Kitabı oku: «#Glücksmomente in Südtirol»

Yazı tipi:


Inhalt

Vorwort

DER NORDWESTEN

Kitesurfen am Reschensee

Ein Kloster und sein Weinberg

Grüner Vinschgau: Darf es bio sein?

Glurns, das kleinste Städtchen Tirols

Whisky aus dem Weinland Südtirol

Ein wahrhaft eisiges Vergnügen

Die Churburg und ihre Rüstkammer

Ein fantastisches Open-Air-Atelier

48 Serpentinen zum Gipfel

Ein ganz besonderer Saft

Erdbeeren auf Eis

Ein Dreitausender!

Das Kräuterschlössl in Goldrain

Hanswirt, nicht nur ein Hotel

Peter Mitterhofer, Zimmermann

Onkel Taa und sein Reich

Gesund baden in der Kurstadt

Berge und Seen

Sisi war schon da

Immer am Wasser entlang

Eine Bühne der besonderen Art

GLÜCKSWEG

Eine Reise in den Süden

Wandern mit Genuss

Eine echte Delikatesse

DER SÜDEN

Wo das Herz des alten Bozen schlägt

Museion, ein moderner Kunsttempel

GLÜCKSWEG

Über den Dächern von Bozen

Der Mann aus dem Eis

Frühling für Genießer

Ein Grand Cru, nicht aus Trauben

GLÜCKSTHEMA

Kunsthandwerk mit Tradition

Paradies hoch über dem Sarntal

Idylle in den Sarntaler Alpen

Burg und Berge

Burgenhopping im Überetsch

Frühling im Überetsch

Die Eislöcher von Eppan

GLÜCKSWEG

Mit dem Rad durchs Überetsch

Südtirols Badestrand: der Kalterer See

Genuss pur: Südtiroler Weinkultur

Eine Himmelfahrt auf die Mendel

Geologisch interessantes, verstecktes Naturwunder

Auf dem Zauberberg im Unterland

Castelfeder, das Arkadien Südtirols

Nomen est omen: die Haderburg

DER NORDOSTEN

Auf den Spuren der Knappen

Tosende Wasser zwischen Marmorfelsen

Der Pretzhof im Pfitscher Tal

Brixen, die alte Bischofsstadt

Alte Mauern, junger Wein

Fast wie im hohen Norden

Ein besonderes Erlebnis: der Keschtnweg

GLÜCKSTHEMEN

Von Hütte zu Hütte, ein Wandertrend

Tirtlen nach Omas Rezept

Shopping im Herzen Brunecks

Corones: Kronplatz

Wo die Gletscherwasser rauschen

Schätze aus dem Bergesinneren

Eindrucksvolle eiszeitliche Relikte

Das Hotel Autentic - My Südtirol Moment

Wandern am Antholzer See

Frühmorgens am Pragser Wildsee

Blumenwunder Leontopodium nivale

Aus dem Dunkel ans Licht

Chris Oberhammer im Tilia

Glück auf zwei Rädern

Ein Platz zum Innehalten

DER SÜDOSTEN

Villnösser Herrlichkeiten

Der alte Poststeig

Ein Platz zum Verlieben

Luis Trenker, ein Mann der Berge

Klettern light: Klettersteig für Anfänger

Seiser Alm, die größte Hochalm Europas

Die Rauchhütte, ein Logenplatz

Ein Berg mit Profil

Die Spatzen aus Kastelruth

TOP 5

Märkte

Thermen und Bäder

Panoramaplätze

TOP 10

Weingüter

Berghütten

Ein ganz besonderes Bad

Schon die alten Rittersleut’

Der Kaffeeröster von Völs

Sport und Wellness im Tierser Tal

Sechs Felsspitzen: die Vajolettürme

Fern-sehen auf dem Gummerberg

Das Naturwunder unter dem Latemar

Das schönste Kurvenkarussell der Alpen

GLÜCK ZUM VERSCHENKEN

Traumhaus in einer Traumlandschaft

Heiligkreuz: La Crusc

GLÜCKSWEG

Vier Gipfel auf einen Streich

GLÜCKSTHEMEN

Wenn der Tag erwacht

Gänsehaut schon vor dem Frühstück

Finale furioso: Die Sonne verabschiedet sich

GLÜCK ZUM MITNEHMEN


Register nach Themen

Impressum

Vorwort

Glück ist ein flüchtiges Gut, leicht zu finden, schwer zu halten. Das soll mal ein Philosoph gesagt haben. Oft taucht es unerwartet hinter einer Biegung deines Lebensweges auf, als faszinierender Moment, der dich in seinen Bann zieht. Glück muss man allerdings zulassen, um es auch erleben zu können. Wer auf einen Berg rennt und dabei nur auf die Uhr guckt, wird es nicht erleben. Schade.

Glück setzt Lebensfreude voraus, es meidet den Misanthropen und den allzu Ehrgeizigen. Loslassen, genießen – das wärmt die Seele und macht glücklich. Ein Rendezvous mit Freunden, das abendliche Farbspektakel an schroffen Dolomitfelsen, eine Marende nach einer langen Wanderung, der Duft einer Frühlingswiese – alles Glücksmomente.

Südtirol, das mir längst zur zweiten Heimat geworden ist, bietet uns eine Fülle solch unvergesslicher Momente. Wer mit offenen Augen das Land an der Etsch und im Gebirg’ durchwandert, ist per se ein glücklicher Mensch.

Viele glückliche Momente in Südtirol!

Ihr

Eugen E. Hüsler


Der Nordwesten

Vinschgau und Meran

Der Vinschgau, von der Etsch entwässert, ist das tiefste Tal Südtirols, darum herum stehen die höchsten Gipfel des Landes, angeführt vom Ortler. Der monumentale Graben ist gleichzeitig Hochgebirge und Obstplantage. Ganz anders Meran, die alte Hauptstadt Tirols, zu K. u. K. Zeiten berühmter Kurort. Hier ist der Süden schon viel näher als die Gletscherberge, im Talboden stehen die Apfelbäume in Reih und Glied, an den Hängen gedeiht der Wein.


