Kitabı oku: «Vorsicht: Unartige Notizen»
EGON KRAUSE
Vorsicht! Unartige Notizen

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© 2021 by R. G. Fischer Verlag
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Titelbild: © rudall30 – fotolia.de
ISBN 978-3-8301-9562-7 EPUB
ISBN 978-3-8301-9561-0 PDF
Inhalt
Musca domestica
Verborgenes
Kleidung
Schönheit und Hässlichkeit
Blick in eine Gemäldegalerie
Aufklärung
Spätentwickelt
Gedanken junger Mädchen und ihre Neugier
Fragen und Antworten
Originalbriefe
Gefährliche Begegnung
Beichte
Ansteckung
Briefe einer Mädchenclique
Folgen
Anschaulich
Pikante Beobachtungen
Genaue Betrachtung
Seltene Früchte
Vergebliche Liebesmüh
Bergwanderung
Zuschauer
Eine bemerkenswerte Statistik
Vermutung
Angebot
Instinkt
Eine Gymnastikstunde
Wundersam
Beobachtungen auf einer Fähre – A Ferry Tale
A Ferry Tale
Erforscht
Erotik beim Betrachten alter Fotografien
Seltsam
Wirkung des Wortes
Zögerlich
Platonisch
Erfolgreiche Begegnungen
Eine andere
Herausforderung
Irrtum
Vermittlung
Exotisches
Zwillinge
Frauenwünsche
Ausstrahlung
Abwechslung
Sommersprossen
Ansteckung
Verfolgung
Unnötige Abschreckung
Ohne Analyse
Analysiert
Überraschung
Zwei alte Gecken
Nerds
Alte Männer
Was Stimmen verursachen
Verdacht
Frauen werden stimuliert
Schwarze Interessen
Professionelle Stimmen
Weibliche Dominanz
Hochbegabt
Sapphismus
Der Anblick einer Frau oder eines Mädchens löst je nach ihrem Reiz bei Männern eine Kaskade von Gedanken aus. Sie werden auf Pfaden im Gehirn weiter verfolgt. Der Weg wird durch die in den Speichern des Hirns vorhandenen Erfahrungen bestimmt, die in den meisten Fällen erotischen Charakter haben. Sie geraten selten in die Außenwelt. Mädchen und Frauen haben wohl die gleichen Gedanken. Viele erscheinen unschicklich und bleiben verborgen.
Man kann es nur denken, wenn man etwas weiß.
Ein Sprichwort sagt, man solle nicht mit der Tür ins Haus fallen.
So eröffnen zuerst artige Notizen den Unartigen die Tür.
Um im Stil der heutigen Literatur zu beginnen, schaue ich auf die Uhr: Es ist fünf Uhr fünfzehn am Morgen. Früher musste ich um diese Zeit aufstehen, sechs Uhr Frühstück, sechs Uhr dreißig Abfahrt, sieben Uhr in der Klinik, bis zum Abend.
Jetzt drehe ich mich auf die andere Seite und schlafe bis sieben Uhr dreißig.
Mit Schwung setze ich mich auf den Bettrand, stelle mich auf die Füße und stakse, steif in den Knien, der Hüfte und dem Schultergürtel ins Bad.
Im Spiegel blicke ich mit meinen neuen Linsen, zu scharf eigentlich, in ein Gesicht bar jeder Mimik. Die schnurrende, rotierende Zahnbürste, versehen mit White-Shine-Zahnpasta, poliert mir meine Zähne, unten links hinten fehlen zwei, man sieht es nicht einmal beim Lachen, gibt nach einer bestimmten Zeit ihr Surren auf. Die mit Desinfektionsmittel getränkte Zwischenraumbürste rubbelt in den Zwischenräumen. Inzwischen kommt Bewegung in die Mimik, die sich dann später, nach der Behandlung mit dem Braun-Rasierer, zu einem Gesicht entwickeln wird. Unter die Dusche, nur keinen Tropfen kaltes Wasser von oben, Schauma schäumt, Body Sol macht die Haut glatt, man riecht nach Honig, der Haut schmeckt Honig auch. Die Bewegung unter der heißen Dusche, es müssen ja alle Stellen erreicht werden, vertreibt die Steifheit aus den Gelenken. Man steht danach frontal nackt vor dem Spiegel und betrachtet sich, oben geht es ja, wenn auch die Kontur der Oberarme nicht mehr die von früher ist, rechts drei Muskeln abgerissen, links zwei, kommt vom Tennis und vom Alter, jetzt muss man den Aufschlag mit Twist von unten machen. Aber das Wichtigste kommt noch. Seitlich stehend, wird die Wölbung des Bauches beurteilt: Ist sie weniger geworden oder mehr, alles kommt von innen, das erspart das Wiegen.
Man ist nie zufrieden damit und streckt sich ein bisschen, um eine geradere Linie zu erreichen. Einatmen, heben sich die Rippen noch oder ist der Thorax schon unbeweglich? Das einzige: Die Beine sind noch wohlgeformt, dank des Muskeltrainings. Die Stoppeln im Gesicht werden beseitigt, Braun hobelt, ein Bart entstellt und macht alt. Die nächste Entscheidung fällt schwer, soll man nun seine Übungen für Hals, Arme und Rücken machen oder nicht. Heute nicht.
Das Frühstück richtet sich nach dem Bauch, ist recht einfach, Sport-Müsli und Earl-Grey-Tee. Dabei Nachrichten im 100-Sekundentakt:
Die hungern, die töten andere, die töten sich, die schwätzen, die machen sich Probleme, die machen Gesetze, maßlos.
Isst du einen Riegel beim Sport, kommst du in den Knast. Klitschko schlägt einen fast tot und wird gefeiert.
Schaust du ein Kind an, das darfst du nicht, du bist ein potentieller Missbraucher, die Wege in deinem Gehirn werden vorgeschrieben, markiert, wie auf der Straße, wehe, du überschreitest den weißen Strich. Müssen sich Frauen auch danach richten? So wenig überlegt ist dies. XYKK, kein freier Körper mehr.
Bist du kein Moslem, kannst du es werden. X hat eine schöne Taille, Y Man-Power ohne Kopf.
