Kitabı oku: «Was die Spatzen im Zoo von den Dächern pfeifen»

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Was die Spatzen im Zoo von den Dächern pfeifen
Wahre Geschichten einer Abenteuerreise
Ellen Driechciarz

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Impressum
Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
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© 2021 – Papierfresserchens MTM-Verlag GbR
Mühlstr. 10, 88085 Langenargen
Alle Rechte vorbehalten. Taschenbuchauflage erschienen 2018.
Herstellung: CAT creativ - cat-creativ.at
Lektorat: Melanie Wittmann
Fotos: © Ellen Driechciarz
Bilder Cover: © noriokanisawa, © M. Schuppich, © Carola Schubbel, © jb_stock
– lizenziert Adobe Stock.
ISBN: 978-3-86196-742-2 - Taschenbuch farbig
ISBN. 978-3-96074-435-1 - E-Book
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Inhalt
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Vorwort
Hallo Kinder! Habt ihr das gehört?
In der dichten immergrünen Hecke neben dem Streichelzoo findet eine ohrenbetäubende Vollversammlung statt. Hier treibt sich nämlich ein Schwarm Haussperlinge herum und alle scheinen um die Wette zu tschilpen. Dann sammeln sie sich oben auf den frischen Trieben und – wusch – die ganze Sippe schwirrt eilig über den Weg in den Stall der Ziegen.
Habt ihr das gesehen, Kinder?
Frech und lärmend fallen die Spatzen in das Stallgebäude ein. Dort suchen sie gemeinsam nach Futter oder sie tragen Material für den Nestbau zusammen. Aber bald darauf fliegen sie weiter zu der offenen, sandigen Fläche und nehmen prompt ein ordentliches Sandbad. Zuerst scharren sie eifrig im trockenen Sand, dann kullern sie darin herum und am Ende schaufeln sie ihn sich sogar ins Gefieder. Da fragt sich sicher so mancher: „Sind sie etwa Dreckspatzen?“
Aber nein! Ein gründliches Staubbad befreit Sperlinge ganz einfach von lästigen Parasiten. Und auch sonst nehmen die munteren Gesellen die Gefieder- und Körperpflege sehr genau. Regelmäßige Wasserbäder und ausgiebige Sonnenbäder tragen ebenfalls zum Wohlbefinden und zur Gesunderhaltung von Haussperlingen bei.
Vom Luxusbad im Sand schwirren die Spatzen wieder in die schützende Hecke zurück. Behaglich schließen sie die Augen und halten ausnahmsweise mal den Schnabel. Doch lange hält die Ruhe nicht an. Schnell zwitschern sie wieder aus vollem Halse durcheinander und man merkt sofort, was Haussperlinge auch immer tun, gern tun sie dies gemeinsam. Deshalb sind sie überall im Zoo in kleinen oder in größeren Trupps anzutreffen. Es scheint allenthalben so, als trieben sie sich gern in Banden herum.
Zweifellos finden Haussperlinge in der Nähe von Tierhaltungen eine Heimat genau nach ihrem Geschmack, denn Orte wie diese bieten ihnen optimale Lebensbedingungen mit ausreichend Nahrung und Nistgelegenheiten. Streng genommen hängt heute davon sogar ihr Überleben ab. Als ausgesprochene Kulturfolger waren Haussperlinge stets da, wo auch Menschen lebten, und sie fanden in deren Nähe immer Nahrung und Wohnstätten. Aber im Laufe der Zeit haben sich die menschlichen Gewohnheiten verändert, wobei im gleichen Zuge die Überlebensmöglichkeiten für Haussperlinge schwanden. In der betonierten Stadt sind die geselligen Vögel häufig schon verschwunden. Doch zum Glück konnten sie sich in die grüne Oase mancher Zoos zurückziehen.
Das Hauptquartier von Haussperlingen ist entweder eine schützende Hecke, ein dichter Busch oder eine üppige Strauchzeile. Wie Mäuse huschen sie im Astwerk mal hierhin und mal dorthin, denn sie versuchen stets, sich neugierigen Blicken zu entziehen. Man würde sie kaum bemerken, doch dann verraten sie sich durch lautes Tschilpen. Erschreckt nicht! Es erinnert eher an Radau als an Vogelgesang, denn es ist ein unmelodisches, lärmendes Zwitschern und wird gern gemeinsam aus allen Kehlen vorgetragen.
Im dichten, unzugänglichen Gestrüpp sind Haussperlinge vor Feinden wie Katzen oder Greifvögeln ziemlich sicher. Von dort aus können sie jederzeit die Lage überblicken und dann entweder zum Futterfassen ausschwärmen oder sich bei Gefahr heimlich und leise tief in die sichere Deckung zurückziehen. Und nicht nur das. Im dichten Strauchwerk verbringen Spatzen sehr gern, weil nahezu unbeschwert, einen großen Teil ihres geselligen Familienlebens. Und überall dort, wo sie heimisch sind und sich auskennen, also in ihrem Revier, da sind sie weder zu übersehen noch zu überhören. Mitunter tummeln sie sich sogar mitten im Menschengedränge auf dem Boden und suchen zänkisch nach Nahrung.
Im Zoo lebt ein munterer Schwarm Haussperlinge beispielsweise mit Hausziegen unter einem Dach. Ein Stall wie dieser und die sich anschließenden Anlagen bieten einer fröhlichen Spatzengesellschaft ein attraktives Zuhause. Am Ziegenstall, entlang der Dachschrägen und unter den Schindeln, befinden sich genügend geräumige Nischen für den Nestbau. Das Nistmaterial wie etwa Heu, Strohhalme, weiche Tierhaare oder bunte Federn finden die Spatzen in nächster Nähe und Futter für die Jungen gibt es reichlich. So besetzen Jahr für Jahr zahlreiche Spatzenpärchen die Höhlungen und brüten in einer kleinen Kolonie die Eier aus. Jeder Spaziergänger kann leicht ihre Anwesenheit erkennen, denn die Nester machen mit unordentlich heraushängenden Halmen einen liederlichen Eindruck und nicht wenig Schmutz verursachen hinterlassene Futterreste und der Kot. Aber bereitwillig werden diese Beeinträchtigungen in Kauf genommen, sodass für die Spatzen die Welt noch in Ordnung scheint.
Werden jedoch in Zukunft Haussperlinge mit ihren Lebensansprüchen die Veränderungen in unserer gemeinsamen Heimat überstehen? Es bleibt zu hoffen. Verstummte der Tumult dieser stets fröhlichen Begleiter der Menschen, würde sicher etwas fehlen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ihre Gegenwart schon sehr lange und wie selbstverständlich im menschlichen Alltagsleben verwurzelt ist.
Sind jedoch Spatzen da, dann sind sie selten still. Immer tschilpen sie sich etwas zu. Darum könnt ihr, liebe Kinder, das muntere Spatzenvolk bei eurem nächsten Zoobesuch an vielen Stellen beobachten.
