Kitabı oku: «Der Sultan von Karisi»
Der Sultan von Karisi
Der Sultan von Karisi braucht dringend ärztliche Hilfe. Das größte Problem eines Mannes hat ihn heimgesucht. Er kann keinen Nachfolger zeugen. Für die OP sucht er den besten Arzt. Doch ‚der Beste‘ ist eine Frau. Darf sie ihn operieren? Was passiert danach mit ihr? Liebe oder Tod?
Was hat es mit dem Jahrhunderte alten Fluch und der Legende von Karim und Fatma auf sich? Warum darf keiner seiner Söhne überleben? Kann es für den Sultan und die Frau aus dem Abendland ein Happyend geben? Bringt sie ihm Glück oder bleibt der Fluch bestehen?
Eine leidenschaftliche Reise voller Freundschaft, Liebe, Sex und Tod durch das Morgenland! Heißer als der Sand der Wüste und heftiger als jeder Sandsturm.
Felicitas Dakota
Impressum:
Titel: Der Sultan von Karisi - Die Legende von Fatma und Karim
1. Auflage
© Felicitas Dakota 2018
neobooks – epubli
Prinzessinnenstr. 20
10969 Berlin
Geschäftsführer: Dr. Florian Geuppert
Handelsregister Charlottenburg, HRB 108995
Cover: © Cover up – Buchcoverdesign
Korrektorat und Lektorat: Holger Bruns
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk ist einschließlich aller Inhalte urheberrechtlich geschützt. Nachdruck oder Reproduktion in irgendeiner Form sowie die Einspeicherung, Verarbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung mit Hilfe elektronischer Systeme jeglicher Art, gesamt oder auszugsweise, ist ohne ausdrückliche Genehmigung des Urhebers untersagt.
Urheberrechtlich geschütztes Material
Inhaltsverzeichnis
Der Beginn eines Märchens
Der Sultan
Die OP
Aazar Laaleh
Ari und reiten?
Der neue Name
Die Vermählung
Die Vereinigung
Der Brunnen
Die Abreise
Die Ankunft in der alten und neuen Heimat
Kasim Abdallah
Der Besuch
Jasmin, die Blume
Rahel
Die schwere Rückkehr
Not im Palast
Drei Sultane auf einmal
Die ersten Gehversuche in der neuen Heimat
Tanz und Pferderennen
Die große und harte Probe
Vater-Sohn-Gespräch
Yasminda
Die Einlösung des Gefallens
Die endgültige Rückkehr
Die Hochzeit
Das Leben geht weiter
Die Neue Frau
Das Angebot
Tarek
Ablah! Die Wildkatze
Tarek und Ablah
Kasim und Amita
Die Neue Zeit, die Neue Frau
Namenserklärung:
Die Geschichte enthält explizite, erotische, heiße und scharfe Szenen. Nicht ins Detail gegangen, um der eigenen Fantasie freien Lauf lassen zu können. Geeignet ab 19 Jahren!
Die Geschichte und die Figuren sind frei erfunden. Namen sind an keine lebenden und verstorbenen Personen angelehnt …
Der Sultan von Karisi
Die Legende von Fatma und Karim
Wie ein Märchen aus 1000 und einer Nacht
Diese Geschichte ist so heiß, wie der Sand in der Glut der Sonne,
so dramatisch, wie das Land und die Leute,
und die Liebe so süß, wie eine getrocknete Dattel.
Wer sich nicht verbrennt an der Glut des Sandes
oder an der Süße der Liebe sich nicht verschluckt,
der bei einem Drama weinen kann, der ist bereit für diese Geschichte.
Diese Geschichte spielt in einem Land, wo man noch an Märchen und Legenden glaubt. Dort wo es viel Sand gibt, es sehr heiß ist und man Zeit hat sich noch Geschichten zu erzählen. Wo Liebe und Vertrauen eher selten sind und sich erworben werden müssen. Irgendwo in der heißen Wüste Arabiens …
Sagen wir, die Geschichte hat dort stattgefunden, in dem Land von 1000 und einer Nacht! Orte sind Schall und Rauch und müssen nicht genannt werden. Dafür die Menschen, die in dieser Zeit lebten. Und es begann alles mit der Legende von Fatma und Karim in einer fernen Zeit …
Der Beginn eines Märchens
Der Bettler kam in das Schloss des Königs. Auf der Suche nach seinem Vater wanderte er umher, um ihn zu finden. Seine Mutter sagte ihm:
„Dein Herz wird dich leiten. Du wirst ihn finden beim Wasser des Brunnens der Wahrheit.“
Dann starb sie. Sie sagte ihm weder wo noch wie er hieß. So wanderte er herum auf der Suche nach seinem Vater und einem Brunnen. Er hatte die Hoffnung schon aufgegeben. Da hörte er von einem Wunderbrunnen, der seit ein paar Tagen wieder Wasser spie. Er war fast versiegt, doch jetzt floss wieder Wasser. Man erzählte ihm, dass der Brunnen nur Wasser hatte, wenn ein männlicher Nachkomme im Schloss wiedergeboren war. Doch der König hatte nur Mädchen und doch plätscherte noch etwas Wasser. Also musste im Land ein männlicher Nachkomme sein. Viele probierten in die Nähe des Brunnens zu kommen um zu sehen, ob das Wasser wieder lief. Manche trauten sich sogar hineinzugreifen, in der Hoffnung sie könnten der Erbe des Königs sein. Sie bereuten es sogleich. Entweder verbrannten sie sich die Hand oder sie hatten Erfrierungen. Und jetzt erzählte man sich, dass das Wasser wieder vermehrt austrat.
Der König wachte Tag und Nacht über den Brunnen, denn es musste ein Nachfolger in der Nähe sein. Immer standen Wachen um den Brunnen. Doch eines Nachts waren die Wachen so müde, dass sie sogar im Stehen einschliefen. Das nutzte der Bettler aus. Der König stand auf seinem Balkon und war selber schon sehr müde. Er bemerkte nicht, dass auch die Wachen schliefen. Dann sah er einen Schatten, der sich langsam näherte. Das Wasser im Brunnen floss immer stärker. Der König war sofort wach. Er wartete ab. Der Bettler näherte sich dem Brunnen, sah ihn an und streckte seine Hand nach dem Wasser aus. Er ließ es auf seine Hand rieseln, dann streckte er langsam seine Hand in den Brunnen. Es war weder heiß noch eisig kalt, wie die Leute erzählten. Er wunderte sich darüber und griff nochmal in das Wasser. Dann schoss eine riesige Fontäne hoch. Dadurch wurden die Wachen wach und der König rann so schnell er konnte zum Brunnen. Die Wachen hielten den Bettler auf. Der hielt still und versuchte nicht mal zu entkommen. Der König kam atemlos angerannt und fragte, wer er sei und wieso er in das Wasser greife. Er sah ihn müde an und sagte:
„Meine Mutter sagte mir am Sterbebett, suche den Brunnen der Wahrheit, dann findest du deinen Vater. Und ein jeder erzählte von dem Wunderbrunnen. Also musste ich ihn mir ansehen und griff hinein. Es ist weder heiß noch eisigkalt.“
Der König und die Wachen sahen den Bettler verwundert an. Dann zog er ihm die Kapuze vom Kopf. Der König erschrak, denn er sah sich als jungen Mann vor sich stehen.
„Wie hieß deine Mutter?“
„Fatma Abdallah.“
„Und wie heißt du?“
„Kasim Abdallah.“
Alle sahen die beiden an und wussten nicht, was sie tun sollten. Der König sagte:
„Mein Name ist Kasim Abdallah - Sultan von Karisi. Doch keiner weiß meinen Vornamen. Nur die Frau, die ich sehr liebte und die dann verschwunden war. Dann musst du mein Sohn und Nachfolger sein, denn sonst kann keiner in den Brunnen greifen, ohne dass ihm etwas passiert.“
Er umarmte ihn und sagte:
„Willkommen zu Hause mein Sohn!“
Die Wachen legten die Waffen weg und verneigten sich vor dem Sohn des Königs. Und der Brunnen freute sich mit und schoss eine Fontäne hoch.
„So und jetzt schlaft Ihr und morgen erzähle ich euch weiter. Die Kinder drehten sich um, sagten ‚Gute Nacht‘ und schliefen ein. Ihre Mutter drehte das Licht ab und dachte an die Zeit, als sie den Vater ihrer Kinder kennenlernte. Es war eine schwere Zeit.
Der Sultan
Dr. Eva Evans war eine der besten Urologinnen ihrer Zeit. Nur gab es ein Problem, sie war eine Frau und der Sultan1 von Karisi bestand auf dem Besten. Aber in der arabischen Welt galt eine Frau nichts, nicht mal als Arzt. Dr. Meier war auch gut, doch weitaus nicht so gut wie sie. Sie war eine Koryphäe mit ihren erst 35 Jahren. Sie hatte ihr Studium in kürzester Zeit und mit Bravour abgeschlossen. Und sich als Urologin einen Namen gemacht. ‚Wieso?‘, fragten sie viele. Sie konnte es nicht sagen.
