Kitabı oku: «Mata Hari I»

Yazı tipi:

Effes

Mata Hari I

SAGA Egmont

Mata Hari I

Copyright © 1995, 2018 Effes

All rights reserved

ISBN: 9788711717325

1. Ebook-Auflage, 2018

Format: EPUB 2.0

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Absprache mit der Verlag gestattet.

Vorrede

Als am 14. Oktober 1917 die Spionin H.21, genannt Mata Hari, im Hofe der Festung Vincennes vor dem Peloton des 26. französischen Jägerbataillons stand, das die Gewehre auf diese ebenso schöne als mutige Frau angelegt hielt, und als nach dem Kommando seines Oberleutnants den in mehr als einer Hinsicht berühmten Körper elf Kugeln durchbohrt hatten, glaubte alle Welt, daß nun dieser Leib der Vergessenheit anheim fallen würde. Er hatte viele erfreut; er hatte aber auch viel Schuld auf sich geladen und deshalb wurde er schließlich gerichtet. Aber eines hatte weder die Prüderie noch die Justiz erreicht: Die Vernichtung des Andenkens. Nach dem Tode dieser merkwürdigen Frau spach man fast mehr von ihr, als man es zu ihren Lebzeiten getan hatte und unseren Tagen blieb es sogar vorbehalten, eine Entdeckung zu machen, die sie auf sehr lange Zeit der Vergessenheit entreißen dürfte.

Es sind die Tagebücher, die intimen Aufzeichnungen, die jetzt, nach vielen Jahren, aus den Tiefen eines Pariser Archives ausgegraben wurden und nun zum erstenmal das Licht der Öffentlichkeit, allerdings auch jetzt nur in beschränktem Maße, erblikken. Ob die berühmte Tänzerin und Spionin die einzelnen Teile desselben bis zu ihrem Tode bei sich behalten konnte oder ob diese Bruchstücke durch eine bestimmte Persönlichkeit gesammelt oder zustandegebracht worden sind, ist nicht mehr zu ermitteln. Als Tatsache kann angenommen werden, daß die bereits reichlich vergilbten, unscheinbaren Blätter bis vor kurzem zwischen verstaubten Akten in einem Depot der Rue des Archives zu Paris schlummerten. Lediglich an Hand des Zettels, der dem Faszikel beigeheftet war, konnte man feststellen, daß es sich um ein verworfenes Aktenbündel handeln mußte, einem der hohen Beisitzer des Conseil de guerre gehörig, der den aufsehenerregenden Prozeß gegen die Spionin „H 21“ geführt hatte.

Der erstaunte Finder dieses Schatzes teilte seine Entdeckung einem befreundeten Journalisten mit, der nach flüchtiger Einsichtnahme erkannte, daß es sich lohnen würde, davon eine Sonderausgabe herauzugeben. Infolge besonderer Umstände sieht sich die Amsterdamer Verlagsdruckerei, die die Herausgabe übernommen hat, in der Lage, gleichzeitig mit der französischen auch eine, allerdings äußerst beschränkte deutsche Ausgabe herstellen zu lassen.

Eigentlich sind es mehrere Tagebücher, recht ausführliche, völlig ungeschminkte Bekenntnisse, geradezu erstaunliche Beichten, die die berühmte Frau, spontan ihrer Eingebung folgend und noch unter den frischen Eindrücken stehend, niedergeschrieben hat; Blätter voll unglaublich lebenssprühenden Ausdrucks, in rousseauischer Selbstentblößung, immer rückhaltlos offen und nichts beschönigend, nichts verschweigend. Sie reflektieren mit Spiegeltreue, ebenso realistisch als überzeugend, die einzelnen Epochen dieses an Sensationen wahrlich nicht armen Daseins wider, das die komplizierten Charaktere einer „grande amoureuse“ und unergründlichen Sphinx, eines liebestollen Weibes und berechnenden Dämons vereinigt. Diese Tagebuchblätter wurden in den verschiedensten Epochen ihres Lebens verfaßt und unterscheiden sich untereinander, stilistisch und dem Inhalt nach, genau so wie die einzelnen Schicksalsphasen, die diese merkwürdige Frau gelebt hat, die krassesten Gegensätze aufweisend und wie die aneinander gereihten Lebensbeichten mehrerer Frauen – durchaus keiner Durchschnittsnaturen – anmutend. Welche Höhen, welche Tiefen kannte diese Spielerin! Die immer alles einsetzte, um alles gewinnen zu können und die ihr niedrigstes Spiel stets mit ihrem Körper zu zahlen bereit war, ja, die ihre höchste Partie mit dem Leben beglich, nach all diesen heißen, unter dem Hochdruck der Sinne dahinströmenden Jahren zur Begleichung der letzten Ehrenschuld furchtlos ihr Herz den Gewehrschlünden darbot … Mata Hari war „beau joueur“ – sie lächelte und bezahlte. Welch ein Schicksal! Es ist kein Wunder, daß gerade das Abenteuer dieses irritierenden Lebens in ungezählten Romanen eingefangen wurde, daß gerade diese so sehr im Zwielicht stehende Gestalt einer großen Tänzerin, Spielerin und Erotikerin immer wieder dem Spießer im süßlichen und abgegriffenen Klischee dargeboten wurde. Unzulänglich und vollkommen mißverstanden. Man kannte eben die geheimen Blätter nicht, die hier erstmalig die Öffentlichkeit unterrichten sollen, welch heißes Herz in dieser liebestollen Brust, in diesem brünstigen Leib geschlagen hat, von dem so lange niemand wußte, ob es einer geheimnisvollen Tempeltänzerin des fernen Java – oder einer nüchternen Friesin, einer Tochter des illusionslosen Nordens gehörte. Wie anders schildern uns die wahren, diese echten und wirklich intimen Tagebücher die Heldin so vieler Erlebnisse! Und wir erleben endlich die innerliche Mata Hari, nicht nur die Tänzerin und die Spionin, nein: die Frau, ungeschminkt und hüllenlos, die Frau, wie sie nicht einmal ihre Liebhaber kannten. Wir sehen sie nackter als sie es bei ihren schon legendär gewordenen Tänzen war, wir lernen ihren Körper kennen, bis ins kleinste, geheimste Fältchen, wie ihn selbst die erste Reihe ihres staunenden, zeitgenössischen Publikums trotz schärfster Gläser, trotz hellsten Rampenlichtes nicht zu erspähen vermochte … Wir stellen staunend fest, wie ungeheuer realistisch diese Frau zu schreiben imstande war. Wie überzeugend klingt die Erklärung ihres hemmungslosen Trieblebens, das sie unter anderem immer wieder veranlaßte, sich bei jeder Gelegenheit gänzlich zu entkleiden, um – auch vor gänzlich Fremden – einen plötzlichen pantomimischen Einfall zu skizzieren. Diese Tagebücher reichen von den ersten Stilproben des Backfisches, der in der prüden holländischen Kleinstadt heranwächst, bis zu den letzten Aufzeichnungen der großen Kurtisane. Aber dazwischen liegen Romane. Eine unglaubliche Ehe, ein Leben in Indien, Triumphjahre in Paris und in den anderen Großstädten des Ruhmes, die unergründliche Geschichte geheimnisvoller Beziehungen … Leidenschaft und Wollust, Höhepunkte künstlerischer Freuden, Ekstasen zügelloser Sinnenlust, Ehrgeiz, in Abgründe abgleitend – zwischen diesen Polen schwankt eine glühende, brünstige Seele. Nichts ist ergreifender und aufrüttelnder als diese Blätter, die in so überdeutlicher Sprache die Wandlung einer Frauenseele aufzeigen.

