Kitabı oku: «Sonntagsgedanken, Lesejahr C - eBook»
ELMAR GRUBER
SONNTAGSGEDANKEN
Betrachtungen und Gebete
für alle Sonn- und Festtage
Lesejahr C
Don Bosco
Inhalt
Einführung
Der Advent
Erster Adventssonntag
Zweiter Adventssonntag
Dritter Adventssonntag
Vierter Adventssonntag
Die Weihnachtszeit
Weihnachten – Heiliger Abend
Weihnachten – Heilige Nacht
Weihnachten – am Tag
Weihnachten – Fest des heiligen Stephanus
Sonntag in der Weihnachtsoktav – Fest der heiligen Familie
Oktav von Weihnachten – Hochfest der Gottesmutter Maria
Zweiter Sonntag nach Weihnachten
Hochfest der Erscheinung des Herrn
Sonntag nach dem 6. Januar – Taufe des Herrn
Die Fastenzeit
Aschermittwoch
Erster Fastensonntag
Zweiter Fastensonntag
Dritter Fastensonnrag
Vierter Fastensonntag
Fünfter Fastensonntag
Palmsonntag
Gründonnerstag
Karfreitag
Die Osterzeit
Osternacht
Ostersonntag
Ostermontag
Weißer Sonntag
Dritter Sonntag der Osterzeit
Vierter Sonntag der Osterzeit
Fünfter Sonntag der Osterzeit
Sechster Sonntag der Osterzeit
Christi Himmelfahrt
Siebter Sonntag der Osterzeit
Pfingsten
Pfingstmontag
Die Herrenfeste im Jahreskreis
Dreifaltigkeitssonntag
Hochfest des Leibes und des Blutes Christi – Fronleichnam
Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu
Die Sonntage im Jahreskreis
2. Sonntag im Jahreskreis
3. Sonntag im Jahreskreis
4. Sonntag im Jahreskreis
5. Sonntag im Jahreskreis
6. Sonntag im Jahreskreis
7. Sonntag im Jahreskreis
8. Sonntag im Jahreskreis
9. Sonntag im Jahreskreis
10. Sonntag im Jahreskreis
11. Sonntag im Jahreskreis
12. Sonntag im Jahreskreis
13. Sonntag im Jahreskreis
14. Sonntag im Jahreskreis
15. Sonntag im Jahreskreis
16. Sonntag im Jahreskreis
17. Sonntag im Jahreskreis
19. Sonntag im Jahreskreis
20. Sonntag im Jahreskreis
21. Sonntag im Jahreskreis
22. Sonntag im Jahreskreis
23. Sonntag im Jahreskreis
24. Sonntag im Jahreskreis
25. Sonntag im Jahreskreis
26. Sonntag im Jahreskreis
27. Sonntag im Jahreskreis
28. Sonntag im Jahreskreis
29. Sonntag im Jahreskreis
30. Sonntag im Jahreskreis
31. Sonntag im Jahreskreis
32. Sonntag im Jahreskreis
33. Sonntag im Jahreskreis
Christkönigssonntag
Einführung
Dieses Buch ist der dritte Band in der Reihe „Sonntagsgedanken“. Die Einführungen in die Sonntagsgedanken für die Lesejahre A und B haben für diesen Band dieselbe Geltung. Die Sonntagsgedanken der drei Lesejahre wollen spiralenartig wie bei einer Schnecke immer dichter an die Mitte heranführen. Die Mitte könnte man bezeichnen mit dem Wort aus dem 1. Johannesbrief: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm“ (1 Joh 4,16).
Die Gedankenführung der Sonntagsgedanken ist – wie die der Sonntagsevangelien selbst – nicht linear, sondern „spinnennetzförmig“. Wichtige Gedanken und Motive werden mehrfach wiederholt und neu, nach anderen Gesichtspunkten verknüpft und vernetzt. Durch die Längs- und Querverbindungen wird versucht, von vielen Seiten her immer wieder die Mitte zu finden.
Die Denkart ist meditativ-reflexiv. Die Gedanken sind im „Schauen“ entstanden, und sie wollen der Leserin, dem Leser zum Schauen verhelfen. Hier wird man keine „Predigtvorlagen“ finden können, aber vielleicht Impulse, die zum eigenen Nachdenken anregen und zu eigenen Einsichten und Einfallen führen. Alle drei Bände sind auch gedacht als Schulungskurs zum kreativen Verstehen der Heiligen Schrift.
Für mich gehören die Zeiten, die ich für die Sonntagsgedanken verbrachte, zu den glücklichsten meines Lebens. Ich durfte erleben, daß man, allerdings erst in der Tiefe des Evangeliums, Gott begegnen kann, der sich in der Jesusgestalt verkörpert. So möchte ich jedem Menschen, der an Gott und der Welt Interesse hat, raten, er solle sich in das Evangelium vertiefen. Dazu kann es hilfreich sein, eine ganze Woche lang mit dem Sonntagsevangelium zu leben. So könnten die Sonntagsgedanken vielleicht für manche interessierte Menschen eine Hilfe zu „Exerzitien im Alltag“ sein.
Elmar Gruber
Der Advent
Erster Adventssonntag
(Lk 21,25-28.34-36)
„Eure Erlösung ist nahe …“
Erlöst werden
Das Weihnachtsfest
offenbart uns immer wieder unsere Erlösung,
und indem wir Weihnachten feiern,
wirkt die erlösende Kraft der Liebe Gottes
immer wieder auf uns ein.
Mit dem Wort „lösen“
sind viele Bereiche unseres Lebens angesprochen:
auflösen, ablösen, einlösen, auslösen …
er-lösen.
Alle unsere Lebensprobleme
bedürfen der Lösung.
Jedes Problem enthält in sich
schon seine Lösung;
sie ist jedoch noch nicht entdeckt
und noch nicht verwirklicht.
Das eigentliche Problem aller Probleme
ist der noch nicht erkannte Gott.
Dieser Gott ist aber auch die Lösung
aller Probleme.
Gott ist Mensch geworden,
damit wir das wahre Gottesbild entdecken.
Die selbstgemachten Gottesbilder
machen Angst und erlösen nicht.
Das wahre Gottesbild erscheint
in den vielen Gleichnissen und Symbolen
besonders im Lukasevangelium
(der gute Hirt, der barmherzige Vater, der Zachäus-Heiland …).
Obwohl wir uns danach sehnen,
fällt es uns immer schwer,
an den erlösenden und befreienden Gott,
der in der Jesusgestalt in Erscheinung tritt,
zu glauben:
Gott straft nicht;
er verlangt kein Sühnopfer.
das haben wir Menschen
in das Gottesbild hineingetragen.
Jesus wollte uns von dem düsteren Bild
des zornigen, beleidigten und strafenden Gottes erlösen.
„Darum lernt doch, was es heißt:
Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!“ (Mt 9,13) Gott will nur, daß wir seine Allbarmherzigkeit annehmen und dadurch beginnen, selbst allbarmherzig zu werden.
Der allbarmherzige Gott
löst uns durch seinen menschgewordenen Sohn
aus allen Ängsten und Zwängen.
Aus der Sklaverei,
die durch die Vergötzung der Gebote kommt;
aus der Sklaverei,
die durch die Vergötzung der Triebe kommt;
aus der Sklaverei,
mit der sich Menschen gegenseitig quälen;
aus der Sklaverei von Schuld und Sünde,
mit der wir uns selbst quälen und vernichten.
Jesus ist gekommen,
um „sein Leben hinzugeben
als Lösegeld für viele“ (Mk 10,45). Jesus kauft uns frei, aber doch nicht vom „Zorn Gottes“, sondern vom „Teufel“, das heißt von der Gewalt des Bösen: Vor der Liebe, die stärker ist als der Haß, muß der Haß kapitulieren.
Herr, führe uns durch die Vorbereitung des Weihnachtsfestes zu einem neuen, tiefen Erlebnis unserer Erlösung.
Zweiter Adventssonntag (Lk 3,1-6)
,,Alle Menschen werden das Heil sehen,
das von Gott kommt. „
Heil für alle
„Allen Menschen wird zuteil
Gottes Heil.“
Es fällt uns oft sehr schwer,
die Toleranz Gottes
und seine Liebe zu allen Menschen,
zu den guten und zu den bösen,
zu akzeptieren.
Wir versuchen, Gott immer wieder
auf unsere Seite zu ziehen
und gegen unsere Feinde
auszuspielen.
Wir erklären unsere Feinde
zu den Feinden Gottes
und dann erlauben wir uns
„im Namen Gottes“
die Feinde mit aller Grausamkeit
zu bekämpfen.
Nun hat aber Gott
von sich aus keine Feinde:
Er liebt die Guten,
damit sie gut bleiben
und die Bösen, damit sie gut werden,
und uns – liebt er auch.
Gerade „die Guten“
bedürfen oft besonders der Heilung –
Heilung von Intoleranz,
vom Vergeltungs- und Rachedenken,
vom Lohn-Strafe-Denken.