„Einfach so, weil da gerade wer fehlte.“
Doch sie wusste es besser, wieso sie dieses Fach nahm.
***
Der Sultan war schon vor fünf Jahren hier in Deutschland gewesen und hatte sich untersuchen lassen. Er hatte einen verkrümmten Penis. Es war noch nicht so arg, aber er bekam hin und wieder Probleme beim Geschlechtsverkehr und das war in seiner Welt ein riesiges Problem. Er wollte sich schon operieren lassen, damit er sich nicht weiter verkrümmte. Doch dann musste er abreisen, denn sein Vater lag im Sterben und er musste sofort zurück. Er bekam Tabletten und eine Therapie verordnet. Sie sollten ihm helfen, bis er sich später operieren lassen konnte. Die Tabletten konnte er sich auch zu Hause besorgen, das mit der Therapie klappte nicht. Jetzt waren fünf Jahre vergangen und er meldete sich wieder. Aber er konnte nicht von zu Hause weg. Er musste sein Reich und den Palast verteidigen. Ansonsten würde er nicht mehr in seine Heimat zurückkehren können. Denn sein Cousin machte ihm schon den Platz streitig.
Also musste man ein Ärzteteam hinschicken. Doch der beste Arzt war eine Ärztin, eine Frau. Wie sollte man das machen? Man wollte schon einen anderen Spezialisten schicken, doch der hatte zu viel Angst, dass ihm etwas passieren könnte. Er hatte auch Bedenken, in einer Primitivkultur mitten in der Wüste zu operieren. Der Sultan hatte schon einen Operationssaal bauen lassen. Mit der besten Ausstattung und allen Schikanen. Er war reich, sehr reich. Man erzählte sich, dass er die größte Diamantenmine und auch andere Edelsteine besäße. Darum konnte er es sich auch leisten, selber einen eigenen Operationsaal zu bauen und sich die besten Ärzte schicken zu lassen. Bis jetzt war jedoch noch kein Arzt gut genug gewesen. Er schickte sie alle ohne Bezahlung zurück. Einzig die Reise wurde bezahlt. Also musste sich sein Zustand sehr verschlechtert haben.
***
„Ich fahre hin! Verkleide mich als Mann und senke meine Stimme. Dann werden sie nichts merken. Operiere ihn und fahre dann als reiche Frau zurück“, sagte Dr. Evans.
Man wollte es ihr ausreden.
„Was ist, wenn sie draufkommen und dich töten! Dann ist alles vorbei!“
„Nein! Er will den Besten und der Beste bin ich! Er kann nicht anders, als mich operieren zu lassen. Wenn, dann muss er mich hinterher umbringen lassen. Dann ist er wenigstens operiert und die anderen dürfen nach Hause.“
„Denkste! Der bringt sicher alle um! Weil wir ihm eine Frau vorsetzen!“
„Nein wird er nicht, denn ich habe noch einen Trumpf im Ärmel!“
„Und welchen?“
„Ich bin eine Frau!“
„Aber du weißt nicht, was er mit einer Frau machen kann und wird!“
„Das ist mir egal, aber ich will ihn operieren! Um jeden Preis! Das wird mein Ansehen noch mehr stärken.“
Jeder schüttelte den Kopf. Aber was sie sich einmal in den Kopf gesetzt hatte, das brachte sie auch immer durch. Man ließ sie fahren, aber auf ihre eigene Gefahr. Sie wollten hinterher keine Schuld haben.
Eva packte also ihre Sachen, nahm noch Bücher und ihre Operationstasche mit. Dr. Meier und Dr. Weck fuhren als Unterstützung mit. Dr. Weck war Anästhesist und Dr. Meier musste sie bei der Operation unterstützen. Man schrieb ihm wer kommt, aber nicht, dass eine Frau dabei war, denn sonst würde er sie gar nicht erst zu ihm lassen.
Der Flug verlief gut. Auf dem Flughafen zog sich Eva noch um, damit sie aussah wie ein Mann. Sie hatte heute auch deswegen kein Make-up aufgetragen. Sie brauchte auch sonst nicht viel Make-up.
Am Flughafen wurden sie von einem Araber abgeholt, der sie zu den Kamelen brachte. Denn mit einem Auto war der Palast nicht zu erreichen. Nur mit Pferden oder mit einer Karawane. Ihre Sachen hatte sie gut eingepackt, dass ja kein Sand hereinkam. Die Karawane brauchte einen Tag, bis sie beim Sultan eintraf. Sie wurden aber bereits vorher von einem Reitergeschwader abgeholt und mit Pferden zum Sultan gebracht.
Keiner der Ärzte konnte reiten und war auf das Abenteuer nicht gefasst. Der Ritt tat ihnen nicht gut und hinterher schmerzte ihnen allen der Hintern.
Sie wurden sofort in ihr Quartier gebracht, bis sie von einem anderen Diener abgeholt und zum Sultan gebracht wurden. Man merkte ihm seinen Reichtum nicht an. Es war alles schlicht gehalten. Nur der Palast war riesig. War er überhaupt so reich?
Omar2 Sadek, sein persönlicher Diener, hatte sie mit den Reitern abgeholt und stand jetzt beim Sultan.
„Guten Abend die Herrschaften. Bitte setzen Sie sich und nehmen Sie mit uns das Abendessen ein.“
Der Sultan saß am Ende des Tisches. Dr. Meier setzte sich links von ihm und Dr. Weck rechts von ihm. Dr. Evans nahm neben Dr. Meier Platz. Omar blieb stehen. Dann wurde aufgetragen. Der Sultan hatte sie mit einem Nicken begrüßt. Er war so um die 35. Man konnte ihn schwer schätzen. Der Turban saß tief und der Bart versteckte auch mehr, als er vom Gesicht preisgab. Er beobachtete die drei ‚Männer‘ aufmerksam. Omar übersetzte alles, was der Sultan oder die drei ‚Männer‘ sagten. Es sprachen jedoch immer nur Dr. Meier und Dr. Weck. Bevor das Essen zu Ende war, ließ der Sultan fragen, wieso ‚der junge Arzt‘ so wenig aß.
„‘Er‘ hat den Flug und die Reiterei nicht gut vertragen. Darum ist ‚ihm‘ noch schlecht“, erzählte Meier.
„Und wieso spricht ‚er‘ nicht? Kann ‚er‘ nicht sprechen?“
„‘Ihm‘ hat die Klimaanlage nicht gutgetan. Und dann die Hitze hier. Wenn ‚er‘ spricht, krächzt ‚er‘ nur.“
Eva hielt den Kopf meistens gesenkt. Sie hatte ihn sich, als sie eintrat kurz angesehen. Ihr Herz fing an zu rasen. Und sie musste sich zusammennehmen, um nicht aufzufallen. Beim Essen blickte sie auch immer wieder verstohlen zu ihm. Und so als wüsste er es, sah er immer genau dann auch zu ihr. Da sie schnell lernte, konnte sie während des Fluges und auch schon vorher etwas arabisch lernen. Deshalb verstand sie zwar einige Brocken von dem, was gesprochen wurde, doch der Sultan hatte, wie auch Omar, einen Dialekt, den sie schwer verstehen konnte.
Das Essen war vorbei und der Sultan lud sie noch auf einen Drink und Kaffee ein. Sie gingen ins Nebenzimmer, während die Diener abräumten. Er bot ihnen auch eine Zigarre an. Alle verneinten, da sie keine Raucher waren. Doch einen Drink nahmen sie. Arak, einen spezifischen Schnaps, der nach Anis roch.
„Der wird ‚dem jungen Mann‘ die Stimme wiedergeben“, meinte Omar.
Sie prosteten sich zu und dann wurde er ex getrunken. Da sie keinen so starken Schnaps gewohnt waren, fingen alle an zu Husten. Der Sultan lachte. Auch Omar lächelte verschmitzt.
Doch der Sultan war auf etwas anderes aus. Ein Diener sollte, während sie speisten, die Sachen der Ärzte durchsuchen. Denn ihm war etwas zu Ohren gekommen und der Diener kam auch gerade und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Der Sultan war schon vorher nicht sehr freundlich. Und das Lachen von vorhin erstarb. Danach sah er noch wilder drein.
