Kitabı oku: «Berauschende Bienen»

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Berauschende Bienen

Mythologie, Folklore und psychoaktiver Honig

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Fabian Kalis

E-Book-Ausgabe

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Lektorat und Bildredaktion: Nina Seiler

Fachlektorat: Markus Berger

Korrektorat: Inga Streblow

Layout: Tobias Strebel, Nina Seiler

Umschlaggestaltung: Nina Seiler

Umschlagfoto: Ivar Leidus

ISBN 978-3-03788-597-0

eISBN 978-3-03788-485-0

Alle Rechte der Verbreitung durch Funk, Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger jeder Art, elektronische Medien und auszugsweiser Nachdruck sind vorbehalten.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Bienen in Geschichte und Kultur

Bienen in der Mythologie

Bienenfolklore

Die Symbolik der Bienen

Honig aus psychoaktivem Nektar und Honigtau

Alkoholische Getränke aus und mit Honig

Honig als Trägerstoff psychoaktiver und heilsamer Substanzen

Honig als Aphrodisiakum

Räuchern mit Bienenprodukten

Nachwort und Dank

Quellen und weiterführende Literatur

Bildquellen

Über den Autor

Vorwort

Angeheitert – high sein – von Honig? Gibt’s das? Na klar, ich hab’s erlebt! In den rund drei Jahren, die ich bei dem Maya-Stamm der Lakandonen im südlichen mexikanischen Regenwald (Chiapas) gelebt und geforscht habe. In dieser Zeit konnte ich viel über den tropischen Regenwald und das heidnische Stammesleben lernen. Aber das Lernen hört nicht auf. Jedes Mal, wenn ich »meinen« Stamm besuche, erfahre ich Neues, oft Ungeahntes.

Als ich einmal eine etwas abgelegen siedelnde Lakandonfamilie besucht habe, erlebte ich eine Überraschung. »Wir haben gerade einen Honig geerntet, der berauscht; möchtest du ihn probieren?« Na klar, das wollte ich sehr gerne. Die Frau des Hauses reichte mir eine Baumkürbisschale (etwa 700 Milliliter) mit einem Getränk aus angegorenem, aber alkoholfreiem Maisteig. Darin hatte sie etwa drei Esslöffel vom besagten Honig aufgelöst. Der gesüßte Trank mundete hervorragend. Mir wurde empfohlen, die Schale schnell auszutrinken. Nach rund zehn Minuten merkte ich, wie sich mein Geist lüftete. Ich war wirklich high! – Extrem angenehm. Ich wurde euphorisch und köstlich berauscht. Die anwesenden Lakandonen hatten auch davon genascht. Wir verbrachten einen sehr lustigen Nachmittag; die Lakandonen lieben es, sich zu amüsieren, zu lachen und eine gute Zeit miteinander zu verbringen – und möglichst witzigen Klatsch auszutauschen.

Ich wollte natürlich mehr über diesen Rauschhonig herausfinden. Er stammt von den kleinen endemischen, schwarzen und stachellosen Bienen. In einem genau bekannten Zeitraum sammeln sie den Nektar von bestimmten Blüten und produzieren Rauschhonig. Leider konnte ich nicht herausfinden, welche Blüten von welchen Pflanzen die Bienen anfliegen mussten. Ich weiß leider nicht, ob es nur eine Pflanzenart ist oder ob es mehrere Arten sind und in welchem Verhältnis sie zueinander sein müssen.

Als ich an meiner Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen arbeitete, stieß ich auf einige Hinweise zu berauschenden Honigsorten, zum Beispiel dem Tollhonig, der von Tollkirschenblüten gesammelt wird, oder dem Pontischen Honig, der laut Literatur stark berauschen soll und der schon in der Antike bekannt und berüchtigt war. Ich habe immer gedacht, dass der Rauschhonig ein ideales Forschungsthema für eine Doktorarbeit wäre. Mir ist aber bisher keine Dissertation dieser Art bekannt geworden. Schade!

Dann lernte ich vor ein paar Jahren bei einem Seminar den Imker Fabian Kalis kennen. Er erzählte mir, dass er an einem Buch über Rauschhonige arbeiten würde. Ich war begeistert und bat ihn darum, ein Vorwort schreiben zu dürfen, wenn das Manuskript dann fertig sei. Und tatsächlich erscheint jetzt dieses Buch im geliebten Nachtschatten Verlag – mit meinem Vorwort.

Ich hoffe sehr, dass Fabian eine große und interessierte Leserschaft finden wird. Auf jeden Fall ist dieses Buch das erste zum Rauschhonig, eine Pionierarbeit.

Möge allen der berauschende Honig wohl bekommen!

Hamburg, in der Corona-Zeit Christian Rätsch


Einleitung

Die Honigbiene ist wohlbekannt für ihren leckeren Honig. Auch die heilenden Eigenschaften von Propolis und Gelée Royale sind immer mehr in aller Munde. Und spätestens seit das große Bienensterben in den Medien Thema ist, denkt man auch an die Wichtigkeit der Bienen in Ökologie und Umweltschutz. Doch die Bienen haben noch eine ganz andere interessante Geschichte: Es geht um Mythen, Kulte, Folklore und das Mysterium des psychoaktiven Honigs. Und um genau diese unbekannten und fast vergessenen Aspekte geht es in diesem Buch.

Wer hätte gedacht, dass eine der ältesten Dichtungen in deutscher Sprache eigentlich ein alter Bienenzauberspruch ist? Oder dass Bienen alten Kulturen als Orakel dienten? In Äthiopien waren es Bienenschwärme, die ein neues Stammesoberhaupt bestimmen durften. In einigen Gegenden Nordeuropas ist es bis heute Brauch, die Bienen bei Trauerfällen in schwarze Tücher zu hüllen. In unserer modernen Zeit sind es Bienen, die an Flughäfen, der Technik weit überlegen, zum Aufspüren von illegalen Drogen genutzt werden.

