Kitabı oku: «Emin Pascha: Reisetagebücher aus Zentralafrika aus den 1870-80er Jahren»
Eduard Schnitzer Emin Pascha
Emin Pascha: Reisetagebücher aus Zentralafrika aus den 1870-80er Jahren
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort des Herausgebers
Der Autor Eduard Karl Oskar Theodor Schnitzer, in Afrika Emin Pascha genannt
Henry Stanley: Persönliches Von Emin Pascha
Die Tagebücher des Dr. Emin Pascha
Kapitel 1 – Aufenthalt in Ladó und kleinere Reisen von dort aus
Kapitel zwei – Gegen die Flussverstopfungen – Verunglückte Reise nach Khartum und Rückkehr nach Ladó – 14. November bis 4. Dezember 1878
Kapitel drei – Reise ins Land der Madi und Schuli – Von Ladó nach Fatiko und zurück – 5. Dezember 1878 bis 19. Januar 1879
Kapitel vier – Aufenthalt in Landó und kleinere Ausflüge von dort – 20. Januar bis 10. Oktober 1879
Kapitel fünf – Reise von Ladó nach dem Westufer des Albert-Sees (Msvar, Mahagi) und rückkehrend über Fatiko nach Ladó – 11. Oktober bis 10. Februar 1880
Kapitel sechs – Reise von Ladó nach dem Albert-See –23. bis 31. Dezember 1879
Kapitel sieben – Aufenthalt in Ladó und kleinere Reisen von dort aus – 10. Februar bis 31. Juli 1880
Kapiel acht – Reise von Ladó nach Makraka und zurück – sowie kleiner Aufenthalt dortselbst – 1. August bis 14. September 1880
Kapitel 9 – Marsch von Ladó nach Dufilé am linken Ufer des Nils – 25. September bis 8. Oktober 1880
Kapitel zehn – Reise von Laboré über Fadibék und Fatiko nach Fauvera und zurück über Fatiko nach Wadelay – 9. Oktober bis 28. November
Die gelbe Buchreihe
Weitere Informationen
Impressum neobooks
Vorwort des Herausgebers

Von 1970 bis 1997 leitete ich das größte Seemannsheim in Deutschland am Krayenkamp am Fuße der Hamburger Michaeliskirche.

Dabei lernte ich Tausende Seeleute aus aller Welt kennen.
Im Februar 1992 entschloss ich mich, meine Erlebnisse mit den Seeleuten und deren Berichte aus ihrem Leben in einem Buch zusammenzutragen. Es stieß auf großes Interesse. Mehrfach wurde in Leser-Reaktionen der Wunsch laut, es mögen noch mehr solcher Bände erscheinen. Deshalb folgten dem ersten Band der „Seemannsschicksale“ Weitere.
Hamburg, 2021 Jürgen Ruszkowski

Ruhestands-Arbeitsplatz
Hier entstehen die Bücher und Webseiten des Herausgebers
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Der Autor Eduard Karl Oskar Theodor Schnitzer, in Afrika Emin Pascha genannt
Der Autor Eduard Karl Oskar Theodor Schnitzer, in Afrika Emin Pascha
genann genannt

Geboren am 28. März 1840 in Oppeln (Oberschlesien) als Isaak Eduard Schnitzer.
Er war Afrikaforscher und Gouverneur der Provinz Äquatorialafrika im türkisch-ägyptischen Sudan. Bekannt wurde er vor allem durch seine Rolle während des Mahdi-Aufstandes und die zu seiner Rettung entsandte Emin-Pascha-Expedition.
Er verstarb am 23. Oktober 1892 in Kinena im Kongogebiet einem arabischen Handelspost, von Sklavenhändlern ermordet.
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Henry Stanley: Persönliches Von Emin Pascha
Henry Stanley: Persönliches Von Emin Pascha
Alter und frühere Tage Emin Pascha's. – Gordon und das Gehalt Emin Pascha's. – Letzte Unterredung mit Gordon Pascha im Jahre 1877. – Letzte Zufuhr von Munition und Lebensmitteln an Emin. – Fünf Jahre abgesperrt. – Mackay's Bibliothek in Uganda. – Emins Fähigkeiten und Tüchtigkeit für seine Stellung. – Seine Sprach- und sonstigen Kenntnisse; sein Fleiß. – Seine zierlichen Tagebücher. – Schukri Aga's Erzählung von Emins Rückzug von Kirri nach Mswa. – Emin bestätigt die Erzählung. – Der Pascha und die Dinka. – Eine Löwengeschichte. – Emins Vogelstudien.
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Ich beabsichtige nicht, eine biographische Skizze über Emin Pascha zu schreiben, sondern will nur die jetzigen Einzelheiten hier wiedergeben, die er mir selbst bei unserm täglichen Zusammensein von seinem Leben im Sudan und seiner Bekanntschaft mit seinem berühmten Chef, dem ewig beklagten Gordon, berichtet hat.
Von Geburt ist Emin Pascha Deutscher. Er gibt an, 48 Jahre alt zu sein, und muss daher im Jahre 1840 geboren sein. Ich glaube er muss noch jung gewesen sein, als er in Konstantinopel eintraf, sowie dass irgendein großer Herr ihn bei seinen Studien unterstützt hat und er durch denselben Einfluss wahrscheinlich in türkische Dienste gekommen und der ärztliche Begleiter von Ismail Hakki Pascha geworden ist. Wenn er, wie er mir selbst erzählte, mehr als 20 Jahre unter der Flagge des Halbmondes gedient hat, muss er im Jahre 1864 in den Dienst der Türkei getreten sein. Er schloss sich in Stambul der jungtürkischen oder Reformpartei an, welche ihr eigenes Organ besaß, das wegen seiner kühnen Befürwortung der Reformen dreimal von den Behörden unterdrückt wurde. Bei der letzten Unterdrückung desselben musste Emin das Land verlassen. Nach seiner Ankunft in Ägypten im Dezember 1875 trat er in ägyptische Dienste und wurde nach Khartum gesandt.

„Gordon ernannte mich zuerst zum Arzt mit einem monatlichen Gehalt von 25 Pfd. St., dann erhöhte er dasselbe auf 30 Pfd. St.; bei der Rückkehr von meiner Mission nach Uganda überraschte er mich mit der Erhöhung meines Gehalts auf 40 Pfd. St., doch wurde dasselbe, als ich Gouverneur dieser Provinz wurde, wie bei allen Provinzgouverneuren, 50 Pfd. St. monatlich.

Charles George Gordon – 1833 – 1885
Generalgouverneur der ägyptischen Provinz Sudan
Wie hoch das Gehalt eines Generals ist, weiß ich nicht. Indessen war ich damals nur ein ‚Miraman‘, eine Art Zivil-Pascha, der sein Gehalt nur so lange bekommt, wie er beschäftigt wird, dasselbe aber verliert, sobald man seiner Dienste nicht mehr bedarf. Ich hoffte zum Militär-Pascha, d. h. Divisionsgeneral, ernannt zu werden.“

„Nunmehr ernannte Gordon den deutschen Vizekonsul in Khartum, ohne jegliche Befugnis von mir, zu meinem Agenten, um mein Gehalt entgegenzunehmen. Ich glaube, dasselbe ist diesem mehrere Monate ausbezahlt worden; doch ernannte Gordon schließlich diesen selben Vizekonsul zum Gouverneur von Dafur, als welcher er bald darauf gestorben ist. Bei der Ordnung seines Nachlasses fand sich nach Bezahlung einiger kleiner Schulden noch eine genügende Summe vor, sodass seiner Frau 500 Pfd. St. nach Kairo geschickt und mir als Hauptgläubiger der Betrag Von 50 Pfd. St. gutgeschrieben werden konnte. Einige Monate später fiel Khartum, und das Geld, das dort etwa nach dem Tode des Vizekonsuls deponiert worden war, ging natürlich verloren, sodass ich seit acht Jahren gar kein Gehalt bekommen habe.“

„Meine letzte Unterredung mit Gordon Pascha hatte ich im Jahre 1877. Es war eine Expedition unter Führung von Oberst Prout nach Dafur und eine zweite unter Oberst Purdy zu Vermessungszwecken ausgesandt worden. Als Gordon Generalgouverneur wurde, bat er Stone Pascha in Kairo, ihm einen dieser Offiziere zu Vermessungsarbeiten in der Äquatorialprovinz zu schicken. Gessi Pascha hatte bereits den Albert-See umschifft, seine Messungen aber nur mit dem Kompass vorgenommen. Prout Bey und Mason Bey waren beide vorzügliche Beobachter. Prout Bey traf zuerst ein; er reiste von Ladó nach Fatiko, von dort nach Mruli am Victoria-Nil, ging dann nach Magungo am Albert-Njansa und stellte durch eine Reihe von Übernachtungen die Lage dieses Punktes für alle Zeiten fest. Krankheit zwang ihn, nach meiner Station in Ladó zurückzukehren. Zur selben Zeit war Mason Bey gerade mit einem Dampfer angekommen, um den Albert-See zu vermessen, und mit demselben Schiffe erhielt ich den Befehl, nach Khartum hinabzufahren, um den Gouverneurspost in Massaus am Roten Meer zu übernehmen. Der französische Konsul daselbst hatte sich mit dem dortigen Zivilgouverneur veruneinigt und gebeten, wenn ein anderer Gouverneur ernannt werde, dazu eine Persönlichkeit zu wählen, welche französisch verstände. Deshalb hatte Gordon, welcher wusste, dass ich mit der Sprache vertraut war, vermutlich mich ausersehen. Bei der Ankunft in Khartum wurde ich sehr herzlich von Gordon aufgenommen, der darauf bestand, dass ich die Mahlzeiten mit ihm einnehmen müsse, was eine große Gunst war, weil er sonst selten jemand einlud, mit ihm zu speisen. Ich lehnte die Wohnung im Palast jedoch ab und nahm mein Frühstück bei mir zu Hause ein, doch bestand Gordon darauf, dass ich zum zweiten Frühstück und Mittagessen zu ihm käme. Er hatte Überfluss an Arbeit für mich, Schreiben an die ägyptischen Paschas und Beys in den verschiedenen Provinzen, Briefe an die katholische Mission in Gondokoro, sowie an den Papst, den Khedize usw. in italienischer, deutscher und arabischer Sprache. Das dauerte eine Zeit lang, bis er mich eines Tages in einer Mission nach Unjoro sandte. Etwas später fuhr ich stromaufwärts und habe seitdem Gordon nicht mehr gesehen.“

„Im Juni 1882 schrieb mir Abdul Kader Pascha, dass er in einigen Monaten einen Dampfer mit Lebensmitteln und Munition an mich absenden werde. Nachdem ich neun Monate gewartet hatte, erhielt ich im März 1883 nur 15 Kisten Munition. Das ist tatsächlich die letzte Zufuhr von irgendetwas gewesen, was ich bis zu Ihrer jüngsten Ankunft im April 1888 von der Außenwelt bekommen habe. Genau fünf Jahre!“

„Während fünf Jahren bin ich in dieser Region vereinsamt geblieben. Hoffentlich aber nicht müßig. Ich wurde von den Angelegenheiten meiner Provinz in Tätigkeit gehalten, und es ist mir gelungen, an manchen Dingen Vergnügen zu finden. Dennoch hat die Isolierung von der zivilisierten Welt mir das Leben ziemlich schwer gemacht. Ich würde mich des Lebens hier bis zu meinem Ende freuen, wenn ich nur regelmäßig Nachrichten erhalten könnte und eine sichere Verbindung mit der Außenwelt hätte, um alle Monate oder alle zwei oder selbst drei Monate Bücher und Zeitungen zu erhalten. Ich beneide die Missionare in Uganda, die monatlich ihr Packet Briefe, Zeitungen und Bücher bekommen. Herr Mackay hat in Uganda eine vollständige Bibliothek. Das Päckchen ‚Honeydew‘-Tabak, welches ich Ihnen neulich gab, erhielt ich von ihm. Ich bekam auch einige Flaschen Spirtuosen, Kleidungsstücke, Schreibpapier von ihm und ebenso die wenigen Nachrichten, welche ich aus den mir hin und wieder gesandten Nummern des ‚Spectator‘ und der ‚Times‘ ersah. Bücher über gewisse Gegenstände, welche mich interessieren, habe ich aber nie von ihm erhalten können, ohne ihm und seinen Freunden viel zu große Mühe zu machen. Ich möchte daher gern meinen eigenen Postdienst haben, dann wäre mein Leben von dem Unbefriedigtsein befreit. Ach, diese Jahre des Schweigens! Ich vermag meine Gefühle nicht in Worte zu kleiden, könnte die Zeit aber nicht nochmals aushalten.“

Ich habe bereits Emins Alter und Person beschrieben; gewisse Eigenschaften seines Charakters werden durch die vorstehende Unterredung gekennzeichnet, jedoch würde man den Mann kaum im vollen Umfange seiner Natur verstehen, wenn ich hier aufhörte. Seine Fähigkeiten, Tüchtigkeit und Brauchbarkeit für die eigentümliche Stellung, in welche er versetzt war, ergeben sich aus der Art und Weise, wie er es möglich machte, seine Truppen zu bekleiden. Unter den uns aufgenötigten Geschenken befanden sich Stücke von Baumwollstoff, den seine Leute selbst gewebt hatten, grob, aber fest, sowie Pantoffeln und Schuhe von seinen eigenen Schuhmachern. Das Aussehen seiner Dampfer und Boote nach der langen Dienstzeit, die Herstellung des für die Maschinen geeigneten Öls, einer Mischung aus Sesamöl und Talg, die ausgezeichneten sanitären Einrichtungen, die Sauberkeit und Ordnung der unter seinem Befehl stehenden Stationen, die regelmäßig ohne Widerspruch erfolgende Zahlung des Getreidetributs seitens seiner Negeruntertanen zweimal im Jahre, alles das dient dazu, um seinen eigenartigen Charakter zu kennzeichnen und zu beweisen, dass er Talente besitzt, wie man sie bei denen, die Afrika zu ihrem Arbeitsfelde erwählen, nur selten findet. Bei dem Bemühen, ihn zu beurteilen, lasse ich im Geiste Hunderte von Offizieren vorüberziehen, welche am Nil und Kongo gedient haben, aber ich kenne nur wenige, welche ihm in einer seiner wertvollen Eigenschaften gleichkommen würden. Abgesehen von seinen sprachlichen Kenntnissen ist er Naturforscher, etwas Botaniker, und was ihn als Arzt anbetrifft, so glaube ich wohl, dass 20-30 Jahre eines abenteuerlichen Lebens, wie er es geführt hat, ihm seltene Gelegenheiten geboten haben, um in diesem Beruf klug und geschickt zu werden. Die von ihm gebrauchten Worte gehen, wie man aus dem Vorstehenden ersieht, über das hinaus, was zu einem allgemeinen Gespräch erforderlich ist, und ließen mich auch seine Gewandtheit im Englischen erkennen, das bei seiner sonoren Stimme und gemessenen Sprechweise ungeachtet des fremden Akzents sehr angenehm klang. Ich fand ihn über die Fragen der in Zeitungen und Zeitschriften behandelten Politik sehr gut unterrichtet, gleichviel von welchem Lande wir sprachen. Sein Benehmen ist sehr höflich und entgegenkommend, vielleicht etwas zu zeremoniös für Zentralafrika, aber höchst geziemend für einen Gouverneur und gerade so, wie man es von einem Beamten in solcher Stellung, der sich seiner schweren Verantwortlichkeit bewusst ist, erwarten kann.
Fleißige Arbeit scheint für ihn ein wichtiges Lebensbedürfnis zu sein. Er ist ein Muster anstrengender, geduldiger Arbeit. Kaum war das Lager aufgeschlagen, so machte er sich schon daran, nach methodischer Weise in der Einrichtung Ordnung herzustellen. Sein Tisch und Stuhl haben ihren bestimmten Platz, auf dem Tische befinden sich die Tagebücher, auf einem passenden Postament die Aneroidbarometer, im Schatten sind die Thermometer und Psychrometer in gehöriger Weise aufgestellt, sodass die Luft sie ordentlich bestreichen kann. Die Tagebücher sind Wunder von Zierlichkeit und ohne Kleckse, die Schrift ist mikroskopisch klein, als ob er einen Preis für Akkuratesse, Sparsamkeit, Zierlichkeit und Treue erzielen wollte. Tatsächlich zeichnen die meisten Deutschen meiner Bekanntschaft sich durch die Masse ihrer Übernachtungen und ihre überaus schöne Schrift aus, während englisch sprechende Reisende, die ich kannte, Notizbücher besaßen, die für sie allerdings ganz brauchbar sein mochten, sonst aber nicht gut geführt, voll von Klecksen und im Vergleich zu jenen schlecht geschrieben waren und demjenigen, welcher die Herausgabe zu besorgen hat, unendliche Schwierigkeiten machten.

