Chemie so ein bißchen aus Zeitungen weiß und nun den Chemikern in ihre Arbeit hineinreden will? So aber, wahrlich, ist es auf unserem Gebiet. Man ahnt gar nicht, was es an gediegener Literatur gibt. Wer unter den Absprechenden kennt denn auch nur die Schriften der britischen Society for Psychical Research; ja, wer von ihnen weiß auch nur von der Existenz dieser Schriftenreihen und der großen wissenschaftlichen Gesellschaft, die sie herausgibt? Von anderem gar nicht zu reden.
Des äußersten bedenklich für das Ansehen deutscher Wissenschaft ist dieser Zustand, denn er hat eben sehr bedauerliche praktische Folgen: unter der Jugend gibt es heute viele, die offenen Geistes dem neu erschlossenen Wissensgebiet entgegentreten und sich auf ihm betätigen möchten. Was soll man so einem jungen Mann, der begabt, kritisch und voll ehrlichen Strebens ist, sagen? Die allein mögliche Antwort muß leider lauten: Folge deiner Berufung, wenn du geistige Kraft in dir fühlst, aber wisse, daß du dir deine »Karriere« damit verdirbst!
Diese unerträgliche Sachlage mußte wirklich einmal mit klaren, dürren Worten gekennzeichnet werden. Universitäten sollen gewiß kritisch eingestellt sein allem Neuen gegenüber; aber sie sind doch nicht bloße Konservierungsanstalten, die tun dürften, als wisse man alles »Wesentliche« eigentlich schon und habe sich nur mit Kleinausführungen abzugeben.
Daß man sich gegen neue »Wesentlichkeiten« sperrt, das gerade ist das Unerträgliche an dem heutigen Zustand. Umlernen, sein Weltbild ganz grundlegend umgestalten, das will man nicht.
Und, freilich, angesichts der Parapsychologie steht man vor einer möglichen Weltbildumgestaltung, die überhaupt nicht ihresgleichen hat oder je gehabt hat. Hier ist wirklich ein Schatz zu finden – und nicht nur Regenwürmer. –
Eine besondere Schwierigkeit für den kritischen Parapsychologen besteht darin, daß er stets gegen zwei Fronten geistig zu kämpfen hat: gegen die negativen Dogmatiker und gegen die allzu Gläubigen. Wohl verstanden: ich habe nicht den gesunden Skeptiker zu den Gegnern gezählt. Ein solcher glaube ich selbst zu sein, denn ich selbst lasse mich sehr schwer und immer nur Schritt für Schritt, das heißt immer nur jeweils in Hinblick auf eine bestimmte Tatsachengruppe, die da behauptet wurde, überzeugen. Nehme ich eine solche Gruppe als echt an, so ist damit über meine Annahme anderer Gruppen noch nicht das Mindeste ausgemacht. Denn wahrlich: die Vorsicht kann auf einem so mit Täuschungsmöglichkeiten durchsetzten Gebiet, wie dem unseren, gar nicht weit genug getrieben werden. Doch davon wird ja der Text zu reden haben.
Denen, die ich die »Gläubigen« nenne, möchte ich aber doch auch in dieser Vorrede – (der Text wird ebenfalls davon reden) – besonders ans Herz legen, die Rolle des »Beleidigten« ein für allemal zu verabschieden und erst recht Beleidigungsprozesse!
Es ist nämlich kein Vorwurf gegen jemanden, ein moralischer schon gar nicht, aber auch kein intellektueller, wenn der Verdacht ausgesprochen wird, er sei »hineingefallen«. Die Dinge liegen so fabelhaft schwierig, zumal auf dem »physischen« Gebiete, daß wohl jeder Forscher hier gelegentlich getäuscht werden wird. Ideale Sicherungsbedingungen herzustellen ist eben, da ja Menschen die Untersuchungsobjekte sind, eine Aufgabe, die fast über die Kraft des Forschers geht. Angesichts des ganz Neuen, um das es sich handelt, müssen aber die Bedingungen »ideal« sein, wenn wirklich eine Tatsache soll registriert werden können.
Auch ein »Medium« sollte sich nie beleidigt fühlen; selbst dann nicht, wenn der Verdacht bewußten und nicht nur somnambulen, also unterbewußten Betrugs geäußert wurde. Der Ernst der Sache erfordert es, auch diesen Verdacht aussprechen zu dürfen. Ich meine, gerade ein subjektiv ehrliches Medium, dem an der Sache gelegen ist, wird das ja auch nicht tun. Als Märtyrer mag es sich fühlen; Märtyrer sein und sein Martyrium geduldig tragen, ist etwas sehr Hohes! Die Aufgabe sowohl der Versuchsleiter wie der Medien aber sollte darin bestehen, gerade die schärfsten Skeptiker, ja, gerade solche, die den Verdacht des Betrugs aussprachen, zu überzeugen, indem man sie immer und immer wieder zu Versuchen einlädt. Denn eben die müssen ja überzeugt werden. Leider ist neuerdings das Gegenteil üblich geworden – man schließt solche, die sich ablehnend oder auch nur zweifelnd äußerten, für die Zukunft als »störend« aus, nicht ahnend, wie sehr man die Sache selbst dadurch schädigt! –
Voraussetzung für einen stetigen Fortschritt gediegener parapsychologischer Arbeit in Deutschland ist erstens die Gründung einer großen »Gesellschaft für psychische Forschung« nach dem Muster der entsprechenden britischen und zweitens die einer Forschungsstätte, wie sie heute in Frankreich, seit einigen Jahren als Staatsinstitut, besteht.
Die Gesellschaft muß theoretisch neutral sein, sie muß ernste Skeptiker und Überzeugte, Animisten, Spiritisten, Mechanisten und wen sonst aufnehmen. Ernstes Arbeiten im Dienste der Wahrheit, gegründet auf Erziehung zu wissenschaftlicher Methodik, muß die einzige Bedingung für die Aufnahme sein; »von Klinckowström bis Mattiesen« hat man wohl, und mit Recht, gesagt.
Vor der Gründung einer Forschungsstätte, die wir fordern, braucht man nicht etwa Angst wegen der Kosten zu haben. Ein teures Laboratorium, ja überhaupt ein eigentliches Laboratorium mit Apparaten braucht sie, zunächst wenigstens, nicht zu besitzen; ein solches wird sich wohl langsam, stets angesichts der besonderen Fälle, entwickeln, was ökonomisch zu tragen wäre. Zunächst sind nur gewisse Räume erforderlich; besonders erforderlich ist, was wieder mit der so sehr erwünschten »Gesellschaft « zusammenhängt, ein gewisser Stab von Forschern, die zur Untersuchung von Spukhäusern, von auswärtigen Medien usw. zur Verfügung stehen, also das, was die Angelsachsen als »research officers« bezeichnen. Zu vermeiden wäre die Herausgabe einer Zeitschrift, die an feste Termine gebunden ist. Die kommt zu leicht in die Lage, Gleichgültiges, Phantastisches oder Bedenkliches aufnehmen zu müssen, bloß um das Monats- oder Vierteljahrsheft gefüllt zu bekommen. Ganz frei, nur wenn Gutes da ist, müssen die Hefte erscheinen, etwa wie die »Bulletins« der Bostoner Gesellschaft.
