Kitabı oku: «Die Konferenz der Vögel»

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Über den Autor
Über den Autor

Farid ud-Din Attar (um 1120 – 1220) gehört – neben Hafiz und Rumi – zu den größten persischen sufimystischen Dichtern. Er lebte als Drogist, sammelte 97 Biographien klassischer Sufi-Derwische, verlor im Alter von etwa 100 Jahren im Mongolensturm sein Leben und hinterließ mehrere gereimte Mathnawi/Lehr-Epen, von denen die weltberühmten »Vogelgespräche« bisher nur auf englisch-französischen Umwegen ins Deutsche gelangten. Hier nun sein Meisterstück erstmals direkt aus dem Persischen ins Deutsche übersetzt von Katja Föllmer.

Dr. Katja Föllmer studierte Iranistik, Arabistik / Islamwissenschaft und Ethnologie in Göttingenund Teheran und promovierte im Fach Iranistik. Seit 2003 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Seminar für Iranistik in Göttingen.

Zum Buch
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»Gläubige und Ungläubige sind gleichermaßen in Blut getaucht und haben sich verirrt. Mir schwindelt. Ich bin nicht ohne Hoffnung, aber voller Ungeduld.«

Das persische Versepos des Dichterfürsten Farid ud-Din Attar aus dem 12. Jahrhundert erzählt eine poetische und religionsphilosophische Geschichte: Unter dem Vorsitz des Wiedehopfs entschließt sich die Versammlung der Vögel ihren legendären König, den Wundervogel Simurgh, im Qaf-Gebirge aufzusuchen. Auf der beschwerlichen Reise durch das Tal der Suche, der Liebe, der Erkenntnis, der Unabhängigkeit, der Einheit, des Erstaunens und des Todes – alle sieben Stadien des Sufi-Einweihungspfades -, mit vielen Gesprächen und eingestreuten religiösen, subtilen und kuriosen Geschichten, Märchen, Anekdoten, Gleichnissen, in denen Dschinne, Derwische, Scheiche, aber auch Jesus und Sokrates vorkommen, gehen tausende von ihnen zugrunde. Doch für die Überlebenden hat sich die Mühe gelohnt: Sie erreichen die höchste Stufe der Vollkommenheit und erkennen sich selbst.

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte vorbehalten
Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2011 Übersetzung: Dr. Katja Föllmer, Göttingen Nach der Ausgabe Mohammad Reza Schafi’i-Kadkani: Attar-e Neischaburi: Mantiq ut-Tair. Teheran: Sochan 1384 [2005], S. 233-446. Korrekturen: Christine Klinger, Usingen Covergestaltung: Nele Schütz Design, München Bild-Collage: Nele Schütz Design, München eBook-Bearbeitung: Medienservice Feiß, Burgwitz Gesetzt in der Palatino Ind Uni – untersteht der GPL v2 ISBN: 978-3-8438-0039-6 www.marixverlag.de

Inhalt

Über den Autor

Zum Buch

Vorwort der Übersetzerin

Einleitung

Durch Brotgenuss erworbenes Recht

Zur Beschreibung des Propheten

Das Kind im Mühlbach

Zur Beschreibung Abu Bakrs des Rechtschaffenen

Zur Beschreibung von Omar

Zur Beschreibung von Osman

Zur Beschreibung von Ali

Anekdote über Omar

Anekdote über die Opferbereitschaft Alis

Anekdote über Ali

Anekdote über Bilal

Über die Zuverlässigkeit Alis und Abu Bakrs

Anekdote über Rabi’a

Gebet Mohammads

1. Anfang des Buches: Die Versammlung der Vögel

2. Die Rede des Wiedehopfs zu den Vögeln

Erzählung Simorghs

3. Die Rede der Nachtigall

Die Prinzessin und der Derwisch

4. Die Rede des Papageien

Der Irre und Chidr

5. Die Rede des Pfaus

Der Lehrer und der Schüler

6. Die Rede der Ente

Allegorische Anekdote

7. Die Rede des Rebhuhns

Der Stein des Salomon

8. Die Rede des Geieradlers

Mahmud und der Weise

9. Die Rede des Falken

Der König und sein Sklave

10. Die Rede des Reihers

Der Weise und das Meer

11. Die Rede der Eule

Über die Liebe zum Gold

12. Die Rede des Finken

Erzählung von Jakob

13. Die allgemeine Haltung der Vögel

Fragen der Vögel an den Wiedehopf

Der schöne König

Anekdote von Alexander

Mahmud und Ayaz

14. Die Antwort des Wiedehopfs

Die Geschichte vom Scheich San’an

15. Die Vögel beschließen, zum Simorgh zu gehen

Anekdote von Bayazid

16. Der Abflug der Vögel und die Ausrede des ersten Vogels

Mas’ud und der Fischerjunge

Ein Mörder im Paradies

Mahmud und der Dornensammler

17. Die Ausrede des zweiten Vogels

Anekdote vom Scheich Nuqani

Der nackte Verrückte

Rabi’a auf der Wallfahrt

Vom Irren und den Fliegen

18. Die Ausrede des dritten Vogels

Der reuige Sünder

Gabriel und der Diener Gottes, der ein Christ war

Der Sufi und der Honigverkäufer

Worte Gottes zu Moses

Erbarmen für einen Sünder

Erzählung von Abbase

19. Die Ausrede des vierten Vogels

Schibli im Haus der Ausschweifungen

Streit zwischen zwei Sufis

Der König von Ägypten und der Verliebte

20. Die Ausrede des fünften Vogels

Der Totengräber und die Triebseele

Abbase über die Triebseele

Der König und der Bettler

Die zwei Füchse

21. Die Ausrede des sechsten Vogels

Klage Iblis’ über einen Niederträchtigen

Brotessen als Gehorsam gegenüber Satan

Bitte um Erbarmen

Tod eines frommen Mannes

22. Die Ausrede des siebten Vogels

Gold im Besitz eines Schülers

Der Scheich von Basra und Rabi’a

Die Liebe zur Nachtigall

23. Die Ausrede des achten Vogels

Die Unvollkommenheit des Schlosses

Ein Verrückter lehnt eine Einladung ab

Die Fliege im Netz des Spinne

Der Derwisch in der Wüste

Das Erblicken der Welt und der Tod

Das Verbrennen von Aloeholz

24. Die Ausrede des neunten Vogels

Über den Makel der Liebe

Verkauf einer Geliebten

Der Hund des Königs

Halladsch an der Richtstätte

Dschunaid und der Kopf seines Sohnes

25. Die Ausrede des zehnten Vogels

Die Geschichte vom Phönix

Ein Sohn trauert um seinen Vater

Über den Tod

Bitteres und süßes Wasser aus einer Quelle

Sokrates’ Grab

26. Die Ausrede des elften Vogels

Die Ablehnung eines Getränks

Der verlockende Genuss von bitterem Obst

Brot und Schläge

Eine alte Frau bittet um ein Gebet für den Frohsinn

Eine Frage nach dem Frohsinn

Eine Fledermaus will zur Sonne

27. Die Ausrede des zwölften Vogels

Das geschmückte Gefängnis

Vortritt durch Gehorsam

Dienen ist besser als Herrschen

Von der Vergänglichkeit der Würde

28. Die Ausrede des dreizehnten Vogels

Von der Freude über den Verlust des Sohnes

Die Strafe für die Vorliebe von Auberginen

Die toten Derwische

29. Die Ausrede des vierzehnten Vogels

Eine Frau bietet Garn für Joseph

Erkaufte Würde

Der Scheich unter der Brücke

Die Welt als Schachtel

30. Die Ausrede des fünfzehnten Vogels

Anekdote von Ahmad b. Hanbal

Der indische König und Mahmud

Die Prüfung des Glaubenskämpfers

Die Brüder Josephs

31. Die Ausrede des sechzehnten Vogels

Ein Verrückter und die Diener von Omid

Ein Irrer bekommt einen Ziegel auf den Kopf

Die Entschädigung für einen Esel

Der kühne Verrückte

Der Irre im Aschehaus

Anekdote von Wasiti

32. Die Ausrede des siebzehnten Vogels

Ein Schüler sieht Bayazid im Traum

Leid durch die Liebe zu Gott

Mahmud zu Gast beim Heizer

Das Wasser des anderen

33. Die Ausrede des achtzehnten Vogels

Falscher Stolz

Moses löst das Geheimnis von Iblis

Das Entsagen von Wünschen

Innere und äußere Unreinheit

Die Liebe zum Bart

Der Bart wird zum Verhängnis

Von Wolke und Seife

34. Die Ausrede des neunzehnten Vogels

Von der Liebe zu Gott

Unsterblichkeit durch Liebe

Von der Suche nach Fehlern

Zwei Betrunkene

Der Fehler im Auge der Geliebten

Schläge für einen Betrunkenen

35. Die Ausrede des zwanzigsten Vogels

Die Seele lehnt das Paradies ab

Gott spricht zu David

Ayaz lehnt die Herrschaft ab

Rabi’a spricht zu Gott

Worte Gottes an David

Mahmud vernichtet den Götzen

Mahmud verteilt die Kriegsbeute

36. Die Ausrede des einundzwanzigsten Vogels

Zulaicha prüft Joseph

Wecken zum Gebet

Die Antwort der Paradies- und Höllenbewohner

Das Gebet ohne Gebetsteppich

37. Die Ausrede des zweiundzwanzigsten Vogels

38. Das erste Tal des Suchens

Die Verfluchung Iblis’

Kein Unterschied

Madschnun sucht Laila im Staub

Geduld bei der Suche

Über die Geduld und den Sinn des Suchens

Mahmud und der Staubsieber

Die Tür ist immer offen

39. Das zweite Tal der Liebe

Die Liebe zum Getränkeverkäufer

Madschnun im Schafsfell

Ein Bettler verliebt sich in Ayaz

Der Araber bei den Glücksspielern

Ein Mann will den Geliebten töten

Abraham verweigert die Seele

40. Das dritte Tal der Gotteserkenntnis

Tränen aus Stein

Der schlafende Verliebte

Die Liebe des Wächters

Das Glück der Erkenntnis

Mahmud in der Ruine

41. Das vierte Tal der Unbedürftigkeit

Der Junge im Brunnen

Die Frage nach dem Nutzen

Das Abbild der Welt

Ein Mann lehnt das Angebot Gottes ab

Die Fliege im Honig

Ein Derwisch liebt die Tochter eines Hundehüters

Keine Rede vor Ungewaschenen

42. Das fünfte Tal der Einheit mit Gott

Das Wesen der Welt

Abu Ali und das Goldblatt

Luqman bittet um seinen Freibrief

Die Verliebten im Wasser

Mahmud und Ayaz bei der Parade

43. Das sechste Tal des Erstaunens

Die Prinzessin verliebt sich in einen Diener

Die Trauer um Tote ist besser

Der verlorene Schlüssel

Ein Scheich umkreist einen Feuertempel

Ein Schüler sieht seinen Lehrer im Traum

44. Das siebte Tal der Armut und Vergänglichkeit

Dünn wie ein Haar aus Liebe

Der Traum eines Verliebten

Die Schmetterlinge und die Kerze

Der Genickstoß

Ein Derwisch verliebt sich in den Prinzen

Der Weg zur Vereinigung

45. Das Ende der Reise der Vögel

Das Lob Madschnuns

Fragen an den Schmetterling

Die Brüder Josephs werden mit ihrem Verrat konfrontiert

Die Asche Halladschs

Die Liebe zum Sohn des Ministers

Epilog

Zuhören ist besser als Reden

Aristoteles und der Tod Alexanders

Anekdote

Der letzte Wunsch

Sinnlosigkeit des Lebens

Schibli erscheint im Traum

Die Engel mit Silber und Gold

Ein Betrunkener vor dem Derwischkloster

Worte eines Sufis

Der Käufer der Wahrheit

Salomon fragt die Ameise

Der Schmutz vom Bade

Fußnoten

Kontakt zum Verlag

Vorwort der Übersetzerin

Die Konferenz der Vögel ist wohl das berühmteste epische Werk des islamischen Mystikers Farid ad-Din Attars (ca. 1142-1221 n. Chr.). Eine vollständige Übersetzung des Textes aus dem Persischen ins Deutsche ist bislang nicht erschienen. Auszüge daraus sind von Annemarie Schimmel und Helmut Ritter übersetzt worden. Die einzige vollständige Übersetzung ins Französische erfolgte von Garcin de Tassy, die wiederum die Grundlage für englische Übersetzungen bildete.

Über Attar selbst ist nicht sehr viel bekannt. Er wurde in Nischapur im Nordosten Persiens geboren, zu einer Zeit, als die Ghaznawiden ihre Herrschaft in Chorasan bereits an die Seldschuken abgetreten hatten und die Chwaresm-Schahs ihren Einfluss in der Region vergrößerten, bis sie schließlich durch die Eroberungszüge der Mongolen untergingen. Attar soll bei einem dieser Überfälle umgekommen sein. Er zählt heute neben Dschalal ad-Din Rumi und Sana’i zu den wichtigsten persischen Dichtern der Mystik.

Die Konferenz der Vögel beschreibt die Reise der Vögel zum Göttlichen, bei der sie mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert werden. Die Vögel tragen ihrem Anführer, dem Wiedehopf, zunächst ihre besonderen Eigenschaften und Stärken vor, aufgrund derer sie sich nicht auf die Reise begeben wollen. Doch schließlich gelingt es dem Wiedehopf, sie dazu zu bewegen und sich mit ihm auf den Weg zu machen. Auf der Reise erkennen die Vögel ihre Schwächen und tragen dem Wiedehopf ihre Klagen und Ausreden vor, um den Weg nicht fortzusetzen. Dieser gibt ihnen jeweils eine entsprechende Erwiderung in Form eines Rates oder einer Belehrung, die er mit Anekdoten, Gleichnissen oder Geschichten von bekannten oder weniger bekannten historischen Personen illustriert. So gelangen schließlich dreißig Vögel an ihr Ziel.

Für die Lektüre empfiehlt es sich zunächst, die umfangreiche Einleitung Attars zu überspringen, da sie für die Allegorie selbst von untergeordneter Bedeutung ist. Sie enthält eine Zusammenfassung der Schöpfung der Welt, eine Lobrede an Gott und die Propheten und geht schließlich ausführlicher auf den Propheten Mohammad und seine vier Nachfolger, die rechtgeleiteten Kalifen Abu Bakr, Omar, Osman und Ali, ein.

Die abschließenden Worte Attars im Epilog können dagegen als Einleitung für den Leser dienlich sein. Darin wird deutlich, dass er sein Werk als Ratgeber versteht. Und in der Tat hat so manche Weisheit in ihrem Kern auch heute nicht an Bedeutung verloren.

Diese Prosaübersetzung der Verse Attars basiert auf der Teheraner Textedition von Mohammad Reza Schafi’i-Kadkani, Mantiq at-Tair. Teheran: Sochan 1384 [2005]. Sie ist keine vertiefte philologische Studie, sondern so angelegt, dass sie sich vor allem an den allgemein interessierten Leser richtet. Der Leser wird an der einen oder anderen Stelle die spezifischen Argumentationen, Gedankengänge oder die verwendeten Metapher Attars kennenlernen, die nicht nur einen Blick in die mystische Welt des Dichters erlauben, sondern auch Eigenheiten des Denkens und Verhaltens jener Zeit offenbaren. Begeben Sie sich mit den Vögeln gemeinsam auf die Reise zum Unbekannten und entdecken Sie eine Welt voller Geheimnisse.

K. Föllmer

S. 233, Verse 1-14

Einleitung

Lob auf den reinen Schöpfer der Seele, der dem Staub Leben und Glauben schenkte. Er stellte den Thron1 auf das Wasser als sein Fundament, den Erdenwesen brachte Er Leben durch seinen Atem. Den Himmel ordnete Er der Überlegenheit zu, den Staub der niederen Absicht. Dem Einen gab Er ständige Bewegung, dem anderen ständige Ruhe. Den Himmel stellte Er wie ein Zelt auf, stattete es ohne Pfosten aus und platzierte es über der Erde. In sechs Tagen brachte Er sieben Planeten hervor2 und aus zwei Buchstaben3 wurden neun Himmelskuppeln. Er vergoldete die Spielsteine der Planeten und verlor jede Nacht beim Spiel an die Himmelsschichten einen Stein. Dem Netz des Körpers gab Er unterschiedliche Zustände, dem Seelenvogel machte Er den Staub zu Eigen. Das Meer schmolz in Hingabe zu Ihm. Den Berg machte Er aus Furcht vor Ihm reglos, dem Meer vor Durst die Lippen trocken, den Stein zu Smaragd und das Blut zu Moschus. Den Geist (Gabriel) setzte er vor ihr reines Angesicht.4 Dies alles schuf Er aus der Substanz des Staubes. Den mächtigen Verstand unterwarf Er dem religiösen Gesetz. Den Körper belebte Er mit der Seele und die Seele mit dem Glauben. Dem Berg gab Er sowohl Spitze als auch Mitte, damit er sie unter Seiner Leitung erhebe.5 Mal band Er über dem Feuer Blumen zu einem Strauß zusammen6, und mal baute Er eine Brücke über das Meer.7

S. 234, Verse 15-39

Er ließ eine kleine Mücke über den Feind herfallen, der sie 400 Jahre über sich hatte.8 Einer Spinne gab Er in Weisheit ein Netz, und dem Führer der Welt, Prophet Mohammad, dadurch Ruhe.9 Er band der Ameise die Taille so dünn wie ein Haar und stellte sie Salomon gegenüber.10 Er gab ihr das schwarze Ehrenkleid der Kinder von Abbas und das ta und sin der 27. Sure, ohne sie einzufangen. Wenn Er eine Nadel bei Jesus sah,11 dann hat Er sie sofort zum Vorschein gebracht. Die Bergspitze machte er blutrot von Tulpen, den lotusartigen Blumengarten holte er aus dem Rauch.12 Stück für Stück machte er den Staub zu Blut, um daraus Achat und Rubin zu gewinnen.