Gott verteilt seine Liebe
auf alle Menschen.
Darin besteht die einende
und entfeindende Kraft seiner Liebe.
Gott will, daß alle Menschen selig werden (1 Tim 2,4). Im Zeitalter der Globalisierungen ist die „Globahsierung des Heils“ eine Überlebensfrage für die Menschheit.
„Heil“ und „Seligkeit“
sind andere Worte für „Glück“.
Die Heil-igen sind die Menschen,
die das wahre Glück in sich haben
und weiter verbreiten.
Ebenso sind die „Seligen“
(„die im Saale Lebenden“) Menschen,
die das wahre Glück
der ewigen Gemeinschaft
mit und in Gott gefunden haben.
Weil Gott „der Heilige“
und der „Ursprung aller Heiligkeit“ ist,
und weil sich im Grunde alle Menschen
nach Heil und Heiligkeit sehnen,
haben wir die Hoffnungsgewißheit,
daß am Ende alle Menschen
freiwillig ihre Knie
vor der Heiligkeit Gottes beugen werden
und das Heil finden.
Dem Herrn den Weg bereiten heißt,
ihm den Weg zu allen Menschen bereiten,
indem ich seine grenzenlose Liebe
und „Heil-igkeit“ verkünde,
aus der Solidarität und Toleranz entspringen.
Herr, du Ursprung des Heils und aller Heiligkeit, mache mich heilig für mich und zum Heil der Welt.
Dritter Adventssonntag (Lk 3,10-18)
„Was sollen wir also tun?“
Beitragen
Das Kommen Gottes,
sein Ankommen bei uns,
in uns und durch uns
können wir nicht bestimmen.
Gott kommt, wann, wo und wie Er will,
meist dort, wo wir es nicht vermuten.
Warten, erwarten, immer bereit sein
– Gott nicht bestimmen wollen –,
das ist der Sinn des Advents.
Advent ist aber nicht untätiges Warten;
Advent verlangt unseren aktiven Beitrag.
Als wichtigsten Beitrag
nennt der Täufer das Teilen.
Gott kommt zur Menschheit;
er hat immer alle Menschen im Auge,
auch wenn die Gotteserfahrung
ein ganz persönliches individuelles
Geschehen ist.
Durch Teilen solidarisieren wir uns
mit allen Menschen
und werden zur Solidargemeinschaft,
die Gott rettet.
Die Kraft zum Teilen
kommt aus dem Glauben
und aus der Erwartung
des „solidarisierenden“ Gottes.
Als nächstes nennt Johannes
die Rechtschaffenheit, die Moral.
Moral ist nicht der Ursprung des Glücks,
aber die unerläßliche Voraussetzung,
damit menschliches Leben
überhaupt möglich ist.
Hans Küng hat mit seinem Projekt Weltethik
klar gemacht,
daß es einen allgemeinen Wertekonsens gibt,
der in den zehn Geboten Ausdruck gefunden hat.
Auch Jesus fordert die Moral als Lebensbasis:
„Halte die Gebote!“ (Mt 19,17) Er warnt aber ebenso nachdrücklich vor ihrer Verabsolutierung und Vergötzung. Jesus verlangt barmherzige Liebe. Der Sinn der Gebote liegt darin, daß sie der Liebe und dem Leben dienen. Die Liebe führt zu den Geboten, aber die Gebote führen als solche noch nicht zur Liebe. Nur der Liebende vermag „richtig“ und verantwortungsvoll mit den Geboten umzugehen.
Jesus bekehrt die Sünder
durch Liebe,
nicht durch moralisierende Strafandrohung.
So entsteht durch Jesus der Gegensatz
zwischen dem bekehrten, liebenden Sünder
und dem nur buchstabengerechten Legalisten,
(„Und ist ein Mensch gefallen,
führt Liebe ihn zur Pflicht!“, Zauberftöte)
So verlangt der Täufer schließlich,
daß wir uns mit dem „Stärkeren“ befassen,
der mit „Geist und Feuer“,
das heißt mit der Kraft der Liebe tauft.
Johannes pocht auf Moral
und öffnet sie zugleich für die Macht
der allerbarmenden Liebe.
Herr, bewahre mich vor Selbstbetrug, damit die Liebe, die „alle Sünden zudeckt“, nicht zum „Deckmantel der Bosheit“ wird.
Vierter Adventssonntag (Lk 1,39-45)
„Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“
Selbst-Bestätigung
„Wer bin ich denn?“
„Bin ich wer?“
„Ich kenne mich nicht mehr.“
„Ich kenne mich nicht mehr aus.“
Alle Bemühungen
um Selbstfindung, Selbstverwirklichung
und Selbstbestätigung
verraten die Not des Menschen,
der zu sich selbst
und damit zu den anderen Menschen
noch nicht das rechte Verhältnis
gefunden hat;
das zwanghafte, triebgesteuerte, egoistische Ich
ist noch nicht zum liebenden,
verantwortlichen Selbst geworden.
An der Frage der Selbstverwirklichung
scheiden sich die Geister.
Die einen haben
ein materialisteisches, mechanisches Menschenbild
sie wollen mit Hilfe der Psychologie
ihre Selbstverwirklichung
und Selbstbestätigung
selbst machen.
Die anderen sehen den Menschen
als Geschöpf und Geschenk Gottes;
sie empfangen ihre Selbstverwirklichung
als Geschenk der Liebe Gottes.
Für die ersteren ist alles Leistung,
für die letzteren ist alles
Geschenk und Gnade,
die jedoch auch den eigenen Beitrag verlangen.
Dieser Gegensatz zeigt sich auch
in der Frage:
Was ist das Glück des Menschen?
Für die einen ist Glück
das Haben von Glücksgefühlen;
für die anderen ist Glück
das Bewußtsein,
bedingungslos und unverlierbar geliebt zu sein.
Ähnlich sehen die einen
den Sinn des Lebens
in der Befriedigung
vergänglicher Bedürfnisse
und die anderen
in der Bestätigung durch die Liebe Gottes,
die mir unzerstörbare Daseinfreude schenkt.
Das Geliebtsein ist für mich
auch die Kraft
in Leid, Not und Tod.
Maria und Elisabeth
erfahren ihre gegenseitige Selbstbestätigung
in der Begegnung.
Die Freude –
die Freude im Herrn und am Herrn –
ist die Weise,
durch die diese Bestätigung geschenkt wird,
verbunden mit der Erfahrung:
Gott tut immer Großes.
Herr, ich will dich suchen, damit ich mich durch dich selbst finde.
Die Weihnachtszeit
Weihnachten – Heiliger Abend
(Mt 1,18-25)
„Das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.“
Zu-mutung
Gott schuf die Menschen
als sein Ebenbild,
als Mann und Frau schuf er sie.
Gott ist das Innigste an Beziehung,
das es gibt.
Gott und Menschen stehen zueinander
wie Mann und Frau,
wie Bräutigam und Braut,
in unauflöslicher Verbindung,
in ewigem Bund.
Maria, die Jungfrau,
die Geliebte Gottes, die Braut Gottes,
ist Symbol für das Volk Gottes,
für die Kirche
und schließlich für die ganze Menschheit.
„Jungfräulichkeit“ ist ein spiritueller Begriff;
er meint die Braut,
die sich schmückt
und auf den Bräutigam wartet,
von dem sie das Leben empfängt.
Jungfräulichkeit
ist die bedingungslose Bereitschaft für Gott;
sie betrifft alle Menschen,
nicht nur die Frauen.
Maria ist das Symbol
der „ewigen Jungfrau“,
der sich Gott zumutet
in einer unehelichen Schwangerschaft,
in der Geburt im Stall,
auf der Flucht bis hin unters Kreuz.
Sie – als die Geliebte Gottes
stand wohl Gott am nächsten.
Je näher Gott,
desto unbegreiflicher ist er;
je unbegreiflicher Gott,
desto näher ist er für den Glaubenden.
Maria war glücklich („selig“),
weil sie geglaubt hat (Lk 1,45), nicht weil sie Gott begriffen hat. Wer trotz allem an die Liebe Gottes glaubt, wird irgendwann erkennen, daß Gott, der „in allem Mächtige, immer Großes tut“ – auch im Leid (Magnificat).
Wir Menschen stolpern auf unserer Gottsuche
immer über das Leidproblem („Theodizeeproblem“). Wir wollen Gott begreifen, bevor wir an ihn glauben. Doch Gott mutet uns zu, daß wir an seine Liebe glauben – trotz Leid und Tod und des Bösen in der Welt.
„Wie soll das geschehen … ?“
Gott hat uns die Sehnsucht nach Liebe eingepflanzt,
und er schenkt uns immer wieder
die Sternstunden, den Engel,
die erfüllten Augenblicke des Glücks,
die auch im Leid möglich sind.
