Kitabı oku: «Zwischen Gartenbau und Gartenkunst: Gärtner und Gartengestalter in Wien und Umgebung 1918–1945»
Erika Karner
Zwischen Gartenbau und Gartenkunst:
Gärtner und Gartengestalter in Wien und Umgebung
1918–1945
Erika Karner
Zwischen Gartenbau und Gartenkunst: Gärtner und Gartengestalter in Wien und Umgebung
1918–1945
Die Standesgeschichte im Wechsel der politischen Systeme

Danksagung
Ich bedanke mich an dieser Stelle sehr herzlich bei Eva Berger und Hermann Reining (†), die Wesentliches zum Zustandekommen der Arbeit beigetragen haben.
Weiters gilt mein Dank den Interviewpartnern und Auskunftspersonen: Anna Klingsberg, Fritz Weigl, Karl-Heinz Walzer, Herbert Eipeldauer, Christl Martschitsch, Michaela Raggam-Blesch, Heidi Michel und Ralph Gälzer (†) sowie allen Mitarbeitern in den Archiven und Bibliotheken, die mich bei dieser Arbeit unterstützt haben – stellvertretend seien Rudolf Jerabek (Österreichisches Staatsarchiv), Claudia Gröschel (Österreichische Gartenbau-Gesellschaft), Susanne Uslu-Pauer (Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien) und Brigitte Riegele (Wiener Stadt und Landesarchiv) erwähnt.
Das Lektorat hat freundlicherweise Sabine Schmidt übernommen.
Inhalt
Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
Prolog
1 Einleitung: Zielsetzung und Abgrenzung
1.1 Die Forschungsfrage
1.2 Abgrenzung zu anderen Forschungsbereichen
1.3 Forschungsstand im Überblick
1.4 Quellen
1.5 Vorgehen
2 Politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen 1918–1945
2.1 Habsburger-Monarchie und Erster Weltkrieg
2.1.1 Die Stellung des Gartenbaus vor und während des Ersten Weltkrieges
2.1.2 Förderung der Gärtner durch den Adel
2.2 Erste Republik 1918–1933
2.2.1 Wirtschaftliche Situation
2.2.2 „Rotes Wien“ versus „schwarze“ Bundesländer
2.2.3 Sozialgesetzgebung
2.2.4 Arbeitslosigkeit
2.3 Austrofaschismus 1933–1938
2.3.1 „Berufsständische Ordnung“
2.3.2 Austrofaschismus in Wien
2.3.3 Landschaftsgärtner und Gartengestalter und der „Freiwillige Arbeitsdienst“
2.3.4 Exkurs: Gärtnerische Verflechtungen
2.4 Drittes Reich 1938–1945
2.4.1 Nationalsozialismus in Wien
2.4.2 Parteimitgliedschaft in der NSDAP
2.4.3 Widerstand, Vertreibung, Ermordung
2.4.4 Auswirkungen des „Anschlusses“ auf die jüdische Bevölkerung
2.5 Nachkriegszeit
2.5.1 „Entnazifizierung“
2.5.2 Restitution
2.6 Zusammenfassung
3 Gärtnerische Verbände und Berufsorganisationen in Wien
3.1 Die geplante Gartenbaukammer
3.2 Gesetzliche Berufsorganisationen für selbstständige Gärtner
3.2.1 Gewerberecht – Gewerbegenossenschaften
3.2.2 Genossenschaft der Gärtner von Wien und Umgebung
3.2.3 Exkurs „Gewerbebundgesetz“
3.2.4 Die Innung der Gärtner und Naturblumenbinder
3.2.5 Exkurs: Jüdische Gärtnereien
3.2.6 Bundesverband der Erwerbsgärtner Österreichs
3.2.7 Reichsnährstand / Reichskammer der bildenden Künste
3.3 Unternehmerverbände – freiwillige Interessensvertretungen
3.3.1 Der Wirtschaftsverband der landschaftsgärtnerischen Betriebe Österreichs
3.3.2 Vereinigung österreichischer Gartenarchitekten (V.Oe.G.A.)
3.4 Gesetzliche und freiwillige Berufsorganisationen für Gärtnereiarbeiter
3.4.1 Die Gehilfenversammlung der Genossenschaft der Gärtner von Wien und Umgebung
3.4.2 Gewerkschaft und Gartenbau
3.5 Sonstige Vereine
3.5.1 Verein der Gärtnerinnen Österreichs
3.5.2 Gruppe Deutsch-Österreich der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst
3.5.3 Österreichische Gartenbau-Gesellschaft (ÖGG)
3.5.4 Absolventenverbände
3.6 Zusammenfassung
4 Brennende Berufsfragen
4.1 Die Zugehörigkeitsfrage: Landwirtschaft oder Gewerbe?
4.1.1 Landwirtschaft oder Gewerbe 1920–1933
4.1.2 Gewerbeordnungsnovelle 1934
4.1.3 Verbleibende Schwierigkeiten nach der Gewerberechtsnovelle
4.1.4 „Schmutzkonkurrenz“ und „Pfuschertum“ im Gartenbau
4.2 Die Titelfrage: Welche Berufsbezeichnung für wen?
4.2.1 Die Titelfrage beschäftigt die Gartenbau-Gesellschaft
4.2.2 Die ungelöste Titelfrage bis 1938
4.2.3 Neue Aufgabenfelder für Gartenarchitekten
4.3 Gehilfen- und Lehrlingsfrage
4.3.1 Küchengärtner, Lustgärtner, Privatgärtner, Villengärtner, Handelsgärtner und deren Rechte
4.3.2 Arbeitssituation von Gehilfen in gewerblichen Gärtnereien
4.3.3 Kollektivverträge
4.3.4 Lehrlingswesen
4.3.5 Lehrlinge im Gartenbau
4.4 Die Frauenfrage
4.4.1 Mögliche Arbeitsstätten für Gärtnerinnen
4.4.2 Weibliche Lehrlinge und Gehilfen
4.5 Zusammenfassung
5 Schulische Ausbildung für Gärtner
5.1 Fachliche Fortbildungsschulen für Gärtnerlehrlinge
5.1.1 Fachliche Fortbildungsschulen für Gärtnerlehrlinge in Wien – ÖGG
5.1.2 Die fachliche Fortbildungsschule für Gärtnerlehrlinge in Wien – Fortbildungsschulrat Wien
5.2 Niedere Schulen
5.2.1 Die Gartenbauschule der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft (Gehilfenschule)
5.2.2 Gartenbauschule „Elisabethinum“ – Mödling
5.2.3 Die Fachlehranstalt für Garten- und Obstbau in Wien-Kagran
5.2.4 Die Gartenbauschule der Salesianer Don Boscos in Wien
5.2.5 Gartenbauschule zur Fürsorge für Gehörlose und Hörlose
5.3 Mittlere Schulen
5.3.1 Höhere Obst- und Gartenbauschule in Eisgrub / Lednice
5.3.2 Die Höhere Gartenbauschule der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft
5.3.3 Die Höhere Bundeslehranstalt und Bundesversuchsstation für Wein-, Obst- und Gartenbau in Klosterneuburg
5.3.4 Die Bundeslehr- und Versuchsanstalt für den Gartenbau Hetzendorf-Schönbrunn
5.4 Hochschulen/Universitäten
5.5 Gartenbauschulen für Frauen
5.5.1 Höhere Gartenbauschule für Frauen
5.5.2 Döblinger Gartenbauschule
5.5.3 Hortensium – Wiener Gartenbauschule für Knaben und Mädchen
5.5.4 Die Höhere Gartenbauschule für Frauen des Vereines für praktische Frauenbildung in Esslingen bei Wien
5.6 Zusammenfassung
6 Ausgewählte Personen und Betriebe
6.1 Frauen im Gartenbau
6.1.1 Yella Hertzka
6.1.2 Paula von Mirtow
6.1.3 Grete Salzer
6.1.4 Hanny Strauss
6.1.5 Helene Wolf
6.2 Gartenarchitekten
6.2.1 Adalbert Camillo (A. C.) Baumgartner
6.2.2 Robert Benesch
6.2.3 Josef Calta
6.2.4 Wilhelm Debor
6.2.5 Anton Eipeldauer
6.2.6 Albert Esch
6.2.7 Otto Gälzer
6.2.8 Willi Hartwich und Willi Vietsch
6.2.9 Eduard Maria Ihm
6.2.10 Fritz (Friedrich) Kratochwjle (Kratochvyle)
6.2.11 Viktor Mödlhammer
6.2.12 Josef Stowasser
6.2.13 Otto Trenkler
6.2.14 Josef Oskar Wladar
6.2.15 Willy Wolf
6.3 Zusammenfassung
7 Abschließende Betrachtungen zu den Auswirkungen der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen auf den Gartenbau und die Gartenarchitekte
7.1 Auswirkungen des Zerfalls der k. u. k. Monarchie auf den Gartenbau
7.2 Auswirkungen der Politik des „Roten Wien“ auf Gärtner und Gartengestalter
7.3 Auswirkungen des Austrofaschismus auf die Berufsgruppe
7.4 Auswirkungen des „Dritten Reichs“ auf die Gärtner und Gartenarchitekten
7.5 Nachwirkungen
7.6 Zusammenfassung
8 Epilog
Literatur
Quellen
Personenregister
Anhang
Abbildungsverzeichnis
Die Quellenangaben zu den Abbildungen befinden sich in den dazugehörigen Fußnoten.
Abb. 1: Kurt Knapp. Foto aus der erkennungsdienstlichen Kartei der Gestapo Wien.
Abb. 2: Artikel über „Jüdische Umschichtung“.
Abb. 3: Johann Nespe, Gründer der Zeitschrift „Der Erwerbsgärtner“ und späterer Zunftmeister von Niederösterreich.
Abb. 4: Der Erwerbsgärtner und Blumenbinder. Titelblatt der Ausgabe vom 1. Februar 1936.
Abb. 5: Übersicht Gliederung des berufsständischen Gewerbebundes.
Abb. 6: Gliederung des Gewerbebundes in seine 47 Innungen – die Gärtnerinnung ist unter Nr. 30 dargestellt.
Abb. 7: Heinrich Schwarz, Innungsmeister der Gärtner- und Blumenbinderinnung.
Abb. 8: Anton Steinkellner, Zunftmeister von Wien.
Abb. 9: Michael Walla, Präsident des Bundesverbandes der Erwerbsgärtner und Obmann der Landesgartenbauvereinigung Wien.
Abb. 10: Protestaufruf des Gehilfenausschusses und der Gewerkschaft gegen die geplante Zuordnung der Gärtner zur Landwirtschaft.
Abb. 11: Allgemeine Österr. Gärtner-Zeitung – Zeitschrift des Gehilfenausschusses.
Abb. 12: Franz Wokroj.
Abb. 13: Beitrittsaufruf zur Gärtnersektion des Österreichischen Land- und Forstarbeiterverbandes.
Abb. 14: Inserat Stellenvermittlung für Gärtnerinnen 1926.
Abb. 15: Aufruf der Gehilfenversammlung 1932.
Abb. 16: Firmenlogo von Willi Vietsch nach 1938.
Abb. 17: Karikatur Josef Stowassers zur Lehrlingssituation.
Abb. 18: Plan der Gartenbauschule des Fortbildungsschulrates.
Abb. 19: Abschlusszeugnis der Gartenbaulichen Berufsschule aus dem Jahre 1943.
Abb. 20: Schülerinnen beim praktischen Unterricht.
Abb. 21: Gärtnerschule „Elisabethinum“ in Mödling um 1929.
Abb. 22: Eingang zur Fachlehranstalt für Garten- und Obstbau.
Abb. 23: Schüler des Jahrgangs 1934/35.
Abb. 24: Auszug aus dem Klassenbuch der 1. Klasse der Fachlehranstalt für Garten- und Obstbau, Schuljahr 1936/37.
Abb. 25: Schuldirektor Wilhelm Lauche.
Abb. 26: Arthur Bretschneider, Direktor von 1927 – 1938.
Abb. 27: Trigonometrische Übungen der Klosterneuburger Schüler.
Abb. 28: Inserat der Gartenbauschule Yella Hertzkas.
Abb. 29: Inserat der Döblinger Gartenbauschule.
Abb. 30: Prospekt der Gartenbauschule „Hortensium“.
Abb. 31: Höhere Frauenschule für Gartenbau und Haushalt auf Schloss Maria-Enzersdorf.
Abb. 32: Yella Hertzka.
Abb. 33: Inserat in der Gartenbauschule 1929.
Abb. 34: Modell des Gartens von Heinrich Gans, Wien. Entwurf Paula Fürth.
Abb. 35: Inserat der Gärtnerei und Gartenbauschule „Hortensium“.
Abb. 36: Katalog der Gärtnerei „Hortensium“ 1937/38.
Abb. 37: Hanny Strauss, aufgenommen ca. 1941.
Abb. 38: Weltausstellung 1937 – Gartengestaltung Hanny Strauss.
Abb. 39: Grabstein von Hanny Strauss.
Abb. 40: Lilly Edith Strauss.
Abb. 41: „Umschichtler“ der Gärtnerei Strauss 1938.
Abb. 42: Inserat der Gärtnerei „Helenium“ 1924.
Abb. 43: Umgestaltung des Privatgartens von Generaldirektor Heller. Entwurf Helenium.
Abb. 44: Inserat „Helenium“ unter der Leitung von Hermann Kujal 1942.
Abb. 45: Robert Benesch.
Abb. 46: Josef Calta.
Abb. 47: Wilhelm Debor.
Abb. 48: Betrieb Wilhelm Debor, Gersthofer Straße 141, ca. 1925.
Abb. 49: Anton Eipeldauer.
Abb. 50: Anton Eipeldauer mit Schülern der Fachlehranstalt für Garten- und Obstbau, aufgenommen vermutlich 1935.
Abb. 51: Albert Esch.
Abb. 52: Ein größerer Auftrag – auf der Suche nach Gartenarbeitern 1941.
Abb. 53: Otto Gälzer.
Abb. 54: Gartengestaltung Otto Gälzer, Belegschaft 1930.
Abb. 55: Gärtnerei Gälzer, 1130 Wien, Lainzer Straße 173.
Abb. 56: Firmenlogo des Unternehmens Hartwich & Vietsch.
Abb. 57: Ansicht eines Hauses mit Garten, gezeichnet von Willi Vietsch.
Abb. 58: Gärtnerei Hartwich & Vietsch.
Abb. 59: Eduard Maria Ihm.
Abb. 60: Dienstausweis Fritz Kratochwjles.
Abb. 61: Plan des Herderparks.
Abb. 62: Viktor Mödlhammer.
Abb. 63: Karikatur betreffend Sonntagsarbeit, gezeichnet von Josef Stowasser.
Abb. 64: Grundriss und Ansicht eines Kleingartens, gestaltet von Otto Trenkler 1935.
Abb. 65: Josef Oskar Wladar.
Abb. 66: Vorentwurf zur Gartenanlage der „Rommelvilla“ in Wr. Neustadt 1939.
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Importe von gartenbaulichen Produkten im Vergleich.
Tabelle 2: Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in Österreich 1919–1937.
Tabelle 3: Österreichische Besucher der Höheren Gartenbauschule in Berlin-Dahlem in alphabetischer Reihung bis 1924.
Tabelle 4: NSDAP-Mitglieder unter den in Kapitel 7 beschriebenen Personen.
Tabelle 5: Genossenschaftsmitglieder in Wien 1913 und 1929.
Tabelle 6: Mitgliederentwicklung der Wiener Genossenschaft.
Tabelle 7: Mitglieder des Wirtschaftsverbandes der landschaftsgärtnerischen Betriebe Österreichs laut Mitgliederliste 1931.
Tabelle 8: Mitgliederentwicklung der Vereinigung der österreichischen Gartenarchitekten.
Tabelle 9: Mitgliederliste der Vereinigung der österreichischen Gartenarchitekten.
Tabelle 10: Mitgliederentwicklung des Vereins der Gärtnerinnen.
Tabelle 11: Alte und neue Verwaltungsräte der ÖGG.
Tabelle 12: Der Zusammensetzung des neuen Fachbeirates 1920.
Tabelle 13: Gegenüberstellung der Vertreter der Gremien von 1920 und 1923.
Tabelle 14: Übersicht der beschriebenen Vereine.
Tabelle 15: Ergebnisse der Fragebogenaktion der Gewerkschaft – reale Arbeitszeiten in den Gärtnereien.
Tabelle 16: Ergebnisse der Fragebogenaktion der Gewerkschaft – Löhne von Gärtnergehilfen 1929.
Tabelle 17: Gegenüberstellung der Lohnsätze (Stundenlohn) der beide Kollektivverträge aus dem Jahr 1932.
Tabelle 18: Gegenüberstellung Kollektivvertragslöhne der Gartengestalter 1932 und 1935.
Tabelle 19: Lohnentwicklung der Gartengestalter und Landschaftsgärtner von 1925 bis 1950.
Tabelle 20: Lehrlingsentschädigung im Vergleich.
Tabelle 21: Gartenbaubetriebe in Wien die mehr als einen weiblichen Lehrling ausbildeten.
Tabelle 22: Übersicht Fachliche Fortbildungsschulen für Gärtnerlehrlinge in Österreich.
Tabelle 23: Übersicht der Schulstandorte und der Schulleiter von 1917 bis 1921.
Tabelle 24: Übersicht der Schulstandorte und der Schulleiter von 1921 bis 1941.
Tabelle 25: Schulleiter von der Gründung bis 1940.
Tabelle 26: Schulleiter und Jahrgänge von 1929 bis 1940.
Tabelle 27: Übersicht der vorgestellten Schulen.
Tabelle 28: Übersicht der Vereinszugehörigkeiten der besprochenen Personen.
Tabelle 29: Lehrtätigkeit der vorgestellten Personen.
Tabelle 30: Mitglieder der Gruppe Deutschösterreich der „Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst“ – chronologisch geordnet nach Eintrittsdatum.
Tabelle 31: Gärtnerische Verbände und Vereine im Untersuchungszeitraum mit Sitz in Wien.
Tabelle 32: Gegenüberstellung der Gremien der ÖGG vor und nach den Ereignissen im Februar 1934.
Tabelle 33: Gegenüberstellung: Gremien der ÖGG vor den Februarunruhen 1934 und in der neuen Zusammensetzung 1936.
Tabelle 34: Gegenüberstellung Kollektivverträge für Landschaftsgärtner 1925 – 1935.
Tabelle 35: Eisgruber Absolventenzahlen 1898 – 1942. erstellt nach Recht: 1976, S. 103–144.
Tabelle 36: Lehrplan der Höheren Obst- und Gartenbauschule in Eisgrub.
Tabelle 37: Lehrplan der Höheren Gartenbauschule der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft 1924, die Stundenanzahl wurde nicht angegeben.
Tabelle 38: Absolventenzahlen des Fachbereiches Gartenbau der Höheren Bundeslehranstalt und Bundesversuchsstation für Wein-, Obst- und Gartenbau in Klosterneuburg 1926 – 1951.
Tabelle 39: Lehrplan des Fachbereiches Gartenbau der Höheren Bundeslehranstalt und Bundesversuchsstation für Wein-, Obst- und Gartenbau in Klosterneuburg.
Tabelle 40: Lehrplan der Gartenbauschule der k. k. Gartenbau-Gesellschaft 1886–1912.
Tabelle 41: Lehrplan der Gartenbauschule der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft ab 1920/21.
Tabelle 42: Lehrplan der Gartenbauschule der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft ab 1929/30, als die Schule dreijährig geführt wurde.
Tabelle 43: Lehrplan der Gartenbauschule der ÖGG ab 1938/39.
Tabelle 44: Absolventenzahlen der Gartenbauschule „Elisabethinum“.
Tabelle 45: Lehrplan der Gartenbauschule „Elisabethinum“ 1928/29.
Tabelle 46: Lehrplan der Privaten Fachlehranstalt für Garten- und Obstbau in Wien-Kagran laut Prospekt.
Tabelle 47: Lehrplan der Privaten Fachlehranstalt für Garten- und Obstbau in Wien-Kagran, Schuljahr 1938/39.
Tabelle 48: Lehrplan der Fachlichen Privat-Fortbildungsschule für Gärtnerlehrlinge der k. k. Gartenbau-Gesellschaft in Wien 1912.
Tabelle 49: Gegenüberstellung der Lehrpläne der fachlichen Fortbildungsschulen für Gärtner bis 1920 zweijährig, danach dreijährig.
Tabelle 50: Lehrplan der fachlichen Fortbildungsschule in Wien-Kagran 1935/36.
Tabelle 51: Lehrplan der Berufsschule für Gärtner 1938/39.
Tabelle 52: Lehrplan der Berufschule für Gärtner und Floristen 1945/46.
Tabelle 53: Lehrplan der Höheren Gartenbauschule für Frauen von Yella Hertzka, vorgelegt 1929.
Tabelle 54: Lehrplan Döblinger Gartenbauschule 1929 vorgelegt von Dr. Paula Fürth.
Tabelle 55: Lehrplan der Gartenbauschule „Hortensium“ 1929 vorgelegt von Grete Salzer.
Tabelle 56: Lehrplan der Höheren Frauenschule für Gartenbau und Haushalt in Esslingen.
Tabelle 57: Frauen, die mehr als eine gartenbauliche Schule besuchten. 529
Abkürzungsverzeichnis
| AdR | Archiv der Republik (Österreich) |
| AVA | Allgemeines Verwaltungs- Archiv |
| BGBl | Bundesgesetzblatt |
| BOKU | Universität für Bodenkultur in Wien |
| DÖW | Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes |
| G.O. / GO | Gewerbeordnung |
| IKG | Israelitische Kultusgemeinde Wien |
| JVA | Judenvermögensabgabe |
| K.P. | Kaiserliches Patent |
| NSDAP | Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei |
| NSV | NS-Volkswohlfahrt |
| ÖGG | Österreichische Gartenbau-Gesellschaft |
| ÖGLA | Österreichische Gesellschaft für Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur |
| ÖPGV | Österreichischer Privatgärtner-Verband |
| ÖStA | Österreichisches Staatsarchiv |
| Pg. | Parteigenosse |
| RGBl | Reichsgesetzblatt |
| SA | Sturmabteilung, eine Gliederung der NSDAP |
| SDAP | Sozialdemokratische Arbeiterpartei |
| V.G.H. / VGH | Verwaltungsgerichtshof |
| V.Oe.G.A. | Vereinigung österreichischer Gartenarchitekten |
| VVSt | Vermögensverkehrsstelle |
| WStLA | Wiener Stadt- und Landesarchiv |
| ZEST | Zentrale Erfassungsstelle des Innenministeriums |
Prolog
Vom Paradiesgarten der Hesperiden bis zum „Garten Eden“: Die Menschen haben sich Parks und Gärten immer als utopische Gegenentwürfe zur Widersprüchlichkeit und Unvollkommenheit der Realität erträumt, als bukolische Traumgefilde, in denen der Wolf neben dem Lämmlein schläft und die Gesetze der Welt keine Gültigkeit haben. Die Geschichte zeigt: Nichts ist unpolitisch – auch nicht die Gärtner.
Gartenbau war im zwanzigsten Jahrhundert immer auch ein Feld ideologischer Auseinandersetzungen. „Der deutsche Garten muss herbe sein und keusch, muss die Heimat sein können von starken, geraden Menschen“,1 forderte etwa 1934 der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkultur2 Johann Boettner. Der obligatorische Verweis auf die Blut-und-Boden-Ideologie des Nationalsozialismus konnte da nicht unterbleiben: „Der deutsche Mensch soll wieder in Fühlung kommen im Garten mit der Scholle seines Landes.“3
Die nationalsozialistische Umgestaltung des Gartenbauwesens ab 1938 hatte tiefgreifende Auswirkungen:
• massive Säuberungen innerhalb der gärtnerischen Berufsverbände
• systematische Vertreibung jüdischer Gärtnerinnen und Gärtner
• konsequente Gleichschaltung des gärtnerischen Schul- und Ausbildungswesens.
Schon 1918/19, zwanzig Jahre vor dem sogenannten „Anschluss“, wurde das österreichische Gartenbauwesen einem revolutionären Umgestaltungsprozess unterworfen. Der Erste Weltkrieg und der Untergang der k. u. k. Monarchie hatten zahlreiche Adelsdynastien in den ökonomischen Abgrund gerissen – mit weitreichenden Folgen: Schlösser konnten nicht mehr erhalten werden, Gärten und Parks verfielen. Ein Gutteil der Ländereien und Besitzungen lag zudem außerhalb der Grenzen des neuen Österreich. Zahlreiche Gärtner und ihre Familien verloren ihren Arbeitsplatz.
Die wirtschaftlich desaströsen zwanziger Jahre brachten auf dem Gebiet des Gartenbaus aber nicht nur Niedergang und Verfall, sondern auch Ansätze zu einer Neugestaltung des Ausbildungswesens sowie zur Stärkung der gärtnerischen Arbeitnehmervertretung. In Wien beispielsweise gelang es gewerkschaftlich organisierten Landschaftsgärtnern, einen eigenen Kollektivvertrag mit geregelten Mindestlöhnen und Überstundenzuschlägen abzuschließen.
Der ideologische Grundkonflikt der Ersten Republik – jener zwischen Sozialdemokraten und Christlich-Sozialen – fand auch im Gartenbauwesen seinen Niederschlag: Erbitterte Auseinandersetzungen entbrannten etwa um die Frage, ob der Gartenbau dem Bereich Landwirtschaft oder dem Bereich Gewerbe zugehörig sei. Firmenbesitzer hätten von Variante eins, Arbeitnehmer von Variante zwei profitiert. Die Regierung Dollfuß löste den Konflikt 1934 auf diktatorische Weise: Rund zwei Drittel der Betriebe, allesamt produzierende Gärtnereien, wurden der Landwirtschaft zugeschlagen, der Rest verblieb beim Gewerbe. Schon während des Ständestaats (1934–1938) kam es zu politischen Säuberungen auch im Gartenbau: Sozialdemokratische Funktionäre und Lehrende wurden inhaftiert oder entlassen.
1 Boettner, 1934 (zit. nach Götze, 1934, S. 18).
2 Gegründet 1933 in Erfurt – siehe auch Kap. 3.3.4.3.
3 Boettner, 1934 (zit. nach Götze, 1934, S. 18).
Die Verwerfungen des zwanzigsten Jahrhunderts haben auch im Gartenbauwesen tiefe Spuren hinterlassen, die – wie man sehen wird – zum Teil bis heute fortwirken.
1 Einleitung: Zielsetzung und Abgrenzung
Ziel dieser quellenbasierten Grundlagenarbeit ist es, den bisher nur spärlich untersuchten Zeitabschnitt von 1918 bis 1945 der Geschichte des österreichischen Gartenbaus – speziell in der Berufsgruppe der Gartenarchitekten, Landschaftsgärtner, Gartengestalter und Gartentechniker – näher zu beleuchten und im Kontext der österreichischen Zeitgeschichte darzustellen.
Am Beispiel von Verbänden, Schulen, Betrieben und Personen soll der Frage des Einflusses der politischen bzw. ideologischen Machtapparate auf die Berufsgruppe nachgegangen werden.
Ein weiteres Anliegen dieser Arbeit ist es, Datenmaterial, Archivbestände und Informationen aufzubereiten und die daraus gezogenen Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
1.1 Die Forschungsfrage
Die Zeit von 1918 bis 1945 war geprägt von massiven politischen, sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen. Diese Umwälzungen hatten direkte Auswirkungen auf den Gartenbau und die Berufsgruppe der Gartenarchitekten, Gartengestalter und Landschaftsgärtner.
Die Spannungen zwischen den etablierten politischen Lagern der Christlich-Sozialen und Sozialdemokraten und das ungleiche Kräfteverhältnis zwischen „schwarz“ regierten Bundesländern und „rotem Wien“ traten auch innerhalb der Berufsvertretung der Gärtner zutage. Die Hinwendung Österreichs zum Faschismus hinterließ ihre Spuren und der „Anschluss“ an das Deutsche Reich 1938 hatte ebenfalls deutliche Auswirkungen auf den Berufsstand.
Die daraus abzuleitende Frage lautete: Welche Auswirkungen hatten die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen auf den Gartenbau und die Berufsgruppe der Gartenarchitekten?
Um die These zu verifizieren, war es nötig, einzelne Themenbereiche zu definieren und genauer zu beleuchten. Die Fragen in diesem Zusammenhang lauteten:
• Wie war der Berufsstand der Gärtner organisiert?
• Wie war die gärtnerische Ausbildung geregelt?
• Gab es im Untersuchungszeitraum dominierende berufspolitische Themen?
Einzelne Fragen, die sich in diesem Zusammenhang mit der Berufsgruppe der Gartenarchitekten, Gartengestalter und Landschaftsgärtner stellten und halfen, die These zu verifizieren, lauteten:
• Wer durfte sich Gartenarchitekt nennen, und wie waren diese Personen ausgebildet?
• Welche Gartenarchitekten waren zu dieser Zeit aktiv tätig?
• Wie sehr änderte sich das Aufgabengebiet der Gartengestalter und Gartenarchitekten durch die Republikgründung 1918?
• Wie war die Berufsgruppe der Gartenarchitekten, Gartengestalter und Landschaftsgärtner organisiert?
• Waren Frauen in der Berufsgruppe der Gartenarchitekten, Gartengestalter und Landschaftsgärtner vertreten und falls ja, wie sah ihre Ausbildung und berufliche Organisation aus bzw. welche Auswirkungen hatten die politischen Wechsel auf ihre Präsenz im Berufsstand?
1.2 Abgrenzung zu anderen Forschungsbereichen
Die Arbeit beschränkt sich räumlich auf Wien und Umgebung und zeitlich auf die Periode von 1918 bis 1945, auch wenn es hin und wieder Bezüge zu den anderen Bundesländern bzw. dem gesamten Bundesgebiet und auf Zeiträume davor oder danach gibt.
Auch inhaltlich gibt es Grenzen. Es wurden nur jene Personen näher untersucht, die im Raum Wien bzw. in Österreich, also innerhalb der heutigen Staatsgrenzen, geboren wurden oder hier arbeiteten. Personen, die aus dem Gebiet der k. u. k. Monarchie außerhalb der heutigen Staatsgrenzen stammten, wurden nur dann einbezogen, wenn sie in Wien tätig waren.
Eine Kontextualisierung mit gartenbaulichen Entwicklungen in Deutschland und den neu errichteten Staaten auf dem ehemaligen Gebiet der Habsburger-Monarchie innerhalb des Untersuchungszeitraums findet in dieser Arbeit nur am Rande und in Ansätzen statt, da der Fokus ganz auf der Entwicklung in Österreich/Wien liegt.
Forschungsfragen, die einzelne Gärten oder Parks, den künstlerischen Wert einzelner Planungen, die Verbindung zu neuen architektonischen Richtungen oder den Einfluss von künstlerischen Strömungen des Untersuchungszeitraums auf die Gartengestaltung betreffen, werden hier nicht behandelt.
Eine Analyse und umfassende Interpretation des Stoffes nach einzelnen Aspekten ist aufgrund beschränkter zeitlicher und finanzieller Ressourcen nicht möglich und schafft daher Raum für zukünftige Forschungsprojekte.
1.3 Forschungsstand im Überblick
Der Forschungsstand4 in Österreich zum Thema ist leicht überschaubar. Ein umfassendes Werk, das diese Zeit beschreibt, liegt bis dato nicht vor.
Österreichische Gartenbauvereine und -institutionen befassten sich bislang wenig bis gar nicht mit ihrer Geschichte. Die „Österreichische Gesellschaft für Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur“, eine „Nachfahrin“ der „Vereinigung österreichischer Gartenarchitekten“, verfasste 2012 eine Festschrift anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens mit einem kurzen Beitrag über die historische Entwicklung, eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte fehlte jedoch.
Die theoretische Auseinandersetzung mit Gartenbau und Gartenarchitektur in Österreich zwischen 1918 und 1950 setzte an den Universitäten relativ spät, um 1990, ein und beschränkt sich auf einige wenige Arbeiten. Es gibt einige Diplomarbeiten, die sich durchwegs mit Einzelpersonen und deren Werk befassen, diese gehen aber über biografische Angaben und Werkbeschreibungen nicht hinaus. Eine Einordnung der Personen und Werke in soziale und politische Kontexte fehlt.
Lieselotte Strohmayr schrieb 1990 an der Universität für Bodenkultur eine Diplomarbeit über Albert Esch und seine privaten Gartenanlagen. Ebenfalls 1990 wurden von Edgar Kohlbacher und Karl Gottfried Rudischer Diplomarbeiten über Josef Oskar Wladar und sein Werk bis 1950 vorgelegt. Diese wurden zusammengefasst und erschienen in der Schriftenreihe des Institutes für Landschaftsplanung und Gartenkunst an der TU Wien. Auch ihre Beiträge beschäftigen sich ausschließlich mit Planungen von Josef Oskar Wladar.
1991 erarbeiteten Maria Auböck, János Kárász und Stefan Schmidt eine, leider nie veröffentlichte, umfangreiche Studie zu den Wiener Wohnhausanlagen der Zwischenkriegszeit „Die Freiräume der Wiener Wohnhausanlagen 1919–34. Gestern und Heute“. Sie beschäftigt sich mit dem kommunalen Wohnbau in Wien, entwickelt eine Freiraumtypologie und beschreibt anhand von fünf Fallbeispielen die Planungsgeschichte, Entwurfsbausteine, den damals aktuellen Pflegestand und das Nutzungsbild der Wohnhausanlagen. Ein Exemplar der verschollen geglaubten Studie konnte von Eva Berger aufgespürt werden und befindet sich seit 2014 in der Bibliothek des Institutes für Städtebau, Landschaftsarchitektur und Entwerfen an der TU Wien.
Barbara Bacher legte 1994 am Institut für Landschaftsgestaltung der Universität für Bodenkultur ihre Diplomarbeit über Gartengestaltung in Deutschland und Österreich zwischen 1919 und 1933/38 vor.
Judith Formann verfasste 2002 an der Universität für Bodenkultur eine Diplomarbeit, die die Geschichte der Landschaftsplanung in Österreich vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart zum Gegenstand hatte, und 2004 schrieb Gudrun Schneider an der Uni Wien ihre Diplomarbeit über „Freiraumgestaltung, Siedlungsgrün und Gartenbaukunst in Deutschland und Wien 1938–1955“.
Es gibt architekturhistorische Arbeiten, die am Rande auch Gartenarchitektur und Gartengestalter erwähnen. Eine dieser Arbeiten ist die von Iris Meder im Jahr 2004 vorgelegte Dissertation „Offene Welten. Die Wiener Schule im Einfamilienhausbau 1919–1938“.
Am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien lief von Jänner 2007 bis Ende 2010 ein Forschungsprojekt, das von Corinna Oesch bearbeitet wurde und sich mit dem Leben von Yella Hertzka beschäftigte. Yella Hertzka war auch Untersuchungsgegenstand bei Elisabeth Malleier, die 2001 in einer unveröffentlichten Forschungsarbeit für das österreichische Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr, Arbeitsbereich Gender Studies, zum Thema „Jüdische Frauen in der Wiener bürgerlichen Frauenbewegung“ arbeitete.
Eva Berger publizierte mehrere Artikel über Albert Esch, Hartwich & Vietsch und Josef Oskar Wladar, und Brigitte Mang veröffentlichte im Jahr 2000 einen Beitrag über Viktor Mödlhammer in der Fachzeitschrift „Historische Gärten“.
1994 veranstaltete die Österreichische Gesellschaft für historische Gärten eine Tagung zum Thema „Gartenkunst des Jugendstils und der Zwischenkriegszeit“. Die Tagungsbeiträge wurden 1995 in der Zeitschrift „Die Gartenkunst“ veröffentlicht. Danach beschäftigte sich längere Zeit niemand mit diesem Zeitraum.
Am Institut für Landschaftsarchitektur der Universität für Bodenkultur gab es laut Forschungsdatenbank, im Zeitraum vom 2. Jänner bis 23. März 2007 ein Projekt zum Thema Austrofaschismus: „Entwicklung der Profession in Österreich zwischen 1934 und 1938“. Die Ergebnisse wurden, soweit bekannt, nicht veröffentlicht.
Am selben Institut wurde von Juni 2008 bis Ende Mai 2010 ein Forschungsprojekt zum Thema „Landschaftsarchitektur in Österreich zwischen 1912 und 1945“ abgewickelt. Die Projektmitarbeiterinnen Iris Meder und Ulrike Krippner hielten dazu einige Vorträge und im Juni 2010 erschien ein Artikel in der Zeitschrift „Zoll+“ sowie ein weiterer im November 2010 in der Zeitschrift „Die Gartenkunst“; Barbara Bacher publizierte im Rahmen dieses Projektes einen Artikel in der Zeitschrift „Historische Gärten“. Im Dezember 2010 gab es eine Veranstaltung mit Vorträgen der drei Projektmitarbeiterinnen. Sie präsentierten Ergebnisse ihrer Arbeit. Die Inhalte ihrer Vorträge waren nahezu ident mit denen der bereits veröffentlichten Artikel. Barbara Bacher publizierte 2011 einen weiteren Artikel zum Thema „Beruf: Gartenarchitekt, Gartenarchitektin“ in der „Zeitschrift für historische Gärten“. Eine umfassende Veröffentlichung der Forschungsergebnisse lag bis zum Ende der Abfassung dieser Arbeit nicht vor.
Anja Seliger, bis 2014 beschäftigt am Institut für Landschaftsarchitektur der Universität für Bodenkultur, arbeitete an einer Dissertation über Josef Oskar Wladar die neben der Einordnung seiner Werke in das historische Umfeld auch ein Werkverzeichnis mit einer dazugehörigen digitalen Datenbank enthalten sollte.5 Die Arbeit wurde bis dato noch nicht vorgelegt.
Ein weiteres diesem Themenfeld zugeordnetes Forschungsprojekt dieses Instituts mit dem Titel „Frauen in der Landschaftsarchitektur in Österreich und Zentraleuropa“ startete im Dezember 2011 und endete im Februar 2014. Eine umfassende Veröffentlichung dieser Forschungsergebnisse lag bis zum Ende der Abfassung dieser Arbeit ebenfalls nicht vor. Ulrike Krippner und Iris Meder veröffentlichten weitere Artikel in in- und ausländischen Medien in Anlehnung an die bereits erschienen. Sie beschränkten sich in ihren neuen Publikationen auf die mittlerweile bekannten jüdischen Frauen und deren Milieu. Sie verabsäumen es jedoch deren Tätigkeiten oder beispielsweise den von ihnen verwendeten Begriff „Gartenarchitektin“ – (es wird darauf verwiesen, dass von 1900 bis 1930 dieser Begriff, der vorrangig verwendete war, wie sie zu dieser Annahme kommen wird nicht näher ausgeführt6) – umfassend zu Kontextualisieren. So wie auch in ihrem 2015 erschienenen Artikel „Ann Plischke and Helene Wolf: designing gardens in early twentieth-century Austria“ welcher im Tagungsband der Konferenz „Woman and Modernism in Landscape Architecture der Havard Graduate School of Design (GSD) veröffentlicht wurde.
Im September 2013 fand in Wien die 14. Jahrestagung des Netzwerkes „Frauen in der Geschichte der Gartenkultur“ statt. Es gab unter anderem auch Beiträge über Gärtnerinnen und deren Ausbildungsmöglichkeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts diese wurden in der Zeitschrift „zoll+“7 veröffentlicht.
Noch spärlich erforscht sind die Architekten, Gartenarchitekten, Gärtner und Gartengestalter die „Altösterreicher“ waren und nach Beendigung des Ersten Weltkrieges Angehörige eines Nachfolgestaates waren. Eine diesbezügliche Arbeit ist die von Steven A. Mansbach, der sich mit dem Architekten Josef Plečnik und seinen Arbeiten in Prag und Ljubljana befasst.
In Deutschland begann die Erforschung der Professionsgeschichte wesentlich früher als in Österreich. Daher liegt eine umfangreiche Reihe wissenschaftlicher Arbeiten vor, die sich mit der Geschichte und dem ideologischen Hintergrund der Garten- und Landschaftsarchitektur und deren Protagonisten im beginnenden 20. Jahrhundert befassen.
Besonders die Arbeiten von Gert Gröning und Joachim Wolschke-Bulmahn, die sich ab den 1980er-Jahren intensiv mit dem Themenfeld auseinandersetzten, seien hier erwähnt. Exemplarisch hervorgehoben werden sollen hier „Zur Entwicklung der Interessenverbände der Gartenarchitekten in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus“, in welchem sie den Verlauf der Geschichte dieser Vereinigung nachzeichnen, „Die Liebe zur Landschaft“ Teil I und Teil III, die sich ideologiekritisch mit der Professionsgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen, und „Grüne Biographien“ eine biografisches Handbuch, das auch kurze Einträge über in Österreich tätige Gartenarchitekten erhält. Die ersten Auseinandersetzungen mit den Interessenverbänden der Gartenarchitekten (BDGA, VDG, DGGL) und ihrem Wirken während des Nationalsozialismus entstanden ebenfalls zu dieser Zeit wie auch die kritische Nachzeichnung der Geschichte der kommunalen Grünflächenverwaltung in Hannover. In Österreich fehlen kritische Auseinandersetzungen mit kommunalen Gartenverwaltungen bis heute. Ein weiteres Werk ist „Gartenkultur und nationale Identität“ aus dem Jahr 2001, herausgegeben von Gert Gröning und Uwe Schneider. Weitere Publikationen aus der regen Forschungstätigkeit dieser Professoren und weiterer Personen, die nicht in dieser Arbeit zitiert werden, finden sich im Literaturverzeichnis unter „Weiterführende Literatur“.
Die 2001 publizierte Dissertation von Charlotte Reitsam mit dem Titel „Das Konzept der ‚bodenständigen Gartenkunst‘ Alwin Seiferts“ befasste sich mit Leben und Werk von Alwin Seifert und seiner Rolle als „Reichsautobahnbegrüner“ während der NS-Herrschaft. Die Autorin beschäftigte sich zuvor bereits mit Biografien deutscher Gartenarchitekten, die sie in der Zeitschrift „Garten & Landschaft“ veröffentlichte.
Margit Bensch veröffentlichte 2002 „Die ‚Blut und Boden‘-Ideologie. Ein dritter Weg der Moderne“, in dem sie sich intensiv mit der Ideologie des deutschen Landwirtschaftsministers und „Reichsbauernführers“ Richard Walther Darré beschäftigte.