Um Ihn anzubeten legten Sonne und Mond Tag und Nacht ihre Stirn in den Staub des Weges. Ihr Angesicht existiert von der Anbetung.13 Wann gab es je ein Angesicht ohne Anbetung? Der Tag wurde wegen seiner Freilassung weiß, die Nacht verkohlte wegen ihrer Ergreifung. Dem Papageien flocht Er ein Halsband aus Gold, den Wiedehopf machte Er zum Boten des Propheten. Der Sonnenvogel schlug auf seinem Weg die Federn an Seiner Tür auf wie ein runder Eisenring.

Dem Firmament gab Er den Tag- und Nachtwechsel: Wenn Er die Nacht wegträgt, bringt Er den Tag und es wird hell.14 Als Er einen Atem in den Lehm hauchte, schuf Er den Menschen und aus Schaum und Rauch die ganze Welt.

Mal gibt Er einem Hund den Weg zur Schwelle frei,15 mal öffnet Er den Weg einer Katze. Wie Er den Hund seinem Besitzer nahe stellt, kann Er den starken Mann auch mit einem Hund in Verbindung bringen.

Von den Bewohnern des Himmels machte Er das Rund der Sonne zum Herrn des Firmaments. Mal gab Er einem Stock etwas von Salomon,16 mal schenkte Er der Ameise die Fähigkeit zu sprechen. Aus dem Stock ließ Er eine dicke Schlange werden17 und aus einem Ofen entfachte Er einen Windsturm.

Wenn sich ein Planet am Himmel erhebt, macht Er aus seinem Halbmond ein Hufeisen im Feuer. Aus einem Stein brachte Er eine Kamelstute und aus einem schluchzenden Klagen ein goldenes Kalb hervor.18

Im Winter streut Er Silber aus, im Herbst macht Er die Baumkronen golden. Wenn jemand eine Dolchspitze in Blut tränkt, macht Er daraus eine Knospe mit Blut an der Spitze. Dem Jasmin gibt Er vier Füße, der Tulpe eine blutgefärbte Haube. Mal gibt Er dem Scheitel der Narzisse eine gelbe Krone und mal legt Er einen Edelstein aus Tau hinein.

S. 235, Verse 40-64

Der erfahrene Verstand und die liebe Seele sind von Ihm. Der kreisende Himmel und die ruhende Erde sind von Ihm. Der Berg wurde durch Ihn zu Stein, das Meer durch einen Fingerzeig von Ihm zu Wasser. Sein Boden blieb mit Staub bedeckt und das Firmament verharrte wie ein Eisenring an der Tür. Zu Seinen acht Paradiesen gibt es nur eine Schwelle und zu den sieben Höllen nicht mehr als einen Riegel. Alle sind in Seiner Einheit versunken und was versunken ist, ist völlig vernichtet. Obgleich alle kleinen Dinge, vom Rücken des Fisches bis zum Mond, Zeugnis Seines Wesens sind, wären die Niedrigkeit des Staubes und die Höhe des Firmaments zwei ausreichende Zeugen. Er brachte den Wind, die Erde, das Feuer und das Blut und lüftete Sein Geheimnis durch alles.

Unseren Staub machte Er zu Lehm innerhalb von vierzig Morgenröten. Danach gab Er der Seele darin Platz. Sobald die Seele in den Körper trat, wurde der Körper lebendig. Er gab ihm Verstand, damit er zu Ihm sehen könne. Sobald er zu Verstand kam, kam er zur Einsicht. Er gab ihm Wissen, um Erkenntnis zu gewinnen. Sobald er Erkenntnis gewann, gab Er ihm Unvermögen; Er setzte ihn in Erstaunen und lieferte ihn dem Körper aus. Ob der Feind vom Diesseits eingenommen ist oder der Freund, alle verneigen sich vor Ihm. Seine Weisheit liegt über allen. Oh Wunder! Er ist der Wächter aller.

Den Berg nagelte Er zuerst in die Erde. Dann setzte Er das Meer darauf, während die Erde auf dem Rücken der Kuh, die Kuh auf dem Fisch und der Fisch in der Luft steht. Aber worauf steht die Luft? Auf nichts und fertig. Nichts ist nichts und alles ist nichts und fertig.

Denke über die Kunstfertigkeit dieses Königs nach, der über das alles über dem Nichts wacht. Weil all das über dem Nichts von Einem stammt, so ist dies alles zweifellos auch nichts. Teil und Ganzes ist die Vernunft Seines reinen Wesens. Himmel und Erde sind ein Lehen einer Hand voll Seines Staubes.19 Der Himmel ist über dem Wasser und die Welt über der Luft. Nicht nur Wasser und Luft, alles ist Gott. Himmel und Welt sind nicht mehr als ein Orakel, sie sind Er und fertig und dies alles ist nicht mehr als ein Name.

Schau, diese Welt und jene Welt sind Er. Es gibt nichts außer Ihm und wenn doch, ist auch das Er. Alles ist ein Wesen, aber mit verschiedenen Eigenschaften. Alles ist nur ein anderes Wort und ein anderer Ausdruck. Man muss den König kennen, damit man ihn in 100 Kleidern erkennt.

S. 236, Verse 65-89

Keinen Fehler begeht der, der weiß, wer Er ist. Weil Er alles ist, woher sollen dann Fehler kommen? Fehlerhaft zu sein ist ein Zustand aus der Sicht eines unfähigen Mannes. Oh weh! Niemand hat die Fähigkeit dazu, die Blicke sind blind und die Welt ist voller Sonne. Wenn du merkst, dass du den Verstand verlierst, siehst du alles von Ihm und verlierst dich selbst. Alle, oh Wunder, protestieren, entschuldigen sich und suchen nach Ausflüchten.

Oh, vom eigenen Sichtbaren ist so viel unsichtbar, Deine ganze Welt ist unsichtbar. Bringe die Seele in den Körper und Dich in die Seele, bringe sie hinein, Seele der Seelen. Oh, der vor allen steht und mehr als alles ist – alle sind von Ihm und Er ist von allen. Ist Dein Dach voller Wächter und ist die Tür versperrt von Aufpassern, dass niemand den Weg zu Dir findet? Für den Verstand und die Seele gibt es zu Deinem Wesen keinen Weg und niemand kennt Deine Eigenschaften. Obgleich Du der verborgene Schatz in der Seele bist, bist Du zugleich auch sichtbar durch Körper und Seele. Alle Seelen sind ohne Zeichen von Deinem wahren Wesen, aber die Propheten opfern ihr Leben dem Staub auf dem Weg zu Dir. Obgleich der Verstand durch Dich existiert, aber wie kann er jemals zu Deinem wahren Wesen gelangen? Weil Du die Unendlichkeit in allem Existierenden bist, bandest Du allen vollkommen die Hände. Du bist das Innere und Äußere der Seele. Sooft ich auch sage, das bist Du nicht, bist doch Du. Oh, der Verstand irrt auf der Suche nach Deiner Schwelle, ihm ging die Kenntnis verloren auf dem Weg zu Dir. Ich sehe klar, dass die ganze Welt von Dir ist, aber von Dir sehe ich in der Welt kein Zeichen. Jeder gibt von Dir einen Hinweis, doch selbst ist er kein Zeichen von Dir, Kenner der Geheimnisse. Trotz vieler Augen und offnenem, rundem Himmelsgewölbe, sieht man von Deinem Weg nicht das kleinste, runde Teil. Sogar die Erde sieht Dich nie, obgleich sie sich aus Schmerz um Dich Staub über das Haupt streut. Die Sonne verliert aus Liebe zu Dir das Bewusstsein. Jede Nacht färbt sie sich das Gesicht schwarz. Der Mond löst sich auf wegen Dir: Er wirft jeden Monat vor Verwunderung das Schild. Das Meer hebt aus Sorge um Dich den Kopf und ein feuchter Saum befeuchtet die trockenen Ufer. Der Berg hat hundert Unwegsamkeiten auf dem Weg und sein Fuß steckt bis zur Hüfte im Lehm. Das Feuer ist aus Leidenschaft zu Dir zu Feuer geworden, aus Eile und Aufregung wird es so mächtig.

S. 237, Verse 90-114

Der Wind ist haltlos ohne Dich und in der Substanz leer. Das Wasser und das Blut fließen aus Leidenschaft zu Dir. Der Staub Deiner Nähe bleibt vor der Tür und die Erde staubbedeckt. Wie oft ich auch sage, dass Du unbeschreibbar bist, wenn ich es doch tue, dann geschieht es, weil ich keine Gotteserkenntnis habe.

Wenn du, oh Herz, ein Suchender bist, gehe den Weg, aber schaue erst und gehe dann mit Wissen. Sieh die Reisenden, die zur Schwelle gelangten; alle sind gemeinsam gekommen. Mit jedem Atom gibt es einen anderen Ort der Erkenntnis und so gibt es auch von jedem Atom aus einen anderen Weg zu Ihm. Woher weißt du, welchen Weg du gehen sollst und von wo aus du dorthin gelangst? Wenn du Ihn zu erblicken suchst, ist Er verborgen; wenn du Ihn im Verborgenen suchst, ist das Sehen da. Wenn du nach dem Sehen suchst, ist das Geheimnis dort, und wenn du das Geheimnis suchst, ist das Sehen dort. Und wenn du beides suchst, ist Er wie nichts Vergleichbares, denn dann ist Er in beiden nicht. Solange du nichts verloren hast, suche nicht. Sagst du, dass Er nicht existiert, sage lieber nichts. Was du sagst und weißt, ist, dass du bist. Kenne dich selbst und du bist das Hundertfache davon. Kenne dich durch Ihn und nicht Ihn durch dich selbst. Der Weg führt von Ihm zu Ihm und nicht vom Kleinen aus. Die Lobpreiser können Seine Eigenschaften nicht fassen, weil jeder Mensch und Unmensch dafür nicht würdig ist. Dieses Unvermögen wurde eins mit der Erkenntnis, dass Er nicht erklärbar und nicht beschreibbar ist. Die Art Seiner Schöpfung ist nicht mehr als ein Traumbild. Von Ihm zu berichten, ist nicht mehr als Phantasie. Wenn man nur Gutes oder Schlechtes sagt, alles was man über Ihn erzählt, erzählt man auch über sich selbst. Er ist höher als die Wissenschaft und außerhalb des Sichtbaren, denn in Seiner Unfehlbarkeit ist Er beispiellos. Außer Seiner Beispiellosigkeit findet niemand einen Vergleich und außer großem Bemühen der Aufopferung findet niemand einen Ausweg. Für Niemanden, ob Sufi oder nicht, gibt es von Ihm eine Gewähr außer für Ihn.

Das kleinste Atom in den zwei Welten ist ein Trugbild von dir. Alles was du weißt, ist nicht Gott, sondern dein Verständnis. Wo Er ist, ist Er nicht Teil von jemandem. Doch wann gelangt jemandes Seele dorthin, wo Er ist. Hunderttausend Dinge stehen höher als die Seele. Alles, was ich sagen möchte ist: Er ist höher als das. Der Verstand ist über Sein Handeln verblüfft, die Seele über das Unvermögen erstaunt.

S. 238, Verse 115-139

Der Verstand bekommt den Schatz der Verbindung mit Ihm nicht zu fassen. Für die reine Seele, wenn es sie gibt, gibt es diese auch nicht. Was die Seele in Seinem Werk ist, erstaunt dich. Herz, du erträgst es und grämst dich. Vergleiche, Gotteskenner, nicht ständig das, was nicht verglichen werden kann. Seinem Glanz sind Verstand und Seele nicht gewachsen: Der Verstand ist erstaunt und die Seele verblüfft. Denn es gelang keinem der Propheten und Gesandten, nur einen Teil des großen Ganzen zu begreifen. Alle kamen unwissend auf die Erde. Sie kamen mit den Worten ›Was wissen wir von Dir?‹ Er bemerkt es, sobald ich etwas vortäuschte, und weiß, wenn es nicht mit Ihm vereinbar ist. Wenn es außer Ihm niemanden in den zwei Welten gibt, mit wem soll Er dann vereinbar sein? Wunderbar, mit Liebe und Verlangen!

Es gibt ein Meer aus wogenden Edelsteinen. Kennst du auch die richtigen Worte nicht, versuche dein Glück! Jeder, der diese Edelsteine und das Meer nicht fand, verging und außer dem Vergehen wurde ihm keine Gnade zuteil.

Wann könnte wohl alles, was einen Namen hat, leicht ausgesprochen werden? Sag nicht ›das‹, wenn es dich nicht als Zeichen erreicht. Sprich nicht, wenn es nicht als Wort zu dir kommt. Er akzeptiert weder Zeichen noch Erklärung. Niemand hat über Ihn Wissen noch Zeichen. Sei grundsätzlich nicht, denn das ist vollkommen und genug. Ziehe dich aus dir zurück, denn nur das ist die Verbindung. Verliere dich in Ihm, denn das ist das Einswerden. Alles, was nicht so ist, ist überflüssig. Gehe ins Eine und von der Zweiheit in eine Richtung. Sei ein Herz, eine Gebetsrichtung und ein Gesicht. Oh unerfahrener Nachkomme, werde eins mit dem Vater in der Gotteserkenntnis.20

Was Gott aus dem Nichts schuf, trägt Ihn in sich. Alle fielen vor Ihm im Gebet auf die Knie.21 Als Seine Schöpfung schließlich zu Adam gelangte, holte Er ihn in Seinem Eifer hinter hundert Vorhängen hervor. Er sagte: »Adam, sei ein Meer der Großmut. Sie sind alle Anbeter, mögest du der Angebetete sein.« Der eine, der in der Anbetung seinen Kopf abwendete, suchte das Schlechte und Verfluchte und fand das Geheimnis nicht.22 Als er ein schwarzes Gesicht bekam, sagte er: »Oh Allmächtiger, zerstöre mich nicht, sondern hilf mir.« Der erhabene Gott sagte: »Oh Verfluchter des Weges, Adam ist sowohl Nachfolger als auch König. Sei heute sein Schutz und verbrenne für ihn ab morgen Esfand gegen den bösen Blick.« Er wurde Teil und Ganzes, als die Seele in seinen Körper kam, und niemand sollte daraus ein wundersameres Gebilde schaffen.

S. 239, Verse 140-164

Die Seele hatte die Erhabenheit und der Körper die Niedrigkeit des Staubes. Der niedrige Staub und die reine Seele wurden vereint. Weil Hoch und Niedrig miteinander befreundet waren, wurde der Mensch ein Wunder der Geheimnisse. Aber niemand erkannte Seine Geheimnisse, und nicht jede Tat eines Bettlers ist Seine Tat. Weder sollten wir wissen, noch erkennen, noch eines Tages zur Ruhe kommen. Wieviel sollst Du sagen? Außer Schweigen gibt es keinen Weg, denn niemand hat den Mut zu einem Seufzer.

Sie wissen genug von dem, was über dem Meer ist, aber niemand kennt seinen Grund. Der Schatz liegt auf dem Grund und die Welt ist ein Orakel. Möge Er am Ende dieses Orakel sowie die Fesseln des Körpers lösen. Den Schatz findest du, wenn das Orakel vorher ging. Die Seele erscheint, wenn der Körper vorher verschwindet. Danach ist deine Seele ein anderes Orakel, sie besitzt im Verborgenen einen anderen Körper. Gehe einfach und frage nicht nach dem Ende, frage bei solchem Schmerz nicht nach einem Schmerzmittel.

Am Grunde dieses endlosen Meeres gibt es viele, die ertranken und niemand weiß davon. In so einem tiefen Meer ist die Welt ein Atom und das Atom ist die Welt. Die Welt ist eine Blase für dieses Meer, wisse dies. Das Atom ist ebenfalls eine Blase, auch das wisse. Wenn die Welt nicht bleibt und das Atom nicht, hat dieses Meer dann weniger Blasen? Wer weiß über dieses tiefe Meer, ob ein kleiner Stein von Wert ist oder ein Bernstein?