Aus diesen Ansätzen
kann sich der Mut
zur Zumutung des Glaubens entwickeln.
Herr, gib mir den Mut zu allem, was du mir zumutest.
Weihnachten – Heilige Nacht (Lk 2,1-14)
„Heute ist euch der Retter geboren.“
An das Christkind glauben
Alle Jahre wieder …
führt uns das Weihnachtsfest
an den Ursprung der unzerstörbaren Freude
und der unverlierbaren Hoffnung.
Das Weihnachtsfest ist mehr
als nur die Erinnerung,
daß der historische Jesus einmal Kind war.
Weihnachten ist mehr
als nur eine Geburtstagsfeier.
Das Christkind wird nie älter;
es kommt immer wieder –
nicht nur alle Jahre,
sondern alle Tage –, immer.
Das „Christkind“ ist Symbol für den ewigen Gott.
Gott schenkt und verschenkt sich Er knüpft das Geschenk seines Daseins nicht an Bedingungen; er drängt sich nicht auf; er läßt sich abweisen und kommt trotzdem, damit er immer da ist, wenn wir ihn brauchen und nach ihm schreien.
Das Christkind ist Zeichen der Liebe;
es zeigt uns die ewige Liebe.
Alle unsere Geschenke machen erst dadurch Freude,
daß sie Zeichen der Liebe sind.
Jede echte Liebe stammt von Gott;
darum kommt jedes echte Geschenk
„vom Christkind“,
vom sich verschenkenden Gott.
So kann man sich auch selbst etwas kaufen,
um sich von Gott
beschenken zu lassen.
Wer an das Christkind glaubt,
ist nicht mehr einsam.
Die Liebe Gottes hat „Hand und Fuß“ bekommen und gibt sich uns in die Hand. Er liefert sich den Menschen aus. Er, der alles im Griff hat, läßt sich von den Menschen be-greifen und er-greifen. Man kann liebend ergreifen und hassend ergreifen; Gott läßt Beides zu. Gott ergreift uns, indem er sich ergreifen läßt. Wer Gott liebend ergreift und ihn – sich an ihm – festhält, findet in ihm Halt und Geborgenheit. Was ich fest halte, hält mich fest.
Im Christkind finden wir schließlich die Erfüllung unserer Sehnsucht nach ewiger Liebe. Im Christkind rührt Gott unser Herz an: Nimm mich doch, ich bin dein und will immer bei dir sein; ich werde nie alt.
Herr, laß auch mich das Christkind zur Welt bringen und das Geschenk deiner Liebe weiterschenken
Weihnachten – am Tag (Joh 1,1-18)
Das Wort ist Fleisch geworden.
Natürlich glauben
Das biblische Wort „Fleisch“
meint die menschliche Natur
in ihrer ganzen Armseligkeit,
Hinfälligkeit und Vergänglichkeit.
Die Menschwerdung Gottes offenbart,
daß Gott, der Schöpfer, von Ewigkeit her
diese menschliche Natur angenommen hat.
Dadurch ist die menschliche Natur ausgewiesen
als Ort, an dem man Gott finden
und ihm begegnen kann.
In den menschlichen, sinnlichen
Erlebnissen der Liebe
ist Gott verborgen.
Durch das Entdecken Gottes
in der menschlichen Liebe
wird die Liebe zum Sakrament.
Durch das Entdecken der ewigen Liebe
in unserer menschlichen Liebe
werden unsere Liebesbeziehungen
verbindlich und unauflöslich.
Auch bei äußeren Trennungen
kann diese innere Verbindung
und Verbindlichkeit erhalten bleiben.
Durch Gott wird unsere Liebe
„stärker als der Tod“.
Unsere menschliche Natur steht nicht isoliert
in der Natur der gesamten Schöpfung.
Mit der menschlichen Natur
hat Gott die gesamte Natur angenommen.
Somit ist die gesamte Natur ausgewiesen
als Ort, an dem man Gott suchen
und finden kann.
Das einfachste und nächstliegende Allheilmittel
ist die Naturbegegnung.
Durch naturale Meditation,
durch bewußtes Leben mit Pflanzen und Tieren,
durch bewußtes Leben in den Landschaften
kann ich Beziehungen aufbauen,
in denen die Liebe Gottes
zum Vorschein kommt
und mich ergreift.
Steine, Pflanzen und Tiere
sind von ihrer Natur aus rein,
frei von der menschlichen Bosheit.
Darum ist das Naturerlebnis
die erste Hilfe bei menschlichen Enttäuschungen.
Das ehrfürchtige und liebende Verhältnis zur Natur
ist auch die Voraussetzung
zum Erleben der Sakramente,
der offiziellen Symbole,
in denen Gott für uns da ist
(Wasser, Brot und Wein, Hautkontakt).
Unsere Menschennatur ist beschädigt
durch die Sünde
(Egoismus, Haß, Konsumorientiertheit).
Beziehungen zwischen Menschen
können der Himmel sein;
sie können aber auch zur Hölle werden.
Der menschgewordene Gott,
der sündelose Jesus,
hat unsere sündige Natur angenommen,
um sie von der Sünde zu erlösen.
Herr, laß mich so natürlich leben, daß ich eine göttliche Natur in der irdisch-menschlichen Natur entdecke.
Weihnachten – Fest des heiligen Stephanus
(Mt 10,17-22)
„Wer bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.“
Entschlossen sein
Stephanus sah „den Himmel offen“;
für ihn war der Himmel nicht mehr verschlossen.
Der Himmel kann aber nur „über jemand aufgehen“,
wenn er sich selbst für den Himmel öffnet
und sich für Gott ent-schließt.
Obwohl wir von Gott und auf Gott hin erschaffen sind,
sind wir zunächst Gott gegenüber verschlossen.
Unser Rationalismus
und unsere irdischen Einstellungen
verschließen uns zunächst den Zugang zu Gott.
Erst die Wege der Erfahrung sind es,
die uns den Himmel öffnen
und Gott erschließen.
Aber auch der Erfahrungsbereich
bleibt mir, was Gott betrifft, verschlossen,
wenn ich mich nicht irgendwann
„ent-schließe“ zum Glauben.
Die Ansatzpunkte zu diesem „Glaubensentschluß“
liegen in meiner Sehnsucht und Hoffnung,
die irdisch keine dauernde Erfüllung finden
und andererseits in den erfüllten Augenblicken,
in denen meine Sehnsucht gestillt ist,
die ich aber nicht festhalten
und ausdehnen kann zu einem Dauerglück.
Diese Punkte können Anlaß und Grund
zum Glauben werden, – aber keine Beweise.
Wenn ich mich
zum Glauben an die absolute Liebe
entschlossen habe,
finde ich reiche Bestätigung
im Bereich der Vernunft (Theologie),
der Geschichte, der Bibel
und vor allem in der Verkörperung dieser Liebe
in der Jesusgestalt.
Dieser Glaube ist ein fundamentaler Glaube;
das heißt seine Gewißheit beruht
auf meinem ganz persönlichen Entschluß
und nicht auf einer sekundären
Erschließung von außen.
Das Wahrheitskriterium dieses Glaubens
liegt in der absoluten Liebe (= Gott) selbst,
an die ich glaube.
Dies ist zugleich das Auslegekriterium
für alle sekundären Glaubensquellen.
die meinen Glauben ausgestalten und bestätigen.
Dieser „entschlossene“ Glaube steht in sich;
er hängt letztlich nicht mehr an den Zeugen,
auch wenn mir die Glaubenserschließung
praktisch durch das Zeugnis anderer
ermöglicht wurde.
Die Selbständigkeit meines Glaubens
macht mich zum glaubwürdigen Zeugen,
der andere zum Glauben ermutigt.
Glaube bleibt letztlich immer Geschenk,
das aber meine Entschlossenheit verlangt.
Mangelnde Glaubensentschlossenheit
ist häufig der Grund für mangelnde Entschlußkraft
in den notwendigen Entscheidungen des Lebens.
Viele Lebensnöte könnten durch klare Entscheidungen
und Entschlossenheiten vermieden werden.
Die Entschlossenheit für Gott
ist in jedem Fall die Rettung.
Herr, gib mir die Entschlossenheit für dich, damit ich im Leben klare und richtige Entscheidungen treffen kann.
Sonntag in der Weihnachtsoktav –
Fest der Heiligen Familie (Lk 2,22-40)
Er war ihnen gehorsam.
Gehorsam sein
„Gehorsam“ kommt von „horchen“.
Gehorsam ist die Fähigkeit und die Bereitschaft,
auf den anderen zu hören
und auf ihn einzugehen.
Gehorsam schließt die persönliche Verantwortung
nicht aus, sondern mit ein.
Nur wer Gebote, Gesetze, Autoritäten,
Lebenswirklichkeiten
in ihrer Vorgegebenheit anerkennt,
kann sie, wenn es das Gewissen verlangt,
verantwortlich übertreten.
