Kitabı oku: «Жизнь взаймы / Der Himmel kennt keine Günstlinge», sayfa 12
Verwirrt stand sie auf.
»Ich fahre nicht für lange«, sagte sie schnell.
»Nur für kurze Zeit. Ich komme wieder.«
»Jeder kommt wieder«, sagte Richter beruhigt. »Jeder.«
»Soll ich Ihren Zug für Regnier mitnehmen?«
»Zwecklos. Er ist so gut wie matt. Sagen Sie ihm, wir müßten ein neues Spiel anfangen.«
Die Unruhe verließ sie nicht. Nachmittags gelang es ihr, eine junge
Assistenzschwester im Operationsraum zu überreden, ihr die letzten Röntgenaufnahmen zu zeigen. Die Schwester glaubte, Lillian verstände nichts davon, und brachte ihr die Filme.
»Hier ist das Kleid. Sie können es jetzt mitnehmen.«
Die Schwester errötete. »Das gelbe Kleid? Haben Sie das wirklich so gemeint?«
»Warum nicht? Es paßt mir nicht mehr. Ich bin zu dünn dafür geworden.«
Die Schwester nahm das Kleid. »Ich glaube, es paßt sogar«, flüsterte sie und sah in den Spiegel. »Ich lasse es noch ein paar Minuten hier. Die Aufnahmen auch. Dann hole ich alles ab. Ich muß noch zu Nummer sechsundzwanzig. Sie ist abgereist.«
»Abgereist?«
»Ja. Vor einer Stunde.«
»Wer ist Nummer sechsundzwanzig?«
»Die kleine Südamerikanerin aus Bogotá.«
»Die mit den drei Verwandten? Manuela?«
»Ja. Es kam rasch; aber es war zu erwarten.«
»Sie ist nicht abgereist, sie ist tot, gestorben, nicht mehr da!«
»Ja, natürlich«, erwiderte die Schwester.
Lillian konnte die Filme nicht wirklich lesen. Der Dalai Lama hatte ihr nur öfter die Schatten und Verfärbungen gezeigt, auf die es ankam.
Es schien ihr, daß die Flecken größer geworden seien.
Die junge Schwester war wieder hereingekommen. »Ich habe in den letzten zwei Monaten drei Pfund verloren.«
»Sie haben doch kürzlich ein halbes Pfund zugenommen.«
»Das habe ich schon wieder abgenommen.«
»Sie sind zu unruhig. Und Sie müssen mehr essen.«
Lillian dreht sich rasch um. »Warum behandelt ihr uns immer wie Kinder?« sagte sie. »Denkt ihr wirklich, wir glauben alles, was ihr uns vorerzählt? Hier —« sie hielt der Schwester die Röntgenaufnahmen hin – »sehen Sie das an! Sie wissen, daß es nicht besser geworden ist!«
Lillian wartete ungeduldig darauf, daß die Schwester die Aufnahmen und das Kleid nehme und ginge.
»Die paar Pfunde holen Sie rasch auf«, sagte die Schwester. »Nur immer gut essen! Heute abend zum Beispiel! Da gibt es als Nachspeise herrlichen Schokoladenauflauf mit Vanillesauce.«
Es klopfte und Hollmann kam herein. »Clerfayt fährt morgen. Heute nacht ist Vollmond. Das übliche Fest oben auf der Bergerhütte. Wollen wir noch einmal ausreißen und mit ihm hinauffahren?«
»Sie auch?«
»Ja. Zum letztenmal.«
»Manuela ist gestorben.«
»Ich habe es gehört. Es ist eine Erleichterung für uns alle. Für ihre drei Verwandten sicher – und für Manuela wahrscheinlich auch.« »Sie reden wie Clerfayt«, sagte Lillian feindlich.