Ich muss den Verstand, die Seele, die Religion und das Herz verlieren, um die Vollkommenheit eines Atoms zu erkennen. Verschließe deinen Mund und frage nicht nach dem Thron Gottes und seinem Reich. Wenn Du nach allem nur ein wenig fragst, frage nicht. Dein Verstand möge wie ein Haar verbrennen, beide Lippen sollten vor den Fragen verschlossen sein. Niemand kennt die Essenz eines Atoms vollständig, wie oft du auch fragst und was du auch sagst. Was ist das Himmelsgewölbe? Ein endloser Fall, die ständige Haltlosigkeit an einer Stelle. Auf dem Weg zu Ihm bist du völlig verloren, Vorhang um Vorhang. Wer kann im Umherirren die Aufgabe solch einer Herrschaft festlegen?

Das Schicksalsrad will, dass Er dieses Geheimnis aufdeckt. Wer sonst könnte das durch Umherirren? Was ist das Schicksal, außer Suchen? Woher soll jemand wissen, was hinter dem Vorhang ist? Selbst wer einige Jahre gesucht hat, ist unfähig um diese Tür gekreist.

S. 240, Verse 165-189

Man kennt das Geheimnis hinter diesem Vorhang nicht. Da Du darin bist, wann wird dieser Vorhang gelüftet? Die Welt ist Erfahrung und Bedauern und Erstaunen über Erstaunen. Jedes Mal ist dieser Weg endloser und die Schöpfung ist jede Stunde mehr über Ihn verwundert. Nichts weiß der Wanderer über den Weg, wenn er ihn sieht. Je weiter er geht, umso weiter ist der Weg: endlos, auch wenn er eine Begrenzung hätte, zahllos, auch wenn er berechenbar wäre. Ich sah den Ort voller Wunder, ich sah alles vor sich selbst verborgen. Zu Seiner Essenz gibt es für niemanden einen Weg. Ein Atom weiß nichts von einem Atom.

Es gibt sinnlose Taten, die weder Anfang noch Ende haben und erfolglos und bedauerlich sind. Ich bin über mich selbst betrübt und erstaunt über Dich. Ob ich schlecht bin oder gut, auch dann bin ich von Dir. Ich bin nur die Hälfte ohne Dich. Schaue in mich hinein, denn ich werde alles, wenn Du in mich einen Blick wirfst. Blicke einmal in mein blutendes Herz und bringe mich aus alledem heraus. Wenn Du mich einmal Deinen Unwürdigen nennst, kann niemand an mich heranreichen. Ich bin, solange ich für Dich jemand bin. Mir ist es genug, wenn ich für Dich ein Unwürdiger bin. Wer kann schon sagen, dass er Dein schwarzer Sklave ist? Ich bin der schwarze Sklave des Staubes vom Hund in Deiner Nähe. Wegen Dir bin ich bereit, mich einem schwarzen Sklaven gleich zu opfern, und ich trage ein Brandmal wie die Äthiopier von Dir. Wenn ich nicht Dein schwarzer Sklave bin, bin ich dann ein Glückssklave? Solange ich Dein schwarzer Sklave bin, bin ich glücklich. Verkaufe nicht den gebrandmarkten Sklaven, mache mich zu einem Ring an Deinem Ohr.

Wegen Deiner Gnade ist die Hoffnungslosigkeit gewichen. Ich bin Dein Ring und Dein Mal in Ewigkeit. Jedem, dem der Schmerz um Dich nicht gefällt, möge unwohl darüber sein, dass er nicht einer von Dir ist. Gib mir ein wenig meines Schmerzes, oh mein Heilmittel, damit meine Seele ohne Schmerz um Dich stirbt. Der Unglaube dem Häretiker, der Glaube dem Gläubigen und ein wenig Deines Schmerzes für das Herz Attars. Oh Herr, Du kennst meine Gebete. Du bist im Kummer meiner Nächte da. Geht meine Trauer über das Maß hinaus, schicke mir eine Sure und in meiner Not ein Licht. Mögest Du in diesem Kummer meine Stütze sein. Ich habe niemanden, sei Du deshalb mein Helfer. Gib mir den Genuss des elementaren Lichts und veranlasse den Untergang meiner dunklen Triebseele.

S. 241, Verse 190-213

Mein Atom ist in der Dunkelheit verloren gegangen und von meiner Existenz gibt es kein Zeugnis. Ich bin ein Bettler vor solch einer sonnengleichen Exzellenz, aber vielleicht erreicht mich ein Lichtstrahl davon. Solange ich klein wie ein Atom herumirre, muss ich springen, um den Lichtstrahl zu berühren. Dann kann ich aus dem Korridor herauskommen und vor mir liegt die helle Welt, so wie sie ist. Solange ich nicht die Seele ausgehaucht habe, hätte ich schließlich etwas, das Dir ähnelt. Wenn die Seele aber aufsteigt, habe ich niemanden außer Dir. Sei Du Weggefährte meiner Seele beim letzten Atemzug. Wenn ich nicht mehr bin, wehe mir, wenn Du meiner Seele kein Weggefährte bist. Ein Gesicht hat der, den du begleitest. Du kannst es tun und wenn Du willst, tue es.

Die Führer, die den Weg gingen, kamen gelegentlich dem Mysterium auf die Spur. Sie fanden ihre Seele wie ein Wunder und neben ihr Unfähigkeit und Leid. Schau zuerst, was Er mit Adam tat, wie Er ihm viele Leben lang Kummer bereitet hatte.23 Schau, wohin Noah der Strudel der Ereignisse wegen tausend Ungläubigen im Jahr gebracht hatte.24 Schau den verliebten Abraham an: Das Feuer ist ihm zum Bestimmungsort geworden.25 Schau den traurigen Ismael: Er wurde zum Opfer im Glauben an Gott.26 Siehe den verwunderten Jakob, der sein Augenlicht wegen seines Sohnes verloren hatte.27 Siehe Joseph durch das Urteil der Brüder in Fesseln, Grube und Gefängnis.28 Schau auch den leidenden Hiob, der vor der Tür den Würmern und Wölfen ausgeliefert war.29 Siehe Jonas, der den Weg verloren hatte und vom Gipfel seines Ansehens für einige Zeit in einen Fisch abgeglitten war.30 Schau Moses, der von Beginn an den Pharao als Amme und eine Holzkiste als Wiege hatte.31 Siehe auch den Goldschmied David: Er brachte das Eisen zum Schmelzen wie beim Erhitzen der Leber.32 Schau den König Salomon, dessen Reich sich in Luft auflöste, weil ein Dämon es übernahm.33 Auch Zacharias sieh, der sehr besorgt war: Die Säge über sich, sagte er nichts mehr und schwieg.34 Schau das Leid Johannes’ vor der Menschenmenge: wie eine Kerze mit abgeschlagenem Kopf in der Schale.35 Sieh auch Jesus, der den Juden am Fuße des Galgens mehrfach entwichen war.36

S. 242, Verse 214-232

Schau zu den Propheten, was für Qualen sie durch die Ungläubigen erlitten haben. Meinst du, dass dies leicht ist? Aber das Geringste ist das Entseeltwerden.

Wieviel ich auch sage und was ich bereits sagte, bleibt nicht. Wenn ich eine Blume pflücke, bleibt sie nicht. Ich bin plötzlich durch das Erstaunen vernichtet. Ich kenne nichts als die Ausweglosigkeit. Oh, auf dem Weg zu Dir ist der Verstand wie ein Säugling und die Weisheit des Alten hat sich auf der Suche nach Dir verirrt. Wann werde ich je zu solchen Eigenschaften gelangen, wann von meinem Ursprung zur Reinheit kommen? Du bist weder durch Wissen noch durch Sehen zu fassen. Dich kann weder Nutzen noch Schaden erreichen. Weder von Moses wirst Du jemals einen Nutzen gewinnen, noch einen Schaden durch den Pharao erleiden.

Oh, unendlicher Gott, wen gibt es außer Dir? Was ist so endlos wie Du außer Dir selbst? Ohne Zweifel ist nichts unendlich. Aber wenn es nicht zum Ende kommt, wo soll man bleiben? Oh, die weltlichen Geschöpfe sind erstaunt, und Du bist hinter dem Vorhang verborgen. Lüfte den Vorhang doch endlich und schade nicht meiner Seele, mehr noch, vernichte nicht mein Geheimnis hinter diesem Vorhang. Ich verirrte mich plötzlich im Meer des Erstaunens. Erlöse mich wieder von diesen ganzen Verwirrungen. Ich bin in diesem tosenden Meer des Erstaunens und stehe außerhalb des Vorhangs. Bringe mich aus diesem fremden Meer heraus! Du hast mich weggeworfen, also hole mich auch wieder zurück. Meine Triebseele nahm mich völlig ein. Wenn du nicht meine Hand ergreifst, wehe mir! Meine Seele ist beschmutzt wegen Unsinnigkeiten, aber ich kann die Verschmutzung nicht ertragen. Befreie mich entweder von der Verschmutzung oder töte und beerdige mich. Die Geschöpfe fürchten sich vor Dir, aber ich fürchte mich vor mir selbst, denn von Dir sah ich Gutes, von mir selbst aber Schlechtes. Als Toter gehe ich durch den Staub. Belebe meine Seele, oh reiner Seelenschenker. Gläubige und Ungläubige sind mit Blut befleckt. Entweder sind alle verwirrt oder haben sich abgewendet. Wenn Du rufst, ist dies das Irren, und wenn Du vertreibst, ist das das Abwenden. Oh König, ich habe mein Herz mit Blut beschmutzt und war vollkommen verwirrt wie eine herumtreibende Barke. Du sagtest: »Ich bin Tag und Nacht bei euch, möget ihr nicht einen Augenblick aufhören zu suchen.« Wenn wir so einander benachbart sind, dann bist Du wie die Sonne und wir sind wie der Schatten.

S. 243, Verse 239-244

Wenn es so ist, oh Beschenker der Besitzlosen, wenn Du das Recht der Nachbarn wahrst, dann weine ich mit schmerzvollem Herzen und einer geplagten Seele aus Sehnsucht nach Dir wie eine Regenwolke. Wenn ich Dir mein Weh klage, möge ich verloren sein, bis ich Dich eines Tages finde. Sei mein Führer, wenn ich den falschen Weg genommen habe, gib mir ein Obdach, wenn ich obdachlos bin. Jedem, der bei Dir ein Obdach findet, verliert sich in Dir und verabscheut sich. Ich bin nicht ohne Hoffnung, aber beunruhigt, weil es vielleicht nur einem von Hunderttausend gelingt.

Durch Brotgenuss erworbenes Recht

Ein Landstreicher stand plötzlich einem armen Mann gegenüber und nahm diesen mit gebundenen Händen zu sich nach Haus. Er ging, um sein Schwert zu holen und ihm den Hals zu durchtrennen, unterdessen gab ihm seine Frau ein Stück Brot. Als der Mann in diesem Moment mit dem Schwert in der Hand zurückkam, sah er den armen Mann mit Brot in der Hand. Er fragte: »Wer hat dir dieses Brot gegeben, du Niemand?« Er erwiderte: »Ganz einfach, das Brot hat mir deine Frau gegeben.« Nachdem der Mann die Antwort vernommen hatte, sagte er: »Nun ist mir nicht erlaubt, dich zu töten, weil ich gegen den, der unser Brot gebrochen hat, die Klinge nicht richten darf. Jemandem, der unser Brot genossen hat, ist das Leben nicht zu verweigern. Wie kann ich dann sein Blut mit der Klinge vergießen?«

Oh Schöpfer, ich habe mich dem Weg zugewendet, habe das Brot aller für Deine Anrufung gegessen. Wenn jemand das Brot eines anderen bricht, dann lässt er demjenigen gegenüber Recht widerfahren. Weil Du hunderttausende Meere der Großmut hast, habe ich sehr viel von deinem Brot gegessen. Lasse Recht walten. Oh Gott der Weltbewohner, ich bin erstickt im Blut und habe unsinnige Dinge getan. Nimm meine Hand und rufe nach mir, oder soll ich aus Verzweifelung die Hände über dem Kopf zusammenschlagen wie eine Fliege? Oh mein Barmherziger, ich verging hundert Mal. Was willst Du mit meiner Vernichtung? Mein Blut ist wegen eines Winks von Dir in Wallung geraten. Ich habe mich genügend oft feige verhalten. Aus Unwissen habe ich hundert Sünden begangen. Du hast anstelle dieser Erbarmen zurückgegeben. Oh König, sieh mich Armen, auch wenn Du von mir Schlechtes sahst, das verging, schau Dir dies an.

S. 244, Verse 261-283

Weil ich nichts wusste, habe ich Fehler begangen. Entschuldige, entschuldige mein schmerzerfülltes Herz und meine geplagte Seele. Wenn meine Augen auch klar waren, so hat meine Seele insgeheim aus Leidenschaft zu Dir geklagt. Oh Schöpfer, wenn ich Gutes oder Schlechtes getan habe, all das geschah mit dem eigenen Körper. Verzeihe meine unlauteren Absichten, vernichte meine Unehrenhaftigkeiten.

Zur Beschreibung des Propheten

(Gott segne ihn und schenke ihm Heil)

Herr der Welt und des Glaubens, Schatz der Treue, Herz und Vollmond beider Welten ist der auserwählte Mohammad. Sonne des religiösen Gesetzes und Meer der Gewissheit, das Licht der Welt, das Erbarmen für die Weltbewohner ist er. Die Seele der Reinen ist der Staub seiner reinen Seele. Befreie die Seele, lobe seinen Staub. Er ist Herr der zwei Welten und König aller, Sonne der Seele und Glaube aller, Herr der Himmelfahrt und Höchster der Erdenwesen, Schatten Gottes und Besitzer eines sonnengleichen Wesens, das keine Schatten wirft.

Beide Welten sind an seine Zügel gebunden. Himmels- und Erdenthron Gottes haben seinen Staub zur Gebetsrichtung gemacht. Er ist Führer dieser und jener Welt, Führer der Offenbarungen und Zeichen, der liebste und beste der Propheten, der Wegweiser der Auserwählten und Freunde Gottes, der Rechtgeleitete des Islam und Wegweiser zu Gott, der Rechtsgutachter (Mufti) des Verborgenen und Imam für alles. Er ist ein Herr, der mehr ist als alles, was ich sage. In allen Dingen ragt er heraus. Sich selbst nannte er Herr des freien Platzes. Er sagte: »Denn ich bin das Erbarmen der Rechtgeleiteten.« Beide Welten erhielten durch ihn einen Namen und der Himmel fand durch seinen Namen Ruhe.

Wie der Tau kamen die Geschöpfe der Welt aus dem Meer der Großmut und existieren nun durch seinen reinen Glanz. Sein Licht ist Ziel der Geschöpfe und Ursprung der Wesen und Dinge.

Als Gott dieses absolute Licht aufkommen sah, schuf Er daraus hundert Lichtmeere. Wegen sich selbst gab Er dem Reinen eine Seele und wegen ihm schuf Er die Geschöpfe der Welt. Die Schöpfung hat außer ihm kein Ziel. Einen Reineren als ihn gibt es nicht. Was zuerst aus dem größten Verborgenen erschien, war ohne jeglichen Zweifel sein reines Licht. Danach gab das hohe Licht ein Zeichen und verbreitete sich auf Himmel und Erde, Tafel und Stift.

S. 245, Verse 284-307

Ein Zeichen seines reinen Lichts ist die Welt und eines die Nachkommenschaft und Adam. Als dieses hohe Licht erschien, fiel es in Anbetung vor den Schöpfer. Jahrhunderte lang war es in Anbetung und sehr lange sprach es die Gebetsbezeugung ›Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammad ist sein Prophet‹ vor dem Schöpfer. Jahre lang war es mit der Auferstehung beschäftigt als auch ein ganzes Leben mit der Bekenntnis zum Islam. Vom Gebet des Lichts in jener Welt der Geheimnisse wurde das Gebet für die ganze Gemeinschaft, die Umma, zu einer unerlässlichen religiösen Vorschrift.

Gott machte jenes Licht wie die Sonne und den Mond, unveränderlich für lange Zeit. Dann offenbarte Er dem Licht den Weg zum Meer der Wahrheit. Als das Licht (Mohammad) das Meer der Geheimnisse erblickte, brodelte es in ihm vor Zuneigung. Sieben Mal ging er auf die Suche und die sieben Himmelskuppeln erschienen ihm. Jeder Blick, der von Gott auf ihn fiel, wurde zu einem Stern und das Suchen wurde belohnt. Danach fand das reine Licht zur Ruhe, das Himmelsgewölbe stieg nach oben und die Erde fand ihren Namen. Himmel und Erde wurden zu einem Abbild seines Wesens, so viele Engel gingen aus seinen Eigenschaften hervor.

Aus seinem Atem kamen die Lichter und aus seinem Herzen voller Gedanken erschienen die Geheimnisse. Das Geheimnis des Geistes gab es nur durch sein Geheiß: dann ›hauchte ich ihm von meinem Geist ein‹.37 Als der Atem und die Geheimnisse beisammen waren, kamen auch viele Geister zusammen. Als der Glanz seines Lichtes zur Umma kam, wurde es zweifellos an alle entsandt. Bis zum Jüngsten Tag wandert es für alle Geschöpfe der Welt.

