Kitabı oku: «Perry Rhodan 119: Der Terraner (Silberband) – Leseprobe»
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wahrscheinlich muss ich Ihnen nicht erzählen, was die PERRY RHODAN-Serie ist: das größte und umfangreichste fiktive Roman-Universum der Welt. Seit 1961 erscheinen die Science-Fiction-Romane, die von einem Team engagierter Autoren verfasst werden, und seither haben sie sich um den Globus verbreitet.
Erzählt wird die Geschichte eines wagemutigen Raumfahrers, der den Namen Perry Rhodan trägt. In dem phantastischen Universum, in dem die PERRY RHODAN-Serie spielt, startet Rhodan am 19. Juni 1971 zu einer riskanten Reise: An Bord eines vergleichsweise klapprigen »Raumschiffs«, das den romantischen Namen STARDUST trägt, bricht er zum ersten Mondflug auf. Auf dem Mond trifft er Außerirdische, und mit deren Technik gelingt es ihm, die Menschheit zu einigen.
Erzählt werden die Abenteuer des Astronauten und seiner Gefährten in weit über 2600 Heftromanen und über 400 Taschenbüchern. Seit den späten 70er-Jahren werden die vergleichsweise dünnen Heftromane zu Büchern zusammengefasst, die wegen ihres silberfarbenen Umschlags als Silberbände bezeichnet werden.
Die PERRY RHODAN-Bücher haben im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte längst Kultstatus erreicht. Jedes Buch ist auf der Bestsellerliste, ständig müssen ältere Ausgaben nachgedruckt werden. Und im September 2012 erscheint ein Silberband, der es ganz besonders in sich hat. Das kleine Heft, das Sie in der Hand halten, soll Sie auf dieses Buch neugierig machen.
»Der Terraner« war für die PERRY RHODAN-Serie ein ganz besonderer Heftroman: Er kam als Band 1000 in den Handel – das war 1980, und die Leser empfanden ihn als Sensation. Er eröffnete eine ganz neue Handlungsebene und brachte die Serie in »kosmische« Bereiche.
Das aktuelle PERRY RHODAN-Buch »Der Terraner« enthält klassische Romane, die von einer Menschheit in ferner Zukunft erzählen. Längst sind die Menschen in ferne Galaxien vorgestoßen, sie treiben Handel mit seltsamen Wesen aus anderen Sterneninseln. Aber die Suche nach einer Bestimmung oder einem Sinn des Lebens ist geblieben – gibt es eine höhere Bedeutung für das Dasein der Menschen?
Diese Leseprobe enthält Ausschnitte aus dem aktuellen Buch und lädt Sie ein, bei dieser Reise in die Unendlichkeit dabei zu sein.
Ich wünsche Ihnen schon jetzt viel Vergnügen bei der Lektüre dieser Leseprobe!
Klaus N. FrickPERRY RHODAN-Redaktion
PERRY RHODAN – die Serie
Was ist eigentlich PERRY RHODAN?
PERRY RHODAN ist die größte Science-Fiction-Serie der Welt: Seit 1961 erscheint jede Woche ein Heftroman. Alle diese Romane schildern eine Fortsetzungsgeschichte, die bis in die ferne Zukunft reicht.
Daneben gibt es gebundene Ausgaben, Taschenbücher, Sonderhefte, Comics, Computerspiele, Hörbücher, Hörspiele, E-Books und zahlreiche weitere Sammelartikel. Die Welt von PERRY RHODAN ist gigantisch, und in ihr finden sich zahlreiche Facetten.
Was ist ein PERRY RHODAN-Silberband?
Seit 1978 werden die einzelnen PERRY RHODAN-Heftromane in einen neuen Zusammenhang gestellt. Je ein Autor bearbeitet die vorhandenen Romane behutsam und macht so aus fünf bis zehn klassischen Abenteuern ein frisch erzähltes Buch.
Die sogenannten Silberbände tragen diesen Beinamen, weil die Bücher mit einem silberfarbenen Umschlag und einem dreidimensional wirkenden Titelbild ausgestattet sind – ein echter Blickfang im Buchhandel und im heimischen Bücherregal.
Wer ist eigentlich PERRY RHODAN?
Perry Rhodan ist ein amerikanischer Astronaut. Mit seiner Rakete STARDUST startet er zum Mond; dort trifft er auf die Arkoniden. Mithilfe ihrer Technik und ihrer Kenntnisse
gelingt es ihm, die Menschheit zu einigen und ins All vorzustoßen.
Von einer sogenannten Superintelligenz, die als ES bezeichnet wird, erhält Rhodan einen Zellaktivator. Dieses Gerät gibt ihm eine relative Unsterblichkeit. Seither sind über zwei Jahrtausende vergangen, und die Menschheit hat sich seitdem über Tausende von Planeten ausgebreitet …
Wie funktioniert die PERRY RHODAN-Serie?
Hubert Haensel, einer der PERRY RHODAN-Autoren, nimmt die Original-Romane aus den späten 70er- und frühen 80er-Jahren als Grundlage. Er beseitigt Widersprüche und entfernt Wiederholungen zwischen einzelnen Romanen, darüber hinaus nimmt er eine leichte sprachliche Bearbeitung vor.
Wo bekomme ich weitere Informationen?
Per Internet geht's am schnellsten: www.perry-rhodan.net liefert alles Wissenswerte.
Und wer ein Infopaket per Post haben möchte, sende bitte 1,45 Euro an:
PERRY RHODAN-Redaktion, Postfach 23 52, 76431 Rastatt.