Kolorierte Jungen sind ein beliebtes Ziel für weiße Polizisten in den USA. Ich sage es schon immer, nimm dich vor der Polizei in Acht, nicht immer ist sie dein Freund, und sag wie in den USA, wenn ein Cop dich anspricht und etwas will, immer: Yes Sir und sieh ihm nicht in die Augen, fass ja nicht in die Tasche, schon bist du ein toter Mann.
Alle 100 Sekunden das gleiche. Kann sich ja auch nicht ändern, der Mischmasch der Gene, immer dieselben Resultate: Gut, Böse, und etwas dazwischen.
Dienstag 11 Uhr, Tennis mit Trainer, musst ein Diclo nehmen, sonst knackt es, alter Knacker. Es ist schwierig, von unten aufzuschlagen, mit Twist gezielt platzieren. In der Halle auf Teppichboden, der Ball verspringt nicht, die Sonne stört nicht, kein Wind, kein Regen und sauber.
Freitags ein Doppel. Sauschlecht gespielt. Man lernt nichts dazu.
Einen Apfel zum Mittag.
Gegen vier Kaffee und Kuchen oder ein Butterbrötchen, das Beste vom Tag.
Czerny, man spielt ihn zu wenig, virtuos komponiert zum Lernen. Klaviermusik, die Töne wie Perlen, aber nur bei dem, der es versteht, sie schimmern zu lassen.
Viele Prospekte fliegen ins Haus, kein Wunsch zu Weihnachten? Du sollst möglichst viel essen und kaufen, es gibt keine Zinsen für Gespartes, wenn du mit Geld verdienen willst, leg es an, da hast du es schon aus der Hand und dem Kapital gegeben, ohne zu wissen, ob du es noch besitzt.
Es erinnert mich an den Kommunismus, jeder wird vom Staat bezahlt, keiner hat Besitz. Das Kapital ersetzt dieses System, du hast keinen Geldbesitz, das Kapital ist der Staat.
Die Sonne zeigt sich zwischen den Wolken, die Blätter sind gefärbt, gefallen. November, 24ter. Mir gefällt diese Jahreszeit, heimelig warm im Haus, Ruhe. Zeit zum Nachdenken.
Der Computer, mein Sklave, er muss tun, was ich will.
Meist benutze ich ihn zum Schreiben, unersetzlich mit einem Schreibprogramm. Das Internet unermesslich, fabelhaft. Ich bin gerade dabei, zwei Bücher sind gedruckt, am dritten und vierten zu arbeiten. Das Letztere mit vielleicht hundert Seiten, ihm fehlen noch einige. Wie kann ich die einzelnen Begebenheiten verbinden, nach und nach fällt es mir ein. Ein wenig pikant der Text, ich muss ihn entschärfen. Erotik ein Problem, nicht in der Realität, mehr beim Schreiben.
Die Blätter des Ahorns liegen zusammengerollt auf dem Gras, der Wind bewegt sie hier und da, wie lebendig, was für ein Irrtum.
Musca domestica
Eines Morgens flog sie plötzlich auf die weiße Serviette neben meinem Frühstücksteller. Sie war klein, wahrscheinlich männlich. Sie kam aus dem Nichts. Natürlich hatte sie, ihrem Geruchsinn folgend, entdeckt, was alles auf dem Tisch war. Margarine, Emmentaler Käse, drei Sorten Marmelade, drei Sorten Brot.
Ich nehme an, sie erkundete auf der Serviette mit ihren Füßen und dem Rüssel die Umgebung, um auch später zu wissen, was sich im Umkreis alles befindet, sozusagen eine Ortung.
Nach einem blitzartigen Abflug, mit unseren Augen im Einzelnen nicht zu verfolgen, landete sie zuerst auf dem Rand des Marmeladenglases und probierte mit ihrem Rüssel eine unsichtbare Menge. Unwillkürlich, sie verbreitet ja sicher allerlei uns nicht Zuträgliches, wollte ich sie mit einer Handbewegung vertreiben. Ehe meine Hand in ihre Nähe kam, wurde sie unsichtbar, sie war verschwunden. Es tat mir leid, denn ich dachte, wir hatten einen reichhaltigen Frühstückstisch und wollten davon nicht einmal eine winzig kleine Menge abgeben.
Sie hatte wohl eine Runde nach Fliegerart gedreht, als sie zu meiner Befriedigung auf dem Emmentaler landete. Sie trippelte mit ihren Füßchen ein wenig herum, wahrscheinlich, um zu probieren, ob es ein echter oder der aus dem Allgäu war. Er schien ihr nicht echt und sie flog davon.
Ich war gespannt, wo sie landen würde. Es war die Lehne des Stuhles, der gerade von der Sonne beschienen war. Mit ihren vorderen Beinchen putzte sie ihren Rüssel, um den lästigen Rest von Marmelade zu beseitigen.
Dort konnte ich sie eingehend betrachten. Es war eine Musca domestica. Nicht eine der Aufdringlichen, die mit lautem Gebrumm scheinbar ohne Ziel herumsausen und immer wieder versuchen, ihr Draußen zu erreichen, indem sie gegen das Fensterglas stoßen. Öffnet man ein Fenster, so scheint es, wollen sie gar nicht hinaus.
In Wikipedia machte ich mich über ihre Zugehörigkeit, Gewohnheiten, Gefährlichkeit und Entwicklung kundig. Das aber, was ich gern gewusst hätte, war nicht beschrieben. Die Schärfe und Reichweite zum Beispiel ihrer Facettenaugen, die Steuerung ihrer blitzartigen Reaktion durch die Struktur ihres wohl winzigen Gehirns, die Übertragung auf ihre Beine, deren Beteiligung beim Start, der synchron mit den Flügeln erfolgt, wir nicht sehen können. Hat sie ein Großhirn und andere Hirnteile? Jedenfalls muss sie nicht erst überlegen zu flüchten, wenn eine Gefahr droht.
Ich bekam auch heraus, wie lange sie lebt, sechs bis zweiundvierzig Tage, eine recht ungenaue Zahl. Die Lebensdauer soll von der Temperatur abhängig sein, vielleicht saß sie deshalb in der Sonne.