***
Der Sultan wollte nur den besten Arzt für sich und hatte schon von diesem Dr. Evans gehört. Dass nur ‚er‘ der Beste sein sollte. Er wollte ‚ihn‘ auch. Doch ihm kam doch zu Ohren, dass es kein männlicher Arzt sein sollte. Er wartete ab, was sie taten. Ihm gab es einen Stich ins Herz, als er ‚den jungen Arzt‘ sah. Seine Augen sprachen Bände und sein Herz hüpfte vor Freude. Er würde doch nicht einen Mann lieben? Diese Augen hatten es ihm sofort angetan. Darum sah er auch ständig während des Essens zu ‚ihm‘. Er vermutete es schon, dass hier etwas nicht stimmte.
Er war etwas böse auf die drei Ärzte, dass sie es vor ihm verheimlichten. Aber was hätten sie tun sollen? Er wusste es selber. Denn offiziell hätte er es nie erlauben dürfen, dass eine Frau kommt und ihn operiert. Sein ‚Bestes Stück‘ in die Hände einer Frau zu geben. Das behagte ihm gar nicht. Jetzt auch nicht. Und er musste sein Gesicht wahren. Als es der Diener dann auch noch bestätigte, stand er auf, ging zu Dr. Evans, zog ‚ihm‘ die Kopfbedeckung herunter und die langen Haare fielen ihr ins Gesicht. Er drückte sie an die Wand. Die anderen Ärzte sahen schon ihre Felle davon schwimmen.
„Wer bist du?“, fragte er.
Er konnte ihre Sprache und verstand sie wahrscheinlich auch. Omar war auch überrascht über diese Aktion. Er vermutete es zwar, hatte aber noch keinen Beweis gehabt.
„Ich bin Dr. Evans - Dr. Eva Evans, der Urologe, der Sie operieren kann. Und wenn sie mich umbringen, dann werden sie weiter leiden.“
Ihr Herz pochte stark in ihrer Brust. Auf so eine schnelle Entlarvung war sie nicht gefasst gewesen. Sie spürte auch seinen Puls schneller schlagen.
„Schweig Frau!“, drohte er ihr.
Sie war sofort still und sah weiter in seine dunklen Augen und er in ihre. Dr. Meier wollte die Situation retten.
„Herr Sultan. Bitte verzeihen Sie uns diese Scharade, aber wir hatten sonst keine Wahl. Wenn Sie es vorher gewusst hätten, hätte sie nie kommen dürfen. Und sie ist die Beste, keiner kann es so gut wie sie.“
„Schweig!“, sagte er auch zu ihm.
Er schwieg sofort, denn er wollte ihn nicht weiter aufregen. Der Sultan sah ihr immer noch in diese fast schwarzen Augen. Sie sah nicht weg, wie die anderen Frauen es sofort taten, weil sie es so gelernt hatten. Sie bot ihm Paroli. Das gefiel ihm irgendwie. Die Frauen hier waren viel zu sanft. Er stellte es sich schon vor, was er alles mit ihr anstellen würde. Da meldete sich unsanft sein ‚Bestes Stück‘, wegen dem sie hier waren. Offiziell lässt er sich ein Muttermal operieren, das schlimm aussieht und stört. Er ließ sie abrupt wieder los.
„Bringt sie in ihr Quartier!“
Er drehte sich um und ging schwer zu seinem Sessel. Eva lächelte in sich hinein. Sie wusste, was passiert war und nicht nur das. Sie hatte ihn sogar gespürt. Und da er sie nicht sofort umbrachte, war das ein gutes Zeichen. In ihrem Quartier, das ab sofort bewacht wurde, fing Dr. Weck sogleich an zu jammern.
„Das hätten wir nicht machen sollen! Jetzt werden wir gefoltert und dann umgebracht. Wir sehen unsere Heimat nie wieder! Wir hätten gleich die Wahrheit sagen sollen, bevor wir hier hergeflogen sind.“
„Dann hätten wir gar nicht erst die Chance gehabt zu kommen“, sagte Eva ruhig.
„Aber dann wären wir nicht in dieser Zwickmühle und liefen nicht Gefahr, nie wieder nach Hause zu kommen! Wer weiß, was sie mit uns anstellen!“, jammerte er weiter und fing an zu heulen.
„Halt das Maul und hör auf wie eine Memme zu wimmern. Sie tun uns nichts!“, sagte Eva.
Sie war immer noch ruhig. Dr. Meier ging zu ihr.
„Was macht Sie so sicher?“, fragte er.
„Er braucht uns! Und wenn, dann werde ich alles ausbaden, ihr kommt nur mit dem Schrecken davon. Er braucht mich und wie! Denn sonst kann er gleich einpacken.“
Sie war sich sehr sicher damit.
„Wie kommen Sie darauf Eva?“
„Weil ich es weiß. Das reicht für euch“, erwiderte sie und verzog sich in ihr Zimmer.
***
Eva setzte sich auf ihr Bett und dachte an den Abend, als sie mit 18 mit ihren Freunden auf einen Jahrmarkt ging. Dort gab es eine Wahrsagerin. Sie nannte sich Akilah3. Man sagte, sie wäre die Beste. Alle wollten sich vorhersagen lassen. Jeder ging alleine hinein. Kein anderer sollte mitbekommen, was sie voraussagte. Jeder kam lachend heraus und deutete einen Vogel. Wahrscheinlich wollte es keiner zugeben. Zum Schluss war sie dran. Sie sah erschrocken auf die Frau, denn bevor Eva sich setzen konnte, sagte diese nämlich: „Sie sind mutig und werden eine gute Fachärztin für Männerprobleme. Doch das wird ihnen fast zum Verhängnis werden, aber dadurch treffen Sie ihren Mann, in einem fernen Land mit viel Sand und bunten Sternen. Sie müssen ihm helfen … doppelt. Und Sie werden sich ineinander verlieben und bekommen den ersehnten Erben, aber von dem wird er in der größten Not erst erfahren. Dann erst werden Sie mit ihm glücklich werden. Erst später - viel später. Und jetzt geh und lerne. Du musst deine Prüfungen schaffen.“
Eva zahlte und ging. Da in zwei Tagen für sie eine wichtige Prüfung anstand, ging sie danach sofort nach Hause und ließ sich auch nicht von ihren Freunden überreden noch dazubleiben. Die Prüfung bestand sie mit Auszeichnung. Lange Zeit dachte Eva nicht mehr an diese Prophezeiung, doch als es von den Kollegen hieß:
‚In ein Land mit viel Sand und nichts als Hitze, Sternen und kein Meer‘,
war sie sofort dabei. Eva musste sehr darum kämpfen, dass sie mitdurfte. Und es würde ihnen nichts geschehen. Sie musste nur sehen, dass sie bis hierherkam, um das mit dem Sultan selber zu regeln und auszukämpfen. Dass sie sich sofort in ihn verliebte, hätte sie nie gedacht …
***
Eva wurde durch einen Lärm gestört. Ein Diener kam und brachte ihr die hier angebrachte Kleidung. Sie solle sie anziehen und dann werde sie zum Sultan geführt. Eva tat, was man ihr sagte. Die beiden Männer wollten sie aufhalten.
„Lasst mich gehen, denn es ist meine Bestimmung!“, entgegnete sie ihnen, schob sie zur Seite und ging mit dem Diener zum Sultan.
Man führte Dr. Evans in andere Gemächer als vorhin. Er hatte sich auch lockerer gekleidet. Sie waren alleine.
„Komm her und setz dich zu mir“, sagte er schon etwas ruhiger.
Eva ging zu ihm und setzte sich auf einen Hocker. Sie war nervös.
„Und du bist der Arzt, der mich operieren kann?“
„Ja der bin ich“, sagte sie ruhig, obwohl es in ihr brodelte.
„Und wer sagt dir, dass du mich operieren wirst und darfst?“
„Sie Sultan.“
Er sah sie überrascht an.
„Das ist mutig von dir.“
Diese Worte sagte auch die Wahrsagerin - ‚sie sind mutig‘.
„Darf ich ehrlich sein?“
„Ja ich bitte darum. Denn wenn du nicht ehrlich bist, kommt ihr nicht mehr nach Hause.“
„Zuerst möchte ich mich auch für dieses Schauspiel entschuldigen. Ich wusste, ich musste nur hierherkommen und dann wird sich alles zeigen. Denn ich bin die Einzige, die Ihnen wirklich helfen kann.“
„Das war aber jetzt mehr als mutig. Mir so direkt alles in die Augen zu sagen.“
„Ich bin nicht so wie die Mädchen und Frauen von hier und neige nicht meine Augen vor Ihnen. Ich sehe Ihnen gerne in die Augen, wenn sie vor Freude leuchten und vor Schmerzen schon weinen wollen. Und Sie haben Schmerzen. Nein, ich bin nicht mutig, es ist nur die Wahrheit. Sie haben schon Schmerzen, wenn er sich nur etwas regt. Es muss schon sehr weit fortgeschritten sein.“
Etwas aufgebracht kam er nahe zu ihr.
