Kitabı oku: «1001 Tausendundeine Lüge»

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Evelyne Kern

1001 Lüge

Bezness – das Geschäft mit den Gefühlen europäischer Frauen und Männer


Bibliografische Informationen der Deutschen Bibliothek:

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte Dateien sind im

©Autorin: Evelyne Kern (Alle Rechte)

Herausgeber: Red Scorpion Books e K.

Vertrieb: Zeilenwert® /Libreka

Redaktion: www.evelyne-kern.de ISBN EPUB: 9783944224527

Evelyne Kern

1001 Lüge

Bezness – das Geschäft mit den Gefühlen europäischer Frauen und Männer

Die Autorin spendet die Tantiemen aus diesem Buch

dem Verein CiB e.V. –www.CiBev.de

Danke für die Unterstützung:

Dieses Buch enthält Beiträge von

Psycho-Therapeutin Dr. Yvonne Arnhold

Journalist Guido Grandt und der

CiB e.V.-Ansprechpartnerin Martina Plesse

Inhaltsverzeichnis

Wie es zu diesem Buch kam

Was ist Bezness?

Bezness aus psychologischer Sicht

Bezness - die Beweise

Die verschiedenen Varianten von Bezness

Das AMIGA-Syndrom

Die Argumente der „Gutmenschen“

Der Umgang der Behörden mit dem Thema Bezness

Entführte Kinder

Warum Bezness oft mit Sextourismus verwechselt wird.

Die Wut der Betroffenen

Betrogene Männer sollten ihr Schweigen brechen

Homosexuelle leben in Bezness-Ländern gefährlich.

Bezness aus der Sicht eines Familienangehörigen

Islam und Bezness

Bezness aus der Sicht einer Ansprechpartnerin

Zusammenfassung

Hilfe zur Selbsthilfe mit Fragebögen

Die Fakten, die Hilfe und was Bezness den Staat kostet

Anerkennung und Allgemeines

Literatur zum Thema

Die Presse über Bezness

Quellennachweise

Dieses Buch ist allen Frauen und Männern gewidmet, die an die große Liebe glaubten und am Ende erkennen mussten, dass sie nur Mittel zum Zweck waren.

Wie es zu diesem Buch kam

Ich weiß nicht, wie lange ich schon den Gedanken mit mir herumtrage, dieses Buch zu realisieren. Deshalb zu realisieren, weil es immer noch genügend Menschen gibt, die erstaunt dreinblicken, wenn man ihnen etwas über Bezness erzählt. Immer wieder stellte ich diesen Gedanken hinten an und immer dann, wenn wieder ein besonders schwerer Fall von Bezness bekannt wurde, der bearbeitet werden musste und die Betroffene unsere Hilfe benötigte, sagte ich mir: Es reicht, die Öffentlichkeit muss erfahren, was hier vor sich geht!

Einen kleinen Teil der Welt habe ich ja bereits erreicht. Immerhin haben bis dato Millionen Menschen die Internetseite 1001Geschichte.de besucht und sich über Bezness informiert. Auch habe ich meine Kraft dafür verwendet, die Medien zu sensibilisieren. Viele folgten und unterstützten uns mit umfangreichen Berichterstattungen (siehe Medien im Anhang). Aber dazu später mehr.

Manche Menschen haben es verstanden, andere dagegen reagieren völlig verständnislos. Bezness … was ist das?

Vor mehr als 20 Jahren begegnete ich dem Geschäft mit den Gefühlen das erste Mal.

Es war 1989 als ich in Tunesien auf den Mann traf, der mein ganzes Leben veränderte. Ihm zuliebe und weil meine Ehe in Deutschland ohnehin am Ende war, zog ich in das muslimische Land in Nordafrika. Als Journalistin könne man überall auf der Welt arbeiten, dachte ich – doch das gestaltete sich schwieriger als ich annahm. Mit Englisch konnte man dort nicht viel anfangen, mein Französisch reichte nicht aus und Arabisch musste ich erst lernen. So schrieb ich anfangs lediglich Reiseberichte, die oft gar nicht gesendet oder gedruckt wurden, weil ich schrieb, was mir in diesem Land nicht gefiel und sie so der Zensur zum Opfer fielen. Ansonsten lebte ich von meinen bescheidenen Anteilen an einer Zeitung in Deutschland.

Das Leben in Tunesien war anfangs schön. Zwei Jahre lang pendelte ich noch hin und her, bis mich mein tunesischer Freund mit seinem Charme und gekonnten Liebesschwüren dazu brachte, ganz in sein Land zu ziehen. Ich verkaufte die Zeitungsanteile, heiratete ein weiteres Jahr später meine vermeintlich große Liebe in Tunesien und baute das Traumhaus am Meer. Weitere zwei Jahre lang erlebte ich den Himmel auf Erden – bis …, ja, bis alles fertig war und wir das Haus beziehen konnten. Ich habe nicht nur das Haus gebaut, sondern damit auch den Grundstein für die Hölle gelegt, in der ich fortan lebte.

Als Jahre danach alles zu Ende war und ich nicht mehr weiter wusste, schrieb ich mir alles von der Seele. Der Roman Sand in der Seele wurde ein Erfolg. Ich bekam hunderte Briefe von ebenfalls betroffenen Frauen, die sich auf einen Tunesier eingelassen haben und ähnliches erlebten. Mir war klar, dass ich etwas tun musste. Das Buch war dann auch die finanzielle Basis und ausschlaggebend für die Arbeit, die schließlich für mich und einige anderer wunderbarer Frauen zur Lebensaufgabe wurde: Der Kampf gegen Bezness.

Im Juli 2002 wurde die Idee geboren, eine Hilfeseite für Bezness-Opfer ins Netz zu stellen. Damals ging das nicht so einfach wie heute, man musste viel Geld investieren, einen Webdesigner beauftragen und dann lange darauf warten bis die Internetseite so stand, wie man sich diese vorgestellt hatte. Im Februar 2003 war es dann endlich soweit: 1001Geschichte.de war im Netz, fand im angegliederten Forum für Betroffene ganz schnell viele engagierte Mitstreiterinnen und schon kurze Zeit später war diese Internetseite Anlaufpunkt für viele betrogene Frauen.

Heute ist 1001Geschichte.de Europas größte Website zum Thema, hat mehrere Millionen Zugriffe und ist weltweit (laut Google-Analytik wird sie in vielen Ländern aufgerufen) mehrere hunderttausend Mal verlinkt. Der Begriff „Bezness“ wurde durch uns weiter verbreitet und fand Einzug in den Sprachgebrauch vieler Medien und Foren.

So wurden Sand in der Seele und 1001Geschichte.de zu den Vorreitern aller danach gegründeten Websites und den Bücher, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Die ständig neuen „Wahren Geschichten“ bei 1001Geschichte sind Lesestoff für tausende Menschen.

Dabei fing alles nur mit einer, meiner eigenen Geschichte aus Tunesien an. Heute sind auf der Website alle Länder vertreten, in denen Bezness betrieben wird. Auch die Themen „Bezness im Internet“ und „Bezness in Deutschland“, wie es z.B. von Asylbewerbern und Heiratsschwindlern aller Nationen betrieben wird, werden intensiv beleuchtet. Woche für Woche erscheinen neue erschütternde Geschichten und Berichte von Frauen und immer mehr Männern. Langsam trauen auch diese sich einzugestehen, dass sie einer Liebesbetrügerin zum Opfer gefallen sind. Viele haben sich dem Kampf gegen diesen verachtenswerten Betrug namens Bezness angeschlossen.

Im Verlauf dieses Buches werden Sie einige dieser „Wahren Geschichten“ lesen, die Ihnen die Augen öffnen werden. Nein, es sind keine Märchen aus 1001 Nacht, sondern echte, wahre Schicksale, wie sie das Leben schreibt. Namen und Daten der Autoren sind, wie es das Urheberrecht vorschreibt, hinterlegt. Aus Datenschutzgründen werden wir diese nicht veröffentlichen.

Fangen wir mit der Geschichte an, die neben dem Buch bei der Geburtsstunde von 1001Geschichte.de in Kurzform den Grundstein legte und die bis heute weit über 75.000 Mal heruntergeladen und gelesen wurde. Es ist meine eigene Geschichte.

Wahre Geschichte Nr. 1 – Evelyne
Kurzfassung des Buches „Sand in der Seele“

Eine Ehekrise und eine Phase, die ihr seelisches Gleichgewicht ins Wanken bringen, veranlassen Evelyne ihre Koffer zu packen, um für ein Weilchen abzuschalten. Sie bucht eine Last Minute Reise nach Tunesien und landet zufällig in Zarzis, nahe der libyschen Grenze.

An der Rezeption ihres Hotels trifft sie auf den Mann, der ihr ganzes Leben verändert. So unglaublich es klingt, dieser schöne junge Mann sieht sie und weiß, sie wird seine Frau. Zwei Wochen lang genießt sie seine Gesellschaft, ohne dass er sie ein einziges Mal berührt. Außer einem einzigen Kuss war nichts zwischen den beiden vorgefallen. Seine konsequente Zurückhaltung, sein tadelloses Benehmen und seine Sicherheit, dass er nur sie will, ist etwas, was nicht in ihren Kopf geht und dennoch – am Ende dieses Urlaubs hat sie sich in ihn verliebt.