Vielleicht pfeifen sie wirklich spannende Geschichten von den Dächern, vielleicht auch solche, wie sie in diesem Buch beschrieben sind. Ihr müsst nur richtig hinhören.
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Es beginnt im Frühling
Außergewöhnlich laut schallt an diesem Morgen das Hämmern eines Spechtes durch den Zoo. Immer wieder trommelt der Bursche auf den Stamm einer alten Birke ein, huscht um den Stamm herum und klopft an anderer Stelle weiter. Weil zur Stunde noch eine besondere Ruhe herrscht, ist der Hall der hämmernden Schnabelhiebe weithin zu hören. Dabei ist die Luft kühl und klar und verspricht einen freundlichen Frühlingstag. Aber nach und nach gesellen sich weitere Geräusche zum Trommelwirbel des Spechtes, denn muntere Vögel stimmen ihr Morgenkonzert an. Etwas später lassen sich auch die ersten Zootiere vernehmen und dann ist die Geräuschkulisse wie an jedem anderen Tag.
Die große Birke steht seit Jahr und Tag am Ziegenstall und ihre eindrucksvolle Erscheinung bietet allem ringsum wie selbstverständlich Schutz und Zier. Vor allem die weiße Rinde verleiht dem Baum ein freundliches Aussehen, obwohl das Alter die Borke am unteren Teil des Stammes hat schwarz aufreißen lassen. Lange, noch blattlose Zweige hängen in üppigen Strähnen von den Ästen herab und rascheln leise im Wind. Sie mögen jetzt noch kraftlos erscheinen, aber schon bald werden aus prallen Knospen zartgrüne Blätter sprießen.
Es ist erst Anfang März, doch das Brutgeschäft der Haussperlinge ist in vollem Gange. Vorerst stört sie niemand dabei, denn die Zugvögel kommen einige Zeit später aus dem warmen Süden in den Zoo zurück. Aber unter ihnen gibt es ein paar Nistplatzkonkurrenten, die sich ebenfalls für Brutplätze, wie sie Spatzen bevorzugen, interessieren. Haussperlinge verbringen jedoch auch den Winter am heimatlichen Ort, wo sie selbst in der kalten Jahreszeit genügend Nahrung und trockene Unterkünfte finden. Natürlich nutzen die Spatzenpärchen den Zeitvorsprung im Frühling aus, um sich beizeiten in ihren Brutrevieren häuslich einzurichten. Und dort geben sie dann, für alle weithin hörbar, den Ton an. Der Schwarm vom Ziegenstall hat nun ebenfalls die Nischen und Höhlen unter dem Dach des Hauses in Beschlag genommen und in Spatzenmanier machen alle Vögel viel Aufhebens darum. Die Nistplätze sind hart umkämpft und jede Eroberung wird lautstark bekannt gegeben. Das ganze Theater bekommen im Moment freilich die wenigsten Zoobesucher mit, denn so früh im Jahr und bei unbeständigem Wetter lassen sich selten welche sehen.
Überall sind die Spatzen zunächst mit der Balz und dem Nestbau beschäftigt. Bei der Werbung machen die Männchen den Weibchen schöne Augen und werfen sich mächtig in die Brust. Sogar auf ihr Aussehen bilden sie sich etwas ein, obwohl es da nicht viel zu sehen gibt. Haussperlinge haben schlichte Gefiederfarben, jedoch erscheinen die Männchen mit ihrem aschgrauen Scheitel, den kastanienbraunen Streifen an den Kopfseiten und dem schönen schwarzen Brustlatz bedeutend attraktiver als die unauffälliger gefärbten Weibchen. Und voller Elan zeigen sie das jedermann.
Der von Sperlingsmännchen vorgetragene Gesang betört wohl auch nur Spatzendamen. Für menschliche Ohren hört sich das unmelodische Tschilpen nicht gerade schön an, aber ihr gefällt es. Vor der Hochzeit hüpfen die Männchen aufgeplustert und mit aufgeregt flatternden Flügeln um das auserwählte Weibchen herum. Doch oftmals streiten sich mehrere Herren heftig um eine Dame, sodass es bei der Partnerwahl ganz schön ruppig zugeht. Sind sich jedoch zwei einig, wird ohne Scheu vor aller Augen und ziemlich beharrlich die Paarung vollzogen.
An derlei ungestümen Hochzeitsbräuchen beteiligen sich Anton und Elise nicht mehr. Die beiden haben sich vor etlichen Jahren gefunden und sind seitdem ein Paar. Damals hat sich Anton sofort in das reizende, junge Spatzenmädchen mit der weißen Feder im Brustgefieder verguckt. Und diese kleine, von ihrem Vater geerbte Eigenheit liebt Anton bis heute. Er dagegen hat Elise mit seinem großen Geschick beim Nestbau beeindruckt und für sich gewonnen. Sie gehören zusammen, so wie sich auch andere Haussperlinge ein Leben lang treu bleiben.
Anton und Elise sind längst keine Anfänger mehr. Sie haben jahrein und jahraus zuverlässig für gesunden Nachwuchs gesorgt, sodass sie es heute im gesetzten Alter gemächlicher angehen lassen und sich vor allem auf das Wesentliche konzentrieren. Während sich andere Spatzenpärchen noch um die Nistplätze raufen, haben sich Anton und Elise schnell für einen Brutplatz entschieden und ihn gleich besetzt. Doch letztlich gibt es in der Nähe für alle genügend Nistmaterial und reichlich Futter für die Jungen. Auch spendet die große, anmutig wirkende Birke den Spatzennestern unter dem Dach Schatten und sorgt damit in heißen Sommern für angenehme Kühle. Doch vor allem lieben Anton und Elise die Aussicht. Von ihrem Nest aus können sie jederzeit das lustige Treiben der Ziegen und sogar das der Zoobesucher beobachten.
An ebendieser idealen Stelle hat der fesche Baumeister Anton seiner Elise auch diesmal wieder ein sehr kunstvolles Nest präsentiert. Er baut nicht einfach nur stabil, nein, er überrascht Elise gern mit ausgesprochen weichen Daunen als Polstermaterial und schmückt das Nest zusätzlich mit bunten Federn aus. Nur er weiß, wo man so schöne Federn findet. Obwohl die Nachbarn über so viel Luxus verwundert die Köpfe schütteln, genießt Elise diese Aufmerksamkeiten und richtet sich für das bevorstehende Brutgeschehen in der prunkvollen Unterkunft gemütlich ein.
In der Zwischenzeit hat Elise vier helle, unterschiedlich graubraun gefleckte Eier gelegt, die nun die volle Aufmerksamkeit der Spatzeneltern verlangen. Jetzt heißt es beharrlich brüten, denn nur aus gleichmäßig gewärmten Eiern schlüpfen kräftige Junge. Dazu wechseln sich beide Partner ab, aber Elise übernimmt, wie alle Spatzendamen, die Hauptarbeit.