Und als Hauptwahlspruch für alles muß gelten: Zuerst die Tatsachen; und in ihrer Erforschung ein Gang, von dem es heißt: »Langsam, aber sicher.« –
An letzter Stelle sei in diesen einleitenden Worten noch eines betont: Mit den »mystischen«, »irrationalen« Neigungen der Gegenwart hat die Parapsychologie gar nichts zu tun. Sie ist Wissenschaft, ganz ebenso wie Chemie und Geologie Wissenschaften sind. Unmittelbar »schauen« tut sie gar nichts, sie arbeitet positivistisch und induktiv. Sie findet Typen oder Formen des Weltgeschehens, wie jede andere Wissenschaft; ihre Arbeit ist durchaus »rational«, wenn anders man das Auffinden solcher Typen rationales Arbeiten nennt. Parapsychologie steht somit im Dienst echter Aufklärung, denn rational arbeiten heißt »aufklärend« arbeiten.
Eben weil die Parapsychologie echte Aufklärungsarbeit leistet, sollte man endlich aufhören, sie »Okkultismus« zu nennen.
Leipzig, den 10. Juli 1932.
Hans Driesch.
Erster Teil:
Die Methodik der Parapsychologie
Inhaltsverzeichnis
I. Die Möglichkeit der Täuschung auf dem Boden der Parapsychologie
Inhaltsverzeichnis
Es gibt keine Wissenschaft, die nicht den Gefahren der Täuschung, ja des bewußten Betruges ausgesetzt wäre. Auf dem Boden der Biologie haben wir es im Laufe der letzten zwanzig Jahre ein paarmal erlebt, daß sehr bedeutsam erscheinende Forschungsergebnisse über die sogenannte »Vererbung erworbener Eigenschaften« dadurch völlig wertlos wurden, daß sich an bestimmten Stellen begründeter Verdacht eines Betrugs einstellte. Vielleicht betraf dieser Betrug nur diese Stellen; abgelehnt werden mußte, aus Gründen wissenschaftlicher Sauberkeit, vielleicht zu Unrecht, das Ganze. Es ist nicht gesagt, daß der eigentliche Autor der in Rede stehenden Arbeiten betrog, vielleicht tat es ein Assistent oder ein Diener. Genug, es wurde betrogen; und das kann auf jedem Gebiete der Wissenschaft geschehen. Denn »der Mensch« ist leider ein der unbewußten und der bewußten Täuschung fähiges Wesen.
Aber auf dem Boden der eigentlichen Naturwissenschaft ist die Möglichkeit einer Täuschung doch immer nur einseitig, mag sie auch auf der einen allein in Frage kommenden Seite mehrere Personen, den eigentlichen Autor und die, welche ihn bei der Arbeit unterstützen, angeben können. Das Gebiet, von dem wir hier reden, die Parapsychologie, ist dagegen in der wenig erfreulichen Lage, mit einer zweiseitigen Täuschungsmöglichkeit, sei sie bewußt oder unbewußt, rechnen zu müssen: Der Autor der Untersuchung und seine Helfer können, wie bei jeder wissenschaftlichen Arbeit, täuschen; täuschen kann aber auch das Untersuchungsobjekt, also der Sensitive, das »Medium«, der »Metagnom« oder wie wir dieses Objekt nennen wollen. Täuschung seitens des Autors, zumal bewußte, wird ebenso selten sein wie auf naturwissenschaftlichem Gebiet engeren Sinnes; jedenfalls muß es ethisches Prinzip sein, jeden Autor für ehrlich zu halten bis zum ausdrücklichen Beweise des Gegenteils. Täuschung beider Art, bewußte und unbewußte, seitens des Untersuchungsobjekts ist aber leider schon häufig dagewesen, und sich gegen sie mit allergrößter Strenge zu schützen, muß eine der Hauptaufgaben einer Parapsychologie sein, die sich »Wissenschaft« will nennen dürfen.
Gewiß ist es für einen Untersuchungsleiter unangenehm, wenn ihm ein Getäuscht-, wohl gar ein echtes Betrogensein seitens seines Untersuchungsobjekts nachgewiesen, ja, wenn auch nur der Verdacht dieser Dinge ausgesprochen wird. Er fühlt sich dann ein wenig »blamiert«. Zu Unrecht, meine ich, tut er das. Sein guter Glaube wird ja doch nicht angezweifelt; nur daß er eben ein des Getäuschtwerdens fähiger Mensch ist, wird behauptet. Welcher Mensch aber wäre trotz größter subjektiver Gewissenhaftigkeit nicht fähig, getäuscht zu werden? Selbst die größten Forscher haben gelegentlich geirrt, was doch heißt, daß sie eben trotz ihrer Gewissenhaftigkeit einer Täuschung, im allgemeinsten Sinne des Wortes, zum Opfer fielen. Auf parapsychischem Gebiete aber, wo das Untersuchungsobjekt selbst aktiv zur Täuschung beitragen kann, wo nicht, wie in den normalen Naturwissenschaften, ein schlichter »Sachverhalt« zur Untersuchung steht, der der aktiven Täuschung unfähig ist, ist alles so unendlich viel schwieriger, daß es wahrlich kein schwerer Vorwurf ist, wenn einem Autor gegenüber der Verdacht des Getäuscht-, ja, des Betrogenwordenseins laut wird. Unangenehm bleibt es, das gebe ich gern zu; die Selbstgefälligkeit wird ein wenig verletzt. Aber sollte die Wahrheitsliebe nicht mehr gelten?
Von einigen Seiten ist jüngst die Ansicht ausgesprochen worden, alle »Medien« sollten sich zusammentun und scharf gegen alle, wohl gar mit Prozessen, vorgehen, die es sich erlauben, Verdachtsmomente zu äußern. Das wäre der Tod einer wissenschaftlichen Parapsychologie. Die wahrhaft streng wissenschaftlich Denkenden würden ein Mitglied des Medien-»Verbandes« einfach ausschalten, seine Leistungen, mögen sie echt sein oder nicht, grundsätzlich nicht weiter beachten. Und für »Beleidigungs«-prozesse ist hier wahrlich nicht der Ort, zumal die Äußerung eines Verdachtes ja doch nie ohne weiteres die Vermutung bewußten Betrugs bedeutet. Wissen wir doch, wie viel in dem unterbewußten, halb somnambulen Zustand, in dem sich die »Medien« während ihrer Leistungen meist befinden, getäuscht werden kann; gewissenhafte Medien haben oft selbst darum gebeten, normale »Nachhilfen« unterbewußter Art, für die ihr bewußtes Ich ja verantwortungsfrei ist, nach Kräften unmöglich zu machen. Aber freilich muß, wenn die Verdachtsmomente sehr stark sind, auch die Möglichkeit bewußten Betruges, ohne die Gefahr eines Prozesses zu laufen, ausgesprochen werden dürfen. Das wirklich ethisch reine Medium wird sich gar nicht getroffen fühlen dadurch; es wird sein Kreuz zu tragen wissen in der Überzeugung, daß ja die Wahrheit doch einmal an den Tag kommen werde.