Kitesurfen
AM RESCHENSEE

Am Dreiländereck aufs Wasser und in die Luft

Der Reschenpass ist nach dem Brenner die tiefste Einsenkung im gesamten Alpenhauptkamm. Die zugigste dazu, vor allem an Föhntagen, und die sind hier ziemlich häufig. Das hat nicht nur die Kraftwerksbauer auf den Plan gerufen, die auf der Malser Haide zwei Windräder installierten (2012 wieder abgebaut), sondern auch die Anhänger einer jungen Sportart: Kitesurfen. Wind und Wasser braucht’s dafür: Den Föhn liefert die Natur, der rund sechs Kilometer lange Stausee auf der Südtiroler Seite des Passes ist Menschenwerk. So flitzen die – zumeist jungen – Akteure dann übers Wasser und heben ab, um fantastische Figuren in den Himmel zu zeichnen. Da wird den staunenden Zaungästen einiges geboten, und wer das Glück hat, einem echten Profi zuschauen zu können, dürfte sich so seine Gedanken über Gravitation und Schwerelosigkeit machen … Kitesurfen lernen kann man bei einer der Schulen vor Ort.

Neben ordentlichen Adrenalinschüben genießt der homo acrobaticus garantiert echte Glücksgefühle. Wer diesen Kick nicht braucht, darf sich trotzdem aufs Wasser wagen. Von Juni bis September legt das Motorschiff »Hubertus« täglich in Graun für eine Rundfahrt auf dem Reschensee ab. Älteren Passagieren aus Oberbayern kommt das Schiff möglicherweise bekannt vor. 1937 erbaut, tat es 69 Jahre zuverlässig seinen Dienst auf dem Tegernsee. Blickfang auf der rund eine Dreiviertelstunde dauernden Rundfahrt ist – neben den Bergen rundum – der draußen im Wasser stehende Kirchturm von Alt-Graun, eines der beliebtesten Fotomotive Südtirols. Er stiehlt glatt dem mächtigen Firndom des Ortlers die Schau.


kiteboarding-reschen.eu,

www.schifffahrt-reschensee.com

Ein Kloster und
SEIN WEINBERG

Marienberg – fast ein Jahrtausend Kirchengeschichte

Tibet in Südtirol, ein buddhistisches Kloster gar? Eher unwahrscheinlich. Trotzdem, auf der Fahrt vom Reschen über die Malser Haide hinab in den Vinschgau könnte man sich, wenn auch nur für einen Herzschlag, ganz weit weg wähnen. Beim Blick auf Marienberg nämlich. Mit seinen gewaltigen weißen Stützmauern erinnert es unwillkürlich an sein asiatisches Pendant, also Glaubensburgen hier wie dort, und Brüder in Geiste sind sie ja ohnehin. Die Botschaft der vom heiligen Benedikt im sechsten Jahrhundert ins Leben gerufenen Vereinigung passt wohl auch auf den Buddhismus: ora et labora. Im Fall der Benediktiner verhinderte sie allerdings nicht, dass Marienberg immer wieder in Streitigkeiten verwickelt wurde, wiederholt Plünderungen erlebte, auch während der Bauernaufstände, 1807 dann sogar (vorübergehend) aufgehoben wurde.

Heute ist Marienberg wieder ein Ort der Ruhe und der Einkehr. Wer die historischen Mauern nicht nur als Sehenswürdigkeit, sondern als Lebens- und Kraftraum begreift, spürt das bereits bei einem Kurzbesuch. Interessante Einblicke ins Klosterleben vermittelt das 2007 eröffnete Museum. Gezeigt werden auch die berühmten romanischen Fresken der Kirchenkrypta (um 1160) – allerdings nur in einem Video. Wer die ausdrucksstarken Figuren in natura erleben will, muss an einer Führung teilnehmen.

Achtung Weinbeißer: Gleich unterhalb der Klostermauer liegt der höchste Rebberg der Alpen, auf 1340 Metern über Meer! Hilde Van den dries, die bereits seit 2008 in Laatsch Wein anbaut, hat den der Sonne zugewandten Hang vom Kloster gepachtet und zieht hier absolute Spitzengewächse, natürlich bio. Gespritzt wird nicht, nach dem Motto: »Mit der Natur, für die Natur.«




GLÜCKSVERSTÄRKER

Nach der Klosterbesichtigung und einem Blick auf den Weinberg ist es Zeit für eine Pause. Im Klostercafé Invito gibt’s Leckeres für den kleinen Hunger und natürlich auch den Marienberger Wein (weiß und rot) zum Probieren. Das bringt bei Kennern die Glückshormone in Wallung. Prosit!

Benediktinerstift Marienberg, Schlinig 1, I-39024 Mals, www.marienberg.it; Weinhof Calvenschlössl, Laatsch 102, I-39024 Laatsch/Mals, www.calvenschloessl.eu

Grüner Vinschgau:
DARF ES BIO SEIN?

Das Städtchen Mals – ein Vorreiter in Sachen Umwelt

Mals ist ein Städtchen, das man einfach mögen muss. Verwinkelte, krumme Gassen, gesäumt von stattlichen Häusern, fünf alte Türme dazu. Das verführt zu einer kleinen Sightseeingtour, bei der nicht nur so manches hübsche architektonische Detail zu entdecken ist, sondern sich auch immer wieder ein Blick auf den größten Tiroler bietet, den Ortler. Ganz unscheinbar gibt sich daneben das bedeutendste Sakraldenkmal des Ortes: St. Benedikt. Das Kirchlein, 1786 zur Rumpelkammer (!) degradiert, bewahrt Fresken aus karolingischer Zeit, vergleichbar mit jenen in Müstair und Naturns.