Eine herausragende biografische Arbeit ist „Hermann Mattern. Gärten – Landschaften – Bauten – Lehre. Leben und Werk“ von Vroni Heinrich. Es gelingt ihr Hermann Matterns historische Wurzeln, die zeitgenössischen Gegebenheiten und die Aktualität seiner Arbeit umfassend darzustellen. Dies war unter anderem deshalb möglich, weil der umfangreiche künstlerische Nachlass Hermann Matterns der Universität Berlin übergeben wurde und so reichlich Material für Forschungen zur Verfügung stand. Jeong-Hi Go schloss mit ihrer Arbeit über die deutsche Gartenarchitektin Herta Hammerbacher eine Forschungslücke. Sie widmete sich ausführlich Leben und Werk der eng mit Staudenpionier Karl Förster zusammenarbeitenden ersten Professorin und Jahre später ersten Ordinaria für Landschaftsund Gartengestaltung an der TU Berlin.
Neben den biographischen Arbeiten wurde auch Werke zu unterschiedlichen Aspekten des Gärtnertums und der Gartenarchitektur veröffentlicht. Beispielsweise die 2006 erschienene Arbeit von Johannes Schwarzkopf „Der Wettbewerb in der Gartenarchitektur“ beschäftigt sich mit der Geschichte des freiraumplanerischen Wettbewerbswesen in Deutschland zwischen der Gründung des Kaiserreiches 1871 und dem Ende des Dritten Reiches 1945. Für Österreich liegt leider nichts Vergleichbares vor.
Mit der Buchreihe „Stolo – Bibliographische Findmittel zur Gartenkultur“ legen Gert Gröning und Uwe Schneider eine umfassende Übersicht der Referenzwerke zur Geschichte und Theorie der Gartenkultur in Europa vor.8 Geplant sind neun Bände darunter einer über Österreich, bisher sind drei Bände (Italien, Schweiz, Spanien) erschienen. Der österreichische Band wird hier sehnsüchtig erwartet, da die einzige vorliegende diesbezüglich Publikation aus dem Jahre 1996 stammt und die darin enthaltenen Informationen zu Nachlässen nicht mehr aktuell sind.9
In den letzten Jahren fanden vermehrt international besetzte Symposien, Konferenzen und Kongresse statt, die sich mit dem Themenkreis Gärtner, Gartenbau und Gartenkunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts befassten. Beispiele dafür sind Veranstaltungen wie:
„Modernism in Landscape Architecture 1890–1940“10: 2008 veranstaltet vom Zentrum für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur (CGL) der Leibnitz Universität Hannover in enger Kooperation mit dem Center for Advanced Studies in the Visual Arts (CASVA) der national Gallery of Art, Washington D.C. und der Stiftung Bauhaus Dessau. Diese Tagung wurde in zwei Teilen – jeweils zwei Tage Washington und Hannover im Abstand von sieben Monaten – abgehalten. Der englischsprachige Tagungsband erschien 2015 und umfasst 12 Beiträge mit unterschiedlichen Betrachtungen der Themen Landschaftsarchitektur und Moderne welche die Entwicklungen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Europa, Lateinamerika und Nordamerika nachzeichnen.
„Natur und Landschaftswahrnehmung in deutschsprachiger jüdischer und christlicher Literatur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“11: wurde ebenfalls 2008 vom Franz Rosenzweig Minerva Research Center for German-Jewish Literature and Cultural History, der Hebrew University of Jerusalem und dem Van Leer Jerusalem Institute in Jerusalem ausgerichtet. Der diesbezügliche Tagungsband erschien 2010 als Band 7 der CGL-Studies. Dieses Symposium war eine Fortsetzung des bereits 2006 in vom CGL der Leibnitz Universität Hannover organisierten und auf dem Gelände des ehemaligen Israelitischen Gartenbauschule Ahlem abgehaltenen Symposiums „Gärten und Parks im Leben der jüdischen Bevölkerung nach 1933“. Die Tagungsbeiträge wurden im gleichnamigen Band 5 der CGL-Studies 2008 publiziert.
„Kunst-Garten-Kultur“12: diese Tagung eröffnete Perspektiven auf die gartenkulturelle Forschung im 21. Jahrhundert. Der veröffentlichte Tagungsband enthält 15 Beiträge welche sich mit der Vielfältigkeit und Interdisziplinarität des Gartenthemas befassen wie „künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Garten als Objekt interdisziplinärer Forschung, mit der Gartenkunst im Spannungsfeld der benachbarten schönen Künste, mit der Gartenkultur als Ausdruck gesellschaftlicher Strömungen und politischer Instrumentalisierung sowie mit dem Garten als Spiegel kultureller Sehnsüchte und Zuschreibungen“13.
„Zwischen Jägerzaun und Größenwahn. Freiraumgestaltung in Deutschland 1933 – 1945“14: dieses Symposium wurde anlässlich des 75-jährigen Jubiläums des Landesverbandes Bayern Nord e.V. der DGGL im Jubiläumsjahr 125 Jahre Bundesverband DGGL 2012 in Nürnberg abgehalten und beschäftigte sich mit verschiedenen Aspekten der Freiraumplanung in der NS-Zeit. Der Tagungsband dazu erschien ebenfalls 2012. Zum Themenbereich, NS-Zeit und wie mit ihren bauwerklichen Hinterlassenschaften denkmalpflegerisch umgehen, fand 2014 die Tagung „Unter der Grasnarbe – Freiraumgestaltung in Niedersachsen während der NS-Diktatur als denkmalpflegerisches Thema“ statt. Der Tagungsbericht erschien 2015 als Band 45 der Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Niedersachsen.
Auch Frauen rückten immer stärken in den Focus der Forschung. Das Netzwerk „Frauen in der Geschichte der Gartenkultur“ leistet hier mit Konferenzen und Vernetzungstreffen Pionierarbeit und Anke Scherkhan veröffentlichte bereits 2000 ihre Ergebnisse zu den gärtnerischen Ausbildungsmöglichkeiten von Frauen in Deutschland. Im englischsprachigen Raum, speziell in den Vereinigten Staaten gab es in den letzten Jahren eine Reihe an Publikationen zum Thema Frauen und ihre Rolle Landschaftsplanung/Gartenarchitektur (Dümpelmann 2015, Herrington 2015 und 2014, Major, 2013, Miller 2013, Nolin 2015, Way 2015) sodass sich jetzt ein klareres Bild über deren Einfluss und Wirken ergibt.
In Deutschland gibt es, anders als in Österreich, bedeutende Forschungseinrichtungen für den Bereich Gartenkunst. Etwa das Zentrum für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur (CGL) an der Leibnitz-Universität in Hannover. Dort werden neben der Forschungstätigkeit auch Ausstellungen, Vorträge, Tagungen und Symposien veranstaltet und in der Buchreihe „CGL-Studies“ Forschungsergebnisse zur Geschichte der Gartenkunst und Landschaftsarchitektur veröffentlicht.15 So publizierte das CGL beispielsweise 2005 drei Beiträge zum Themenbereich „Gartenarchitektur und Moderne in Deutschland im frühen 20. Jahrhundert“, 2008 das umfassende Werk „Gärten und Parks im Leben der jüdischen Bevölkerung nach 1933“ oder 2012 die Ergebnisse der Tagung „Zwischen Jägerzaun und Größenwahn“. Inzwischen liegen 23 Bänder der CGL-Studies vor.
Ein anderes Beispiel für gezielte Forschungsförderung zur Gartenkunst in Deutschland ist die 2005 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf von der Stadt Düsseldorf gestiftete Juniorprofessur für Gartenkunst. Mit dieser Stiftung konnte ein Lehr- und Forschungsschwerpunkt Gartenkunstgeschichte etabliert werden.16 Dr. Stefan Schweizer, der erste Inhaber dieser Stiftungsprofessur, veröffentlichte beispielsweise 2009 in Kooperation mit dem Verein „Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas e.V.“ und Studierenden der Universität eine Biographiensammlung von Landschaftsarchitekten und Gartenkünstlern die im Rhein- und Maasland ab dem 16. Jahrhundert wirkten.17 Nur kurze Zeit später, 2012, publizierte er gemeinsam mit Sascha Winter, „Gartenkunst in Deutschland. Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart“, ein umfassendes Werk über Gartenkunst in Deutschland.
Wie internationale Zusammenarbeit funktionieren kann ist am Beispiel der von der Comission Landscape an Urban Horticultur der International Society for Horticultural Sciences (ISHS) veranstalteten Konferenzen „International Conference on Landscape and Urban Horticultur“ ersichtlich. 2009, auf der zweiten diesbezüglichen Tagung, die in Bologna stattfand, nahmen beispielsweise über 200 Teilnehmer aus mehr als 40 Ländern teil.18 Diese Konferenzen führen zu intensivem Austausch zwischen Forschern aus aller Welt. Die sechste Konferenz findet 2016 in Athen statt.19
Um das Bild abzurunden, sei als herausragende außereuropäische Forschungseinrichtung, die sich mit „Garden Landscape Studies“ der postgradualen Erforschung gartenkultureller Themen widmet, das zur Havard University gehörende Dumbarton Oaks in Washington D.C. erwähnt. Durch die großzügige Spende des Ehepaares Bliss an die Havard University in den 1940, steht ihr ehemaliges Anwesen nun ForscherInnen aus aller Welt und unterschiedlichsten Disziplinen – nicht nur gartenbaulichen – als Arbeitsstätte zur Verfügung.20 Das quartalsweise erscheinende Magazin „Studies in the History of Gardens & Designed Landscapes“ herausgegeben von der „University of Pennsylvania (USA)“, gibt zudem einen guten Überblick über aktuelle internationale Forschungen zu diesem Themenbereich.
1.4 Quellen
Einen Teil der Datengrundlage bildete Archivmaterial aus den Beständen des Österreichischen Staatsarchivs und des Wiener Stadt- und Landesarchivs. Quellenkritische Schwierigkeiten gab es bei der Auswertung der hier vorgefundenen Gau- und NS-Registrierungsakten. Dabei war zu beachten, dass es sich bei beiden Aktenbeständen um subjektive Angaben der Betroffenen oder sie beschreibender Auskunftspersonen handelte. Dementsprechend war der Kontext der Aussagen zu berücksichtigen, da Personen, die in die NSDAP aufgenommen werden wollten, ihre „Taten für die Partei“ ins beste Licht rückten, während dieselben Personen nach Kriegsende im Zuge der Registrierung von NSADP-Mitgliedern (Entnazifizierung) ihre eigene Unwichtigkeit innerhalb der des Systems beteuerten.21
Bei den vorgefundenen jüdischen Personen stellte die erzwungene Flucht nach dem „Anschluss“ eine zusätzliche Erschwernis der Recherche dar, da persönliche Dokumente und berufliche Unterlagen großteils vernichtet wurden oder verloren gingen.22
Im Bereich der gärtnerischen Schulausbildung wirkte sich die unklare Kompetenzverteilung zwischen den Verwaltungsträgern erschwerend auf das Auffinden von Akten aus. So zählte der Gartenbau zum Gewerbe, manche Schulen wurden jedoch als landwirtschaftliche Schulen geführt. Die Verwaltungsagenden lagen im Falle der Zugehörigkeit zur Landwirtschaft beim Ministerium für Landwirtschaft, im Falle der Gewerbezugehörigkeit beim Ministerium für Unterricht und dementsprechend lagen die Agenden der Schulverwaltung entweder beim Bund oder bei den Ländern.
Weiters wurde Material aus dem Archiv der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft, hier vorwiegend Sitzungsprotokolle, und dem Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde verwendet. Auch ausländische Archive wie das Deutsche Bundesarchiv in Berlin, das Sigmund Freud Archiv in London und das Archiv der Library of Congress in Washington wurden in die Recherche einbezogen.
Gärtnerische Fachzeitschriften aus Österreich und Deutschland stellten eine weitere Quelle dar. Sie spiegelten die Konflikte und Differenzen innerhalb der Gärtnerschaft wider. Zumeist kamen nur Repräsentanten der jeweils dominierenden Fraktion zu Wort, die Unterschiedlichkeit der Interessen wurde verschwiegen oder verschleiert. Es war daher wichtig, zwischen den Zeilen zu lesen, um dahinterstehende Interessenslagen freizulegen und in oppositionellen Medien Gegenpositionen zu erforschen. Anhand der Beiträge in den Zeitschriften „Der Erwerbsgärtner“ und „Allgemeine Österreichische Gärtner-Zeitung“ war es möglich, die Konfliktlinien innerhalb der Gärtnerschaft nachzuzeichnen und das Verhältnis zwischen Meistern und Gehilfen zu beleuchten. Ersteres war das Organ der Wiener Gärtnergenossenschaft und Letzteres das Blatt des Gehilfenausschusses der Gärtner, das eng mit der sozialdemokratischen Freien Gewerkschaft kooperierte.
Die nicht namentlich gekennzeichneten Artikel in den Zeitschriften „Gartenzeitung“, „Allgemeine Österr. Gärtner-Zeitung“ und „Der Erwerbsgärtner“ werden in den Fußnoten als Kurzbelege angeführt – das Langzitat findet sich im Literaturverzeichnis unter „Artikel ohne Verfasser“ und dem jeweiligen Medium. Alle anderen Zeitungsartikel ohne Verfasserangaben werden in den Fußnoten als Langzitate angeführt.
Die Zeitschrift der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft mit dem Titel „Gartenzeitung“ sowie die Publikationen „Illustrierte Flora“, „Wiener Garten-Börse“, „Nach der Arbeit“ und „Allgemeine Gärtner-Zeitung“ stellten weitere wichtige Informationsquellen dar. Architekturzeitschriften und Magazine, wie zum Beispiel „Die Bühne“, „Mein Garten“ oder „Architektur und Baukunst“, wurden für ergänzende Recherchen herangezogen.
Quellenkritische Schwierigkeiten ergaben sich bei der Betrachtung von Festschriften und Tätigkeitsberichten von Verbänden. Der Historiker Stefan Eminger beschreibt diese treffend:
„Im Falle öffentlich-rechtlicher Organisationen mit Pflichtcharakter darf nicht umstandslos von der Politik der Verbandsführung auf die Interessen der Mitglieder geschlossen werden. Als intermediäre Instanzen transportieren Verbände nicht nur Anliegen von unten nach oben, sondern auch Zumutungen von oben nach unten. Sie waren also mehr oder weniger immer auch Partner und Adressaten. Zudem bedeutet Verbandspolitik zumeist nicht einfach den Ausgleich der Interessen seiner Basis, sondern sie spiegelte vielfach die Interessen der in der Organisation dominierenden Gruppen. Und drittens verfolgten Verbandsfunktionäre immer auch spezifische Eigeninteressen, von denen der Erhalt der Organisation und der Ausbau der Einflussmöglichkeiten besonders hervorzuheben ist.“23
Die Onlinedatenbank www.garden-cult.de erleichterte das Recherchieren in deutschen Zeitschriften wie „Die Gartenkunst“ und „Die Gartenwelt“ enorm.
Interviews mit Zeitzeugen und Nachkommen von Gartenarchitekten runden die Datensammlung ab.
1.5 Vorgehen
Am Anfang der Arbeit stand die deutsche Fachzeitschrift „Die Gartenkunst“. In dieser Zeitschrift wurden auch die Mitgliederbewegungen der „Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst“ verzeichnet. In einem ersten Schritt wurden alle Mitglieder mit einer österreichischen Adresse (die Liste findet sich im Anhang) exzerpiert, um so einen Überblick über die an Gartenkunst interessierten Personenkreise zu erhalten. Im nächsten Schritt wurden biografische Daten der in Wien ansässigen Personen in Archiven und Fachzeitschriften gesammelt. Begleitend wurden Zeitzeugen ausfindig gemacht und interviewt.
In diese Phase der Arbeit fiel eine erste Analyse der österreichischen gartenbaulichen Zeitschriften. Innerhalb dieser Medien wurde nach Autoren gesucht, die in der Mitgliederliste aufschienen, und nach Artikeln, die Lebensumstände bzw. politische Einflüsse sichtbar machten. Innerhalb der in Zeitschriften wie der „Gartenzeitung“, „Der Erwerbsgärtner“ oder der „Allgemeinen Österr. Gärtner-Zeitung“ meist vorhandenen Rubriken „Mitteilungen“, „Personen“ oder „Korrespondenz“ wurde die Tätigkeit der bekannten Personen in Vereinen und Verbänden recherchiert, um so deren Bedeutung für die Berufsgruppe darstellen zu können.
In einem weiteren Schritt wurde die Affinität einzelner Personen zum Nationalsozialismus untersucht. Zu diesem Zweck wurden alle in Wien ansässigen Personen dieser Mitgliederliste am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien auf ihre NSDAP-Zugehörigkeit überprüft und das Vorhandensein von Personenakten in österreichischen und ausländischen Archiven recherchiert. Gleichzeitig wurden die Quellen auf das Vorhandensein von jüdischen Gärtnern durchleuchtet, die vorgefundenen Akten analysiert und forschungsrelevante Daten exzerpiert. Die vorhandene Personenliste wurde überarbeitet und auf diejenigen Personen reduziert, die sich als systemrelevant herauskristallisierten, so zum Beispiel SchuldirektorInnen oder in Berufsverbänden aktive Personen. Mit der Vertiefung und Erweiterung des Wissens über die sozialen, politischen und ökonomischen Veränderungen während des Forschungszeitraums wurde eine nochmalige Durchsicht der Fachzeitschriften notwendig.
Bei der nachfolgenden Betrachtung und Ordnung des gesammelten Materials stand die Frage der Relevanz der Quellen im Vordergrund. Ausgehend von einer möglichst umfassenden Betrachtung der Fragestellung wurden die gefundenen Materialien den unterschiedlichen Fragen zugeordnet und auf ihre Bedeutung hin analysiert. Das Ergebnis dieser Betrachtung spiegelt sich in der inhaltlichen Gliederung der Arbeit. Um die möglichen Auswirkungen der jeweils herrschenden politischen Systeme auf die Berufsgruppe darstellen zu können, wurde die Arbeit in fünf thematische Abschnitte unterteilt.
Im ersten Kapitel finden sich einleitende Worte. Kapitel zwei beschreibt Methodik, Zielsetzung und Abgrenzung der Arbeit zu anderen gartenbaulichen Themenbereichen.
Das dritte Kapitel befasst sich mit den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen im Untersuchungszeitraum und ihrer Bedeutung für die Berufsgruppe. Anhand einzelner Unterkapitel werden Themen wie „Arbeitslosigkeit“ oder „Wirtschaftskrise und Gartenbau“ näher beleuchtet.
Im vierten Abschnitt werden gesetzliche und freiwillige Berufsverbände, deren organisatorischer Aufbau und ihre Funktionäre beschrieben und die Folgen politischer Entscheidungen für die Vereinigungen dargestellt.
Das fünfte Kapitel befasst sich mit für den Untersuchungszeitraum wichtigen Fragen, die die Gärtner beschäftigten und die es dringend zu lösen galt. So gab beispielsweise die Frage der Zugehörigkeit des Gartenbaus, ob zur Landwirtschaft oder zum Gewerbe, den Vertretern des Berufsstandes bis 1934 und noch darüber hinaus Anlass zu heftigen Kontroversen.
Das sechste Kapitel beschreibt die in Wien vorhandenen Möglichkeiten der schulischen Ausbildung im Gartenbau und weist in mehreren Unterkapiteln auf die damals wie heute in Österreich einzigartigen Gartenbauschulen für Frauen hin.
Im siebten Kapitel werden Personen beschrieben, die bereits in den vorangegangenen Abschnitten erwähnt wurden, da sie als Funktionäre in verschiedenen Vereinen wirkten, große Gärtnereien führten, journalistisch arbeiteten oder im Ausbildungssektor tätig waren. Soweit es die Quellenlage zuließ, wurden ihre beruflichen und privaten Biografien recherchiert und ihre politische Orientierung dargestellt.
In der zusammenfassenden Schlussdiskussion werden die Inhalte der einzelnen Kapitel im Hinblick auf die vorangestellte These überprüft und die daraus gezogenen Schlüsse präsentiert.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit auf zweigeschlechtliche Darstellung verzichtet. Es sind somit immer auch die weiblichen Varianten gemeint, und dieses Vorgehen ist somit nicht als diskriminierend zu betrachten.
______________
4 Die entsprechenden Literaturangaben finden sich im Literaturverzeichnis.
5 Seliger, 2012, S. 105 f.
6 Krippner/Meder, 2012, S. 323.
7 Zoll+, 23, 23.2013.
8 Schneider, 2010, S. 53 ff.
9 Gröning/Schneider, 1996, S. 123 f.
10 Universität Hannover: http://www.cgl.uni-hannover.de/tagungen/modernism/index.php [Stand 12.02.2014].
11 Universität Hannover: http://www.cgl.uni-hannover.de/veranstaltungen/landschaftswahrnehmung/index.php [Stand 12.02.2014].
12 Universität der Künste Berlin: http://www.arch.udk-berlin.de/groening/index.php?pageid=1 [Stand 12.02.2014].
13 Hennecke/Gröning, 2010, S. 10 f.
14 Universität Hannover: http://www.cgl.uni-hannover.de/ [Stand 12.02.2014].
15 Universität Hannover: http://www.cgl.uni-hannover.de/ [Stand 12.02.2014].
16 Universität Düsseldorf: http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/kunst/institut-fuerkunstgeschichte/schwerpunkte/gartenkunst/ [Stand 12.02.2014].
17 Verein Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas e.v.: 2009.
18 Hennecke/Gröning, 2010, S. 13.
19 ISHS: http://www.luh2016.org/ [Stand 20.02.2016].
20 Wolschke-Bulmahn, 1996; Gröning, 2010.
21 Jerábek, 1998, S. 460 f. und http://oesta.gv.at/DocView.axd?CobId=31915 [Stand 20.05.2012].
22 Krippner/Meder, 2012, S. 323 ff.
23 Eminger, 2005, S. 13.
2 Politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen 1918–1945
Am Beginn stand die forschungsleitende Frage, ob die politischen, sozialen und ökonomischen Brüche des Untersuchungszeitraums unmittelbare Auswirkungen auf den Berufsstand der Gartenarchitekten und der Garten- und Landschaftsgestalter hatten.
Um diese Frage beantworten zu können, war es notwendig, diesen Zeitraum – mit Fokus auf die Berufsgruppe – zu beschreiben und sich die Brüche zu vergegenwärtigen. Die Änderungen im politischen, sozialen und ökonomischen Gefüge Österreichs bilden das Gerüst, anhand dessen die Konsequenzen für die Berufsgruppe aufgezeigt werden können.
Allein der mehrmalige Wechsel des politischen Herrschaftssystems – von der Monarchie zur Demokratie, von der Demokratie zum Austrofaschismus, vom Austrofaschismus zur NS-Herrschaft und von dieser wieder zurück zur Demokratie – zeigt, wie herausfordernd und gleichzeitig verunsichernd diese Periode für die Menschen in Österreich gewesen sein muss. Wobei der Wegfall des Herrscherhauses, der mit massiven territorialen Verlusten einherging und die damit verbundene plötzliche „Bedeutungslosigkeit“ innerhalb Europas die Psyche vieler Österreicher nachhaltig prägten.
Auch auf ökonomischer Ebene zeigt sich deutlich, in welch schwieriger Lage sich große Teile der Bevölkerung befanden, und die große Wirtschaftskrise Ende der 1930er-Jahre tat ihr Übriges zur tristen Situation vieler.
2.1 Habsburger-Monarchie und Erster Weltkrieg
Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Glanzzeiten der österreichischungarischen Monarchie vorüber. Die letzten Jahre der Habsburger-Monarchie waren geprägt vom Zerfall.24 In ganz Europa gab es den Wunsch nach nationaler Selbstständigkeit und die sozialen und wirtschaftlichen Spannungen innerhalb des Vielvölkerstaates waren groß geworden. Diese entluden sich unter anderem in der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajewo, die einen willkommenen Anlass für die am 28. Juli 1914 folgende Kriegserklärung bot.
Der vermeintlich kurze und relativ „problemlose“ Krieg hatte für Österreich weitreichende Konsequenzen.
Die schwerwiegendsten Folgen des verlorenen Ersten Weltkrieges waren die Auflösung der österreichisch-ungarischen Monarchie und die damit verbundenen Gebietsverluste.25
Der Wegfall der Reisefreiheit, einhergehend mit der Einführung von Reisedokumenten, Handelsschranken in Form von Zollgrenzen und Zöllen sowie ein beginnendes Sprachenproblem waren für viele Menschen nur der kleinste Teil der aus dem Zerfall der k. u. k. Monarchie resultierenden Probleme.
2.1.1 Die Stellung des Gartenbaus vor und während des Ersten Weltkrieges
Während der Habsburger-Monarchie war ein Großteil der Gärtner in herrschaftlichem Dienst. Nur wenige führten Zier-, Handels- oder Gemüsegärtnereien und selbstständige Gartenarchitekten scheinen erst 1905 in branchenspezifischen Adressbüchern auf.26 Die Ausbildung der Gärtner war zudem schlecht und sie genossen nur geringes soziales Ansehen.
„Daß der Gartenbau in Österreich zum größten Teil noch nicht auf der Höhe der Zeit steht, das wird niemand leugnen, der nicht still und zurückgezogen in seiner Klause gesessen, sondern sich ein wenig weiter umgeschaut hat. England, Frankreich und das uns am nächsten liegende Deutschland sind uns entschieden über. Man sehe nur heute zu, welche Stellung dem Gärtner in Österreich eingeräumt wird, welches Ansehen er gesellschaftlich genießt, und was man von ihm und seinem Berufe, seinem Studium, seinem Können bei uns zu Lande denkt, und man vergleiche dieselben Punkte anderwärts, so wird man unschwer zu dem Schlusse kommen, daß bei uns noch viel nachzuholen ist.“27
Diesen Befund erstellte R. Solkim im Jahre 1905 in einem Artikel in der „Wiener Illustrierten Garten-Zeitung“.
Eine Ursache für diese Missstände sah Solkim im geringen Spezialisierungsgrad vor allem der Handelsgärtner, aber auch bei der Ausbildung der Gärtner käme Spezialisierung, zum Beispiel auf Obstbaumzucht, Baumschulwesen oder die damals noch moderne Teppichgärtnerei, kaum vor.28
Die Gartengestalter und Landschaftsgärtner diskutierten zwar die modernen Strömungen in der Landschaftsgärtnerei – gemeint war damit die Rückkehr der formalen Gärten und dazugehörig eine starke „Übereinstimmung“ zwischen Haus und Garten –, diese wurden jedoch nur sehr zögerlich von der konservativen österreichischen Gärtnerschaft aufgenommen, sodass ernsthafte Vorstöße in diese Richtung zumeist von Seiten der Architekten, abfällig auch als „Reißbrettgärtner“29 bezeichnet, kamen.
Der Gärtner Erich Wibiral30 ortet 1908 in seinem Artikel „Moderne Bestrebungen auf dem Gebiete der Landschaftsgärtnerei“ die Schuld an dieser Entwicklung eindeutig bei seinen Berufsgenossen:
„Die Gärtner sind, wie ich meine, selbst schuld daran, daß hier der Anstoß von außen, nicht immer von berufener Seite, kommt. Während Architektur und Kunstgewerbe seit Jahren bestrebt sind, der neuen Zeit ein neues Heim zu schaffen, steht die Gärtnerwelt mit wenig Ausnahmen noch heute teilnahmslos, oft feindlich der ‚neuen Mode‘’31 gegenüber. Aber die ‚neue Mode‘ hat gesiegt und wird weiter siegen; so wie in früheren Zeiten jede ‚Renaissance‘ der Kunst, des öffentlichen Lebens, auch in der Gartenkunst neue Ideale hervorrief, so muß der Gärtner auch heute seiner Zeit folgen.“32
Beispielhaft für die zögerliche Haltung der Gärtnerschaft den neuen Strömungen gegenüber ist die Anmerkung der Redaktion der „Österreichischen Gartenzeitung“ zu diesem Artikel – sie schrieb dazu, dass die Behauptung, „die neue Mode würde siegen“, wohl als verfrüht angesehen werden müsse, wiewohl sich die Gärtner diesen Neuerungen nicht ganz verschließen sollten.33
Den Gärtnern und Obergärtnern stand bis zum Ende des Ersten Weltkrieges durch die weit verstreuten Liegenschaften des Adels ein großes Netz an praktischen Aus- und Weiterbildungsstätten zur Verfügung. Sie kamen auf diesem „Bildungsweg“ beruflich durch ganz Europa. Die Praxis des Adels, Gärtner gegenseitig zu „verborgen“ oder weiterzuvermitteln, förderte diese Form der beruflichen Weiterbildung.34
Beispielhaft zeigt sich das im beruflichen Werdegang des deutschen Gärtners Albrecht Löscher. Er arbeitete nach seiner Gärtnerlehre, dem Besuch der Gartenbauschule in Berlin-Dahlem und abgeleistetem Militärdienst 1884 in der Gärtnerei von Baron Nathaniel von Rothschild auf der Hohen Warte in Wien. 1885 wechselte Löscher in den Dienst des Schwagers von Nathaniel Rothschild, Baron Adolphe von Rothschild, in dessen Gärten in Paris und Genf (Prégny) er bis 1889 arbeitete.35
Diese umfassende Ausbildung und deren Auswirkungen beschrieb der in Budweis tätige Stadtgärtner Josef Sobischek und er verwies in seinen Zeilen auch auf die Eignung der Gärtner innerhalb des Militärs:
„Die meisten unserer Obergärtner haben das Leben in halb Europa kennen gelernt, sie verfügen über bedeutende Sprachkenntnisse, sie haben Fachschulen besucht und sind mit der Erledigung von Kanzleigeschäften vollkommen vertraut. Die Gärtnerschaft liefert auch dem Staate Soldaten, die neben großen körperlichen Vorzügen bedeutende Bildung und Erfahrung mitbringen, weshalb man im Mannschaftsstande unserer Armee nur wenige Gärtner finden wird, die nicht eine Unteroffizierscharge erreicht hätten. Das ist einer der sinnfälligsten Beweise für die geistige Potenz der Gärtnerschaft.“36
Als Beleg für die Richtigkeit seiner Ausführung seien beispielhaft folgende Gärtner angeführt: Josef Calta war während des Ersten Weltkrieges Zugsführer des k. k. Landst.-Etappen-Baon 40037 und Franz Nothhacksberger Fähnrich und ab 1916 Führer des „schweren Minenwerferzuges 13“.38 Auch Anton Eipeldauer, er diente im Infanterieregiment Nr. 81, rüstete als Feldwebel ab und wurde mit der bronzenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.39 Fritz Kratochwjle, der spätere Leiter des Wiener Stadtgartenamtes, rückte am 1. August 1914 als Leutnant ein und wurde mehrmals schwer verwundet, meldete sich jedoch wieder freiwillig an die Front und war bis Kriegsende als Kompaniekommandant bei Verdun im Einsatz. Er wurde mehrfach ausgezeichnet: mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse, der Verwundungsmedaille und dem Karl-Truppenkreuz.40
2.1.2 Förderung der Gärtner durch den Adel
Das Kaiserhaus und der Adel spielten eine wichtige Rolle im Berufsleben der Gärtner – nicht nur als Auftrag- und Arbeitgeber, sondern auch als Unterstützer. Es gab damals eine Vielzahl an Stipendien.
Für Gartenbautreibende wurden ab dem Jahr 1864 zwei Kaiserpreise vergeben, und zwar für „ganz besondere und vorzügliche Leistungen im Gartenfache […] an Gärtner des Inlandes – ohne Unterschied, ob dieselben Handelsgärtner sind oder nicht“.41
Für Gehilfen gab es Gehilfenpreise, die von Josef Ritter Mitscha von Mährheim – er war Rechtsberater der k. k. Gartenbau-Gesellschaft und kann als Gründer der niederen Gartenbauschule der k. k. Gartenbau-Gesellschaft betrachtet werden42 – und Fürst Johann Adolf von Schwarzenberg gestiftet und verdienstvollen langjährigen Gärtnergehilfen zuerkannt wurden. Diese Preise wurden auch während des Ersten Weltkrieges vergeben.43 Ebenso gab es Reisestipendien, die Gärtnergehilfen die Möglichkeit gaben, durch Europa zu reisen, um sich in unterschiedlichen Betrieben und oft auf Vermittlung von Adeligen weiterzubilden.
Die Stipendienvergabe oblag in den oben genannten Fällen der k. k. Gartenbau-Gesellschaft.44
Die Unterstützung des Kaisers kam auch Lehrlingen bzw. Schülern zugute, etwa in Form der „Kaiserstipendien“. Diese Geldleistungen ermöglichten ausbildungswilligen mittellosen Lehrlingen den Schulbesuch. So kamen zum Beispiel im Schuljahr 1900/1901 in der Gartenbauschule „Elisabethinum“ in Mödling zwei Schüler in den Genuss dieser Stipendien in Höhe von je 500 Kronen.45 Auch an der Höheren Gartenbauschule in Eisgrub kam pro Jahr ein Schüler in den Genuss eines „Kaiserstipendiums“ in Höhe von 400 Kronen.46
Nach dem Zerfall der k. u. k. Monarchie standen diese Formen der Unterstützung der Gärtnerschaft nur mehr sehr eingeschränkt über Stipendien verschiedener Ministerien und der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft (ÖGG) zur Verfügung.
2.2 Erste Republik 1918–1933
Der Zusammenbruch der Habsburger-Monarchie bedeutete für die meisten Nachfolgestaaten die Erfüllung des lange gehegten Wunsches nach territorialer und politischer Selbstständigkeit. In Österreich wurden diese Veränderungen großteils als Schock empfunden und die Reaktionen waren zwiespältig. Für viele Aristokraten und im bürgerlichen Lager waren diese Umwälzungen mit einem statusmäßigen und materiellen Verlust verbunden, unter der Arbeiterschaft jedoch herrschte zumindest anfänglich Aufbruchsstimmung.47 Dieser scharfe gesellschaftliche Kontrast prägte die am 12. November 1918 ausgerufene Republik.
Im neuen Österreich gab es nun den Wunsch des „Zusammengehens“ mit Deutschland. Der am 10. September 1919 unterzeichnete Friedensvertrag von Saint-Germain gab dem neuen Staat den Namen „Republik Österreich“ und beinhaltete ein Anschlussverbot an Deutschland. Allerdings war damit das Thema einer „Annäherung“ an Deutschland oder die Schweiz in Österreich keinesfalls vom Tisch. Denn nun kamen die Anschlussforderungen nicht aus der Bundeshauptstadt Wien, sondern aus den Bundesländern.48
In Vorarlberg gab es einige wenige Jahre hindurch eine starke Gruppierung, die für den Anschluss an die Schweiz eintrat.49 In Vorarlberg, Tirol und Salzburg wurde in Volksabstimmungen eine sehr hohe Zustimmung für den Anschluss an Deutschland erreicht. In Tirol plädierten am 24. April 1921 98,8 % der Wähler für den Zusammenschluss.50 Die Stimmung in Salzburg, Oberösterreich und in der Steiermark war vergleichbar. Die Bundesländer wollten weg vom „roten“ Wien. Abstimmungen in Oberösterreich und in der Steiermark wurden aber nicht mehr gestattet.51
Die Konflikte zwischen den zwei großen, sich in einer weltanschaulichen Polarität befindlichen politischen Lagern Österreichs, den Christlich-Sozialen und den Sozialdemokraten, sollte die weitere Geschichte des Staates – besonders nach den Geschehnissen rund um den Justizpalastbrand im Juli 1927 – bestimmen. Als drittes politisches Lager in Österreich müssen die Großdeutschen und Deutschnationalen angeführt werden. Die wachsende Feindschaft zwischen Christlich-Sozialen und Sozialdemokraten zeigte sich am deutlichsten in der Aufstellung bewaffneter Verbände: auf der einen Seite die Heimwehr der Christlich-Sozialen, auf der anderen Seite der Schutzbund der Sozialdemokraten.52
Aufgrund der sich aufheizenden politischen Situation nach dem Justizpalastbrand 1927 kam es zur verstärkten Militarisierung der Verbände und schließlich im Februar 1934 zum Bürgerkrieg.53
2.2.1 Wirtschaftliche Situation
Die wirtschaftliche Situation im neuen Staat Österreich war nach dem Ende des Ersten Weltkrieges schwierig. Besonders angespannt war die Situation in Wien, wo es an der Versorgung mit den dringend benötigten Kohle- und Lebensmittelrationen mangelte. In direktem Zusammenhang mit der in Wien herrschenden Lebensmittelnot stand der blühende Schleichhandel. Im Jahr 1919 gab es erste große Lebensmittellieferungen seitens der Siegermächte in Form der „Reliefkredite“.54 Daraufhin entspannte sich die Situation für die Bevölkerung etwas.55
Die anhaltend schlechte Wirtschaftslage, die damit einhergehende Inflation und der Währungsverfall führten im Jahr 1922 zur Hyperinflation. Dies hatte gravierende Folgen für die Bevölkerung, da die Preise dramatisch stiegen. Der Staat befand sich ebenfalls in einer sehr schwierigen Lage, da er, um die Lebenshaltungskosten niedrig zu halten, 1920/21 bereits 59 Prozent der Staatsausgaben für die Stützung von Lebensmitteln verwendete. Die Regierung schmiedete zwar Sanierungspläne, aber alle Lösungsversuche blieben wirkungslos und Bundeskanzler Seipel setzte auf Hilfe aus dem Ausland.56
Ignaz Seipels Bemühungen waren erfolgreich und am 4. Oktober 1922 erhielt Österreich die sogenannte „Völkerbundanleihe“ in Höhe von 650 Millionen Goldkronen – sehr zum Ärger der Sozialdemokraten, die die vom Völkerbund geforderte partielle Entmachtung des Parlaments und die Kontrolle durch einen Generalkommissär nicht mittragen wollten.57
Die wirtschaftliche Situation Österreichs besserte sich danach langsam und am 1. Jänner 1925 trat das Währungsumstellungsgesetz zur Umstellung von Kronen auf die neue Währung Schilling in Kraft. Der Wechselkurs war 10.000:1, für 10.000 Kronen erhielt man also einen Schilling.58
Die wirtschaftliche Entspannung hielt bis Ende 1929 an, einen Beitrag dazu leistete das Wohnbauprogramm der Gemeinde Wien. Im Zuge des Zusammenbruchs der Boden-Credit-Anstalt und der hereinbrechenden Weltwirtschaftskrise kam es erneut zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft. Die Wirtschaftslage blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs kritisch.59
Eine weitere Besonderheit der Zeit war die Hinwendung der Bundesregierung zur Landwirtschaft. Der immer deutlicher werdende „agrarische Kurs“ der Regierung verunsicherte die Gewerbevertreter und so kam es ab Herbst 1931 im gesamten Gewerbestand immer wieder zu Protestaktionen. Ein Grund dafür – neben der politisch-ökonomischen Krise – lag in der Art und Weise der CA-Sanierung60 und im Hinausdrängen gewerblicher Berufsvertreter aus politischen Entscheidungspositionen.61
Wirtschaftskrise und Gartenbau
Die schwierige wirtschaftliche Situation des Landes spiegelte sich in der katastrophalen ökonomischen Lage im Gartenbau. Rufe nach Änderungen und neuen Strategien wurden laut.
„Die letzten Jahre änderten die wirtschaftlichen Verhältnisse in einschneidendster Weise und es ist nur natürlich, daß jeder Stand trachten muß, sich ihnen schnellstens anzupassen. Der Versuch, das Alte zu erhalten, das Anklammern an Ueberholtes, an überalterte Phrasen ist wertlos, ein neuer Weg muß beschritten werden.“62
Dies prophezeite „Ignotus“ 1924 seinen Berufskollegen. Die geforderte Anpassung fand aber nicht in dem Ausmaß und der Geschwindigkeit statt, die zur wesentlichen Verbesserung im Berufsstand beigetragen hätten.
Auch in Deutschland wurde die schlechte Entwicklung des österreichischen Gartenbaus beobachtet. Die Zeitschrift „Die Gartenwelt“ vermerkte 1924:
„Während der Bedarf an Ware beinahe schon den der Vorkriegsjahre erreicht hat, ist die Produktion auf ein Bruchteil der Vorkriegsleistung gesunken, und es ist keine Aussicht, daß sich die Produktion heben wird. Die Ursache dieser Erscheinung ist wohl hauptsächlich in dem Mangel an flüssigen Kapitalien zu suchen. Infolgedessen werden so hohe Zinsen gefordert, daß Betriebe, die wie Gärtnereien nur eine mäßige Verzinsung aufbringen, überhaupt kein Geld bekommen können. Man muß in Oesterreich mit einem Zinssatze von 50 bis 60 % rechnen. – In Wien sollen hauptsächlich leistungsfähige, mittelgroße Spezialgeschäfte fehlen, bei denen man zuverlässig gute Ware bekommt.“63
Ein Großteil der Gartenbaubetriebe (die meisten davon Gemüsebetriebe oder gemischte Betriebe) waren Kleinstbetriebe. Spezialisierte Betriebe, z. B. Baumschulen oder Staudengärtnereien, kamen selten vor – eher im städtischen Umfeld. In den ländlichen Gebieten gab es kaum Spezialisierung. In diesen gemischten Gärtnereien konnte man Gemüsepflanzen, Blumen, Sträucher und auch Obstbäume erwerben, gartenpflegerische Arbeiten wurden ebenfalls ausgeführt.
