Kitabı oku: «Gottes Wille für dein Leben»

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Über den Autor

Dr. Emerson Eggerichs ist Theologe und promovierter Ehe- und Familientherapeut. Zuvor war er lange Jahre Pastor einer großen Gemeinde. Mit seiner Frau Sarah lebt der Vater von drei erwachsenen Kindern in Grand Rapids, Michigan; gemeinsam leitet das Ehepaar die Organisation Love & Respect Ministries und spricht auf vielen Konferenzen.

Seine Vorgängerbücher der Liebe & Respekt-Reihe behandeln biblische Prinzipien für gelingende Ehe- und Familienbeziehungen und sind zu internationalen Bestseller avanciert.


Für meine Tochter, Joy Eggerichs Reed.

Als Dank für ihren Glauben an diese Botschaft und für ihre Entschlossenheit, dafür zu sorgen, dass sie schließlich doch veröffentlicht wird – nachdem das Manuskript so lange in der Schublade gelegen hatte. Es war ihr Wunsch, dass andere von Gott ebenso sehr durch das Erkennen seines Willens gesegnet werden mögen wie sie selbst. Ihre Vision, diese biblische Offenbarung bekannt zu machen, hat mich zugleich demütig und stolz gemacht.

Inhalt

Einleitung: Legen Sie den Startpunkt Ihrer Route fest!

Kapitel 1: Den Willen Gottes entdecken

Kapitel 2: Spannende Fragen

Kapitel 3: Gottes Wille ist, dass wir an Jesus Christus glauben

Kapitel 4: Wir in Christus und Christus in uns

Kapitel 5: Der Wille Gottes ist, dass wir ihm für alles danken

Kapitel 6: Gott für alles danken? Im Ernst?

Kapitel 7: Gottes Wille ist, dass wir uns verpflichten, das Gute zu tun

Kapitel 8: Vom Widerstand zur Unterordnung

Kapitel 9: Gottes Wille ist, dass wir sexuellen Versuchungen widerstehen

Kapitel 10: Sexualität verantwortungsvoll leben

Kapitel 11: Funktioniert das Ganze?

Endnoten

Einleitung

Legen Sie den Startpunkt Ihrer Route fest!

Es wird Sie sicher nicht verwundern, dass die meisten Menschen, denen wir sagen, es gebe vier Willensäußerungen Gottes, uns fragen: „Welche vier Willensäußerungen sind das?“ Das ist die Antwort:

 Glaube an Jesus Christus! (vgl. Johannes 6,40)

 Hüte dich vor einem sexuell unmoralischen Leben! (vgl. 1. Thessalonicher 4,3)

 Danke Gott, ganz gleich wie deine Lebensumstände auch sein mögen! (vgl. 1.Thessalonicher 5,18)

 Verpflichte dich dazu, Gutes zu tun! (vgl. 1.Petrus 2,13–15)

Jede dieser Stellen gibt den erklärten Willen Gottes wieder.

 In Johannes 6,40 sagt Jesus: „Denn das ist der Wille meines Vaters.“

 In 1. Thessalonicher 4,3 hält Paulus fest: „Denn das ist der Wille Gottes.“

 In 1. Thessalonicher 5,18 verkündet der Apostel: „… denn das ist der Wille Gottes für euch.“

 In 1. Petrus 2,15 schreibt Petrus: „Denn das ist der Wille Gottes.“

Diese vier Bibelstellen stechen aus allen anderen Schriftworten deshalb besonders hervor, weil sie ausdrücklich den Willen Gottes kundtun.

Auch wenn es zu Gottes Willen noch viel mehr zu sagen gibt, so ist doch fraglich, ob wir all die anderen Gebote Gottes befolgen werden, wenn wir diese vier konkreten Willensäußerungen Gottes, die so deutlich hervorgehoben werden, ignorieren.

Darum rate ich allen Gläubigen, ob jung oder alt, dass sie diese vier Punkte zum Startpunkt aller Überlegungen und Handlungen machen.

Ich mache das. Immer und immer wieder.

Ich war Mitte zwanzig, als ich zum ersten Mal von diesen vier expliziten Willensäußerungen erfuhr. Pastor John McArthur hatte damals ein Buch über den Willen Gottes veröffentlicht. Er schrieb, er habe diese vier Punkte in einem Buch namens Schätze geistlicher Weisheit entdeckt. Dort stöberte auch ich dieselben Verse auf. Nach nunmehr einigen Jahrzehnten des Bibelstudiums und der Arbeit als Seelsorger kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass diese grundlegenden Gebote Christi und der Apostel uns sehr gut als Lebenskompass dienen.

Auf zwei profunde Arten haben mir diese vier Willensäußerungen wie eine Landkarte gedient. Im Untertitel dieses Buches heißt es: „Wie Gott dein Leben lenkt und dir die Freiheit gibt, es zu gestalten.“ In diesem Buch geht es um zwei wunderbare Erfahrungen, die wir machen können, wenn wir uns an diese vier Willensäußerungen Gottes halten.

Auf zwei profunde Arten haben mir diese vier Willensäußerungen wie eine Landkarte gedient. Im Untertitel dieses Buches heißt es: „Wie Gott dein Leben lenkt und dir die Freiheit gibt, es zu gestalten.“ In diesem Buch geht es um zwei wunderbare Erfahrungen, die wir machen können, wenn wir uns an diese vier Willensäußerungen Gottes halten.

Die erste Erfahrung

Gott leitet uns auf einzigartige, individuelle Weise, wenn wir seinen vier universalen Willensäußerungen folgen. Er führt unsere Schritte. Er weist uns den Weg, wenn wir ihm vertrauen und gehorchen. Er öffnet die Türen, die für uns wichtig sind. Seinem Willen zu folgen, setzt Gutes in Gang.

Die zweite Erfahrung

Wenn wir diese vier Willensäußerungen berücksichtigen und Gott unseren persönlichen Weg dennoch nicht auf seine Weise zu leiten scheint, dann haben wir die Freiheit, unsere Schritte so zu lenken, wie wir es für richtig halten. Wir dürfen selbst entscheiden. Wir dürfen tun, was wir uns wünschen – auf der Basis dessen, was uns gut und richtig erscheint. Wir haben diese Freiheit, weil wir dem vierfachen Willen Gottes folgen und uns deshalb im Wirkungskreis von Gottes Willen bewegen, sodass uns dies wie eine Leitplanke vor schädlichen Entscheidungen schützt.

Warum haben Sie dieses Buch in die Hand genommen?

Doch kehren wir an den Punkt Ihrer Lebensreise zurück, an dem Sie jetzt vielleicht gerade stehen. Wenn Sie so gestrickt sind wie die meisten von uns, werden Sie sich wahrscheinlich fragen: „Wie kann ich den Willen Gottes für mein Leben entdecken?“ Ich könnte mir denken, dass das der Grund ist, warum Sie dieses Buch lesen möchten.

Und dies ist in der Tat bei näherer Betrachtung die bedeutsamste Frage, die sich ein Mensch stellen kann. Wenn es einen Gott gibt, der uns liebt und der Gutes mit uns im Sinn hat, dann wird es doch zu einem der wichtigsten Dinge im Leben, dass wir seinen Willen für uns entdecken. Jeder von uns sollte sich also fragen: „Was ist Gottes Absicht für mein ganz persönliches Leben?“

Doch wann immer diese Frage gestellt wird, antworte ich gern mit einer freundlichen Gegenfrage: „Sollten wir nach dem Willen für unser persönliches Leben fragen, oder sollten wir nicht lieber ganz allgemein fragen: Was ist Gottes Wille?“

Ich möchte Ihnen in diesem Buch ein Geheimnis enthüllen: Sie werden die Antwort auf die Frage: „Was ist Gottes Wille für mein Leben?“ erst dann finden, wenn Sie die folgende Frage auch beantworten können: „Was ist der Wille Gottes?“

Die befreiende Botschaft lautet, dass alles gut sein wird, wenn wir diese Reihenfolge einhalten – selbst wenn wir keine unmissverständliche Antwort auf die Frage nach Gottes Plan für unser individuelles Leben erhalten. Solange wir die vier universal gültigen Willensäußerungen Gottes im Blick behalten, sind wir auf der richtigen Spur. Und das ist der Wille Gottes für unser Leben!

Es ist jedoch kein Sonntagsspaziergang, diesen vierfachen Willen Gottes zu befolgen.

Wer möchte sich schon in einem, dem Glauben gegenüber feindseligen Umfeld zu Jesus Christus bekennen, wenn es doch viel leichter ist, ihn zu verleugnen und sich damit die Akzeptanz und Anerkennung der Welt zu sichern?

Wer möchte Gott schon danken, auch wenn Schlimmes geschieht, und es einfacher erscheint, angesichts solcher Ungerechtigkeiten mit Wut und Abwehr zu reagieren?

Wer möchte schon auf Sex verzichten, wenn es konfliktfreier scheint, der körperlichen Lust nachzugeben und sich einer Gesellschaft anzupassen, die uns auffordert, schon vor der Ehe miteinander zu schlafen, weil alles andere antiquiert und unrealistisch erscheint?

Wer möchte sich schon darauf verpflichten, das Gute zu tun, wenn es bedeutet, sich Autoritäten unterzuordnen, die sich möglicherweise unsinnig verhalten, wo es doch einfacher wäre, fünf gerade sein zu lassen oder von den falschen Leuten zu profitieren?

Wenn wir tatsächlich gemäß Gottes Willen leben möchten, haben wir einen Preis zu bezahlen.

Doch wie ich in diesem Buch zeigen werde, ist dieser Preis gering im Vergleich zu dem, was wir gewinnen: Gottes liebevolle Führung und den Frieden seiner Gegenwart. Wir werden tatsächlich erkennen, wie die Hand des Schöpfers dieses Universums, das so weitläufig, grenzenlos, unermesslich und zeitlos ist, in unserem winzigen Leben „sichtbar“ wird. Bei dem Gedanken, wie viel wir ihm bedeuten und wie sehr er in unser persönliches Leben hineinspricht, sollte uns schwindelig werden. Jesus hat gesagt: „Setzt euch zuerst für Gottes Reich ein und dafür, dass sein Wille geschieht. Dann wird er euch mit allem anderen versorgen“ (Matthäus 6,33). Wenn wir seinen Offenbarungen und Absichten folgen, kommt Gott in unser Leben, um unsere grundlegendsten Bedürfnisse – und vermutlich noch mehr – zu stillen (vgl. Markus 10,29–30).

In diesem Buch werde ich unzählige Geschichten darüber erzählen, wie unser liebender Vater im Himmel sich zeigt und wie er unser Leben reich macht. Ihm geht es nicht um Zeit und Raum oder um irgendwelche Themen. Ihm geht es um Beziehung. Ihm bedeutet es am meisten, dass unser Herz ihm zugewandt ist und dass wir entdecken, wie sehr sein Herz uns zugewandt ist. Wenn wir das tun, was Gott von uns möchte, legen wir Gott unser Herz offen und werden dann Gottes Herz für uns entdecken. Das ist pure Ermutigung.

Solange wir an Jesus Christus glauben, uns von sexuellen Verfehlungen fernhalten, ihm in allen Dingen Dank sagen und uns verpflichten, Gutes zu tun – mit anderen Worten: solange wir die vier grundlegenden Willensäußerungen Gottes berücksichtigen –, wird er auf einzigartige Weise darauf antworten. Wir werden sein Herz berühren und erwärmen. Und wenn er unsere Wege einmal nicht so führt, wie wir es erhofft und erbeten haben, können wir mithilfe unserer vier „Wegweiser“ nach eigenem Gutdünken und auf der Basis dessen, was uns gut und richtig erscheint, unsere Straße weiterziehen.

Vor Jahren erzählte ich meiner Tochter Joy von dieser Freiheit. Sie war damals Mitte zwanzig und versuchte, Gottes Willen für ihr Leben zu erkennen. Ihre Frage an Gott lautete: „Soll ich in Los Angeles bleiben oder nach Portland in Oregon ziehen?“ Sie bat mich um Rat und im Verlauf unseres Gesprächs fragte ich sie, ob sie den vierfachen Willen Gottes befolgt habe. Doch lassen wir sie ihre Geschichte selbst erzählen.

Ein paar Worte meiner Tochter Joy

„Es war etwa vier oder fünf Monate her, seit ich für meinen Dad zu arbeiten begonnen hatte und nach Redondo Beach in Kalifornien gezogen war. Ich begann mich zu fragen, ob dieses La La Land, in dem ich das vergangene Jahr verbracht hatte, wirklich der richtige Ort für mich war. In Portland wohnten einige meiner Freundinnen, und ich wusste, es würde toll sein, in ihrer Nähe zu leben. Sie würden mich in meiner Persönlichkeit herausfordern und mir helfen, im Glauben zu wachsen.

Ich erzählte meinem Vater von meinem Wunsch umzuziehen und von meiner Angst, jemand zu sein, der ständig etwas Neues braucht. Würde ich zu einem Menschen werden, der nie zufrieden ist? Auch hatte ich Angst, nicht dem Willen Gottes zu folgen, weil ich von anderen Christen immer wieder gehört hatte, wie unsicher sie sich in dieser Hinsicht waren. Manchmal schien es mir, als erwähnten sie Gottes Willen nur, um ihre eigenen Entscheidungen zu rechtfertigen. „Ist es Gottes Wille, dass ich XY heirate?“ oder: „Ich wusste einfach, dass es Gottes Wille war, dass ich dieses Jobangebot annehme …“ Ich sehnte mich verzweifelt nach einem Zeichen Gottes, das mir sagen würde, dass Portland genau der Ort war, an dem er mich haben wollte.

Während wir einen Eisbecher löffelten, erzählte ich meinem Vater, ich wäre mir ziemlich sicher, dass Gott mir die erbetenen Zeichen gab. Warum? Weil ich in letzter Zeit ganz viele Autokennzeichen und T-Shirts aus Oregon gesehen hatte. Ganz Gottes Ding.

Das war der Moment, in dem mein Vater – der sich vermutlich ziemlich beherrschen musste, um nicht zu zeigen, wie sehr ihn meine Geschichte mit den himmlischen Autokennzeichen amüsierte – so freundlich war, mir von dem vierfachen Willen Gottes zu berichten.

Unser Gespräch verlief in etwa so:

Dad: „Ich hätte da eine Idee für dich. … Warum suchst du nicht nach T-Shirts, auf denen was von Ohio steht?“ Ein Augenrollen von mir.

Dad: „Vielleicht gibt dir Gott ja tatsächlich ein Zeichen, aber manchmal sehen wir einfach auch das, wonach wir suchen, und sagen dann, das sei Gott, weil wir es uns so sehr wünschen.“

Noch mehr Augenrollen von mir.