Als er den Teufel aufforderte zu beten, wurde er dadurch zu einem Muslim. Er tat dies auf Anweisung des Schöpfers auch mit den Dämonen in einer Nacht. Auch die Engel zeigte Er dem Propheten und rief sie alle ebenfalls in einer Nacht. Als er die Tiere aufforderte, waren seine Zeugen ein Zicklein und ein Krokodil. Er lud auch die weltlichen Götzen ein und sie beugten sich alle zweifellos vor ihm. Jenes reine Wesen lud auch die Atome ein, wodurch aus Kieselsteinen eine Gebetskette in seiner Hand wurde.

Wer von den Propheten erlangte solch eine Wertschätzung? Wer hat jemals die Anbetung der gesamten Umma bekommen? Sein Licht war wie der Ursprung aller Lebewesen, seine Essenz wie der Beschenker jedes Wesens.

S. 246, Verse 309-223

Die Anbetung Seiner beiden Welten und der sichtbaren und unsichtbaren Atome wurde zur Pflicht. Teil und Ganzes waren seine Gemeinschaft, sie waren die Traubenlese seiner Bemühungen. Am Tag der Wiederauferstehung wird er wegen einer Hand voll Untätiger sagen: »Das ist meine Gemeinschaft (Umma)« und noch mehr dergleichen. Gott hat für seine Seele eine Kerze der Führung und für seine Umma ein Opfer gesandt. Er ist in allen Dingen ein Lehrer. Es ist Sein Werk, dass ihm diese Aufgabe zufiel. Obgleich er nie nach etwas trachtete, musste er wegen des Ganzen fliehen. In seiner Zuflucht gibt es einen Sinn und durch seine Billigung ein Ziel. Er ist der Weise für jeden in der Welt. Und jeder, der sich von ihm abwendet, ist der niedrigste Diener. Das ist nur eine seiner Besonderheiten. Wie kann überhaupt jemand so etwas im Traum sehen? Er sah sich als alles und alles als ihn, ebenso wie er das Vergangene und das Zukünftige sieht. Gott machte seine Gesandtschaft zum Siegel in Unnachahmbarkeit, Wesen und Edelmut. Er befahl seine Anbetung für die Hohen und die Niederen. Seine Gnade brachte Er bei ihm zur Vollendung.38 Den Ungläubigen gab Er eine Frist bei der Bestrafung und schickte in seinem Zeitalter keine Qualen.39 In der Nacht ließ Er ihn in den Himmel aufsteigen und gab ihm das Geheimnis von allem kund. Er war von der Macht und der Würde des heiliges Hauses und der Kaaba, und sein schattenloser Schatten war im Westen und Osten.

Er fand von Gott das beste Buch und das unzählige Ganze. Die Mütter der Gläubigen waren seine Angetrauten und die Ehrerbietung der Gesandten war seine Himmelfahrt.40 Die Propheten waren Nachfolger und er der Führer. Und die Gelehrten seiner Gemeinschaft waren wie die Gesandten. Der erhabene Gott hat aus Ehrerbietung in der Tora und der Bibel seinen Namen genannt.41 Ein Stein bekam durch ihn Wert und Größe und die ›rechte Hand Gottes‹ ein Ehrenkleid. Sein Staub wurde zur Gebetsrichtung wegen seiner Würde und das Überkommene in seiner Gemeinschaft verändert. Seine Mission war das Stürzen der Götzen und seine Umma war die beste.42

In der Dürre schuf er einen trockenen Brunnen und einen Tropfen klaren Wassers an seiner Öffnung. Der Mond ist durch seinen Fingerzeig gespalten, die Sonne auf sein Geheiß erstrahlt. Zwischen seinen beiden Schultern ist sonnengleich das Siegel der Gesandtschaft sichtbar.

S. 247, Verse 334-358

Er wurde zum Wegweiser im gelobten Mekka und er ist das Beste der Geschöpfe im besten Jahrhundert. Die Kaaba fand durch ihn die Ehrbezeigung des Hauses Gottes. Jeder, der den Weg dorthin fand, suchte den Glauben:43 Gabriel wurde durch Ihn zum Träger eines Derwischkleides: Er erschien in der Gestalt von Dihya.44 Der Staub wurde in seinem Zeitalter zu Mächtigerem, er wurde zu einer Moschee und einem Ort der rituellen Reinigung. Als ihm das Geheimnis aller Atome bekannt war, kam er nach Mekka: Sprich, ohne aus dem Buch zu lesen. Weil die Sprache Gottes seine Sprache ist, ist das beste Zeitalter seines. Bis zum Tag des Jüngsten Gerichts verschwinden allmählich alle Sprachen bis auf seine. Bis zum letzten Atemzug liebte er es, Fragen zu stellen. Wenn sein Herz selbstlos ins Meer der Geheimnisse eindrang, war sein Brodeln eine Woge des Gebets. Weil sein Herz ein großes und tiefes Meer war, brodelte es sehr.

Im Gehen sagte er: »Oh Bilal,45 gib uns die Zeit des Gebetes bekannt, damit ich aus den engen Fesseln der materiellen Welt entkomme.« Bei der Rückkehr war er verwundert und sprach: »Oh Humaira (Aischa), rede mit mir.« Wie denkt der Verstand über das Kommen und Gehen? Ich weiß es nicht, bis Er eine von hundert Seelen holt. Für den Verstand gibt es zu seinem Ruheplatz keinen Weg, auch das Wissen kennt seine Zeit nicht. Bereitet Er am Ruheplatz ein Fest mit dem Freund Gottes (Abraham) vor, dann ist für Gabriel kein Platz, wenn er bei der Himmelfahrt brennt. Als der Simorgh seiner Seele kam, fürchtete sich Moses sehr. Nach dem Befehl Gottes ging er über den ausgebreiteten Teppich jenes Herrn ohne Schuhe.46 Als er sich Ihm näherte, fern von den Schuhen, wandelte er im heiligen Tal, versunken im Licht. Bei der Himmelfahrt des Propheten hörte er das Geräusch der Schuhe von Bilal. Auch wenn Moses, Sohn von Emran, ein König war, durfte er dort nicht mit Schuhen gehen. Sieh diese Gnade aufgrund seines Ranges, die Gott dem Diener seiner Schwelle erwiesen hat. Den Diener machte Er zu einem Seiner Männer, mit den Schuhen zeigte Er ihm den Weg zu sich. Als Moses, Sohn von Emran, diese Ehre erhielt, bemerkte er die Gunst, die Er Seinem Diener erwiesen hatte. Er sprach: »Oh Herr, mach mich zu seiner Umma und lasse mir den Glanz seines Schutzes zuteil werden.« Obgleich Moses dieses ewige Zeugnis wollte, erhielt Jesus diesen hohen Rang.

S. 248, Verse 359-383

Als er den Ruheplatz verließ, forderte er zweifellos die Geschöpfe zu seiner Religion auf. Er kam vom vierten Himmel auf die Erde, legt das Gesicht auf die Erde und die Seele dazu. Der namhafte Christ wurde sein schwarzer Sklave und der Schöpfer gab ihm als Überbringer einer frohen Botschaft einen Namen. Jemand sagte, wenn er gegangen ist, muss er auch aus jener Welt zurückkehren und unsere Probleme lösen, eins nach dem anderen, bis in unseren Herzen keine Zweifel zurückbleiben. Doch niemand kam aus dem Sichtbaren und Verborgenem. In den beiden Welten ist nur Mohammed von jener Welt. Was er dort zu sehen bekam, erfuhr jeder Prophet. Weil er bei seiner Seele schwor, bekam er die Krone und der Berg war plötzlich bereit zu dienen. Er ist der Herrscher und sein Glanz erreicht alle. Er ist der ewige König und alle sind seine Herde. Weil die Welt voller Moschus aus seinem Haar ist, wurden dem Meer aus Durst danach die Lippen trocken. Wer dürstet nicht danach, ihn zu sehen, damit er sich mit Holz und Stein an die Arbeit für ihn macht. Wenn das Meer des Lichts (Mohammad) auf die Minbar stieg, war das Wehklagen fern, der säulenlose Himmel erschien in vollem Licht und jene Säulen waren wegen der Trennung von ihm schwach.

Wenn er zu mir käme und Seine Eigenschaften nennen könnte, würde mir aus großer Scham das Blut wie Schweiß fließen. Er ist der Redegewandte dieser Welt und ich sein Stummer. Wie kann ich ihn je beschreiben? Wie können seine Eigenschaften eines solchen Niemands würdig sein? Seinen Lobrednern ist der Schöpfer der Welt genug. Oh Welt, von gleichem Rang ist dein Staub. Hundert Welten von Seelen sind der Staub deiner reinen Seele. Die Propheten haben über deine Eigenschaften gestaunt, die Kenner waren auch verwirrt. Der Glanz deines Lachens ist die Sonne, dein Weinen Befehlshaber der Wolken. Beide Welten sind Staub zu deinen Füßen. Du hast auf dem Gelim geschlafen, was ist aber an deiner Stelle? Erhebe deinen Kopf von deinem Gelim, oh Edler, dann setze den Fuß auf den Gelim nieder. Das Gesetz aller ging auf in deinem Gesetz, möge auch der Ursprung von allem in deiner Rechtspraxis aufgehen. Ewig sind dein Gesetzt und dein Urteil, der Name Gottes ist auch dein Name. Alle Propheten und Gesandten kommen von überall zu deiner Religion. Weil niemand vor dir steht, muss er zweifellos nach dir kommen.

S. 249, Verse 384-408

Du bist sowohl hinter als auch vor der Welt, das Frühere und das Letzte zugleich bist du. Weder gelangt jemand in deine Nähe, noch erreicht jemand eine solche Macht. Die Herrschaft beider Welten bis in Ewigkeit machte Er nur zum Vermächtnis des Gesandten Ahmad (Mohammed).

Oh, Gesandter Gottes! Ich habe genug gelitten, habe nichts außer Staub auf dem Haupt. Mit jedem Atemzug bist du für die Verlassenen da, und ich habe in diesen beiden Welten niemanden außer dir. Richte einen Blick auf mich Grämenden, hilf mir. Obgleich ich mein Leben mit Sünden zugrunde gerichtet habe, bedaure ich es. Bitte für mich bei Gott um Verzeihung. Und wenn mich die Angst überkommt wegen des ›Es gibt kein Sicherheit‹,47 ist für mich das ›Gebt die Hoffnung nicht auf‹48 eine Lehre. Tag und Nacht trauere ich hundertfach, bis du für mich einen Augenblick Fürbitte leistest. Wenn dich eine Fürbitte erreicht, erlangt die Sünde das Siegel des Gehorsams. Oh Bittsteller, für diejenigen, deren Tag dunkel ist, erbarme dich und zünde die Kerze der Fürbitte an. Solange wir uns wie Schmetterlinge um dich versammeln, kommen wir Flügel schlagend zu deiner Kerze. Jeder, der deine Kerze sieht, macht die Seele schmetterlingsgleich zu einer Herzensangelegenheit. Für die Seele ist dein Wiedersehen genug, für beide Welten ist deine Billigung genug. Das Heilmittel meines Herzschmerzes ist deine Liebe, das Licht meiner Seele ist die Sonne deines Antlitzes. Ich habe an deiner Tür Mut gefasst, schau die scharfe Essenz meiner Zunge. Jeden Edelstein, den ich mit der Zunge verstreue, hole ich auf deinem Weg aus der Tiefe der Seele. Wenn ich die Edelsteine aus dem Meer der Seele werfe, hat es von dir ein Zeichen. Sobald meine Seele ein Zeichen von dir fand, verschwand es. Das ist mein Bedürfnis, oh höchstes Wesen, dass du aus Gnade auf mich blickst. Von diesem Blick habe ich in der ewigen Zeichenlosigkeit ein Haus. Reinige mich von all dem Nachdenken, der Vielgötterei und der unsinnigen Rede, oh reines Wesen. Schwärze mein Gesicht nicht wegen der Sünde, siehe mein Recht durch die Namensgleichheit.49 Als Kind deines Weges bin ich ertrunken und mich hat das schwarze Wasser der Schwierigkeiten umringt. [Ich erwarte, dass du mich da heraus ziehst und mich auf den Weg zurückbringst.]

S. 250, Verse 409-429

Das Kind im Mühlbach

Einer Mutter fiel ihr Kind ins Wasser und die Seele der Mutter war vor Aufregung und Besorgnis aufgewühlt. In der Verwirrung schlug das Kind mit Händen und Füßen um sich und das Wasser trug es bis zum Zulauf einer Mühle. Es drängte zum Eingang des Zulaufs. Als die Mutter das sah, lief sie sofort zur Wassergabelung und zog die Sperre. Das Wasser floss daran vorbei und das liebe Kind auf dem Wasser ebenso. Die Mutter sprang hinein und packte es, gab ihm sofort Milch und ging davon.

Oh, Erbarmer der Mütter Liebe, für den Strudel ist der Zulauf teuer. Wenn wir in jenen Strudel der Verwunderung fallen, trauern wir vor dem Zulauf. Verwirrt wie jenes Kind im Wasser, schlagen wir vor Aufregung mit Händen und Füßen. In dem Augenblick, oh Mitfühlender der Kinder des Weges, blicke aus Großmut in Deinen Ertrinkenden. Erbarme Dich unseres heiß glühenden Herzens und ziehe die Sperre für uns aus Gnade und Edelmut. Gib uns Milch aus den Zitzen der Edelmut und enthalte uns nicht den Ruf des Edelmutes vor. Oh, du bist jenseits der Beschreibung und des Begreifens und rein von den Eigenschaften der Lobredner. Keiner gelangte an deine Zügel, zweifellos sind wir dein niedrigster Staub. Dein Staub wurde zu deinen reinsten Freunden und die Weltbewohner zu deinem Staub. Aber nicht jeder, der aus Staub ist, ist auch dein Freund. Er kann auch Feind für deine Freunde sein, von denen der erste Abu Bakr ist und der letzte der auserwählte Ali. Die vier Pfeiler der Kaaba besitzen Aufrichtigkeit und Reinheit. Der eine ist in Aufrichtigkeit Teiler des Geheimnisses und Helfer, der andere ist in der Rechtschaffenheit eine glänzende Sonne, der Dritte ist ein Meer von Bescheidenheit und Scheu und der Vierte König des Wissens und der Großmut.

Zur Beschreibung Abu Bakrs des Rechtschaffenen

(Gott möge an ihm Wohlgefallen haben)

Der erste Nachfolger ist sein erster Freund. Er ist der zweite der beiden, die in der Höhle waren,50 Oberster der Religion, größter Rechtschaffener und Achse der Wahrheit Gottes und in allem steht er vor allen. Was Gott an göttlicher Erhabenheit hat, ist in die edle Brust Mohammads geflossen.

S. 251, Verse 430-451

Das alles floss auch in die Brust des rechtschaffenen Abu Bakr, und solange er lebte, kam von ihm zweifellos die Zuverlässigkeit. Weil er über beide Welten nichts sagen sollte, verschloss er die Lippen mit einem Stein und schwieg. Er hielt seinen Kopf die ganze Nacht bis zum Morgen im Gebet gesenkt, aber um Mitternacht brachte er einen Seufzer hervor. Sein moschushaltiges Seufzen reichte bis nach China. So hatte er aus dem Blut der Tataren-Gazelle Moschus hergestellt. Aus diesem Grunde sagte die Sonne des Gesetzes und der Religion, dass man das Wissen von hier bis nach China suchen solle. Der Stein war aus Weisheit in seinem Mund, damit er wegen des Steins und des Gewichts seufzt. Seinen Stein nahm er nie von der Zunge, damit er nichts sagen konnte, außer den Namen Gottes. Der Stein musste sein, damit die Würde kommen konnte. Wann gelingt dies einem Volk ohne Stein?

Als Omar ein Haar von seiner Würde sah, sagte er: »Wäre ich doch dieses Haar an ihm!« Weil du den Zweiten der beiden akzeptiert hast, ist er der Nächste nach dem Propheten.

