Kitabı oku: «Teresa von Ávila», sayfa 2
Teresas rätselhafte Krankheiten und ein „Klostereintritt aus Höllenfurcht“
Wir begegnen hier einem weiteren für Teresa charakteristischen Phänomen: ihren lebenslangen Krankheiten, die einerseits – nach heutigem Verständnis – Ausdruck eines permanenten Somatisierungsprozesses waren, sich andererseits aber durch die nie endenden inneren Spannungen zwischen dem, was sie im Gebet zu erkennen glaubte, und ihrer „ungenügenden Ant-Wort“ erklären lassen: „Es befielen mich neben Fieberschüben auch immer wieder starke Ohnmachtsanfälle, da ich schon immer eine sehr schwache Gesundheit hatte. Indessen erfüllte mich die Freude an guten Büchern mit Leben. So las ich in den Briefen des hl. Hieronymus, die mir so viel Mut machten, dass ich mich entschloss, meinen Vater in meine Klosterpläne einzuweihen, was schon fast so viel war, wie den Habit zu nehmen. Denn ich war so besorgt um meine Ehre, dass ich diesen Schritt niemals zurückgenommen hätte, sobald ich ihn einmal ausgesprochen hatte (V 3,7).
Am 2. November 1535 tritt Teresa – aus Höllenfurcht, wie sie selber bekennt – in den Karmel von der Menschwerdung (Encarnación) zu Ávila ein, wo sie ein Jahr später eingekleidet wird und am 3. November 1537 Profess ablegt. „Ich erinnere mich noch ganz genau daran, dass der Schmerz, den ich empfand, als ich das Haus meines Vaters verließ, nicht stärker sein konnte, als wenn ich stürbe, denn mir war es, als löste sich jeder Knochen einzeln aus meinem Körper“ (V 4,1).
Immerhin stellt sich – vorübergehend – eine Art innerer Glückszustand bei Teresa ein: Sie, die an Geschmeide und Wohlleben gewöhnte und „verwöhnte“ junge Adelige, empfindet plötzlich eine innere Genugtuung beim Kehren der Klostergänge und bei anderen haushaltlichen Tätigkeiten, wenngleich sie im Kloster – ihrem Status gemäß – noch eine Dienerin bei sich hat.
Dennoch ist die Umstellung gewaltig: Teresa ist nicht an Zurechtweisungen gewöhnt und muss auf ihre bisherige Sonderstellung (im Kreis der Familie und Freunde) verzichten. Das Menschwerdungskloster beherbergt zu jener Zeit zwischen 65 bis zu 180 Nonnen. Es ist eine Art Zufluchtsstätte für adelige Damen der Stadt, die – wegen der vielen Kriege und des damit einhergehenden Frauenüberschusses – dort Aufnahme suchen, da sich keine passende standesgemäße „Partie“ für sie gefunden hat. Auch in diesen Mauern setzen sich der gewaltige Standesunterschied und die dadurch bedingten Ungleichbehandlungen der Schwestern fort. Die reichen und adeligen Doñas dürfen Freundinnen, eigene Bedienstete und sogar Haussklavinnen in ihren geräumigen Zellen unterbringen. Auch für Doña Teresa gilt dieses Privileg, wie man bei einer heutigen Klosterbesichtigung noch sehen kann. Natürlich fehlt es am Nötigsten, vor allem als das Menschwerdungskloster mit bis zu 180 Nonnen völlig überbelegt ist. Und so sind die meisten Bewohnerinnen gezwungen, zeitweise bei ihren Familien und Freunden Unterschlupf und Verpflegung zu suchen.
Schließlich werfen der Wechsel der Lebensform, das Fasten, die Bußübungen und vor allem die schweren inneren Kämpfe Teresa erneut auf das Krankenlager, so dass Don Alonso, ihr Vater, zu einer sogenannten curandera, einer „Heilerin“, in Becedas seine Zuflucht nimmt.
„Die Veränderung meiner Lebensweise und der Nahrung war für meine Gesundheit gar nicht zuträglich, denn wenn ich auch sehr großes Glück empfand, so reichte das doch nicht aus. Die Ohnmachtsanfälle nahmen allmählich zu, und es befiel mich ein so schweres Herzleiden, dass jeder, der es miterlebte, darüber erschrak; hinzu kamen noch viele andere Beschwerden.