Nachtstehendes wird einige der Schwierigkeiten illustrieren, mit denen er in den fünf Jahren, die er vom Hauptquartier in Khartum abgeschnitten war, zu kämpfen hatte.
Schukri Aga, der Kornmandant der Station Mswa, der mir am Abend des 19. Mai einen Besuch abstattete, erzählte, dass vor etwa Jahresfrist 190 Soldaten vom ersten Bataillon von der Station Redjaf nach Kirri, wo der Pascha residierte, aufgebrochen seien, um ihn zu verhaften und als Gefangenen bei sich zu behalten. Es war nämlich von Dr. Junker in Kairo ein Brief eingetroffen, welcher die Nachricht von der Absendung einer Expedition zu ihrer Befreiung enthielt, und dies hatte in den Gemütern der Soldaten des ersten Bataillons die verworrene Meinung hervorgerufen, dass ihr Gouverneur in jener Richtung zu fliehen und sie ihrem Schicksale zu überlassen beabsichtige. In der Überzeugung, dass ihre Sicherheit in der Anwesenheit des Zivilgouverneurs unter ihnen liege, waren sie auf den Gedanken gekommen, ihn gefangen zu nehmen und mit sich nach Redjaf zu bringen, der nördlichsten Station, wo das genannte Bataillon in Garnison stand. „Denn“, sagten sie, „wir kennen nur einen Weg, und der führt den Nil hinab über Khartum.“ (Die Korrespondenz, welche diese Leute mit Khartum unterhielten, lässt mich bezweifeln, ob dies der wahre Grund war. Man Vergleiche das Schreiben Omar Sali's an den Chalifen von Khartum.) Als der Pascha von den Offizieren des zweiten Bataillons plötzlich von diesem Plane in Kenntnis gesetzt wurde, rief er: „Gut, wenn sie mich töten wollen, ich fürchte mich nicht vor dem Tode; lasst sie nur Kommen, ich werde sie erwarten.“ Das wollten die Offiziere des zweiten Bataillons in Kirri aber nicht zugeben; sie flehten ihn an, zu fliehen, ehe die Unzufriedenen kämen, und setzten ihm auseinander, dass „die gewaltsame Gefangennahme und die Haft des Gouverneurs einer jeglichen Regierung ein Ende machen müsse und die vollständige Vernichtung jeder Disziplin sein werde“. Längere Zeit weigerte er sich fortzugehen, aber schließlich gab er ihren Bitten doch nach und floh nach Mswa. Bald nach seiner Abreise traf das Detachement des ersten Bataillons ein, umzingelte die Station und stellte die peremtorische Forderung, der Gouverneur solle herauskommen und sich ihnen ergeben. Auf die Antwort, dass der Gouverneur bereits südwärts nach Muggi und Wadelai abgereist sei, drangen die Empörer gegen die Station vor, ergriffen den Kornmandanten und die Unterbeamten, prügelten sie mit Peitschenhieben weidlich durch und nahmen die meisten als Gefangene mit, worauf sie nach Redjaf zurückkehrten.
„Sie müssen wissen“, fuhr Schukri Aga fort, „dass das erste Bataillon die nördlichen Stationen bewacht, dass jeder Soldat desselben gegen den Rückzug ist und jegliche Andeutung, den Wachtpost in Redjaf zu verlassen, nur ihren Unwillen hervorruft. Sie haben während der ganzen langen Zeit auf die Nachricht gewartet, dass ein Dampfer in Ladó eintreffen werde, und hängen noch fest an dem Glauben, dass der Pascha in Khartum sie eines Tages belassen lassen werde. Was Emin Pascha ihnen in gegenteiligem Sinne sagt, ruft nur den äußersten Unglauben hervor. Nun Sie aber auf dem entgegengesetzten Wege gekommen sind und da mehrere von uns, die wir 1875 mit Linant Bey gewesen sind, Sie in Uganda gesehen haben und noch viel mehr Sie dem Namen nach kennen, werden sie höchst wahrscheinlich die Überzeugung gewonnen haben, dass der Nil nicht die einige Straße nach Ägypten ist und dass Sie, der sie aufgefunden hat, sie auch aus dem Lande führen werden. Sie werden Ihre Offiziere, werden Ihre Sudanesen sehen ehrerbietig Ihre Botschaft anhören und mit Freuden gehorchen. Das ist meine Ansicht, obwohl nur Gott weiß, wie die Stimmung augenblicklich beim ersten Bataillon ist, da noch nicht genug Zeit verflossen ist, dass wir von ihm schon hätten hören können.“

Als ich Emin Pascha am nächsten Tage das von Schukri Aga Gehörte wiedererzählte, sagte er:
„Schukri Aga ist ein sehr intelligenter und tapferer Offizier, der zu seinem Range befördert worden ist wegen seiner ausgezeichneten Dienste gegen Keremallah, einen der Generale des Mahdi, als derselbe mit einigen tausend Leuten hierher kam, um uns aufzufordern, uns der Regierung des Mohammed Achmet zu unterwerfen.
„Was er Ihnen erzählt hat, ist vollständig wahr, nur hat er zu erwähnen vergessen, dass bei den 190 Soldaten des ersten Bataillons sich auch 900 bewaffnete Neger befanden. Später habe ich erfahren, dass sie mich nach Gondokoro zu bringen und dort gefangen zu halten beabsichtigten, bis die Garnisonen der südlichen Stationen, Wadelai, Tunguru und Mswa, sich gesammelt hätten, um dann gemeinsam am rechten Flussufer Bach Khartum zu marschieren. Beim Eintreffen in der Nähe von Khartum wollten sie, auf die Nachricht, dass die Stadt wirklich gefallen sei, sich jeder in seine Heimat zerstreuen und den Leuten aus Kairo und mir es überlassen, weiter für uns zu sorgen.“ (Da der Pascha dies wusste, scheint er mir doch sehr unklug gehandelt zu haben, als er sich unter diese Rebellen wagte, ohne sich vorher darüber zu vergewissern, welche Wirkung seine Gegenwart auf sie ausüben würde.)

Nachstehend einige naturhistorische und ethnographische Tatsachen, die er mir erzählt hat.
Der Wald Von Msongua wird von einer großen Art von Schimpansen unsicher gemacht, die im Sommer oft zur Nachtzeit die Pflanzungen der Station Mswa Besuchen, um Früchte zu stehlen.
Er bemerkte, dass man an den Ufern des Albert-Sees erstmals Papageien sehe. In Unjoro trifft man sie bis 2° nördl. Br., dagegen scheinen die Seeanwohner nicht zu verstehen, was gemeint ist, wenn man von Papageien spricht.
Unsere Leute fingen ein Paar sehr junge Zebra-Ichneumons und brachten sie dem Pascha. Derselbe nahm sie an und befahl sie mit Milch zu füttern. Er erklärte, das Ichneumon sei, obwohl es sehr zahm werde und äußerst drollig sei, doch schädlich.
Das neugierige kleine Tier zerbricht die Instrumente, spritzt die Tinte umher und beschmutzt und beschmiert Papiere und Bücher. An Eiern lässt es besonders seine Zerstörungswut aus; findet es ein Ei mit ungewöhnlich harter Schale, so neigt es dasselbe mit den Vorderfüßen und lässt es so lange fallen, bis es zerbrochen ist.

Dinka
Der Pascha weiß viel von den Dinka zu erzählen. Die Herdenbesitzer bei den Dinka haben 300-1.500 Stück Vieh, schlachten dasselbe aber Selten des Fleisches wegen, sondern halten es einzig und allein wegen der Milch und des Blutes. Letzteres wird mit Sesamöl vermischt und als Delikatesse verzehrt. Beim Tode eines Herdenbesitzers lädt der nächste Verwandte seine Freunde ein und schlachtet vielleicht zwei Rinder für das Festmahl bei der Bestattung, sonst hört man kaum, dass ein Dinka das Vieh des Fleisches wegen geschlachtet hätte. Stirbt ein Stück Vieh eines natürlichen Todes, so verlangt der Appetit nach Fleisch, dass es verzehrt wird, ein Beweis, dass nicht das Gewissen den Dinka verhindert, seinen Magen mit Fleisch zu füllen, sondern, da die Rinder seinen Reichtum bilden, nur seine übertriebene Sparsamkeit.

Die Dinka bezeugen den Tigerschlangen und allen übrigen Arten von Schlangen große Ehrfurcht. Als einer der sudanesischen Offiziere eine Schlange getötet hatte, musste er zur Strafe vier schöne Ziegen hergeben. Sie betrachten die Schlangen sogar als Haustiere und halten sie in ihren Hütten, wobei den Tieren aber alle Freiheit gelassen wird, sodass sie hinauskriechen und auf Beute gehen können, worauf sie zurückkehren, um zu ruhen und zu schlafen. Sie waschen die Tigerschlangen mit Milch und reiben sie mit Butter ein. Man hört in fast jeder Hütte in dem Dachwerk kleinere Schlangen rascheln, die dort der Jagd auf Ratten, Mäuse usw. nachgehen.
Auf der Ostseite des Nils fand er einen Stamm, welcher eine außerordentliche Vorliebe für Löwen hatte und dessen Mitglieder sich lieber von einem Löwen töten ließen, als dass sie sich des Todes eines solchen schuldig machten. Diese Leute hatten einmal eine Grube angelegt, um Büffel und ähnliches Wild zu fangen, doch war unglücklicherweise ein Löwe das erste Opfer derselben. Als die Sudanesen dies entdeckten, wollten sie das Tier töten, der Häuptling verbot dies jedoch und bat, man möge ihm den Löwen schenken, wozu die Sudanesen gern bereit waren. Während sie neugierig zusahen, was der Häuptling mit dem Tiere machen werde, schnitt dieser einen langen, kräftigen Pfahl ab und stellte ihn schräg auf den Boden der Grube, worauf der Löwe sofort an demselben emporklomm und ins Dickicht sprang, um sich der wiedergewonnenen Freiheit zu erfreuen. Zu erwähnen ist noch, dass das edle Tier keinen Versuch machte, jemand zu verletzen, und sich wahrscheinlich viel zu sehr davor fürchtete. Man könnte eine ebenso niedliche Geschichte, wie von Androkles und dem Löwen daraus machen, wenn wir nicht in einem so wahrhatten und prosaischen Zeitalter lebten.
Das „Vogelstudium“, erklärte mir der grauhaarige Leutnant aus Kairo, sei das Entzücken des Paschas. In der Tat scheint er in allem, was Vögel oder vierfüßige Tiere angeht, ein ebenso großes Vergnügen zu finden, wie an seinen Militär- und Zivilpflichten, obwohl ich nicht bemerkt habe, dass er die letzteren vernachlässigt hätte, während das ehrfurchtsvolle, soldatische Benehmen seiner Leute in seiner Gegenwart zeigt, dass ihnen die Disziplin gut eingeprägt worden ist.

Aus der vorstehenden Wiedergabe einiger von mir aufgezeichneten Unterredungen geht hervor, dass der Pascha ein wechselvolles Leben geführt hat, das ruhigen, in der Heimat bleibenden Leuten viel wertvollen und anregenden Lesestoff bieten würde. Hoffentlich wird er sich eines Tages bereitfinden, ihnen in Buchform einige der Überraschenden Ereignisse seines Lebens in Asien und Afrika vorzulegen und ihnen in seiner eigenen angenehmen Weise die interessantesten Beobachtungen zu wiederholen, die er während seines langen Aufenthalts in einer neuen und wilden Natur gemacht hat.
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Die Tagebücher des Dr. Emin Pascha
Die Tagebücher des Dr. Emin Pascha

Ursprünglich 1919 von Dr. Franz Stuhlmann mit Unterstützung
des Hamburgischen Staates herausgegeben
https://archive.org/details/bub_gb_QYhQAAAAYAAJ/mode/1up
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Kapitel 1 – Aufenthalt in Ladó und kleinere Reisen von dort aus
Kapitel 1 – Aufenthalt in Ladó und kleinere Reisen von dort aus
8. August bis 13. November 1878
(Die erste Zeit der Tätigkeit Emin's als Gouverneur wird kurz von Schweitzer S. 146 und S. 146 und Vita Hassan I. S. 39 erwähnt.
8. August 1878, Donnerstag. Post und Briefe für Europa vorbreitet. Abends 9 Uhr kommt Dampfer „BORDÉN“ mit Gessi, der neuerdings einige siebzig Sklaven konfisziert und zwölf Mädchen aus Bór mitbringt.
9. August 1878, Freitag. Anlegung einer Ackerbaukolonie in Redjaf wird beschlossen, (Zur Unterbringung der befreiten Sklaven nach Angabe von Gessi) ebenso Konstruktion von Booten in Dufillé. Viel Regen. Ärgerliche Szenen mit Ibrahim-Bey.
10. August, Sonnabend. Regnerisch. Ganzer Tag mit Vorbereitungen für Gessi's Reise. Nachmittags sechzig Soldaten abgefahren. von Lazuka sind hundertfünf Stück Elfenbein gekommen.
11. August, Sonntag. Trübe, viel Regen. Seriba rings von Wasser umgeben, Flut noch immer im Steigen begriffen; Pelikane dicht an Umzäunung.
(Seriba ist die allgemeine Bezeichnung für eine Niederlassung Von Handelsleuten oder Sklavenjägern. Diese Ansiedlung ist felsengsartig angelegt, besteht aus Wohnhatten und Vorratshäusern und ist von einer dichten, stachligen Hecke umgeben. Seriba, Name der Handelsstationen im ehemaligen ägyptischen Sudan, so benannt nach der dichten Einzäunung von Dornenhecken, durch welche man sich gegen die nächtlichen Einbrüche wilder Tiere schützen wollte. Sie wurden anfänglich meist von europäischen Händlern aus Khartum gegründet als Stapelplätze für Elfenbein und waren mit angeworbenen Dengolanern besetzt, durch welche die Bevölkerung der Umgebung in Botmäßigkeit gebracht und zugleich Raubzuge in die Nachbarländer, namentlich zum Sklavenraub, gemacht wurden. Die Verwalter der Seriben, die Weitil, schickten das Elfenbein jährlich einmal nach Khartum, von wo beim Eintritt der Nordwinde die Schiffe mit Munition, Tauschwaren u. a. nach dem Süden abgingen.)
Post: Marquet, Hausal, Lumbroso, Pascha, Petermann (2), De Vecchi, Kaufmann, Stone-Pascha; an Gessi Sachen für Campero in Mailand. Junker's Sachen vorbereitet. Um 8 Uhr vormittags sind Gessi und Zucchinetti im „BORDÉN“ abgereist, mit ihnen Ibrahim-Bey und Gefolge. Haus arrangiert.
12. August, Montag. Früh sehr kühl, jedoch schön. „ISMAĬLIA“ nach Redjaf und Gondókoro, um Lazuka-Leute zu bringen.

Khartum
13. August, Dienstag. Der Fluss ist so hoch, dass seine Wasser in die Seriba dringen, und immer noch steigt er: Ich fürchte für Khartum.
14. August, Mittwoch. „ISMAĬLIA“ von Redjaf gekommen. Zitronenernte in Gondókoro. Die Leute von Latȗka sind noch unterwegs.
15. August, Donnerstag. Das Wasser steigt noch immer, ich habe heute schon einige Häuser räumen lassen. Enorme Wassermassen Kommen vom Süden, da dauernd Regen, kaum eine Stunde frei. Die Leute fangen Fische in der Seriba.
16. August, Freitag. Noch immer ansteigendes Wasser; zum Schutz der Magazine haben wir einen Damm gebaut und wieder Häuser geräumt. Das Wasser hat heute seinen höchsten Stand erreicht.
17. August, Sonnabend. Bei bedecktem Himmel und starkem Süd-Wind rascher Abfall des Wassers.
18. August, Sonntag. Ich habe Leute von Latȗka nach Kiri beordert. Besuch Altóron‘s, des von Baker bekannten Häuptlings von Gondókoro.
Einige ethnologische Gegenstände erworben, die hoffentlich Dr. Junker‘s Sammlungen zieren sollen.