Der Honig, den viele heute nur noch als klebrigen, süßen Brotaufstrich kennen, hat seit jeher eine tiefe Verbindung mit der Kultur des Menschen. Für Völker auf der ganzen Erde war und ist der Honig ein Geschenk ihrer Götter. Er war in weiten Teilen der Welt lange Zeit das einzige Süßungsmittel. Sein Wohlgeschmack und seine Seltenheit vor der organisierten Bienenzucht machten ihn wahrlich zu etwas Besonderem.

Aber Honig war nicht immer nur ein Genussmittel. Die Menschen wussten schon sehr früh um die heilenden Eigenschaften des Honigs bei verschiedenen Krankheiten; in Krisenzeiten, in denen das Geld als Währung versagt, ist Honig ein beliebter Zahlungsmittelersatz, und gerade in seiner vergorenen Form als berauschender Met erfreut er sich auch heute noch großer Beliebtheit. Rausch ist seit jeher ein Grundbedürfnis des Menschen, und in vielen ursprünglichen Kulturen wurden daher schon immer psychoaktive Stoffe konsumiert, um zu heilen, Visionen zu erlangen oder die Götter um Rat zu fragen. Die Menschen bedienen sich dazu verschiedener Stoffe, meist sind es Pflanzen oder Pilze. Aber auch Honig kann als bewusstseinsverändernde Substanz eingenommen werden. Und dafür ist nicht immer seine vergorene Form vonnöten. Natürlich eignet sich nicht jeder Honig, aber ein paar seltene Honigsorten, die Kennern als Heiligtum und Entheogen dienen, vermögen eine ungeahnte Wirkung auf den Geist auszuüben. In der Antike machte solch ein Honig ein komplettes Heer kampfunfähig. Heutzutage ist das Wissen um solch besondere Honige in Vergessenheit geraten. Lediglich Meldungen über giftigen Honig in Nachrichten und Presse lassen eine Ahnung in diese Richtung zu, denn eine berauschende Wirkung – egal ob durch Pilz, Pflanze oder in diesem Fall Honig – wird von Menschen, die mit Psychoaktiva nichts zu tun haben, oft fälschlicherweise als Vergiftungserscheinung interpretiert.

Doch Bienenprodukte können unseren Geist noch in einer ganz anderen Weise verzaubern. Als Aphrodisiakum genutzt werden sie zu einem Lust- und Liebesmittel. Dies ist überhaupt nicht verwunderlich, ist die Biene doch auch ein Symbol für Fruchtbarkeit. Und ebenso sind insbesondere Honig, aber auch andere Bienenprodukte Bestandteil von Räuchermischungen, die mit ihrem Wohlgeruch auf unsere Psyche einwirken. Auch diese Themen werden im vorliegenden Buch behandelt.

Steinzeitliche Höhlenzeichnung mit Honigsammler (Bicorp, Valencia, Spanien, etwa 10 000 – 6000 v. Chr.)

Bienen in Geschichte und Kultur
Einstein und die Bienen

»Wenn die Biene stirbt, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.« Diese Aussage wird oft als Zitat von Albert Einstein angegeben und sorgte schon in zahlreichen Berichten und Vorträgen rund um das Bienensterben für einen eindrucksvollen Aufhänger. Verständlich, dass dieser Satz gerne genutzt wird, um die ökologische Wichtigkeit der Biene und ihre Bedeutung für uns Menschen zu verdeutlichen. Es ist eine alarmierende Aussage, und ihre Richtigkeit wird durch den Namen eines so bedeutenden und herausragenden Wissenschaftlers untermauert. Mit diesem Zitat gibt es nur leider ein kleines Problem: Einstein hat das nie gesagt.

Doch woher kommt es dann? Und warum wird Einstein als Urheber dieser Aussage erdichtet? Wenn man ein wenig recherchiert, lässt sich zurückverfolgen, wann und wo dieses Zitat in Schriften und Berichten verwendet wurde, und man stellt fest: Die Formulierung variiert gerade in früheren Erwähnungen stark. So lautet sie an manchen Stellen nur kurz: »Stirbt die Biene, stirbt der Mensch«, andere hingegen schreiben, dass Einstein die exakte Zeitspanne vom Verschwinden der Bienen bis zum Tod aller Menschen sogar mit einer bestimmten Formel berechnet habe. Gelegentlich fehlt sogar der berühmte Name unter dem Zitat.

Die Kernaussage über die enorme Wichtigkeit der Bienen in unseren Ökosystemen und für unser Überleben als Spezies Mensch bleibt jedoch auch in anderen Formulierungen und ohne Einsteins Genie erhalten. Die Biene spielt in der Tat eine entscheidende Rolle in unserer Welt. Man geht davon aus, dass circa 80 Prozent der Pflanzen auf die Bestäubung von Bienen angewiesen sind. Da kann sich jeder selbst eine Vorstellung davon machen, wie es aussähe, wenn diese Bestäubungsleistung der Bienen plötzlich wegfiele und vier Fünftel der uns bekannten Pflanzen langsam von der Erde verschwinden würden. Eine Zukunft, die weder für uns Menschen noch für viele andere Lebewesen erstrebenswert klingt. Eine Vorahnung solcher Zustände findet sich bereits in der chinesischen Provinz Sichuan, in der man erfolgreich sämtliche Bienen (und auch die meisten anderen Insekten) ausgerottet hat. Hier übernehmen nun Tausende fleißiger Menschen mit Pinselchen und einer Tüte voll Pollen die Arbeit der Bienen auf den Obstplantagen und bestäuben in endloser Arbeit Blüte für Blüte einzeln per Hand.