Man kann sagen, sie liegt in der Sonne, denn ihre Beine sind ausgestreckt, der Bauch liegt auf der warmen Unterlage. Sie richtet sich auf und mit einer nicht erwarteten Geschicklichkeit streicht sie mit ihren hinteren Beinen, aus welchem Grund ist nicht zu erfahren, über ihre Flügel. Man sieht mit Erstaunen, wie sie auch die Oberfläche der Flügel erreicht. Sie spreizt sie auch wie Tragflächen eines Deltajets.
Ich liege im Wintergarten in der Sonne. Sie kommt zu mir auf die Hosenbeine und sonnt sich.
Ich gehe in den Keller, sie folgt mir, auch als ich wieder hinaufgehe.
Wenn ich für sie offensichtlich nicht da bin, folgt sie meiner Frau, wohin diese auch geht, natürlich auch in die Küche.
Ich nehme an, sie hat uns mit ihrem Geruch- und Tastsinn identifiziert.
Das Eigenartige ist, wenn sie nicht sichtbar ist, suche ich sie und habe Angst, sie könne nicht mehr da sein. Es sind vierzehn Tage, in denen sie uns lieb geworden ist.
Heute, am 13. Mai 2014, ist das Wetter wechselhaft, Sonne, Wolken und Regen ziehen regelmäßig über unseren Wintergarten hinweg, das Dach besteht aus einer großen Glasfläche, die jeden Sonnenstrahl durchlässt.
Die Musca, die erst auf meinem Hosenbein Platz genommen hatte, wechselte, als ich aufstand, auf den Sessel. Als ich später wieder erschien, saß sie auf dem Stoff der senkrechten Lehne des Sessels und wartete weiter auf Sonnenstrahlen, die aber nicht mehr kamen.
Warum schreibe ich dies? Ich bewunderte schon immer, wie für uns so unauffällige Wesen, mit meist ganz kurzem Leben, überhaupt existieren können. Selbst ihre Zukunft ist viele Male unsicherer als unsere. Bemerken sie eigentlich ihre Existenz?
Eine Fliege wie sie wird doch, sobald einer sieht, wo sie sich niederlässt, erschlagen.
Heute Morgen, 14. Mai. Ich suchte sie, fand sie aber nicht sofort. Sie saß auf einem Stuhl. Ich wollte sehen, wie schnell sie wegflog, ich hatte den Eindruck, sie war nicht mehr so flink. Noch mehr staunte ich, als sie nichts vom Frühstückstisch essen wollte. Wie alte Menschen, die nicht mehr weiterleben wollen, hatte sie keinen Hunger. Vielleicht habe ich sie zum letzten Mal gesehen.
Über diese Wesen macht sich kaum einer Gedanken. Ich selbst kann mir nicht erklären, woher mein Mitgefühl kommt, dass ich mir Gedanken über die verschiedensten Tiere mache und ihre Zukunft und ihr Schicksal mich interessiert.
Ich habe sie nicht mehr entdeckt, wahrscheinlich ist ihr kurzes Leben zu Ende. 15-5-2014.
19-5-2014. Ich habe sie gefunden, sie lag auf dem Rücken im Wintergarten am Boden. Ihre Flügel in Deltaform. Eigenartig, wir hatten sie vermisst, jetzt kennen wir ihr Leben und ihr Ende.
Verborgenes
Wie interessant wäre herauszufinden, wie der andere sich aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur verhält.
Heute kann man es entdecken: Nach neuesten Forschungen muss man nur darauf achten, wie oft einer Ich, Du, Er, Sie, Es und Wir sagt oder schreibt, schon weiß man, er ist ein Egoist, freundlich, kompromissbereit, aggressiv oder er ist sozial eingestellt. Eventuell reicht auch ein einzelner Buchstabe, I oder O. Sind aber nur Wahrscheinlichkeiten, die einer Statistik entnommen werden.
In Genomen Eigenschaften topografisch bestimmen kann man noch nicht. Auch dann wären die Handlungen eines Menschen nicht vorauszusehen, weil alle Gedanken durch unzählige Synapsen im Gehirn von zahllosen Neuronen, je nach Aktivierung, auf 110 verschiedenen Wegen feuernd, umherirren können.
Wäre es wünschenswert, bei einem Maskenball zu ergründen, wer sich hinter einer Maske verbirgt? Meine Frau hatte sich bei ihrer Freundin verkleidet.
Ist es meine Frau, die mit dem anderen tanzt? Der zuerst flüchtige Gedanke lässt ihn nicht los. Er beobachtet die beiden genauer, wie kann er es herausfinden? Wenn auch ein kurzer Rock ihre Beine zeigt, hat er sie so in Erinnerung, dass er sie erkennt? Sie schmiegt sich an ihren Partner. Er flüstert ihr etwas ins Ohr. Sie verschwinden in der Menge. Ärgerlich über sich verscheucht er seine Neugier. Seine Freunde am Tisch, mit Masken, auch fremd gekleidet, ihre Frauen sind auch nicht dabei, fragen ihn etwas, er hat es nicht gehört. Dann verwandelt sich die Neugier in Eifersucht und plötzlich möchte er mit Eifer ergründen, ob sie es ist. Er versucht die beiden unter den Tanzenden zu entdecken, vergebens. An der Bar entdeckt er sie. Sie sitzt auf dem Hocker, er steht neben ihr. Selbst jetzt, ihr Rock ist weit nach oben verrutscht, kann er sie an ihren schlanken Beinen nicht erkennen. Die andere Maske neigt sich über sie, küsst ihren Hals und streichelt über ihren bloßen Schenkel. Machtlos kehrt er an den Tisch zu den Freunden zurück, die mit anderen Masken sich den Tanzenden angeschlossen haben. Er kann nicht ruhig sitzen, macht sich weiter auf die Suche. Das Paar ist verschwunden.