„Was lässt dich so sicher sein?“
„Ich sah die Schmerzen in Ihren Augen, als sie vor mir standen und Sie schon überlegten, was Sie mit mir machen könnten. Ich spürte Ihre Erregung, doch Sie können nicht mehr und Sie brauchen mich. Und Sie können sich auch keinen weiteren Versuch mehr leisten. Ihnen steht der Druck bis zum Hals, Kinder zeugen zu müssen, damit man sieht, was für ein Mann Sie sind. Es wird hinter Ihrem Rücken sicher schon getuschelt. Und ich habe auch gehört, dass es seit drei Jahren keinen Nachwuchs mehr gibt. Seitdem suchen Sie nach Hilfe.“
Vor Wut über die Wahrheit nahm er sie und zog sie mit sich. Er zerrte sie zu einem versperrten Raum, öffnete ihn und drehte das Licht an. Zum Vorschein kam ein Operationsaal. Ihr war zu Ohren gekommen, dass er einen hatte bauen lassen, doch das er besser war, als der in ihrer Heimat hätte sie nicht erwartet. Eva sah sich mit leuchtenden Augen um und begutachtete die Ausstattung des Raumes etwas genauer. So einen hatte man nicht mal in Deutschland.
Nachdem er die Tür hinter ihnen wieder zugesperrt hatte, sagte er: „Ist er nach deinem Geschmack? Alles da was du brauchst?“
„Ja, alles da und noch mehr.“
Sie blickte ihn mit glücklichen Augen an.
„Glücklich?“
„Ja warum?“
„Weil ich es in deinen Augen sehe.“
Nach einer kurzen Pause fragte er: „Und was siehst DU noch in meinen Augen?“
Sie ging zu ihm und sah ihm direkt in die Augen.
„Angst, Verzweiflung und ein wenig Hoffnung.“
„Du kannst gut in den Augen lesen.“
„Ich sehe das ständig in den Augen der Männer, denen ich helfe wieder Spaß am Sex zu haben.“
„Hast du auch Spaß am Sex?“
Sie sah ihn überrascht an.
„Entschuldige, wenn ich dir zu nahegetreten bin.“
„Nein, bist du nicht. Ist doch normal, nur wir Menschen tabuisieren das. Und ja, ich habe manchmal Spaß am Sex.“
Ihr war es nicht aufgefallen, dass sie ihn auch duzte. Er sah sie verwirrt an und war verwundert und überrascht über ihre Ehrlichkeit.
„Dürfte ich … dürfte ich, wenn wir schon hier sind, ihn ansehen? Ich müsste ihn vorher schon mal begutachten, damit ich mir Gedanken über die bevorstehende Operation machen kann. Was, wie und wo?“
Er sah sie mit bösen Augen an. Eva machte dann etwas, was sie nie zu machen brauchte und es nur machte, weil er wahrscheinlich darauf wartete. Sie war stark, doch jetzt musste sie Schwäche zeigen. Eva kniete nieder, sah auf den Boden und sagte: „Bitte, darf ich ihn mir ansehen? Nicht als Frau, sondern als Arzt.“
Sie sah nicht hoch und wartete darauf, was er machte oder sagte. Das war ihre letzte Hoffnung. Es war still. Man hörte nichts, nicht mal einen Atemzug.
„Gut, aber nur als Arzt und nicht mehr.“
„Ja, danke Sultan.“
Eva traute sich noch nicht hochzusehen. Hörte ihn nur rumoren.
„Okay, Sie dürfen hochsehen.“
Er stand direkt vor ihr und wäre er gerade gewesen, hätte sie ihn direkt vor ihrem Mund gehabt. Eva sah zuerst zu ihm, er hatte die Augen geschlossen und er akzeptierte sie jetzt als Arzt. Sein leicht erigierter Penis krümmte sich schon. Wie stark müsste wohl erst die Krümmung sein, wenn er voll erigiert war. Sie wollte es gar nicht erst sehen.
„Ich müsste ihn angreifen und befühlen, damit ich mir ein Bild davon machen kann. Darf ich?“
Bevor sie etwas tat, musste sie fragen. Er war nicht einer ihrer normalen Patienten.
„Ja, Sie dürfen.“
Als Arzt sprach er Dr. Evans mit Sie an. Wenn das vorbei war, würde er sie wieder duzen. Eva tastete zuerst vorsichtig seine Hoden ab, dann langsam und vorsichtig seinen Penis. Er sprach sofort auf ihre tastenden Finger an. Sie wollte ihn nicht ganz erigiert sehen und ihm damit Schmerzen bereiten. Sie arbeitete rasch.
„Danke“, sagte sie und senkte wieder ihren Blick und ihre Hände.
Er zog sich wieder an. Dann nahm er ihre Hand und zog sie auf.
„Du darfst wieder aufstehen. Es war klug von dir das zu machen. Wie kamst du auf die Idee?“
„Da Sie mich nicht als Frau akzeptieren dachte ich mir, dass wenn eine Frau vor Ihnen kniet und Sie um etwas bittet Sie mir oder besser gesagt dem Arzt in mir vertrauen.“
„Aber ich habe auch noch eine Frage.“
„Und die wäre?“
„Kann ich nach der Operation meine Frauen wieder beglücken?“
Sie musste lächeln.
„Ja, das können Sie. Aber beim ersten Mal könnte es noch einige Probleme oder Schmerzen geben. Sie sollten es langsam angehen lassen.“
„Das heißt, eine meiner Frauen sieht und hört, dass ich Schmerzen habe? Du willst mich wohl vor meinen Frauen erniedrigen.“
„Nein, das will ich nicht. Es ist nun mal so. Oder du geht’s zu einer anderen Frau, die dich nicht kennt, und beglückst sie.“
Ihr war es gar nicht aufgefallen, dass Eva ihn schon wieder duzte. Er ging auf sie zu.
„Einen Sultan spricht man nicht ohne Aufforderung mit ‚du‘ an“, sagte er mit zorniger Stimme.
„Tut mir leid! Es ist mir so rausgerutscht. Weil Sie mich auch immer duzen. Es wird nicht wieder vorkommen.“
„Also eine andere Frau bietest du mir an?“, fragte er herausfordernd und blieb weiter vor ihr stehen.
„Ja Sultan“, erwiderte sie leicht beschämt und senkte den Blick.
Eva wollte ihn nicht noch mal reizen. Er trat einen Schritt zurück.
„Ich biete dir auch etwas an.“
Sie sah zu ihm und wartete ab, was er ihr anbieten wollte.
„Ich lasse mich von dir operieren, damit ich wieder eine Frau beglücken kann. Und ich soll mir eine andere suchen, mit der ich das erste Mal nach der Operation …“
„Sex mache“, beendete Eva den Satz.
„Gut, ich wüsste dann auch gleich eine Frau, mit der ich das machen würde und die sicher nirgends etwas ausplaudern würde über das erste Mal.“
„Dann ist es ja gut. Aber wo ist das Problem?“
Sie verstand jetzt gar nichts mehr. Er bot ihr etwas an und wollte nichts dafür? Sie solle ihn operieren und…?
„Du wirst diese Frau sein!“
Er wartete ihre Reaktion ab. Das war sein Deal!? Sie durfte ihn operieren, wenn sie mit ihm nachher Sex machte. Irgendwie war sie geschockt, aber irgendwie auch nicht. Eva sah ihn erschrocken und verwirrt an. Sie hatte an etwas anderes gedacht, aber auf so eine Idee wäre sie nicht gekommen.
„Sonst noch etwas?“, fragte sie so ruhig wie möglich.
„Ja, du wirst meine Frau werden! Sonst geht es nicht!“
Jetzt war sie wirklich sprachlos! Das mit dem Sex wäre kein Problem, aber dafür gleich heiraten?
„Wieso muss ich sofort Ihre Frau werden?“
„Weil ich hier in meinem Reich keine andere Frau haben darf, sonst wäre es Betrug und dafür könnten mich meine Frauen bestrafen. Du bist auch noch eine Ungläubige, das wird die Sache noch schwieriger machen. Wenn ich dich aber zur Frau nehme, könnten sie gar nichts dagegen tun. Ist das ein Angebot? Du darfst mich operieren und dafür wirst du meine Frau.“
„Darf ich mir das noch überlegen?“
„Ja, aber du musst dich jetzt noch entscheiden, bevor wir hier zur Tür herausgehen. Man hört hier nichts. Also bekommen die anderen auch nichts davon mit. Ansonsten haben die Wände Augen und Ohren. Wir haben noch Zeit.“
Sie drehte sich um und sah sich den Operationsaal an. Man müsste hier gut arbeiten können. Konnte sie denn das andere auch machen? Wenn sie die Augen schloss, sah sie ihn wieder, als er vor ihr stand und ihr den Turban vom Kopf riss. Ihr Herz schlug schneller. Nein - nicht vor Angst. Sie hatte sich in ihn verliebt. So wie die Wahrsagerin sagte:
‚Du wirst dort deinen Mann treffen! ‘, nicht ‚kennenlernen‘ und nicht ‚zukünftiger Mann‘.