Kein noch so libertiner Schriftsteller Frankreichs würde es wagen, diese Ausdrücke, diese köstlichen detaillierten Schilderungen niederzuschreiben, von denen jede Seite der – allerdings nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Tagebuchblätter berichten. Einmal ist es die junge Frau, die „um ihren Mann etwas bieten zu können“, die Eindrücke und Verirrungen der Pubertätsjahre schildert, einmal ist es die geschundene Frauenseele, der gepeinigte, gequälte Körper, dann kommt die heranreifende Künstlerin auf ihre Erfahrungen mit der Fauna der Pariser Lebewelt zu sprechen, um als saturierte Liebeskünstlerin die letzten Geheimnisse zu lüften, und schließlich kommt die mysteriöse Freundin eines Thronfolgers und des Chefs der Spionage einer großen europäischen Macht zu Worte. Aber das Erstaunlichste bildet die Lebendigkeit ihres Stiles, die Gewandtheit ihres Ausdruckes, von einer Weitherzigkeit und von einer vor nichts zurückschreckenden Lust am Detail erfüllten Schreibweise, die dieses Memoirenwerk zum aufschlußreichsten Beitrag weiblicher Psyche machen. Vom Naiven bis zum Abwegigen, es gibt nichts, was von dieser Frau nicht versucht, ausgekostet, beschrieben worden wäre …

Der Herausgeber

I. Die Legende …

Paris, im Mai 190 … Nun bin ich meiner Rolle ganz sicher. Die Nervosität, die mich anfangs immer beschlich, wenn ich auf meine „eigentliche Heimat“, das geheimnisvolle Indien, zu sprechen kam, ist verschwunden. Ich bin geschmeidig in mein zweites Ich geschlüpft, es restlos ausfüllend. Es sitzt nun da vor diesen Leuten, die Mund und Augen aufsperren, füllt seine Haut prall aus und sonnt sich behaglich, ohne jede Spur von Angst, man könnte ihm nicht jedes Wort glauben, auch nur eines in Zweifel ziehen. Ich befürchtete noch vor kurzem, meine Inkarnation würde auf die Pariser, diese geborenen Skeptiker, lediglich als Bluff wirken, als Saisonsensation, wie das Kuplet des Jahres oder wie die große Attraktion im Olympia … Nichts dergleichen. Und mein Tanz? Haben sie ihn auch nur begriffen, können sie auch nur seine choreographischen Umrisse sinnlich wahrnehmen – oder werden sie eines Tages die Geheimnisse der Schritte, dieser absichtlich so eng bemessenen Bewegungen, dieses getanzten Kunstwerkes, das Indien wie eine steinerne Partitur in der ungeheuren Bibliothek seiner Tempelwände für Jahrtausende aufbewahrt, restlos verstehen? Ich müßte eigentlich fragen: wird sich der Dolmetsch finden, der geniale Übersetzer, der ihnen meine so genau berechneten Wendungen übersetzen, kommentieren wird? Ach, was wissen diese Pharisäer mit ihrer mehr oder minder zufriedenstellenden Verdauung von meiner Kunst – von meiner Berufung …

„Mata Hari“! Ist der Name nicht ein Programm? Wie schön und weich sprechen sich doch die Silben aus! Ein wenig eintönig die ersten drei Takte, auf dem matten Olivgrün des gedehnten „A“ ruhend, aber dann kommt das zwitschernde, helle, ganz leise, noch kindlich spitze Jubeln des „I“. M-a-t-a-h-a-r-i … „Augenstern des Morgenrots“! Meine Schwäche für alles Poesievolle hat mich diesen Namen wählen lassen – ach, ich meine, diese liebenswürdige Vorliebe für Zartes hat ihn mich lieben gelehrt … Ich bekam ihn doch, wie ein Geschenk, aus Tausenden auserwählt, von Priestern, die meine Eltern gut berieten. Er vereint zwei Rätsel dieser Welt: das Juwel, den glitzernden Edelstein, den Shiva in die toten Höhlen einsetzte, weil ihn der Mensch dauerte, der die herrliche Bewegung der kriechenden Schlange, die selige Weise der heiligen Elefanten, die mystische Form der Blätter der Lotosblume nicht sehen konnte. Und wie prächtig setzt mein schöner Name diesem Lichte jenes andere, gewaltige gegenüber, das über die Erde und die Welten gebietet, das grausam vernichtet, aber alles wiedergebiert, das die Sterne verdunkelt, aber die Tempel vergoldet! Jedoch, nicht das unerträgliche Gestirn in seiner schrecklichen Größe, sondern nur sein erster Augenaufschlag, trotz seiner Riesenhaftigkeit sanft und lieblich wie die Hirschkuh oder die Milch des Mohns, ‚Morgenröte‘ heiß ich, ein Name, auf den ich so stolz bin. Ihr sanfter Farbenschatz ist wie der leise Hauch, der die Wange der Jungfrau schmückt, himmlisches Rosenblatt, zeigt es die Farbe des Weines dunkler Reben mit Milch vermischt, noch nicht die Rubinglut des Feuers, des rauchenden Opferblutes. Ist es nicht schön, wenn Eltern, aus Frömmigkeit arm, dem Kinde einen Namen mitgeben, besser als Reichtum? Dessen es stolz sein kann in jedem Alter, einen lieblichen Namen, nicht zu kindisch, nicht zu steif? Meine ersten Gedichte – ich sagte sie auf und bewegte mich im Klange der Verse, die mir Musik waren, – enthielten als schönsten Reim immer das indische Wort, das sich mit meinem Namen paart und das im Dialekte der malabarischen Küste „Seligkeit“ bedeutet. Mata Hari – ich werde nicht müde, den Leuten zu erzählen, was dieser Name eigentlich bedeutet, für mich bedeutet; manchmal weise ich auch darauf hin, daß er dem Liebenden große, ganz große Möglichkeiten gäbe, wenn er sich seinerbedienen würde, bedienen wollte … Ich entsinne mich nicht, daß es in Juffuapatam noch ein Mädchen dieses Namens gab, ich hoffe sogar, daß er in keiner einzigen Stadt an den Ufern der heiligen Flüße oder der Küste der Fiebermeere ausgesprochen wird – außer, er wird verwendet, um mir etwas zu sagen, oder, um mich zu rufen, sei es zum Gebet oder zum Tanz. Aber das ist für mich dasselbe.

Ich habe die Frömmigkeit von meinem Vater geerbt, einem Abkömmling der frömmsten Kaste, der Kaste der Brahmanen. Man nannte ihn nicht ohne Grund Assirvadam, was so viel wie „Gottes Segen“ heißt, er war auch ein Segen für seine kleine Familie, für seine Umgebung überhaupt.

Er hatte meine arme Mutter sehr geliebt, die ich durch meine frühzeitige Geburt gemordet habe, als sie selbst im zarten Alter von vierzehn Jahren stand. Ich weiß, man wird bei dieser Erwähnung in Europa lächeln, aber es ist Tatsache, daß sie schon mit dreizehn Jahren heiratete, ja, noch mehr, daß sie damals schon eine berühmte Bajadere war, in den Diensten des Tempels der Kanda Swany; und wer diesen Tempel kennt, kann mich verstehen und an meinen Worten nicht länger zweifeln. Auch der blasierte Europäer wird von seinen gleichsam überirdischen Massen ergriffen, von seiner Ehrwürdigkeit gerührt, wenn er nur einmal die grauen Fliesen des seit Jahrhunderten im beschaulichen Dämmer liegenden Vorhofes betreten hat, die schweigenden Steine, die im Schatten der nachbarlichen Baumgiganten grünlich erschimmern, in die feuchte Schwüle des nahen Urwaldes gebettet wie in ein riesiges Aquarium …

Die unsterbliche Kunst der Khmer hat Bauwerke aufeinandergetürmt, einer einzigen Plastik ähnelnd. Der von tausenden und abertausenden Figuren bedeckte Sandstein zeigt ein buntes Göttervolk, in zeremonieller Geste erstarrt, ein Gewimmel von Leibern, Gliedern und Rümpfen, das wohl verwirrt, aber niemals ermüdet. Unsere Mönche besehen diese Figuren ein Leben lang und ihre kletternden Blicke kommen nur auf der Kolossalstatue Shivas zur Ruhe, auf dessen Fußsohlen sie eifervoll die in Perlmutter eingelegten heiligen Legenden studieren …

Dieser „Wat“ ist mir der heiligste, denn er war die Bühne der Kunst meiner Mutter. In seinem Dämmerlicht schwang ihr zarter, schmaler und brauner Körper, der dem meinen geglichen haben soll, in den geheiligten rhythmischen Zuckungen, die Wishnus Lieblingssprache durch in die Luft geschriebene Schriftzeichen ausdrücken. Sie wurde von Priestern bewundert, die sich nichts anmerken ließen, aber das „Volk“ murmelte um so beifälliger, all diese bei uns verehrten Idioten, Leprakranken, Händler mit dünnem Blattgold, rosa Betel, süßem Opium, Arekanüssen oder faulen Eiern … Sie tanzte zum Ruhme des „Vollkommenen“, zum Vergnügen des Pöbels, der nicht ohne erhebendes Gefühl die ihm nur halbverständlichen Gesten der kompliziert gebogenen Finger, das Gleiten edler Tradition gemäß gesetzter Fußsohlen verfolgte.

Wie liebte ich das stumme, aber für mich so beredte Volk der Statuen! Und besonders die Tiere, die listige Schlange, den stets zornigen Löwen mit dem Schnörkel im Schnurrbart und dem muskulösen Hinterteil, so nervig und zierlich gemeißelt, wie die stählernen, schmalen Lenden des heiligen Stieres.