Dann beginnt es zu regnen und das Wasser rinnt unaufhaltsam an den überhängenden Zweigen der Birke herab. Dem Baum verleiht das einen traurigen Ausdruck, der jedoch zum trübsinnigen Wetter passt. Das Nest aber liegt geschützt und trocken. Beim Brüten unterstützt Anton seine Elise tatkräftig und er bringt ihr jeden Tag eine neue, bunte Feder als Nestschmuck mit. Dafür fliegt er weite Wege in den Zoo hinaus. Aber weder diese Anstrengung noch das schlechte Wetter macht ihm etwas aus. Des Nachts schlüpft er mit ins Nest und zwitschert mit Elise in trauter Zweisamkeit. Gespannt erwarten beide das Ende der fast 14 Tage dauernden Brutzeit.
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Ein Nest voll junger Spatzen
Es ist der Morgen eines außergewöhnlichen Tages. Der Regen hat aufgehört und nach einem wunderschönen Sonnenaufgang lassen die Wolken nun endlich der Sonne den Vortritt am Himmel. Anton ist längst draußen unterwegs und genießt das schöne Wetter.
Aber was ist das? Deutlich spürt Elise in den Eiern ein kräftiges Zappeln und sie kann schwaches Piepsen hören. Ihr Herz macht einen kleinen Satz. Die Jungen wollen sich aus dem Ei befreien! Aufgeregt wartet Elise auf die Rückkehr von Anton, um ihm stolz die gute Nachricht zu verkünden. Während sie wartet, nimmt sie mit leisem Zwitschern Kontakt zu den Schlüpflingen auf und diese antworten ihr prompt. „Anton, es ist so weit!“, ruft sie ihm bei seiner Ankunft entgegen und widmet sich rasch wieder den wackelnden Eiern.
Anton bleibt etwas länger am Nest, um Elise hilfreich zur Seite zu stehen. Angespornt von der Spatzenmutter, öffnen die Spatzenküken mit einem kleinen Eizahn auf ihrem Oberschnabel geschickt die Eischale und sprengen mit kräftigen Bewegungen letztlich die Hülle. Nach und nach schlüpfen im Nest vier gesunde Spätzchen aus den Eiern. Sofort nimmt Elise die Sprösslinge unter ihre Fittiche, denn junge Sperlinge sind erst einmal nackt und frieren schnell ohne Wärmequelle. Bis ihnen ausreichend Federn gewachsen sind, müssen sie von den Spatzeneltern gewärmt werden. Aber schon wollen die Spatzenküken mehr. Sie sperren munter ihre gelb umrahmten Schnäbelchen auf und verlangen nachdrücklich Futter. Von nun an werden die Eltern keine ruhige Minute mehr haben.
Das Geschehen im Nest hat Anton vom Rand aus neugierig verfolgt. Und nun sind die aufgerissenen Schnäbel der Startschuss für ihn, eilends Futter herbeizuschaffen. Elise wirft ihm ebenfalls einen auffordernden Blick zu und Anton macht sich mit einem kurzen Winken der Flügel auf den Weg.
Erwachsene Spatzen ernähren sich vorwiegend vegetarisch von Getreidekörnern und Sämereien. Die Jungvögel jedoch sind auf Gedeih und Verderb auf tierische Kost wie Ameisen, Blattläuse und Raupen angewiesen. Und nun ist Anton auf unermüdlicher Jagd danach, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.
Mit viel Schwung landet Anton auf dem Nestrand und schon recken sich ihm die weit aufgesperrten Rachen seiner Kinder entgegen. Aber auch andere Vogeljunge reißen bei jeder Erschütterung des Nests instinktiv den Schnabel auf und dieser Anblick veranlasst Vogeleltern, dort tüchtig Futter hineinzustopfen. Alle Sperlingsvögel verhalten sich so. Es ist allerorts ein naturgemäßes Zusammenspiel, um das Überleben zu sichern.
Anton hat aus der reichhaltig bestückten Speisekammer in der Nähe für jedes Spätzchen etwas mitgebracht. Das Futter verteilt er nun geschickt, aber auch gerecht an die bettelnde Schar. Nachdem alle Rachen gestopft sind, schwirrt er wieder davon und ist bald darauf erneut mit gefülltem Schnabel zurück. Der ist diesmal sogar so voll, dass ihm die begehrten Futterbissen rechts und links heraushängen. Anton sieht aus, als ob er neuerdings einen Bart trüge, und Elise muss kichern. Dann schenkt sie ihm einen zärtlichen Blick.
Nachdem Anton den Weg zur Futterquelle noch etliche Male zurückgelegt hat, löst er Elise im Nest ab, die nun an seiner Stelle die Futtersuche übernimmt. Arbeitsteilung während der Jungenaufzucht ist bei Haussperlingen üblich und so halten es auch die beiden. Bis zum Abend wechseln sich die Partner immer wieder ab, doch schließlich ist es geschafft. Satt und zufrieden sind die drallen Spätzchen eingeschlafen und Elise nimmt sie schützend unter ihre Flügel. Die Sperlingskinder zwitschern wohlig im Schlaf, denn unter Mamas Federdecke schläft es sich so richtig gut. Daraufhin sinkt auch Anton dankbar ins Nest und kuschelt sich behaglich an.
Genauso wie die Haussperlinge legt sich auch der Tag zur Ruhe und die sanfte Dämmerung verspricht eine ruhige Nacht. Schnell schlafen Anton und Elise ein, denn Erholung ist jetzt wichtig.
Der nächste Morgen weckt die Spatzenfamilie wieder mit schönstem Sonnenschein. Eifrig beginnt Anton sein Tagwerk mit der Nahrungsbeschaffung und Elise kümmert sich um die Aufgaben am Nest. Es wird stets sauber gehalten und auch immer wieder mit frischen Halmen oder neuen Federchen ausgebessert. Jedoch bleibt nun für eine bunte Feder als Nestschmuck keine Zeit mehr. Immerhin erweist sich die ergiebige Futterquelle in der Nachbarschaft als verlässlicher Helfer bei der anstrengenden Jungenaufzucht. Und nach einiger Zeit werden die Eltern auch von den Jungen unterstützt, denn sie sorgen selbst für Sauberkeit, indem sie ihren Kot über den Nestrand nach draußen fallen lassen.
Dann wird das Wetter schlagartig unbeständig. Im Freien hat sich ein böiger Wind erhoben, der unermüdlich dunkle Wolken zusammentreibt, nur um sie ein wenig später wieder auseinanderzujagen. Dabei wechseln sich in schneller Folge kurze, kräftige Regenschauer mit leuchtendem Sonnenschein ab. Nachts ist es wieder ziemlich kalt, wohingegen die Temperaturen am Tag schon in angenehme Bereiche klettern. Alles in allem finden zurzeit merkwürdige Wetterkapriolen statt. Aber darüber wundern sich Anton und Elise nicht. Sie wissen, das ist der April und der macht nun einmal, was er will. Auch die anderen Mitglieder der Spatzenkolonie schenken dem Wetter keinerlei Beachtung, weil überall der Nachwuchs nach der Fürsorge der Eltern schreit.