(…) Mein Vater bemühte sich sehr um Abhilfe. Da aber die hiesigen Ärzte nicht auf ihn eingingen, ließ er mich an einen Ort (Becedas) bringen, der in dem Ruf stand, dass man dort verschiedene Krankheiten heilte“ (V 4,5 ff.).
„Seine Majestät“, Gott selbst, ergreift – erneut – das Ruder
Auf dem Weg nach Becedas fällt ihr bei ihrem Onkel, Don Pedro Sánchez de Cepeda, das Buch in die Hände, das für ihr späteres mystisches Erleben von ungeheurer Bedeutung werden sollte: das Tercer Abecedario (Das Dritte Geistliche ABC) des Francisco de Osuna, eine Einführung in das innere Gebet. Eine neue Welt eröffnet sich ihr und zeitgleich beginnt sich eine innere Wandlung in Teresa abzuzeichnen. „Seine Majestät“, so nennt Teresa Gott, „begann, mir viele Gnaden zu erweisen. Ich versuchte, so gut ich konnte, Jesus Christus immer in mir gegenwärtig zu halten. Dies war meine Art und Weise zu beten“, bekennt sie Jahrzehnte später in ihrer „Vida“. Das Leben, die „Menschheit Christi“, seine Passion und sein Tod werden fortan Gegenstand ihrer Reflexion und ihres liebenden Versenkens.
Die im April 1539 unternommenen Heilungsversuche der „curandera“ hatten Teresa körperlich ruiniert und sie an den Rand des Grabes gebracht; im Juli desselben Jahres kehrt sie völlig gebrochen in das Menschwerdungskloster zurück. Etwa drei Jahre lang bleibt sie gelähmt, unfähig, auch nur die geringste Bewegung auszuführen. Allerdings machen die Nachrichten von Doña Teresas Scheintod und wunderbarer Heilung in Ávila die Runde. Teresa nutzt die „Zusammenkünfte“ zu einer Unterweisung in das „innere Gebet“, obgleich sie selbst darin von niemandem unterwiesen worden war. Sie hat jetzt eine Schlüsselrolle für das gesamte Kloster inne, weil man auf ihren Charme im Sprechzimmer und ihren hervorragenden Ruf als begnadete Nonne – auch wegen der zu erwartenden Spendenbereitschaft der Bürger von Ávila – nicht mehr verzichten kann. Teresas bereits im Elternhaus bewiesene Begabung für ein „Doppelspiel“ (damals bezüglich der vom Vater verbotenen Lektüre!) lässt sie nach außen untadelig erscheinen, in ihrem Inneren nagt jedoch ein permanent schlechtes Gewissen, weil sie die „perfekte Nonne“ zwar spielt, innerlich jedoch noch weit davon entfernt ist.
Nach völliger Wiedererlangung der Gesundheit, die sie dem segensreichen Wirken ihres Lieblingsheiligen „San José“ (Josef) zuschreibt, unterhält Teresa – den Gewohnheiten des Klosters gemäß – erneut äußerst regen Kontakt zur Außenwelt. Ihr bezauberndes Naturell und ihr feuriges Herz ziehen die Besucher auch noch am Sprechgitter an. „Fast 28 Jahre“, gesteht sie selbst, „war es ein ständiges Fallen und Wiederaufstehen, es war kein gutes Aufstehen, da ich immer wieder fiel, denn weder erfreute ich mich an Gott, noch fand ich in diesen Kontakten zur Welt meine innere Ruhe“ (V 8,2).
Auch ihr Hang zum Gefallen, zum „Entertainment“, zur geistreichen Plauderei steht ihrer ernsthaften Suche nach einem Zwiegespräch mit Gott immer wieder im Wege: „Und so begab ich mich von Zeitvertreib zu Zeitvertreib, von Nichtigkeit zu Nichtigkeit, von einer Gefährdung in die andere. Und meine Seele war von all den Eitelkeiten so zerrüttet, dass ich sogar schon vor dem Gebet, dieser freundschaftlichen Hinwendung zu Gott, zurückschreckte. (…) Ich begann schließlich, zum Gebet zurückzukehren; doch hörte ich nicht auf, mich erneut Gefahren auszusetzen. Das Gebet aber gab ich fortan nie mehr auf“ (Vida 7,1; 7,17; p. 43).