Das große PERRY RHODAN-Lexikon online – die Perrypedia: www.perrypedia.proc.org.
LESEPROBE
PERRY RHODAN-BUCH 119
Der Terraner
Auszüge aus einem »kosmischen« PERRY RHODAN-Roman
Pabel-Moewig Verlag GmbH, Rastatt
Sein Name ist Taou Sun Heng. Vor vier Tagen hat er zum letzten Mal eine winzige Portion Reis gegessen. Über seinen Wangenknochen spannt die Haut wie Pergament. Er ist 37 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern.
Vor zwei Wochen haben Angehörige einer Armee, über deren Zugehörigkeit Taou Sun Heng nur rätseln kann, sein Dorf überfallen und seine Familie gefoltert und getötet. Seitdem befindet er sich auf der Flucht. Sein Weg führt durch den Dschungel auf eine Grenze zu, hinter der er sich ein wenig Nahrung und Sicherheit erhofft.
Immer wieder stößt er auf niedergebrannte Dörfer und muss sich vor Soldaten verbergen. Taou Sun Heng hat längst aufgehört, Schmerzen zu empfinden oder verzweifelt zu sein, er reagiert nur noch abgestumpft.
Taou Sun Heng ist ein Terraner.
1.
Der Auftrag
Ambur-Karbush war eine Stätte des Friedens, des Glücks und der geistigen Einheit, und Carfesch betrachtete es als Auszeichnung, dass er dorthin reisen durfte. Sein Gepäck bestand nur aus einem abgewetzten Ledermantel, Sandalen, einer Proviantbüchse mit Konzentraten und einem Memoring für jene, die in Ambur-Karbush bauten. Wegen seiner bescheidenen Ausrüstung hätten Beobachter Carfesch durchaus für den Gesandten einer unbedeutenden Macht halten können, aber genau das Gegenteil traf zu.
Carfesch war der Beauftragte des Kosmokraten Tiryk. Ein Scheitern seiner Mission wäre einer kosmischen Katastrophe gleichgekommen.
Carfesch war humanoid und an die zwei Meter groß, wirkte aber schlank, fast zierlich. Sein strohfarbenes Gesicht bedeckten achteckige schuppenähnliche Hautplättchen. Anstelle einer Nase hatte der Sorgore eine Atemöffnung, deren organisches Filtergewebe bei jedem Atemzug leise knisterte. Die starren blauen Augen standen so weit hervor, dass Carfesch leicht zur Seite sehen konnte, ohne den Kopf drehen zu müssen. Seine Finger waren Krallen, die steif und unbeweglich wirkten. Unter den sieben hornartigen Verdickungen an jeder Hand nisteten jedoch winzige Symbionten, die vom absterbenden Horn lebten und die Hände derart sensibilisierten, dass Carfesch jedes Ding, das er berührte, bis in die filigransten Feinheiten erfühlen konnte.
Carfeschs Stimme klang melodisch sanft. Schon ihre einschmeichelnde Freundlichkeit stempelte ihn zu einem überragenden Diplomaten, obwohl er sich diesen Titel weit mehr durch seinen Intellekt und seinen Charakter verdient hatte. Erstaunlicherweise entsprang diese Stimme, der eine fast hypnotische Wirkung nachgesagt wurde, einem eher düster wirkenden lippenlosen Mund, der wie eine kleine Höhle inmitten von Carfeschs breitem Kinn saß.
Nach langen Vorbereitungen war es dem Kosmokraten Tiryk gelungen, seinen Gesandten auf Ambur abzusetzen.
Carfesch war die zweite Fracht, die von jenseits der Materiequellen hier ankam. Die erste hatte aus zwei neutralisierten Zellaktivatoren bestanden, die nun mithilfe des Memorings vorjustiert werden sollten.
Niemand hätte auf Anhieb feststellen können, ob Ambur natürlichen oder künstlichen Ursprungs war. Carfesch vermutete, dass es sich um einen Planeten handelte, der aus seinem angestammten System herausgerissen und auf eine ewige Reise geschickt worden war. Die junge Superintelligenz, die Karbush baute, war zweifellos in der Lage, einen solchen Prozess zu steuern. Vor langer Zeit, so viel hatte Carfesch von Tiryk erfahren, war Ambur in zwei Halbkugeln geteilt worden.
Von den Sonnenblumenhügeln aus bot sich dem Gesandten ein guter Ausblick über Ambur-Karbush.
Die Stadt lag auf einer weiten Hochebene. Über den Rand des Felsplateaus hinweg ergoss sich ein gewaltiger Strom ins Meer. Die Gebäude schmiegten sich harmonisch aneinander, ihre Stahlhüllen funkelten im Licht der Kunstsonnen. Zentrum der Stadt war ein ausgedehnter Platz, an dessen Rand ein mehr als tausend Meter hoher, zerbrechlich anmutender Turm aufragte.
Es war sicher absurd, so von einer Stadt zu denken, doch als Carfesch auf Ambur-Karbush hinabblickte, erinnerte sie ihn an ein schlafendes Lebewesen. Plätze und Straßen waren verlassen, trotzdem spürte der Diplomat die Allgegenwart intelligenten Lebens.
Carfesch stieg die Hügel hinunter bis zur grasbewachsenen Hochebene. Ambur-Karbush war längst nicht fertiggestellt, das sah er deutlich.