„Ja!“
„Was ‚ja‘?“, fragte er nach.
Es kam für ihn so überraschend. Er dachte, sie würde länger überlegen und sich irgendwie herausreden wollen.
„Ja, ich mache es! Ich werde Ihre Frau! Aber nur unter einer Bedingung!“
„Du kannst keine Bedingungen stellen!“
„Doch, kann ich! Wenn ich nicht operiere, wird es nichts mit dem Deal und Sie müssen das hier alles aufgeben und in Schande verschwinden. Ich will auch einen Deal! Wir dürfen danach wieder nach Hause fahren. Nicht nur meine zwei Begleiter, sondern auch ich!“
„Wie lange dauert die Genesung?“
„Ungefähr 14 Tage, längstens drei Wochen.“
„Dann wirst du danach meine Frau. Und ihr bleibt noch einen Monat. Deal?“, fragte er auch so wie sie.
Er hatte die Hoffnung sie dann noch länger hierzubehalten.
„Deal!“, erwiderte Eva und hielt ihm ihre Hand hin.
„Wir machen das hier anders“, sagte der Sultan grinsend, ging zu ihr, nahm sie in den Arm und küsste sie.
Sie dachte, sie schwebe. Der Kuss war heiß und vielversprechend. Er dachte, er hätte sie überrumpelt, weil sie sich nicht wehrte. Doch Eva erwiderte seinen Kuss!
Dann ließ er abrupt ab. Sein bestes Stück meldete sich und das wollte er ganz und gar nicht.
„Das bleibt unter uns.“
„Ja“, konnte sie nur außer Atem sagen.
Er schloss auf und sie gingen zurück in sein Quartier. Omar wartete schon ungeduldig auf ihn.
„Bring sie wieder zurück.“
„Sultan, es gibt da noch ein Problem!“
„Über das sprechen wir später. Bring sie zu den anderen.“
Omar tat wie ihm befohlen. Dann kam er zurück und sagte: „Wir haben ein Problem. Ihr Cousin will zum Brunnen um zu sehen, ob er noch Wasser führt.“
„Hast du ihm nicht gesagt, dass er Wasser führt?“
„Doch, aber er will sich nicht abwimmeln lassen. Er will es selber sehen.
Denn wenn Sie keinen männlichen Nachkommen haben und keinen bekommen werden, würde er der nächste Sultan. Darf ich Ihnen etwas raten.“
„Was Omar?“
„Lassen wir ihn doch den Brunnen ansehen, dann wird er sehen, dass er Wasser führt und muss wieder gehen.“
„Ja, aber er wird sich damit nicht zufriedengeben. Erst wenn ich einen oder mehrere Nachfolger habe, wird er Ruhe geben.“
Nach einer Pause sagte er: „Die Wachen sollen die Ärzte im Auge behalten. Es soll keiner aus dem Fenster sehen. Sie sollen sie drinnen bewachen bis Yusuf4 wieder weg ist.“
Omar richtete es den Wachen aus. Dann durfte Yusuf in den Palast.
***
Dr. Evans war wieder in ihr Quartier gebracht worden. Sie ging sofort zu ihren Büchern und nahm einen Block zur Hand.
„Was ist, Dr. Evans? Was wollte er?“, fragten sie.
„Das geht euch nichts an.“
Statt einer weiteren Antwort zeichnete sie schon auf dem Papier.
„So sieht er halb erigiert aus. In voll erigiertem Zustand müsste er sich noch mehr drehen. Wir machen einen Schnitt hier, hier und hier. Was haltet Ihr davon?“
Sie sahen sie nur verwirrt an.
„Wie haben Sie das hingebracht?“, fragte Dr. Meier.
„Das ‚wie‘ ist egal! Dr. Weck, Sie müssen heute oder morgen mit ihm wegen der Anästhesie sprechen. Damit wir die Operation so schnell wie möglich durchführen können. Es eilt. Ach ja, Sie müssen ihn auch fragen, wie es mit dem Urinieren. Das konnte ich nicht mehr fragen. Es war so schon viel, was ich ihn gefragt hatte. Ich war froh, dass ich …“
Dann wurden sie gestört und mussten sich alle in die hinterste Ecke setzen. Eva konnte noch rasch die Zeichnung verstecken und das Buch umdrehen. Die Wachen würden zwar nichts lesen können, aber die Zeichnung sprach Bände. Sie wussten nicht was vorgefallen war, dass man sie unter starke Bewachung stellte. Es dauerte nicht mal eine Stunde und die Wachen wurden wieder abgezogen. Vor die Tür. Es wurde draußen schon finster und es kühlte sich auch schon merklich ab. Dann brachten die Diener das Essen, aber nur für zwei Personen. Sie sahen sich an. Was sollte das? Da kam auch schon Omar und brachte für Dr. Evans andere Kleidung. Es war ein prachtvolles Gewand. Ihre Kollegen starrten Eva nur an. Dr. Evans verzog sich wieder in ihr Zimmer, kam umgezogen heraus und folgte Omar. Sie wurde wieder in des Sultans Räume gebracht. Hier war auch schon das Essen hergerichtet. Eva durfte - nein - sollte mit dem Sultan essen. Er war wieder sehr freundlich zu ihr.
„Ich muss mich für die Unannehmlichkeit von vorhin entschuldigen. Aber es war eine reine Vorsichtsmaßnahme. Bitte setz dich und lang zu. Ich hoffe, dein Magen hat sich schon beruhigt“, sagte er und lächelte etwas spöttisch.
Das war auf das Essen von vorhin gemünzt, wo sie kaum etwas gegessen hatte.
„Was verschafft mir die Ehre, dass ich mit Ihnen essen darf? Sind dann nicht Ihre Frauen eifersüchtig?“
„Ich wollte dich nicht in der Gesellschaft der trauernden und wimmernden Männer lassen. Lieber ziehe ICH deine Gesellschaft vor. Und nein, meine Frauen essen mit den Kindern zusammen. Es speist ganz selten eine Frau bei mir. Außer sie ist mein Gast.“
„Wie viele Frauen haben Sie? Wenn ich mir diese Frage erlauben darf.“
„Ja, darfst du. Wenn du etwas nicht fragen darfst, wirst du es daran merken, dass ich nicht antworte oder böse werde. Ich habe vier Frauen und leider acht Mädchen. Ein Sohn dazu wäre nicht schlecht.“
Er machte eine Pause, bevor er weitersprach.
„Schenkst du ihn mir?“
Eva sah ihn mit großen Augen an. Und hoffte, sie müsste dann nicht noch neun Monate hierbleiben.
„Sieh mich doch nicht mit deinen braunen Augen so vorwurfsvoll an. Ist dein Vater arabischer Abstammung?“, fragte der Sultan und lenkte das Gespräch auf ein anderes Thema.
„Keine Ahnung. Mein Vater war Engländer, meine Mutter Deutsche und die Großeltern väterlicherseits weiß ich leider nicht. Man hatte ihn schon oft deswegen aufgezogen, weil ich dunkle Haut, dunkle Haare und fast schwarze Augen habe. Er scherzte oft, es könne sein, dass irgendwo bei meinen Großeltern anderes Blut dabei sei und die Gene jetzt durchgekommen seien. Aber ich habe nie einen Bluttest machen lassen.“
„Kann man das?“
Sie erklärte ihm, wie das mit der DNA funktionierte. Wollte ihn aufklären, doch dann sah sie in sein verwundertes Gesicht und hörte sofort wieder auf davon zu sprechen.
„Zu viel des Guten?“
„Ja, bitte erzähle mir etwas anderes. Ich höre deiner Stimme gerne zu.“
„Ach ja, bevor ich es vergesse, Dr. Weck wird morgen …“
„Nein, heute nichts mehr über die Operation. Morgen. Er soll morgen kommen und mir dann sagen, was du brauchst. Erzähle mir jetzt etwas über deine Kindheit.“
Und so musste Eva ihm über ihre Kindheit und Jugend erzählen. Das andere brannte ihr mehr auf der Zunge. Aber um ihn nicht zornig zu machen und vielleicht wegen der OP noch mehr zu beunruhigen, erzählte sie von sich. Auch er gab einige Anekdoten von sich. Die Zeit verflog schnell. Er geleitete sie dann selber zu ihrem Zimmer. Die anderen schliefen schon. Eva lag noch etwas wach und dachte über den Tag nach. Er verlief gar nicht so schlecht. Außer dass sie sofort enttarnt wurde.
Warum konnte sie diesem Mann nicht bei ihr zu Hause begegnen. Sie könnte sicher mit ihm sehr glücklich sein. Und träumte von einer schönen Zeit mit ihm.