4.Exkurs: Spaniens „Goldenes Jahrhundert“: kultureller und zivilisatorischer Glanz eines Riesenreichs
Halten wir kurz Rückschau: In welches politische Umfeld ist Teresa hineingeboren?
Ein Jahr nach Teresas Geburt geht die Herrschaft der Katholischen Könige, Fernando und Isabel, zu Ende. Unter ihrer Regentschaft hatte das unerbittliche Auge der „Santa Inquisición“ (Inquisition) über die Reinerhaltung des katholischen Glaubens gewacht. Teresa sollte die perfiden Taktiken und Schikanen dieser „Glaubensbehörde“ schon bald aus eigener Anschauung kennenlernen! Granada, das letzte Bollwerk der 700-jährigen Maurenherrschaft, war 1492 gefallen. Die Juden waren des Landes verwiesen und Amerika war entdeckt worden.
Die Herrschaft Karls V. und Philipps II.
Teresa lebte keineswegs mit dem Rücken zu ihrer Zeit oder gar gegen sie. In ihren zahlreichen Schriften finden wir Belege dafür, dass sie alle politischen Ereignisse sehr wohl registrierte und – nach ihren jeweiligen Kenntnissen – auch kommentierte.
Während ihrer Lebenszeit regieren Karl V. und sein Sohn Philipp II. – zwei sehr unterschiedliche Herrschergestalten – das Weltreich.
Karl V. (nach spanischer Lesart Karl I.) ist von 1515 an der alleinige Herrscher eines weiträumigen Reiches, das ihm von den Großeltern überkommen war und in dessen Herrschaftsgebiet – sprichwörtlich – „die Sonne niemals unterging“. Nach seiner Krönung zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation ist er – wie nach Karl dem Großen kein Herrscher – mit einer ungeheuren Machtfülle ausgestattet. Spanien fällt hierbei die Rolle des Verteidigers des katholischen Glaubens zu, eine Rolle, die seitens des Herrschers abwechselnd durch Dialog und mit bewaffneter Gewalt durchgesetzt wird.
Gleichzeitig fügt Karl V. nach der Entdeckung Amerikas durch seine Eroberungskriege dem Riesenreich die sogenannten Indias (Teile des heutigen Lateinamerika) hinzu. In Teresas Geburtsjahr fährt durch den genannten Herrscher ein „neuer Wind“ durch die Iberische Halbinsel und die junge Teresa wird während seiner Herrschaft Augenzeugin einer Glanzzeit in Kastilien, weil die durch den Kardinalerzbischof von Toledo und Großinquisitor Ximénez de Cisneros angestrebte Förderung der humanistischen Werte erste Früchte trägt. Die Universitäten erleben eine neue Blütezeit und durch eine Fülle gedruckter geistlicher und weltlicher Bücher erweitert sich der Horizont einer zunehmend gebildeteren Leserschaft. Für Teresa bedeutet dies die Möglichkeit, sich in persönlicher Lektüre weiterzubilden und eine für ihre Zeit und ihren (niederen) Adelsstand beachtliche Bildung zu erreichen.
Kastilien öffnet sich für Europa und anfänglich setzt Karl V. alle Hoffnungen auf die geistigen Neuerungen des niederländischen Humanisten Erasmus von Rotterdam (1466–1536), der 1516 von Kardinal Cisneros persönlich nach Spanien eingeladen wird und dessen Werke (Enchiridion: Handbüchlein des Soldaten Christi; Wie man beten soll; Das Gebet des Herrn) ab 1527 ins Spanische übersetzt werden. Ab 1530 jedoch gerät jener immer mehr in das Visier der Inquisition, die ihn schließlich verfolgt und seine Werke verbietet.