Eine einsame Gestalt kam ihm entgegen, während er sich den ersten Gebäuden näherte. Carfesch blieb stehen. Dass der Unbekannte ihm glich, hielt der Gesandte für einen Akt der Höflichkeit. Es war vielleicht seine schwache Stelle, dass er alles vom Standpunkt des Diplomaten aus betrachtete und zu erklären versuchte.
Als sie einander schon nahe waren, sah Carfesch, dass der andere glatter wirkte als er selbst. Dieses Aussehen verbreitete den Eindruck von Kühle und Unwirklichkeit.
Carfesch drückte den Memoring fester an sich, niemals würde er ihn einem dahergelaufenen Roboter oder Androiden überlassen. Als Gesandter der Kosmokraten hatte er sich eine andere Behandlung erhofft.
»Ich stehe zu deiner Verfügung, Bote«, sagte der Fremde in der Sprache, die Carfesch eigens für diese Mission erlernt hatte. »Du kannst mir einen Namen geben.«
Carfeschs Unruhe wich einer gewissen Belustigung. Er hatte auf Ambur bereits so viele Dinge benannt, dass es ihm in diesem Fall nicht schwerfallen sollte. Doch seine Phantasie ließ ihn im Stich, als er wenig geistreich sagte: »Ich werde dich Begleiter nennen.«
Sein Gegenüber machte eine einladende Geste in Richtung der Stadt. »Begleite mich zu ES.«
Warum diese Superintelligenz sich ES nannte, hatte nicht einmal Tiryk zu sagen vermocht. Vermutlich, weil ES aus unzähligen Bewusstseinsinhalten bestand und sich daher nicht festlegen wollte.
Carfesch überlegte nicht lange. Es ging um die Kräfte im Universum, um Stabilisierung und Weiterentwicklung von Mächtigkeitsballungen im Sinn der Kosmischen Ordnung, die von mächtigen Gegnern gestört wurde.
Lautlos und geschmeidig, eine perfekte Maschine, ging Begleiter voraus. »Wo halten sich die Bewohner der Stadt auf?«, fragte Carfesch.
»Sie kommen und gehen«, lautete die wenig informative Antwort. »Außerdem müssen Gebäude nicht stets bewohnt sein.«
»Befinden sich die beiden Zellaktivatoren noch im Besitz von ES?«
»ES besitzt viele Instrumente zur Veränderung der Lebenserwartung«, antwortete Begleiter. »ES ist in der Lage, sie an geeignete Wesen zu vergeben.«
»Darum geht es nicht.« Carfesch reagierte mit einem Anflug von Ärger. »Ich spreche von den beiden besonderen Aktivatoren, die von den Kosmokraten zur Verfügung gestellt wurden.«
»Sie werden gehütet wie ein Schatz.«
»Gut.«
Sie erreichten den freien Platz, Begleiter ging auf die nächste Kuppelhalle zu. Carfesch hatte das Gefühl, von einer geistigen Kraft berührt zu werden, die mühelos in sein Bewusstsein eindrang und seine Gedanken sondierte. Zweifellos wurde er einer strengen Prüfung unterzogen. Davon hatte Tiryk ihm nichts gesagt, aber eigentlich war es verständlich. Er ahnte, dass er nur vorgelassen wurde, wenn seine Psyche den Vorstellungen von ES entsprach.
Carfesch spürte die Heiterkeit, die seine Gedanken bei jenem hervorriefen, der ihn mental abtastete. Bestürzt fragte er sich, ob er zu eitel und selbstbewusst dachte.
Sofort gewannen die mentalen Impulse an Deutlichkeit: Ein Abgesandter der Kosmokraten ohne Selbstbewusstsein ist für mich schlecht vorstellbar.
»Ich bin nur ein Bote«, sagte Carfesch. »Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich habe nie einem Kosmokraten von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden.« Komm jetzt herein!
Carfesch erblickte fremdartige Maschinen. Als er die Kuppel betrat, schien aus dem Zenit ein Blitz herabzuzucken. Dämpfe stiegen vom Boden auf und formten sich zu einer langsam rotierenden, spiralig ineinanderfließenden Kugel. Ein leises Lachen erklang, diesmal real und nicht nur im Bewusstsein des Gesandten.
»Willkommen«, sagte eine sanfte Stimme. »Auch für mich ist der Kontakt eine Wohltat.«
»Ich bedanke mich für diese Einschätzung.« Carfesch kramte in den Taschen seines Mantels nach dem Memoring. »Ich komme wegen der beiden neutralen Zellaktivatoren«, sagte er, während er den Ring hervorzog, ein mit Kristallen gefülltes, eine Handspanne durchmessendes Objekt. Der Ring pulsierte. In ihm waren die Justierungsdaten für die beiden Zellaktivatoren aufbewahrt.
»Sie sollen also eingesetzt werden?«, fragte ES.
»Ich habe diesen Auftrag für dich.« Carfesch hatte Mühe, das zu sagen. ES war ihm in jeder Beziehung überlegen. Warum eigentlich, fragte er sich spontan, übernahmen die Kosmokraten derartige Aufgaben nicht selbst?
»Die Kosmokraten sind aus dir bekannten Gründen an der Erhaltung und Stabilisierung deiner Mächtigkeitsballung interessiert.« Carfesch sagte, was Tiryk ihm aufgetragen hatte. »Allein wirst du dieses Ziel jedoch kaum erreichen können. Du brauchst Wesen, die aus den Völkern deiner Mächtigkeitsballung kommen und die Fähigkeit besitzen, dir zu helfen.«
Ein spöttisches Lachen war die Reaktion darauf.
