Kitabı oku: «Die Quelle in dir»
Fabian Wollschläger
Die Quelle in dir
Aus der Leere in deine Unendlichkeit
Alle Rechte vorbehalten.

Originalausgabe
1. Auflage 2019
Verlag Komplett-Media GmbH
2019, München/Grünwald
www.komplett-media.de
ISBN E-Book: 978-3-8312-7033-0
ISBN Print: 978-3-8312-0552-3
Auch als E-Book erhältlich
Lektorat: Monika Rohde
Korrektorat: Redaktionsbüro Diana Napolitano, Augsburg
Umschlaggestaltung: F A V O R I T B U E R O, München
Illustrationen: Heike Kmiotek – fine design – Erkrath
Satz und E-Book: Daniel Förster, Belgern
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Dieses Buch widme ich
Dir
Wir werden in eine Welt der Suchenden geboren, um Suchende zu werden und als Suchende zu sterben.
Erst wenn wir nach unserer Unendlichkeit suchen, können wir unsere unendliche Suche beenden.
Die Antworten auf unsere Fragen können nicht im Worte liegen. Doch das Wort kann uns zu dem führen, der sie kennt.
Erhebend von dem, was wir niemals waren.
Verbindend mit allem, was wir immer sind.
So wird das erste Wort ein Ende sein.
Und das letzte Wort dein Anfang sein.
Inhalt
Einleitung
Ein Ende
Ego – die Illusion deiner Identität
Bewusstsein – die Quelle in dir
Die Vorstellungskraft
Die Bedeutung
Der Glaube
Wach- und Unterbewusstsein – die zwei Strömungen deiner Quelle
Das ausführende Unterbewusstsein
Die »Bedingungsanleitungen« zum Aufbau deiner Realität
Die Bausteine deiner Realität
Der Tresor deiner Realität
Das prüfende Wachbewusstsein
Realität – die Neuordnung durch dein Unterbewusstsein
Das Wachbewusstsein ist der Schlüssel, das Unterbewusstsein die Tür
Bewusstseinssynchronisation – Wille und Glaube im Einklang
Die Macht der Selbstreflexion
Die Macht der Affirmation
Die Macht der affirmativen Meditation
Die meditative Reise in unseren Kosmos
Das ambivalente Potenzial des positiven Denkens
Energie – die Ursachen und Wirkungen in deinem Leben
Energetischer Ausgleich
Stress
Der natürliche Zustand des unnatürlichen Glaubens
Energetische Wechselwirkungen
Energetische Konzentration
Energetische Duplikation
Energetische Projektion
Streit
Polarität – zwischen der Leere und deiner Unendlichkeit
Neutralisation
Zentrierung
Polarisierung
Die perfekte Illusion
Die Polarität der Zeit
Der Kreislauf der Zeit
Aus der Vergangenheit lernen, in der Gegenwart schöpfen, von der Zukunft leiten
Liebe – das Wasser deiner Quelle
Dein Anfang
Affirmationen & Selbstreflexionen
Affirmative Meditation
Ein Abschiedsgeschenk
Über den Autor
Einleitung
Dieses Buch wurde nicht in Worten geschrieben, sondern in Wahrheiten gemalt. Allerdings nutzt es nicht den Pinsel der Poesie, nur um die Leere einer Leinwand zu verdecken, bis sie in einem neuen Rahmen wiederkehrt. Wenn wir unserer Leere einen neuen Rahmen schenken, den wir jedoch mit alten Grenzen füllen, werden wir auch das nächste Bild unseres Lebens als Suchender zeichnen. Erst wenn wir alle Rahmen verlieren, können wir in den Farben der Unendlichkeit das Meisterwerk unseres Lebens malen.

Ein Ende
Wenn der Kopf nicht mehr antwortet, fängt das Herz an zu fragen.
»Wer bin ich?
Was ist das, was ich als ›Ich‹ bezeichne?
Mein Name? Mein Alter? Mein Beruf? Mein Familienstand? Mein Körper? Mein Charakter? Meine Stärken? Meine Schwächen? Meine Vergangenheit? Meine Zukunft?
Was bleibt, wenn ich einen Teil verliere, den ich zu meinem ›Ich‹ zähle?
Verliere ich dann einen Teil von mir?
Was bleibt, wenn ich alles verliere, was ich zu meinem ›Ich‹ zähle?
Bin ich dann nichts mehr?«
Die Antwort, die folgt, ist die Wahrheit.
Alles, was mit einem »Ich« anfängt, ist untrennbar mit seinem Ende verbunden. Sei es der Körper, den wir erhalten haben, die Beziehungen, denen wir uns hingeben, das Geld, das wir verdienen oder eine berufliche Karriere, die wir uns erarbeiten. Was von unserem »Ich« gewonnen wird, wird ebenso von unserem »Ich« verloren werden.
Durch den Verlust entsteht eine innere Leere, die sich mit Wut, Trauer, Enttäuschung, Zweifeln oder Angst füllt. Um vor der Leere zu flüchten, wenden wir uns von unserem Inneren ab und kehren uns nach außen. In einem ewigen Krieg gegen unsere Leere bauen wir eine materielle Mauer aus einer geistigen Identität um uns. Wir versuchen, unseren Körper zu korrigieren, neue Beziehungen zu erleben, Reichtum aufzubauen oder unsere Reputation zu erhöhen. Wir suchen neue Teile, mit denen wir die Grenzen unseres »Ichs« füllen können, um vollständiger zu werden. Doch auch wenn wir unser Körpergewicht reduzieren, unseren Partner wechseln, viel Geld verdienen und berufliche Erfolge feiern, wird die innere Leere zurückkehren, sobald wir die Tiefe vermissen, in die uns oberflächliche Veränderungen nicht führen können. Bis wir die Ursache unserer Leere entdecken, leiden wir unter ihrer wiederkehrenden Ewigkeit, statt sie als Illusion zu entlarven, die nur durch uns zur Wirklichkeit wird. Ohne Rücksicht auf unsere Gefühle verbindet sie auch den sprudelndsten Anfang mit einem stillen Ende. Das Neue verliert seine bunten Farben und enttarnt sich als das blasse Alte. Bis wir erneut unseren Weg wechseln, um uns weiter auf der Suche nach Erfüllung im ewigen Kreis der Vergänglichkeit zu drehen. Erst wenn wir uns nach innen kehren, lüftet die Illusion ihren Vorhang, und die Wahrheit betritt die Bühne unseres Lebens.
Der Eingang in unser Leid wird zum Ausgang aus unserem Leid.
Der Ausgang aus unserem Leid wird zum Eingang in unsere Unendlichkeit.
Die Unendlichkeit unseres Lebens erstreckt sich jenseits der Grenzen unseres »Ichs«. Das, was wir als »Ich« bezeichnen, ist unsere Definition von uns. Unser Ego. Wenn uns jemand die Frage stellt, wer wir sind, antworten wir nicht, dass wir ein Teil des Kosmos sind, sondern wir nennen all die Eigenschaften, durch die wir uns voneinander unterscheiden. Folglich definieren wir etwas, indem wir es von allem anderen trennen. Wir bilden eine künstliche Grenze, die Verbundenes voneinander löst. Doch Verbundenes als Getrenntes wahrzunehmen ist eine Illusion. Würden wir nicht etwas sein, könnten wir Alles sein. Würden wir nicht jemand sein, könnten wir jeder sein. Wir sind es, die durch unser Ego die Mauern unserer Realität erschaffen. Sie entstehen, bestehen und fallen durch uns.
Unendlichkeit bedeutet, von der entmachteten Wirkung zur ermächtigten Ursache zu werden.
Von einem Tropfen zur Quelle.
Von der Schöpfung zum Schöpfer.
Von einem Bild Gottes zu einem Ebenbild Gottes.
Die Unendlichkeit ist Frage und Antwort. Nur wenige finden sie, weil der Weg zu ihr sich dort versteckt, wo niemand sie suchen will. In unserer Leere. Wir alle kennen sie, denn wir alle leben in einer Welt, die uns lehrt zu trennen, statt zu verbinden. Die Leere kann uns einen Tag besuchen oder ein ganzes Leben in uns einziehen. Sie klopft nicht an unserer Tür, sondern bricht in uns ein. Entweder schleicht sie als schwache Brise durch ein offenes Fenster unbemerkt in unser Haus oder sie reißt als wütender Sturm das Dach unseres Zuhauses ab. Mit jedem Einbruch stiehlt sie einen Teil von uns.
Am Tag ein schlichtes Detail, in der Nacht unsere fantastischsten Träume. Manchmal raubt sie uns vor unseren Augen aus, ein anderes Mal werden wir hinter unserem Rücken geplündert. Während wir äußeren Reichtum gewinnen, können wir in innerer Armut versinken. Wir können alles verlieren. Von unserem Lachen bis zu unserer Liebe. Am schlimmsten schmerzt die Trennung von der Verbindung zu unserem Selbst.
Doch jedes Leid birgt die Chance, uns von der endlosen Suche im Außen abzuwenden und uns stattdessen endlich nach innen zu wenden. So kann unser größter Verlust zu unserem höchsten Gewinn werden – denn nur etwas, das leer ist, kann gefüllt werden.
Es wird dich lehren, jeder zu sein, während du jemand bist. Sobald du dieses Bewusstsein erreichst, verlässt du deine Grenzen und öffnest das Tor zu deiner Unendlichkeit.
Um nicht mehr ein Opfer deiner Lebensumstände zu sein, erfährst du, wie du deine Gedanken und Gefühle nutzen kannst, damit du durch die Verbindung mit deinem Inneren deine äußere Welt erschaffst.
Du wirst lernen, nicht mehr deiner Energielosigkeit zu erliegen, sondern deine Energie zu regulieren und dich von belastenden Energien zu lösen, damit du ein ungeahntes Potenzial freisetzen kannst, das deine Wünsche manifestiert.
Um dem ewigen Kreis aus Freude und Trauer zu entkommen, wirst du verstehen, dich von deinem Leid zu lösen und deine innere Leere zu füllen, damit du dich von einem linearen Wesen zu einem multidimensionalen Schöpfer entwickelst.
Du bist kein Produkt deiner Vergangenheit, du lernst, die Zeit zu nutzen und dich dem Moment hinzugeben, damit deine Gegenwart nicht nach deiner Vergangenheit, sondern nach den Visionen deiner Zukunft erbaut wird.
Du verlässt das Feld der endlichen Möglichkeiten und trittst ein in das Feld der unendlichen Möglichkeiten. Du löst deine Grenzen und wirst grenzenlos. Nicht durch ein Buch, einen Kurs oder ein Seminar. Nicht durch einen Therapeuten, einen Trainer oder ein Medium, sondern aus der stärksten Kraft, die dich immer umgibt und dich niemals verlassen wird.
Aus deiner eigenen Kraft.
Es existiert bereits alles in dir, was du dir wünschst. Das Einzige, was den unerschöpflichen Überfluss des Universums und dich trennt, bist du. Befreie dich von deinem Leid, damit verbindest du dich mit ewigem Glück. Befreie dich von allen Grenzen, dann verbindest du dich mit ewiger Fülle.
Jeder Moment ist der erste Moment deines weiteren Lebens.