Doch wie hat es nun Einsteins Name unter dieses Zitat geschafft? Liegt es vielleicht daran, dass wir den Inhalt dieser Aussage so erschreckend finden, dass wir erst daran glauben, wenn ein so hochkarätiger Wissenschaftler sie aufgestellt hat? Würden wir sonst sagen, dass es sich um eine falsche These handeln muss? Vermutlich ja.

Haben wir uns bereits so weit von der Natur entfernt, dass wir die Wichtigkeit der Bienen nur über eine logische Herangehensweise verstehen? Brauchen wir tatsächlich falsche Zitate, damit uns klar wird, welchen Schatz und Segen wir an den Bienen haben? Können wir uns nicht selber vorstellen, wie wichtig die Bienen sind? Braucht es erst wissenschaftliche Untersuchungen von namhaften Forschern, damit wir glauben können, dass etwas sein kann?

Die in diesem Buch aufgezeigten Mythen, Mysterien und Kulte, das Verständnis und die Bräuche fremder und alter Kulturen zeigen, wie tief Menschen und Bienen eigentlich verbunden sind. Ich hoffe, dass dieser Ausflug in fast vergessene Welten und faszinierende Fakten rund um die Bienen dazu beitragen kann, dass wir die kleinen Tiere wieder mehr mit dem Herzen verstehen und ihnen die Beachtung und den Respekt zukommen lassen, den sie verdienen – nicht nur, weil es aus logischen Umweltschutzaspekten sinnvoll erscheint, sondern weil sie ein Teil der menschlichen Kultur sind, uns in Mythen und Geschichten begleiten, uns mit wohlschmeckenden und heilsamen Köstlichkeiten verwöhnen, uns Einblicke in andere Wirklichkeiten schenken können und wir durch dieses ganzheitliche Herangehen eine tiefe und emotionale Verbindung mit ihnen eingehen können.

Kurze Geschichte der Bienenhaltung

Honig wird seit mindestens 9000 Jahren nachweislich von den Menschen genutzt. Dies beweist eine Höhlenmalerei, die in der Nähe von Valencia entdeckt wurde und die Szene einer Honigjagd darstellt (siehe Abb. 1, S. 12). Es ist aber davon auszugehen, dass die Menschen den süßen Stoff der Bienen schon wesentlich früher kannten. Immerhin sind auch zahlreiche Tiere vom süßen Leckerbissen der Bienen angetan. Die Menschen haben sehr wahrscheinlich schon vor dem Auftauchen des Homo sapiens den Honig gekannt und genossen. Die meisten Bienen leben hoch in den Bäumen, und unsere Vorfahren waren kleine, auf Bäumen lebende Primaten. So ist es naheliegend, anzunehmen, dass ihnen der Honiggenuss nicht fremd war. Auch heute lebende Primatenarten sind sehr interessiert an den süßen Verlockungen, die die Bienen in den Bäumen gut bewachen.

Als der Mensch mit der Beherrschung des Feuers neue Welten erschloss, ergab sich im Hinblick auf die Honigernte ein enormer Vorteil. Die Honigbienen waren durch Rauch weniger stichbereit, und der Honig ließ sich nun mit viel weniger Schmerz und Gefahren ernten. Die Behandlung der Bienen mit Rauch, um sie vom Stechen abzuhalten, ist ein uraltes Ritual, das bis heute fast unverändert von Imkern, Bienenhaltern und Honigjägern auf der ganzen Welt praktiziert wird. Was sich bewährt hat, bleibt eben bestehen.

Lange Zeit haben die Menschen den Honig ausschließlich von wildlebenden Bienenvölkern und nur für den eigenen Bedarf gesammelt. Diese Art nennt sich Honigjagd und wird noch heute von einigen indigenen Völkern praktiziert. So eine Honigjagd ist immer ein gefährliches Unterfangen; tödliche Stürze sind keine Seltenheit. Die zu erbeutende Honigmenge ist bei dieser Form aber eher gering. Es ist also kein Wunder, dass dieses kostbare Gut in den frühen Kulturen so einen hohen Wert hatte. Auch die fast unerreichbare Höhe, in der wild lebende Bienen ihr Wabenwerk errichten, lässt die Verbindung der Bienen mit den Welten der Götter erahnen. Honig musste wahrlich eine Götterspeise sein. Die Honigjagd war also ein Risiko, das sich lohnte.

Mittelalterliche Imker mit Körben, Federzeichnung von Pieter Bruegel dem Älteren (um 1568)

Aus der Honigjagd entwickelte sich dann in einigen Teilen der Welt langsam die Waldbienenzucht. Man begann künstliche Nistplätze für die Bienen zu schaffen, indem man Bäume aushöhlte. In diese künstlichen Bienennistplätze zogen dann wilde Schwärme. Dadurch wurde die Anzahl der in einem Gebiet lebenden Bienenvölker vermehrt. In Europa entwickelte sich im frühen Mittelalter aus der Waldbienenzucht langsam die Zeidlerei. Das Wort Zeidler kommt vom altdeutschen Wort zeideln («Honig schneiden»). Die Zeidler begannen als Erste, Honig und das Bienenwachs wildlebender Völker gewerbsmäßig zu sammeln. Der hohe Bedarf der Kirche an Bienenwachs trieb die Entwicklung der Zeidlerei stark voran, bis sich aus ihr die heutige Imkerei entwickelte: das Halten von Bienen in künstlichen Behausungen am häuslichen Stand und damit auch die Zucht der modernen Honigbiene. Die ersten Imkereien waren daher nicht selten in den Gärten der Klöster und Kirchen zu finden und wurden von den Mönchen selbst bewirtschaftet. Die Bezeichnung Imker kommt dabei vom niederdeutschen Imme (»Biene«) und dem mittelniederdeutschen Kar (»Korb«), bedeutet also eigentlich »Bienenkorb«.