Derweil hat die große Birke vor den Spatzennestern fast unbemerkt ihr Gesicht verändert, denn hellgrüne, zarte Birkenblätter haben die frische Frühlingsluft erobert. Es sind die ersten, wie mit einem Pinsel aufgetragenen Farbtupfer vor der grauen Häuserfassade. Dagegen hat die Natur ringsum längst im Sturmtempo grüne Gewänder verteilt. Viele Bäume und Sträucher blühen üppig und verströmen einen betörenden Duft. Und auf einmal sind noch andere Stimmen da. Unauffällig, doch zur rechten Zeit sind die Zugvögel in den Zoo zurückgekehrt und unterhalten mit wunderschönen Gesängen die ganze Nachbarschaft. Einige inspizieren auch den Ziegenstall, um hier vielleicht noch einen Platz zum Brüten zu finden. Sie sind ebenfalls Hausbewohner und so manches Vogelpärchen zieht mit in das Stallgebäude ein. Andere dagegen bauen kunstvolle Nester in Sträuchern, Hecken oder Bäumen.
Aus allen Winkeln erklingt ein fröhliches Tirilieren, genauso lebhaft, wie es die Farben des Frühlings sind.
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Muntere Kinderstube unter dem Dach
Die vier Sperlingskinder haben sich prächtig entwickelt. Sie blicken längst mit wachen Augen um sich und die ersten richtigen Federn sprießen. Damit werden die wärmenden Körper der Eltern mehr und mehr entbehrlich und Anton und Elise können gemeinsam zu den Futtergründen aufbrechen. Das ist auch notwendig, denn mit der Größe hat der Appetit der jungen Haussperlinge zugenommen. Jeden Abend, nach einem anstrengenden Arbeitstag, sind Elise und Anton froh, wenn die kleinen Nimmersatte zur Ruhe kommen. Dann schlüpfen sie erleichtert mit ins Nest und leise zwitschernd kuscheln sich alle aneinander.
Dieses Mal sind drei Mädchen und ein Junge geschlüpft, die mit jedem Tag aktiver werden. Heiner ist ein frecher und vorwitziger Spatz. Er besetzt im Nest gern den Eingangsbereich, damit er seine Eltern und die mitgebrachten Insekten als Erster in Empfang nehmen kann. Aber da hat er die Rechnung ohne die Mädchen gemacht. Lisa, Moni und Tine sind genauso selbstbewusst, sodass bei der Futterübergabe stets großes Gerangel entsteht. Doch beherzt ordnen Elise und Anton das Durcheinander und schließlich schlucken die Kleinen artig die ihnen zugeteilten Portionen.
Neben der Mühsal der Futterbeschaffung hält der muntere Nachwuchs die Eltern auch noch anderweitig auf Trab. Die jungen Haussperlinge wollen nämlich unablässig ergründen, was um sie herum passiert. Aber auch dafür haben die Spatzeneltern ein erprobtes Rezept. Jetzt erzählen sie jeden Tag vor dem Einschlafen kleine Geschichten von ihrer Heimat, dem Zoo, und von seinen Bewohnern. Es gibt da nämlich viele fremdartige und wilde Geschöpfe, die entweder groß oder klein, behaart, befiedert oder sogar nackt sind. In jedem Fall sind alle Tiere, die den Zoo bevölkern, sehr interessant und sorgen für unerschöpflichen Erzählstoff. Mit ihren Geschichten können Anton und Elise die neugierigen Spätzchen wunderbar beschäftigen. Aber nicht nur das. Zugleich werden die jungen Vögel, ohne dass sie es merken, auf die Zukunft vorbereitet.
Voller Staunen hängen die Spatzenkinder an den Schnäbeln der Eltern, denn sie hören fantastische Geschichten. Manche Episoden können sie kaum glauben, denn allzu seltsam erscheinen sie ihnen. Darüber müssen Elise und Anton schmunzeln. Aber sie bekräftigen das, was sie schildern, denn sie haben in der bunten, exotischen Welt des Zoos so manches selbst miterlebt. Die anderen Geschichten kennen sie von ihren Eltern, weil sie von Generation zu Generation weitererzählt werden, damals haben sie selbst noch im Nest gesessen.
Am besten gefallen den vier Spätzchen die Abenteuer von Großvater Gustav, die er in seiner Jugend auf einer langen Reise durch den Zoo erlebt hat. Elise kennt sie natürlich alle und berichtet voller Stolz davon. Heiner und die Mädchen wollen immer mehr davon hören, zumal Elise alles sehr bildhaft schildert, so als sei sie selbst mit dabei gewesen. Am Ende meinen sogar die Sperlingskinder, sie wären mittendrin, und sie sind sich einig, ihren Großvater Gustav wollen sie unbedingt kennenlernen und genau wie er möchten sie eine Reise durch den Zoo unternehmen. Das spukt den Spätzchen ab sofort in den Köpfen herum.
Anton bemerkt die Reaktion seiner Jungen und ist belustigt. „Ihr habt dieselbe Neigung zur Abenteuerlust mit ins Nest gelegt bekommen wie euer berühmter Großvater“, stellt er geradeheraus fest. Dann fügt er noch etwas Interessantes hinzu. „Heute ist Opa Gustav ein Gelehrter. Er lebt im großen Adlerkäfig am anderen Ende des Zoos und leitet dort eine eindrucksvolle Bibliothek. Eure Mutter ist sehr stolz auf ihren Vater.“
Elise nickt.
„Was ist eine Bibliothek?“, piepst Moni neugierig.
Heiner wartet die Antwort gar nicht ab. „Da wollen wir auch mal hin“, platzt er ungehalten heraus.
„Pst!“ Mit der Federspitze vor dem Schnabel schaut ihn Elise tadelnd an, bevor sie Monis Frage beantwortet. „In einer Bibliothek werden Bücher gesammelt, aufbewahrt und für Studienzwecke zur Verfügung gestellt. Opas umfangreiche Büchersammlung nutzen viele Haussperlinge, wobei einige sogar regelmäßig in der Bibliothek vorbeischauen. Jedoch besuchen manche Haussperlinge euren gelehrten Großvater auch, um sich bei ihm einen Rat zu holen.“
Die Sperlingskinder staunen nicht schlecht und eifrig wiederholt Heiner seinen Wunsch von vorhin. „Da wollen wir auch mal hin.“ Auffordernd schaut er Lisa an, denn sie würde sich, genau wie er, sofort in jedes Abenteuer stürzen. Doch auch Moni und Tine, die normalerweise viel zurückhaltender sind, unterstützen Heiner in seinem Wunsch.