Jetzt ist der Moment, um ein neues Leben zu beginnen.
Aus der Leere in deine Unendlichkeit.

Ego – die Illusion deiner Identität
»Wo bin ich?«
»Hier und jetzt.«
»Warum bin ich hier?«
»Um zu sein.«
»Ich will zurück.«
»Du kannst nicht zurück.«
»Warum?«
»An welchen Ort?«
»An den Ort, von dem ich kam.«
»Du warst immer hier und wirst immer hier sein.«
»Dann will ich nicht sein.«
»Warum?«
»Hier ist es leer.«
»Hier ist es voll.«
»Voll womit?«
»Voller Leere.«
»Die Leere erdrückt mich.«
»Die Leere erfüllt dich.«
»Ich sehe nichts.«
»Dann siehst du nicht dich.«
»Ich verstehe nicht.«
»Dann verstehst du nicht dich.«
»Erkläre es mir.«
»Dann folge dir.«
Auf die Frage, wer wir sind, könnten wir mit unserem Namen, unserem Alter, unserem Beziehungsstatus und unserem Beruf antworten. Verändert sich eine dieser Eigenschaften, würden wir uns verändern. Verlieren wir eine dieser Eigenschaften, so würden wir uns verlieren. Die Wahrheit ist jedoch, dass wir noch etwas sind, auch wenn wir alle Eigenschaften verlieren, die wir haben.
Der Wortwechsel zwischen »sein« und »haben« wirkt unbedeutend, doch er birgt die Wahrheit hinter der Illusion unseres Egos, das wir uns einbilden zu sein. Wenn wir die Identifikation mit unserem Sein auf unsere äußere Welt beschränken, limitieren wir uns, denn wir ziehen eine Grenze um uns und trennen uns so von allem, was wir nicht meinen zu sein, jedoch sein könnten. Auch von dem, was wir wirklich sind. Wenn wir uns mit etwas identifizieren, handeln wir aus dem eingegrenzten Raum unserer Identität. Wir erkennen nicht mehr, was sich hinter den Wänden verbirgt, die wir um uns gebaut haben. Unser Ego errichtet einen Raum um uns, der mit unserer gesamten Energie geschmückt wird, sodass wir unsere Energie verlieren, wenn sich dieser Raum schließt oder wir ihn verlassen müssen.
Doch wir sind nicht unser Ego. Wir haben ein Ego. Diese Erkenntnis kann uns von jedem Leiden heilen, das durch ein Klammern an etwas Vergangenem entsteht, was wir hatten, aber nie waren. Wenn wir die Bedeutung dieses Unterschieds verstehen, kann ein Verlust zwar noch eine Welle schlagen, doch er wird nicht mehr das Ruder unseres Lebens an sich reißen.
Wir können nicht verlieren, was wir sind, sondern nur, was wir haben. Auch wenn wir alles verlieren, was wir haben, bleibt uns trotzdem noch alles, was wir sind. Die Heilung dieses Verlusts liegt letztendlich in der Erkenntnis, dass nicht das, was wir haben, unsere Realität erschafft. Wir erschaffen unsere Realität durch unser Sein.
Durch einen Verlust entsteht eine Leere, in der Neues wachsen kann, was zuvor keinen Platz in uns fand. Ein Berufstätiger, der seinen befriedigenden Job für immer behält, wird niemals in seinen Traumjob wechseln. Zwei Partner, die sich für immer mit ihrer ausreichenden Beziehung abfinden, werden niemals erfahren, was wahre Liebe ist. Erst wenn sich der Raum schließt, für den wir uns entschieden haben, weitet sich unser Blick, und wir erkennen, dass seine breite Tür nur ein schmales Fenster war. Eine Trennung kann schmerzen, doch sie schafft immer Platz für etwas Neues. Ein einziger Gedanke reicht aus, denn es ist ein Gedanke, aus dem ein ganzes Universum entspringen kann.
Alles, was zu unserem Ego kommt, verlässt unser Ego auch wieder. Alles, was wir haben, ist vergänglich. Dabei ist die Vergänglichkeit nicht nur Schatten, sondern auch Licht. Erst sie ermöglicht unserem Ego eine unendliche Vielfalt, die die Ewigkeit nicht besitzt.
Wir sind sowohl Ewigkeit als auch Vergänglichkeit.
Wir sind Schöpfer. Unser Ego ist unsere Schöpfung.
Mit unserem Glauben, wir seien nur ein Tropfen, statt einer Quelle, belügen wir uns. Durch diese Lüge entstehen die Illusionen unserer Realität, die uns vortäuschen, wir seien nicht die Ursache, sondern die Wirkung unseres Lebens. Erkennen wir jedoch die Wahrheit hinter diesen Illusionen, transformieren wir uns von der begrenzten Schöpfung unserer Welt zum grenzenlosen Schöpfer.

Bewusstsein – die Quelle in dir
»Was bist du?«
»Was immer du glaubst, was ich bin. Was bist du?«
»Ich bin ein Mensch.«
»Ist das wahr?«
»Ja.«
»Warum bist du dir so sicher?«
»Weil ich einen Körper, Gedanken und Gefühle habe. Ich führe ein menschliches Leben.«
Wie kannst du dir so sicher sein, ob all das nicht nur ein Traum ist?«
»Ich kann mir nicht sicher sein. Ist all das nur ein Traum?«
»Das weiß ich nicht. Doch ich weiß, dass du in Wirklichkeit mehr als all das bist. «
»Was bin ich dann?«
»Weißt du, was sich Traum und Wirklichkeit teilen?«
»Nein.«
»Ihre Quelle.«
Wenn wir unser Ego nur haben, statt unser Ego zu sein, was sind wir dann?
Alles, was wir haben, entsteht dadurch, was wir sind. Bewusstsein.
Wir haben kein Bewusstsein. Wir sind Bewusstsein. Jeder Augenblick unseres Lebens wird in der Wiege unseres Bewusstseins geboren. Unser Bewusstsein ist die Mutter, unser Leben ist ihr Kind.
Bewusst zu sein ist keine Fähigkeit. Es überschreitet die Grenzen der Fähigkeiten und öffnet die unendliche Weite der Wunder. Es ist das Bewusstsein, das jeden Tag das Unmögliche möglich macht und uns Menschen hilft, übermenschlich zu werden.
Blicke durch den Raum. Dann blicke an dir hinunter. Alles, was du sehen kannst, ist durch Bewusstsein entstanden. Auch du. Alles, von der Geburt einer revolutionären Idee, bis zu der Geburt einer Menschenseele, die deinen Namen trägt.
Stell dir deine Realität wie ein Haus vor. Es ist irrelevant, ob du in einem glänzenden Palast lebst oder in einer baufälligen Hütte. Dein Bewusstsein ist sowohl der Innen- wie auch der Außenarchitekt deines Zuhauses. Jeder Gedanke, jedes Gefühl und jedes Verhalten entstehen durch dein Bewusstsein. Jedes Detail deines Lebens ist aus seinen Bauplänen entstanden. Wer zum Meister seines Bewusstseins wird, wird zum Architekten seiner Realität.
Um dein Haus von Grund auf zu renovieren, erfährst du in den nächsten Kapiteln zunächst, wie Bewusstsein und Realität aufgebaut sind und wie sie funktionieren. Nach dem Grundwissen beginnt der Umbau.
Die Vorstellungskraft
»Warum sind wir von diesen Mauern umgeben?«
»Weil ihr Architekt sich keine Welt jenseits dieser Mauern vorstellen konnte.«
»Existiert denn etwas jenseits dieser Mauern?«
»Ja.«
»Was existiert jenseits dieser Mauern?«
»Alles, was ihr Architekt sich vorstellen kann.«
»Kannst du sie niederreißen?«
»Nein.«
»Warum nicht?«
»Nur der, der sie errichtet hat, kann sie auch niederreißen.«
Unsere Vorstellungskraft ist kein kreatives Können, sondern unsere Art zu denken. Mit jedem Atemzug benutzen wir unsere Vorstellungskraft, denn wir brauchen sie, wie wir die Luft zum Atmen brauchen. Sie ist der Stoff, aus dem jeder Gedanke gewoben wird. Die Frage nach unserer Vorstellung von Gott ist die Frage nach unserer Denkweise von Gott, so, wie unsere Gedanken über ein Leben nach dem Tod, unsere Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod sind. Unsere Gedanken formen sich aus unseren inneren Vorstellungen. Sie sind nicht nur elektrische Impulse, die als Wellen durch unser Gehirn strömen. Die Bilder unserer Vorstellungskraft sind die Sprache, in der unser Bewusstsein spricht.
Eine Vorstellung von der Realität und die »wahre« Realität sind nicht gegensätzlich, sondern identisch. Für uns existiert keine Realität außerhalb unserer Vorstellungen, weil wir nur unsere Vorstellungen wahrnehmen können. Was wir als Wirklichkeit wahrnehmen, ist unsere Vorstellung von der Wirklichkeit.
Wir sehen die Realität nicht erst durch die Reflexion des Sonnenlichts. Ihre Bilder entstehen, wenn wir das ewige Licht unseres Bewusstseins auf sie lenken. Deswegen können fiktive Filme reale Gefühle in uns auslösen. Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen Fiktion und Realität, weil wir nicht ihre Wesen, sondern lediglich die Vorstellung ihrer Wesen wahrnehmen und verarbeiten können. Würden wir die Welt nur mit unseren Sinnen wahrnehmen, wüssten wir nicht einmal, wer wir sind. Auch unser Ego ist bloß die Vorstellung unseres Egos. Unsere fünf Sinne sind nur Werkzeuge, um die Bilder unserer Vorstellungen auszumalen. Sie vermitteln uns den Eindruck, wir würden erleben, was außerhalb von uns ist – unsere Familie, unsere Freunde, unsere Wohnung, unser Arbeitsplatz und unser Leben. Doch nichts davon haben wir jemals außerhalb von uns erlebt. Jedes Detail unseres Lebens existiert als Vorstellung in uns.
Wenn wir beide uns zum ersten Mal begegnen, beginnen wir, uns einander vorzustellen. Alles, was wir sind, sind die Vorstellungen von uns in unserem Bewusstsein.
Unsere Vorstellungskraft kann uns sowohl in ein begrenztes Gefängnis der Vergänglichkeit sperren, als auch in den grenzenlosen Raum unserer Unendlichkeit führen.
Wenn wir uns nur nach außen wenden, verhaften wir uns in der Endlichkeit. Der Körper, das Haus und die Erde, auch die Identität, die wir gerade bewohnen – alles, was wir äußerlich wahrnehmen, sind begrenzte Räume, die vergehen. Die Beschränkung unserer Vorstellungskraft auf äußere Vorstellungen ist mit Leid verbunden. Unser Körper nähert sich mit jeder Sekunde, in der wir leben, dem Tod. Häuser und Planeten zerfallen, und selbst Identitäten währen niemals ewig. Begrenzen wir unsere Realität auf die Vorstellungen unserer Außenwelt, entwickeln wir Leiden und Ängste, denn die äußere Welt ist begrenzt.