Doch Mals hält noch mehr Überraschungen bereit. Nicht nur, dass die Vinschger Bahn, 2005 endlich wieder eröffnet, zu einer echten Erfolgsstory wurde. An ihrer Endstation gibt es eine absolute Rarität zu bestaunen: ein Gleisfünfeck mit fünf Weichen und drei Kreuzungen, auf dem – ähnlich wie bei einer Drehscheibe – Loks gewendet werden können. In ganz Italien gibt’s nur noch eine einzige ebenfalls funktionstüchtige Anlage dieser Art: auf Sardinien.

Und vor ein paar Jahren zeigten die Malser echten Pioniergeist. Bei einer Volksabstimmung entschied sich eine klare Mehrheit für eine pestizidfreie Landwirtschaft auf dem gesamten Gemeindegebiet. Da passt es doch prima, dass auch das erste Biohotel Italiens in Mals steht. Der Volksentscheid stieß auf ein geteiltes Echo und landete – wie erwartbar – vor Gericht. Es wäre schon kurios, wenn gerade der intensiv beworbene Alpenapfel zu einer Gefahr für umweltschonend arbeitende Bauern im oberen Vinschgau würde …



GLÜCKSVERSTÄRKER

Seit 2002 ist das Hotel Panorama Mitglied des Vereins zertifizierter Biohotels. In dem Familienbetrieb nimmt man den Anspruch sehr ernst, mit der Natur zu leben und zu arbeiten. Eingekauft wird bei Biobauern der Region, und im Garten direkt vor dem Haus wachsen und blühen nicht weniger als 70 verschiedene Kräuter. Beste Voraussetzungen für einen gesunden Urlaub.

Biohotel Panorama, Staatsstraße 5, I-39024 Mals, www.biohotel-panorama.it

www.gemeinde.mals.bz.it/de/St_Benediktskirche_Mals_3

Glurns, das kleinste
STÄDTCHEN TIROLS

Mittelalter erleben – zumindest für einen Augenblick

Glurns gilt als das kleinste Städtchen Tirols, gerade mal so groß wie ein Dutzend Fußballfelder ist das mauerumgürtete Viereck: ein Stück Spätmittelalter, nach den Brandschatzungen der Graubündner im Schwabenkrieg (1499) entstanden. Viel hat sich seither nicht verändert, sieht man einmal von den Autos ab. Sie zwängen sich durch die schmalen Stadttore, belegen jede noch so kleine Parklücke. Das raubt dem Ensemble seinen herrlich verstaubten Charme. Dabei verbirgt sich hinter dem Mauerring mit seinen sieben Türmen und den drei Toren viel Sehenswertes: der krummste Laubengang im Land, der schmucke Stadtplatz, drei Hotels aus der »guten alten Zeit«, ein paar verwilderte Hinterhöfe, die erst jüngst restaurierte Mühle und zwei kleine Museen. Eines ist dem unvergessenen Karikaturisten Paul Flora (1922–2009) gewidmet, der mit spitzer Feder so manchen Missstand aufspießte. Obwohl er mit seiner Familie bereits als Bub nach Innsbruck übersiedelte, blieb er seinem Geburtsort zeitlebens verbunden.

Es ist Glurns und seinen 700 Einwohnern zu wünschen, dass der Ort bald einmal von all dem Blech auf Rädern befreit wird, seit mehr als 20 Jahren wird schon darum gestritten. Bis es dann vielleicht so weit ist, hilft nur eines: ganz früh aus den Federn und im Licht der noch tief stehenden Sonne einen Spaziergang unternehmen. Mir sind dabei beim Gang zwischen den alten Mauern ein paar Fußgänger, ein ratternder Bulldog und drei Autos begegnet. Die Luft war frisch, ein paar Vögel zwitscherten, eine Katze war unterwegs zur Mäusejagd.

Apropos Mäuse: Fragen Sie in der Bäckerei Riedl (Malserstraße 11), was es auf sich hat mit den schokosüßen Mäusen, die man dort kaufen kann.




Paul-Flora-Museum im Kirchtorturm von Glurns, Öffnungszeiten auf www.glurns.eu

Whisky aus dem
WEINLAND SÜDTIROL

Hochprozentiges aus der Puni Destillerie.

Südtirol ist ein Weinland, und deshalb verwundert es wenig, dass Traditionalisten einer Whisky-Brennerei vor den Toren des historischen Städtchens Glurns wenig abgewinnen können. Das Gebäude der Puni Destillerie passe so wenig hierher wie ihr Produkt: Whisky. Immerhin, der 13 Meter hohe Kubus hält Abstand zur mittelalterlichen Bausubstanz. Wer genauer hinguckt, stellt sogar fest, dass sich der renommierte Architekt Werner Tscholl von der Bautradition inspirieren ließ. Die aus roten Ziegeln bestehende Außenhaut des Baus nimmt Farben und geometrische Muster auf, wie man sie von Vinschgauer Heustadeln kennt. Der Gang ins Innere der Destillerie überrascht dann mit originellen Lichteffekten.

Natürlich kann man bei Puni die nach dem traditionellen schottischen Pot-Still-Verfahren mit reinem Bergwasser destillierten Whiskys verkosten, Führungen im Haus gibt es auch. Vielleicht gönnen Sie sich am Abend ein Glas Puni Vina? Das schafft garantiert gute Laune, zumindest bei Whisky-Liebhabern.

Puni Destillerie, Am Mühlbach 2, I-39020 Glurns, www.puni.com

Ein wahrhaft
EISIGES VERGNÜGEN

Das Messner Mountain Museum Ortles in Sulden

Dass es am Ortler einen End-der-Welt-Ferner gibt, passt ja prima zu Reinhold Messners Museum in Sulden. Der Südtiroler war schließlich in den entlegensten Regionen der Welt unterwegs, im Himalaja und sogar in der Antarktis. Und das Eis ist Thema im Museum Ortles, die Gefahren und Schrecken ebenso wie Polfahrten und Eisklettern. Nicht fehlen darf in dieser Messner-Ausstellung natürlich der Himalaja-Schneemensch Yeti. Gezeigt wird weiter eine große Sammlung von Eisgeräten aus zwei Jahrhunderten, dazu gibt es viele Ortlerbilder zu sehen.

