Kitabı oku: «Der geordnete Nachlass»
Der geordnete Nachlass
Widmung
Für meine Eltern Irmgard und Dr. med. Fayez Abu-Naaj
Besonderer Dank an
Kreissparkasse Köln, Angela Lischke
Sparkassenfachwirtin, Filialleiterin (Filiale Königswinter)
Rechtsanwaltskanzlei Evert, Michael Evert
Gilgaustraße 20, 51149 Köln, Tel. 02203 / 12045, www.ra-evert.de
Alle Rechte bei
© 2014, Pro-Talk Verlags GmbH, Bahnhofstraße 29, 53639 Königswinter
Layout, Satz und Cover: colibris / Juliane Scherz, Dresden
Sämtliche Informationen in diesem Buch sind vom Autor, Lektorat und Verlag sorgfältig erwogen und geprüft worden. Eine Haftung des Autors, des Verlages, der von ihm beauftragten Fachlektoren und des Handels für etwaige Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die sich aus dem Gebrauch dieses Buchs ergeben könnten, ist ausgeschlossen.
Inhaltsverzeichnis
Über dieses Buch
I. Vorsorge und Planung
Rechtliche Grundlagen
Testament
Interview mit Rechtsanwalt Michael Evert
Patientenverfügung
Vorsorgevollmacht
Betreuung
Die Bestattung
Wie lässt man sich heute in Deutschland bestatten?
Moderne Alternativen: Einfach, schön und günstig
Bestattungsformen
Sargbestattung
Anonyme Erdbestattung
Feuerbestattung
Urnenhain
Seebestattung
Baumbestattung / Friedpark
Bestattungsformen und deren Eigenschaften
Die EU-Bestattung
Günstig eingeäschert
Was ist im Ausland erlaubt?
Bestattungsunternehmen und Bestattungsvollmacht
Finanzierung der Bestattung
Gebühren und Kosten
Bestattungskosten
Friedhofs- und Bestattungsgebühr
Grabnutzungsgebühr
Krematoriumsgebühr (Feuerbestattung)
Grabtrends
Die Wahl der richtigen Grabstätte
Grabgestaltung
Ursprung und Bedeutung der Grabpflege
Grabpflege
II. Traurige Pflichten
Der Todesfall
Was ist zu tun?
Totenschein
Verwandte und Angehörige benachrichtigen
Sterbeurkunde
Überführung
Testament bzw. Willenserklärung
Die Gestaltung der Trauerfeier und Beerdigung
III. Trauer und Trost
Trauerbewältigung
Das Gefühl der Trauer
Trauer hat viele Gesichter
Der Trauer offen begegnen
Die letzte Ehre erweisen
„Time to say goodbye“
Zitate und Gedichte
Tod
Trauer und Trost
Hoffnung
Anhang
Wichtige Adressen
Aeternitas e. V.
Bestattungsplaner.de / Bestattungsplanung.de
Bundesverband Deutscher Bestatter e. V.
BATF e. V.
Ethikzentrum.de
ARGE
Bundesverband Deutscher Steinmetze
Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V.
Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e. V.
Bankkontenvollmacht
Stichwortverzeichnis
Über dieses Buch
„Ein gutes Gefühl, alles geregelt zu haben“
Im Zuge meiner Recherche für dieses Buch habe ich diese Worte häufig gehört und glaube deswegen, dass ein geordneter Nachlass für jeden von uns eine befreiende Wirkung hat.
Der Tod eines geliebten Menschen ist für die Hinterbliebenen mit einer großen Anzahl schwieriger Entscheidungen und Pflichten verbunden. Diese müssen unter einem emotionalen und zeitlichen Druck getroffen bzw. erfüllt werden. Oft ist unklar, wie der Verstorbene bestattet werden wollte, sodass die persönlichen Wünsche des Verstorbenen nicht angemessen umgesetzt werden können. Wenn die wesentlichen Dinge schon im Vorfeld von Ihnen selbst festgelegt werden, schafft dies ein Gefühl der Sicherheit für Sie und Ihre Angehörigen.
Dieses Buch bietet Ihnen die Möglichkeit, diese wichtige Aufgabe Schritt für Schritt anzugehen. Sie können so die Dinge selbst regeln, die Ihnen wichtig erscheinen. Alle hier enthaltenen Informationen sollen Ihnen dabei helfen, Ihren persönlichen Nachlass nach Ihren Wünschen zu ordnen.
Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Frau Nixdorf von der gemeinnützigen Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas e. V. und der Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge mbH, Betreiber der Internetportale www.bestattungsplaner.de und www.bestattungsplanung.de.