Mit ihrer Fragerei bringen die Spatzenkinder die Eltern ganz schön ins Schwitzen. Lange können sie die ungeduldigen Spätzchen nicht mehr im Zaum halten.
Elise tschilpt: „Geduldet euch noch ein wenig. Erst wenn ihr ausgeflogen und selbstständig seid, könnt ihr euch auf einer Abenteuerreise die Tiere anschauen und auch aufregende Begegnungen mit Zoobesuchern haben. Doch jetzt schlaft schön.“ Sie behandelt die Jungen mit Nachsicht und wünscht ihnen eine gute Nacht.
Anton hat für sie auch noch einen tröstenden Tipp parat. „Und während ihr schlaft, könnt ihr ja schon einmal von euren Streifzügen durch den Zoo träumen.“
Allerdings hoffen Anton und Elise auf die Standorttreue, die Haussperlingen üblicherweise eigen ist, denn wie allseits bekannt ist, bleibt diese Vogelart gern in ihren angestammten Revieren und breitet sich nur vorsichtig in neuen Gebieten aus. Und gerade deswegen machen sich Anton und Elise vorerst keine Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder. Was soll dem Nachwuchs zu Hause schon passieren? Sie haben jedoch keine Ahnung, welcher Plan im Kopf der Kleinen heranreift.
Mit zunehmendem Alter der kleinen Haussperlinge rückt verständlicherweise der Termin zum Ausfliegen näher. Das helle Licht am Rand des Nestes zieht nicht nur den Jungen, sondern auch die drei Mädchen mächtig in seinen Bann. Heiner und Lisa sind kaum noch zu zügeln und auch die braven Mädchen Moni und Tine sind ganz flatterig. Ihr Flüggewerden steht wohl kurz bevor. Nun ist für Anton und Elise der Zeitpunkt gekommen, an dem sie von den Gefahren, die es außerhalb des Nistplatzes gibt, berichten müssen. Die letzten Abende im Nest nutzen sie, um die Jungen darüber aufzuklären.
Anton und Elise geben sich große Mühe, um ihre Ratschläge für ein langes und sorgenfreies Spatzenleben loszuwerden. Sie wissen aber auch, dass jeder junge Vogel eigene Erfahrungen sammeln muss. Doch die kleinen Spatzen überraschen ihre Eltern. Sie lauschen den wichtigen Verhaltensregeln ebenso aufmerksam wie vorher den merkwürdigen, jedoch unheimlich spannenden Erzählungen über den Zoo und seine Tiere.

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Die Ermahnungen der Spatzeneltern
Haben junge Vögel ihr Nest verlassen, sind sie keineswegs selbstständig. Obwohl ihnen einige Verhaltensweisen angeboren sind, müssen sie andere erst erlernen. Dabei ahmen sie entweder ihre Eltern nach oder sie probieren es selbst aus. Doch wie überall in der Natur wird auch manches Spatzenkind nicht alt.
Noch hocken Heiner, Lisa, Moni und Tine sicher im Nest, aber schon bald werden sie eine neue, für sie fremde Welt erobern, in der es natürlich viele Abenteuer, aber auch etliche Hindernisse geben wird. Anton und Elise machen die Kleinen nun auf verschiedene Gefahren, die ihr Leben draußen bedrohen können, aufmerksam und sie versuchen, ihnen für jede einzelne die richtige Verhaltensweise einzuschärfen.
Erfahrungsgemäß können junge Vögel nach dem Ausfliegen nicht gleich selbstständig Nahrung finden. Sie müssen erst lernen, welches Futter das richtige ist und an welchen Stellen sie es finden können. Auch gerade flügge gewordene Haussperlinge sitzen noch einige Zeit in der Gegend herum und warten darauf, dass die Eltern mit Futter zu ihnen kommen, um es ihnen in den Schnabel zu stecken. Doch in Menschennähe besteht das große Risiko, entdeckt zu werden.
„Setzt euch stets geschützt und am besten abseits hin, aber niemals inmitten von Besuchern“, legen Anton und Elise ihren Jungen als Erstes ans Herz. Sie können ein Lied davon singen, dass allzu oft scheinbar hilflose Vögel von Menschen in vermeintlich guter Absicht aufgesammelt und anschließend weggetragen werden. „Sollte euch das passieren, können wir euch nicht wiederfinden.“
Die Warnung zeigt Wirkung, denn erschreckt rücken die Kleinen enger zusammen. Aber schon erfahren sie von einer anderen Gefahr. Bekanntermaßen fühlen sich Haussperlinge von Tierställen magisch angezogen, weil sie ihnen eine willkommene Rundumversorgung bieten. Finden die Vögel Schlupflöcher in diese Unterkünfte, gehören sie sogar zu ihren angenehmsten Aufenthaltsorten. Doch vorerst fordern Elise und Anton, dass sich Heiner und seine Schwestern von Ställen fernhalten, obwohl sie später, wenn sie besser Bescheid wissen, von diesen profitieren werden.
Jetzt bekommen sie aber zu hören: „Fliegt nicht in unbekannte Tierhäuser! Die Stalltüren können unerwartet verriegelt werden und damit ist euer Weg nach draußen abgeschnitten.“
Die jungen Haussperlinge versprechen es.
Als Nächstes betonen die Sperlingseltern die Unfallgefahr, die Fensterscheiben bergen. Im Zoo gibt es schließlich eine Menge davon. „Gebt auf Glasscheiben acht!“, mahnen sie die Jungen und Elise erklärt, warum.
„Wenn ihr dagegenfliegt, könnt ihr euch schwer verletzen und im schlimmsten Fall kann der Zusammenstoß zum Tode führen. Da viele Tiergehege mit allerlei Sichtscheiben versehen sind, solltet ihr beim Fliegen stets aufmerksam die Umgebung betrachten. Später könnt ihr euch auch die Stellen mit den Glasscheiben einprägen.“
Mit ernsten Mienen betrachten Elise und Anton ihren Nachwuchs und müssen feststellen, dass den Spatzenkindern von den Neuigkeiten schon die Köpfe schwirren. Sie beschließen deshalb, dass es für heute genug Belehrungen gab. Mit leisem Zwitschern wiegen sie die Jungen in den Schlaf.
Erst am nächsten Abend geben Anton und Elise weitere Lektionen zum Besten. Die vier Spätzchen sind hellwach und lauschen wieder artig jedem gut gemeinten Ratschlag der Eltern.
Zuerst erklären Anton und Elise ausführlich die Vorzüge einer breiten und dicht gewachsenen Hecke. Naturgemäß ist sie ja der Lieblingsaufenthaltsort eines jeden Haussperlings, denn sie bietet überlebenswichtigen Schutz und ist der ideale Ausgangspunkt, von dem Haussperlinge im Gruppenverband zu den Nahrungsquellen und zum Staubbaden ausschwärmen können.