Freilich richte ich nun an die andere Seite die ebenso dringende Aufforderung, maßvoll zu sein in »skeptischen« Angriffen und von bewußtem Betrug nur zu reden, wenn gar keine andere Möglichkeit, nach gewissenhafter Selbstprüfung, für den Angreifer übrig bleibt. Und auch dann sollten höhnische Äußerungen über den Versuchsleiter streng unterbleiben.
Vorbildlich im »Stil« ist hier alle Polemik seitens der Briten. In Deutschland ist aber, sowohl auf Seiten der »Gläubigen« wie auf Seiten der Skeptiker, eine Verwilderung des Stils eingetreten, die beinahe der auf politischem Gebiet leider bei uns üblichen gleicht und nicht gerade dazu beiträgt, das Ansehen der deutschen Parapsychologie besonders zu heben.
Das Wort »fortiter in re, suaviter in modo« sollte, wenn irgendwo, dann auf diesem schwierigsten aller Forschungsgebiete gelten.
Ich dachte bisher an die Möglichkeit von Täuschung oder gar Betrug im Rahmen der eigentlichen Tatsachenforschung. Daß auf theoretischem Gebiet, wo nur der reine Irrtum in Frage steht, die Forderung gegenseitigen Anstandes erst recht gilt, sollte eigentlich keiner Worte bedürfen. Wenn »Animisten« und »Spiritisten« auf einem ganz und gar in den Kinderschuhen steckenden Wissensgebiet einander grob oder höhnisch anfahren, so wirkt das einfach lächerlich!
Viel könnte auf dem gesamten Gebiet der Parapsychologie die Presse zur Wahrung des polemischen Anstandes beitragen. Leider tut sie es nicht immer; gibt es doch Blätter, welche ganze Kübel des Spottes ausgießen, sobald von Parapsychologie – die sie meist mit der spezifischen spiritistischen Hypothese verwechseln – auch nur die Rede ist, häufig ohne sich mit der ernsten Literatur des Gebietes auch nur irgendwie beschäftigt zu haben, und bisweilen, seltsam aber wahr, aus »politischen« Gründen.
II. Die Formen möglicher Täuschung
Inhaltsverzeichnis
Ich komme zum eigentlichen Gegenstand des ersten Abschnittes dieser Schrift, der Darlegung der mannigfachen Täuschungsmöglichkeiten, gegen die sich der strenge Parapsychologe zu sichern hat. Sehr streng werde ich hier vorzugehen haben: selbst die kleinste Lücke, durch die ein Getäuschtwerden sich einschleichen könnte, gilt es zu verstopfen.
An erster Stelle werde ich von Täuschungsmöglichkeiten im Rahmen der Tatsachenerforschung, an zweiter von theoretischen Irrtumsmöglichkeiten reden. Der erste Abschnitt ist bei weitem der wichtigste.
Britische Forscher haben gelegentlich gesagt, der Parapsychologe habe über die Eigenschaften des Naturforschers, des Psychologen, des Psychiaters, des Untersuchungsrichters und des Taschenspielers gleichermaßen zu verfügen. Das ist richtig. Er zeigt aber auch, wie schwierig unsere Aufgabe ist; und ich brauche wohl nicht zu bemerken, daß alles Folgende nur gleichsam eine Abschlagszahlung, ein »Minimum« an Sicherung darstellen kann, aber absolut nicht auf Vollständigkeit Anspruch macht. Für jede Art von Ergänzung zu meinem Täuschungskatalog werde ich aufrichtig dankbar sein.
1. Allgemeines
a) Experiment und Beobachtung
Alle Tatsachenforschung hat zwei Quellen des Wissenserwerbes: die bloße Beobachtung und das Experiment, d. h. die Beobachtung unter, wenigstens dem Wesentlichsten nach, »willkürlich« und absichtlich gesetzten bestimmten Bedingungen.
Bei Erörterung der Sicherungsmöglichkeiten gegen Täuschung müssen nun, wie stets in der Wissenschaft, zunächst einmal Beobachtung und Experiment gesondert behandelt werden. Des weiteren aber kann eine ergebnisreiche Untersuchung auf unserem Gebiet überhaupt erst einsetzen, nachdem gerade über das parapsychologische Experiment und die parapsychologische Beobachtung einiges Allgemeine gesagt worden ist. Denn die Dinge liegen hier etwas anders als in den normalen Naturwissenschaften.
Wenn der Naturforscher auf normalem Boden experimentiert, sei es im Bereich des Unbelebten oder in dem des Belebten, so geht er an die Untersuchung heran mit der bestimmten Erwartung, daß sich »etwas« ereignen werde, und will wissen, was. Das »Etwas« kann, seltsam zu sagen, in einem ganz bestimmten Sinne »Nichts« sein, ist aber deshalb doch »Etwas«, weil es eben Nichts in bestimmtem Sinne ist: wenn also z. B. bei Regenerationsversuchen ein Organismus nach Amputation einer Gliedmaße »nicht« regeneriert, so überhäutet er entweder immerhin die Wunde oder er »stirbt«. Und das ist etwas, obschon es »nicht« das Erwartete ist. Daß er, etwa wenn er ein Säugetier ist, »nicht« regeneriert, ist bedeutsam. Und, was nun die Hauptsache ist, das »Nicht«-Ergebnis wird immer neu unter identischen Bedingungen geprüft und immer wieder bestätigt; es ist »Gesetz«.
Parapsychisch aber kann, und zwar unter identischen Bedingungen, soweit sie in der Hand des Experimentators liegen, »gelegentlich« etwas geschehen, »gelegentlich« aber restlos gar nichts. Kurz gesagt: die Sicherheit und die Eindeutigkeit der Erwartung fehlen dem parapsychischen Experiment. Man wird sagen, der Unterschied vom »normalen« wissenschaftlichen Experiment sei nicht scharf, schon biologisch, seltener wohl auf anorganischem Boden, könne auch einmal in einer langen Versuchsreihe ein »bestimmtes Nichts« geschehen sein und dann plötzlich, trotz »identischer« Bedingungen, »soweit« der Experimentator sie in der Hand hat, doch etwas Positives, oder aber in langer Versuchsreihe ein bestimmtes Positives und dann etwas anderes Positives1. Gewiß ist solcher Einwand berechtigt. Man pflegt in diesen Fällen zu sagen, es habe eben eine große variable Fülle »innerer« Bedingungen des Organismus gegeben, die der Experimentator gar nicht in der Hand haben konnte – (die er nun freilich allmählich »in die Hand« bekommt). Könnte nicht auch ein Säugetier »plötzlich einmal« doch regenerieren? Wir würden uns wundern – und dann weiterforschen. Ist nicht der Satz, daß Steinwände »nie« für elektromagnetische Strahlen durchlässig seien, durch die Röntgenstrahlen erschüttert worden?