Ein weiteres wirtschaftliches Problem für den heimischen Gartenbau stellten die steigenden Importe – nicht nur von Gemüse, sondern auch von Zierpflanzen – dar. So erhöhten sich die Importe im Vergleichszeitraum (4. Quartal 1926 und 4. Quartal 1927) von 10.380 Zentner auf 17.181 Zentner, also ein Anstieg um rund 70 % in einem Jahr.64
Tabelle 1: Importe von gartenbaulichen Produkten im Vergleich.65
| Waren | Einfuhr im Jahr 1923 gesamt | Einfuhr im 4. Quartal 1926 | Einfuhr im 4. Quartal 1927 |
| Angaben in Zentner (1 Zentner = 100 kg) | |||
| Karfiol | - | 3.455 | 4.993 |
| Gurken | - | 726 | 3.597 |
| Melonen | - | 100 | 289 |
| Zierblumen, frisch | 799 | 498 | 932 |
| Zierblumen, getrocknet | 128 | 64 | 125 |
| Palmen, Lorbeer und dgl. | 765 | 1.309 | 2.175 |
| Blütenpflanzen | 179 | 43 | 440 |
| Blumenzwiebeln | 337 | 526 | 748 |
| Forstpflanzen | 368 | 135 | 156 |
| Bäume und Sträucher | 2.812 | 3.524 | 3.726 |
| Summe | 5.388 | 10.380 | 17.181 |
Diese großteils gemischte Betriebsweise der Gärtnereien wurde von vielen als Ursache für die Rückständigkeit des österreichischen Gartenbaus gesehen.66 Der Grazer Gärtner Franz Steyskal erblickte auch in den ärmlichen Verhältnissen der Betriebsgründer und der unglücklichen Nachfolgerwahl der Betriebe ein Problem:
„Betrachten wir das Werden und Vergehen unserer meisten Gärtnereien, so müssen wir feststellen, daß die meisten Gärtner unter ärmlichen Verhältnissen ihre Existenz gründen. Die Mittel reichen meist kaum zum Ankauf eines Grundstückes und der notdürftigsten Einrichtung oder einer Pachtung. Die Arbeiten werden und müssen in der Hauptsache von der Familie selbst geleistet werden, häufig ist gerade diese schwere Anfangszeit auch die Zeit des Kindersegens und so entsteht unter größter Mühe und persönlicher Aufopferung eine Gärtnerei mit 2 Glashäusern und 200 Fenstern. […] Ist der Sohn geistig veranlagt, dann wird alles aufgeboten, um den Jungen studieren zu lassen, hat er aber nicht die Eignung, dann soll er eben einen anderen Beruf lernen, denn kein Beruf ist so undankbar wie die Gärtnerei. Ist der Junge aber für alles andere ungeeignet, dann muß er eben dem Vater helfen. Ist aber die Familie in misslichen Verhältnissen, was meistens bei Pachtungen der Fall ist, wird die Berufsfrage überhaupt nicht angeschnitten und der Junge muß einfach im Garten mithelfen, um die meist kinderreiche Familie über Wasser zu halten. So sieht es mit den meisten Gartenbaukandidaten aus Gärtnerfamilien aus und die Folge davon ist, daß die Gärtnereien in 90 von 100 Fällen im Stadium des Klein- und Gemischtbetriebes stehen bleiben und wieder verfallen.“67
Ähnlich analysierte der Wiener Josef Stowasser, ein der Sozialdemokratie nahestehender Gärtner, seine Berufskollegen und gab folgenden Befund ab:
„Sehen wir uns die Betriebe an, so werden wir konstatieren müssen, daß fast in allen Fällen Mangel an Betriebskapital oder ungünstige Pachtverhältnisse, zumeist beides, die Betriebsinhaber zwingen, althergebrachte Methoden der Betriebsführung beizubehalten. Interessenlosigkeit, Anpassungsunfähigkeit, mangelhafte fachliche Kenntnisse, ungenügende kaufmännische Schulung, die vielfach anzutreffen sind, tragen allerdings zur Verschärfung der Lage bei, bilden aber kein unüberwindliches Hindernis einer Besserung, vorausgesetzt, daß es gelingt, günstige Kredithilfe und ein entsprechendes Pächterschutzgesetz zu erlangen.“68
Aufgrund ihres geringen Mechanisierungsgrades, ihrer veralteten Betriebsmethoden und des fehlenden Kapitals waren die Betriebe wenig konkurrenzfähig und die saisonale Überproduktion tat ihr Übriges zur Senkung der Preise.
Einige Vertreter der Gärtnerschaft sahen die Lösung der Probleme im wirtschaftlichen Anschluss an Deutschland, wie es der Rodauner Gärtner Egon Pollanetz formulierte:
„Jeder denkende Österreicher muß die gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse mit der größten Sorge verfolgen und sich fragen, wann und wie das Ende sein wird. Österreich ist ohne Anschluß an ein größeres Wirtschaftsgebiet nicht lebensfähig. Der Zusammenschluss von zwei bisher durch Zollgrenzen getrennten Staaten vollzieht sich immer unter wirtschaftlichen Krisen für manche Erwerbszweige. Speziell die Gärtnerschaft, welche ihre Betriebe nicht im Handumdrehen umstellen kann, wird gut daran tun, die Möglichkeit des Anschlusses im Auge zu behalten, und zwar jenen an das Deutsche Reich.“69
Andere Vertreter der Berufsgruppe erblickten die Lösung der wirtschaftlichen Probleme des Gartenbaus in einem höheren Spezialisierungsgrad und in der Planwirtschaft. Der Sozialdemokrat Josef Stowasser meinte dazu:
„Neben der geschwächten Kaufkraft der Konsumenten erblicke ich in der Planlosigkeit der Produktion die Hauptursache der andauernden Krise, die zu dem gegenwärtigen wirtschaftlichen Tiefstand des Erwerbsgartenbaues auf Wiener Boden geführt hat. Die Überproduktion vieler Gartenbauerzeugnisse bewirkt, daß diese zumeist unter dem Entstehungspreis verkauft, zum Teil überhaupt nicht abgesetzt werden, im günstigsten Fall teilweise mit einem Gewinn, der aber nicht ausreicht, den Betrieb vor dem wirtschaftlichen Ruin zu retten. […] Die Anarchie der Produktion muß zum Niedergang, zur Verelendung des Erwerbsgartenbaues führen, wenn nicht rasch und energisch zur Abwehr geschritten wird. […] Die Regelung der Produktion ist die einzige Möglichkeit der Hilfe. […] Die Regelung der Produktion ist gleichbedeutend mit der Organisierung der Planwirtschaft und diese bedingt die Spezialisierung. […] Die Spezialisierung vereinfacht die Betriebsführung und verbilligt die Produktionskosten. Unter dieser Voraussetzung sichert die Spezialisierung dem Erzeuger die natürliche Monopolstellung seiner Spezialprodukte und diese natürliche Monopolstellung bietet den wirksamsten Schutz der produzierenden Erwerbszweige des Gartenbaues.“70
Diese Analyse und der Lösungsvorschlag wurden von konservativen Vertretern der Wiener Gärtnerschaft zurückgewiesen und als Panikmache abgetan, die Redaktion obiger Zeitschrift wurde aufgefordert, „vorläufig alle theoretischen Ausführungen auf diesem Gebiete zurückzustellen“, und schließlich der Vorschlag eingebracht, die Sektion I der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft und die Wirtschaftsvereinigung der Gärtner mögen einen Fachbeirat einsetzen, um sich mit der Materie näher zu befassen.71
Im Herbst 1929 kam es zur „Großen Notstandskundgebung“ der österreichischen Erwerbsgärtner in Wien, mit der diese auf ihre schwierige Situation aufmerksam machten und staatliche Hilfen einforderten.72 Anwesend waren über 1.000 Gärtner und Vertreter von Parteien und öffentlichen Körperschaften.73 Die Gärtnervertreter forderten unter anderem massive finanzielle Staatshilfe, nämlich „1,000.000 Schilling Staatskredite zu einem niedrigen Zinsfuß mit einer 15jährigen Laufzeit“, Steuererleichterungen, Einfuhrbeschränkungen und die Regelung der „Zugehörigkeitsfrage“.74 Der Redner Franz Josef Böhm – er war Erwerbsgärtner, Zollreferent im Finanzministerium und Mitglied der Sektion I der ÖGG – führte in seinem Impulsreferat den Zuhörern die gestiegene Konkurrenz innerhalb der Berufsgruppe und die schwierigen Absatzverhältnisse vor Augen:
„In Österreich sind zirka 3000 Erwerbsgärtner, die mit ihren Familienangehörigen und Angestellten zirka 18.000 bis 20.000 Seelen zählen. Ich setze voraus, daß es bekannt ist, daß in den Gärtnereien alles arbeiten muß, jung und alt. Durch die schlechten Verhältnisse in der Landwirtschaft haben sich nun seit Kriegsende sehr viele Landwirte in der Nähe der größeren Städte dem Gartenbau zugewandt, die meisten ehemaligen Herrschaftsgärtnereien betreiben heute in irgend einer Form Erwerbsgartenbau, so daß man ruhig behaupten kann, daß in Österreich zirka 25.000 Menschen von Gartenbau leben. Der Gartenbau des heutigen Österreichs hatte vor dem Kriege mit dem heutigen Neuausland regen Geschäftsverkehr, der seit der Schaffung der neuen Grenzen durch geradezu phantastische Zollmauern unterbunden ist.“75
Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, sprach eine Erwerbsgärtnerdelegation unter der Führung der christlich-sozialen Nationalräte Spalovsky und Volker beim Bundeskanzler Johann Schober vor und ersuchte um Unterstützung ihrer Anliegen, was dieser auch zusagte.76 Dieses Versprechen änderte aber nicht viel an der Lage der Gärtnerschaft.
Die hereinbrechende Weltwirtschaftskrise verschlechterte die ökonomische Lage der Gärtnereien zusehends.
Neben den steigenden Arbeitslosenzahlen im Gartenbau machte sich die Wirtschaftskrise auf Seiten der Arbeitgeber bemerkbar. Den Gemüseproduzenten fiel es schwerer, ihre Waren zu verkaufen, da die Zahl der potenziellen Kunden sank, eine Absatzkrise machte sich breit und trotzdem stiegen die Gemüseimporte aus den Nachbarländern – dies verschärfte die Lage für die heimischen Gemüsegärtner zusätzlich.77
Die Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre ging auch an den Gartenarchitekten nicht spurlos vorüber. Die Auftragslage war schlecht und viele der Gärtnereiinhaber und Gartenarchitekten mussten Ausgleich anmelden. Hier einige Beispiele von bekannten Gartenarchitekten:
Gartenarchitekt Wilhelm Debor:78
Ausgleich eröffnet: 09.12.1929 – beendet 30.04.1930
Ausgleich eröffnet: 04.05.1931 – beendet 12.10.1931
Gartenarchitekt Albert Esch:79
Ausgleich eröffnet: 26.09.1933 – beendet 19.02.1934
Gartenarchitekt Wilhelm Hartwich:80
Ausgleich eröffnet: 07.11.1931 – beendet 24.03.1932
Gartenarchitekt Wilhelm Vietsch:81
Ausgleich eröffnet: 26.10.1931 – beendet 23.03.1932
Selbst die weithin bekannte Rothschild-Gärtnerei in Wien litt an den Folgen der Weltwirtschaftskrise. Baron Alfons Rothschild war nach der erzwungenen Übernahme der Boden-Credit-Anstalt und der darauffolgenden Insolvenz seines Bankhauses, der Creditanstalt, gezwungen, die Kosten der Erhaltung der Gärten herabzusetzen, er musste Gärtner entlassen und Teile seiner Anlage auf der Hohen Warte schließen.82 Ein bis zu diesem Zeitpunkt als Reservegarten zur Verfügung stehendes Gelände sollte parzelliert und verkauft werden.83
2.2.2 „Rotes Wien“ versus „schwarze“ Bundesländer
Wien hatte von 1918 bis 1934 eine wirtschaftliche und politische Sonderstellung inne.
Die Stadt war während der Habsburger-Monarchie aufgrund ihrer Funktion als zentrale wirtschaftliche Schaltstelle zum Angriffspunkt der nationalen Unabhängigkeitsbewegungen geworden. Auf Wien lastete damit eine schwere Hypothek, zu der sich bald eine weitere – die der politischen „Andersartigkeit“ – gesellte.84
Nach dem Wahlsieg der Wiener Sozialdemokratie 1919 kam es alsbald zu großen Spannungen „zwischen dem „roten“ Wien und den „schwarzen“ Bundesländern.“85
Mit dem Beschluss der Loslösung Wiens von Niederösterreich am 29. Dezember 1921 und seiner Konstituierung als Bundesland mit 1. Jänner 1922 ergab sich für Wien eine spezielle Konstellation. Der Bürgermeister Wiens erlangte nun zusätzlich die Rechte eines Landeshauptmanns und konnte nun eine eigenständige Sozial- und Wirtschaftspolitik betreiben. Die „rote“ Sozialdemokratie hatte dadurch die Möglichkeit, einen mächtigen Gegenpol zur „schwarzen“ konservativen Vorherrschaft auf Bundesebene zu bilden.86
Wien erhielt ferner das nach der Verfassung den Ländern zustehende Steuerfindungsrecht. Ziel der Steuerpolitik des „Roten Wien“ war die Umverteilung von den oberen zu den unteren Einkommensschichten mittels der Besteuerung von Luxuskonsum.87
Diese Eigenständigkeit Wiens brachte aber nicht nur Vorteile, sondern führte zu einer zunehmenden ökonomischen und politischen Isolierung der Stadt innerhalb Österreichs.88
Die wichtigsten wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben der neuen Stadtregierung bestanden in der Belebung der Wirtschaft und der Linderung der Wohnungsnot durch die Bereitstellung gesunder und billiger Kleinwohnungen.
Die private Wohnbautätigkeit in Wien war nach dem Ersten Weltkrieg völlig zum Erliegen gekommen – dies gab den Anstoß zu den kommunalen Wohnbauprogrammen der Stadtregierung unter der finanzpolitischen Federführung von Stadtrat Hugo Breitner. Diese Programme bildeten den wichtigsten Nachfrageimpuls, für sie wurde vorübergehend mehr als ein Viertel der Gesamtausgaben im Stadtbudget bereitgestellt, sodass sie während der 1920er-Jahre den Schwerpunkt des Gemeindehaushaltes bildeten.89
Neben dem kommunalen Wohnungsbau bildeten die Schulreform unter Otto Glöckel und die soziale Fürsorgepolitik unter Julius Tandler die drei Säulen der sozialdemokratischen Politik in Wien.90 Darüber hinaus wurde diesen drei traditionellen Säulen der Arbeiterbewegung noch eine vierte, die „kulturelle Bildungsarbeit“, hinzugefügt.91 In seiner kulturpolitischen Dimension wies das „Rote Wien“ weit über die ursprüngliche Dimension eines wohlfahrtsstaatlichen und sozialpolitisch inspirierten Modells hinaus und sicherte sich so auch die Unterstützung der Intellektuellen.92
Während der Wirtschaftskrise Ende der 1920er-Jahre war der Haushalt der Stadt Wien mit bedeutenden Einnahmeverlusten konfrontiert und 1931 wurde zudem der Aufteilungsschlüssel der gemeinschaftlichen Bundesabgaben zum Nachteil Wiens geändert. Nach der Ausschaltung des Parlaments im März 1933 setzte die Regierung Dollfuß die finanzielle „Einschnürung“ der Gemeinde Wien fort und entzog ihr die Steuereinhebung der Bundesabgaben. Verzweifelt versuchte die sozialdemokratische Stadtregierung das entstehende Defizit zu begrenzen, wodurch die Wohnbautätigkeit der Gemeinde völlig zum Erliegen kam.93
Die Historikerin Maren Seliger beschrieb zusammenfassend die Situation der Sozialdemokraten in Wien und deren Gegenmodell zur Politik der Bürgerblockregierung auf Bundesebene als Kulturkampf in dem „die laizistische Sozialdemokratie als Anwältin der Moderne“ galt und das bürgerlich-bäuerlich-feudal-katholische Lager eine in vormodernen Traditionen verhaftete antiliberale Bewegung darstellte.94
2.2.3 Sozialgesetzgebung
Die während der ersten beiden Jahre der Republik durch die Sozialdemokratie beschlossenen Sozialgesetze verbesserten nicht nur die ökonomische Situation der Arbeiterschaft deutlich, sondern führten auch zu einer machtpolitischen Besserstellung der Arbeiterklasse.
Der sozialpolitische Erfolg bis 1920 war beachtlich: In über 80 sozialpolitischen Gesetzen und Verordnungen wurden wichtige Materien wie Achtstundentag, Arbeitslosenversicherung, Mieterschutz, Verbesserung des Kollektivvertragsrechts etc. geregelt. Österreich hatte damit beinahe alle sozialpolitischen Forderungen, die auf der im Spätherbst 1919 in Washington stattfindenden ersten internationalen Arbeitskonferenz aufgestellt wurden, erfüllt.95
Der österreichische Sozialstaat rückte damit kurzfristig an die erste Stelle innerhalb Europas. Nachdem das Wirtschaftswachstum jedoch mäßig blieb, drängte die Unternehmerschaft auf Sozialabbau.96
Die neuen sozialpolitischen Gesetze hatten auch für die in gewerblichen Gärtnereien arbeitenden Gehilfen Gültigkeit und stellten, zumindest auf dem Papier, eine deutliche Verbesserung ihrer arbeitsrechtlichen Situation dar.
Auch bei den Gärtnern drängte die „Unternehmerschaft“ auf Sozialabbau, und zwar in Form der von vielen angestrebten Zugehörigkeit des gesamten Gartenbaus zur Landwirtschaft.97
2.2.4 Arbeitslosigkeit
Die Arbeitslosigkeit war ein die Erste Republik begleitendes Problem mit mehreren Ursachen. Zum einen gab es große strukturelle Schwierigkeiten, zum anderen trug die staatliche Wirtschaftspolitik zur niedrigen Beschäftigungsrate bei.98
War die Zahl der Arbeitslosen kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges auf über 350.000 angeschwollen, so fiel sie in den beiden nachfolgenden Jahren deutlich auf 78.000 (1920) und 28.000 (1921). Diese sehr erfreuliche Entwicklung hielt jedoch nicht an und in den Jahren bis 1930 lag die Arbeitslosenrate zwischen 8,3 und 11,2 %, danach stieg sie sprunghaft an, lag 1932 bereits bei 21,7 % und erreichte 1933 ihren Höchstwert mit 26 %. Im Jahr 1937 lag die Arbeitslosenrate noch immer bei 21,7 % oder 464.000 Personen, von denen nur 231.320 Personen Arbeitslosenunterstützung erhielten – der Rest galt als „ausgesteuert“ und hatte somit keinerlei Unterstützungsanspruch.99
Tabelle 2: Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in Österreich 1919–1937.100

Die starken Auswirkungen – Verelendung, Hunger, Armut – der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre auf die Bevölkerung lassen sich an diesen Zahlen sehr deutlich ablesen. Emmerich Tálos beschrieb diese Entwicklung:
„Die Konsequenz dieser Politik [Anm. der Einsparungsmaßnahmen] zeigt sich unter anderem daran, daß der Anteil der Unterstützten an der Gesamtzahl der Arbeitslosen merkbar schrumpfte: 1930 betrug dieser noch 86 %, 1933 60 % und 1934 nur noch 53 %. Dies erfolgte in einem Kontext, der durch eine rapide ansteigende Erwerbslosigkeit geprägt ist: 557.000 Arbeitslose im Jahr 1933 und 545.000 im Jahr 1934 entsprachen einer Arbeitslosenquote von 26 % bzw. 25,5 %.“101
Für die Arbeiter in den Gärtnereien kann eine ähnliche Entwicklung angenommen werden.
Im Gartenbau hatten die Verantwortlichen ebenfalls mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Im Mitteilungsblatt des Gehilfenausschusses der Gärtner und Naturblumenbinder fand sich im Jänner 1926 eine kurze Notiz, die die triste Lage der Wiener Gärtnereiarbeiter beschreibt:
„Bei der Krankenkasse wurden im November 146, vom 1. bis 28. Dezember 153 Kollegen als arbeitslos abgemeldet, zusammen innerhalb der letzten zwei Monate 299. Bei rund 1000 Gehilfen (nach Abzug der Lehrlinge, Hausgehilfinnen und Söhne und Töchter der Arbeitgeber) sind dies 30 Prozent der Arbeitnehmer in den Gärtnereien.“102
Die Situation der Beschäftigten im Wiener Gartenbau war dramatisch, die Arbeitslosigkeit griff aber auch in den ländlichen Gebieten um sich. In der Zeitschrift „Allgemeine Österr. Gärtner-Zeitung“ fand sich im März 1926 ein Artikel, in dem über die Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftskrise berichtet wurde. Unter anderem war hier zu lesen:
„Während bis jetzt in der Landwirtschaft die Arbeitslosigkeit noch einigermaßen zurückgehalten werden konnte, zeigen uns die letzten Berichte der Industriellen Bezirkskommissionen aus den Provinzgebieten, daß die Wirtschaftskrise nun auch auf die Land- und Forstwirtschaft übergreift und die Arbeitslosigkeit auch dort sich erschreckend fühlbar macht. So lesen wir in einem Bericht […] folgende unseren Beruf streifende Randnotiz: ‚Während bis in die letzte Zeit in vielen landwirtschaftlichen Großbetrieben Gärtnereien als Nebenbetrieb geführt wurden, werden sie nun durchwegs stillgelegt, und die Gärtner entlassen. Viele Unternehmer und Betriebsdirektoren haben sich Privatgärtner gehalten; auch hier sind infolge der Krise Einschränkungen auf der Tagesordnung.‘ Wir sehen also, wie auch unser Beruf in engste Mitleidenschaft gezogen wird durch die außerordentlichen Verhältnisse, welche die Wirtschaftskrise dem arbeitenden Volke auferlegt.“103
Nach einer kurzen Phase der wirtschaftlichen Erholung und damit einhergehenden sinkenden Arbeitslosenzahlen wurde ab 1929 wieder ein Anstieg verzeichnet. Im Februar 1930 wurde in einem Artikel in der Allgemeinen Österr. Gärtner-Zeitung über die „bisher noch nie verzeichnete Höhe von 749 arbeitslosen Gärtnern und Gärtnereiarbeitern in Wien und Umgebung“ berichtet104 und Nationalrat Pius Schneeberger schilderte 1932 in einer Parlamentssitzung, in der die Zuordnung des Gewerbes zur Landwirtschaft behandelt wurde, die schwierige Lage der Gärtnereiarbeiter und die Auswirkungen einer Gesetzesänderung für die Berufsgruppe:
„Die Gärtnereiarbeiter aber haben unter der Arbeitslosigkeit gerade heute furchtbar zu leiden. Für sie gibt es nicht nur die bekannte saisonmäßige Arbeitslosigkeit, die heute bei den schlechten Verdiensten und der schlechten Beschäftigungsmöglichkeit in der Saison viel schwerer zu überstehen ist als in normalen Zeiten, sondern es gibt für sie auch eine große krisenmäßige Arbeitslosigkeit, die es mit sich bringt, daß selbst während der Saison ein großer Teil der Gärtner überhaupt keine Beschäftigung bekommt. […] Die Industrielle Bezirkskommission Wien schildert die Lage des Arbeitsmarktes für die Gärtner in ihrem Bericht für 1931 mit folgenden Worten: ‚Blumengärtnergehilfen waren nur schwer unterzubringen. Ganz besonders schlecht war die Vermittlungsmöglichkeit für verheiratete Gärtner.‘ Es ist Tatsache, daß unter den arbeitslosen Gärtnern die überwiegende Anzahl verheiratete Arbeiter sind und daß heutzutage nur noch die ledigen Arbeiter hie und da Aussicht haben, eine Arbeit für kurze Zeit zu bekommen. Hier ein Gesetz zu beschließen, wodurch wieder tausende Arbeitslose um die Unterstützung gebracht werden sollen, das heißt wahrlich ein Spiel mit dem Feuer treiben.“105
2.3 Austrofaschismus 1933–1938
Bereits ab 1932 wurde ein politischer Veränderungsprozess in Gang gesetzt, der am 4. März 1933 zum Rücktritt der drei Präsidenten des Nationalrats führte und den die Regierung unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß für sich nutzte, um den Nationalrat auszuschalten.106 Danach begann die sukzessive Ausschaltung der Sozialdemokratie, anfangend mit dem Verbot des Schutzbundes am 31. Mai 1933 bis zum Verbot der Sozialdemokratischen Partei und ihr nahestehender Vereine und Organisationen im Februar 1934. Parallel dazu kam es zur Ausschaltung und Einschränkung rechtsstaatlicher Einrichtungen wie der Einschränkung der Pressefreiheit und der Geschworenengerichte sowie dem Verbot politischer Demonstrationen.107
Die Regierung Dollfuß begann 1932 zudem mit sozialpolitischen „Reformen“, die nur durch den eingeleiteten politischen Veränderungsprozess möglich wurden. Diese „Reformen“ gingen einher mit einem massiven sozialen Leistungsabbau: Die Senkung der Produktions- und Lohnkosten und die Sanierung der Sozial- und speziell der Arbeitslosenversicherung bedeuteten für die Arbeitnehmerschaft Kürzungen in allen Bereichen. Die Lebensbedingungen für die Arbeiterschaft hatten sich dadurch dramatisch verschlechtert.108
Durch diese massiven Eingriffe konnte eine der wichtigsten Forderungen der Unternehmerschaft, die Senkung der Produktionskosten, erfüllt und gleichzeitig eine Entlastung des Staatshaushaltes durch die Senkung der Ausgaben für „soziale Verwaltung“ erreicht werden.109
Auf politischer Ebene stieg im Lauf der Jahre die Bedeutung der Landwirtschaft. Die christlich-soziale Partei hatte – parallel zur Drei-Säulen-Theorie der Sozialdemokratie basierend auf den Bestandteilen Partei, Gewerkschaftsbund und Konsumgenossenschaften – im agrarischen Bereich ebenfalls ein dreigliedriges System entwickelt: Die politische Vertretung oblag dem Bauernbund (1919 erfolgte der Zusammenschluss der christlich-sozial und konservativ orientierten Bauernbünde zum politisch dominierenden Reichsbauernbund), die ständischen Interessen wurden von den Kammerorganisationen wahrgenommen und für die wirtschaftlichen Belange war das Genossenschaftswesen zuständig.110
Im Mai 1933 kam es zur Gründung der Vaterländischen Front (V.F.), einer hierarchisch und autoritär strukturierten „politischen Monopolorganisation“ des Austrofaschismus. Sie hatte, „aufgrund des korporativen Beitrittes ganzer Körperschaften und Organisationen“, Ende 1935 mehr als 2,15 Millionen Mitglieder.111 Auch unter den Gärtnern gab es V.F.-Mitglieder, so etwa Anton Eipeldauer, Eduard Maria Ihm, Fritz Kratochwjle und Viktor Mödlhammer.112
Nach der Ermordung von Engelbert Dollfuß durch Nationalsozialisten im Juli 1934 übernahm Kurt Schuschnigg das Amt des Bundeskanzlers und führte zunächst das Land im Sinne von Dollfuß weiter, hatte aber gegen den immer stärker werdenden politischen und wirtschaftlichen Druck Deutschlands anzukämpfen. Dies führte 1936 zum sogenannten „Juliabkommen“: Das deutsch-österreichische Abkommen vom 11. Juli 1936 bildete die Grundlage für den 1938 folgenden „Anschluss“. Dabei verpflichtete sich Österreich unter anderem zu einer weitreichenden Amnestie angeklagter bzw. verurteilter Nationalsozialisten sowie zur Zulassung der „nationalen Opposition“ in politische Ämter. Deutschland verzichtete dafür pro forma auf jede weitere Einmischung in innerösterreichische Angelegenheiten.113
2.3.1 „Berufsständische Ordnung“
Unter der „berufsständischen Ordnung“ verstand man die Zusammenführung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern der gleichen Berufsgruppe in einer Organisation, dem Berufsstand.
Das Konzept der „berufsständischen Ordnung“ sah, dem zugrunde liegenden autoritären Prinzip entsprechend, sieben Berufsstände unter Aufsicht des Staates vor: Land- und Forstwirtschaft, Industrie und Bergbau, Gewerbe, Handel und Verkehr, Geld-, Kredit- und Versicherungswesen, freie Berufe und öffentlicher Dienst. Die Konkretisierung der berufsständischen Ordnung – sie war in der neuen Verfassung nur wenig geregelt – blieb Ausführungsgesetzen überlassen, die größtenteils nicht erlassen wurden.114
Die Gründung der sieben Berufsstände sollte sich laut Sozialminister Neustädter-Stürmer in drei Etappen vollziehen. Als Erstes war die einheitliche Organisierung aller Arbeitnehmer – mit der Errichtung des Gewerkschaftsbundes – angedacht, in einem zweiten Schritt sollten die Arbeitgeber in Bünden organisiert werden, und erst danach sollte es in einem dritten Schritt zur Vereinigung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer kommen und die Berufsstände sollten errichtet werden. Die ersten beiden Schritte dienten demgemäß zu Vorbereitung und erst mit dem dritten Schritt konnte der berufsständische Aufbau durchgeführt werden.115
Bis 1938 wurden nur zwei der laut Verfassung vorgesehenen sieben Berufsstände eingerichtet, der Berufsstand öffentlicher Dienst116 und der Berufsstand Land- und Forstwirtschaft – hier waren die Landarbeiter bereits in bestehenden Landwirtschaftskammern integriert. Alle anderen Berufsstände kamen über die ersten beiden Stadien (Errichtung des Gewerkschaftsbundes und Errichtung der vier Unternehmerbünde117) nicht hinaus. Die Zusammenführung in eine einheitliche Organisation fand nicht statt.118
2.3.2 Austrofaschismus in Wien
In Wien war der Machtwechsel blutig – de facto herrschte im Februar 1934 Bürgerkrieg – und hatte weitreichende Auswirkungen auf die Bewohner der Stadt, die vielfach der sozialdemokratischen „Freien Gewerkschaft“ und der Sozialdemokratischen Partei verbunden waren.
Anstelle des bis dahin frei gewählten Stadtparlaments trat die Wiener Bürgerschaft. Sie bestand aus 64 Mitgliedern, die den Titel „Rat der Stadt Wien“ trugen, und war „unter Berücksichtigung der berufsständischen Gliederung der Bevölkerung zu bilden“.119 Dabei konnten nur „vaterlandstreue“ und vom Bürgermeister ernannte Personen zum Zug kommen.120 Einer dieser „Räte“ war der Gärtner Michael Walla, der maßgeblich am Aufbau des Bundesverbandes der Erwerbsgärtner Österreichs und der Landesgartenbauvereinigung Wien beteiligt war.121
Die neue austrofaschistische Stadtverwaltung unter Bürgermeister Richard Schmitz war bis zur Okkupation Österreichs im März 1938 wirtschaftlich in erster Linie damit beschäftigt, das Haushaltsdefizit abzubauen, das aus den von der Bundesregierung auferlegten Belastungen herrührte. Dabei sah sie sich genötigt, die früher von den christlich-sozialen Abgeordneten heftig bekämpften kommunalen Steuern wie z. B. die Fürsorgeabgabe und die in „Mietaufwandsteuer“ umbenannte Wohnbausteuer, beizubehalten.122
Die bescheidenen Investitionsmittel wurden vor allem zum Straßenbau – in Wien hauptsächlich zum Bau der Höhenstraße und der Wientalstraße – eingesetzt. Die Wohnbautätigkeit sollte auf privater Basis, wie vor dem Ersten Weltkrieg, durch steuerliche Begünstigungen und Subventionierung aus den neu geschaffenen Fonds für Hausreparatur und für Haussanierung angekurbelt werden, doch erwiesen sich diese Programme als Fehlschlag. Die Zahl der privaten Bauführungen war 1937 niedriger als 1934.123
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich die Lasten- und Leistungsverteilung eindeutig zu Gunsten der städtischen Ober- und Mittelschicht veränderte. Die Ära Schmitz war auch gekennzeichnet von einer massiven, alle Bereiche durchziehenden kreuzzugähnlichen Rekatholisierungsbestrebung, die einen Teil der Bevölkerung in die Arme der NS-Bewegung trieb.124 Mit dieser Begründung lässt sich auch der Beitritt des sozialdemokratischen Gärtners Josef Stowasser zur NSDAP erklären.
Dem Rekatholisierungsdruck hielten viele Personen in öffentlichen Funktionen nicht stand. So trat der sozialdemokratische Direktor der Fachlehranstalt für Garten- und Obstbau in Wien-Kagran, Anton Eipeldauer, 1934 der römischkatholischen Kirche und der Vaterländischen Front bei, er wurde 1935 aber trotzdem als Direktor abgelöst.125
2.3.3 Landschaftsgärtner und Gartengestalter und der „Freiwillige Arbeitsdienst“126
Für die Gartenarchitekten und Gartengestalter eröffneten sich durch den Machtwechsel neue Betätigungsfelder, z. B. der Bau von Sportstätten, es stieg aber auch die Konkurrenz.
Körperliche Betätigung, Turnen und Sport wurden von Dollfuß rasch als massenwirksam und deshalb wichtig erkannt, ebenso deren Potenzial für die „Volksertüchtigung und Wehrerziehung“.127 Dem Mangel an Übungsstätten wurde zunächst durch die Neuzuteilung der ehemaligen Sportplätze der Sozialdemokraten abgeholfen und später, wie der Historiker Matthias Marschik beschrieb, „durch ein weitreichendes Konzept zum Sportstättenbau entgegengewirkt, das mithilfe arbeitsloser Jugendlicher im Rahmen des ‚Freiwilligen Arbeitsdienstes‘ umgesetzt wurde“.128
Der „Freiwillige Österreichische Arbeitsdienst“ war ein von der Dollfuß-Regierung im August 1932 in Anlehnung an den „Freiwilligen Arbeitsdienst“ im Deutschen Reich beschlossenes Instrument zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Ein Jahr später, im Oktober 1933, leisteten bereits 20.000 Personen – die Hälfte davon lebte in den 240 Arbeitslagern – ihrer Arbeitsdienst und wurden dabei bei Großprojekten wie dem Bau der Höhenstraße auf dem Kahlenberg oder dem Reichsbrückenbau in Wien eingesetzt. Bis 1935 wurde der Arbeitsdienst ausgebaut, danach aber reduziert. 1937 wurden nur noch 4500 Personen zum Arbeitsdienst herangezogen.129
Da der Sportstättenbau ein wichtiges Betätigungsfeld und eine bedeutende Einnahmequelle für Gartenarchitekten und Landschaftsgestalter war, führte die Einbindung des „Freiwilligen Arbeitsdienstes“ rasch zu Klagen seitens der gewerblichen Gärtner, aber auch die Einbindung des „Freiwilligen Arbeitsdienstes“ im Rahmen von Instandhaltungsarbeiten bei den Bundesgärten wurde beklagt und in der Innungszeitschrift „Der Erwerbsgärtner“ kommentiert:
„Nun aber ist auch in Schönbrunn ein Lager des freiwilligen Arbeitsdienstes eingerichtet worden. Es ist vielleicht nicht in jeder Hinsicht unsere Sache, schon allein darüber ungehalten zu sein, daß für die bisherigen, gärtnerisch qualifizierten Arbeitskräfte, die dort jährlich bei den umfangreichen Instandhaltungsarbeiten ihr Brot fanden, nunmehr durch diesen freiwilligen Arbeitsdienst brotlos gemacht sind und unfreiwillig in die Liste der Arbeitslosen gedrängt wurden.
Jene Tatsache aber, daß dieser freiwillige Arbeitsdienst schon seit geraumer Zeit, im Dienste der Schönbrunner Schloßhauptmannschaft, überdies auch dazu benützt wird, dem Steuerzahlenden und von den vielen Abgaben sich weiß blutenden Gewerbe Arbeiten zu nehmen, interessiert uns sehr. Es ist unsere berufene Pflicht und Aufgabe mit einem restlosen Erfolg dagegen anzukämpfen und zwingt uns in unserem harten Existenzkampf gebieterisch zu der Forderung, daß hier ohne Verzug Abhilfe geschaffen wird. Hier beginnt jene ‚unreelle Konkurrenz‘, man könnte sagen jener ‚Dumping‘, wo dem steuerzahlenden Gewerbe und den ‚umsonst Kräften‘ der öffentlichen Hand die Konkurrenz gemacht wird. Denn diese Kräfte sind von der Bauleitung bis zum Hilfsarbeiter, aus Staatsmitteln besoldet und sind ihrerseits weder Steuer- noch Abgabenpflichtig. Wenn (im gegenständlichen Falle) diese Praxis der Schloßhauptmannschaft ‚Schule macht‘, so ist sie geeignet insbesondere jenen Teil der Landschaftsgärtner um ihre Existenz zu bringen, die sich bisher als Spezialität mit der Ausführung von Sport- und Spielanlagen, Rasenplätzen ec. befaßt hat.“130
Besonderen Ärger auf Seiten der gewerblichen Gärtnerschaft erregten die Vergabe landschaftsgärtnerischer Arbeiten im Zuge der Erweiterung und Regulierung der Billrothstraße, die Errichtung eines Sportplatzes am Institut für Turnlehrerausbildung in der Sensengasse 3 oder die Errichtung eines Sportplatzes für ein Gymnasium im 14. Bezirk an den „Freiwilligen Arbeitsdienst“.131
2.3.4 Exkurs: Gärtnerische Verflechtungen
Während der Habsburger-Monarchie gab es vielfältige berufliche Vernetzungen mit Deutschland und anderen europäischen Staaten. Zahlreiche der in führenden Stellungen tätigen Gärtner, waren in ganz Europa herumgekommen, hatten in verschiedenen deutschen, englischen oder belgischen Gartenbaubetrieben praktiziert oder in Berlin-Dahlem die Höhere Gartenbauschule besucht.
Beispielhaft für die vielfältige Arbeitstätigkeit innerhalb Europas sei der 1848 in Wien geborene Johann Konrad Rosenthal genannt. Er absolvierte seine Lehrzeit in einer Baumschule und Samenhandlung in Celle (Hannover) und war danach ein Jahr in Gent tätig. Von 1867 bis 1868 besuchte er die Höhere Gärtnerlehranstalt Berlin-Dahlem, arbeitete danach in Metz und wechselte ein Jahr später wieder den Arbeitgeber, um in Paris und Versailles zu wirken. 1870 ging Rosenthal nach Großbritannien und arbeitete in Edinburgh, Kew Gardens und Hampton Court. Er kehrte 1872 nach Wien zurück und übernahm eine Baumschule, die er 1897 wieder verkaufte, um im Jahr darauf bei der Firma Späth in Berlin zu arbeiten. Im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit wurde ihm auch der Titel k. k. Hofkunstgärtner verliehen. Rosenthal starb im Alter von nur 51 Jahren 1899 in Deutschland.132
Ein weiteres Beispiel ist Wilhelm Lauche, der spätere Leiter der Höheren Obstund Gartenbauschule in Eisgrub. Lauche, am 12. Juni 1859 in Abtnaundorf bei Leipzig geboren, absolvierte in seinem Heimatdorf und an der Kgl. Gärtnerlehranstalt Wildpark-Potsdamm seine Ausbildung und studierte im Anschluss Botanik in Leipzig. Danach arbeitete er in Gent, Herrenhausen und Proskau um schließlich 1883 in die Dienste des Fürsten Liechtenstein zu treten. Er avancierte zum Direktor der Liechtensteinschen Hofgärten in Eisgrub, war k. k. Regierungsrat und Honorardozent an der Hochschule für Bodenkultur in Wien – mit einem Wort ein wichtiges und verdientes Mitglied der österreichischen Gesellschaft.133
Anhand dieses Beispiels wird deutlich, wie durchlässig der Arbeitsmarkt für gut ausgebildete Gärtner war und welch internationale „Wissensnetzwerke“ ihnen zur Verfügung standen. Reisestipendien und Empfehlungsschreiben trugen das Ihre zum europäischen Austausch bei.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erwies sich die internationale Zusammenarbeit mit den Kollegen aufgrund territorialer Verschiebungen als schwieriger und Karrierewege wie der zuvor beschriebene wurden nahezu unmöglich. Zwar publizierten die ehemaligen Mitbürger und nunmehrigen Tschechen, Ungarn, Serben etc. nach wie vor in österreichischen Gartenmedien der persönliche Kontakt und die Reisetätigkeit verkomplizierte sich jedoch aufgrund von Ländergrenzen, Reisepässen und hohen Transportkosten.
Der Wunsch nach einer engeren Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Österreich bestand um 1920 auf beiden Seiten. Unter dem Eindruck der Eingliederung verschiedener österreichischer Landesobstbauvereine in die Österreichische Gartenbau-Gesellschaft räsonierte der Eisenacher Gartendirektor Arthur Janson über einen Zusammenschluss des deutschen und österreichischen Gartenbaus:
„Der von uns und Oesterreich erpreßte Friedensvertrag hat freilich die Zusicherung erzwungen, auf eine Vereinigung von Deutsch-Oesterreich mit dem Deutschen Reiche zu verzichten. Jeder Erpressung aber fehlt die Rechtsgültigkeit. Wir alle, ob Reichsdeutsche oder Deutschösterreicher, fühlen, daß der Tag kommen wird, an dem wir ein eigenes Volk sein werden, und damit wird auch die Stunde kommen, wo der Gartenbau beider, jetzt noch getrennten Staaten, dieselben Ziele und Interessen haben wird. Es zeugt von der Weitsichtigkeit der österreichischen Gartenbaukreise, wenn sie den Willen aussprechen, diesen Zusammenschluß geistig vorzubereiten. Die Notwendigkeit des Zusammenschlusses mit Deutschland wird allgemein in Oesterreich lebhafter empfunden als bei uns. Das liegt in der Natur der Sache, weil wir selbst, trotz aller Nöte des Tages, doch die Ueberzeugung in uns tragen, daß wir für uns allein lebensfähig bleiben wohingegen Deutschösterreich das innere Bedürfnis der Anlehnung an Deutschland empfindet.“134
In Österreich reagierte man freundlich-zurückhaltend auf diese Ansage und antwortete vorsichtig und mit gewissen Vorbehalten:
„Vorläufig ist die politische und wirtschaftliche Lage noch zu verworren, um es schon zu ermöglichen, auf ein ganz bestimmtes Ziel loszugehen. Wir streben jedoch danach, die Vorgänge in Deutschland auf das ernsteste zu verfolgen und hoffen, daß recht bald eine Klärung der allgemeinen Lage erfolgt, die bei uns ein engeres Zusammenarbeiten ermöglicht. Eine Vorbedingung dafür ist jedoch, daß sich die führenden Gartenbaukreise in Deutschland auch ihrerseits zu einem energischen und freundlichen Zusammenarbeiten die Hände reichen, damit in einer so schweren Zeit, wie der heutigen, auf jedem Einzelgebiete die verderbliche Zersplitterung vermieden wird. Vielleicht regt Kollege Janson durch die ‚Gartenwelt‘ eine derartige Zusammenarbeit in Deutschland an, und er kann versichert sein, daß wir das Unsrige tun werden, um auch die österreichischen Gartenbaukreise zu veranlassen, in freundschaftlicher Weise mit den deutschen Hand in Hand zu gehen.“135
Ob und in welcher Art und Weise eine verstärkte Zusammenarbeit deutscher und österreichischer Gartenbauverbände stattfand, wurde im Rahmen dieser Arbeit nicht explizit erhoben. Mit der 1924 gegründeten Gruppe Deutsch-Österreich der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst gab es ein Bindeglied und da die österreichischen Mitglieder die Zeitschrift „Gartenkunst“ erhielten, waren sie in den fachlichen Diskurs in Deutschland eingebunden.136
2.3.4.1 Österreichische Gärtner und Gartenarchitekten in Deutschland
Während in Deutschland die Höhere Gartenbauschule Berlin-Dahlem bereits 1824, damals noch unter dem Namen Gärtnerlehranstalt Wildpark – Dahlem, gegründet wurde,137 dauerte es in der Habsburger-Monarchie noch bis 1885 ehe die erste Höhere Gartenbauschule ins Leben gerufen wurde.138 Die Berliner Schule hatte einen hervorragenden Ruf und wurde auch von Österreichern besucht.