Ihr Faris Abu-Naaj

I. Vorsorge und Planung
Rechtliche Grundlagen
Immer wieder kommt es innerhalb der Familie aufgrund eines unklar formulierten Testaments zu Auseinandersetzungen.
Das Testament
Das Errichten eines Testaments gehört wohl zu den wichtigsten Bereichen eines geordneten Nachlasses. Um ein Testament fachgerecht aufzusetzen, ist häufig der Rat eines Experten gefragt. Aus diesem Grund beantwortet Rechtsanwalt Michael Evert aus Köln an dieser Stelle die wesentlichen Fragen rund um die Themen Nachlass und Testament. Grundsätzlich ist es ratsam, die Errichtung eines Testaments in Expertenhände zu geben. Die Höhe der Gebühren richtet sich jeweils nach Art und Umfang der Testamentsverfügungen. Eine große Rolle bei der Bemessung der anfallenden Honorare und Gebühren spielt auch die Höhe der Vermögenswerte.
Immer wieder kommt es innerhalb der Familie aufgrund eines unklar formulierten Testaments zu Auseinandersetzungen, die wiederum die Gerichte beschäftigen und für alle Beteiligten neben einer finanziellen auch eine emotionale Belastung darstellen. Sie selbst können durch einen rechtssicher und klar formulierten letzten Willen diese Auseinandersetzungen zumindest in Grenzen halten. Neben der eindeutigen Formulierung spielt jedoch auch schon heute die Kommunikation eine wichtige Rolle. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen über Ihr Vorhaben und welche Motive Sie dazu bewegt haben, Ihren Besitz so zu verteilen, wie Sie es in diesem Dokument bestimmt haben.
Interview mit Rechtsanwalt Michael Evert
Besteht eine grundsätzliche Verpflichtung, ein Testament zu errichten?

Nein! Sein Testament zu errichten, ist ein Recht, das jedermann hat, keine Pflicht. Dieses Recht erwächst aus unserer nach dem Grundgesetz geschützten Eigentumsordnung und dem Recht auf persönliche Selbstbestimmung.
Wie alt muss ich sein, um ein Testament zu errichten?
Die Errichtung eines Testaments ist erst ab 16 Jahren möglich. Auch bei jüngeren Menschen, die eine Familie gegründet und Kinder im schulfpflichtigen Alter haben, ist die Regelung des Nachlasses sinnvoll. Es stellen sich Fragen wie: Wer erbt das Haus – die Ehefrau und die Kinder oder nur die Ehefrau? Was wird aus der neu gegründeten Firma? Erben Ehefrau und Kinder Geschäftsanteile, so kann dies zu Schwierigkeiten bei notwendigen Beschlüssen im Firmenbereich führen.
Was genau kann man in einem Testament regeln?
Erlaubt ist grundsätzlich alles, was nicht sittenwidrig ist. Ich kann eine Person oder Institution als Alleinerben einsetzen oder mehrere anteilig. Die Grenze meiner Freiheit beim Vererben stellen die Pflichtteilrechte meiner Kinder oder meines Partners dar. Den Pflichtteil (halber gesetzlicher Erbteil) kann ich den Kindern und dem Partner nur entziehen, wenn ich außerordentlich schwere Gründe dafür habe (Anschläge auf Leib und Leben oder sehr schwere Diffamierungen in der Öffentlichkeit).
Beim Errichten des Testaments sollte darauf geachtet werden, dass wegen seines Inhalts kein Streit unter den Erben ausbricht. Habe ich drei Kinder, aber nur ein Haus, das ich vererben kann, sollte ich klar sagen, was mit dem Haus passieren soll. Wird es verkauft und der Erlös an die Kinder verteilt oder bekommt eines der Kinder das Haus und muss die anderen auszahlen? Je nachvollziehbarer und klarer die Verfügungen sind, umso weniger Streit wird es unter den Erben geben.
Gibt es beim Testament eine Form zu beachten?

Ja, unbedingt, denn an Formfehlern scheitern viele Testamente. Ein privates Testament muss grundsätzlichhandschriftlich errichtet und unterschrieben werden. Zudem muss es das Datum der Unterschrift sowie den Ort der Errichtung enthalten. Bei mehreren, gegebenenfalls sich widersprechenden Testamenten, hebt das neuere das alte auf, soweit widersprüchliche Anordnungen getroffen sind. Ist in einem älteren Testament etwas geregelt, was in dem neueren nicht angesprochen wird, so bleibt jene Verfügung bestehen, es sei denn, sie wird ausdrücklich aufgehoben. Bei einem Ehegattentestament reicht es aus, wenn einer der Ehegatten das gesamte Testament handschriftlich niederschreibt und der andere das Testament mit unterzeichnet zum Beispiel mit einem Zusatz wie: „Dies ist auch mein letzter Wille“.