Gehorsam muß gelernt werden;
ohne Gehorsam
ist ein Zusammenleben von Menschen nicht möglich.
Rücksichtnahme, Entgegenkommen, Hilfsbereitschaft
sind Fruchte des Gehorsams.
Auch die echte Autorität
entspringt dem Gehorsam,
dem Eingehen auf Menschen
und auf die Vorgegebenheiten des Lebens.
Die Familie ist der erste und wichtigste Ort,
wo Gehorsam gelernt wird
sowohl in der inneren Einstellung
als auch in der äußeren Praxis.
Jeder in einer Familie oder Lebensgemeinschaft
muß auf seine Weise
seiner Stellung gemäß
Gehorsam lernen.
Der Mensch lernt durch Imitation und Identifikation.
Darum braucht Gehorsam
Vorbilder, glaubwürdige Autoritäten.
Die Vorbildlichkeit ist ein Wesensmerkmal
jeder echten Autorität.
Wer eine übergeordnete Stellung hat,
ist verpflichtet zur Vorbildlichkeit,
zum guten Beispiel.
Die schlimmste Not in unserer Zeit
ist das Fehlen des Gehorsams in der Pädagogik.
Ehrfurcht, Pflicht, Verantwortung, Aufgabe,
Nächstenliebe
sind Fremdworte geworden.
„Ehrfurcht“, „Gehorsam“ und „Verzicht“
sind durch „Spaß“, „Lust“ und „Fun“ ersetzt worden.
Viele Menschen scheitern im Leben,
weil sie das Glück und den Sinn des Lebens
selbst machen wollen
und nicht mehr erkennen,
daß Sinn, Aufgabe und Verantwortung
dem Leben vorgegeben sind.
Das vollkommene Beispiel für Gehorsam
ist in jeder Hinsicht Jesus.
„Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden
den Gehorsam gelernt“ (Hebr 5,8). Vollendeter Gehorsam ist letztlich der Gehorsam sich selbst und seinem geschulten Gewissen gegenüber, der sich als Gehorsam Gott gegenüber erweist.
Die heutige Jesusgeschichte zeigt,
daß der Gehorsam Gott und dem Gewissen gegenüber
eine Zumutung sein kann,
die auf Unverständnis stößt.
Der Gehorsame, der Gehorsam gelernt hat,
ist letztlich mit Gott allein,
dem er mehr gehorchen muß
als den Menschen mit ihren durchaus
berechtigten und notwendigen
Erwartungen und Forderungen.
Glaubensgehorsam kann menschlicher
Ungehorsam sein,
aber menschlicher Ungehorsam ist noch nicht
Glaubensgehorsam.
Herr, lehre mich deinen Gehorsam und mache mich vorbildlich dort, wo ich Verantwortung trage.
Oktav von Weihnachten – Hochfest
der Gottesmutter Maria (Lk 2,16-21)
Maria bewahrte alles in ihrem Herzen.
Endlich ewig werden
Besonders beim Jahreswechsel
werden viele Menschen nachdenklich,
die sonst nicht so viel nach-denken.
Unser Leben ist uns gegeben
in der Kontrasteinheit von Zeit und Ewigkeit.
Der Mystiker weist auf diese Einheit hin.
Zeit ist Ewigkeit.
Ewigkeit ist Zeit (Angelus Silesius). Die Ewigkeit ist uns in Form von Zeit gegeben. Mitternacht, „Null Uhr“, ist der Punkt, an dem die Ewigkeit in der Zeit in Erscheinung tritt.
Es gibt zwei Gefahren in unserem Leben:
daß wir nur für das Zeitliche leben;
dann wird unser Leben sinnlos;
oder daß wir nur an die Ewigkeit denken
und dabei die Verantwortung
für unser irdisches Tun und Lassen
zu wenig wichtig nehmen.
„Das Vergangene vergeht nicht“;
alles Zeitliche geht ein in die Ewigkeit.
Das Zeitliche erleben wir in Rhythmen:
Tage, Wochen, Jahre, Jahres-, Tageszeiten.
Wir erleben beides:
Immer wieder das Gleiche (Kreislauf);
und doch geht es immer weiter (Fortschritt).
Symbolisch: Kreis und Gerade werden eins in der Spirale.
Wir leben in der Zeit und mit der Zeit.
Wir müssen irdisch planen und berechnen.
Darum müssen wir die Zeit be-rechnen
und eine „Zeitrechnung“ erstellen.
Aber wo fangen wir an?
Bei einem Kreis
ist jeder Punkt Anfang und Ende zugleich.
Jede Zeitrechnung beginnt
mit einem wichtigen historischen Ereignis.
Für uns Christen ist es die Geburt Jesu:
Sie ist das „einzige, das zählt“.
Sie ist auch das „End-gültige“,
das, was an jedem Ende,
das wir durchmachen müssen,
noch zählt.
Im Wort „endlich“ ist beides vereint:
Hoffnung und Angst.
„Endlich“ bist du da!
Aber auch alles Irdische ist „endlich“:
Nichts kann man festhalten,
jeder Augenblick ist vergänglich.
Daraus ergibt sich
eine doppelte Empfehlung für das Leben:
Lebe jeden Tag neu, laß ihn kommen und gehen.
Schaffe und pflege gute Gewohnheiten,
durch die du die Nullpunkte (Totpunkte) überwindest.
Dies gilt besonders für den religiösen Bereich.
Das heutige Marienfest
zeigt uns die Gottesmutter:
Sie hat den Un-endlichen
empfangen und zur Welt gebracht;
dadurch hat sie sich selbst verewigt.
Herr, nimm mir durch deine Unendlichkeit die Angst vor dem Ende dort, wo in meinem Leben etwas zu Ende geht.
Zweiter Sonntag nach Weihnachten
(Joh 1,1-18)
Wir haben seine Herrlichkeit gesehen …
Herr-lich sein
Im Wort „Herrlichkeit“ bringt die Bibel
viel vom unbegreiflichen Wesen Gottes
zum Ausdruck.
Die Herr-lichkeit Gottes ist untrennbar
von der Herr-schaft Gottes.
Dies wird deutlich im Bild
vom „Thron der Herrlichkeit Gottes“,
das uns mehrfach
im Evangelium gezeigt wird.
Die herrliche Herrschaft Gottes
ist die letztlich einzige Herrschaft,
die es gibt,
und der am Ende alles und alle
dienen „müssen“ bzw. werden:
Wenn Gott, die absolute Liebe,herrscht
und alle der Liebe dienen,
(„ihre Knie beugen“) ist das Reich Gottes oder die „Königsherrschaft Gottes“ vollendet.
Von den Hirten in Betlehem lesen wir:
„Der Glanz (= die Herrlichkeit) des Herrn
umstrahlte sie.“
Die Herrlichkeit des Herrn
hat Strahlkraft, Lichtkraft.
Sie setzt sich durch,
verwandelt alles Böse so
wie das Licht die Finsternis.
Die Macht der Liebe
ist letztlich immer stärker
als die Gewalt des Bösen.
Die Herrlichkeit des Herrn „sehen“
heißt bereits: von ihr betroffen sein.
Ich kann kein Licht sehen,
ohne daß ein Strahl des Lichtes
mich trifft
und in mich, in mein Auge eingeht
und mich innerlich hell macht.
Die Herrlichkeit Gottes strahlt ab
und macht uns Menschen „herrlich“.
Und umgekehrt ausgedruckt:
Jede echte Herrlichkeit des Menschen
ist Abglanz der ewigen Herrlichkeit Gottes.
Diese „Übertragung“ von Herrlichkeit
nennt das Evangelium „Verherrlichung“.
In Jesus sind Gott und Mensch
zugleich verherrlicht.
Wer die Herrlichkeit Gottes einmal gesehen hat,
der hat auch ihre zwang- und gewaltlos
überwältigende Kraft kennengelernt.
Daraus erwächst die Hoffnung,
daß am Ende alle gerettet sind.
Denn im Tod werden alle Menschen
(Verbrecher, Sünder, Verzweifelte eingeschlossen)
Gott begegnen und ihn
in seiner ganzen Herrlichkeit sehen.
Die Frage, ob es endgültig Verdammte gibt
– und wenn, wie viele –,
ist in der Offenbarung nicht beantwortet.
Die Antwort kann jeder nur
in seinem persönlichen Glauben finden.
Wer seine Herrlichkeit
nur ein wenig gesehen hat,
wird nicht mehr glauben können,
daß es am Ende „ewig Verdammte“ gibt.
Herr, laß mich deine Herrlichkeit sehen, die mich vor Anmaßung und Selbstherrlichkeit bewahrt.
Hochfest der Erscheinung des Herrn
(Mt 2,1-12)
Und der Stern … zog vor ihnen her bis zu dem Ort,
wo das Kind war; dort blieb er stehen.