Am Ende, gegen 3 Uhr, kommt er nach Hause. Seine Frau ist schon da. Er ist neugierig, mit welcher Verkleidung sie auf dem Fest gewesen sei. Sie verrät es nicht, denn die Freundinnen haben sich verabredet, es nicht zu tun. Sie seien dann auch zusammen nach Hause gefahren. Die Frage bleibt, wie weit war es der anderen Maske gelungen, sie zu verführen und war es seine Frau? Wie auch immer er sich jetzt bemühte, aus dem Gesehenen dem Geheimnis auf die Spur zu kommen oder aus ihrem Verhalten Schlüsse zu ziehen, es ist vergeblich.
Es ist ein beliebtes Motiv für Romane, die Spannung im Verhältnis von Mann zu Frau oder von Frau zu Mann.
Lieber sollte alles verborgen bleiben.
Kleidung
Kleidungsstücke sind gewöhnlich undurchsichtig, manche wirken angsteinflößend, rote Roben im Mittelalter und heute, schwarz und verhüllend andere, wenn man nicht wüsste, dass darin eine Frau versteckt sein könnte.
In diesen Fällen ist die Verhüllung auch so gewünscht.
Da es keine Trennung zwischen Wahrnehmung und ikonografischer Illusion gibt, nimmt man an, dass sich eine Frau darin findet.
Eine Dschilbab lässt ein anmutiges Gesicht, in einem runden Rahmen, deutlich erkennen. In jedem Fall ist es mit der Dschilbab gelungen, eine mögliche Neugier zu erregen.
Bei einer im Tschador verhüllten Frau lassen sich selbst bei Bewegungen kaum weibliche Formen erahnen, doch durch den längsovalen Schlitz des dazu getragenen Nikabs bemerkt man vielleicht einen Blick, der einen trifft, und Augen, die in diesem Rahmen glänzend zu leuchten scheinen.
Schon ist die Aufmerksamkeit geweckt, weil es das Einzige ist, worauf man seine Gedanken fokussieren kann. An der Größe und auch am Gang und wenn man die Augen einbezieht, kann man abschätzen, ob jung oder alt. Doch es könnte sich selbst eine neunjährige Aisha darin verstecken
Ist dieser Schlitz auch noch vergittert, wie bei der Burka, bleibt einem nur die Wahl, sich über die Verkleidung zu wundern. Übrig bleibt die Körperbewegung, um zu urteilen, ob es sich lohnt, weiter zu fantasieren. Wenigstens die Knöchel bleiben frei, vielleicht kann man an den Füßen etwas ablesen? Das sackförmige Kleidungsstück ist unten offen.
Was ist dann noch hinderlich im warmen Klima? Das lässt nachdenken.
Was für ein Glücksspiel ist es, wenn ein Mann arrangiert verheiratet wird und seine zukünftige Frau eine Burka trägt. Er kauft, sozusagen, die Katze im Sack. Eine Wundertüte, bei der er erst, wenn er hineinfährt, erfährt, was darin steckt. Ein Vorteil ist, dass er mehrere öffnen kann.
Alles dies ist von außen betrachtet, aber wie sieht es die Frau da drinnen? Unglaubliche Vorteile bieten sich ihr. Unbemerkt kann sie ihre Umgebung beobachten, ohne dass jemand es bemerkt, eine versteckte Überwachungs-Kamera. Keine Reaktion kann sie verraten. Während ein Mann sie nicht betrachten kann, kann sie als Frau seine Reize unauffällig studieren.
Schönheit und Hässlichkeit
Unbewusst nehmen wir Schönheiten unter der Kleidung verborgen an. Hässlichkeit könnte sich aber auch darunter verbergen. Wir haben keine Möglichkeit, unsere Neugier zu befriedigen.
Das Christentum stellt das Bild des Teufels als Inkarnation des Hässlichen dar. Sozusagen von Kopf bis Fuß. Gesicht, Körper, Bewegung und Geruch sind für uns abscheulich. Der Teufel muss sich erst mit Schönheit tarnen, um zu verführen. So kann Schönheit auch teuflisch sein.
Eine Hyäne mit ihren Flecken finden wir hässlich, einen Leoparden schön. In diesem Fall ist unsere Meinung offensichtlich eindeutig. Beide sind gefleckt und Raubtiere. Gesicht, Körperform und Bewegung machen für uns den Unterschied, eigenartig. Wenn man genauer hinsieht, ist auch die Hyäne nicht hässlich. Katzen sind uns vertrauter, also ist der Leopard schöner.
Über Schönheit und Hässlichkeit hat Umberto Eco zwei Bücher verfasst.
Hässlichkeit bedeutet im Allgemeinen, etwas mit dem zu vergleichen, was wir gewohnt sind zu sehen. Gewohnt sind wir aber das Schöne, denn wir treffen es häufiger, Hässlichkeit jedoch seltener, sie beschäftigt uns daher auch weniger. Betrachtet man nun weiter Einzelheiten, vergleicht man dies mit dem, was wir in Erinnerung haben. Damit tritt Hässliches gewöhnlich in den Hintergrund.
Wenn wiederum Schönheit im Detail überwiegt, nimmt man ein wenig Hässlichkeit in Kauf.
Zuweilen ist Hässlichkeit interessant, führt aber selten zum Verlangen, ein hässliches Mädchen oder einen hässlichen Mann zu besitzen.
Öfters besitzen hässliche Männer schöne Frauen, aber auch schöne Frauen hässliche Männer. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.
Hässlichkeit und Schönheit in einem.
Ich erinnere mich an ein junges Mädchen mit einem nicht gerade schönen Gesicht, aber einer sagenhaften Figur. Einen schlanken Hals, einen wohlgeformten Busen, schmale Taille, makellos geformte Beine, die einen reizvollen Ursprung voraussagten.
Das Gesicht verändert sich beim Lieben. Vielleicht war es bei ihr auch so. Man wäre versucht, es zu erforschen, doch habe ich es einem anderen überlassen, so war es nicht zu erfahren.
Kleine »Schönheitsfehler« können durchaus reizvoll sein.
Ein kleines bisschen »Silberblick« der braunen Augen, wie bei der Mona Lisa von Leonardo, wirkt zusammen mit ihrem verhaltenen Lächeln noch geheimnisvoller.
Ein Kolobom, wie später noch erzählt werden wird, stimuliert sogar ein Verlangen.