Bei einem Ehegattentestament reicht es aus, wenn einer der Ehegatten das gesamte Testament handschriftlich niederschreibt und der andere das Testament mit unterzeichnet.
Die persönliche Schreibarbeit kann man sich sparen, wenn man beim Notar ein öffentliches Testament errichten lässt. Hier reicht es, dass der letzte Wille des Erblassers vom Notar niedergeschrieben und das Testament vom Erblasser unterzeichnet wird.
Soll der Ehegatte alleine erben, muss unbedingt ein Testament gemacht werden.
Was passiert, wenn ich kein Testament errichte?
In diesem Fall gilt die sogenannte „gesetzliche Erbfolge“. Erben erster Ordnung sind die Kinder des Erblassers. Neben diesen erbt ausschließlich der Ehepartner. Im Regelfall der gesetzlichen Zugewinngemeinschaft ist das die Hälfte des Erbes.
Ist ein Kind verstorben, hat aber selbst Kinder, so treten diese an die Stelle des verstorbenen Kindes, und zwar zu gleichen Teilen.
Sind weder Kinder noch Kindeskinder vorhanden, so erben die Eltern, gegebenenfalls auch neben dem Ehegatten. Soll der Ehegatte alleine erben, muss unbedingt ein Testament gemacht werden. Sind die Eltern verstorben, so treten an ihre Stelle die Geschwister des Erblassers und falls auch diese schon verstorben sind, deren Kinder. Sind auch keine Erben dieser zweiten Ordnung da, so erben die Großeltern bzw. deren Kinder. Auch die Großeltern sind gesetzliche Erben neben dem Ehegatten (!).
Gibt es auch weder Großeltern noch deren Abkömmlinge, sind Erben auf der Ebene der Urgroßeltern zu suchen. Bei deren Fehlen folgen die Ur-Ur-Großeltern und so weiter. Wenn niemand aus der Verwandtschaft mehr zu ermitteln ist, dann erbt der Staat, und zwar der jeweilige Landesfiskus.
Sind nicht eheliche Kinder erbberechtigt?
Nicht eheliche Kinder haben die gleiche erbschaftsrechtliche Stellung wie eheliche Kinder. Dies gilt auch für Kinder, von deren Existenz der Erzeuger keine Kenntnis hat. Bei einer erbrechtlichen Regelung müssen Kinder berücksichtigt werden, die der Familie nicht bekannt sind. Wenn dies zu Verwicklungen führen könnte, muss der Erblasser über einen Erbverzichtsvertrag mit dem nicht ehelichen Kind nachdenken. Dies kostet in aller Regel eine Abfindung. Solche Kosten sind jedoch häufig eher zu verkraften als das Sprengen einer bislang intakten Familie.
Hat ein notarielles (öffentliches) Testament einen Vorteil?

Der Notar hinterlegt das Testament beim Nachlassgericht. Dieses wird im Todesfall des Erblassers informiert, dass dieser verstorben ist. Das Testament wird automatisch vom Nachlassgericht eröffnet. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass das Testament in jedem Fall gefunden, der letzte Wille des Erblassers geachtet wird und das Testament nicht plötzlich durch minder Bedachte „verschwindet“.
Was muss ich tun, wenn ich ein Testament finde?
Wenn ich nach dem Tode eines Menschen ein Testament von ihm finde, bin ich verpflichtet, es dem Nachlassgericht einzureichen. Dies ist immer das Amtsgericht des Ortes, in dem der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte. Wenn ich mich nicht an diese Regelung halte, mache ich mich wegen Urkundenunterdrückung strafbar.
Ist bei Ehegatten ein gemeinsames Testament von Vorteil?
Ehegatten, die zum Beispiel gemeinsam ein Haus haben oder eine Firma führen, sollten durchaus ihre Testamente aufeinander abstimmen und gegebenenfalls ein gemeinschaftliches Testament errichten. Der beliebteste Fall ist das Berliner Testament. Hier werden die Ehegatten zu Vorerben und die Kinder zu Schlusserben eingesetzt. Der Haken an diesem Testament ist folgender: Wenn ein Ehegatte verstorben ist, kann die Erbeinsetzung der Kinder nicht mehr geändert werden, auch wenn ein Kind den überlebenden Elternteil völlig vernachlässigt. Wenn dieses Kind den überlebenden Ehegatten nicht sehr schwer beleidigt oder ihm nach dem Leben trachtet, kommt eine nachträgliche Abänderung dieses gemeinschaftlichen Testaments nicht mehr in Frage. Aus diesem Grund sollte ein jedes Ehegattentestament ausdrücklich vermerken, dass es auch nach dem Tod des Erstverstorbenen noch geändert werden kann. Gegebenenfalls kann dieses Abänderungsrecht auch eingeschränkt werden, um dem Willen des Erblassers Rechnung zu tragen.