War Honig in den meisten Teilen der Welt zunächst noch das einzige Süßungsmittel, wurde er später immer mehr durch das Aufkommen des industriell raffinierten Kristallzuckers – zunächst aus Zuckerrohr, später auch aus der Zuckerrübe – verdrängt. Der Honig verlor seine Bedeutung als Süßungsmittel aufgrund seines im Vergleich zum raffinierten Zucker hohen Preises. Durch die Industrialisierung der Landwirtschaft, von der auch die konventionelle Imkerei nicht verschont blieb, sank der Honigpreis immer mehr. So wurde aus der einst kostbaren Speise der Götter nach und nach ein alltäglicher Brotaufstrich. Heute kennen daher nur noch sehr wenige die Bedeutung und den Wert des Honigs in früheren Kulturen.

Martin Luther und der Untergang der Zeidlerei

Wie erwähnt hatte insbesondere der hohe Bedarf der Kirche an Bienenwachs einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Zeidlerei. Die Zeidler genossen bald ein hohes Ansehen und gehörten zu den Ersten, die Bürgerrechte und eine eigene Gerichtsbarkeit zugesprochen bekamen. Ihnen war es erlaubt, eine Waffe zu tragen, über die ihnen anvertrauten Wälder zu wachen und Urteile über Honigdiebe direkt an Ort und Stelle zu fällen und vollstrecken. Für die Zeidlerei war dies eine goldene Zeit. Zeidler lebten ein gutes Leben mit vielen Rechten und Privilegien. Die Kirche hatte einen unendlichen Bedarf an Bienenwachs, dessen einzige Quelle zu jener Zeit die Zeidlerei war. Natürlich war es mühselig und brachte geringe Ausbeute, als Zeidler ein wildlebendes Bienenvolk um Bienenwachs und Honig zu bringen, und obendrein war es gefährlich. Bienenwachs und Honig waren daher Luxuswaren. Doch die Kirche verfügte dank des blühenden Ablasshandels über genügend finanzielle Mittel, um sich dies leisten zu können.

Doch dann sollte ein Mönch mit dem Namen Martin Luther alles verändern. Sein Wirken ist samt den weitreichenden Folgen für die Kirche heute noch wohlbekannt. Doch mit der Reformation der Kirche durch Luther verlor die katholische Kirche mehr und mehr ihre unantastbare Stellung, die Menschen begannen sie zu hinterfragen und zu widersprechen. Das Geschäft mit dem Sündenerlass florierte nicht mehr. So fehlte immer mehr das Geld für den verschwenderischen Verbrauch an Bienenwachskerzen in der Kirche. Sparmaßnahmen mussten her. Wo vorher hunderte Kerzen die dunklen Klöster erhellt hatten, mussten nun einsame kleine Lichtlein die Nachtwache übernehmen. Das Bienenwachs der Zeidler war einfach zu teuer geworden.

So wurde die Wandlung des Zeidlertums zur Imkerei, einer moderneren Form der Bienenwirtschaft, beschleunigt; in den Imkereien war es möglich, Bienenwachs und Honig mit viel geringerem Aufwand und mit einer größeren Ausbeute zu ernten. Ebenso waren es nun meist die Mönche selbst, die die Bienen in ihren Klostergärten hielten. Martin Luther hat also nicht nur die Kirche reformiert, sondern auch indirekt für den Untergang der Zeidlerei gesorgt.

Bienen als Wegweiser

Es ist nach wie vor ein ungelöstes Rätsel, wie genau die frühen Menschen die schier unendliche Fülle an Pflanzen und Pilzen so exakt als essbar, giftig oder heilsam eingestuft haben. Die bloße Anwendung des Prinzips von Versuch und Irrtum scheint bei der Menge an Pflanzen und Pilzarten nicht haltbar. Vielmehr ist es denkbar, dass die Menschen sich den Gebrauch der Pflanzen bei den Tieren abgeschaut haben. Je nach Lebensraum wurden dabei verschiedene Tiere beobachtet, doch nicht jedes Tier eignet sich hierfür gleichermaßen, da es durchaus Tierarten gibt, bei denen Stoffe auf dem Speiseplan stehen, die für Menschen giftig sind.

Der amerikanische Ethnobotaniker Jonathan Ott hat die Hypothese aufgestellt, dass es die Bienen waren, die den Menschen dieses Wissen brachten. Insbesondere psychoaktive Pflanzen, die einen berauschenden Honig produzieren, wurden über den Umweg des Honigs ausfindig gemacht.

Das Honigernten selbst haben sich die Menschen wahrscheinlich ebenfalls schon sehr früh von den Tieren abgeschaut. Wenn ein Honig aus dem Nektar bestimmter Pflanzen nun eine besondere Wirkung hatte, brauchte man nicht lange nachzudenken, um auf die Idee zu kommen, den Bienen zum Ursprung dieses Nektars zu folgen. Schon kannte man die Stammpflanze zu der Wirkung und konnte die Pflanze entsprechend anwenden.

Auch die heilsamen Eigenschaften verschiedener Pflanzen gelangen über den Nektar in den Honig. So sind bestimmte Honigsorten besonders gut zur Behandlung bestimmter Krankheiten geeignet. Lindenhonig hilft beispielsweise ebenso wie die Lindenblüten selbst hervorragend bei Erkältungskrankheiten. Es ist daher anzunehmen, dass auch medizinisch nutzbare Pflanzen so über die Bienen von den Menschen entdeckt wurden. Man kann also davon ausgehen, dass die Bienen den Menschen zumindest ein Wegweiser auf dem Weg bei der Entdeckung der unzähligen Heil- und Zauberpflanzen waren.