Dr. Wilhelm Junker
19. August, Montag. Früh Dampfer „ISMAĬLIA“ mit Briefen an Perthes (Journal Kabrega Reise), Gordon, Marquet, (Marquet, Franzose, war Kaufmann in Khartum und dort Emin's Agent. Er monopolisierte den Handel im Sudan eine Zeitlang und starb später in Kairo (Junker’s Reisen II, 33)) Gessi, Giegler usw. sowie den Kuriositäten abgegangen. Es ist furchtbar langweilig und öde hier in der rings von Wasser umflossenen Seriba, wo man nicht einmal sammeln kann. Meine Hypsometer sind nicht in Ordnung zu bringen — so fällt auch diese Beschäftigung aus, und die Engländer (Die Missionare der Church Missionary Sociity, die nach Uganda sollten) lassen noch immer auf sich warten, sonst wäre ich längst unterwegs nach dem Süden. Das Wasser ist bei prachtvollem Wetter (29,3 C — 2 ½ Uhr nachmittags) andauernd fallend. Die großen Regenmengen haben hier endlich Carica Papaya, die bisher nur vegetierten, zur Entwicklung ihrer schönen Früchte gebracht.
20. August, Dienstag. Taha-Effendi und Leute von Lazuka sind gekommen und nach Redjaf beordert worden. Wasser wieder gestiegen. Ich erlasse Order für Statistik der Todes- und Geburtsfälle.
21. August, Mittwoch. Der Fluss ist neuerdings gestiegen, weil täglich Regen fällt. Meine Reispflanzungen gedeihen prächtig.
22. August, Donnerstag. Seit zwei bis drei Tagen eine Menge von Lamprotornis porphyropterus Heugl in kleinen Gesellschaften von vier bis fünf Individuen, laut dohlenähnlich pfeifend, sich umherjagend, selbst in der Seriba. Große Mengen von Ceryle rudis.
23. August, Freitag. Unaufhörliche Regen, stets hoher Wasserstand. Massen Siluriden (Siluriden – weiße) täglich gefischt. Viele Tausendfüße kommen zum Vorschein.
24. August, Sonnabend. Nur-Bey ist mit Soldaten nach Gbl. Kélen und Fadjelȗ (Fadjelȗ, äußerste Gruppe der Bri in der Richtung auf Makraka) abgereist. Es kommt ein Mann, der durchaus eine syphilitische Frau heiraten will. Hübsches weibliches Exemplar von Andrea ardesichca zubereitet.
25. August, Sonntag. Ich habe an Nur-Bey tragbare Barke zum Überschreiten des Chors gesandt.
26. August, Montag. Es ist verzweifelt einförmig, doch mehren sich meine Sammlungen durch allerlei Gewürm, Fledermäuse usw., über die hier jeder lacht. Die Fledermaus wird als religiös unrein gehalten. Arden ardsichca lebt hier In kleinen Gesellschaften von zwei bis drei Individuen auf überschwemmten Feldern von Würmern, Fischen usw. Mit ihr oft vereint ein gelblichbrauner Reiher, den ich bis jetzt nicht erlegen konnte. Männliche Exemplare von Plectropterus gambensis haben völlig befiederten Kopf, rot marmorierten Schnabel, schiefergraue Iris, Oberseite rehbraun, sehr zart gestrichelt, Unterrücken und Schwanz schwarz. Kein Sporn! Sehr viele Federläuse.
27. August. Dienstag. Skorpione, die früher Selten, sind jetzt häufig; heute ein Paar erhalten, Männchen und Weibchen, wie ich vermute. Es ist nicht die Khartumer Art (E. quinquestrichzus), sondern gehört wohl zu Buzus. Auch Tausendfüße, sowohl Scolopendra- als Julus-Arten, sind sehr häufig.
Das Wasser ist heute in die halbe Seriba gekommen, und dürfte dies wohl der höchste Stand für dies Jahr sein. Alles Gewürm, Schlangen usw., hat sich vor dem Wasser in die Häuser geflüchtet, wo es jetzt Ausbeute genug gibt. Sehr bemerklich ist in den letzten Tagen das dumpfe Gurgeln der Rohrdommeln (Nycticorax!), und jeden Abend bei Sonnenuntergang das scharfe Geschrei eines vereinzelten Cursorius aegyptichcus. Auch Balearica pavoeina (hier Standerogel), viele Lamprotornis, sehr zahlreiche Ceryle rudis, Lagonosticta austma (brütet), Motacilla Vielua und ein paarweiser Vogel (Pycnonozus?), den ich nicht erlangen konnte, lassen sich häufig sehen und vernehmen.
28. August, Mittwoch. Immer noch bin ich mit Unterbringen der Überschwemmten beschäftigt, für die ich kaum Häuser zu beschaffen weiß. Auch heute habe ich ein Exemplar von Arden ardesica und eines von Hophoploterus taczus (letzteres unbrauchbar) erhalten und präpariert. A. ardesichca wieder Weibchen. Abends ist der Mond nicht sichtbar geworden, also das Ramadán-Fest verzögert.
29. August, Donnerstag. Während alle Ägypter im Beachten des Fastens sehr lax sind, bilden die Sudanesen mit ihrem Sinn für bloß Äußerliches dazu einen scharfen Gegensatz.
In meinem Hause Uraeginthus phoezucotis, jetzt nistend.
Der Protopterus (Protopterus, Lungenfisch, der sich in der Trockenzeit im Schlamm eingräbt und dann seine in eine „Lunge“ verwandelte Schwimmblase atmet) ist jetzt hier häufig, wird bis zu zwei Meter lang und gibt, wenn man ihm nahe kommt, einen knurrenden Ton von sich. Die Neger benutzen dies, verfertigen eine Art Klapper und klappern damit über dem Orte, wo sie einen Protopterus eingegraben vermuten; dieser knurrt und wird aus seinem Versteck geholt. Man speert den Fisch hier, fürchtet jedoch seinen Biss.
30. August, Freitag. Gestern Abend wurde der Neumond sichtbar, wir haben also heute Ramadán.
Nachts nach klarem Abend war starker Sturm aus Westen und Gewitter mit Regenguss, Tag regnerisch, besonders gegen Abend.
Täglich kommen neue Geschichten von Diebstählen — ich kann sie nicht anders nennen — meines Vorgängers an öffentlichem und Privateigentum (!) zum Vorschein.
Der Wasserstand ist noch immer hoch täglich ereignen sich Erdstürze durch Unterwaschungen; ich werde eine völlig neue Uferlinie herstellen müssen. Infolge der Feuchtigkeit und des Regens, gegen welchen sie nicht geschützt sind, sterben die Rinder in Menge; sobald ich Stroh und Heu erübrige, soll eine Art Stall für sie gebaut werden, ebenso für das Kleinvieh, Ziegen und Schafe. Meine großen Schafe von Faschóda halten sich gut.
31. August, Sonnabend, (An diesem Tage schrieb Emin folgenden Brief an Herrn Dr. A. Petermann in Gotha:
Ladó, den 31. August 1878
Verehrter Herr!
Im Begriff, nach Süden zu gehen, sende ich anbei den Schluss meiner Notizen über Unyóro. Eine längere Reihe Von Psychrometerablesungen mit anderen meteorologischen Beobachtungen für Ladó folgt mit nächstem Dampfer: Einer Abzweigung von kompetenter Seite, mit welchen Instrumenten am einfachsten und besten die Elektrizitätszustände der Luft beobachtet werden können, wäre mir sehr erwünscht. Alle mir hier zu Gebote stehende Literatur enthält darüber nichts.
Der hohe Wasserstand des Stromes dauert fort: Weit und breit überschwemmtes Land; sogar unsere doch meist hochgelegenen Seriben haben darunter zu leiden. Dazu wollen die Regen dieses Jahr nicht aufhören, die ohnehin schwierigen Straßen sind unpassierbar geworden und alle Post vom Süden fehlen uns.
Von Magángo oder Mrúli aus hoffe ich Ihnen neue Nachrichten geben zu können.
Genehmigen Sie den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung und glauben mich
Ihren ergebenen Diener
gez. Dr. Emin Bey.
Eine für mich neue, nur weinrot überflogene, sonst meist graue Lagonosticta mit gelbem Augenrande ist seit gestern hier eingezogen, ein munteres hübsches Vögelchen, etwas größer als L. minima. Ganze Nacht hindurch und ebenso frühmorgens leichter Regen; Blitze und Donner in Nordost. Alle meine Vogelbälge verderben vor Nässe, selbst Kisten schützen sie nicht.
Um Mittag ist Dampfer „SCHIBBIN“ von Schambé mit Post von Gessi gekommen, der jetzt schon unterwegs sein dürfte. Sklavenkonfiskationen in Schambé das Geschäft scheint doch ziemlich einträglich.
1. September, Sonntag. Nachts starker Regenguss; mein armes Aneroid ist nass geworden. Korrespondenzen geordnet. Viele Klagen über Bor. (Klagen über Bor, siehe Vita Hassan I, S. 40) Ich habe heute dem Pascha meine Meinung über meine hiesige Stellung gesagt und erwarte nun, falls ich mich nicht sehr irre, meine Abberufung. Tags kein Regen.
2. September, Montag. Übermorgen soll „SCHIBBIN“ von hier fort, wenn ich Holz genug bekommen kann. Anona senegalis (Anona senegalis ist die in Afrika wildwachsende Cremefrucht; vieleicht hat es sich hier um eine der fremden Kulturarten (Anoa mussicata A. aquamosa, A. usw.) gehandelt.) gedeiht hier sehr gut und setzt viele Früchte an, während Puzuca Granazum (Puzuca Granazum, Granatapfel) auffälligerweise stets kümmerlich aussieht: Vermutlich des zu vielen Regens halber. Kleine Schlange und Dacelo lebend erhalten. Post von Magúngo mit Said-Aga und Cajaten zum Aussähen gekommen.
3. September, Dienstag. Rekruten von Kiróta, aus Leuten Rionga‘s, des einigen uns treuen Scheichs.
Alcedo (Alcedo, ein Eisvogel) cristata ist ziemlich häufig; die verlängerten Federn der Beine, deren vier bis sechs beinahe aufrecht stehen, sind schön malachitblau und schwarz gestreift; Kehle und zwei flecken an den Selten des Hinterkopfes weiß, Hinterkopf ultramarin, schwärzlich gebändert. Rücken, kleine Flügeldeckfedern, Decken des Schwanzes ultramarin auf schwarzem Grunde, ganze Unterseite rotgelb (fuchsig); Schwingen schwärzlich, ebenso Steuerfedem. Schmale Füße korallenrot; Auge dunkelbraun.
Ebenso habe ich heute drei Exemplare von Malapterus electricus, arab. Ráad (Blitz), dem bekannten Zitterwels des Nil, erhalten, alle drei jung; die schön olivenbraune Färbung ist im Spiritus sofort verblasst. Sie teilen ganz anständige Schläge aus. Ein Exemplar von Eriinaceus coronazus (?).
4. September, Mittwoch. Seit Mitternacht Regen und Gewitter. Es will dies Jahr nicht mehr aufhören zu regnen. Post für Dampfboot „SCHIBBIN“ (Vergl. oben Brief vom 31. August): Aifmed Gabil-Efendi, Bor; Gessi (mit Einlage Dr. Zucchinetti), Schambé; Gordon-Pacha, Khartum; Postdienst in Khartum (einliegend Lombroso, Hausal 2 Otto Marno, Ernst Marno). An G. Istanbul vermittels Tahami-Bey; an Halib-Pascha in Zagazig. Wegen Hunden und Tieren nach Kana geschrieben mittels Halil-Efendi Nessim. Mohammed-Efendi Feradj's famosen Angriff gegen Gessi an Gordon mit meiner Post gesandt.
5. September, Donnerstag. (Brief von Emin an Dr. Junker im Besitze von Geheimrat Prof. Dr. Haus Meyer in Leipzig.
Lagó, den 5. September 1878.
Verehrter Herr Kollege!
Mein Brief an Sie hat eine ungebührliche Verzögerung erlitten, ich will ihn dennoch nicht ohne ein Wort der Erklärung absenden. Ein ungewöhnlich regenreiches Jahr am Äquator hat den Babr el-Djebel so geschwellt, dass all unsere Stationen von Mrúll bis Schambé schwer gelitten haben. Außerdem führte das Hochwasser ganze Inseln schwimmender Vegetation herab, und so hat sich denn etwa zwei Stunden unterhalb der oberen Abzweigung des Bahr Zeráf vom Bahr el-Djebl eine Pflanzenbarre gebildet, die den Fluss völlig sperrt und uns von Khartum abschneidet. Ich habe, die Eröffnung der Barre nur von Norden her möglich, vorläufig einen Postdienst von Ladó nach Bór (Dampfer) und von Bór aus zu Lande nach dem Ssobat und Faschoda organisiert und sende auf dieser neuen Straße — zwölf Tagemärsche von Bór nach Ssobat — meinen Brief. Hoffentlich lassen die Khartumer uns nicht zu lange warten?!
Natürlich ist mir so die Sendung der Ihnen versprochenen Raritäten für den Moment unmöglich, sobald jedoch die Schifffahrt frei, folgen selbe umgehend nach Marquet. Ich will inzwischen so viel als möglich kornplettieren.
Ich habe mir inzwischen viel Mühe gegeben, einige zoologische Objekte zu sammeln, und bin mit meiner Ausbeute ganz zufrieden.
Sie würden sich wundern, sähen Sie meine kleine Menagerie und meine Raritäten.
Ein besonderer Liebling ist mir eine von hier bestimmt neue Schlangenechse ohne Augen und Ohren — Vielleicht Typhlina Wiegm. —, die lebend seit einem Monat bei mir ist. Auch eine sonderbare kurzfüßige Art des Haushuhnes aus lllyrich habe ich erhalten, und täglich mehren sich meine Schätze. Könnten Sie nur hier sein!
Ich habe an Hausal geschrieben und ihn gebeten, mir einen Dengolaul zu senden, der des Abbalgen von Vögeln und Säugetieren versteht. Sie erhalten dann das Generaldepot der ägyptischen Äquatorialprovinzen.
Dank für ihre Sendungen.
Mit herzlichem Gruße
Ihr aufrichtig ergebener
gez. Dr. Emin Effendi.)
Seit vorgestern ist das Wasser bedeutend gefallen, auch hat der starke (jedenfalls nur lokale) Regenguss keinen Einfluss mehr gehabt; ich fürchte, dass die Effluvien des durchfeuchteten Landes später viel Fieber hervorrufen werden. Dampfer „SCHIBBIN“ ist heute um ¾ 8 Uhr vormittags nach Khartum abgereist: Ich habe an Petermann die letzte Hälfte meiner Notizen über Unyoro und Tagebuch Reise Kabréa gesandt. Auch Tahami-Bey, einst Günstling Gordon's, dann in Ketten hierher gesandt und nun begnadigt, ist wieder abgereist.
Heute haben wir Datteln gepflanzt von der großen Dóngola-Sorte.
Hurra! die Orangen blühen zum ersten Mal im Äquatorialafrikagebiet!
6. September, Freitag. Wasser, wenn auch wenig, doch stetig zurückgehend: Meine Carica-Pflanzen (vier) sind aufgegangen. Heute ziemlich frischer Nordwestwind!
7. September, Sonnabend. Die Tage vergehen in grenzenloser Einförmigkeit: meine Kochthermometer sind völlig unbrauchbar geworden, also auch hiermit ist keine Arbeit möglich. Ich habe ägyptischen Weizen ausgesät, ebenso amerikanischen gelben Mais. Seit einigen Tagen ist es sehr bewölkt, gegen Mittag sonnenklar, später wieder bewölkt, aber kein Regen.
Neuerdings ist von Makraka Post angekommen; die Leute sind rein toll! Statt nach dem Bahr Ghazal abzugehen, verschwenden sie die Zeit mit Schreibereien. (Es handelt sich offenbar um die Mannschaften, die als Verstärkungen zur Expedition Gassi's nach dem Bahr-Ghaza gehen sollten.)
Heute habe ich wieder zwei Exemplare von Alecedo cristata (ich glaube A. dieruleocephala ist nicht spezifisch verschieden davon) und ein leider zerbrochenes Ei von runder Form ziemlich groß, rötlich durchscheinend, erhalten.