***
Yusuf durfte zum Brunnen und nachsehen. Er floss, aber nicht mehr in dem Ausmaß, das er kannte. Aber er konnte ihn dadurch nicht vom Thron stoßen. Er musste unverrichteter Dinge wieder abziehen.
„Wo sind deine Gäste? Willst du sie mir nicht vorstellen?“, fragte er noch zum Schluss.
Natürlich hatte er davon gehört und wollte sie gerne sehen.
„Sie sind müde und ruhen sich aus.“
Er musste sich damit zufriedengeben. Dann ritt er davon und wusste, dass er nur weiterhin geduldig abwarten musste. Denn er hatte schon einen Sohn und irgendwann würde der Sultan werden.
Der Sultan ging wieder in seine Gemächer. Sein ‚Bestes Stück‘ hatte sich durch den Ärger wieder beruhigt. Er gab die Anweisung den Männern das Essen zu bringen, Dr. Evans die neuen Kleider und sie zu ihm zu geleiten. Sie kam ohne Widerstand. Er hoffte, sie machte das auch in der Hochzeitsnacht, aber nein - über etwas Widerstand würde er sich freuen. So eine richtige kleine Wildkatze. Die zahmen Dinger, die man ihm sonst brachte, waren nicht interessant. Fünf solcher warteten bereits darauf, von ihm als Frau genommen zu werden. Da sie allesamt noch sehr jung waren, konnte er sich mit dem Alter herausreden. Er hoffte, diese Operation würde ihm helfen, dass er seine Männlichkeit wieder richtig einsetzen konnte. Bei der Letzten musste er schon schummeln und so tun, als ob er sie beglücken würde.
Da sie auch noch jung war, bekam sie das nicht mit. Er schmierte ihr dann zum Schluss den Samen in ihre Tulpe. Und siehe da - sie wurde schwanger. Aber bei jeder seiner Frauen konnte er das nicht machen. Sie sollte bald gebären und er hoffte auf den ersehnten Jungen. Jedoch kam das Gerücht auf, dass er gar nicht der Vater wäre, weil er so wenig seiner Frauen beglückte.
Diese Ärztin hatte es ihm von Anfang an angetan - mit ihren wilden braunen Augen - in die er sich sofort verliebte und vor allem gehofft hatte, dass sie tatsächlich eine Frau war. Nicht, dass er sich dann doch als Mann entpuppte und er sich in einen Mann verliebt hatte und er darum keine gerade Männlichkeit hatte - als Strafe. Aber sie war - Allah sei Dank - eine Frau. Obwohl das ja auch ein Problem war. Weder der Diener noch Omar durften davon erzählen, dass einer der Ärzte eine Frau war. Erst später würden es alle anderen erfahren
Es gefiel ihm, dass sie stark war, aber wenn es notwendig war, zu dienen wusste. Sie würde ihm viel Freude bereiten. Aber wie lange? Er hatte sie zumindest einen Monat lang für sich - und dann? Sie konnte sehr gut erzählen und er hörte gerne ihrer Stimme zu. Dann verging die Zeit wie im Flug. Er wollte sie noch vor der Tür küssen, doch er tat es lieber nicht. Das würde er später nachholen. Er legte sich in sein Bett und träumte von ihr, doch da gab es gleich wieder dieses Problem und er musste sich auf den Rücken legen und an was anderes denken.
***
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück kam Omar und verlangte nach Dr. Weck. Der wurde sofort nervös.
„Dr. Weck, Sie brauchen keine Angst zu haben. Sie nehmen seine Daten auf, fragen ihn alles was Sie brauchen, sind ganz nett zu ihm und sehen sich den Operationsaal an. Prüfen, ob auch alles vorhanden ist. Falls nötig müsste er es noch besorgen. Wenn alles da ist, dann setzen wir die OP für morgen in der Früh an.“
Sie konnte ihn dadurch etwas beruhigen. Er folgte Omar und wurde freundlich von dem Sultan begrüßt.
„Setzen Sie sich und fragen Sie mich, was Sie von mir wissen wollen.“
Er fragte nach seinem Alter, Gewicht, ob er irgendetwas nicht verträgt usw. Der Sultan gab bereitwillig Auskunft.
„Die OP würden wir gerne morgen in der Früh vornehmen. Dazu dürften Sie ab 22 Uhr nichts mehr essen und ich würde mir gerne noch den Operationsaal ansehen.“
„Wieso erst morgen und nicht schon heute?“, fragte er etwas irritiert.
„Weil Sie heute sicher schon etwas gegessen haben und eine OP sollte man nur machen, wenn Sie mindestens 10 Stunden nichts gegessen haben. Das könnte sich eventuell schlecht auf die Narkose auswirken. Sollten Sie später noch etwas zu sich nehmen, außer Wasser natürlich, dann müssten Sie es mir vorher noch sagen, dass ich damit rechnen kann.“
Das reichte dem Sultan vorläufig.
„Dann wollen wir uns jetzt noch den Operationssaal anschauen“, sagte der Sultan schließlich.
Dr. Weck stellte sich den Operationssaal schon sehr vorsintflutlich vor. Der Sultan brachte ihn zu der Tür, schloss auf, ließ ihn herein und schaltete das Licht an. Erstaunt über das, was er sah, blickte sich Dr. Weck in dem Raum um. Er wusste nicht, dass Dr. Evans ihn schon gesehen hatte. Die würde sicher Augen machen, wenn er ihr von dem hier erzählte. Er sah sich alles genau an. Es war alles vorhanden.
„Gibt es hier auch einen Aufwachraum, in dem wir Sie nach der OP überwachen können?“
Der Sultan ging zu der Tür nebenan und machte sie auf. Es war alles da. Er hatte sich gut beraten lassen, was er dafür benötigen würde und alles wurde in kürzester Zeit hergerichtet. Dr. Weck konnte nur staunen. Seine Nervosität war verflogen. Der Sultan konnte nur in sich hineinlächeln. Er ließ danach Dr. Weck wieder in sein Quartier bringen. Der erzählte voller Freude von dem Operationsaal.
„Dr. Evans, sie sehen gar nicht überrascht aus?“
„Nein, wieso? Ich habe ihn gestern schon gesehen und er ist ein Traum oder nicht?“
Die beiden sahen sich an. Dr. Evans war irgendwie anders. Aber Dr. Weck wusste nicht warum. Sie berieten sich noch wegen der Operation. Wer wann welche Aufgaben übernahm und da keine Krankenschwester da war, wer diese Arbeit erledigte. Es wurde alles gerecht aufgeteilt. Dr. Evans wollte heute noch sicherheitshalber den Operationsaal desinfizieren. Dr. Meier assistierte ihr und übernahm die Plichten einer OP-Schwester. Dr. Weck war für die Anästhesie zuständig und übernahm hinterher das Aufräumen. Dr. Evans selbst wollte die erste Schicht im Aufwachraum übernehmen. Dr. Meier die zweite und Dr. Weck die dritte Schicht. Das war notwendig, da hier kein anderes medizinisches Personal vorhanden war, dem man vertrauen konnte oder das sich auskannte.
„Und wer sagt es ihm? Außerdem muss er am Abend noch eine Tablette nehmen und dann vor der OP auch. Wer gibt sie ihm?“, fragte Dr. Weck.
„Die am Abend kann ich ihm geben, die andere muss ihm einer von euch geben. Zwei Stunden vor der OP. Ich darf dann sicher nicht zu ihm. Ich werde es ihm heute noch erklären“, antwortete Dr. Evans.
„Aber wie wollen Sie zu ihm gelangen? Oder glauben Sie, die Wachen lassen Sie so einfach zu ihm durch?“
„Nein, ich denke er wird mich holen lassen. Und außerdem kann man ihm die Nachricht überbringen lassen.“
Und schon war Eva auf dem Weg zur Tür und öffnete sie schwungvoll. Die Wachen versperrten ihr sofort den Weg.
„Omar! Holt Omar, ich will ihn sprechen!“
Da sie sicher nicht den Sultan holen würden und Omar wohl für sie zuständig war, würden sie ihn sicher holen. Und wirklich, einer der Wachen verschwand und Dr. Evans ging wieder hinein. Die andere Wache war beruhigt. Nach einer Weile erschien Omar tatsächlich.
„Sie haben nach mir gerufen? Was wollen Sie?“
Dr. Evans stellte sich zu ihm, da er die Männer angesprochen hatte.
„Ich bräuchte vor dem Mittagessen noch ein Gespräch mit dem Sultan. Es ist sehr wichtig. Fragen Sie ihn, ob er etwas Zeit erübrigen könne. Es dauert sicher nicht lange. Und sagen Sie ihm, Dr. Evans bittet um das Gespräch.“
Omar sah sie alle der Reihe nach an, verbeugte sich und verschwand. Die beiden Männer schüttelten nur den Kopf. Das würde sicher nichts werden. Aber siehe da, nach einer Stunde kam ein Diener und holte Dr. Evans ab. Sie setzte sich wieder ihren Turban auf. Darunter versteckte sie immer gut ihre Haare. Hier liefen sie alle in den Kaftanen herum. Dr. Evans und auch die anderen Ärzte. Er sah Eva verwundert an, als sie eintrat. Den Diener schickte er weg, nur Omar blieb.