»Wie sollten mir Wesen helfen, die auf einer viel niedrigeren Entwicklungsstufe stehen? Gewiss, ich weiß, dass ich die Völker des von mir behüteten Sektors beaufsichtigen und lenken kann, und dies ganz in meinem Sinn. Aber Individuen?«
Bei allen Planeten, wie kann ich ihm etwas erklären, was ich selbst nicht verstehe?, dachte Carfesch.
»Auch die Kosmokraten bedienen sich ab und zu einzelner Wesen, die berufen sind, große Leistungen zu vollbringen«, sagte er. »Diese Helfer sind im Wächterorden der Ritter der Tiefe vereint. Die beiden, die jeweils einen besonderen Zellaktivator erhalten sollen, besitzen ungewöhnliche Fähigkeiten. Ihr Status wird dem eines Ritters der Tiefe entsprechen.«
»Ich habe den Eindruck, du weißt nicht einmal, wie diese beiden Wesen heißen und wo sie zu finden sind!«, rief ES.
»So ist es«, bestätigte Carfesch. »Sobald die Zellaktivatoren aktiviert und vorjustiert sind, können sie von niemand anderem getragen werden. Damit unterscheiden sie sich erheblich von den Apparaten, mit denen du ab und zu relative Unsterblichkeit verleihst.«
Eine Zeit lang herrschte Stille. Unbehaglich blickte Carfesch zu Begleiter hinüber, der wie erstarrt dastand.
»Sogar für eine Superintelligenz ist es nahezu unmöglich, die passenden Intelligenzen für die beiden Aktivatoren zu finden«, behauptete ES nach einer Weile. Carfesch konnte die unterschwellige Kritik an der Handlungsweise der Kosmokraten kaum überhören.
»Trotzdem ist es unerlässlich, sie aufzuspüren«, beharrte der Gesandte.
Ein Wesen, das ein nahezu identisches Ebenbild von Begleiter war, betrat durch eine bislang unsichtbare Seitentür die Kuppelhalle. Auf einem irisierenden Energiefeld trug es zwei oval geformte Gegenstände herein. Auch ohne sie je gesehen zu haben, erkannte Carfesch, dass es sich um die Aktivatoren handelte.
»Es ist müßig, mit dir darüber zu diskutieren, ob ich Erfolg haben werde oder nicht«, sagte ES etwas versöhnlicher. »Ich weiß, dass du als Bote keine Verantwortung für das trägst, was du mir übermittelst.«
Begleiters Doppelgänger machte vor Carfesch halt. Die Augen im glatten Gesicht wirkten seelenlos.
Einer Eingebung folgend, legte Carfesch den Memoring zwischen beide Aktivatoren. Dabei berührte er mit seinen Krallenenden die eiförmigen Apparate. Er spürte eine belebende Kraft, die durch seine Arme in den Körper strömte. Für einen Augenblick gab er sich diesem wunderbaren Gefühl hin und erfasste, was es hieß, ein Unsterblicher zu sein.
Schon zog der Androide das Kraftfeld mit den Aktivatoren und dem Memoring zurück, drehte sich um und ging.
»Ich hoffe, dass ich richtig gehandelt habe«, murmelte Carfesch benommen. »Das hast du«, bestätigte ES.
Der Blick in den ineinanderfließenden, pulsierenden Ball schmerzte Carfeschs Augen. Er senkte den Kopf. »Ich werde Ambur nicht wieder verlassen können.« Ein Hauch von Wehmut schwang in seiner Stimme mit.
»Deine Reise ist hier zu Ende«, bestätigte ES. »Ich werde dich in mir aufnehmen, wie es vereinbart ist. Sicher empfindest du das als Nachteil, aber so hast du wenigstens Gelegenheit, das Ende der Suche mitzuerleben.«
Wie viele Ewigkeiten werden vergehen, bevor ES auch nur einen der beiden Empfänger finden kann?, fragte sich der Gesandte.
Vielleicht waren diese Wesen nur eine Fiktion, ein absurder Traum der Kosmokraten in ihrem offenbar verzweifelten Kampf um Dinge, von denen Carfesch zum größten Teil nicht einmal etwas ahnte.
Jemand berührte ihn am Arm. »Komm, Bote!«, sagte Begleiter. »Ich bringe dich in deine Unterkunft.«
2.
Der Junge
Von der Uferböschung aus konnte Karl sehen, dass der Junge ein paar Schritte weit in den Teich gewatet war und sein Spiegelbild auf der glatten Wasseroberfläche betrachtete. Das Angelzeug, das Perry von Karl erhalten hatte, lag achtlos im Sand. Karl wurde vom Anblick des Jungen seltsam berührt. Was für ein merkwürdiges Kind, dachte er und räusperte sich, um auf seine Anwesenheit aufmerksam zu machen.
Perry blickte auf und lächelte ihm zu. »Ich habe es gerade in den Nachrichten gehört.« Karl hockte sich auf ein Grasbüschel. »Deutschland hat kapituliert, der Zweite Weltkrieg ist für Europa vorbei.«
Der Junge kam aus dem Teich und setzte sich an Karls Seite. Es schien ihn nicht zu stören, dass er bis zur Hüfte durchnässt war. Karl hob zögernd die Hand, als wollte er Perry über die Haare streichen, ließ sie jedoch rasch wieder sinken.