8. September, Sonntag. Frühmorgens starker Regen mit Südwestwind für etwa eine halbe Stunde. Wie ich vermutet, fangen schon jetzt die Fieber an sich zu zeigen, meist schwere deliröse Formen. Post nach Mákraka mit erneutem Befehl, abzureisen, nach Rohl gesandt.
9. September, Montag. Früh wie gewöhnlich trübe. Ankunft Post von Süden. Ali-Aga: Er hat sich große Vergehen zuschulden kommen lassen, ist dabei aber überzeugt, dass er unentbehrlich sei. Ein wahrer Neger ist immer noch besser als diese Muvallidin, (Muvallidin (muollidin)?) d. h. in Khartum geborene Mischlinge oder reine Neger.
10. September, Dienstag. Übernachtet. Von 9 Uhr an bis um Mittag starker Regen, nicht Gewitter. Nach dem Regen zeigen sich zu acht bis zehn Schwalben (H. albigularis), die vermutlich auf dem Striche sind, da sie ermüdet scheinen und selbst bei Annäherung nur zögernd entfliegen. Ganze Unterseite weiß. Viele lassen ihre eigentümlich sanft klagende Stimme hören. Ei von Perlhuhn (N. poecilorhyncha?) erhalten durch Dragomane. Nicht einmal dies Ei kannten die Araber, die doch Perlhühner halten. Pyconozus Arsinoë und häufiger P. xanthopyquis kommen hier häufig vor, sind nicht üble Sänger, drosselartig. Sträuben die Kopffedern auf.
11. September, Mittwoch. Immer noch kein Dampfer von Khartum, wo wohl die „große Wassernot“ herrschen mag. Viele Kranke hier. Der so geringe Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperaturen (zwischen 20 — 30° C schwankend) lässt kein Aufatmen zu. Heute Leute von Bor hier (zu Lande gekommen) Eingetroffen, um sich über den dortigen Mudĩr zu beschweren. In Magazinrechnungen viel Unerwünschtes gefunden.
12. September, Donnerstag. Durch das Hochwasser sind eine große Menge kleine, meist ungiftige Schlangen in die Seriba gekommen, wo deren jetzt täglich getötet werden. Leider sind die Exemplare meist schwer beschädigt; fünf Arten habe ich bis jetzt erhalten können. Auch Skorpione finden sich jetzt familienweise, gewöhnlich zwei alte und mehrere junge, nahe Steinen, es ist die hiesige breitrückige, schwärzlich braune Art, deren Stich Schwellung und Rötung, sonst aber keine üblen Folgen hervorruft — außer bei Kindern. Julus-Arten sind jetzt Seltener. Seit einigen Tagen lässt sich paarweise Schizorhis zonura bellend hören. Große Krähen. Im Fluss heute ein Ambadj-Stamm (Herminiera elaphroxylon) von etwa 2 m Länge und 74 ein Umfang am unteren Ende. Da ich mich nicht erinnere, von hier bis Dufilé Ambadj gesehen zu haben — weiter oben kommt er vor —, so stammt dies Exemplar wohl von oberhalb und hat ungefährdet die Stromschnellen von Afúddo passiert!
13. September, Freitag. Ein Onbaschi, (Onbaschi, Gefreiter) an augenblicklicher Geistesabwesenheit leidend, hatte sich von Nur-Bey‘s Expedition entfernt und war völlig nackt, ohne Waffen, nur mit einer Lanze, vier Tage fortgeblieben. Die Neger haben ihn nicht getötet, und am fünften Tage kehrte er zurück, völlig gesund und geistesrichtig. Es ist dies einer der vielen Fälle von Geisteskrankheit, die mir hier vorgekommen; die Neger leiden sehr häufig daran, und viele ihrer Handlungen lassen sich absolut nicht anders erklären.
Eine heute Nacht eingefangene Schlange hat mich mit sieben langspitzigen Eiern beschenkt. Sie selbst scheint ungiftig und hält die Eier inmitten ihrer Windungen. Einige sehr hellgrau.
Skandalöse Nachrichten von Hammam-Aga usw. in Kiri.
14. September, Sonnabend. Obgleich es gestern nur gegen Mittag leicht geregnet, machte sich doch gegen Abend ein bedeutendes Schwellen des Flusses bemerklich, und um 11 Uhr nachmittags fing das Wasser so stark an in die Seriba zu fließen, dass nur den fleißigsten und eifrigsten Anstrengungen der wirklich braven Leute, die ich in das Nacht zusammentrommelte, es gelang, die Magazine zu schützen. Ein Damm wurde improvisiert und so dem ersten Anprall des Wassers einigermaßen Schranken gezogen; noch jetzt aber steigt das Wasser, und das nordöstliche Viertel der Station hat von allen Bewohnern geräumt werden müssen. Natürlich glänzten auch diese Nacht die beiden ägyptischen Offiziere durch ihr Zuspätkommen zum Apell; es ist eine schauerliche Sorte (mit wenigen Ausnahmen), diese echt arabischen Tagediebe. Zu alledem drohende Regenwolken; wenn ich nur erst meine Magazine geräumt hätte! Bis zum Mittag ließ sich ein leichtes Steigen des Wassers bemerken, dann trat für einige Stunden ein Festbleiben im Niveau ein, und endlich begann das Sinken bis um 10 Uhr nachmittags, wo ich den Wasserstand gegen früh um etwa 7 ein verringert fand. Meine Leute haben brav gearbeitet. Abends NNW-Wind.
15. September, Sonntag. Seit früh ½ 5 Uhr Regen ohne Gewitter; Fluss im Sinken, hoffentlich definitiv. Meine Sammlungen mehren sich: eine hübsche, früher schon in Mȗrli gefundene Schlange in einem Webervogelnest, eine Menge Eier, unter denen die von Alcedo cistata leider stark bebrütet, die von Hypothlastes (Amadina) fascichta (der rote Kehlstreif des brütenden Männchens ist an den Augenseiten breit, am Halse selbst sehr eng, linienförmig, im Gegensatz zu der westafrikanischen Art, deren Halsband breit ist), die von Hypitantornis larvata, endlich einige mir unbekannte. Das beste aber war ein schonen Exemplar einer Schlangenechse, wohl das erste, was von hier erbeutet sein dürfte, soweit meine Kenntnisse reichen, endlich ein Acontichs Cuv., den Augen und Ohren völlig fehlen, vielleicht Typhlina Wiegm. Junge Ente von der Flussinsel erhalten. Die Schlangen sind jetzt meistens in der Häutung begriffen.
16. September, Montag. Sonderbare Verschiedenheiten in Formen und Farben der Eier: Vor einigen Tagen wurde mir ein Ei als „Perlhuhnei“ gebracht von völlig runder Form und ganz dunkelbrauner Farbe; heute habe ich eins erhalten oder vielmehr aus dem Leibe eines Weibchens geschnitten, welches länglich, hell, milchkaffeefarbig und mit einzelnen bräunlichen Punkten bespritzt ist. Von Fatiko aufwärts wird Numida poeciloryncha Selten, und an ihre Stelle tritt N. critata. Lagonostica larvata ist ein nachlässiger Nestbauer: beinahe durchsichtige Unterlage mit drei reinweißen runden Eiern auf einem Rohrzaune zwischen Stängeln.
17. September, Dienstag. Früh ist es stets bewölkt, dann klärt sich das Wetter auf, wird gegen Mittag wieder dunkler, unter sehr variablen Winden häufig einige Tropfen Regen. Sonnenuntergang stets sehr bewölkt. Die Feuchtigkeit der Luft ist stets sehr groß. Der Fluss, der nach dem letzten hohen Anschwellen täglich gefallen war, heute ein wenig gestiegen. Die Bdri-Neger behaupten, dass sehr dunkle oder wie gesprenkelt aussehende Perlhuhneier immer Männchen enthielten. Heute habe ich dreizehn solcher Eier erhalten und zum Brüten unter eine gewöhnliche Henne gelegt.
Schon seit einigen Tagen war eine schwere Spannung in der Luft gelegen, wie ich, der ich für Elektrizitätserscheinungen körperlich äußerst empfindlich bin, an Schlaflosigkeit, Unruhe, Beängstigung im Atmen usw. wohl merkte. Heute kam es zum Ausgleich: Nachdem es schon gegen Mittag zweimal tropfenweise geregnet, zog um 4 Uhr neuerdings eine dunkle Wolkenschicht herauf, die bald den ganzen Himmel bedeckte. Dilriöser Südwestwind fegte den Regen bis in die Mitte der Häuser, und Blitz auf Blitz schmetterte hernieder in rotem Lichte; der Donner war ein donnerndes Rollen ohne Unterbrechungen, indem nur mitunter ein Fortissimo eintrat. Um 7 Uhr nachmittags war alles vorüber, doch noch viele Wolken am Himmel.
18. September, Mittwoch. Nachts um 4 Uhr neuerdings Regen. Die Zitronenbäume in Gondókoro scheinen dies Jahr unerschöpflich; (Die Zitronen in Gondókoro waren von der katholischen Mission angepflanzt) Barke auf Barke voll kommt, und heute habe ich an alle Leute hier Haufen schöner Zitronen verteilt und befohlen, hier ebenfalls zu pflanzen. In Ladó existieren bis jetzt nur vier Pflanzen davon (drei in meinem Hause, eine fruchttragend). Auch heute Raritäten: ein schönes Exemplar von Krebs (Gecarcinus?) aus dem Süßwasser und ein junges, beinahe ausgewachsenes Tier von Bispbaga (africana?). Der Schnabel völlig zitronengelb, gelber Augenring wie B. erytlhorhyncha.
19. September, Donnerstag. Prachtwetter mit kühlem Winde. Ich bin auf großartige Fälschungen offizieller Dokumente gekommen und habe an Gessi darüber geschrieben. (Es ist wohl kaum möglich, diese Angelegenheit jetzt noch aufzuklären. Es scheinen manche Differenzen zwischen Emin und seinem damaligen Chef Gessi vorgekommen) Ich kann mir nicht vorstellen, was Gordon zu all den Leistungen seines Lieblings sagt, jedenfalls muss er sich seiner Leichtgläubigkeit schämen. Das Aneroid heute ganz eigentümlicherweise auf 717,5 heruntergegangen; jedenfalls ist ein brüsker Wetterwechsel im Anzuge. Schöne große Schlange und Exemplar von Lazuus leucopypius erhalten. Große Früchte von Opuntich Eina aus Gondókoro.
20. September, Freitag. Durch Versehen Notizen für heute unter gestern.
21. September, Sonnabend. Wie vermutet, steigerte sich der Wind gegen 11 Uhr nachmittags gestern zum Sturme, und ein starkes Gewitter mit ebenso tollem Regen dauerte die ganze Nacht hindurch. Noch jetzt (8 Uhr vormittags) regnet weiter. Das Aneroid ist zu seinem gewöhnlichen Stande zurückgekehrt. Um 9 Uhr vormittags Regen aufgehört, schönes Wetter. Buphaga erythrorhyncha nistet in und auf verrotteten Bäumen, lose Nester.
22. September, Sonntag. Jede Nacht beinahe Sturm.
23. September, Montag. Exemplar von Lazuus leucopypius, jung, hier ziemlich häufig. Heute die ägyptischen „Tirnus“ (Tirnus (ticnus?) Lueinen) (Lueinen) angebaut. Reis hat lange Ähren angesetzt ebenso Weizen und Pezucillarich glauca. Der Fluss ist neuerdings etwas gestiegen bis gegen 4 Uhr nachmittags etwa. Ceryle rudis hat jetzt Junge (ausgewachsen).
24. September, Dienstag. Mohammed Mussa ist nach Mȗggi gesandt. Um 8 Uhr vormittags wurde auf einmal ein Dampfer signalisiert, der langsam stromaufwärts kam, und jedermann freute sich auf Nachrichten und Sendungen von Khartum. Wie groß war nicht unsere Enttäuschung, als beim Näherkommen wir Dampfer „SCHIBBIN“ erkannten, der vor achtzehn Tagen von hier abgereist, und den wir nun in Khartum wähnten. Eine offizielle Mitteilung des Weitil in Schambé gab an, dass der Fluss unterhalb der Ausbiegung des Bahr Zerdf auf Tausende von Metern von schwimmenden Grasmassen völlig verstopft und seine Eröffnung nur von unterhalb möglich sei. So wären wir denn von der Welt abgeschnitten, bis Dampfer von Khartum kommen und den Fluss öffnen: Ich selbst will Post von Bór zu Lande nach dem Sóbat senden! Post von Gessi, der in Láo (Láo im Dinka-Lande, dicht südlich von Meschra er-Req) durch die Wasser abgesperrt ist.
25. September, Mittwoch. Da alle Fahrzeuge vom Fluss aufwärts hier sind und wir kein Getreide hier haben, gehe ich heute mit allen Schiffen nach Redjáf, um von dort vielleicht bis Kiri zu gelangen. Abfahrt 7 Uhr 5 Min. vormittags. Um 7:15 vormittags aufgesessen und trat aller Anstrengungen nicht mehr losgekommen.
26. September, Donnerstag. Um Mittag Dampfkessel geleert, Leute von Ladó geholt, Sand um Dampfer herum weggeschaufelt. Nachts 11.35 flott geworden.
27. September, Freitag. Nach Proviant gesandt. Um 11 Uhr vormittags abgedampft. Fluss sehr bedeutend gefallen. Seit 25. September Prachtwetter, nachts sehr kühle Nordwestwinde. Die Fahrt ist ohne Unterbrechung bei sehr gutem, tiefem Fahrwasser vor sich gegangen, bis wir gerade um Sonnenuntergang In Gondókoro ankamen, wo wir die zur Verkündigung des morgigen Festes (Id es-Zughair, Ramadan-Bairam) abgefeuerten Kanonenschüsse hörten. Schöne Maiskulturen zum zweiten Mal dies Jahr. Verteilung von Fleisch und Mais an die Soldaten.
28. September, Sonnabend. Um 8 Uhr vormittags ab von Gondókoro, wo mir der große Chef Lóron, mein guter Freund, Visite machte und Holz für den Dampfer gab. Nach vielfach unterbrochener Fahrt Ankunft in Redjáf um 4 Uhr nachmittags. Heute ein wenig Regen.
29. September, Sonntag. Früh Dampfer nach Barken gesandt. Magazine examiniert. Um 2 Uhr nachmittags Dampfer zurückgekehrt. 35 Ardeb Shuld an Redjáf. Tohdeni sammelt Antiken.
30. September, Montag. Dampfer nach Beddén, um Getreide zu bringen: Feradj-Aga und Auwad mit ihm. Am Fuß vor Gbl. Redjáf steht ein sehr dicker, verzweigter, sehr niedriger Baum von schwammiger Faser und sehr glatter, reingrauer Rinde mit prächtigen roten AzaleenbIüten. Sehr leicht Wurzel fassend.
Abrus precatorius (die unreifen Früchte sind weiß mit karmoisinroter Kuppe); Sarcocephalus spec. mit jetzt reifen Früchten, Cordich ebenso, Stereospermum im Reifen, Gogdhn (?) im Reifen. Viele Buphaga africana, auf Schafen Zecken suchend. Lamprotoaus, Schizorhis.
1. Oktober, Dienstag. Seit früh trübe. Gestern Abend ist Dampfer „SCHIBBIN“ mit Verlust eines Ankers und Ketten zurückgekommen. Viel Donner, kein Regen. Nachmittags leichter Regen. Schiffe noch in Beddén.
2. Oktober, Mittwoch. Meine auf zwei Tage berechnete Reise hat sich nun gerade auf acht verringert; hoffentlich geht es heute vorwärts. Um 9 Uhr vormittags Gbl. Redjáf erstiegen, um Aneroidüberprüfungen des vorvorigen Jahres zu kontrollieren. Um 10 Uhr vormittags bei 25° C Lufttemperatur und Nordostwinden Aneroid oben 708,0 mm zu 716,5 mm am Fuße des Berges in der Seriba selbst. Um Mittag sind Schiffe von Beddén mit 30 Ardeb Getreide gekommen.
3. Oktober, Donnerstag. Um 8:15 vormittags ab von Redjáf und nach mehrmaligem Aufsitzen glücklich um 11 Uhr vormittags nach Gondókoro. Nach einstündigem Aufenthalt von dort ab und um 1:15 Ankunft Landó. Das Wasser ist endlich aus der Seriba gefallen. Unterwegs heftiger Nordoststurm mit wenig Regen.