Wie liebte ich es, mich auf einer der sieben Terrassen, die sieben Paradiese Krishnas verwirklichend, zu verlieren, meinen Träumen nachzuhängen, mich als seine Lieblingstänzerin zu sehen, vor dem siebenstöckigen Goldthrone tanzend, „Ihm“ zum Ruhme … Jede der Terrassen erhebt sich auf steinernen Lotosblumen, die auf steinernem Wasser schwimmen … Statt der Treppen sanfte Hänge aus Stein, in die prachtvoll geballte Wolken gezeichnet sind und über die die „Hocherhabenen“ emporschweben, ohne gemeine, irdische Stufen benützen zu müssen. Oft huschte ich ins Ankleidezimmer, das die köstlichen Toiletten des „Vollkommenen“ beherbergte. Er wird für jede Jahreszeit anders gekleidet, für die Zeit der Dürre liegen Haarnetze und Perlenhalsbänder bereit, Gewänder aus kostbaren Brokaten, so dick wie Elefantenhaut. Herrliche Ringe in Gigantenmaßen, die allein seinem Gigantentum gerecht werden, funkeln wie die Edelsteine seiner Augen. Ach, diese Augen des großen Shiva! Ich betrachtete seine heilige Statue am liebsten von unten, zu seinen Füßen kauernd, ich belauerte die berückend weiche Linie seiner zum Auge zu zurückweichenden Wange und weidete mich an der heiteren Schönheit, die von seiner Schläfe ausstrahlte. Unter dem halbgesenkten Lide leuchtet der glühende Schimmer des Goldblattes über dem weißen Email des Auges, in dessen Mitte der ungeheuer große, funkelnde Edelstein der Iris schwimmt. Wenn die im Abendwinde leise wogenden Feigenbäume das Schattenspiel auf seinen Wangen in ein zartes Schmunzeln verwandelten, dann glaubte ich oft, sein großes Auge ruhe auf mir und sehe mich mit Wohlgefallen. Dann gehorchte ich sofort dem Gebieter über Leben und Tod und entkleidete mich … Soll ich es eingestehen, daß ich schon damals hoffte, schön zu sein? Ich glaubte auch, tanzen zu müssen und in dieser Stunde war es, da ich den Dämon in mir entdeckte, meine Kunst, die mich zwang – kann ich es heute noch begreifen? Unter den Augen der Gottheit! von den geheiligten Rhythmen abzugehen und einige Schritte zu wagen, profane Schritte, die mir nicht die Priester gelehrt hatten … Niemals werde ich vergessen, wie ich dann atemlos im Staube lag, des Blitzstrahles gewärtig, der die Schuldige treffen würde, mit blinder Sicherheit treffen mußte … Aber das alles war viel später.

Wie oft wurde ich gefragt, wie man diese Tänze erlernt! Ich antwortete, daß man ihrer inne wird, wie einer Religion: man versucht sich die Riten einzuprägen, man beobachtet die strengen, zeremoniellen Übungen und das Übrige muß man sich in der Hingabe an den Gott selbst holen …

Ja, auch die Traumzustände, in der wir schon als kleine Novizen durch Einatmen betäubender Dämpfe versetzt wurden, halfen, denn sie schufen in uns die Willenlosigkeit, die unser Lehrmeister brauchte, um den Körper der kindlichen Tänzerin zu meistern. Kaum ein paar Jahre alt, wurde ich mit zehn anderen Mädchen in das große unterirdische Gemach der Shivapagode gebracht, um den ersten Unterricht zu empfangen. Wohlgemerkt, es war kein Tanzunterricht im Sinne des Europäers, der es meist nicht erfaßt hat, daß der indische Tanz nichts anderes bedeutet, als eine Kette aneinandergereihter zeremonieller Gebärden, die im streng eingehaltenen Kanon wechseln. Wir wurden allmählich mit der tiefen blumenhaften Bedeutung der Zeichen bekannt, die die durch verschiedene Stellung der bizarr abgebogenen Finger entstehenden Gebärden versinnbildlichen sollten; wir mußten uns unaufhörlich die Sprache dieser seit Jahrtausenden geheiligten Gesten einprägen, um nur ja keinen Schnitzer zu machen, wenn wir vor der Statue des „Vollkommenen“ oder auch vor dem Thron des Regenten tanzen würden. Ein derartiger Fehler war ärger in den Augen der Gottheit, als der lächerlichste Akzent eines Tibetaners, eine einzige unrichtige Gebärde kreischte laut in den Ohren der eingeweihten Priester, gefährlicher dem Glauben, als wenn ein Taubstummer durch ein falsches Zeichen seiner Sprache ein folgendschweres Mißverständnis herbeiführt …

Es war immer einer der älteren Priester, der uns von rückwärts bei den Ellbogen hielt und mit vorgestrecktem Hals die wohlriechenden, aber berauschenden Dämpfe einatmen ließ, die uns vor dem Beginn der Übungen in den geeigneten Zustand versetzen sollten. Nun mußten wir die Bewegungen der bereits geweihten Tänzerinnen zu kopieren suchen, die sie uns maschinell und scheinbar ohne je zu ermüden, unaufhörlich vorzeigten. Mit schwerem Kopf, ach ja, aber mit heiligem Eifer ruderten wir Kleinen mit unseren mageren Ärmchen durch die Luft, mit täglich wachsendem Ehrgeiz. Der Nachmittag war Gesangsübungen gewidmet und man hielt uns an, dabei endlose Girlanden aus süßlich duftenden Jasminblüten zu winden, die zur Ausschmückung des Tempels verwendet wurden. Ich gedenke gerne dieser reinen Jahre, sie verrannen wie graue Perlen, ihre sanften Stunden hüpften leichtbeschwingt über die nur gedachten Grenzen, die die Monate aufrichteten. Aber dann kam das Jahr der Reife. Und ich, gerade ich wurde als „auserwähltes“ Geschöpf angesehen, das dem großen Shiva geweiht werden sollte. Oh, unbegreifliche Ehre – sicherlich verdankte ich sie dem unerschütterlich frommen Lebenswandel meines Vaters und den zarten Bitten, mit denen meine Mutter im Paradies der Lotosblumen zu meinen Gunsten alle einflußreichen Geister bestürmte!

Jetzt begann eine andere Art des Unterrichts. Ich mußte die Gesänge unserer heiligen Literatur studieren, die unzählgen Verse des Prem Sagar, deren Glut meine Sinne verwirrte, mich jedoch über vieles menschlich aufklärte. Ich gewann Einsicht in die Beziehungen der Geschlechter zueinander, und war erstaunt, wie anders diese Welt sich mir darstellte, wie unendlich die Zahl der Lüste sein konnte, die die Menschen beherrschen, diese aber noch lange nicht so zahlreich waren wie die Mittel und Wege, die sie sich erdachten, um ihrer Herr zu werden oder sie zu befriedigen … Ich drang in die roten Geheimnisse, die das Mysrerium des Körpers ausmachen, ich lernte die wahre Bedeutung jener seltsamen Zonen an ihm kennen, die mir vertraut, aber doch seit je so unheimlich waren, daß ich nur ganz heimlich eine scheue Berührung wagte, als wäre es nicht mein Körper, den ich betastete, sondern der eines Schläfers, und dessen Erwachen für mich furchtbar sein könnte. Ich las mit meinen Lehrern die Szenen Kalidasas und mußte aufhorchen, als man mir die Zartheit der Empfindung erklärte, die diese wie aus Mondstrahlen gewebten Dichtungen erfüllt. Ich lernte, ohne zu wissen wie es der Europäer benennt, alle psychologischen Feinheiten dieser Welt kennen, neben denen die Erzeugnisse der raffiniertesten Pariser Bühnenkunst wie plumpe Bauernstücke wirken. Ich lernte dort die Leidenschaften nach Duft und Farbe einteilen, sie in ein klares System stellen wie Pflanzen: Blau, so verkündete man mir, sei die Farbe der Liebe, Weiß die der Wonne, die Zärtlichkeit war rosenfarben, natürlich, der Mut des Helden aber Rot wie Blut … Ich lernte die Personen nach ihrer Kaste zu unterscheiden, jede sprach in diesen Schauspielen ihre eigene Sprache, wenn die eine Schicht die andere nicht verstand, mußte ein Dolmetsch vermitteln und die herrlichen Reden übersetzen. Oh, wie köstlich lang waren diese Akte! Und aus wie vielen solchen Teilen setzten sich meine Lieblingsstücke zusammen! Eines hatte zwanzig Akte und nichts an ihm gemahnte an die plebejische Hast, mit der eines dieser leeren Schauspiele europäischer Bühnen heruntergehaspelt wird. Später dann lernte ich das Wunderbarste des indischen Theaters kennen: die Darstellung. Sie erreichte einen Gipfel der Wahrheit, sie spielte nicht mehr, sie lebte auf der Bühne, die ihr zur Welt wurde. Die Liebenden liebten sich wirklich, sie liebten sich auf der offenen Szene, als wären sie allein in ihrem Schlafraum und die Zuschauer konnten die Glut und die Kraft des Liebhabers, die Künste der Geliebten ganz genau beurteilen. Und es wurde auch gehaßt, wie in der Wirklichkeit, bei Kämpfen floß wirkliches Blut. Ich verliebte mich für mein ganzes Leben in die Köstlichkeiten des Singhazan Battici, des Bakta Mal. Wir lernten, ohne zu bemerken, wie schwer die Materie eigentlich war, in die wir so unversehens eingeführt wurden.