Ohne Honig kein Honig

Bei den Baka, einem Pygmäenvolk, das im Kongo, in Kamerun, Gabun und der Zentralafrikanischen Republik lebt, gibt es ein Sprichwort, das übersetzt »Ohne Honig kein Honig« lautet. Die Baka betreiben eine traditionelle Honigjagd, das heißt, sie sammeln den Honig von wild lebenden Bienenvölkern. Diese leben hoch oben in den Kronen der Baumgiganten. Die Honigjagd ist bei den Baka traditionell Männerarbeit. Die Männer ziehen in kleinen Gruppen los und machen einen Baum mit einem Bienenvolk ausfindig. Sobald sie eines entdeckt haben, beginnen sie mit den Vorbereitungen für die Honigernte hoch oben in den Bäumen. Es werden Körbe geflochten und lange Lianen daran gebunden. Die Männer machen ein Feuer unter dem Baum, auf das sie viele frische Blätter legen, so dass es ordentlich zu rauchen beginnt.

Einer der Männer klettert nun den bis zu 50 Meter hohen Baum hinauf. Oben angekommen, beginnt er den kostbaren Honig zu ernten, während er von Tausenden stechbereiter Bienen umschwirrt wird. Die Männer am Boden sorgen derweil dafür, dass genügend Rauchmaterial auf dem Feuer liegt. Auch sie bekommen die Wut der Bienen zu spüren. Der geerntete Honig wird nun in den vorbereiteten Korb gelegt und an einer langen Liane hinuntergelassen. Unten wird der Korb von den Männern entgegengenommen und der kostbare Honig wird entnommen. Der leere Korb wird wieder in die Höhe gezogen, und weiterer Honig wird geerntet.

Sobald er genügend Honig gesammelt hat, macht sich auch der tapfere Kletterer wieder auf den Weg nach unten. Er ist mittlerweile mit unzähligen Bienenstichen übersät. Unten angekommen, verzehren die Männer gemeinsam einen kleinen Teil des Honigs als Belohnung für ihre gefährliche Arbeit. Der größte Teil der Ausbeute wird jedoch gleichermaßen unter den Männern aufgeteilt. Keineswegs erhält bei den Baka der Kletterer mehr Anerkennung als die Helfer am Boden. Die Honigjagd ist eine gemeinschaftliche Errungenschaft, bei der jeder Einzelne einen gleichwertigen Teil zum Ganzen beiträgt.

Der so geerntete Honig wird von den zerstochenen Honigjägern zurück ins Dorf gebracht. Dort überreichen sie den Honig ihren Frauen. Ein guter Mann bringt seiner Frau mindestens einmal pro Woche etwas Honig, heißt es. Es gehört zu den wichtigsten Tugenden eines Mannes, diesen Honigdienst zu erbringen. Nur wer seiner Frau regelmäßig den süßen Honig bringt, der hat auch eine glückliche Frau und somit auch eine glückliche Partnerschaft. Nur wer genügend Honig erntet, bekommt auch die süße S. seiner Partnerin zu spüren. Wer es jedoch nicht vollbringt, das kostbare Gold heranzuschaffen, der spürt den Stachel seiner zornigen Ehefrau: ohne Honig kein Honig.

Die Bienen im Baltikum und in Osteuropa

In den baltischen Ländern existiert die Vorstellung, dass die Seele der Menschen im Schlaf den Körper verlässt und in Form einer Biene umherschwirrt. In Rumänien sind die Bienen mit dem Totenreich und den Seelen der Verstorbenen assoziiert. Sie gelten dabei als ein Zugang zu den Ahnen und der Welt der Geister und Dämonen. Diese Vorstellung findet sich vereinzelt auch in weiteren osteuropäischen Ländern.

Äthiopien — das Land der Imker

Das Land Äthiopien in Afrika gilt nicht nur als die Wiege der Menschheit, sondern auch als das Land der Imker. Bienenhaltung hat hier eine jahrtausendelange Tradition. Weit verbreitet ist die Bienenhaltung in langen, horizontal liegenden Tonröhren. Meist werden diese Bienenröhren dann ins Geäst von Bäumen gehängt und nur zur Ernte heruntergenommen. Diese tiefe Verbindung der Äthiopier zu den Bienen hat ihre Kultur geprägt. So finden sich zahlreiche Geschichten, die von der hohen Stellung der Bienen und ihrem Einfluss auf die äthiopische Kultur zeugen. Einige davon möchte ich in diesem Buch weitergeben.

Lalibela, der von Bienen umschwärmte König

Aus Äthiopien stammt die Geschichte von Lalibela, dem Kaiser, dessen Herrschaft durch einen Schwarm Bienen auserkoren wurde. Gebra Maskal Lalibela regierte von 1189 bis 1229 das Kaiserreich Äthiopien. Die Legende erzählt, dass er, als er noch ein Baby war, von einem Schwarm Bienen umschwirrt wurde. Dies galt als Zeichen seiner späteren Herrschaft. Lalibela bedeutet »der von Bienen Erkorene«. Vermutlich geht die mit den Bienen verbundene Ernennung von Herrschern auf uralte Rituale zurück, die bereits lange vor der Zeit des Kaiserreiches vollzogen wurden. Möglicherweise ist auch die Geschichte von Lalibela so entstanden, dass dem Kaiser in späteren Zeiten Attribute aus Legenden vergangener Zeiten angedichtet wurden.