Im Gegensatz zu unserer Außenwelt sind die Vorstellungen unserer Gedankenwelt unendlich. Durch innere Vorstellungen können wir aus dem Raum unseres Körpers hinaustreten und von der Gegenwart in Vergangenheit und Zukunft reisen. Erinnerungen und Visionen sind Vorstellungen, in denen wir uns von dem »Hier und Jetzt« trennen und uns an jeden Ort zu jeder Zeit begeben können. Raum- und Zeitreisen sind keine Hollywoodfantasien, in denen wir uns dematerialisieren, um von Scotty hochgebeamt zu werden oder zurück in die Zukunft zu reisen.
Wenn wir uns in unserer Vorstellung von den äußeren Grenzen der Materie und der Gegenwart getrennt haben, existiert unser materieller Körper in der Gegenwart, während wir uns mit unserem Bewusstsein von der Enge dieser Dimensionen befreien, um überall zu jeder Zeit sein zu können. Diese Reisen treten wir unbewusst jeden Tag zahllose Male an. Von der Wahl unserer Kleidung am Morgen, bis zu dem Entschluss am Abend, ein Buch über die Quelle in dir zu lesen. Wir vergleichen die Gegenwart mit der Vergangenheit und treffen auf Basis unserer Erinnerungen eine Entscheidung für die Zukunft.
Die Unendlichkeit unserer Vorstellungskraft durch Raum- und Zeitreisen hat wie jede andere Fähigkeit unseres Bewusstseins sowohl eine Licht- als auch eine Schattenseite. Entweder benutzen wir ihr unendliches Potenzial bewusst für uns oder sie wirkt unbewusst gegen uns.
Einerseits befreit uns die Raum- und Zeitlosigkeit vom unbestimmten Reaktionismus der Gegenwart und schenkt uns die Freiheit, durch reflektierte Erfahrungen der Vergangenheit aktiv eine visionsgeleitete Zukunft zu erschaffen. Wir können durch den Lernprozess auf Wissen zurückgreifen, das wir uns in der Vergangenheit angeeignet haben, um es in der Gegenwart anzuwenden und unsere Zukunft zu gestalten. Ebenso ermöglichen Vergangenheit und Zukunft unser rationales Handeln, und auch unsere Intuition greift auf unterbewusste Erfahrungen der Vergangenheit zurück, um die Gegenwart zu bewerten.
Andererseits kann die Fähigkeit der mentalen Raum- und Zeitreisen auch gegen uns wirken, wenn es zu einem unbewussten Zwang wird. Unser Gehirn assoziiert die Gegenwart immer mit der Vergangenheit, um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen einer neuen und unseren alten Erfahrungen zu analysieren und so der neuen Erfahrung eine Bedeutung zu verleihen. Nicht nur in der Hirnforschung, auch in Psychologie und Pädagogik ist diese Funktion des Gehirns als das »Gesetz der Assoziation« bekannt. Demzufolge können wir die Gegenwart nur durch die Brille unserer Vergangenheit erkennen. Die Summe der Erfahrungen, die wir als unser Leben bezeichnen, existiert nur als Vorstellung unserer Vergangenheit. Wenn wir unsere Gegenwart auf der Basis unserer Vergangenheit deuten, um unsere Zukunft zu erschaffen, dann wird gestern zu morgen. Statt uns bewusst weiterzuentwickeln, stagnieren wir unbewusst. Unsere Vergangenheit wird zu unserer Zukunft.
Auch die Schmerzen, unter denen wir in der Gegenwart leiden, sind eine Reaktion auf ein Ereignis aus unserer Vergangenheit. Wenn wir unter einer ungewollten Trennung von unserem Partner leiden, dann leiden wir an einem Ereignis, das in der Vergangenheit geschehen ist. Wir ketten uns an ein vergangenes Erlebnis und holen es mit jeder schmerzhaften Erinnerung von der Vergangenheit zurück in unsere Gegenwart. Wir entkoppeln die Vergangenheit von ihrer Vergänglichkeit und verleihen ihr so Ewigkeit. Doch Vergangenheit und Vergänglichkeit sind jenseits unserer inneren Vorstellungen eins. Die Vergangenheit ist vergangen, unwiderruflich erloschen. In der gegenwärtigen Außenwelt existiert sie nicht mehr. Deswegen vergehen mit der Gegenwart auch die Ereignisse, die uns Leid zufügen.
Doch unsere Realität bewegt sich niemals jenseits unserer Vorstellungskraft, sondern immer und ausschließlich in ihr. Wenn wir durch unsere Vorstellungskraft zurück in die schmerzhafte Vergangenheit reisen, erschaffen wir eine illusionäre Trennung zwischen Vergangenheit und Vergänglichkeit und holen dadurch die Vergangenheit zurück in unsere Gegenwart. Ob wir uns nach dem Tod eines Angehörigen zurück in die Vergangenheit zu ihm flüchten, um bei ihm zu sein oder ob wir einen Streit mit unserem Partner rückwirkend reflektieren, um für uns die Frage nach Recht und Unrecht zu klären. Unser Leid lebt durch uns weiter, weil wir die Gegenwart immer wieder mit der Vergangenheit assoziieren und so unseren Schmerzen Ewigkeit verleihen.
Nichts und niemand hat uns jemals wirklich innerlich verletzt. Weder die Vorurteile eines Arbeitskollegen noch das Desinteresse unserer Eltern. Jeder Schmerz, von einem emotionalen Splitter bis zum psychischen Tod, entsteht einzig und allein durch uns, indem wir uns durch unsere Vorstellungskraft von der Gegenwart abwenden und zurück in die Vergangenheit reisen, um vergangenen Schmerz wiederzubeleben.
Nur wer die Unendlichkeit seiner Vorstellungskraft bewusst betreten und verlassen kann, wird das Pendel dieser Gabe anhalten, damit es nicht mehr unkontrolliert zwischen Fluch und Segen hin- und herschwingt. Wir alle tragen ein eigenes Universum in uns. Begrenzen wir unsere Vorstellungskraft, begrenzen wir unser Universum. Wird unsere Vorstellungskraft grenzenlos, wird unser Universum grenzenlos. Wenn wir lernen, die Macht unserer Vorstellungen für uns einzusetzen, können wir innerlich ganze Welten erschaffen, die sich äußerlich manifestieren.
Unsere Vorstellungskraft dient als Beweis für das, was möglich ist. Jedes menschliche Bauwerk unserer Erde, jede atemberaubende Geschichte und jede Verwirklichung des vermeintlich Unmöglichen begann mit einem einzigen Gedanken. Geboren in einem Bewusstsein, gekleidet in eine bildliche Vorstellung, erwachsen in seine Manifestation. Jede Vorstellung kann ein Urknall sein, aus dem Ganzen entsteht ein Universum.
Begib dich in das unendliche Reich deiner Vorstellungskraft, und stell dir vor, ich schalte das Licht des Raumes aus, in dem du dich gerade befindest. Du kannst nichts mehr sehen, außer der Dunkelheit, die den Raum füllt. Nun verrate mir, ob du dich noch in diesem Raum befindest. Falls ja, woher weißt du, dass du dich noch in diesem Raum befindest? Wieso kannst du den Raum noch sehen, obwohl deine Augen geschlossen sind? Du siehst ihn auch in vollkommener Dunkelheit, weil dieser Raum als Vorstellung in dir existiert. Woher weißt du, wie das Haus hinter den Wänden des Raumes aussieht, in dem du dich gerade befindest? Die Stadt, das Land, der Kontinent, die Erde, das Universum?
Du lebst in deiner Vorstellung.
Möchtest du dein Leben erweitern, musst du die Vorstellung von deinem Leben erweitern.
Die Bedeutung
»Ich habe genug gesehen. Ich möchte diesen Ort verlassen.«
»Gefällt er dir nicht mehr?«
»Nein, er macht mich traurig. Hier sieht alles gleich aus. Ich will etwas Neues sehen. Kannst du mich an einen anderen Ort bringen?«
»Nein, das kann ich nicht.«
»Warum nicht?«
»Es existiert kein anderer Ort.«
»Wie kann ich dann etwas Neues erleben?«
»Indem du den Ort veränderst.«
»Wie verändere ich den Ort?«
»Indem du die Augen veränderst, mit denen du ihn ansiehst.«
Vorstellungen verleihen unserer Realität ihre Form, Bedeutungen hauchen ihr Leben ein. Durch die Verknüpfung von Vorstellung und Bedeutung entsteht eine lebendige Realität. Nicht eine universelle, sondern unsere persönliche Realität.
In der Illusion einer universellen Realität besitzt jedes Wesen, jedes Objekt, jeder Zustand und jedes Ereignis eine objektive Allgemeingültigkeit. Jeder Mensch teilt jeder Manifestation in unserem Universum eine identische Bedeutung zu. Alle Menschen beten den gleichen Gott an und pflegen die gleiche Lebensweise. Alle Vorstellungen werden von allen Menschen mit den gleichen Bedeutungen versehen und lösen deswegen in allen Menschen identische Gedanken und Gefühle aus. Jeder Mensch ist gleich.
Diese Missachtung von individuellen Realitäten bildet die Ursache für jeden Konflikt in der Menschheitsgeschichte. Angefangen mit dem Beziehungsstreit um das Ausräumen der Spülmaschine, bis hin zu einem Krieg zwischen zwei Nationen. Jeder Konflikt entsteht durch die Intoleranz gegenüber einer fremden Realität, weil sie nicht der eigenen entspricht. Wir meinen, unsere Realität sei wahrer oder wichtiger, und alle anderen Realitäten seien falsch oder unwichtiger.
Trennen wir uns von der Annahme, es existiere eine universelle Realität, öffnen wir uns für die Erkenntnis, dass jeder Mensch in seiner individuellen Realität lebt. Jeder Mensch betet seine eigene Vorstellung und Bedeutung von Gott an und pflegt seine eigene Lebensweise. Wir alle haben unterschiedliche Vorstellungen, denen wir unterschiedliche Bedeutungen geben, die zu verschiedenen Gedanken und Gefühlen führen. Jeder Mensch ist einzigartig.
Welche Vorstellung wirkt für dich realer? Die Existenz einer einzigen Realität oder einer Unendlichkeit an Realitäten?
Erkennen wir uns als Quelle unserer Realität, sind wir uns bewusst, dass jedes Wesen im besten Willen seiner für sich wahren Realität handelt. Statt mit Intoleranz andere Realitäten zu verurteilen, akzeptieren wir fremde Realitäten nicht weniger als unsere eigene. Statt ein Leben in Trennung, führen wir dann ein Leben in Verbundenheit. Die Annahme von subjektiven Realitäten streitet nicht ab, dass die Vorstellungen, die wir mit unseren fünf äußeren Sinnen wahrnehmen, nicht mit den Vorstellungen anderer übereinstimmen können.
Doch was ist Realität? Wodurch wird das, was wir Realität nennen, für uns real? Durch unsere Vorstellung oder durch die Bedeutung, die wir unserer Vorstellung geben?