Aber es bleibt dabei, daß parapsychisch, z. B. bei Versuchen über Gedankenübertragung, dieser Umstand viel schwerer wiegt. Negative Fälle – (im Sinne des Ausbleibens eines bestimmten Erwarteten) – sind also parapsychisch stets nur mit Vorbehalt als radikal negativ anzusehen, was später noch für unsere kritischen Betrachtungen von Bedeutung werden wird; sie sind es jedenfalls mit viel größerem Vorbehalt als auf biologischem oder, erst recht, anorganischem Gebiet, denn der »inneren Bedingungen« können wir parapsychisch noch weniger Herr werden als sonst.
b) Spontane und erwartende Beobachtung
Das bloß beobachtende Forschen müssen wir nun parapsychisch noch weiter sondern, nämlich in spontane und in erwartende Beobachtung; die zweite Art ist schon eine gewisse freilich sehr primitive Art des Experiments.
Alle echte Telepathie, etwa bei Todesgefahr, aller echte Spuk, wenn wir ihn zulassen, ist, im Anfang jedenfalls, durchaus nur spontan zu beobachten. Das heißt: diese Dinge sind nach den Aussagen gewisser Personen einfach da und werden schlicht registriert; ebenso, wenn wir sie für tatsächlich halten, »Apporte«.
Gibt es nun aber einmal ein angebliches »Spukhaus«, gibt es einen Menschen, in dessen Gegenwart sich Apporte ereignet haben sollen, oder einen, der einmal telepathische Meldungen ausgesandt haben soll, so wird die Sache anders: erwartende Beobachtung stellt sich ein, man »experimentiert« wohl gar schon in rohester Form, in der Hoffnung, daß sich etwas ereignen »möchte«.
Hier haben denn in hohem Maße die zu erörternden Sicherungsmaßnahmen einzusetzen, während die Sicherung post factum, d. h. die nachträgliche Erwägung, ob wohl alles mit rechten Dingen vor sich gegangen sein »möchte«, wie sie bei Spontanphänomenen allein möglich ist, den Namen echter Sicherung natürlich überhaupt nicht verdient: nur »ob wohl« die Phänomene »echt« gewesen sein könnten, ist hier ja, bald mit mehr, bald mit weniger Wahrscheinlichkeit, festzustellen – bei Spontantelepathie, wie sich zeigen wird, immerhin mit recht großer.
Es sollte keines Hinweises darauf bedürfen, daß das echte Experiment das vollendetste Mittel bei der Erforschung der Gesetze der empirischen Wirklichkeit ist: es erlaubt die größte Sicherung gegen Täuschung und es ist eben, seinem Wesen nach, beliebig wiederholbar: theoretisch stehen »unendlich viele« Fälle zur Untersuchung. Die erwartende Beobachtung ist daher um so wertvoller, je mehr sie sich dem Experiment zu nähern imstande ist; von ihr wird im folgenden viel zu reden sein. Die spontane Beobachtung kann nur in seltenen Fällen und dann aus ganz bestimmten, später darzulegenden Gründen, endgültige wissenschaftliche Bedeutung für sich beanspruchen. Führt sie zu erwartender Beobachtung und wohl gar zum Experiment, so liegt die Sache natürlich anders; aber dann ist sie nicht mehr »spontane« Beobachtung.
Es ist in manchen parapsychologischen Kreisen heute üblich, Experimente, ja wohl gar sorgfältig gesicherte erwartende Beobachtung als »übertrieben kritisch« beiseite zu stellen und alles Heil von der Mitteilung recht vieler spontaner Beobachtungsfälle zu erwarten.
Ich habe nun gar nichts gegen die Mitteilung solcher Fälle, falls sie nicht gar zu sehr auf bloßem Hörensagen beruhen. Ihre Mitteilung mag zu kritischen Untersuchungen anregen. Aber an und für sich bedeuten – (von Spontantelepathie, wie sich zeigen wird, abgesehen) – solche Fälle sehr wenig; sie bleiben Behauptungen, bis kritische Arbeit eingesetzt hat.
Und »übertriebene Kritik« – kann es die überhaupt geben? Andere Wissenschaften kennen sie jedenfalls nicht! –
Ich stelle jetzt, strenge Definitionen einem späteren Abschnitt vorbehaltend, in vorläufiger Weise kurz zusammen, wie sich alles das, was parapsychologisch behauptet wurde, zu spontaner Beobachtung, erwartender Beobachtung und Experiment verhält. Ich fälle damit noch kein Urteil über die Tatsächlichkeit des Behaupteten. Voraussetzen glaube ich zu dürfen, daß der Leser mit den in Frage kommenden Worten bestimmte Vorstellungen verbindet.
Auf Grund spontaner Beobachtung sind behauptet worden: alle Fälle echter Telepathie, viele Fälle von Gedankenerfassung, Hellsehen und Prophetie; ferner Spuk, Materialisationen, Apporte, Telekinesen, Phantome in erster Instanz, d. h. beim erstmaligen, unerwarteten Vorkommen.
Erwartender Beobachtung wurden unterzogen in sogenannten »Séancen«, oder auch, bei manchen physischen Phänomenen, zumal Spuk, durch »Kommissionen«: viele Fälle von Gedankenübertragung, Hellsehen und Prophetie, sehr oft unter »psychometrischer« Vermittlung; ferner Telekinesen, Materialisationen, Apporte, Spuk in zweiter Instanz, d. h. nachdem sie bei bestimmten Personen oder an bestimmten Örtlichkeiten spontan beobachtet waren, also der Vermutung Raum gaben, es »werde wohl« etwas eintreten.
Dem eigentlichen Experiment im engen Sinne des Wortes wurden nur bewußte (nicht spontane) Telepathie und Gedankenübertragung bis jetzt, in nicht gerade zahlreichen Fällen, unterzogen; allerneuestens auch, durch Osty, die Telekinese.
2. Täuschungsmöglichkeiten im Bereich spontaner Beobachtung
Wir beschäftigen uns an erster Stelle mit den Sicherungen gegen bewußte und unterbewußte Täuschung bei spontaner Beobachtung von Geschehnissen, die für parapsychisch ausgegeben werden.
Wie schon gesagt wurde, handelt es sich hier nicht um »Sicherung« im eigentlichen Sinne des Wortes; denn man kann sich nicht »sichern« in bezug auf etwas, von dem man nicht weiß, ja nicht einmal vermutet, daß es geschehen wird. Nur nachträglich könnte vielleicht die Echtheit des Ereignisses oder, besser gesagt, die Überzeugung von dieser Echtheit durch gewisse Erwägungen über die Bedingungen, unter denen das Ereignis stattfand, in höherem oder geringerem Grade gesichert werden. Es handelt sich ja eben nur um Beobachtung, das Experimentelle tritt nicht einmal in der schwachen Form der »erwartenden« Beobachtung ins Spiel.
a) Physische Phänomene
Bei spontanen, angeblich paranormalen physischen Geschehnissen, wie Telekinese, Materialisation, Phantom, Spuk, Apport, wird stets die nachträgliche Sicherungsmöglichkeit sehr gering sein. Es ist etwas berichtet worden, oder man hat es selbst gesehen oder gehört; das ist alles. Denn, wohlverstanden, es handelt sich in diesem Abschnitt ja um das, was wir »Phänomene in erster Instanz« genannt haben, es handelt sich um Geschehnisse bei ihrem erstmaligen, völlig unerwarteten Vorkommen. Wie die Dinge liegen, wenn nun auf Grund des Wissens um dieses erstmalige Vorkommen eine Wiederholung der Ereignisse »erwartet« wird, werden wir später sehen.