Auch die legendäre Antarktis-Expedition von 1914–17, geleitet von Ernest Shackleton, hat ihren Platz in der Ausstellung. Während draußen die Ferner als Folge des Klimawandels vor sich hinschmelzen, verspürt der Besucher im unterirdisch angelegten Museum möglicherweise ein leichtes Frösteln, zieht es ihn zurück ans Tageslicht. Eine Nacht in der Antarktis, bei Temperaturen von minus 50 Grad, nein danke! Können Glückshormone möglicherweise auch einfrieren?


Messner Mountain Museum Ortles, Forststraße 32a, I-39029 Sulden, www.messner-mountain-museum.it

Die Churburg
UND IHRE RÜSTKAMMER

Eine spannende Zeitreise im Haus der Familie Trapp

Südtirol ist Burgenland. Rund 800 Burgen zählt die Statistik, manche sind längst Ruinen, einige zu Hotels mit Mittelalterflair umfunktioniert, andere seit Jahrhunderten in Familienbesitz. Wie die Churburg der Grafen von Trapp, die sie im 16. Jahrhundert erwarben und im Stil der Zeit als Renaissanceschloss ausbauten. Der stattliche Baukomplex, Blickfang bei jeder Fahrt durch den oberen Vinschgau, gruppiert sich mit dem 26 Meter hohen, wuchtigen Bergfried um den mehrstöckigen, reich ausgeschmückten Arkadenhof.

Hauptattraktion der Churburg ist allerdings die Rüstkammer – keine Sammlung im herkömmlichen Sinn, sondern die »eiserne Garderobe« der Trapp und ihrer Kriegsknechte. Da bekommen kleine und große Buben leicht glänzende Augen. War schon toll, dieses Mittelalter mit all den Rittersleut’, wo Kraft und Mut noch zählten. Andererseits: Der Churburg-Besucher des 21. Jahrhunderts, bewaffnet mit einem Smartphone, ist froh, dass ihm nicht Ulrich von Matsch in seiner Riesenrüstung gegenübersteht. Die wog nämlich 45 Kilogramm, eine echte Herausforderung für Pferd und Reiter. Der Ritter muss fast zwei Meter groß gewesen sein, und er galt als überaus streitlustig.




GLÜCKSVERSTÄRKER

Die Besichtigung der Churburg lässt sich prima mit einem Besuch im Vintschger Museum verbinden – eine kleine Zeitreise in die Geschichte des Obervinschgaus (Dauerausstellungen Schwabenkinder, Waalwesen, prähistorische Funde am Ganglegg). Vom Museum sind es nur ein paar Schritte zum Dorflodn Trafoier (Churburggasse 3a). Da gibt es allerlei Feines aus der Region zu kaufen: Speck, Käse, Obst, Marmeladen und vieles mehr.

Vintschger Museum, Meranerstr. 1, I-39020 Schluderns, www.vintschgermuseum.com

Churburg 1, I-39020 Schluderns, Führungen www.churburg.com

Ein fantastisches
OPEN-AIR-ATELIER

Begegnung mit dem »Indianer« von Prad und seinem Freilichtmuseum

Der mit dem Windhauch spricht. Der Prader Indianer also. Im Dorf Prad kennt ihn jeder, und viele der unzähligen Touristen, unterwegs zum Stilfser Joch, haben seine eigen- und einzigartigen Kunstwerke schon gesehen, für einen Moment wenigstens, beim Vorbeifahren halt. Wer anhält, aus- und dann einsteigt in das fantastische Reich des Lorenz Kuntner, betritt eine skurrile Welt fernab des digital getakteten Alltags. Da stehen Totempfähle, manche mit ausgebleichten Tierknochen geschmückt, gucken einen 100 bemalte Steine an. Für eine bescheidene »freiwillige Spende« darf man das alles gerne besichtigen. Lorenz unterhält sich auch mit seinen Besuchern, denn er hat eine Mission. »Ich habe indianischen Geist in mir«, sagt er. Sein Traum: ein Leben im Einklang mit der Natur, weit weg von jeder gesellschaftlichen Norm. Ein Außenseiter, das ist er, ja, aber ein sympathischer.

Mit Holz und Stein arbeitet Lorenz Kuntner am liebsten, alles hat er in der Nähe gefunden, geborgen, Eisenteile auf der Abfalldeponie entdeckt. Entstanden ist im Lauf der Jahre ein Garten voller Wunder, gestaltet von einem Mann mit überbordender Fantasie. Kinder haben da ihre helle Freude, vielleicht sehen sie in Lorenz einen Seelenverwandten, der auf zauberhafte Weise den Weg aus der Arbeits- und Konsumwelt zurück zu ihnen gefunden hat. Ob er Künstler sei, wird Lorenz oft gefragt. »Wenn 100 Besucher vorbeikommen und alle behaupten, dass ich ein Künstler bin, dann bin ich halt ein Künstler.« Wer mit dem Windhauch sprechen kann, muss einfach ein Künstler sein. Ein Mensch aus einer anderen Welt. Einer besseren vielleicht.



Informationsbüro Prad am Stilfser Joch, Kreuzweg 4c, I-39026 Prad am Stilfser Joch, www.vinschgau.net

48 Serpentinen
ZUM GIPFEL

Der Mythos Stilfser Joch, ein perfektes Kurvenspektakel

Jeder Sport hat seine Mythen: Wimbledon, die Nordwand des Eigers, die Tour de France. Als ein Highlight der fast vierwöchigen Schinderei auf den Straßen Frankreichs gilt der Anstieg zur Alpe d’Huez mit seinen 24 Serpentinen – alle nummeriert und nach Siegern vergangener Jahre benannt. Möglicherweise noch einen Tick berühmter bei Radsportfans ist das Stilfser Joch, mit 2757 Metern Scheitelhöhe einer der höchsten Alpenpässe überhaupt. Da quälen sich dann mehr oder weniger gut trainierte Freizeitsportler durch die 48 Serpentinen, mal links-, dann wieder rechtsherum. Die Linkskurven sind etwas angenehmer, weil man da außen fährt, die Steigung wenigstens für ein halbes Dutzend Pedaltritte geringer ist. Längere Flachstücke bietet die Straße des Signore Donegani aus Brescia nicht. Der Ingenieur und Bauleiter am Stilfser Joch wurde übrigens später in den Adelsstand erhoben: Nobile dello Stelvio.