Zur Beschreibung von Omar

(Gott möge an ihm Wohlgefallen haben)

Herr des Gesetzes, Sonne der gesamten Religion, Schatten Gottes, der Größte, der zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden konnte und Flamme des Glaubens, besiegelt sind seine Gerechtigkeit und Gewissenhaftigkeit zu Gott. An Scharfblick war er seiner Offenbarung überlegen. Weil Gott über ihn von Beginn an die Sure 20, die Taha, gelesen hatte, wurde er unbefleckt und richtig. Das /he/ des Taha ist in seinem Herzen ein /he/ des Seufzens. Glücklich ist, wer daher seufzt. Wer als Erster den Weg nach dem Wort des Propheten ging, war Omar. Wer als Erster den Ring zum Paradies erhielt, war er. Bravo, hoher Herr! Wenn Er ihm zuerst die Hand reicht, dann bringt Er ihn schließlich dorthin, wo er ist. Die Religion wurde wegen seiner Gerechtigkeit fortgesetzt. Der Nil kam in Bewegung und das Erdbeben legte sich. Er war die Fackel des Paradieses und in keiner Zusammenkunft warf jemand einen Schatten von seinem Licht. Das Licht der Fackel warf keinen Schatten, weil der böse Geist des Schattens geflohen war. Wenn er sprach, sagte er die Wahrheit. Wegen ›er sah mein Herz‹ erschien ihm Gott. Manchmal gab er seine Seele aus Liebesschmerz hin, manchmal die Zunge wegen der Worte Gottes. Als der Prophet sah, dass er so heftig brannte, sagte er: »Dieser Namhafte ist die Fackel des Paradieses.«

S. 252, Verse 453-474

Zur Beschreibung von Osman

(Gott möge an ihm Wohlgefallen haben)

Er ist der Herr der Tradition (Sunna), das absolute Licht und Herr der zwei auf Gott ruhenden Lichter. Er ist der in Heiligkeit Versunkene und nach Gotteserkenntnis Suchende, Anfang der Religion, er ist Osman der Reine. Er bekam die Würde des Banners des Glaubens und wurde zum Leiter der Gläubigen. Der Glanz der beiden Welten kam aus dem leuchtenden Herzen des Osmans der beiden Lichter.51 Der ›zweite Joseph‹, jener Treue, ist nach den Worten Mohammads das Meer der Frömmigkeit und der Scham. Er hat sich ganz der Leitung der Angehörigen hingegeben und verlor dabei sein Leben.52 Man schlug ihm sogleich den Kopf ab. Warum hat er sich so sehr an die Blutsbande gehalten? Sowohl in der Rechtsweisung der Welt als auch in der Kunst wurde seine Umma in seiner Zeit größer. Zu dieser Zeit wurde sowohl der Glaube publik als auch der Koran auf sein Geheiß herausgegeben. Der Herr der Herren sagt: »Der Engel im Himmel hat ständig Scham vor Osman.« Auch der Prophet sagte: »Wegen der Enthüllung des Schleiers wird Gott nicht mit Osman abrechnen.« Weil er nicht da war, um sein Einverständnis in einem Treueeid zu geben, war an seiner Statt die Hand des Propheten. Die Anwesenden sagten: »Dann ist es uns von Nutzen, obgleich der mit den zwei Lichtern, Osman, nicht mehr da ist.«

Zur Beschreibung von Ali

(Gott möge an ihm Wohlgefallen haben)

Herr der Wahrheit und vollkommenster Führer, Berg der Sanftmut, Tor des Wissens und Achse der Religion, Weinschenk der Paradiesquelle, wegweisender Imam, Neffe des auserwählten Propheten Mohammad und Löwe Gottes ist Ali, der Auserwählte, Gegenstück zur Jungfrau Zahra, keuscher Herr und Schwiegersohn des Propheten. Er ist die wegweisende Erklärung und Kenner der letzten Geheimnisse. Er ist zweifellos ein vorbildlicher Führer in Würde und der absolute Mufti überhaupt, weil Ali eins ist mit den Orten der Geheimnisse Gottes. Wann ist der Verstand bei seinem Anblick im Zweifel? Die Seele weiß vom ›Ali ist rechtschaffener‹ und kennt auch das ›Ali ist verliebt in das Wesen Gottes.‹ Während jemand lebend vom Atem Jesus aufstand, tat Ali sofort das Richtige mit der abgeschlagenen Hand.53 Der Fromme ging in die Kaaba und vernichtete die Götzen auf den Schultern des Gesandten.

S. 253, Verse 475-497

Da er in seinen geheimen Gedanken die verborgenen Geheimnisse besaß, zog er die weiß leuchtende Hand aus dem Ärmel.54 Wenn es seine leuchtende Hand nicht gegeben hätte, wie hätte er sein Schwert Dhu l-fiqar nehmen können? Mal war er über seine Angelegenheit erregt, mal sprach er seine Geheimnisse in den Brunnen. Nirgendwo fand er einen Freund. Auch wenn er im Innern suchte, fand er keinen Vertrauten.

(In Erregung spricht er:)

Oh, vom Zorn Erfasster, der ständig in Zorn und in Liebe ist. Wenn Du mit dem prahlst, warum sprichst du dann im Zorn? Bei der Nachfolge gibt es keine Neigung, oh Ahnungsloser. Wie kann sie von Abu Bakr und Omar kommen? Wenn es beide Führer gewollt hätten, hätten sie den Sohn zum Führer machen können. Als sie das Recht der Nachfolge erhielten, hätten die anderen ablehnen müssen. Wenn aber niemand etwas dagegen hatte, hätten sie ihre Pflicht nicht erfüllt. Wenn niemand kommt, den Freund an der Nachfolge zu hindern, dann musst du alle des Vorwurfs der Lüge oder der Willkür bezichtigen. Wenn du die Nachkommen des Propheten der Lüge bezichtigst, würdest du sein Wort nicht akzeptieren. Er sagte: »Jeder meiner Freunde ist ein leuchtender Stern. Das beste Jahrhundert ist mein Jahrhundert. Die besten Geschöpfe sind meine Freunde, das sind meine Verwandten oder meine Anhänger.« Wenn der Beste in deiner Nähe schlechter ist, wie kann man dich dann einen Frommen nennen? Wann gab es das jemals, dass die Anhänger des Propheten einen Unrechtmäßigen als Nachfolger akzeptierten? Oder machten sie ihm deutlich, dass er unpassend und der Nachfolge nicht würdig ist? Wenn seine Wahl für alle nicht die richtige ist, dann ist die Wahl des ganzen Korans ein Fehler. Wen immer sie zum Nachfolger des Propheten machen, sie handeln richtig und angemessen. Sobald du jemanden des Amtes enthebst, bezichtigst du dreiunddreißigtausend Menschen der Lüge. Wer in seinem Amt nichts als die Wahrheit geäußert hat, dem kann man nicht die Kniefessel des Kamels nehmen. Wenn er sich so bemüht hat, wer, wenn nicht er, soll das Recht der Nachfolge erhalten? Ist es denkbar, wenn es Interesse am Rechtschaffenen gibt, jemals ein »Setzt mich ab« zu akzeptieren?

S. 254, Verse 498-522

Wenn Omar nur geringes Interesse gehabt hätte, wie hätte er dann seinen Sohn durch eine Peitschenwunde töten können? Der Rechtschaffene Abu Bakr war immer ein Mann des rechten Weges, frei von allem und der Schwelle Gottes bedürftig. Er gab Besitz, Tochter und Seele hin. Niemand sollte jemanden so behandeln, schäme dich! Der Reine gehörte zur Schicht der Überlieferung, weil er Scharfsinn besaß. Wer auf die Minbar mit dem Blick des richtigen Verhaltens schaut, hätte Osman nicht neben den Propheten gesetzt. Weil er aber alles, was vor und hinter ihm ist, sieht, wer kann ihm da noch Unrecht nachsagen? Auch der scharfsinnige Omar war rechtschaffen. Mal brannte er Ziegeln und mal schnitt er Dornen. Wegen Brennholz verließ er die Stadt, kehrte zurück und nahm den Weg nahe beim Volk. Jeden Tag nahm er wegen seines Eifers nur sieben Bissen Brot zu sich. Essig mit Salz auf dem Brot, rief man ihn, denn sein Brot war nicht das von Reichen. Kies war sein Lager, wenn er schlief, und eine Peitsche das Kissen unter seinem Kopf. Wie ein Wasserträger nahm er den Wasserschlauch und trug ihn für eine Witwe zur Schlafenszeit. Kam die Nacht, verzichtete er auf seine Bedürfnisse. Er war die ganze Nacht Wächter des Heeres. Zu Hudeifa55 sagte er: »Oh Frommer, siehst du irgendeine Heuchelei in Omar? Wo ist der, der meine Schwäche nicht mag, der möge mir ein Geschenk bringen!« Wenn er die Nachfolge als Fehler betrachtet, warum trägt er dann ein Derwischkleid von 17 man? Weil ihm niemand weder ein Kleid noch einen Gelim gab, nähte er zehn Lederflicken auf sein Flickenkleid. Wer so königlich handelt, kann unmöglich von jemandem etwas annehmen. Wer mal Ziegeln und mal Lehm bearbeitet, hat diese ganze Mühe nicht umsonst gehabt. Wenn die Nachfolge aus der Luft käme, hätte er sich selbst an die Herrschaft gebracht. Die Städte der unreifen Frevler wurden frei von der Häresie in seinen Tagen. Wenn du deswegen zornig bist, ist es nicht recht, deshalb vor Zorn zu vergehen. Er starb nicht durch Gift und du aus Zorn. Wie oft würdest du sterben, wenn du nicht sein Gift nehmen würdest? Vergleiche nicht, unwissender Unrechtkenner, die eigene Herrschaft mit der Nachfolge. Wenn du mit der Herrschaft an der Reihe bist, brennen aus Kummer hundert Feuer im Herzen.

S. 255, Verse 523-543

Wenn jemand von ihm die Nachfolge erteilt bekommt, hat er ihm 100 Arten der Verpflichtung auferlegt. Es ist nicht einfach, solange man lebt, die Verantwortung über die Geschöpfe zu haben.

Anekdote über Omar

Als sich Omar vor Uwais56 erzürnte, sagte er: »Ich habe die Nachfolge angeboten. Wenn sie jemand kauft, verkaufe ich sie und wenn es nur ein Dinar ist.« Als Uwais dies von Omar hörte, sagte er: »Geh und danke ab. Wirf alles weg, was du musst, und nimm deine Herrschaft zurück.« Als der Emir die Nachfolge ablehnen wollte, da waren die Freunde dagegen. Alle sagten: »Tue es nicht, oh Führer. Die Geschöpfe sind wegen Gott verwirrt. Er hat dir Rechtschaffenem die Verantwortung übertragen und das nicht aus Unwissenheit, die er für wahr hielt. Wenn du dich abwendest von seinem Befehl, wird sich seine Seele wegen dir grämen.« Als Omar dieses feste Argument hörte, lastete diese Aufgabe noch schwerer auf ihm.

Anekdote über die Opferbereitschaft Alis

Als ein Unglücklicher den auserwählten Ali auf einmal verletzt hatte, bereitete man ihm ein Getränk zu und Ali fragte: »Wo ist mein Blutvergießer? Gebt erst ihm zu trinken, dann mir, damit er mein Wegbegleiter wird.« Man brachte diesem das Getränk und er sagte: »Oh, aus Zorn will der Löwe Ali mich mit Gift töten.« Ali erwiderte: »Bei der Wahrheit des Schöpfers, wenn dieser Nichtsnutz meinen Trank zu sich nähme, würde ich nicht ohne ihn vor Gott den Fuß ins Paradies setzen.« Wenn Ali den schlechten Mann töten würde, würde er ohne ihn nicht ins Paradies gehen. Wenn er so viel Mitleid für den Feind hat, wie könnte er je wegen seiner Rechtschaffenheit Feindschaft hegen? Er, der mehrfach Leid durch den Feind erfahren hat, wie soll er Feindschaft gegenüber Abu Bakr im Sinn haben? Er schuf nicht die grenzenlose Welt, weil Ali dem rechtschaffenen Abu Bakr ein Freund war.

S. 256, Verse 544-564

Wie oft du auch sagst, dass der auserwählte Ali ungerecht behandelt und von der Nachfolge ausgeschlossen wurde: Weil Ali der Löwe Gottes und die Krone ist, kann man ihn nicht ungerecht behandeln, Junge!

[Erzählung]

Mohammad hielt an einem Ort des Weges und sagte, man möge dem Heer Wasser aus dem Brunnen bringen. Ein Mann ging und kam in Eile wieder zurück und sagte: »Der Brunnen ist voller Blut. Es ist kein Wasser darin.« Er erwiderte: »Im Gedanken an seinen Schmerz hat Ali seine Geheimnisse in den Brunnen gesprochen. Als der Brunnen dies hörte, konnte er es zweifellos nicht ertragen, denn als du gingst, hatte er kein Wasser mehr.«

Wer in sich so eine Bestürzung trägt, wie kann in ihm die geringste Bosheit herrschen. Aus Zorn brodelst du, aber Ali erging es nicht so, er schwieg. Vergleiche ihn nicht mit dir selbst, denn jener Gotteskenner war in Gott versunken ebenso wie in seine Aufgabe, und er ist wegen deiner Vorstellungen erschöpft. Wenn er wie du voller Bosheit wäre, suchte er den Krieg mit den Anhängern Mohammads. Aber er ist viel mutiger als du, denn warum hat er keinen Krieg geführt? Wenn der Rechtschaffene im Unrecht wäre, wäre das ein Wunder. Weil er im Recht war, hat er Recht gefordert. Zu Ali kam die Schar Aischas,57 der Mutter der Gläubigen, nicht weil sie wegen der Religion Rache suchten. Da er Krieg und Unglück sah, hatte der Löwe Ali das Volk mit aller Kraft verteidigt. Wer mit der Tochter Mohammads Krieg führen kann, weiß dem Vater zuzurufen. Oh Junge, du weißt nichts von Ali, du kennst nur die Buchstaben seines Namens. Du bist aus Liebe zu deiner Seele und deinem Leben beunruhigt, aber er ist da, um hundert Seelen und Leben zu geben.

Anekdote über Ali

Wenn jemand aus der Gefolgschaft getötet wurde, erlitt der Löwe Ali sehr heftigen Kummer. »Weil das geschätzte Leben in meinen Augen niedrig erscheint, ist das der Grund, warum ich nicht auch getötet wurde?« Einer fragte: »Was ist geschehen, Ali? Dein Freund ist bereit für den Tag der Auferstehung.«

S. 257 Verse 565-583

Anekdote über Bilal

Bilal58 stieß einmal an einem Ort mit seinem hageren Körper gegen hundert Hölzer und Riemen. Viel Blut floss über ihn und das Holz. Wie er zu sagen pflegt ,Er ist einer‹, sagte er auch jetzt ›Es ist eins‹.

Wenn du plötzlich einen Dorn im Fuß hast, ist das Mitgefühl von niemandem auf deinem Weg. Wer wegen eines Dornes bekümmert ist, für den wäre ein schlechter Gedanke unter solch einem Volk ein Fehler. Wenn sie so waren, wie wärst du? Wie sehr hättest du dich gewundert? Durch deine Zunge haben sich die Götzenanbeter vermehrt und die Gefolgschaft ist durch sie verwundet. Durch viele Worte hast du den Diwan geschwärzt. Du würdest siegen, wenn du auf deine Zunge achten würdest.

Über die Zuverlässigkeit Alis und Abu Bakrs

Ob Ali oder der rechtschaffene Abu Bakr, beide waren zuverlässig. Als Mohammad in die Höhle ging, schlief Ali in jener Nacht auf seinem Lager. Er vertraute sich dem Löwen Ali an, damit dessen Seele die allerhöchste bleibt. Vor der Schlange der Höhle setzte der Rechtschaffene der Welt, Abu Bakr, sein Leben aufs Spiel. Als beide den Weg zu Ihm gingen, spielten sie ebenfalls mit ihrem Leben. Eifere diesen Mutigen nach. Wenn du einer von diesem oder des anderen bist, hast du dann den Schmerz des einen oder des anderen? Mach wie sie die Opferbereitschaft zur Profession oder schweig und lass ab von solch einem Gedanken. Du kennst Ali und Abu Bakr, Junge. Aber vom Verstand Gottes und der Seele hast du keine Ahnung. Mach den Kopf frei für das Siegel dieser Wahrheit, werde ein Mann Gottes bei Tag und bei Nacht wie es Rabi’a59 gewesen ist. Denn sie verhielt sich nicht wie eine Frau, sondern wie hundert Männer. Vom Scheitel bis zur Sohle war sie Quelle des Schmerzes. Sie war unentwegt in das Licht Gottes getaucht, war frei von ausschweifenden Worten und versunken.

S.258, Verse 584-604

Anekdote über Rabi’a

Jemand fragte sie: »Oh, Gütige, was hältst du von den Anhängern des Propheten?« Sie antwortete: »Ich habe über Gott nichts zu sagen, wie kann ich dann etwas über die Anhänger wissen? Wenn ich mein Herz und meine Seele nicht in Gott verloren hätte, würde ich mich dann einen Augenblick um die Menschen sorgen? War ich es nicht, die einmal im Gebet war und ein Dorn mein Auge zerstach? Das Blut floss auf die Erde, und ich soll wegen des Verlustes meiner Sehkraft nichts von meinem Blut gewusst haben? Wer solch einen Schmerz erleidet, wie kann er sich da um die Angelegenheiten von Mann und Frau kümmern? Solange ich mich selbst nicht kenne, kann ich keinen anderen zum Vergleich nehmen.«

Auf diesem Weg ist weder Gott noch der Prophet. Lasse ab von diesem Hin und Her der Zustimmung und Ablehnung. Werde auf diesem staubigen Weg zu Staub und rein aus Unschuld und Freundschaft. Wenn du Staub bist, sprich über den Staub. Halte alles für rein und rede rein.