Die Wahrnehmung von Hässlichkeit und Schönheit bezieht sich nur auf ein Sinnesorgan: das Auge. Man bleibt distanziert, anders als beim Tast-, Geruchs- und Geschmackssinn, der nicht unwesentlich der Schönheitswahrnehmung abträglich sein kann.
Die Physiologie des Sehens ist kognitiv interessant. Unter anderem wird die unterschiedliche Wirkung von gerade und rund zuerst getrennt wahrgenommen. Rund ist angenehm, gerade weniger. Darum sind die runden Formen des Weiblichen für Männer so anziehend, eckige weniger.
Es bestehen viele Möglichkeiten, wie man sich auf seinem Weg durch die Welt umschauen und umhören kann. Was wir sehen, sind unbewegte und bewegte Bilder, sie bedeuten uns nichts, wenn wir sie nicht deuten können. Nur durch die Verquickung von Objekt und Emotion mit der in uns erinnerten Erlebnissen werden sie lebendig. Es geschieht dies ebenso beim Hören.
So sind die Notizen nur Bilder, deren Deutung dem Einzelnen überlassen wird.
Die meisten nehmen ihre Umwelt wahr, wenige deuten sie. Wiederum sind es wenige, die aufmerksam ihre Mitmenschen beobachten, anhören und sich Gedanken über Einzelheiten machen. Schwierig ist es, sie im Gedächtnis zu behalten. Interessierte machen sich deshalb Notizen und können so darüber nachdenken.
Die meisten Aufzeichnungen enthalten persönliche Erlebnisse, Gedanken, analysieren geschichtliche Begebenheiten, Kunst, Literatur und Wissenschaft.
Die Welt der Erotik und die Gedanken darüber sind meistens in Romane gebettet.
Er hatte Besuch, natürlich musste er etwas unternehmen, meist sind junge Leute nicht besonders interessiert an Museen, es gibt aber Ausnahmen.
Blick in eine Gemäldegalerie
Gemäldegalerien sind zuweilen eine Fundgrube für versteckte Erotik. Man kann jemanden mit der Erklärung eines Bildes neugierig machen. Auch in barocken Fresken sind oft erotische Darstellungen versteckt, man muss sich nur zuweilen den Hals verdrehen.
Welche erotische Ausstrahlung hat die Malerei aus der Renaissance, dem Barock, dem Impressionismus und dem Expressionismus auf den heutigen männlichen Betrachter?
Das Urteil kann nur subjektiv sein. Es müsste möglich sein zu ergründen, was der Maler dem Neugierigen vermitteln möchte.
Für ihn gibt es Möglichkeiten, die Form im weitesten Sinn, am genausten mit einer Kontur. Er kann Farbe, Perspektive und das Ambiente variieren, um das zu zeigen, was er sieht und fühlt.
Eindeutig konturiert sind die schattenrissigen Darstellungen auf den griechischen Vasen und die plastisch ausgearbeiteten Stellungen der Liebenden der indischen Skulpturen, die aber selten ein erotisches Gefühl beim Betrachter erwecken.
In allen großen Städten gibt es Museen, in denen man einen Querschnitt der Bilder der oben genannten Epochen mehr oder weniger zahlreich sieht.
Die Frauen- und Mädchendarstellung in der Renaissance: Die Gesichter meist ohne Ausdruck monoton bildlich real, in Posen dargestellt, selbst bei nackten jungen Mädchen findet sich keine erotische Ausstrahlung (Cranach, Baldung, Altdorfer).
Es gibt nicht einmal eine Andeutung zur Bewegung, nur bei der sitzenden Frau von Giorgione wird man neugierig und hat den Wunsch, dass sie sich einmal umdrehe. Seine »Schlummernde Venus«, in den Jahrhunderten danach immer wieder dargestellt, erzeugt kein Gefühl im Betrachter, kein Verlangen, sie zu lieben.
Man könnte sich vorstellen, das Mädchen von Jan Gossaert, National Gallery London, zu küssen. Die »Junge Frau mit Flügel-Haube« von Rogier van der Weiden in Berlin wäre mein Fall.
Selbst beim Gesichtsausdruck der Mona Lisa ist man nicht sicher, ob sie sich hingeben würde.
Was hat Leonardo veranlasst, das Bild jahrelang mit sich zu führen und es später in Frankreich vor Franz I. hinter einem schwarzen Vorhang zu verbergen?
Bei seinem ambivalenten Wesen hatte er ihr wohl doch Avancen gemacht, sicher ohne Erfolg und deshalb hat er ihr spöttisches, ein wenig hochmütiges Lächeln festgehalten, um immer wieder an sie erinnert zu werden. Vielleicht hat er sich aber auch Gedanken darüber gemacht, ob es ihm nicht doch gelungen wäre, ihre Gunst zu erlangen, wenn er mehr Geduld bewiesen hätte. Wie sehr es ihn beschäftigt haben muss, zeigt sein Festhalten an ihrem Portrait.
Eine Ausnahme bildet »Leda und der Schwan« von Correggio, Berlin, erotisch, man sieht, wie Leda als kindliches Mädchen sich vor dem Schwan fürchtet, wie sie ihm sehnsüchtig nachblickt und wie sie nachher von ihm beglückt wird.
Einen Besucher hat ihr Gesicht so betört oder auch in seiner vermeintlichen Obszönität so geärgert, dass er es herausschnitt, es wurde ersetzt.
Man hat es damals vor lauter Marien, Heiligen, Persönlichkeiten, Allegorien der Tugend und Szenen der Antike verhindert, den Hauch der Erotik in Bildern darzustellen, selbst versteckt nicht, es sei denn, man kennt die Geschichten dahinter. Anders war es in der Literatur, wo sie auch damals in großer Zahl zu finden war.
Im Barock und Rokoko dagegen explodiert die Erotik in der Malerei, zuerst in biblischen Darstellungen: »Lot und seine Töchter«, Lazarus van der Borcht, Wien. Ein relativ deutliche Verführungsszene, aber noch nicht völlig nackt, man sieht deutlich, wie es weitergeht, die zweite Tochter im Hintergrund. Der Augenaufschlag der Tochter auf Lots Schoß .