Elise fordert die Jungen auf, stets die Sicherheit einer Hecke zu suchen. „Wenn ihr auf uns wartet, dann dort. Von den oberen Zweigen könnt ihr bequem Ausschau halten, euch aber zum Schutz vor Feinden, die uns jagen und fressen wollen, schnell in das schützende Dickicht zurückziehen.“
Daraufhin erzählt Anton ausführlich von den Feinden. „Angreifer aus der Luft sind wendige Greifvögel wie Sperber, Habichte oder Turmfalken. Sie haben kräftige Füße mit scharfen Krallen. Seid ihr erst einmal in ihre Fänge geraten, gibt es keine Rettung.“ Er macht eine Pause, um seine Worte wirken zu lassen. Dann fährt er fort. „Ein anderer Jäger lauert am Boden. Recht unauffällig schleichen sich Hauskatzen an, um blitzschnell ihre anvisierte Beute zu packen. So anschmiegsam wie Katzen auch tun, sie sind geschickte Vogelfänger, das ist altbekannt.“ Schließlich hebt Anton mahnend seine rechte Flügelspitze, um die Jungvögel daran zu erinnern, sich am besten im Schwarm zu halten. „Damit ist die Gefahr für den Einzelnen geringer“, begründet er.
„Und bei jedem Alarm müsst ihr euch schnell in einem Busch, einem Strauch oder in einer Hecke verstecken“, wiederholt Elise noch einmal.
Die größte Sorge von Elise und Anton ist allerdings, dass die Kinder die Gefahren nicht ernst genug nehmen und etwas Unbedachtes tun. Das Leben im Zoo kann für Haussperlinge leicht und bequem sein, aber abenteuerlustige Spatzen, denen der Schalk im Nacken sitzt, geraten sicher in so manche gefahrvolle Situation. Nicht zuletzt geben sie den Jungen daher noch einen besonders wichtigen Hinweis mit auf den Weg: „Manche Zootiere, die sich natürlicherweise auch von Vögeln ernähren, stellen ebenfalls eine große Gefahr dar. Sie können uns fangen, obwohl sie ausreichend Futter bekommen. Dieser Bedrohung sind wir Spatzen ausgesetzt, wenn wir uns allzu sorglos in Tieranlagen aufhalten.“
Den Kleinen bleibt vor Schreck der Schnabel offen stehen. Dass die Zootiere, auf die sie sich am meisten freuen, auch gefährlich sein können, hätten sie nicht gedacht. Sollten sie vielleicht ihre Exkursion durch den Zoo nicht allein, sondern mit einem erfahrenen Führer unternehmen? Angestrengt überlegen sie, was sie tun können.
„Ich glaube, ich habe die Lösung gefunden“, verkündet Heiner seinen Schwestern etwas später und leise erzählt er ihnen von seinem Plan.
Die Eltern indes hoffen sehr, dass die Jungen den Ernst der Lage erkannt haben und besonnen in das bevorstehende Leben starten werden. Ihnen ist aber auch bewusst, dass die Geschwister sehr wissbegierig und unternehmungslustig sind. Wo wird ihr Lebensweg sie hinführen? Darüber machen sie sich schon große Gedanken. Als erfahrene Sperlingseltern haben sie jedoch alles getan, um ihre Sprösslinge gut vorzubereiten.
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Der erste Ausflug in den Zoo
Seit dem Schlupf der Spatzenjungen sind nun nahezu drei Wochen vergangen und geschäftig wie immer sind Anton und Elise früh am Morgen davongeflogen. Doch wo bleiben sie heute nur so lange? Ungeduldig werden sie von den vier Spätzchen erwartet, denn mit der Zeit wird ihr Hunger immer schlimmer.
Heiner hüpft auf den Rand des Nestes, damit er als Erster das Futter von den Eltern in Empfang nehmen kann, doch auch die Mädchen drängen nach vorn. Heiner wehrt sie ab und verspricht, ihnen den Futteranflug zu melden. Das gefällt Lisa überhaupt nicht, darum hopst sie geschickt an Heiners Seite. Sofort drängeln sich Moni und Tine auch noch dazwischen und alle spähen erwartungsvoll nach draußen.
Moni scheint die besten Augen zu haben. „Ich sehe Mama und Papa. Dort unten sitzen sie“, ruft sie laut und zeigt den anderen die Stelle.
Daraufhin zwitschern die vier vor Aufregung durcheinander und flattern heftig mit den Flügeln, was gleichzeitig eine Aufforderung an die Eltern zum Füttern sein soll. Doch diese beachten ihre Sprösslinge überhaupt nicht. Sie hüpfen draußen auf der Erde herum, picken eifrig irgendetwas auf und setzen sich danach auf einen Holzzaun. Unterdessen werden die Sperlingskinder immer aufgeregter. Als sie nicht mehr weiterwissen, rufen sie, um die Eltern auf sich aufmerksam zu machen, und endlich schauen die beiden herauf. Da fordert Elise die Kleinen auf, aus dem Nest zu ihnen herunterzufliegen. Nun schauen Heiner und die Mädchen ganz verdattert drein. Was ist denn das für ein Tag? Heute sollen sie ihr Nest verlassen und den Eltern hinaus in den Zoo folgen? Sie rücken erst einmal ängstlich zusammen, denn bei dieser neuen Perspektive wird ihnen ganz schwindelig. Zu ihren Füßen liegt schließlich eine unbekannte Welt.
Es dauert eine Weile, bis sich die vier Spätzchen an den weiten Ausblick in den Zoo gewöhnt haben, aber irgendwann wagen sie sich, einer nach dem anderen, hinaus. Und plötzlich fliegen sie, denn das Fliegen ist ihnen angeboren. Jedoch müssen sie noch etwas üben, weil es nicht so einfach ist, die Kurve zu kriegen. Deshalb flattern sie zuerst nur eine kurze Strecke und merken alsbald, dass sich auch die Landung als schwierig erweist. Recht ungeschickt kommen die Mädchen nacheinander auf der Mauer am Ziegenstall an. Heiner dagegen macht eine Bauchlandung im Heuhaufen daneben. Aber schnell schüttelt er sein Gefieder wieder glatt und hüpft eilig auf die Mauer zu seinen Schwestern hinauf. Dann lachen alle befreit. Zum Glück haben sie wieder festen Boden unter den Füßen.
Sofort lassen sich Elise und Anton bei ihnen nieder und die Sperlingskinder bekommen an diesem Tag endlich ihr erstes Futter überreicht. Freudig sperren alle vier die immer noch gelb umrahmten Schnäbel weit auf, schwirren heftig mit den Flügeln und geben laute Bettelgeräusche von sich. Schnell sind die Rachen gestopft und die Spatzeneltern auch schon wieder unterwegs, um für Nachschub zu sorgen.