Stern der Sehnsucht
Wenn man in unserer Zeit,
in der viele tradierte Werte und Wirklichkeiten
fragwürdig geworden oder weggebrochen sind,
von Gott reden will,
muß man zuerst vom Menschen reden.
Unser Menschsein ist bestimmt von der Sehnsucht.
Sehnsucht ist das Verlangen nach etwas,
das ich brauche,
aber (noch) nicht habe,
das es aber irgendwo und irgendwie
geben „muß“.
Das Symbol unserer Sehnsucht ist der Stern.
Der Stern ist das Weihnachtssymbol, das in unzähligen Ausführungen uns innerlich anspricht und Weihnachtsstimmung erzeugt.
Der Stern ist ganz hoch oben,
ganz weit weg
und leuchtet in der Nacht.
Ich kann den Stern in meiner Nacht sehen,
weil er strahlt.
Alle können den Stern sehen,
wenn sie wollen.
Das Licht des Sterns
ist im Strahl enthalten;
der Strahl gelangt in mein Auge;
so kann ich den Stern immer
„im Auge behalten“.
Ich darf den Stern meiner Sehnsucht –
den Stern unser aller Sehnsucht –,
nie „aus dem Auge lassen“
und nie „aus den Augen verlieren!“
Dann erfüllt der Stern mein Leben
und macht mich selbst
zum Stern der Hoffnung für andere.
Das Ziel unserer Sehnsucht
ist auf die Welt gekommen, aber es ist nicht von dieser Welt. Andererseits führt uns unsere irdische Sehnsucht aus dieser Welt hinaus, weil sie bei allen irdischen Füllungen nie zur ganzen Erfüllung kommt: „Jeder Mensch, ist er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge“ (Wilhelm Busch). Schopenhauer und mit ihm viele Nihilisten resignieren, indem sie das Leben sehen als ein einziges Warten auf jemanden, der nie kommt.
Wer aber nicht resigniert
und den Stern im Auge behält,
wird vom Stern zu dem Ort geführt,
wo das Kind ist,
die ewige Liebe, die Hand und Fuß bekommen hat.
Dort bleibt der Stern stehen:
Jesus selbst ist der Stern,
der uns erfüllt und immer neu hoffen läßt,
der uns immer weiterführt und zusammenführt
auf immer neuen Wegen in die Heimat,
in die ewige Heimat.
Der Stern kann mir manchmal entschwinden
hinter Wolken,
oder weil ich das Aufblicken vergessen habe,
aber er ist immer da.
Herr, laß mich deinen Stern sehen, wenn ich ihn aus den Augen verloren habe.
Sonntag nach dem 6. Januar –
Taufe des Herrn (Lk 3,15-16.21-22)
Jesus ließ sich taufen;
und während er betete, öffnete sich der Himmel.
Beten öffnet
Die Taufe Jesu wurde immer
verstanden als der bewußte Beginn
der erlösenden Tätigkeit Jesu,
Die „Bußtaufe“ des Johannes
war vorbereitend auf das Leer-Werden eingestellt;
die „Geisttaufe“ Jesu bewirkt Füllung und Erfüllung.
Jesus, der Sündelose,
identifiziert sich mit der sündigen Menschennatur,
die bestimmt ist von Egoismus, Haß und Lieblosigkeit,
und beginnt, sie „sauerteigartig“ zu verwandeln.
Er „impft“ die Menschen sozusagen
mit dem ewigen Geliebt-sein.
Er holt die Menschen da ab, wo sie stehen
und führt sie dorthin,
wo sie hingehören: zu Gott.
Beachtlich in dieser Situation Jesu
und beachtlich für alle „erlösenden“ Situationen
ist der Hinweis: „Während er betete,
öffnete sich der Himmel.“
Erlösung geschieht durch Öffnung:
wenn der Mensch „in den Himmel“ kommt,
und wenn „der Himmel“ in den Menschen kommt.
Und diese Öffnung geschieht im Beten.
Beim Beten bringe ich mich „zur Sprache“,
und ebenso bringe ich Gott zur Sprache.
Ich und Gott
kommen beim Beten gleichzeitig „zu Wort“.
Beim Beten begegnen sich Gott und Mensch
und Mensch und Gott.
Beten ist sozusagen das Mobiltelefon,
mit dem ich Gott immer und überall
erreichen kann
– und er mich.
Beten ist etwas, das ich meinerseits tun kann,
auch wenn ich gerade keine Lust dazu habe.
Viele Menschen fühlen sich „gottverlassen“,
obwohl Gott immer „zu sprechen“ ist,
nur weil sie ihr Mobiltelefon nicht benützen,
das heißt, weil sie nicht beten.
Beten nach Lust und Laune nützt oft wenig,
weil man das Gebet oft dann braucht,
wenn man keine Lust und Laune dazu hat.
Gewiß: „Not lehrt beten“,
aber zur verläßlichen Lebenshilfe wird das Gebet
erst durch die gute Gewohnheit,
durch das regelmäßige Beten.
Beten öffnet.
Gott ist an sich immer „offen“;
doch das Beten bewirkt,
daß er mir aufgeht, indem ich offen werde für ihn. Beten macht mich durchlässig für die Kommunikation bewirkende Kraft Gottes. Wenn ich bete für den oder die anderen, vor einer schwierigen Begegnung etwa, verläuft alles besser als ohne Gebet: Ich bin offener (toleranter) und wirke darum öffnender auf die anderen.
Das Gebet alleine und mit anderen,
für mich und für andere – auch für Verstorbene,
bewirkt immer Gemeinschaft, Frieden,
Solidarisierung vor Gott und mit Gott,
vorausgesetzt man glaubt an die absolute Liebe.
Herr, öffne meine Lippen in Angst und Verzweiflung, wenn ich sprachlos geworden bin, und wenn ich für dich und für mich keine Worte mehr finde.
Die Fastenzeit
Aschermittwoch (Mt 6,1-6.16-18)
„Dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“
Erkannt sein
Jeder Mensch will er-kannt,
an-erkannt und be-kannt sein.
Ich leide, wenn ich verkannt
und falsch oder ungerecht beurteilt werde.
Andererseits bekomme ich Angst,
wenn ich voll durchschaut werde;
wenn ich entlarvt werde
und mich nicht mehr verstecken kann.
Menschen müssen sich anerkennen.
Sie müssen aber auch ein Geheimnis bleiben
und Geheimnisse haben dürfen,
sonst verlieren sie ihre Anziehungskraft.
Doch einmal kommt alles auf: „Nichts ist verborgen,
was nicht offenbar werden wird“ (Mk 4,22). Am Ende, beim Tod, beim „jüngsten Gericht“ wird das sein.
Unsere Identität ist erst dann vollkommen,
wenn nichts mehr verdrängt wird,
wenn alles so, wie es ist, angenommen wird.
Das Schreckliche beim jüngsten Gericht wird sein,
daß sich jeder so sehen muß,
wie er vor Gott ist
– und das ohne „Narkose“!
Gott sieht mich ganz,
er sieht auch das Verborgene;
vor ihm kann ich mich nicht verstecken.
Nun hängt es von meinem Gottesbild ab,
ob das jüngste Gericht die große Befreiung
und Versöhnung wird
oder die große Rache und Vergeltung,
ob Himmel oder Hölle.
Der allerbarmende Gott bedeutet Himmel,
der strafende Gott Hölle.
Doch alle Schuld muß vergeben werden.
Vergeben heißt nicht ignorieren
oder „unter den Teppich kehren“.
Schuld vergeben heißt:
Die Schuld mit den ihr innewohnenden
vernichtenden Kräften annehmen.
Das kann nur die Liebe.
Sie verwandelt die vernichtenden Kräfte
in kreative Kräfte:
Vergebung kommt aus Barmherzigkeit
und bewirkt Barmherzigkeit.
Das Schwierigste ist,
daß ich mir selbst vergebe,
mich in meiner Schuld annehme:
Wenn ich mich so sehen muß, wie ich bin,
aber gleichzeitig sehe,
daß mich Gott von Ewigkeit her
so geliebt hat, wie ich jetzt vor ihm
und vor mir dastehe,
wird das gelingen.
Durch diese Vorstellung wird Gott jetzt schon zum Ort,
wo ich nichts mehr verstecken muß.
Der Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird alles vergelten:
das Gute mit Gutem
und das Böse mit der verwandelnden Kraft seiner Liebe.
Mein Gottesbild entscheidet,
ob die Allwissenheit Gottes Angst macht
oder Trost und Hoffnung gibt.
Herr, du kennst mich ganz. Befreie mich von allem Mißtrauen deiner grenzenlosen Liebe gegenüber.
Erster Fastensonntag (Lk 4,1-13)
Der Geist führte ihn in der Wüste umher.
Sich im klaren sein
Wenn ich zufrieden leben will,
brauche ich Klarheit
über den Sinn meines Lebens,
über meine Aufgaben und Pflichten,
über meine Verantwortung.
Ich muß wissen, was ich will,
und was ich nicht will.