Vorstellung und Bedeutung sind untrennbar miteinander verbunden. Objektivität ist eine Illusion, denn wir haben meistens nicht nur individuelle Vorstellungen von der Realität, sondern rüsten alle unsere Vorstellungen auch mit einer individuellen Bedeutung aus. Jede Seite besteht aus zwei Seiten, jede Wahrheit ist nur eine Halbwahrheit, und jede Singularität ist eine Pluralität. »Tatsachen« liegen immer im Auge des Betrachters, denn statt alle in einer einzigen Realität zu leben, leben wir alle in unserer eigenen Realität. Ohne die individuelle Bedeutung ist eine Vorstellung buchstäblich bedeutungslos. Unsere Eltern, Geschwister oder Kinder würden sich für uns nicht von den Milliarden von anderen Menschen unterscheiden. Unser Kontostand wäre nur eine Reihe nichtssagender Ziffern, und auch unser Leben hätte keinen tieferen Sinn.
So, wie die Vorstellung der Samen eines Gedankens ist, so keimt aus der Bedeutung ein Gefühl. Hat etwas keine Bedeutung für uns, haben wir kein starkes Gefühl dazu. Hat es hingegen eine hohe Bedeutung für uns, setzen wir den ganzen Kosmos in Bewegung. Es sind Gefühle, die uns Menschen unsere Menschlichkeit verleihen und die Intensität unserer Gedanken bestimmen. Sie sind nicht nur der Anfang, sondern das Ziel jeder unserer Handlungen. »Ich mache …, weil ich mich dann … fühle.« In der tiefsten Ebene dient alles, was wir tun, der Absicht, Liebe zu erzeugen oder Leid zu vermeiden.
Indem wir unsere Vorstellungen mit einer Bedeutung verbinden, entsteht unsere Realität. Die Bedeutungen wählen nur wir. Nichts und niemand kann uns sagen, welche Bedeutung wir welcher Vorstellung geben. Es ist kein Zwang, sondern unsere Freiheit. Die Illusion der zwanghaften Deutung entsteht, wenn wir den freien Raum zwischen Vorstellung und Deutung nicht erkennen. Doch wir können die Verbindung zwischen Vorstellung und Bedeutung jederzeit trennen, um einer alten Vorstellung eine neue Bedeutung zu geben und unser Leid zu transformieren. So werden Fehler zu Lehren, Verluste zu Chancen und Grenzen zu Möglichkeiten.
Materialisten können ihr gesamtes Leben der Jagd nach Ruhm, Macht und Reichtum widmen, ohne zu bemerken, dass sie nur Illusionen nachjagen, weil diese ihnen ein Gefühl versprechen, das sie jedoch auch ohne die Kosten der äußeren Schleier mühelos in ihrem Inneren erschaffen könnten. Es ging nie darum, was wir werden. Es geht darum, wie wir werden.
Alle Gefühlsqualitäten, die wir uns wünschen, sind bereits in uns. Es gibt nichts, was nicht in unserem Bewusstsein angelegt ist. Das Einzige, was uns von Gefühlen wie Glück, Freude und Liebe trennen kann, ist unser eigener Glaube daran, von ihnen getrennt zu sein.
Der Glaube
»Warum fühle ich mich manchmal, als sei ich in einer Hölle?«
»Weil du daran glaubst, in einer Hölle zu sein.«
»Bedeutet das, sie existiert nicht?«
»Doch. Und immer wenn du daran glaubst, befindest du dich in ihr. Du bist immer dort, wo dein Glaube ist.«
»Kann ich von der Hölle in den Himmel kommen?«
»Das weiß ich nicht. Es hängt davon ab, ob du den Himmel findest.«
»Wo kann ich ihn finden?«
»Himmel und Hölle liegen nur einen Glauben auseinander.«
Unsere Gedanken und Gefühle erschaffen unser Verhalten. Unser Verhalten erschafft unsere Realität. Kürzen wir diese Gleichung, erkennen wir: Unsere Gedanken und Gefühle erschaffen unsere Realität. Sie sind die schöpferische Kraft in uns. Die höchste schöpferische Kraft besitzt dabei unser Glaube, der sich aus unseren Glaubenssätzen zusammensetzt.
Glaubenssätze sind Annahmen, die wir als unumstößliche und einzige Wahrheit über uns und unsere Umwelt wahrnehmen. In ihrem Wesen drehen sich alle Glaubenssätze um: sein, haben, wollen, brauchen, müssen, dürfen oder können. Sie besitzen den höchsten transformativen Einfluss in unserem Leben. Ein Glaubenssatz entsteht durch einen wiederholten Gedanken verbunden mit einem intensiven Gefühl. Da bereits ein Paar aus Gedanke und Gefühl eine schöpferische Kraft enthält, besitzt ein Glaubenssatz demnach eine potenzierte Schöpferkraft.
Er ist ein zähes Bündel aus einem zahllos wiederholten Gedanken und intensiven Gefühlen, das als Vorlage für jede unserer Entscheidungen dient und so unser Leben bestimmt.
Jedes Paar aus Gedanke und Gefühl kann zu einem Glaubenssatz werden. Durch ausreichende Wiederholung eines Gedankens oder durch intensive Gefühle können wir an jede Vorstellung und an jede Bedeutung glauben.
Als wir eingeschult wurden, besaßen wir noch positive Vorstellungen von der Schule, denen wir positive Bedeutungen zugeordnet haben. Es war ein Ort, an dem wir neue Freunde finden und wertvolles Wissen lernen konnten. Doch mit jedem Schuljahr nahmen bei vielen die negativen Vorstellungen zu. Uns wurde vermittelt, wir müssten gut in der Schule sein, um einen angesehenen Beruf ausüben, ausreichend Geld verdienen und so ein befriedigendes Leben führen zu können. Mit der Wiederholung dieses Gedankens wurde auch das Gefühl der Angst größer, den fremden Vorstellungen von Lehrern, Eltern und der Gesellschaft nicht gerecht zu werden und unter dem Druck zu zerbrechen. Die Vorstellungen verwandelten sich zusammen mit ihren intensiven Bedeutungen zu einem Glauben, der sich mit jeder Wiederholung festigte. Je härter der Beton eines Glaubens wird, desto mehr Einfluss gewinnt er über unser Leben. So können Kinder bereits in jungen Jahren in ein bodenloses Loch blockierender Glaubenssätze fallen, wenn ihre Eltern ununterbrochen die Wichtigkeit der schulischen Ergebnisse wiederholen und die Angst vor dem Versagen schüren.
Die Wiederholung einer Vorstellung wird mit einer intensiven Bedeutung verknüpft und ergibt einen Glauben, der fortan als Basis für jede Entscheidung dient. Auf diese Weise entstehen alle Glaubenssätze. Ziehen die dünnen Fäden eines Paares aus Gedanke und Gefühl an einem robusten Tau eines gegenteiligen Glaubenssatzes, siegt der Glaubenssatz. Hinter ihm stehen eine hohe Anzahl gleicher Gedanken und mächtiger Gefühle, die seine Kraft in seiner Entstehung potenziert haben. Wie tief sich ein Glaubenssatz in uns verankert, entscheidet nicht seine Richtigkeit oder Falschheit, sondern seine Wiederholung und Intensität.
Die folgende Liste umfasst einige der weitverbreitetsten negativen Glaubenssätze, die unterbewusst nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch unser Verhalten und damit die Gestaltung unserer Realität bestimmen.
Ich bin
ungenügend
unfähig
dumm
hässlich
erfolglos
arm
nicht liebenswert
schlechter als andere
wertlos
ein Opfer meiner Lebensumstände
Ich habe
Fehler
keinen Sinn im Leben
Ich brauche
einen Partner
Anerkennung
Geld
Befriedigung
Ich muss
fehlerlos sein
alle Erwartungen erfüllen
mehr und besser als der Durchschnitt sein
meinen Lebenssinn finden
Ich darf
nicht immer und überall Ich sein
keine Zeit verlieren
Ich kann
nicht meinen Seelenpartner finden
meine Wunden niemals schließen
meine Träume nicht realisieren
kein erfülltes Leben führen
Daraus leiten sich Kern-Glaubenssätze ab, wie:
Ich bin nicht liebenswert, weil ich Fehler habe.
Ich brauche in meinem Leben mehr, um glücklich zu sein.
Ich darf nicht Ich sein, weil ich alle Erwartungen an mich erfüllen muss, um geliebt zu werden.
Ich kann meine Träume nicht realisieren, weil ich ein Opfer meiner Lebensumstände bin.
Andere Menschen sind besser/schlechter als ich.
Glaubenssätze sind so gefährlich, weil sie im Unterbewusstsein entstehen und von dort aus operieren, während die schmerzhaften Gedanken und Gefühle, die sich aus ihnen entwickeln, im Bewusstsein wirken. Selbst wenn wir uns unserer Glaubenssätze bewusst werden, können sie trotzdem unterbewusst weiterwirken, weil sie sich weiterhin in unserem Unterbewusstsein befinden.
Negative Glaubenssätze entstehen durch unser Ego, das ein Teil von uns ist und sich nach Liebe sehnt. Mit jedem Glaubenssatz verfolgt unser Ego das Ziel, geliebt zu werden bzw. Leid zu vermeiden. Doch leider bergen alle negativen Glaubenssätze ein unheimlich destruktives Potenzial, das unser Leben schwerwiegend begrenzt und den engen Raum inmitten unserer Grenzen mit Schmerzen füllt. Sie wüten in jedem von uns und ergeben in ihrer Kombination einen tödlichen Cocktail, der unser gesamtes Leben vergiften kann. Nicht weil wir an sie glauben, sondern weil wir glauben, sie zu wissen. Um ihnen ihre Macht über uns zu nehmen, müssen wir unser »Wissen« infrage stellen, um es als Glaube zu enttarnen.
»Ich weiß nicht« wird zu einem essenziellen Grundsatz für ein grenzenloses Leben. Erst die Erkenntnis der Unkenntnis öffnet unsere Grenzen.
Aus einem Glauben entsteht ein Verhalten, mit dem wir unsere äußere Welt verändern. Diese Veränderung entspricht der Überzeugung, aus der unser Verhalten hervorgegangen ist und wirkt so als Bestätigung für unseren Glaubenssatz. Unser Glaubenssatz festigt sich, während sich unsere Realität immer weiter in seine Richtung bewegt.
Aus dem Glaubenssatz »Ich bin nicht liebenswert, weil ich Fehler habe« folgt häufig ein zurückhaltendes Verhalten. Wir sind unsicher und wollen unsere Fehler vermeiden. Folglich werden wir sie entweder ignorieren oder uns bemühen, sie zu verbergen. Ignorieren wir sie, sinken sie in den Schatten unseres Unterbewusstseins und können uns unbemerkt ein Leben lang begleiten. Verbergen wir sie, befinden sie sich im ununterbrochenen Licht unseres Bewusstseins, und die Angst vor ihnen steuert unser gesamtes Leben. Halten wir uns von anderen fern, halten jene sich auch von uns fern, und unser vom Glauben programmiertes Bewusstsein übersetzt die Reaktion in: »Die anderen halten sich von mir fern. Ich wusste es. Ich habe Fehler. Ich bin nicht liebenswert.« Unser destruktiver Glaube wird bestätigt, und der Kreislauf der selbsterfüllenden Prophezeiung dreht sich weiter.