Bei der Franzenshöhe kommt das Ziel – endlich! – in Sicht. Du schaltest einen Gang zurück, gehst kurz aus dem Sattel, suchst einen gleichmäßigen Rhythmus. Ein Schluck aus dem Bidon, ein Blick hinauf in die finale Mauer zum Pass, auf die letzten zwanzig Serpentinen. Jetzt nur nicht nachlassen, auch wenn die Beine schon schwer werden. Kaum ein Blick gilt der grandiosen Eis- und Felskulisse, mit dem schneeweißen Dach des Ortlers. Ganz langsam nur rückt die Scheitelhöhe näher, du wischt dir den Schweiß aus den Augenwinkeln, mobilisierst die letzten Kräfte. Noch eine Kurve, dann Autos am Straßenrand, das Schild: Passo dello Stelvio. Geschafft.

Was für ein Glücksmoment! Die ganze Schinderei wie weggeblasen, vergessen: pures Glück. Du lässt es auslaufen, fühlst dich wie ein Sieger. Bist du auch.


www.quaeldich.de

Ein ganz
BESONDERER SAFT

Genussprodukte aus dem Kandlwaalhof von Karl Luggin

Laas hat nicht nur seinen berühmten weißen Marmor, hier gedeihen auch ganz besondere Früchte wie eine aus Armenien stammende aromatische Marille (Prunus armeniaca). Und dann ist da noch der Weirouge, eine seltene Apfelsorte, identisch mit dem 1915 in Russland gezüchteten »Roten Mond«. Das Rot bzw. rouge im Namen hat sie nicht zufällig, ist doch nicht nur die Schale von leuchtendem Rot, sondern auch das Fruchtfleisch. Darin unterscheidet sich der Weirouge von allen anderen Apfelsorten.

Ursache für diese Eigenheit ist der extrem hohe Gehalt an Anthocyanen. Diese Farbstoffe kommen übrigens in vielen Pflanzen vor (unter anderem in Himbeeren, Trauben, Blutorangen und Kirschen). Dass Anthocyane als gesundheitsfördernd gelten, ist in unserer auf Selbstoptimierung getrimmten Gesellschaft bestimmt ein gutes Verkaufsargument. Als Tafelapfel ist der Weirouge allerdings nur bedingt geeignet, er ist schlicht zu sauer. Deshalb presst Karl Luggin aus seinen »Roten« einen naturbelassenen Saft. 100 Prozent Natur, die einfach köstlich schmeckt!

Im Kandlwaalhof gibt’s nicht bloß Apfelsaft, das Sortiment des Hofladens umfasst auch Apfel-, Kräuter- und Früchteessig, dazu Trockenobst und Senf in verschiedenen Varianten.




GLÜCKSVERSTÄRKER

In Laas ist das »Weiße Gold« allgegenwärtig. Der Brunnen auf dem Dorfplatz ist aus Marmor, die Pflastersteine, ebenso die Apsis der Pfarrkirche, die Gehsteige. Was liegt da näher als ein Abstecher zum Werksgelände gleich neben dem Bahnhof? Da werden im Sommerhalbjahr auch Führungen angeboten.

Marmor-Erlebnisführungen, Vinschgaustr. 52, I-39023 Laas, www.marmorplus.it

Kandlwaalhof, Unterwaalweg 10, I-39023 Laas, www.luggin.net

Erdbeeren
AUF EIS

Eine besondere Köstlichkeit aus dem Martelltal

Wie die Kartoffel stammt auch die Gartenerdbeere aus Amerika. Dass sie ausgerechnet in dem kühl-frischen Martelltal eine Heimat gefunden hat, nur ein paar Kilometer von den Ortlergletschern entfernt, ist schon erstaunlich. Auf fast 100 Hektar wachsen beiderseits der Plima die besten Erdbeeren Südtirols. In Höhenlagen bis an die 1700 Meter werden sie geerntet, und dabei gilt: je höher, desto später, dafür aber auch umso aromatischer. Gepflückt wird von Juni bis in den September, immer weiter ansteigend über den Sommer.

In den 1960er-Jahren wurde mit dem Anbau der schmackhaften Fragaria begonnen, mittlerweile kommt die Marteller Erdbeere auch in manchen Gourmetlokalen auf den Tisch. Ende Juni findet im Freizeitzentrum Trattla jeweils das Erdbeerfest statt, bei dem die Erdbeerkönigin gekürt wird. Sie schneidet dann zusammen mit lokaler Prominenz den größten Erdbeerkuchen der Welt an (Eigenwerbung). Ob die Erdbeerkönigin auch so rote Backen hat, weiß ich nicht …

Zum touristischen Angebot gehört inzwischen auch ein Erdbeerweg, acht Kilometer lang ist er, gut ausgeschildert und natürlich mit Informationstafeln bestückt. Etwa zweieinhalb Stunden ist man links und rechts der Plima unterwegs. Nicht unbedingt sehr anstrengend, aber wer hätte hinterher nicht Lust auf ein leckeres Eis, garniert natürlich mit den feinen Beeren aus dem Tal?



GLÜCKSVERSTÄRKER

Für einen längeren Aufenthalt im Martelltal bietet sich das Hotel zum See an. Es liegt am oberen Ende des Zufrittsees und bietet einen Prachtblick auf die vergletscherte Zufallspitze. Und noch weit mehr: gemütliche Zimmer, eine feine Küche und freundliche Gastgeber.