4. Oktober, Freitag. Arbeitstag in Ladó — Post für Khartum.
5. Oktober, Sonnabend. Ich habe Tobami-Bey seines Zustandes wegen hier zurückgehalten. Mein „spezieller“ Freund Mohammed Ibrahim von Mrȗli hier angekommen. Prächtiges Exemplar von Reiher erhalten. Perlhühner (10) ausgeschlüpft.
6. Oktober, Sonntag. Junges Exemplar von Adrea Golichth, schlägt sehr behänd.
7. Oktober, Montag. Früh 7 Uhr Abreise nach Bór. Im westlichen Bach ist ein Mann ertrunken. Empörende Gleichgültigkeit der Ägypter. Nach öder Fahrt um 9 Uhr nachmittags Ankunft in Holzstation Bór, etwas oberhalb eigentliche Station; hier zu Nacht geblieben. Mückenplage. Wenig Regen.
8. Oktober, Dienstag. Sehr drohendes Wetter, leichter Regen. Holz genommen, dann nach St. Bór und von dort nach krzem Aufenthalt um 11 Uhr vormittags abgefahren. Abends 8 Uhr etwa 6 Stunden von Schambé sind wir Dampfer „SÁFICH“ begegnet, der trotz der Verstopfung des Flusses durch Seitenkanäle heraufgekommen war, freilich in 59 Tagen von Khartum. An Bord waren die nach Uganda bestimmten Engländer Mr. Litchfield, Mr. Pearson und Mr. Felkin sowie der Photograph und Maler Herr Buchta aus Wien. Auch Marco (Marco war ein griechischer Händler, der schließlich mit der Stanley’schen Expedition die Küste erreichte.) und mit ihm ein kleiner Elefant. Eine Menge Lebensmittel und Sachen für mich sowie viele freundliche Briefe voll der Anerkennung für meine bescheidenen Leistungen. Auch meine an Petermann gesandten Briefe sind abgedruckt; als Revers zu allen diesen Freuden kam ein sehr eigentümlicher Brief Gordon‘s, der wohl zu meiner Abberufung von hier führen dürfte. Um 1 Uhr vormittags nach Bór zurückgekehrt.
9. Oktober, Mittwoch. Gegen Mittag nach Bór zurückgekehrt und am Holzplatz geankert.
10. und 11. Oktober, Donnerstag und Freitag. Aufenthalt für Holz. Absendung der Post zu Lande durch Taha und Nasr über Ssobat. Kleine grüne Schlange. Varanus.
12. Oktober, Sonntag. Früh von Bór ab, wo Holz rar, und eine Stunde flussaufwärts gehalten. Während ich mich bemühe, den Sklavenhandel zu unterdrücken, kaufen meine eigenen Diener Sklaven für sich! Mit „SCHIBBIN“ früher gesandte Post wurde gestern zu Lande befördert.
13. Oktober, Sonntag. Bis 4 Uhr machmittags Holz genommen, dann ab durch den Bach Kirschanbé. Seit einigen Tagen ist es sehr warm.
14. Oktober, Montag. Früh 6 Uhr: „SǍFICH“ ist an uns vorübergedampft im Bach, dann liegengeblieben, während wir aufsitzen und nicht loskommen können.
15. Oktober, Dienstag. Festgesessen trotz Hilfe der „SǍFICH“.
16. Oktober, Mittwoch. Noch immer fast auf selbem Platz.
17. Oktober, Donnerstag. Nach unerhörter Arbeit, und erst nachdem ich selbst das Kommando übernommen, wird der Dampfer um Mittag flott: da wir aber kein Holz mehr haben und die Leute todmüde sind, bleiben wir bis morgen. Um Mittag leichter Gewitterregen.
18. Oktober, Freitag. Frühmorgens starker Gewitterregen. Ich habe eine Karte der Verstopfung des Flusses von Mr. Pearson zur freien Verwendung bekommen. Ganzen Tag Holz genommen und gefischt. Eine Silurus-Art mit Beuteln hinter den Kiemen, die eine stark und unangenehm riechende Flüssigkeit enthalten.
19. Oktober, Sonnabend. Früh 6 Uhr abgereist, im Bach sitzengeblieben, dann endlich wirklich gefahren und den famosen Bach passiert. Nach glücklicher Fahrt um 4 Uhr nachmittags In Ladó angekommen. Es gab viel Beschäftigung, alle Leute und Sachen unterzubringen. Mein ganzes Haus ist okkupiert, mir selbst kein Platz zur Arbeit geblieben. Nur-Bey ist noch immer abwesend.
20. Oktober, Sonntag. Meinen schlimmsten Gegner Mohammed- Bey Ibrahim hat man zum Mudir von Bór ernannt. Ich habe mit den Engländern die Reise besprochen.
21. Oktober, Montag. Stets reife und gute Ernte. Heute Fest für Alt-England!
22. Oktober, Dienstag. Neue Sämereien verteilt und gesät. Abends Komödie und Besuch bei Mohamed Efendi en-Ncheli. Prüderie der Engländer.
23. Oktober, Mittwoch. Früh kühl. Seit gestern wiederholt Regen.
24. Oktober, Donnerstag. Früh starker Südweststurm mit Gewitter.
25. und 26. Oktober, Freitag und Sonnabend. Ankunft Nur-Rey's, des abgesetzten Kommandeurs, Pourparlers der sehr unentschlossenen Engländer, die gar vor Mtesa zu Kabrega gehen und sich so selbst den Weg sperren wollen.
27. und 28. Oktober, Sonntag und Montag. Seit einigen Tagen regnerisch und trübe mit Sonne wechselnd. Täglich neue Skandalgeschichten, selbst vor Morden entblöden sich die hiesigen Herren nicht.
29. und 30. Oktober, Dienstag und Mittwoch. Immer noch vorbereitet und — nicht fertig geworden. Heute ist ganz plötzlich Bachit-Bey mit acht Soldaten hier angekommen, obgleich ich ihm zweimal schriftlich befohlen, nach Rohl zu gehen — also Deserteur! Ich weiß absolut nicht, was ich mit den Leuten beginnen soll! Nicht weniger als zweiundvierzig Sklaven und Sklavinnen sind mit ihnen gekommen.
31. Oktober, Donnerstag. Was aus dieser Uganda-Mission werden soll, begreife ich nicht recht, zweifle auch, ob die Herren selbst wissen, was sie wollen. Jedenfalls ist es wieder eine englische Denquichottichde mehr!
1. November, Freitag. Morgen endlich soll es fortgehen. Herr Buchta bleibt zurück.
2. November, Sonnabend. 7 Uhr vormittags ab von Ladó, nach guter Fahrt um 1 Uhr nachmittags Gondókoro erreicht, wo wir zur Nacht bleiben, weil Holz genommen werden soll. Die Saaten stehen prächtig. Meine Gäste haben promeniert. Ein kleiner Elefant erregt viel Aufsehen bei den Negern, ebenso die großen Khartum-Schafe.
3. November, Sonntag. 5:40 vormittags ab von Gondókoro, und um 3 Uhr nachmittags Redjáf erreicht, weil die Strömung furchtbar stark ist und kaum das Dampfboot vorwärts lässt. Noch immer überschwemmt, das Wasser sehr trübe und voll Gras und Schilf, ein Zeichen, dass es weiter oben noch stark regnet. Auch die Stauung bei Schambé mag das ihre ein. Nachmittags zwei Stunden lang sehr starker Gewitterregen.
4. November, Montag. Redjáf. Meine Gäste einquartiert; erste Gepäcksendung, Wageinda, Elefant usw. geordnet und expediert. Meine Position für Rubóga (Mtesa‘s Residenz). 0° 22' 10" und 32° 45' 35" östl. L.:
Linant‘s: 0° 21‘ 19" und 32° 44' 30'' östl. L.
Spekers: 0° 24' 00" und 32° 49‘ 00" östl. L.
Stanley's: 0° 45" 00" und 32° 57‘00" östl. L.
(Die englische Generalstabskarte von 1905 hat etwa 0° 18‘ nördl. Br. und 35‘ östl. Länge für Kampala, das nahe dem einstigen Ruboga liegt.)
5. November, Dienstag. Redjáf. Zweite Expedition vorwärtsgesandt. Getreide für Ladó eingeschifft.
6. November, Mittwoch. Redjáf. Holz genommen, Post nach Süden beendet und zur Abreise vorbereitet.
7. November, Donnerstag. 6 ¾ h Uhr vormittags Abreise von Redjáf, wo die Herren noch bis zum Montag bleiben werden. Pearson ist von seinen Kenntnissen zu eingenommen. Felkin sehr lieb, aber sehr jung, und Lichtfield mir nicht nähergetreten. Buchta hat seine Eigenheiten — dafür ist er Deutscher, aber herzensgut. Nur einmal aufgesessen und um 10 ½ Uhr vormittags in Gondókoro angekommen, wo ich einige Leute einzuschiffen habe. Noch immer sind die Zitronenbäume voll behangen! Nach halbstündigem Aufenthalt Abreise nach Ladó, wo wir um 1 Uhr nachmittags anlangen. Dampfer „SCHIBBIN“ ist vorgestern abgereist. Eine Menge Geschäfte.
8. November, Freitag. So sind denn all meine Mühen unnütz gewesen! Von Station Kissúga aus hat man Kabrega's Leute angegriffen, viele von ihnen getötet, und auch von unseren Soldaten sollen mehrere getötet und gefangen sein. Meine an ihn gesandten Briefe sind zurückgewiesen, und jede Verbindung mit uns ist abgebrochen sowie das Bestehen unserer Stationen im Sudan neuerdings in Frage gestellt! Und das alles meinen Ordern zum Trotz! Meine Hände sind gebunden durch Gordon's unsinnige Order (Gordon hatte Befehl gegeben — wahrscheinlich schon bei Emin's Ernennung oder in einem der erwähnten späteren Briefe —, alle Stationen südlich von Dufild aufzugeben, also auch Lazuka. Emin demonstrierte gegen diesen Befehl, so dass Gordon (Nach Vita Hassan I, 42) Gessi beauftragte, die Räumung zu bewerkstelligen. Sobald Gordon den Dienst verlassen hatte, sollen nach Vita Hassan die Stationen wieder besetzt worden sein.) für mich, nicht weiter als bis nach Dufilé südwärts zu gehen. Übrigens hat auch hier wieder Kabrega seine bona fides bewährt, weil er die Soldaten, die doch in seiner Hand waren, ungehärmt nach Magúngo zurückgesandt, statt sie, wie Mtesa wahrscheinlich getan hätte, zu töten. Ich bin hier recht überflüssig...
9. November, Sonnabend. Neue Skandale; heute von einem Offizier Ibrahim-Bey's (Moh. Feradj), der nachts um 12 Uhr die ganze Seriba seiner Frau wegen aufstört. Ich wünsche dem Glück, der mach mir in dies Wespennest greift. Von den Makraka-Leuten sind drei entflohen. Bachit-Bey ist unsichtbar und wohl vor seiner eigenen Tollheit erschrocken. Ich habe beschlossen, seine Leute von hier zu Lande nach Makraka zurückzusenden, aus Furcht, sie entfliehen zwischen Schambé und Rohl, weil Bachit-Bey (Bachit-Bey hatte als Sergeant den mexikanischen Feldzug mitgemacht. Über ihn vergleiche Junker I, 426. Er war lange Chef in Makaka, 1883 ward er nach Khartum gesandt (Junker III, 333).) sein Möglichstes getan, sie zu erschrecken. — Abends 9 Uhr kommt Dampfer „SCHIBBIN“ von Bór, mit ihm der neue Militärchef Zurur-Efendi, ein elendes Subjekt, das eben nur bei Gordon's Unwissenheit Gnade finden kann.
10. November, Sonntag. Massen von Arbeit. Surur-Efendi hat gerade siebenunddreißig Frauen und einige Diener mitgebracht; wo die Leute zu essen finden werden, ist mir unklar. Übrigens muss er selbst einige Scham gefühlt haben, denn er hat alle des Nachts ausgeschifft und in den Häusern seiner sudanesischen Mitbrüder versteckt.
11. November, Montag. Gestern habe ich Bücher usw. nach Redjáf gesandt für Buchta, Felkin und Pearson. Heute gehen Leute nach Makraka ab. Abreise „SCHIBBIN“ vorbehalten. Nachmittags starker Regen.
12. November, Dienstag. „SCHIBBIN“ mit etwa sechzig von hier entlassenen ägyptischen Soldaten und dem famosen Mohammed Efendi Feradj abgereist. Holz für „SÁFICH“ vorbereitet.
13. November, Mittwoch. Ich selbst bin an multiplen Abszessen krank. Von Felkin Brief — wäre auch besser und lieber bei mir geblieben!
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Kapitel zwei – Gegen die Flussverstopfungen – Verunglückte Reise nach Khartum und Rückkehr nach Ladó – 14. November bis 4. Dezember 1878
Kapitel zwei – Gegen die Flussverstopfungen – Verunglückte Reise nach Khartum und Rückkehr nach Ladó – 14. November bis 4. Dezember 1878
Über die „Strombarren des Bahr el-Gebel“ berichtete Emin in Petermann’s Mitteilungen 1879, S. 273, mit einer Kartenskizze.
https://Archive.org/dasails/bub_gb_QYhQAAAAYAAJ/page/n21/mode/2up
14. November, Donnerstag. Endlich bin ich fertig und um 7 Uhr vormittags im Dampfer „SÁFICH“ von Ládó fortgereist, Vielleicht und wahrscheinlich auf immer, und doch hätte ich so gern einige Jahre hier gewirkt! Seit gestern ist der Fluss wieder bedeutend gestiegen, und wir müssen um jeden Preis die Verstopfung beseitigen. Tritt oben die neue Regenzeit ein, ehe hier das Wasser gefallen, so gehen unsere Seriben zugrunde. Wie gewöhnlich war auch heute die Maschine in Unordnung, und wir mussten im Bach drei Stunden liegenbleiben, um zu bessern, gingen dann sehr langsam vorwärts und beobachteten im Bach Kirschambé, weil, wie der Kapitän behauptete, er in den Windungen nachts nicht fahren könne.
15. November, Freitag. Trotz meines Befehls, sehr zeitig abzufahren, kam es erst um 6 Uhr vormittags dazu: Ich habe ja eigentlich nichts mehr zu befehlen, so mag es denn sein. (Emin rechnete mit seiner Abberufung, da er offenbar gegen Räumung der Südstationen remonstriert hatte. Er war jetzt im Begriff, sich nach Khartum zu begeben, konnte aber wegen der Flussverstopfung sein Ziel nicht erreichen und musste umkehren. Viel scheint mir zu der Spannung mit Gordon auch beigetragen zu haben. dass Emin und sein direkter Chef Gessi so gar nicht zusammenpassten. Beide beurteilen sich gegenseitig schlecht — und wohl meist ungerecht.) Überall frische neue Blüten; alle Bäume überladen damit. Um 9 Uhr vormittags haben wir an der Holzstation Bor, oberhalb der eigentlichen Station, angelegt, wo auf meinen Befehl Soldaten stationiert wurden, die, in vierzehn Tagen sich ablösend, stets Holz für die Dampfer vorrätig halten. Nachdem wir uns hier mit Holz versehen, geht es um 2:20 nachmittags weiter nach Bor, wo wir um 3 Uhr nachmittags ankommen und uns zur Abwicklung der laufenden Verwaltungsgeschäfte bis um 5:15 nachmittags aufhalten. Einzelne Beamte wurden abgesetzt — leider nötig. Obgleich widerwillig — die Leute möchten gern hier nachten —, wird dann abgereist.
16. November, Sonnabend. Die ganze Nacht wird mit kurzen Aufenthalten durchfahren. Der Fluss ist seit meiner letzten Anwesenheit gestiegen; immer noch schwimmende Inseln. Trübes Wetter, Baudah. Nach sehr langsamer Fahrt sind wir endlich um 1:35 nachmittags in Schambé angekommen, wo leider zur Ausbesserung einiger Schäden in der Maschine sowie um hinreichend Holz zu nehmen, einige Tage vergehen werden.
Sanguinische Briefe Gessi‘s: Ich traue dem nicht recht; wer zu viel verspricht, hält wenig. Es war mit seiner Kaffa-Expedition ebenso.
Die Neger erklären sich bereit, mich bis hinter die obere Barre zu bringen; ich fürchte nur, dass weiter unten im Nuëhr-Lande andere Barren mich aufhalten, doch wird wohl dort ein Dampfer von Khartum liegen.