Einige österreichische Absolventen blieben in Deutschland. Ein Beispiel dafür ist Hans Nekam. Seine Lehrzeit absolvierte er in der Piattischen Schloßgärtnerei in Loosdorf (NÖ), danach besuchte er die Gartenbauschule „Elisabethinum“ in Mödling und leistete seinen Militärdienst in Wien. Im April 1900 begann er als Landschaftsgärtner in Düsseldorf zu arbeiten. Nekam war danach in Zürich, England, und Paris tätig ehe er nach Deutschland zurückkehrte. Dort arbeitete er im Hofgarten Herrenchiemsee in Bayern und in Berlin bei der Firma L. Späth. Danach wechselte er als Obergärtner nach Schloss Glienig bei Dahme, dann nach Zeuthen bei Berlin und schließlich arbeitete er auf Schloss Heilmannshöhe bei Güstrow. Von 1912 bis 1914 besuchte er die Gartenbauschule Berlin-Dahlem und trat nach deren Abschluss als Gartentechniker in den Dienst der städtischen Gartenverwaltung in Berlin-Steglitz. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete er im Beirat der Kriegsgräberabteilung in Krakau. Nekam blieb in Berlin in unterschiedlichen Stellungen tätig, nebenberuflich war er auch Lehrer an der Gartenbauschule in Marienfelde. Ab 1920 arbeitete er als Gartenarchitekt im städtischen Gartenamt Berlin-Neukölln.139
Aus allen Teilen der Habsburger-Monarchie zog es Absolventen der Höheren Gartenbauschule in Eisgrub nach Deutschland, wo einige Karriere machten. So wurde beispielsweise der gebürtige Eisgruber Franz Tilk Leiter des Stadtgartenamtes Berlin,140 der aus dem mährischen Ort Malenowitz stammende Karl Rektorik wurde Stadtgartendirektor in Kiel141 und der ebenfalls aus Mähren stammende Georg Treutner wurde Stadtgartendirektor im westfälischen Herne bzw. scheint auch als Gartenarchitekt im westfälischen Wanne auf.142 Österreicher im Sinne der heutigen Staatsgrenzen dürften nur wenige dieser Personen gewesen sein. Vermutlich arbeitete der Wiener Max Gansinger als Gartentechniker in Hamburg.143
Tabelle 3: Österreichische Besucher der Höheren Gartenbauschule in Berlin-Dahlem in alphabetischer Reihung bis 1924.144
| Name | Geburtsdatum und Ort | Schulbesuch |
| M. Aczel (Frl.) | Wien | 1916 Praktikantin |
| Jantje Duursma | 12.08.1892, Mödling, NÖ | 1913 Hospitantin |
| Gustafine Dornbaum | 26.04.1894, Wien | WS 1913 |
| Anna Fasching | 22.11.1873, Obernberg am Inn, OÖ | 1917 Hospitantin |
| Hans Grubbauer | 22.01.1900, Marburg | 1922/24 |
| Hans Nekam | 22.10.1875, Kantendorf, NÖ | 1912/14 |
| Franz Nothhacksberger | 04.09.1882, Mistelbach, NÖ | 1903/04 |
| Johann Konrad Rosenthal | 21.10.1848, Wien | 1867/68 |
| Marie Clara Rössel | 18.07.1859, Hinterbrühl, NÖ | 1922/23 Hospitantin |
| Karl Schaum | 21.01.1868, Langenzersdorf, NÖ | 1889/91 |
| Hermann Schlegel | 25.02.1899, Salzburg | 1922/23 Hospitant |
| Margarete Schmitt | 04.03.1858, Treitl bei Aspang, NÖ | 1916 Praktikantin |
| Dora Wiener | 06.12.1874, Wien | WS 1908/09 Hospitantin |
Auch Franz Nothhacksberger zog es zur Ausbildung nach Berlin-Dahlem, davor war er bereits Volontär im k. k. Hofgarten Schönbrunn und hatte zudem die Höhere Gartenbauschule in Eisgrub besucht. Er blieb nach Beendigung seiner Ausbildung 1904 in Deutschland und arbeitete in Köln als Friedhofsinspektor bevor er wieder nach Wien zurückkehrte. Danach wechselte er mehrmals zwischen Österreich und Deutschland. Hatte er zuvor ein eigenes Gartenarchitekturbüro betrieben, arbeitete er ab 1909 in Pforzheim als städtischer Friedhofsverwalter und wechselte danach zur Firma Albert Lilienfein nach Stuttgart, wo er 1912 erster Gartenarchitekt und Geschäftsführer wurde. Anfang der 1920er-Jahre wurde er Leiter der Abteilung Gartengestaltung der Firma Hermann Rothe in Berlin.145 Nothhacksberger kehrte 1924 nach Wien zurück, wo er ein Sonderbüro für Gartengestaltung der Firma Rothe gründete.146
Der aus Sachsen stammende, aber lange Zeit in Österreich, unter anderem als Sekretär der Dendrologischen Gesellschaft für Österreich-Ungarn, tätige Camillo Schneider verlegte nach dem Ende des Ersten Weltkriegs seinen Wohn- und Arbeitsplatz nach Berlin.147
Danach gibt es für längere Zeit keine vorliegenden Informationen über ausgewanderte Gärtner. Erst mit der Ausschaltung des Parlaments durch Engelbert Dollfuß 1933 und dem damit einhergehenden Verbot der NSDAP finden sich Spuren von österreichischen Gartenarchitekten in Deutschland.
Ein Beispiel ist der Salzburger Gartenarchitekt Hans Kern. Er war im Juni 1932 der NSDAP beigetreten und wurde im Mai 1935 wegen Hochverrats zu 18 Monaten schweren Kerkers verurteilt. Nachdem er im April 1936 bedingt entlassen wurde, reiste er im Juni 1936 nach München, wurde als Flüchtling anerkannt und begann bei der Gartengestaltung Max Müller in Bamberg zu arbeiten. Bereits ein Jahr später arbeitete er als Landschaftsberater, später als Landschaftsanwalt in Halle an der Saale. Kern kehrte als Landschaftsanwalt nach dem „Anschluss“ nach Österreich zurück. Über seine weitere Arbeitsbiografie ist nichts bekannt.148
Ein anderes Beispiel ist Viktor Mödlhammer. Auch für ihn waren politische Gründe – seine „nationale Gesinnung“, wie er es nannte – ausschlaggebend für seinen Aufenthalt in Deutschland. Er arbeitete allerdings nur einige Monate, von November 1937 bis März 1938, bei Gartengestalter Rose in Dresden, bevor er nach Österreich zurückkehrte.149
Wie viele österreichische Gärtner und Gartengestalter nach dem „Anschluss“ als Gartentechniker ins „Altreich“ wechselten, ist nicht bekannt.
2.3.4.2 Deutsche Gärtner und Gartenarchitekten in Österreich
Nach dem „Anschluss“ 1938 kamen natürlich auch „reichsdeutsche“ Gartenarchitekten in Österreich zum Einsatz und sie brachten zumeist eigenes Personal mit. Der bekannte Gartenfachmann Hermann Mattern war mit der Planung und Ausführung der Außenanlagen der „Krupp-Anlage“ im niederösterreichischen Berndorf beauftragt und setzte seinen Mitarbeiter Heinz Schulze als Bauleiter ein.150 Er war auch als „Landschaftsanwalt“151 für Alwin Seifert tätig und mit der Gestaltung der Grünflächen der Autobahn Wien – Brünn – Breslau beauftragt.152 Neben Mattern arbeiteten Ludwig Schnizlein153 und Friedrich Heiler154 als Landschaftsanwälte in Österreich (damals Ostmark).
In Wien avancierte 1941, nach der Zwangspensionierung von Fritz Kratochwjle, der deutsche Gartentechniker Rudolf Stier zum Wiener Gartenamtsleiter. Er hatte diese Position bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs inne.155
Rudolf Stier war allerdings nicht der erste deutsche Leiter des Wiener Stadtgartenamtes. Bereits 1861 wurde der gebürtige Leipziger Rudolph Siebeck zum ersten Wiener Stadtgärtner und 1871 zum ersten städtischen Gartendirektor bestellt. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten zählt die – gemeinsam mit dem Landschaftsmaler Josef Selleny geplante – Anlage des Wiener Stadtparks. Siebeck hatte die Leitung der Stadtgartendirektion bis 1878 inne.156
Nur wenige Jahre später, 1884, wurde der in Frankfurt am Main geborene Gustav Sennholz zum Leiter des Stadtgartenamtes bestellt. Er hatte zuvor eine Ausbildung an der Gärtnerlehranstalt Wildpark-Potsdam absolviert und danach bei den Gebrüdern Siesmayer gearbeitet.157 Sein Name ist in Wien fest mit der Anlage des Türkenschanzparks verbunden. Während seiner Amtszeit – sie dauerte bis 1895, verbesserte er die Standortbedingungen der Ringstraßenbäume, wandelte den alten Hernalser Friedhof in einen Park um und gestaltete die Grünflächen bei der Karlskirche.158
Auch abseits der städtischen Gärten zog es Baumschulisten und Gartenarchitekten nach Wien. So etwa Gustav Frahm159, er stammte aus Holstein und gründete 1898 in Tullnerbach-Preßbaum die Baumschule Holsatia. Er selbst kehrte 1910 wieder in seine Heimat zurück. Die Baumschule wurde von seinem Schwiegersohn Wilhelm Dressen weitergeführt und 1920 an den jüdischen Unternehmer Siegfried Kann verkauft.160 Im März 1903 übersiedelte der in Münsterberg in Schlesien geborene Viktor Goebel nach Wien.161 Bereits 1905 schien sein Büro im Branchenverzeichnis in der Rubrik „Landschaftsgärtner und Garten-Architekten“ auf.162 Er gründete eine Baumschule samt Staudengärtnerei und war als Planer, etwa für Erzherzog Franz Ferdinand, sehr erfolgreich. Goebel war bis zu seinem Tod 1924 in Wien aktiv.163
Im Jahre 1912 übersiedelte der am 23. September 1888 in Berlin geborene Alfred Kasulke nach Wien um als Geschäftsführer der Firma J.L. van Eynelhoben ein Jahr lang tätig zu sein. Im darauffolgenden Jahr arbeitete er als Gartenarchitekt im „Gartenbauetablissement“ W. Stingl, dorthin sollten noch einige Landsmänner nachfolgen.164
In den 1920er-Jahren zog es viele Deutsche nach Wien. Der Gartenbaubetrieb Hermann Rothe A.G. plante eine Zweigniederlassung in Wien und rekrutierte Gartentechniker.165 Auf diesem Weg kam Wilhelm Hartwich nach Wien, etwas später traf Wilhelm Vietsch ein. Die beiden gründeten die Unternehmung Hartwich und Vietsch.166
Ungefähr zur selben Zeit übersiedelte auch Wilhelm Wolf nach Österreich. Er arbeitete zunächst als Gartentechniker in Wien, heiratete aber 1926 Helene Pollak und führte mit ihr bis 1938 gemeinsam die Gärtnerei „Helenium“. Wolf war auch berufspolitisch sehr aktiv und gründete gemeinsam mit anderen die „Vereinigung der Gartengestalter Österreichs“.167
Um 1923 kam Wilhelm Schmidt nach Wien.168 Er war zunächst bei Wilhelm Debor, später bei der Firma Gebhardt & Füssl beschäftigt und übersiedelte 1929 nach seiner Berufung in das städtische Gartenamt Essen wieder nach Deutschland. Schmidt war maßgeblich an der Gründung der Gruppe Deutsch-Österreich der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst beteiligt und war bis 1929 auch deren Vorstand.169
Ebenfalls Mitte der 1920er-Jahre verschlug es den gebürtigen Rheinländer Otto Gälzer nach Wien. Er arbeitete zunächst bei Wilhelm Debor, später bei Wenzel Stingl und gründete 1930 seinen eigenen Betrieb, der rasch zu einem der größten landschaftsgärtnerischen Betriebe Österreichs wurde. Aufgrund seiner deutschen Herkunft und der Kontakte zur NSDAP bekam er 1939 auch den Auftrag zur Ausführung der landschaftsgärtnerischen Arbeiten der eingangs erwähnten „Krupp-Anlage“ in Berndorf.170
Wie stark die Konkurrenz zwischen den in Wien ansässigen deutschen Gartenarchitekten und den einheimischen Gartenarchitekten war, ist schwer zu sagen. Es gibt viele Hinweise auf eine gute berufliche Zusammenarbeit und freundschaftliche Verbindungen. Die Bruchlinien innerhalb der Berufsgruppe der Gartenarchitekten verliefen eher entlang politischer und weltanschaulicher Grenzen. Mit dem „Anschluss“ 1938 änderte sich dieses Bild jedoch, da nun „Reichsdeutsche“ sowohl bei der Ämtervergabe als auch bei Aufträgen eher bedacht wurden. Dies belegt unter anderem eine Aussage Albert Eschs, der 1946 erklärte, durch Otto Gälzer und Alwin Seifert künstlerisch (gemeint war damit wohl auch ökonomisch) unterdrückt worden zu sein.171
2.3.4.3 Entwicklungen im deutschen Gartenbau ab 1933
Mit der im Jänner 1933 erfolgten Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler begann die Transformation Deutschlands zu einem totalitären Staat. Erklärtes Ziel der Machthaber war die absolute Kontrolle von Bürgern und Organisationen durch die NSDAP und ihre Organe.
Für den deutschen Gartenbau bedeutete dies die Neuordnung der Berufsgruppe172 auf allen Ebenen. Gustav Allinger, ab 1933 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst, begrüßte diese Neuorganisation und kündigte eine radikale Änderung der Verbandsstrukturen an:
„Nachdem die Idee des Nationalsozialismus nach jahrelangem Kampf den Sieg errungen und Adolf Hitler die Reichsgewalt übernommen hatte, sind die politischen und wirtschaftspolitischen Ziele eindeutig festgelegt. Gleichzeitig aber ist von der Führung des Reiches und der Länder und mit maßgebender Unterstützung der dafür eingesetzten parteiamtlichen Stellen der NSDAP. auch die große berufsständische und kulturelle Neuordnung zielbewußt eingeleitet worden. Es ist selbstverständlich, daß im Zuge dieser Neuordnung auch die bisher vorhandenen Berufs- oder Liebhaberverbände des Gartenbaues und der Gartengestaltung von der Bewegung erfaßt werden müssen, daß ihre Arbeit auf eine neue Grundlage gestellt wird und daß sie gleichzeitig auf Grund der neuen Eingliederung auch neue Aufgaben zugewiesen erhalten. Ebenso selbstverständlich aber ist, daß diejenigen Verbände oder Vereinigungen, die in den letzten Jahren schon nicht recht lebensfähig waren, oder die sonst wie als entbehrlich und überflüssig, vielleicht sogar als für die Berufseinheit schädlich bezeichnet werden müssen, restlos zu verschwinden haben.“173
Es sollte die „Einheitsfront des Gartenbaues“ geschaffen werden die sich aus dem „berufsständischen Aufbau“, dem „kulturellen Aufbau“ und dem „Aufbau der Arbeitsfront“ zusammensetzte.174 Die Umsetzung der Neuorganisation des berufsständischen Aufbaues wurde im Auftrag des Reichsbauernführer Darré vom „Reichsverband des Deutschen Gartenbaues“ übernommen. Dieser Verband wurde bereits im April 1933 mit der „Zusammenfassung und Gleichschaltung aller Vereine und Verbände des Erwerbsgartenbaues einschließlich der Landschaftsgärtner […] durch das Amt für Agrarpolitik der NSDAP. beauftragt“,175 im Herbst 1933 war dieser Auftrag beinahe vollständig ausgeführt.
Der „Reichsverband des Deutschen Gartenbaues“ übernahm zusehends die Funktion der Interessenvertretung des gesamten Gartenbaues und untergliederte sich in folgende Fachgruppen: Obstbau, Gemüsebau, Samenbau, Blumen- und Pflanzenbau, Baumschulen, Garten-, Park- und Friedhofsgestaltung und Behördengartenbau. Jede dieser Gruppen hatte einen ehrenamtlichen „Führer“ und konnte nach Bedarf in Sondergruppen aufgeteilt werden. So differenzierte sich beispielsweise die Gruppe Garten-, Park und Friedhofsgestaltung, deren „Führer“ Gustav Allinger war, in die Sondergruppen Deutsche Gartenarchitekten, Gartenausführende und Friedhofsgärtner.176
Der Reichsverband wurde unter der Leitung von Johann Boettner später zur Gänze in den Reichsnährstand eingegliedert und Boettner zum ehrenamtlichen Leiter des Erwerbsgartenbaues ernannt.177 Wilhelm Ebert wurde Leiter der Unterabteilung Gartenbau im Reichsnährstand.178
Um auch den kulturellen Aufbau voranzutreiben, wurde „im Einvernehmen mit dem Kampfbund für deutsche Kultur“ und im Auftrag von dessen Reichsorganisationsleiter Hans Hinkel die „Deutsche Gesellschaft für Gartenkultur“ gegründet und alle Gartenbauvereine – seien es gartenkünstlerische, wissenschaftliche oder Laienvereine – wurden ihr eingegliedert, jüdische Mitglieder waren selbstverständlich bereits vorher ausgeschlossen worden.179 Die Gesellschaft für Gartenkultur war ebenfalls untergliedert und zwar thematisch in einen Bereich für gartenkünstlerische Vereine (hier sollte die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst die Führungsrolle übernehmen), einen Bereich für botanische Vereine (Deutsche Dahliengesellschaft, Kakteenfreunde, Rosenfreunde etc.) und einen Bereich für allgemeine Gartenkultur (Deutsche Gartenbau-Gesellschaft). Präsident der Gesellschaft für Gartenkultur war Johann Boettner.180 Die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst (DGfG) wurde im Zuge dieser Zusammenlegungen deutlich in ihrer pluralistischen Ausrichtung beschnitten.
„Die DGfG. wird sich künftig auf ihre kulturellen Aufgaben beschränken und kein Tummelplatz mehr sein zur Austragung von Sonderinteressen beamteter oder freischaffender Berufsgenossen. […] Die Geschäftsstelle der DGfG. wird nach Berlin verlegt, so daß die Erledigung der Arbeiten von zentraler Stelle rasch und reibungslos möglich sein wird. Es wird ferner sorgfältig überprüft werden, ob die Gestaltung, Erscheinungsweise und die Schriftleitung der Zeitschrift ‚Gartenkunst‘ im Zusammenhang mit den Maßnahmen der ‚Deutschen Gesellschaft für Gartenkultur‘ Änderungen erfahren soll und kann, mit dem Ziel, die Zeitschrift und die von ihr erörterten Ideen einem weit größeren Kreis von Personen, vor allen Dingen aber der Jugend, zugänglich zu machen.“181
Die Zeitschrift „Gartenkunst“ diente ab diesem Zeitpunkt der Verbreitung der NSIdeologie im Gartenbau – sie war zu einem Propagandainstrument geworden. Auf diese Weise kamen auch die Mitglieder der Sektion Österreich der DGfG in direkten Kontakt mit den Anschauungen des NS-Regimes.
2.4 Drittes Reich 1938–1945
Bereits mit dem „Juliabkommen“ von 1936 begann, wie der Historiker Hanns Haas es ausdrückt, der „kalte Anschluss“. Der Begriff „Anschluss“ im engeren Sinne bezeichnet den Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich am 12. März 1938.182
Die Eingliederung Österreichs ging zügig voran. Am Tag nach dem Einmarsch in Österreich bekam der kommissarische Leiter Josef Bürckel von Adolf Hitler den Auftrag, die österreichische NSDAP zu reorganisieren und die Volksabstimmung im April vorzubereiten, die bekanntlich mit 99,6 % Ja-Stimmen für den „Anschluss“ endete.183 Bereits am 15. März wurde in Wien vom Chef der Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich eine Gestapoleitstelle errichtet und in den folgenden Wochen und Monaten wurde die österreichische Wirtschaft in die deutsche eingegliedert, die Landeshoheit der Bundesländer aufgelöst und der ehemalige Bundesstaat der Reichsregierung in Berlin unterstellt.184
Zeitgleich erfolgte die Gleichschaltung der Presse, indem das „Presseamt“ Josef Bürckels in den meisten Zeitungen „kommissarische Hauptschriftleiter“ und „kommissarische Verlagsleiter“ einsetzte, mit 15. März 1938 bereits die erste Wiener Ausgabe des „Völkischen Beobachters“ herausbrachte und im Laufe des Jahres rund die Hälfte der österreichischen Zeitungen einstellte.185 Damit einher ging die Entlassung und Inhaftierung vieler Journalisten und die Ausgrenzung jüdischer Journalisten.186
Unmittelbare Auswirkungen auf die „arische“ Bevölkerung hatte der rasche Abbau der Arbeitslosigkeit. Betrug die Arbeitslosenrate 1937 noch 22 Prozent, so sank sie bis 1938 auf 12,7 % und betrug 1939 nur noch 3,7 %. Dieses „Beschäftigungswunder“ wurde durch die Abwanderung vieler Facharbeit ins „Altreich“, die Ausweitung der Bürokratie, die Vertreibung von politisch und rassisch Verfolgten aus dem Arbeitsprozeß und durch Rekrutierungsmaßnahmen für Armee und Arbeitsdienst erreicht.187
Ein übergeordnetes Ziel des Hitler-Regimes war die Angleichung der österreichischen Wirtschaft an die Verhältnisse im „Altreich“. 1941 mussten jedoch führende Parteifunktionäre eingestehen, dass diese Angleichung trotz aller Bemühungen nicht gelungen war.188
2.4.1 Nationalsozialismus in Wien
Das Verhältnis der neuen Machthaber zu Wien war ambivalent. So verkündete zunächst Bürgermeister Hermann Neubacher:
„Wir werden diese deutsche Stadt Wien nationalsozialistisch verwalten und wir werden diese deutsche Stadt Wien einem ungeahnten Aufbau zuführen, einem Aufbau, der der Kritik der Welt standhalten wird, und einer Ausgestaltung, über die als oberster, unvergleichlicher Bauführer unser Führer des deutschen Volkes und des Großdeutschen Reiches Adolf Hitler mit seiner ganzen wahrhaft königlichen Baugesinnung stehen wird.“189
Hitler meinte jedoch im Rahmen vertraulicher Tischgespräche, dass er zwar Wien bewundere, aber vorhatte, „Wiens Vormachtsstellung auf kulturellem Gebiet in den Alpen- und Donaugauen zu brechen und ihm einmal in Linz eine Konkurrenz erstehen zu lassen und zum anderen Graz so auszubauen, daß seiner von jeher nicht so sehr für Wien begeisterten Bevölkerung in kultureller Hinsicht der Rücken gestärkt werde“.190
Bereits im Herbst 1938 kam es zur flächenmäßigen Ausweitung Wiens, es wurden zahlreiche Umlandgemeinden, wie z. B. Hadersdorf-Weidlingau, Liesing, Purkersorf, Rodaun, Mödling, Münchendorf und Schwechat eingemeindet. Insgesamt wurden 97 Gemeinden angegliedert, die Fläche der Stadt wuchs von 27.800 ha auf 121.800 ha und die Einwohnerzahl erhöhte sich um rund 213.000 auf 2.087.000 Personen.191 Die neu geschaffenen Bezirke trugen die Nummern 22 bis 26.192
Die vor dem „Anschluss“ existierenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Stadt, hauptsächlich die hohe Arbeitslosigkeit und die Wohnungsnot mit den daraus resultierenden Schwierigkeiten, sollten durch ein eigenes Wirtschaftsprogramm gelöst werden.193 Dabei hatte der „Anschluss“ zu einer Erhöhung der Arbeitslosenzahl beigetragen: So war im April 1938 die Zahl der Stellensuchenden in Wien von 204.000 auf 235.000 gestiegen. Aufgrund der Vertreibungen, der anlaufenden Rüstungsindustrie und schließlich durch den Kriegsausbruch konnte die Arbeitslosigkeit bis Ende September 1941 in Groß-Wien auf 871 registrierte Arbeitslose gesenkt werden.194
Das Wohnungsproblem konnte, trotz anders lautender Ankündigungen, nicht durch Neubauten gelöst werden, sondern es wurde durch die Deportation und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung gemildert.195
1939 avancierte Bürckel zum Gauleiter Wiens. Ihm waren auf politischer Ebene bis 1940 zwei große „Erfolge“ beschieden: „die völlige Zerschlagung Österreichs und der Aufbau der Reichsgauverwaltung sowie die Übernahme der Führung auch in der Wiener Gemeindeverwaltung“.196
2.4.2 Parteimitgliedschaft in der NSDAP
Da es unter den österreichischen Gartenarchitekten einige NSDAP-Mitglieder gab, ist es erforderlich, die Bedeutung der Mitgliedschaft und die Möglichkeiten der Erlangung einer Mitgliedschaft darzustellen.
In die NSDAP sollten, gemäß einem Ausspruch Hitlers, nur die besten Nationalsozialisten aufgenommen werden.197
Nach der Machtübernahme in Deutschland stieg die Mitgliederzahl rasant von 850.000 im Jänner 1933 auf 2,5 Millionen im Frühjahr 1933 an.198 Diese Flut von Neumitgliedern veranlasste die NSDAP-Führung im April 1933 eine Aufnahmesperre zu erlassen, die allerdings nicht für die Angehörigen der NSDAP-Jugendverbände galt.199
Mit der von Reichsschatzminister Franz Xaver Schwarz erlassenen Anordnung 18/37 vom 20. April 1937 wurde eine Lockerung der Mitgliedersperre verfügt und gleichzeitig der Status des „Parteianwärters“ geschaffen: Er hatte alle Pflichten, insbesondere Melde- und Beitragspflicht, allerdings konnte er nicht alle Rechte eines ordentlichen NSDAP-Mitgliedes beanspruchen. Die „Parteianwärterschaft“ gab es nur im Zeitraum vom 1. Mai 1937 bis 1. Mai 1939.200
Trotz der nach wie vor bestehenden Reglementierungen erlebte die NSDAP nach der Lockerung der Mitgliedersperre 1937 und der Einführung der „Parteianwärterschaft“ die größte Eintrittswelle ihrer Geschichte. Von Juni bis Dezember 1937 traten 783.466 Personen der NSDAP bei, von Dezember 1937 bis Juni 1938 stieg die Zahl der Aufnahmen mit 1.336.702 Neumitgliedern noch einmal erheblich an. Im Jahr 1939 wurden allein 171.484 Parteimitglieder aus der „Ostmark“ neu erfasst.201
Die Freiwilligkeit des Beitritts zur Partei war oberstes Gebot, obwohl sich die örtlichen Stellen ab 1939 zunehmend unter Druck gesetzt fühlten, die Vorgaben Hitlers zu erfüllen, nach denen 10 % der Bevölkerung Mitglieder der NSDAP sein sollten.202 Alle „Volksgenossen“, die deutsche Staatsbürger waren, einen guten Leumund und das 21. Lebensjahr vollendet hatten, konnten der Partei uneingeschränkt nur vom 1. Mai 1939 bis 2. Februar 1942 beitreten, da mit 2. Februar 1942 für die Dauer des Krieges eine totale Mitgliedersperre verhängt wurde. Ausgenommen davon waren nur Überweisungen aus den Reihen der Hitlerjugend.203 Mit der Verordnung 24/44 verfügte Reichsschatzminister Schwarz, dass ab dem 31. Oktober 1944 keine Aufnahmeanträge, mit Ausnahme von Kriegsversehrten, mehr vorgelegt werden durften.204
In Österreich wurde durch eine Verordnung der Bundesregierung vom 19. Juni 1933 jegliche Betätigung für die NSDAP verboten, was einem Verbot der Partei gleichkam.205 Das Betätigungsverbot blieb formal bis zum Anschluss an das Deutsche Reich, genauer gesagt bis zur Bildung der nationalsozialistischen Bundesregierung am 11. März 1938, in Kraft, obwohl bereits vorher Vertrauensleute der illegalen NSDAP in führende Positionen des austrofaschistischen Ständestaates berufen worden waren.206 Diese Periode wird in der NS-Terminologie auch als „Verbotszeit“ bezeichnet.207
Im Dezember 1939, nach der Aufhebung der im März 1938 für den Gau Wien eingeführten totalen Mitgliedersperre, wurden die Wiener „Parteianwärter“ schrittweise, je nach Verdiensten und Wichtigkeit für die Partei, bis 1942 als Parteimitglieder aufgenommen. Zu einer früher angekündigten „allgemeinen Aufnahmeaktion“ kam es nicht, es wurden nur die bereits gestellten Ansuchen abgearbeitet. Danach galt auch hier die im Februar 1942 verhängte totale Mitgliedersperre.208
1942 gab es auf dem Reichsgebiet des ehemaligen Österreich 688.478 NSDAPMitglieder, bei der Registrierung von NSDAP-Mitgliedern im Jahr 1946 ergab sich ein Mitgliederstand von 536.662.209
In Wien gab es Ende 1938 rund 100.000 Parteimitglieder, von denen rund 23.000 „Alte Kämpfer“ und weitere 42.000 „Illegale“ waren. Bis 1942 stieg die Zahl der NSDAP-Mitglieder im nunmehrigen Groß-Wien auf rund 160.000 an und nach 1945 gab es laut Registrierung nur noch 115.000 Wiener Nationalsozialisten. Der Historiker Gerhard Botz führt diesen Mitgliederschwund auf Kriegs- und Wanderungsverluste zurück.210
Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Definition der Begriffe „Alte Kämpfer“ und „Illegale“, die häufig verwendet werden und sich in Akten finden.
„Alte Kämpfer“, also Mitglieder der ersten Stunde, waren Personen, die bis zum Jahr 1928 der NSDAP beitraten und eine Mitgliedsnummer unter 100.000 hatten. Sie genossen Privilegien bei parteiinternen Sozialleistungen und durften das Goldene Parteiabzeichen tragen.211
Unter den „Illegalen“ verstand man jene Personengruppe „die erst nach dem Parteiverbot in Österreich zum Nationalsozialismus gestoßen waren“. Sie erhielten aufgrund der fehlenden bürokratischen Strukturen in diesem Zeitraum das einheitliche Aufnahmedatum 1. Mai 1938 zugeteilt und Mitgliedsnummern zwischen 6.100.000 und 6.600.000 sofern sie nachweisen konnten, dass sie in der Verbotszeit beigetreten oder „sich aktiv im nationalsozialistischen Sinne betätigt hatten“.212
Tabelle 4: NSDAP-Mitglieder unter den in Kapitel 7 beschriebenen Personen.213
| Mitglieder | Eintrittsdatum | Mitgliedsnummer |
| Gälzer, Otto214 | 1. Mai 19381 | 6.123.924 |
| Hartwich, Wilhelm | 1. August 19352 | 3.672.583 |
| Ihm, Eduard | 1. Jänner 19411, 2 | 9.235.288 |
| Mödlhammer, Viktor | 1. Mai 19332 | 1.622.725 |
| Stowasser, Josef | Juli 19363 | 6.197.783 |
| Trenkler, Otto215 | 1. Mai 19381 | 6.121.102 |
| Wladar, Josef Oskar | 1. März 19321 | 896.205 |
Die Frage, wie viele Gärtner tatsächlich NSDAP-Mitglieder waren, kann hier nicht beantwortet werden, da nicht alle bekannten Gärtner systematisch kontrolliert wurden. Von den rund 100 überprüften Personen konnte bei 24 eine NSDAP-Mitgliedschaft nachgewiesen werden.
2.4.3 Widerstand, Vertreibung, Ermordung
Auch unter Widerstandskämpfern, Vertriebenen und in Konzentrationslagern Internierten und Ermordeten finden sich auch einige Personen mit gärtnerischen Wurzeln – hier einige Beispiele:
Ein prominentes Beispiel für die Verschleppung in ein Konzentrationslager ist Emmerich Zederbauer. Der am 29. September 1877 in Nussdorf an der Traisen, NÖ, geborene Zederbauer studierte nach seiner Matura im Juli 1898 an der Universität Wien und promovierte an der Philosophischen Fakultät am 10. Februar 1903 mit der Arbeit: „Untersuchungen über ‚Anlage und Entwicklung der Knospen einiger Laubmoose“ im Fach Botanik.216 Er verstarb am 4. September 1950 und wurde bereits drei Tage später am Grinzinger Friedhof in Wien begraben.217 Zederbauer war von 1937 bis 1938 Rektor an der Hochschule für Bodenkultur und bereits ab 1924 Professor für Obst- und Gartenbau.218 Kurz nach dem Anschluss wurde er am 18. März 1938 festgenommen und einige Wochen später mit dem ersten Transport am 2. April 1938 von Wien aus in das KZ Dach überstellt. Er bekam die Häftlingsnummer 13788 und war der Kategorie „Schutzhäftling“ zugeteilt. Er wurde, vermutlich aufgrund seines Alters, am 20. September 1938 aus dem KZ Dachau entlassen.219 Während seiner Inhaftierung in Dachau wurde er mit dem Entwurf des Kräutergartens im KZ beauftragt, die Anlage „Freiland I“ wurde zwischen 1938 und 1940 realisiert.220
Ein Wiener Widerstandskämpfer mit Verbindungen zum Gartenbau war Franz Danimann, ein Kämpfer sowohl gegen den Austrofaschismus als auch gegen das Naziregime.221 Der am 30. August 1919 in Lugos, Rumänien, geborene Danimann absolvierte seine Gärtnerlehre vom 11. März 1935 bis 11. März 1938 bei Adalbert Worac, der eine Friedhofsgärtnerei beim Wiener Zentralfriedhof betrieb, und besuchte die fachliche Fortbildungsschule in Wien-Kagran vom Schuljahr 34/35 bis 37/38. Sein Abgangszeugnis erhielt er am 7. März 1938.222
Danimann kam über seinen Onkel und Ziehvater Eduard Kroneis in Kontakt mit der sozialdemokratischen Partei, er war während der Zeit des Austrofaschismus im illegalen Widerstand und in der nunmehr ebenfalls illegalen „Freien Gewerkschaft“ tätig. Nach dem „Anschluss“ wurde Franz Danimann 1939 von der Gestapo verhaftet und war von 1939 bis 1942 in unterschiedlichen österreichischen Gefängnissen, meist in Einzelhaft. 1942 wurde er schließlich in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo er am 27. Jänner 1945 seine Befreiung durch die Rote Armee erlebte.223 Nach 1945 absolvierte er ein Jusstudium, war lange Zeit als Leiter des Landesarbeitsamtes NÖ tätig und einer der wichtigsten Zeitzeugen des Widerstandes.224 Er starb im Juni 2013 in Wien.225
Der Tiroler Hubert Mayr, ebenfalls gelernter Gärtner, lebte und arbeitete zwar nicht im Untersuchungsgebiet, soll hier aber trotzdem als Beispiel für Widerstandskämpfer mit gärtnerischen Wurzeln angeführt werden.226
Peter Wallgram schilderte in seiner Biografie, wie sich der junge, am 28. November 1913 in Innsbruck geborene, Tiroler während seiner gärtnerischen Ausbildung in Deutschland der Sozialdemokratie zuwandte und dem republikanischen Schutzbund beitrat. Nach dem Verbot der Sozialdemokraten 1934 ging Mayr in den Untergrund, verließ schließlich Österreich und ging nach Spanien, um sich 1937 den Internationalen Brigaden im Kampf gegen General Franco anzuschließen. Er wurde interniert und konnte nach Algerien fliehen, wo er wiederum als Gärtner arbeitete. Nach der Landung der Alliierten in Nordafrika schloss er sich den Briten an, er wurde der Einheit „Special Operation Executive (SOE)“ zugeteilt und kehrte schließlich 1943 nach Österreich – genauer Außervillgraten in Osttirol – zurück, um dort eine Widerstandsgruppe aufzubauen. Diese Gruppe wurde jedoch verraten, mehrere Mitglieder wurden erschossen und von Hubert Mayr verlor sich jede Spur. Er galt ab der Jahreswende 1944/45 als verschollen und wurde 1945 von der SOE für tot erklärt.227
Von vielen jüdischen Gärtnern sind sowohl die Lebensumstände bis zum „Anschluss“ wie auch ihr weiteres Schicksal unbekannt. Exemplarisch für zur Auswanderung gezwungene Personen seien Grete Salzer, Hanny Strauss, Paula von Mirtow und Yella Hertzka genannt – ihre Lebensgeschichten sind in Kapitel 7 genauer beschrieben.
Zwei Beispiele für die Vernichtung jüdischen Lebens sind die Gärtner Andreas Paul Glasel und Kurt Knapp.
Andreas Paul Glasel wurde am 5. Oktober 1918 in Budapest geboren und besuchte zumindest im Schuljahr 1934/35 die fachliche Fortbildungsschule für Gärtner in Wien-Kagran. Er arbeitete in der in Wien sehr bekannten Rothschild-Gärtnerei auf der Hohen Warte im 19. Bezirk und wohnte in der Amerlingstraße 1 im 6. Bezirk.228 Über seinen weiteren beruflichen Lebensweg ist nichts bekannt – seine letzte Wohnadresse in Wien war Damböckgasse 2/18, 6. Bezirk. Am 31. August 1943 wurde Andreas Glasel nach Westerbork/Auschwitz deportiert, wo er am 3. September 1943 ermordet wurde.229
Kurt Knapp wurde am 11. April 1920 in Wien geboren und lebte mit seiner Familie230 im 11. Bezirk im Barackenlager Hasenleitengasse 6–8 in Baracke 2.231 Mit 1. Mai 1936 begann er eine Lehre bei dem Simmeringer Blumen- und Gemüsegärtner Ernst Sanda, der an der Adresse Hasenleitengasse 6–8 einen Betrieb führte. Die Lehrzeit sollte vom 1. Mai 1936 bis 1. Mai 1939 dauern.232 Wahrscheinlich hat Knapp seine Lehrzeit nicht beendet, da er in den Klassenbüchern der fachlichen Fortbildungsschule nach dem Schuljahr 1936/37 nicht mehr aufscheint. Nach dem „Anschluss“ wurde Kurt Knapp im August 1940 von der Gestapo erkennungsdienstlich behandelt.
Abb. 1: Kurt Knapp. Foto aus der erkennungsdienstlichen Kartei der Gestapo Wien.233
Der Eintrag in der Opferdatenbank des DÖW fasst die darauffolgende Entwicklung zusammen:
„Er [Anm. Kurt Knapp] und sein Bruder David waren landwirtschaftliche Hilfsarbeiter und wurden am 26.08.1940 wegen ‚Arbeitsverweigerung‘ festgenommen. Beide wurden am 16.10.1940 nach Dachau deportiert, und am 12.07.1941 nach Buchenwald verlegt. David wurde am 23.03.1942 ermordet, sein Bruder Kurt acht Tage später am 31.03.1942.“234
Die restlichen Familienmitglieder – Vater Leopold, Mutter Berta und die Geschwister Hermine, Ernst und Josef – wurden am 19. Februar 1941 gemeinsam mit 999 anderen Personen vom Wiener Aspangbahnhof nach Polen, in die nördlich von Krakau gelegene Stadt Kielce deportiert. Dort wurde Ende März 1941 ein Ghetto errichtet, in dem Ende 1941 rund 27.000 Juden lebten. Nur 18 von den 1.004 im Februar 1941 deportierten Juden überlebten,235 Mitglieder der Familie Knapp waren nicht darunter.236
2.2.4 Auswirkungen des „Anschlusses“ auf die jüdische Bevölkerung
Zeitgleich mit dem Einmarsch Hitlers in Österreich kam es zu ersten Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung. Von den in diesem Kapitel beschriebenen Auswirkungen waren selbstverständlich auch jüdische Gärtner, Gärtnereiarbeiter und Gartenbesitzer betroffen.