Dad: „Joy, wie oft hast du in der Highschool oder am College deinen Freundeskreis gewechselt?“

Ich: „Nicht oft.“

Dad: „Also sollten wir nicht davon ausgehen, dass du jemand bist, der sprunghaft oder unverbindlich ist. Oder jemand, der nie mit dem zufrieden ist, was er tut oder wozu er sich verpflichtet hat. Vielleicht ist es ja so, dass du dich momentan nach etwas Neuem sehnst, aber das heißt doch nicht, dass du an sich ein unzufriedener Mensch bist. Ich habe erkannt, dass es vier Passagen in der Bibel gibt, die uns klar sagen: ‚Das ist Gottes Wille.‘ Wenn du denen folgst, besitzt du die Freiheit zu tun, wonach dein Herz sich sehnt – selbst wenn das bedeuten sollte, dass du nach Portland ziehst.“

Ich: „Wie lauten sie?“

Dad: „Nun, glaubst du an Jesus Christus als deinen Retter?“

Ich: „Ja.“

Dad: „Hast du vorehelichen Sex?“

Ich: „Nein.“

Dad: „Versuchst du, Gott über allem Dank zu sagen?“

Ich: „Ich denke schon.“

Dad: „Ordnest du dich der Obrigkeit unter?“

Ich: „Das klingt heftig. Aber ja, ich versuche es.“

Dad: „Ich bin dein Boss und dein Vater, und ich und deine Mutter geben dir die Freiheit, diesen Umzug zu machen. Wenn ich Vorbehalte im Blick auf deinen Charakter oder auf deine Entscheidung hätte, wäre es wichtig, dass du auf mich hörst und dich möglicherweise den Gründen gegen einen Umzug fügst. Aber du hast völlige Entscheidungsfreiheit. Ich glaube nicht, dass nach Portland zu ziehen die Frage aufwirft, ob du gegen Gottes Willen verstößt oder nicht. Triff deine Vorbereitungen für den Umzug – und wenn Gott wirklich dagegen ist, wird er diese Tür schließen. Habe die innere Einstellung, alles Gottes Willen zu überlassen, aber gehe mutig und in Freiheit voran.“

Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Ich werde dieses Gespräch nie vergessen; und auch nicht, wie erfreut ich war zu hören, dass es nicht darum ging, dass Gott mir in großen Lettern das Wort „Oregon“ in den Abendhimmel malte, damit ich mich auf den Weg machen dürfte. Es ging darum, dass ich Gott in den Schlüsselbereichen meines Lebens gehorsam war und darin die Freiheit fand, meinem Herzen zu folgen. Ich war ganz und gar frei in meiner Entscheidung.

Diese Botschaft hat mir seitdem immer wieder geholfen, die Fragen vieler junger Menschen zu beantworten, die mir im Rahmen meiner Arbeit für die Organisation Liebe & Respekt begegnet sind. Viele wollten wissen, ob es Gottes Wille sei, eine bestimmte Person zu heiraten, sich mit jemandem zu verabreden, sich von jemandem zu trennen oder diesen oder jenen Schritt zu tun. Ich konnte sie ermutigen, weil mein Dad mir beigebracht hatte, dass das Leben kein Adventure-Game ist, bei dem man in einen heißen Lavasee fällt, wenn man einen fatalen Fehler gemacht und sich für eine falsche Spieloption entschieden hat. Also keine Angst vor dem „Game over!“. Diese Sichtweise war für viele befreiend.


Mir gefällt, was Joy zu erzählen hat. Sie wurde dadurch von einem inneren Druck befreit, und das kann jeder von uns erleben. In gewisser Weise ist es so, dass Gott uns die Freiheit gibt, uns unser Abenteuer selbst auszusuchen, wenn wir seinen vierfachen Willen befolgen.

Natürlich wird der ein oder andere nervös, wenn er zum ersten Mal von dieser Freiheit hört. Darauf werde ich im Laufe dieses Buches immer wieder eingehen. Es geht hier nicht um die Lizenz zu sündigen. Nicht alle Optionen sind gut oder von Gott. So sollten wir als Christen zum Beispiel jemanden heiraten, der ebenso Christ ist (vgl. 1.Korinther 7,39). Wir besitzen nicht die Freiheit, jemanden zu heiraten, der Jesus Christus ablehnt. Doch wenn es sich um zwei gleichermaßen gute und annehmbare Optionen handelt, dürfen wir uns frei für eine der beiden entscheiden, solange wir dem vierfachen Willen Gottes folgen. (Und im Beispiel mit der Ehe gilt das natürlich auch für den anderen Partner!) Wir werden Gottes Willen nicht versäumen, wenn wir Gottes Willen tun!

Was unterscheidet dieses Buch von anderen über den Willen Gottes?

Nachdem ich über den vierfachen Willen Gottes referiert hatte, schrieb mir einmal jemand: „Viele meinen, es gäbe so etwas wie eine Blaupause für den einen, einzigartigen Willen Gottes, den sie durch Gebet und das Hören auf Gott herausfinden müssten. Und wenn sie es nicht tun, werden sie auf schreckliche Weise an Gottes vollkommenem Plan vorbeileben. Sie dagegen sagen: ‚Richte dich nach diesen vier Willensäußerungen Gottes und dann tu, was du willst.‘ Das ist die Antwort und sehr befreiend. Aber häufig erkennen Menschen dies nicht und sind wie eingefroren, wenn es um Entscheidungen in Bezug auf den richtigen Partner, die richtige Ausbildung oder Ähnliches geht. Sie warten darauf, dass Gott ihnen ein persönliches Zeichen gibt (den Tau auf der frisch geschorenen Wolle, das leise Säuseln, offene Türen usw.). Ich habe Freunde, denen das so beigebracht wurde. Zu wissen, dass Gottes Wille in diesen vier Äußerungen dokumentiert ist, ist eine regelrechte Befreiung für sie!“

In diesem Buch lehre ich, dass wir über wichtige Lebensentscheidungen beten sollen und dass Gott uns tatsächlich ganz individuell und einzigartig führt. Er kann uns auf dramatische Weise offenbaren, dass wir Weg A einschlagen sollen und nicht Weg B. Insbesondere verfolgte Christen erleben dies. Und wenn Gottes Wille nicht eindeutig scheint, wird dieses Buch denen helfen, die Angst haben, seinen Plan für ihr Leben zu verpassen, und auch denen, die völlig blockiert sind und keinen Schritt mehr zu tun wagen. Dieses Buch bietet Menschen, die „wie eingefroren“ sind, biblische Maßstäbe an, die ihnen helfen, entweder voranzugehen oder bewusst innezuhalten. Es hilft auch denen, die vehement, aber auch gedankenlos, falsche Entscheidungen treffen – zum Beispiel, weil sie nach Autokennzeichen aus einer bestimmten Region Ausschau halten, um eine Entscheidung für oder gegen diese Region zu treffen. In diesem Buch werden wir gemeinsam biblische Kriterien erkunden, wie wir auf der Basis des göttlichen Willens die Absicht Gottes für unsere individuelle Situation erkennen können! Das wird uns am sichersten in die Lage versetzen, im Laufe unseres Lebens gute Entscheidungen im Einklang mit Gottes Willen zu treffen. Wir werden eine Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Schritt mit mehr Zuversicht und einem reinen Gewissen fällen können – auch wenn keiner von uns je an den Punkt kommen wird, wo er nur noch perfekte Entscheidungen trifft.

Wir sollten uns niemals an eine religiöse Regel gebunden fühlen, die uns unterdrückt. Der vierfache Wille Gottes ist kein Aufruf, eine gesetzliche Checkliste abzuarbeiten, die uns versklaven will. Es ist, wie Paulus schreibt, eine Chance, „den Willen Gottes von Herzen zu tun“ (siehe Epheser 6,6).

Wenn wir uns nicht sicher sind, welche Entscheidung wir in einer bestimmten Sache treffen sollen, können wir uns mit einem erfahrenen Christen zusammensetzen und die vier Willensäußerungen als Checkliste nutzen, um unsere Entscheidung zu evaluieren. Als meine Tochter mich um Rat bat, diente der vierfache Wille Gottes als Leitlinie für unser Gespräch und verschaffte ihr Erkenntnis und Erleichterung.

Wie ist das bei Ihnen? Stehen Sie auch gerade vor einer Entscheidung mit zwei Optionen? Sie können sich selbst und einen Freund fragen: „Welche der beiden Optionen wird mich eher daran hindern, den vierfachen Willen Gottes zu befolgen? Welche wird es mir erleichtern?“ Und weil ich diese Welt positiv beeinflussen will, frage ich zusätzlich: „Welche Option bietet mir die besten Voraussetzungen, anderen zu helfen, damit auch sie dem vierfachen Willen Gottes folgen können?“

Sind Sie bereit, sich in dieses Thema zu vertiefen?

Kapitel 1

Den Willen Gottes entdecken
Gott hat einen Willen

Nachdem im Neuen Testament Variationen zu den Begriffen „Gottes Wille“ oder „der Wille des Vaters“ mehr als zwanzig Mal auftauchen, ist es nur fair anzunehmen, dass so etwas wie „Gottes Wille“ tatsächlich existiert und dass wir ihn erkennen können. Der Apostel Paulus fordert uns auf: „… begreift, was der Herr von euch will!“ (Epheser 5,17). Jesus benutzt diesen Begriff, als er sich mit den Worten, die wir heute als das Vaterunser kennen, an Gott wendet: „Dein Wille geschehe“ (Matthäus 6,10). Ja, Gott hat einen Willen, und es ist möglich, ihn zu entdecken.

Dafür ist es entscheidend wichtig, dass wir den ganzen Plan Gottes erkennen und von Herzen umsetzen.

Denken Sie nur an die Worte Jesu in Matthäus 7,21: „Nicht wer mich dauernd ‚Herr‘ nennt, wird in Gottes himmlisches Reich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“ Und später ergänzt er: „Denn wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist für mich Bruder, Schwester und Mutter“ (Matthäus 12,50). Auch Johannes betont, wie wichtig Gottes Wille ist, indem er verkündet: „Nur wer tut, was Gott will, wird ewig leben“ (1. Johannes 2,17). Es ist also nicht nur ein Ausdruck unserer Beziehung zu Gott, wenn wir Gottes Willen tun; auch unser Schicksal in der Ewigkeit hängt davon ab. Im Blick auf das ewige Leben sagt der Verfasser des Hebräerbriefs: „Werft nun eure Zuversicht nicht weg! Es wird sich erfüllen, worauf ihr hofft. Aber ihr müsst standhaft bleiben und tun, was Gott von euch erwartet. Er wird euch alles geben, was er zugesagt hat“ (Hebräer 10,35–36).

Von Jesus und den Aposteln lernen wir, dass Gottes Wille niemals an zweiter Stelle stehen darf. Darum sollte sich jeder von uns fragen: „Was ist Gottes Wille?“

Wenn Menschen danach fragen, was Gottes Wille für ihr Leben sei, haben sie meist ein bestimmtes Anliegen im Blick: die berufliche Laufbahn, eine Liebesbeziehung, die finanzielle Situation usw. Sie stellen selten die einfache Frage: „Was ist Gottes universaler Wille, sein ganzer Plan, so wie die Bibel ihn verkündet?“ Der Unterschied zwischen diesen beiden Fragen ist entscheidend, wenn Sie Gottes Willen für Ihr persönliches Leben erkennen wollen. Ich glaube nämlich, wenn Sie zunächst mit der zweiten Frage beginnen – „Was ist Gottes Wille?“ –, werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Antwort auf die erste Frage – „Was ist Gottes Wille für mein Leben?“ – erhalten.

Die Frage: „Was ist Gottes Wille für mein Leben?“ bezieht sich auf das, was ich als den spezifischen Willen Gottes für mein persönliches Leben bezeichnen möchte. Die Frage: „Was ist Gottes Wille?“ erkundet das, was ich den universalen Willen Gottes für alle Glaubenden nenne. Ich behaupte, dass wir den spezifischen Willen Gottes am besten herausfinden können, wenn wir seinen universalen Willen befolgen, der für alle Glaubenden gilt. In diesem Buch geht es um den universalen Willen Gottes, der uns als ein idealer Ausgangspunkt für unsere individuellen Entscheidungen dient, wie ich bereits in der Einleitung erläutert habe.

Gottes universaler Wille

Der Apostel Johannes beschreibt, wie wir den spezifischen Willen Gottes herausfinden, indem wir den universalen befolgen. In 1. Johannes 3,21–22 heißt es: „Kann uns also unser Gewissen nicht mehr verurteilen, meine Lieben, dann dürfen wir voller Freude und Zuversicht zu Gott kommen. Er wird uns geben, worum wir ihn bitten; denn wir richten uns nach seinen Geboten und leben, wie es ihm gefällt.“

Da steht es! Richte dich nach Gottes Geboten (nach seinem universalen Willen in Form von Imperativen) und erfahre seine spezifische Antwort auf deine Anliegen. Gott antwortet uns, indem er uns auf der ganz persönlichen Ebene leitet und versorgt. Wir können erleben, wie er unsere Gebete auf bemerkenswerte Weise erhört, wie sich Ereignisse auf wunderbare Weise zusammenfügen und in eine ganz spezifische Richtung führen oder wie wir inmitten unbeantworteter Gebete einen übernatürlichen Frieden erfahren. Wenn wir seinen universalen Geboten folgen und ihn dann bitten, unsere persönlichen Schritte zu lenken, kann Erstaunliches geschehen.

Die vier Willensäußerungen Gottes als Ausdruck seines universalen Willens

Obwohl alle Gebote Gottes im Alten und Neuen Testament, welche die Gemeinde betreffen, den Willen Gottes für uns ausdrücken, offenbart Gott seinen Willen noch einmal in besonderer Weise in vier spezifischen Bibelstellen. Ich bezeichne diese als den vierfachen Willen Gottes.

Das bedeutet nicht, dass wir die übrigen Gebote ignorieren dürfen. Aber es bedeutet, dass wir alle anderen Gebote vermutlich ignorieren werden, wenn wir schon diese vier nicht befolgen.

Diese vier Willensäußerungen oder Gebote Gottes finden sich in vier Bibelstellen, die Gottes Willen ausdrücklich als solchen formulieren. Diese vier Stellen sagen direkt: Das ist der Wille Gottes. Darin stechen sie aus allen anderen Bibelversen hervor. An keiner anderen Stelle wird Gottes Wille derart explizit benannt.

Wie lauten diese vier Bibelstellen?

„Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage“ (Johannes 6,40; Hervorhebung des Autors).

„Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch“ (1. Thessalonicher 5,18; Hervorhebung des Autors).

„Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem König als dem Obersten oder den Statthaltern als denen, die von ihm gesandt sind zur Bestrafung der Übeltäter und zum Lob derer, die Gutes tun. Denn das ist der Wille Gottes, dass ihr durch Tun des Guten den unwissenden und törichten Menschen das Maul stopft“ (1. Petrus 2,13–15; Hervorhebung des Autors).

„Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht“ (1. Thessalonicher 4,3; Hervorhebung des Autors).

Mit anderen Worten:

 Glaube an Jesus Christus!

 Danke Gott, ganz gleich wie deine Lebensumstände auch sein mögen!

 Verpflichte dich, Gutes zu tun!

 Hüte dich vor einem sexuell unmoralischen Leben!