Die nobelste Aufgabe des Herrschers ist nach seinem Verständnis die Aufrechterhaltung einer universellen christlichen Monarchie zur Bewahrung der neuen Werte des Humanismus und die Erneuerung der katholischen Kirche. Karl V. sieht nach unzähligen wirtschaftlichen und politischen Krisenszenarien noch zu seinen Lebzeiten sein „Werk“ brüchig werden und zieht sich 1555/56 – nach seiner Abdankung – verbraucht und verbittert in die Einsamkeit eines Klosters in Yuste zurück.
Nahtlos folgt auf ihn am 15. 1. 1556 sein Sohn Philipp II., seines Zeichens nunmehr König von Spanien, Portugal, Neapel, Sizilien und Sardinien, Herzog von Mailand, Herrscher der Niederlande und Herzog von Burgund. Zusätzlich wird er durch seine Eheschließung mit Maria I. (iure uxoris) König von England und Irland, Graf von Habsburg, Flandern und Tirol …
Allerdings – und im Gegensatz zu seinem Vater – ist Philipp II. kein Mann großer Visionen; er kümmert sich nur noch um den Erhalt der spanischen Reiche und unterdrückt alle abweichenden politischen oder religiösen Meinungen. In der Folge entstehen neue Nationalismen und schlussendlich eine Spaltung der Christenheit, welche Philipp mit eiserner Hand durch die stets sich ausweitende Herrschaft der Inquisition und die gefürchteten „Autos de Fe“ (Glaubensgerichte) vergeblich zu verhindern sucht. 1559 verbietet Philipp das Studium an außerspanischen europäischen Universitäten und die Einfuhr ausländischer Bücher. Für Teresa wird diese „kopernikanische politische Wende“ zum Verhängnis, weil sich im Volk eine panische Angst vor der Verurteilung und den Strafen der Inquisition breitmacht, die ihren traurigen Höhepunkt 1559 im sogenannten „Index der verbotenen Bücher“ finden, der jegliche Lektüre geistlicher Bücher in der Muttersprache untersagt. Teresa sieht sich der für sie entscheidenden geistlichen Bücher beraubt und klagt: „Als viele in der Volkssprache geschriebenen Bücher weggenommen wurden, damit sie nicht mehr gelesen würden, litt ich sehr darunter, denn es verschaffte mir Erholung, manche von ihnen zu lesen, aber das konnte ich nun nicht mehr, weil man sie nur noch auf Latein zuließ“ (V 26,6).
Spanien zieht sich auf sich selbst zurück, gefährdet dadurch seine Wirtschaft und verpasst die Öffnung hin zu einer neuen Zeit. 1563 erbaut Philipp sich im Escorial das Stein gewordene Symbol seiner Regierungszeit: ein Grabmal in perfekter architektonischer Symmetrie, einen kalt anmutenden Palast, in dessen Mitte er sich in das Kloster San Lorenzo zurückzieht und von dort aus sein Weltreich regiert. Seine zahlreichen Kuriere berichten ihm von den Unruhen in den Niederlanden, von der rasanten Verbreitung von Martin Luthers neuem Gedankengut im fernen Deutschland, bringen Kunde von einer drohenden Kirchenspaltung, melden die zunehmend hohe Staatsverschuldung und den Verlust politisch wichtiger Territorien. Kurz: Ein Weltreich steht vor seinem Niedergang. Als Philipp II. im Jahr 1598 stirbt, hat sich der politische Schwerpunkt Europas bereits vom Mittelmeer zum Atlantik hin verschoben.
Welchen geistlichen Strömungen begegnet Teresa durch ihre gelehrten Beichtväter?
Die spanische Kirche des 16. Jahrhunderts ist im Wandel vom Mittelalter zur Renaissance begriffen, in welcher der Mensch sich selbst entdeckt und zum Mittelpunkt allen Geschehens erhebt. Dennoch gibt es Bereiche, die den Gläubigen nicht zugänglich sind, wie beispielsweise das persönliche Beten im Gegensatz zum vorformulierten, mündlichen Gebet. Teresa bringt es später auf den Punkt, wenn sie fordert: „Es geht hier nicht darum, viel zu denken, sondern viel zu lieben“ (F 5,2). Eine Kluft tut sich auf zwischen der Theologie und der Mystik.