Gebet Mohammads

Der Herr der Welt, Mohammad, verlangte vom Schöpfer: »Übergib mir die Gemeinschaft. Damit niemand einen Augenblick von der Sünde meiner Umma erfährt.« Der erhabene Gott sprach zu ihm: »Großer der Großen, wenn du unzählige Sünden siehst, solltest du dich nicht darüber wundern, dich schämen und dich verbergen. Aischa war dir so lieb wie das Leben, aber sie wurde dir überdrüssig wegen einer Verleumdung. Du hörtest den Schrei der Außenstehenden und hast sie dann wieder zurück geschickt. Du suchtest nach einem Würdevolleren, aber in deiner Umma waren viele sündhaft. Du hast nicht das starke Brennen der Sünde, befreie daher deine Umma mit Hilfe Gottes, wenn du nicht willst, dass in der Welt jemand von der Sünde deiner Umma erfährt. Ich möchte, dass auch du hohes Wesen, nichts über ihre Sünden weißt. Ziehe dich zurück und geh zur Seite und überlasse mir die Umma Tag und Nacht.«

S. 259, Verse 605-625

Wenn die Verantwortung der Umma nicht Mohammad obliegt, wie soll dann nach deinem Urteil etwas daraus werden? Fälle kein Urteil und schweig, sei ohne fanatischen Eifer und entscheide dich für den Weg. Komme dem zuvor, was sie getan haben, und gehe in Gesundheit deinen Weg. Entweder gehe den Weg der Aufrichtigkeit wie Abu Bakr oder wähle wie der scharfsinnige Omar die Gerechtigkeit, sei wie Osman voller Scham und Milde oder wie der Löwe Ali ein Meer der Großmut und des Wissens oder schweig. Nimm meinen Rat an und gehe, mach dich auf und kümmere dich um dich selbst. Bist du etwa ein Mann der Aufrichtigkeit und des löwengleichen Wissens? Du bist ein Mann der Triebseele und jeden Augenblick ungläubiger. Vernichte die Triebseele des Unglaubens und werde ein Gläubiger und wenn du sie vernichtet hast, sei sicher. Rede nicht überschwänglich im fanatischen Eifer und mache dir nicht selbst die Nachfolge zu eigen. Nach dem Gesetz gibt es keine einzige Zustimmung. Was würdest du zu den Anhängern des Propheten sagen?

In mir gibt es nicht diese überschweifende Rede, oh Gott, schau, von dem falschen Eifer losgekommen, habe ich mich dem Weg angeschlossen. Reinige meine Seele von diesem Eifer und sage, dass so etwas nicht in meinem Buch vorkommen möge.

1. Anfang des Buches: Die Versammlung der Vögel

Willkommen, zum Leiter gewordener Wiedehopf, der in Wahrheit Bote jeden Tales ist. Bis zur Grenze von Saba ging deine Reise und dein Vogelgespräch mit Salomon ist gut verlaufen.60 Du bist der Herr der Geheimnisse Salomons, von seiner Prahlerei bis zur Unterdrückung. Halte den Dämon in Fesseln und Gefängnis, solange du Salomons Vertrauter bist. Wenn du den Dämon einsperrst, wünsche für Salomon ein kaiserliches Zelt.

Bravo, Moses gleichender Fink, komm und spiele auf zur inneren Weisheit. Aus der Seele machte er einen Musiker, dank der melodischen Weise der Schöpfung. Du sahst wie Moses das Feuer von weitem. Zweifellos bist du ein Fink auf dem Berg Moses’.61 Entferne dich vom brutalen Pharao und komme zur festgesetzten Zeit und werde ein Vogel des Berges. Rede ohne Sprache und Geschrei, verstehe ohne Verstand und höre ohne Ohren.

Willkommen, Papagei auf dem Paradiesesbaum in einem grünen Kleid mit einem feurigen Halsband. Der Feuerring steht für die Hölle, das Kleid für das Paradies und das ist großmütig. Wer wie Abraham vor Nimrod gerettet wird, der kann gut über dem Feuer sitzen. Schlage Nimrod den Kopf ab wie einem Stift und setze den Fuß ins Feuer wie der Freund Gottes. Wenn du von der Tyrannei Nimrods frei bist, du im Paradieseskleid, wozu dann die Frucht vor deinem feurigen Halsband.

Bravo, graziöses Rebhuhn, voller Freude vom Berg der Gnosis schreitend. Lache über die Methode des Weges und schlage den Ring am Tor Gottes. Schmelze deinen Berg aus Hungersnot ein, damit daraus eine Kamelstute kommt. Wenn du eine unversehrte junge Kamelstute findest, siehst du Milch und Honig fließen. Reite die Stute, wenn der Friede zu dir kommt. Salih selbst wird kommen, dich zu empfangen.62

Willkommen, neidischer Falke, wie sehr willst du noch wütend sein. Binde den Brief der ewigen Liebe an den Fuß und löse die Fessel dieses Briefes bis in Ewigkeit nicht. Tausche den angeborenen Verstand mit dem Herzen, damit du siehst, dass anfangslose und endlose Ewigkeit eins sind. Zerstöre mannhaft den Rahmen der Natur und lege die Einheit in das Innere der Höhle. Wenn sie dort ist, wird der Anfang der Welt, Mohammad, für dich ein Freund der Höhle.

Bravo, Frankolinhuhn der Himmelsfahrt. Du hast auf dem Haupt des bale (›Ja, wir bezeugen es‹) die Krone des alast (›Bin ich nicht euer Herr‹) gesehen.63 Weil das alast der Liebe auf die Seele hört, nimm vom bale der Triebseele den Überdruss. Wenn das bale der Triebseele der Strudel des Leids ist, wie kann sich dann darin deine Angelegenheit richten? Verbrenne die Triebseele wie den Esel Jesus’, werde dann wie Jesus eine Seele und bringe sie zum Leuchten. Verbrenne den Esel und tue etwas für den Seelenvogel, bis der Geist Gottes wieder froh zu dir kommt.

S. 261, Verse 647-666

Willkommen, Nachtigall des Gartens der Liebe. Klage wundervoll vom Schmerz und der Glut der Liebe. Klage David gleich auf wunderbare Weise über den Schmerz des Herzens, damit man über dich jeden Augenblick hundert Seelen streut. Öffne die David gleiche Kehle dem inneren Sinn und führe die Geschöpfe mit der Melodie der Schöpfung. Wieviele Panzerketten die unglückliche Triebseele auch umfassen, schmelze das Eisen wie David zu Wachs.64 Wenn das Eisen dann weich wie Wachs ist, erwärme dich durch die Liebe wie David.

Bravo, Pfau des Gartens mit den acht Toren. Du vergingst durch das Gift einer siebenköpfigen Schlange. Die Rede dieser Schlange ist in dein Blut gelangt und hat dich aus dem Garten Eden geworfen. Sie holte dich vom Lotusbaum des 7. Himmels und Baum des Paradieses und machte dich betrübt durch die Grenzen der Natur. Solange du diese Schlange nicht vernichtest, wirst du der Geheimnisse nicht mächtig. Wenn du dich von dieser schlechten Schlange befreist, wird Adam dich auf besondere Weise ins Paradies zurückholen.

Willkommen, schöner, weit blickender Fasan. Die Quelle des Herzens ist im Meer des Lichtes versunken. Oh, du sitzt im dunklen Brunnen, geplagt von der Beschuldigung. Hole dich selbst aus dem dunklen Brunnen und hebe den Kopf zum Himmelsthron des Erbarmers. Lasse wie Joseph Gefängnis und Brunnen hinter dir,65 damit du in Ägypten die Macht des Königs bekommst. Wenn dir so ein Reich zuteil wird, wird der rechtschaffene Joseph zu deinem Freund.

Bravo, harmonische Turteltaube. Du bist froh gegangen und traurig zurückgekehrt. Traurig bist du, weil du im Blut und in der Enge des Gefängnisses von Jonas warst.66 Oh, im Fisch Triebseele Irrende, wie lange willst du die Böswilligkeit der Triebseele noch ertragen. Schlage dem missgünstigen Fisch den Kopf ab, damit du zum Scheitel des Mondes gelangen kannst. Wenn deine Triebseele vom Fisch befreit ist, wirst du zum Freund Jonas’ an einem besonderen Platz.

S. 262, Verse 667-678

Willkommen, Ringeltaube, stimme deine Melodie an, damit sich der Schatz von sieben Schalen über dich ergießt. Weil das Halsband der Treue um deinen Hals ist, wäre treuloses Handeln schlecht für dich. Wenn von dir nur ein Haar davon so ist, halte ich dich für von Kopf bis Fuß treulos. Wenn du aber aus dir herauskommst, wirst du mit dem Verstand den Weg zum inneren Sinn finden. Und wenn der Verstand dich zu den inneren Bedeutungen bringt, wird Chidr67 dir auch das Wasser des Lebens bringen.

Bravo, zum Flug ansetzender Falke. Er ging hochmütig und kam niedergeschlagen zurück. Sei unbesorgt, wenn du niedergeschlagen bist, und stehe aufrecht, wenn du im Blut ertrunken bist. Du bist gebunden an das Aas der Welt und zweifellos getrennt vom inneren Sinn. Lasse die Welt und das Jenseits hinter dir, nimm die Haube vom Kopf und schaue. Wenn deine Weisheit beide Welten verlässt, wird dein Platz auf dem Arm Alexanders sein.

Willkommen, Goldfink mit der schönen Erscheinung, erwärme dich durch die Arbeit und werde wie Feuer. Was zu dir kommt, vernichte durch die Wärme. Verschließe die Augen vor dem Lob aller. Wenn du alles vernichtest, was zu dir kommt, werden die Gaben Gottes für dich jeden Augenblick mehr. Wenn dein Herz die Geheimnisse Gottes erkannte, gebe dich selbst Gott hin. Wenn du durch Gott zu einem vollkommenen Vogel geworden bist, bleibst du nicht, aber Gott bleibt.

2. Die Rede des Wiedehopfs zu den Vögeln

Die verborgenen und die sichtbaren Vögel der Welt versammelten sich. Sie alle sagten: »In dieser Zeit fehlt in keiner Stadt ein Herrscher. Was ist, wenn unser Land keinen König hat? Dann gibt es nur die Möglichkeit der Herrenlosigkeit. Vielleicht sollten wir zusammenkommen und einen König erbitten. Denn wenn ein Land keinen Herrscher hat, gibt es keine Ordnung im Heer.« Also sind alle zusammengekommen, um einen König zu finden.

Der erstaunte und erwartungsvolle Wiedehopf trat unruhig in die Menge.

S. 263, Verse 689-713

Er trug das Kleid des Weges der mystischen Gotteserkenntnis als Gewand und die Krone der Wahrheit auf seinem Kopf. Er hatte auf dem Weg einen wachen Verstand und kannte das Gute und das Schlechte. Er sagte: »Oh Vögel, ich bin ohne jeglichen Zweifel sowohl der Bote des Herrn als auch des Verborgenen. Ich kam mit der Kunde von ihm und bin von Natur aus Träger der Geheimnisse. Wer die Basmalla68 im Schnabel trägt, kann vielleicht ein paar Geheimnisse finden. Ich verbringe die Zeit im Kummer und niemand hat mit mir etwas zu tun. Weil ich frei von den Geschöpfen bin, sind auch sie zweifellos frei von mir. Weil ich mit dem Schmerz um den König beschäftigt bin, habe ich nie Kummer um das Heer. Wasser nehme ich mir aus meiner Vorstellung und an Geheimnissen kenne ich mehr als genug. Ich sprach mit Salomon, daher bin ich zweifellos mehr als sein Tross. Wer sich aus seinem Reich zurückzog, oh Wunder, der fragte nicht und suchte nicht nach ihm. Weil ich mich einmal von ihm zurückzog, ließ er mich überall suchen. Dass er nicht einen Augenblick über mich erstaunt war, ist einem Wiedehopf bis in Ewigkeit viel Wert.

Ich trug seinen Brief weg und kehrte wieder zurück. Bei ihm bin ich Mitwisser der Geheimnisse hinter dem Vorhang. Wen Gott wohlwollend erwähnt hat, an den reicht kein Vogel auf seinem Weg heran. Wer vom Propheten erwünscht ist, den schmückt es, wenn auf dem Scheitel eine Krone sitzt. Jahrelang suchte ich im Meer und auf dem Land, ging bis ans Ende des Weges. Ich reiste durch Täler, Berge und Wüsten, ging durch die Welt in der Zeit des Sturmes. Ich war mit Salomon auf Reisen und habe die Weite der Welt oft durchquert. Ich kenne den eigenen König. Wenn ich allein gegangen wäre, hätte ich es nicht vermocht. Und wenn ihr mich begleitet, werdet ihr Vertraute des Königs und seines Hofes. So befreit euch von der Schmach des Egoismus. Wie lange noch die Verwirrung des Unglaubens? Wer seine Seele in ihm verlor, ist frei von sich selbst. Er befreite sich auf dem Weg zu den Lieben von Gut und Böse. Gebt die Seele auf, setzt den Fuß auf den Weg und legt freudig den Kopf an diese Schwelle. Wir haben einen unbestrittenen König und hinter diesem Berg ist der märchenhafte Berg Qaf.

S. 264, Verse 714-736

Sein Name ist Simorgh (Dreißigvögel), König der Vögel; er ist uns nah, aber wir sind so fern von ihm. Seine Ruhe liegt im Heiligtum der Großmut, sein Name ist auf keiner Zunge. Er hat mehr als hunderttausend Vorhänge aus Licht und Dunkelheit vor der Tür. In beiden Welten hat niemand so einen Mut, dass er seinen Wert erreichen könnte. Er ist ewig der absolute König, versunken in der Vollkommenheit seiner Würde. Niemand gelangt von selbst dorthin, wo er ist. Wer erreicht je sein Wissen und seinen Verstand? Weder gibt es einen Weg zu ihm noch erstaunlicherweise von ihm. Hunderttausend Geschöpfe sind in Leidenschaft zu ihm entbrannt. Die reine Seele kann ihn nicht beschreiben, der Verstand nicht erfassen. Beide sind zweifellos verwirrt und blieben vor seinen Eigenschaften blind. Kein Wissender sah seine Vollkommenheit, kein Sehender seine Schönheit. Für seine Vollkommenheit gibt es kein entsprechendes Lob, das Wissen reicht nicht und der Blick findet nicht dorthin.

Wenn du alle Arten der Geschöpfe von solcher Vollkommenheit und Schönheit zusammenbringst, sind sie nur eine Hand voll Einbildung. Wer kann den Weg in der Einbildung zurücklegen? Gehst du zum Fisch, wie kannst du dann zum Mond gehen? Wenn hunderttausend von solchen dort sind, gibt es dort auch viele Klagen und viel Weinen. Auf dem Weg gibt es viel Trockenheit und viele Meere und denke nicht, dass der Weg kurz ist. Ein tapferer Mann muss für den Weg erhaben sein, weil der Weg weit ist und das Meer sehr tief. Auf ihm gibt es, was uns zum Staunen bringt. Wir gehen ihn mit Weinen und Lachen. Wenn wir ein Zeichen sehen, ist das Sein Werk. Wenn nicht, ist es eine Schmach, ohne Ihn zu leben. Wem nützt die Seele ohne Geliebten? Bist du ein Mann des Weges, hast du keine Seele ohne Geliebten. Ein solcher Mann muss den ganzen Weg gehen und sein Leben für diese Schwelle opfern. Die Hand muss von der mannhaften Seele rein gewaschen werden, damit man sagen kann, dass er ein Mann des Gotteswerkes ist. Wenn die Seele ohne Geliebten ist, ist nichts von Wert. Opfere deine teure Seele wie die Männer des Weges. Tust du dies auf mutige Weise, wird der Geliebte über dich wieder eine Seele streuen.

S. 265, Verse 737-757

Erzählung Simorghs

Der Beginn des Werkes von Simorgh, oh Wunder: Er zog glänzend um Mitternacht über China. Inmitten Chinas verlor er eine Feder. Jeder Einwohner war sehr erregt. Jeder machte ein Abbild von dieser Feder. Wer ein solches Bild sah, war davon eingenommen. Diese Feder ist jetzt an einem Schauplatz in China. Von ihm ist das ›Sucht das Wissen auch in China‹. Wenn das Abbild dieser Feder nicht sichtbar wäre, würden alle in der Welt beunruhigt. Dies sind alles Kunstwerke von seiner Feder, alles Zeichen seines Abbildes. Von seinen Eigenschaften ist nichts sichtbar, deshalb ziemt es sich, nicht mehr davon zu sprechen. Wer von euch jetzt ein tapferer Mann ist, macht sich auf den Weg.

Alle Vögel kamen an den Platz, aufgeregt wegen der Großmut dieses Königs. Die Leidenschaft zu ihm begann in ihren Seelen zu arbeiten und machte jeden von ihnen sehr ungeduldig. Sie wollten den Weg gehen und traten vor. Verliebt in ihn waren sie sich selbst Feind. Weil der Weg aber sehr lang und weit war, litt jeder auf seiner Reise. Obgleich für den Weg jeder geeignet war, suchte jeder nach einer Entschuldigung.