»Ich glaube, deine Tante wartet, dass du zum Kaffeetrinken ins Haus kommst.«
»Begleitest du mich?«
Karl wischte mit den schwieligen Händen über seine Knie. »Ich werde nach den Pferden sehen. Es ist möglich, dass wir heute noch ein Gewitter bekommen.«
Der Junge folgte seinem Blick und musterte die düster zusammengeballten Wolken.
»Wie lange bist du nun bei uns?«, fragte Karl, nur um das Schweigen zu brechen.
»Sechs Wochen, Onkel Karl.«
»Fühlst du dich wohl?«
»Natürlich, es geht mir sehr gut.«
Karl sah ihn abwägend an. »Du machst immer einen so ernsten Eindruck. Ein neunjähriger Junge sollte nicht so viel nachdenken. Du kannst jederzeit mit den Kindern von den Nachbarhöfen spielen. Sie mögen dich und warten darauf, dass du dich ihnen anschließt.«
Perry schien überhaupt nicht zuzuhören. »Hast du mir die Bücher besorgt, über die wir gesprochen haben, Onkel Karl?«, fragte er plötzlich.
Der große, etwas vierschrötig aussehende Mann mit den weit in die Stirn hängenden schwarzen Haaren schüttelte den Kopf. »Sobald deine Tante in die Stadt fährt, wird sie versuchen, diese Bücher in einer Bibliothek zu bekommen.«
Er sah den Jungen an. »Hast du zu Hause auch solche Lektüre bevorzugt?«
Perrys Miene wurde verschlossen – wie immer, sobald die Rede auf sein Elternhaus kam.
»Da der Krieg endlich vorüber ist, kannst du bald in deine gewohnte Umgebung zurückkehren«, sagte Karl. »Deine Eltern werden zurückkommen. Sie warten sicher schon darauf, dich bei sich aufzunehmen.«
Perry senkte den Kopf. Er blickte aufs Wasser. »Der Krieg ist nicht vorbei. Es werden noch schreckliche Dinge passieren, weit weg von hier.«
»Woher willst du das wissen?«
»Aus meinen Träumen.«
Die Sonne verschwand hinter den Wolken. Wind kam auf, kräuselte das Wasser des kleinen Fischteichs und wirbelte dürre Blätter durch die Luft. Karl fröstelte.
»Unsinn«, sagte er mit gespielter Heiterkeit und versetzte dem Jungen einen Klaps. »Geh schon nach oben und hol deine Stullen.«
Perry erhob sich und kletterte das Ufer hinauf. Er war groß und schlank, fast mager.
Kein Wunder, dass der Bursche von schlechten Träumen geplagt wird, wenn er all diesen Unsinn über Weltraumreisen und ferne Welten liest, dachte Karl. Er sah, dass sein Neffe sich in Richtung des Gehöfts entfernte. In dem Moment entluden sich die atmosphärischen Spannungen in einem grellen, quer über das Land zuckenden Blitz, dem heftiges Donnergrollen folgte.
Unwillkürlich hatte Karl die Augen geschlossen. Als er sie wieder öffnete, war der Junge verschwunden. Ungläubig schaute Karl sich um. Perry konnte keinesfalls so schnell gelaufen sein, dass er schon im Haus war. Aber zwischen dem Teich und dem Gebäudetrakt gab es keine Versteckmöglichkeiten.
Der herabprasselnde Regen durchnässte Karl innerhalb von Sekunden. Ein seltsames Gefühl beschlich ihn, als sei er an diesen Platz gebannt und nicht mehr in der Lage, einen einzigen Schritt zu tun. Seine jähe Furcht, dieser Eindruck könnte sich bestätigen, war so groß, dass er tatsächlich stehen blieb, um nicht mit einer ungeheuerlichen Realität konfrontiert zu werden. Im Haus gingen die Lichter an, und hinter den Küchenvorhängen sah Karl seine Frau hantieren. Es erschien ihm, als sei die Umgebung auseinandergebrochen – in eine Szenerie der Wirklichkeit und in einen Albtraum.
Sollte das jemals vorübergehen, werde ich mit niemandem darüber reden können, dachte Karl entsetzt.
3.
Der Mann
Die innere Unruhe, die ihn überhaupt erst veranlasst hatte, an diesen Ort zu kommen, legte sich nicht einmal nach dem dritten Glas Synthowein – aber sie ließ sich nun leichter auf Personen und Dinge in der unmittelbaren Umgebung projizieren.
Perry Rhodan hatte, wie so oft, wenn er Terrania verließ, seine Identität mit Biomolaufklebern verändert. Er konnte sicher sein, dass ihn niemand erkennen würde, aber vielleicht war die Maskerade ohnehin überflüssig. Rhodan stand am Ende des Kontaktbalkens, an dem außer ihm zwei Frauen und ein halbwüchsiger Arkonide lehnten.
Eine Musikkugel schwebte heran. »Hast du einen innigen Wunsch?«, säuselte sie. »Tanzmusik, Mentalmelodie oder eine Traumsequenz?«
»Verschwinde!«, sagte Rhodan schroff.
Der Roboter schwebte davon, hinüber zu den Tischen auf der anderen Seite des Balkens. Rhodan stellte sein Glas auf eine automatische Quelle, arretierte es und gab seine Bestellung auf. Das Glas wurde gespült, sterilisiert und erneut gefüllt.
Rhodan beobachtete den jungen Arkoniden und dachte an Atlan. War sein alter Freund und Kampfgefährte überhaupt noch am Leben?