Aus dem niederländischen und deutschen Sprachraum war die Kunde von der als Devotio moderna bekannt gewordenen geistlichen Strömung, die sich bewusst in der Betrachtung übte, bis zur Iberischen Halbinsel vorgedrungen. Namen wie Meister Eckhart, Johannes Tauler und Heinrich Seuse übten auf Kleriker und Laien großen Einfluss aus. Aus Flandern stammten Ruusbroec und sein Schüler Hendrik Herp. Teresa hatte Zugang zu einigen Schriften der berühmtesten Autoren ihrer Zeit, wie Bernardino de Laredos (1480–1540) Aufstieg zum Berge Zion, ferner kannte sie das Leben Christi des Kölner Kartäusers Ludolph von Sachsen, seine Meditationen und einiges mehr. Ferner die Abhandlung über das Gebet und die Meditation des von ihr sehr verehrten großen Büßers Pedro de Alcántara (1499–1562) und die Schrift Von der Kunst, Gott zu dienen des Alonso de Madrid.
Gerhard Groote hatte in den Niederlanden die Gemeinschaft der Brüder des gemeinsamen Lebens gegründet, die miteinander beteten und geistliche Codices abschrieben. Man betonte die persönliche Beziehung zu Christus, die Betrachtung seines Leidens und Sterbens und seiner Auferstehung als Zugangstor zu einer neuen Innerlichkeit. Teresa kannte auch die Nachfolge Christi des Thomas von Kempen.
In Spanien findet das Gedankengut der Devotio Moderna unter anderem Verbreitung durch die Textsammlung der Übung des geistlichen Lebens des Benediktinerabts (und Neffen des Großinquisitors!) García de Cisneros.
Der Einfluss des Girolamo Savonarola, der wohl schillerndsten Figur der italienischen Dominikaner, wird seinerseits prägend für Gestalten wie Luis de Granada, dessen geistliches Umfeld Teresa in Valladolid, Ávila und Salamanca kennenlernen wird.
Teresa hat im Prinzip drei Quellen für ihre Selbst-Bildung: die geistlichen Autoren ihrer Zeit, die Predigten ihrer Beichtväter und den persönlichen Dialog mit jenen hochgebildeten Geistlichen. Da sie seit ihrer Kindheit begierig danach strebt, Neues kennenzulernen, und außerdem mit einer überdurchschnittlichen Phantasie begabt ist, verschlingt sie während ihrer schweren Krankheit sämtliche verfügbare geistliche Literatur ihrer Zeit. Ihr Gefühlsreichtum wird in dem Maß geweckt, in dem sie sich entschieden Christus in seinem Leiden zuwendet.
Und wir erkennen einen weiteren Zug in Teresa: ihr übergroßes Bedürfnis, das, was in ihrer Seele geschieht, „zu geworten“, um es zugleich auf seinen Wahrheitsgehalt zu prüfen. Das wird ihr zeit ihres Lebens viel Leid einbringen.
Die großen spanischen Heiligen Fray Luis de Granada und S. Pedro de Alcántara – „ich sah, dass er mich aus seiner eigenen Erfahrung heraus verstand“ (V 30,4) – werden sie von nun an zu neuen Weisen der Kontemplation „inspirieren“ und in ihren „unerhörten“ Erfahrungen bestärken.
Auch beeindruckt und prägt sie die Lektüre der Bekenntnisse des hl. Augustinus um das Jahr 1554 (V 9,8), weil sie sich hier verstanden und bestärkt fühlt in ihrer Intuition, einerseits Christus im tiefsten eigenen Inneren suchen zu müssen und dass andererseits „Sammlung und Aktivität“ sich nicht ausschließen.
5.„Es ist ein anderes, neues Buch ab hier …“: neue „Innenansicht“ der Teresa von Ávila
Drei Etappen auf einem lebenslangen Weg der Gottsuche können wir bei Teresa von Ávila ausmachen: die spontane und eher begeisterte Art des Betens ihrer ersten Klosterjahre (bis 1554), die schwierigere Zeit einer wirklichen Konfrontation ihrer Seele mit ihrem Gott und schließlich das mystische Gebet als Erschließung immer neuer Horizonte und beglückende Erfahrung Seiner Freundschaft.