Man wird natürlich, wenn es sich um Berichte handelt, zunächst über die Vertrauenswürdigkeit des Berichterstatters reflektieren. Ist er ein Phantast oder ein nüchterner Mensch? Leidet er etwa an häufigen Halluzinationen? Würde das feststehen oder wäre er als Phantast, wohl gar als chronischer Lügner, allgemein bekannt, so würde man den Bericht gleich beiseiteschieben. Sonst würde man wohl »erwarten« und weiter prüfen.
Hat man selber derartiges gesehen oder gehört – (und hat selbst noch nie an Halluzinationen gelitten) –, so wird man den eigenen Seelenzustand prüfen: war man etwa erregt oder, weil es vielleicht dunkel war, ein wenig in Angst; oder war man ermüdet und in einem beinahe traumartigen Zustand?
Ist diese Art der Prüfung zugunsten der Echtheit des Phänomens oder wenigstens zugunsten der Möglichkeit seiner Echtheit ausgefallen, wobei immer eine völlige »erkenntnistheoretische« Neutralität, eine »positivistische«, alles logisch als »möglich« zulassende Einstellung vorausgesetzt wird2, so geht man an objektive Prüfungen.
Beherbergt das Spukhaus etwa Ratten? Oder ist es möglich, daß da »grober Unfug« verübt wurde, um Leute zu erschrecken, indem etwa Steine geworfen wurden? Sind, bei Telekinesen, verdächtige Drähte oder Fäden im Zimmer zu finden? War starker Wind? Konnte sich etwa aus diesem Grunde ein Vorhang, eine Gardine lebhaft und seltsam bewegen?
Sind alle diese Prüfungen ohne die Erregung von Verdachtsmomenten geblieben, so wird zu erwartender Beobachtung übergegangen. Denn klar ist, daß diese Prüfungen auch bei gutem Ausfall nur eine sehr vorläufige Überzeugung von der Echtheit der Phänomene bei einer auch nur einigermaßen »kritischen« Person hervorrufen können. Sehr seltsam wären sie ja doch angesichts unseres allgemeinen Wissens um die empirische Wirklichkeit und ihre Gesetze. Das darf, ja das muß sich auch der durchaus neutral und »positivistisch« eingestellte Beobachter sagen.
b) Mentale Phänomene
Bei mentalen Geschehnissen liegen schon für die spontane Beobachtung die Dinge etwas günstiger, weil die Reflexion über die Bedingungen, unter denen sie statthatten, viel mehr ins besondere Einzelne gehen kann.
Echte Telepathie
Wir reden zunächst von der echten Telepathie.
Es handelt sich bei echter Spontantelepathie bekanntlich darum, daß eine Person, die sonst nicht irgendwie als »Medium« bekannt ist, eines Tages aussagt oder aufschreibt, sie habe, wachend oder träumend, ein seltsames Erlebnis betreffs des Schicksals oder des seelischen Zustandes eines anderen, oft weit entfernten Menschen gehabt, habe ihn etwa, ohne von seiner Krankheit oder seiner gefährlichen Lage etwas zu ahnen3 »gesehen« oder »gehört«, als er sich in Todesangst befand, oder habe auch bloß eine dumpfe, aber sehr starke »Ahnung« davon gehabt, daß ihm etwas passiere.
Solche spontanen Erlebnisse können mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Erfüllung der folgenden Bedingungen als echte Telepathien, das heißt als nicht auf »normalem« sinnesphysiologischem Wege erfolgte Erwerbungen eines Wissens um fremdseelische Zustände, gelten:
Erstens, wenn das Erlebnis vor seiner Bewahrheitung schriftlich niedergelegt oder vertrauenswürdigen anderen Personen mitgeteilt war, so daß eine Erinnerungstäuschung zum Positiven hin im Gefolge einer später erhaltenen Nachricht über das in Rede stehende Faktum, etwa einen Todesfall, ausgeschlossen ist. Dieser Punkt ist von den Forschern der Englischen Society for Psychical Research stets mit besonderer Sorgfalt beachtet worden4.
Zweitens, wenn die Person, welche die seltsame Vision oder Audition oder Ahnung erlebte, das Einzigartige, besonders Eindringliche ihres Erlebnisses betont und etwa sagt, es sei »ganz anders« gewesen, als sonst irgendein Traum oder eine Ahnung während ihres bisherigen Lebens.
Drittens, wenn es der Fall wäre, daß das Erlebnis neben einer großen Zahl ähnlicher Erlebnisse seitens anderer Personen steht.
Viertens, wenn Koinzidenz besteht und zwar sowohl Terminkoinzidenz wie Inhaltskoinzidenz, d. h. wenn das Erlebnis zeitlich, mehr oder weniger genau, mit dem Faktum, das seinen Inhalt bildete, zusammenfällt, und wenn das Faktum selbst inhaltlich, so wie es war, paranormal erfaßt wurde.
Fünftens, was selbstverständlich ist, wenn die Entfernung zwischen dem »Sender« (Agenten) und dem »Empfänger« (Perzipienten) wirklich so groß ist, daß alles normale Sehen und Hören, auch bei vorhandener Überempfindlichkeit (»Hyperästhesie«) der Sinne, radikal ausgeschlossen ist.
Sind alle diese Bedingungen erfüllt, so darf das in Rede stehende Erlebnis als echt spontantelepathisch gelten. Ist auch nur eine der Bedingungen nicht erfüllt, so bleibt seine paranormale Tatsächlichkeit zweifelhaft.
Es gibt nun Geschehnisse, in denen alle von uns genannten Bedingungen erfüllt sind, und zwar gibt es sie, wie ein Blick in das Werk Phantasms of the Living und in seine Ergänzungen in den Proceedings of the S. P. R. zeigt, in großer Zahl.
Durch diesen letzten Umstand ist sofort die dritte unserer Bedingungen erfüllt: es gibt »eine große Zahl ähnlicher« Erlebnisse.
Die Mitteilung an andere vor der Verifikation, unsere erste Bedingung, hat, wie schon gesagt wurde, bei allen den Fällen, welche die britische Gesellschaft überhaupt der Aufzeichnung für wert hielt, stattgefunden. Auch betonte gemäß unserer zweiten Bedingung der telepathisch Betroffene (Perzipient) stets das Einzigartige des Erlebnisses. Auf sehr weite Distanz hin, ferner, ereignete sich weitaus das meiste und erfüllt so unsere fünfte Sicherungsart: Hyperästhesie zwischen England und Indien, zum Beispiel, ist unbekannt.