Diese vier Willensäußerungen Gottes werden sozusagen von ihm persönlich mit einem goldenen Marker unterstrichen. Gott will, dass diese vier auffallen. Befolgen Sie diese vier Aufforderungen und Sie befinden sich in einer exzellenten Ausgangsposition und können zuversichtlich darauf warten, dass Gott Ihnen auch seinen spezifischen Willen für Ihr Leben offenbaren wird, wenn Sie ihn um seine Führung bitten – so wie der Apostel Johannes uns gelehrt hat.

Gottes spezifischer Wille

Jeder von uns sehnt sich danach, dass Gott unser Leben auf eine ganz einzigartige und spezifische Weise führt und segnet. Doch ist dieser Wunsch berechtigt? Hat Gott überhaupt einen spezifischen Willen für jedes Individuum?

Die Schrift sagt uns, dass Gott uns schöpferisch gestaltet und gekannt hat, noch bevor wir geboren wurden: „Du hast [uns] mit [unserem] Innersten geschaffen, im Leib [unserer] Mutter hast du [uns] gebildet“ (Psalm 139,13). Selbst wenn wir uns völlig verloren fühlen, weiß Gott alles über uns und unsere Umstände. Oder wie der Psalmist es ausdrückt: „Ich berate dich, nie verliere ich dich aus den Augen“ (Psalm 32,8). Wir mögen vieles planen und viele Ziele verfolgen. Stets gilt: „Immer werde ich, der HERR, euch führen“ (Jesaja 58,11), denn: Unsere Schritte werden von Gott geführt und „bestimmt“ (vgl. Sprüche 20,24).

Wir vertrauen biblischen Worten wie: „Er zeigt dir den richtigen Weg“ (Sprüche 3,6); „… er wird dir Gelingen schenken“ (Sprüche 16,3); „der HERR lenkt seine Schritte“ (Sprüche 16,9) und: „Wenn es jemandem von euch an Weisheit mangelt …, soll er Gott darum bitten, und Gott wird sie ihm geben“ (Jakobus 1,5).

Gott antwortet auf unsere guten und ganz persönlichen Wünsche. In Psalm 20,5 heißt es: „Er gebe dir, was du von Herzen wünschst, was du dir vorgenommen hast, lasse er gelingen!“ Psalm 21,3 sagt: „Du gabst ihm, was er sich von Herzen wünschte, und seine Bitten schlugst du nicht ab.“ In Psalm 145,19 lesen wir: „Er erfüllt die Bitten der Menschen, die voll Ehrfurcht zu ihm kommen. Er hört ihren Hilfeschrei und rettet sie.“

Es wäre ziemlich vermessen zu behaupten, Gott habe kein Interesse daran, sich persönlich im Leben der Menschen zu engagieren, die an ihn glauben!

So sagt uns auch der Apostel Johannes im ersten Johannesbrief (3,22–23), dass wir – im Blick auf die spezifischen Umstände unseres persönlichen Lebens – empfangen werden, was auch immer wir erbitten, wenn wir seinen Geboten Folge leisten und tun, was ihm gefällt.

Lesen Sie die folgenden zwei erstaunlichen Geschichten, die davon erzählen, wie sehr Gott sich um einzelne Menschen, die ihm nachfolgen, kümmert.

Sam

Eines Sommers fuhr eine dreiköpfige Familie – ein Ehepaar mit seiner Tochter – aus Südkalifornien zum Wandern nach Oregon. Auf einer ihrer Touren entdeckten sie eine Bibel, die auf einem großen Stein lag. Da die Bibel keine Spuren der Verwitterung aufwies, schlossen sie daraus, dass der Besitzer sie erst kürzlich hier vergessen hatte. Auf dem Umschlag stand der Name „Sam“, doch sonst gab es keinerlei Hinweise auf den Besitzer. Der Vater blätterte in den Seiten herum und entdeckte viele Unterstreichungen, Ausrufezeichen und Kommentare, die vermuten ließen, dass Sam sehr viel in seiner Bibel las und offensichtlich eine lebendige Beziehung zu Jesus pflegte. Da die Familie nicht wusste, was sie sonst tun sollten, nahmen sie die Bibel mit.

Eines Tages, als die Eltern für ihre Tochter beteten, hatten sie den Eindruck, sie sollten auch den zukünftigen Ehemann ihrer Tochter in ihre Gebete mit einschließen. Sie erinnerten sich an die geistliche Leidenschaft des unbekannten Bibel-Besitzers Sam und so stieg das folgende Gebet aus ihrem Herzen auf: „Herr, schenke unserer Tochter einen Ehemann, der dich so sehr liebt wie dieser Sam.“ Und weil Sams Bibel so sehr ein Vertrauensverhältnis zu Gott widerspiegelte, wie sie es sich auch für den späteren Mann ihrer Tochter wünschten, pflegten sie über die Jahre einfach nur noch zu beten: „Herr, sende uns einen Sam!“

Welche Eltern müssten wohl nicht schmunzeln, wenn sie vier Jahre später feststellten, dass ihre Tochter, die inzwischen das College besucht, mit einem Jungen namens Sam befreundet ist? Eines Tages bot Sam an, der Familie am Wochenende beim Umzug zu helfen. Während der junge Mann Kisten zum Umzugswagen schleppte, fiel ein Buch aus einem der Kartons. Sam hob es auf und stellte überrascht fest, dass es seine lange verloren geglaubte Bibel war. Erstaunt fragte er: „Wo habt ihr diese Bibel her? Das ist meine!“

Es war tatsächlich Sams Bibel. Gott hatte nicht nur einen Sam gesandt. Es war genau der Sam! Und schließlich heirateten die beiden auch.

Eine Geschichte wie diese lässt uns eine Gänsehaut bekommen!

Wir können von Gott das empfangen, worum wir ihn gebeten haben. Wir können das einzigartige Wirken Gottes in unserem Leben erfahren. Er kennt uns mit Namen und auf eine sehr vertraute Weise (vgl. Philipper 4,3; Offenbarung 21,27); und er antwortet uns so, als wären wir die einzigen Menschen auf dieser Erde!

1.500 Euro!

Auch Marilyn, eine Freundin aus Holland, erlebte eine wunderbare Demonstration dessen, was Gott in ihrem Leben vorhatte. Marilyn erzählte, dass sie und ihr Mann eines Tages feststellen mussten, dass sie 1.500 Euro weniger auf dem Konto hatten als gedacht. Sie stellten fest, dass Marilyns Mann einen Geldeingang über 1.500 Euro doppelt verbucht hatte. Und so sagte er zu ihr: „Bis auf Weiteres keine Abbuchungen vom Konto mehr! Ich habe einen Riesenfehler gemacht! Unser Konto ist um 1.500 Euro überzogen.“ Dann baten sie Gott gemeinsam um seine Hilfe.

Am selben Abend wollten sie zum wöchentlichen Abendessen in ihrer Gemeinde gehen, was pro Familie 10,50 Euro kostete. Marilyn fragte Gott, wie sie es bezahlen solle, wenn sie nichts vom Konto abbuchen durfte. Da fiel ihr ein, dass sie noch 50 Cent im Portemonnaie hatte und 10 Euro für das Weihnachtsgeschenk für ihren Mann zurückgelegt hatte. Sie wollte das Geld für das Geschenk eigentlich nicht antasten, aber sie dankte Gott trotzdem dafür, dass er sie daran erinnert hatte. Als sie an jenem Abend an die Kasse ging, um für das Essen zu bezahlen, sagte die Frau dort: „Heute Abend hat schon jemand für euer Essen bezahlt.“

Marilyn meinte zu mir: „Ich bin 18 Jahre lang zu diesem gemeinsamen Abendessen gegangen und niemals hat jemand für unser Essen bezahlt – bis zu diesem Abend!“ Es war eindeutig, dass Gott ihre persönliche Bitte – so unbedeutend sie auch gewesen sein mag – gehört und darauf geantwortet hatte. Durch diese göttliche Fügung ermutigt, bat Marilyn den Herrn, die gesamten 1.500 Euro bereitzustellen. Nachdem sie ihrem Mann von ihrem Gebet erzählt hatte, fragte er sie jeden Tag scherzhaft: „Na, hast du heute einen Scheck über 1500 Euro in der Post gehabt?“ Sie lachten beide, aber sie betete weiter dafür.

Zehn Tage später traf ein großer Briefumschlag ein, auf dem stand: „Expressversand“. Im Innern befanden sich zwei kleinere Umschläge. Im ersten entdeckte sie einen Scheck über 1.500 Euro! Völlig überrascht öffnete sie den zweiten Umschlag und fand darin eine Nachricht mit folgendem Inhalt: „Bitte nimm dieses Geschenk an – es kommt nicht von uns, sondern vom Herrn.“ Als ihr Mann am Abend davon erfuhr, war er so ergriffen, dass er die ganze Familie zusammenholte, damit sie Gott gemeinsam für diese ganz persönliche Gebetserhörung danken konnten.

Marilyn beschloss, ihre Freunde anzurufen, weil sie unbedingt erfahren wollte, warum sie ihr genau diese Summe gegeben hatten. Sie fragte sie: „Warum habt ihr mir genau 1500 Euro geschickt? Warum nicht 10 oder 100 oder 200 Euro?“ Ihre Freundin antwortete: „Nun, wie beide hatten in unserer Gebetszeit den Eindruck bekommen, dass ihr in finanziellen Nöten wärt, aber wir wussten nicht, wie viel ihr braucht. Wir entschieden uns, jeder eine Weile für sich zu beten, um Gott zu fragen, wie viel wir euch geben sollten. Als wir wieder zusammenkamen, hatte Gott jedem von uns den Betrag von 1.500 Euro aufs Herz gelegt.“

Wow! Springt Ihr Herz auch vor Freude angesichts der vielen Möglichkeiten Gottes, auf Ihre Gebete zu antworten? Möchten Sie, dass Gott seinen spezifischen Willen für Ihr Leben auch auf so spektakuläre Weise offenbart wie in diesen Beispielen?

Wie kommen wir zu solchen Gebetserhörungen? Ich glaube, es beginnt damit, dass wir den vierfachen Willen Gottes erfüllen. Dadurch sind wir in einer idealen Position, um Gottes Wirken in unserem Leben in Gang zu setzen. In diesem Buch geht es um diese Initialzündungen!

Die Initialzündung

Wenn ein Mensch dafür lebt, den Willen Gottes zu tun, so löst dieser Gehorsam einzigartige Begegnungen mit dem lebendigen Gott aus. Es sind ganz persönliche Begegnungen, die so nirgendwo auf der Welt ein zweites Mal stattfinden. Andere werden ähnliche Führungen erleben, doch genauso wie der Name jedes Menschen einmalig ist, der in das Buch des Lebens eingetragen wird, so ist auch die Art und Weise einzigartig, wie er von Gott geführt wird – es ist seine individuelle, einmalige und kostbare Lebensgeschichte.

Wenn ich sage, unser Gehorsam sei wie eine Initialzündung für Gottes aktives Eingreifen in unser Leben, meine ich damit allerdings keinen mechanischen Prozess, der Gott in irgendeiner Weise binden würde. Ein solcher Gedanke wäre respektlos. Er ist nicht an unser Verhalten gebunden. Er ist nicht verpflichtet, unsere Bitten zu erfüllen. Das ist nicht wie bei aufgereihten Dominosteinen, die zwangsläufig umfallen, wenn sie angestoßen werden. Gott muss nichts tun, weil wir ihn durch unseren Gehorsam zu einer Intervention genötigt hätten. Es geht hier nicht um irgendwelchen Hokuspokus, den wir mit Gott treiben könnten.

Es gibt ein besseres Bild dafür: Unser Gehorsam berührt das Herz Gottes, der uns liebt und der uns seine Zuwendung und seinen Segen erweisen möchte. Drücken wir es so aus: „Göttliche Dinge“ passieren nicht, wenn wir uns weigern, dem Willen Gottes zu folgen. Der Psalmbeter ruft aus: „Hätte ich Böses im Sinn gehabt, dann hätte der Herr mich nicht erhört“ (Psalm 66,18).

Wird Gott uns jeden Tag und pausenlos auf unsere Gebete antworten? Nein, zumindest nicht für uns sichtbar und auch nicht genau so, wie wir es uns erträumen. Wir wünschen uns zwar, dass Gott sich in unserem Leben auf persönliche und machtvolle Weise zeigt – durch tagtägliche Zeichen und Wunder –, doch das wird höchstwahrscheinlich nicht geschehen. So ist es noch nicht einmal bei den Aposteln oder Propheten gewesen. Zwischen den vielen dramatischen Ereignissen, von denen wir in der Bibel lesen, vergingen oft Jahre oder Jahrzehnte, in denen wohl nicht viel Spektakuläres passierte. Selbst über Jesus wird nach seiner Geburt zunächst mal nichts Wundersames berichtet, außer dass er als Zwölfjähriger die jüdischen Ältesten im Tempel durch seine tiefen Einsichten in Erstaunen versetzt hat. Für die Zeit zwischen seinem zwölften und seinem dreißigsten Lebensjahr ist nichts Übernatürliches überliefert. Erst zu Beginn seines Wirkens mit etwa dreißig Jahren verwandelte er auf einer Hochzeit in Kana Wasser in Wein.

Ich werde Ihnen also nicht das Blaue vom Himmel versprechen, was mögliche übernatürliche Begebenheiten angeht. Der Sohn Gottes lebte 18 Jahre lang auf dieser Erde ohne irgendeinen Beleg dafür, dass sich in seinem Leben ein Wunder ereignet hätte. Doch wenn wir Gott vertrauen und gehorchen, wird es hier und da Augenblicke in unserem Leben geben, in denen er seine Güte auf eine Weise zeigt, die uns vor Ehrfurcht schaudern lässt. Das geschieht, weil wir uns dazu entschieden haben, seinem Willen Folge zu leisten.

Wir alle müssen uns bemühen, „den ganzen Plan Gottes“ zu erkennen (vgl. Apostelgeschichte 20,27), doch wir müssen an irgendeiner Stelle den ersten Schritt dazu tun. Dieses Buch ermutigt dazu, bei Gottes vier Willensäußerungen zu beginnen. Damit haben wir eine gute Ausgangsposition und können Gott mit Zuversicht bitten, uns auf einzigartige und ganz individuelle Weise zu erhören und zu leiten.

Selbst wenn wir nicht bekommen, worum wir gebeten haben, wissen wir doch, dass wir uns im Wirkungsfeld des göttlichen Willens bewegen, wenn wir bewusst an Jesus Christus glauben, uns von sexuellen Verfehlungen fernhalten, Gott in allen Dingen Dank sagen und uns verpflichten, Gutes zu tun – und wenn wir zusätzlich andere in diesen Dingen unterstützen. Letztlich wissen wir, dass wir Gott eine Freude bereiten, wenn wir seinen vierfachen Willen befolgen. Und Gott eine Freude zu machen, bereitet auch uns Freude. Jesus hat gesagt: „Denn ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um zu tun, was ich will, sondern um den Willen des Vaters zu erfüllen, der mich gesandt hat“ (Johannes 6,38).

Doch lassen Sie uns im nächsten Kapitel einige Fragen betrachten, die jeder für sich beantworten muss.