Reizvoll ist auch das Mädchen in Domenichinos »Die Jagd der Diana«, nackt in einem Teich liegend. Es interessiert sie nicht, was die hinter ihr sitzende Freundin ihr zeigen will, sie blickt den Maler an. Ihr Gesicht verrät, dass sie an etwas anderes denkt. Domenichinos stellt es dar, für ihn ist sie begehrenswert.
»Zwei zechende Männer mit einer Frau unter der Gartenlaube im Hof«, Pieter de Hooch, Edinburgh. Ob sie wohl mit den beiden in ihre Schlafkammer geht?
Wer Fatties mag, muss schon bei Rubens suchen.
In zahllosen Zeichnungen ist am deutlichsten in all seinen Möglichkeiten dargestellt, wie man liebt, doch dadurch animiert zu werden, bedarf einer eignen Vorstellungskraft, sie induzieren keine plötzliche Lust. Zu schematisch in Mimik und vorauszusehender Bewegung, eventuell mit Fortsetzungen, nur einen Moment des Geschehens zu deutlich darstellend.
Der Impressionismus bevorzugt Farben, die exakte Form ist zweitrangig. Die Farbe dominiert zur atmosphärischen Darstellung des Lichts. Die Konturen sind verwischt, Details dadurch undeutlich. Stimmung entsteht, Erotik kaum. Wenig Möglichkeit, Erotik zu erzeugen. Es ist eben nur der Eindruck.
Ein gerader Pinselstrich zeigt das Motiv dennoch sachlich, wie im »Selbstbildnis« von van Gogh.
Anders ist Renoirs runde Pinselführung, sie vermittelt etwas genuin Weibliches und Erotisierendes, seine Mädchenbilder verführen. Obwohl keine Bewegung dies verrät, kann man sich die entsprechende Hingabe der jungen Frauen vorstellen.
Der Expressionismus wiederum legt Wert auf zum Teil exzessive Veränderungen von Form und Farbe. Selten kommt hierbei ein Lustgefühl auf. Anatomische Verbildungen des Körpers und seiner Gliedmaßen, selbst in narzisstischer Darstellung, bewirken zum Teil das Gegenteil, siehe Schiele.
Die Fotografie hat die größte Möglichkeit, in Bildern Lust zu bereiten. Doch das, was man sieht, reicht zwar zum Praktikum aus, aber zum Lustempfinden muss man dem Bild eine Bewegung hinzufügen, Fantasie ist gefragt, um es zu bewirken.
Im Film wird uns das alles geboten, man muss nur noch das entsprechende Gefühl beitragen.
Literatur ist, geschickt gemacht, am erfolgreichsten, um Lust zu erzeugen, man ist mit der Bedeutung des Wortes, der Vorstellung, und sich selbst allein in einer verborgenen Schatzkammer.
Aufklärung
Lot und seine Töchter.
In einer Gemäldegalerie betrachtete er mit der Tochter eines Bekannten ein Bild von Poussin: »Lot und seine Töchter«. Er kannte das Mädchen schon einige Zeit und sie mochten sich, wenn auch unausgesprochen. Sie war jetzt in dem Alter, in dem sie durch Gesten und Blicke dies schon deutlich ausdrücken konnte. Er bildete sich nicht ein, dass er ihr von Interesse sein könne. Sie kam aus einer konservativ katholischen Familie und hatte noch zwei Schwestern. Sie blickte ihn, so erzählte er, zuweilen aus den Augenwinkeln an und präsentierte ihre Reize mit den unwillkürlichen Bewegungen, die junge Mädchen vollführen, wenn sie sich beachtet fühlen. Das lenkte ihn natürlich darauf, wie jeden Mann, ob er es zugibt oder nicht, ihre Formen zu beurteilen, um sich vorzustellen, wie reizvoll es wäre, mit ihr zu schlafen, wie sie sich dabei wohl verhielte und ob sie es schon einmal getan hätte.
Er kam zu dem Schluss, dass dies unwahrscheinlich war, obwohl ihre langen Beine unter dem kurzen Kleid sicher etwas verbargen, worauf schon andere neugierig gewesen sein konnten. An all das dachte er bei anderen Mädchen, aber nicht bei ihr, schon die Bekanntschaft mit der Familie verbot es ihm.
Das Gemälde war zwar nicht von der Eindeutigkeit wie eine ihm bekannte Radierung, jedoch kam von ihr die Frage, was es darstelle.
Er erklärte: Die zwei hübschen Töchter haben ihren Vater verführt.
Was meinst du damit?
Weißt du nicht, was verführen ist?
Ja schon, aber was haben sie denn mit ihrem Vater gemacht?
Ich will dir die Geschichte erzählen. Zur Familie von Lot, die nichts mit den Schandtaten in Sodom zu tun hatte, kamen eines Abends zwei Wanderer zu Besuch, es stellte sich heraus, es waren Engel, sie erzählten ihnen, dass ihre Stadt, es war Sodom, von Gott befohlen, in Schutt und Asche versinken würde. Die Engel wollten Lot und seine Familie retten. Die beiden Besucher wurden von einer aufgebrachten Menge verfolgt, die in das Haus eindringen wollte. Um das zu verhüten, versprach Lot den Belagerern, er würde ihnen seine jungfräulichen Töchter hinausschicken, wenn sie davon Abstand nähmen. Die zwei Engel hinderten ihn an seinem Vorhaben, verschlossen die Tür und schlugen die Belagerer mit Blindheit. Sie sagten zu Lot, seiner Frau und den Töchtern, sie sollten im Morgengrauen ihr Haus verlassen. Sie führten Lot und seine Familie aus dem Haus und waren plötzlich verschwunden.
Die Fliehenden waren noch nicht weit, als Sodom und Gomorrha in Flammen aufgingen. Die Frau Lots sah sich, trotz des Verbots der Engel, um und erstarrte beim Anblick der brennenden und rauchenden Stadt zur Salzsäule. Lot und seine Töchter flohen in den Wald.
Warum wollte Lot denn seine Töchter zu den Männern hinausschicken, fragte meine Begleiterin.
Es waren zwei junge hübsche Mädchen, die sollten die draußen besänftigen.