Der erzwungenen Auswanderung voran gingen „Arisierungen“ und Vermögensentzug. Die „Ausreisewilligen“ hatten Steuern, Umlagen und Abgaben zu entrichten. Die sogenannte „Judenvermögensabgabe“, nach den November-Pogromen 1938, wurde eingeführt. Alle staatsangehörigen Juden, die bereits aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden vom 26. April 1938 ihr Vermögen hatten anmelden müssen, wurden für abgabepflichtig erklärt.237 Mit 14. April 1938 war die im „Altreich“ geltende „Reichsfluchtsteuer“-Pflicht,238 rückwirkend für alle seit dem 1. Jänner ausgewanderten Personen, auf die angeschlossene „Ostmark“ ausgedehnt worden. Sie belief sich auf 25 % des gesamten steuerpflichtigen Vermögens, wobei der letzte Steuerbescheid maßgeblich war. Schulden und Belastungen konnten vor der Berechnung der „Reichsfluchtsteuer“ vom Gesamtvermögen abgesetzt werden.239 Die „Reichsfluchtsteuer“ sollte die vom Regime forcierte Ausreise nicht verhindern, in der Realität sah dies jedoch oftmals anders aus, da die zu zahlenden Beträge nicht aufgebracht werden konnten.240 Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs änderte sich die Zielsetzung der antijüdischen Politik weg von der forcierten Ausreise hin in Richtung Planung und organisatorischer Vorbereitung der Ermordung der europäischen Juden.241
Wien hatte 1938 rund 180.000 jüdische Einwohner,242 diese Zahl verringerte sich bis Ende 1941 auf 43.266 Jüdinnen und Juden im Sinne der Nürnberger Gesetze; Ende 1942 lebten nur mehr 8.053 hier, alle anderen waren in den Selbstmord getrieben, vertrieben oder deportiert.243 In Wien überlebten weniger als 5.700 Jüdinnen und Juden das „Dritte Reich“.244
2.4.4.1 Arisierung, Vermögensentzug
Der Begriff „Arisierung“ war eine nationalsozialistische Wortneuschöpfung und bezeichnet im weitesten Sinn die Enteignung und Beraubung von Juden sowie deren Verdrängung und Vertreibung aus bestimmten Berufen und gesellschaftlichen und kulturellen Positionen.245
„Arisiert“ wurden Unternehmungen, Geschäfte, Kapitalbesitz, Wohnungen, Haus- und Grundbesitz, Arbeitsplätze, Berufstätigkeiten und Ausbildungspositionen, Kunstgegenstände, Mobiliar, Musikinstrumente, geistiges Eigentum sowie Schmuck und andere Wertgegenstände.246
Unmittelbar nach dem „Anschluss“ begannen in Wien der Terror und die Beraubungsaktionen gegen jüdische Geschäfts- und Privatleute durch SA-Männer.247
Die Gier mancher Wiener und Wienerinnen beschränkte sich dabei nicht auf Plünderungen und „Hausdurchsuchungen“: Vielfach ernannten sich „wilde Kommissare“ zu Leitern in Firmen mit jüdischen Besitzern und „wilde Arisierungen“ griffen um sich.248
Diese Ausbrüche „spontaner Volkswut“ wurden von der nationalsozialistischen Führung insofern toleriert, als sie für größere strategische Ziele instrumentalisierbar waren.249 Sobald die Gefahr des Kontrollverlustes über den „Volkszorn“ drohte, wurde der Pöbel zur Ordnung gerufen.250 Ein erster Versuch, Ordnung in die „spontanen“ Arisierungen zu bringen, war das Gesetz über die Bestellung von kommissarischen Verwaltern und kommissarischen Überwachungspersonen vom 13. April 1938.251 Aber erst im Juli 1938 gelang es Gauleiter Bürckel mit Hilfe der von Reichsstatthalter Arthur Seyß-Inquart erlassenen Anordnung über kommissarische Verwalter, das Kommissarsunwesen endgültig unter Kontrolle zu bringen.252
Der Historiker Hans Witek identifizierte mehrere Gruppen an „Arisierung“ interessierter Personen. Die erste Gruppe nannte er die „‚kleinen Ariseure‘, die sofort persönliche Vorteile realisieren wollten“ als zweite Gruppe „mittelständische Interessen, die auf die Ausschaltung von Konkurrenten und Übernahme der besten Geschäfte und Betriebe zielten“, als dritte Gruppe schließlich Industrie und Banken, die ebenfalls besitzstandweiternde Strategien verfolgten.253
Eng mit der „Arisierung“ verknüpft waren verschiedene antijüdische Maßnahmen wie z. B. Einschüchterungen, sukzessive Entrechtung und Freiheitsberaubung, erzwungene Auswanderung bis hin zur Deportation und Vernichtung in Konzentrationslagern.254 Auch die „Vermögensanmeldung“ zählte dazu.
Im Zusammenhang mit den Gärtnern sind die erfassten land- und forstwirtschaftlichen Vermögen von Bedeutung.
Der Schwerpunkt des in der Kategorie Land- und Forstwirtschaft mit der Vermögensanmeldung erfassten Vermögens lag auf landwirtschaftlichen Betrieben; Forst-, Weinbau-, Gärtnerei- und Fischereibetriebe waren bescheidene Größen innerhalb des erfassten Gesamtvermögens. Zum land- und forstwirtschaftlichen Vermögen gehörten neben Grund und Boden auch die zur Bewirtschaftung erforderlichen Gerätschaften.255
Nach den offiziellen Zahlen lag der Anteil des Grundvermögens am gesamten angemeldeten jüdischen Bruttovermögen bei 22,7 %, der Anteil des land- und forstwirtschaftlichen Eigentums daran betrug hingegen nur 1,72 %.256 Da ein Großteil der jüdischen Bevölkerung in Wien lebte, konzentrierte sich das wertmäßig bedeutendste Grundeigentum zu etwa 90 % auf Wien, während land- und forstwirtschaftliches Eigentum zum überwiegenden Teil außerhalb Wiens bzw. in Stadtrandlagen lag.257 Selbst hier kann festgestellt werden, dass wertmäßig landund forstwirtschaftliches Vermögen mehrheitlich (47,49 %) im Wiener Stadtgebiet situiert war; der Rest verteilte sich auf die übrigen Bundesländer (41,04 %) und das Ausland (11,46 %).258 1938 befanden sich 15 % aller Liegenschaften in Wien in jüdischem Besitz, wobei sich dieser Anteil ziffernmäßig versteht. Den höchsten Anteil an jüdischem Grundeigentum in Wien wiesen die Bezirke 1–3, 7–9 und 19–20 auf; in diesen Bezirken überschritt der ziffernmäßige Anteil 20 %. Der geschätzte Wertanteil jüdischen Grundeigentums in Wien lag bei 30 %.259
Die am 18. Mai 1938 gegründete und im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit angesiedelte Vermögensverkehrsstelle (VVSt) wurde die staatliche Zentralinstanz der Enteignungspolitik.260 Aufgrund einer unmittelbar nach dem „Anschluss“ erzielten Vereinbarung zwischen VVSt und Grundbuchgerichten konnte die VVSt erreichen, dass sämtliche Liegenschaftstransaktionen, an denen jüdische Vertragspartner beteiligt waren, nur mit ihrer Zustimmung grundbuchfähig wurden.261
In Österreich wurde Ende August 1938 mit der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ eine eigene zentrale Dienststelle im Zusammenhang mit der erzwungenen Auswanderung geschaffen, die von Adolf Eichmann gegründet und bis zum Frühjahr 1939 von ihm geleitet wurde. Im Februar 1939 wurde der Aufgabenkreis der „Zentralstelle“ neuerlich erweitert und mit dem „Auswanderungsfonds Wien“ ein Instrument zur Übernahme und Verwaltung des Vermögens jüdischer „Auswanderer“ geschaffen. In den darauffolgenden Jahren wurde dem „Auswanderungsfonds Wien“ eine größere Anzahl von Liegenschaften in ganz Österreich „eingewiesen“.262
2.4.4.2 Jüdische „Umschichtung – Hachschara“
Bis zum „Anschluss“ 1938 war die „Alijah“, wie die Einwanderung nach Palästina in der zionistischen Terminologie genannt wird, für die österreichischen Juden eher eine ideelle Möglichkeit, wahrscheinlich auch deshalb, weil sie mit dem Verlust des gewohnten Lebensstandards und vielen Schwierigkeiten verbunden war.263
Zwischen 1919 und 1934 wanderten laut Aufzeichnungen des Wanderungsamtes 1.183 Personen von Österreich nach Palästina aus.264 Zwischen 1933 und 1937 erhöhte sich die Zahl der Auswanderer nach Palästina auf 2.713 Personen.265 Ein starkes Motiv für die Bereitschaft zur Auswanderung nach 1930 war, neben der steigenden Arbeitslosigkeit, der erstarkende Antisemitismus.266
Eine dieser bereits Anfang der 1920er-Jahre nach Palästina emigrierten Personen war die aus Czernowitz stammende und in Wien Naturwissenschaften studierende Miriam Kellner267. Sie absolvierte eine gartenbauliche Ausbildung bei Hanna Maisel in Nahalal und arbeitete danach im Kibbuz En Harod, wo sie eine große Gärtnerei aufbaute.268 Eine andere war Hanka Huppert-Kurz. Sie stamme aus Krakau und absolvierte in Wien die Gartenbauschule für Frauen von Yella Hertzka. Huppert-Kurz emigrierte allerdings erst 1929 nach Palästina, wo sie zuerst im Kibbuz Bet Alfa lebte und später in den Kibbuz Ramat Yohanan übersiedelte. Dort gestaltete, bepflanzte und betreute sie den Garten und begann auch für andere Kibbuze Gärten zu gestalten.269 Der aus Budapest stammenden Klari Neumann gelang 1939 die Flucht und sie kam mit einem Immigrantenschiff nach Palästina und arbeitete als Gärtnerin in einem Kibbuz in Rishon LeZiyyon.270
Die für zionistische Auswanderung in der Zwischenkriegszeit zuständige zentrale Organisation war die österreichische Landesorganisation des „Hechaluz“ („Pionier“). „Hechaluz“ hatte sich 1921 als Weltverband konstituiert und war sehr straff organisiert. Von den Mitgliedern wurde eine vollkommene Unterordnung unter die Satzungen der Bewegung sowie das Erlernen der hebräischen Sprache und die berufliche „Umschichtung“ („Hachschara“) erwartet und zur Bedingung für die Auswanderung nach Palästina gemacht.271
Die Umschichtung war in den Augen der zionistischen Ideologen notwendig, um die „typisch jüdische“ Berufsstruktur zu ändern und von den nicht produktiven intellektuellen und kaufmännischen Berufen zu manuellen Tätigkeiten, vor allem in der Landwirtschaft und im Handwerk, zu gelangen, um damit ein neues Leben in Palästina beginnen zu können.272 Nach dem „Anschluss“ wurde Palästina zu einem wichtigen Fluchtziel, weswegen sich tausende Jugendliche „in der Hoffnung auf irgendeine Fluchtmöglichkeit in einen Jugendbund, vielfach sogar in mehrere gleichzeitig“ einschrieben oder sie „ließen sich für verschiedene Zielländer registrieren“.273
Nach dem „Anschluss“ wurde in der Auswanderungsabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien eine eigene Beratungsstelle für Umschichtung eingerichtet, zu deren Leiter Dr. Abraham Schmerler ernannt wurde. Er berichtete regelmäßig über den Verlauf und die Erfolge der Umschichtungsaktion die im ersten Halbjahr ihrer Tätigkeit 12.000 jüdische „Umschichtler“ vorzuweisen hatte. In seinem Jahresbericht 1938 schrieb er:
„Nach dem Umbruch des Jahres 1938 kam man zur Erkenntnis, dass die bisherige Berufsschichtung der Wiener Juden im Falle der Auswanderung eine Existenzgründung im Ausland häufig erschwere. Das Bestreben, einer möglichst grossen Zahl handwerkliche und gewerbliche Fertigkeiten beizubringen, musste unverzüglich unter Einsatz aller in Betracht kommenden Kräfte in die Tat umgesetzt werden. Nicht nur Arbeitern, sondern auch bisherigen Angehörigen kaufmännischer, intellektueller und administrativer Berufe musste die Möglichkeit geboten werden, manuelle Berufe derart zu erlernen, dass sie sich im Ziellande mit den erworbenen Kenntnissen eine bescheidene Existenz gründen oder zumindest als qualifizierte Hilfsarbeiter ihr Brot verdienen können.“274
Abb. 2: Artikel über „Jüdische Umschichtung“.275
Die jüdische Presse im „Altreich“ – soweit sie noch existent war – berichtete über diese Aktion in Wien. So schrieb die „Jüdische Rundschau Berlin“ in ihrer Ausgabe vom 14. Juni 1938:
„In der Auswanderungsabteilung der Gemeinde [Anm.: Gemeint ist die Israelitische Kultusgemeinde Wien] wird nach wie vor an der Sichtung der eingereichten Auswanderungsbögen gearbeitet. Parallel zu dieser Tätigkeit geht die Vorbereitung der Umschichtungsarbeit, für die die Gemeinde eine eigene Beratungsstelle für jüdische Berufsausbildung und Umschichtung errichtet hat, vor sich. Einzelne Beratungsstellen, so für Ärzte wie für andere Berufsgruppen haben ihre Tätigkeit bereits aufgenommen. Andere wieder sind in Vorbereitung. In der richtigen Erkenntnis, dass im Mittelpunkt einer planmäßigen Emigration die Berufsumschichtung zu stehen habe, geht die Gemeinde daran, schon in allernächster Zeit eine Reihe von Umschichtungskursen einzurichten. So sind vorgesehen für männliche Berufe: Kurse für die diversen Zweige der Metallbearbeitung (Mechaniker, Schlosser, Dreher u. a.), der Holzbearbeitung (Bau- und Möbeltischler), des Baugewerbes, der Photographie, der chemischen Betriebe, des Bekleidungsund Nahrungsmittelgewerbes. Für weibliche Berufe werden Umschichtungskurse in der Hauswirtschaft, dem Bekleidungsgewerbe und der Körperpflege eingerichtet. Die Umschichtungsstelle in der Gemeinde sucht gegenwärtig dringend auf diesen Gebieten fachlich ausgebildete Lehrkräfte. Im Zuge der Umschichtungskurse sind auch landwirtschaftliche Umschulungskurse für Auswanderer geplant. Für diesen Zweck will die Gemeinde etwa im jüdischen Besitz befindliche landwirtschaftliche Betriebe, womöglich in der Nähe von Wien pachten, und sie für Hachschara verwenden.“276
In einem Bericht vom 29. Juli 1938 konnte die Auswanderungsabteilung der IKG bereits landwirtschaftliche Betriebe vorweisen:
„Zu den bereits bestehenden 77 Kursen mit einer Teilnehmerzahl von rund 1200 kommen noch vier landwirtschaftliche Umschulungskurse, die gegenwärtig außerhalb Wiens, und zwar in Stadlau, Lang-Enzersdorf (beide bei Wien), Unterholz-Brunnhof und Eichgraben am Stein in Betrieb sind. In diesen Kursen erhalten 350 Schüler in allen Fächern der Landwirtschaft, der Gärtnerei und Kleintierzucht ihre Ausbildung.“277
Im September 1939 legte die Israelitische Kultusgemeinde Wien statistische Daten der Berufsumschichtung auf Grund der von ihr durch die Beratungsstelle für Berufsausbildung und Umschichtung veranstalteten Kurse vor. Bis zum Stichtag 30. August 1939 waren insgesamt 1.827 Kurse abgehalten worden, die von 29.664 Personen besucht wurden. Von den Teilnehmern waren 16.211 Männer und 13.453 Frauen. Diese Daten zeigten, dass am stärksten die Kurse für Hauspersonal besucht wurden (6.002). An zweiter Stelle standen die Bekleidungskurse (4.129), an dritter Stelle jene für Landwirtschaft (4.065). Erwähnenswert fanden die Verfasser des Berichtes ferner die starke Beteiligung der Frauen an den landwirtschaftlichen Umschichtungskursen (1.178 Frauen, 2.887 Männer).278
In Wien wurde das Gelände der ehemaligen „Höheren Gartenbauschule für Frauen“ in der Kaasgrabengasse der vertriebenen Jüdin Yella Hertzka279 und die Flächen der Staudengärtnerei „Windmühlhöhe“280 von der Israelitischen Kultusgemeinde als Orte für landwirtschaftlich-gärtnerische Umschulungskurse genutzt. Die Gärtnerin Helene Wolf leitete ab Oktober 1938 und bis zu ihrer Ausreise 1939 die Umschichtungskurse in der Kaasgrabengasse und Krottenbachstraße.281
Paul Grosz, Vorstand und Kuratoriumsmitglied des DÖW, 1925 in Wien geboren, überlebte die NS-Zeit ab 1944 als „U-Boot“ lebend in Wien und erinnerte sich an die Umschichtung:
„In der Jugendalijahschule verbrachte ich dann die vielleicht schönsten Jahre meiner Jugend. Während wir, das war eine Ganztagsschule, dort gewesen sind, gab es keinen Stress, nicht die Gefahr, der Juden sonst ausgesetzt waren, und erst nach Kriegsbeginn 1939, als die ersten Transporte in das spätere ‚Generalgouvernement‘ geleitet worden sind, haben auch wir Kinder die volle Gewalt, die da angewendet worden ist, zu spüren bekommen. Wir mussten damals, das war ein Teil der Ausbildung der Jugendalijahschule, täglich in den Rothschild-Gärten im 19. Bezirk beziehungsweise in einer Gärtnerei in der Krottenbachstraße unentgeltlich schwere Arbeit leisten, unter dem Vorwand, dass wir dadurch Übung bekommen. Später wurden dann Kinder von uns zur landwirtschaftlichen Arbeit ins Ruhrgebiet geschickt und blieben dort fast ein halbes Jahr.“282
Bei der von Paul Grosz erwähnten Gärtnerei in der Krottenbachstraße handelte es sich um den ehemaligen Betrieb „Windmühlhöhe“ der jüdischen Staudengärtnerin Hanny Strauss.283
1941 wurden die Umschichtungskurse eingestellt. Die Beratungsstelle für Berufsausbildung und Umschichtung bemühte sich, die Umschulungskurse seitens der IKG wiederaufleben zu lassen. Sie begründete dies damit, dass diese Kurse die Menschen über die schwierige Zeit geführt hätten und ihnen die Arbeit wenig Zeit zum Nachgrübeln lasse. Speziell die jüdischen Jugendlichen müssten rasch wieder einer ablenkenden Tätigkeit zugeführt werden, um nicht untätig, sich selbst überlassen, auf der Straße herumzulaufen und so zu verwildern.284 In einem wahrscheinlich im März 1941 verfassten Exposé betreffend die Aufrechterhaltung handwerklicher und gewerblicher Arbeitskolonnen durch die Umschichtungsabteilung hieß es:
„Die plötzliche Einstellung der Umschulungskurse bedeutete nicht nur für die Kursteilnehmer und Kursleiter einen sehr schweren Schlag, sondern sie wirkte sich für die gesamte Judenschaft von grösstem Nachteil aus. Zur Zeit ihrer Gründung war der ausschließliche Zweck der Umschulung, den Auswanderungswilligen für ihr Leben im neuen Land durch Erlernung manueller Berufe eine Existenzgrundlage zu schaffen. Durch die Umschulung wurden viele Tausende, die unglücklich, aus dem Gleis geworfen, ihre ganze Kraft verloren hatten, wieder aufgerichtet und gestählt. […] Als mit Kriegsbeginn im Jahre 1939 die bis dahin flüssige Auswanderung etwas ins Stocken geriet, war es wieder die Umschulung, welche der ostmärkischen Judenschaft über diese schwere Zeit hinweghalf. Die Umschichtungswilligen besuchten die Kurse in Massen und blieben solange Kursteilnehmer, bis sie zur Ausreise gelangten, die Mehrzahl aber verblieb bis zur erfolgten behördlichen Sperre. […] In den Gartenbaukursen wurden auf drei Plätzen die Grabelandaktion der Umschulung der I.K.G. geführt, wodurch die Fürsorgeanstalten zusätzlich mit frischem Gemüse beliefert werden konnten. Wenn sich die Quantitäten im Verhältnis zum Verbrauch der Wirtschaftsstelle auch nicht besonders auswirkten, so war es dennoch wichtig, dass laufend zirka 150 Erwachsene und 200 Jugendliche beschäftigt und dem Gärtnerberuf zugeführt wurden. […] Zahlreiche Betriebsführer verlangten direkt von der Umschichtungsleitung Arbeitskräfte und jedem Wunsche konnte raschest Rechnung getragen werden. […] Die Leitung der Umschulung stellte das Büro darauf um und war stets bedacht, diese Arbeitskolonnen immer aufzufüllen, für jeden Abgang guten Ersatz zu schaffen. […] Die Bildung von Arbeitskolonnen ist aber auch im Interesse der I.K.G. gelegen, weil sie unerlässlich ist, denn sie würde ein weiteres Herabsinken und eine weitere Verelendung unserer Glaubensbrüder unbedingt verhüten.“285
2.5 Nachkriegszeit
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der damit einhergehenden Zerstörung waren der Wiederaufbau und das Herstellen von „Normalität“ wichtig für das weitere Zusammenleben in Österreich.
Auf politischer Ebene kam es zur Wiedereinführung der Verfassung von 1920/29 und damit zum Versuch, das Leben dort fortzusetzen, wo es vor Hitler aufgehört hatte. Dadurch konnten die alten Eliten rasch wieder Fuß fassen.286 Eine Neuerung der Zeit war die Etablierung einer stabilen Sozialpartnerschaft und die daraus folgende rasche Neubildung von Interessenverbänden. Ernst Hanisch beschrieb, wie leicht dieser Übergang in manchen Berufsgruppen fiel:
„Bei der Handels- und Landwirtschaftskammer gelang der Sprung vom ‚Dritten Reich‘ in die Zweite Republik ziemlich reibungslos – über die Salzburger Handelskammer wird berichtet: ‚Die Beamten versahen wie selbstverständlich ihren Dienst und nicht einen Tag ist der Parteienverkehr abgerissen.‘ Nur der Reichsadler und das Hakenkreuz wurden aus dem Stempel herausgeschnitten.“287
Zwei wichtige Fragen stellten sich in der nun folgenden Zeit: die des Umgangs mit ehemaligen Mitgliedern der NSDAP und das Problem der Restitution von Vermögenswerten an die noch lebenden Juden bzw. deren Erben.
Auch einige bekannte Gartenarchitekten fanden sich nun auf den Registrierungslisten für Nationalsozialisten und vertriebene jüdische Gärtner versuchten ihre Vermögenswerte wiederzuerlangen.
2.5.1 „Entnazifizierung“
Der Begriff „Entnazifizierung“ bzw. das US-amerikanische Original „denazification“ ist eine Wortkreation, entwickelt im politischen Beraterstab des US-Generals und späteren US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower.288 Der Begriff umfasste ursprünglich folgende Aufgabengebiete: Auflösung der NSDAP, Entfernung des Nationalsozialismus aus Gesetzen und Verordnungen, Abschaffung von NS-Symbolen, Straßennamen und Denkmälern, Beschlagnahme des Vermögens und der Unterlagen der NSDAP, Internierung von NS-Führern, Verbot von aus der NSHerrschaft herrührenden Privilegien, Ausschluss von mehr als nur nominellen Mitgliedern der NSDAP vom öffentlichen Leben, Unterbindung von NS-Indoktrination in jeder Form und Verbot von Paraden und NS-Demonstrationen.289 In Österreich verstand man unter dem Begriff „Entnazifizierung“ meist die Entfernung von „Reichsdeutschen“ aus beruflichen Positionen.290
In Wien gingen unmittelbar nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs Wiener Lokalstellen an die Registrierung von Nationalsozialisten. Diese sogenannten „Vorregistrierungen“ erfolgten ohne gesetzliche Grundlage und wurden von der vom Bürgermeister damit betrauten Magistratsabteilung abgelehnt.291
Der Historiker Dieter Stiefel unterteilte die Entnazifizierung in Österreich im zeitlichen Ablauf in fünf Phasen, in denen er die Verfahren der Besatzungsmächte und der österreichischen Behörden getrennt darstellte:
„1. Von April 1945 bis Juni 1945, die militärische Sicherheitsphase, in der hauptsächlich Internierungen durch die Alliierten vorgenommen wurden.
2. Von Juni 1945 bis Februar 1946, die Phase der autonomen Entnazifizierung durch die Alliierten. In dieser Phase versuchten fünf verschiedene Instanzen (die österreichische Regierung und die vier Besatzungsmächte) in den einzelnen Besatzungszonen die Entnazifizierung durchzuführen, was zu Überschneidungen und widersprüchlichen Maßnahmen führen musste.
3. Von Februar 1946 bis Februar 1947, die Phase der österreichischen Entnazifizierung auf Grund der Gesetze von 1945 (Verbotsgesetz, Wirtschaftssäuberungsgesetz und Kriegsverbrechergesetz). Im Februar 1946 wurde der österreichischen Regierung die Entnazifizierungskompetenz für das ganze Land übertragen, die Alliierten zogen sich auf eine Kontrollfunktion zurück. Die Ergebnisse dieses autochthonen Entnazifizierungsprozesses waren jedoch auch unbefriedigend.
4. Von Februar 1947 bis Mai 1948, die Phase der österreichischen Entnazifizierung auf der Grundlage des Gesetzes von 1947. In dieser Phase wurden die vorgegebenen Entnazifizierungsmaßnahmen durchgeführt und abgeschlossen.
5. 1948 bis 1957, die Zeit der Amnestien.“292
In Österreich gab es nach Beendigung des Krieges 536.662293 NSDAP-Mitglieder, das entsprach in etwa acht Prozent der Wohnbevölkerung.294 Zwei Drittel dieser Personen sahen sich selbst als Ausnahmen und stellten sich als „gute Menschen“ dar.295
Der Historiker Ernst Hanisch betrachtete die Ergebnisse der Entnazifizierung zwiespältig. Während es in der ersten Phase zu einem Elitentausch kam, „das nationalsozialistisch durchsetzte Bürgertum verlor kurzfristig seine Positionen“, ergaben sich bald entgegengesetzte Ziele: „das Ziel des wirtschaftlichen und politischen Wiederaufbaues, das Fachkräfte einforderte, und das Ziel der Entnazifizierung, das einen großen Teil der Fachkräfte entfernte.“296
Ab 1946 schuf der Kalte Krieg ein neues Feindbild, den Kommunismus, das es zu bekämpfen galt. Eine Aufgabe, der ehemalige Nationalsozialisten etwas abgewinnen konnten. Für Ernst Hanisch war das, neben anderen, ein Grund für die „Minderbelastetenamnestie von 1948 (480.000 Betroffene)“, in weitere Folge „wirkte der Konkurrenzdruck der Parteien zugunsten der ehemaligen Nationalsozialisten“ und die „Parteien suchten sich bei der raschen Durchsetzung der Gnadengesuche zu überflügeln“.297
Im österreichischen Parlament wurde nun zusehends die Meinung vertreten, dass es in einer Demokratie auf Dauer unerträglich sei, Bürger zweiter Klasse zu haben. Als Konsequenz daraus wurde mit der Eingliederung ehemaliger Nationalsozialisten in die Gesellschaft begonnen. Als Erfolg der Entnazifizierung bewertete Hanisch, „dass sich keine offene faschistische Partei wie in Italien bilden konnte“, dafür bildete sich neben der offiziellen antinazistischen Position „eine graue Zone des heimlichen Einverständnisses mit dem Nationalsozialismus heraus (so schlecht war das gar nicht; Übertreibungen sind gewiß passiert; es war eben Krieg…), von Traditionsverbänden gestützt, die jede ehrliche Diskussion der NS-Problematik blockierte“ und die ehrliche Aufarbeitung der Zeit lange verhinderte.298
Unter den Gartenarchitekten gab es mehrere NS-Registrierte:
• Albert Esch wurde zwar in die Registrierungsliste eingetragen, jedoch mit Bescheid vom 2. Dezember 1947 aus der Liste gestrichen;299
• Wilhelm Hartwich wurde nach seiner Rückkehr aus jugoslawischer Kriegsgefangenschaft 1947 in die NS-Registrierungsliste eingetragen, als „minderbelastet“ eingestuft und mit Bescheid vom 20. Juni 1949 amnestiert;300
• Eduard Ihm wurde nach seiner Entlassung aus englischer Kriegsgefangenschaft in Wien in die Registrierungsliste 61/47/IX eingetragen und als „minderbelastet“ eingestuft. Die Streichung aus der Liste erfolgte 1950;301
• Viktor Mödlhammer wurde 1946 als Nationalsozialist registriert, als „minderbelastet“ eingestuft und musste Sühneabgabe leisten. Es ist unklar, wann Mödlhammer aus der Liste gestrichen wurde, laut A.V. vom 5. März 1952 war er in der Registrierungsliste des 7. Bezirkes mit der Nummer 398/Okt. 48 eingetragen;302
• Otto Trenkler wurde in die NS-Registrierungsliste eingetragen und als „belastet“ eingestuft; er erhob Einspruch und sollte mit Bescheid vom 17. November 1947 aus der Liste gestrichen werden. Die Kommunistische Partei Österreichs erhob Einspruch gegen diesen Bescheid. Das darauffolgende Verfahren wurde im November 1949 im Sinne Trenklers entschieden;303
• Josef Oskar Wladar wurde in die NS-Registrierungsliste eingetragen und als „minderbelastet“ eingestuft, musste Sühneabgabe leisten und war zumindest bis 4. April 1950 rechtskräftig in dieser Liste verzeichnet. Der Zeitpunkt der Streichung oder Amnestie ist unklar.304
2.5.2 Restitution
Nach Kriegsende wurde nach Wegen gesucht, mit den in Österreich während der NS-Zeit stattgefundenen Beraubungen umzugehen.
Die Haltung Österreichs war zwiespältig. Einerseits betrachtete man sich als „Opfer“ und berief sich darauf, dass Österreich in der Zeit von März 1938 bis April 1945 kein souveräner Staat mehr gewesen sei und daher grundsätzlich keine Haftung oder Verantwortung für Verbrechen aus diesem Zeitraum übernehme. Andererseits erklärte die Regierung „diskriminierende Gesetze und auch darauf basierende Rechtsgeschäfte, die unter dem Druck rassischer und politischer Verfolgung in diesem Zeitraum zustande gekommen waren, für null und nichtig“, womit der Wille bekundet wurde, Opfer wieder in ihre Rechte einzusetzen.305
Die für die Restitution von land- und forstwirtschaftlichem Vermögen wesentliche Rechtsgrundlage bildeten die ersten drei Rückstellungsgesetze: das Erste Rückstellungsgesetz, das der Nationalrat am 26. Juli 1946 verabschiedete, regelte die Rückstellung entzogener Vermögen, die sich in der Verwaltung des Bundes oder der Bundesländer befanden.306 Das Zweite Rückstellungsgesetz, das am 6. Februar 1947 verabschiedet wurde, behandelte die Rückstellung entzogener Vermögen, die sich auf Grund von Vermögensverfall im Eigentum der Republik befanden. Am gleichen Tag, an dem das Zweite Rückstellungsgesetz beschlossen wurde, verabschiedete der Nationalrat auch das Dritte Rückstellungsgesetz, dem gemeinsam mit dem Ersten Rückstellungsgesetz für die Rückstellung entzogener Liegenschaften die größte Bedeutung zukommen sollte.307 Dieses Gesetz bezog sich auf Vermögensentziehung durch Privatrechtsgeschäfte zwischen – bedingt durch die politischen Verhältnisse des vorangegangenen Zeitraums – ungleichen Vertragspartnern. Besonders der Verabschiedung des zuletzt genannten Gesetzes waren langwierige Diskussionen vorangegangen, die die Beschlussfassung durch das Parlament monatelang verzögerten.308
Tatsächlich wurden diese Gesetze oft nur halbherzig oder in sehr bürokratischer Weise vollzogen, sodass viele Opfer bei dem Versuch, ihr geraubtes Vermögen wiederzuerlangen, Kompromisse zulasten ihrer Ansprüche eingehen oder im Falle von Bargeld, Autos, Kunstsammlungen etc. gänzlich darauf verzichten mussten.309
Die vertriebenen jüdischen Gärtnerinnen Hanny Strauss und Yella Hertzka beantragten die Restitution ihrer Vermögenswerte, erlebten die Rückgabe jedoch persönlich nicht mehr. Einzig Helene Wolf erhielt ihre, unter Zwang an ihren „arischen“ nunmehrigen Ex-Ehemann verkauften Grundstücke restituiert und konnte verkaufen. Zu diesem Zweck kam sie Anfang der 1960er-Jahre aus den USA nach Österreich, kehrte jedoch nach dem erfolgreichen Geschäftsabschluss nach Kalifornien zurück.310
2.6 Zusammenfassung
Der am Beginn des Betrachtungszeitraums stehende Zerfall der Habsburger-Monarchie ging einher mit großen territorialen Verlusten ebenso wie mit einem, in heutiger Zeit unvorstellbaren, Bedeutungsverlust des Staates Österreich – von der europäischen Großmacht zum Zwergstaat.
Die territoriale und politische Neuordnung Europas führte in Österreich zur Republiksgründung, gepaart mit dem Wunsch, sich an Deutschland anzuschließen – dies wurde jedoch im Friedensvertrag von Saint Germain untersagt. Das Trauma der Bedeutungslosigkeit wirkte noch lange im kollektiven Bewusstsein der Bürger nach.
Für die Gärtner bedeutete das Ende der Monarchie auch das Aus für die Berufsgruppe der Herrschaftsgärtner und einer besonderen Form der Weiterbildung, nämlich des praktischen Austausches im Rahmen von Arbeitsaufenthalten auf verschiedenen Besitzungen ihrer Arbeitgeber. Mit der Abschaffung des Adels verloren die Gärtner zudem nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Förderer des Berufsstandes.
In Österreich gab es in den ersten Jahren der neuen Republik, getragen durch die Vormachtstellung der Sozialdemokratie auf Bundesebene, beachtliche sozialpolitische Fortschritte. Die neu geschaffenen Arbeits- und Sozialgesetze hatten auch für Gärtnereiarbeiter in gewerblichen Betrieben Geltung und verhalfen ihnen zu sozialer Absicherung und, im Falle der Landschaftsgärtner, zu Kollektivverträgen.
Nach dem politischen Wechsel auf Bundesebene – die Christlich-Sozialen hatte ab 1920 die Mehrheit – wurde das „sozialpolitische Experiment“ im „Roten Wien“ fortgeführt. Hier gelang es durch den kommunalen Wohnbau, die drückende Wohnungsnot zu lindern und wirtschaftliche Impulse zu setzen. Ermöglicht wurden diese Schritte durch die Loslösung Wiens von Niederösterreich und dem 1922 erlangten Bundesländerstatus, mit dem das Steuerfindungsrecht verbunden war. Die Politik des sozialdemokratischen Wien bildete damit ein Gegenmodell zur christlich-sozialen Politik auf Bundes- und Länderebene.
Die österreichweite schlechte Wirtschaftslage und der damit einhergehende Währungsverfall verbesserten sich mit Hilfe der „Völkerbundanleihe“ und der Währungsumstellung langsam. Die unabhängig davon weiter bestehende schlechte wirtschaftliche Situation der Gartenbaubetriebe, die meisten davon Gemüseanbaubetriebe, lag zum Teil am geringen Mechanisierungsgrad, der geringen Kapitalausstattung, unsicheren Pachtverhältnissen und der mangelhaften fachlichen Ausbildung der Inhaber und ihrer Mitarbeiter. Die der Sozialdemokratie nahestehenden Branchenvertreter sahen einen Lösungsansatz in der Regulierung und Steuerung der Produktion, also einer Planwirtschaft – dies wurde jedoch von den Christlich-Sozialen strikt abgelehnt, die ihrerseits die „hohen sozialen Lasten“, geschaffen durch die neuen Gesetze, als ein Grundproblem sahen und zudem Einfuhrbeschränkungen bei gärtnerischen Produkten sowie Zölle verlangten.
Mit der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre verschärfte sich die Situation der Gärtner zusätzlich. Die Gemüseproduzenten hatte Mühe, ihr Gemüse zu verkaufen, da aufgrund der stark gestiegenen Arbeitslosigkeit die Zahl der potenziellen Kunden sank; Gemüseimporte brachten zusätzliche Konkurrenz. Auch die Gartenarchitekten waren von der Krise betroffen, die Auftragslage war schlecht und renommierte Firmen wie die von Wilhelm Debor oder Albert Esch mussten Ausgleich anmelden. Sogar die damals größte Privatgärtnerei in Wien, die Rothschild-Gärtnerei, war gezwungen, Gärtner zu entlassen und Teile der Anlage zu schließen.
Die Arbeits- und Sozialgesetze stellten eine bedeutende sozialpolitische Verbesserung dar und erleichterten die Lage der zum Gewerbe gehörigen Gärtnereigehilfen zumindest auf dem Papier; in der Praxis war die Umsetzung oft schwierig. Acht-Stunden-Tag und Krankenversicherung, Arbeitslosengeld und Pensionssystem gab es für die Beschäftigten im Bereich der Landwirtschaft nicht. Von der hohen Arbeitslosigkeit waren die Gärtnereiarbeiter doppelt betroffen: erstens durch die wiederkehrende saisonale Arbeitslosigkeit und zweitens durch die hohe Arbeitslosigkeit aufgrund der schlechten Wirtschaftslage.
Die Machtübernahme durch Engelbert Dollfuß war begleitet von einem Verbot aller politischen Parteien, massivem Sozialabbau und der Ausschaltung demokratischer Strukturen einerseits und einer Bedeutungssteigerung der Landwirtschaft andererseits. Die geplante berufsständische Ordnung konnte nur in Ansätzen verwirklicht werden. In Wien kam der kommunale Wohnbau zum Erliegen, und Bürgermeister Schmitz versuchte durch Investitionen im Straßenbau (Höhenstraße, Wientalstraße), realisiert mit Hilfe des „Freiwilligen Arbeitsdienstes“, gegenzusteuern. Die Gartenarchitekten und Gartengestalter sahen darin unlautere Konkurrenz, konnten sich jedoch aufgrund der geringen Bedeutung ihres Gewerbes nur schlecht dagegen wehren.
Eine weitere bedenkliche Entwicklung dieser Zeit stellte der wachsende Antisemitismus dar.
Mit dem „Anschluss“ änderte sich die Situation, die hohe Arbeitslosigkeit wurde durch die anlaufende Rüstungsindustrie und die Vertreibung von Juden aus der Arbeitswelt stark gesenkt. Die drängende Wohnungsnot wurde infolge von Vertreibung und Deportation ebenfalls gemildert, aber nicht wie ursprünglich versprochen durch ein neues Wohnbauprogramm gelöst.
Viele Österreicher versuchten aus unterschiedlichen Gründen NSDAP-Mitglieder zu werden und entgegen späteren Aussagen erfolgte der Beitritt freiwillig. Die Antragsformulare mussten eigenhändig unterschrieben werden, Aufnahmen ohne eigenes Wissen waren demzufolge nicht möglich.
Die jüdische Bevölkerung hatte massiv unter den neuen Machthabern zu leiden. Neben dem Berufsverbot und den „Arisierungen“ jüdischer Betriebe (auch Gärtnereien) trug der Vermögensentzug rasch zur Verarmung der Betroffenen bei. Die zu Beginn des Dritten Reiches forcierte Auswanderung und die später immer weiter eingeschränkten Ausreisemöglichkeiten der jüdischen Bevölkerung wurden begleitet von „Umschichtungskursen“ der IKG mit dem Ziel, die Ausreisewilligen mit handwerklichen Fähigkeiten auszustatten, die ihnen in ihren Zielländern ein Überleben erleichtern sollten. Neben Kursen für holz- und metallbearbeitende Berufe wurden in Wien Kurse in Hauswirtschaft, Landwirtschaft und Gartenbau angeboten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs standen neben dem Wiederaufbau die Fragen der Entnazifizierung und der Restitution ganz oben auf der politischen Agenda.
So rasch die Wiedereingliederung ehemaliger registrierter Nazis erfolgte – bereits 1948 wurden 480.000 „Minderbelastete“ amnestiert, weitere Amnestien folgten –, so schleppend kam die Gesetzgebung in Sachen Restitution voran. Im Juli 1946 wurde ein erstes und im Februar 1947 ein zweites und drittes Rückstellungsgesetz verabschiedet. Die eigentliche Restitution entzogener Vermögenswerte ist jedoch bis heute nicht abgeschlossen, wie zahlreiche in den Medien kolportierte Fälle belegen.
______________
24 Sandgruber, 2003, S. 30.
25 Eigner, 1999, S. 132.
26 Pfeiffer, 1894, S. 1–27; Pfeiffer, 1905, S. 13.
27 Solkim, 1905, S. 354.
28 Solkim, 1905, S. 355 ff.
29 Wibiral, 1908, S. 1.
30 Erich Wibiral (* 1878 in Herzogenburg, NÖ, † 24. Juli 1950 in Graz).
31 Unter „neuer Mode“ versteht Wibiral die zunehmende Beliebtheit von formal gestalteten Gärten.
32 Wibiral, 1908, S. 3.
33 Wibiral, 1908, S. 3. Anmerkung der Redaktion.
34 Alfred R. Benesch berichtete in seinem am 6. April 2011 im Rahmen der Generalversammlung der ÖGHG gehaltenen Vortrag „Aktuelle Maßnahmen bei der Revitalisierung im Schlosspark Artstetten (NÖ)“ über die Praxis des „Verborgens“ von Gärtnern.
35 TU Berlin: http://gartentexte-digital.ub.tu-berlin.de/gaertnerbiographien/gaertnerbiographien.pdf [Stand 12.02.2014].
36 Sobischek, 1914, S. 21.
37 o.V.: Grüße aus dem Felde, in: Allgemeine Gärtner Zeitung, XXII, 10.1915, S. 53.
38 o.V.: Nachrichten über Feldzugsteilnehmer, in: Gartenkunst, 29, 2.1916, Beilage S. 1–2.
39 BArch (ehem. BDC), RK B38 Anton Eipeldauer 1893.
40 Karner, 2012, S. 12.
41 Österreichische Gartenzeitung, 10, 1915, S. 47 f.
42 Auer, 1929, S. 74.
43 A.C., 3.1917, S. 85.
44 Wiener Illustrirte Gartenzeitung, XXVI., 1901, Heft August – September, S. 327 f.
45 Wiener Illustrirte Gartenzeitung, XXVI., 1901, Heft Mai, S. 205.
46 Urban, 1995, S. 23.
47 Eigner, 1999, S. 132.
48 Sandgruber, 2003, S. 43.
49 Sandgruber, 2003, S. 43.
50 Sandgruber, 2003, S. 43.
51 Sandgruber, 2003, S. 43.
52 Eigner, 1999, S. 132.
53 Hanisch, 2005, S. 291.
54 „Reliefkredite“ waren Unterstützungskredite, die Österreich von den Siegerstaaten des Ersten Weltkrieges, aber auch von einigen neutralen Staaten gewährt wurden. Sie wurden Österreich gleich nach Kriegsende zur Überwindung der Hungersnöte bereitgestellt. Mehr dazu bei: Berger Peter: Im Schatten der Diktatur, Böhlau Verlag, Wien, 2000; und Schüller, Richard: Unterhändler des Vertrauens, Verlag für Geschichte und Politik, Wien, 1990.
55 Eigner, 1999, S. 133 f.
56 Hanisch, 2005, S. 282.
57 Hanisch, 2005, S. 283.
58 Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Währungsreformen_in_Österreich [Stand 20.02.2012].
59 Hanisch, 2005, S. 295 ff.
60 Gemeint ist damit die Sanierung des von Salomon Meyer Freiherr von Rothschild im Jahr 1820 gegründeten Bankhauses Creditanstalt, das am 11. Mai 1931 seine Zahlungsunfähigkeit erklären musste. Die Creditanstalt hatte ihrerseits bereits 1929 auf Druck der Regierung Schober die Verpflichtungen der schwer angeschlagenen Boden-Credit-Anstalt übernehmen müssen.