Will ich tatsächlich Gottes Willen tun?

Kapitel 2

Spannende Fragen
Was sind Ihre Beweggründe?

Wenn es darum geht, den Willen Gottes zu erkunden, verhalten sich die meisten von uns vermutlich ähnlich wie Johnny. Sein siebter Geburtstag stand bevor, und er wusste genau, was er sich wünschte: ein nagelneues Fahrrad. Wochenlang schon bearbeitete er seine Mama: „Ich will ein Fahrrad. Ihr müsst mir unbedingt ein Fahrrad schenken!“ Doch weil er in letzter Zeit unfolgsam gewesen war, nutzte seine Mutter diese fordernde Haltung als Chance, ihm eine Lektion zu erteilen.

„Johnny“, sagte sie, „ich kann nicht glauben, dass du so vehement ein Fahrrad einforderst. Du hast dich in den letzten Wochen nicht gerade gut benommen. Du solltest mal über dein Verhalten nachdenken. Ich möchte, dass du dir in deinem Zimmer eine ‚Auszeit‘ nimmst, um darüber nachzudenken, wie du dich benommen hast. Und ich möchte, dass du einen Brief an Gott schreibst, in dem du ihm erklärst, warum du denkst, dass du ein Fahrrad bekommen solltest. Lass uns anschließend darüber reden.“

Mürrisch ging Johnny nach oben in sein Zimmer, setzte sich mit Papier und Stift an seinen Schreibtisch und begann zu schreiben: „Lieber Gott, hier ist Johnny. Ich habe mich immer gut benommen. Schenk mir ein Fahrrad.“ Sobald ihm klar wurde, wie unwahr das mit dem guten Benehmen war, zerriss er den Brief und begann von Neuem: „Lieber Gott, hier ist Johnny. Ich habe mich meistens ziemlich gut benommen. Schenk mir ein Fahrrad.“

Doch tief in seinem Inneren wusste er, dass er sich nicht einmal ziemlich gut benommen hatte. Also zerriss er auch diesen Brief und begann erneut: „Lieber Gott, hier ist Johnny. Ich habe mich echt schlecht benommen. Schenk mir trotzdem ein Fahrrad.“ Sofort wurde ihm klar, dass Gott sich auf diesen Deal wohl nicht einlassen würde, weil er schlechtes Verhalten wohl nicht belohnen würde – selbst wenn dieses ehrliche Bekenntnis eventuell seine Gnade wecken könnte. Also zerriss er auch diesen Brief.

Plötzlich kam ihm eine Idee. Er sprang auf und rannte durch die Küche nach draußen. Im Vorbeilaufen rief er seiner Mutter zu, er wäre nur schnell in der Kirche um die Ecke. Sie dachte sich: „Wow, jetzt meint er es aber ernst mit dem Beten!“ und war hocherfreut.

Johnny hastete zur katholischen Kirche. Durch das Mittelschiff lief er zum Altar und schnappte sich eine gut 40 Zentimeter hohe Marienstatue. Zu Hause schlüpfte er zur Hintertür herein, wo seine Mutter ihn nicht sehen konnte, und ging wieder nach oben, um seinen neuen Brief an Gott zu schreiben.

Er stellte die Marienstatue auf seinen Schreibtisch und verfasste dann die folgende Nachricht: „Lieber Gott, hier ist Johnny. Gib mir ein Fahrrad! Ich habe deine Mutter in meiner Gewalt!“ – Sie lachen?

Aber Sie merken auch: Schon ein Siebenjähriger kommt auf Ideen, wie man Gott manipulieren könnte, damit er uns das gibt, was wir uns wünschen. Es geht immer um unseren Willen, nicht um den Willen Gottes. Im Grunde sagen auch wir: „Gott, gib mir, was ich will. Ich habe deine Mutter in meiner Gewalt.“

Aber wissen Sie was? Solche Gebete wird unser über die Maßen weiser und gerechter Gott nicht erfüllen.

Heute – wie schon im ersten Jahrhundert nach Christus – gibt es Menschen, die versuchen, Gott dazu zu bringen, ihre Wünsche zu erfüllen. Jakobus schreibt: „Wenn ihr ihn bittet, wird er euch doch nichts geben. Denn ihr verfolgt üble Absichten: Es geht euch nur darum, eure selbstsüchtigen Wünsche zu erfüllen“ (Jakobus 4,3). Wenn wir aus den falschen Motiven heraus vor Gott treten, versuchen wir, ihn zu manipulieren.

Wenn wir festhalten, dass wir tun können, was wir wollen, sofern wir den vierfachen Willen Gottes erfüllen, so geht es dabei nicht um die Art von Wünschen, die Jakobus meint. Jakobus verwendet an dieser Stelle das griechische Wort hedonais, von dem unser Wort „hedonistisch“ abstammt. Jakobus lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die selbstsüchtige und schrankenlose Suche nach Vergnügungen – das müssen wir erkennen.

Ich bezweifle allerdings, dass es unter den Lesern dieses Buches viele gibt, die Gott auffordern, einen hedonistischen Lebensstil zu unterstützen. Das sind normalerweise nicht unsere Gebete. Unser Problem ist eher, dass wir meinen, unsere Motive wären gut, wenn wir beten. Aber wir merken gar nicht, dass wir trotzdem eher unseren eigenen als Gottes Willen verfolgen. Wir erkennen es nur nicht.

Geht es um Ihren eigenen Willen oder um den Willen Gottes?

In der Gemeinde, in der ich als Pastor angestellt war, gab es eine Zeremonie, die als „Kinder-Weihe“ bezeichnet wurde. Eltern hatten die Möglichkeit, ihre Kinder öffentlich dem Herrn zu „weihen“, so wie Samuels Mutter Hannah oder auch Maria und Josef es getan hatten (vgl. 1.Samuel 1,28; Lukas 2,22). Als ich mich mit einem der Elternpaare zu einem vertraulichen Gespräch traf, bekam ich den Impuls, sie zu fragen: „Warum möchten Sie Ihr Kind dem Herrn weihen?“ Sie antworteten, sie wollten dies tun, damit Gott ihr Kind vor Unheil bewahren möge. Diese Antwort erregte meine Neugier und so hakte ich nach: „Habe ich Sie richtig verstanden? Sie tun das, weil Sie glauben, wenn Ihr Kind Gott geweiht ist, habe er quasi die Verpflichtung, es vor allem Bösen zu behüten?“ Überraschenderweise antworteten sie mit „Ja!“.

„Nun, so funktioniert das nicht“, erklärte ich ihnen. „Eigentlich müssten wir diese Zeremonie eher als Eltern-Weihe bezeichnen. Denn Sie verpflichten sich, Ihr Kind so großzuziehen, wie es Jesus Christus entspricht, egal ob Ihr Kind darauf mit Akzeptanz oder Ablehnung reagiert. Die Wahrheit ist: Sie haben nur auf Ihre Erziehung einen Einfluss; Sie haben keinen Einfluss darauf, was einmal aus Ihrem Kind wird. Als Eltern haben wir die Aufgabe, unseren Kindern beizubringen, dass Leid und Böses ein Teil der Wirklichkeit sind, mit dem wir so umgehen sollen, wie Gott es will. Ja, wir sollten um den Schutz Gottes für unsere Kinder bitten, aber ein solches Gebet ist keine Garantie, gegen alle Folgen des Bösen gefeit zu sein. Das ist keine Versicherungspolice.“

Was die Eltern als Nächstes sagten, überraschte mich: „Wenn Gott unser Kind nicht beschützt, dann werden wir das mit der Weihe nicht machen.“

Was war mit diesen Eltern los?

Sie hatten den Sinn dieser Weihezeremonie ins Gegenteil verkehrt. Sie dachten, Gott wäre verpflichtet, ihre Wünsche zu erfüllen, wenn sie ihm ihr Kind weihten. Es ging ihnen nicht darum, Gottes Willen zu tun, indem sie ihr Kind so großzogen, wie Gott es von ihnen wollte. Sie wollten, dass Gott ihren Willen tat – und zu diesem Willen gehörte, dass Gott ihr Kind von üblen Dingen wie Drogen, falschen Freunden und anderen Versuchungen fernzuhalten hatte. Im Grunde beteten sie: „Nicht dein Wille, sondern unser Wille geschehe.“

Diesen Eltern war aber nicht bewusst, wie manipulativ sie sich verhielten, weil ihnen ihr Kind so viel bedeutete und sie sich mit ihrem Anliegen ja schließlich an Gott wandten. Was sollte daran falsch sein? Doch Gott ist heilig und gerecht. Er ist kein alter Mann mit Bart, der dafür da ist, unsere Wünsche zu erfüllen. Gott lässt sich nicht manipulieren, nur weil wir uns um unsere Kinder sorgen und für ihre Sicherheit beten. Jakobus hat es klar ausgedrückt: „Ihr verfolgt üble Absichten“ (Jakobus 4,3).

Das klingt zunächst einmal hart, aber es ist Jakobus sehr wichtig, dass wir unsere Motive klären. Wenn wir es nicht tun, werden wir irgendwann enttäuscht und ablehnend reagieren, weil Gott nicht das macht, was wir uns wünschen. Denn wir werden zu der Überzeugung kommen, dass wir offenbar verantwortungsbewusster sind als Gott, dem das alles egal zu sein scheint. Stellen wir uns vor, diese Eltern hätten ihr Kind mit dieser Haltung dem Herrn geweiht. Wie würden sie wohl reagieren, wenn ihr Kind als Jugendlicher eine schlechte Entscheidung nach der anderen fällen würde, sodass es ihnen vor Schmerz das Herz zerreißen würde? Würden diese Eltern die Schuld nicht möglicherweise bei Gott suchen, der seinen Teil der Abmachung offenbar nicht eingehalten hat?

Es ist traurig, aber wir erleben immer wieder, dass sich Menschen aus genau diesem Grund von Gott abwenden. Sie kommen an den Punkt, wo Gott nicht so handelt, wie sie es erwartet haben. Sie sind enttäuscht und geben Gott die Schuld dafür, anstatt zu erkennen, wie unrein ihre Motive und wie unbiblisch ihr Denken war. Sie kommen zu dem Schluss, dass es Gott wohl leider sowohl an der Liebe als auch an der Macht fehlt, die sie ihm für ihre Zwecke zugetraut hatten. Schlussendlich lehnen sie Gott verbittert ab, weil es in ihrer Theologie für Schwierigkeiten und Leid und letztendlich auch für das Kreuz keinen Platz gibt.

Das bedeutet nicht, dass wir nicht um Schutz für unsere Kinder beten sollen. Wir müssen um Gottes Schutz beten. Jakobus sagt auch, dass wir nichts empfangen, weil wir gar nicht bitten (Jakobus 4,2). Wir müssen bitten. Doch wenn wir ins Gebet gehen, sollen wir in dem Bewusstsein bitten, dass jedes Gebet mit den Worten abschließt: „Nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille.“ Unsere innere Haltung soll, wie Jakobus es ausdrückt, lauten: „Wenn der Herr will, …“ (Jakobus 4,15). Wir vertrauen darauf, dass Gott alle Zusammenhänge im Blick behält.

Wir müssen uns bewusst machen, dass wir in einer gefallenen Welt leben. Menschen werden an uns schuldig. Wir werden schuldig. Unsere Kinder werden schuldig. Weil die Sünde in die Welt gekommen ist, wartet der physische Tod auf uns. An diesem biblischen Sachverhalt wird keines unserer Gebete etwas ändern (vgl. Römer 5,12). Selbst Lazarus ist schließlich gestorben, obwohl er zuvor von Gott auferweckt wurde. Gott wird uns nicht vor dem Sterben bewahren.

Und so müssen wir ehrlich zu uns sein, wenn wir um Schutz für unsere Kinder bitten. Wir müssen uns fragen, warum wir beten. Geschieht es mit der Haltung: „Gott, du bist dafür verantwortlich, dass meinem Kind nichts Böses widerfährt.“? Wenn das der Fall ist, so beten wir als Diktatoren und nicht mit Demut. Wir dürfen niemals sagen, Gott habe die Verpflichtung, unsere Kinder vor Versuchungen und Leid zu bewahren. Wir müssen unseren Kindern vielmehr erklären, dass es Versuchungen und Leid in dieser Welt gibt, und ihnen vorleben, wie man Schweres ertragen und Versuchungen widerstehen kann. Das bedeutet, dass wir uns als Eltern Gott weihen; und das können wir im persönlichen Gebet mit Fug und Recht tun.

Kann man sich selektiv auf einzelne Verheißungen fixieren und andere Teile der Bibel außen vor lassen?

Eine Frau betete für die Geburt ihres ersten Enkelkindes. Kurz nach der Entbindung starb das Baby. Die Frau, die nur für ein paar Minuten Großmutter gewesen war, erzählte anschließend nicht nur von ihrem Schmerz, sondern auch davon, wie enttäuscht sie von Gott und seinen Verheißungen war. Sie besaß eine Box mit Bibelversen und hatte diese Verheißungen in Bittgebete um Schutz, Gesundheit und Freude für das ersehnte Baby verwandelt. An sich war das eine gute Sache – bis zu dem Moment, an dem ihr das Gegenteil widerfuhr. Da verschloss sie sich für Gott. Später gestand sie ein, dass sie nur angenehme Verheißungen aus der Bibel herausgesucht hatte. Die Verse, die vom unerklärbaren Leid der Gerechten sprachen, hatte sie überblättert. Demütig bekannte sie, dass sie die vielen Stellen außer Acht gelassen hatte, die uns davon berichten, dass auch guten Menschen Schlechtes widerfährt – darunter auch Stellen, in denen es um den Verlust geliebter Menschen ging. Sie hatte ausgeblendet, dass nicht alle Menschen, die Gott nachfolgen, jederzeit den Segen der göttlichen Verheißungen erfahren.

Der spezifische Wille Gottes für jeden einzelnen Menschen wird von Gottes universalem Willen für alle Menschen regiert. Wenn wir an Jesus Christus glauben, kann das zu Verfolgung, Leid und sogar zum Tod führen.

Es ist traurig, wenn Menschen nicht auf die vielen Passagen der Bibel achten, die nicht in ihre bevorzugte Lebensgeschichte hineinpassen.