3. Die Rede der Nachtigall

Die Nachtigall war aus Liebe vollkommen betrunken und konnte aus Vollkommenheit der Liebe weder leben noch sterben. Sie hatte den inneren Sinn in jedem ihrer tausend Gesänge, und hinter jedem Sinn verbarg sich eine Welt von Geheimnissen. Sie klagte über die Geheimnisse der Bedeutungen und lies die Vögel verstummen. Sie sprach: »Durch mich werden die Geheimnisse der Liebe besiegelt. Die ganze Nacht wiederhole ich die Liebe. Niemand hat sich so bemüht wie David, damit ich das Buch der Liebe in klagender Weise singe. Das Klagen der Flöte kommt durch meinen Gesang. Sie ist gefangen von meinem klagenden Weinen. Die Rosengärten sind erfüllt von mir. In den Herzen der Verliebten brodelt es wegen mir. Zu jeder Zeit erzähle ich ein anderes Geheimnis und singe in jedem Zehntel einer Stunde eine andere Melodie. Wie die Liebe meiner Seele Kraft verleiht, dementsprechend aufgewühlt ist das Meer meiner Seele. Wer meine Leidenschaft sieht, verliert sich. Obgleich er sehr vernünftig ist, wird er betrunken. Wenn ich den vertrauten Freund ein Jahr lang nicht sehe, schweige ich und teile niemandem ein Geheimnis mit. Macht er mich im Frühling verliebt, verstreut sich sein Moschusduft über die Welt. Ich bin mit ihm glücklich und mein Problem kann durch seinen Anblick gelöst werden. Ich bin auch noch verliebt, wenn er wieder geht und ich, die erregte Nachtigall, wenig singe. Während nicht jeder mein Geheimnis findet, kennt die Rose bestimmt das Geheimnis der Nachtigall. Ich bin so sehr in die Liebe zur Rose versunken, dass ich aus mir selbst absolut verschwunden bin. In mir gibt es so viel Liebe zur Rose, weil ich so sehr nach der hundertblättrigen roten Rose verlange. Die Nachtigall hat nicht die Macht des Simorgh, aber genug Zuneigung zur Rose. Wenn mein Geliebter hundert Blätter hat, wie kann mein Streben dann blattlos sein. Wenn die Rose dann herzerweichend blüht, lacht sie mich so wunderbar an. Kommt sie hinter dem Vorgang hervor, wird das Lachen über die Natur sichtbar. Wie kann die Nachtigall nur eine Nacht ohne Liebe zu solch einem Lachen sein?«

Der Wiedehopf sprach: »Du bist dem Anblick verhaftet. Kokettiere nicht mehr mit der Liebe zur Schönheit. Die Liebe zur Rose hat für dich viele Dornen. Der Schöpfer aber ist über dir und lenkt dich. Obgleich die Rose viele Schönheiten hat, sind sie innerhalb einer Woche vergangen. Wenn die Liebe zu etwas vergänglich ist, bringt sie den vollkommenen Verdruss. Auch wenn dich das Lachen der Rose so anzieht, hat es dein klagendes Weinen zur Folge. Lasse ab von der Rosse, die jeden Frühling blüht. Denn sie lacht dich schamvoll aus, aber lacht dich nicht an!«

Die Prinzessin und der Derwisch

Ein Herrscher hatte eine Tochter so schön wie der Mond. Sie hatte eine Welt voller Verehrer und Verirrter. Für den Wachen war sie eine Versuchung, weil ihre halbschlafenden Augen trunken waren.

S. 267, Verse 780-802

Sie hatte ein Gesicht aus Kampfer und Locken aus Moschus. Der feuchte Rubin ihrer Lippen ließ die Lippen aus Durst danach trocken werden. Wenn nur ein wenig ihrer Schönheit sichtbar wurde, war der Verstand beschämt davon, dass er es nicht begreifen konnte. Wer den süßen Geschmack ihrer Lippen kennen würde, würde vor Scham erstarren und vergehen.

Ein Derwisch war plötzlich von ihr ergriffen, weil sein Blick auf den glänzenden Mond gefallen war. Der Arme hatte gerade ein Stück Brot in der Hand, aber er hatte es vergessen. Weil sein Blick auf das Gesicht jenes Mondes fiel, war ihm das Brot aus der Hand auf die Erde gefallen. Das Mädchen ging an ihm wie ein Feuer vorbei, lachte ihn an und ging vorüber. Als der Bettler ihr Lachen gesehen hatte, sah er sich im Staub, ertrunken in Blut. Er hatte nur ein halbes Brot und eine halbe Seele und wurde von beiden auf einmal frei. Weder Tag noch Nacht fand er Ruhe. Er sprach nicht mehr vor Weinen und Brennen. Erinnerte er sich an das Lachen jener Herrscherin, begann er um sie wie eine Wolke der Klage zu weinen. Sieben Jahre war er voller Unruhe und schlief mit den Hunden des Mädchens. Alle Diener des Mädchens wussten davon und diese Peiniger hatten die Absicht, dem Bettler den Kopf wie einer Kerze abzuschlagen. Insgeheim rief ihn das Mädchen zu sich und sagte: »Weil du den Übermut hattest zu behaupten, dass wir ein Paar würden, hat man die Absicht, dich zu töten. Fliehe und sitze nicht an meiner Tür, sondern steh auf und geh.« Der Bettler sprach: »An jenem Tag habe ich meine Seele verloren, weil ich wegen dir trunken wurde. Hunderttausend Seelen sind wie ich rastlos. Mögen sie jede Stunde über dich gestreut werden. Da sie mich ungerechtfertigt töten und mir den Kopf abschlagen wollen, beantworte mir bitte eine Frage: Warum lachtest du mich jener Zeit an?« Sie erwiderte: »Weil ich dich so unbeholfen fand, lachte ich über dich, du Ahnungsloser. Über dich zu lachen ist üblich, aber dich anzulachen ein Fehler.« Nachdem sie das gesagt hatte, ging sie an ihm wie Rauch vorbei. Alles, was es ursprünglich gab, hatte sich in Nichts aufgelöst.

S. 268, Verse 803-821

4. Die Rede des Papageien

Der Papagei trat hervor mit einem Mund voll Zucker, einem pistazienfarbenen Kleid und einem goldenen Halsband. Die Mücke wurde wegen seiner Pracht zu einem Habicht überall dort, wo das Grün seiner Feder auftauchte. Er begann auf süße Weise zu reden, denn im Zuckeressen ist er ein Frühaufsteher. Er sprach: »Jeder Schwermütige und jeder Niemand baut mir einen Käfig aus Eisen. Und ich sitze in dem eisernen Gefängnis, aufgelöst in dem Wunsch nach dem Wasser des Lebens. Da ich der Chidr der Vögel und grün gekleidet bin, vielleicht kann ich vom Lebenswasser trinken. Für den Simorgh kann ich keine Leidenschaft aufbringen. Mir ist das Wasser aus der Quelle Chidrs genug. Auf den Weg begebe ich mich wie ein aus Liebe Rasender und gehe überall hin wie ein Vagabund. Wenn ich ein Zeichen vom Wasser des Lebens finde, gibt man mir die Herrschaft in der Gefangenschaft.«

Der Wiedehopf antwortete: »Oh, du hast vom Glück keinen Hinweis. Niemand ist ein Mann des Weges, der nicht opferbereit ist. Daher ist deine Seele damit beschäftigt, einen Augenblick dem Geliebten zu begegnen. Das Wasser des Lebens willst du und ein Freund bist du. Wenn du aber keinen Verstand hast, bist du niedrig. Was willst du mit der Seele? Gib sie für den Geliebten hin, gib sie auf dem Weg zum Geliebten hin wie die Männer des Weges.«

Der Irre und Chidr

Es war ein hochrangiger Irrer, zu dem sagte Chidr: »Oh vollkommener Mann, bist du damit einverstanden, mein Freund zu sein?« Er antwortete: »Mit dir habe ich nichts zu schaffen, weil du mehrmals das Wasser des Lebens getrunken hast, um ewig zu leben. Ich bin dabei, mich von der Seele loszusagen, denn ohne Geliebten habe ich keine Kraft. Während du dein Leben bewahren willst, opfere ich es jeden Tag. Es ist besser, wenn wir voneinander fernbleiben wie die Vögel vom Netz.«

S. 269, Verse 822-842

5. Die Rede des Pfaus

Danach kam der goldene Pfau, das Abbild seiner Federn schimmerte hundert-, nein hunderttausendfach. Er verbreitete einen Glanz wie eine Braut, weil jede seiner Federn schimmerte. Er sprach: »Damit der Maler von meinem Verborgenen ein Bild malt, wurde den Chinesen der Stift zu einem Finger an der Hand. Obgleich ich der Gabriel der Vögel bin, ist mir plötzlich nichts Gutes widerfahren. Die schlechte Schlange wurde mir einmal zum Freund, bis ich in Schande aus dem Paradies verstoßen wurde. Als man meinen angenehmen Ruheplatz änderte, wurde das Brett unter meinem Fuß zu meiner Pflicht. Ich möchte, dass mir ein Führer den Weg von diesem düsteren Ort zum Paradies weist. Ich bin zwar niemand, der zum Herrn gelangt, aber mir genügt es, wenn ich wieder ins Paradies komme. Wann hatte Simorgh meine Sorge? Solange war der hohe Paradiesgarten mein Platz. Ich habe nichts auf der Welt außer diesen Wunsch, dass er mir noch einmal den Weg zum Paradies zeigt.«

Der Wiedehopf sprach: »Oh, du bist wegen dir selbst verloren. Was ist besser: ein Haus vom König zu wollen oder die Nähe zu ihm? Das Paradies voller Begierden ist das Haus der Triebseele. Nur das Haus des Herzens ist der Ort der Aufrichtigkeit. Gott ist ein tiefes Meer und das Paradies der Gnade ist nur ein kleiner Tropfen. Ein Tropfen ist es für jeden, der das Meer hat. Was Teil des Meeres ist, ist Leidenschaft. Wenn du den Weg zum Meer finden kannst, warum solltest du dann zum Tau gehen? Wer weiß, spricht mit der Sonne der Geheimnisse. Denn wie kann etwas von einem Atom übrigbleiben? Wer das Ganze wurde, was hat der dann noch mit dem Teil zu tun? Wer zur Seele wurde, was hat er noch mit den Körperteilen zu schaffen? Wenn du ein Mann des Ganzen bist, sieh das Ganze, fordere das Ganze, sei das Ganze, werde das Ganze und wähle das Ganze.«

Der Lehrer und der Schüler

Ein Schüler fragte den Lehrer: »Warum wurde Adam aus dem Paradies verstoßen?« Er antwortete: »Adam war der höchste Schatz, weil er im Paradies genügsam war.

S. 270, Verse 843-864

Eine unsichtbare Stimme rief laut: Das Paradies hat dich auf hundertfache Weise gebunden! Wer sich in beiden Welten mit etwas anderem außer mir begnügt, dem bringe ich alles Verderben, gegen die er ohne den Freund nichts tun kann. Beim Geliebten gibt es hunderttausend Plätze. Wo ist der Platz für die ohne Geliebten? Wer außer für den Geliebten lebt, wird vertrieben, auch wenn alle Adam wären. So erhielten die Paradiesbewohner Nachricht, dass sie sich dort dem erstbesten hingegeben hatten. Weil sie keine Kenner von Geheimnissen sind, haben sie auch vom Leiden wieder abbekommen.«

6. Die Rede der Ente

Die Ente trat hundertfach sauber aus dem Wasser unter die Menge in einem wunderschönen Kleid. Sie sagte: »In beiden Welten gibt es keine Nachricht von einem, der ein reineres Aussehen hat als ich. Jeden Augenblick führe ich in Rechtfertigkeit eine rituelle Waschung des ganzen Körpers durch und gehe nach dem Gebet ins Wasser zurück. Auf dem Wasser gibt es keinen Besseren als mich und niemand hat Zweifel an meinem Edelmut. Ich bin der Fromme unter den Vögeln mit reiner Absicht. Ich habe immer ein reines Kleid und einen reinen Ort. Ohne Wasser finde ich auf der Welt keinen Nutzen, weil mein Dasein im Wasser ist. Obgleich ich im Herzen eine Welt voll Kummer habe, wasche ich ihn aus dem Herzen, weil ich das Wasser zum Freund habe. Das Wasser ist hier ständig Teil meiner Suche. Wie kann ich da den Wunsch nach dem Trockenen hegen? Wenn das Wasser mein Element ist, wie kann da ich vom Wasser abweichen? Vom Wasser lebt alles immerfort, was ist. Daher kann ich mich nicht vom Wasser lossagen. Woher soll ich wissen, wo der Weg durch das Tal zu Ende ist, da ich nicht mit Simorgh fliegen kann? Wem das Wasser eines Kruges ausreicht, wie kann der den Wunsch nach Simorgh hegen?«

Der Wiedehopf sagte: »Oh, du bist durch das Wasser schön geworden. Für deine Seele ist das Wasser wie Feuer geworden. Im Wasser kannst du gut träumen. Kommt ein Tropfen Wasser, trägt er dich weg. Das Wasser gibt es wegen jedes ungewaschenen Gesichts. Wenn du ein ungewaschenes Gesicht hast, suche das Wasser.

S. 271, Verse 865-885

Wie oft willst du wie dein klares Wasser das Gesicht jedes Ungewaschenen sehen?«

Allegorische Anekdote

Ein Mann fragte einen Irren: »Was sind die zwei Welten in den Vorstellungen?« Er antwortete: »Die beiden Welten, hoch und niedrig, sind ein Tropfen Wasser, der weder ist noch nicht ist. Von Beginn an ist der Wassertropfen da, und er ist ein Tropfen in mehreren Bildern. Jedes von ihnen war von der Wasseroberfläche. Und wären alle aus Eisen, würden sie dennoch zerstört. Nichts ist härter als Eisen. Aber sieh, es ist auch über dem Wasser gebaut. Alles, was auf Wasser gegründet ist, auch wenn es Feuer ist, ist ein Traum. Denn niemand hat das Wasser jemals fest gesehen, wie kann dann ein Gebilde über dem Wasser fest sein?«

7. Die Rede des Rebhuhns

Das Rebhuhn kam heiter, anmutig schreitend, stolz und trunken aus dem Bergwerk. Es hatte einen roten Schnabel und war schön gekleidet. Das Blut geriet bei seinem Anblick in Wallung. Mal schnitt sie ohne Klinge das Bergmassiv, mal stolzierte sie zum Bergkamm. Sie sagte: »Ich suche im Bergwerk nach vielen Schätzen. Ich bin verbunden mit Schwert und Schild, um Herr über den Schatz sein zu können. Die Liebe zum Schatz hat in mir ein Feuer entfacht, und dieses schöne Feuer war oft in mir. Sobald die Hitze des Feuers aufkommt, macht sie die Kieselsteine in mir zu Blut. Hast du je ein Feuer gesehen, dass solch eine Wirkung hatte und den Stein sofort zu Blut machte? Ich bin unter Stein und Feuer mal untätig, mal erregt. Kieselsteine esse ich in Hitze und Glut. Mit einem Herzen voll Feuer lege ich mich auf dem Stein schlafen. Öffnet die Augen, meine Freunde, und schaut auf meine Speise und meinen Schlaf. Wer Steine isst und auf Steinen schläft, warum soll man mit so jemandem kämpfen? Das Herz ist deswegen hundertfach betrübt, weil meine Liebe zu dem Schatz an den Berg gebunden ist.

S. 272, Verse 885-907

Wer etwas anderes als den Schatz liebt, dessen Besitz ist vergänglich. Der Besitzer des Schatzes hat immer ein Heer, und seine Seele ist immer mit dem Berg verbunden. Ich bin der Herr des Berges und der Mann des Schatzes. Ich bin nicht einen Augenblick ohne Schild und Schwert. Weil der Bergkamm Schätze in sich trägt, suche ich ständig danach. Ich finde keinen Schatz wie diesen, keinen wertvolleren als ihn. Weil der Weg Simorghs beschwerlich ist, bin ich dem wertvollen Stein verhaftet. Wie kann ich je den mutigen Simorgh erreichen, wenn ich hilflos die Hände über dem Kopf zusammenschlage. Ich löse mich nicht wie das Feuer vom Stein. Entweder sterbe ich oder bekomme den Schatz in die Hände. Mein Schatz muss sichtbar werden. Was kann ein Mann ohne Schatz tun?«

Der Wiedehopf antwortete: »Oh, du bist wie ein Schatz voller Farben. Wie oft stolzierst du, wie viele falsche Entschuldigungen bringst du mir. Deine Beine und dein Schnabel sind voller Herzblut. Du bist wegen des Steins ohne Schatz geblieben. Was ist der Ursprung des Schatzes? Das Färben des Steins. Du bist so schwermütig aus Leidenschaft zum Stein. Wenn die Farbe verblasst, ist der Schatz nur ein Stein. Ohne Stein ist, wer sich der Farbe hingibt. Wer bei ihm ist, will keine Farbe, weil ein Mann des Schatzes keinen Stein begehrt.«

Der Stein des Salomon

Kein Herr hatte solch einen Schatz, wie Salomon ihn an seinem Finger trug. Wegen dieses in einen Ring eingelegten Steins gab es zahlreiche Gerüchte. Er selbst war von sehr geringem Gewicht. Weil Salomon diesen Schatz zu einem Stein im Ring machte, kam auf seinen Befehl hin alles auf die Erde. Als er sah, wie groß sein Reich war, sah er alles unter seinem Willen. Sein Zelt war 40 Farsang69 groß und der Wind trug ihn auf sein Geheiß. Auch wenn das Zelt so groß war, war es doch nur auf einen Stein von geringem Gewicht gebaut. Er sprach: »Wenn dieses Reich mit allem vom Wert eines kleinen Steins ewig steht, möchte ich nicht, das jemandem in der Welt und im Glauben ein solches Reich vorenthalten bleibt.