Die Königin von Saba im Honig-Liebesrausch

Der Legende nach entstammt das Land Äthiopien der berauschenden Wirkung eines süßen Honigweins. Die Königin von Saba war zu Besuch im Reich des Königs Salomo. Als Geschenk brachte sie kostbaren Tedj (einen traditionellen Honigwein aus Ostafrika). Gemeinsam tranken die beiden den magischen Göttertrunk und verbrachten eine rauschende Liebesnacht. Am nächsten Morgen konnte sich König Salomo an nichts mehr erinnern. Die Königin von Saba reiste zurück in ihre Heimat und gebar neun Monate später einen Sohn; dieser sollte später das Kaiserreich Abessinien gründen und dort als Menelik I. regieren.

Seinen Namen erhielt er, als er seinen Vater zum ersten Mal besuchte. Dieser war so überrascht von dem unbekannten jungen Mann, der sich ihm als sein Sohn vorstellte (an die Liebesnacht mit der Königin konnte er sich ja nicht mehr erinnern), dass ihm der Ausruf »Wie kommst du denn hierher?« entfuhr. Auf Amharisch (Sprache in Äthiopien) heißt dies »Menelik«.

Bienen als Drogendetektoren

Auch in unserer modernen Welt haben die Bienen einen Platz in der Welt der Drogen – wenn auch einen etwas sonderbaren. Bienen verfügen über einen überaus feinen Geruchssinn. Diesen brauchen sie, um über die Blütendüfte ihre Nahrung ausfindig zu machen. Ihre Fühler sind dabei wie nach außen gestülpte Riechorgane, die jedes noch so kleine Duftmolekül wahrnehmen können. Diese Fähigkeit haben sich Wissenschaftler bei einer neuen Methode zum Aufspüren von illegalen Drogen zunutze gemacht. Ähnlich wie Drogenspürhunde können nun auch Bienen gezielt genutzt werden, um illegalisierte Substanzen anzuzeigen.

Doch wie funktioniert dies in der Praxis? Stellt man Bienenstöcke in den Hallen der Flughäfen auf und wartet, bis vermeintliche Drogenschmuggler von einem Schwarm Bienen attackiert werden? Das wäre eine spektakuläre Vorstellung. So funktioniert es aber dann doch nicht. In der Realität ist die ganze Sache eine sehr groteske Angelegenheit. Einzelne Bienen werden wie ein elektronisches Bauteil in eine Apparatur eingesetzt, mit der die zu untersuchenden Güter inspiziert werden. Die Biene sitzt dabei bewegungsunfähig im Inneren des Gerätes und bekommt lediglich die duftende Luft zugeführt. Sobald sie einen der antrainierten Stoffe riecht, fährt die Biene ihren Stachel aus, und das Gerät schlägt Alarm. Es ist nachvollziehbar, dass die Lebenszeit des «Bauteils» Biene unter diesen Voraussetzungen sehr begrenzt ist. Die Forscher sind dennoch von den Vorteilen begeistert. Ein Drogenspürhund kann nur eine halbe Stunde arbeiten, bis er eine Pause braucht. Das Bienen-Bauteil ist hingegen bis zu 48 Stunden betriebsbereit. Sobald es dann seinen Dienst versagt, kann es einfach ausgetauscht werden. Bienen gibt es ja genug.

Doch wie wird den Bienen diese Reaktion auf bestimmte Düfte antrainiert? Auch hier liegen die Bienen wieder vorne. Während Hunde eine jahrelange Ausbildung benötigen, können Bienen in wenigen Minuten trainiert werden. Zu diesem Zweck wird die arme Kreatur flugunfähig eingespannt und bekommt abwechselnd angenehmen Blütenduft und den Duft der gewünschten Droge an die Fühler geblasen. Immer wenn der Duft der Drogen in der Luft liegt, bekommt die Biene gleichzeitig einen Stromschlag. Dem Insekt wird so schnell eine Abwehrreaktion beim Duft der Drogen antrainiert. Es reagiert darauf, indem es seinen Giftstachel ausfährt.

Genauso wie man den einst heiligen psychoaktiven Substanzen im Kampf gegen die Drogen den Krieg erklärte, unterjocht man nun die Biene, weil sie uns den Weg zu den berauschenden Pflanzen gezeigt und uns psychoaktiven Honig geschenkt hat, in einer unsäglich würdelosen Weise, nutzt sie aus und zwingt sie zum Sklavendienst, in dem sie selbst den Kampf gegen die Drogen führen muss. Welch groteske Ironie! Doch ist dies ein Sinnbild für die moderne Gesellschaft – nicht nur in Bezug auf ihren Umgang mit berauschenden Drogen, sondern auch grundsätzlich mit allem, was uns zu kritischem Denken inspiriert und anregt.

Bhramari Devi, die hinduistische Göttin der Bienen

Bienen in der Mythologie

Da die Biene bei den frühen Kulturen einen so hohen Stellenwert besaß, hat sie natürlich auch Einzug in die Mythologie der Völker gehalten. So finden sich Bienengötter und mit den Bienen assoziierte Göttergestalten in vielen unterschiedlichen Kulturen der Welt. Einige dieser Götter und Mythen möchte ich hier vorstellen.

Bhramari Devi

Bhramari Devi ist eine Göttin aus der Hindu-Mythologie. Ihr Name bedeutet »Göttin der Bienen«. Sie wird mit Bienen, Wespen und auch mit Hornissen assoziiert. Ihr Körper wird dabei stets von einem Schwarm dieser stachligen Insekten umschwebt. In einem Göttermythos wird beschrieben, wie sie den Dämon Arunasura besiegt.