Meine Frau Sarah und ich erinnern uns noch lebhaft daran, wie meine (inzwischen verstorbene) Tante mich Anfang der Siebzigerjahre aufs Schärfste verurteilte. Ich wollte ihr Sarah vorstellen, also fuhren wir auf einen Besuch zu ihr. Ich war erst kurz davor zum Glauben gekommen und erzählte meiner Tante, die Lehrerin war, dass ich vorhatte, Pastor zu werden. Während ich ihr von meinen Plänen berichtete, veränderte sich ihr Gesichtsausdruck sichtbar, und sie blickte mich geradezu verächtlich an. Ich war so irritiert, dass ich sie fragte, ob ich sie irgendwie verärgert hätte. Mit einer Feindseligkeit, die ich so an meiner Tante noch nie erlebt hatte, verurteilte sie meine Entscheidung, Pastor zu werden. Ich war von ihrer für sie ungewöhnlichen Haltung vor den Kopf gestoßen und fragte: „Warum bist du darüber so verärgert?“

Wutschnaubend antwortete sie: „Du verschwendest deinen Verstand. Du solltest Anwalt werden.“

Ich erwiderte: „Ich will kein Anwalt werden.“ Einige Sekunden saß ich ihr gegenüber, dann wurde mir klar, dass ihre Reaktion nichts damit zu tun hatte, dass ich Pastor werden wollte. Also fragte ich: „Um was geht es hier eigentlich?“

Für Sarah und mich völlig überraschend stieß sie hervor: „Als ich ein kleines Kind war, habe ich Gott um ein Fahrrad gebeten. Der Pfarrer hatte uns gesagt, dass Gott uns geben würde, worum wir ihn bitten, wenn wir ihn nur ernsthaft bitten und von Herzen glauben. Ich betete und betete und betete – aber mein Fahrrad bekam ich nie! Das war der Punkt, an dem ich entschied, dass ich niemals an Gott glauben würde.“

Obwohl das der kindischste Satz war, den ich je aus dem Mund eines Erwachsenen vernommen habe, konnte ich ihre Enttäuschung teilweise verstehen. Jedes Kind muss sich mit dem Glauben auseinandersetzen, und jeder Erwachsene damit, wie es ist, wenn wir Gott um etwas bitten. Jeder Mensch muss sich einen Reim darauf machen, was die Bibel uns über das Bitten und Empfangen sagt. Viele haben die Worte Jesu gehört: „Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet! Denn wer bittet, der bekommt. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet“ (Matthäus 7,7–8).

Hat der Mensch gewordene Jesus immer bekommen, worum er gebeten hatte?

Einen Teil der Antwort finden wir, wenn wir auch andere Teile der Schrift anschauen und in ihrem Licht die Bibelstellen interpretieren, die uns sagen, dass wir bitten dürfen und empfangen werden. Meine Tante hätte nicht aufhören sollen, in der Bibel zu lesen. Jeder Bibeltext steht in einem größeren Zusammenhang. Theologen sagen uns: „Wenn du nicht weißt, wie du eine bestimmte biblische Passage deuten sollst, lies weiter.“ Meine Tante hätte zum Beispiel die Geschichte von Jesus im Garten Gethsemane lesen sollen. Dort erfahren wir, wie er den Vater um etwas bittet und es nicht empfängt. Und wenn es irgendjemanden gab, der einen vollkommenen Glauben hatte, dann doch wohl Jesus! Leider verschloss sich meine Tante als junges Mädchen und hörte auf, in der Bibel zu lesen. Sie ließ zu, dass eine negative Erfahrung ihr lebenslang den Glauben raubte. Und hätte sie den Jakobusbrief gelesen, wo wir ermahnt werden, aus den richtigen Motiven heraus zu bitten, so hätte sie vielleicht anders gebetet.

Was das unbeantwortet gebliebene Gebet von Jesus angeht, so ist das schon erstaunlich: Jesus war vollkommen. Der vollkommene Sohn Gottes betete also drei Mal und erhielt trotzdem nicht, worum er gebeten hatte. In Matthäus 26,44 lesen wir, dass er „zum dritten Mal“ betete. Im Lukasevangelium lesen wir, worum Jesus bat: „Vater, wenn es dein Wille ist, dann lass diesen bitteren Kelch des Leidens an mir vorübergehen“ (Lukas 22,42). Wir lesen, dass er drei Mal um einen Ausweg bat, um der brutalen Kreuzigung zu entgehen. In seiner Menschlichkeit erkannte er, welche unsagbaren Schmerzen ihn erwarteten. Doch der himmlische Vater erhörte diese spezifische Bitte nicht – um des größeren Gesamtbildes willen. Und darum hören wir Jesus auch beten: „Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.“ Der Wille seines Vaters entkräftete die persönliche Bitte, die Jesus in seiner Menschlichkeit an den Vater gerichtet hatte.

Auch wenn Sie nicht ans Kreuz gehen werden wie Jesus, kann es sein, dass Sie den vierfachen Willen Gottes in Ihrem Leben umsetzen, Gott im Gebet um etwas bitten und es dennoch nicht empfangen. Das bedeutet nicht, dass Sie seine Gebote nicht erfüllen oder er sich nicht an Ihrem Lebenswandel freut. Es bedeutet auch nicht, dass Gott so etwas wie ein kosmischer Spielverderber wäre, der Freude daran hat, unser Leben zu zerstören, indem er uns erst sagt, wir sollen ihm vertrauen, nur um uns dann den Boden unter den Füßen wegzureißen. Es bedeutet, dass Ihr Vater im Himmel das Gesamtbild im Blick hat und aus seiner Allwissenheit heraus handelt.

Nur wer ein Skeptiker oder ein Spötter ist, wird sagen, Gott drücke sich um sein Versprechen. Solche Menschen argumentieren gerne, das Gebet sei sinnlos, weil ohnehin geschehen werde, was nun mal geschieht. Sie behaupten, Christen beruhigen sich mit dem Irrglauben, das Unheil, das ihnen widerfahre, sei Teil von Gottes gutem Plan. In ihren Augen müsste eigentlich jeder halbwegs vernünftige Mensch einen solchen Märchenglauben ablehnen. Jeder von uns muss eine Entscheidung treffen, welcher Weltanschauung er folgen will. Ich bevorzuge die von Jesus! Jesus sagt uns, dass der Vater für uns da ist. Wir bedeuten ihm etwas, und er möchte, dass wir ihn bitten und ihm vertrauen. Der Jünger, den Jesus lieb hatte, der Apostel Johannes, schreibt in seinem ersten Brief: „Deshalb dürfen wir uns auch darauf verlassen, dass Gott unser Beten erhört, wenn wir ihn um etwas bitten, was seinem Willen entspricht. Und weil wir wissen, dass Gott all unsere Gebete hört, dürfen wir sicher sein, dass er uns gibt, worum wir ihn bitten. Es ist, als hätten wir es schon erhalten“ (1. Johannes 5,14–15).

Ich habe mich entschieden, dieser Weltanschauung zu vertrauen. Johannes ist sich sicher, dass wir zuversichtlich sein dürfen, dass Gott sehr real und gegenwärtig ist und uns zuhört.

Wird Gott unsere Bitten immer erfüllen? Johannes nennt einen Vorbehalt, nämlich dass unsere Bitte „seinem Willen entspricht“. Und wieder gilt: Gott sieht das Gesamtbild, und der Vater weiß es am besten!

Die meisten von uns haben es vermutlich schon gehört: Gott ist Gott, wir sind es nicht. Doch wenn er nicht antwortet, heißt das nicht, dass es uns an Glauben mangelt oder dass wir ihm gleichgültig wären. Wir bedeuten ihm viel und wir besitzen genügend Glauben, doch in diesem Fall entspricht unsere Bitte nicht seinem Willen und den Zielen seines Gottesreiches.

Eines ist sicher: Wir dürfen nicht behaupten, Gebet sei sinnlos. Schon die Propheten haben gebetet. Die Apostel im ersten Jahrhundert haben gebetet. Der Herr selbst hat gebetet und uns aufgetragen zu beten; und er ist auch ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass wir beten werden (vgl. Matthäus 6,9; Lukas 11,1–2). Wenn Gott also vermeintlich auf unsere Bitten hin schweigt, dann sollten wir seinem umfassenden Überblick über alle Dinge und Zeiten hinweg vertrauen.

Gibt es Hoffnung, auch wenn unsere Bitten nicht erhört wurden?

Gottes Schweigen im Blick auf unsere alltäglichen Entscheidungen kann auch bedeuten, dass wir die Freiheit haben, selbst nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln. Oft stehen wir vor einer Weggabelung und beten: „Lieber Herr, zeig mir, welchen Weg ich gehen soll.“ Doch wir erhalten keine eindeutige Führung. Dann kann das durchaus bedeuten, dass Gott uns die Wahl des Weges überlässt. Das soll jetzt nicht banal klingen, aber in gewisser Weise ist das wie bei diesen Kinderbüchern, bei denen man selbst entscheiden darf, wie das Abenteuer weitergeht.

Gott macht es Freude, uns einen großen Freiraum für unser Denken und Handeln zu geben. So lesen wir zum Beispiel schon am Anfang der Schöpfung: „Er brachte alle Landtiere und Vögel, die er aus dem Erdboden geformt hatte, zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde. Genau so sollten sie dann heißen“ (1. Mose 2,19). Es ist ja schon wunderbar, dass Gott Adam die Freiheit gab, die Tiere selbst zu benennen. Er scheint auch neugierig darauf gewesen zu sein, „zu sehen, wie er sie nennen würde“.

Eine etwas vereinfachende Analogie wäre die eines Autorennens. So ein Rennen beginnt an Punkt A und führt nach Punkt B. Innerhalb der festgelegten Regeln besitzen die Fahrer ein hohes Maß an Flexibilität. Wäre unser Leben ein Langstreckenrennen, so besäßen wir innerhalb dieser Welt, in der wir leben, uns fortbewegen und atmen, ein hohes Maß an Freiheit. Gott hat unserem Planeten zwar bestimmte Grenzen vorgegeben, doch wir besitzen die Wahl zwischen Tausenden von guten Optionen. Wir können hierhin oder dorthin steuern – je nach unseren Interessen, Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Bezüglich der Frage unserer persönlichen Präferenzen hat Gott diese Welt und sein Reich so gestaltet, dass wir mithilfe ganz unterschiedlicher Kriterien Entscheidungen treffen können: persönliche Meinungen (vgl. Römer 14,1), persönliche Einschätzungen (14,2), persönliche Bewertungen (14,14), persönliche Überzeugungen (14,22), persönliches Glücksempfinden (14,22) und persönlicher Glaube (14,23). Es gibt Grauzonen, mit denen sich der Apostel Paulus in Römer 14 befasst, die jedem Glaubenden ein hohes Maß an Wahlfreiheit lassen. In weiten Teilen unseres Alltagslebens – also in dem „Rennen“, das wir absolvieren – besitzen wir die Freiheit, unsere Schritte selbst zu lenken.

Das Gleiche gilt für geistliche Begabungen. Gott schenkt jedem Glaubenden mindestens eine der neunzehn geistlichen Gaben, die in 1. Korinther 12, Römer 12, Epheser 4 und 1. Petrus 4 genannt werden. Paulus stellt in 1. Korinther 12,11 fest, dass Gott „wie er es will, jedem und jeder in der Gemeinde“ eine Gabe „zuteilt“. Mathematisch erstaunlich ist, dass Paulus sagt: „Es gibt verschiedene Gaben … Es gibt verschiedene Dienste … Es gibt verschiedene Wunderkräfte“ (1. Korinther 12,4–6). So sind die Möglichkeiten, die sich jedem Einzelnen bieten, nahezu unendlich. Wenn jemand die Gabe des Unterrichtens (eine der neunzehn Gaben) besitzt, so kann er Erwachsene oder Kinder unterrichten; und wenn er Erwachsene unterrichtet, so kann sein Unterricht unterschiedliche Wirkungsfelder haben: Der eine Mensch mit dieser Gabe wird Ehepaare schulen, ein anderer den richtigen Umgang mit Geld. Wer Kinder unterrichtet, kann ihnen von Gottes Liebe erzählen oder ihnen beibringen, wie man gut miteinander umgeht. Die „Wunderkräfte“, die hier wirken, sind nahezu unbegrenzt. Neunzehn geistliche Gaben können eingesetzt werden – und zwar in jeder Art von Dienst, an jedem Ort dieser Erde. Und an jedem dieser Orte gibt es wiederum eine beliebige Zahl an möglichen Wirkungen. Das ist ein exponentielles Wachstum. Damit möchte ich sagen: Gott gibt jedem Menschen, den er mit Gaben beschenkt, gleichzeitig eine schwindelerregende Freiheit, selbst zu entscheiden, wie er sie einsetzen möchte und welche Wirkung sie entfalten soll.

Kommen wir auf meine Tochter Joy zurück. Sie hätte sich für den einen oder den anderen Weg entscheiden können. Sie hätte in Los Angeles bleiben oder nach Portland ziehen können. Solange sie sich an den vierfachen Willen Gottes hielt, besaß sie die Freiheit, sich gemäß ihren Wünschen, Begabungen und Überzeugungen zum Bleiben oder für’s Gehen zu entscheiden. Ich machte ihr deutlich, dass sie nicht die Stimme eines himmlischen Boten hören würde, der ihr verkündet: „So spricht der Herr: ‚Joy, zieh nach Portland, in die Eastside, in das Apartment A1 an der Ecke von River und Main Street, mit Blick nach Norden.‘“ Stattdessen besaß sie die Freiheit zu tun, was sie wollte und was ihr am besten und richtigsten erschien.

Weil es keine Entscheidung über Gut und Böse war – auch wenn in beiden Städten schlimme Dinge passieren –, konnte sie unserer Organisation Love & Respect sowohl in Los Angeles als auch in Portland auf fruchtbare Weise dienen. Sie durfte entspannt bleiben, solange sie Gottes vierfachem Willen gehorchte. Man kann das vielleicht mit einer Bewertungsskala vergleichen, bei der es zehn gute Gründe für Los Angeles und zehn gute Gründe für Portland gibt. Joy konnte ihre eigene Bewertung durchführen und je nach Ergebnis an den Ort gehen, der ihr mehr zusagte.

Unsere Wahlfreiheit im Blick auf die Ehe

Warum bin ich so verwegen zu behaupten, Joy habe es freigestanden, sich zu entscheiden, wie sie wollte? Ich erkenne im Neuen Testament ein revolutionäres Prinzip. Es ging nicht um die Entscheidung für oder gegen einen Umzug, sondern um die persönliche Wahlfreiheit. Ein Beispiel dafür finden wir im Blick auf die Ehe. Im 1. Korintherbrief wendet sich Paulus an Witwen, die über ihren aktuellen Status unsicher waren. Paulus erklärt ihnen: „Solange ein Mann lebt, ist seine Frau an ihn gebunden. Wenn er aber stirbt, darf sie wieder heiraten, wen sie will. Nur sollte sie darauf achten, dass der neue Ehemann wie sie dem Herrn gehört“ (1. Korinther 7,39).

Menschen, die einwenden, dass Frauen im ersten Jahrhundert nicht viel zu melden hatten, sollten diesen Worten aus der Heiligen Schrift Beachtung schenken. Eine Witwe durfte heiraten, wen sie wollte, solange er Christus verbunden war. Das war ihre Berufung. Sie konnte einen Judenchristen oder einen griechischen Christen heiraten. Sie konnte auch – wie Paulus – unverheiratet bleiben. Es gab für sie mehrere Optionen, von denen keine in sich falsch war. Sie durfte selbst aussuchen, auf welches Abenteuer sie sich einlassen wollte. Allerdings konnte sie nicht beides zugleich tun: erneut heiraten und unverheiratet bleiben. Und sie hätte nicht beide Männer gleichzeitig heiraten können. Unsere Rennstrecke hat äußere Begrenzungen. In diesem Fall wurde die Grenze so gezogen, dass der Mann, den sie möglicherweise heiraten wollte, ein Nachfolger Christi sein sollte. Häufig werden wir erleben, dass die Grenzen, die Gott setzt, für mehrere Verhaltensweisen Gültigkeit besitzen.