Fürs Erste gestärkt, betrachten die Spätzchen staunend die fremde Umgebung. Dabei bemerken sie zwei Tiere, die sich am Heuhaufen neben der Mauer zum Fressen eingefunden haben. Weil sie ihnen nicht geheuer vorkommen, rücken sie unwillkürlich enger zusammen.
Als das Spatzenpaar wieder zum Füttern erscheint, fragt Heiner mit vollem Schnabel: „Was sind denn das für Tiere, sind die gefährlich?“
„Aber nein, die sind nicht gefährlich. Das sind Zwergziegen, die von Kindern gestreichelt und auch mit Futter aus einem Automaten gefüttert werden dürfen“, erklärt Elise, nachdem ihr Schnabel wieder leer ist.
Anton erzählt außerdem: „Wenn viele Besucher kommen, fallen für uns auch einige Bröckchen ab.“ Und schon brechen die Eltern wieder zur Nahrungssuche auf.
Na, das ist ja interessant! Das sind also die Zootiere, die direkt vor ihrer Haustür leben. Vielsagend schauen sich die Spätzchen an, denn kaum haben sie einen gefüllten Bauch, hat auch ihre Entdeckerlust wieder die Oberhand gewonnen. Schnell sind sie sich einig, dass sie diese Ziegentiere sofort etwas genauer betrachten wollen. Sie machen sich bereit, um näher an die Tiere heranzuflattern, als dieses Vorhaben energisch von der Spatzenmutter vereitelt wird.
„Was haben wir euch im Nest erklärt? Ab mit euch an einen sicheren Ort! Die Welt entdecken könnt ihr später noch, wenn ihr gut genug fliegen könnt.“ Elise scheucht die Jungen vor sich her in eine kleine, abseits gelegene Hecke, so wie sie es gelernt haben.
Natürlich erinnern sich Heiner und die Mädchen an die Vorsichtsmaßnahmen, die ihnen im Nest lang und breit erklärt worden sind. Die interessanten Dinge ringsum haben sie jedoch so fasziniert, dass sie daran überhaupt nicht mehr gedacht haben. Sofort versprechen sie der Mutter, alle weiteren Schritte und Flüge erst einmal nur unter Aufsicht und gemeinsam zu unternehmen. So warten sie geduldig, bis die Eltern nochmals mit Futter zu ihnen zurückkehren.
In der Zwischenzeit stellen die Kinder aber mit Freude fest, dass es in der Hecke auch sehr schön ist. Nach außen hin ist sie gut abgeschirmt und in den verschiedenen Etagen können Vögel prima hin und her hüpfen. Das probieren alle gleich aus und sie haben großen Spaß dabei. Aber Moni hat schnell genug davon. Sie setzt sich lieber auf einen der oberen Äste der Hecke, von dem sie eine gute Aussicht hat, und schaut sich die Umgebung an. Das Treiben da draußen fesselt sie, weshalb sie Heiner, Lisa und Tine begeistert zu sich ruft. Dann beobachten sie gemeinsam von ihrem Ansitz aus die Gegend.
So artig versammelt treffen Anton und Elise die Kleinen bei der nächsten Fütterung an. Sie freuen sich sehr über den Gehorsam ihres Vierergespanns. Beschwingt überreichen sie die Futterportionen und bleiben diesmal bei den Jungen. In aller Ruhe fangen sie an sich zu putzen und die Kleinen machen emsig mit. So bringt jeder gewissenhaft sein Gefieder in Ordnung, bevor sie in der Hecke ein geräuschvolles Zwitschern anstimmen. Dabei sind Heiner und Lisa etwas lauter als Moni und Tine, aber jedes Spätzchen ist mit demselben Eifer bei der Sache.
In nächster Zeit wird das typische Sperlingsgeplauder der kleinen Familie aus diesem Unterschlupf zu hören sein. Von Elise und Anton als Familienstützpunkt auserkoren, bietet er allen Komfort, wie Haussperlinge ihn lieben. Er ist eine gemütliche Schlafstelle, bietet Schutz vor Feinden und ist Ausgangspunkt für gemeinsame Ausflüge zu den Futterstellen und den wichtigen Sandbadeplätzen.
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Junge Haussperlinge erobern die Welt
Die erste Nacht ohne ihr kuscheliges Nest haben die Spatzenkinder gut überstanden. Doch erst spät am Morgen sind sie mit den Eltern im ungewohnten Nachtquartier aufgewacht. Nun rekeln und strecken sich alle genüsslich, schütteln eifrig ihr Federkleid auf und blinzeln dann zufrieden in den freundlichen Tag. Elise und Anton halten sich jedoch nicht lange auf, denn sie müssen wieder zur Nahrungsbeschaffung los. Die Aufgabe als Versorger ihrer Spatzenbrut ist noch längst nicht erledigt. Die vier unselbstständigen Spatzen werden von ihnen noch so lange geduldig verköstigt, bis sie gelernt haben, sich selbst zu versorgen.
Als Anton und Elise davonschwirren, schauen ihnen die Kinder vertrauensvoll hinterher. Sie haben jetzt nichts weiter zu tun, als zu warten. Eine Weile beschäftigen sie sich damit, in der Hecke umherzuhüpfen. Dann setzen sie sich in eine günstige Warteposition, schließen die Augen und genießen die warmen Sonnenstrahlen. Bestimmt sind die Eltern bald zurück.
In regelmäßigen Abständen kommen Anton und Elise mit Futter zu den Jungen zurück. Geschäftig fliegen sie hin und her, bis sie nach wenigen Tagen ihre Strategie ändern. Nun bleiben sie mit den Futterhappen in einiger Entfernung sitzen. Damit wollen sie die hungrigen Spätzchen zu sich locken, aber die haben schnell den Bogen raus. Unerschrocken folgen sie den Eltern überallhin und stärken dabei ihre Flugmuskulatur. Schon bald huschen sie gekonnt durch Hecken, schwirren elegant von Busch zu Busch, flattern hurtig über Besucherwege und sausen geschickt um Ecken herum, genau wie die Großen.
Auf ihren Flügen beobachten Heiner und die Mädchen alles um sich herum sehr aufmerksam und schon bald wissen sie, wo sich die Futtersuche lohnt und was es dort alles gibt. Und so ganz nebenbei lernen sie, endlich allein zu fressen. Sie futtern nun ebenfalls Sämereien und Körner wie alle älteren Spatzen.
„Insekten sind was für Knirpse“, verkündet Heiner hierauf frech und auch die Mädchen fühlen sich jetzt sehr erwachsen.
Insektennahrung steht der Vogelwelt nicht das ganze Jahr zur Verfügung, deshalb fliegen viele Vogelarten im Herbst in südliche Länder. Haussperlinge finden jedoch immer Futter. Aus diesem Grund bleiben sie ihrer Heimat selbst im Winter treu. Obendrein beschert ihnen die Nähe zum Menschen zusätzlich eine Reihe ergiebiger Nahrungsquellen. Jedoch geraten neuerdings die Hausnachbarn des Menschen immer mehr in Not. Das liegt daran, dass sich für beide die Lebensbedingungen geändert haben. Während die einen ein modernes Wohnambiente bevorzugen, darben die anderen in diesem Umfeld. Da fehlt es Haussperlingen nämlich an Futter und Nistmöglichkeiten für die Jungenaufzucht und auch sonst sind natürliche Nahrungsmittel rar. Deswegen sind Erfindergeist und Mut zur Anpassung gefragt.