17. November, Sonntag. Wir haben Getreide ausgeschifft, was sehr erwünscht, da seit einem Monat kein Fleisch mehr hier ist! Jusauf-Bey (Jusauf-Bey esch-Schellali war einer der Seribenbesitzer, der mit diesen von der Regierung übernommen war. Junker (I, 461) beurteilt diesen Mann sehr ungünstig. Er war es, der den durch Schweinfurth berühmt gewordenen König Munsa von Mangbutzu töten ließ. Ihm waren 1878 die Bezirke Mokraka und Rohl zur selbständigen Verwaltung übergeben worden (Junker I, 352). Er wurde 1882 von Khartum mit 3.000 Mann nach Kordofan gegen den Mahdi gesandt und am 7. Juni 1882 mit seiner ganzen Mannschaft niedergemacht. In Schambé wird Jusauf-Bey nicht anwesend gewesen sein, der Hauptort seiner Provinz war Rumbek; 1881 wurde dieses Gebiet mit der Äquatorialprovinz vereinigt.) ist so nachlässig als dick. Heute Post an Gessi expediert. Jeden Tag ist von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags starker Nordwind.
18. November, Montag. Holz genommen, Maschine gebessert und Nugger kalfatiert zur Reise, die, um dem üblichen Vorurteil zu entsprechen, Donnerstag angetreten werden soll. Um 5 Uhr nachmittags Dr. Zucchinetti und Herr Mingsios (Alignos?) Ghattas, Gessi's Schreiber, von Rohl angekommen, beide entlassen. Wundergeschichten von Gessi's Improvisationen.
19. November, Dienstag. Es scheint, dass Gessi am Bahr Ghazal völlig dasselbe leisten wird, was er bei seiner berühmten und von ihm selbst so pomphaft in Szene gesetzten Kaffa-Expedition geleistet — d. h. viel Redensarten, noch mehr Zeitungsartikel und weiter nichts. Übrigens fürchte ich, ehrlich gestanden, für sein Leben nicht im Kriege — dazu ist er zu vorsichtig —, sondern zwischen jener Bande von Danágla, die wütend auf ihn sind. Man erzählt mir, dass Taĩb-Bey und Ibrahim-Bey Feozi zum Tode verurteilt waren!
20. November, Mittwoch. Auch heute Holz genommen und zur Reise vorbereitet sowie die zur Führung nötigen Neger berufen und beschenkt; Boussole geprüft.
21. November, Donnerstag. Um 6:20 vormittags sind wir von Schambé abgereist und sofort in die Wasseransammlungen eingefahren, die östlich vom eigentlichen Fluss in paralleler Reihe eine Kette von seeartigen Becken bilden. Noch nie hat ein Schiff diese Fluten durchschnitten! Zunächst in ziemlich engem, 40—50 Yards breitem, schilfgegürtetem Kanal dahinfahrend, Kommen wir bald zu weiten, scheinbar unbegrenzten, mit Inseln durchsetzen Seebecken, die manchmal, soweit nur das Auge reicht, sich ausdehnen. Zwei weithin sichtbare Doleb-Palmen bilden die einige Erhebung in dem flachen, doch grandiosen Wasserreservoir. Enger und weiter werden die Becken, über die Hirundo senegalensis ihre Kreise zieht; Selten lässt ein Reiher, Seltene Flüge von Rhynchops flavirostris „pflügen“ das Wasser, und noch Seltener lässt ein Nilpferd sich vernehmen. Sonst ist alles öde und leer. Gegen Mittag kommen wir zu einigen im Schilf versteckten Negerhäusern und haben das Ziel erreicht: Vor uns liegt der Fluss auf etwa 800 m völlig verstopft durch Schilf und Grasmassen, während der untere Teil nun freie Fahrt gewährt. Wir lassen hier unsere Führer, die rechte Amphibien scheinen, und fahren in den eigentlichen Fluss, der uns bisher stets zur Linken geblieben, hinein und setzen unsere Reise fort, bis um 11 Uhr nachmittags auf einmal eine neue Verstopfung des Flusses uns Halt gebietet und wir, von Millionen Baudah umringt, zur Nacht bleiben.
22. November, Freitag. Die Untersuchung der Verstopfung, die hier wohl über 1.200 m breit sein dürfte, ergibt die Unmöglichkeit, weiter im Fluss vorzugehen. Die Massen sind zwar nur lose gefügt, und der Fuß sinkt im Gehen darüber tief ein, für den Dampfer ist jedoch eine Gewaltpassage unmöglich. Es existiert aber unmittelbar oberhalb der Verstopfung ein Abfluss nach Westen (links), und da seine Untersuchung mit der Barke uns durch gutes Fahrwasser in weite, weite Wasserflächen führt, entschließe ich mich zum Versuch. Starke Strömung bringt uns in ein enorm ausgedehntes Seen-Netz, das gutes Fahrwasser bietet: Ich lenke die Fahrt mit Boussole und Karte. So gehen wir vorwärts, können aber keinen Auslass in den eigentlichen Fluss finden und sind deshalb gezwungen, eine Strecke zurückzufahren, um bei einigen Negerhütten, die mitten im Schilf stehen, Erkundigungen einzuziehen. Die Bewohner, Nuëhr, haben sich bei unserer Annäherung schleunigst geflüchtet und sind erst nach langem Parlamentieren zur Auskunft zu bewegen; eine angebotene Ziege wird verschmäht, da sie nur Fische essen, einige Lanzen aber und kupferne Armbänder bewegen zwei Männer, sich uns als Führer zu erbieten, und nachdem mir der eine zum Zeichen seiner Freundschaft dreimal in die innere rechte Handfläche gespuckt, ging die Sache ganz gut vorwärts, bis wir uns auf einmal in einem breiten Kanal befinden, den wir ohne Mühe als den eigentlichen Fluss erkennen. Unsere neuen Freunde verabschieden sich in äußerst fluchtähnlicher Weise, und wir finden prächtiges Fahrwasser, das uns schnell vorwärtsbringt. Die eigentliche zweite Verstopfung (die erste ist etwa 30 englische Meilen stromabwärts von Schambé) liegt in der unteren Krümmung zwischen Majet Churschid und Hellet Nuëhr der Karten (Vgl. Nil von Chippendale und Watson). Da der Fluss breit und kein Hindernis ersichtlich, sollte die Nacht durchfahren werden.
23. November, Sonnabend. Wir waren bis gegen Mitlernacht ungestört gefahren, als wir viele schwimmende Grasinseln im Fluss bemerkten. Es steht damit im Einklang dass wir vorgestern und gestern große, völlig freie Wasserflächen gesehen und durchfahren hatten, die früher entschieden nicht existierten und deren Vegetation wir nun im Hinschwimmen hier fanden. Die Grasbüschel mehrten sich in so auffallender Weise, und viele von ihnen waren von solchen Dimensionen, dass sie in dem etwa 70 Yards breiten Flussbette dem Dampfer keinen Raum ließen und wir denselben wiederholt unter Land, d. h. in das Schiff und den Papyrus drängen mussten, bis diese Ungetüme vorüber waren. Da die Inseln sich mehrten und mehrten, ließ ich ankern (um 3 Uhr vormittags), um sie vorausgehen zu lassen, und brach erst früh um 5 Uhr wieder auf, fand mich aber bald wieder mitten unter ihnen, und als es mir endlich, nachdem sie an einer scharfen Biegung sich in Stücke geteilt, gelang, sie zu überholen — freilich auf die Gefahr hin, später von ihnen eingeholt und umringt zu werden — fuhr ich noch etwa eine Stunde weit durch freies Wasser, um mich um 9 Uhr vormittags einer dicken Verstopfung gegenüber zu finden, die den Fluss in seiner ganzen Breite sperrte. Sie muss schon längere Zeit existieren, weil sie sehr fest ist und gut begangen werden kann. Vom Mastbaum aus war in der Richtung des eigentlichen Flusslaufes absolut kein Wasser sichtbar, wohl aber links und rechts Wasserläufe parallel zu uns. Leider existiert hier im Fluss kein Auslass, und die dichten Papyrus- und Schilfwände, die die Ufer vorstellen, sind unmöglich zu passieren. Es hieß also nach dem üblichen Signal mit der Dampfpfeife für etwaige unterhalb liegende Dampfer mit schwerem Herzen zurückkehren: Unser Ziel, die Post nach dem Ssobat zu bringen, war verfehlt. Die Verstopfung muss meiner Meinung nach etwa 20 engl. Meilen stromaufwärts vom Moqren el-Bohúr gelegen sein. Sie ist die größte von den dreien, und da wohl auch noch weiter abwärts Verstopfungen existieren müssen, dürften wir für einige Monate von jeder Verbindung mit Khartum abgeschnitten sein, falls es mir nicht gelingt, von Bor aus Post zu senden. Es hat dies für mich nichts zu bedeuten, weil ich für meine Provinz einstehe und sorgen werde -- aber Gessi?
Um 10 ½ Uhr vormittags wandte sich der Dampfer neuerdings stromaufwärts, und in glücklicher Fahrt ging es rasch vorwärts. Eine Menge neuer Ein- und Ausflüsse haben sich in diesen Tagen gebildet, große Flächen, die früher von üppiger Schilfvegetation bedeckt waren, sind zu enormen Wasserflächen umgewandelt; es hält demnach wirklich schwer, seinen Weg zu finden.
24. November, Sonntag. Die ganze Nacht durchfahrend, kamen wir um 9 Uhr vormittags zu der seeartigen Erweiterung, die zu den obenerwähnten Nuëhr-Häusern führt, und fuhren sofort in selbe ein, um die zweite Barre zu umgehen. Der alte Flussweg ist völlig impraktikabel geworden und wird von nun an jeder Dampfer unseren Weg wählen müssen. Ich ließ den Dampfer dem Negerdorfe nähern, um die Leute zu bitten, sie möchten, falls Dampfer von Norden kämen, selbe führen, fand aber, dass alle Bewohner sich geflüchtet hatten, und glaube, dass sie diese Stelle verlassen werden. Wir fuhren dennoch weiter und gelangten gegen Mittag in den eigentlichen Fluss oberhalb der Barre zurück. Diese ist unverändert, der seitliche Abfluss aber hat sich bedeutend erweitert und hat eine so starke Strömung, dass unser Dampfer, der „voll speed“ arbeitete, nur mit größter Mühe dagegen aufkam. Es scheint demnach hier sich ein neues Bett zu bilden und der alte Fluss ganz verstopft zu sein. Von hier aus ging nun wieder flussaufwärts; im Stande des Wassers ist eine deutliche Abnahme zu bemerken, vielleicht eine Folge des obenerwähnten neuen Abflusses. Auch in der heute durchfahrenen Strecke sind eine Menge Veränderungen, als neue seitliche Abflüsse, neue Wasserbecken, und überdies noch immer eine große Menge schwimmender Vegetation zu beobachten. Auch diese Nacht soll durchfahren werden.
25. November, Montag. Frühzeitig sind wir im Wasserbecken unterhalb der Obersten Verstopfung angelangt und haben nach den Negerhäusern gesandt, um Führer zu erhalten. Zuerst flüchtete die ganze Gesellschaft, und nur einige alte Frauen blieben; nach vielem Hin- und Her-Reden gelang es uns aber, einen jungen Mann aufzutreiben, der sich bisher im hohen Schilfe versteckt, und er übernahm die Führung. Die Hütten dieser Fisch essenden Kitsch-Neger sind äußerst ärmliche, aus Schlamm und Schilf errichtete Kegel. Sie — die Neger — essen Fische und mit Vorliebe eine große Schnecke mit schwarzem Gehäuse, Helix-ähnlich, die, geröstet und mit etwas Asche bestreut, sehr lecker zu sein scheint.
Schon früh war der Himmel sehr bedeckt gewesen, jetzt regnete es leicht. Wir gingen nun auf dem bei der Herkunft passierten Wege vor, fanden jedoch den Wasserstand etwas niedriger. Unterwegs begegneten wir zwei Negerkähnen, dessen Insassen sich freiwillig uns anschlossen; einer von ihnen hatte uns bei der Hinabreise als Führer gedient. Um 1 Uhr nachmittags neuerdings Regen und Donner und Blitze in Süd. Ankunft in Schambé um 1:30 nachmittags bei starkem Südwinde und Regen.
26. November, Dienstag. Rasttag für die sehr erschöpften Leute. Post an Gessi abgesandt und meine hiesigen Geschäfte beendet. Morgen ist Holz zu nehmen, und übermorgen früh fort von hier nach Bor.
27. November, Mittwoch. Zur Veränderung ist mir Wasser ins Ankareb geregnet beim Waschen des Dampfers, also doch Reinlichkeit! In der so kleinen Station ist jeden Tag Streit und Zank wegen Frauen, dabei sind die Leute hungrig: Sollte Hunger ein Aphrodisiacum sein? Der Dienst der Dragomane wurde organisiert. Wenn nicht die Danágla von Rohl fortgenommen werden, ist das Land in zwei Jahren ruiniert.
28. November, Donnerstag. 5:10 vormittags von Schambé abgereist mit vollem Schiffe im Schlepptau; deshalb sind wir nur langsam vorwärtsgekommen. Sehr bewölkt und dabei unangenehm kühl und feucht.
29. November, Freitag. Nach langsamer Fahrt um 2 Uhr nachmittags in Bor angelangt, wo zu Nacht geblieben wird. Mudĩr abwesend in Schĩr. Post an Ahmed-Aga.
30. November, Sonnabend. Früh 6:10 ab von Bor nach Holzplatz aufwärts. Um Mittag von dort weiter; um Mohammed lbrahim Bey zu treffen, habe ich die alte Straße über Schĩr gewählt, die jetzt durch den nach Kirschambé ersetzt worden ist. Abends haben wir am Beginn des engen westlichen nachts gehalten.
1. Dezember, Sonntag. Frühzeitig vorwärts. Dadurch, dass diese Straße verlassen, haben sich die Neger hierhergezogen und viele neue Dörfer gegründet. Um 12 Uhr mittags habe ich etwas oberhalb Birindji Dampfer „SCHIBBIN“ gefunden. Mohammed Ibrahim hat etwa 800 Rinder, 20 Stück Elfenbein, 400 Schafe und Ziegen, viele kleine Bohnen und Talabun (Eleusine) erbeutet. Nachdem ich ihm die nötigen Befehle gegeben, wird um 4:50 nachmittags abgereist und bis um 10 Uhr nachmittags gefahren.
2. Dezember, Montag. Gewundener Bach, hoher Wasserstand. Mann im Fluss — gerettet. Nach langweiliger Fahrt Ankunft in Ladó um 6:15 nachmittags. Zurur-Efendi ist abgereist. In Mruli drei Mann verwundet und einer getötet.
3. Dezember, Dienstag. Viel Arbeit im Diwan (Sammlung, Versammlung) bezeichnet seit etwa 638 die Heeresversammlung muslimischer Armeen, im übertragenen Sinn auch das Heeresregister. Später wird der Begriff auch einfach für ein Büro, eine Behörde oder Ratsversammlung (auch Staatsrat) verwendet.), der ausgebessert und neu gedeckt wird, sowie enorme Schreibereien. Soldaten für Gessi vorbereitet (98 Mann). Überall dieselben Widersetzlichkeiten vonseiten der Offiziere.
4. Dezember, Mittwoch. Vorfeier des Festes, das morgen fällt. Arden Golichth tötet Geflügel und frisst gern Fleisch. Blühende Zinnien in Ladó! Es ist ein gesegnetes Land — könnte ich nur für einige Jahre wirken!
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Kapitel drei – Reise ins Land der Madi und Schuli – Von Ladó nach Fatiko und zurück – 5. Dezember 1878 bis 19. Januar 1879
Kapitel drei – Reise ins Land der Madi und Schuli – Von Ladó nach Fatiko und zurück – 5. Dezember 1878 bis 19. Januar 1879