Paulus bezog diese Lehre von der Wahlfreiheit nicht nur auf Witwen. Die Witwen dienten als ein Beispiel für die Gültigkeit dieser Lehre. In der Tat war dieser Freiheitsgedanke so revolutionär – angesichts der Tatsache, dass viele Juden aus der Unterdrückung der Gesetzlichkeit herausfanden –, dass manche Menschen daran erinnert werden mussten, welche Grenzen dieser bis dahin ungekannten Freiheit gesetzt waren. Gleichzeitig ermahnt Paulus die Christen in seinen Briefen immer wieder, dass sie diese Freiheit, die Gott ihnen im Blick auf ihre Lebensentscheidungen gibt, niemals ausnutzen sollten.

Die Wahlfreiheit bedarf einer regelmäßigen Selbstprüfung

Bedenken Sie die folgenden Bibelstellen:

„Durch Christus seid ihr dazu berufen, frei zu sein, liebe Brüder und Schwestern! Aber benutzt diese Freiheit nicht als Deckmantel, um eurem alten selbstsüchtigen Wesen nachzugeben.“ (Galater 5,13)

„Trotzdem solltet ihr darauf achten, dass ihr mit der Freiheit, die ihr zu haben glaubt, dem nicht schadet, dessen Glaube noch schwach ist.“ (1. Korinther 8,9)

„Das könnt ihr tun, weil ihr freie Menschen geworden seid. Aber missbraucht diese Freiheit nicht als Ausrede für euer eigenes Fehlverhalten! Denn ihr seid frei geworden, damit ihr Gott dient.“ (1. Petrus 2,16)

Paulus warnt die Glaubenden, ihre Schritte nicht auf das gefährliche Terrain hedonistischer Zwecke zu lenken. Niemand soll durch die Leitplanken der Rennstrecke krachen.

An dieser Stelle muss ich das Thema Ehrlichkeit ansprechen. Wir können Gottes Freiheit genießen, aber wir müssen uns selbst gegenüber aufrichtig sein, wenn es darum geht, welche Grenzen niemals überschritten werden dürfen. Rechtfertigungen fallen uns Menschen nämlich leicht. Ich nenne sie rationale Lügen. Wenn wir zum Beispiel ein Problem mit Alkohol haben, besteht unsere Grenze darin, Situationen zu meiden, die uns in Versuchung führen zu trinken. Das ist gar nicht so leicht, denn wahrscheinlich haben wir ja Freunde, die kein Alkoholproblem haben und die ohne Bedenken in geselliger Runde etwas trinken gehen können. Doch deren Freiheit auf der Rennstrecke ist eben nicht dieselbe wie unsere. Wir müssen die brutale Ehrlichkeit besitzen, die uns auf dem Kurs hält, den unser Gewissen uns vorgibt. In diesem Fall müssen wir uns auf eine der vier Willensäußerungen Gottes verpflichten, die uns sagt, was gut für uns ist. Und wenn unsere Freunde uns in die neu eröffnete Kneipe einladen, sollten wir eine kreative Alternative vorschlagen, die unsere Freundschaft achtet, aber zugleich unser Herz bewahrt. Wir besitzen nicht die Freiheit, etwas zu tun, was uns unfrei macht.

Wir besitzen die Freiheit zu wählen, aber unsere Wahl muss auf Basis dessen getroffen werden, was gut für uns ist

Wenn eine Option unter Betrachtung der uns zur Verfügung stehenden Informationen gut erscheint und niemandem schadet, können wir uns guten Gewissens dafür entscheiden. Wir sind frei in unserer Wahl.

Nehmen wir das Handeln von Ärzten als Analogie: Sie müssen in Momenten, in denen es um Leben und Tod geht, schwerwiegende Entscheidungen fällen. In der Regel halten sie sich dabei an ihren Hippokratischen Eid. Geschichtlich gesehen stammt der aus den Epidemien, die zu den Werken des antiken griechischen Arztes Hippokrates zählen. Dort lesen wir, dass „der Arzt … im Blick auf die Krankheit zwei spezielle Ziele im Blick haben [muss], nämlich Gutes zu tun und dem Patienten keinen Schaden zuzufügen“.1

Bedeutet dies, dass ein Arzt automatisch das Leben seines Patienten retten wird? Nein, denn es kann trotzdem passieren, dass ein Patient stirbt. Doch wenn dann die Entscheidungen des Arztes evaluiert werden und das Aufsichtsgremium fragt: „Haben Sie den Nutzen des Patienten verfolgt und ihm durch Ihr Handeln keinen Schaden zugefügt?“, kann der Arzt dies guten Gewissens bejahen. Auf Basis der Informationen, die ihm vorlagen, hat er die bestmögliche Entscheidung getroffen. Und auch wenn ein Jahr später ein Medikament auf den Markt käme, das diesen Patienten hätte retten können, so war es doch zum Zeitpunkt der Behandlung weder bekannt noch erhältlich.

Ist es denn biblisch zu behaupten, man könne nach bestem Wissen und Gewissen tun, was einem gut erscheint?

Hier müssen wir eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Kirche erwähnen. Wir lesen in der Apostelgeschichte, Kapitel 15, darüber. Die Apostel mussten eine Entscheidung treffen, die für die gesamte Kirche bis heute Bedeutung besitzt. Und wie trafen sie diese Entscheidung? Sie taten, was ihnen „gut erschien“ (vgl. Apostelgeschichte 15,28), und das übrigens gleich viermal im Verlauf dieses Kapitels (Verse 22,25,28 und 34).

Dieser Ausdruck „was gut erschien“ ist deshalb so wichtig, weil Gott zwei Kapitel zuvor auf wundersame Weise seinen Willen kundgetan hatte. In Apostelgeschichte 13,2 lesen wir: „Als diese Männer während einer Zeit des Fastens gemeinsam beteten, sprach der Heilige Geist zu ihnen: ‚Gebt Barnabas und Saulus für die Aufgabe frei, zu der ich sie berufen habe!‘“ Ich kann nicht sicher sagen, was das bedeutet, aber sie bezeugten, dass der Heilige Geist geredet habe. Mit anderen Worten: Diese Botschaft wurde übernatürlich vermittelt und war in sich völlig eindeutig. Dann aber lesen wir in Kapitel 15, dass die Kirchenleiter mit der Frage rangen, ob sie Nichtjuden, die zum Glauben an Christus gefunden hatten, beschneiden sollten. Man möchte doch meinen, dass Gott seinen Willen in dieser prekären Angelegenheit unmissverständlich kundtun würde; schließlich besaß diese Frage zur generellen Lehrmeinung der Kirche doch eindeutig mehr Gewicht als die Berufung von zwei Missionaren in ihren Dienst. Doch Gott tut das nicht, obwohl diese Frage Anlass für eine Spaltung der Kirche in Judenchristen und Heidenchristen hätte werden können.

Wie Sie sich erinnern werden, waren die ersten Glaubenden Juden, die zu Christus fanden. Sie waren bereits beschnitten. Als nun Menschen aus anderen Nationen zu Christus fanden, gingen die Juden selbstverständlich davon aus, dass diese sich ebenfalls der Beschneidung zu unterziehen hätten. Welche Entscheidung sollten die Kirchenleiter in dieser kritischen Frage fällen? Es kam keine Stimme vom Himmel, die sagte: „Ihr sollt die Heidenchristen nicht beschneiden!“ Stattdessen erwartete Gott von den Leitern, dass sie in dieser Frage nach eigenem menschlichen Ermessen entschieden (vgl. Apostelgeschichte 15,19) und sich danach richteten, was ihnen „gut erschien“.

Dieser Entscheidungsprozess nach dem Kriterium „was gut erscheint“ trifft auch auf uns zu. So kann es zum Beispiel sein, dass wir eine lebenswichtige Entscheidung für unseren schwer kranken Großvater treffen müssen; sollten wir die lebenserhaltenden Maßnahmen fortführen oder die Geräte abschalten lassen? Wir beten immer wieder um eine Weisung. Doch Gott scheint keine klare Marschrichtung vorzugeben. Aber eine Entscheidung muss gefällt werden. Was sollen wir tun? Wir können davon ausgehen, dass Gott möchte, dass wir diese Frage mit Menschen besprechen, die Ehrfurcht vor Gott und/oder die nötige Weisheit besitzen. Und dann erwartet Gott von uns, dass wir unseren Verstand gebrauchen und die notwendige Entscheidung fällen.

Wenn wir alle Faktoren bedacht haben und eine Option favorisieren, die uns gut erscheint, und andere darin mit uns übereinstimmen, dass es keine grundlegend schlechte Entscheidung ist, dann haben wir die Freiheit, in dieser Weise fortzufahren. Wir müssen nicht mit der Angst leben, möglicherweise eine Entscheidung gefällt zu haben, die vom Teufel kam. Denn zu dem Zeitpunkt, als wir unsere Entscheidung trafen, taten wir dies nach bestem Wissen und Gewissen. Selbst wenn sich die Entscheidung im Nachhinein als falsch erweisen sollte, müssen wir nicht an uns zweifeln, denn wir haben getan, was uns zu dem damaligen Zeitpunkt „gut erschienen“ war.

Die Freiheit, das zu tun, was uns am besten erscheint, ist ein biblisches Konzept

Mir gefällt die Sprache, mit der die Bibel ausdrückt, wie dieses Erkennen und Entscheiden zwischen zwei Optionen geschehen kann:

„Ich gebe euch nur einen Rat, der euch helfen soll.“

(2. Korinther 8,10)

„…, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei …“(Philipper 1,10)

Wenn wir nicht wissen, welche Wahl wir treffen sollen, weil es uns an Erkenntnis oder Informationen mangelt, kann uns ein kluger Rat sehr dienlich sein. Ein Außenstehender kann uns im Blick auf die Fakten und die Situation aufklären und beraten. Scheuen Sie nie davor zurück, den Rat anderer einzuholen, wenn es um eine Entscheidung zwischen unterschiedlichen Optionen geht.

Wenn beide Optionen ihre Vorzüge haben, sollten wir nicht zögern, andere zu bitten, ihre Einsichten zu den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Möglichkeiten einzubringen. Wenn wir den Rat von Menschen scheuen, die fachlich kompetent und unvoreingenommen sind, überschreiten wir eine rote Linie und werden vermutlich die Folgen unserer mangelnden Bereitschaft, uns belehren zu lassen, tragen müssen. So habe ich zum Beispiel schon Männer erlebt, die großartige Ideen hatten, wie sie ihr Geld in vermeintlich hochprofitable Geschäfte investieren könnten, am Ende jedoch hohe Verluste machten. Von ihren Ehefrauen waren sie zuvor bekniet worden, den Rat von Gemeindegliedern einzuholen, die als Finanzberater tätig waren, doch sie weigerten sich.

Wenn wir den Rat anderer meiden, um herauszufinden, was das Beste sei, müssen wir uns fragen, warum wir ihre Meinung und ihr Wissen nicht einholen wollen. Sind unsere Ziele etwa egoistisch und wir wollen nicht, dass jemand den Finger auf diese heimliche Wunde legt? Beten wir etwa unbewusst: „Nicht dein Wille, sondern meiner geschehe!“?

Wenn wir eher unentschlossene Menschen sind, müssen wir uns nicht von der Wahl zwischen zwei Optionen blockieren lassen, solange wir den vierfachen Willen Gottes erfüllen. Wir müssen uns nicht durch fortwährendes Grübeln und Analysieren lähmen lassen. Solange wir uns an unserer Beziehung zu Christus freuen, ihm Dank sagen, ein moralisch reines Leben führen und uns verpflichten, Gutes zu tun, egal was es kostet, wird Gott uns freundlich anschauen, selbst wenn sich unsere Entscheidung als völlig falsch erweist.

Und wie steht es um Situationen, in denen es um dauerhafte Entscheidungen geht wie zum Beispiel bei der Ehe? Paulus sagt: „Solange ein Mann lebt, ist seine Frau an ihn gebunden“ (1. Korinther 7,39). Von Portland hätte Joy jederzeit nach Los Angeles zurückziehen können; doch sie hätte nicht dieselbe Freiheit gehabt, den Mann zu verlassen, den sie geheiratet hat. Wir geben am Altar das Versprechen, den Bund der Ehe zu halten, bis der Tod uns scheidet. Aus diesem Grund ist es wichtig, den Rat erfahrener Christen anzunehmen, um das Für und Wider unserer Entscheidung besser abwägen zu können. Mich beeindruckt, wie viele Menschen über die Jahre zu mir als ihrem Pastor gekommen sind mit der Frage: „Soll ich diesem Menschen vor Gott das Eheversprechen geben?“ Manche haben die Heirat abgesagt, weil es eine gute, aber nicht die beste Entscheidung gewesen wäre. Andere sind seit fast 40 Jahren glücklich verheiratet, weil ihnen in diesem Seelsorgeprozess deutlich wurde, dass das, was ihnen gut erschien, die beste Entscheidung war.

Doch wie steht es um diese alltäglichen Entscheidungen, die zwar nicht von bleibender Natur sind, aber doch ein großes Gewicht für uns haben? Wie Erziehungsfragen zum Beispiel? Unsere Kinder stellen uns jeden Tag vor die Frage, ob wir uns ihnen gegenüber so oder anders verhalten sollen. Die gute Nachricht lautet, dass wir auch hier die Freiheit besitzen zu tun, was uns gut erscheint. Im Hebräerbrief lesen wir über Eltern: „Unsere leiblichen Väter haben uns eine bestimmte Zeit nach bestem Wissen und Gewissen erzogen“ (Hebräer 12,10). Auch hier heißt es wieder, dass sie es „nach bestem Wissen und Gewissen“ getan haben, d. h. so wie es ihnen gut erschien.

Unsere Eltern wussten nicht immer, welcher Weg der richtige war. Sollten sie uns ein Wochenende Hausarrest aufbrummen oder sollten sie Gnade walten lassen und dadurch zeigen, dass Vergebung auch den Erlass von Konsequenzen beinhalten kann? In solchen Fällen schreibt Gott keine Anweisung an den Himmel, die uns wie ein Werbebanner an einem Flugzeug die eindeutige Botschaft übermittelt: „Hausarrest für den kleinen Frechdachs!“ Gott erwartet vielmehr von Eltern, dass sie „nach bestem Wissen und Gewissen“ entscheiden und dabei berücksichtigen, was für das Kind in diesem Alter und Entwicklungsprozess das Beste zu sein scheint.

Das ist eine subjektive Entscheidung, und Gott erwartet von Eltern, dass sie in diesem subjektiven Rahmen ihr Leben selbst gestalten. Für viele Fragen, die unsere Kinder betreffen, gibt es kein: „So spricht der Herr …“. Das sollte Eltern eigentlich gelassen machen. In der Erziehung unserer drei Kinder waren Sarah und ich immer wieder unsicher, was wir tun sollten. Wir mussten tun, was uns am besten erschien. Dabei hat uns getröstet, dass wir unserem Gewissen folgen und das uns am besten Erscheinende tun durften, weil wir grundsätzlich den vierfachen Willen Gottes befolgten.