Der jüngere Mann schien die Blicke zu spüren, denn er wandte sich um. Nach einem Augenblick des Zögerns kam er auf Rhodan zu. Zweifellos hatte er eine Pigmentmanipulation durchführen lassen, denn seine Haut schimmerte in sattem Gelb. Auch die Muskelpakete, die sich unter seinem Hemd spannten, erschienen Rhodan an diesem hageren Körper unpassend und übertrieben, vermutlich waren es implantierte Zellkulturen.
»Gefalle ich dir?«, fragte der junge Arkonide.
»Schwer zu sagen«, antwortete Rhodan. »Ich kenne dich nicht, und ich mache mir keine Gedanken über dich.«
»Ich bin Miron.« Er sprach akzentfreies Interkosmo, sodass jeder ihn für einen Terraner halten konnte. Vielleicht lag ihm sogar genau daran.
»Ich bin Perry Rhodan«, sagte Rhodan spontan. Miron verzog das Gesicht. »Was für ein blöder Witz. Bestellst du mir ein Glas? Ich habe kein Konto in der hiesigen Zentrale.«
Eine der beiden Frauen kam den Kontaktbalken entlang. Ihrem Gesichtsausdruck war deutlich zu entnehmen, dass sie sich mindestens für einen halben Realitätsentzug entschieden hatte. Obwohl Rhodan wusste, dass so etwas in den Treffpunkten dieses Stadtteils keine Seltenheit war, fühlte er sich merkwürdig berührt, fast schockiert. Von den Tischen klang Gelächter herüber; ein Robotunterhalter brachte eine Gruppe von Touristen, die alle das Mars-Emblem an ihren Hemden trugen, allmählich in Hochstimmung.
Alle in diesem Treffpunkt scheinen auf etwas Bestimmtes zu warten, dachte Rhodan verschwommen, sich durchaus bewusst, dass er seine eigene Haltung auf andere übertrug. Er nippte an seinem frisch gefüllten Glas und stellte fest, dass der Wein ein anderes Aroma hatte; die aufmerksame Quelle hatte ihm den Alkoholgehalt entzogen, um dem Kunden nicht zu schaden.
Die Frau streckte einen Arm aus und stieß Rhodan mit dem Finger gegen die Brust. »Ich beobachte dich schon einige Zeit«, gestand sie. »Wartest du auf jemanden?«
»Nein«, erwiderte Rhodan wahrheitsgemäß. In Gedanken fügte er hinzu: jedenfalls nicht hier!
Warum haben die Dinge aufgehört, sich zu bewegen?, fragte er sich. Seit seiner Rückkehr mit der BASIS hatte sich nichts ereignet, was bedeutsam erschien. Die Orbiter waren zu Verbündeten der Menschen geworden. Sie alterten und würden eines Tages tot sein. Dann stand der Menschheit die große Flotte der Keilschiffe zur Verfügung.
Warum meldete ES sich nicht?
Warum schwiegen die Kosmokraten?
Was war mit der Prophezeiung von ES, dass er, Perry Rhodan, bald überall sein könne?
Vor wenigen Tagen hatte Rhodan mit Jen Salik über diese Fragen gesprochen, die ihn immer stärker beschäftigten. Dabei hatte er Salik allerdings verschwiegen, dass eine bestimmte Furcht in ihm wuchs – die Furcht, von der Weiterentwicklung ausgeschlossen worden zu sein.
Salik hatte ihn zwar zur Geduld gemahnt, dabei aber ratlos gewirkt.
Was will ich eigentlich hier?, fragte sich Rhodan. Vergessen oder Antworten finden?
»Du irritierst mich«, hörte er die Stimme der Frau. »Du bist weder ein Tourist noch ein Bürger dieser Stadt. Ich vermute, dass du ein Raumfahrer bist.«
Miron kicherte. »Er denkt, dass er Perry Rhodan sei.«
Die Augen der Frau weiteten sich. »Hast du heimlich dein Persönlichkeitsmuster ändern lassen?«
Rhodan schluckte. »Ist das möglich?«
»Wenn du genügend Geld hast, ist alles möglich.«
Rhodan ging nicht weiter darauf ein. Unter der Oberfläche jeder Gesellschaft, die einen mehr oder weniger intakten Eindruck machte, gab es offenbar Dinge, die nicht in das offizielle Bild passten.
Am Eingang des Treffpunkts entstand ein Geräusch. Zwei Männer kamen herein, und obwohl sie sich wie Menschen bewegten, die nichts anderes als ihr Vergnügen im Sinn hatten, erkannte Rhodan, dass es sich um Roboter handelte. Vermutlich war er der Einzige, der die Ankömmlinge auf Anhieb identifizieren konnte. Er seufzte.
»Es hat den Anschein, dass ich nun gehen muss«, sagte er zu Miron und der Frau.
Sie hielt ihn am Arm zurück und drängte sich an ihn. »Warum?«, protestierte sie. »Ich würde dich gern kennenlernen, denn ich mag melancholische Männer. Sagst du mir, wie alt du bist?«
Warum werde ich immer wieder nach meinem Alter gefragt?, dachte Rhodan unbehaglich. Spüren andere Menschen, dass ich einer anderen Zeit entstamme und eine Art Fossil bin, das sich mit einem Zellaktivator in die Zukunft gerettet hat?
Die Roboter schlenderten heran und lehnten sich wie zufällig an die andere Seite des Kontaktbalkens. Rhodan war versucht, sie wegzuschicken und ihrem Auftraggeber, der nur Reginald Bull sein konnte, ein paar unfreundliche Grüße zu übermitteln. Dass Bull sich Sorgen um seinen Freund machte, war verständlich, aber Rhodan war dieser Bemutterung in letzter Zeit überdrüssig geworden.