Hintermartell 207, I-39020 Martelltal, www.hotelzumsee.com

www.facebook.com/bar.trattla, www.suedtirolerland.it/de/freizeit-aktiv/kinder-familie/sommerparksthemenwege/suedtiroler-erdbeerweg

Ein
DREITAUSENDER!

Ein großes Ziel: die Hintere Schöntaufspitze

Manche Ziffern haben ihre eigene Magie. Die Acht etwa, da weiß jeder Bergsteiger, was gemeint ist: die Achttausender, also die höchsten Berge der Welt. Oder die Drei. Die steht für Dreitausender, und davon gibt es in den Ostalpen ein paar Hundert. Allein im Ortlermassiv listen die Geografen etwa 70 Erhebungen (ohne unbedeutende Nebengipfel) dieser Kategorie auf. Einigen haben die Alpenvereine freundlicherweise einen markierten Weg verpasst, was die Besteigung wesentlich erleichtert. Wie der Hinteren Schöntaufspitze, in der Wanderkarte mit 3325 Metern Gipfelhöhe ausgewiesen. Wer in Sulden oder im Martelltal unterwegs und einigermaßen gut zu Fuß ist, kann da leicht in Versuchung geraten. Ein Dreitausender!

Kürzer ist der Aufstieg von Westen, schöner jener aus dem Innermartell, weil der Massenskilauf hier noch nicht angekommen ist. Die rund 1300 Höhenmeter bis zum Gipfel sind ein ordentliches, aber kein überforderndes Tagespensum. Schwierigkeiten bietet der Anstieg kaum, eher schon die recht dünne Luft. Nach gut vier Stunden kann man die Fahne hissen: geschafft! Das Panorama ist atemberaubend, einmalig der Blick auf die drei größten Gipfel des Gebirges: Königsspitze, Monte Zebrù und Ortler (3905 Meter). Erstbesteiger des »höchsten Spitz in Tyrol« war 1804 Joseph Pichler mit Begleitern: »Um 1.30 Uhr morgens verließen die drei Männer das Dorf Trafoi, stiegen zu dem Unteren Ortlerferner und dann zu den Hinteren Wandln empor, worauf sie über den Oberen Ferner nach 10 Uhr die Spitze erreichten.« Und das ohne Seil und Pickel!

Ganz so hoch hinaus geht’s an der Schöntaufspitze nicht – Glücksgefühle sind trotzdem garantiert.


GLÜCKSVERSTÄRKER

Die 3000er-Expedition gewinnt erheblich, wenn man sie mit einer Übernachtung in der Zufallhütte verbindet. Die genießt beim Bergsteigervolk keineswegs zufällig einen sehr guten Ruf. Ihren Namen hat sie übrigens von den Wasserfällen der Plima (zu Fall), und seit Kurzem gibt es sogar einen spektakulären Weg, der am Wasser entlang hinauf zur Hütte führt (1 Std.).

www.zufallhuette.com

Das Kräuterschlössl
IN GOLDRAIN

Wo die feinen Düfte wohnen – ein Hofladen und mehr

Schlösser gibt es im Vinschgau viele, steinerne Zeugen der Geschichte Südtirols, manche vor 1000 Jahren erbaut. Nicht ganz so alt ist ein ganz besonderes Schloss bei Goldrain. Hier trifft man weder Rittersleut’ noch Landsknechte, dafür riecht es im Kräuterschlössl garantiert viel besser. Die Familie Gluderer hat einen Garten Eden geschaffen, ein Paradies der Düfte. Erstaunlich, was Fantasie und handwerkliches Können alles entstehen lassen: Gewürzmischungen, Kräuternudeln, Fruchthonige, verschiedene Tees, Räuchermischungen.

Sogar Kräuterkosmetik steht auf der weit gefächerten Produktpalette, darunter Messner Mountain Magic. Reinhold Messner, der Bergsteiger und Abenteurer, als Duftwolke? Beworben wird etwa das Parfüm »Manaslu« recht blumig: »Ein bezauberndes Gefühl umhüllt den Mann, welcher die Frische und Reinheit der Bergluft liebt. Die Aromen von Kiefer und Wacholder, Edelweiß und dem Extrakt von Goldmelisse, einer typischen Pflanze vom Kräuterschlössl, verleihen diesem Parfüm eine herbe Note, welche ein Gefühl von Freiheit und Potenz erweckt.« Genau das Richtige für echte Kerle.

Amor war wohl auch bei der Planung des Liebesgartens auf dem Dach des Schlössls beteiligt, mit immerhin 50 verschiedenen aphrodisierenden (!) Pflanzen und einer bezaubernden Aussicht übers Tal auf die Berge.



GLÜCKSVERSTÄRKER

Von einem Schloss zum anderen. Der Besuch im Kräuterschlössl lässt sich leicht mit einem Abstecher nach Schloss Juval verbinden. Der Wohnsitz von Reinhold Messner thront nur wenige Kilometer weiter etschabwärts auf einer Anhöhe über der Mündung des Schnalstals (Messner Mountain Museum).

Juval 1, I-39020 Kastelbell, www.messner-mountain-museum.it

Schanzenstr. 50, I-39021 Goldrain, www.kraeuterschloessl.it

Hanswirt,
NICHT NUR EIN HOTEL

Lust auf eine Südtirolreise mit der (Modell-)Eisenbahn?

Seit 2005 haben die Vinschgauer ihre alte Bahnlinie wieder, verkehren auf der 60 Kilometer langen Strecke zwischen Meran und Mals im Halbstundentakt die modernen Züge von »Stadler Rail«. Da passt es natürlich, dass nur vier Jahre nach der Wiedereröffnung in Rabland eine weitere Eisenbahn ihren Betrieb aufnahm: die Eisenbahnwelt in der umgebauten Scheune des Hotels Hanswirt. Im Eingangsbereich stimmt die Fantasielandschaft »Mittelgebirge« den Besucher auf das Erlebnis ein.