Zunächst versucht Evelyne, diesen Mann zu vergessen, aber bereits zwei Monate später landet sie abermals in Zarzis und in seinen Armen. Diesmal erlebt sie eine nie gekannte Leidenschaft und weiß bereits nach einer Woche, das ist der Mann ihrer Träume.

Sie trennt sich nun endgültig von ihrem Ehemann und fährt abermals zwei Monate später mit dem Auto nach Tunesien, um dort zunächst ein paar Monate zu leben. Sie erlebt den Himmel auf Erden und schon ein Jahr später hängt sie ihren Beruf als Chefredakteurin und damit ihre sichere Existenz an den Nagel und zieht mit Sack und Pack nach Tunesien um ihre große Liebe zu heiraten.

Sie bringt fast ihr ganzes Vermögen in dieses Land und verwirklicht ihren Traum vom „Weißen Haus“ am Meer. Weil sie ihren Beruf dort kaum ausüben kann, baut sie zusätzlich eine Ferienwohnung, die sie an Touristen vermietet.

Sie erlebt die orientalische Welt pur, versucht mit der islamischen Kultur klarzukommen und fühlt sich in kürzester Zeit in diesem fremden Land zuhause.

Dass sie ständig unter Beobachtung steht, keinen Schritt ohne ihren Mann oder einen seiner männlichen Verwandten tun kann, empfindet sie zunächst als angenehm, fühlt sie sich doch in dieser fremden Welt „beschützt“. Erst als sie anfängt Kontakt zu anderen deutschen Frauen aufzunehmen, stößt sie auf massiven Widerstand. Ihr Mann zeigt sich nun von seiner wahren Seite. Er versucht, sie einzusperren, schlägt sie und verbietet ihr jeglichen Kontakt zu anderen Menschen außer seiner Familie. Doch Evelyne setzt sich durch, zeigt einen eisernen Willen, selbst dann noch, als er sie mitten in der Nacht barfuß aus dem Hause jagt, obwohl es draußen von Skorpionen nur so wimmelt. Sie läuft den steinigen Berg hinab zu seinen Eltern und appelliert an den Glauben seines Vaters.

Als Amor begreift, dass ihr Wille stärker ist als seiner, verlässt er sie. Er geht nach Deutschland um zu arbeiten und lässt sie allein in dem ihr fremden Land zurück. Die wenigen Wochen, die er im Jahr in seiner Heimat verbringt, widmet er fast ausschließlich seiner Familie.

Weil Evelyne sich ihm verweigert, wird er nun zum Tyrannen. Er beauftragt seine Familie, ihr das Leben dort so schwer wie nur möglich zu machen. Deren Attacken treiben sie an den Rand des Wahnsinns und der Verzweiflung – aber sie hält stand.

Jetzt spielt sie mit dem Gedanken an Scheidung. Sie vertraut auf die Politik des Präsidenten Ben Ali und auf die Gleichberechtigung der Frau in diesem Land. Ein Anwalt versichert ihr, dass das, was sie mit in die Ehe bringt, ihr gehört und dass sie auf jeden Fall ihr Recht in diesem Land bekommt.

Aber es soll noch ein Jahr vergehen, bis sie sich endgültig zu diesem Schritt entschließt. Sie fliegt nach Deutschland um mit Amor über eine Trennung zu sprechen. Er fleht und weint, bittet ihn nicht zu verlassen, hat aber nur seine gefährdete Aufenthaltserlaubnis im Kopf. Evelyne aber kann nicht mehr, sie will nichts mehr hören und sehen und fliegt kurz entschlossen zu ihrer Schwester nach Texas/USA. Dort erreicht sie ein Anruf einer deutschen Freundin aus Zarzis. Amor ist in Tunesien und unternimmt alles nur Erdenkliche, sie in Zarzis schlecht zu machen. Evelyne ändert ihre Pläne und fliegt drei Wochen später wieder nach Zarzis.

Ihr Mann hat dort ganze Arbeit geleistet und war dann sofort wieder nach Deutschland verschwunden. Er hat nicht nur sämtliche Papiere gestohlen und allen ihren Freunden erzählt, er hätte sie aus „seinem“ Haus geworfen, weil sie untreu war und sie würde niemals wieder nach Tunesien kommen, weil er dafür gesorgt hätte, dass sie ihre Aufenthaltsgenehmigung verliert. Auch hat er von sich aus die Scheidung eingereicht, damit er nicht sein Gesicht verliert.

Nun beginnt der Horror. Als ihr Schwiegervater und ihre drei Schwäger begreifen, dass Evelyne nicht bereit ist, kampflos aufzugeben, schlagen sie ihr zunächst vor, Amors Bruder zu heiraten, damit alles in der Familie bleibt. Evelyne ist fassungslos, wird wütend und beschimpft sie. Dann geht sie zur Polizei, um ihre gestohlenen Autopapiere wiederzubekommen, ohne Erfolg. Sie geht zum besten Anwalt der Stadt, muss aber feststellen, dass dieser bereits für die Familie gegen sie arbeitet. Ein tunesischer Freund bringt sie zu einer Anwältin, die scheinbar noch nicht von der Familie gekauft ist. Das ärgert die Herren Schwäger so sehr, dass sie nun nachts in ihr Haus kommen, sie quälen und misshandeln. Aus purer Angst verlässt sie schließlich ihr Traumhaus und sucht Unterschlupf in einer ausgebauten Garage bei deutschen Freunden. Sie kann gerade noch ein paar persönliche Sachen aus dem Haus holen, bevor die Familie die Schlösser auswechselt und einen Wächter abstellt. Ihr Auto kann Evelyne bei Freunden verstecken, aber nicht mehr fahren, da die Papiere fehlen und inzwischen Steuern und Versicherung abgelaufen sind.

Ihr Mann erstattet Anzeige gegen sie wegen Diebstahl von Hausrat und Auto. Sie wird von der Polizei abgeholt und wie eine Verbrecherin behandelt. Ihr Schwiegervater behauptet, dass es sein Haus sei und Evelyne es nur gemietet hätte, obwohl sie alle Bankbelege vorlegen kann.

Viele Male wird sie vor Gericht gezerrt, bis die Scheidung ausgesprochen wird und obwohl sie ausdrücklich daraufhin weist, dass sie zwar auf Unterhalt, jedoch nicht auf ihr Eigentum verzichtet, schreibt man in die arabische Scheidungsurkunde, dass sie auf alles verzichtet.

Hinterher muss sie feststellen, dass nicht nur die Anwältin, zu der sie Vertrauen hatte, sondern auch der vereidigte Dolmetscher von der Familie bezahlt wurde. Zwei weitere Anwälte aus einer Nachbarstadt versuchen ihr Glück, aber auch diese können ihr letztendlich nicht helfen. Aber Evelyne gibt nicht auf. Sie schreibt an die Deutsche Botschaft, den Justizminister, den Innenminister und sogar an Ben Ali persönlich.

Niemand hilft ihr. Erst der vierte Anwalt hat Mitleid. Er ist ein korrekter Mann und reicht eine Zivilklage gegen Amor und seine Familie ein. Nach nochmals zwölf nervenaufreibenden Verhandlungen, die allesamt in arabischer Sprache abgehalten werden und für die sie jedes mal 120 Kilometer mit dem Bus, mit dem Taxi oder mit Freunden fahren muss, sofern die sich trauen, denn auch sie werden inzwischen massiv bedroht, ist sie am Ende ihrer Kräfte. Die letzte Verhandlung findet im November statt. Die Akte wird geschlossen, ihre Klage ohne Begründung abgewiesen. Sie bricht zusammen, rastet aus, schlägt ihrem Anwalt ins Gesicht und landet 10 Minuten später beim Staatsanwalt. Dem erzählt sie unter Tränen noch einmal ihre ganze Geschichte. Er verspricht ihr zu helfen – aber sie glaubt ihm kein Wort mehr – niemandem mehr.

Vierzehn Tage später verlässt sie völlig mittellos, gedemütigt und traumatisiert das Land und beginnt ihre Erlebnisse aufzuarbeiten, in dem sie „Sand in der Seele“ schreibt.

Aus rechtlichen Gründen muss sie allerdings alle Namen ändern. Aus Evelyne wird Sabrina.

Ein Jahr später führt sie ihren Prozess in Deutschland nach internationalem Recht weiter und gewinnt. Ihr Ex-Ehemann und sein Vater werden in Abwesenheit verurteilt, ihr das in das Haus investierte Geld zurückzuzahlen. Doch alle Versuche, das ihr zustehende Geld mittels eines Gerichtsvollziehers einzufordern, scheitert an der Tatsache, dass jeder Gerichtsvollzieher wiederum bestochen wird. Alle vollstreckbaren Ausfertigungen und Zwangsvollstreckungsmaßnahmen verlaufen im Sande und landen auf Nimmerwiedersehen in irgendwelchen Schubladen. Bis heute sieht Evelyne keinen Cent. Ein vollstreckbares Urteil gilt in Tunesien 20 Jahre. Ein paar Jahre hat sie noch Zeit. Die Hoffnung, irgendwann ihr Recht zu bekommen, hat sie allerdings längst aufgegeben und behandelt ihre eigene Geschichte wie eine von den vielen hundert Beznessgeschichten auch.