Aus dem Glaubenssatz »Ich kann kein erfülltes Leben führen, weil ich ein Opfer meiner Lebensumstände bin« folgt häufig ein besonders passives Verhalten. Wir haben uns mit unseren Lebensumständen und unserer Ohnmacht abgefunden. Wir glauben, dass das Leben, wie wir es führen, unsere Bestimmung sein muss. Deswegen folgen wir dieser vermeintlichen Bestimmung, statt uns ihr zu widersetzen, um so weiteres Leid durch einen fruchtlosen Widerstand zu vermeiden. Wir werden von der Illusion eingenommen, dass andere Menschen, Ereignisse oder Umstände unser Leben kontrollieren würden. Wir fühlen uns als Spielball unseres Lebens, der von allen getreten wird und nur noch zusehen kann, in welche Richtung er fliegt. Falls wir die Kontrolle über unser Leben nicht selbst übernehmen, wird sie von unseren äußeren Umständen oder anderen Menschen übernommen. So erfüllt sich auch diese Prophezeiung, und wir werden tatsächlich zum vermeintlichen Opfer unserer Lebensumstände.
Da unser Verhalten unsere Realität erschafft, wird sie zu einem exakten Spiegelbild unserer Glaubenssätze. Von der Reaktion auf das Wetter bis hin zu der Gewohnheit, am Abend fernzusehen. Deswegen fällt es uns so schwer, uns zu verändern. Sportlicher zu sein, abzunehmen, mehr Liebe zu geben oder offener auf andere Menschen zuzugehen. Unser bewusstes »Ich will« steht im Gegensatz zu unserem unbewussten »Ich kann nicht«. Deswegen erschafft ein Lottogewinn noch kein Leben in Reichtum, ein neuer Partner noch kein Leben in Liebe und ein Blick in die Sterne noch kein Leben in Unendlichkeit. Der riesige Glaube »Ich kann nicht«, den wir unser gesamtes Leben bestärkt haben, steht dem winzigen Gedanken »Ich will« gegenüber, den wir unser gesamtes Leben geschwächt haben. Aus diesem Grund führen positives Denken, gefühllose Affirmationen und andere Methoden der Autosuggestion zu keiner nachhaltigen Veränderung, wenn sie nur an der Oberfläche eines Gedankens schwimmen, statt in die Tiefen des Glaubens zu tauchen.
Jeder Mensch wird in der Kenntnis seiner unantastbaren Vollkommenheit geboren, doch zur Unkenntnis darüber erzogen. Was wir verlieren, ist nicht unsere Vollkommenheit, sondern unseren Glauben daran. Doch wir können all unsere Zweifel ablegen und zurück zu unserer Quelle kehren. Wird unser Glaube grenzenlos, werden auch wir wieder grenzenlos. Diese Rückkehr erfordert, dass wir unsere destruktiven Glaubenssätze mit positiv ersetzen. Bringen wir »Ich will« in Einklang mit »Ich kann«, lösen sich die Grenzen unserer Realität auf. »Mein Glaube wird Wirklichkeit« wird zu dem entmystifizierten Zauberspruch, der unserem Leben eine unerschöpfliche Magie verleiht.
Richte dein gegenwärtiges Licht einmal in die dunklen Räume deiner schmerzhaften Erinnerungen, und reflektiere, wie häufig du wegen der oben genannten Glaubenssätze bereits eine Chance nicht genutzt hast. Wie häufig du in Wut ausgebrochen, in Verzweiflung gefallen oder in Trauer gesunken bist. Wie häufig du dich oder jemand anderen zu Unrecht verurteilt hast und in einen inneren oder äußeren Konflikt geraten bist.
Verweile für einen Moment in diesen Erinnerungen. Und jetzt trete aus ihnen heraus, und stelle dir vor, du würdest all diese Grenzen verlieren und wärst vollkommen frei.
Kannst du dir diese Wirklichkeit vorstellen?
Dann kannst du sie auch erschaffen.

Wach- und Unterbewusstsein – die zwei Strömungen deiner Quelle
»Woher kommt unser Bewusstsein?«
»Es ist aus der Vereinigung entstanden.«
»Welcher Vereinigung?«
»Die Vereinigung der Gegensätze.
Das Männliche mit dem Weiblichen.
Das Nährende mit dem Gebärenden.
Der Verstand mit dem Herzen.
Die Logik mit der Intuition.
Der Fleiß mit der Kreativität.
Das Aktive mit dem Passiven.«
Unser »Sein« umfasst nicht nur unser Bewusst-Sein, sondern auch unser Un- bzw. Unterbewusst-Sein. Zur Unterscheidung wird im weiteren Verlauf das Wort »Wachbewusstsein« für unser bewusstes Sein verwendet, »Unterbewusstsein« für unser unbewusstes Sein und »Bewusstsein« für die Verbindung unserer beiden Bewusstseinszustände.
Wachbewusstsein und Unterbewusstsein wirken immer zusammen. Sie sind zwei Strömungen einer Quelle – deiner Quelle.
Das ausführende Unterbewusstsein
»Warum ist mein Bewusstsein begrenzt?«
»Warum glaubst du, dass dein Bewusstsein begrenzt sei?«
»Ich kann so viel erleben. Doch auch wenn ich mein ganzes Leben mit Erfahrungen fülle, ist es nicht einmal sichtbar in der Unendlichkeit des Universums.«
»Du irrst dich. Dein Leben ist ein eigenes Universum. Mit jeder Sekunde dehnt dein Bewusstsein dieses Universum weiter aus. Jeder Moment birgt eine Unendlichkeit. Jeder Gedanke und jedes Gefühl werden zu einem Stern. Jede Erfahrung wird zu einer Galaxie. Alles, was du erlebst, leuchtet noch weit über dein Leben hinaus, denn dein Sein währt ewig. Sterne und Galaxien mögen begrenzt sein, doch dein Universum ist grenzenlos.«
»Wie kann ich meine Unendlichkeit erreichen?«
»Du kannst sie nicht erreichen. Du kannst nur etwas erreichen, von dem du noch getrennt bist. Doch du bist nicht von deiner Unendlichkeit getrennt. Du bist bis in alle Ewigkeit mit ihr verbunden. Sag, wie stellst du dir deine Unendlichkeit vor?«
»Ich weiß es nicht.«
»Dann blicke zurück. Tauche ein in das Bad deiner Erinnerungen. Sieh, was du in deinem Leben geschafft hast, und verharre für einen Moment in der Größe einer Erinnerung.
Dann kehre zurück, und blicke dich um. Tauche ein in das Bad der Eindrücke. Sieh, was dich umgibt, und verharre für einen Moment in der Größe eines Eindrucks.
Dann bewege dich weiter, und blicke nach vorn. Tauche ein in das Bad der Visionen. Sieh, was über dir schwebt, und verharre für einen Moment in der Größe einer Vision.
Und jetzt erzähle mir, wie groß sind diese Welten?«
»Unendlich.«
»Wir sind Bewusstsein« bedeutet: Wir sind weitestgehend Unterbewusstsein.
Unser Unterbewusstsein verarbeitet über 99 Prozent aller Informationen, die wir empfangen. Gleichzeitig erschafft es nahezu jeden Gedanken und somit auch jedes Gefühl in unserem Leben. Doch es ist nicht nur der Hauptentwickler unserer Gedanken und Gefühle, sondern auch der Konstrukteur unserer Realität, der die Gedanken und Gefühle in Taten umsetzt. Neben der Speicherung von Erinnerungen und der Filterung unserer Wahrnehmung dient es vor allem der Ausführung.
Die »Bedingungsanleitungen« zum Aufbau deiner Realität
Wir können unser Verhalten bewusst beobachten, reflektieren oder planen, doch die meisten unserer Handlungen werden unreflektiert von unserem Unterbewusstsein ausgeführt. So wird ein Verhalten, das wir regelmäßig ausüben, zu einem meist unbewussten Verhaltensmuster. Dazu zählen nicht nur aktive Tätigkeiten wie Zähneputzen oder Autofahren, sondern auch reaktive Verhaltensmuster, die unter anderem steuern, wann und wie wir emotional werden. Als Vorlage nutzt unser Unterbewusstsein unsere Glaubenssätze. Um einen Gedanken und ein Gefühl, die mit einem Glaubenssatz übereinstimmen, in eine Tat umzusetzen, schafft es sich »Bedingungsanleitungen«, nach denen es die Realität erbaut. Diese Bedingungen sind die unbekannten Variablen, die die Rechnung zwischen unserer Gegenwart und unserer gewünschten Zukunft vervollständigen sollen. Gegenwart + x = Zukunft.
Übersetzt ist eine Bedingung ein »Wenn …, dann …«-Satz. »Wenn ich die Erwartungen meiner Eltern erfülle, dann werden sie mich lieben.« – »Wenn ich härter arbeite, dann verdiene ich mehr Geld.« – »Wenn ich noch einen Nachtisch esse, dann bin ich glücklicher.« – »Erst wenn andere mich lieben, dann bin ich liebenswert.« Das »Wenn« ist immer unsere gegenwärtige Aktion, das »Dann« ist die gewünschte Reaktion in der Zukunft. Unsere Aktion folgt der Reaktion. Nach der Auflösung der letzten Gleichung ist das Ergebnis immer ein Gefühl. »Wenn ich mehr Geld verdiene, dann kann ich mir ein neues Auto kaufen.« – »Wenn ich mir ein neues Auto kaufen kann, dann schätzt mich mein Umfeld mehr.« – »Wenn mein Umfeld mich mehr schätzt, dann bin ich glücklich.« Somit sind unsere Glaubenssätze die Schablonen, nach denen unser Unterbewusstsein unser Leben malt.
Zwar können wir auch bewusst eine Bedingungsanleitung ausführen, doch die Leistung unseres Wachbewusstseins wird von der Spitzenleistung unseres Unterbewusstseins weit übertroffen. Unser Unterbewusstsein ist nicht nur effektiver, indem es deutlich weniger Energie als unser Wachbewusstsein verbraucht, sondern auch ausdauernder. Wenn wir etwas Neues lernen, kostet uns die Ausübung einer neuen Tätigkeit sehr viel Energie. Von den ersten Rechnungen im kleinen Einmaleins bis zu unseren ersten Fahrstunden. Wir widmen einer neuen Tätigkeit unsere konzentrierte Aufmerksamkeit und führen sie sehr (wach-)bewusst aus. Auf diese Weise lernen wir. Erst nach ausreichender Wiederholung löst unser tüchtiges Unterbewusstsein unser erschöpftes Wachbewusstsein ab. Unsere Leistung wird höher, während unser Energieverbrauch sinkt.
Leichtes Handeln ist unterbewusstes Handeln. Auch die Leichtigkeit der Kreativität entspringt dem Unterbewusstsein. Deswegen erreichen uns die besten Ideen, wenn wir nicht mehr zwanghaft versuchen, leicht und kreativ zu sein. Angestrengtes Handeln entsteht aufgrund einer starken Reflexion unseres Handelns durch unser Wachbewusstsein. Müheloses Handeln ist hingegen das unreflektierte Handeln unseres Unterbewusstseins. Ein Leben in Leichtigkeit ist ein Leben geführt vom Unterbewusstsein.