Es ist traurig, dass manche Eltern innerlich so erschöpft sind, dass sie den vier Willensäußerungen Gottes in ihrem eigenen Leben keine Beachtung mehr schenken. Sie fühlen sich als Eltern geschlagen und suchen nicht mehr den Rat und die Nähe Christi, weil sie meinen, er habe sie im Stich gelassen und würde seine Erziehungsverheißungen nicht erfüllen. Sie streiten über Erziehungsmethoden und bauen so viel Ablehnung gegeneinander auf, dass sie aufhören, Gott gemeinsam für all die Herausforderungen, vor die ihre Kinder sie stellen, zu danken. Sie lassen zu, dass die Erziehungsaufgabe sie derart erschöpft und desillusioniert, dass sie in ihrer Entmutigung nicht mehr auf ihre Ehe achthaben und schließlich vielleicht sogar durch außereheliche Beziehungen die Ehe brechen. Und weil sie ihre moralische Autorität verwirkt haben, indem sie selbst ihrer Verpflichtung zum Guten nicht mehr nachkommen, erwarten sie von ihren Kindern ebenfalls nicht mehr, dass diese sich verpflichten zu tun, was gut ist.

Sarah und ich haben erkannt, dass auch wir hier verwundbar sind. Doch wir fällten die Entscheidung, dem vierfachen Willen Gottes zu folgen. Wir sind als Eltern und als Menschen unvollkommen, aber wir haben beschlossen, unseren Blick auf Jesus zu richten und ihm bei unserer Erziehungsarbeit zu vertrauen, selbst wenn unsere Kinder uns gerade Widerstand entgegensetzten. Wir blieben unserem Ehegelöbnis treu – in dem Wissen, dass die innerliche Ermüdung und die Gefühle des Versagens, die mit der Kindererziehung einhergehen, Ehepartner dazu bringen können, den Schleudersitz zu betätigen und untreu zu werden. Wir besannen uns immer wieder darauf, Gott auch in den frustrierenden Zeiten mit unseren Kindern zu danken, weil allein das uns eine hoffnungsvolle und positive Haltung bewahrte. Und wir verpflichteten uns dazu, im Beisein unsere Kinder mit so viel persönlicher Reife wie nur möglich stets Gutes zu tun, auch wenn unsere Kinder es in ihrer Unreife nicht schafften, unseren Anweisungen zu folgen und das zu tun, was recht gewesen wäre. In all den Jahren machten wir uns immer wieder bewusst, dass wir unsere Erziehungsaufgabe guten Gewissens und mit gesunden Instinkten erfüllen konnten – wenn wir uns im Rahmen des göttlichen Willens bewegten und seine vier Willensäußerungen achteten.

Welche Grundhaltung sollten wir angesichts dieser Freiheit einnehmen?

Die Apostel berichten, dass sie die Freiheit besitzen zu tun, was ihnen nach bestem Wissen und Gewissen gut erscheint, und sind doch andererseits der Überzeugung, dass Gott jederzeit das Recht hat, den Lauf der Dinge kurzfristig zu ändern. Sie vertreten in den Wahlmöglichkeiten ihres Alltags immer die ehrfürchtige Haltung, dass Gott ihre besten Entscheidungen durch seine noch besseren unwirksam machen kann. Sein Wissen um das Beste kann ihre Einsicht in das Gute überstimmen, sein Wille steht über ihren Wünschen. Gott besitzt die volle Souveränität. Diese Haltung drückt sich in der Sprache aus, mit der sie ihre Texte verfassen.

„Wenn Gott es will, werde ich später wiederkommen.“ (Apostelgeschichte 18,21)

„Aber ich werde bald bei euch sein, wenn der Herr es zulässt!“ (1. Korinther 4,19)

„Wenn der Herr es zulässt, hoffe ich, einige Zeit bei euch verbringen zu können.“ (1. Korinther 16,7)

„Wenn Gott es will, dann wollen wir lieber Schritte nach vorn tun.“ (Hebräer 6,3)

Der allwissende Gott hat den Überblick, was am klügsten ist, und es kann sein, dass er unseren Schlussfolgerungen widerspricht. Seine Gedanken können unsere übertreffen, ebenso wie seine Interessen unsere aushebeln können. Danach sollten wir uns sogar sehnen und stets offen dafür sein.

Wir sollten immer die Ermahnungen im Gedächtnis haben, die Jakobus uns mit auf den Weg gibt:

„Nun zu euch, die mit großen Worten ankündigen: ,Heute oder morgen wollen wir in diese oder jene Stadt reisen. Wir wollen dort ein Jahr bleiben, gute Geschäfte machen und viel Geld verdienen.‘ Ihr wisst ja noch nicht einmal, was morgen sein wird! Was ist denn schon euer Leben? Nichts als ein flüchtiger Hauch, der – kaum ist er da – auch schon wieder verschwindet. Darum sollt ihr lieber sagen: ,Wenn der Herr will, werden wir dann noch leben und wollen dieses oder jenes tun‘“ (Jakobus 4,13–15).

Dass wir in dem Wissen, Gottes vierfachen Willen zu erfüllen, eine entspannte Haltung zu unseren Entscheidungen einnehmen können, bedeutet nicht, dass wir alle Vorsicht fahren lassen dürfen. Wir sollten nicht so tun, als habe Gott sein Recht aufgegeben, unsere festgezurrten Pläne doch noch einmal über den Haufen zu werfen. Deshalb sollten wir immer wieder die Worte benutzen: „Wenn der Herr will, …“. Es wäre zu naiv anzunehmen, wir besäßen uneingeschränkte Freiheit, die eigenen Schritte zu lenken. Uns wurde eine relative Freiheit zugesprochen, die auf Gottes liebevoller Erlaubnis beruht. Doch Gott bleibt unser Herr. Er gibt diese Position weder auf noch hat er sein Recht darauf verwirkt.

Es ist wichtig, dass wir dieses Geheimnis zwischen unserer Autonomie und Gottes Autorität, zwischen Vorrecht und Vorherbestimmung, erkennen. Beide sind real. Gottes lenkende Gegenwart ist mit unserem Handeln unauflöslich verbunden. Dieses Konzept spiegelt sich im Buch der Sprüche wider: „Der Mensch plant seinen Weg, aber der Herr lenkt seine Schritte“ (Sprüche 16,9). In diesem Sinne warnt uns auch der Prophet Jeremia: „Herr, ich habe erkannt: Das Leben eines Menschen liegt nicht in seiner Hand. Niemand kann seine Schritte nach eigenem Plan lenken“ (Jeremia 10,23).

Reicht es, wenn Sie den universalen Willen Gottes tun?

Was geschieht, wenn wir – aus den unterschiedlichsten Gründen – menschlich gesehen nur wenige gute Optionen haben? Zum Beispiel, wenn wir seit dreißig Jahren in einem Beruf arbeiten, der uns nicht gefällt, wir aber keinen gangbaren Ausweg finden, weil wir auf die Rentenversicherungsleistungen angewiesen sind, die er uns einbringt. Außerdem sind wir zu alt, um etwas anderes zu beginnen; niemand würde uns nehmen, selbst wenn wir bereit wären, noch einmal von vorn zu beginnen.

Auch hier wirkt die „Kraft“ des vierfachen Willens. Wenn wir uns nämlich daran halten, können wir eine tiefe und bleibende Freude darin finden, dass wir durch unseren Gehorsam Gott Freude bereiten. Das ist das größte Geheimnis: das Wissen, dass wir unser Glück finden, weil wir Gott im Herzen berühren, indem wir seinen Willen tun. Jesus hat dies mit einem Ausruf ausgedrückt: „Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk“ (Johannes 4,34). Wir können Zufriedenheit und Kraft empfangen, wenn wir uns von Gottes vierfachem Willen „nähren“. Wie das geht, werde ich im weiteren Verlauf dieses Buches aufzeigen. Wenn uns die Gesellschaft oder unser Gesundheitszustand aller Optionen beraubt, bleiben uns immer noch vier Optionen übrig.

Ein wunderbares Beispiel dafür, welche einzigartigen Pläne Gott für eine Frau mit begrenzten Möglichkeiten hatte, war die Tochter von William Booth, dem Gründer der Heilsarmee. Booth und seine Frau hatten mehrere Kinder, die alle schließlich wichtige Posten in der Führung der Heilsarmee besetzten. Nur ihre Tochter Marian nicht, die als Kind an Pocken erkrankt war und davon eine Teilbehinderung davongetragen hatte. Marian war eine introvertierte Frau, die in der Zentrale der Organisation ihre Arbeit verrichtete und niemals heiratete. Als eine Freundin einmal zu ihr sagte: „Marian, es ist eine Tragödie, dass eine Frau mit so vielen Fähigkeiten wie du durch eine Krankheit davon abgehalten wird, das Werk des Herrn zu verrichten“, erwiderte Marian: „Es mag wunderbar sein, das Werk des Herrn zu tun, aber noch großartiger ist es, seinen Willen zu tun!“2

Marian hatte verstanden, was viele Menschen nie begreifen: Es freut Gott, wenn wir seinen Willen tun. Ich finde es faszinierend, dass es Gott tatsächlich Freude bereitet, wenn wir uns nach seinem Willen richten. So wird es in der Bibel berichtet.

Unabhängig von dem Willen, den Gott für Marian Booth ganz persönlich hatte, fand sie ihre Genugtuung darin, Gott Freude zu bereiten, obwohl sich ihr Leben nicht so entfaltete, wie sie es sich unter normalen Umständen sicherlich gewünscht hätte. Doch angesichts ihrer körperlichen Einschränkungen war es für sie wunderbar, dass sie den Willen Gottes erfüllen konnte.

Was ist, wenn der spezifische Wille Gottes für unser Leben schwere Zeiten mit sich bringt?

An diesem Punkt stellt sich eine Frage: Würden wir Gottes Willen auch dann noch tun wollen, wenn Gott uns zu etwas auffordern würde, was uns gar nicht behagt? Nehmen wir an, wir führen ein wunderschönes Leben und dann offenbart Gott uns, welchen spezifischen Willen er für uns hat und dass dazu auch ziemlich harte Zeiten gehören werden – was dann?

Die Herausforderung, darüber nachzudenken, kam durch eine Frage, die mir jemand stellte: „Emerson, willst du Gottes Willen in deinem Leben erfahren? Möchtest du, dass Gott in deinem Leben Großes tut? Möchtest du, dass Gott dein Leben segnet?“ Ich sagte: „Ja, natürlich.“

Daraufhin sagte diese Person zu mir: „Lass mich dir eine andere Frage stellen: Wenn Jesus dir erscheinen und dir auftragen würde, etwas zu tun, was du absolut nicht tun willst, würdest du es trotzdem tun?“ Bevor ich antwortete, ergänzte er: „Du kannst auf diese Frage nicht mit: ‚Ich weiß es nicht‘ antworten. Denn wenn Gottes Sohn, der Retter der Welt, der Herr aller Herren und König aller Könige von dir etwas fordert, was du nicht tun möchtest, und du würdest antworten: ‚Ich weiß nicht‘, wäre das wie ein Nein. Es gibt also nur zwei mögliche Antworten auf diese Frage: Ja oder Nein.“

Ich wollte „Ja“ antworten, und ich vermute, Ihnen ginge es ebenso.

Über die Jahre habe ich viele Menschen seelsorgerlich begleitet. Häufig stellte ich ihnen diese Frage: „Wenn Jesus erschiene und Sie bäte, etwas zu tun, was Sie nicht wollen, würden Sie es trotzdem tun?“ Obwohl diese Menschen ausdrücklich um Rat gefragt hatten, wie sie Gottes Willen erkennen könnten, antworteten zu meiner Überraschung trotzdem einige mit „Nein!“.

Ich erinnere mich an einen Typen, der meinte: „Nun, wenn Sie es so formulieren: Nein, das würde ich nicht. Warum sollte ich auch? Welcher vernünftig denkende Mensch würde so etwas machen?“

Ich fuhr fort: „Ich bewundere Ihre Ehrlichkeit. Aber lassen Sie mich klären, ob ich Sie richtig verstanden habe. Sie kamen heute hierher, weil Sie Gottes Wegweisung für dieses konkrete Anliegen suchen. Richtig? Nun habe ich Sie gerade gefragt, was Sie Jesus Christus antworten würden, wenn er Sie bitten würde, etwas zu tun, was Sie nicht wollen. Und Sie sagten, Sie würden diese Bitte ablehnen.“

„Genau, ich würde Nein sagen.“

„Verzeihen Sie mir, falls ich falschliege“, fuhr ich fort, „aber mir scheint, Sie wollen nicht wirklich Gottes Willen hören. Sie möchten, dass Gott Ihren Willen tut. Und Sie möchten sogar, dass ich Ihnen bestätige, dass diese Wünsche berechtigt sind. Kann es sein, dass Sie gerade eines der bekanntesten Gebete Jesu verdrehen? Jesus hat gebetet: ‚Nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen‘ (Matthäus 26,39). Sie dagegen beten: ‚Nicht was du willst, sondern was ich will, soll geschehen.‘ Wenn ich Ihnen heute mitteile, was die Bibel über den Willen Gottes in der Angelegenheit, die Sie beschäftigt, sagt“, so fügte ich hinzu, „und wenn diese biblische Wahrheit nicht mit Ihren persönlichen Wünschen vereinbar ist, so kann ich doch davon ausgehen, dass Sie – angesichts dessen, was Sie gerade gesagt haben – Gottes Willen nicht Folge leisten würden, oder irre ich mich?“

Auf diese Frage folgt zumeist Schweigen, und so war es auch bei diesem Herrn. Die Menschen geben es nicht gerne zu, aber wenn ich sie mit ihren eigenen Worten konfrontiere, erkennen sie, dass meine Fragen eine Diskrepanz aufdecken, die zwischen ihren Wünschen und ihrer Bereitschaft, Gottes Willen zu folgen, besteht.

Was geht hier vor sich? Diese Leute haben eine verborgene und vermutlich selbstsüchtige Agenda, die (möglicherweise unbewusst) darauf aus ist, Gott zu manipulieren. Sie erwarten von mir, dass ich ihnen sage, Gott befürworte ihre Wünsche. Falls ich ihnen etwas sagen sollte, was sie nicht hören wollen, werden sie einfach zu einem anderen gehen, der ihnen den seelsorgerlichen Rat gibt, der sich mit ihren persönlichen Wünschen deckt.

Wie oft wenden wir selbst diese Taktik an? Vor Jahren kam eine junge Christin zu mir in die Seelsorge. Sie hatte vor, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen, und bat mich, sie durch die Scheidungsphase zu begleiten. Es war offensichtlich, dass ich weitere Informationen über die Situation brauchte. Daher fragte ich: „Hat Ihr Mann Ehebruch begangen, hat er Sie verlassen, Sie geschlagen oder Ihrem Ruf geschadet?“ „Nein“, antwortete sie sichtbar irritiert.