Der Sinn meines Lebens ist schon da;
ich muß ihn nicht machen,
aber ich muß ihn finden.
Trotzdem bin ich frei;
ich bin nicht festgelegt.
Ich bin frei in der Suche nach dem Sinn;
niemand kann mich zwingen,
einen bestimmten Sinn zu erkennen
und anzunehmen.
Irgendwann muß ich mich entscheiden,
wie und wofür ich grundsätzlich leben will.
Und diese Entscheidung
muß immer wieder neu getroffen werden,
damit sie in meinem Leben
zur Verwirklichung und Durchsetzung gelangt.
Um mich zu finden,
brauche ich den Mut,
mich mir ganz alleine auszusetzen.
Kein Mensch
und keine Gemeinschaft
kann und darf mir dieses Alleinsein abnehmen.
Nur durch Alleinsein
gelange ich zum Selbst-Sein
und zum All-eins-Sein,
das heißt zur Beziehung mit allen Geschöpfen.
Nur im Alleinsein finde ich Gott
und die fundamentale Beziehung zu ihm,
die mich im Leben und im Sterben trägt.
Gott macht mich gemeinschaftsfähig;
er verbindet mich mit den Menschen und Geschöpfen;
gleichzeitig bewahrt er mich vor Verschmelzung
und vor der Vergötzung des Vergänglichen,
die im Tod endet.
Der Ort für das Alleinsein (mit sich und mit Gott)
ist die „Wüste“.
„Wüste“ hat als Symbol doppelte Bedeutung:
Sie ist zunächst lebensfeindlich;
Ort der Dämonen, der bösen Mächte.
Zur Wüste gehört aber immer auch die Oase,
wie der Stern zur Nacht.
Oase ist der Ort des Lebens und der Gotteserfahrung.
Wir leben von unseren Oasen!
Wer leben will,
darf die Wüste nicht scheuen.
Wüstentage werden Oasentage!
Exerzitien und Besinnungstage
führen zu Einsicht und Klarheit;
sie ermöglichen Entscheidungen
und bewirken Entschiedenheit.
Jesus muß sich wie jeder Mensch damit
auseinandersetzen,
nach welchem Prinzip er leben will.
Das Evangelium zeigt heute
drei unvereinbare Prinzipien:
Konsum (Steine zu Brot machen,
d.h. Herrschaft der Triebe) oder Herrschaft über die Triebe; Gewalt oder dienende Liebe; Gängelung durch Sensation oder liebende Werbung. Alle drei in einem Wort: Gott oder Mammon.
Herr, gib mir Mut zur Einsamkeit und zur Enthaltsamkeit, damit wir uns gegenseitig finden.
Zweiter Fastensonntag (Lk 9,28b-36)
Während er betete, veränderte sich
das Aussehen seines Gesichtes.
Beten verändert
Im betenden Menschen
wird das Göttliche sichtbar.
Wenn ich im Gebet
„mein Herz zu Gott erhebe“
mit allen Beschädigungen und „Infarkten“,
bekomme ich ein „neues Herz“,
ein neues Lebensprinzip.
Das „neue Herz“ verändert mich
und durchpulst mein ganzes Verhalten
bis hin zu meiner körperlichen Ausdrucksgestaltung.
Der Mensch,
der auf das Prinzip Liebe eingestellt ist,
denkt, fühlt und handelt anders
als der egoistisch „betriebene“ Mensch.
Der Betende ist zugleich der Liebende;
er hat ein anderes Aussehen,
ein anderes Ansehen,
Tonfall der Stimme …
Alles ist anders als beim „normalen Egoisten“.
Wir alle sind in der Regel „normale Egoisten“,
aber im Gebet hätten wir die Möglichkeit,
immer wieder in lichte Augenblicke einzutreten,
die allmählich – wenn auch nur ein wenig –
unser Leben verändern
und auf Gott hin durchsichtig machen.
Ein betender Mensch
verändert nicht nur sich selbst;
er verändert auch seine Umgebung.
Ein betender Mensch ist eine Herausforderung:
Die einen werden aggressiv und noch „verstockter“;
die anderen fühlen sich innerlich angerührt
bis hin zur Begeisterung.
Bei diesen Veränderungen
geht es immer um Veränderungen
im inneren Bereich
oder aus dem inneren Bereich des Menschen.
Den Hinweis des Evangelisten,
„Sie waren eingeschlafen,
wurden jedoch wach“,
kann man auch als mystisches Geschehen deuten:
Sie gerieten in Trance
und wurden fähig zu Visionen,
zur mystischen Schau
(„myein“ heißt: die Augen schließen!). Beim Schlafen (Meditieren) wird die äußere Wahrnehmung ausgeschaltet; dadurch kann die innere Wahrnehmung „wach“ werden. (So sind auch die Träume Wahrnehmung des Unbewußten.)
Der Mystiker durchblickt auch die Bilder
von der „Wolke“, vom „Schatten“
und von der Stimme aus der Wolke.
Nur für Augenblicke gibt die Wolke
den Blick frei;
dann stehen wir wieder im Schatten Gottes.
Wolke ist Symbol für Verhüllung
und Enthüllung.
Wenn wir in der Wolke (im Nebel) sind, wenn wir Irdischen Gott ganz nahe sind, sehen wir ihn paradoxerweise überhaupt nicht. Ein Sprichwort besagt diese Erfahrung: „Wenn die Not am größten ist, ist Gott am nächsten“. Beachtlich ist in diesem Zusammenhang das Gesprächsthema der Lichtgestalten: das Ende Jesu in Jerusalem.
Herr, laß mich an deine Nähe glauben, auch wenn ich sie nicht sehen kann.
Dritter Fastensonntag (Lk 13,1-9)
„Ihr werdet genauso umkommen,
wenn ihr euch nicht bekehrt.“
Gott straft nicht
Was war geschehen?
Ein Massaker und ein Unfall,
bei dem „unschuldige“ Menschen ums Leben kamen.
Damals wie heute
verbinden die Menschen
derartige Vorfälle mit der doppelten Gottesfrage:
Was müssen diese Menschen verbrochen haben,
daß sie so bestraft werden?
Kann es einen gütigen Gott geben,
wenn er so etwas zuläßt?
Jesus reagiert gereizt:
„Ihr alle werdet genauso umkommen …“
Das heißt: Ihr mit eurem „unschuldigen“ Menschenbild
und mit eurem menschengemachten Gottesbild
vom strafenden Vergeltungsgott habt noch gar nichts verstanden –
weder von Gott noch vom Menschen.
Auch der bravste Mensch hat kein Anrecht darauf,
daß ihm nichts passiert,
und daß Gott die von ihm
oder nicht von ihm verursachten Unfälle
verhindern muß.
Gott straft nicht.
Die Strafe und das Bestrafungsbedürfnis
entspringen in der Schuld selbst.
Schuld ist die „Sollspannung“
zwischen dem Sein-Sollenden
und dem Nicht-Sein-Sollenden.
In dieser Spannung entsteht sowohl
das Bedürfnis nach Vergeltung und Strafe
als auch jede Art von „krimineller Energie“.
Beides sind wie die zwei Seiten einer Münze.
Strafe entsteht also in der Schuld.
Nur Menschen können schuldig sein;
also „müssen“ nur Menschen strafen, aber nicht Gott.
Im Grunde bestrafen sich die Menschen immer selbst:
entweder gegenseitig oder einseitig: jeder sich selbst.
Beides kannst du nicht voneinander trennen,
oft nicht einmal unterscheiden.
Gott straft nicht – ganz im Gegenteil:
Er wollte uns aus unserer
aus der Schuld stammenden Strafpraxis erlösen
durch die Ausgießung seines Erbarmens.
So lange aber unser Erlösungsprozeß noch läuft,
brauchen wir Justiz und Strafvollzug,
um hier auf Erden zu überleben.
Hier ist Strafe das kleinere Übel;
das größere wäre Ausrottung und Selbstvernichtung.
Ich kann rein subjektiv etwas als „Strafe Gottes“ verstehen, wenn ich z.B. als Betrunkener einen Unfall verursache. Objektiv ist der Unfall die Folge vom Alkoholgenuß, die Gott nicht verhindert, aber auch nicht verhindern „muß“, weil er letztlich alles, auch meine Schuld, im Griff hat.
Auch für die Leidfrage gilt:
Gott greift nie direkt ein,
weil er letztlich alles im Griff hat
und in allem – auch im Leid – mächtig ist.
Das abschließende Gleichnis
vom unfruchtbaren Feigenbaum
zeigt die „Geduld“ Gottes.
Herr, erlöse mich von Schuld und Sünde, damit ich nicht mich selbst und andere bestrafen muß·
Vierter Fastensonntag (Lk 15,1-3.11-32)
„Dein Bruder war tot und lebt wieder“
Trau dich leben – trau dem Leben
Jeder muß sein Leben leben,
du das deine und ich das meine.