Und schließlich kam noch das Studium jener Riten an die Reihe, die das Liebesleben zu regeln hatten, das sonst bei der tierischen Veranlagung der Menschen sich ins Uferlose verlieren würde, in die giftigen Niederungen sumpfiger Ausschweifung … Seltsam, ich war bisher eifrig und aufmerksam gewesen, aber nun erfaßte mich eine tolle Lust, alle Geheimnisse kennenzulernen, auch die verborgensten, ich berauschte mich an nackten Worten wie an nackten Gliedern. Ich las und wiederholte unaufhörlich, ohne zu ermüden, ohne mich je zu langweilen, die Regeln, die sich versteckt in der Gita Govinda finden, ich durchdachte sie und übte mich, sie auszuführen, ohne Objekt natürlich, so wie der Lernbegierige, der im Tanzen Unterricht nimmt, alle Schritte und Wendungen sitzend markiert, ohne die Nase vom Buche zu erheben, er tanzt „blind“. Ich beschäftigte mich unaufhörlich mit diesen Lehren, die mir schon als ganz kleines Mädchen die ungeheure Welt der Sinne vor die Augen führte, theoretisch, ohne mich vorerst in Verwirrung zu versetzen, alles Geschlechtliche war vorläufig Lehrstoff für mich, den ich zu überblicken hatte, zu benennen und einzuteilen in einfache und schwierige Stellungen, oberflächliche und irrende und vernichtende Liebkosungen, in Präliminarien und erschöpfende Akte, kurz ich lernte das Vokabular ohne sprechen zu können. Die Sinne hatten sich mir noch nicht angekündigt – ist es zu verwundern, daß ich von dem Tage an, da sie sich zu eigenem Leben in meinem Körper meldeten, mit einem Schlage die graue Hülle der Theorie abstreifte und nun plötzlich die Leidenschaft wie eine volle Stimme in mir emporquoll, wie bei einer Frau, die alle Noten, Skalen und Passagen stumm gelernt, aber nun auf einmal das Material in sich entdeckt, sie auszudrücken? Da wußte ich, warum wir schon als ganz kleine Bajaderen die strengen und sogar ein wenig komisch anmutenden Regeln der „Kama Sutram“ beherrschen mußten, alle diese Absätze, die dem, der sie nicht praktisch befolgt, fast eintönig vorkommen. Sie alle dienten der Beherrsehung der Wollust, jener Leidenschaft, der schwer Zügel anzulegen sind und die so leicht in Begierde ausartet. Ihren Reiter abwirft und ihm den Hals bricht, statt ihn im Schritt oder Trab oder Galopp durch das Wunderreich der Liebe sprengen zu lassen, ihn vor vorzeitiger Ermüdung schützend, vor frühem Ekel weise bewahrend, vor Verletzungen und tiefen Wunden … Kommt deshalb die Sinnlichkeit weniger auf ihre Rechnung, wenn weise Regeln sie zügeln? Ist der Gourmet nicht besser daran als der Fresser, der alles wahllos in sich hineinstopft und doch nicht satt wird? Außer im Magen; und wie der Prasser des alten Rom sich einer Pfauenfeder bedienen muß, um wieder von vorne beginnen zu können – ohne sich das zweitemal klüger anzuschicken. Die weisen Regeln der indischen Liebeskunst benützen die Erfahrung der Jahrhunderte und führen uns zum Ziel, ohne unsere Kräfte zu vergeuden, aber auf dem blumigsten Pfaden, mit den schönsten Ausblicken, den genußreichsten Haltestellen. Am Gipfel angelangt, brechen wir nicht atemlos zusammen, sondern weiden uns an dem Panorama, nicht ohne der Freuden des Abstieges zu gedenken; meist aber besteigen wir einen benachbarten Gipfel und finden diesen Weg vielleicht noch schöner mit unseren für solche Herrlichkeiten bereits geschärften Sinnen …

Wie nahm ich es mir zu Herzen, wenn mir verkündet wurde, daß die pflichtgetreue Bajadere „gerne geschlechtliche Vereinigungen eingehen soll und sich ohne Rast und Ruhe bemühen muß, den Schatz ihrer Erfahrung und ihrer Talente zu vermehren, was ihr gelingen wird, wenn sie sich immer hochherzig zeigt und eine unermüdliche Freundin der geschlechtlichen Unterhaltungen und der Künste auf diesem Gebiete bleibt“. Wie lehrreich, was Vats iayana über das Benehmen im Bett verkündet: „Um den Geliebten für sich zu gewinnen, muß die Bajadere die lebhafteste Bewunderung für seine Kenntnis auf dem Gebiete der Liebkosungen bezeugen und für seine unwiderstehliche Art, sie zur Hingabe zu bewegen.“ Oder: „Wenn sie mit ihm schläft, muß sie stets zu allem bereit sein; sie soll alle Teile seines Körpers streicheln, sie ohne Rückhalt küssen, bis sie merkt, daß sein Feuer grell auflodert. Dann soll sie ihren Mund noch stärker auf jene deutliche Stelle pressen, denn gerade dies verlangt sein Körper gebieterisch.“ „Wenn er eingeschlafen ist, soll sie ihn mit sichtlicher Sorge betrachten und leise küssen, es wird seine Träume vergolden …“ Es gab auch sehr praktische Ratschläge zu befolgen, die den Erfolg fast sicher machten: „Damit sein ganzes Wesen dir gehört, laß ihn einen Trunk genießen, den du bereitest aus Chabpfeffer, Duchalawurzeln, Sansevierakörnern und Roxburguinakörner, aus Kshiriasaft und Schadavanstrazweigen“. Brauchte man mir noch nahezulegen, „um zu gefallen, beachte vor allem die Ratschläge des Atharva Veda.

Ich habe mich vielleicht nicht ganz richtig ausgedrückt, wenn ich sagte, der Unterricht sei ein lediglich theoretischer gewesen. Nach einiger Zeit wurden wir kleinen Mädchen auch schon auf ein wenig andere Art unterwiesen, auf eine Art, die uns in vollkommen natürlicher Weise die wichtigsten Handgriffe unseres zukünftigen Berufes beibrachte. Wir mußten von da an einzeln mit je einer bereits geweihten Tänzerin schlafen, die sich ihres Schützlings auf fast mütterliche Art annahm und ihm, wenn die Nacht besonders schwül war und er nicht einschlafen konnte, mit leiser Stimme Verse vorsagte, aber auch seine kleinen Hände nahm und sie zwischen ihre Schenkel preßte. Meine Gefährtin hieß Rahna Pura und war ein hübsches Mädchen mit einem für ihr Alter erstaunlichen Busen. Es bildete ein großes Vergnügen, diese sowohl weichen als harten Kugeln zu drücken und zu quetschen und ich bemerkte bald, daß Rahna es auch ganz gern hatte, wenn ich es tat. Sie dehnte sich dann wollüstig, steckte ihre eigene Hand zwischen die schlanken Schenkel, während sie mit dem Becken eigentümlich kreisende Bewegungen vollführte. Als ich mich einmal unbeobachtet fühlte und Rahna im tiefen Schlummer lag, versuchte ich es so wie sie zu tun und tatsächlich, es war ein angenehmes Gefühl, etwas zwischen den Beinen zu fühlen. Da ich aber bisher immer nur gelernt hatte, was dem Manne gut tue, wußte ich nicht, wie ich mich weiter zu benehmen hätte und so verlief dieser erste Versuch, ohne etwas anderes als einen sehr angenehmen Kitzel, der mich wohlig überrann, bei mir auszulösen.

Rahna Pura selbst war es, die mir in einer der nächsten Nächte den Weg zeigte, mich „den Pfad des Entzückens“ wies, mich vor „die Pforte der Glückseligkeit“ führte, wie es in unseren Büchern heißt und wie es von meiner älteren, aber um so vieles erfahreneren Gefährtin genannt wurde.

Sie lag neben mir und sagte mir einige Verse vor, die sie, wie sie mir versicherte, eigens für schöne Stunden aufgehoben hatte. Es mochten besonders glühende Worte gewesen sein, die diese göttlichen Verse mit ihrer Leidenschaft durchloderten: Sie brachten beim Hören unabweislich die beabsichtigte Wirkung hervor, sie erweckten die Sinnlichkeit und schmolzen das abwehrbereite Fleisch der Jungfrau.

„Schließe dich eng an mich“, befahl mir Rahna, deren Stimme in dieser Nacht einen eigenartigen, gezwungenen Ton angenommen hatte. „Und mache mir alles nach, tue, wie ich tue!“

Ich spürte gleichzeitig, wie ihre Rechte leise zwischen meine Schenkel glitt und erst vor der geheimen Spalte halt machte, die mich in letzter Zeit so eigentümlich juckte und die, so oft ich verstohlen hingriff, sich stets sonderbar feucht anfühlte.