61 Eminger, 2005, S. 93 f.
62 Ignotus, 1924, S. 89.
63 o.V.: Der Gartenbau im Auslande. Deutsch-Oesterreich, in: Die Gartenwelt, 28, 25.1924, S. 280.
64 Baumgartner, 6.1928, S. 3.
65 Tabelle erstellt nach Baumgartner, 6.1928, S. 3.
66 Mayer, 3.1927, S. 5.
67 Steyskal, 5.1927, S. 13.
68 Stowasser, 4.1929, S. 1 f.
69 Pollanetz, 1927, S. 254.
70 Stowasser, 4.1929, S. 1 f.
71 Böhm, 5.1929, S. 4 f.
72 Der Erwerbsgärtner, 3, 10.1929, S. 1.
73 Als öffentliche Vertreter anwesend waren unter anderem: Dr. Karl Luxarda vom Bundesministerium für Finanzen, Dr. Wobisch vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Kammerrat Strakosch und Kommerzialrat Heurtisch von der Handelskammer, der niederösterreichische Landeshauptmann Dr. Buresch, der niederösterreichische Landwirtschaftskammerpräsident Josef Reither, Franz Riederer vom österreichischen Land- und Forstarbeiterverband, Josef Häusler von der österreichischen Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft, der Geschäftsführer der Wiener Landwirte Matthäus Steinlechner, als Vertreter der burgenländischen Landesregierung Theodor Dorasil, als Vertreter der christlich-sozialen Partei Otto Volker, als Vertreter der sozialdemokratischen Partei Hans Hammerstorfer, als Vertreter der großdeutschen Volkspartei Nationalrat Zarbach, als Vertreter des christlich-sozialen Nationalratsklubs Minister a.D. Buchinger sowie Vertreter der Presse. (Der Erwerbsgärtner, 3, 10.1929, S. 1).
74 Böhm, 10.1929, S. 2.
75 Böhm, 10.1929, S. 4.
76 Der Erwerbsgärtner, 4, 3.1930, S. 1.
77 Walla, 1933, S. 1.
78 Archiv der WKÖ, Gewerbeschein Debor.
79 Archiv der WKÖ, Gewerbeschein Esch.
80 Archiv der WKÖ, Gewerbeschein Hartwich.
81 Archiv der WKÖ, Gewerbeschein Vietsch.
82 F.R., 2.1934, S. 3.
83 o.V.: Gartenbau im Auslande: Deutsch-Österreich, in: Die Gartenwelt, 35, 48.1931, S. 671.
84 Eigner, 1999, S. 137.
85 Eigner, 1999, S. 138.
86 Maderthaner, 2006, S. 348 f.
87 Chaloupek, 1991, S. 498.
88 Weihsmann, 2002, S. 26 f.
89 Chaloupek, 1991, S. 499.
90 Weihsmann, 2002, S. 25 f.
91 Pelinka, 2005, S. 24.
92 Maderthaner, 2006, S. 362.
93 Chaloupek, 1991, S. 500.
94 Seliger, 2005, S. 163.
95 Sandgruber, 2005, S. 347.
96 Hanisch, 2005, S. 276 f.
97 Allgemeine Österr. Gärtner-Zeitung, 8, 6–5.1932, S. 2 ff.
98 Weber, 1981, S. 613 f.
99 Stiefel, 1979, S. 29 (zit. nach Weber, 1981, S. 614).
100 Stiefel, 1979, S. 29 (zit. nach Weber, 1981, S. 614).
101 Tálos, 2005, S. 224.
102 Allgemeine Österr. Gärtner-Zeitung, 2, 1.1926, S. 7.
103 Allgemeine Österr. Gärtner-Zeitung, 3, 3.1926, S. 4 f.
104 Allgemeine Österr. Gärtner-Zeitung, 6, 2.1930, S. 1.
105 Allgemeine Österr. Gärtner-Zeitung, 8, 6–7.1932, S. 3.
106 Tálos/Manoschek, 2005, S. 16 f.
107 Tálos/Manoschek, 2005, S. 18 f.
108 Tálos, 2005, S. 222 ff.
109 Tálos, 2005, S. 234.
110 Eigner, 1999, S. 150.
111 Tálos, 2005, S. 404.
112 Ausführliche Biografien dieser Männer in Kap. 7.2.
113 Haas, 1988, S. 2.
114 Tálos, 2005, S. 127 f.
115 Tálos, 2005, S. 137.
116 Dabei kann nicht von einem „echten Berufsstand“ gesprochen werden, da es sich bei öffentlich Bediensteten ausschließlich um Arbeitnehmer, also unselbstständig erwerbstätige Personen, handelte und die Zusammenführung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern somit nicht gegeben war.
117 Bund der österreichischen Industriellen, Bund der Gewerbetreibenden, Bund der Geld-, Kreditund Versicherungsunternehmer, Handels- und Verkehrsbund.
118 Tálos, 2005, S. 138 ff.
119 Seliger, 2005, S. 169.
120 Seliger, 2005, S. 171 ff.
121 Siehe Kap. 4.2.6 und 4.2.7.
122 Chaloupek, 1991, S. 500.
123 Chaloupek, 1991, S. 501.
124 Seliger, 2005, S. 177.
125 BArch (ehem. BDC), RK B38 Anton Eipeldauer 1893.
126 „Arbeitsdienst, im August 1932 als „Freiwilliger Österreichischer Arbeitsdienst“ von der Regierung in Anlehnung an den Freiwilligen Arbeitsdienst im Deutschen Reich zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit beschlossen. Im Oktober 1933 leisteten 20.000 Personen in 240 Lagern Arbeitsdienst, die Hälfte davon lebte in den Arbeitsdienstlagern. Sie wurden bei Großprojekten (Höhenstraße auf den Kahlenberg, Reichsbrücke, Hochwasserdämme) eingesetzt und trugen graue Uniformen. Im Ständestaat wurde der Arbeitsdienst bis 1935 weiter ausgebaut, dann aber stark reduziert (1937: 4500 Personen).“ Quelle: http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.a/a666666.htm [Stand 02.01.2020].
127 Marschik, 2005, S. 385.
128 Marschik, 2005, S. 379.
129 URL: http://austria-lexikon.at/af/AEIOU/Arbeitsdienst [Stand 02.01.2020].
130 Der Erwerbsgärtner, 5.1936, S. 1.
131 Der Erwerbsgärtner, 5.1936, S. 2.
132 TU Berlin: http://gartentexte-digital.ub.tu-berlin.de/gaertnerbiographien/gaertnerbiographien.pdf [Stand 12.02.2014].
133 Gröning/Wolschke-Bulmahn, 1997, S. 219.
134 Janson, 1920, S. 20.
135 Zeitschrift für Garten- und Obstbau, 1. Folge: Gartenbau, Gartenkunst 1, 4.1920, S. 1.
136 Gartenzeitung 1, 2.1925, S. 24.
137 TU Berlin: http://gartentexte-digital.ub.tu-berlin.de/gaertnerbiographien/gaertnerbiographien.pdf [Stand 12.02.2014].
138 Recht, 1976, S. 23; vgl. Kap. 6.3.1.
139 TU Berlin: http://gartentexte-digital.ub.tu-berlin.de/gaertnerbiographien/gaertnerbiographien.pdf [Stand 12.02.2014].
140 Recht, 1976, S.°68 und 143.
141 Recht, 1976, S.°68 und 125.
142 Recht, 1976, S.°68 und 141; o.V.: Tagesgeschichte. Bunzlau in Schlesien, Die Gartenwelt, 23, 34.1919, S.°272.
143 Unveröffentlichte Liste „Eisgruber Absolventen und deren Lebenswege“ Franz Weigel, Stand 15.12.2011.
144 Tabelle erstellt nach Angaben in http://gartentexte-digital.ub.tu-berlin.de/gaertnerbiographien/gaertnerbiographien.pdf [Stand 12.02.2014].
145 Gröning/Wolschke-Bulmahn, 1997, S. 278.
146 Gartenwelt:, 28, 25.1924, S. 280.
147 Vierle, 1998, zit. nach http://www.paeon.de/h1/schneider/vierle/08.html [Stand 01.01.2020].
148 ÖStA, Gauakte 262.170, Kern Hans 1888.
149 WStLA, M. Abt. 202, A5 – Personalakte Gemeinde Wien, Viktor Mödlhammer, 19.09.1905 und Kap. 7.2.11.
150 Unveröffentlichtes Interview mit Heinz Schulze, 03.03.2006.
151 Der Begriff „Landschaftsanwälte“ ist eine nationalsozialistische Erfindung und bezeichnete eine ca. 40-köpfige Personengruppe um Alwin Seifert, die bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 hauptsächlich mit landschaftsgestalterischen Aufgaben im Zusammenhang mit dem Reichsautobahnbau beschäftigt waren. Zu ihnen gehörten neben Gustav Allinger, Guido Erxleben, Hermann Göritz, Wilhelm Hübotter und Hermann Mattern auch die Österreicher Hans Kern und Anton Eibel-Eibelsfeld. (Gröning, 2004, S. 34; ÖStA, RAB, KT 27).
152 Heinrich, 2013, S. 406.
153 Höllerer, 1939, S. 5.
154 Seifert, 1944, S. 3.
155 Auer/Kutschera/Schmid, 1974, S. 98; Gröning/Wolschke-Bulmahn, 1997, S. 380.
156 Österr. Biographisches Lexikon (ÖBL), 2002, S. 225 f bzw. Online-Version ÖBL: http://www.biographien.ac.at/oebl?frames=yes [Stand 13.02.2014]; Weigl, 2005, S. 53.
157 Gröning/Wolschke-Bulmahn, 1997, S. 363.
158 Österr. Biographisches Lexikon (ÖBL), 2002, S. 178 f bzw. Online-Version ÖBL: http://www.biographien.ac.at/oebl?frames=yes [Stand 13.02.2014]; Weigl, 2005, S. 58.
159 Gustav Frahm geboren 18. Jänner 1841 in Rendsburg/Holstein, † 24. März 1931 in Elmshorn.
160 Schwahn, 2018, S. 23 ff bzw. DÖW: http://www.doew.at/erinnern/biographien/oesterreichischestalin-opfer-bis-1945/stalin-opfer-b/breth-mildner-herbert [Stand 12.07.2018].
161 Breitschwerdt, 1924, S. 292.
162 Pfeiffer, 1905, S. 13.
163 Breitschwerdt, 1924, S. 292; siehe auch Kap. 5.2.3.
164 Gröning/Wolschke-Bulmahn, 1997, S. 177.
165 o.V.: Inland-Rundschau. Berlin, in: Die Gartenwelt, 28, 25.1924, S. 280.
166 Siehe Kap. 7.2.8.
167 Siehe Kap. 7.2.15.
168 Gröning/Wolschke-Bulmahn, 1997, S. 338.
169 o.V.: Wilhelm Schmidt, Gartendirektor in Essen, in: Gartenkunst, 52, 5.1939, S. 7; siehe Kap. 4.5.2.
170 Unveröffentlichtes Interview mit Ralph Gälzer vom 22.10.2005; unveröffentlichtes Interview mit Heinz Schulze, 03.03.2006; Kap. 7.2.7.
171 Künstlerarchiv der Österreichischen Galerie Belvedere, Nachlass Rudolf Schmidt (zit. nach Berger, 2005, S. 61).
172 Werke von Gert Gröning und Joachim Wolschke-Bulmahn, sie waren die ersten Forscher die sich so intensiv und kritisch mit der Zeit der NS-Herrschaft und ihren Auswirkungen auf die Profession befasst und umfangreiche Arbeiten dazu vorgelegt haben, sie sind im Literaturverzeichnis angeführt.
173 Allinger, 1933, S. 134.
174 Allinger, 1933, S. 135.
175 Allinger, 1933, S. 136.
176 Allinger, 1933, S. 136.
177 Pertl, 1943, S. 3.
178 Ko: Professor Dr. Ebert, der Leiter der Unterabteilung „Garten“ im Reichsnährstand, in: Gartenkunst, 49, 6.1936, Beilage S. 6.
179 Benz, 2008, S. 72 f.
180 Allinger, 1933, S. 136 f.
181 Allinger, 1933, S. 137.
182 Haas, 1988, S. 1.
183 Botz, 2005, S. 106.
184 Botz, 2005, S. 108 ff.
185 Hausjell, 1988, S. 321 f.
186 Hausjell, 1988, S. 320.
187 Sandgruber, 2005, S. 406.
188 Botz, 2008, S. 415.
189 Neues Wiener Tagblatt, 18.3.1938, S. 8, (zit. nach Botz, 2008, S. 352).
190 Picker, 1965, S. 146, 177, (zit. nach Botz, 2008, S. 353).
191 Botz, 2008, S. 371.
192 Botz, 2008, S. 387.
193 Botz, 2008, S. 388 ff.
194 Botz, 2008, S. 393 ff.
195 Botz, 2008, S. 415.
196 Botz, 2008, S. 548.
197 Wetzel, 2009, S. 76.
198 Benz, 2009, S. 12.
199 Wetzel, 2009, S. 74.
200 Wetzel, 2009, S. 77 f.
201 Wetzel, 2009, S. 76 ff.
202 Wetzel, 2009, S. 80.
203 Wetzel, 2009, S. 82.
204 Wetzel, 2009, S. 81.
205 Garscha, 2005, S. 100.
206 Garscha, 2005, S. 100.
207 Garscha, 2005, S. 100.
208 Botz, 2008, S. 273.
209 Stiefel, 1981, S. 93, (zit. nach Bailer-Galanda/Garscha 2005, S. 629).
210 Botz, 2008, S. 276.
211 Wiener historische Forschung: http://whf.co.at/glossar [Stand 22.06.2011].
212 Meinhart, 1947, S. 17, (zit. nach Botz, 2008, S. 272).
213 Erstellt nach Angaben von: 1 – NSDAP-Mitgliederkartei, 2 – WStLA Gauakten, 3 – BArch (ehem. BDC), Personalakten.
214 Für Otto Gälzer gibt es unterschiedliche Angaben, laut NSDAP-Mitgliederkartei war er ab 1. Mai 1938 Mitglied, in seinem WStLA Gauakt wird mehrmals das Datum 1. Juli 1935 und einmal das Datum 1. Mai 1934 als Eintrittsdatum angegeben, die Mitgliedsnummer ist immer ident.
215 Bei Otto Trenkler gibt es ebenfalls unterschiedliche Angaben: Laut WStLA Gauakt trat er im Juni 1933 der Partei bei, laut NSDAP- Mitgliederkartei mit 1. Mai 1938.
216 Archiv der Universität Wien, Rigorosenakt, Zederbauer Emerich.
217 Gräbersuche: www.friedhöfewien.at [Stand 13.04.2016].
218 Frahm/Eggers, 2001, S. 575.
219 DÖW: http://www.doew.at/erinnern/fotos-und-dokumente/1938-1945/der-erste-dachau-transport-aus-wien-1-april-1938/zederbauer-emmerich-dr [Stand 14.04.2016].
220 Wiegel, 2015, S. 211.
221 DÖW: http://www.doew.at/neues/franz-danimann-1919-2013 und Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Danimann [Stand 30.10.2013].
222 Archiv Berufsschule für Gartenbau und Floristik, Klassenbücher und Schülerkataloge 1934–1938.
223 Nedwed, 2009, S. 18.
224 Nedwed, 2009, S. 18.
225 DÖW: http://www.doew.at/neues/franz-danimann-1919-2013 [Stand 30.10.2013].
226 Universität Innsbruck: http://www.uibk.ac.at/ipoint/news/2011/james-bond-aus-tirol.html.de [Stand 31.10.2011.] und http://www.geschichte-tirol.com/rezensionen-mainmenu-120/864-hubert-mayr-1913-1945-ein-leben-im-kampf-fie-freiheit.html [Stand 03.04.2012] sowie http://de.wikipedia.org/wiki/Hubert_Mayr [Stand 03.04.2012].
227 Wallgram, 2005.
228 Archiv Berufsschule für Gartenbau und Floristik, Schülerkatalog 1934/35, Klasse 1c.
229 DÖW: Opferdatenbank, Shoah-Opfer, http://www.doew.at/ausstellung/shoahopferdb.html [Stand 30.03.2012].
230 Vater Leopold Knapp (unbekannt), Mutter Berta (*15.09.1891), Geschwister: Hermine (*15.04.1921), Ernst (*12.04.1922), David (*16.05.1923), Josef (*12.11.1926); Quelle: DÖW Opferdatenbanken.
231 Archiv Berufsschule für Gartenbau und Floristik, Schülerkatalog 1935/36 und 1936/37, Klasse 1c.
232 Archiv Berufsschule für Gartenbau und Floristik, Schülerkatalog 1935/36 und 1936/37, Klasse 1c.
233 Bild entnommen: DÖW, Nicht mehr anonym, Fotos aus der erkennungsdienstlichen Kartei der Gestapo Wien, http://www.doew.at/ [Stand 02.04.2012].
234 DÖW: Opferdatenbank, Gestapo-Opfer, Knapp Kurt, http://www.doew.at/ [Stand 02.04.2012].
235 DÖW: Kielce http://www.doew.at/ausstellung/shoahopferdb.html [Stand 02.04.2012].
236 Telefonische Auskunft von Dr. Gerhard Ungar, DÖW, am 03.04.2012.
237 Anderl/Rupnow, 2004, S. 246.
238 Die Reichsfluchtsteuer war eine bereits 1931 in Deutschland eingeführte Steuer, welche alle Personen zu entrichten hatten die ihren Wohnsitz ins Ausland verlagern wollten – zuerst mit dem Ziel, Kapitalflucht einzudämmen, und später, unter der NS-Herrschaft, mit dem Ziel, sich das jüdische Vermögen anzueignen. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsfluchtsteuer [Stand 20.10.2012].
239 Anderl/Rupnow, 2004, S. 249.
240 Anderl/Rupnow, 2004, S. 249.
241 Venus, 2004, S. 88 f.
242 Feurstein/Milchram, 2001, S. 31.
243 Anderl/Rupnow, 2004, S. 293.
244 Botz, 2008, S. 625.
245 Botz, 2008, S. 311.
246 Botz, 2008, S. 311.
247 Witek, 1988, S. 199.
248 Sarfrian/Witek, 2008, S. 25.
249 Weber, 2004, S. 67.
250 Weber, 2004, S. 67.
251 Weber, 2004, S. 68.
252 Weber, 2004, S. 70.
253 Witek, 1988, S. 200.
254 Botz, 2008, S. 312.
255 Venus, 2004, S. 82 f.
256 Venus, 2004, S. 81.
257 Venus, 2004, S. 83 f.
258 Venus, 2004, S. 83 f.
259 Venus, 2004, S. 83 f.
260 Witek, 1988, S. 203.
261 Venus, 2004, S. 85.
262 Venus, 2004, S. 89.
263 Anderl, 2009, S. 71.
264 Anderl, 2009, S. 94.
265 Anderl, 2009, S. 94.
266 Anderl, 2009, S. 78.
267 Miriam Kellner-Giv’ol: (*1899 in der Bukowina, † 1986 in Palästina).
268 Enis, 2006, S. 98.
269 Enis, 2006, S. 100.
270 Burmil/Enis, 2011, S. 250.
271 Anderl, 2009, S. 80.
272 Anderl, 2009, S. 80.
273 Anderl, 2009, S. 97.
274 Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Bestand Wien, A/VIE/IKG/II/AUS/1/4.
275 Bild entnommen: Jüdisches Nachrichtenblatt, Nr. 59, vom 25. Juli 1939, S. 5.
276 J.R., 47.1938, S. 2.
277 J.R., 60.1938, S. 4.
278 o.V.: Statistik der Berufsumschichtung, in: Jüdisches Nachrichtenblatt, Nr. 73/74 vom 15.09.1939, S. 1.
279 Siehe auch Kap. 6.5.1 und 7.1.1.
280 Siehe auch Kap. 7.1.4.
281 Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde, Bestand Jerusalem, A/W2509.
282 DÖW: https://www.doew.at/frames.php?/service/archiv/eg/grosz1.html [Stand 20.06.2012].
283 Genaueres über Hanny Strauss und die Gärtnerei Windmühlhöhe ist unter Kap. 7.1.4 nachzulesen.
284 Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Bestand Jerusalem, A/W 2509.
285 Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Bestand Jerusalem, A/W 2509.
286 Hanisch, 2005, S. 395.
287 Hanisch, 2005, S. 398.
288 Schuster/Weber, 2004, S. 16.
289 Schuster/Weber, 2004, S. 16 f.
290 Schuster/Weber, 2004, S. 29.
291 Vogel, 2004, S. 337.
292 Stiefel, 2004, S. 44 f.
293 Stiefel, 1981, S. 93, (zit. nach Bailer-Galanda/Garscha 2005, S. 629).
294 Schuster/Weber, 2004, S. 29.
295 Hanisch, 2005, S. 423.
296 Hanisch, 2005, S. 424.
297 Hanisch, 2005, S. 424.
298 Hanisch, 2005, S. 425.
299 WStLA, NS-Registrierungsakt Esch Albert, 02.04.1883 und Kap. 7.2.6.
300 WStLA, NS-Registrierungsakt Hartwich Wilhelm, 19.08.1898 und Kap. 7.2.8.
301 WStLA, NS-Registrierungsakt Ihm Eduard Maria, 30.11.1904 und Kap. 7.2.9.
302 WStLA, NS-Registrierungsakt Mödlhammer Viktor, 19.09.1905 und Kap. 7.2.11.
303 WStLA, NS-Registrierungsakt Trenkler Otto, 20.09.1899 und Kap. 7.2.13.
304 WStLA, NS-Registrierungsakt Wladar Josef Oskar, 01.07.1900 und Kap. 7.2.14.
305 Venus, 2004, S. 96.
306 Venus, 2004, S. 96.
307 Venus, 2004, S. 96.
308 Venus, 2004, S. 96.
309 Venus, 2004, S. 95 f.
310 Siehe Kap. 7.1.1, 7.1.4 und 7.1.5.
3 Gärtnerische Verbände und Berufsorganisationen in Wien
„Der Beruf hat in diesen 40 Jahren manche Wandlung durchgemacht und im Kampfe mit dem Unverstand im eigenen Berufe und dem der Behörden viele Talente und tüchtige Führer verbraucht und steht, streng genommen, eigentlich immer noch dort, wo er 1893 gestanden ist: ungeklärt, unorganisiert, durch Vereine zerklittert, ohne wirtschaftlichen Rückhalt.“311
Dieser Satz ist eine treffende Beschreibung der Berufsvertretungen der Gärtnerschaft in der Zeit von 1893 bis 1933.
Innerhalb der österreichisch-ungarischen Monarchie gab eine große Anzahl an gärtnerischen Verbänden und Vereinigungen. Erwähnt seien nur die 1827 gegründete k. k. Gartenbau-Gesellschaft, der im August 1893 gegründete Allgemeine Österreichische Gärtner-Verband oder Vereine wie die Gartenfreunde in Hietzing, Döbling oder Dornbach. Sie beschäftigten sich mit allgemeinen gärtnerischen Themen und waren für Laien zugänglich. In dieser Zeit arbeitete ein Großteil der im Gartenbau tätigen Personen im „herrschaftlichen“ Dienst. Darunter ist die Anstellung bei einer adeligen oder sonstigen vermögenden Person, der „Herrschaft“, zu verstehen. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und den damit verbundenen großen territorialen Verlusten kam es auch zu Umstrukturierungen im Verbandswesen.
Aus der k. k. Gartenbau-Gesellschaft wurde die Österreichische Gartenbau-Gesellschaft (ÖGG). Der 1910 gegründete Österreichische Privatgärtnerverband (Ö.P.G.V.), der sich 1912 im gesamten Reichsgebiet in 27 Ortsgruppen untergliederte, hätte nach dem Ende der Monarchie nur noch aus 9 Ortsgruppen auf österreichischem Staatsgebiet bestanden312 und löste sich deshalb 1919 auf.313
Ein weiteres Beispiel ist die 1908 gegründete „Dendrologische Gesellschaft zur Förderung der Gehölzkunde in Österreich-Ungarn“,314 als deren Generalsekretär Camillo Schneider fungierte. Die Gesellschaft wurde mit Beschluss der Generalversammlung vom 9. Juni 1920 aufgelöst,315 da – wie Schneider es formulierte – die veränderten territorialen Verhältnisse einen Weiterbestand des Vereins unmöglich machten:
„Obwohl sich diese Gesellschaft während all der schweren Kriegsjahre gut gehalten hat, ist sie jetzt durch die Auflösung der Monarchie in eine schwierige Lage geraten. […] Die heutige politische und wirtschaftliche Lage macht ihr jedoch einen freien Verkehr mit all ihren in Österreich, Ungarn, der Tschecho-Slovakei und Jugoslavien, wie auch in Deutschland und dem übrigen Ausland lebenden Mitgliedern teilweise ganz unmöglich. Dazu tritt der Umstand, das infolge des hohen Valuta-Unterschiedes zwischen Böhmen und Österreich die Bewirtschaftung des Vereinsgartens [Anm. in Průhonice in Prag] eine sehr kostspielige ist.“316
Am Ende dieses Kapitels befindet sich eine Liste mit in Wien existenten gärtnerischen Vereinen und Verbänden im Untersuchungszeitraum. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
3.1 Die geplante Gartenbaukammer
Die Gärtner hatten nach dem Ersten Weltkrieg keine eigene interessenspolitische Vertretung auf Bund- und Länderebene. In den frühen 1920er-Jahren wurde daher die Schaffung einer Gartenbaukammer als Dachorganisation aller im Gartenbau Tätigen intensiv diskutiert. Bereits ab April 1920 beschäftigte sich die ÖGG in Person von Ing. Rutschka – er war ständiger Referent für wirtschaftliche Angelegenheiten317 – mit diesem Thema. In einem internen Schreiben an Kurt Schechner, den damaligen Generaldirektor der ÖGG, informierte Rutschka über die zu erwartenden Schwierigkeiten bei der Schaffung einer solchen Institution und meinte, die zukünftigen Verhandlungen wären „sehr heikler Natur“318 und würden sich sehr in die Länge ziehen, falls sie überhaupt positiv abgeschlossen werden könnten.319 Er begründete diese Vermutung mit der sehr gespannten Lage innerhalb der Gärtnerschaft und warnte davor, frühzeitig Personen zu nennen, die in diese neue Kammer aufzunehmen wären, da dies den Prozess der Gründung einer Gartenbaukammer zum Scheitern bringen könnte.320
Es wurde versucht, möglichst alle Gärtnergruppen (Verbände, Vereine) in diesen Diskussionsprozess einzubinden. Aus diesem Grund wurde am 8. Juli 1920 zu einer Sitzung geladen, in der ein fünfköpfiges Komitee – bestehend aus A. O. Schneider, Karl Ganger, Julius Wackar, Adolf Vollbracht und Ing. Rutschka – ins Leben gerufen und mit der Ausarbeitung eines Entwurfes für die Schaffung einer Gartenbaukammer betraut wurde.321 Bereits am 27. Oktober 1920 sandte das Komitee einen Entwurf der Statuten an den Verwaltungsrat der Gartenbau-Gesellschaft.322 Die weiteren Verhandlungen liefen schleppend und dauerten mehrere Jahre. Am 2. September 1924 fand eine Sitzung des „engeren Linzer Komitees“323 statt, in der beschlossen wurde, dem erweiterten Komitee zwei wichtige Fragen zur Abstimmung vorzulegen: nämlich über die Gründung einer Gartenbaukammer und über die Entscheidung der Zugehörigkeit des Gartenbaus (Landwirtschaft oder Gewerbe) mittels einer Urabstimmung. Wäre das Komitee mit der Fragestellung einverstanden, sollte die Gartenbau-Gesellschaft beauftragt werden, die Errichtung einer Gartenbaukammer sowie die Urabstimmung durchzuführen.324
Bei der Sitzung des „erweiterten Linzer Komitees“ am 13. September 1924 erklärte sich dieses mit der Errichtung einer Gartenbaukammer einverstanden und erteilte dem „engeren Linzer Komitee“ den Auftrag, in dieser Richtung weiterzuarbeiten.325
Die ÖGG führte weitere Verhandlungen mit den zuständigen Behörden, die sich aber alle gegen die Errichtung einer Gartenbaukammer aussprachen; es keimte die Hoffnung auf, dass entweder die ÖGG die Funktion einer Kammer übernehmen oder sogar eine eigene Sektion für Gartenbau in der Landes-Landwirtschaftskammer eingerichtet werden könnte.326 Wie langwierig die Verhandlungen waren, zeigte sich in einer kurzen Meldung vom Februar 1926 im Organ des Gehilfenausschusses der Gärtner, wo berichtet wurde: „Ein Erfolg ist nun in dem Näherrücken des Gedankens zur Schaffung einer Gartenbaukammer zu verzeichnen, beziehungsweise der Betrauung der Gartenbaugesellschaft mit den Obliegenheiten selbst.“327
Es gelang letztlich nicht, die geplante Gartenbaukammer ins Leben zu rufen.
Das vorbereitete Statut der Gartenbaukammer
Die neu zu schaffende Gartenbaukammer hätte ihren Sitz in Wien gehabt und wäre gemäß § 1 der Statuten für den Ausbau und die Förderung des gesamten Gartenbaus zuständig gewesen. Im Statut wurde diese Aufgabe in elf Punkten genauer beschrieben; sie umfasste unter anderem die Vorsorge für eine gärtnerische Sondergesetzgebung, das gesamte gärtnerische Unterrichts- und Bildungswesen, das gärtnerische Versuchs- und Ausstellungswesen und die Vorbereitung und Einflussnahme auf Zolltarife in Handelsverträgen.328
§ 3 der Statuten regelte die Mitgliedschaft und war durchaus fortschrittlich formuliert. In der Kammer sollten Vertreter aller Gärtnergruppen präsent sein und Frauen wurden explizit angesprochen:
„Die Gartenbaukammer besteht aus 34 Mitgliedern und zwar aus
1.) 11 vom Staatsamte für Land-, Forstwirtschaft und Gartenbau ernannten Personen,
2.) aus 16 Vertretern der selbständigen gewerbeberechtigten Gärtner oder Gärtnerinnen und 6 Vertretern der gelernten leitenden angestellten Gärtner oder Gärtnerinnen, sowie
3.) aus dem von den vorgenannten Mitgliedern in der ersten Sitzung zu wählenden Sekretär, der unbedingt ein gelernter Gärtner oder eine gelernte Gärtnerin sein muss.“329
Die vom genannten Staatsamt zu berufenden Personen sollten ebenfalls gelernte Gärtner sein. Es sollten je zwei Vertreter der Ziergärtner, der Gemüsegärtner und des Obstbaus sowie je ein Vertreter der Gartenbaugesellschaften von Wien und Graz und schließlich drei Vertreter der einschlägigen Wissenschaften berufen werden.330
Das angesprochene Staatsamt hieß „Staatsamt für Land- und Forstwirtschaft“, der Zusatz Gartenbau sollte nach den Vorstellungen der Entwickler des Statutes hinzugefügt werden, um so die Kompetenz des Amtes für den Gartenbau zu betonen.331
Jedes dieser gewählten Mitglieder sollte, nach den Vorstellungen der Arbeitsgruppe, vom Staatsamt befragt werden, ob es mit der Mitgliedschaft in der Gartenbaukammer einverstanden wäre, und hätte, bei Zustimmung, einen Diensteid abzulegen, bei Ablehnung sollte ein ebenfalls gewählter Ersatzmann nachrücken.332
3.2 Gesetzliche Berufsorganisationen für selbstständige Gärtner
Darunter sind jene Verbände und Vereine zu verstehen, in denen sich selbstständige Gärtner, Gartengestalter, Landschaftsgärtner etc. auf Grundlage der Gewerbeordnung zusammenschlossen, um ihre Interessen zu wahren und den Berufsstand in der Öffentlichkeit zu vertreten.
Schon vor dem Ersten Weltkrieg schlossen sich die gärtnerischen Unternehmer und Betriebsinhaber zusammen, um ihre Interessen besser vertreten zu können. Die wahrscheinlich älteste Vertretung für Gärtner in Österreich bildete die Genossenschaft der Gärtner von Wien. In ihr waren alle selbstständigen Gartenbautreibenden und deren Mitarbeiter zusammengefasst.
3.2.1 Gewerberecht – Gewerbegenossenschaften
Um die Genossenschaft der Gärtner von Wien und Umgebung zu verstehen, ist es nötig, den Begriff „Genossenschaften“, deren Struktur und die gesetzlichen Grundlagen, die zu ihrer Bildung führten, zu erläutern.
Die erste umfassende Gewerbeordnung in Österreich geht auf das Jahr 1859 zurück. Kaiser Franz Joseph I. hatte am 20. Dezember ein kaiserliches Patent erlassen, „womit eine Gewerbe-Ordnung für den ganzen Umfang des Reiches, mit Ausnahme des venetianischen Verwaltungsgebietes und der Militärgrenze“ verfügt wurde, die mit 1. Mai 1860 „in Wirksamkeit gesetzt“ wurde.333 Sie löste damit die bis dahin übliche „zünftige Ordnung“ der gewerbsmäßigen Berufsgruppen ab. Etliche Berufsgruppen waren von dieser Verordnung jedoch ausgenommen, so z. B. die land- und forstwirtschaftliche Produktion, der Bergbau, literarische Tätigkeiten, Tagelöhner, Rechtsanwälte, Notare und Häusermakler, Ärzte, Erzieher und Privatlehrer, Eisenbahn- und Dampfschifffahrtsunternehmen, Schauspieler, Journalisten und „Hausirhändler“.334
In dieser ersten Gewerbeordnung fanden sich im 7. Hauptstück, Genossenschaften, §§ 106–130, Regelungen betreffend Genossenschaften und in § 106 folgende Aufforderung:
„Unter denjenigen, welche gleiche oder verwandte Gewerbe in einer oder in nachbarlichen Gemeinden betreiben, ist ein gemeinschaftlicher Verband [Anm. die Genossenschaft] aufrecht zu erhalten, und in soferne er noch nicht besteht, so viel als möglich herzustellen.
Eine Genossenschaft kann nach Umständen auch die Gewerbetreibenden mehrerer Gemeinden und verschiedenartiger Gewerbe umfassen.“335
Im Lauf der Jahre gab es einige Abänderungen und Ergänzungen, so im Reichsgesetzblatt (RGBl.) 39 vom 15. März 1883, RGBl. 22 vom 8. März 1885, im RGBl. 63 vom 23. Februar 1897 und endlich im RGBl. 26 vom 5. Februar 1907.
Im RGBl. 39.1883 wurde unter § 111 der Zusammenschluss von Genossenschaften geregelt:
„Auch mehrere bisher gesondert bestehende Gewerbscorporationen können im gegenseitigen Einvernehmen, durch den Ausspruch der politischen Landesstelle nach Einvernehmung der Handels- und Gewerbekammer zu Einer[!] Genossenschaft vereinigt werden.“336
Dieser Paragraf bildete die rechtliche Voraussetzung für den Zusammenschluss der Genossenschaften der Küchengärtner (auch Kuchlgärtner) und der Lustgärtner zur Genossenschaft der Zier- und Handelsgärtner 1887.
Die für den Betrachtungszeitraum dieser Arbeit maßgebliche gesetzliche Grundlage für Genossenschaften bis 1934 war das RGBl. 26.1907 vom 5. Februar 1907. Unter § 107 ist die Beitrittspflicht beschrieben:
„Wer in dem Bezirke einer solchen Genossenschaft das Gewerbe, für welches dieselbe besteht, selbständig oder als Pächter betreibt, wird schon durch den Antritt des Gewerbes Mitglied der Genossenschaft und hat die damit verbundenen Verpflichtungen zu erfüllen.“337 Als Mitglieder wurden die Gewerbeinhaber und auch die Pächter eines Gewerbebetriebes bezeichnet, die Arbeiter (Hilfsarbeiter, Gehilfen) der Gewerbeinhaber waren Angehörige der Genossenschaft338, hatten jedoch außerhalb der „Gehilfenversammlung“ keinerlei Mitsprachemöglichkeit. Als Zweck der Genossenschaft wurde unter § 114 angeführt:
„Der Zweck der Genossenschaft besteht in der Pflege des Gemeingeistes, in der Erhaltung und Hebung der Standesehre sowie in der Förderung der humanitären, wirtschaftlichen und Bildungsinteressen ihrer Mitglieder und Angehörigen.“339
Die Genossenschaften hatten eine Reihe von Aufgaben zu erfüllen. Sie hatten für ein geordnetes Lehrlingswesen zu sorgen, mussten die Bedingungen für das „Halten“ von Lehrlingen definieren und deren Einhaltung überwachen, sie mussten die Lehrbriefe ausstellen und Lehrzeugnisse bestätigen. Ebenso mussten sie die Arbeitszeugnisse für die der Genossenschaft angehörenden Gehilfen ausstellen und schiedsgerichtliche Ausschüsse bilden, die bei Arbeits-, Lehr- und Lohnstreitigkeiten zwischen Genossenschaftsmitgliedern und deren Hilfsarbeitern vermitteln sollten.340
Gemäß RGBl. 26.1907, §§ 117-119i bestand die Geschäftsführung einer Genossenschaft aus folgenden Gremien:
a) die Genossenschaftsversammlung: Diese bestand aus sämtlichen stimmberechtigten Mitgliedern. Stimmberechtigt waren alle Mitglieder, sofern sie nicht straffällig geworden waren, kein Konkurs über sie eröffnet bzw. das Gewerbe für die gesamte Dauer des Konkursverfahrens nicht von der Behörde entzogen wurde und sie nicht unter Kuratel gestellt worden waren.
b) die Genossenschaftsvorstehung: Sie setzte sich aus dem Genossenschafts-ausschuss unter der Leitung des Vorstehers bzw. dessen Stellvertreters zusammen. Die Amtsdauer der Vorstehung währte in der Regel drei Jahre, danach wurde wieder gewählt. Der Genossenschaftsausschuss musste aus einer durch das jeweilige Genossenschaftsstatut festgesetzten Zahl von Mitgliedern und Ersatzmännern bestehen. Diese Mitglieder und Ersatzmänner wurden von der Genossenschaftsversammlung aus ihren eigenen Reihen gewählt.
c) der Genossenschaftsvorsteher bzw. dessen Stellvertreter: Sie vertraten die Genossenschaft nach außen und leiteten und überwachten die gesamte Geschäftsführung.
d) die Vertrauensmänner: Große Genossenschaften durften zwecks Erleichterung der Geschäfte und des Verkehrs mit ihren Mitgliedern Vertrauensmänner wählen. Diese Vertrauensmänner wurden für die gewissenhafte Durchführung der ihnen übertragenen Geschäfte persönlich zur Verantwortung gezogen. Über die Wahl, die Funktionsdauer, den Wirkungskreis und die Anzahl der Vertrauensmänner gab das jeweilige Genossenschaftsstatut Auskunft.341
Diese Genossenschaften waren berechtigt, innerhalb des gesetzlichen Rahmens für alle ihre Mitglieder Bestimmungen über Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit der Arbeiter, über deren Pausen, über die Höhe der Entlohnung im Kündigungsfall und über Kündigungsfristen zu vereinbaren. Diese Vereinbarungen hatten durch die Genossenschaftsversammlung im Einvernehmen mit der Gehilfenversammlung zu erfolgen und waren von der politischen Landesbehörde zu genehmigen.342 Diese Pflichtgenossenschaften waren zudem befugt, Krankenkassen- und Unterstützungskassen für ihre Mitglieder und Angehörigen zu gründen, und sie waren berechtigt, gewerbliche Unterrichtsanstalten in Form von Fach- und Fortbildungsschulen oder aber Lehrwerkstätten zu schaffen.343
3.2.2 Genossenschaft der Gärtner von Wien und Umgebung
Die gesetzmäßigen Körperschaften der gewerblichen Gärtner in Österreich bis 1935 waren die Genossenschaften. Da es hierbei wichtig ist, ihre Entstehungsgeschichte und die Konflikte innerhalb der Genossenschaft darzustellen, wurde das Kapitel zum besseren Verständnis in Unterkapitel unterteilt.
3.2.2.1 Historisches von der Gründung bis 1918
Die älteste dieser Genossenschaften war die Genossenschaft der Gärtner von Wien und Umgebung. In den Gartenbaukalendern der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft wird ihr Gründungsjahr wiederholt mit 1593 angegeben.344
So bildete sich wohl schon im 16. Jahrhundert das Gewerbe der berufsmäßigen „Küchengärtner“ aus. Die Konkurrenz, die ihnen durch die Tätigkeit der Bauern und Weinhauer sowie der bürgerlichen „Lustgärtner“ erwuchs, veranlasste sie 1677 zur Gründung einer Bruderschaft. Im Jahre 1678 wurde die Ordnung der Bruderschaft der Küchengärtner von Kaiser Leopold I. genehmigt.345
Die Gründung einer Organisation der Wiener Lustgärtner ging von den Hofund Herrschaftsgärtnern aus; es handelte sich dabei um Gärtner, die bei adeligen Gartenbesitzern und Landesfürsten in Dienst standen.346 Die Gärtner versuchten sich vor umherziehenden ungelernten Personen, die ihre Dienste anboten, zu schützen und ihre Berufsgruppe vor Schaden zu bewahren. Gemeinsam mit ihren Arbeitgebern legten sie Beschwerde gegen diese Personen und ihre Tätigkeit bei Kaiser Ferdinand II. ein. Dieser versuchte Abhilfe zu schaffen und genehmigte am 12. Oktober 1628 die Gründung einer Bruderschaft347, die allerdings nicht nur Hofund herrschaftliche Lustgärtner, sondern auch selbstständig tätige gewerbliche Gärtner aufnahm. Bei ihrer Gründung führte sie den Namen „Bruderschaft der Lust- und Ziergärtner in Wien“348 und wurde erst 1810 eine bürgerliche Zunft.349
Im Laufe der Zeit wechselte sie mehrmals ihren Namen und hieß unter anderem „Innung der bürgerlichen Lust- und Ziergärtner in Wien“ oder „Genossenschaft der Blumen- und Gemüsegärtner“. 1912 trug sie den Namen „Genossenschaft der Zier- und Handelsgärtner in Wien“, nach dem Ersten Weltkrieg wurde daraus die „Genossenschaft der gewerblichen Zier- und Gemüsegärtner in Wien und Umgebung“ und am 7. Oktober 1926 wurde sie über Beschluss der genossenschaftlichen Hauptversammlung in „Genossenschaft der Gärtner von Wien und Umgebung“ umbenannt.350
Bald schon kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Gärtnergruppen. Erste Berichte über Zwistigkeiten innerhalb dieser Berufsgruppen stammen aus dem Jahr 1678.351 Der Streit zwischen Lust- und Küchengärtnern rührte daher, dass neben der Diskussion wer was wo verkaufen durfte, auch ein ständischer Gegensatz bestand. Die Zunft der Küchengärtner war eine bürgerliche Zunft, die Bruderschaft der Lustgärtner unterstand dagegen der Regierungsgerichtsbarkeit352 (Regierungsjurisdiction).