Wie besänftigen?
Sie mit ihrem weiblichen Charme davon abhalten, in das Haus einzudringen.
Was nennst du weiblichen Charme?
Ein Aussehen und Verhalten von Mädchen, das Männer anzieht.
Wie muss man sich verhalten?
Man muss sie locken.
Mit was kann man sie locken?
Ich wusste jetzt nicht, ob sie noch so naiv war oder mich herausforderte.
Also, man kann die Männer mit Blicken aufmuntern, einen näher zu betrachten, um das herauszufinden, was interessant sein könnte, der schöne Mund zum Küssen, die Brüste, um sie zu streicheln.
Meine Begleiterin hatte solche, die von dem knappen Kleid gefangen gehalten wurden, die langen Beine, das kurze Kleidchen ließ ihre Oberschenkel sehen, an deren Enden etwas für Männer Lockendes liegt.
Ich kann es mir denken, sagte sie.
Ich wollte es jetzt wissen: Was kannst du dir denken?
Was es ist.
Was ist es denn?
Rein theoretisch, wie man Kinder kriegt. Sie hatte jetzt ganz genau die Töchter Lots betrachtet, wie sie ihren Vater betörten. Wie haben sie es denn gemacht?
Ganz einfach, als es dunkel war, ging die Älteste zu ihm und schmeichelte ihm, sodass sie von ihm ein Kind empfing.
Geht es denn so einfach?
Nicht immer.
Warum wollte sie es so genau wissen?
In der nächsten Nacht ging die Jüngste zu ihm, er schwängerte auch sie. Wie alt waren denn die Mädchen?
So alt wie du.
Na ja. Er war immer noch nicht sicher, ob sie kokettierte oder wirklich nicht wusste, um was es geht.
Wieso kann ein Vater so etwas mit seinen Töchtern tun?
Er ist ein Mann wie jeder andere und die Töchter Mädchen wie andere.
Pause.
Hatte sie denn niemand aufgeklärt? Und wenn, war alles nur reine Theorie geblieben, ohne dass in ihrem Kopf, geschweige denn sonst eine Umsetzung in die Praxis erfolgt war, er konnte sich nicht entschließen, ihr eine Lektion zu erteilen, wie er es früher getan hätte, es war auch nicht der Ort dafür, obwohl niemand in der Nähe war.
Es kam ihm die Idee, es weiter theoretisch fortzuführen.
In einem abgelegenen Raum, vor der Öffentlichkeit ein wenig verborgen, befand sich, wie er wusste, ein etwas deutlicherer Stich von Lot mit seinen Töchtern.
Komm, wir sehen uns ein anderes Bild zu den gleichen Vorkommnissen an, was mehr zu deinem Verständnis beiträgt.
Okay.
Wir gingen dorthin, vielleicht eine halbe Stunde vor Schließung der Galerie. Wir müssen uns aber beeilen.
Es war der Kupferstich, auf dem die jüngere Tochter, ihren Kopf im Schoß der Schwester, vom Vater geliebt wird, wobei deutlich die Symptome der Lust in den Gesichtern stehen und auch sein Instrument, halb versenkt, im Schoß der Jüngsten sichtbar ist.
Sie sah sich alles genau an und er erwartete gespannt ihren Kommentar.
So haben die es angestellt, jetzt kann ich es mir vorstellen. Sie wird ja festgehalten, ihr tut es sicher weh!
Woher wusste sie das?
Sie stand vor ihm, er spürte die Wärme ihres Rückens unter dem dünnen Kleid. Sie verriet ihre Erregung durch den bekannten Blütenduft, den junge Mädchen dann verbreiten. Er wollte sich auf keine Abenteuer einlassen und rückte von ihr ab.
Inwieweit kennst du dich denn aus? fragte er mutig.
Eigentlich gar nicht.
Sie sah sich das Bild, wie er merkte, genau an. Er ließ ihr Zeit.
Hast du gesehen, was passiert, fragte ich.
Natürlich weiß ich das! Sie sagte es jetzt selbstbewusster.
Ähnelst du nicht ein wenig der jüngsten Tochter von Lot?
Nicht ganz so, wenn ich genau hinsehe, sagte sie schelmisch.
Ich will es vergleichen. Der Mund, du hast vollere Lippen, sie schürzte sie, dein Hals ist zierlicher und länger, sie stand brav vor mir, ihr enges Kleid über ihren Brüstchen konturierte diese für mich aufreizend.
Über allem hatte er vergessen, warum sie ungestört geblieben waren, die Galerie war menschenleer.
Nun suchten sie danach, wie sie herauskommen konnten, der Ausgang war verschlossen. Sie fanden das Café und ließen sich nieder. Von dort gelangten sie nach draußen.
Was ein Maler doch alles anrichten kann. Im Nachhinein war er nicht sicher, ob seine Zurückhaltung in ihrem Sinne gewesen ist, vielleicht wäre ihr eine nähere Belehrung lieber gewesen. Es hätte aber auch zu Komplikationen führen können. Da sie weit entfernt zu Hause war, trafen sie sich erst eine lange Zeit später wieder, alles schien vergessen.
Spätentwickelt
Er ging zum ersten Mal nach dem Krieg wieder zur Schule. Den Gefahren entkommen, wurde jede Gelegenheit genutzt, sich zu amüsieren. Dabei spielten Mädchen eine wichtige Rolle. Mit zwanzig Jahren waren sie für ihn noch unentdecktes Terrain.
Es begann sein Interesse für sie in der Tanzstunde, die erste körperliche Berührung mit dem weichen, biegsamen Körper. Jungen und Mädchen einander gegenübergestellt, musste er sich entscheiden, wen er als Partnerin wählte. Gesicht und Figur waren die Kriterien. Er war schnell und nahm eine der Schönsten, sechzehn Jahre alt, bei der Hand. Ein hübsches Gesicht, eine schlanke, formvollendete Figur, die Zaghafte zu fühlen kam ihm nach einiger Zeit zum Bewusstsein. Wie üblich wurden die Damen getauscht, so konnte man sich unter allen ein Bild machen, wer die Anziehendste war. Für ihn war es Lore, die er gewählt hatte. In den Pausen und auf dem Weg nach Hause traute er sich nicht, ihr näherzukommen, doch auch sie war zu scheu und ermutigte ihn nicht.