*

Was ist Bezness?

Zunächst muss natürlich der Begriff erklärt werden. Bezness, ein Kunstwort, das seinen Ursprung in dem arabischen Film von Nouri Bouzid hat. Der tunesische Filmemacher beschrieb bereits 1978 die Anfänge des Bezness so: Herumlungernde Einheimische auf den Straßen und an den Stränden Tunesiens, die Ausschau nach europäischen Frauen hielten. Immer mit der leisen Hoffnung im Hinterkopf, eine von ihnen könnte sich in ihn verlieben und ihm schließlich das reiche Europa mit all seinen Vorzügen auf dem goldenen Teller präsentieren. (Siehe Quellennachweise)

Schon damals sahen viele junge Männer, die keine Möglichkeit hatten ihr Land zu verlassen, die europäische Frau als Mittel zum Zweck, als „Visum“ auf zwei Beinen, wie einige von ihnen es heute noch auszudrücken pflegen. Wenn sich hier auch noch das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden lässt, warum nicht? Eine Frau für körperliche Bedürfnisse (die eigenen Mädchen darf ein Moslem vor der Ehe nicht anrühren), ein angenehmes Leben durch ihr Geld und schließlich durch Heirat eine Aufenthaltserlaubnis für das Land, auf dem die Geldscheine ihrer Ansicht nach auf den Bäumen zu wachsen scheinen.

Durch die intensive Arbeit bei 1001Geschichte, die unaufhaltsame Verbreitung der „Wahren Geschichten“ und tausenden von Verlinkungen im Internet verbreitete sich der Begriff Bezness relativ schnell. Heute ist er im Sprachgebrauch vieler Medien und einschlägigen Foren zu finden.

Bezness findet aber nicht nur in Tunesien statt. Mittlerweile findet dieser Geschäftszweig, der im Grunde mafiöse Strukturen aufweist, in fast allen Urlaubsländern statt. Also in Tunesien, Ägypten, Marokko, der Türkei. In Kenia und Gambia, in Nigeria, auf Sri Lanka und vielen anderen Ländern.

Fragt man einen jungen Mann aus Nordafrika, der offensichtlich europäischen Frauen nachstellt, was er da treibt, so ist die Antwort: Ich mache Bezness! Gemeint ist Business. Das Geschäft mit den Gefühlen gutgläubiger Frauen oder auch manchmal Männern. Aber dazu später mehr.

In seiner Heimat ist ein Mann, der in Europa arbeitet, um die arme Familie zuhause zu unterstützen, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft. Jeden Sommer kommt er mit dem, wenn auch oft für diesen Zweck geliehenem Auto, in die Heimat. Vollgepackt mit Geschenken und den wortreichsten Versprechungen, dass alles noch viel besser werde, wenn er erst mal die versprochene Jungfrau zwecks Heirat nach Europa holt und die Familie nachholen kann.

Die monatlichen Überweisungen des großen Bruders an die Mutter, die den Sohn in der Ferne ständig in den Himmel hebt, beflügeln dann auch die jüngeren männlichen Familienmitglieder, das Geschäft Bezness zu erlernen. Und wo könnten sie das besser, als auf der großen, weiten „Strandakademie“? Hier zeigen die Profis, wie man die reichen, europäischen Frauen erobert, die einem das alles ermöglichen, was sich der Beznesser erhofft.

In prahlerischen Erzählungen unter einheimischen Männern wird dann in den Cafés, wo man großzügig Tee und Cola spendiert, geschildert, was man sich im reichen Europa alles geschaffen hat und was man für eine tolle Position hat. Aus einem Lagerarbeiter wird ein Abteilungsleiter, aus einem Fensterputzer ein Teamleiter, aus einem Autowäscher ein Verkaufsleiter bei Mercedes, aus einem Hamburger-Bräter beim berühmten goldenenM ein Filialleiter der großen Kette. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, schließlich wissen die Menschen zuhause ja nicht, dass 800 Euro Brutto-Monatslohn in Deutschland ein sehr geringer Lohn ist. In Tunesien verdient ein Lehrer oder Polizist gerade mal 300 bis 400 Euro im Monat. Auch lernen sie, dass die deutsche Frau zuhause die Miete bezahlt, die oft höher ist als sein eigener Lohn. Auch wissen sie schnell, dass man in Deutschland die Frau nicht ernähren muss, wenn man nicht will. Eine deutsche Frau hat ein Helfersyndrom und überhaupt nichts dagegen, dass der Mann seinen Lohn für sich behält, ihn aber trotzdem mit ernährt. Man muss sie nur bei der Stange halten und auch ab und zu mal lieb zu ihr sein und ihr immer wieder vergewissern, dass man sie beschützt und immer zu ihr hält, auch wenn das orientalische Temperament manchmal Oberhand gewinnt. Eine deutsche Frau verzeiht schnell, wenn man die richtigen Worte findet.

Die Jungs lernen auch ganz schnell, dass man in Deutschland Geld vom Staat bekommt, wenn man nicht arbeiten will und dass der Staat auch die Arzt- und Krankenhauskosten bezahlt und dass man mit seiner Krankenversicherungskarte auch Gutes tun kann und die nicht versicherten illegalen Landsleute zum Arzt schicken kann. Die Deutschen sind zu gutgläubig. Sie merken das nicht – allerdings funktioniert das durch die neuen Karten mit Bild nicht mehr lange.

Die vielen Kniffe und Tricks, um in Deutschland sorgenfrei leben zu können, auch ohne zu arbeiten, sprechen sich schnell herum. Und dass man sich sogar seinen Aufenthaltstitel sichern kann, wenn die Frau sich scheiden lässt, weil sie nicht begreift, dass der Mann das Sagen im Haus hat und verdiente Prügel, ohne ihn zu fragen, bei ihrem Anwalt als Körperverletzung hinstellt, wird haargenau erklärt: „Sei nicht dumm, mach ihr schnell ein Kind, dann darfst du immer in Deutschland bleiben, auch wenn die undankbare Alte weg ist! In Deutschland hat ein Kind das Recht auf Vater und Mutter.“

Viele dieser Gespräche unter Einheimischen habe ich in meinen tunesischen Jahren immer wieder in den Strandcafés belauschen können. Kaum einer von ihnen sprach die Wahrheit und wenn es mal einer versuchte und erzählen wollte, dass man in Deutschland keine Chance auf einen gut bezahlten Job hat, wenn man nichts gelernt hat, dann wurde er ausgelacht, als „Hmar“ (arabisch für Verlierer) betitelt und verächtlich beschimpft: „Wahrscheinlich hat du deine europäische Schlampe nicht richtig dazu erzogen, dir genügend Geld und einen anständigen Job zu verschaffen“, usw.

Woher sollten die Jungs auch wissen, dass das Geld in Deutschland nicht auf den Bäumen wächst, wenn die Cousins doch jedes Jahr mit den großen Autos und Geschenken kommen?

Was lernen die Strandboys nun zuerst? Natürlich wie man eine Frau bezirzt. Wie man ihr schöne Augen macht und was man ihr sagen muss, damit sie aufmerksam wird.

Nun hat ja der Araber ohnehin eine sehr blumige Sprache, wenn es um die Liebe geht. Viele arabische Lyriker und Gedichteschreiber bezeichnen die Frau in ihren Werken als die schönste Blume, das Juwel, auf das man achten muss, der Schatz, der gehütet werden muss, das liebste, schönste, reinste und wunderbarste Geschöpf, das ihm je begegnet ist.

Wir haben aus der reichen Korrespondenz mit dem Habibi (Arabisch für Liebling) und dem Askim (Türkisch für Liebling) der Betroffenen eine Liste mit den schönsten Liebeserklärungen erstellt.

Ganz sicher findet so manche Leserin genau die Worte hier wieder, die auch sie für einmalig hielt.

Liste der feinsten Lügen

• Die Zeit mit Dir in Tunisie ging vorbei wie ein weißes Segel im Wind. Du fehlst mir so sehr

• Deine Augen sind wie leuchtende Sterne am Himmel

• Du bist die schönste Blume, mein Diamant, mein Kleinod

• Ich werde Dich immer lieben, mehr als mein Leben

• Ich gebe mein Blut für Dich, meine Liebe

• Mein Leben hat keinen Wert ohne Dich

• Ich kann nicht essen, nicht schlafen, wenn Du nicht bei mir bist

• Ich verhungere ohne Dich, Du bist meine Nahrung

• Meine Welt ist nichts ohne Dich

• Ich wusste vom ersten Blick in Deine Augen, Du wirst meine Frau, auf immer und ewig

• Du hast mein Herz gestohlen, jetzt ich kann nicht mehr sein ohne Dich

Und viele, viele mehr ….