Das Herzstück der Anlage befindet sich im ersten Stock. Auf insgesamt 400 Streckenmetern verkehren 40 Züge, mit viel Liebe fürs Detail (7000 Figuren!) sind verschiedene Ensembles im Maßstab 1:87 gestaltet: Ortschaften, Bahnhöfe, Schlösser und Klöster. Da fahren Züge über den Brenner, von Brixen durch das Eisacktal hinunter nach Bozen und durch das Etschtal nach Meran. Weiter geht die Reise durch den Vinschgau nach Mals, durch Apfel- und Marillenplantagen, vorbei an so manch alter Burg. Detailgetreu nachgebildet ist auch der Laaser Schrägaufzug, mit dem die gewaltigen Marmorblöcke ins Tal transportiert wurden.




GLÜCKSVERSTÄRKER

Die Bahnfahrt en miniature lässt sich bestens mit einem Aufenthalt im Hanswirt verbinden. Das Vier-Sterne-Haus bietet komfortable Zimmer und Suiten sowie einen Wellnessbereich samt Außenpool. Hier verbinden sich Tradition und Moderne auf gelungene Weise. Auch die Küche – vielfach ausgezeichnet – lässt keine Wünsche offen.

www.hanswirt.com

In der Kinderecke können sich die Kleinen sogar als Lokführer versuchen. Fazit: ein Vergnügen für die ganze Familie, Väter inklusive. Die dürften beim Anblick all der kleinen Technikwunder vermutlich glänzende Augen bekommen. Nostalgie pur. Und echte Glücksmomente! Geroldplatz 3, I-39020 Rabland, www.eisenbahnwelt.eu

Peter Mitterhofer,
ZIMMERMANN

Von der Hand- zur Maschinenschrift

Den Erfinder der Schreibmaschine würde man vielleicht in einer der großen Industriestädte Europas vermuten oder in den USA. Aber im Vinschgauer Bauerndorf Partschins? Doch ausgerechnet hier bastelte der gelernte Zimmermann Peter Mitterhofer 1864 sein erstes Modell zusammen, das er in den Folgejahren laufend verbesserte. So gilt Mitterhofer (1822–1893) heute als einer der Erfinder der Schreibmaschine, neben Giuseppe Ravizza, Léon Foucault, Rasmus Malling-Hansen und anderen.

Kommerzieller Erfolg war ihm allerdings keiner beschieden. Erst spät erinnerte man sich in seinem Heimatort wieder an den genialen Tüftler, baute ihm sogar ein Museum. Auf vier Etagen kann man eintauchen in eine Welt kunstvoller Mechaniken. Mehr als 2000 Exponate dokumentieren die Entwicklung von der Erfindung der ersten Geräte bis (fast) zum Beginn des Digitalzeitalters. Das garantiert (nostalgische) Glücksgefühle bei allen, die ein Faible für Technik haben. Übrigens: Von der klassischen Schreibmaschine hat nichts überlebt – bis auf die Tastatur. Immerhin.

www.schreibmaschinenmuseum.com

Onkel Taa
UND SEIN REICH

Das K.-u.-k-Museum im ehemaligen Bad Egart

Die Töll ist geografisch die Grenze zwischen dem Vinschgau und dem Meraner Talbecken, die Etsch trennt Partschins, dessen Häuser links des Flusses den Hang hinaufklettern, und Bad Egart. Da wird zwar längst nicht mehr gebadet, dafür gibt es hier ein herrlich kreatives Durcheinander zu bewundern: Habsburger Antiquitäten, Südtiroler Folklore und Freilichtmuseum mit Kunst und Kuriosem. Onkel Taa herrscht mit königlicher Grandezza (und Zigarre) über sein Nostalgiemuseum, und das winzige Restaurant verspricht sogar »kaiserlichen Genuss«. Das garantiert echte Glücksgefühle bei den Besuchern!

Ein Tipp: Wer sich mit der Seilbahn vom Bahnhof Rabland nach Aschbach (1362 Meter) hinauftragen lässt, hat eine schöne Bergabwanderung zur Etsch vor sich. Sie endet nach etwa zwei Stunden am ehemaligen Bad Egart. In Aschbach genießt man zum Auftakt die prächtige Aussicht über den unteren Vinschgau und seine Berge, zwingender Abschluss ist ein Besuch in Onkel Taas Restaurant. Da gibt es (neben anderen Köstlichkeiten) Kaiser Franz Josephs Lieblingssuppe. Schmeckt prima!


Restaurant Onkel Taa, Bahnhofstr. 17, I-39020 Töll, www.onkeltaa.com

Gesund baden
IN DER KURSTADT

Die Therme des Matteo Thun und das Jugendstil-Kurhaus

Ein leiser Hauch von Tausendundeiner Nacht umweht den Badegast, vor allem abends, wenn sich der Himmel über Meran rötlich verfärbt und zusammen mit dem blauen Licht der Therme ein fast unwirkliches Farbspektakel aufführt. Nur ein paar Meter von der Passer entfernt sprudelt und perlt es hier ebenfalls: in dem 2005 eröffneten Wellnesspalast mit seinen 25 Pools, Saunen, Dampfbädern, dem Fitnesscenter und einem schönen Park mit prächtigem Baumbestand. Entworfen wurde der lichtdurchflutete Bau von Matteo Thun. Klare Linien schaffen ein besonderes Raumgefühl, stehen für Weite und Ruhe. In der zentralen Halle mit ihren sechs Pools dominieren – neben Glas – Natursteine, die Böden sind aus Granit.