Andererseits grenzte es fast an Schizophrenie, den eigenen Status leugnen zu wollen; eine Flucht aus der sich daraus ergebenden Einsamkeit zu Menschen, die er weder kannte noch richtig verstand, musste eine Illusion bleiben.
Wortlos verließ er den Treffpunkt und wartete vor dem Eingang, bis die Roboter ebenfalls kamen.
»Ich werde in einer Stunde in Imperium Alpha sein«, sagte Rhodan. »Hört also auf, mir nachzuspionieren, und bestellt dieser schnauzbärtigen Glucke, dass ich noch einen Spaziergang mache.«
Er wandte sich ab und betrat ein Transportband, das aus diesem Stadtteil hinausführte. Er hatte kein bestimmtes Ziel, aber auch keine Lust, sich Bulls Vorwürfe anzuhören oder Routineanordnungen zu beschließen.
Während das kaum frequentierte Band ihn durch die Gebäudeschlucht trug, überlegte der Terraner, was er von sich aus tun konnte, um den Kontakt zu ES oder den Kosmokraten wiederherzustellen. Es war denkbar, dass die Superintelligenz, die sich nun auf EDEN II aufhielt, auf einen solchen Schritt wartete. Auch die Kosmokraten rechneten vielleicht damit, dass die Menschheit initiativ wurde.
Aber wie konnte ein derartiges Unternehmen aussehen?
Die Roboter, die er weggeschickt hatte, traten urplötzlich von hinten an ihn heran und hielten ihn an den Armen fest. Überrascht machte Rhodan einen Schritt nach vorn, ohne sich jedoch aus dem Zugriff lösen zu können. Beinahe gleichzeitig kehrte seine kühle Überlegung zurück.
»Hört zu, ihr Helden!«, sagte er verärgert. »Wer immer euch den Auftrag für diese Verrücktheit gegeben hat, kann nicht so verantwortungslos gewesen sein und die Standardprogrammierung geändert haben. Es sei denn, er wäre nicht Mitglied der LFT, sondern einer kriminellen Organisation. Ich gehe aber davon aus, dass nur LFT-Leute wissen, wo ich zu finden bin.«
Noch während er sprach, fühlte er, dass die Kraft seiner Stimme nachließ. Die Stimmbänder versagten ihren Dienst. Erschrocken machte er sich die Konsequenzen klar. Beide Roboter waren mit speziellen Waffen ausgerüstet und zögerten nicht, diese zu benützen. Bully hätte seine Fürsorge niemals so weit getrieben und den Freund derart schroff von einem Ausflug zurückgeholt. Auch andere Verantwortliche der LFT kamen als Auftraggeber einer derartigen Aktion nicht infrage.
Wer dann?
Roboter der Liga Freier Terraner kannten Rhodans Individualmuster und waren so programmiert, dass sie seine Dominanz in fast jedem Fall anerkennen mussten. Eine Ausnahme wäre nur denkbar gewesen, falls Rhodan durch irrationales Verhalten andere Menschen gefährdet hätte, aber davon konnte nicht die Rede sein.
Da die Roboter beharrlich schwiegen, fand Perry Rhodan auf seine Fragen keine Antwort.
An einer Schnittstelle des Transportbands hoben die Roboter ihn auf einen festen Teil der Straße, so geschickt, dass für zufällige Beobachter der Eindruck entstehen musste, drei Männer änderten gemeinsam die Richtung. Rhodan, der keinen Ton hervorbrachte und sich aus der eisernen Umklammerung nicht befreien konnte, wurde zu einer Parkfläche geführt, auf der ein halbes Dutzend Privatgleiter und ein Robottransporter standen. Einer der Gleiter schien das Ziel der Roboter zu sein, eine Maschine in Tropfenform und mit neutralen Emblemen, wie sie bei vielen Konstruktionen in Terrania und anderen Städten Terras üblich waren.
Die Roboter drängten Rhodan in den Flugkörper, und einer von ihnen schob sich auf den Pilotensitz. Schon wenige Augenblicke später integrierte sich die Maschine in den Verkehrsfluss über der riesigen Metropole, ein sicheres Zeichen dafür, dass der Pilot keine Schwierigkeiten mit den lokalen Gegebenheiten hatte.
Diese Entführung war rätselhaft. Rhodan blieb trotzdem ruhig. Früher oder später würde man ihn in Imperium Alpha vermissen. Nach einigen vergeblichen Versuchen einer Kontaktaufnahme würde Reginald Bull eine Suchaktion starten und bald Fellmer Lloyd und Gucky alarmieren.
Der Gleiter landete schon nach wenigen Minuten bei einer großen Sportanlage. Rhodan spürte, dass die Lähmung seiner Stimmbänder allmählich wieder nachließ, doch er hütete sich, das zu verraten.
Er wurde aus der Maschine gebracht und über ein Antigravballfeld zu einem Kabinentrakt geführt, in dem die Sportler sich umziehen und duschen konnten. Keine Menschen hielten sich in dem Bereich auf.