Befragt man Frauen, ob ihnen solche heiß ausgesprochenen Worte aus hauchender Männerkehle, verbunden mit glühenden Blicken aus tiefbraunen, mit langen Wimpern umrahmten Augen, die, wenn es notwendig ist, sich sehr schnell verwässern können, so dass eine Träne herausquillt, nicht auch den Verstand rauben würden, so gibt es kaum eine, die das verneint. Würde nicht jede Frau zumindest für einen Moment schwach werden? Wann hört man schon in unserem kalten Deutschland, das geprägt ist von Verstand und Vernunft, von Gleichberechtigung, Frauenbewegung und Hausmännern, sowie der oft fehlenden Romantik, solche Worte? Welcher deutsche Mann wirbt so um eine Frau? Welcher Mann umwirbt so eine Frau? Vielleicht war das früher mal anders und ist im Zuge der Emanzipation der Frau abhanden gekommen, als sich der Mann langsam aber sicher nicht mehr überlegen fühlte, sondern lernte, auf seine Frau zu hören und alles gemeinsam mit ihr zu machen. Alles kann man eben nicht haben. Emanzipation auf der ganzen Linie, Mitbestimmungsrecht, einen liebevollen Partner, der seine Frau respektiert, gleichzeitig aber den starken, geheimnisvollen Macho, der einem bei Bedarf die Sterne vom Himmel holt.

Dennoch, die Sehnsucht nach Romantik war immer da und wird immer da sein. Frau will vergöttert werden, wenn auch nur heimlich und ganz verborgen im Inneren.

Und dann trifft sie im Urlaub oder in der heimischen Straßenbahn auf den Mann, der sie mit dunklen Augen anstarrt, als sei sie ein Weltwunder. Und wenn er spürt, dass ihr das nicht unangenehm ist, hat sie schon verloren und das Spiel beginnt.

Das alles weiß natürlich der geübte Beznesser und hat sich längst schon darauf eingestellt.

Jetzt mögen viele Leser mit dem Kopf schütteln und sich fragen, wie es passieren kann, dass sich eine westlich erzogene und intelligente Frau in „so einen“ verlieben kann. Doch Liebe lässt sich weder erklären noch beweisen.Zunächst aber sollte man erwähnen, dass das, was eine westliche Frau denkt, die mit ganz anderen kulturellen Hintergründen und Werten aufgewachsen ist als der Orientale, von ihm ganz anders gewertet und auch gedacht wird. Darüber sind sich westliche Frauen, die in einen Mann aus islamischem Kulturkreis verliebt sind, leider in den seltensten Fällen bewusst.

*

Bezness aus psychologischer Sicht

Die Bayreuther Psycho-Therapeutin Dr. Yvonne Arnhold (siehe Quellennachweis) hat mit der Liste der feinsten Lügen ein Problem. Sie meint, dass die Aussagen der Beznesser eigentlich keine Lügen sind: Sie wollen wirklich heiraten und wirklich Kinder bekommen, für sie bedeutet das eben nur etwas ganz anderes. Die Beznesser nutzen dabei nur die kulturelle und anerzogene Mentalität der westlichen Frauen für ihre Zwecke.

So würde z.B. die Übersetzung der Aussagen eines Beznessers laut Dr. Arnhold lauten:


Du bist schön, du gefällst mir Mit dir komme ich zu sozialem Aufstieg und zu einer gesicherten Zukunft
Du bist die Erfüllung meiner Träume Du bringst mir Geld, eine Aufenthaltsgenehmigung in deinem Land
Ich möchte mit Dir leben Du wirst mich verwöhnen, mir ein Auto, ein Handy, einen höheren Lebensstandard verschaffen

Wie eine taffe Frau zum Opfer wird

von Dr. Yvonne Arnhold

So kann auch die taffeste Frau zum Bezness-Opfer werden und in den schlimmen Kreislauf kommen, der leider nicht immer positiv endet.

Beznesser haben ein ausgeprägtes Gespür für die Schwachstellen im Selbstbewusstsein einer Frau. Die weniger Geübten arbeiten freilich eher nach der Methode Trial and Error: „Bei dreihundert Frauen, die ich in einer Urlaubssaison anspreche, werden schon drei hängen bleiben.“

Doch über Letztere zu reden lohnt kaum der Mühe. Interessanter sind die Methoden der Beznesser, die etwas eleganter und intelligenter vorgehen.

Dazu ist zu fragen: Was sind die Schwachstellen einer Frau, die einem Beznesser auffallen können und wo kommen diese Schwachstellen her?

Sie wachsen in der Diskrepanz zwischen dem westlichen (Familien-)System heute und den Idealvorstellungen, wie es einmal war und dementsprechend in den westlichen Vorstellungen von einer idealen Partnerschaft und einer Partnerschaft, wie sie heute lebbar ist.

So sieht sich eine Frau – gerade in der mittleren Generation – permanent einer Überforderung durch ihre Umwelt ausgesetzt, der sie gar nicht entsprechen kann. Sie soll emanzipiert und durchsetzungsfähig im Beruf, aber gleichzeitig auch angepasst und opferbereit in der Familie sein. Sie soll im Beruf alles durchschauen und klare Grenzen setzen, zuhause aber manipulierbar und auf die – für die Anderen – richtige Größe reduzierbar bleiben. Um dies zu erreichen spart die Umwelt (Familie) nicht mit Kritik – und je mehr die Frau nach außen erreicht, umso mehr braucht es dann natürlich innen diese Kritik und das Zieren, wenn es darum geht, diese Frau mit der notwendigen Achtung zu behandeln. Ungestraft darf jeder, der will, sich über ihr Äußeres auslassen, über ihr Alter, ihre Figur, ihre Haushaltsführung, ihr Verhalten den Eltern, den Geschwistern, dem Mann gegenüber. Ihre eigenen Bedürfnisse werden dabei ganz selbstverständlich als etwas betrachtet, das im Familienverbund oder im Freundeskreis nur stört und ihr deshalb nicht zustehen.

Je mehr aber die Frau versucht, all diesen (oft auch unausgesprochenen) Forderungen nachzukommen, umso unerfüllbarer werden diese Forderungen. Schließlich geben die unerfüllten Forderungen der Umgebung das „Recht“, sich auf Kosten der Frau auszuleben. Der Mann darf fremdgehen, weil sie – wahlweise – nicht mehr taufrisch, zu fordernd, zu selbständig, auf dem Egotrip (weil nicht ständig verfügbar) oder zu langweilig ist. Die Liste kann beliebig verlängert werden. Die Kollegen können immer mehr Arbeit auf sie abladen, weil sie sich sowieso immer vordrängt, weil sie schon immer alles gemacht hat, weil man ihr nur so demonstrieren kann, dass sie eigentlich schon zum alten Eisen gehört. Auch diese Liste kann nach Belieben verlängert werden.

Dazu gehört auch die Ziererei des westlichen Mannes, wenn es um die Beziehung geht. Für ihn bedeutet eine Liebeserklärung gern etwas, das man halt macht, wenn es gar nicht mehr anders geht. Zu seiner Familie geht er selbst nicht gern und eine Frau mitnehmen bedeutet, Familie und Frau einen Stellenwert zu geben, den beide heutzutage nicht mehr haben. Kein Wunder also, wenn die westliche Frau auf die Werbung (im Doppelsinn) eines Mannes anspringt, der ihr all dies auf dem Silbertablett zu servieren scheint, was ihr die Männer aus dem eigenen Kulturkreis vorenthalten. Dazu kommt, dass diese Männer oft auch noch attraktiver, jünger und drahtiger sind als westliche.

Zu dieser Gruppe – nach außen durchaus durchsetzungsfähiger und erfolgreicher Frauen – kommen dann natürlich noch die Frauen, die schon von der Familie zum Opfer bestimmt sind, die sogenannten „identifizierten Patienten“ oder schwarzen Schafe, die eine Familie braucht, um überhaupt noch irgendwie zusammenzuhalten. Was gern geschieht, indem man ein Problem an ihr „erkennt“ (in sie hinein fantasiert). Das kann sein: „Immer gerät sie an die falschen Männer“, „Sie bringt es einfach zu nichts“, „Sie kann nicht mit Geld umgehen“, „Sie schafft es einfach nicht, abzunehmen (zuzunehmen)“, „Sie enttäuscht uns immer, da kann sie machen, was sie will“ …

Da kann die Frau sich gegen dieses Verdikt wehren wie sie will, irgendwann bringt das Familiensystem sie genau da hin, wo es sie haben will und treibt sie damit geradewegs in die Arme eines Beznessers.

Wie das Opfer zum Schuldigen wird

Ein erfolgreicher Beznesser kennt seine Zielgruppe genau und weiß meist schon nach dem ersten Gespräch, wo er ansetzen muss und wo die genaue Schwachstelle im Selbstwertgefühl seines Opfers ist. Oft reicht es natürlich auch, erst einmal allgemein dieses fehlende Selbstwertgefühl zu stärken – freilich nur, um es dann später wieder komplett einzureißen und damit die eigene Macht zu demonstrieren, wenn man für die Frau keine weitere Verwendung mehr hat oder etwas von ihr erpressen will.

Dazu gehört auch – durch die kulturelle Vorprägung der Frau – dass der Beznesser gnädig Dienste, Geschenke und andere Leistungen entgegennimmt und dafür die Anerkennung zollt, die die Frau zuhause für das Gleiche nicht bekommt.