Andere Mädchen machten ihm mehr Mut, sie zu umarmen und zu küssen. Fee zum Beispiel, deren unheimlich schmiegsamer Körper ihn umfing mit den weichen Formen ihrer Brüste und der schlanken Beine, aber er war nicht kühn genug, wie er heute meint, sie weiter zu erforschen, ein anderer war schneller und erfolgreicher. Lorchen, nicht Lore, war ein anhängliches Mädchen, schien jünger als die anderen, mit ihr tauschte er unzählige Küsse. Ein Iris-Kolobom rechts beeinträchtigte ihre Schönheit nicht, sie sah im Dunklen noch alles, was er nicht erkannte.
Helga, zurückhaltend, aber interessant, mit der er viele Klavierkonzerte besuchte, war für ihn körperlich nicht so anziehend, obwohl gut geformt, konnte sie ihn nicht erobern und ihre Liebe blieb platonisch. Beim Abschluss der Tanzstunde oder später erinnerte er sich wieder an Lore und entdeckte, dass er sie doch sehr lieb hatte, mit ihr wollte er schlafen. Sie war eine wirkliche Schönheit. Doch widrige Konstellationen verhinderten es.
Gedanken junger Mädchen und ihre Neugier
Wenig ist über die Gedanken junger Mädchen bekannt, zu welchem Zeitpunkt sie es fühlen und zum ersten Mal bereit sind, mit jemandem zu schlafen. Der Wunsch kann früher oder später, je nach Intensität des Lustgefühls, der Gelegenheit und Aktivität des gewählten Partners in Erfüllung gehen.
Fragen und Antworten
Fragen und Antworten junger Mädchen im Internet sind zuweilen überraschend. Man fragt sich, woher der Wunsch rührt, zum ersten Mal zu lieben. Offensichtlich gibt es nur eine Erklärung: die ererbte Lustbefriedigung, die von Kindheit an vorhanden ist und die sich zufällig, wann auch immer, manifestiert. Ohne ein Vorbild, im ursprünglichen Sinn des Wortes, oder Erzählung, was es bedeutet, kommt der Wunsch nicht zustande und damit auch nicht die Lustbefriedigung.
Interessant sind Vorstufen davon oder auch Folgen, die dazu führen, oft öffentliche Ereignisse.
Ein Phänomen ist die Hysterie in Pop-Konzerten und bei Rapper-Texten, die offensichtlich selbst bei ganz jungen Mädchen sexuelle Begierden auslösen. Wann sich diese dann realisieren, hängt von der Situation ab.
The age did not surprise me, I had read reports young girls asks other girls for questions and got answers about their first time of loving. Many were of opinion it would be OK after 12, 13, others recommended 16 would be ready for it, others, it would be only legal with 14. Another one asked, she was 10 and wanted it absolutely with a boy for the first time. Another one responded: She cannot understand this at all. One had it in turn with her present friend and first friend together her first time and had a long time the stunning quiver to the marrow.
Even very young girls often run at the end of a concert after the boys of the band behind the stage and beg to be loved, some did not know at all perhaps yet, what it means. The rejected ones later burst into tears and envied the ones who had been loved by the boys. One sees with astonishment into which ecstasy such young girls get, it must be the music, the voice of the rappers or singers and the animation with rhythms of primeval times of mankind, these served at that time to arouse sexual desire to save the stock of the tribe. Obviously today these engrams work on further. This could be an explanation for this that girls feel carnal desire and be allocated unripe or ripe because of rhythms and songs, steered so to speak genetically, and there is no fear of defloration and pregnancy. Of course they tell nothing to their parents, they only remember the event which is separated from their intellect.
(Eine Übersetzung findet man im Anhang auf Seite 161)
Briefe oder Notizen rufen blitzartig Erinnerungen detailliert wach. Heute werden E-Mails übermittelt, die meistens unbedeutende Erlebnisse, Verabredungen, Neuigkeiten, also meist nur Prosaisches und kaum Erotisches enthalten, alles wird sowieso gelöscht.
Die Gedankenwelt früherer Menschen ist uns in ihren Briefen überliefert. Von uns heute wird davon nichts erhalten bleiben, es sei denn in elektronischen Archiven, gefüllt mit dem, was auf Bildschirmen erschienen ist, irgendeine Tendenz, die nicht dem Gedanken eines Individuums entsprang, genormt.
Des Weiteren in Romanen, deren Autoren sich bemühten, alles andere als die normale Realität darzustellen. Aus einer solchen Menge von Daten Individuelles herauszufiltern, ist nicht möglich.
Ein Historiker, der mit versuchter Objektivität arbeitet (wahrscheinlich gibt es keine), kann vielleicht daraus ein Bild der Zeit konstruieren, aber die Gedankenwelt eines einzelnen Menschen wird nicht mehr zu finden sein.
Briefe bleiben erhalten. Aber schon beim Schreiben auf einem Computer gehen viele Gedanken durch sofortige Korrektur verloren. Handschriftlich blieben sie bestehen, selbst wenn man sie durchstreicht. Tagebücher, die auch das festhalten, was sich zur gleichen Zeit in der Gesellschaft und der Welt abspielt, individuell beurteilt, sind von Bedeutung.
Beispiele dafür sind gut recherchierte Biografien, die synchronisiert Zeitgeschehen und Personen verknüpfen.
Viele Liebesbriefe sind uns überliefert und versetzen uns in die Gedankenwelt der Schreiberin oder des Verfassers. Romantik ist in unserer Zeit verborgen, Coolness ist das Motto.
In Filmen wird versucht, sie, die Romantik, herbeizuholen, die Schemata sind immer gleich in Ausdruck und Handlung, dabei soll das Gefühl zu Worte kommen, kann aber nicht, so öffentlich.
Auch junge Mädchen schreiben Briefe, in denen sie ihre Gefühle zeigen.
Darin wird deutlich, wie intensiv selbst junge Mädchen sich nach sexueller Befriedigung sehnen und die Gelegenheit dazu suchen.
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