S. 273, Verse 908-928

Oh König, ich habe mit den Augen des Einflusses den Sturz dieses Reiches deutlich gesehen. Es ist sofort zerfallen. Gib es niemandem danach noch einmal. Ich habe mit Heer und Reich nichts zu tun und wähle lieber das Netze-Knüpfen.«

Obgleich Salomon durch diesen Schatz zum König geworden ist, so hat dieser ihn an den Weg gebunden. Denn er hat 500 Jahre nach den Propheten mit dem Garten Eden Bekanntschaft gemacht. Wenn dieser Schatz so etwas mit Salomon gemacht hat, wie kann er einem Verwirrten wie dir Gehorsam zeigen? Wenn der Schatz ein Stein ist, schlage nicht so viele Mineralien heraus, sondern gebe deine Seele nur für das Antlitz des Geliebten hin. Trenne dein Herz vom Schatz, Schatzsucher, und sei für den Schatz lieber ständig auf der Suche.

8. Die Rede des Geieradlers

Der Schatten spendende Geieradler trat vor die Menge. Den Königen war sein Schatten ein Geschenk. Denn er kam vom sehr glücklichen Geieradler, der in der Würde am größten war. Er sprach: »Oh Vögel zu Lande und in der Luft, ich bin kein Vogel wie die anderen. Mir sind die hohe Würde und der Rückzug von den Geschöpfen zuteil geworden. Ich verachte den Seelenhund ganz gewiss. Durch mich erhielten Faridun und Dschamschid ihren Ruhm. Die Könige sind in meinem Schatten groß geworden und nicht jeder Bettler ist meiner würdig. Dem Seelenhund gebe ich einen Knochen und dem Geist vor dem Hund Sicherheit. Weil ich der Triebseele immer Knochen gab, erhielt meine Seele einen so hohen Rang. Wenn sich der König aus dem Schatten seiner Federn erhebt, dann dreht sich einem der Kopf von seiner Pracht. Alle müssen unter seinen Federn sitzen, um ein wenig von seinem Schatten abzubekommen. Wie kann der stolze Simorgh mein Freund werden, wo ich so oft vom König ausgezeichnet wurde?«

Der Wiedehopf sprach: »Oh, zügele deinen Hochmut und höre auf, Schatten zu verbreiten und mehr noch: lache nicht über mich. Du hast jetzt kein Königsedikt, sondern bist wie der Hund mit dem Knochen.

S. 274, Verse 929-949

Hättest du doch den Königen nichts gezeigt, dann wärst du vernünftiger als ein Knochen. Ich veranlasste selbst, dass alle Könige der Welt nun aus deinem Schatten treten. Aber morgen leiden sie alle ohne ihr Königsamt. Wenn der Herrscher deinen Schatten nicht sieht, wie kann er dann am Jüngsten Tag in Not geraten?«

Mahmud und der Weise

Einer mit reiner Weisheit ging den rechten Weg. Eines Nachts sah er Mahmud im Traum. Er sagte: »Oh, verehrter Sultan der Welt, wie geht es dir im Paradies?« Er antwortete: »Schweig, quäle mich nicht. Was ist schon der Ort eines Sultans? Meine Herrschaft war nur Phantasie und ein Fehler. Wie kann sie mehr als eine Handvoll des Niedrigsten sein? Gott ist der weltbeherrschende König. Ihm gebührt die Herrschaft. Als ich meine Unfähigkeit und Verwirrung bemerkte, schämte ich mich für meine Herrschaft. Wenn du etwas sagst, erwähne nur meine Niedergeschlagenheit. Er ist der König, also nenne mich nicht so. Seine Herrschaft ist die richtige. Ich aber bin zerbröckelt, als wäre ich in Armut zur Welt gekommen. Gäbe es 100 Brunnen, dann wäre ich der Kehrer ohne Rang und kein König. Es gibt jetzt keinen Ausweg: sie verlangen jedes einzelne Korn zurück. Mögen Flügel und Federn des Phönix verdorren, weil er mir in seinem Schatten einen Platz gegeben hat.«

9. Die Rede des Falken

Ein Falke trat mit erhobenem Kopf vor die Versammlung und öffnete den Vorhang zum Geheimnis seiner hervorragenden Eigenschaften. Er prahlte von seiner Heeresführung und seiner Abrichthaube und sprach: »Aus Liebe zum Herrn habe ich meine Augen vor den Geschöpfen der Welt verschlossen. Ich schaue nur unter der Haube hervor, um mich auf den Arm des Königs zu setzen. Ich habe viel über richtiges Verhalten gelernt und bin genügsam wie die Asketen. Bis zu dem Tag, da man mich zu meinem König bringt und mich den Dienst lehrt.

S. 275, Verse 950-971

Wie kann ich Simorgh im Traum sehen und wie sinnlos zu ihm eilen? Ein kleiner Happen aus der Hand meines Königs ist genug. In der Welt genügt mir dieser Rang. Da ich keinen Zugang zum Weg habe, hebe ich den Kopf auf der Hand des Königs. Jeder, der des Königs würdig ist, ist vor ihm alles, was er sagt. Es ist besser, wenn ich des Königs würdig bin, als durch die endlose Wüste zu ziehen. Ehre ist, wenn ich auf dem König sitze und mein Leben dort gut verbringen kann. Mal warte ich auf den König, mal jage ich für ihn.«

Der Wiedehopf sprach: »Oh, du bist vom Sehen zurückgehalten und von den Eigenschaften fern. Wenn der König im Reich einen Ebenbürtigen hätte, wie könnte die Herrschaft schön für ihn sein? Niemand hat die Herrschaft außer Simorgh, weil er darin keinen Ebenbürtigen hat. König ist nicht, wer sich in jedem Land selbst ohne Verstand zum Führer macht. König ist der, der keinen Ebenbürtigen in Treue und Bescheidenheit hat. Wenn man dem König dieser Welt einmal treu ist, hat man zu einer anderen Zeit ein Problem. Denn je näher man ihm kommt, umso mehr verschwindet man. Man sollte vor dem König ständig auf der Hut sein, da sonst das Leben in Gefahr ist. Der König der Welt ist z.B. wie Feuer. Sei weit genug weg von ihm, denn nur aus der Ferne ist es gut. Halte dich daher von den Königen fern. Oh, Nahestehender des Königs, entferne dich!«

Der König und sein Sklave

Es war ein König von hohem Wesen, der sich in einen silbertragenden Bediensteten verliebt hatte. Er war so verliebt, dass er nicht einen Augenblick ohne den Geliebten sein konnte. Er hatte ihm einen höheren Rang unter den Dienern verliehen, damit er ständig in seiner Nähe sein konnte. Wenn der König im Schloss mit dem Bogen schoss, verging der Diener vor Angst. Denn er hatte ständig einen Apfel zum Ziel, den er auf den Kopf des Dieners setzte.

S. 276, Verse 976-993

Spaltete er den Apfel mit dem Bogen, wurde der Diener aus Furcht krank wie ein Gelbsüchtiger. Als der ahnungslose Mann ihn fragte: »Warum bist du so gelb im rosengleichen Gesicht geworden, wo dir doch so viel Ehre vom König zuteil wird? Sage, woher kommt dieses gelbe Gesicht?« antwortete er: »Er legt einen Apfel auf meinen Kopf. Was ist, wenn mich sein Pfeil verletzt? Sagt er dann, so ein guter Diener war er nicht und in meinem Heer gibt es keinen solchen Feigling? Oder wenn der Pfeil richtig fliegt, dann sagen alle, dass es das Glück des Königs war. Ich winde mich zwischen diesen beiden Sorgen. Wofür setze ich mein Leben der Gefahr aus? Für nichts.«

10. Die Rede des Reihers

Dann kam der Reiher nach vorn und sagte: »Meine Vögel und Freunde, mein Platz am Ufer des Meeres ist schön und niemand hat je meinen Gesang gehört. Niemals gibt es ein Wort über meine Qualen. Möge niemand in der Welt von mir gequält werden. Ich sitze schmerzgeplagt am Meeresufer, immer traurig und benommen. Ich bin besorgt vom Wunsch nach dem Wasser. Was mache ich, wenn mir ein Wehklagen entrinnt? Da ich kein Meeresbewohner bin, sterbe ich am Ufer mit trockenen Lippen. Obgleich das Meer auf hunderterlei Weise brodelt, kann ich nicht einen Tropfen daraus trinken. Wenn nur ein Tropfen aus dem Meer fehlt, schmerzt mein Herz aus Eifersucht. Ich besitze so viel Liebe zum Meer, dass mir diese Art der Qual genug ist. Außer den Kummer um das Meer möchte ich nichts. Die Glut nach Simorgh soll zum Schutz nicht sein. Wem der Wassertropfen der Ursprung ist, wie kann er da eine Verbindung zum Simorgh finden?«

Der Wiedehopf sprach: »Oh, du weißt nichts vom Meer. Das Meer ist voller Haie und gefährlicher Lebewesen. Mal ist sein Wasser bitter, mal salzig, mal ist es ruhig und mal voller Gewalt. Es ist stürmisch und haltlos: einmal geht es und dann kehrt es wieder zurück. Vielen Großen hat es das Schiff zerkleinert und viele sind in seine Strudel gefallen und gestorben.

S. 277, Verse 994-1014

Jeder, der darin taucht, hält aus Sorge um das Leben den Atem an. Und wenn jemand in der Tiefe des Meeres einen Atemzug tut, stirbt er wie trockenes, von der Wurzel getrenntes Gestrüpp. Von jemandem, der nicht treu ist, erhofft niemand Mitgefühl. Wenn du dich nicht vom Meer entfernst, wird es dich schließlich in die Tiefe ziehen. Es ist selbst zur Liebe zum Freund entbrannt, mal in einer Welle, mal im Getöse. Wer nicht den Herzenswunsch findet, von dem kannst du auch nicht Herzensruhe erwarten. Das Meer ist eine Quelle von ihm. Warum begnügst du dich damit, ohne ihn zu sehen?«

Der Weise und das Meer

Ein scharfsichtiger Mann ging zum Meer und fragte: »Meer, warum hast du eine dunkelblaue Farbe? Warum hast du das Kleid der Trauer angezogen? Es gibt kein Feuer, warum brodelst du?« Das Meer antwortete dem Gutherzigen: »Weil ich durch den Abschied des Freundes beunruhigt bin und weil ich aus Kleinmut nicht einer von ihm bin, trage ich aus Schmerz um ihn ein dunkelblaues Kleid. Mit trockenen Lippen sitze ich ohnmächtig da. Wegen des Feuers der Liebe brodelt mein Wasser. Wenn ich einen Tropfen aus seiner Paradiesquelle bekäme, wäre ich an seiner Pforte unsterblich. Wenn nicht, sterben wie ich hunderttausend trockene Lippen Tag und Nacht auf dem Weg zu ihm.«

11. Die Rede der Eule

Die Eule trat wie eine Verrückte vor und sagte: »Ich wählte eine Ruine. Meine Schwäche entstand durch sie. Ich gehe ohne Wein hinein. Obgleich ich ein schönes Gebäude finden kann, halte ich es für nicht geeignet und verworren. Wer in Gesellschaft sitzen will, muss wie ein Trunkener in eine Ruine gehen. Mühsam baue ich mir dort einen Platz, weil dort der Ort des Schatzes ist. Meine Liebe zum Schatz wurde in der Ruine geweckt und zu ihm finde ich nur dort. Meine Mühe trägt mich weiter als alle, damit ich meinen Schatz ohne Orakel finde.

S. 278, Verse 1015-1034

Wenn ich auf einen Schatz stoße, wird mein Herz wieder frei. Die Liebe zum Simorgh ist nur ein Märchen, weil seine Liebe nicht jedermanns Sache ist. Ich bin nicht geeignet für die Liebe zu ihm, sondern nur für die Liebe zum Schatz und zur Ruine.«

Der Wiedehopf sprach: »Oh, du bist berauscht von der Liebe zum Schatz. Ich bekam wie du einen Schatz in die Hand. Wegen des Schatzes betrachte dich selbst als gestorben. Du hast das Leben aufgegeben und bist den Weg nicht bis zum Ende gegangen. Liebe zum Schatz und zum Gold ist ketzerisch. Wer Gold zum Götzen macht, ist ein Götzenverehrer. Gold zu verehren ist Ketzerei. Schließlich gehörst du nicht zum Volk des Samiri.70 Wessen Herz aus Liebe zum Gold einen Fehler begeht, dessen Gestalt ändert sich am Tage der Auferstehung.«

Über die Liebe zum Gold

Ein ahnungsloser Mann hatte ein kleines Gefäß aus Gold. Als er starb, hinterließ er diesen goldenen Becher. Nach einem Jahr sah ihn sein Sohn im Traum in der Gestalt einer Maus mit Augen voller Wasser. Dann sah er, dass er an der Stelle, wo er das Gefäß abgestellt hatte, wie eine Maus herumsuchte. Sein Sohn fragte ihn: »Was machst du hier? Erkläre.« Er erwiderte: »Ich legte das Gold an diese Stelle und weiß nicht, ob es jemand gefunden hat.« Der Sohn fragte: »Aber warum deine Mausegestalt?« Er antwortete: »Jeder, der die Liebe zum Gold besaß, dessen Gestalt wird so. Schau mich an und nimm den Rat an: Lass ab vom Gold, Junge.«

12. Die Rede des Finken

Der Fink kam mit schwachem Herzen und magerem Körper, von Kopf bis Fuß unruhig wie das Feuer. Er sprach: »Ich bin verwirrt, gebrechlich und kraftlos. Ich habe nicht den Mut und die Kraft Moses. Ich bin so schwach, dass ich noch nicht einmal die Kraft einer Ameise besitze. Ich habe weder Federn, noch Füße, noch sonst irgendetwas. Wie soll ich da zum lieben Simorgh gelangen?

S. 279, Verse 1035-1056

Wie kann so ein schwacher Vogel wie ich zu ihm gelangen? Kann der Fink überhaupt jemals zum Simorgh kommen? In der Welt gibt es so viele, die zu ihm wollen. Wie kann jemand wie ich zur Verbindung mit ihm geeignet sein? Da ich nicht zu ihm gelangen kann, kann ich auch unmöglich den Weg unterbrechen. Wenn ich mich seinem Palast zuwende, sterbe ich oder verbrenne auf dem Weg dorthin. Weil ich nicht für ihn geeignet bin, suche ich lieber nach Joseph im Brunnen. Ich habe ihn einst dort verloren, um ihn schließlich eines Tages wiederzufinden. Wenn ich Joseph aus dem Brunnen rette, fliege ich mit ihm vom Fisch zum Mond.«

Der Wiedehopf sprach: »Oh, du bist von Schönheit und Feinheit und selbst im Sturz hundertfach stolz. Wie kann ich dir deine ganze Heuchelei abkaufen? Sie ziemt sich nicht. Mache dich auf den Weg. Schließe den Mund und sag nichts. Denn wenn alle verbrennen, sollst auch du brennen. Wenn du in der inneren Bedeutung zum Beispiel Jakob bist, gibt man dir Joseph nicht. Verwende weniger Tricks. Das Feuer des Eifers brennt ewig und die Liebe zu Joseph ist auf der Welt heilig.«

Erzählung von Jakob

Als Joseph von seinem Vater Jakob getrennt wurde, wurde dieser aufgrund der Trennung blind. Wegen der Augen war das Meer aus Blut in völliger Erregung und der Name Josephs war ständig auf seiner Zunge. Gabriel sagte: »Höre auf, von Joseph zu sprechen, sonst löschen wir deinen Namen aus der Reihe der Propheten und Gesandten.« Als die Order von Gott an ihn kam, verschwand der Name Josephs von der Zunge, obgleich er ihm ein vertrauter Freund war. Aber in seiner Seele blieb sein Name verankert. Eines Nachts sah er Joseph im Traum und wollte nach ihm rufen. Da erinnerte er sich daran, was Gott befohlen hatte, und dieser erschöpfte Wanderer hielt sich sofort zurück. Aus Erschöpfung ist der reinen Seele jedoch ein schmerzvoller Seufzer entwichen. Als er aus dem schönen Traum vom Platz aufgesprungen war, kam Gabriel und sagte: »Gott sagt:

S. 280, Verse 1057-1079

›Auch wenn du den Namen Josephs nicht ausgesprochen hast, so hast du doch geseufzt. Ich weiß, was dein Seufzer zu bedeuten hat. Was nützt es, wenn du nun das Gelübde gebrochen hast?‹ Deswegen lässt Er den Verstand zur Leidenschaft werden. Schau die Liebe, die Er an uns übt.«

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