Hat der Beznesser dann aber was er wollte, erlebt die Frau noch schlimmer das abschätzige Verhalten, das sie in westlicher Version schon kannte und das sie in islamischer Version noch abhängiger und hilfloser macht.

In gewisser Weise muss sich der Beznesser so verhalten. So wie Menschen Tiere missachten und ihnen Seele und Gefühle absprechen, um sie schlecht behandeln und quälen zu dürfen, so muss es auch ein Mann mit einer Frau machen, die er von Anfang an nur ausbeuten will. In dem Maße, indem er die Frau achten und respektieren würde, müsste er sich auch anständig verhalten und das ist schlecht fürs Geschäft.

Damit wird dann die Frau vom Opfer gleich mit zur Schuldigen. Um vom eigenen Fehlverhalten abzulenken, muss sowohl der Beznesser mit seiner Familie als auch die Familie, der Freundeskreis und die ganze westliche Umgebung der Frau Gründe finden, warum sie „es nicht besser verdient“ hat.

Die Schuldige ist also klar ausgemacht und das hat noch den schönen Nebeneffekt, dass sich niemand (außer CIB e.V.) in der Verantwortung sieht, dieser Frau zu helfen, wenn sie sich endlich mit letzter Kraft und total ausgeblutet aus den Fängen ihres Beznessers befreit hat und eher seelische Unterstützung bräuchte als zusätzliche Vorhaltungen.

Wie das „schuldige“ Opfer wieder zur zufriedenen Frau werden kann

Schließlich muss das bisherige Opfer jetzt Schwerstarbeit leisten. Es muss sich (und ihren Kindern) eine neue Existenz aufbauen, die schlimmen Traumata überwinden und sich gegen eine Gesellschaft verteidigen, die nur zu gerne bereit ist, die Ermordete zur Mörderin zu machen.

Hilfe auf psychologischer Ebene muss so aussehen:

Die Traumata bearbeiten. Das geht am besten mit schnellen Methoden wie Wingwave (siehe Quellennachweise), in denen besonders auch die Selbstverurteilungen bearbeitet werden, die Frauen erst zum potentiellen Opfer werden lassen (ich bin nicht liebenswert, ich bin hilflos ….) und die sie wohlgemerkt der Verurteilung aus ihrer Umwelt verdanken.

Es gilt also erst einmal herauszufinden, was die äußeren und inneren Voraussetzungen waren, die die Frau ansprechbar machten für einen Beznesser. Dann sind die Traumata zu heilen, die daraus entstanden, dass die vorgegaukelte Traumwelt einer Liebe geplatzt ist und man sich als ausgebeutetes und jetzt als wertlos missachtetes Opfer wiederfindet. Und dann braucht die Frau Unterstützung, um aus den Scherben ihrer alten Leben (dem westlichen vorher und dem orientalischen Scheinleben) wieder die alten Fähigkeiten und neuen Erfahrungen herauszuklauben und damit ein drittes, wieder lebenswertes Leben aufzubauen.

Sich wieder ein neues Leben aufzubauen gelingt vielen Frauen auch über die Tatsache, dass sie nur so ihren Leidensschwestern demonstrieren können, wie sehr es sich lohnt, um so ein neues Leben zu kämpfen und mit aller Kraft diejenigen zu warnen, die kurz davor sind, einem Beznesser in die Falle zu laufen.

Der Beznesser kennt seine „Zielgruppe“ und weiß, worauf das künftige Opfer anspricht.

*

Bezness – die Beweise

Natürlich kommt auch immer wieder der Vorwurf, dass das alles doch nicht wahr sei, dass man diese Geschichten erfindet oder an den Haaren herbeizieht. Das alles sei doch nicht so schlimm und wenn, seien schließlich die Frauen doch selbst schuld.

Beweise gibt es viele in Form von Dokumenten, Gerichtsurteilen, den vielen „Wahren Geschichten“, die auf 1001Geschichte.de veröffentlicht werden, Reportagen, der Schwarzen Liste und den autobiografischen Berichten, die teilweise in Buchform erschienen sind (siehe Literaturhinweise am Ende des Buches).

1. Die Schwarze Liste

Eindeutige Beweise sind die Meldungen auf der vom 1001Geschichte installierten „Schwarzen Liste“. Hier kann man für ein paar Euro, die für den Erhalt der Hilfeseite dienen, erfahren, ob der Mann, den man im Urlaub oder sonstwo kennengelernt hat, bereits auffällig war und von einer anderen Person gelistet wurde. Die Liste, die unter strengen Datenschutzauflagen geführt und verwaltet wird und auf der bereits tausende potentielle Beznesser gemeldet sind und die stetig wächst, hat schon so mancher Frau den Kopf wieder gerade gerückt und vor dem Schlimmsten bewahrt. Ein positiver Nebeneffekt dieser Liste, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, sind die vielen von beiden Seiten gewünschten Kontakte, die dabei unter den Betroffenen geknüpft werden. Auch kommen dadurch viele neue Geschichten zutage, die dann oft in den „Wahren Geschichten“ bei 1001Geschichte zur Abschreckung veröffentlicht werden.

2. Die Recherche

Einer, der es genau wissen wollte und seitdem hinter unserer Arbeit steht, ist der Enthüllungsjournalist Guido Grandt. Er reiste zusammen mit einem Reporterteam (Bild der Frau) „Auf den Spuren der Liebesmafia“ nach Kenia, in die Türkei und nach Tunesien. Mit versteckter Kamera gaben sie sich als Touristen aus, die an der Masche der Beznesser interessiert sind, um an Frauen heranzukommen.

Guido Grandt sagt dazu Folgendes: „Aus dem, was die Liebesbetrügervor versteckter Kamera auspacken, ist leicht das perfide System von Bezness zu erkennen. Aber lesen Sie selbst.“

„R” steht für „Reporter”, also für mich und „A” für den Kellner „Achmed” und „M” für den Hotelanimateur „Mehmet” (Namen geändert).

Auszug aus dem Filmtreatment („Auf den Spuren der Liebesmafia” von Guido Grandt):

Einer von ihnen ist Achmed, der Restaurantkellner. Scheinbar zufällig verwickeln die Reporter ihn in ein Gespräch, fragen gezielt nach den Anmachmaschen.

Situative O-Töne Reporter und Achmed

R: Die Frauen kriegt man doch relativ leicht rum hier?

A: Ja …

R: Viele Deutsche dann, oder alle?

A: Alle …

R: Dann einmal ins Hotel, am anderen Tag ist vorbei, oder kommen die wieder?

A: Wieder, wenn du hast gut gemacht, kommen die wieder!

R: Dann kommen die manchmal den ganzen Urlaub her?

A: Ja …

R: Bist du eigentlich verheiratet?

A: Ja …

R: Egal, müssen die ja nicht wissen

A: Psssst …

R: Ein Kollege kam bei der Frau nicht an, die wollte nichts mit ihm haben und dann hat der Kellner zu seinem Kollegen gesagt, geh du da hin und dann ist sie nachher mit dem weggegangen. Ist es bei euch auch so, dass ihr ein wenig miteinander redet, so?

A: Ja, ja …

R: Bisschen rumschicken und so?

A: Genau …

R: Und bleibt ihr mit denen in Kontakt, Email, SMS und so?

A:Ja …

R: Und es ist tatsächlich so, dass die dann noch Geld schicken später, Geld schicken oder Handys?

A: Ja, ja … die machen das.

R: Machen die das?

A: Wenn er macht Arbeit gut, wenn Frau zufrieden, er kriegt alles. – Was möchte eine Frau? Frau möchte das, schöne Zeit, wenn sie eine rote Rose geben, sie macht alles.

Romantik, Zärtlichkeit und eine schöne Zeit – das also scheint die Masche der türkischen Gigolos zu sein, um Touristinnen zu verführen. Dass dahinter jedoch mehr als nur orientalische Liebesnächte stecken, stellen die Reporter schon sehr bald fest.

(…)

Kurze Verschnaufpause am Pool. Hotelangestellte Ilona gesellt sich dazu. Die Deutsche kennt die Anbagger- und Abzockstrukturen der türkischen Männer nur zu gut.

Situativer O-Ton Ilona (deutsche Hotelangestellte)

„Ich habe hier Leute an meinem Schreibtisch sitzen, die sagen, der Animateur liebt mich. Der wollte sich einen Roller kaufen. Aber ihm fehlten noch 300 Euro, die habe ich ihm dann gegeben. Ein Kellner verdient hier 300 Euro und wenn ich hier so eine Ische knalle und ihr jeden Tag erzähle, wie toll sie ist und wie sexy sie doch aussieht, weiß ich doch, ich habe einen guten Zusatzverdienst. Ich würde, wenn ich eine Tochter hätte, sie nicht hierher lassen.”