„Was wollen Sie Dr. Evans, dass es so dringend ist?“
„Entschuldigen Sie zuerst die Störung. Aber wir müssten aus Vorsicht den Operationsaal noch reinigen und desinfizieren und alle Geräte kontrollieren, dass sicher nichts passieren kann. Im Krankenhaus machen das unsere Reinigungskräfte und Schwestern, aber hier müssen wir das leider notgedrungen selbst machen. Ich würde Sie darum bitten, dass ich vor dem Essen reingelassen werde und ich alles erledigen kann. Es ist ja auch in Ihrem Interesse.“
Er sah sie zuerst an und Omar wollte schon etwas sagen, doch wehrte er ihn mit einem Handzeichen sofort ab.
„Ist er nicht sauber genug? Er wird gut gelüftet und ist nach dem Aufstellen gereinigt worden.“
„Das reicht leider nicht. Vor jeder OP muss der Operationsaal erneut gereinigt werden. Es braucht nur ein winziges Staubkorn, das in die Wunde kommt und schon kann es zu einer Infektion kommen. Und wir müssen noch einmal operieren.“
Eva lag schon etwas anderes auf der Zunge, doch sie hielt sich zurück. Das leuchtete ihm ein. Er stand auf, ging zu einer Schatulle und öffnete sie. Nahm etwas heraus und ging zu ihr. Leise, dass Omar es nicht hören konnte, sagte er zu ihr: „Ich lege den Schlüssel vertrauensvoll in deine Hände. Ich werde eine Wache zu dir schicken, die dich hinbringt und auf dich aufpasst.“
„Mir wäre es lieber, die Wache würde vor der Tür warten. Damit sie den Saal nicht verunreinigt. Und es gäbe noch eine Kleinigkeit zu besprechen wegen der OP. Wann würde es Ihnen passen?“
„Gut. Aber dann tust du mir auch einen Gefallen!“
„Und welchen Herr Sultan?“
Sie wusste jetzt würde nichts, noch nichts passieren.
„Ich möchte dich dafür gerne heute Abend in einem westlichen Kleid sehen.
Ich hoffe, du hast so etwas dabei. Nicht in Hosen oder diesem öden Kaftan. Nein, ich möchte deine Weiblichkeit sehen, wie du sie zu Hause trägst. Das sollte doch kein Problem sein, oder?“
„Ja Herr Sultan, werde ich machen“, sagte sie laut, denn sie hatte bemerkt, wie Omar schon die Ohren spitzte.
Der Sultan lächelte verständig.
„Bis später meine Blume“, flüsterte der Sultan, drückte ihr den Schlüssel in die Hand und küsste sie auf die Stirn.
Dann drehte er sich um.
„Omar, was gibt es sonst noch zu berichten?“
Dr. Evans war entlassen. Sie drehte sich um und ging mit der Wache wieder in ihr Quartier.
„Und was hat er gesprochen? Hat er Sie gleich angeschrien?“, fragte Dr. Meier.
„Nein wieso sollte er? Ich habe den Schlüssel und werde vor dem Abendessen abgeholt.“
Sie staunten nicht schlecht.
„Und wer gibt ihm noch die letzten Ratschläge und die Tablette?“
„Das mache ich! Was macht Ihr Euch denn so viele Sorgen?“, fragte Dr. Evans belustigt und ging in ihr Zimmer.
Etwas später holte sie eine Wache ab und brachte sie zum Operationsaal. Sie hatte aber leider vergessen zu sagen, dass sie ja auch Eimer und Wasser benötigte. Die Wache zeigte ihr eine Tür, die sie ebenfalls mit dem Schlüssel aufschließen konnte. Und darin befand sich alles, was sie brauchte. Desinfektionsmittel hatte sie sicherheitshalber dabei. Eva schloss auf und hinter sich wieder zu, damit kein Unbefugter eintreten konnte. Sie machte alles sehr gründlich sauber und war pünktlich zum Abendessen fertig.
Man erwartete Dr. Evans schon. Zwei Frauen brachten sie in einen Raum, wo sie sich vorher noch baden konnte. Das war sehr weise von dem Sultan. Nur hatte Eva jetzt ihr Kleid nicht dabei. So musste sie noch mal zurück in ihr Zimmer. Das passte Omar zwar nicht, der sie abholte, aber es war eben notwendig. Sie zog sich rasch um und trug jetzt unter dem Kaftan ihr Kleid. Ihre Schuhe und die Tablette für den Sultan musste sie noch mitnehmen. Eva wickelte alles in ein Tuch. Dann durfte Omar sie zum Sultan bringen. Die beiden anderen Ärzte wunderten sich nur darüber. Der Sultan war sehr enttäuscht, als er sie im Kaftan sah. Er schickte Omar weg, der nicht gerne ging. Ihn immer mit dieser Frau alleine zu lassen, gefiel ihm nicht.
„Habe ich dich nicht um etwas gebeten?“, fragte er sofort böse.
„Herr Sultan, wie sähe das aus, wenn der Arzt - ihr Arzt - in Frauenkleidern, noch dazu in westlichen, durch ihre Gänge geht?“, fragte Dr. Evans dagegen.
Da hatte sie auch wieder recht.
„Bevor wir zum gemütlicheren Teil kommen“, denn sie hatte schon das Essen gesehen, „muss ich Ihnen noch etwas erklären und geben.“
Eva wartete seine Reaktion ab. Er deutete mit der Hand an, dass sie weitersprechen konnte.
„Ich habe hier noch eine Tablette, die müssten Sie heute Abend vorm Einschlafen nehmen, damit Sie ruhiger schlafen. Und morgen wird ihnen Dr. Weck noch eine Beruhigungstablette geben, zwei Stunden vor der OP. Wir haben sie für 10 Uhr angesetzt, also um 8 Uhr. Und Sie dürfen natürlich auch nichts frühstücken. Dr. Weck wird Ihnen noch ein OP-Hemd geben und ich würde Sie bitten, das anzuziehen. Sie können dann den Kaftan darüber anziehen und so in den OP gehen. Vor der Tür ihn dann bitte wieder ausziehen. Also heute nach dem Essen bitte nichts mehr speisen und keinen Alkohol trinken. Das wäre vorläufig alles. Sollte noch etwas sein, bitte die Anweisungen von Dr. Weck befolgen. Er macht das dann auf meine Anweisung. Und … er ist so schon nervös genug, bitte machen Sie es nicht noch schlimmer. Ich brauche einen ruhigen Arzt.“
Sie legte die Tablette, die sich in einer Schachtel befand, auf den Tisch zu ihrer rechten.
„Ich werde den Anweisungen folgen, die Sie mir gegeben haben. Und sind Sie nicht nervös wegen morgen?“
„Nein heute noch nicht, erst morgen. Darum komme ich auch nicht selber und hole Sie ab. Ich muss mich vorbereiten und konzentrieren.“
Das leuchtete ihm ein. Er hatte ihrer Stimme zugehört, was sie sprach war zweitrangig. Er hörte gerne ihre Stimme. Er wird sie vermissen, das wusste er jetzt schon.
„Sind wir dann mit dem offiziellen Teil fertig?“, fragte er.
„Ich schon, außer Sie wollen noch etwas wissen.“
„Ich würde gerne etwas wissen, aber auf das haben nicht mal Sie eine Antwort.“
Sie wusste, was er meinte. Er deutete ihr an, dass sie sich setzen sollte. Doch sie blieb stehen.
„Wieso bleibst du stehen?“
„Ich muss ja noch Ihrer Bitte nachkommen.“
Er sah sie zuerst verwirrt an. Dann nahm sie den Turban ab und ihre dunklen lockigen Haare fielen ihr bis über ihre Schultern. Dann wickelte sie aus dem Tuch Ihre Schuhe und zog sie statt der Sandalen an. Zum Schluss zog sie den Kaftan über ihren Kopf. Dann stand sie mit ihrem weiß-roten Petticoat Kleid vor ihm. Er starrte sie nur an. Auf das war er jetzt nicht mehr gefasst gewesen. Sie fand zuerst die Sprache wieder.
„Haben Sie sich so etwas gewünscht?“
„Ja meine Blume und du siehst auch wie eine Blume aus.“
„Wieso nennen Sie mich immer Blume.“
„Weil du eine Blume bist und ich weiß noch keinen Namen für dich.“
Er kam auf sie zu, nahm ihre Hand und küsste sie. Dann brachte er sie zum Tisch und konnte kaum seine Augen von ihr abwenden.