Ihr Ellbogen brachte mir in Erinnerung, daß ich all ihre Bewegungen nachzumachen hätte und so folgte ich denn und schob nun meine Hand zwischen ihre Schenkel, die so zart wie Samt, aber so hart wie das polierte Holz des Teakbaumes waren. Hatten sich ihre langen schlanken Schenkel in dem Augenblick, da ich gegen den Punkt, der sie vereinigte, verstoßen wollte, wie unwillkürlich geöffnet, so schlossen sie sich jetzt, als meine Hand gegen die ein wenig größere Spalte meiner Gefährtin stieß – ich hatte dies beim Baden feststellen können und auch die Linie der Haare, die die zarte Zone zwischen ihren Beinen ausfüllte, verriet es mir – um diese, als wollten sie sie nie mehr frei geben. Auch ich glaubte die Hand, die sich bei mir befand, mit meinen kleinen Schenkeln preßen zu müßen und tat es eifrig, als ich bemerkte, wie sich Rahna im Gegenteil bemühte, mich zu veranlassen, diese ein wenig zu lockern.

„Ich werde dich jetzt streicheln, wie es im elften Abschnitt der „Kama Sutram“ gelehrt wird: Wenn der Gebieter die Lieblingsfrau mit ihrer Lieblingssklavin allein läßt, heißt das Kapitel!“ murmelte Rahna mir ins Ohr und als ich gehorchte, begann sie auch gleich mit zartem Finger meine kleine Ritze zu betasten, die bis dahin keine fremde Berührung erfahren hatte. Ich konnte, in verhaltener Erregung, deutlich verfolgen, wie sie mit unendlicher Vorsicht das Terrain erforschte und mit größter Aufmerksamkeit meinen Atemzügen lauschte – und als sie an einem etwas heftigeren Luftholen Genuß zu erkennen glaubte, blieb sie an der Stelle und setzte nun mit einer außerordentlich behutsamen Massage an, die mir wie die schönste Liebkosung vorkam. Zum Glück erinnerte ich mich an das Gebot meiner Gefährtin und versuchte, auch ihrer Spalte mit der gleichen Wohltat aufzuwarten. Ich bemühte mich redlich und aus den kleinen Seufzern, die den halbgeöffneten Lippen Rahnas entflohen, entnahm ich trotz meiner Unerfahrenheit, das meine Bemühungen ihr große Lust bereiten mochte. Mein Wunsch war, daß diese Schmeicheleien, die wir uns auf so wahrhaft schwesterliche Art gegenseitig erwiesen, die ganze Nacht andauern möchten, ich fühlte mich in ein glückliches Dahindämmern eingehüllt, wie ich es empfand, wenn ich im heißen Meeressand lag und das eintönige Rauschen der Wogen sich unablässig erneuerte und kein menschliches Gehirn sich vorstellen vermochte, dieses gebändigte Donnern könnte jemals enden, wie etwa das Getöse der großen Tempeltrommel, die jäh abbricht und eine Stille zurückläßt, leer auseinanderklaffend, ein gewaltiger Riß im All …

Aber mein Träumen wurde unterbrochen. Rahnas Atem ging nun immer heftiger und ihr Körper wand sich auf dem Lager in Windungen, die mich bedrängten und an die Wand preßten.

„Nimm meine Brüste in die Hände, schnell, und sauge mir auch die Spitzen, aber beeile dich, es kommt mir – ich kann es nicht mehr länger zurückhalten!“ zischte sie mir ins Ohr, gleichzeitig meine Hände fortdrängend, ihre eigene Rechte dorthin führend, wo ich bis zu dieser Minute im Schutze der lauen, weichen Polster, die die sonst so harten Schenkel an ihrer Innenseite bildeten – dort, wo sie sich gleich unterhalb des geheimnisvollen Tales fast berühren, beim Gehen leise aneinanderwetzen – ihre allmählich immer feuchter werdende Spalte gestreichelt hatte. „Ach, ,pack doch fester zu, drücke meine Zitzen – so – soo –, ja, noch fester – fester – ah …, soo, ja … soooo!“

Rahna warf sich neben mir auf dem schmalen Lager wie im Fieber und ich sah ihre feine braune Hand, die ein großer, hellgrüner Jaspis schmückte, zwischen ihren Beinen hin- und herwetzen, daß der helle Stein vor meinen Augen wie eine Zickzacklinie tanzte. Sie rieb mit einer Geschwindigkeit, die es mir unmöglich machte, die genaue Stelle zu erkennen, die sie einer derartig heftigen Bearbeitung unterzog. Mit ihrer freien Hand oder vielmehr mit dem Zeigefinger und dem Mittelfinger derselben, spreizte sie die beiden feinen Lippen auseinander, die eine, von feinem Seim erglitzerte, zartrosa Muschel umrahmten, ihrerseits wieder zwischen einem zierlich gekräuselten Kranz glänzernder schwarzer Haare gebettet. Die Seufzer Rahnas wurden jetzt rauher. Sie gurgelte immer wieder dieselben Worte hervor, mich anspornend, ihre Brüste nur ja recht fest zu quetschen. „Reiß mir die Zitzen aus, du! Ich werde gleich spritzen …, ich spür’ es ja schon, wie der Saft kommt – reiß! – stark, stärker – du, ach ist das gut, mein Loch brennt mich wie Feuer, aber ich muß spritzen, ich möchte fortwährend onanieren – du, wenn du wüßtest wie gut das ist! Noch, noch, quetsch sie doch, die geilen Zitzen, nimm sie in den Mund, beiß hinein, ich will, daß sie mir weh tun – so, soo – ich – ich aaah! Jetzt! – jetzt – jetzt … aaah – aaah …!“ Hier fiel der Körper Rahnas in sich zusammen. Ihre Hand war aus der Spalte geglitten und diese klaffte jetzt weit offen zwischen den geborstenen Schenkeln, in schimmernder Feuchtigkeit, die in einem dünnen Faden in die feine Ritze eindrang, die sich nach hinten zu, zwischen die zwei nervigen Hinterbacken, verlor. Ich hielt die Brüste Rahnas noch in der Hand – und war erstaunt, wie sie sich jetzt plötzlich aus zwei harten prallen Kugeln, die von dicken Knöpfen gekrönt waren, in ganz weiche, fast schlaffe Polster verwandelt hatten. Eine müde Bewegung Rahnas schob nun auch meine Hände weg und in dieser Nacht schlug sie die Augen nicht mehr auf. Dunkle Ringe umsäumten sie noch den ganzen nächsten Tag, den ich in tiefen Sinnen verbrachte, unausgesetzt darüber nachgrübelnd, welche Gefühle Rahna erfüllt haben mochten, als ihr Körper wie von einem inneren Sturm geschüttelt wurde und aus welchem Grunde der Dämon – etwas anderes konnte sie doch nicht derart und mit solcher Macht in Besitz nehmen! Ihn so plötzlich verlassen hatte …

II. Ich nähere mich der Reife

Ähnliche Nächte brachten mir nicht mehr Aufklärung. Das einzige, was ich in Erfahrung bringen konnte, war die Tatsache, daß diese geheimen Körperstellen ihr zu dienen hatten und das ich alles, auch die dunklen Worte der heiligen Verse und der endlosen Regeln, besser verstehen würde, wenn ich ins Alter der Reife käme. Es blieben also auch diese mehr praktischen Unterweisungen, diese handgreiflichen Belehrungen eigentlich ebenfalls nur Theorie. Ich lernte wohl von Rahna wo der „Kitzler“ und wo das „Hymen“ sich befände, daß der Erstere für das Vergnügen der Frau da sei, das Letztere aber das ersehnte Ziel des männlichen „Speeres“ bilde, dessen getreues Abbild mir meine Lehrerin ebenfalls zeigte und mich darüber aufklärte, daß dieses mächtige Ding – wie riß ich die erstaunten Augen auf – sich bis zum Heft in die scheinbar so enge Scheide einführen ließe.

„Es tut nur das erste Mal ein bißchen weh“, sagte sie heuchlerisch, und die Novize bemerkt es fast gar nicht, denn die Zeremonie ist so packend für den Neuling, daß er den Schmerz mißachtet und dann die nächsten Male – oh, da wirst du dir noch viele Mühe geben, die Lanze der Wollust in deine Öffnung zu locken und sie am liebsten gar nicht mehr herauslassen! Die Demonstration, die nun folgte, war höchst interessant. Rahna nahm das seltsame Gebilde aus steif ausgestopftem, feinem, weichem Antilopenleder und leerte in die dünne Öffnung, die es vorne aufwies, einen kleinen Topf heißer Milch. Sie hatte diese während unseres Gesprächs vorsorglich in der einen Ecke des Kämmerchens gewärmt. Die Flüssigkeit füllte nun zwei kleine Beutel, die an dem einen Ende der merkwürdigen Stange befestigt waren, ganz prall aus.