Allerdings kann sich die Leistung unseres Unterbewusstseins auch gegen uns stellen. Das Problem entsteht, wenn unser Unterbewusstsein unsere Realität nicht nach unserem bewussten Willen, sondern nach unserem unterbewussten Glauben gestaltet. Die Leichtigkeit, in der das Unterbewusstsein unsere Realität erschafft, kann ebenso Fluch wie Segen sein. Das Unterbewusstsein wirkt immer. Ob es uns auf Wolken trägt oder in ein Gefängnis sperrt, hängt von der Wirkung unserer unterbewussten Glaubenssätze ab. Deswegen ist die Arbeit an den eigenen Glaubenssätzen grundlegend für eine neue Lebensgestaltung.
Die Bausteine deiner Realität
Unser Bewusstsein ist kein Ein-Mann-, sondern ein Zwei-Mann-Unternehmen. Um das riesige Unternehmen unseres Lebens mit so geringem Personal zu führen, müssen beide Leiter zusammenarbeiten. Um unser Wachbewusstsein zu entlasten, filtert unser Unterbewusstsein die eingehenden Eindrücke aus unserer Umwelt. Jeder Eindruck, der den Raum unseres Wachbewusstseins betreten will, muss zuerst durch die schmale Tür unseres Unterbewusstseins.
Mit diesem Filter schützt es uns einerseits vor einer Überflutung durch das Meer der Millionen Reize, denen wir in jeder Sekunde ausgesetzt sind. Dadurch befähigt es überhaupt erst das analytische Denken unseres Wachbewusstseins, dessen System ohne die Firewall des Unterbewusstseins ungeschützt überhitzen, abstürzen und kollabieren würde.
Andererseits selektiert unser Unterbewusstsein auch jene Eindrücke unserer Wahrnehmung aus, die es aufgrund unserer Vergangenheit als irrelevant einstuft, um sich auf jene Eindrücke zu konzentrieren, die für unsere Zukunft relevant sind.
Somit wählt unser Unterbewusstsein das Material aus, das für die Entstehung unserer Realität verarbeitet wird. Durch die Limitierung dieser Auswahl grenzt unser Unterbewusstsein einen Teil unserer Wahrnehmung aus, den wir nur unbewusst erleben. Mit jeder Selektion werden nur wenige Möglichkeiten in die streng limitierte Auswahl unserer bewussten Sinneseindrücke gewählt, während Millionen anderer Möglichkeiten aussortiert werden. Den Maßstab des Auswahlverfahrens bilden unsere Glaubenssätze. Handeln wir unterbewusst nach destruktiven Glaubenssätzen, werden wir potenzielle Möglichkeiten, die zwar unserem Willen, jedoch nicht unserem Glauben entsprechen, nicht einmal wahrnehmen, da sie die Selektion unseres Unterbewusstseins nicht überstehen und noch vor unserer bewussten Wahrnehmung aussortiert werden.
Wenn der unterbewusste Glaubenssatz »Ich habe keine Liebe verdient« in uns wirkt, dann können uns die liebevollsten Menschen des Universums mit ihrer Wärme eindecken, doch wir nehmen Lob, Anerkennung, Gefallen und Liebe nicht wahr. Wenn wir uns einen neuen Job wünschen, in uns jedoch der Glaubenssatz »Ich werde niemals einen besseren Job finden« wütet, dann können die besten Stellenangebote des Universums in der Zeitung stehen, trotzdem werden wir sie überlesen. Selbst wenn uns das Glück auf den Mund küsst, wenn wir daran glauben, unglücklich zu sein, werden wir nur einen ungewöhnlich bitteren Geschmack auf unseren Lippen spüren.
Dehnen wir durch unser Bewusstsein die Grenzen unseres Unterbewusstseins aus, dehnen wir unsere Wahrnehmung aus. Erweitern wir unsere Wahrnehmung, erweitern wir die Möglichkeiten unserer Realität. Statt Schwächen zu suchen, können wir Stärken erkennen. Fallen wir einen Berg hinunter, sehen wir statt dem tödlichen Boden den rettenden Felsvorsprung. Wo wir vorher nur Schmerz spürten, können wir jetzt Dankbarkeit erfahren. Einsame Probleme werden plötzlich von vielseitigen Lösungen umarmt, und neben dem brennenden Fegefeuer erscheint das blühende Paradies.
Der Tresor deiner Realität
Um unser Leben überhaupt als solches wahrnehmen zu können, liegt in unserem Unterbewusstsein der Tresor unseres Bewusstseins, in dem wir unsere Erfahrungen als Erinnerungen vor ihrem Tod schützen. Diesen Tresor nennen wir Gedächtnis. Wenn ein Moment beendet ist, existiert er in der äußeren Welt nicht mehr. Wir können nur die Gegenwart mit unseren äußeren Sinnen wahrnehmen. Die einzige Möglichkeit, um den Moment vor seinem Tod zu bewahren, bietet das Konstrukt der Vergangenheit. Auch das Wunder der Zeit ist das Kind unseres Unterbewusstseins. Nur dank dieser Erfindung können wir einer Erfahrung trotz ihres Todes in der Gegenwart durch eine Reinkarnation als Erinnerung ihre eigene Ewigkeit verleihen. Unser Leben ist ein buntes Mosaik aus den Erinnerungen unserer Vergangenheit, die unser Unterbewusstsein nicht nur erschafft, sondern auch schützt.
Zu leben bedeutet, die Schatztruhe unseres Bewusstseins mit wertvollen Erinnerungen zu füllen.
Die Erinnerungen an unseren ersten Kindheitsfreund, die erste Sternschnuppe, der erste Urlaub, die Einschulung, die erste Liebe, der Schulabschluss, eine Jobzusage, die Geburt unserer Kinder und die Geburt unserer Enkelkinder. Vorstellungen, denen wir intensive Bedeutungen zugeordnet haben, speichern wir mit mehrfacher Sicherung ab. Sie beflügeln uns. Häufig sind es die kleinsten Augenblicke, die unser Bewusstsein als die schönsten Erinnerungen in unserem Gedächtnis verewigt. Es sind die Momente unseres Lebens, die uns auch in den dunkelsten Stunden strahlendes Licht spenden. Zusammen ergeben sie den süßlichen Wein, der uns nach unserem Lebensabend mit einer tiefen Zufriedenheit in ein weiches Bett aus Liebe sinken lässt, bevor wir einschlafen und durch ein neues Land der Träume reisen.
Doch die Farben der Erinnerungen sind nicht immer leuchtend. Viele unserer Erinnerungen sind schmerzvoll. Eine schwere Kindheit, Mobbing an der Schule, die Trennung von der Liebe unseres Lebens oder der Tod eines geliebten Menschen. Selbst die unscheinbarsten negativen Augenblicke können den fatalsten Effekt auf unser restliches Leben haben. Sie können das strahlendste Licht in den finstersten Schatten tauchen und in das letzte Glas unseres Lebens statt lieblichem Wein tödliches Gift schenken.
Wenn wir den Zugang zu unserer inneren Quelle freilegen, werden sich schmerzhafte Erinnerungen nicht auflösen. Allerdings sind wir als Schöpfer unseres Lebens imstande, unsere Schmerzen von unseren Erinnerungen zu lösen. Dadurch können wir auch den kältesten Erinnerungen wärmende Kleider schenken. Als Dank werden sie eine neue Seite von sich offenbaren, die uns erlaubt, selbst im Tod eine verborgene Schönheit zu entdecken. So werden alte Erinnerungen im Glanz erstrahlen und neue Erinnerungen bereits als leuchtender Stern geboren.
Das prüfende Wachbewusstsein
»Mein Leben klingt wie eine schlechte Geschichte.«
»Wenn es das ist, was du hörst, verrate mir:
Wer schreibt diese Geschichte?«
»Ich weiß es nicht.«
»Dann verrate ich es dir. Es ist die Feder deines Bewusstseins, die das Buch deiner Wirklichkeit in der Sprache deines Glaubens, mit den Worten deiner Gedanken und den Buchstaben deiner Gefühle schreibt. Als Autor dieses Buches bist du es, der seinen Titel wählt …«
»… mein Leben.«
Man mag sich fragen, wenn unser Unterbewusstsein doch so effektiv ist, wozu benötigen wir bei all seinen Leistungen noch unser Wachbewusstsein?
Unser Wachbewusstsein ist das reflektierende Bewusstsein, das als Teamleiter unser Leben beobachtet und den Kurs unserer Entscheidungen prüft.
Die Schöpfung »ist«, während der Schöpfer »bewusst ist«. Durch die Bewusstheit können wir die Schöpferkraft unseres Unterbewusstseins frei nutzen. Der bewusste Schöpfer wird zur Ursache, die Schöpfung zu seiner bewussten Wirkung. Die Reflexion ist die Fähigkeit, die uns mit unserem freien Willen nicht nur die Freiheit schenkt, sondern auch die Möglichkeit, unsere Freiheit konstruktiv zu nutzen. In den Zuständen hoher Bewusstheit können wir die Puzzleteile unserer Realität miteinander verbinden und die Mauern unserer Identität überwinden. Statt nur nach vorn und hinten zu schauen, entkrampft sich unser starrer Blick, und wir entdecken weitere Wege, die links und rechts von uns liegen. Wir befreien die Augen unseres Bewusstseins von der Blindheit unseres Unterbewusstseins und können die nächsten Schritte bewusst wählen, weil wir sehen können, wohin wir laufen.
Das Wachbewusstsein ist der Stratege in uns, der rational überlegt, während das Unterbewusstsein der Fleißige ist, der intuitiv handelt. Beide unterstützen und ergänzen einander.
Doch wenn unser Wach- und unser Unterbewusstsein nicht mehr mit-, sondern gegeneinander wirken, führen wir ein Leben, das wir nicht führen wollen.
Jeder Teil unseres Lebens, den wir uns nicht wünschen, ist ein Indikator für einen Kontrast zwischen einem Willen und einem meist unbewussten Glaubenssatz. Unser Wille steht im ständigen Kampf gegen unseren Glauben und deswegen gegen unsere Realität. Die Glaubenssätze, nach denen unser Unterbewusstsein unsere Realität erschafft, werden nicht mehr von unserem Wachbewusstsein überprüft.
So, wie der Glaube an uns die Realität mit unseren Träumen verbindet, so trennt der fehlende Glaube an uns die Realität von unseren Träumen. Wir wollen jemand sein oder etwas haben, doch wir sind in unserem Innersten unbewusst überzeugt, niemand zu sein und nichts zu haben, deswegen werden wir niemals jemand sein oder etwas haben. Wunsch und Wirklichkeit spalten sich. Zwischen ihnen entsteht eine Kluft, die mit jeder Wiederholung eines blockierenden Gedankens und einem intensiven Gefühl breiter wird.
In unserem Wachbewusstsein wissen wir, welche Entscheidungen wir treffen sollten. Ob wir uns gesund oder ungesund ernähren, ob wir Anerkennung verdient haben oder sie uns erst verdienen müssen und ob wir an unserem eigenen Traum oder dem Traum eines anderen arbeiten sollten. Doch unser Unterbewusstsein führt keine inneren Diskussionen, indem es die zweiseitigen Argumente für und gegen einen Glaubenssatz vergleicht. Stattdessen drückt es auf das Gaspedal und fährt den Kurs unseres Lebens nach der mangelhaft kontrollierten Karte unserer unbewussten Glaubenssätze. Wenn unsere bisherigen Glaubenssätze nicht mehr von unserem Wachbewusstsein erkannt werden, dann werden sie nicht mehr geprüft und veralten. Mit diesen veralteten Glaubenssätzen malt unser Unterbewusstsein in der Gegenwart weitere Bilder für das Museum unserer Vergangenheit, statt für die Galerie unserer Zukunft. Allerdings kann keine neue Zukunft mit den alten Pinseln der Vergangenheit gemalt werden.