Muss ich mein Testament mit dem Steuerberater durchsprechen?
Wer Inhaber einer Firma ist oder wesentliche Geschäftsanteile an einer Firma besitzt (ab 10 Prozent), sollte unbedingt vor Errichtung seines Testaments mit dem Steuerberater sprechen. Es besteht die Gefahr, dass durch die Aufdeckung stiller Reserven erhebliche Steuerpflichten entstehen, die den Bestand des Unternehmens gefährden können. Ein versierter Steuerberater kann genau erklären, wie man diese Gefahren umgehen kann.
Wie hoch ist die Erbschaftssteuer?

Die Erbschaftssteuer ist unter nahen Verwandten geringer als man denken mag. So haben Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner einen allgemeinen Freibetrag in Höhe von 500.000,00 Euro und Kinder einen von 400.000,00 Euro. Bei Enkeln beträgt der Freibetrag 200.000,00 Euro und bei Eltern 100.000,00 Euro. Alle anderen Erben müssen 20.000,00 Euro nicht versteuern. Was nach den Freibeträgen, dem Abzug der Beerdigungskosten und sonstiger Erbfallschulden übrig bleibt, müssen Kinder und Ehegatten (eingetragene Partner) mit mindestens 7 Prozent (bis 75.000,00 Euro) und höchstens 30 Prozent (ab 26.000.000,00 Euro) versteuern.
Bei Geschwistern und Eltern liegt der Steuersatz zwischen 15 und 43 Prozent. Entfernte Verwandte und sonstige Erben zahlen zwischen 30 und 50 Prozent Erbschaftssteuer.
Wichtig ist, dass eine selbst genutzte Wohnimmobilie beim Vererben an Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner nicht erbschaftssteuerpflichtig ist. Bei Kindern gilt dies für Wohnimmobilien bis zu einer Größe von 200 m2. Es gibt noch eine Reihe anderer wichtiger Ausnahmen und Vergünstigungen, über die der juristische Fachmann und der Steuerberater gerne Auskunft geben.
Kann ich die Höhe der Erbschaftssteuer beeinflussen?
Alle zehn Jahre können die Freibeträge der Erbschaftssteuer, die denen der Schenkungssteuer entsprechen, voll ausgeschöpft werden. Bei großen Vermögen kann die Erbschaftssteuer durch rechtzeitige Übertragungen deutlich verringert werden. Tritt der Todesfall weniger als zehn Jahre nach der Schenkung ein, so gibt es die Freibeträge wenigstens anteilig noch einmal. Auch durch Beendigung der Zugewinngemeinschaft kann bei Ehegatten die Schenkungs- oder Erbschaftssteuer vermieden werden. Hier muss allerdings ein Fachmann zurate gezogen werden, genau wie bei der erbschaftsteuerlichen Behandlung von Firmenvermögen. Werden Firmenanteile an den Falschen vererbt, kann neben Erbschaftssteuer auch Ertragssteuer auf die stillen Reserven der Firma anfallen. Das kann erheblich sein und hat schon mancher Firma die Existenz gekostet.
Gelten für die Vererbung von Grundstücken oder Unternehmen besondere Bestimmungen?
Ja, durchaus. Für die Vererbung von Grundstücken gelten besondere, allerdings vom Bundesverfassungsgericht gerügte Bestimmungen. Hier ist der Gesetzgeber in der Pflicht, das Vererben von Grundstücken dem Vererben von Geld gleichzustellen. Besondere Bestimmungen gelten auch für das Vererben von Unternehmen oder Unternehmensanteilen. Hier muss unbedingt der Rat eines Steuerberaters oder eines kundigen Erbrechtlers eingeholt werden.
Patientenverfügung
Das 2009 in Kraft getretene Gesetz sieht die Verbindlichkeit einer Patientenverfügung vor. Diese muss jedoch hinreichend konkret formuliert sein, um später auf die individuelle Lebens- und Krankheitssituation zutreffen zu können. Die Empfehlungen der Bundesärztekammer stellen ebenso wie das Bundesministerium der Justiz klar: Es geht nicht um juristische Formalien, sondern um Entscheidungen zu Krankheitsbildern und entsprechenden medizinischen Behandlungen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Organisationen und Dienstleistern, welche sich auf das Verfassen einer auf Ihre Bedürfnisse ausgerichteten Patientenverfügung spezialisiert haben. Die Kosten hierfür variieren recht stark. Im Durchschnitt liegen sie zwischen 80 und 150 Euro.