Arunasura hatte das starke Verlangen, die Götter zu vernichten und an ihrer Statt über die Welt zu regieren. Da er aber nicht machtvoll genug war, um sein Ziel zu erreichen, versuchte er es mit einer List. Tausende und abertausende Jahre meditierte er selig am Ganges. Der Gott Shiva sah dies und war von der Geduld und Willensstärke des Dämons beeindruckt. So schenkte Shiva Arunasura die Gabe, dass kein zwei- oder vierbeiniges Wesen ihn in Zukunft würde vernichten können. Nachdem der Dämon diese Fähigkeit erlangt hatte, stellt er eine Armee von Dämonen auf, stürmte die Götterwelt und eine gigantische Schlacht begann.

Der unbesiegbare Arunasura war seinem Ziel nahe, die Götter für alle Zeiten zu vernichten, doch in letzter Hoffnung riefen die Götter Bhramari Devi zu Hilfe. Diese sendete sofort ihre Bienen-, Hornissen- und Wespenschwärme aus, die den Dämon attackierten. Gegen die sechsbeinigen kleinen Tiere war er nicht immun, so dass er zuletzt bezwungen werden konnte. Ein Schwarm unscheinbarer Bienen hatte die Götterwelt vor der endgültigen Vernichtung gerettet.

Kamadeva

Die Figur des Amor und seine Liebespfeile sind vielen ein Begriff. Der römische Gott, der mit seinem Bogen Pfeile entsendet und so die Liebe entfacht, ist eine wohlbekannte Götterpersönlichkeit. Jedoch ist diese Götterfigur keineswegs ein Unikat des römischen Pantheons. In der griechischen Mythologie ist es Eros, dem eine ähnliche Stellung zukommt, und auch in der Götterwelt der Hindus findet sich ein Äquivalent unter dem Namen Kamadeva. Die Vorstellung von einem mit Pfeil und Bogen bewaffneten Gottes als Auslöser von Liebesgefühlen existiert in vielen Kulturen. Aber was hat das alles nun mit den Bienen zu tun? Schauen wir uns Kamadeva einmal genauer an. Alte Überlieferungen und Gemälde zeigen, mit welchen Attributen Kamadeva beschrieben wird. Dort findet man ihn auf einem riesigen Papagei reitend, bereit, in die Lüfte zu steigen, um auf die Jagd nach seinen »Opfern« zu gehen. Seinen Bogen hält er dabei stets schussbereit. Der Bogen selbst besteht aus Zuckerrohr, die Bogensehne besteht aus summenden Bienen, die Pfeile, die er verschießt, aus fünf Frühlingsblüten. Hier finden sich also die Bienen. Doch warum besteht die Bogensehne aus Bienen, welche Bedeutung haben die Bienen in diesem Kontext und welche Symbolik steckt hinter der Erscheinung Kamadevas?

Als Gott, der die Liebe bringt und die Pfeile des Verlangens entsendet, ist Kamadeva ein Symbol der Fruchtbarkeit. Auch die Bienen, die unerlässlich sind für eine ausreichende Bestäubung und somit Vermehrung der Pflanzen, gelten deshalb in vielen Kulturen schon sehr lange als Fruchtbarkeitssymbol. Das Summen ihrer Flügel steht für das Kribbeln im Bauch, wenn man verliebt ist, und als Tiere der Lüfte geben sie dem Pfeil die Kraft, weite Strecken zu überwinden. Ihr schmerzhafter Stachel symbolisiert das plötzliche Erwachen von Lust und Liebe, das uns überkommt, sobald wir von den Liebespfeilen getroffen sind. Die Blütenpfeile stellen dabei das Gegenstück zu den Bienen dar. Wie in der Natur, in der die Blüten von den Bienen bestäubt werden, damit etwas Neues entstehen kann, vereint Kamadevas Bogen in sich diese beiden Aspekte der Fruchtbarkeit, die dann mit geballter Kraft auf die getroffenen Menschen oder Götter – denn niemand ist vor den Pfeilen des Kamadeva sicher – übergeht. Die Bienen und die Blüten sind dabei zwei Pole einer göttlichen Einheit. Und nur durch ihr Zusammentreffen entsteht etwas Drittes, etwas Neues, die Leben schenkende Liebe. Der Bogen aus süßem Zuckerrohr steht symbolisch für die wohlige Süße des Lebens, die Glücksgefühle, die Lebenslust und Energie, die mit dem Verliebtsein einhergehen.

Mellona und Melissa

Mellona oder auch Mellonia war eine römische Göttin. Als Bienengöttin war sie verantwortlich für die Süße und den Erhalt des Honigs. Sie geht zurück auf den griechischen Namen Melissa, der »Honigbiene« bedeutet (von griech. Meli, »Honig«). Melissa hieß eine der Ammen, die den jungen Zeus umsorgten. Sie fütterte ihn jedoch nicht mit Milch, sondern ließ Honig direkt in seinen Mund fließen. Als Dank dafür machte Zeus sie später zu einer Göttin. Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) hat ihren Namen von der Bienengöttin, weil sie eine sehr beliebte Bienentrachtpflanze ist. Auch der Artenname der westlichen Honigbiene, Apis mellifera, und die Bezeichnung für den Tribus der stachellosen Honigbienen, Meliponini, gehen auf diese Göttin zurück.