Die Unstimmigkeiten zwischen den Gärtnergruppen dauerten an und erregten schließlich das Missfallen von Kaiserin Maria Theresia. Gemäß einer Resolution vom 26. Mai 1759 sollten beide Zünfte (Lustgärtner und Küchengärtner) vereinigt werden. Die Frage, „ob die Küchengärtner den Lustgärtnern oder die Lustgärtner den Küchengärtnern incorporiert“ werden sollten, konnte jedoch nicht gelöst werden und schließlich wurde mit einem Regierungsdekret vom 17. März 1761 die bisherige Teilung aufrechterhalten, die Entscheidung betreffend Streitigkeiten der Regierung übertragen und der Hof verbat sich jede zukünftige „Belästigung“.353
Am 26. November 1761 kam es zu einem Vergleich der beiden Streitparteien und die Trennung der beiden Berufsgruppen wurde fortgeschrieben.354 Diese Trennung dauerte bis 1887.355 Damals gelangten die Berufsvertreter zur Einsicht, dass die Trennung der Berufsgruppen nicht zielführend sei und man entschloss sich, eine gemeinsame „Genossenschaft der Zier- und Handelsgärtner in Wien und Umgebung“ – mit folgendem Geltungsbereich: Wien Bezirke I-XIX, dann die Gemeinden Atzgersdorf, Alt- und Neu-Erlaa, Inzersdorf am Wienerberge, Kalksburg, Liesing, Mauer, Albern, Mannswörth, Oberlaa, Floridsdorf, Donaufeld, Jedlesee, Groß-Jedlersdorf, Alt-Leopoldau, Kagran und Klosterneuburg356 – zu gründen.357 Dieses Vorgehen wurde rechtlich erst durch die 1883 eingeführten Abänderungen und Ergänzungen der Gewerbeordnung von 1859 möglich.358 Die Erwerbsgärtner Österreichs gründeten in weiterer Folge eine Dachorganisation, den „Reichsverband österreichischer Genossenschaften gewerblicher Gärtner und Naturblumenbinder“, dessen Präsident Eduard Kittenberger war. Sie hatte ihren Sitz bereits in Wien 5, Gießaufgasse 8.359
Dieser Verband versuchte den wirksamen Schutz des Gärtnergewerbes in Form eines Verwendungsnachweises (= Befähigungsnachweis) zu erhalten, einige Mitglieder forderten sogar die Einreihung des Gartenbaus in das handwerksmäßige Gewerbe.360 All diese Bestrebungen kamen mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und dem darauffolgenden Ende der Monarchie zum Stillstand. A.C. Baumgartner beschrieb 1933 rückschauend die Entwicklung:
„Am 27. und 28. August 1893 tagte in Wien der 1. Allgemeine österreichische Gärtnertag, der der Anlaß für die Gründung des Allgemeinen österreichischen Gärtner-Verbandes wurde. […] Der damals gegründete Verband umfasste alle im Gartenbau und verwandten Nebenberufen Tätigen, einerlei ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, ob selbständig oder in abhängiger Stellung, ob in öffentlichen oder privaten Diensten. – Diese verschiedenartigen Berufsangehörigen einheitlich zusammen zu fassen gelang in den ersten Jahren ganz gut. Bald aber machten sich die divergierenden Berufsinteressen stark fühlbar und behinderten den Vorstand in seinen Arbeiten ungemein, so daß im Vereinsjahr 1899 bis 1900 eine Trennung in zwei Sektionen durchgeführt wurde: eine Sektion für Handelsgärtner […] und eine Sektion für Privatgärtner […]. Diese arbeiteten schlecht und recht bis zum Jahre 1908 zusammen in einem Verbande, bis es zur vollkommenen Trennung und Abspaltung der Privatgärtner kam, die den selbständigen Privatgärtnerverband gründeten […]. Die zurückgebliebene Sektion der Handelsgärtner konnte infolge immerwährender innerer Unruhen kein selbständiges Leben mehr fristen, weshalb es im Jahre 1909 zur Gründung des Reichsverbandes der Gärtnergenossenschaften Österreichs kam. […] Beide Verbände, sowohl der Genossenschaftsverband als auch der Privatgärtnerverband, entwickelten sich in den nächsten Jahren ganz außerordentlich, bis der Weltkrieg ihrem Wirken und ihrer Existenz eine Ende bereitete. Seither ist es nicht mehr gelungen, weder den Erwerbsgärtnern noch den angestellten Gärtnern, eine innerlich gefestigte und schlagkräftige Organisation über ganz Österreich zu entfalten, so daß heute wohl noch viele Vereine und Genossenschaften, aber keine das ganze Bundesgebiet umfassende Berufsorganisation geschaffen werden konnte.“361
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gelang es den Berufsvertretern nicht einen österreichweiten genossenschaftlichen „Bundesverband“ der Gärtner zu errichten.
3.2.2.2 Die Genossenschaft nach dem Ersten Weltkrieg
Zu Beginn der Ersten Republik waren in der Wiener Genossenschaft – aufgrund der Einigung von 1887 – Gemüsegärtner, Ziergärtner, Handelsgärtner, Friedhofsgärtner und Landschaftsgärtner vertreten. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg und bis 1920 war Eduard Kittenberger Vorsteher der Genossenschaft der Zier- und Handelsgärtner in Wien362, sein Stellvertreter war bis 1919 Josef Hummelberger363. Danach fungierte Julius Wackar364 drei Jahre lang als Vorsteher der Genossenschaft und Josef Hopf als sein Stellvertreter.365 Im Dezember 1923 wurde Josef Hopf zum Vorsteher366 und Franz Hoffmann zum stellvertretenden Obmann367 der Wiener Genossenschaft gewählt. Hopf hatte diese Funktion bis Mai 1934 inne.368 Noch während der Obmannschaft von Julius Wackar flammten die Konflikte betreffend der Zugehörigkeit der Gärtner zur Landwirtschaft oder zum Gewerbe wieder auf. Die Genossenschaft hatte weiterhin, wie bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, ihren Sitz in Wien 5, Gießaufgasse 8.369
Während der 1920er-Jahre beschäftigte sich die Genossenschaft hauptsächlich mit Fragen der Warenumsatzsteuer, der Marktordnung und der Kollektivverträge und ab 1923 mit der „Zugehörigkeitsfrage“. Auf Letztere wird unter Punkt 5.1 genauer eingegangen.
Auch in Schulfragen hatte die Genossenschaftsvorstehung mitzureden und wehrte sich vehement gegen die Einführung des praktischen Unterrichts in den fachlichen Fortbildungsschulen, konnte dessen Einführung aber letztendlich nicht verhindern.370
Die Genossenschaft war Mitglied der ÖGG, die Genossenschaftsmitglieder waren also „zwangsweise“ ebenfalls Mitglieder der ÖGG und die Genossenschaft zahlte für sie Mitgliedsbeiträge. Dagegen lehnten sie sich auf und in der Genossenschaftsversammlung vom 29. September 1927 wurde der Punkt „Mitgliedsbeitrag für die Gartenbau-Gesellschaft mit großer Majorität abgelehnt“, was einem Austritt aus der ÖGG gleichkam.371
In der „Zugehörigkeitsfrage“ war die Genossenschaft gespalten – so forderte die Gruppe um den ehemaligen Vorsteher Julis Wackar den Verbleib beim Gewerbe und die Anerkennung des Gärtnerberufes als handwerksmäßiges Gewerbe, die Gruppe um den stellvertretenden Obmann Franz Hoffmann forderte die Einreihung in die Landwirtschaft.372
Wie tief gespalten die Genossenschaft war, zeigt die Tatsache, dass es immer wieder Abspaltungstendenzen einzelner Gruppen gab, die mit den Entscheidungen bzw. dem Vorgehen der Genossenschaftsvorstehung nicht einverstanden waren. So verkündete die Vertretung der Blumengärtner in der Ausschuss-Sitzung vom 17. November 1927, dass diese entschlossen wären, eine Trennung zwischen Blumengärtnern und Gemüsegärtnern herbeizuführen, da „sie in der derzeit bestehenden Genossenschaft nicht die richtige Vertretung finden“,373 und 1930 versuchte die Berufsgruppe der Gräberschmücker gemeinsam mit den Gartenarchitekten eine eigene Genossenschaft zu gründen, dieses Ansuchen wurde jedoch abgewiesen.374
Tabelle 5: Genossenschaftsmitglieder in Wien 1913 und 1929.375
| Mitglieder | Angehörige | |||
| Lehrlinge | Mitarbeiter | Gesamt | ||
| 1913 | 624 | 312 | 1.078 | 1.390 |
| 1929 | 1.553 | 165 | 468 | 633 |
Obige Tabelle zeigt die wachsende Zahl der Genossenschaftsmitglieder. Gab es 1913 624 Betriebe mit insgesamt 1.390 Mitarbeitern, so stieg die Zahl der Betriebe bis 1929 auf 1.553 die aber nur mehr 633 Mitarbeiter hatten. Diese Entwicklung ist auf den Umstand zurückzuführen, dass es sich bei der Gärtnerei um ein freies Gewerbe handelte, das jeder, ohne Nachweis seiner Befähigung, ausüben konnte. Es gab also mehr, dafür aber kleinere Betriebe. Diese starke Zunahme an Mitgliedern ist sicher auch der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in diesem Zeitraum geschuldet. Durch den Zerfall der Monarchie wurden viele Gärtner, zumeist ehemalige Herrschaftsgärtner, „stellungslos“ und versuchten durch die Gründung eines eigenen Betriebes, meist auf Pachtflächen, eigenes Einkommen zu schaffen. Diese Aussagen werden belegt durch die gewerbliche Betriebszählung innerhalb der Republik Österreich vom 14. Juni 1930. Sie kam zu dem Ergebnis, dass es im österreichischen Bundesgebiet 2.262 gewerbliche Gärtnereibetriebe mit insgesamt 7.016 Beschäftigten gab.376 Davon entfielen 1.060 Betriebe mit insgesamt 3.297 Arbeitnehmern auf Wien.377 Aus diesen Zahlen ergibt sich, dass fast 47 % der Betriebe und rund 47 % der im gewerblichen Gartenbau beschäftigten Personen in Wien tätig waren. Der Großteil der Wiener Gartenbaubetriebe, nämlich 748 (70,57 %) beschäftigte 2 bis 5 Personen, gefolgt von 219 „Alleinbetrieben“, d. h. Kleinstbetriebe ohne Beschäftigte. Es gab 70 Betriebe, die 6 bis 10 Personen beschäftigten, und 21 Betriebe mit einem Personalstand von 11 bis 20 Mitarbeitern.378 Die Wiener Genossenschaft hatte also „Gewicht“ innerhalb der gärtnerischen Genossenschaften Österreichs. Die Konkurrenz innerhalb der Gärtnerschaft war groß, ebenso wie der Druck der Mitglieder auf die Genossenschaftsvertreter endlich einen wirksamen Schutz gegen „Schmutzkonkurrenz“, zu hohe Steuern und andere Probleme zu finden.
Ab 1933 kann anhand der Entwicklung der Mitgliederzahl der Wiener Genossenschaft die beginnende Spaltung der Branche abgelesen werden. Befürworter der Zugehörigkeit zur Landwirtschaft legten ihre Gewerbescheine zurück.
Tabelle 6: Mitgliederentwicklung der Wiener Genossenschaft.379
| Jahr | Mitglieder |
| 1925 | 1.500 |
| 1926 | 1.421 |
| 1927 | 1.493 |
| 1928 | 1.420 |
| 1929 | 1.509 |
| 1930 | 1.520 |
| 1931 | 1.690 |
| 1932 | 1.693 |
| 1933 | 1.500 |
| 1934 | 1.387 |
| 1935 | 1.000 |
In den Jahren 1928 bis 1932 war die Genossenschaft hauptsächlich mit Marktangelegenheiten380 und der Zugehörigkeitsfrage381 beschäftigt.
In der Genossenschaftswahl vom 5. Jänner 1929 wurde die amtierende Vorstehung mit Josef Hopf, Josef Hochleutner und Karl Schreiber bestätigt.382
In der Frage der Berufszugehörigkeit konnte keinerlei Einigung zwischen den Genossenschaftsmitgliedern erzielt werden, wie sich in der Entwicklung ab 1932 zeigt.
Die am 5. März 1932 abgehaltene Genossenschaftswahl der Gärtner von Wien und Umgebung brachte folgendes Ergebnis:
Vorsteher: Josef Hopf
Stellvertreter: Josef Hochleutner und Karl Ganger
Ausschüsse: Franz Anderl, Karl Berger jun., Theodor Dworzak, Christian Gabler, Johann Ganger jun., Josef Haider, Johann Heger, Franz Klopf, Josef Kuchar, Josef Lehner, Leopold Lehmann, Josef Matznetter, Josef Menousek, Ludwig Pregesbauer, Rudolf Seering, Anton Steinkellner, Josef Stowasser, Johann Strondl, Michael Walla, Hans Wlczko, Wilhelm Wolf
Ersatzausschüsse: Eduard Böhm, Anton Haumer, Karl Kauba, Ignaz Spannagl, Rudolf Watzer, Richard Weiß383
(Anm.: Die Herren Böhm, Stowasser, Wlczko und Wolf sind der Berufsgruppe der Gartenarchitekten bzw. Gartengestalter zuzuordnen.)
Der Streit um die Zugehörigkeitsfrage entzweite die Genossenschaftsmitglieder immer mehr und nach der Neuregelung der Berufszugehörigkeit durch die Gewerberechtsnovelle von 1934 war der Streit zwischen den Anhängern der Landwirtschaft und denen des Gewerbes nicht etwa beendet, sondern ging unvermindert weiter und führte schließlich in der Ausschusssitzung vom 29. März 1934 zur Niederlegung der Mandate durch die gewerblichen Erwerbsgärtner, was die behördliche Auflösung der Genossenschaftsvorstehung zur Folge hatte.384 Da aufgrund der politischen Verhältnisse, die austrofaschistischen Machthaber arbeiteten an einer neuen Verfassung mit „berufsständischer Grundlage“, eine Genossenschaftswahl nicht durchgeführt werden konnte, kam es zur Bestellung eines behördlichen Kommissärs.385
3.2.2.3 Ein kommissarischer Leiter für die Genossenschaft
In der Gartenbauzeitung der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft vom Juli 1934 fand sich folgender kurzer Hinweis zu den Geschehnissen:
„Da ein großer Teil der Mitglieder der ‚Genossenschaft der Gärtner von Wien und Umgebung‘ ihre Mandate zurücklegte, wurde derselbe beschlussunfähig und die Einsetzung eines behördlichen Verwalters notwendig. Als Regierungskommissär wurde Gärtnereibesitzer Anton Steinkellner, Wien bestellt.“386
Der behördlich bestellte Kommissär Anton Steinkellner erklärte, wie es zu diesem Schritt kam:
„Die Genossenschaftsvorstehung der Genossenschaft der Gärtner von Wien und Umgebung besteht aus 30 Funktionären, und zwar dem Genossenschaftsvorsteher, den beiden Vorsteher-Stellvertretern, 21 Ausschüssen und 6 Ersatz-Ausschüssen. In der Zahl der Ausschußmandate trat im letzten Jahre eine Verringerung ein, die teils auf Todesfälle [Anm.: Johann Strondl, † 15. Oktober 1933] teils darauf zurückzuführen war, daß ein Teil der Genossenschaftsausschüsse ihre Gewerbescheine zurücklegte [Anm.: z. B. Wilhelm Wolf], und dadurch automatisch der Mandate verlustig wurde. Ein weiterer Teil der Funktionäre musste Ende Feber 1934 auf Grund einer Regierungsverordnung [Anm.: z. B. Josef Stowasser aufgrund des Verbotes der Sozialdemokratischen Partei] ausscheiden. Durch die letztere Ausscheidung verloren die Landschaftsgärtner ihre Vertretung im Genossenschaftsausschusse. Trotz alledem wäre der Genossenschaftsausschuß arbeitsfähig, das heißt beschlussfähig geblieben, und bei der nötigen Eintracht hätte auch fruchtbringende Arbeit geleistet werden können.“387
Der ausschlaggebende Grund für die Zurücklegung der Mandate der gewerblichen Erwerbsgärtner war der Umstand, dass einige Genossenschaftsfunktionäre (z. B. Michael Walla, F.J. Böhm) sich zwar der Landwirtschaft zugehörig fühlten und am organisatorischen Aufbau einer gärtnerischen Vertretung innerhalb der „Landwirtschaft“ mitarbeiteten, ihre Genossenschaftsmandate aber nicht zurücklegten. Anton Steinkellner beschrieb die schwierige Situation die zu seiner Bestellung als Regierungskommissär führte so:
„Während die landwirtschaftlichen Erwerbsgärtner in intensivster Weise an dem Aufbau ihrer Organisation arbeiteten und ihre Berufsangelegenheiten ungestört behandeln konnten, wurden die gewerblichen Erwerbsgärtner in ihrer Arbeit in empfindlichster Weise gehemmt. Dazu gesellte sich noch der unhaltbare Zustand, daß einige Genossenschaftsausschüsse außer ihrer genossenschaftlichen Funktionen, gleichzeitig eine führende Funktion bei den landwirtschaftlichen Körperschaften inne hatten, und nicht zu bewegen waren, sich entweder für die eine oder die andere Funktion zu entscheiden. Der unleidliche Zustand wurde noch dadurch erhöht, daß diese Funktionäre eine rege Tätigkeit für die Rücklegung der Gewerbescheine und Austritt aus der Genossenschaft entfalteten, selbst aber von der Rücklegung des Gewerbescheines oder Austritt aus der Genossenschaft nichts wissen wollten. Die Hemmung der gewerblichen Arbeiten im Genossenschaftsausschusse ging so weit, daß die Genossenschaftsausschüsse landwirtschaftlicher Richtung gegen die vitalsten Interessen der gewerblichen Erwerbsgärtner Stellung nahmen. […] Um nun ebenfalls ungehemmt ihre Berufsinteressen wahren zu können, sahen sich die dem Genossenschaftsausschusse angehörenden gewerblichen Erwerbsgärtner gezwungen, ihre Mandate zurückzulegen.“388
Auf Vorschlag von Anton Steinkellner wurden von der Gewerbebehörde 11 Beiräte ernannt, die gemeinsam mit dem behördlichen Kommissär die Genossenschaftsvorstehung bildeten. Dieses Gremium bestand aus folgenden Personen: Anton Steinkellner als behördlicher Kommissär, als Beiräte fungierten: Josef Hochleutner, Karl Ganger, Josef Menousek, Oskar Labanek, Franz Meister, Eduard Vintze, Ökonomierat Josef Matznetter, Anton Baumgartner, Rudolf Jessl, Theodor Jahn und Otto Trenkler.389 Die drei Letztgenannten bildeten die Vertretung der Gartengestalter innerhalb der Vorstehung. Es wurden, um allen vertretenen Berufsgruppen Gehör zu verschaffen, drei Fachgruppen gebildet und zwar: die Gruppe der Friedhofsgärtner mit Obmann Josef Hochleutner; die Gruppe der Landschaftsgärtner, Gartengestalter, Gartenarchitekten mit Obmann Rudolf Jessl; und die Gruppe der Handelsgärtner mit Obmann Karl Ganger.390
Diese Tätigkeiten waren für die jeweiligen Funktionäre durchaus zeitintensiv, wenn man bedenkt, dass die Beiratssitzungen der Genossenschaftsvorstehung monatlich und die Fachgruppenbesprechungen wöchentlich stattfanden.391 Alle Funktionäre, auch der kommissarische Leiter, arbeiteten ehrenamtlich.392
1934 kam es zu einem länger andauernden Konflikt zwischen der ÖGG und der Wiener Gärtner-Genossenschaft, der ebenfalls mit oben beschriebener Problematik, nämlich der Vormachtstellung der „Landwirtschaft“, zusammenhing. Die gewerblichen Gärtner sahen sich im Rahmen der Neuorganisation der ÖGG im Vergleich zu den Vertretern des landwirtschaftlichen Gartenbaus benachteiligt. Im Dezember 1934 kam es diesbezüglich zu einer Vorsprache von Rudolf Jessl und Anton Steinkellner beim Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses der ÖGG, Ministerialrat Rudolf Leopold. Als Ergebnis dieser Unterredung konnte die gesicherte Vertretung der Genossenschaft innerhalb der ÖGG verkündet werden.393 Bis es tatsächlich dazu kam, verging noch etwas mehr als ein Jahr.
Eine in den Augen der Genossenschaft dringende Angelegenheit war die Bekämpfung des Pfuschertums und der unbefugten Gewerbeausübung. In der Sitzung vom 19. Jänner 1935 konnte der Obmann der Fachgruppe Landschaftsgärtner, Rudolf Jessl, über Erfolge auf diesem Gebiet berichten. Speziell die zahlreichen Anzeigen führten zu empfindlichen Bestrafungen der Übeltäter, es wurden sogar in manchen Betrieben Arbeitseinstellungen verfügt.394
Das Ende des Jahres 1935 bedeutete auch das Ende der Genossenschaft der Gärtner von Wien und Umgebung – sie wurde, aufgrund des „Gewerbebundgesetzes“, mit Jahresbeginn 1936 in die Wiener Gärtner- und Blumenbinderzunft übergeführt.
3.2.2.4 Mitteilungen der Genossenschaft an ihre Mitglieder – „Der Erwerbsgärtner“
Anfänglich wurden die Mitglieder der Genossenschaft vom genossenschaftseigenen Mitteilungsblatt „Mitteilungen des Ausschusses der Genossenschaft der Zierund Gemüsegärtner in Wien“ über Wissenswertes informiert. Dieses Medium wurde mit Dezember 1926 eingestellt. Die genossenschaftlichen Angelegenheiten wurden von nun an im neu gegründeten Blatt „Der Erwerbsgärtner“ veröffentlicht.395
Abb. 3: Johann Nespe, Gründer der Zeitschrift „Der Erwerbsgärtner“ und späterer Zunftmeister von Niederösterreich. 396
Im Jänner 1927 wurde die Zeitschrift „Der Erwerbsgärtner. Offizielles Organ der Erwerbsgärtner Österreichs“ erstmals aufgelegt. Diese, laut Eigendefinition „unpolitische“, Fachzeitschrift erschien monatlich und wurde allen Erwerbsgärtnern kostenlos zugesandt. Eigentümer und Herausgeber der Zeitschrift war Johann Nespe, Vorsteher der Ziergärtnergenossenschaft in Baden und Vizepräsident der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft.397
Das Blatt machte es sich zur Aufgabe, für die Standesinteressen der Erwerbsgärtner österreichweit einzutreten und alle Standes- und Berufsfragen einer eingehenden Diskussion zu unterziehen.398
Mit der Ausgabe vom 1. Juli 1930 wurde die Zeitschrift von der Genossenschaft der Gärtner von Wien und Umgebung übernommen und stellte von da an das Sprachrohr der Genossenschaft dar. Als Schriftleiter wurde Josef Matznetter eingesetzt, eine Änderung der Blattlinie war nicht vorgesehen.399
Mit der Konstituierung der Zünfte und Innungen 1936 kam es zu einer erneuten Änderung innerhalb der Zeitschrift. Mit der Ausgabe vom 1. Februar 1936 erschien die Zeitschrift nun als offizielles Innungsorgan der Gärtner und Blumenbinder Österreichs unter dem Titel „Der Erwerbsgärtner und Blumenbinder“. Aus diesem Anlass verzichtete der bisherige Redakteur Josef Matznetter auf seine Funktion. An seiner Stelle wurde A.C. Baumgartner als den Behörden gegenüber verantwortlicher Redakteur berufen.400 Die Zeitschrift wurde mit Nummer 4, Mai 1938, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, eingestellt.
Abb. 4: Der Erwerbsgärtner und Blumenbinder. Titelblatt der Ausgabe vom 1. Februar 1936.
3.2.3 Exkurs „Gewerbebundgesetz“
Mit 12. März 1935 wurde das Bundesgesetz betreffend die Errichtung des Bundes der Gewerbetreibenden (Gewerbebund), das so genannte „Gewerbebundgesetz“ BGBl. 84.1935, erlassen. Der Bund der österreichischen Gewerbetreibenden, kurz Gewerbebund, diente zur Vorbereitung des berufsständischen Aufbaues im Gewerbe und wurde als ausschließliche Interessensvertretung der Gewerbetreibenden errichtet.401 Der Gewerbebund hatte seine Aufgaben „im christlichen, vaterländischen und sozialen Geiste mit Ausschluß jeder parteipolitischen Tätigkeit zu erfüllen“.402
Der Gewerbebund untergliederte sich in fachlicher Hinsicht in Innungen. Gemäß Definition im BGBl. 84.1935 § 6 Zif. 2 waren Innungen öffentlich-rechtliche Körperschaften zur Vertretung der fachlichen Interessen jener Gewerbetreibenden, die Zünften mit dem gleichen fachlichen Wirkungsbereich als Mitglieder angehörten.403 Die Innungen untergliederten sich in Zünfte. Diese waren definiert als öffentlich-rechtliche Körperschaften zur Vertretung der fachlichen Interessen jener Gewerbetreibenden, die ein in den fachlichen und räumlichen Geltungsbereich der Zunft fallendes Gewerbe betrieben. Alle diese Gewerbetreibenden waren Mitglieder der jeweiligen Zunft.404
Abb. 5: Übersicht Gliederung des berufsständischen Gewerbebundes.
Abb. 6: Gliederung des Gewerbebundes in seine 47 Innungen – die Gärtnerinnung ist unter Nr. 30 dargestellt.405
3.2.4 Die Innung der Gärtner und Naturblumenbinder
Alle Gärtnergenossenschaften wurden gemäß BGBl. 84.1935 in Zünften, der Innung und – als deren Spitzenorganisation – dem Gewerbebund zusammengefasst und nahmen mit 1. Jänner 1936 ihre Tätigkeit auf.406 Die Friedhofsgärtner, Gartengestalter und Landschaftsgärtner, Handelsgärtner, Schädlingsbekämpfer im Pflanzenbau und die Naturblumenbinder und -händler wurden zu einer gemeinsamen Innung zusammengefasst.
Abb. 7: Heinrich Schwarz, Innungsmeister der Gärtner- und Blumenbinderinnung.407
Am 28. Februar 1936 fand die konstituierende Sitzung der Innung der Gärtner und Naturblumenbinder unter Vorsitz ihres Innungsmeisters, des Wiener Floristen Heinrich Schwarz, statt.408
Der Innungsvorstand bestand aus:
Innungsmeister: Heinrich Schwarz, Wien, Blumenbinder
| I. | Stellvertreter: | Josef Winter, Linz, Landschaftsgärtner |
| II. | Stellvertreter: | Ludwig Jackel, Wien, Blumenbinder |
Vorstandsmitglieder:
| Innungsmeister von OÖ: | Josef Dorninger, Linz, Handelsgärtner |
| Tirol: | Anton Fröhlich, Handelsgärtner |
| Steiermark: | Franz Hajek, Blumenbinder Salzburg: Adolf Knobloch, Salzburg, Handelsgärtner Kärnten: Kanut Löffelmann, Klagenfurt, Handelsgärtner NÖ: Johann Nespe, Wr. Neustadt, Landschaftsgärtner Wien: Anton Steinkellner, Wien, Friedhofsgärtner |
| Außerdem: | Josef Kloder, Wien, Handelsgärtner; Theresia Riedl, Wien, Blumenbinderin Theodor Thalhammer, Graz, Gartenarchitekt |
| Sekretariat: | Dr. Otto Burger, Ing. Wilhelm Spicka409 |
Zwei Fachausschüsse wurden eingerichtet, einer für Gärtner und einer für Blumenbinder. Die Beschlüsse dieser Ausschüsse sollten dem Innungsvorstand vorgelegt werden und dieser hatte innerhalb von vier Wochen darüber zu entscheiden. Die Gärtner waren in diesem Ausschuss durch Anton Steinkellner, Hans Berger, Otto Gälzer und Leopold Kolecko vertreten.410
Die Aufgabe der Innung war es, auf Bundesebene die Interessen der gewerblichen Gärtner zu vertreten. Keine leichte Sache, wenn man bedenkt, wie sehr die gewerblichen Gärtner von den landwirtschaftlichen Kollegen in Form der „Nebengewerbe“ bedrängt wurden und sich aufgrund der politischen Übermacht der landwirtschaftlichen Vertreter im Austrofaschismus nur schwer Gehör verschaffen konnten.
Als vordringliche Angelegenheiten betrachtete der neue Innungsmeister zum einen die schärfere Trennung zwischen gewerblichen und landwirtschaftlichen Gärtnern, da es von Seiten der „Landwirtschaft“ immer wieder zu „Übergriffen“ kam, und zum anderen die Bekämpfung des Pfuscherwesens, für die aber hauptsächlich die Zünfte zuständig waren.411
In der Vorstandssitzung der Innung vom 14. September 1936 in Wien, bei der der gesamte Vorstand anwesend war, berichtete Innungsmeister Schwarz über die durchgeführte Mitgliederzählung und stellte fest, dass die Innung über 2.329 Mitglieder verfüge wovon knapp 1.400 auf Wiener Zunft entfielen.412 Die Wiener hatten demnach wieder eine gewichtige Position innerhalb der Berufsvertretung.
Die Innung hatte nur kurzen Bestand und nach dem „Anschluss“ Österreichs an Deutschland im März 1938 wurde der NSDAP-Parteigenosse und Innungsmeister Heinrich Schwarz zum kommissarischen Leiter der Gärtner- und Blumenbinderinnung „bestellt“.413
Danach wurde die Innung bald aufgelöst und der gesamte Gartenbau wurde in die landwirtschaftliche Organisation des Dritten Reiches, den sogenannten Reichsnährstand, eingegliedert. Auf diesen wird unter Punkt 4.2.7 näher eingegangen.
3.2.4.1 Die Wiener Gärtner- und Blumenbinderzunft
Aufgrund des Gewerbebundgesetzes von 1935 wurde die Genossenschaft der Gärtner von Wien und Umgebung in die Wiener Gärtner- und Blumenbinderzunft übergeführt.
Noch vor der konstituierenden Sitzung der Innung fand am 30. Jänner 1936 in Anwesenheit der Vertreter des Wiener Stadtgewerberates – Bundeswirtschaftsrat Dr. Spitz, Magistratsrat Dr. Eberl, Dr. Haempel – sowie des Innungsmeisters Heinrich Schwarz und des Innungssekretärs Ing. Spicka, die konstituierende Sitzung der Wiener Gärtner- und Blumenbinderzunft statt.414 Der Sitz der Zunft war anfänglich der ehemalige Genossenschaftssitz Gießaufgasse 8, am 17. Jänner 1937 übersiedelte sie jedoch in ihr neues Domizil in Wien 8, Friedrich-Schmidt-Platz 5.415
Die Wiener Gärtner- und Blumenbinderzunft hatte 1937 einen Mitgliederstand von 1.392 Personen, das entspricht rund 60 % aller Innungsmitglieder. Sie war somit die größte Zunft innerhalb der Gärtnerinnung.416
Der Vorstand der neu gegründeten Zunft bestand aus zwölf Personen, und zwar aus sechs Vertretern der Blumenbinder und sechs Vertretern der Gärtner. Die Gärtner beschickten den Vorstand mit drei Friedhofsgärtnern, zwei Handelsgärtnern und nur einem Gartengestalter/Gartenarchitekten.417 Die Interessensvertretung der Berufsgruppe „Gartengestalter“ war demgemäß schwierig.
Der Zunftvorstand setzte sich wie folgt zusammen:
Zunftvorstand:
Zunftmeister: Anton Steinkellner, Friedhofsgärtner
| Zunftmeister-Stellvertreter: | Otto Lange, Blumenbinder |
| Ludwig Jackel, Blumenbinder | |
| Vorstandsmitglieder: | Hans Berger, Friedhofsgärtner Josef Ernst, Friedhofsgärtner Karl Ganger, Handelsgärtner Josefine Hofbauer, Blumenbinderin Karl Kautz, Blumenbinder Josef Kloder, Handelsgärtner Stephanie Matern, Blumenbinderin Theresia Riedel, Blumenbinderin Otto Trenkler, Gartenarchitekt |
| Sekretariat: | Ignaz Petrzik, Graf Dominik Revertera.418 |
Abb. 8: Anton Steinkellner, Zunftmeister von Wien.419
Die Vermögen aller Genossenschaften und Verbände gingen ausschließlich auf jene Zünfte und Innungen über, die auf Grundlage ihres fachlichen und örtlichen Wirkungsbereiches als Nachfolger der bisherigen Genossenschaften und Verbände betrachtet wurden. Das Vermögen der Wiener Gärtnergenossenschaft und der Genossenschaft der Naturblumenbinder in Wien, die zu einer Zunft zusammengeschlossen wurden, blieb der neuen Wiener Gärtner- und Blumenbindezunft erhalten.420
Die Zunft beschäftigte sich unter anderem mit Fragen der Abgrenzung zwischen Gewerbe und Landwirtschaft, des Lehrlingswesens und der „Pfuscherbekämpfung“. In der Vorstandssitzung vom 16. April 1936 wurde ein engeres Komitee gebildet, das sich mit den Fragen der „Lehrlingshaltung“ beschäftigen sollte. Diesem Komitee gehörte auch Otto Trenkler an. Weiters wurde ein Beschluss „über die Aufstellung von Aufsichtsorganen zur Bekämpfung des Pfuschertums“ gefasst. Es wurden, neben anderen Gärtnern, folgende Gartengestalter zu „Aufsichtspersonen zur Bekämpfung des Pfuschertums“ ernannt und behördlich bestätigt: Theodor Jahn, Albert Esch, Hermann Kujal, Otto Trenkler, Hans Wlczko und Josef Stowasser.421
Innerhalb der Zunft wurden für die Fachgruppe der Gärtner eigene Fachausschüsse für Friedhofsgärtner, Handelsgärtner und Landschaftsgärtner eingerichtet. In die Fachgruppe der „Landschaftsgärtner, Gartengestalter und Schädlingsbekämpfer im Gartenbau“ wurden folgende Personen berufen:
Wilhelm Debor, Obmannstellvertreter: 18., Gersthofer Straße 141;
Albert Esch: 12., Längenfeldgasse 29;
Josef Fabian: 18., Scheibenberggasse 49;
Erwin Klaus: 21., Schloßhofer Straße 48;
Hans Kotiza: 21., Erzherzog-Karl-Straße 75;
Hermann Reinold: 21., Schloßhofer Straße 48;
Josef Stowasser: 18., Raffelspergergasse 1;
Otto Trenkler, Obmann: 13., Veitingergasse 73;
Hans Wlczko: 17., Dornbacher Straße 68.422
Dieser Fachausschuss tagte regelmäßig jeden ersten Dienstag im Monat um 6 Uhr abends im Zunftlokal in der Gießaufgasse.423
Auch der Zunft war kein langes Leben beschieden, denn mit dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich wurde zuerst eine kommissarische Leitung eingesetzt – in Wien übernahm diese Aufgabe der Gartengestalter und NSDAP-Parteigenosse Otto Trenkler424 – und kurze Zeit später wurden die Zünfte aufgelöst und in den „Reichsnährstand“ eingegliedert.
3.2.5 Exkurs: Jüdische Gärtnereien
Die bekannteste und berühmteste „jüdische Gärtnerei“ Wiens war zweifelsohne die „Rothschild-Gärtnerei“ auf der Hohen Warte. Sie wurde von dem Bankier und Gartenliebhaber Nathaniel Mayer Anselm Freiherr von Rothschild auf seinem Anwesen auf der Hohen Warte ins Leben gerufen, als er um sein Haus eine Parkanlage errichten ließ. Die Gartenanlage umfasste einen weitläufigen Park und rund neunzig Glashäuser.425 Diese Gärtnerei war eine wichtige Ausbildungsstätte, allein von 1929 bis 1938 bildete der Betrieb mehr als 50 Lehrlinge und Volontäre aus, darunter 12 Frauen.426
Die Zunft der Gärtner und Blumenbinder in Wien hatte 1937 1.392 Mitglieder, davon waren 13 Juden, also nur 0,93 %.427 Im Vergleich zu anderen Gewerben waren im Gartenbau nur wenige jüdische Gewerbetreibende tätig. Im Wiener Durchschnitt betrug der Anteil 11,47 %. Die drei Zünfte mit dem höchsten Anteil an jüdischen Gewerbetreibenden waren die Müller (Mehlerzeuger) mit 57,14 %, die Nahrungs- und Genussmittelerzeuger mit 30,80 % und die Mode-Branche mit 29,79 %.428
Obwohl die Zunft der Gärtner nur 13 (0,93 %) jüdische Mitglieder hatte, ist unklar, wie viele Gärtnereien sich in jüdischem Besitz befanden, da die obigen Zahlen sich auf um gewerbliche Gärtner und Blumenbinder beziehen nicht jedoch auf den landwirtschaftlichen Gartenbau.
Es ist davon auszugehen, dass es mehr jüdische Gartenbauunternehmen gab, diese allerdings der Landwirtschaft zugeordnet waren. Sicher zu den gewerblichen Betrieben gehörten die Gärtnereien von Hanny Strauss, Grete Salzer und Paula Fürth; bei den Betrieben von Helene Wolf, Yella Hertzka und Edith Lukan429 sowie der „Jüdischen Gartenbauunternehmung Bela Fischer“ ist unklar, ob es sich um gewerbliche oder landwirtschaftliche Betriebe handelte. Die Rothschild-Gärtnerei zählte definitiv zu den landwirtschaftlichen Betrieben.
3.2.6 Bundesverband der Erwerbsgärtner Österreichs
Der Vollständigkeit halber muss hier auch auf die Interessensvertretungen der landwirtschaftlichen Gärtner eingegangen werden.
Durch die geplante Neuorganisation des Gartenbaus kam es bereits im Vorfeld, nämlich 1933, zu intensiven Diskussionen über die „Überführung des Gartenbaus in die Landwirtschaft“. Die Diskutanten waren sich bald einig, dass neue Verbandsstrukturen von Nöten wären und so kam es zur Gründung einer neuen bundesweiten Organisation für landwirtschaftliche Gärtner – des „Bundesverbandes der Erwerbsgärtner Österreichs“.
Am 28. November 1933 fand die Gründungsversammlung des Bundesverbandes der Erwerbsgärtner Österreichs und am 10. Dezember 1933 die gründende Festversammlung statt.430
Abb. 9: Michael Walla, Präsident des Bundesverbandes der Erwerbsgärtner und Obmann der Landesgartenbauvereinigung Wien.431
Der landwirtschaftliche Gartenbau unterstand ab 1934 dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft (heute: Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus). Den rechtlichen Rahmen regelte ab 1935 das „Bundesgesetz über die Errichtung des Berufsstandes der Land- und Forstwirtschaft“ (BGBl. Nr. 304/1935). Leiter des Gartenbaureferates im Ministerium wurde Ministerialrat Dr. Ing. Rudolf Leopold, ab 1936 fungierte er auch als dessen Vertreter in der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft.432
Leiter des Gartenbaureferates in der Präsidentenkonferenz der Niederösterreichischen Landwirtschaftskammer wurde Hofrat Josef Löschnig, er übernahm 1936 auch die Funktion eines Vizepräsidenten der ÖGG. Die zentrale berufsständische Zusammenfassung aller Landwirte, also auch der landwirtschaftlichen Gärtner, erfolgte im „Reichsbauernbund“.433
Dem 1933 gegründeten Bundesverband stand ab 1936 Michael Walla als Präsident vor.434 Laut Statuten hatte der Verband seinen Sitz am Sitz der Präsidentenkonferenz der landwirtschaftlichen Hauptkörperschaften Österreichs in Wien und war von dieser anerkannt. Mitglieder waren jene Landesgartenbauvereine, die vom Bundesverband anerkannt wurden.435 In jedem Bundesland bildeten sich Landesgartenbauvereine, z. B. die Landesgartenbauvereinigung der Erwerbsgärtner von Oberösterreich und Salzburg, die 1935 gegründet wurde, und es wurden auch bestehende Vereine eingegliedert, zum Beispiel die bereits 1889 gegründete Landesvereinigung der Erwerbsgärtner der Steiermark oder die 1930 gegründete niederösterreichische Landesgartenbauvereinigung.436
Der Bundesverband der Erwerbsgärtner wurde 1938 aufgelöst und in den Reichsnährstand eingegliedert.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam es am 3. August 1947 in Salzburg zur Neugründung des Verbandes. Ihr erster Nachkriegspräsident war, wie bereits zuvor, Michael Walla.437
Landesgartenbauvereinigung Wien
Die geplante Neuordnung des Gartenbaus benötigte auch neue Strukturen innerhalb der Landwirtschaft. Bereits am 17. Juli 1933 fand in Salzburg eine Tagung statt,438 bei der die Bundesländervertreter über die Notwendigkeit der Schaffung von Landesgartenbauvereinigungen bzw. eines Bundesverbandes der Erwerbsgärtner Österreichs informiert wurden. Die Tagungsteilnehmer stimmten der Gründung dieser Spitzenorganisation nach Schaffung der erforderlichen Landesorganisationen zu.439
Am 14. September 1933 wurde die konstituierende Versammlung der Sektion „Gartenbau“ der Österreichischen Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft440 in Wien (Landesgartenbauvereinigung Wien) abgehalten.441 Die Sektion untergliederte sich in fünf Bezirksgruppen (I. Simmering mit Obmann Josef Hopf, II. Kaiser-Ebersdorf mit Obmann Ludwig Lechner, III. Hietzing mit Obmann Josef Kuchar, IV. Währing mit Obmann Franz Pospischil, V. Kagran mit Obmann Fritz Dücke). Obmann der Landesgartenbauvereinigung Wien war Michael Walla.442
Bei der Sitzung vom 14. September 1933 wurde jeder Bezirksgruppe ein Exemplar der Statuten der Sektion Gartenbau, welche in wiederholten Beratungen des Gartenbauausschusses bzw. des Proponentenkomitees zustande gekommen waren, ausgehändigt.443 Weiters wurde in dieser Sitzung beschlossen, den Übertritt für Gärtner zur Landwirtschaft zu erleichtern indem Formulare aufgelegt werden sollten, die die Gärtner nur auszufüllen hätten.