Bleibt die vierte Bedingung, die wichtigste, die Koinzidenz von Termin und Inhalt:
Was die Koinzidenz des Inhaltes angeht, d.h. die Abbildung des objektiven Geschehnisses im Erlebnis des telepathisch Beeinflußten, so geht diese in vielen Fällen bis in intimste Einzelheiten hinein, ja, oft in solche, die dem entgegengesetzt sind, was der Perzipient auf Grund seiner Erfahrung über den Agenten wußte. Von diesem sehr bedeutsamen Faktum wird später zu reden sein.
Betreffs der Terminkoinzidenz sind wir in der glücklichen Lage, falls es sich um Todesmeldungen handelt, exakte Wahrscheinlichkeitsuntersuchungen anstellen zu können, die den »Zufall« praktisch ausschließen. Die britischen Forscher haben es getan5, ausgehend von zwei gesicherten Tatsachen: erstens von dem Faktum, daß jeder Mensch nur einmal stirbt, und zweitens von dem Sachverhalt, daß das Verhältnis der in einer bestimmten Stunde sterbenden Menschen zur Gesamtzahl der Menschen nur innerhalb sehr geringer Grenzen variabel ist. Sie fanden, daß die Zahl der für telepathisch ausgegebenen Terminkoinzidenzen bei Todesfällen die Wahrscheinlichkeit solcher Koinzidenzen um das 465fache übersteigt6. Damit können die für telepathisch ausgegebenen Fälle als echt paranormal gelten.
Gewisse Bedenken mögen noch insofern bestehen, als oft die Zeitkoinzidenz nicht absolut exakt ist (unter Berücksichtigung der verschiedenen »Zeiten« auf der Erde selbstredend). Aber das auf Grund der übrigen Indizien als telepathisch ausgegebene Erlebnis hinkt doch fast stets, wenn überhaupt, dem Termin des Faktums um so wenig nach – (würde es »vor-hinken«, so wäre das keine »Telepathie«, so wie wir den Begriff definiert haben!) –, daß diese Abweichung die Echtheit des Paranormalen nicht beeinträchtigen kann, zumal, wenn man erwägt, daß wir über den Gang telepathischer Übertragung doch positiv so gut wie nichts wissen. Die übliche Ansicht ist hier, daß das Unterbewußtsein des Perzipienten stets synchron beeinflußt wird, daß aber das Ergebnis dieser Beeinflussung verspätet ins Wachbewußtsein treten kann.
Gedankenlesen, Hellsehen, Prophetie
Wir scheiden begrifflich echte Spontantelepathie von Gedankenlesen, Hellsehen und Prophetie. Scharfe Begriffsformulierungen werden an späterer Stelle gegeben werden. Zunächst genügt das Folgende:
Bei Spontantelepathie »gibt« der Sender (Agent) aktiv, sei es bewußt oder unterbewußt, und empfängt der, welcher das Erlebnis hat, also der Perzipient, in reiner schlichter Passivität. Gegeben und empfangen werden seelische Erlebnisinhalte.
Beim Gedankenlesen ist umgekehrt der Perzipient, meist ein ausgesprochener Metagnom, um das in Frankreich übliche Wort an Stelle des bedenklichen Ausdrucks »Medium« zu setzen, aktiv, wenn auch meist nur unterbewußt aktiv; er »will« lesen, d. h. Wissensinhalte erwerben. Der Agent läßt rein passiv in sich lesen, gibt in reiner Passivität seine Seeleninhalte her. Denn gegebene und empfangene seelische Erlebnisinhalte stehen auch hier in Frage.
Bei Hellsehen erfaßt der Perzipient objektive Tatbestände der Natur, seien sie auch weit entfernt oder liegen sie in der Vergangenheit. Hellsehen in die Zukunft heißt Prophetie. –
Die Spontantelepathie wurde im Rahmen der schlichten Beobachtung, die für sie ja allein in Frage kommt, unter dem Gesichtspunkt der Sicherung erörtert. Mit Gedankenlesen, Hellsehen und Prophetie haben wir es also jetzt zu tun, wobei wir zunächst nur davon ausgehen wollen, daß diese drei Tatsachengruppen als existierend behauptet werden und daß es anscheinend drei verschiedene Gruppen von Tatsachen sind. Über den zweiten Punkt wird freilich später des näheren zu reden sein.
Auch alle diese Dinge erörtern wir zunächst nur, insofern sie spontan gelegentlich beobachtet sind, was etwa dadurch geschieht, daß man plötzlich, ohne es erwartet zu haben, jemanden eine Äußerung über fremde Gedanken oder über Situationen gegenständlicher Art machen hört, welche richtig ist, ohne daß anscheinend ihr Inhalt auf normale Weise zur Kenntnis des Aussagenden gelangen konnte.
Welches könnten die Kriterien der Echtheit solcher Geschehnisse sein, und inwiefern können wir uns dagegen sichern, Normales oder Zufälliges fälschlich als echt paranormal anzusehen?
Mir scheint, es handelt sich, von der Prophetie abgesehen, um die Erfüllung derselben »Bedingungen« wie bei der Spontantelepathie, also um Mitteilung vor der Verifikation, um die Einzigartigkeit des Erlebens, diesmal beim aktiven, nicht beim passiven Perzipienten, um Einreihung des Geschehens in eine große Zahl ähnlicher Fälle, um Koinzidenz, um Ausschluß normaler Übertragungswege.
Aber wie steht es damit im einzelnen?
Wenn wir alles Theoretische, alles Deutende, zunächst außer acht lassen, also besonders die Möglichkeit, daß Hellsehen vielleicht auf Gedankenlesen »zurückführbar« sei, indem ja objektive Situationen in den meisten Fällen auch von jemandem erlebt werden, so daß also dieses Erleben, nicht aber die objektive Situation als solche paranormal erfaßt werden könnte, wenn wir also vorläufig Gedankenlesen und Hellsehen als zwei begrifflich voneinander gesonderte Geschehensgruppen zulassen, so können wir hier wohl folgendes im Hinblick auf die Sicherungsfrage sagen:
Über die drei ersten Bedingungen, also Mitteilung vor der Bewahrheitung, Einzigartigkeit des Erlebens und Einreihung in eine große Zahl ähnlicher Fälle, erübrigt es sich, besonderes Neues beizubringen.
Was den Ausschluß normaler Übertragungswege, unsere fünfte Bedingung, angeht, so ist hier größere Vorsicht geboten als bei der Spontantelepathie, da praktisch oft nur geringe Distanzen zwischen Perzipient (Metagnom) und dem von ihm Erfaßten, sei es, beim Gedankenlesen, des Wissens eines anderen oder, beim Hellsehen, einer objektiven Situation, in Frage kommen.
Hier könnte Überempfindlichkeit der Sinne in Frage kommen; vielleicht spricht auch der Agent, ohne es zu wissen, seine Gedanken ganz leise »so vor sich hin«. Nur Spontanfälle bei nicht zu kleiner Distanz können also zählen und zur weiteren Prüfung »erwartender« Art hinführen.