Unter einer Patientenverfügung versteht man allgemein die im gesunden Zustand oder vor dem Endstadium einer Krankheit schriftlich niedergelegte Erklärung eines einsichts- und urteilsfähigen Menschen. Der Patient wehrt sich also mit diesem Dokument gegen eine nicht gewollte Lebens- und Sterbeverlängerung. Er verweigert beispielsweise schriftlich die Einwilligung zu weiteren ärztlichen Behandlungen wie zum Beispiel Operationen und diagnostischen Maßnahmen für den Fall einer irreversiblen Bewusstlosigkeit oder wahrscheinlichen schweren Dauerschädigung des Gehirns. Die Patientenverfügung wird auch als Patientenbrief bezeichnet. Hinsichtlich des Inhalts einer Patientenverfügung ist der Verfasser weitgehend frei. Jedoch muss sich aus der Verfügung ergeben, für welche Fälle er die Unterlassung oder den Abbruch von Behandlungen und Maßnahmen, wie zum Beispiel künstliche Ernährung, wünscht.
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass kein einheitliches Formular existiert, welches die Wünsche und Bedürfnisse jedes Betroffenen klar definiert.
Gerade in den letzten Jahren wurde dieses Dokument immer häufiger in den Medien diskutiert. Das Verfassen einer Patientenverfügung ist immer dann sinnvoll, wenn Sie eine Regelung darüber treffen wollen, ob und wenn ja, welche Behandlung Sie in einem persönlichen Notfall wünschen. Mit der schriftlichen Dokumentation, also dem Verfassen einer sogenannten Patientenverfügung, stellen Sie sicher, dass Ihre Wünsche auch dann von den Ärzten berücksichtigt werden, wenn Sie selbst nicht in der Lage sind, diese klar zu formulieren. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass kein einheitliches Formular existiert, welches die Wünsche und Bedürfnisse jedes Betroffenen klar definiert. Zu unterschiedlich sind sowohl die weltlichen als auch religiösen Anschauungen, die in so ein Dokument mit einfließen. Auch der Umfang einer solchen Verfügung variiert stark. Während der eine lediglich eine allgemein gehaltene Verfügung verfasst, welche ausschließlich Teilbereiche klarer definiert, gibt es andere, die sehr detailliert und umfassend ihren Behandlungswillen beurkunden.
Wenn Sie eine Patientenverfügung verfassen, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass Sie sich mit den verschiedenen Situationen einer Krankheit genau auseinandersetzen müssen. Je präziser hier die gewählten Formulierungen, umso einfacher und schneller sind diese für den behandelnden Arzt auch umsetzbar.
Es ist von grundsätzlicher Bedeutung, dass Sie sich bei der Formulierung immer vor Augen halten sollten, welche Konsequenzen dies auch im schlimmsten Fall haben kann. Wenig hilfreich sind ungenaue Aussagen wie z.B. folgender Textbaustein zeigt, der gerne bei Patientenverfügungen verwendet wird: „Solange eine realistische Chance auf Erhaltung eines Lebens in Würde besteht“. Diese Formulierung ist für den Mediziner kaum greifbar, weil sie sehr viel Interpretationsspielraum bietet. Daher ist eine präzise verfasste Verfügung dringend angeraten.
Eine Beratung bei der Erstellung einer Patientenverfügung kann sich hier als sehr hilfreich erweisen. Denn häufig sind uns als Laien gerade verschiedene medizinische Verfahrensweisen nicht bekannt. Somit kann die Konsultation Ihres Hausarztes sinnvoll sein. Sprechen Sie mit ihm über Ihre Behandlungswünsche und lassen Sie sich von ihm über die Konsequenzen informieren. Verschiedene Anwälte haben sich auf dieses umfangreiche Thema spezialisiert.
Wenn die Patientenverfügung für verschiedene Situationen gelten soll (zum Beispiel für die Sterbephase oder bei dauerndem Verlust der Einsicht und Kommunikationsfähigkeit im Endstadium einer unheilbaren Erkrankung), sollte überlegt werden, ob festgelegte Behandlungswünsche, wie beispielsweise die Ablehnung von Maßnahmen wie künstliche Ernährung oder Beatmung, in allen Situationen für alle Krankheitszustände gelten sollen.
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