Folgende Formalitäten für einen Übertritt vom Gewerbe zur Landwirtschaft waren nötig:
1. Austritt aus der Genossenschaft der Gärtner
2. Rücklegung des Gewerbescheines
3. Umleitung der Versicherungszuständigkeit (Abmeldung bei der Arbeiterkrankenversicherung und der Arbeiterunfallversicherung und Anmeldung bei der Landwirtschaftskrankenkasse)
4. Schriftliche Anmeldung als landwirtschaftlicher Betrieb beim zuständigen Bezirks-Fürsorgeamt
5. Nach Durchführung obiger Schritte war binnen vier Wochen bei der Steuerbehörde mit dem Verlangen vorzusprechen, von der Bemessung der Erwerbssteuer in Hinkunft abzusehen, da der Betrieb einer Landwirtschaft, soweit sie auf eigenem Grund und Boden erfolgte (Pachtung ausgenommen), erwerbsteuerfrei war.444
In einer weiteren Sitzung im Oktober 1933 wurde die Gründung einer eigenen Zeitschrift mit dem Titel „Landwirtschaftlicher Erwerbsgärtner; offizielles Organ der Sektion Gartenbau der Österreichischen Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft“ beschlossen.445
In der am 30. November 1933 abgehaltenen Vollversammlung446 aller fünf Bezirksgruppen der landwirtschaftlichen Erwerbsgärtner Wiens im Restaurant Lembacher447 begrüßte der Vorsitzende Michael Walla die Gäste und wies darauf hin, dass die Erwerbsgärtner nach jahrelangen Kämpfen nunmehr der Landwirtschaft angehörten und dies einen Meilenstein in der Geschichte des landwirtschaftlichen Gartenbaus darstelle. Er forderte alle Gärtner auf, geschlossen der neuen Organisation beizutreten, da nur so die Gärtnerschaft in letzter Sekunde vor dem drohenden Untergang bewahrt werden könne.448
Ein weiterer Redner der Vollversammlung, Sektionsrat Dr. Ing. Rudolf Leopold, übermittelte die Grüße des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass diese Versammlung den geschlossenen Willen der Gärtnerschaft kundtue, der Landwirtschaft anzugehören. Weiters führte er aus, dass durch „die Zugehörigkeit des Gartenbaues zur Landwirtschaft die agrarische Front um ein schönes Glied erweitert“ wurde und stellte gleichzeitig für das nächste Jahr die Gründung einer Lehranstalt für Garten- und Gemüsebau in Schönbrunn in Aussicht.449
Die Landesgartenbauvereinigungen wurde 1938 aufgelöst und in den Reichsnährstand eingegliedert.
3.2.7 Reichsnährstand / Reichskammer der bildenden Künste
Mit dem „Anschluss“ an Hitler-Deutschland 1938 wurde der gesamte Gartenbau der reichsdeutschen Gesetzgebung untergeordnet und die Zweiteilung aufgehoben. Der Gartenbau wurde zur Gänze in den sogenannten Reichsnährstand eingegliedert. In Deutschland war die Eingliederung bzw. Reorganisation des Gartenbaues bereits nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 erfolgt.450
Der Berliner Historiker Mario Wenzel beschrieb den Charakter des Reichsnährstandes wie folgt:
„Der Reichsnährstand als Zwangsorganisation der in der Landwirtschaft Tätigen war formaljuristisch gesehen selbständig, der Sache nach und faktisch aber Organ des Staates. Er war Verwaltungsunterbau des REM[!] (Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft) mit den Funktionen Ernährungssicherung und Erzeugungssteigerung. Der behördliche Charakter des Reichsnährstandes zeigte sich auch dadurch, dass die Beiträge durch die Finanzämter erhoben wurden, er eine eigene Gerichtsbarkeit über seine Mitglieder besaß, und darüber hinaus gesetzliche Anordnungen im Bereich Markt- und Preisregelung treffen konnte, die auch für Personen und Institutionen außerhalb des Reichsnährstandes bindende Wirkung hatten.“451
Der Reichsabteilungsleiter II E (Gartenbau) des Verwaltungsamtes des Reichsbauernführers in Berlin, Prof. Wilhelm Ebert, beschrieb im Februar 1939 die neue Ordnung innerhalb des Reichsnährstandes in einem Referat vor der „Ersten Donauländischen Landesgartenbautagung“:
„Die natürliche Grundlage für die Ordnung war dadurch gegeben, daß dem Reichsnährstandsgesetz und dem Aufbau des Reichsnährstandes zunächst erst mal der Erwerbsgartenbau in jeglicher Form über den Reichsnährstand hinweg in Ordnung gebracht wurde. […] Der Begriff Gartenbau gliedert sich einerseits weiter im eigentlichen berufsständischen Gartenbau und in dem Nebenerwerbsgartenbau, bei dem also die Pflege des Obstbaues und Gemüsebaues ein Teil der Aufgabe des landwirtschaftlichen Hofes sind. […] Der berufsständische Gartenbau gliedert sich weiters in die eigentlichen Gärtnereien und in jene kleinen landwirtschaftlichen Gartenbaue – den Gemüsebau – bei denen der Besitzer zwar kein gelernter Gärtner ist, sich aber doch ausschließlich oder fast ausschließlich, mit der Erzeugung von Gemüsen beschäftigt. […] Man kann also sagen, daß wir den Begriff Gartenbau für die einzelnen Fachzweige nebeneinanderstehend arbeiten lassen.
Also wurde der Gartenbau aufgegliedert in seine sechs Fachgebiete: Baumschulen, Blumen und Zierpflanzen, Gemüsebau, Obstbau, gartenbaulicher Samenbau und das Gebiet der Gartenausführung und Friedhofsgärtnerei, früher Landschaftsgärtnerei genannt. Damit wird jeder Fachgruppe die Arbeitsmöglichkeit in klarer Ordnung gegeben. Denn alle Mitglieder dieser Fachgruppen sind durch das Reichsnährstandsgesetz auch zwangsläufig Mitglieder des Reichsnährstandes geworden. Es ist auch unmöglich, jemanden in eine Fachgruppe aufzunehmen, wie es auch unmöglich ist, ihn auszuschließen. Das geht nicht. Daran mußten sich unsere Gärtner im Altreich gewöhnen und daran müssen sich auch die Gärtner in der Ostmark gewöhnen, weil jetzt jeder laut Gesetz zu einer dieser Fachgruppen gehört.“452
Da der Gartenbau nun zur Gänze zur Landwirtschaft gezählt wurde, wurden alle Vereine und Institutionen entweder in den Reichsnährstand als nunmehrige gesetzliche Vertretung eingegliedert oder aufgelöst. Einzig die freischaffenden Gartenarchitekten galten als „Künstler“ und konnten die Aufnahme in die Reichskammer der bildenden Künste beantragen. Was einige, unter ihnen Albert Esch, auch taten.453
Mit dem Ende des Dritten Reiches 1945 endete auch die Zuordnung des Gartenbaus zum Reichsnährstand.
Mit Beginn der Zweiten Republik wurde der Gartenbau restrukturiert und erneut in landwirtschaftlichen und gewerblichen Gartenbau getrennt. Diese Aufteilung existiert bis heute. Die Interessensvertretung der landwirtschaftlichen Gärtner obliegt der Landwirtschaftskammer und die der gewerblichen Gärtner der Innung.
3.3 Unternehmerverbände – freiwillige Interessensvertretungen
Darunter sind jene Verbände und Vereine zu verstehen, in denen sich selbstständige Gärtner, Gartengestalter, Landschaftsgärtner etc. freiwillig zusammenschlossen, um ihre Interessen zu wahren und den Berufsstand in der Öffentlichkeit zu vertreten.
Neben den oben beschriebenen gesetzlichen Pflichtverbänden gab es eine Reihe freiwilliger Interessensvertretungen der einzelnen Gärtnergruppen. Die Gartenarchitekten, die sich weder durch die ÖGG noch durch die Genossenschaft richtig vertreten fühlten, gründeten bereits 1912 einen eigenen Berufsverband, und die Inhaber landschaftsgärtnerischer Betriebe gründeten einen Wirtschaftsverband zur Wahrung ihrer Interessen. So hatte jede Gärtnergruppe eine eigene Vertretung nach außen, sie waren jedoch weiterhin uneins im Inneren. Weitere österreichweit tätige gärtnerische Unternehmerverbände zu Beginn der Ersten Republik waren unter anderem: der Bund der Baumschulbesitzer, der Verband der Blumengeschäftsinhaber und der Verein der Samengroßhändler.
3.3.1 Der Wirtschaftsverband der landschaftsgärtnerischen Betriebe Österreichs
Der Wirtschaftsverband der landschaftsgärtnerischen Betriebe Österreichs war laut Eigendefinition ein unpolitischer Zusammenschluss von landschaftsgärtnerischen Betrieben zum Zwecke der Verbesserung der wirtschaftlichen Situation im Berufsstand.454
Am 18. Jänner 1925 fand die Gründungsversammlung des Wirtschaftsverbandes im Restaurant Troyan Wien 4, Argentinierstraße 46, statt.455
Die Anregung dazu kam von Wilhelm Debor. In der Gründungsversammlung legte er die Gründe dar, die ihn bewogen hatten, die Bildung der Vereinigung anzustreben, die – wie er meinte – aus wirtschaftlicher Not geboren, zu einer freien wirtschaftlichen Entwicklung der stark notleidenden landschaftsgärtnerischen Betriebe beitragen sollte.456 Im neu gewählten Vorstand erhielt Wilhelm Debor die Funktion des Vorsitzenden; als Stellvertreter wurde Franz Nothhacksberger eingesetzt. Als weitere Vorstandsmitglieder fungierten Adalbert Camillo (A.C) Baumgartner als Schriftführer, Albert Esch als sein Stellvertreter, Theodor Jahn als Kassier und Franz Doll als sein Stellvertreter.457
Wilhelm Debor brachte die Vereinsgründung mit Schreiben vom 23. Februar 1925 dem Bundeskanzleramt zur Kenntnis. Die nachfolgenden Firmen zählten zu den Gründungsmitgliedern des Verbandes: Wilhelm Debor, Hermann Rothe A.G. (Geschäftsführer Franz Nothhacksberger), Rudolf Jessl, Josef Bischof, Albert Esch, Franz Doll, Theofil Rabenseifner, Eduard Pisinger, Josef Krieger, Josef Hodyc, Ferdinand Müller, Theodor Jahn und „Gartenkunst“ (Geschäftsführer A.C. Baumgartner).458
Vereinszweck war, wie schon durch Wilhelm Debor dargestellt und unter § 2 der Vereinsstatuten nachzulesen, die Förderung und Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Verbandsangehörigen. Dieses Ziel sollte durch regelmäßige Zusammenkünfte, Besprechung der Lohn- und Tariffragen und der Verhältnisse des Warenmarktes, wirtschaftliche Organisation und Maßnahmen zur Einhaltung der vereinbarten Tarif- und Lohnverträge erreicht werden.459
Die dem Bundeskanzleramt vorgelegten Vereinsstatuten fanden nicht die Zustimmung der bearbeitenden Beamten. Sie verlangten Änderungen und ersuchten die Vereinsleitung, namentlich Wilhelm Debor, die betreffenden Passagen innerhalb einer 17-tägigen Frist, längstens jedoch bis 14. April 1925 zu überarbeiten und neuerlich einzureichen. Die Frist wurde auf 1. Mai 1925 verlängert, die verlangten Ergänzungen aber bis 1. Juli 1925 nicht vorgelegt, worauf im Akt notiert wurde:
„Die den Proponenten über Verlangen mit Ergänzung […] ausgefolgten Satzungen wurden bis zum 1. Juli 1925 nicht mehr wieder eingereicht, woraus auf den endgültigen Verzicht auf die Bildung des Vereines nach Maßgabe der seinerzeit vorgelegten Statuten zu schließen ist.“460
Interessanterweise trat der Verband, obwohl behördlich nicht existent, bereits 1925 als Verhandlungspartner in den Kollektivvertragsverhandlungen für die landschaftsgärtnerischen Betriebe im Bereich der Genossenschaft der Zier- und Gemüsegärtner und der Gewerkschaft (also der Sektion der Gärtner des Österreichischen Land- und Forstarbeiterverbandes) auf.461
Am 18. Jänner 1926 wurde die Vereinsgründung neuerlich zur Anzeige gebracht und diesmal wurde die Gründung vom Wiener Magistrat genehmigt.462 Danach trat der Verband für einige Zeit nicht mehr in Erscheinung. Erst 1929 kam es wieder zu einer Intensivierung der Verbandstätigkeit, die in der Hauptversammlung von 1930 zu einer Reorganisation des Verbandes führte.463
Wilhelm Debor wurde zum Obmann gewählt, als sein Stellvertreter wurde Josef Stowasser bestimmt, Wilhelm Hartwich wurde Schriftführer und Theodor Jahn Kassier.464 Die Herren Debor, Stowasser, Hartwich und Otto Gälzer bildeten daraufhin einen Arbeitsausschuss, der folgende Leitsätze für die künftige Tätigkeit aufstellte: 1. Regelung des Lohn- und Arbeitsverhältnisses, 2. Gründung einer von der Genossenschaft unabhängigen Körperschaft, 3. Ausarbeitung einer Zeitleistungstabelle und 4. Schaffung eines Gehilfenkurses für Gartengestalter.465
Der Verband engagierte sich weiters bei der Gewerbebehörde für die Bildung einer eigenen Körperschaft und damit für die Trennung von der Wiener Gärtnergenossenschaft.466
Es gelang 1930 auch einen neuen Kollektivvertrag für Landschaftsgärtner abzuschließen, und im Wintersemester 1930/31 veranstaltete der Wirtschaftsverband einen Weiterbildungskurs für Gärtnergehilfen, die zumindest eine einjährige Tätigkeit als Landschaftsgärtner nachzuweisen hatten. Der Kurs fand jeweils mittwochs von 18 bis 21 Uhr und sonntags von 8 bis 12 Uhr an der fachlichen Fortbildungsschule für Gärtner in Kagran statt. Es unterrichteten namhafte Fachleute wie Josef Afritsch, Alois Berger, Albert Esch, Anton Eipeldauer, Robert Benesch, Otto Gälzer und Josef Stowasser.467
In der ordentlichen Generalversammlung vom 5. Jänner 1931 wurde Theodor Jahn zum Obmann und Dr. Paula Fürth zur Schriftführerin des Verbandes gewählt und damit der langjährige Obmann und Gründer des Verbandes, Wilhelm Debor, abgelöst. Ein Protokoll betreffend Obmannwechsel wurde der zuständigen Behörde jedoch nicht vorgelegt.468
Bei den nachfolgenden Kollektivvertragsverhandlungen kam es zu Unstimmigkeiten zwischen den Verbandsmitgliedern über die Frage der Entlohnung der Arbeitnehmer. Ein Teil der Unternehmer wollte die Niedrigstlohngruppe (Hilfsarbeiter) mit 1 Schilling Stundenlohn beibehalten, der andere Teil stellte sich auf die Seite der Arbeitnehmer und kämpfte für die Einführung von 1,20 Schilling Stundenlohn in der niedrigsten Lohngruppe und die Aufwertung dieser Arbeiter durch die Bezeichnung „Gartenarbeiter“. In der diesbezüglich stattfindenden außerordentlichen Generalversammlung vom 27. Juli 1931 kam es zum endgültigen Zerwürfnis der beiden Fraktionen und zu einem nicht einstimmig gefassten Auflösungsbeschluss.469
Aufgrund dieses Beschlusses teilte der „Wirtschaftsverband der landschaftsgärtnerischen Betriebe Österreichs“ in Person von Obmann Theodor Jahn und Schriftführerin Dr. Paula Fürth mit Schreiben vom 3. August 1931 der Polizeidirektion Wien I. mit, dass laut Beschluss der außerordentlichen Generalversammlung vom 27. Juli der Verband aufgelöst werde.470
Die damit nicht einverstandene Fraktion, namentlich Josef Stowasser, Robert Stagl und Wilhelm Debor, beeinspruchten mit Schreiben vom 30. Juli an die Wiener Magistratsabteilung 49 die Verbandsauflösung mit folgender Begründung: Erstens sei der Versammlungsort für einen Teil der Mitglieder nicht ausfindig zu machen gewesen und zweitens wären in der Versammlung 20 Mitglieder anwesend gewesen, wovon 14 für und 5 gegen die Auflösung gestimmt hätten, während eine Stimme des Vorsitzenden für ungültig erklärt worden sei. Gemäß Statut müssten aber zwei Drittel der Mitglieder anwesend sein, um einen Beschluss über die Vereinsauflösung fassen zu können. Laut beigelegter Mitgliederliste hatte der Verein zu dem Zeitpunkt 39 Mitglieder, von denen kein einziges vom Verband ausgeschlossen sei, auch wenn manche die Beiträge schon länger nicht bezahlt hätten. Eine Auflösung des Verbandes sei deshalb satzungswidrig und daher ungültig.471
Tabelle 7: Mitglieder des Wirtschaftsverbandes der landschaftsgärtnerischen Betriebe Österreichs laut Mitgliederliste 1931.472
| Nr. | Name | Adresse |
| 1 | Willi Vietsch | Wien 13, Braunschweiggasse 28 |
| 2 | Wilhelm Hartwich | Wien 13, Braunschweiggasse 28 |
| 3 | Otto Trenkler | Wien 13, Hackingerhof 3/4 |
| 4 | Wilhelm Wolf | Weidlingau, Wiengasse 2 |
| 5 | Wenzel Stingl | Wien 14, Linzer Straße 70 |
| 6 | August Fernau | Wien 14, Missindorfstraße 14 |
| 7 | Albert Esch | Wien 12, Längenfeldgasse 29 |
| 8 | Eduard Böhm | Wien 19, Döblinger Hauptstraße 77A |
| 9 | Alois Berger | Rodaun, Liesinger Straße 1 |
| 10 | Wilhelm Debor | Wien 18, Gersthofer Straße 141 |
| 11 | Josef Stowasser | Wien 18, Raffelspergergasse 1 |
| 12 | Robert Stagl | Wien 18, Raffelspergergasse 1 |
| 13 | Franz Sauer | Wien 19, Medlergasse 5 |
| 14 | Dr. Paula Fürth | Wien 19, Döblinger Hauptstraße 60 |
| 15 | Gretl Salzer | Wien 19, Hofzeile 29 |
| 16 | Otto Gälzer | Wien 13, Lainzer Straße 173 |
| 17 | Fritz Hoffmann | Liesing, Breitenfurter Straße 54 |
| 18 | Hedwig Kulka | Wöllersdorf Nr. 1 am Steinbruch |
| 19 | Karl Pfaunitz | Mauer bei Wien, Lindgrabengasse |
| 20 | Josef Fabian | Wien 18, Schulgasse 1 |
| 21 | Rudolf Jessl | Wien 20, Treustraße 4 |
| 22 | Theodor Jahn | Wien 4, Mittersteig 2 |
| 23 | Viktor Stieber | Wien 13, Fuchsholdgasse 4 |
| 24 | Leopold Bonholzer | Wien 17, Hameaustraße 16 |
| 25 | Ferdinand Breitner | Wien 19, Armbrustergasse 3 |
| 26 | Robert Vacans | Wien 13, Penzinger Straße 150 |
| 27 | Hermann Reinold | Wien 21, Schlosshofer Straße 41 |
| 28 | Erwin Klaus | Wien 21, Schlosshofer Straße 41 |
| 29 | Viktor Mödlhammer | Wien 5, Pilgramgasse 18/13 |
| 30 | E.H. Pluher | Wien 15, Neubaugürtel 39/19 |
| 31 | Erwerbs- und Wirtschaftsgemeinschaft | Wien 13, Flötzersteig Genossenschaft |
| 32 | Hans Wilcko (Wlczko) | Wien 19, Wallmodengasse 11 |
| 33 | Fredl Berger | Wien 15, Moeringgasse |
| 34 | Josef Hodyc | Wien 18, Ladenburggasse 4 |
| 35 | Franz Doll | Mauer bei Wien, Hauptstraße |
| 36 | J. Kindl | Wien 19, |
| 37 | Theofil Rabenseifner | Wien 13, Wattmanngasse 6, |
| 38 | Josef Bischof | Wien 19, Krottenbachstraße 40 |
| 39 | Josef Krieger | Wien 13, Hetzendorfer Straße 106 |
Ein Teil der Mitglieder, die sich für die Auflösung eingesetzt hatten, konstituierte sich neu in der „Vereinigung der Gartengestalter Österreichs“. Wilhelm Hartwich, Wilhelm Wolf und Hermann Reinold (alle drei Mitglieder des Wirtschaftsverbandes) wurden mit 29. Juli 1931 beim Magistrat 49 in Wien zwecks Vereinsgründung vorstellig. Die zu gründende „Vereinigung der Gartengestalter Österreichs“ wurde als unpolitischer Zusammenschluss der Fachmitglieder zum Zwecke der gemeinsamen Regelung und Bereinigung der die Branche betreffenden Themen wie Lohn- und Tariffragen, Verhältnisse des Warenmarktes etc. beschrieben. Über die tatsächliche Vereinstätigkeit ist bis auf den Kollektivvertragsabschluss von 1932 nichts bekannt.473 Dieser Verein wurde mit Anzeige vom 12. Oktober 1936 an die Bundespolizeidirektion Wien wegen Interesselosigkeit der Mitglieder aufgelöst.474
In der September-Ausgabe der „Allgemeinen Österreichischen Gärtner-Zeitung“ stand zu diesem verworrenen Zustand Folgendes zu lesen:
„Die außerordentliche Generalversammlung der Unternehmer hat die Auflösung des Wirtschaftsverbandes der landschaftsgärtnerischen Betriebe Österreichs beschlossen.“475 Und weiter hieß es, „daß von der gegen die Auflösung stimmenden Minderheit Rekurs bei der Gewerbebehörde gegen die Art der Abstimmung eingelegt wurde. […] Ausgelöst wurde der Unternehmerzwist durch unseren Kollektivvertrag für landschaftsgärtnerische Arbeiten. Die Unternehmer waren sich uneinig geworden über ihr eigenes Verhalten während der Kollektivvertragsverhandlungen, gegenüber der Gewerkschaft. Wegen des zähen Widerstandes der Gewerkschaft gegen die Forderungen der Unternehmer kam es zum Bruch im Wirtschaftsverbande. Während ein Teil, leider die Minderheit, nach wie vor an dem Bestehen des Kollektivvertrages festhielt, war der andere Teil unter der Führung des Herrn Wolf der Auffassung, überhaupt keinen Kollektivvertrag abzuschießen, da angeblich niemandem damit gedient ist.“476
Mittels schriftlicher Einladung, datiert mit 14. September 1931, berief Wilhelm Debor eine neuerliche außerordentliche Generalversammlung für den 21. September ein, zur Klärung der „Auflösungsfrage“ und zur Änderung der Statuten. In einem Brief, datiert mit 21. September 1931, erhoben Theodor Jahn und Paula Fürth Einspruch gegen die neuerliche Generalversammlung mit der Begründung, Wilhelm Debor hätte keinerlei Berechtigung, eine solche Versammlung einzuberufen, da er nicht Obmann des Verbandes sei.477 Mit Schreiben vom 9. Oktober 1931 übersandten Josef Stowasser und Otto Gälzer, in ihren neuen Funktionen als Obmannstellvertreter und Schriftführer, der Magistratsabteilung 49 das Protokoll der außerordentlichen Generalversammlung vom 21. September und die geänderten Statuten.478
Bereits in der Oktober-Ausgabe berichtet die „Allgemeine Österreichische Gärtner-Zeitung“, dass dem Einspruch stattgegeben und der Beschluss über die Auflösung nicht anerkannt worden sei.479 Mit 27. Oktober 1931 beschied das Bundeskanzleramt, dass die Umbildung des Vereines nicht untersagt werde.480 Zur Klärung des Sachverhaltes kam es zu polizeilichen Einvernahmen und Ende Oktober 1931 erklärten sich Theodor Jahn, Josef Stowasser und Wilhelm Debor bereit, die Sache vor ein Schiedsgericht zu bringen, da die Polizei keinerlei Rechtsgrundlage hatte, in einer vereinsinternen Angelegenheit Entscheidungen zu treffen. Wilhelm Debor erklärte außerdem, dass er an einem Weiterbestehen des Verbandes keinerlei Interesse habe und auch keine Funktion mehr übernehmen werde.481
Da der Versuch der Einigung durch das Schiedsgericht misslang, ersuchten am 13. Februar 1932 Theodor Jahn und Paula Fürth die Bundespolizeidirektion Wien erneut, die Auflösung des Verbandes zur Kenntnis zu nehmen. In der darauffolgenden Stellungnahme der Bundespolizeidirektion Wien an den Magistrat Wien, Abteilung 49, vom 1. März 1932 empfahl diese dem Magistrat, die Auflösung und Löschung des Vereines zu beantragen.482
Der Magistrat als Amt der Wiener Landesregierung, Abteilung 49 legte am 5. März 1932 den Antrag auf Auflösung des „Wirtschaftsverbandes der landschaftsgärtnerischen Betriebe Österreichs“ der Generaldirektion für öffentliche Sicherheit zur Entscheidung vor. Diese entschied, dass durch die Anzeige der Vereinsumbildung und die Statutenänderung durch Josef Stowasser und Otto Gälzer der Nachweis über den Weiterbestand des Verbandes erbracht worden sei und der Auflösungsbeschluss der Generalversammlung vom 27. Juli 1931 somit nicht mehr behandelt werden müsse.483
Bei den Kollektivvertragsverhandlungen 1932 für die landschaftsgärtnerischen Betriebe war der „Wirtschaftsverband der landschaftsgärtnerischen Betriebe“ nun wieder offizieller Verhandlungspartner für den Gehilfenausschuss der Gärtnergenossenschaft.484
Im Archiv der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft findet sich eine Notiz, datiert mit 21. März 1934, folgenden Inhaltes:
„Der Verband wurde aufgelöst, da Weiß verhaftet ist und Stowasser in Untersuchung war. Der Verband wurde 1925 gegründet; Obmann Debor. In späteren Jahren schlief der Verband fast ganz ein, war aber immer mehr oder weniger Gegenspieler der ‚V.O.E.G.A.‘ [Anm.: Vereinigung der österreichischen Gartenarchitekten]. Besonders als Esch aus dieser austrat und 1930 eine Reorganisation stattfand (Debor Obmann, Stowasser, Hartwich, Gälzer) machte sich dies geltend. 1930/31 fand der ‚Fachkurs’ in Kagran statt: Afritsch, Eipeldauer, Benesch, Gälzer, Stowasser. 1932 fand eine neue Reorganisation statt: Obmann Stowasser. Esch war der Tonangebende, daher Versendung von 1000 Prospekten, von denen noch 1000 bei uns liegen. Der Sitz des Verbandes war bei uns; es kam aber nie etwas denn er schläft schon wieder seit 1½ Jahren. Sitzungen wurden bei uns abgehalten (wenn jemand kam): 4. April, 4. Mai, 11. Juli und 14. Dezember 1932.“485
Der Wirtschaftsverband wurde mit Bescheid des Bundeskanzleramtes (Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit) vom 15. März 1934 mit folgender Begründung aufgelöst:
„Mit der Verordnung der Bundesregierung vom 12. Februar 1934, BGBl. Nr. 78, wurde der sozialdemokratischen Partei jede Betätigung verboten. Jedermann ist untersagt, sich irgendwie für diese Partei zu betätigen. Es ist amtsbekannt, dass der vorstehend erwähnte Verein […] im Sinne dieser Partei tätig war und noch ist. Durch das erlassene Betätigungsverbot entspricht er nicht mehr den Bedingungen seines rechtlichen Bestandes und war daher aufzulösen.“486
3.3.2 Vereinigung österreichischer Gartenarchitekten (V.Oe.G.A.)
Die 1912 gegründete „Vereinigung österreichischer Gartenarchitekten“ war ein Zusammenschluss von Gartenarchitekten innerhalb der österreichisch-ungarischen Monarchie mit dem Zweck, „eine enge Fühlungsnahme aller selbständigen Gartenarchitekten Österreichs durchzuführen, Anstrebung einer Besserung der geschäftlichen und sozialen Verhältnisse der Vereinmitglieder, sowie Regelung aller Fragen, die im Bereiche des Faches liegen“, weiters merkte Franz Maxwald an „ist nicht unbekannt, daß auf dem Gebiete der heimischen Gartengestaltung sehr unklare Verhältnisse herrschen; diese zu ordnen, wird Aufgabe der Vereinigung werden“.487
In Deutschland wurde etwa ein Jahr später in Frankfurt am Main der Bund Deutscher Gartenarchitekten (BDGA) gegründet.488
Am 12. Jänner 1912 brachte F.J. Maxwald junior beim k. k. Ministerium für Inneres das Gesuch um Genehmigung der Statuten der zu gründenden Vereinigung österreichischer Gartenarchitekten (V.Oe.G.A.) ein.489
Die V.Oe.G.A. hielt am 11. Februar 1912 ihre konstituierende Sitzung ab, in der der bekannte Fachmann Franz Maxwald sen. zum Präsidenten und Gartenarchitekt Josef Oskar Molnar zum Vizepräsidenten gewählt wurde.490 Gemäß § 1 ihrer Statuten war die „Vereinigung österreichischer Gartenarchitekten (V.Oe.G.A.) eine unpolitische Fachvereinigung von Berufskollegen“ und erstreckte sich auf alle im damaligen Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder, ihr Sitz war in Wien.491 Mitglied konnte jeder innerhalb des Reichsgebietes wohnende, selbstständige gewerbliche Gartenarchitekt werden. Die Aufnahme in die Vereinigung fand durch „Ballotage“ (ein Abstimmungsverfahren mit verschiedenfärbigen Kugeln) statt und die Leitung war nicht verpflichtet, bei der Abweisung eines Bewerbers Gründe anzugeben.492 Der Gartenarchitekt Josef Oskar Wladar, ab 1937 selbst Präsident der Vereinigung, erinnerte sich in einem Interview 1988 folgendermaßen an diesen Vorgang:
„Das war eine sehr noble Vereinigung, die Aufnahme erfolgte als Ballotage, es waren schwarze und weiße Kugeln und wenn eine schwarze Kugel dabei war […] kam der nicht herein, schwarze Kugeln musste auch keine Begründung abgeben, warum der Betreffende, der in diesen Verband kommen wollte, von einem abgelehnt wurde. Allerdings hat dann – es waren dann einige Fälle – wer hat denn diese schwarze Kugel gegeben – und welche Gründe sind denn wirklich maßgebend gewesen, dass man diesen nicht in den Verband aufnehmen will. Da spielte natürlich auch nicht nur die Erwägung seiner Qualität, sondern rein berufsmäßiger – wie soll ich sagen – Neid spielte da auch eine Rolle.“493
Es gab drei unterschiedliche Formen der Mitgliedschaft: a) wirkliche, b) korrespondierende und c) Ehrenmitglieder. Zu korrespondierenden Mitgliedern konnten Berufskollegen gewählt werden, von deren Korrespondenz eine „wesentliche Förderung der Vereinigungs- und Standesinteressen“ erwartet werden durfte. Ehrenmitglieder konnten nur hervorragende Fachleute werden, die sich um die Vereinigung durch die Förderung von deren Zielen besondere Verdienste erworben hatten und denen die Vereinigung ihre Wertschätzung und Dankbarkeit zeigen wollte.494
Die Vereinigung entfaltete gleich im ersten Bestandsjahr eine rege Tätigkeit. So veröffentlichte sie zu Beginn des Jahres 1913 in der Österreichischen Gartenzeitung Grundsätze für öffentliche Wettbewerbe auf dem Gebiet der Gartenkunst495 und einige Monate später wurde die Gebührenordnung der Vereinigung ebenfalls in der Österreichischen Gartenzeitung abgedruckt.496
Die V.Oe.G.A. hielt neben der einmal jährlich stattfindenden Generalversammlung regelmäßig Monatsversammlungen, Quartalsversammlungen und bei Bedarf außerordentliche Hauptversammlungen ab. Sie äußerte sich zu Berufsfragen – z. B. zur Frage der Zugehörigkeit des Gartenbaus zur Landwirtschaft oder zum Gewerbe – und nahm an Veranstaltungen der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft teil, so z. B. an der Gesellschaftsreise zur Gartenbauausstellung 1930 nach Essen.497
Tabelle 8: Mitgliederentwicklung der Vereinigung der österreichischen Gartenarchitekten.498
| Jahr | Mitglieder |
| 1925 | 25 |
| 1926 | 25 |
| 1927 | 25 |
| 1928 | 25 |
| 1929 | 18 |
| 1930 | 22 |
| 1931 | 20 |
| 1932 | 20 |
| 1933 | 18 |
| 1934 | 18 |
| 1935 | 18 |
| 1936 | 18 |
| 1937 | 18 |
| 1938 | 18 |
Auch in der „Titelfrage“ wurde die „V.Oe.G.A.“, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, wieder aktiv und richtete Schreiben an die Österreichische Gartenbau-Gesellschaft mit der Bitte dieses Problem einer Lösung zuzuführen und den von der ÖGG zu verleihenden Titel „von der Österreichischen-Gartenbau-Gesellschaft diplomierter Gartenarchitekt“ einzuführen.499 Alle diesbezüglichen Bemühungen führten zu keinen Ergebnissen.
In der Generalversammlung vom 13. Februar 1931 wurde Ferdinand Müller als Präsident wiedergewählt. Als Vizepräsident fungierte Theodor Jahn, Kassier war Franz Hoffmann, in die Funktion des ersten Schriftleiters wurde Otto Hofmann und in die des zweiten Alois Berger gewählt, zu Leitungsmitgliedern wurden Wilhelm Debor und Franz Josef Böhm bestellt, als Kassarevisoren dienten Albert Esch und Alois Berger, und zu Schiedsrichtern wurden Albert Esch, Wilhelm Debor und Theodor Jahn ernannt.500
Tabelle 9: Mitgliederliste der Vereinigung der österreichischen Gartenarchitekten.501
| Mitglieder | Ort | Mitgliederbewegung |
| Robert Baumgartner | Wien | ordentl. Mitglied ab 1933 |
| Wilhelm Baumgartner | Wien | |
| Alois Berger | Rodaun | |
| Eduard Böhm | Wien | |
| Franz Josef (F.J.) Böhm | Wien | |
| Wilhelm Debor | Wien | |
| Albert Esch | Wien | Austritt 1931 |
| Hans Fernau | Wien | |
| Karl Hauszer | Graz | ordentl. Mitglied ab 1933 |
| Fritz Hoffmann | Wien | |
| Otto Hofmann | Wien | Austritt 1931 |
| Theodor Jahn | Wien | † 1936 |
| Hans Kern | Salzburg | Eintritt 1931 |
| Wilhelm Kieslinger | Wien | Eintritt 1932 |
| Josef Krupka | Baden | Ehernmitglied ab 1931, † 1932 |
| Franz Josef (F.J.) Maxwald jun. | Wien | † 1933 |
| Franz Maxwald sen. | Wien | † 1921 |
| Viktor Mödlhammer | Wien | a. o. Mitglied ab 1931 |
| Josef Oskar (Jaroslav Ottokar, J.O.) Molnar | Wien/Prag | † 1931 |
| Ferdinand Müller | Wien | |
| Fritz Rottenberger | Wien | Ehrenmitglied ab 1931, † 1938 |
| Rudolf Schellbach | Gleichenberg | † 16.08.1931 |
| Wilhelm Schmidt | Wien | |
| Hermann Schopper | Linz | |
| Otto Trenkler | Wien | |
| Josef Oskar Wladar | Wien | Eintritt 1932 |
| Wilhelm Wolf | Hadersdorf | |
| Titus Wotzy | Seyring |
Soweit bekannt, gab es in dieser Vereinigung keine weiblichen Mitglieder. Sowohl Albert Esch als auch Otto Hofmann legten im Verlauf des Jahres 1931 ihre Funktionen zurück und traten aus der Vereinigung aus, die Hintergründe dieses Schrittes sind nicht bekannt.502
Die Vereinigung wollte zwar ein Zusammenschluss aller selbständigen Gartenarchitekten Österreichs sein, konnte diesem Anspruch jedoch nicht gerecht werden. Wie aus obiger Tabelle, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, zu ersehen ist residierten die meisten Mitglieder in Wien und auch Rudolf Schellbach arbeitete 1925 noch in Mauerbach bei Wien.503 Es handelte sich also tatsächlich eher um eine Wiener Vereinigung die, wie bereits erwähnt, elitär Züge aufwies. Selbst bekannte Wiener Gartenarchitekten wie etwa Otto Gälzer, Viktor Goebel, Franz Nothhacksberger und Norbet Guba oder die Grazer Theodor Thalhammer und Hans Grubbauer konnten dem Verband nicht zugeordnet werden. Inwieweit neben fachlichen Überlegungen auch die politische Anschauung des Kandidaten bei der Aufnahme der Mitglieder eine Rolle gespielt hatte konnte nicht recherchiert werden.
Die Wiener Mitglieder beobachteten ihre Mitbewerber und ähnliche Vereine genau. Die Spannungen innerhalb des „Wirtschaftsverbandes der landschaftsgärtnerischen Betriebe“ waren der V.Oe.G.A. daher nicht verborgen geblieben, zumal ja einige Mitglieder in beiden Verbänden präsent waren, und es wurden Strategien entwickelt, wie man mit dieser Situation umgehen könnte. In der Monatsversammlung vom 8. Oktober 1931 wurde ein Wirtschaftsausschuss gewählt, der „die Stellungnahme der Vereinigung österreichischer Gartenarchitekten als Spitzenvereinigung zu den Angelegenheiten der ‚Wirtschaftsvereinigung österreichischer Landschaftsgärtner‘ ausarbeiten soll“.504
Theodor Jahn berichtete in der außerordentlichen Generalversammlung vom 17. Dezember 1931 von der Auflösung des Wirtschaftsverbandes und Wilhelm Wolf wies auf die Bildung der neuen Organisation „Vereinigung der Gartengestalter Österreichs“ hin und ersuchte um Zusammenarbeit bei gleichgerichteten Interessensangelegenheiten.505 Dies gelang in der Frage der Kollektivverträge und am 1. Oktober 1932 schlossen die „V.Oe.G.A.“ und die „Vereinigung der Gartengestalter Österreichs“ gemeinsam mit dem „Verband ländlicher Arbeitnehmer“ einen Kollektivvertrag ab, der mit 23. Dezember 1932 amtlich registriert wurde.506 Dieser Kollektivvertrag führte zu Spannungen mit dem Gehilfenausschuss und Vertretern der Gärtnersektion des Land- und Forstarbeiterverbandes, da die ausverhandelten Löhne in diesem Vertrag niedriger waren als die des Vertrages, der mit dem Wirtschaftsverband der landschaftsgärtnerischen Betriebe und dem Gehilfenverband verhandelt war.507
In der Generalversammlung vom 16. April 1937 wurde Josef Oskar Wladar zum Präsidenten der V.Oe.G.A. gewählt.508 Er löste damit den langjährigen, seit 1925509 [Anm.: an anderer Stelle wird auch von 1919 bzw. 1920510 berichtet] amtierenden Präsidenten, Ferdinand Müller ab. Im Anschluss an die Wahl fand im Saal der ÖGG die Festsitzung anlässlich des 25-jährigen Bestandes der Vereinigung statt.511
In einem letzten Tätigkeitsbericht vom 21. Oktober 1938 berichtete die Verbandsleitung über die Vereinstätigkeit in den zurückliegenden Jahren:
„Die Tätigkeit der Vereinigung erstreckte sich […] vor allem auf die Anerkennung unseres Arbeitsgebietes. Da noch immer Grünflächenpolitik, Siedlungsprojekte, öffentliche Grossparks, Sportanlagen und so fort, vielfach ohne Mitwirkung der Gartenbauarchitekten zur Durchführung gelangten, war es die Hauptaufgabe dieses Berufsverbandes bei Behörden, Gemeinden und in den Zeitschriften auf diese uns zufallende Tätigkeit hinzuweisen.
Wir haben daher in der Tagespresse wie in Fachzeitschriften immer wieder versucht, die öffentl. Stellen wie das Publikum auf die Notwendigkeit der Heranziehung der Gartengestalter bei der Durchführung dieser Arbeiten hinzuweisen. Leider wurde uns seitens der Roten und später Vaterländischen Gemeindeverwaltung wie auch bei den staatlichen Stellen keine Unterstützung zuteil. Sämtliche öffentlichen Grossaufträge wurden durch fachliche Organe, die fachlich vielfach dazu nicht befähigt waren, durchgeführt. Wir haben in vielerlei Lichtbildvorträgen vor allen auch versucht, in den Kreisen der Berufsgärtnerschaft Verständnis für diese neuen Aufgabengebiete der Gartengestaltung zu erwecken. Nach nunmehr durchgeführten Anschluss der Ostmark sind wir durch Eingliederung in die Berufsverbände des Altreiches in der Lage, diese Aufgaben durchzuführen, und können auch mit dem Verständnis und dem Entgegenkommen der Behörden rechnen. Die Vereinigung der österr. Gartenarchitekten, deren Mitglieder den neuen Berufsorganisationen bereits angehören (Reichsverband der Gartenausführenden bzw. Reichskammer der bildenden Künste), wird sich noch im Laufe dieses Jahres auflösen.“512
Mit 10. November 1938 verfügte Reichshauptstellenleiter F. Schmidt in Vertretung des Stillhaltekommissars für Vereine, Organisationen und Verbände, dass die Vereinigung österreichischer Gartenarchitekten mit 31. Dezember 1938 in den Reichsnährstand (Landesbauernschaft Donauland, Sitz in Linz) eingegliedert wurde. Die Vereinigung wurde damit aufgelöst und aus dem Vereinsregister gelöscht, etwaiges Vermögen wurde dem Reichsnährstand zugeführt.513
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