Was aber die Koinzidenz angeht, unsere vierte Bedingung, so tritt hier die Terminkoinzidenz begreiflicherweise zurück, die Inhaltskoinzidenz dagegen gewinnt an Bedeutung. Sie wird zur Genauigkeitskoinzidenz, d. h. der Grad der Bestimmtheit, mit dem eine angeblich paranormale Äußerung getan wird, tritt in den Vordergrund. »Längliche Gegenstände« zum Beispiel gibt es doch recht viele! Auch sind recht viele Leute verlobt, verheiratet, haben Kinder usw. Der »Charakterarten« andererseits gibt es nur wenige, so daß erfolgreiches Raten nicht unwahrscheinlich ist.
Doch da wir anläßlich der erwartenden Beobachtungen und der Experimente auf mentalem parapsychischem Gebiet auf alle diese Dinge eingehend zurückkommen werden, sei es genug mit dem hier Gesagten. Spontane Beobachtung kann, sollte wenigstens, nie als Definitivum angesehen werden, sondern stets, wenn sie immerhin eindrucksvoll erschien, zu erwartender Beobachtung, wenn nicht gar zum Experiment echter Art führen. Was wir über Sicherungen bei spontanen Beobachtungen sagten, soll also nur dazu dienen, vor gröbsten Enttäuschungen und verlorener Zeit und Mühe zu bewahren. Takt und »Interesse« werden hier entscheiden, ob eine strenge Untersuchung einsetzen soll oder besser als aussichtslos unterbleibt.
Von spontan beobachteter Prophetie werden wir, wie von Prophetie überhaupt, in einem besonderen Abschnitt reden.
3. Täuschungsmöglichkeiten im Bereich erwartender Beobachtung
Eigentlich wissenschaftlich bedeutsam wird die Sicherungsfrage erst im Rahmen bewußt erwartender Beobachtung, um vom echten Experiment zunächst noch abzusehen. Dem »Erwarten« gegenüber war alles Spontane, abgesehen von echter Telepathie, vorläufig und ziemlich bedeutungslos im streng wissenschaftlichen Sinne.
a) Physische Phänomene
Wir beginnen wiederum mit den physischen Phänomenen, fragen also, wie man sich gegen bewußte oder unbewußte Betrügereien sichern könne, wenn es gilt, sogenannte Telekinesen, Materialisationen, Apporte und Spukphänomene erwartend zu beobachten, nachdem man auf Grund spontaner Beobachtung den Eindruck gewonnen hat, daß es sich wohl lohne, den mitgeteilten oder selbst erlebten Dingen, die in Frage stehen, weiter nachzugehen.
Falls nichts besondere »Spukorte« in Frage stehen, wird die erwartende Beobachtung meist in sogenannten Sitzungen (Séancen) stattfinden. Daß hier mehrere gleichzeitig erwartend beobachten, ist jedenfalls zu loben, schon allein, um alles rein Subjektive auszuschalten. Daß sich die Sitzungsteilnehmer den Forderungen der meist spiritistisch eingestellten, wissenschaftlich wenig gebildeten »Medien« fügen, »Kette bilden«, singen, Instrumente spielen lassen, »Geister« anrufen usw. schadet im Anfange nichts; ebenso mag im Anfange Dunkelheit erlaubt sein.
Aber dringendes Erfordernis ist, sich von diesen Forderungen sobald als möglich zu befreien, jedenfalls zu versuchen, ob es nicht auch ohne sie »geht«.
Dasselbe gilt von der Entfernung »störender« Personen aus dem Zirkel auf Befehl des Mediums.
Es mag ja sein, daß »Kette« und Gesang wirklich fördern, daß gewisse »skeptische« oder »negative« Personen wirklich schaden, daß Dunkelheit oder Rotlicht, wie bekanntlich bei der Photographie, wirklich unerläßlich sind. Angesichts unserer völligen Unwissenheit kann man nicht mit Sicherheit das Gegenteil a priori behaupten.
Aber bedenklich wird man hier doch gestimmt, und daher ist der Versuch, alle diese Beschränkungen mit der Zeit abzuschaffen, unbedingt anzuraten. Viele Sicherungshemmnisse mit Rücksicht auf Betrug würden damit von vornherein beseitigt.
Ich habe schon anderenorts7 gesagt, daß man versuchen solle, die Medien nach der Suggestionsmethode Coués derart zu erziehen, daß man ihnen, etwa nach schwacher Hypnotisierung oder auch ohne sie, immer wieder eindringlich und überzeugend sagt: »Es wird auch bei sehr starkem Rotlicht, ja bei Normallicht gehen, auch ohne Gesang, ohne Kette usw.« Das zwanzig- bis dreißigmal und immer wieder.
Der Erfolg würde die Mühe lohnen, wenn auch nur gewisse sehr allgemeine Sicherungshemmnisse beseitigt wären, keineswegs aber völlige Sicherheit der Echtheit ohne weiteres erzielt wäre.
Die Beseitigung der Dunkelheit oder schwachen Lichts und ihr Ersatz durch völlige Helligkeit ist wirklich von ganz fundamentaler Bedeutung, und ich scheue mich nicht, es auszusprechen, daß ich kein physisches Paraphänomen als ganz gesichert zulassen kann, das in mattem Rotlicht oder gar Dunkelheit stattfand – womit aber nicht gesagt sein soll, daß alles, was in völliger Helligkeit angeblich stattfand, gesichert sei!
Denn es gibt eben Taschenspieler, und das sind oft sehr geschickte Leute! Als ich nach China reiste, kam in Port Said ein Araber an Bord, der im Rauchzimmer des Schiffes, ohne einen Begleiter und ohne jede Vorbereitung, den Reisenden lebendige Hühnchen aus der Westentasche zog, die dann munter herumliefen. Keiner fand den Trick; und das sollte doch gar nicht mehr als ein Trick sein!
Was nun die Sicherungen im einzelnen angeht, so liegt eine große Schwierigkeit darin, daß sowohl das Medium als auch alle Teilnehmer an der Sitzung von vornherein als »verdächtig« gelten müssen.
Gutgläubige Redensarten sind hier, leider, wertlos. Denn der Mensch ist ein seltsames Geschöpf! Wer da also sagt: »Wie könnte diese Person wohl betrügen? Sie ist die Tochter eines Generals, eines Professors; es wäre beleidigend, Betrug auch nur zu vermuten« – wer so sagt, der vergißt, daß es sich erstens ja gar nicht um bewußten Betrug ohne weiteres zu handeln braucht, und zweitens, daß auch eine Generals- oder Professorstochter bisweilen ein seltsames Geschöpf sein kann, vielleicht besessen von einem etwas merkwürdigen Geltungsbedürfnis, wenn nicht gar von einer bloßen Lust am Ulk.