Über die Reise im Schuli-Lande noch Fatiko Vgl. Schweitzer S. 147—150 sowie Petermann's Mitteilungen 1880, S. 210—216 (Reisebriefe S. 95—109). Die Schuli-Route findet sich auf Emin‘s Karte in Petermann‘s Mitt. 1882, Tafel 15, die Route am Nil entlang auf Emin‘s Karte in Petermann's Mitt. 1882, Tafel 12; dazu Berechnung und Höhenbestimmungen Dr. Emin-Bey‘s und Dr. Felkin's Von Prof. Dr. R. Zöppritz (S. 216 Petermann‘s Mitteilungen 1880).
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1878. 5. Dezember, Donnerstag. Id el-Kebir oder Kurbán Bairam, das Fest der Opfer. Ich habe alles Mögliche getan, um die Leute zu befriedigen, und es gelang mir. Große Gratulationscour im neuen Diwan, Post von Refjáf; neue Dummheiten vonseiten der Offiziere. Pearson besser, alle Herren der Uganda-Mission sehr zufrieden, liebe Briefe von ihnen. Post von Makraka, (Makraka gehörte damals noch nicht zu Emin's Provinz, sondern war mit dem Bahr al-Ghazal vereinigt. Vgl. darüber Junker I, 350 ff. und Emin's Tagebuch vom 30. Juli 1878. Damals wurden die Stationen Schambé und Ellichb sowie Makraka von der Äquatorialprovinz abgetrennt, zu der sie unter Gordon und Ibrahim-Bey Fausi (Feouz) gehört hatten.) das beinahe verlassen ist; Straße dahin über Zuámbara ist durch Fortziehung der Station unhaltbar geworden.
6. Dezember, Freitag. Unterwerfung einiger Schechs und Gründung eines Dorfes bei Ladó wird beschlossen. Heute ist Frauenfest: Gegen Mittag kommt Mdri, ein hiesiger Bari-Chef, und bietet mir seine Tochter zur Frau an, gewiss eine Ehre für mich bei der bekannten Abneigung der Bari, ihre Frauen an Fremde zu geben. Nachmittags Kommen sämtliche Dragomane nebst ihren Frauen und einer Menge fremder Neger und Chefs, um vor mir zu tanzen.
7. Dezember, Sonnabend. Noch immer halbes Fest: zum Verzweifeln, welche Faulheit die Araber an solchen Tagen entwickeln.
8. Dezember, Sonntag. Ich habe Ferádj-Aga fortgesandt, um Korn zu bringen; ich selbst reise, inschallallah! Kommenden Donnerstag. Wiederaufnahme der Arbeiten hier. Kleiner Diwan usw. Ein Stationschef, den ich abgesetzt, hat bei Gordon sich beschwert!
9. Dezember, Montag, 10., Dienstag und 11. Dezember, Mittwoch. Arbeiten im Diwan, zuletzt zur Abreise nach Süden vorbereitet, mit schwerem Herzen, weil wohl in meiner Abwesenheit Dampfer von Khartum eintreffen dürften.
12. Dezember, Donnerstag. 7:05 vormittags ab von Ladó in Dampfer „SÁFICH“, mit mir Dr. Zucchinetti, den ich bis Redjáf mitnehmen will. Unterwegs habe ich auf Inseln mehrere Exemplare von Arden Golichth bemerkt, der mir sonst mehr Nachtvogel geschienen. Um Mittag haben wir Gondókoro passiert, und nach günstiger Fahrt in dem immer noch stark strömenden Fluss, der weithin das Land überschwemmt, sind wir um 5:45 nachmittags in Redjáf angekommen.
13. Dezember, Freitag. Aufenthalt in Redjáf, um laufende Geschäfte zu erledigen. Herr Buchta, den ich noch hier fand, hat sehr hübsche Aufnahmen gemacht, wird aber bei seiner allzu großen Empfindlichkeit und Selbsteingenommenheit auf seiner ferneren Reise wohl viel zu leiden haben.
14. Dezember, Sonnabend. Um 7:14 vormittags von Redjáf abgereist. Der Dampfer bringt uns mit zwei Schiffen im Schlepptau schnell genug vorwärts, und schon um Mittag sind wir bei den ersten Inseln Beddén‘s, wo auf unsere Signale der Stationsschef von Beddén mit den zum Schiffsziehen bestimmten Negern — ich hatte sie gestern verlangt — sich einfindet. Wir verlassen also den Dampfer und werden vorwärts gezogen; weite Überschwemmungsflächen hindern freilich ganz bedeutend, doch Kommen wir schnell genug um 4:45 nachmittags in Beddén an, wo einige Tage gehalten wird.
15. Dezember, Sonntag. Die Station ist sauber und geräumig, gute Kulturen von Mais und Eleusine-Korn die gut zu gedeihen scheinen. Revision der Station.
16. Dezember, Montag. Sehr geringe Schwankungen im Luftdruck zwischen den einzelnen Stationen von Ladó bis hierher. Eine als sehr giftig verschriene schwarze Schlange wurde hier erhalten. Auch heute habe ich eine Menge von Missbräuchen und Unordnungen gefunden und abgestellt
17. Dezember, Dienstag. Sehr kühle Morgen in dieser Jahreszeit. Um 7:30 vormittags ab von Beddén in Barken, die zunächst schnell vorwärtsgehen, obgleich breite Überschwemmungsflächen die Selten des Flusses einsäumten und die Neger nur schwimmend passieren konnten. Ich habe zu dieser Jahreszeit hier nie ähnliches gesehen, kann also auch diese Wasserfülle nur als ein Rückstauungsphänomen deuten. Da die zum Ablösen der Neger bestimmten Leute nicht an ihren Plätzen waren und unsere Leute allmählich müde wurden, ging es dann nur langsam vorwärts, und ich hieß an einer passenden Stelle anlegen, wo eine hohe Kigelich schönen Schatten bot, bis Leute aus der Umgegend requiriert wurden. Das geschah nun bald, und da sie, geführt von ihrem Chef Tombé, einem jungen Spitzbubengesicht mit noch frischer großer Schlagwunde am Kopfe willig aus Werk gingen, konnten wir neuerdings vorwärtsgehen und kamen mit einbrechender Dunkelheit um 6:50 nachmittags in Kiri an, wo ich die von Dufilé gekommenen Elefanten (Es handelt sich um die zahmen indischen Tragelefanten, die früher erwähnt wurden.) mit ihren Leuten vorfand. Der sehr kühle Abend, welchen die Ankunft einer Post aus Magungo angenehm unterbrach, gewährte Zeit zu einigen Notizen über Verwaltung usw.
18. Dezember, Mittwoch. Kiri, früh 6 Uhr zeigt mein Thermometer 19,4°! Die Morgen sind jetzt gewöhnlich sehr kalt, und erfolgt das bedeutendste Absteigen des Thermometers um 6:25 vormittags. Während um 6 Uhr gewöhnlich noch 20,5 bis 21,0° gefunden wird, liest man eine halbe Stunde später 19,5, d. h. unmittelbar vor Sonnenaufgang stärkste Kälte. Um 8 ¾ Uhr vormittags Erdstoß von Süden nach Norden, etwa dem Rollen eines schwerbeladenen Wagens gleichend. Später sehr warm. Post nach Süden.
19. Dezember, Donnertag. Revision der Station, Inspizierung der Soldaten und Waffen. Agama cofonorum und Euprepas quinqmatrichzus (Es handelt sich um zwei Arten von Eidechsen.) sind erstaunlich häufig in den Häusern, sehr viele Geier (V. mobachus). Es sollen hier sehr viele blinde Schlangen vorkommen — vielleicht die mit den kleinen Augen, von der ich in Redjéf ein Exemplar erhalten habe. Abends war die ganze Umgegend in Feuer durch anzünden des Grases auf der Ostseite des Flusses.
20. Dezember, Freitag. Ich bin zum Aufenthalt gezwungen, da man mich heute nicht reisen lassen will. Frühzeitig (7 Uhr vormittags) Thermometer 19,0°! Große Trockenheit der Luft, hervorgerufen durch die vielen Grasbrände; Himmel fast stets durch Rauch grau erscheinend. Brief von Felkin, der mir meldet, dass seine Gefährten stets leidend seien.
21. Dezember, Sonnabend. Wie gewöhnlich bei der Abreise etwas in Unordnung ist, so heute das Beladen der Elefanten, das uns bis gegen 8 Uhr vormittags verzögerte. Herr Buchta, der das Modell eines österreichischen Kleinbürgers mit all seiner Obstination und Ärgerlichkeit ist, wie gewöhnlich alles anderen überlassend und dabei noch ärgerlich. 7:36 vormittags ab von Kiri durch gelbrotes dürres Gras, über schwarzgebrannte Flächen und Steintrümmer vorwärts zum Bach, wo eine viertel Stunde gerastet und dann nach zweistündigem Marsche gegen 12 Uhr mittags Station Mȗggi erreicht wird. Viel Aloë im Grase, viele neue Ansiedlungen von Bari-Negern unterwegs. Wir bleiben in Múggi zur Nacht. Station examiniert und ihre Verlegung beschlossen.
22. Dezember, Sonntag. 6:25 vormittags Abreise von Múggi; stellenweise sind die Gräser niedergebrannt, stellenweise überschwemmt. Mit Früchten überdeckte Sykomoren, viele Strychnos edulis mit unreifen Früchten. Nach kurzem Anhalt am Bach waren wir mitten im hohen Grase, als Post von Laboré uns entgegenkam, und aus Briefen Felkin‘s und Pearson‘s erfuhr ich, dass Mr. Wilson aus Uganda in Foveira angekommen sei, um seine Gefährten abzuholen. Mtesa erwartet eben die Geschenke von ihnen. Wilsons Post lag bei: keine Zeile an mich von ihm! Nach abermaligem Anhalt an den vier Bäumen um 2:30 nachmittags in Laboré angekommen, wo eine Menge Arbeiten meiner harren. Auch hier die offizielle Inspektion der Station und Magazine vorgenommen und eigentümlicherweise keine Beschwerden von den Soldaten gehört.
23. Dezember, Montag. Um 6:18 vormittags von Laboré Abmarschiert erreichten wir um 8:30 vormittags den Bach Ajú und von dort den großen Baum, an welchem die Straße den Berg hinaufsteigt und den Fluss verlässt. Mitten zwischen Feuersäulen im prasselnden dürren Grase führte der Marsch über das steinige Terrain, und Rauch, Hitze und Steine hatten die Träger und Leute bald so mitgenommen, dass, als wir an den Bach et-Tin ankamen, sich allgemein der Wunsch nach Ruhe geltend machte. Ich beschloss demnach, hier zur Nacht zu bleiben, umso mehr, als klares, gutes Wasser in Fülle vorhanden war, während vor uns wenig oder kein Wasser lag. Kaum hatten wir uns einigermaßen etabliert, so waren die Neger schon voll beschäftigt, das dürre Gras in Brand zu stecken, und bald umringten auch hier uns prasselnde Flammengarben. Da ließ es sich denn gut träumen, die roten Reflexe des Feuers über die Gruppen zwischen den Steinen verstreuter Neger, hin und wieder das Gebrüll eines Leoparden oder Löwen, der gestirnte Himmel...
24. Dezember, Dienstag. Schon um 5:30 vormittags hatte ich meine Leute in Marsch, und bei der Morgenkühle ging es rüstig vorwärts über das steinbestreute Land. Weit und breit ist kein Wasser, nur im Bach Abd el-Aziz ist eine Lache trüben Wassers und im Bach el-Ardéb ein Faden fließenden Wassers! So war es denn gut, dass wir gestern Abend geblieben waren und uns satt getrunken hatten. Wo der Weg die Berge verlassend sich nach dem Fluss wendet, wurde gerastet und dann neuerdings frisch vorwärts gegangen, bis wir um 10:15 vormittags Dufilé erreichten, wo meine Ankunft wohl mit sehr gemischten Gefühlen begrüßt wurde.
Mussdjan-Aga, alter mexikanischer Offizier, heute Gouverneur von Magungo, war hier zur Begrüßung erschienen. Nach kleiner Ruhe begann denn auch das Strafgericht über Jung und Alt, und ich glaube, es wird dies ihnen einen heilsamen Schrecken einflößen.
Als Kuriosum: um 2 Uhr nachmittags leichter Regen bei Südwestwind. Ganzer Tag sehr trübe und bedeckt. Meine aus Uganda mitgebrachten Enten haben acht Junge erzogen.
Die Gründung neuer Station in Luri (Luri heißt das Land oder besser der Volksstamm nordwestlich vom Albert-See, auch Londá genannt. Der erwähnte Platz ist offenbar dicht bei der früheren ägyptischen und jetzigen kongolesischen Station Mahagi, in deren Süden eine heiße Schwefelquelle verzeichnet ist. Libari ist vermutlich Junker‘s Lubarl in Süd-Kalliká. Von Mahagi aus marschiert man heute auf, das Plateau Med dann zur Goldmine Kilo.) ward beschlossen; der Ort heißt Mahádji und besitzt neben ausgedehnten Kulturen eine heiße Quelle. Hinterländer sind Londú, von dem die Kabrega-Station Londú ausgeht und Libdra (?), das an Makraka grenzen und wohl dem Junker‘schen Kallika entsprechen mag.
Meine Leute und besonders die Reittiere sind von dem Marsche über die Steine so mitgenommen, dass es wohl nötig sein wird, morgen hier zu rasten, so unangenehm mir diese Verzögerung auch ist. Freilich höre ich, dass die Wasser gefallen sind, also Glück auf nach Fadibek. — Neue Route.
25. Dezember, Mittwoch. Heute vor einem Jahr begann ich dieses Journal-Heft in Uganda, heute arbeite ich in Dufilé; übers Jahr vieleicht bin ich vermodert!
Aufenthalt hier zur Rast. Auch heute um 10:28 vormittags war leichter Regen, eine seltene Erscheinung um diese Jahreszeit; die Sudanesen sehen viel auf solche außergewöhnlichen Vorkommnisse und behaupten, dass die Person, welche den Regen „mit sich gebracht“ (diesmal ich!) glückbringend sei. Noch jetzt um 2 Uhr nachmittags donnert es häufig.
Ptilostomus senegalensis ist hier auf Borassus-Palmen häufig zu sehen; alle von mir beobachteten waren schwarzschnäblig. Mit ihm waren kleine Falken und viele Fledermäuse auf denselben Bäumen.
Der Fluss ist immer noch sehr hoch, obgleich er seit einigen Tagen im Sinken begriffen ist; wie ein See steht das Land nach Fatiko zu unter Wasser. Ich habe projektiert, über Djéífi, Faloro, Fabbo nach Fatito, von dort nach Fadibék und direkt nach Dufilé zurückzugehen. Abends kommt der Chef von Djéífi, der von meiner Ankunft gehört und mich von früher kennt, zum Besuch zu mir. Ich habe viele ethnologische Gegenstände erworben.
26. Dezember, Donnerstag. Ich bin leider der Reittiere wegen gezwungen zu verweilen. Sehr trübes Wetter. Merkwürdigerweise keine Post von Ladó. Chamoisgraue, schwarzgefleckte Schlange (schon in Mruli und Ladó gefunden), die beim Ergreifen überraschend stark faucht.
27. Dezember, Freitag. Wieder trübe und still. Die Morgen sehr kühl, besonders kurz vor Sonnenaufgang. Da immer noch keine Post Eingetroffen, entschließe ich mich zur Weiterreise. Um 11:35 vormittags wird der Fluss überfahren, der am Ostufer eine enorme Verbreiterung erreicht hat. Weit und breit steht Wasser, und die arme Kuh, welche am Seile hinter dem Kahn schwamm, hatte alle Kräfte aufzubieten, um mitzukommen, äußerte auch durch wiederholtes Murren ihr Missbehagen. Eine weite am Wasserrande mit vielen Borassus-Palmen bestandene Ebene, teilweise mit hohem Grase bedeckt, teilweise nackt ihren grauen, dichten Ton zeigend, dehnt sich vor uns aus. Beim weiteren Fortgang hören die Palmen auf, und einzelne Akazien, auch hin und wieder eine Sykornore erscheinen, doch sind die ersten meist krüppelig, wohl Folge der wiederholten Feuer. Die welchen unten der Hügel von Léré bleiben rechts, uns zur Seite, während zur Linken in einigen Kilometern Entfernung uns eine Waldlinie begleitet, über welche drei bis vier vereinzelte kleine Kuppen auftauchen. Nach Süden zu neigt sich das Land in leichter Wellung. Nach dem Fluss zu viele Elefantenkrale: Die Straße ist mit frischen Exkrementen bedeckt. Da unsere Träger willig sind, kommen wir schon um 3:05 nachmittags an die Ecke des Bachs Unyama und unmittelbar darauf zum Orte der Seriba Fagrlzua oder Djéĩfí die von ihren Bewohnern verlassen worden, weil die umliegenden Felder erschöpft sind. Nur einzelne Häuserskelette sind geblieben, und mitten unter den Trümmern verneigt sich die große Tamarinde, wo ich vor nun drei Jahren gerastet hatte. Ich habe zum Führer den Sohn des Chefs von Fragrista und werde hier von den Negern, die schon gekleidet sind, d. h. ein Antilopenfell umgeschlagen tragen, als alter Bekannter gegrüßt. Meine Position für Djéifi sehr gut mit Linant’s stimmend. Die steil Eingerissenen Bachwände lassen gut die Struktur der Schichten sehen, auf sehr festem roten Ton liegt grauer dichter Ton (Humuston) aus Pflanzendetritus und Asche. Der Bach ist niedrig. Morgen soll es nach Falóro gehen. Die Nacht ward einigermaßen durch Hyänen und mehr durch eine Unzahl Von Mäusen gestört. Schön, klar.