Realität – die Neuordnung durch dein Unterbewusstsein
»Warum ist die Realität nicht einfach?«
»Sie ist einfach. Sieh zu den Tieren. Meinst du, die Tiere empfinden die Realität als schwierig?«
»Nein. Warum nicht?«
»Weil die Schwierigkeit eine Erfindung des Menschen ist.«
»Warum haben wir die Schwierigkeit erfunden?«
»Weil ihr die Unendlichkeit sucht, jedoch nicht finden könnt. Am Anfang eures Lebens lernt ihr, sie zu vergessen. Doch ihr spürt sie, deswegen beginnt ihr, sie zu suchen. Ihr sucht sie überall. Nur nicht dort, wo sie sich versteckt.«
»Wo versteckt sie sich?«
»In euch. Allerdings könnt ihr sie nicht erkennen, denn euer Blick ist versperrt.«
»Was versperrt uns unseren Blick?«
»Euer Glaube.«
»Und was befreit unseren Blick?«
»Euer Glaube.«
Nur wer die Gleichung unserer Realität kennt, kann sie verändern. Aus unseren Vorstellungen entstehen unsere Gedanken, aus ihren Bedeutungen unsere Gefühle. Die Wiederholung von gleichen Gedanken und intensiven Gefühlen erzeugt einen Glaubenssatz. Dieser Glaubenssatz erschafft weitere Gedanken und Gefühle, die ihm entsprechen. Daraus leitet sich unser Verhalten ab, das unsere Realität formt.
Also:
Vorstellungen und Bedeutungen → Gedanken und Gefühle → Glaubenssatz → Gedanken und Gefühle → Verhalten → Realität
Wenn wir zur Welt kommen, erhalten wir das Geschenk der Sensibilität. Als Kind sind wir besonders feinfühlig. Unsere Innenwelt reagiert sehr empfindlich auf unsere Außenwelt. Die Tür unserer Wahrnehmung ist weit geöffnet. Weil der Speicher unserer Erinnerungen noch leer ist, nehmen die Ereignisse in unserer Kindheit viel Raum ein und wiegen schwer. Auch unsere Lerngeschwindigkeit ist in jungen Jahren am höchsten. Wenige Wiederholungen oder ein intensiveres Gefühl reichen aus, um aus wenigen Gedanken und einem schweren Gefühl einen unterbewussten Glaubenssatz zu formen, den wir bis in unser Erwachsenenalter nur selten wieder verlieren.
Aus einem Kind, das von seinen Eltern nur Liebe erfährt, wenn es ihre Erwartungen erfüllt, kann ein Erwachsener werden, der die Erfüllung fremder Erwartungen weit über sein eigenes Wohl stellt. Aus einem Kind, das stark verwöhnt wird, kann ein unselbstständiger Erwachsener werden, der sich vor den Geheimnissen des Lebens fürchtet, statt sich auf seine Abenteuer zu freuen. Und aus einem Kind, das nie die Liebe erfahren hat, kann ein »liebloser« Erwachsener werden, der weder Liebe empfangen, noch geben kann.
Auch Kindheiten, die oberflächlich wie ein Bilderbuch erscheinen, können unbewusste tiefe Narben hinterlassen. Als Kinder sehen wir nur die wahre Schönheit der Welt abseits ihrer Illusionen. Doch weil die Blüte unseres Lebens trotzdem in einer Welt erwacht, die von Illusionen beherrscht wird, sind wir ihnen schutzlos ausgesetzt. Dadurch können negative Vorstellungen und Bedeutungen ungeprüft in uns eindringen und sich tief in unserem Unterbewusstsein einnisten. Die ersten Jahre unseres Lebens wirken wie eine Hypnose auf uns. Unser Unterbewusstsein ist weit geöffnet, sodass alle Eindrücke ungefiltert in uns einströmen. Das Wachbewusstsein besitzt noch keine Vergleichsdaten, um eingehende Informationen zu prüfen. Deswegen prägen die Ereignisse unserer Kindheit unser Erwachsenenleben so stark, ohne dass das Licht unseres Bewusstseins jemals die wahre Ursache unserer Entscheidungen erhellt. Falls wir es nicht mehr schaffen, unser Unterbewusstsein umzuprogrammieren, bestimmt unsere Kindheit unser gesamtes Leben.
In uns wirken unzählige Glaubenssätze, die unsere äußere Realität von innen heraus begrenzen. Ihr Großteil stammt aus unseren ersten Lebensjahren. Sie sind so tief in dem verschachtelten Labyrinth unserer Psyche versunken, dass ihre Bergung nicht nur extrem schwierig, sondern auch mit unüberschaubaren Kosten verbunden ist. Sich dem Monster zu stellen, das einen jagt, birgt die Chance, es zu besiegen. Doch wer ihm in die Augen sieht und den Kampf verliert, wird fortan keinen ruhigen Schritt mehr vorwärts gehen können, ohne nach hinten zu schauen.
Wenn wir einen Gedanken und ein Gefühl haben, die einem unserer Glaubenssätze widersprechen, bewegt sich der Glaubenssatz zu ihnen und beginnt sie zu bekämpfen, ohne dass uns bewusst ist, wer unser Gegner ist.
Wir nehmen uns zum wiederholten Male vor abzunehmen, doch wir brechen unsere Diät erneut ab. Wir versuchen, uns nicht mehr mit unserem Partner zu streiten, doch wir zetteln immer größere Kriege um immer kleinere Gebiete an. Am Anfang jedes Jahres nehmen wir uns vor, alles zu verändern, bis das neue Jahr zum alten Jahr wird und sich nichts geändert hat.
Auch nachdem wir den Kampf verloren haben, weil einzelne Fäden von Gedanken und Gefühlen schwächer sind als das starke Bündel eines Glaubenssatzes, erkennen wir zwar unsere Niederlage, trotzdem wissen wir noch nicht, gegen wen und warum wir verloren haben.
Aber um einen alten Glaubenssatz zu besiegen, müssen wir nicht die Kriminalakte unserer Erinnerungen untersuchen und jedes Verbrechen, das uns zugestoßen ist, erneut durchleben. Wir müssen nicht ermitteln, wann die Geburtsstunde eines Glaubenssatzes war und wer mitschuldig ist. Jene Heilmethoden, mit denen wir uns in irgendeiner Form in unsere schmerzhafte Vergangenheit begeben, sie ansehen und fühlen sollen, um unser Leid zu lindern oder gar zu beseitigen, können sehr kontraproduktiv wirken. Wenn wir Unkraut oberflächlich herausreißen, während sich dessen Wurzeln unbemerkt weiter in uns ausbreiten, dient unsere Aufmerksamkeit nur als zusätzlicher Dünger. Statt es zu lösen, konzentrieren wir uns auf unser Problem. Alles, worauf wir unsere Energie richten, wird wachsen. Positiv, wie auch negativ.
Die Lösung besteht darin, unsere Energie nicht mehr auf einen alten Glaubenssatz zu lenken, sondern unsere gesamte Energie darauf zu fokussieren, einen neuen Glaubenssatz zu formen. Gedanken und Gefühle können zwar einem Glaubenssatz widersprechen, doch zwei Gegensätze können nicht gemeinsam zur selben Zeit im selben Raum wirken, denn dann wären sie nicht mehr voneinander getrennt. Die Trennung ist das Wesen eines Gegensatzes. Deswegen kann ein negativer Glaubenssatz nicht zeitgleich in einer Person gegen einen positiven Glaubenssatz wirken. Eine ausgeglichene und anhaltende Koexistenz von widersprüchlichen Glaubenssätzen in unserem Unterbewusstsein ist unmöglich.
Prallen zwei gegensätzliche Glaubenssätze aufeinander, entsteht eine Disharmonie. Sobald wir widersprüchliche Gedanken und Gefühle entwickeln, wird der alte Glaubenssatz, der gegen unsere neue Realität wirkt, kommen und den Kampf mit ihr aufnehmen. Doch statt ihn anzugreifen, verteidigen wir unseren neuen Glaubenssatz. Statt den alten zu schwächen, stärken wir unseren neuen Glaubenssatz. Je stärker unser neuer Glaube wird, desto schwächer wird unser alter Glaube. Je realer der neue Glaube, desto irrealer wird der alte Glaube.
Aus diesem Grund müssen wir nicht jeden einzelnen negativen Glaubenssatz in unserem Unterbewusstsein demaskieren, sondern nur die Diskrepanz zwischen unserem Willen und unserer Realität erkennen. Wir müssen also nicht unbedingt herausfinden, welcher negative Glaubenssatz wann gegen uns wirkt oder aus welcher Erinnerung er geboren wurde. Um ihn zu löschen, reicht die Erkenntnis, dass etwas gegen uns wirkt. Hinweise darauf geben uns Gefühle wie Wut, Hass, Enttäuschung, Trauer oder Angst. Wenn wir es schaffen, einen positiven Glaubenssatz in unserem Unterbewusstsein zu verankern, wird sich der negative Glaubenssatz automatisch auflösen. Unabhängig davon, ob wir uns seinem Aussehen und seiner Herkunft bewusst waren.
Ein negativer Glaubenssatz ist kein Feind, sondern ein Teil von uns. Statt gegen die Disharmonie zu kämpfen, harmonisieren wir einen Glaubenssatz, indem wir Wach- und Unterbewusstsein in Einklang bringen. Unser neuer Glaubenssatz nimmt ihn als rücksichtsvollen Begleiter an die Hand. Statt ihm mit Hass zu begegnen, füllen wir ihn mit unserer Liebe. Statt ihn aufzulösen, wird er erlöst.
Das Wachbewusstsein ist der Schlüssel, das Unterbewusstsein die Tür
Um neue Glaubenssätze zu erschaffen, begeben wir uns an ihren Ursprung und erschaffen neue Vorstellungen, denen wir neue Bedeutungen geben. Unsere neuen Vorstellungen und Bedeutungen entfalten ihre höchste transformative Wirkung, wenn sich der undurchdringbare Beton unserer illusionären Realität in eine zerbrechliche Wand aus Glas verwandelt.
Eine Veränderung erfolgt nach einer Erkenntnis. Eine Erkenntnis der Wahrheit wird durch eine Desillusionierung der Lüge verstärkt. Seit unserer Geburt wird uns auf direkten und indirekten Wegen suggeriert, wir seien nur ein gottloser Tropfen, getrennt von seiner Quelle. Doch in uns sprudelt die unerschöpfliche Quelle Gottes. Alle Vorstellungen, die uns in den Rahmen eines unwillkürlichen Opfers unserer Lebensumstände zwängen, sind Illusionen. Sie verschleiern die Wahrheit, begrenzen unsere Realität und füllen unser eingeschränktes Dasein mit Schmerzen.