Die Freiheit, selbst zu leben,
darf ich niemand nehmen
und ich darf sie mir
von niemand nehmen lassen.
Ich muß mein Leben wagen, denn ich nehme das Risiko auf mich, daß ich vieles leidvoll lernen muß und vieles falsch mache. Durch Fehler lernt man; wer keine Fehler macht oder keine Fehler zugeben kann, lernt nichts dazu; er lernt das Leben nicht, das heißt das Selbstleben.
Der „Richtigmacher“ bleibt immer abhängig von anderen,
von dem, was die Leute sagen,
von einem Guru
oder von irgendwelchen Ideologien.
Es gibt jedoch eine Abhängigkeit,
die selbständig macht:
das totale, persönliche, direkte Vertrauen auf Gott,
auf das Leben selbst.
Es gibt viele Lebenshilfen,
z.B. die Gebote,
gute Ratschläge lebenserfahrener Menschen,
Vorbilder und Beispiele.
Aber mit all diesen Hilfen
bin ich im Wagnis meines Lebens letztlich allein mit mir selbst
und mit meinem Gott –
auch wenn ich ihn noch nicht erkannt habe.
Vorbilder, Idole und Leitfiguren sind notwendig;
denn jeder Mensch lernt
durch Identifikation und Nachahmung.
Sie werden mir aber zum Verhängnis,
wenn ich mich nicht irgendwann trenne,
sondern sie kopieren möchte.
Die heutige Geschichte zeigt uns zwei Menschentypen.
Der Jüngere geht fort;
er will sein Glück selbst machen,
auf eigene Faust mit seinem Geld leben.
Der Vater läßt ihn gehen und hindert ihn nicht.
Er begleitet ihn innerlich
mit seiner nie versiegenden Liebe und Barmherzigkeit.
Erst der gescheiterte Sohn
erfährt die grenzenlose Barmherzigkeit des Vaters.
Man muß sein Sündersein erleben („zu-geben“),
um Vergebung zu erfahren.
Der Ältere bleibt daheim.
Er macht alles von vomeherein „richtig“
und scheitert genau
an dem einzig entscheidenden Punkt
unseres Menschseins:
an der Barmherzigkeit.
Er kann sie nicht zulassen,
weil er sie nicht hat;
und weil er sie nicht zulassen kann,
hat er sie nicht.
Herr, laß mich im Vertrauen auf deine unverlierbare Liebe alle Lebensangst und Verantwortungspflicht überwinden.
Fünfter Fastensonntag (Joh 8,1-11)
„Wer von euch ohne Sünde ist,
werfe den ersten Stein auf sie.“
„Ur- Teilung“
Die „Ur-Teilung“ der Menschen,
die wir selbst vornehmen,
ist die Einteilung der Menschen
in gute und böse.
In unserem angeborenen Vergeltungsdenken
und Rachebedürfnis bekommt so der Haß ein Ventil:
Die Guten muß man heben,
die Bösen „darf“ man hassen.
Es ist sogar gut,
wenn man die Bösen haßt.
In meinem Schuldbewußtsein,
das noch nicht zur Vergebung gelangt ist,
oder in meinem Bedürfnis,
makellos vor den anderen
und damit vor mir selbst dazustehen,
ist es eine Entlastung,
wenn ich Sünder finde,
oder Menschen,
die noch viel schlechter sind als ich, –
Menschen, die ich „mit Recht“
verurteilen und bestrafen kann.
„Rache tut gut!“
In unserer sündigen Welt
solidarisieren Rache und Haß
oft mehr als die Liebe.
Dies zeigt unsere Unerlöstheit:
Solange ich das göttliche Prinzip
der Vergebung nicht gefunden habe,
findet mein Haß- und Rachebedürfnis
eine gewisse Berechtigung dadurch,
daß es viele andere (die meisten?) auch haben.
Auch das Böse verbindet.
Die Ehebrecherin steht heute in der Mitte,
im Mittelpunkt für die Pharisäer
und im Mittelpunkt für Jesus,
als die Pharisäer verschwunden waren.
Hier wird der Kontrast
zwischen der Strafgerechtigkeit der Menschen
und der Gnadengerechtigkeit Gottes
in voller Klarheit sichtbar.
Menschen müßten total schuldlos sein,
wenn sie andere „gerecht“ beurteilen,
verurteilen und bestrafen wollten.
Mein Bedürfnis, die eigene Schuld abzuwälzen,
zu vertuschen und in Wohlanständigkeit zu verstecken,
nimmt mir jedes Recht,
andere zu verurteilen.
Jesus allein, der Sündelose, hätte das „Recht“,
zu verurteilen und zu bestrafen.
Aber gerade er verurteilt nicht, er vergibt.
Solange wir als Sünder unterwegs sind,
brauchen wir ein hohes Maß an Strafgerechtigkeit.
Aber das Ziel ist in Sicht:
Die Barmherzigkeit Gottes befähigt uns,
daß auch wir allen alles vergeben
und keine Verurteilungen mehr brauchen.
Der Glaube an die absolute Liebe Gottes
macht mich schließlich jetzt schon fähig,
nicht mehr sündigen zu „müssen“;
denn der Sünder sucht subjektiv
in der Sünde sein Heil, sein Glück.
Wer das wahre Heil in der allvergebenden Liebe
gefunden hat,
„braucht“ nicht mehr zu sündigen.
Herr, laß mich immer mehr dein Wort begreifen: „Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden“ (Lk 6,37).
Palmsonntag (Lk 19,28-40)
„Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn.“
Loben und preisen
Loben: jemanden oder etwas lieb nennen, gutheißen;
Preisen: vor-sagen, für gut erklären;
Segnen: etwas zum Zeichen machen.
Huldigen, rühmen, benedeien –
all diese Worte haben dieselbe Grundbedeutung:
erkennen, anerkennen, bekennen.
Jesus wird von seinen Jüngern gepriesen
als der wahre König von Israel.
Im Alten Bund hatte Samuel gegen seinen eigenen Willen
und gegen den ursprünglichen Willen Gottes
dem Volk nachgegeben
und ihm einen irdischen König gesalbt,
dem alle mit Leib und Leben unterworfen sind.
In Jesus, der nicht gekommen ist,
„sich bedienen zu lassen,
sondern um zu dienen“,
hat Gott selbst
seine ewige Königs-Herr-schaft angetreten
bzw. geoffenbart.
Gott preisen bringt den Menschen immer
„Heil und Segen“,
Freude, Glück und Hoffnung.
Ich kann Gott preisen,
wenn ich ihn in allem, was ist
und was geschieht, erkenne.
Ich kann Gott preisen,
wenn ich glaube,
daß der grenzenlos hebende Gott
alles in seinen Händen hält – auch das, was ich noch nicht begreife, und was seiner Liebe zu widersprechen scheint: das Böse, das Leid, der Haß der Menschen und unsere subjektive Gottlosigkeit.
Gott preisen im Glück und in der Freude heißt:
wissen und sich bewußt machen,
daß Er es ist, der alles schenkt; daß ich mich freuen und andere erfreuen kann, daß ich geliebt werden und lieben kann.
Wenn ich Gott preise im Glück,
mache ich ihn zum Mittelpunkt meines Lebens;
von ihm erwarte, erbitte und erhoffe ich alles.
Jetzt kann ich die Menschen
und alles andere
aus der Haftpflicht für mein Glück entlassen.
Gott preisen in Unglück und Leid heißt:
wissen und sich bewußt machen,
daß der liebende Gott immer da ist,
auch im tiefsten Leid.
Durch diesen Glauben
wird mein Leid nicht begreiflicher,
aber erträglicher.
Gerade der Tod Jesu zeigt,
wie der unbegreifliche Gott
in tiefstem Leid
nahe sein und nahe bleiben kann.
Martin Buber hat den Lobpreis Gottes in seinem Du-Gebet in einfachster Weise gestaltet: „Wo ich gehe, Du, wo ich stehe, Du, Du, Du, wieder Du, immer Du, Du, Du, Du. Ergehts mir gut, Du, wenn‘s weh mir tut, Du, Du, Du, wieder Du, immer Du, Du, Du, Du. Himmel: Du, Erde: Du, oben Du, unten Du. Wohin ich mich wende, an jedem Ende: Nur Du, wieder Du, immer Du, Du, Du, Du.“
Herr, – du – mein Gott und mein Alles.
Gründonnerstag (Joh 13,1-15)
Er erwies ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.
Unsterblich werden
Unser Nachdenken über Jesus
und sein Wirken in der Welt
und in den Sakramenten
stößt oft auf unnötige Schwierigkeiten,
weil wir „Leib“ und „Körper“ nicht unterscheiden.
Ich bin Leib, und ich habe einen Körper. „Zur Zeit“ bin ich Leib in irdischer, sinnenhafter, vergänglich-verweslicher Verkörperung. Weil wir „zur Zeit“ nur den irdisch verkörperten Leib kennen, gebrauchen wir die Worte „Leib“ und „Körper“ meist gleichbedeutend, obwohl sie unterschiedliche Bedeutung haben.