28. Dezember, Sonnabend. Ihrem Versprechen gemäß waren schon früh die Träger bereit, und geführt von zwei Chefsöhnen, Schúa und Fadl el-Mula (die Neger hier tragen oft arabische Namen von Zeiten der Danagla her), marschierten wir durch die nach Süden leicht aufsteigenden Ebene, in der viel Ackerbau getrieben wird, in im ganzen südwestlicher Richtung und erreichten zwischen Feldern von Durrah, die zum zweiten Mal getrieben, und eben geerntetem Sesam die ganz nahe gelegene Seriba Fanjóro, einen stattlichen Häuserkomplex, meinem Führer Schȗa gehörig. Nach kurzem Anhalt daselbst, um einige Träger zu wechseln, wurde bald wieder durch ausgedehnte Kulturen vorwärts marschiert, in weiter welliger Ebene, in der zur Linken fern zwei Bergspitzen sich sehen ließen. Zu den Kulturpflanzen des Nordens: Durrah und Sesam, tritt hier im Madi-Lande die bei den Bari nur vereinzelte Anpflanzung einer Art Hibiskus, deren Samen zu schleimigem Brei gekocht wird. In einer Terrainfalte liegt der Wasserlauf Igeri; von hier aus geht es rasch aufwärts zwischen großen Granitblöcken durch, ein andermal über steinbestreuten Abhang zum Irái, einem ganz stattlichen Bäche, der nie versiegt und etwas unterhalb der Übergangsstelle den Bach llládse aufnimmt. Beide sind von großen Steinblöcken, zwischen denen das klare kalte Wasser fröhlich rauscht, Eingefasst, und einzelne Borassus-Palmen tragen zur Verschönerung der Szene bei. Schalen einer Anodenta-ähnlichen Flussmuschel lagen hier früher. Zwischen Gneisplatten wand sich der Pfad nun wieder aufwärts; die Hügelhöhe ließ zur Rechten eine lange Bergkette erscheinen. Eine Menge kleiner Pfützen enthalten Wasser; eine von ihnen beherbergte einen kleinen Varan (Varanus Niloticus), der sofort erhascht wurde, dem aber seiner gespaltenen Zunge halber sich niemand zu nähern wagte, »den man für sehr gefährlich hielt“. Lichter, meist vom Feuer verkrüppelter Wald deckt die Hügelhänge; überall noch hohes Gras. Dass auch hier der Boden Eisen berge, bewies ein Wasserfaden, der an seinen Rändern roten Ockerschleim abgelagert hatte. Eigentümlich sind die vielen Wasserrosen (Nymphaea) in allen Pfützen, die nur irgend Platz gewähren — soweit vom Fluss. Bach Júbba, der letzte vor Falóro gelegene größere Wasserlauf, bietet mit seinen hochstämmigen Bäumen ein an die südlichen Bäche erinnerndes, hier überraschend schönes Vegetationsbild. Neuerdings bergauf führt der Pfad den Bergen zu; der Wald wird von Feldern abgelöst, in denen Gerüste zum Sesam-Trocknen stehen; wenige Meter noch, und wir haben Falóro erreicht, das auf der Hügelhöhe sich als stattliches Dorf präsentiert. Die jetzigen Chefs des Orts, die die bezeichnenden Namen „Dabbe“ (Hyäne) und „Abu l‘Hossein“ (Dilchs) noch von den Danagla-Zeiten her tragen, kommen sofort zur Begrüßung und bringen mir zwei kleine Elefantenzähne zum Geschenk, erhalten ihre Gegengeschenke und versprechen Träger für morgen früh, da Schȗa mit seinen Leuten zurückgeht, während Fadl el-Mula, Sohn des Chefs von Fagrina, mit mir nach Fatiko geht. Die Mutter der beiden Chefs, eine alte Frau, die großes Ansehen genießt, kam ebenfalls sich den „Türken“ besehen und erhielt eigene kleine Gaben. Falóro liegt nicht auf dem Platze der von Speke astronomisch bestimmten einstigen Danagla-Station, sondern mehrere Kilometer weiter nordöstlich am Fuße der Berge auf hohem Hügel. Es ist ein großes, wohlbewohntes Dorf mit hübsch gebauten Häusern und besonders vielen Kornbehältern, die auf Reichtum an Zerealien deuten. Sesam, Sorghum, Eleusine, Hibiskus, Bataten sind im Großen gebaut, so wie Tabak neben jedem Hause kultiviert wird. Der trockene Tabak wird zu Kegeln geformt verkauft. Bananen — vom Wadday herübergebracht — treiben hier gut, sind aber nicht sonderlich gepflegt. Eine Tephrosich (Tephrosich, eine Laguminose; wird auch In Deutsch-Ostafrika zerstampft ins Wasser geworfen zum Betäuben von Fischen.) mit Schotenfrüchten hat über mannshohe Büsche, angebaut zum Betäuben der Fische. Viele Gehörne, manchmal auf Votivbäume gehängt, deuten auf Jagdliebe. Unter ihnen sind solche von Bos bubalus, Antilope ellypsiprymna, A. leucotis, A. oreas und Zähne von Schweinen. Die Häuser sind entweder pilzförmig oder halbkugelig. Existiert ein Untergestell, so ist selbiges aus Rohr zusammengebunden und mit Schlamm sehr glatt getüncht, oder eine Art Kolonnade aus dünnen Stämmen trägt das Dach, und die Rundwand ist einfach aus Rohr gefertigt, immer sind die Türen so niedrig, dass man hineinkriechen muss. Matten, mit einem starken Holz gestützt, bilden die Tür, die beim Ausgehen geschlossen wird. Der Fußboden ist glatt gestrichen und für das Feuer eine eigene vertiefte Stelle gelassen. Ton- und Kürbisgefäße sind von den gewöhnlichen Formen. In jedem Hause findet sich eine Art Bettstatt aus Hölzern zusammengefügt, ziemlich hoch über dem Boden und vom Kopf- zum Fußende stark geneigt. Unter allen Stämmen am Fluss halten die Madi am meisten auf Putz und sieht man unter ihnen wirkliche Stutzer mit Lockenfrisuren, hübschen blanken Arm- und Fußbändern, Halsringen, Perlenverzierungen (Schech Schȗli — Bolabás). Sonderbare Malereien: schwarze Körper — rote Beine, rote Flecken auf Stirn und Wangen wie Cynocephalus Hamadryas. Schöne Eisenperlen als Schnüre um den Leib. Amulette. Die Madi tragen, wo sie es nur haben können, eine Tierhaut über die Achsel geschlungen, so dass sie die Scham bedeckt. In all diesen Beziehungen ähneln sie mehr den westlichen Völkerstämmen, auf die auch ihre Sprache hinweist. Mein Diener, ein Knabe aus Kalika (2° 10' ungef.), wusste sich mit ihnen zu unterhalten. In Klangfarbe und saccadierter, emphatischer Aussprache wie Londú, die ja auch von Westen kamen. Übrigens sind noch heute die Beziehungen zum Westen (Wadalay) häufig. Die Frauen sind im Gegensatz zu den Männern recht spärlich bekleidet; an einer Schnur aus Glas- oder Eisenperlen um den Leib hängt ein kleiner Schwanz von Baumwollfasern hinten herab; vom ist eine handbreite Bedeckung der Scham, bei Frauen aus Leder oder Stoff, bei kleinen Mädchen entweder aus Eisenstäben und Perlen oder ganz fehlend. Zierrate in Perlen, Ringe, Ohrgehänge verschiedener Form bei ihnen sowie Männern. Die Frauen genießen viel Ansehen sie besorgen nur die Hausarbeit, während die Männer das Feld bestellen. Appetitliche Manier, Gefäße zu reinigen: Wasser aus dem Munde wird auf sie gespritzt und damit gewaschen. Die Speisen sind sauber, Fleisch selten, Grünzeug viel. Eine Art Cadjang-Bohne, die ich auch Im Süden fand; Canavalich mit angenehm riechenden grünen Schoten und roten runden Bohnen, gut zum Essen. Frauen binden oft statt des Schurzes Laub um — Makraka ebenso. Mungo-Bohne. Die Getreidebehälter, auf drei oder vier Beine gestellte hübsch geflochtene Körbe aus Bambus, der hier häufig und lang, mit konischen Dächern, sind oft mit Ton geglättet und weiß angestrichen. Die Kindergräber im Dorf werden durch Steine markiert, ebenso die Gräber der Chefs außerhalb des Dorfes. Man zeigt Anhänglichkeit an die Frauen, die nie geschlagen werden! Da ich im Vertrauen auf die vorgerückte Jahreszeit kein Zelt mit mir genommen, hatten wir uns so gut wie möglich im Freien arrangiert, wurden aber durch ein Gewitter mit starkem Regen gezwungen, ein Haus für uns und unsere Sachen zu beanspruchen. In aller Eile wurde alles geborgen, und während ich notdürftig mein Ankareb platzierte, wurde mein Schreiber Ahmed-Efendi auf das einheimische Bettgestell gewiesen, während Ismail-Efendi sich auf der Erde nahe dem Feuerplatz arrangierte. Da wir alle sehr müde waren, schliefen wir bald ein, wurden aber in der Nacht sehr unangenehm überrascht durch die Entdeckung, dass das Haus voll von — Wanzen war! Diese, jedenfalls von Khartum durch die Danagla Eingeführt, scheinen hier zu gedeihen — wir räumten den Platz und zogen den Regen vor. Mäuse sind auch hier in Unzahl. Der Regen dauerte die ganze Nacht hindurch, und früh kam man, mir zu sagen, dass jedenfalls meine Ankunft Gutes bedeute, weil ich Regen mit mir gebracht.
Das Land ist gegen N und O offen, gegen W und S liegen lange Bergreihen, Parkland mit schönen Bäumen.
29. Dezember, Sonntag. Da Abu l‘Hossein, der zweite Chef der Seriba, mich nach Fatiko begleiten will, verzögerte sich die Abreise etwas, und erst um 7 Uhr vormittags setzte sich unsere Gesellschaft in Bewegung. Dicht neben der eigentlichen Seriba liegen noch eine größere und zwei kleinere Seriben mit zahlreichen Häusern, was hier nicht immer auf zahlreiche Bewohner schließen lässt, da jede Frau mit ihren Kindern ein besonderes Haus bewohnt. Quer über den Weg verläuft unmittelbar hinter den Häusern ein Felsenriff wie ein Querwall, dessen Abstieg zum Bach Rádsi führt. An seinem Ufer fand sich, vor Kälte starr, unter einem Stein eine wohl 1 ½ m lange, schön grau und schwarz gefleckte Schlange, die ich leider aus Mangel an einem passenden Behälter nicht mitnehmen konnte. Nochmals wurde derselbe Bach überschritten und ein kleiner Sumpf passiert. Am Aufstieg liegt dann Seriba Péggo inmitten weiter Kulturen, und nahe ihr noch eine andere kleine Ansiedlung, hinter welcher hohe Hügel von rechts über den Weg treten. In der Einsenkung fließt denn der Bach rauschend von SSW nach NNO; seine Passage ist durch eine in der Mitte Liegende Steininsel eine gedoppelte und seine nie versiegende Wassermenge bedeutend. Zwischen Granitblöcken hindurch in lichtem Walde passieren wir abermals einige kleine Wasserläufe, die sämtlich zum Bach Sirri gehören. Einer stellt sich als eine tief gerissene Spalte dar, die viele Schwierigkeiten beim Überschreiten verursacht. Von hier aus folgen in bunter Reihe Wald und Felder von Hibiskus, Sorghum und Sesam. Die Anona senegalensis zeigt ihr grünes großes Laub, Grewich moIlis lässt ihre schwanken Zweige hängen, blutrot sind die jungen Blätter der Terminalich; Tamarinden und Sykomoren häufig. Große Strecken sind mit einem gelbfrüchtigen Solanum bestanden, das als Unkraut sich auf ehemaligen Kulturstätten massenweise ansiedelt. Bach Lasimón mit hübscher, reicher Vegetation bildet einen Ruhepunkt für die Träger; auch seine Ufer sind mit vielen Gneisplatten bestreut.
Kurz darauf gelangen wir zum Dorfe Faómo, das soeben völlig vom Feuer zerstört und im Neubau begriffen war. Die Häuserruinen zeigen eine Teilung des Raumes in zwei Kammern durch eine hohe Tonwand mit einer Tür in der Mitte. Eine andere sehr kleine Niederlassung folgt auf jene, ist aber verlassen, weil die Bewohner Furcht vor uns gehabt haben.
Wir betreten nun die Graswaldung, die rauschend uns umfängt, um mitunter hübschem Walde Platz zu machen, und gelangen endlich um 11:45 vormittags nach Fábbo, einem anderen bedeutenden Dorfe, wo zur Nacht geblieben wird. Auch dieser Madi-Ort ist nicht auf dem Flecke der von Linant besuchten Damala-Station Fábbo, sondern diesseits des Baches Assi gelegen, der im Bogen sie umgeht, um etwas später und unterhalb der Seriba sich mit dem Bach Ejȗppi zu vereinen, der sich seinerseits zum Unydena begibt. Die alte Danagla-Station lag nach Angabe der Eingeborenen ½ Stunde, also 2 ½ km weiter in 210°. Auch hier wurden wir recht freundlich aufgenommen, nur klang mir kleinermaßen befremdlich der mir schon in Falóro vorgetragene Wunsch der Leute, neuerdings Danágla hier zu haben. Die Seriba ist völlig der in Falóro gleich, nur etwas kleiner und nicht so bevölkert, weil das Gros des Volkes ferner, in einer anderen Seriba wohnt. Sonst entspricht Bauart, Lebenzweise, Anbau und alles Übrige — selbst die Wanzen! — dem früher Gesagten.
Von der Seriba in S 20° zu SW etwa ¼ Stunde entfernt fließt der Bach Assi von Nordwest nach Südost über Felsen. Seine Ufer sind mit üppiger Vegetation Eingefasst: Auch hier stehen viele und schöne von Wadelay eingeführte Bananen am Bach. — An Bäumen sind im Dorfe kleine geflochtene Strohzylinder für Bienen aufgehangen: Das ganze Land ist sehr honigreich.
Von den Erfahrungen der Vornacht gewitzigt, hatten wir uns gerade im Freien kampiert, als drohende Gewitterwolken auch für diese Nacht Regen ankündeten. Da der hiesige Chef Aúwi als Regenzauberer berühmt ist, bat ich ihn, er möge mir eine Probe seiner Gewalt geben und den Regen verscheuchen. Er lehnte dies als unmöglich ab! So wurden denn einige kleine Strohdächer requiriert zum Schutze für die Sachen und uns; als aber der Regen herniederprasselte, erwies sich dieser Schutz leider als ungenügend, und wir hatten die Nacht halb gebadet im kalten Winde zu verbringen, ohne selbst ein Feuer anzünden zu können. Mitten in der Nacht war eine Hyäne in ein Haus gedrungen, aus welchem sie tags zuvor ein Schaf geholt, und hatte eine Frau erweckt, die die ganze Seriba in Aufruhr brachte. Ich fand hier als Anbaupflanze eine schon in Unyoro und Uganda gesehene Papilionazee mit gelben Blüten und kleinen linsenartigen Samen. Hübsche Flechtereien. Sehr gutes weißes Mehl aus einer hellen Sorte Eleusine gemacht.
30. Dezember, Montag. Nachdem wir den Bach Assi passiert und kurz darauf den größeren Bach Ejȗppi ebenfalls durchwatet, gelangten wir zu Seriba Faguëri am steilen Aufstiege, mussten dort aber kleine Minuten Verweilen, weil drei Träger entflohen waren und nun ersetzt werden mussten. Obgleich der Weg durch hohes Gras und dünnen Wald nicht gerade Verschönert wird, sind doch in Südwest schöne Berge sichtbar. Sehr ausgedehnte Kulturen von Zerealien wechseln mit Waldbeständen und hohem Grase; in ziemlich derselben Richtung führt der Weg Vorwärts zu zwei kleinen Bergen, deren einer rechts und der andere, zweigipflige, links nahe am Wege liegen, so dass der linke naher herantritt. Kurz vor ihnen liegt ein kleiner, nach ihnen der größere, schön bewaldete Bach Ottssamé, wo ich für hier zum ersten Mal Amomum sah. Die Berge heißen Gartoák (links) und Graffaĩa (rechts). Der größere Bach fließt von SW nach NO. Nach kleiner Rast wird der sehr ermüdende Marsch wieder aufgenommen, mehrere kleine Wasserläufe überschritten, und wir treten in ein mit Einzelbergen (Schȗa, áurel usw.) eingefasstes Hochplateau, in dem vereinzelte Bonrassus erscheinen. Wie immer, werden auch hier diese Palmen am Wasser häufiger und kräftiger, wie auch vor uns sie öfter sich zeigen. Bach Unydena, die Hauptwasserader für dies Land, an den wir nun gelangen, ist hier ein prächtiger, von üppiger Vegetation umkleideter Wasserlauf, von Süd nach Nord gerichtet. Wir nähern uns allmählich dem Plateau Von Fatiko; die Steigung wird beträchtlich. Viele große Felsblöcke bilden oft förmliche Wälle, die überstiegen werden müssen. Rechts vom Wege bleiben vier kleine Erhebungen, dicht mit Häusern bestanden; Borassus ist sehr häufig. Immer weiter zwischen hohem Grase weitergehend, lassen wir neuerdings Hügel rechts und links (diese größer und höher) und kommen zu einem der genannten Steinwälle, auf dessen Höhe haltgemacht wird. Ein Vitex voll schwarzer süßer Olivenfrüchte wird von den Leuten geplündert; die Früchte haben einen Geschmack, der an altes Sesamöl erinnert; ihr Fleisch ist vom Kern untrennbar. Auch die letzte Höhe ist nun Überstiegen: neben uns ein von Schȗli bewohntes Dorf mit Tabakpflanzungen, wie ich sie nie in Afrika gesehen, soweit und ausgedehnt. Viele saubergekleidete Leute stehen am Wege, der nach einigen Minuten uns zu Station Fatiko geleitet, wo wir um 4:30 nachmittags ankommen. Der genommene Weg ist meines Wissens nach nur teilweise (Fabbo — Fatiko) von Linant begangen worden, während die Strecken Djéĩfi — Fahro und Falloro — Fábbo nie von Europäern besucht wurden. Als neu sind die jetzigen Positionen von Falloro und Fabbo zu registrieren.
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