Gerade ein ehrliches Medium, das haben wir schon früher gesagt, sollte hier ganz »wissenschaftlich« denken, sollte eine Betrugsvermutung nicht als beleidigend, sondern als eine Annahme ansehen, die angesichts der ungeheuren Seltsamkeit der Dinge berechtigt ist, sollte auch wissen, daß sein »Ich« für sein Unterbewußtes nicht verantwortlich ist. Und wer kennt denn sein Unterbewußtes? Kennten wir es unmittelbar bewußt, so wäre es nicht »unter«bewußt; nur empirisch mittelbar, aus seinen Äußerungen können wir es, kann jeder es an sich selbst, kennenlernen. Empirisches Wissen ist aber stets vorläufig und verbesserbar; also kann auch mein Unterbewußtes ganz anderen Wesens sein, als ich heute meine. –
Wir gehen jetzt auf die einzelnen Sicherungen gegen Betrug jeder Form der Reihe nach ein, welche angesichts der als tatsächlich behaupteten physischen Paraphänomene erforderlich sind. Gelegentlich werden wir die verschiedenen Phänomenformen gesondert zu betrachten haben; den Spuk lassen wir einstweilen überhaupt außer acht.
Für jede Art von angeblichen Tatsachen gilt, wie schon gesagt wurde, der Satz, daß, wenigstens bei der heute üblichen Art der »Sitzungen«, absolute Dunkelheit stets ein ganz endgültiges Votum zugunsten der Echtheit verhindern muß. Ich sage ausdrücklich: bei der heutigen Art der Sitzungen. Denn ich kann mir Bedingungen denken, bei denen wohl eine positive Aussage möglich wäre: Gesetzt, wovon unten zu reden sein wird, das Medium sei, nach strenger Leibesuntersuchung und unter strenger Kontrolle, mit taschenlosem Trikot bekleidet; es sei in einem Zimmer, in dem es nie zuvor war, oder das doch jedenfalls vor seinem Eintritt ganz gründlich untersucht wurde; das Zimmer sei von innen verschlossen und verriegelt, ebenso die Fenster, keiner sei in dem Zimmer außer mir selbst, allenfalls ein Paar »zuverlässige« Leute, aber auch leibesuntersucht und in taschenlosem Trikot: Wenn dann trotz völliger Dunkelheit etwas geschieht, eine Materialisation, ein Apport, so würde ich für Echtheit votieren.
Solche Versuchsbedingungen wurden bisher nie durchgeführt.
Was es bisher an Kontrolle gab, war dieses:
Erstens: Das »Kette«-bilden, d. h. wechselseitiges Sich-an-der-Hand-Fassen seitens aller Teilnehmer. Wir haben oben die »Kette« als eigentlich sachlich vielleicht überflüssig erklärt. Ihre gute, der Kontrolle dienende Seite ist die, daß eben kein Teilnehmer die Hände frei hat. Das schließt Helfershelferdienste mit den Händen aus; es müßten schon zwei Helfershelfer da sein und ihre Hände loslassen. Freilich müssen die Hände fest ineinandergreifen und sich nicht etwa nur mit den Fingern berühren. Denn im Dunklen ist es sonst mit der »geschlossenen« Kette insofern eine bedenkliche Sache, als es nicht allzu schwer (und ganz sicherlich oft praktiziert!) geworden ist, eine Hand frei zu bekommen, so daß beide Nachbarn schließlich verschiedene Finger derselben Hand berühren.
Zweitens: Die Entkleidung des Mediums – (nicht der Teilnehmer) – vor Zeugen und seine Bekleidung mit Trikot, wie sie bei Schrenck geschah.
Drittens: Leuchtnadeln in erheblicher Zahl an Ärmeln und Beinkleidern des Mediums, auch an den Stiefeln, wobei aber besonders betont sei, daß das Medium unbedingt keine niedrigen Schuhe tragen darf, aus denen der Fuß leicht herausschlüpfen kann, sondern hohe Schnür- oder Reitstiefel tragen muß, zu deren An- und Ausziehen die Hände nötig sind – die letzte Bedingung war meines Wissens nie erfüllt.
Viertens: Das Halten der Hände und Füße des Mediums durch eine zuverlässige Person.
Fünftens: Genaues Durchsuchen des Zimmers, einschließlich des sogenannten »Kabinetts«, falls das vorhanden ist, auf Drähte, Fäden, dünne lange Stäbe (das »reaching rod« der britischen Forscher).
Sechstens (bei Telekinesen): Eine solche Entfernung des voraussichtlich paranormal bewegten Gegenstandes, sowohl vom Medium wie von allen Beisitzern, daß keiner ihn mit seinen Gliedmaßen erreichen könnte.
Bei Schrenck waren diese Bedingungen zum Teil verwirklicht, und die in seinem Laboratorium ausgeführten Experimente sind sicherlich das Beste, was es hier bis jetzt gab, man möchte sagen, das einzige ganz ernst zu Nehmende und zu weiteren Untersuchungen Drängende. Es kam hinzu die von Krall erfundene elektrische Kontrolle der Hände und Füße des Mediums, die es gestattete, jeden Versuch, eine dieser vier Gliedmaßen zu bewegen, sofort wahrzunehmen – falls sie ganz exakt arbeitete.
Die Teilnehmer wurden, abgesehen von der Kette, die aber ihrerseits auch nicht kontrolliert wurde, nicht gesichert. Man »vertraute« ihnen – ich habe keinen Grund zu sagen: mit Unrecht; aber das ist natürlich nur eine »Überzeugung«.
Price hat dann die elektrische Kontrolle aller Teilnehmer, freilich mit Ausnahme der Protokollistin, die er aber auch in den letzten Versuchen »sicherte«, durchgeführt. Wie weit diese Kontrolle exakt arbeitete, entzieht sich meiner Kenntnis.
Mattes Rotlicht herrschte sowohl bei Schrenck wie bei Price.
Etwas ganz und gar Neues an Sicherungsmethodik ist jüngst im französischen Institut für Metapsychologie durch Osty8, bei Versuchen mit Rudi Schneider, eingeführt worden: eine sehr komplizierte mit ultrarotem Licht arbeitende Apparatur. Sie erwies, daß eine gewisse unsichtbare und unphotographierbare, den Kegel ultraroten Lichts jedoch beeinflussende »Substanz« vom Medium ausgeht und, seinem (unterbewußten) Willen unterstehend, Telekinesen hervorbringt. Ein Arbeiten auf dieser Bahn, ebenso exakt weitergeführt, wie es begonnen wurde, ist vielleicht geeignet, endlich einen alle überzeugenden Aufschluß zu bringen.
Es muß eben dauernd an der Verbesserung der Kontrollen gearbeitet werden unter Heranziehen von Physikern und Ingenieuren. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß sich völlig Befriedigendes erzielen lassen wird – erst dann wird man endgültig urteilen können.
Ganz besonders wichtig wäre es freilich, wie schon gesagt, könnte man dem Medium die Fähigkeit aufsuggerieren, bei hellem Licht zu »arbeiten«. Wäre das da, säße das Medium zwei Meter von dem zu bewegenden Gegenstand, alle Teilnehmer ebenfalls, und bewegte sich dann, nachdem Fäden, Stäbe und Drähte als sicher nicht vorhanden erwiesen sind, der Gegenstand wirklich: dann wäre ein negatives Votum ganz unmöglich, selbst ohne komplizierte Apparatur.
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