O-Ton Reporterin

„Wenn ein Bus ankommt und neue Touristinnen bringt, dann stehen die Kellner schon da und begucken sich, welches Frischfleisch kommt. Die Betreuung ist dann natürlich sehr intensiv. Dann werden den ganzen Tag mehr oder weniger immer wieder kleine Aufmerksamkeiten gemacht, so dass die Frauen schon merken, da ist ein deutliches Interesse.“

Deutliches Interesse zeigt auch Hotelanimateur Mehmet an den zahlreichen Touristinnen. Ihm geht es nicht nur um jobbedingte Freundlichkeit, sondern um weitaus mehr. Vor versteckter Kamera packt der Hotelanimateur bei den Reportern aus.

Situative O-Töne Reporter und Mehmet

M: In Side … alte Frau und türkische Männer …

R: Und warum?

M: Für Geld, vielleicht denken sie, nach Deutschland gehen

R: Sie wollen eine kennenlernen hier und denken, dann kommen sie nach Deutschland?

M: Ja, ja, ja … Habt ihr nicht gesehen in Deutschland … so viel … diese alten Frauen und türkische Männer

R: Du kannst doch eine Pension mieten und die Frauen dann mitnehmen?

M: Ja, ja, Pension oder Strand …

R: Wer bezahlt die Pension, du oder die Frau?

M: Die Frau, ist doch klar, warum ich?

R: Die Frau zahlt fast immer?

M: Ja, ja …

R: Aber Geld geben sie dir schon, oder?

M: Ja, ja …

R: Bleibst du mit denen auch in Kontakt per Skype?

M: Skype, ja, Facebook, ja, 100, 200 in Facebook …

Nur vordergründig geht es also um Sex. Hauptsächlich werden die Frauen von den Beznessern finanziell ausgebeutet. Einige erschleichen sich durch vorgespielte Liebe und Heirat einen Aufenthaltsstatus in Europa.

Ende der Original-Zitate.

*

Dieses perfide Spiel geht jedoch noch viel weiter. Wie man auf 1001Geschichte.de lesen kann, enden diese „großen Lieben” meist im totalen Desaster. Nachdem diese Männer ihr Ziel, Geld und Aufenthaltsstatus in Deutschland, erreicht haben, zeigen sie ihr wahres Gesicht. Viele Frauen, die auf solche üblen Machenschaften hereinfielen, sind am Ende restlos abgezockt und traumatisiert.

In einigen Fällen enden diese Geschichten in der Psychiatrie oder sogar mit dem Tod der betroffenen Frauen.

Danke, Guido Grandt, dass Sie sich dieses Themas annehmen (siehe Quellennachweise).

*

Die verschiedenen Varianten von Bezness
1. Das klassische Bezness – Verlieben im Urlaub

Da wäre einmal das klassische Bezness: Frau lernt im Urlaub einen einheimischen Kellner, Animateur, Masseur, Reiseleiter oder Schmuckverkäufer kennen, verliebt sich, erlebt den Himmel auf Erden und erwacht in der Hölle, wenn sie ihn mit viel Mühen, endlosem Papierkrieg, trotz aller Warnungen und Entbehrungen nach Deutschland geholt hat. Erst jetzt beginnt sie langsam zu begreifen, was für ein „Früchtchen“ sie sich ins Haus geholt hat, denn nun, nachdem er alles erreicht und seinen Aufenthaltsstatus gesichert hat, zeigt er sein wahres Gesicht.

Oder die Frau übersiedelt zunächst in sein Heimatland. Was hier in diesen Fällen passiert, ist schnell gesagt: Sie heiratet ihre vermeintlich große Liebe. Wenn sie Geld hat, baut sie ein Haus, eröffnet ein Geschäft und verliert am Ende alles. Mittellos und traumatisiert kehrt sie nach Deutschland zurück. Wie eben in meiner eigenen Geschichte auch. Wenn sie kein Geld mehr hat, erlebt sie sehr schnell, wie das wahre „orientalische Märchen“ aussieht: Sie muss im Haus bleiben, wird bevormundet, ihr wird absoluter Gehorsam abverlangt, sie wird isoliert und geht dabei kaputt. Der Gewinner ist am Ende immer der Beznesser.

Hier zwei Geschichten, wie sie typischer nicht sein könnten.

Wahre Geschichte Nr. 02 – Maria
Bezness-Anleitung – oder „Wie man in Europa zu etwas kommen kann“

Im September 1992 wurde durch einen Urlaub in Tunesien mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt.

Bedingt durch einige berufliche und private Rückschläge, hatte ich das Gefühl einfach mal die Seele baumeln zu lassen und mir zwei Wochen Urlaub am Strand mit Sonne und Meer zu gönnen. Meiner Freundin Tanja ging es genau wie mir und so beschlossen wir, kurzfristig eine günstige Pauschalreise zu buchen. Im Reisebüro wurde uns ein Hotel in Monastir empfohlen, zu einem wirklich guten Preis, dem wir nicht widerstehen konnten.

Mit im Gepäck jede Menge Warnungen von Freunden und Verwandten, sich auf nichts dort einzulassen, die wir lachend zu Kenntnis nahmen. Männer – nein danke und aus Tunesien schon mal gar nicht, dachten wir uns.

Nach einer langen Reise mit Verspätung und unerträglicher Hitze am Flughafen, kamen wir völlig erschöpft gegen Mitternacht im Hotel an. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie seltsam wir es fanden, dass nur Männer auf den Straßen unterwegs waren und von Frauen nichts zu sehen war.

Am nächsten Tag weckte uns die Sonne und der Blick von unserem Balkon auf das Meer war atemberaubend. Nach einem guten Frühstück machten wir uns auf den Weg um die Anlage zu erkunden. In der Hotelhalle hielten sich sehr viele Tunesier auf, die Kaffee tranken und beim Abchecken von „Frischfleisch“ waren. Das belustigte uns und wir beschlossen die zum Teil eindeutigen Annäherungsversuche einfach zu ignorieren.

Gegen Abend beschlossen wir, uns in der Hotelbar einen Drink zu genehmigen und danach in der hoteleigenen Diskothek den Abend ausklingen zu lassen. Kaum hatten wir die Bar betreten, setzten sich schon zwei gut aussehende Tunesier zu uns. Ungefragt bestellten sie uns Getränke und fragten, was wir denn noch so den Abend machen. Wir erzählten ihnen, wir wären sehr müde und würden bald ins Bett gehen. Schnell verabschiedeten wir uns, gingen zuerst Richtung Zimmer und auf der Rückseite des Hotels wieder raus – Richtung Diskothek. Dort hatten wir uns gerade einen Drink bestellt, als die zwei Typen von der Bar wieder auf der Matte standen und sich ungefragt an unseren Tisch setzten. Dieses Spiel ging am nächsten Tag so weiter, ich war am Anfang unglaublich genervt, aber mit der Zeit hat es mir ein wenig imponiert, wie hartnäckig ein Mann daran interessiert war, mit mir zusammen zu sein. Samir (mein Schatten) ließ mich keine Minute aus den Augen und versuchte alle meine Wünsche zu erfüllen. Wenn wir zum Frühstück ins Restaurant, zum Umziehen auf das Zimmer oder nachts zum Schlafen gingen, ich fand ihn immer wartend in der Hotellobby.

Ich erwähnte zum Beispiel, dass mir sein Bart nicht gefallen würde, am nächsten Tag kam er glattrasiert zum Strand. In der Disco bestellte er ein Lied für die „schönste Frau“ im Club. Als ich im Gespräch erwähnte, dass ich etwas Landestypisches kaufen wollte, organisierte er für mich eine Fahrt auf den größten Markt im Umkreis. Mit diesen und vielen anderen Aktionen, eroberte er mein Herz.

Nach einer Woche gingen wir abends an den Strand, um uns den Sonnenuntergang anzusehen. Dort gestand er mir seine Liebe und dass er mich unbedingt seiner Familie vorstellen wollte. Ich war damit leicht überfordert, zumal ich mich nicht auf eine Beziehung einlassen wollte. Allerdings musste ich zu diesem Zeitpunkt feststellen, dass ich Schmetterlinge im Bauch hatte und bat ihn um Bedenkzeit – das ignorierte er einfach und plante den Besuch bei seiner Familie.

Mitte der nächsten Woche war es dann soweit – der Besuch bei der Familie stand an. Aufgeregt und mit kleinen Geschenken bepackt machten wir uns auf den Weg. Ich wurde dort von Anfang an trotz Sprachdifferenzen sehr gut aufgenommen, jeder sorgte sich um mich, die Kinder bewunderten meine helle Haut und die blonden Haare.

Am Ende meines Urlaubs musste ich feststellen, dass ich mich Hals über Kopf verliebt hatte. Meiner Freundin ging es ähnlich, so dass der Abschied tränenreich vonstatten ging.

Im Alltag in Deutschland angekommen, ging er mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich bekam viele Briefe und zweimal wöchentlich telefonierten Tanja und ich mit unseren Habibis aus Tunesien. Ich setzte alle Hebel in Bewegung, um schnellstmöglich wieder nach Tunesien zu fliegen zu können.