Aristaeus und die Bugonie

In der Mythologie des antiken Griechenland gibt es eine Figur mit dem Namen Aristaeus. Er ist ein Gott der Jagd, des Olivenanbaus sowie der Bienen und der Imkerei. Somit besitzt er viele Aspekte eines Fruchtbarkeitsgottes. Die Mythologie um ihn ist eine typische Göttergeschichte. Aristaeus verliebte sich einst in die schöne Eurydike. Leider wurde seine Liebe nicht erwidert, so dass sein unbefriedigtes Verlangen immer größer wurde. Als er es nicht mehr aushalten konnte, machte er sich auf, um Eurydike zu vergewaltigen. Auf ihrer Flucht vor dem lüsternen Bienengott wurde sie von einer giftigen Schlange gebissen und starb. Als Strafe für diese Tat sorgten Eurydikes Schwestern dafür, dass alle Bienen des Aristaeus ebenso den Tod fanden. Ohne seine Bienen trauerte der Gott. Auf Anraten des Gottes Proteus vollzog er ein Opferritual an Eurydikes Grab. Hier opferte er vier Stiere und vier Rinder, die er anschließend neun Tage lang an gleicher Stelle verwesen ließ. Am neunten Tag erhoben sich aus den verwesenden Stieren neue Bienen.

Historische Darstellung des Aristaeus von 1680

In diesem Mythos spiegelt sich die Vorstellung vieler antiker Kulturen wider, dass Bienen aus toten Stieren entstehen würden. Diese Vorstellung war so verbreitet, dass sie sogar einen eigenen Fachbegriff bekommen hat: Bugonie. Seinen Ursprung hat dieser Glaube vermutlich in Persien, von wo aus er sich im kompletten Reich der Antike verbreitet hat. Gehalten hat sich die Vorstellung von der Bugonie noch bis weit ins Mittelalter. Stiere zu opfern, um neue Bienenvölker zu erschaffen, war lange Zeit eine gängige Praxis. Dabei hat sich eine ziemlich genaue Anleitung entwickelt, wie die zu opfernden Stiere bearbeitet werden müssten, damit das Ritual Erfolg bringen würde. Plinius berichtet in seiner Naturalis historia sehr detailliert über die Praktik. Demnach müsste ein Stier, der mindestens zwei Jahre alt ist, entweder durch Erdrosseln oder durch Schläge mit stumpfen Gegenständen getötet werden. Anschließend müssten die Gedärme des Tieres ebenfalls durch stumpfe Gewalt zu einem blutigen Brei zerschlagen werden. Wichtig sei jedoch, dass die Bauchhöhle des Stiers unversehrt bliebe, da sich aus ihr das neue Bienenvolk entwickeln würde. Da der Bugonie jede biologische Grundlage fehlt und Bienen auch nicht an verwesenden Kadavern zu finden sind, ist es fraglich, warum sich diese Vorstellung eine so lange Zeit gehalten hat. Es handelte sich wohl eher um eine symbolische Handlung als um die Anwendung natürlicher Vermehrungsprinzipien der Honigbienen.

Telipinu

Bei den Hethitern und Hattiern gibt es den Mythos von Telipinu. Er ist der Sohn der Sonnengöttin Arinna und des Wettergottes Taru. Telipinu selbst ist ein Fruchtbarkeitsgott, der vor allem mit dem Wachstum von Getreide und den nährenden Regenschauern in Zusammenhang gebracht wird. Seine Gattin ist die Göttin Maliya, die Göttin der Gärten, die vorwiegend mit dem Wachstum des Weines in Verbindung steht.

Eines Tages, so heißt es in dem Mythos, wird Telipinu sehr erzürnt. Daraufhin verlässt er seinen Götterposten und mit ihm verschwindet auch die Fruchtbarkeit im ganzen Land. Da die Welt kurz vor dem Untergang steht, versammeln sich die übrigen Götter zum Rat und senden einen Adler aus, der Telipinu ausfindig machen und zurückbringen soll. Dies bleibt jedoch ohne Erfolg. In letzter Hoffnung wenden sich die Götter an die große Muttergöttin Hannahanna. Diese sendet ihren Hilfsgeist in Form einer Biene aus, um Telipinu wiederzufinden. Der Biene gelingt es, den verschwundenen Gott ausfindig zu machen. Mit einem schmerzhaften Stich bringt sie ihn dazu, zurückzukommen. Die Fruchtbarkeit des Landes und aller Lebewesen ist gerettet – und alles nur durch den Stich einer kleinen, unscheinbaren Biene.

Ah Muzen Cab

Bei den Maya sind es die Ah Muzen Cab, vom Himmel herabsteigende, bienengestaltige Götter, die für nichts Geringeres als die Erschaffung der Welt selbst verantwortlich waren. Die Endsilbe Cab (je nach Schreibweise auch Kab, Kaab) bedeutet sowohl »Honig« als auch »Welt«. Der sprachliche Zusammenhang dieser beiden Wörter verweist womöglich auf die Bedeutung des von den Maya genutzten Xtabentun-Honigs bei der Entstehung der Welt.


Darstellung eines Ah Muzen Cab in einer Maya-Handschrift

Die Ah Muzen Cab sind die Götter und Beschützer der Bienen, des Honigs und der heiligen Balché-Zeremonie. In den Darstellungen der Maya werden sie meist verkehrt herum, mit dem Kopf nach unten und dem Hinterleib gen Himmel, abgebildet. Dies symbolisiert ihren andersweltlichen Ursprung. Es sind keine gewöhnlichen Bienen, die auf der Erde leben, sondern eben die vom Himmel, aus anderen Wirklichkeiten herabsteigende Götter. Noch heute bringen die Maya den Ah Muzen Cab Opfer in Form von Speisen, Blüten und Kerzen dar. Zentrum der Anbetung der Bienengötter war vermutlich Tulum. Diese Region war sehr wahrscheinlich die wichtigste und ertragreichste Gegend der Honigproduktion bei den Maya. Heute lebende Maya geben die Ruinen von Cobá als Wohnstätte der Bienengötter an.

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Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
27 kasım 2025
Hacim:
155 s. 43 illüstrasyon
ISBN:
9783037884850
Telif hakkı:
Bookwire
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