Wenige Augenblicke später stand er mit den Robotern in einem langen Gang. Rechts von ihm befand sich eine Reihe offen stehender Mietkabinen. Aus einer davon ragte ein Beinpaar hervor, das einem weniger erfahrenen Beobachter als Rhodan vermutlich menschlich erschienen wäre. An einigen Besonderheiten erkannte Rhodan sofort, dass er die Extremitäten eines nicht menschlichen Wesens sah, deren Anblick undeutliche Erinnerungen in ihm auslöste, ohne dass er jedoch zu sagen vermocht hätte, warum das so war.
»Tatsächlich, er ist es«, klang eine sanfte Stimme aus der Kabine heraus. Die Beine wurden angezogen, gleich darauf trat ein Wesen auf den Gang, das Rhodan auf den ersten Blick bekannt erschien, obwohl er nicht zu sagen vermocht hätte, wo und wann er es schon gesehen hatte.
Der Fremde maß an die zwei Meter, wirkte aber bis auf die weit ausladenden Schultern schlank. Sein Gesicht besaß eine gelbliche Farbe und bestand aus vielen achteckigen Hautplättchen. Eine Nase gab es in diesem Gesicht nicht, stattdessen eine Gewebemasse, die Rhodan an eine Mullkompresse erinnerte und die bei jedem Atemzug knisterte. Rhodan blickte in zwei blaue, weit hervorstehende Augen.
Das Wesen bewegte eine seiner Krallenhände und veranlasste die Roboter, den Raum zu verlassen.
»Äußerlich hast du dich nicht verändert«, bemerkte der Fremde. »Trotzdem gibt es in deinem Innern diese Barriere, die eine Kontaktaufnahme zu ES verhindert. Das war auch der Grund für diese Aktion, die ich mir eigentlich ersparen wollte.«
Wilde Gedanken schossen Rhodan durch den Kopf, während er versuchte, einen Sinn aus den Worten des anderen herauszulesen.
»Hast du das Auge bei dir?«, erkundigte sich der Fremde.
»Du meinst… Laires Auge?«
»Ja, was sonst?« Die Stimme des Außerirdischen klang einschmeichelnd, ihr haftete eine deutlich spürbare mentale Ausstrahlung an.
Ich muss Zeit gewinnen, dachte Rhodan. Er fragte sich, ob eine bisher unbekannte kosmische Macht von dem Auge des Kosmokratenroboters erfahren hatte und nun versuchte, es in ihren Besitz zu bringen. Womöglich war dieses Wesen sogar ein Abgesandter eines Feindes.
»Ich trage es niemals bei mir«, versetzte Rhodan. »Es befindet sich in einem Versteck.«
»Ich frage mich, warum die Verbindung zu dir nicht mehr zustande kam. Deine innere Barriere kann nicht allein dafür verantwortlich sein. So weit, wie wir befürchteten, hast du dich noch nicht von ES entfernt; die Krise ist nicht sehr ausgeprägt.«
Rhodan schwirrte der Kopf. »Was weißt du von ES?«, fragte er. »Und von welcher Krise sprichst du?«
Der Unbekannte lächelte. »Ich bin im Auftrag von ES gekommen, denn du hast auf keinen mentalen Ruf geantwortet. ES meint, dass du im Begriff stündest, zu vergessen, dass du ein Unsterblicher bist. Dein Versuch, dich als ihresgleichen unter den anderen Menschen zu bewegen, war für ES vorhersehbar, und ES verkennt nicht die damit verbundene Tragik.«
Rhodan schoss das Blut ins Gesicht. Die Worte des Fremden beschrieben ziemlich genau seinen Zustand, obwohl er sich bislang gegen eine solche Erkenntnis gesperrt hatte.
»ES hat also versucht, Kontakt mit mir aufzunehmen?«
»Mehrfach.«
»Aber ich habe darauf gewartet, ich hätte es spüren müssen.«
»Du hast dein Inneres verschlossen, deine Absicht bestand nicht ernsthaft«, sagte der Abgesandte des Geistwesens. »Dein eigentlicher Wunsch war, Zuflucht bei anderen Menschen zu finden. Du dachtest, dort allem entfliehen zu können, auch der Last der Verantwortung.«
Rhodan schwieg.
»Manchmal gibt es solche Momente«, sagte der Außerirdische verständnisvoll.
»Woher willst du das wissen?«
»Ich bin viel älter als du«, antwortete das Wesen. »Und als Wanderer zwischen Geist und Materie habe ich mit weitaus größeren Problemen zu kämpfen.«
»Was willst du?«, fragte Rhodan schließlich.
»Dich abholen.«
»Wohin?«
»Ahnst du das nicht? Nach EDEN II – ES will dich sehen.«
Gespannt darauf, wie es weitergeht?
Diese Leseprobe findet sowohl ihre Ergänzung als auch ihre Fortsetzung im PERRY RHODAN-Buch 119 mit dem Titel »Der Terraner«.
Ab dem 12. September 2012 gibt es diesen Roman überall im Buchhandel sowie bei den bekannten Internet-Versendern.
Zum Download steht der PERRY RHODAN-Roman dann auch bei diversen Download-Anbietern als E-Book und als Hörbuch zur Verfügung.
Weitere Informationen: www.perry-rhodan.net.
Impressum
PERRY RHODAN-BUCH 119 – Leseprobe:
PERRY RHODAN erscheint in der Pabel-Moewig Verlag GmbH, 76437 Rastatt.
ISBN: 978-3-8453-9954-6
Redaktion: Klaus N. Frick
Postfach 23 52, 76413 Rastatt
Marketing: Klaus Bollhöfener
Illustrationen: Johnny Bruck
Internet: www.perry-rhodan.net
E-Mail: mail@perry-rhodan.net
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