„Das sind die Eier, Mata, die Milch versinnbildlicht den heiligen Saft des Lebens, den dir der Mann zur Belohnung für deine Hingabe hineinspritzt. Er ist auch des Wertes dieses Seims vollständig bewußt und geht sehr geizig mit ihm um. Es würde mich wundern, wenn du es zuwege bringst, daß dir ein Mann in einer Stunde öfter als einmal eine solche Salbung zuteil werden läßt!“ Jetzt begriff ich nicht, warum Rahna immer davon gesprochen habe, sie spritze.

„Ach, du Dummchen, das Weib spritzt natürlich auch, schon bei der ersten Liebkosung wird sie feucht, aber nicht eine Gabe für den Mann bedeutet dies, sondern eine Art Schutzmaßnahme, damit der oft gewaltig dicke und große Speer eine wohlgeölte Bahn vorfinde und nicht die zarte enge Scheide der Frau zerreiße!“

Mit diesen Worten hatte sie das seltsame Instrument an die Öffnung ihrer Spalte gesetzt. Sie lehnte mit dem Oberkörper an der Wand und hatte die Beine weit auseinandergespreizt auf das Lager gestemmt. Ihr Arm war im zierlichen Bogen gerundet und die Hand umschloß die beiden Beutel. Ein Druck und schon drang das Köpfchen des Schaftes zwischen die hellroten Lippen, die feucht und schwellend zwischen den vollen Schenkeln Rahnas aufblühten.

„Jetzt nimm meine beiden Brüste und spiele mit ihnen, aber melke sie ordentlich, denn ich möchte heute stark genießen! Siehst du, wie er leicht hineingeht, der stramme Liebesgott?“ Wahrhaftig, er schien wie zu Hause sich zu fühlen, der dicke Zapfen, der nun leise in dem klaffenden Loch Rahnas auf- und abfuhr. Sie hielt die Augen auf ihn gerichtet und ihre Blicke verrieten schon jetzt höchste Begierde. Sie leckte ihre Lippen, zwischen denen die weißen Zähne hervorleuchteten wie der Schnee der ewigen Berge, des Daches der Welt. Ich hatte mich auf ihr Geheiß der beiden spitzen Brüste bemächtigt, deren etwas längliche Form an reife Zitronen erinnerte und deren Krönung je eine kleine blaßrote Warze bildete, die sich aber jetzt zu einem harten Knopf, fast drohend in die Luft reckten. Die Haut dieser Spitzkugeln war unendlich weich und geschmeidig, was mich am meisten an ihnen fesselte, war ihre unglaubliche Elastitzität. Sie federten nicht nur bei jedem Schritt, den Rahna tat, sondern sie schnellten förmlich zurück, wenn man sie niederdrückte oder nach irgend einer Seite hin zu pressen versuchte. Kalt wie Marmor und hart boten sie ein Spielzeug, dessen man niemals müde wurde und ich lernte verstehen, was im siebzehnten Abschnitt der heiligen Blätter erwähnt wird: „Spiele oft und eifrig mit den Brüsten deiner Geliebten, denn es ist das köstlichste Vergnügen, das du dir und ihr bereiten kannst, wenn deine Lanze ermattet ist“, und warum die Weisen, die diese erhabene Schrift verfaßten, diese Formel immer wieder wiederholten.

Da ich noch sehr jung war und noch nicht die Wollust empfinden konnte, die Rahna bis in die letzte Faser ihres leidenschaftlichen Körpers erfüllte, machte sich bei mir der Spieltrieb meines Alters geltend und ich beschäftigte mich mit den Brüsten der nur jetzt mehr stoßweise Atmenden mit einem Eifer, der dem aufrichtigsten Liebhaber Ehre gemacht hätte. Ich arbeitete mit meinen kleinen Händen an ihnen herum, daß sie in der Luft hin- und herschnellten, ich leckte die harten Knäufe, die vor Erregung zitterten und nahm sie zwischen meine kleinen spitzen Zähne, die sie wie eine Zange festhielten.

Der sinnreiche Apparat in den Händen Rahnas mußte eine wohlgelungene Nachahmung des viel besungenen männlichen Gliedes darstellen, denn er schien ihr unsagbare Wollust bereiten. Trotzdem forderte sie ihren unsichtbaren oder vielmehr nur teilweise materialisierten Liebhaber mit glühenden Worten auf, ihre Ritze nicht zu schonen, sie „ordentlich“ vorzunehmen und ihr die Götterspeise, die sein Stachel zu vergeben hätte, nicht vorzuenthalten.

„Stoße, du Süßer, nagle mich doch aufs Lager, mein Held, ich bin deine Sklavin, der es höchste Lust ist, wenn du sie aufspießt! Fest, nur fest, schone mich nicht, mein Loch mußte sich lange genug ausruhen, jetzt kann es einen tüchtigen Ritt vertragen, tummle dein Rößchen also munter zwischen meinen Beinen, soll ich sie noch mehr spreizen, mein hoher Geliebter, soll ich sie um deinen Hals schlingen wie einen Blumenkranz? Oh, ich will, daß du geruhsam in mich hineinstößt, durchbohre mich mit deinem Dolchus Rubin, nein das ist kein Dolch mehr – das ist ein Schwert! Recht so, mein Gebieter, unbarmherzig, die Ritze muß tüchtig geackert werden, siehe, wie ich dir entgegenstoße, sieh, wie sich dein Rößlein unter dir bäumt – aber bleibe wacker im Sattel, gib ihm die Sporen – aah, wie du mich vögelst, du bist mein Meister, ich zerfließe unter dir, aber zuvor will ich deinen schrecklich harten Ast zum Schmelzen bringen!“ Rahnas Hand flog nur so hin und her, ihr Körper erschauerte unter eingebildeten Stößen, ihr Atem rasselte, aus ihrem keuchenden Mund rann ein feiner Strich hellroten Betelsaftes. Ihre Schenkel erzitterten unter dem Kampf, den die Anstrengung, sie so lange in der Luft gespreizt zu halten, verursachte und ihr Schoß mahlte auf dem weichen Kissen, in kreisförmiger Bewegung, als wollte er das dicke Glied in ihrer Hand verschlingen – ja, vielleicht hätte sie es sich ganz hineingestoßen, wenn die großen dicken „Eier“ dies nicht verhindert hätten, dem Schwertblatt gleich, das nicht nur die Hand des Kämpfers protegiert, sondern auch weiterem, unnützen Eindringen der Klinge Halt gebietet.

Mein Mund flog von Hügel zu Hügel, meine Lippen hatten schon unzähligemale die steilen Höhen erklommen, die in so sanfter Neigung begannen, um dann wie Wände eines Kegels emporzuschießen.

Meine Zähne knabberten an den Warzen wie an süßem Konfekt, oft, wenn ich die eine gerade festhielt, riß Rahna ungeduldig ihre Schulter zurück und es fehlte nicht viel, so wäre ein Stückchen rosa Fleisch zwischen meinen Zähnen geblieben …

Sie hatte jetzt die linke Hand zu Hilfe genommen; die zwei mittleren Finger derselben bearbeiteten das kleine Zäpfchen, den „Kitzler“, sie rieben es in rasendem Tempo und es schien, daß dies den Ausschlag gab. Rahnas Augen wurden noch glänzender, ihr Atem war nur mehr ein Röcheln, aber trotzdem stammelte sie die Worte, Worte, die höchste Erregung verrieten: „Oooh – oooh – wie gut, oh, ist der Schwanz dick, wie das wetzt, ich – bin schon – ganz – wund … ich muß spritzen, ich kann nicht mehr – ich kann nicht mehr! Aaah, – aaah – ja, so, soo … Ahhh! Jetzt! Jetzt … kommt … es … jetzt, – jetzt … aaah! Aaaah … aaahhh …

Mit einem Aufschrei und verglasten Augen sank sie zurück. Ich hatte fast nicht bemerkt, wie sie im letzten Augenblick die beiden Beutel zusammendrückte und sich mit höchster Anstrengung das künstliche Glied noch einmal ganz tief hineinstieß. Nun lag sie da, mit erloschenem Blick, die Glieder gelöst, fast leblos; das seltsame, wie mit Schaum bedeckte Ding war ihrer Hand entglitten und aus der förmlich blutig geriebenen, jetzt weit klaffenden Spalte sickerte ein weißer Schleim – die fast noch rauchende Milch hatte sich mit dem Saft ihrer jungen Lenden vermischt.