„Leib“ Jesu,
„leibhaftige“ Auferstehung und Himmelfahrt
besagen nicht „Körper“ Jesu,
„körperliche“ Auferstehung und Himmelfahrt.
„Leib“ ist das innere Erleben.
„Körper“ das äußere.
Zum Beispiel bei einem Händedruck (vgl. Friedensgruß)
ist Haut, Wärme, Druck das Körperliche,
in dem das Leibhaftige, die Herzlichkeit
zum Ausdruck kommt.
In der Körperlichkeit der Fußwaschung
wird die innere Teilhaberschaft
zwischen Jesus und Petrus
und allen Jüngern (Menschen) „realisiert“.
Wir unterscheiden oft zwischen dem „irdischen Leib“
und dem „Auferstehungsleib“.
Es wäre hilfreicher,
vom „irdisch verkörperten Leib“
und vom „Leib in seiner Unverweslichkeit“
zu sprechen.
Paulus bemüht sich,
dies deutlich zu machen
im 1. Korintherbrief, 15,35-58. Dort lesen wir u.a.: „Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich.“
Alles Leibhafte verkörpert sich
in vielfältiger Weise.
Die leibhaftige Liebe findet unzählige
Möglichkeiten und Weisen,
um sich zeichenhalt-körperlich zu zeigen,
auszudrücken und mitzuteilen.
Der ganze Bereich unserer verweslichen Körperlichkeit
dient der Erfahrung unverweslicher Liebe;
besonders Essen und Trinken
und die Erfahrung der Nähe in der körperlichen
Berührung
(vgl. Abendmahl und Fußwaschung).
Paulus mahnt:
„Der Leib (in seiner jetzigen Gestalt) ist nicht
für die Unzucht da“ (1 Kor 6,13), also nicht für den Konsum, sondern „für den Herrn“. Oder: „Ob ihr esst oder trinkt oder sonst etwas tut, tut alles zur Verherrlichung Gottes!“ (1 Kor 10,31) „Verherrlicht Gott in eurem Leib!“ (1 Kor 6,20)
Johannes geht noch weiter, wenn er deutlich macht,
daß wir durch die mit dem sterblichen Körper
verwirklichte Liebe den Tod selbst überwinden,
bevor er kommt:
„Wir wissen, daß wir aus dem Tod
in das Leben hinübergegangen sind,
weil wir die Brüder (und Schwestern) lieben“ (1 Joh 3,14).
In Jesus ist die Liebe Gottes
„personifiziert“, verleiblicht und verkörpert.
Beim Abendmahl schließlich
verkörpert sich Jesus im Zeichen des Mahles,
das ohnehin schon die Liebe Gottes verkörpert.
Die leibliche Gegenwart Jesu
ist nicht mehr gebunden
an seinen sterblichen Körper.
Durch die Bindung an Brot und Wein
hat sie Unsterblichkeit erlangt:
„Sooft ihr von diesem Brot eßt … „ (1 Kor 11,26) Das ganze Jesusgeschehen von der Geburt bis zur Himmelfahrt wird in der Feier des Abendmahles gegenwärtig. Indem Jesus durch die Verkörperung in Brot und Wein unsterblich wird, geschieht bereits hier schon die Auferstehung. Die biblischen Ostererzählungen bestätigen das Geschehen im Abendmahl.
„Fleisch und Blut“ sind die biblische Bezeichnung
für „Körper“ und „Verkörperung“.
Die Worte Jesu: „Mein Fleisch ist wahrhaft
eine Speise … „ (Joh 6,55) kann man wohl so interpretieren: Meine Verkörperung in Brot und Wein ist wahrhaft eine Speise und ein Trank. Durch die Möglichkeit des Sich-Einspeisens und Sich-Einverleibens der Jesuswirklichkeit wird die Feier des Abendmahles (Eucharistie) zur innigsten Vereinigung des Menschen mit Gott, in der der Tod existentiell bereits überwunden ist. Das Einswerden ist die Vollendung der Liebe, und in Jesus Christus ist die Liebe Gottes vollendet.
Herr, gib, daß wir das Geheimnis deines Leibes so verehren, daß wir deine Gegenwart in uns immer wieder neu erfahren.
Karfreitag (Passion nach Joh 18,1-19,42)
„Es ist vollbracht!“
Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.
Vollbracht
„Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde,
Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit,
Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob“ (Offb 5,12). – Die Würde des geschlachteten Lammes! –
Die Prophetie und besonders die Offenbarung
des Johannes versuchen,
die Taten Gottes,
die Jesus vollbracht hat,
im Symbol des Lammes darzustellen
und zu vereinen.
„Seht das Lamm Gottes!“ (Joh 1,36), sagt Johannes der Täufer zu Jesus.
Das Lamm ist Symbol für Geduld und Toleranz;
das Lamm (ohne Hörnerl) ist Symbol
für Wehrlosigkeit und Gewaltlosigkeit;
das Lamm flieht nicht angesichts des Schlächters;
das Lamm wird geschlachtet;
es nimmt Haß und Tod freiwillig auf sich;
das Lamm siegt; es besteht Haß und Tod;
das Lamm übernimmt die Führung;
es wird „Hirte“;
das Lamm wird inthronisiert;
es gelangt zur Herrschaft;
das Lamm hält schließlich Hochzeitsmahl,
das Fest der Vereinigung aller Menschen
mit sich und mit Gott.
Geschichtlich betrachtet ist das Lamm
Erinnerungssymbol für die Befreiung Israels
aus der Knechtschaft der Ägypter,
die als Tat Gottes durch die Osterfeier
im Bewußtsein lebendig erhalten wird.
Christus, „unser“ Osterlamm, ist der Befreier
von Sünde, Haß und Tod.
Der österliche Freudenruf:
„Christus, unser Osterlamm, ist geschlachtet, alleluja“
entspringt der inneren Wirklichkeit
des Todes Jesu,
die von der äußeren grausamen Wirklichkeit
des Todes Jesu nicht abgelöst werden kann.
Es ist ein eigenartiger Doppelsieg:
Der Sieg wird besiegt;
der Haß und das Böse siegen,
indem sie Jesus töten.
Und die Liebe siegt,
indem sie den Sieg des Bösen
freiwillig auf sich nimmt, besteht und durchsteht.
Wenn ein Stärkerer den Schwächeren „gewinnen läßt“,
weil der Schwächere seine Schwäche
absolut nicht einsehen und zugeben will,
und weil der Stärkere den Schwächeren
nicht mit Gewalt zurechtweisen will,
dann bekommt der Schwächere die Chance,
in seinem scheinbaren Sieg
seine Schwäche selbst zu erkennen
und sich zu bekehren.
Gott greift nicht ein
in unser egoistisches Denken und Handeln.
Er geht so weit, daß er uns sogar „erlaubt“,
ihn (irdisch) zu töten,
nur um uns zu zeigen,
daß hinter dem Sieg des Bösen
die Macht der Liebe steht,
die den Sieg des Bösen besiegt.
In unserer Welt scheint immer wieder
das Böse (Haß und Egoismus) zu siegen.
Der Tod Jesu zeigt, daß alle diese Siege
durch die Kraft der ewigen Liebe
im Prinzip besiegt sind.
Aus diesem Glauben an den „Sieg über die Siege“
entspringt die Unzerstörbarkeit
unserer Lebensfreude und unserer Hoffnung.
„Durch dein Kreuz kam die Freude in die Welt!“
„Es ist vollbracht“:
Der Tod Jesu hat es „voll gebracht“,
daß es die Liebe gibt, die stärker ist als Haß und Tod,
die Kraft, die Haß und Tod be-steht und durch-steht.
(Es gibt Bilder in der Kunst, die jesus zeigen, wie er
auf Tod und Teufel „steht“!)
Jesus „mußte“ sterben;
denn das, was stärker ist als Haß und Tod,
kann sich erst in Haß und Tod als solches erweisen.
Manche Theologen wollen heute
den grausamen Tod Jesu
aus der Heilsgeschichte ausklammern.
Dadurch blieben aber der Haß und das Böse
in der Welt unerlöst
und das Leben und Sterben Jesu sinnlos.
Jesus wäre höchstens eine Ermutigung
zur Selbsterlösung
und damit zu einem Selbstbetrug.
Gerade durch den freiwillig auf sich genommenen „Sieg“
von Haß, Ungerechtigkeit und Tod
hatjesus es „vollbracht“,
daß wir uns mit ihm identifizieren können
in unserem Leid,
um durch ihn den „Sieg des Bösen“ zu besiegen.
Jesus „holt uns da ab, wo wir stehen“,
damit wir mit ihm „drüber“ stehen.
Herr, Lamm Gottes, hilf mir, Haß und Tod durch die Kraft deiner Liebe zu besiegen.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.