Nach meinem dritten Aufenthalt dort im Dezember 1993 machte mir Samir recht unromantisch einen Heiratsantrag im Konsulat in Tunis. Wir waren dort hingefahren, um ein Gesuch für ein Besuchervisum für ihn einzureichen. Da er allerdings keinen festen Job vorweisen konnte, war es nicht möglich, dieses zu bekommen. Deshalb fragte er mich, warum wir nicht heiraten, um für immer zusammen zu sein. Ich war sehr überrascht und hatte innerhalb kürzester Zeit einen Antrag für Familienzusammenführung in der Hand. Samir meinte, das wäre doch kein Problem, er bekäme ein Visum für drei Monate und wenn es nicht klappen würde, könnte er ja jederzeit wieder nach Hause fahren. Wir wären jetzt ja schon längere Zeit zusammen und es wäre doch schön, wenn wir für immer zusammen sein könnten. Da ich keine Zeit hatte darüber nachzudenken und ein „Nein“ das Ende dieser bis dahin wunderbaren Beziehung gewesen wäre, habe ich den Antrag unterschrieben.

Von diesem Tag an wurde das Verhältnis zwischen mir und Samir anders. Er betrachtete mich bereits als seine Frau und wurde schrecklich eifersüchtig, wenn ein Mann mich nur einmal anschaute. Ich fand seine übertriebene Fürsorge zu diesem Zeitpunkt noch sehr rührend, zeigte sie mir doch offensichtlich, wie sehr er mich liebte.

Zurück in Deutschland fielen meine Eltern aus allen Wolken, als ich ihnen mitteilte, dass Samir so schnell wie möglich bei uns einziehen würde und wir heiraten werden. Keine Warnung, keine Bedenken konnten mich von diesem Plan abbringen – im Gegenteil. Je mehr ich kritisiert wurde, umso stärker wollte ich es allen zeigen – mein zukünftiger Ehemann war nicht auf ein Visum aus – er war anders!?

Anfang März konnte ich ihn endlich, nach vielem Drängen bei den Behörden, am Flughafen in die Arme schließen. Überglücklich stellte ich ihn meinen Eltern vor, die sich sehr große Mühe mit ihm gaben. Da er fast kein Gepäck bei sich hatte, musste ich ihn komplett neu ausstatten. Selbstverständlich hatte mein zukünftiger Mann auch kein Geld, so dass ich auch die Ausstattung für die Hochzeit noch bezahlen musste. Gott sei Dank hatte ich noch einen Nebenjob, der uns so einigermaßen über die Runden brachte. Ende April haben wir dann endlich geheiratet und da ging das Drama richtig los.

Mein Ehemann wollte nicht einsehen, dass unser Geld knapp war, alles wollte er nur vom Feinsten, begnügte er sich früher mit No-Name-Kleidung, musste es plötzlich Markenware sein und wenn ich ihm einen Wunsch abschlug, trotzte er wie ein kleines Kind, drohte mir mit Trennung oder brüllte laut herum. Da mich viele vor der Hochzeit gewarnt hatten, traute ich mich nicht darüber zu sprechen, sondern gab in den meisten Fällen nach.

Nach sechs Monaten besorgte ich ihm einen Job, der uns finanziell ein wenig besser dastehen ließ. Da er in meine Wohnung einzog, gingen alle Kosten automatisch von meinem Konto ab, da ich als Frau für den Einkauf zuständig war, bezahlte ich diesen auch. Als ich ihn darauf ansprach, meinte er, wir könnten doch von einem Gehalt leben und das andere sparen für größere Ausgaben. Zu diesem Zeitpunkt fand ich die Reglung gar nicht so schlecht und ließ mich leider darauf ein.

Samir hatte nun jeden Monat sein ganzes Geld zur Verfügung, machte seinen Führerschein und kaufte sich ein Auto. Da er sich so einsam ohne seine Familie fühlte, knüpfte er Kontakte mit vielen Tunesiern, die sich im Umkreis aufhielten. Jedes Wochenende war er unterwegs, bis spät in die Nacht. Oft brachte er Besuch mit nach Hause, da ich in den Urlauben bei seiner Familie gelernt hatte, wie man tunesisch kocht. Natürlich wollte jeder der Bekannten bei uns essen und testen, ob ich das denn schon genauso gut wie die Frauen aus Tunesien könne. War es gut, wurde ich in höchsten Tönen gelobt, ging etwas daneben, flog die Schüssel quer durch die Küche und ich war bis in die frühen Morgenstunden damit beschäftigt sauber zu machen.

Unseren gesamten Urlaub verbrachten wir in Tunesien, ich bei der Familie – er zu seinem Vergnügen. Wollte ich mal ans Meer, musste ich betteln, manchmal schaffte ich es gerade zweimal in vier Wochen an den Strand zu kommen. Ich habe immer wieder Entschuldigungen für sein Verhalten gefunden, es gab kaum eine Möglichkeit von dort wegzukommen, er hat seine Freunde so lange nicht gesehen, in Tunesien leben die Frauen halt anders, es ist doch schön bei der Familie …

Die Bedingungen im Haus meiner Ex-Schwiegereltern waren nicht die besten und der Urlaub wurde für mich zur Qual. Am Anfang gab es nur ein Plumpsklo und ich hatte Verstopfungen, dann wurde eine neue Toilette eingebaut, allerdings so konstruiert, dass keine Dichtungen funktionierte und man beim Bedienen der Spülung mit den Beinen im Wasser stand.

Meine Schwägerin erzählte mir von günstigen Bauplätzen und da wir etwas gespart hatten und ich mir etwas mehr Privatsphäre im Urlaub versprach, war ich gegen einen Neubau nicht abgeneigt. Da wir allerdings das ganze Jahr nicht vor Ort waren, ergab sich die Gelegenheit bei meinen Schwiegereltern aufzustocken. Eine riesige Wohnung mit 150 qm im arabischen Stil mit drei Balkonen und einer riesigen Dachterrasse. Der Bau dauerte drei Jahre, wir haben alles bar bezahlt und es wurde eine wunderschöne Wohnung.

Meine Schwiegereltern überwachten den Bau, wir hatten ein Bankkonto in Tunesien eröffnet, von dem mein Schwiegervater regelmäßig die Zinsen abhob und in Alkohol investierte, weil Zinsen im Islam eine Sünde (Haram) sind. Meine Schwiegermutter kochte für die Bauarbeiter und selbstverständlich auch gleichzeitig für die ganze restliche Familie – natürlich von unserem Geld.

Als die Wohnung endlich fertig war, wurde sie für jeden der Familie zum Eigentum. Eine Tante kam aus Italien, natürlich wurde sie mit ihren Kindern in unserer Wohnung untergebracht ohne mich darüber zu informieren. Meine Schwiegereltern nutzten die Badewanne ohne danach einen Lappen zu benutzen. So hatte ich zumindest immer gleich eine Aufgabe, wenn ich nach meinem Flug dort ankam – in der Wohnung den Dreck der vielen Besucher zu entfernen. Viele Dinge fehlten einfach, manches war kaputt – eigentlich gab es immer irgendetwas über das ich mich aufregte, wenn ich dort ankam.

Samir lebte wie ein Single, der aber auf seine Rechte als verheirateter Mann pochte (was er als Recht bezeichnete). Dazu gehörte ein ordentlich geführter Haushalt, jeden Tag frisch gekochtes Essen, die Bewirtung von allen Familienangehörigen, Freunden und Bekannten, wann immer die das Bedürfnis hatten, uns zu besuchen. Natürlich gehörte es auch zu den Rechten eines Ehemanns, dass die Frau täglich im Bett zur Verfügung stand, außer sie war gerade unpässlich. Dass ich nicht schwanger geworden bin, grenzt fast an ein Wunder. Natürlich wurde ich bei jedem Aufenthalt in Tunesien begutachtet, wann es denn nun endlich so weit wäre, aber über zwei Jahre wurde ich absolut nicht schwanger, obwohl die Ärzte meinem Ex und mir bestätigen, dass keine Probleme oder Störungen da wären. Ich denke, es sollte nicht sein und im Rückblick ist es auch viel besser so, denn mir ist so Einiges erspart geblieben. Danach habe ich mir, ohne das Wissen meines Ehemanns, die Spirale einsetzen lassen.

Ich hatte kaum noch Freunde, die meisten wurden erfolgreich von Samir vergrault. Wenn ich mich mit einer Freundin traf, war das eine riesige Aktion. Eine Frau geht nicht allein weg, war seine Aussage und wenn ich mich einmal wirklich durchsetzte, spürte ich das noch Wochen danach. An jedem meiner Freunde hatte er etwas auszusetzen und wenn wir wirklich mal zusammen weggingen, inszenierte er einen Konflikt, weil ihm irgendetwas nicht passte und da hatte niemand Lust drauf, sich das noch einmal anzutun.

Nachdem er einige Wochenenden nacheinander weggeblieben war und mir nicht sagen wollte, wo er hinfuhr, fand ich zufällig einen Liebesbrief unter unseren gemeinsamen Unterlagen von einer anderen Frau. Als ich ihn darauf ansprach, machte er eine Szene – ob ich ihm nachspionieren würde und was mir einfallen würde, ihm so etwas zu unterstellen.