Dann kam die große Nacht der Pagode der Kanda Swany. Die erhabene Nacht, in der Sakty – pudja herrscht …

Es ist die Nacht der letzten Wonnen, die Nacht der Verwirklichung, die Nacht, in der sich die Grausamkeit des Shiva – Paradieses am reinsten offenbart. An ihr nahmen alle geweihten und neu zu weihenden Tänzerinnen teil, in dieser Nacht wurden sie zu heiligen Kurtisanen, zu den Kurtisanen Shivas. Der Göttliche selbst bemächtigte sich ihrer, durch die Körper frommer Fakire hindurch, die dank der langen Wochen der Enthaltsamkeit von seiner Kraft ganz erfüllt waren und deutlich seine überirdische Glut bezeugten. Die Einleitung des Festes bildete die Darbringung der reichen Opfer und wenn der Tempel von dem schwülen Geruch, den die in dichten Schwaden aufsteigenden Räucheressenzen verbreiteten, erfüllt war, wenn sich ein schwerer Opiumrausch auf die Köpfe der in heiliger Ekstase stammelnden Männer gelegt hatte, dann versuchten die Magier am Himmel das Zeichen der drei Göttinnen zu entdecken. Bei seinem Anblick mußte leise, betörende Musik ertönen, die die heiligen Schlangen sanft aus ihrem Schlummer erweckte und sie unter den fleischigen Pflanzen, die den Tempel umgaben, hervorlockte. Sie hatten die Rhythmen des geweihten Tanzes erkannt und strebten der Statue Shivas zu, denn ihm gebührte ihre Huldigung; er war es, der sie heilig gesprochen hatte, die schönen Schlangen, die das Vorbild abgaben für die geschmeidigen Bewegungen der Lieblingstänze Shivas und die seit immer in der gleichen, streng und eifersüchtig bewahrten Weise von den Körpern der Schwestern jener Schlangen, den Bajaderen, ausgeführt wurden.

Nun tanzten sie zusammen; es war ein seltsamer Anblick, die schwarz züngelnden Flammen der Schlangen, gewundenen Lanzen gleich, zwischen den schlanken, nicht minder geschmeidigen Körpern aus nackter Bronze sich neigen, wieder aufrichten, gefährlich hin- und herschwanken zu sehen. Alles verschmolz rhythmisch, zusammengeschweißt von der unablässig dieselben Noten wiederholenden Musik, die nicht nur die Reptile betörte. Den letzten Rest des Bewußtseins verzehrten die betäubenden Dämpfe, die sich in kleine Wolken auf die Fliesen des Tempels zu lagern begannen, den vom Taumel Ergriffenen weiche Betten und Polster vortäuschend. Die Bajaderen schienen zu Schlangen geworden, ihre zarten Körper wanden sich in unbegreiflicher Biegsamkeit, die Schlangen erwiesen sich als vollkommene Tänzerinnen, unsäglich graziös, verderblich bezwingend, ihre bunten Schuppen ergleißten wie der die nackten Brüste schlagende Schmuck der Tanzpriesterinnen. Weib und Schlange war eins geworden, niemand konnte sie mehr unterscheiden …

Nun begannen gurgelnde Schreie die lastende Atmosphäre zu durchstoßen. Der Kreis der Fakire schloß sich immer enger um die Tanzenden. Hände flatterten auf, griffen ins Leere, krümmten sich, neue Flammen in der wogenden Masse, durch die die Musik wie ein dünner Wind strich, dem aber alles sich neigend gehorchte, wie die Halme auf dem Felde. Niemand wußte, wieviele Stunden vergangen sein mochten. Vielen quollen die Augen aus den Höhlen, manchmal stand Schaum um die Lippen. Die quälende Musik wiederholte mit der Unermüdlichkeit eines mechanischen Werkes immer die gleichen Noten. Die hypnotische Wirkung dieser Töne war nur mit der betäubenden Macht des Opiums, der geheimnisvollen Dämpfe zu vergleichen. Letztere hatten aber auch stimulierende Wirkung, sie peitschten die Sinne vollends auf, daß selbst die stundenlang währende Ermüdung des Tanzes sie nicht ermatten konnte. Alles ist unerklärlich, geheimnisvoll in dieser Nacht, unmöglich, sich über irgend etwas klare Rechenschaft abzulegen, auch nur den Takt, dem diese Musik gehorcht, herauszufinden.

Nun haben die Geschlechter keinen Raum mehr zwischen sich, sie müssen sich vermischen. Man hörte nicht mehr allein das Klingeln der Schmuckstücke, der unzähligen Ketten, Arm- und Fußreifen, sondern auch das Geräusch, das die über die nackten Glieder streichenden Hände der Männer, das Rascheln, das sie beim Abstreifen ihrer Gewänder erzeugen. Das Gewirr von Armen, Beinen, Schenkeln, das nun entsteht, ist unbeschreiblich. Jede Bajadere, jede einzelne der etwa dreißig jungen Frauen, reif oder noch kindhaft, aber alle vollbusig und schön gehüftet, wird von gierigen Männerhänden abgetastet, die sich die einzelnen Körper reichen, sie oberflächlich prüfend, nur die Urinstinkte sprechen lassend. Mit einer gewissen Hast, denn jeden Augenblick ja die Stimme des Obersten der Pundjarys ertönen: dann müssen sich alle Teilnehmer auf die Erde werfen, die drei Priesterinnen, die göttliche, geheiligte Hurerei der Kurtisanen Shivas in Fleisch und Blut versinnbildlichend, ausgenommen – diese bleiben aufrecht stehen, umbrandet von Hexensabath der sich Paarenden, der Fakire, die in ihrer Raserei die kindlichen, bis dahin noch unberührten Tänzerinnen im Namen der Gottheit vergewaltigen, oder von den reifen Bajaderen mit dem bereitem Schoß empfangen werden. Es sind wahre Wogen weiblichen Fleisches, die die Füße der wie erstarrt ragenden Priesterinnen umspülen, wollüstig geschwellte Atlaspölster; strotzende Brüste, prachtvolle, üppige, wie mit Seide überzogene Hinterbacken, kindliche Glieder traumhaft weichen Fleisches, zart, gleich jungen Hühnchen und deren feine rosig und silbrig wie Perlmutt zwischen den langen langschäftigen Schenkeln aufschimmern … Die trunkenen Fakire verbeißen sich in das dampfende, schweißgebadete Weiberfleisch, die ganze Masse wird von einem Rhythmus beherrscht: dem Auf und Nieder der Bäuche, das den Liebeskeil immer in die, bloß Brunst atmenden Schlünde treibt, die ihn eng umschließen zu suchen und nur ungern erlauben, sich zurückzuziehen. Anfangs hatten sich die dicken Schwänze der Männer nur in den weit aufklaffenden Wunden, die zwischen den Schenkeln der reiferen Mädchen erblühten, verloren – die noch jungfräulichen Löcher nahmen die gewaltigen Lanzen nicht so ohne weiteres auf und man sah sie noch lange Zeit außerhalb derselben bemüht, den allzu engen Paß solcher Lust zu stürmen. Nun aber wurde kein Unterschied mehr gemacht, es mußten alle Öffnungen herhalten, auch die geheimsten, und das sich jetzt bietende Schauspiel zeigte jede Möglichkeit, sich im Körper einer Frau zu versenken, gleichzeitig, an vielen, überdeutlichen Beispielen. Die wenigsten Paare lagen jetzt noch Bauch auf Bauch, viele hatten schon die Stellung gewechselt, im Einvernehmen oder auch dem harten Zugriff des männlichen Partners folgend, und zahlreich wurde der Akt von der anderen Seite ausgeführt, so daß also die heftigen Stöße des Begattenden zuerst durch das fleischige Hinterteil des Weibes aufgefangen wurden, was aber seine Stange anscheinend nicht hinderte, sich so tief als nur möglich in das schon beinahe wundgeriebene Paradies vorzudringen.