»Ich glaube, wir alle müssen mit der Zeit wie Clerfayt reden«, erwiderte Hollmann ruhig. »Er lebt von einem Rennen zum andern. Und die Chancen sind jedes Jahr mehr und mehr gegen ihn. Wollen wir heute abend mit ihm Zusammensein?«
»Ich weiß es nicht.Wann fährt er?«
»Morgen nachmittag. Er will aus den Bergen heraus sein, bevor es wieder schneit.«
»Fährt er allein?« fragte Lillian.
»Ja. Kommen Sie heute abend?«
Lillian antwortete nicht. Sie mußte nachdenken. Aber was war schon nachzudenken? Hatte sie das nicht seit Monaten getan? Es war nur noch etwas zu entscheiden.
»Ich hole Sie ab.« Hollmann lachte. »Von morgen an werde ich dann wieder der vorsichtigste Bewohner des Bella Vista sein. Heute feiern wir.«
»Was?«
»Irgendwas. Daß Vollmond ist. Daß Giuseppe gekommen ist. Daß wir noch leben. Abschied.«
»Daß wir morgen wieder ideale Patienten werden?«
»Auch das. Ich hole Sie ab. Es ist ein Kostümfest, Sie haben das nicht vergessen?«
»Nein.«
Die Berghütte lag hoch über dem Dorf, und einmal im Monat im Winter bei Vollmond wurde sie nachts offen gehalten für eine Skiabfahrt mit Fackeln.
Die Gäste kamen in Skianzügen oder Kostümen. Charles Ney und Hollmann trugen angeklebte Schnurrbarte, damit man sie nicht erkennen sollte. Charles Ney war im Abendanzug. Dolores Palmer trug ihr chinesisches Kleid; Lillian Dunkerque ihre hellblauen Hosen und eine kurze Pelzjacke.
Die Hütte war überfüllt, aber Clerfayt hatte einen Tisch am Fenster reserviert bekommen.
Lillian war sehr erregt. Im Kamin der Hütte brannte ein großes Feuer. Es gab heißen Punsch und Wein zu trinken. »Was möchten Sie?« fragte Clerfayt. »Wollen Sie Kognak? Ich schlage Glühwein vor.«
»Gut«, sagte Lillian. »Glühwein.«
Der Kellner brachte die Gläser. »Wann fahren Sie morgen?« fragte Lillian.
»Vor dem Dunkelwerden.«
»Wohin?«
»Nach Paris. Fahren Sie mit?« »Ja«, erwiderte Lillian.
Clerfayt lachte; er glaubte ihr nicht. »Gut«, sagte er. »Sie können aber nicht viel Gepäck mitnehmen. Giuseppe ist nicht dafür eingerichtet.«
»Ich brauche nicht viel. Den Rest kann ich nachschicken lassen. Wo machen wir zuerst Station?«
»Wir fahren aus dem Schnee heraus, weil Sie ihn so hassen. Nicht sehr weit. Über die Berge ins Tessin. Zum Lago Maggiore. Dort ist es schon Frühling.«
»Und dann?«
»Nach Genf.«
»Und dann?«
Clerfayt betrachtete sie plötzlich aufmerksam. Er hatte alles bis jetzt für eine Spielerei gehalten; aber sie fragte zu eingehend für eine Spielerei.24
Auf der Terrasse wurde ein Feuerwerk abgebrannt.
»Um Gottes willen!« flüsterte Hollmann plötzlich. »Der Dalai
Lama!«
»Wo?«
»In der Tür. Er ist gerade gekommen.«
Der Professor stand tatsächlich bleich und kahlköpfig am Eingang. Er trug einen grauen Anzug.
»Er erkennt Sie nicht, Hollmann«, erklärte Dolores Palmer. »Mit Ihrem Schnurrbart.«
»Aber Sie! Und Lillian. Lillian besonders.«
»Wir können uns so setzen, daß er eure Gesichter nicht sehen kann«, sagte Charles Ney und stand auf. Dolores wechselte ihren Platz mit ihm, und Maria Savini nahm den Stuhl von Hollmann. Clerfayt lächelte amüsiert und sah zu Lillian hinüber, ob sie nicht mit ihm wechseln wolle. Sie schüttelte den Kopf.
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