Wenn wir sie jedoch enttarnen und einen Blick auf die Wahrheit hinter den Vorhang wagen, werden wir zum ersten Mal in unserem Leben in das ewige Auge unserer Unendlichkeit blicken.
Dieser Anblick erleuchtet uns. Unsere Unendlichkeit wird ein endloses Beet neuer Glaubenssätze formen, die durch fruchtbare Gedanken und Gefühle größter Dankbarkeit und Liebe genährt werden. Unser Verhalten passt sich an unsere neuen Glaubenssätze an, und gemeinsam mit dem Überfluss des Universums werden sie unser Paradies auf Erden schaffen.
Ein erfülltes Leben zu führen bedeutet nicht, ein ständig bewusstes Leben zu führen. Häufig sind Menschen, die versuchen, besonders bewusst zu leben, unterbewusst noch unglücklicher als »unbewusste Menschen«, weil diese nicht ihre gesamte Energie in den Versuch investieren, einen unmöglichen Zustand anhaltender Bewusstheit zu erreichen.
Uns Unbewusstes bewusst zu machen ist der erste Schritt zu unserer schöpferischen Quelle. Doch erst wenn eine Erkenntnis zu einem neuen Verhalten führt und dieses Verhalten wiederholt wird, bis es das Wachbewusstsein verlässt und in das Unterbewusstsein integriert wird, tritt eine nachhaltige und anhaltende Veränderung in der Realität ein.
Wie nachhaltig diese Veränderung ist, entscheidet, ob sie am Ursprung oder an einem Symptom ansetzt. Der Ursprung unserer Realität ist nicht unser Wachbewusstsein und wird es auch niemals sein. Unser Unterbewusstsein entwirft unsere Realität. Es beginnt bei unseren Körperfunktionen, die überhaupt erst unser Überleben ermöglichen. Zwar sind bewusste Handlungen wie eine bewusste Atmung eine effektive Hilfe, um die illusionären Probleme und Ängste aus Vergangenheit und Zukunft zu verlassen und sich in der schmerzlosen Gegenwart zu zentrieren. Wir können jedoch nicht jeden Atemzug unseres Lebens bewusst ausführen. Ausschließlich im gegenwärtigen Moment bewusst zu sein, ignoriert die Möglichkeiten, die uns Vergangenheit und Zukunft schenken, wenn wir die Konstrukte der Zeit konstruktiv nutzen. Nur noch im »Hier und Jetzt« zu leben ist zudem unmöglich, denn unsere gesamte Wahrnehmung basiert auf der Assoziation der Gegenwart mit der Vergangenheit. Wie bewusst wir auch sind, allein die Unendlichkeit eines einzigen Moments ist zu vielfältig, um sich ihr voll bewusst zu werden. Statt sich durch die Gegenwart von dem Leid aus Vergangenheit und Zukunft zu lösen, müssen wir die Vergangenheit und die Zukunft von ihrem Leid lösen.
Wir müssen nur einen Blick in den Raum um uns werfen. Uns begegnen Millionen von Reizen, die unser Bewusstsein mit all unseren Erfahrungen vergleicht, um sie auszuwerten.
Diese Arbeit kann nicht von einem Strategen erledigt werden, der jeden Reiz eingehend prüft, sondern benötigt einen leistungsstarken Macher, der umsetzt, ohne Fragen zu stellen.
Auch die Realität bewusster Menschen wird von ihrem Unterbewusstsein erschaffen. Eine neue Realität entsteht nicht durch den Ausschluss des Unterbewusstseins, sondern durch seine Umprogrammierung. Der Wandel von der theoretischen Erkenntnis in der Isolation, zum Beispiel beim Lesen dieses Buches, in einer Therapie oder einem Seminar, bis hin zur praktischen Veränderung im Alltag, in welchem wir mit unseren Ängsten, Sorgen und Problemen konfrontiert werden, ist so schwierig, weil er eine Transzendenz von uns fordert – den Übergang einer Erkenntnis von unserem prüfenden Wachbewusstsein in unser ausführendes Unterbewusstsein. Erst dann wird die Reflexion zur Vorlage der Kreation, und der Vorsatz verwandelt sich in einen Glaubenssatz.
Der einzige Schlüssel, der das verriegelte Schloss zwischen der theoretischen Erkenntnis und der praktischen Erfahrung unserer Quelle entsperren kann, ist die Transformation des bewussten Willens und Wissens in einen unterbewussten Glauben. Die Transzendenz von reflektierten Informationen in das endlose Reich des Unterbewusstseins. Die Harmonie beider Bewusstseinsebenen.
Leistungssportler sind so effektiv, weil sie jede Bewegung ihrer Sportart so häufig wiederholt haben, dass die Ausführungen ihr Wachbewusstsein verlassen haben und in ihr Unterbewusstsein gesunken sind.
Das Dribbeln oder die Schuss- und Wurftechniken im Profisport werden von ihren Akteuren unterbewusst ausgeführt. Deswegen können sie ihr Wachbewusstsein anderweitig einsetzen und Laufwege von Gegnern und Mitspielern analysieren, um in Zehntelsekunden Abspiel oder Torschuss zu planen. Jedes Training in ihrer gesamten Karriere hat das Ziel, Informationen zu reflektieren, um neue Techniken zu entwickeln oder zu verbessern und dann die neuen Informationen durch regelmäßige Wiederholung in ihr Unterbewusstsein zu transzendieren.
Dasselbe Prinzip kann auf jeden Lebensbereich angewendet werden, um ein Profi in Sachen Liebe, Reichtum, Glück und im Leben zu werden.
Nur eine wiederholte Bewusstheit kann unser Unterbewusstsein nachhaltig reprogrammieren. Weltreisen, Abgeschiedenheit, Schicksalsschläge oder auch schwere Krankheiten prägen uns, weil wir während dieser Phasen unsere Energie von den Illusionen unseres Alltags abwenden, uns so uneingeschränkt unserem Inneren zuwenden können und dadurch unsere innere Wahrheit erfahren. Mit der Dauer der Phase steigt die Wiederholung dieser neuen Erfahrungen und damit die Intensität ihrer Energie, bis das Wachbewusstsein sie in die Hände des Unterbewusstseins legt und wir buchstäblich zu einem neuen Menschen werden.
Weitaus schwieriger fällt es uns, ein neues Programm für eine gewünschte Veränderung in den Alltag zu integrieren. Unser Wachbewusstsein kann sich bis in das Universum entfalten, während Leben und Heilung stagnieren, weil unser Unterbewusstsein noch in dem engen Raum unserer unbewussten Glaubenssätze gefangen ist. Menschen, die weise leben, unterscheiden sich von Menschen, die nur weise predigen, weil ihr Wissen die Oberfläche ihres Wachbewusstseins verlassen hat. Es hat sich in den Tiefen ihres Unterbewusstseins verankert, um das Fundament zu bilden, auf dem sich alle ihre Handlungen errichten.
Unser Unterbewusstsein ist die Quelle, aus der unsere Gedanken, unsere Gefühle und unser Verhalten sprudeln. Wir wurden nicht aus dem Garten Eden verbannt. Uns wurde mit unserem Bewusstsein ein Garten ohne Grenzen geschenkt, den wir durch Wille und Glaube frei gestalten können.
Mit dem Schlüssel unseres Wachbewusstseins öffnen wir die Tür unseres Unterbewusstseins, um die Illusionen zu löschen, auf denen unsere Realität erbaut ist. Dann können wir alte Glaubenssätze mit neuen Programmen unserer Wahl ersetzen. Dehnen wir die Grenzen unseres Wahrnehmungsfilters aus, dehnen wir die Grenzen unserer Realität aus. Verändern wir die Bedeutungen, die den Erinnerungen zugeordnet sind, löschen wir die Narben der Vergangenheit. Erschaffen wir neue Vorstellungen und geben ihnen neue Bedeutungen, erschaffen wir neue Glaubenssätze und eine neue Zukunft. Reprogrammieren wir unser Unterbewusstsein, reprogrammieren wir unser Leben.
Jedes Leid der Welt entsteht durch Ausschluss. Weiß von Schwarz, Licht von Schatten und Gut von Böse. Doch statt in der Illusion von »entweder-oder« liegt die Wahrheit immer in »sowohl-als-auch«. Das Leid unseres menschlichen Lebens liegt in dem Ausschluss einer Seite unseres Bewusstseins. Unbewusste Menschen neigen dazu, ihr Wachbewusstsein auszuschließen, während bewusste Menschen dazu tendieren, ihr Unterbewusstsein auszuschließen. Erst durch die Dysbalance von Wach- und Unterbewusstsein entsteht eine Dysbalance in unserem Leben. Kopfmenschen konzentrieren sich auf die Logik und Rationalität. Herzmenschen vertrauen auf Intuition und Kreativität. Doch jeder Mensch ist Kopf- und Herzmensch zugleich. Die künstliche Trennung ist eine Illusion. Jede Entscheidung benötigt eine ausgewogene Prise Kopf, ummantelt von einer Spur Herz.
Die Neuordnung unserer Realität liegt nicht in dem Ausschluss, sondern in dem Einschluss des Unterbewusstseins. Nicht ausschließlich bewusst zu sein, sondern anfänglich bewusst zu sein, um schließlich auch wieder unterbewusst werden zu können, ohne die Verbindung zu unserer Quelle erneut zu verlieren.
Das Unterbewusstsein enthält unsere Schatten, aber es ist nicht unsere dunkle Seite. Es birgt ein unvorstellbares Potenzial, mit dem wir nicht nur Berge, sondern ganze Planeten versetzen können.
Die Quelle jeder Manifestation, die wir uns wünschen können, ist in uns und wird immer in uns sein. Wenn wir unsere Bewusstseinszustände des Wach- und Unterbewusstseins wieder miteinander synchronisieren, sodass unser Bewusstsein einen harmonisierten Einklang bildet, kehren wir in unsere Quelle zurück, in der weder Leid noch Grenzen herrschen.
Unsere innere Quelle ist ein Hologramm der universalen Quelle. In einem Hologramm trägt jeder Teil das Bild des Ganzen in sich. Alles stammt aus der universalen Quelle, in der jede Möglichkeit, die wir uns vorstellen können, bereits existiert. Verbinden wir unsere Quelle mit der universalen Quelle, können wir uns mit jeder Möglichkeit unserer Vorstellungskraft verbinden. Das Bindeglied zwischen ihnen ist unser Glaube.
Wenn wir erkennen, dass wir alles, was wir sein wollen, bereits in uns haben, lösen sich alle unsere Grenzen auf. Wir erfahren den Kosmos nicht mehr als unerreichbare Unendlichkeit jenseits des Sternenhimmels, sondern als unser »wahres Selbst« in uns und allem was ist.
Stell dir vor, dein Unterbewusstsein wäre statt auf Armut, auf Reichtum programmiert.
Statt auf Selbstzweifel, auf Selbstliebe.
Statt auf Vorurteilen, auf Nächstenliebe.
Statt auf Grenzen, auf Möglichkeiten.
Statt auf den engen Raum deiner Vergangenheit, auf den unendlichen Raum deiner Zukunft.
Dein Leben wäre erfüllt von Reichtum, Liebe, Möglichkeiten und einer grenzenlosen Zukunft.
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