„Will Ihr Mann mit Ihnen zusammenleben und die Ehe mit Ihnen fortführen?“, erkundigte ich mich. „Ja“, rief sie, „aber warum stellen Sie mir all diese Fragen?“ Ich erklärte ihr: „Sie haben keinen biblischen Grund für eine Scheidung, und Sie besitzen noch nicht einmal einen gesellschaftlichen Grund, sich von ihm zu trennen. Ich möchte herausfinden, welche Beweggründe Sie haben.“

Aufgebracht sagte sie: „Schauen Sie, Gott möchte, dass ich glücklich bin. Und ich bin in dieser Ehe nicht glücklich. Ich will nicht mit diesem Mann verheiratet sein. Ich möchte meine Freiheit zurück.“

Von ihrer freimütigen Antwort überrascht, erwiderte ich: „Nun, ich muss Ihnen mitteilen, dass Sie in Gottes Augen mit diesem Mann verheiratet sind, bis der Tod Sie beide scheidet. Gott billigt nicht, dass Sie sich von ihm scheiden lassen.“

Wie hat sie reagiert? Wie reagieren so viele von uns, wenn der Wille Gottes klar und unmissverständlich weitergegeben wurde? Sie sagte: „Na schön, dann gehe ich eben zu einem Pfarrer, der mir sagt, was ich hören will.“

Tun wir so etwas nicht alle hin und wieder, wenn wir in unserer Gottesbeziehung auf einen Grundsatz treffen, der uns nicht passt? Versuchen wir nicht, irgendein Buch, einen Freund, einen Theologen oder eine Philosophie zu finden, die uns das bestätigen, was wir hören wollen? Diese Frau suchte keinen seelsorgerlichen Rat, sie suchte einen Unterstützer für ihr Vorhaben. Passt das nicht zu der Beschreibung dessen, was laut Paulus in den letzten Tagen geschehen wird: „Denn es wird eine Zeit kommen, in der die Menschen von der gesunden Lehre nichts mehr wissen wollen. Sie werden sich nach ihrem eigenen Geschmack Lehrer aussuchen, die ihnen nur nach dem Munde reden“ (2. Timotheus 4,3)?

Spiegeln nicht manche unserer Gebete dieselbe Taktik wider? Wenn wir wirklich wissen wollen, was Gottes spezifischer Wille für unser Leben ist, müssen wir ganz einfach anfangen, ihm unsere eigenen Pläne auszuliefern und ihm zuzuhören – das gilt umso mehr, wenn wir eigentlich wissen, dass unsere Pläne den Lehren der Bibel widersprechen. Wir können uns dem Thron Gottes mit unseren Anliegen nicht nähern, wenn es uns nur darum geht, dass Gott unsere Agenda „absegnet“. So funktioniert das bei Gott nicht. Darum möchte ich Sie fragen: Wenn Jesus Christus zu Ihnen kommen und Sie auffordern würde, etwas zu tun, was Sie nicht wollen, würden Sie zustimmen oder nicht?

Wir, Sie und ich, möchten vielleicht zustimmen, aber wie können wir wissen, ob wir tatsächlich Ja sagen würden? Im 1. Johannesbrief finden wir einen Anhaltspunkt: „Kann uns also unser Gewissen nicht mehr verurteilen, meine Lieben, dann dürfen wir voller Freude und Zuversicht zu Gott kommen. Er wird uns geben, worum wir ihn bitten; denn wir richten uns nach seinen Geboten und leben, wie es ihm gefällt“ (1. Johannes 3,21–22).

Der entscheidende Satz lautet: „Denn wir richten uns nach seinen Geboten.“ Nur wenn wir das tun – und der vierfache Wille Gottes ist Teil dieser universellen Gebote –, werden wir spezifische Antworten von Gott erhalten. Darum setze ich mich so dafür ein, dass wir mit diesen vier Geboten anfangen; denn sonst könnten wir uns leicht von der Summe aller Gebote Gottes überfordert fühlen.

Wie können wir sicher sein, dass unser Gehorsam gegenüber seinen Geboten eine notwendige Vorbedingung dafür ist, dass er auf unsere spezifischen Anliegen antwortet? Lassen Sie mich mit einer Gegenfrage antworten: Würde Gott Ihnen wohl seinen spezifischen Willen offenbaren, wenn Sie weder die Absicht hätten, diesem spezifischen Willen Folge zu leisten, noch seinen universalen Willen zu achten? Wir wissen zwar nicht, was Gott denkt, aber es erscheint doch nicht sehr wahrscheinlich. Was tut also der Mensch, auf den sich die Sätze aus dem 1. Johannesbrief beziehen: Er richtet sich nach Gottes Geboten.

Gottes Gebote zu achten, ist der Schlüssel, wenn wir mit unseren Anliegen vor Gott kommen und von ihm etwas empfangen wollen. Die gute Nachricht ist: Wenn Sie bereits zu Gottes universalem Willen Ja sagen, dann werden Sie auch zu Gottes spezifischem Willen Ja sagen, egal was er beinhaltet. Aber wenn Sie Gottes universalem Willen gegenüber misstrauisch sind und ihn missachten, dann ist es merkwürdig, wenn Sie nach Gottes spezifischem Willen für Ihr Leben fragen.

Sie fragen jetzt vielleicht: „Wie kann ich denn wissen, ob ich Gottes spezifischem Willen Folge leisten würde, wenn er etwas von mir fordern würde, was mir total gegen den Strich geht? Könnte ich denn zu Gott auch Nein sagen?“ Wenn Sie zu Gottes universalem Willen Ja sagen, obwohl dazu Dinge gehören, die Ihnen nicht immer gefallen, dann werden Sie auch Ja zu Gottes spezifischem Willen sagen können – selbst wenn dazu Dinge gehören, die Ihnen nicht behagen.

Unterm Strich gilt: Wenn Sie den universalen Willen Gottes tun, werden Sie vermutlich auch kein Problem damit haben, seinen spezifischen Willen zu erfüllen. Wenn Sie also in einer konkreten Frage, wie dem Beruf, einem Umzug, Beziehungen oder einem möglichen Ehepartner, Gottes spezifischen Willen erfahren möchten, dann fragen Sie sich zuerst, ob Sie bei der Befolgung seiner grundlegenden Gebote mit Gott im Reinen sind. In vier Bibelstellen heißt es ausdrücklich: „Das ist der Wille Gottes.“ Und wenn Sie diese vier Aussagen nicht ignorieren, dann dürfen Sie mit Zuversicht wissen, dass Sie wahrhaftig Gottes Willen für Ihr Leben tun wollen und ihn auch tun werden, selbst wenn es hart werden sollte.


Sind Sie bereit, tiefer in den vierfachen Willen Gottes einzutauchen, darüber zu reden, was uns diese vier Willensäußerungen abverlangen und wie sie mit dem spezifischen Willen Gottes für Ihr Leben zusammenhängen? In den vor uns liegenden Kapiteln werden wir viel Zeit damit verbringen zu erfahren, was es bedeutet: (1) an Jesus Christus zu glauben, (2) in allen Dingen Dank zu sagen, (3) sich zu verpflichten, das Gute zu tun, und (4) sich von sexuellen Verfehlungen fernzuhalten.

Beginnen Sie mit der Willensäußerung, die Sie am meisten bewegt

Schätzen Sie sich selbst ein. Welche der vier Willensäußerung ist für Sie am schwierigsten zu befolgen? Womit hadern Sie am meisten? Was ist momentan Ihr Thema? Wählen Sie die Willensäußerung, die für Sie die größte Herausforderung darstellt. Dann könnten Sie sich zuerst den beiden Kapiteln zuwenden, die sich mit diesem Themenbereich befassen. Auch wenn wir jede der vier Willensäußerungen Gottes befolgen müssen, kann es gut sein, dass Gott einen dieser Bereiche Ihres Lebens augenblicklich in besonderer Weise ansprechen möchte. Nehmen Sie sich deshalb die Freiheit, die folgenden Kapitel in jeder von Ihnen gewünschten Reihenfolge zu lesen.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie es um Ihren Glauben an Jesus Christus steht oder wie gelebter Glaube an ihn aussehen sollte, dann beginnen Sie doch bitte mit den Kapiteln 3 und 4. An Jesus Christus zu glauben, ist zentral für die Erfüllung der anderen drei Willensäußerungen. Vergewissern Sie sich, dass Sie verstanden haben, was Jesus meinte, als er sagte: „Denn das ist der Wille meines Vaters“ (Johannes 6,40).

Wenn Sie sich Ihrer Beziehung zu Christus sicher sind und die Gewissheit haben, wer Sie in Christus sind, dann möchten Sie vielleicht eher mit einem der anderen Kapitel beginnen. Jedes befasst sich mit Aspekten unseres Lebens, die unsere Fähigkeit, Gottes spezifischen Willen für uns persönlich zu erkennen, beeinträchtigen können.

In den Kapiteln 5 und 6 geht es um unsere innere Einstellung. Sind Sie von Dankbarkeit für Ihr Leben erfüllt oder empfinden Sie viel zu oft Wut, Sorgen oder Ängste? Diese Kapitel, in denen es um die Dankbarkeit Gott gegenüber geht, offenbaren Herzenshaltungen und gedankliche Überzeugungen, die Gott eine Tür öffnen können, damit er Sie in seinen spezifischen Willen für Ihr Leben hineinführen kann.

In den Kapiteln 7 und 8 geht es um unsere Beziehung zu Autoritätspersonen. Wie beeinflusst Ihre Reaktion auf Ihre „Chefs“ Ihre Fähigkeit, Gottes spezifischen Plan für Ihr Leben zu erkennen? Oder wie verhalten Sie sich, wenn Sie wissen, was in einer bestimmten Situation richtig wäre, es aber leichter scheint, sich dem zu beugen, was falsch ist?

In den Kapiteln 9 und 10 geht es um unseren Körper. Sind Sie bereit, sich mit Gottes Sicht auf unsere Sexualität auseinanderzusetzen? In diesen Kapiteln wird es darum gehen, inwieweit die Reinheit unserer Gedanken und unseres Körpers unsere Fähigkeit beeinflusst, Gottes Absichten für unser Leben zu erkennen.

Egal wo Sie zu lesen beginnen – wenn Sie sich auf das Abenteuer des Glaubens einlassen wollen, werden diese vier Willensäußerungen Sie befähigen, Gottes spezifischen Willen für Ihr Leben zu erkennen.

Kapitel 3

Gottes Wille ist, dass wir an Jesus Christus glauben
„Denn das ist der Wille meines Vaters … “

Die erste Willensäußerung, der wir uns zuwenden sollten – und welche den anderen dreien vorangestellt ist –, hat Jesus selbst formuliert. Im Johannesevangelium erklärt er uns die zentrale Botschaft des christlichen Glaubens: „Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage“ (Johannes 6,40).

Gibt es eine andere Aussage, die so großartig und voller Hoffnung und Faszination ist? Denken Sie mal darüber nach. Jesus sagt uns, dass Gott, sein Vater, will, dass wir ihn kennen, und dass er, Jesus, uns ewiges Leben geben wird!

Ewiges Leben – das ist Gottes Wille, und wir können es empfangen, wenn wir an den Sohn Gottes glauben!

Glauben Sie das? Es gibt keine andere Frage, die größere Macht hat, über Ihr weiteres Schicksal zu bestimmen, als diese.

Wenn Sie Gottes Willen erkennen wollen, müssen Sie zuerst Gott kennenlernen. Gott kennenzulernen, beginnt nach der Aussage von Johannes 6,40 damit zu glauben, dass Jesus der einzige und einmalige Sohn Gottes ist. Die Gewissheit und Ausschließlichkeit dieser Behauptung brachte die jüdisch-hebräische Welt des ersten Jahrhunderts ins Wanken. Und das tut sie bis heute.

Während die Juden Christus zunächst als Betrüger und Gotteslästerer beschimpften, haben sich die Gründe, die Botschaft von Christus abzulehnen, über die Jahrhunderte vervielfacht. Der Blick auf wissenschaftliche Entdeckungen, philosophische Betrachtungen, die Psychologie und auf Ansprüche anderer globaler Religionen hat zu einem Angriff auf die Authentizität und Ausschließlichkeit des Christentums wie auch auf religiöse Überzeugungen im Allgemeinen geführt. Seien es Atheisten, Agnostiker, Existenzialisten, moralische Relativisten oder Anhänger anderer Religionen – die Anschuldigungen gegen den christlichen Glauben laufen letztlich auf eine der folgenden Behauptungen hinaus:

 Es gibt keinen Gott.

 Wir können nicht wissen, woran wir glauben sollen, und es gibt auch keinen richtigen Weg, wie man zu glauben hat.

 Wir wissen nur eines, nämlich, dass wir nichts mit Sicherheit wissen können.

 Alle Religionen sind Wege, die zu Gott führen.

 Gott ist eine psychologische Krücke, die von Menschen erdacht wurde, um ihre Bedürfnisse zu stillen.

 Jesus ist weder der Sohn Gottes noch der Retter noch der Herr.

Ich werde auf diese Einwände eingehen, indem ich Jesus zitiere, der mir – und hoffentlich auch Ihnen – im Blick auf jeden dieser Einwände Ruhe verschafft. „Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.“

Nach Jesu Aussage gibt es den Vater.

Nach Jesu Aussage können wir erkennen, woran wir glauben sollen, und gibt es einen richtigen Weg zu glauben.

Nach Jesu Aussage können wir gewiss sein, dass es der Wille seines Vaters ist, an ihn zu glauben.

Nach Jesu Aussage ist der Glaube an ihn der Weg zum ewigen Leben.

Nach Jesu Aussage ist es weder ein Trick noch eine Krücke, an ihn zu glauben.

Nach Jesu Aussage ist er der Sohn Gottes, dem die Macht gegeben wurde, die Toten auferstehen zu lassen.

In diesem Kapitel werden wir die Feststellungen Christi erkunden, die uns in eine persönliche Gottesbeziehung hineinführen. Nach Jesu Ansicht gibt es ausreichende Gründe und Belege dafür, dass wir ihm vertrauen sollten. Wenn einer unser Vertrauen verdient hat, dann Jesus Christus. Er war und ist der vollkommene Gentleman. Lassen Sie uns seinen Worten vertrauen.

Denjenigen unter Ihnen, die sich fragen, was Sie über Jesus Christus denken sollen, werden die Verse, die unten folgen, erklären, welches Geschenk Gott uns durch seinen Sohn Jesus macht: das Geschenk neuen Lebens. Meine Frage an Sie beim Lesen dieser Wahrheiten lautet: Werden Sie sich entschließen, diesen Wahrheiten zu glauben?

Wenn Sie Jesus bereits als Ihren persönlichen Retter kennengelernt haben, stellen die Wahrheiten dieses Kapitels die Grundlage Ihres Glaubens dar. Beim Lesen und erneuten Betrachten können Sie sich fragen: Stehe ich mit voller Überzeugung zu dem, was ich als meinen Glauben bekenne? Habe ich die Kraft dieser Zusagen zum Ausgangspunkt all meiner Entscheidungen werden lassen?

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