In ihrer Autobiographie benennt Teresa selbst zwei große Wegstrecken ihres Gebetslebens und unterscheidet ein „Vorher“ und ein „Nachher“, wenn sie schreibt: „Es ist ein anderes, neues Buch ab hier, ich meine ein anderes, neues Leben. Das bis hierher war meines; das, was ich gelebt habe, seitdem ich diese Gebetserfahrungen zu erläutern begann, ist – wie mir scheint – das, was Gott in mir lebt“ (V 23,1).
Ihr ganzes Leben durchziehen immer neue Erfahrungen des Betens. Und dieser Prozess kennt Höhen und Tiefen, Krisen aller Art und echte Konversionen. Ohne immer neue Suche nach dem, was einen echten Dialog zwischen Gott und der Seele ausmacht, wäre Teresas Leben nicht denkbar. Und dieser Dialog wird immer mehr zum „Gespräch mit einem Freund, mit dem wir oft und gern allein zusammenkommen, um mit ihm zu reden, weil wir sicher sind, dass er uns liebt“ (V 8,5–6). Wenn aber dieser Dialog misslingt oder von Teresas Seite vernachlässigt wird, gerät ihr Leben sogleich aus den Fugen.
Erst viel später wird Teresa ein hübsches Bild für dieses Sich-immer-mehr-in-Ihn-Versenken finden: die sieben Wohnungen der Inneren Burg, in dessen Zentrum Er, Gott, wie ein liebender Bräutigam die Seele als Seine Braut erwartet. Erst dann ist sie wirklich angekommen, wird sie in Ihn selber verwandelt, wird sie zu Teresa de Jesús, was so viel bedeutet wie ganz die Seinige.
1554: Bekehrungserlebnis vor einer mit Wunden übersäten Christusstatue
Da geschieht 1554 etwas Unerwartetes: Vor einem Bild Christi, das ihn als Schmerzensmann zeigt („ante un Cristo muy llagado“), wird Teresa angerührt, aufgewühlt, bis sie, in Tränen aufgelöst, sich vor ihm niederwirft und gelobt, von nun an nur noch Ihm zu leben. Dieses Erlebnis einer Konversion wird der Beginn eines völlig neuen Weges radikaler Selbstaufgabe, der sie in ungeahnte Höhen mystischer Vereinigung führen sollte. Immer wieder ist Gott selbst derjenige, der die Initiative ergreift. Teresas „Ant-Wort“ ist sie selbst, die Hingabe ihrer Kräfte, ihrer Zeit und vor allem ihres feurigen, liebesbedürftigen Herzens.
Was die Heilige ab jetzt allein interessiert, ist nicht, uns ihr äußeres Leben zu erzählen, sondern Gottes Handeln in ihm zu veranschaulichen.
Fortan ist es nur allzu konsequent, dass sie nach Mitteln und Wegen sucht, diese ihre innere Erfahrung auch den anderen – zunächst den sie umgebenden Mitschwestern – mitzuteilen. Dies ist der eigentliche Antrieb all ihres Schreibens und ihrer Reformpläne, die sie trotz aller Widerstände und Strapazen mit der Gründung von insgesamt 18 Reformklöstern verwirklicht.
Ihr ganzes Leben lang – besonders aber auf dem Höhepunkt ihrer rastlosen Gründungsaktivitäten – wird Teresa bestimmt von jener „unaussprechlich“ (ineffabile) zu nennenden Erfahrung einer innigen, intimen Freundschaft mit Gott, den sie in ihrem Innern, aber auch in Menschen und Situationen erfährt. Sie erlebt seine Menschheit und Nähe in einer wachsenden Vertrautheit. Gleichzeitig beklagt sie ihre eigene Armseligkeit und Sein Anderssein. Und so geht es Teresa wie allen Mystikern: Sie ringt um den Ausdruck des Unerhörten, das ihr widerfährt. In Wort und Schrift – auf Geheiß und im Gehorsam gegen ihre Beichtväter – lässt sie ihre damaligen und uns heutige Leser teilhaben an jener Erfahrung in einem Gesamtwerk, das zum Schönsten der spanischen Literatur zählt und das uns heute in verschiedenen Ausgaben – und in unzählige Sprachen übersetzt – erhalten ist.
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