Ich hatte diese Beziehung schon längst beenden sollen, aber ich wollte mir nicht eingestehen, dass mein Mann mich nur ausnutzte und sich auf meine Kosten ein schönes Leben machte. Er brachte sich kaum im Haushalt ein, auf Bitten meiner Eltern sie zu unterstützen reagierte er nur: „Die können auch mal was selbst machen, die sind ja den ganzen Tag zuhause“ und „Das Haus gehört ja schließlich nicht mir – warum soll ich etwas machen?“ Meine Eltern waren in Rente, mein Vater war schwerkrank und meine Mutter hatte ein Rückenleiden! Nach sechs Jahren beantragte er seinen deutschen Pass. Entgegen aller Unkenrufe, waren wir auch danach noch zusammen. Hatte ich nicht gleich gesagt, dass Samir mich nicht nur wegen der Papiere heiratete?

Nach acht Jahren in dieser Ehe starb mein Vater. Für mich brach eine Welt zusammen. Anfänglich versprach mein Mann mir, mich zu unterstützen, dieses Versprechen hielt leider nur zwei Wochen. Dann stand ich auf der Leiter mit der Heckenschere über dem Kopf in Jogginghose und mein toller Mann fuhr in Designer-Kleidung, mit Goldkettchen in der Luxuskarosse spazieren. Mir wurde langsam bewusst, dass ich mich auf ihn nicht verlassen konnte und ich auch gut allein klar käme. Gerade in dieser Zeit hätte ich eine Schulter zum Anlehnen gebraucht, doch Samir vergnügte sich lieber mit irgendwelchen Freunden und anderen Weibern in der Stadt.

Da ich meinen Ex kaum noch ertragen konnte, erklärte ich ihm, dass ich mich von ihm trennen wollte. Er rastete vollkommen aus, beschimpfte mich und baute vor lauter Wut einen Unfall mit dem Auto. Von diesem Zeitpunkt an wurde unsere Ehe katastrophal. Ich habe fast ein Jahr gebraucht, ihn dazu zu bewegen auszuziehen. Er zog alle Register, bekam einen Nervenzusammenbruch, ich bekam bei jeder Gelegenheit Morddrohungen, er wollte das Haus in die Luft sprengen, zertrümmerte einen Teil der Wohnung, zwang mich zum Sex, beschimpfte und kontrollierte mich. Da ich allerdings konsequent dabei blieb, dass ich die Ehe nicht weiterführen wollte, blieb ihm nichts anderes übrig als in den sauren Apfel zu beißen. Nicht ohne alle Konten aufzulösen und das Geld abzuheben, Verträge zu kündigen und mich so unter Druck zu setzen, dass ich ihm noch Möbel für die neue Wohnung kaufte.

Ich war mittlerweile so kaputt, dass ich nur noch ein Ziel verfolgte – seinen Auszug. Ich hätte auf dem Boden geschlafen und auf Pappkartons gesessen, nur um meinen inneren Frieden wiederzubekommen. Der Auszug lief wider Erwarten einigermaßen gut ab, von einigen Spitzen abgesehen, aber ich war so glücklich, als er den Schlüssel auf den Tisch legte, mir fiel ein richtiger Stein vom Herzen.

Mein Konto war komplett leer, ich hatte Schulden, aber ich war frei, dachte ich zumindest. Für ihn war die Beziehung noch nicht beendet. Er ließ keine Gelegenheit aus, mich unter Druck zu setzen, ich war so zermürbt, dass ich Angst vor ihm hatte. Das merkte er natürlich und nutzte das schamlos aus. Ich nahm mir einen Anwalt, der mir davon abriet, etwas von dem Eigentum in Tunesien einzuklagen, da ich keine Belege vorweisen konnte – wie denn auch – die Baufirma hat in Tunesien abends immer mit meinen Schwiegereltern auf Zeitungspapier abgerechnet. Rechnungen gab es nur für die Materialien, die mir natürlich auch nicht vorlagen.

Davon wusste Samir aber nichts und eines Tages drängte er massiv darauf die Scheidung durchzubekommen. Ich wunderte mich darüber sehr, bis ich heraus bekam, warum das so war. Er hatte aus Angst, dass ich Ansprüche stellen würde die Immobilie an meinen Schwiegervater überschrieben, so dass mir nichts zustehen würde.

Die Scheidung ging relativ problemlos über die Bühne, außer dass die Richterin festlegte, dass ich meinem Ehemann eine Rente zahlen müsste, da ich ja mehr verdient hatte. Er wollte großzügig darauf verzichten, was abgelehnt wurde. Nach der Verhandlung sagte er mir, dass er wusste, wer die Verhandlung führt, durch Verbindungen zu der Mutter der Richterin, die das Verfahren leitete. Auch hier zeigte sich wieder einmal seine Skrupellosigkeit.

Mittlerweile hatte er auch eine neue Freundin gefunden. Mir war klar, dass er mit ihr nur aus Berechnung zusammen war, da sie ein kleines Kind hatte. Nach fast zwölf Jahren Beziehung wusste ich, dass das für ihn ein absolutes no go war. Allerdings hatte sie einen guten Job bei einer Behörde und verdiente richtig viel Geld. Eine Möglichkeit für ihn, seiner Geldgier weiter nachzugehen. Er zog bei ihr ein, beteiligte sich finanziell mit einer geringen Summe am Haushalt, meldete sein Auto ab, denn sie hatte ja eins und sparte sich so über vier Jahre eine Anzahlung für eine Eigentumswohnung zusammen. Auch diese Beziehung hielt ihn nicht davon ab, sich in Tunesien zweimal zu verloben.

Von Tunesien bekam er auch noch einiges an Geld, da wir den Rohbau für seinen Neffen im Voraus mitfinanziert hatten, denn der hatte zu diesem Zeitpunkt kein Geld. Ich wusste das als wir gebaut haben nicht, wurde nur später stutzig, als er sich plötzlich in Tunesien neu einrichtete und ein Auto für den Urlaub kaufte.

In seiner Nachbarschaft in Deutschland befand sich ein altes Ehepaar, das sehr zurückgezogen lebte. Er bot ihnen mit seiner charmanten Art Unterstützung an, die er zuerst noch kostenlos, mit der Zeit allerdings nur nach Bezahlung erledigte. Auch so verdiente er sich noch Einiges dazu. Als die Frau starb und der Mann völlig allein dastand, kümmerte er sich rührend um die Finanzen und brachte den Mann sogar so weit, dass er ihm sein kleines Haus vermachte. Vorher wurden allerdings erst alle Konten leergeräumt, um ein tolles Auto zu kaufen.

Mit dieser Einnahmequelle war er endlich soweit, dass die Jungfrau aus Tunesien konnte kommen, die Thronfolger wurden geboren. Die Hochzeit fand in der von mir mitfinanzierten Wohnung statt. Eine Woche später schickte er mir die Hochzeitsbilder per E-Mail. Sie hat kein schönes Leben, er spricht nicht liebevoll von ihr und manchmal tut sie mir sogar ein wenig leid, da ich ihn sehr gut kenne. Aber sie hat sich ohne irgendetwas zu tun, finanziell gut gesetzt und wenn ihr Mann so weiter macht, wird sie in ein paar Jahren als reiche Frau in ihr Heimatland zurückkehren.

Ich kenne niemanden, der einen solchen Luxus innerhalb so kurzer Zeit durch ehrliche Arbeit und Sparsamkeit erreicht hat. Er hat es geschafft, auf Kosten Anderer. Nicht zuletzt hat er das auch dem Umstand zu verdanken, dass ich es ja war, die ihm seinerzeit den gut bezahlten Job besorgte, den er heute noch, ganz in meiner Nähe, ausübt.

Während ich meine Geschichte aufschreibe, kann ich immer noch nicht verstehen, wie ich mich darauf einlassen konnte. Ich möchte alle Frauen warnen, sich selbst aufzugeben, sich einem Mann unterzuordnen. Oft ist das ein schleichender Prozess, den man selbst nicht mitbekommt. Es kostet eine unwahrscheinliche Kraftaufwendung sich zu lösen und manchen gelingt es das ganze Leben nicht.

Leider fand ich kein Gehör in meinem Umfeld. Immer wenn ich dieses Thema angeschnitten habe, bekam ich die Antwort: „Das habe ich dir doch gleich gesagt“, oder „Wie kann man sich auch nur auf so etwas einlassen?“

Einen wesentlichen Schritt weiter kam ich, nachdem ich die Internetseite 1001Geschichte gefunden hatte. Ich fand Menschen, denen ähnliches passiert ist, die mir zuhörten und mir Mut machten. Ich fand es gut, dass man sich nach diesen Erfahrungen nicht die Decke über den Kopf zieht, sondern das Beste daraus macht.

Ich bin seit Jahren in einer neuen Beziehung, die völlig anders läuft. Ich entscheide, was ich tue, natürlich auch mit Kompromissen, ich kann meine Meinung sagen, wenn ich das möchte.

Natürlich haben wir auch manchmal Probleme, aber mein Stellenwert ist ein völlig anderer. Ich werde nicht mehr dauerhaft unter Druck gesetzt und ich habe keine Angst mehr, dass mich mein Partner verlässt.

Nie wieder werde ich mein Leben von einem Mann bestimmen lassen und mich aufgeben.

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22 aralık 2023
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9783944224527
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