Herausragende Architektur findet sich auch auf der anderen Seite der Passer: Das Meraner Kurhaus, ein Juwel des Jugendstils, entstand in mehreren Etappen und wurde erst 1914 mit der großen Kuppel und dem Kursaal vollendet. Architekt war der Wiener Friedrich Ohmann, dem ein noch weit größerer Komplex vorschwebte. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzte dem Kurbetrieb und den hochfliegenden Plänen dann ein abruptes Ende. Die Idee zum Bau eines neuen, repräsentativen Kurhauses stammte übrigens von Josef Valentin Haller, dem langjährigen Bürgermeister Merans, das er vom schlechten Ruf eines »Kuhstadtl« befreien wollte. Das ist ihm gelungen. Nicht zuletzt mit Hilfe einer jungen Dame aus Wien, die 1870 erstmals in der Kurstadt weilte: Kaiserin Elisabeth. Ihr steinernes Ebenbild sitzt an der Sommerpromenade, und über den Sissi-Weg kommt man zu Fuß zum Schloss Trauttmansdorff, in dem die Kaiserin logierte. Meran, eine Stadt zwischen Nostalgie und Aufbruch. Das reicht garantiert für ein paar Glücksmomente!



Kurverwaltung, Freiheitsstr. 45, I-39012 Meran, www.meran.eu

Berge
UND SEEN

Vorhang auf am Hochgang – vor den Spronser Seen

Spannung und Highlights. Davon lebt das Kino, und bei mancher Wanderung verhält es sich ganz ähnlich. Auch bei der großen Seenrunde in der Texelgruppe. Den Auftakt macht die Seilbahnfahrt zum Hochmuth, die lediglich ein paar Minuten dauert. Entschieden länger ist man dann – auch bei recht zügigem Gehtempo – zum Hochganghaus (www.hochganghaus.it) unterwegs. Da bietet sich eine Rast an, Cappuccino inklusive. Eine kleine Stärkung kann auf keinen Fall schaden, denn der Anstieg zum Hochgang hat’s durchaus in sich, bringt auch gut Trainierte ins Schwitzen. Oben am Joch (das seinen Namen wirklich verdient) öffnet sich – ganz unvermittelt – der Vorhang, und man steht vor einem wie von Göttern gemalten Bild: Berge in Braun und Grün, mittendrin der tiefblaue Langsee.

Die Spronser Seenplatte versteckt sich, von keiner Seite einsehbar, mitten in der Texelgruppe. Und weil das gesamte Massiv heute unter Naturschutz steht, gibt’s rund um die Hochgebirgsseen weder Straßen noch Lifte. Hier sind nur Fußgänger unterwegs, ordentlich trainierte, denn alle Wege zu dem Südtiroler Naturwunder sind weit, die Höhenunterschiede beträchtlich.

Man umrundet den Langsee im Uhrzeigersinn, steigt nach einem Abstecher zum Milchsee kurz ab zum Grünsee und – vorbei am winzigen Mückensee – weiter zur Einkehr am Oberkaser (www.oberkaseralm.it).

Der Rückweg ist dann mehr Höhenwanderung als Abstieg. Am Pfitscher Schartl verlässt man die Seenplatte und folgt dem Jägersteig hoch über dem Spronser Tal bis hinaus zum Mutkopf, ganz allmählich an Höhe verlierend. Zuletzt geht’s im Wald steil bergab zur Seilbahnstation Hochmuth, dem Start- und Zielpunkt der großen Runde.

Fazit: die schönste Filmaufführung seit Langem, in Zeitlupe und draußen. Und die Regie ist wahrhaft oscarreif.



www.merano.eu > Aktiv & Entspannen > Bergtour zu den Spronser Seen

Sisi war
SCHON DA

Das Gartenwunder rund um Schloss Trauttmansdorff

Merans jüngste, bunteste und fein duftende Sehenswürdigkeit liegt östlich außerhalb der Stadt: die Gärten von Schloss Trauttmansdorff. Auf einer Fläche von rund zwölf Hektar entfaltet sich eine Pflanzenwelt, die buchstäblich bis ans Ende der Welt reicht, dabei aber die Landschaften Südtirols nicht übersieht. So stehen hier ein Olivenbaum aus Sardinien, immerhin 700 Jahre alt, und eine Wollemia nobilis, ein Nadelbaum, der als ausgestorben galt, dann aber in Australien wiederentdeckt wurde.

Dem Besucher bietet sich ein faszinierendes Spektakel, das sich übers Jahr ständig wandelt: Natur in 1000 Facetten, sich immer wieder neu erfindend. Die Saison startet im Frühling mit einer wahren Farbenorgie. Überall blüht es, man kann das Leben riechen, und das Auge ist überwältigt von einer einmaligen Vielfalt. Die Gärten verwandeln sich in einen Blumenteppich: Narzissen, Tulpen und Kaiserkronen mit ihrem typischen Laubblattschopf, Ranunkel, Islandmohn und viele andere Pflanzen sorgen für ein herrlich buntes Bild, Kamelien und japanische Zierkirschen für exotische Akzente. Im Sommer verströmt das Lavendelfeld unterhalb des Schlosses seinen lila Provence-Duft, im großen Teich schwimmen Seerosen und Lotosblüten. Der Herbst bringt die Laubbäume zum Leuchten, ihre Blätter verfärben sich rot und gelb, Trauben, Granatäpfel und Oliven reifen. Und auf den Gipfeln der Texelgruppe liegt bereits der erste Schnee. Was für ein Zauber!

Im neugotischen Schloss Trauttmansdorff, in dem Sisi während ihrer Meranaufenthalte gerne logierte, ist heute das Touriseum untergebracht. Es thematisiert auf originelle Weise die Geschichte des Südtiroler Fremdenverkehrs.



Schloss Trauttmansdorff, St.-Valentin-Str. 51a, I-39012 Meran, www.trauttmansdorff.it, April –Mitte Okt. tgl. 9–19, Mitte–Ende Okt. 9–18, Anfang–Mitte Nov. 9–17 Uhr

Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
09 kasım 2024
Hacim:
218 s. 164 illüstrasyon
ISBN:
9783734321894
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
İndirme biçimi:

Benzer kitaplar