Ein Leben im Zoo allerdings ist wie geschaffen für Haussperlinge, denn es bietet den kleinen, vorwitzigen Gesellen eine Vielzahl an Leckereien. Neben ihrer eigentlichen Nahrung, die sie im grünen Park natürlich überall finden, können sie sich entweder bei den Futtermitteln für die Zootiere bedienen oder sie leben von den anfallenden Krümeln, die ihnen Zoobesucher nur zu gern an Imbissbuden, Kiosken oder auf Gaststättenterrassen überlassen. Schon bald werden auch die vier Spatzenkinder diese reiche Palette an Futtermitteln kennenlernen.
Zunächst schwärmen Anton und Elise regelmäßig mit ihnen auf die umliegenden Tieranlagen aus. Die Spätzchen staunen nicht schlecht, denn die Zootiere teilen widerspruchslos ihre Mahlzeiten mit ihnen. Später suchen sie in den angrenzenden Grünanlagen nach den Sämereien von Wildkräutern, die auf gar keinen Fall auf ihrem Speiseplan fehlen dürfen und hervorragend schmecken. Bei dem nahezu verschwenderischen Futterangebot ringsum ist es kein Wunder, dass noch viel mehr Sperlingsfamilien im Spatzenrevier auf Nahrungssuche unterwegs sind. Heiner und seinen Schwestern gefällt diese Betriebsamkeit. Sie fühlen sich genau wie andere Haussperlinge erst in Gesellschaft richtig wohl. Und irgendwann, wie auf ein geheimes Zeichen hin, treffen sich die umherstreunenden Gruppen in einer der vielen Hecken und veranstalten dort gemeinsam ein Spektakel, wie nur Haussperlinge es können. Elise, Anton und die Kinder sitzen mittendrin und tschilpen ebenfalls, was das Zeug hält. Die Stimmen der Kleinen sind noch nicht so kräftig, aber sie machen das mit entschlossener Ausdauer wett. Anschließend ziehen die Familien, eine nach der anderen, zur beliebten trockenen Sandstelle im Wisentgehege. Dort steht für alle ein genüssliches Staubbad zur Gefiederpflege an. Manchmal ist das Sandbad jedoch belegt, denn auch die Wisente lümmeln gern an diesem Ort herum.
So plätschern die Tage im Gleichklang dahin. Doch dann erleben die Sperlingskinder unerwartet etwas Neues. Am Mittag schwirrt ein Spatzentrupp eilig an ihnen vorbei und verschwindet schnell aus ihrem Blickfeld. Sie schauen noch verwundert hinterher, als schon der nächste Pulk folgt, ebenso zielstrebig.
„Wo wollen denn alle hin?“, fragt Moni erstaunt.
„Es ist Wochenende“, ruft Anton freudig aus. Er weiß, wohin die Sperlinge unterwegs sind.
An den Wochenenden kommen mehr Besucher in den Zoo als an den Wochentagen. Dann bevölkern sie natürlich auch den Imbiss am Streichelgehege. Und bei großem Ansturm bleiben immer wieder Essensreste liegen, an denen sich findige Haussperlinge gütlich tun. Manche Gäste teilen sogar gleich ihr Essen mit den niedlichen Vögeln, denn das bereitet ihnen viel Vergnügen. Alte, erfahrene Haussperlinge kennen diese Glückstage und suchen gezielt den Imbiss bei der Nahrungssuche auf.
Heute ist es also wieder so weit. Für Anton und Elise die Gelegenheit, die Jungen, den anderen hinterher, zum Imbiss am Streichelgehege zu führen.
„Kommt, Kinder. Wir zeigen euch eine neue Futterstelle.“ Elise winkt den Kleinen, ihr zu folgen, und beschwingt machen sie sich auf den Weg.
Bislang sind den Spätzchen die fremdartigen Delikatessen unbekannt, jedoch soll sich das gleich ändern. Erwartungsvoll schwirren Heiner, Lisa, Moni und Tine den Eltern hinterher.
Zunächst setzen sich die Sperlingskinder in gebührendem Abstand zur unbekannten Futterstelle nieder. Von dieser Position aus wollen sie das Geschehen erst einmal beobachten, denn gelernt ist gelernt.
„Gut gemacht“, freut sich Elise und betrachtet ihren Nachwuchs stolz. Dann fordert sie die Kleinen auf, sich in das Gewirr aus Tisch-, Stuhl- und Menschenbeinen hineinzuwagen, denn dort liegen die anvisierten Happen.
Heiner schnappt vor Schreck nach Luft und auch Lisa bleibt der Schnabel offen stehen. Moni überlegt angestrengt, wie das gehen soll. Wenn sie dorthin wollen, müssen sie als Erstes ihre angeborene, aber in vielen anderen Situationen angebrachte Scheu überwinden. Das ist leichter gedacht als getan. Elise muss dem ängstlichen Nachwuchs richtig Mut machen, bis er bereit ist, ihr zu folgen. Sie zeigt den Kleinen genau, wie es geht, und nach einer Weile trauen sie sich und tummeln sich ebenso ausgelassen wie die anderen munteren Spatzen am Boden unter den Tischen. Dort fällt für jeden genügend ab. Dabei merken die Spätzchen schnell, wer am drolligsten herumhopst, bekommt von den Menschen die Köstlichkeiten sogar persönlich serviert. Heiner und Lisa sind ihnen gegenüber gleich sehr zutraulich und werden deshalb reichlich mit Futterbröckchen, die ihnen vor allem Kinder zuwerfen, belohnt. Weil Moni und Tine nicht so mutig sind, tragen Heiner und Lisa ihre erbeuteten Leckereien zu den beiden, um sie mit ihnen zu teilen. Geschwister müssen doch zusammenhalten. Jedoch überwinden auch die Zaghaften nach einiger Zeit ihre Furcht und holen sich das Futter selbst.
Ein Gutes hat der Menschenandrang am Kiosk. Je mehr Besucher da sind, umso ergiebiger ist das Angebot für die Haussperlinge. Doch irgendwann passt auch in einen noch so hungrigen Bauch nichts mehr hinein. Da machen sich Elise und Anton mit den Spätzchen zur Tiertränke am Ziegenstall auf, spülen alles mit mehreren Schlucken Wasser hinunter und flattern weiter in die Hecke am Haus. Eine Verdauungspause tut jetzt gut. Träge blinzeln sie in die Gegend und zwitschern diesmal nur leise vor sich hin.
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