Die Hände des Mannes umklammerten genußsüchtig die ihrer eigenen Schwere folgenden, voll herniederhängenden Brüste, die in dieser Stellung sich nur wollüstiger rundeten und, wenn sie noch zarter waren, an süßer Fülle zuzunehmen schienen. Die Dämpfe hatten auch auf die Frauen gewirkt, wie dies gut erkennbar war an ihrer kaum glaublich gesteigerten Anteilnahme, die sicherlich nicht nur der Lehre Shivas, daß eine geheiligte Tempeldirne in solchen Augenblicken das Letzte hergeben müße, zu verdanken war. Fast alle führten die vorgeschriebenen und so oft als wirksam erprobten heiligen Griffe aus, ihren Partnern die Wonnen noch erhöhend. Es war selbstverständlich, daß sie selbst bei heftigster Bedrängung es nicht unterließen, mit der einen Hand nach dem schweren Beutel zu haschen und den zwischen den Beinen des unermüdlich Vögelnden prall herabhängenden Sack nach den in diesem Punkte besonders genauen Vorschriften der Anagaranga zu bearbeiten. (Es bedurfte nicht der Zureden, der entwürdigenden Betteleien, der Drohungen, die ein europäischer Liebhaber aufwenden muß, um seine meist vollkommen verständnislose Partnerin zu den allergebräuchlichsten Liebkosungen zu bringen, die während der Erfüllung des Geschlechtsaktes von so hoher Wichtigkeit sind). Einige Männer hatten auch diese Art der Befriedigung als zu schal empfunden und sich bereits an die wesentlich engere Öffnung herangemacht, die, nur um einiges höher liegend, in dieser Stellung ohne weiteres zu bestürmen ist. Der Widerstand war hier wohl größer – sowohl der stets zu geringe Durchmesser, als auch die Schmerzen, die von der weiblichen Seite hierbei empfunden wurden, vergrößerten den ersehnten Eintritt in die doppelt dunklen Mysterien dieser von Kennern heißumworbenen Grotte – aber die Begierde siegte immer wieder und wenn der dicke Stachel sich erst einmal den Weg gebahnt hatte, legte er ihn hunderte Male ohne größere Schwierigkeit zurück, sich immer wieder aufs neue an der wollusterregenden Massage dieses so merkwürdig elastischen Engpasses labend. Was konnte aber dem Genuß verglichen werden, die die noch jungfräulichen Scheiden den frommen Priestern zu vermitteln hatten! Wie zuckten diese unter den brutalen Stößen der geschwollenen Schwänze, wie wurden die zarten Lippen von dem ungestümen Drängen der gierigen Eichel verzerrt! Mein Loch brannte schon wie Feuer, als der unmenschliche Schwanz meines Partners noch ganz vorne an ihm herumwetzte und ich fühlte einen wahren Strom glühender Lava in mich fließen, in dem Moment, in dem der steife Pfeil in meine aufgeriebene, wie von Brennesseln gepeitschte Fut seinen Samen sprudelte! Was dazwischen lag, die Gefühle, die mich durchwogten, die Schmerzen, die mich wie scharfe Messer durchschnitten, die Empfindung, es platzte etwas in mir, diese Sensation einer Explosion, die meinen Unterleib zerreißen müße – all dies kann mit Worten nicht geschildert werden. Unbeschreiblich erscheinen mir auch die Gefühle, die ich an allen anderen Stellen meines Körpers empfand. Als die Zunge des Fakirs, der über mir lag, sich das erstemal zwischen meine Lippen drängte, da erkannte ich den ‚Mann‘ in ihm an dem Geruch des Rauches, der sich mit dem des gekauten Betels und seines Schweißes vermischte. Ich war schon betäubt von den narkotischen Dämpfen, die über den Boden, auf dem ich mich hingeworfen hatte, krochen, nun gab mir dieses beizende, so neue Odeur den Rest. Mir schwindelte und ich war unfähig, der drängenden Zunge zu widerstehen, die sich in meinen Mund einwühlte, sich um meine eigene Zunge schlang, sie als Gefangene in ihre Höhlung fortschleppte, und dort saugte und preßte, daß ich schon vermeinte, sie würde mir ausgerissen. Meine weichen Lippen stach ein Bart, dem ein noch stärkerer Duft entströmte, als den Achselhaaren Rahnas. Die Hände des gierigen Tieres, das sich auf mich geworfen hatte – ich konnte in diesem Augenblick nichts Heiliges an diesem schnaufenden Wesen entdecken – hielten meinen eben reif gewordenen Busen umklammert und quetschten ihn unbarmherzig. Die Warzen standen mir steif ab und ich fühlte unter dem Schmerz der ungewohnten Behandlung, wie der Saft in meinen Brüsten emporstieg und sie prall anschwellen ließ. Das Wollustgefühl, das ich hierbei empfand, war fast unerträglich. Und wenn die geilen Hände die vollen Kugeln einen Augenblick ausließen, um sich mit meinen nicht minder wohlgefüllten Hinterbacken zu beschäftigen, war es wieder auf andere Art schwer auszuhalten, denn ich zog es vor, meine Brüste mißhandelt, als unberührt zu fühlen …

Aber ich sollte all diese differenzierten Gefühle vergessen, als sich der dicke Pfahl, der sich einstweilen nur gegen meinen Bauch gestemmt hatte, nun ernstlich daranmachte, die enge Pforte zu erschließen, die bisher nur das zarte Anklopfen der zarten Zunge Rahnas verspürt hatte. Meine Schenkel waren weit auseinandergerissen und ich bemerkte zuerst gar nicht, daß eine der „Geweihten“ hinter dem Vater, der sich mit mir so eingehend beschäftigte, meine Beine wie ein Schraubstock umklammerte, so daß dieser fromme Priester ohne fluchen zu müssen, in aller Bequemlichkeit sich oder vielmehr seinem gewaltigen Schwengel den Weg suchen konnte. Wie gewaltig dieser Schweif war, mußte ich an den Schmerzen erkennen, die mir sein ruckweiser, aber schließlich sein triumphaler Einzug bereitete. Es war, als berenne ein Baumstamm den Bauch eines Flamingos. Die ältere Bajaders, die diese Schwierigkeiten nur zu gut kannte, half rückwärts mit all ihren Kräften nach; sie warf ihr ganzes Gewicht auf den ohnehin schon schwer genug auf mir lastenden Mann, wobei noch durch den Druck, den sie wieder von hinten von seitens ihres Partners auszuhalten hatte, eine besonders verstärkte Wirkung erzielt wurde. Wäre mein Loch eine fest verschlossene Muschel gewesen diese Anstrengungen hätten es leicht gesprengt. Nach etwa acht bis zehn Stößen war das Schwert in seiner Scheide und nun konnte es ebenso leicht zurückgesteckt als herausgezogen werden. Und diese Prozedur wiederholte sich ohne Unterlaß. Der Bauch meines Partners tobte gegen den meinen wie ein Schmiedehammer, sein schwerer Beutel pochte wie ein Sandsack gegen meine aufgerissene Spalte. Als ich den Ausbruch dieses Vulkans an dem glühenden Erguß, der meinen Schoß überschwemmte, erkennen konnte, war ich gegen die anfänglichen Schmerzen schon fast abgestumpft. Mein Kopf dröhnte wohl, meine Schläfen hämmerten wie rasend, aber ich begann doch ein wenig das stolze Gefühl zu empfinden, daß ich nun auch eine ‚Geweihte‘ geworden sei und daß ich von nun ab bei jeder Feierlichkeit in der ersten Reihe tanzen würde! Mein frommer Fakir dachte nicht daran, seinen heißen Stachel herauszuziehen. Er fuhr fort, mich mit halber Kraft zu bearbeiten, das heißt, seine Stöße waren jetzt weniger grausam, während gleichzeitig sein Instrument, eben noch einer ehernen Stange gleich, sich nun wie ein samtener Schwengel ausnahm, der mit einer gewissen gebändigten Sanftheit in meinem brennenden Loch hin und herfuhr. Hinzu kam, daß dieses von dem herausquellendem Seim, der mir auch über die Schenkel zu rinnen begann, geradezu geölt wurde, was das Gleiten immer reibungsloser gestaltete. Das erst so unmenschliche, steinharte Glied hatte an Dimension abgenommen und schien jetzt nur mehr halbsteif, aber noch immer meine Spalte gut ausfüllend. Ich begann allmählich dieses sanfte Vollstopfen meiner Ritze als sehr angenehm zu empfinden und konnte nicht vermeiden, mit meinem Hintern ein wenig zurück zu stoßen, oder vielmehr, immer, wenn ich das Eindringen des molligen Zapfens spürte, mich ihm entgegenzudrängen. Dies hatte zur Wirkung, daß der eben noch so gut Geartete plötzlich wieder zum beinharten Pflock wurde und gleichzeitig ein anderes Tempo einschlug. Ein Tempo, das ihn erneut mit förmlich rasenden Stößen gegen meinen armen Bauch trieb. Mein Loch brannte nach einigen dieser Attacken wieder lichterloh und nun ereignete es sich, daß ich unter den unerträglichen Schmerzen, die mir die Eingeweide zu zerreißen drohten, eine ganz neue Empfindung wahrnahm: es durchströmte mich ein Lustgefühl ungeahnter Stärke und Süßigkeit. Es war unerklärlich und so mächtig, daß ich zu stöhnen begann, Schaum spie und mit meinen Armen wie wild um mich schlug. Mein Fakir hatte dieses Verhalten scheinbar erwartet, denn nun wurden seine Bewegungen gemessener, beobachtender und nach kurzer Zeit, während der sich mein vor Wonneschauern gepeitschter Körper wie auf der Folter bäumte und wand, ergoß sich zum zweitenmal der Segen in meinen Schoß. Aber gleichzeitig geschah etwas in mir, das mich nicht minder heiß durchrann: ich fühlte mich gegen den Himmel geschleudert, dessen Millionen Sterne ich hie und da zu Häupten hatte auffunkeln sehen, durch das offene Dach des Tempels, über die Schulter des auf mir wuchtenden Mannes. Ich fühlte mich tanzen, taumeln und fallen. Durch Abgründe fallen, tausende Meter tief, so daß ich mich an den Körper klammern mußte, der röchelnd über mich geworfen lag, mit zuckenden Lenden. Ich fühlte mich fliegen, leicht und frei und etwas unsagbar Süßes erfüllte meine Venen. Obwohl ich noch immer, durch all dies meine Ritze wie Feuer brennen fühlte, war das Lustgefühl übertönend und ich war begierig, es zu steigern, es nochmals zu erleben, es endlos zu empfinden, immer wieder, immer wieder.

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