„Ich heiße mit Vornamen Eva“, sagte sie.
„Nein, du brauchst einen arabischen Namen. Aber ich kann mich nicht entscheiden, welchen Namen ich meiner Blume geben soll.“
„Jasmin ist eine Blume.“
„Nein, du bekommst deinen eigenen. Wir werden ihn schon finden bis zur Hochzeit. Und du wirst vorher noch reiten lernen müssen.“
Jetzt sah Eva ihn verwirrt an.
„Wieso muss ich reiten lernen?“
„Das erfährst du, wenn es so weit ist. Und jetzt wollen wir noch den Abend genießen.“
Dann speisten sie und es wurde nicht mehr von der OP gesprochen. Er erzählte ihr, wie sein Tag aussah, was er so machen musste, für was er verantwortlich war usw. Denn diesmal bat sie ihn darum, von sich zu erzählen.
„Bitte lenken Sie mich von den Gedanken an die OP ab.“
Er tat es gerne und brachte sie dann wieder in ihr Quartier zurück. Die Wache blieb draußen und er ging noch kurz mit hinein. Die anderen Ärzte schliefen schon. Es war schon nach Mitternacht.
„Bitte sage nur einmal meinen Namen, ich will ihn einmal aus deinem Munde hören und dann morgen in der Narkose davon träumen und auch heute schon.“
„Aber Herr Sultan von Karisi, das mache ich doch die ganze Zeit.“
„Nein, nenne mich beim Vornamen, bitte.“
„Und der wäre?“
Sie wusste nicht wie er mit Vornamen hieß, man sagte immer Sultan oder Sultan von Karisi.
„Kasim5, meine Blume.“
„Gute Nacht Kasim und träume von mir.“
Es hörte sich wundervoll an aus ihrem Mund.
„Gute Nacht meine Blume und schlafe gut.“
Dann küsste er sie rasch und ließ sie auch sogleich wieder los. Er drehte sich um und verschwand. Eva stand da und wusste nicht, hatte sie geträumt?
„Kasim“, sagt sie für sich und ging auch schlafen. Es würde noch ein harter Tag werden.
Die OP
Am nächsten Morgen waren alle sehr geschäftig unterwegs. Dr. Weck ging zum Sultan und brachte ihm den OP-Kittel und die Tablette. Nach der gestrigen Tablette hatte er die letzte Nacht gut geschlafen. Er tat alles, was die Ärzte sagten bzw. was sie ihm schon gesagt hatten. War etwas anders, fragte er sofort nach. Dr. Weck brachte ihn dann auch später in den Operationsaal, so wie Dr. Evans gesagt hatte. Eva sah er nirgends. Dr. Weck bat ihn, sich auf den OP-Tisch zu legen. Dann legte er ihm ein Tuch auf den Bauch und hängte ihm am Arm die Narkose an. Dann bat er ihn, von 100 an rückwärts zu zählen. Er fing auf Arabisch zu zählen an. Das war ihm egal. Denn nach ein paar Sekunden war er sowieso im Traumland.
Dr. Meier holte Dr. Evans aus dem Nebenraum. Die Tür war zugesperrt und so konnte sie keiner mehr stören. Die Operation verlief komplikationslos. Sie brachten ihn dann in den Nebenraum und Dr. Evans überwachte alles ganz genau. Sie wusste oder hoffte, er würde bald aufwachen und dann sollte er sie als erstes sehen. Dr. Weck putzte und räumte schon den OP-Saal auf. Er verabschiedete sich und ging. Eva sperrte sofort zu. Sie brauchte und wollte keinen hier haben. Nicht mal im Aufwachraum. Die Wache blieb vor der Tür. Die passte draußen auf, sie drinnen. In fünf Stunden würde Dr. Meier sie ablösen. Eva hoffte, er würde in der Zwischenzeit die Augen öffnen. Und wirklich - nach drei Stunden wurde er kurz wach. Er sah sich zuerst verwirrt um und hatte Durst. Sie benetzte ihm seine Lippen mit Wasser. Dann erst erkannte er Eva.
„Meine Blume.“
Er wollte sich aufsetzen, doch sie hielt ihn zurück.
„Nein, noch nicht.“
Dazu musste sie sich etwas über ihn beugen.
„Meine Blume. Ich habe so schön von dir geträumt.“
Sie lächelte ihn an.
„Wir müssen für dich einen Namen finden. Ich kann doch nicht immer ‚meine Blume‘ zu dir sagen.“
„Ich heiße doch Eva.“
„Nein, hier brauchst du einen anderen Namen. Wir werden einen finden, der zu dir passt.“
Eva glaubte schon, dass er wieder eingeschlafen war als er noch sagte: „Du musst noch reiten lernen, bevor du meine Frau wirst.“
Dann schlief er wieder ein. Sie konnte nur mit dem Kopf schütteln. Was er nur alles wollte? Das hatte er ihr ja schon am Vorabend gesagt. Vor dem Schichtwechsel wachte er dann noch mal kurz auf. Eva war auch eingenickt, hatte den Kopf auf seiner Decke und hielt seine Hand, damit sie merkte, wenn er wieder wach war. Sie spürte auf einmal jemandem über ihren Kopf streicheln. Sie war sofort wieder wach.
„Wie geht es Ihnen?“
Sie wollte ihn schon mit du anreden, aber das unterließ sie. Nicht dass er sich noch aufregte. Er lächelte.
„Danke gut.“
„Haben Sie Schmerzen?“
„Danke es geht.“
„Sie müssen nicht leiden. Wir haben Schmerzmittel hier, damit die Genesung leichter voranschreitet.“
„Ich will nur wieder auf mein Pferd und zur Oase. Dann werde ich schneller gesund.“
Sie verstand das nicht. Würde es aber später erfahren. Sie dachte nur, dass er sich wieder als Mann fühlen wolle.
„Dr. Meier wird mich gleich ablösen kommen. Ich freue mich, dass es Ihnen schon besser geht und ich noch in Ihre Augen blicken konnte.“
Das konnte sie ihm sagen, denn sie waren noch alleine.
„Warum Dr. Meier und nicht du?“
„Weil ich mich auch erholen muss. Und Sie auch. Versuchen Sie noch zu schlafen, dann genesen Sie schneller.“
„Ich werde für dich schnell gesund, damit ich dich bald in meinen Armen halten kann“, sagte er mit zarter Stimme, nahm ihre Hand und küsste sie.
Sie stand auf und wusste schon, dass das eine große Ehre war. Eva griff noch an seine Stirn, um zu sehen ob er Fieber hatte, aber die Stirn fühlte sich normal an. Er nahm wieder ihre Hand und küsste sie. Sie beugte sich zu ihm und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.
„Warum küsst du mich nicht auf den Mund?“
„Weil es noch nicht so weit ist. Und das nur der Sultan machen darf und ich noch nicht die Erlaubnis dazu habe.“
„Und wenn ich sie dir gebe?“
„Nein, noch nicht“, sagte sie, „später, jetzt wäre es nicht gut.“
„Und wenn es dir der Sultan befiehlt, weil er es selber nicht machen kann?“
„Das wäre etwas anderes.“
„Dann befehle ich dir, dass du mir einen Kuss gibst.“
Eva beugte sich über ihn und gab ihm einen Kuss. Nicht nur einen Einfachen. Er hielt sie sofort mit der anderen Hand fest und küsste sie wie ein Ertrinkender. Eva wurde es sofort ganz anders. Dann ließ er sie auch rasch wieder los.
„Danke. Jetzt kann ich wieder gut träumen“, sagte er zufrieden und schloss seine Augen.
Dr. Evans ging und holte Dr. Meier ab. Sie ging in ihr Quartier und fiel müde in ihr Bett. Sie merkte gar nicht, dass Dr. Meier nach sechs Stunden zurückkam.
***
Der Sultan war hocherfreut, als er erwachte. Er lebte noch. Zuerst war er noch etwas verwirrt, aber dann sah er in das lächelnde Gesicht seiner Blume. Sein Mund war trocken und sie benetzte ihm seine Lippen. Ihn ärgerte es, dass er noch keinen passenden Namen für sie hatte. Und sie musste unbedingt reiten lernen, damit sie mit ihm in die Oase des Herzens reiten konnte. Dann schlief er wieder ein. Als er wieder erwachte, spürte er eine Hand, dann sah er sich um und sah seine Blume auf dem Bett schlafen. Jetzt konnte er ihr über ihre Haare streicheln. Sie war sofort wach. Er hätte sie am liebsten sofort geküsst. Und sie? Sie küsste ihn auf die Stirn. Sie hatte Charakter! Wusste, damit hätte sie ihn zornig gemacht, wenn sie sich das erlaubt hätte. Aber wenn er ihr es befahl, musste sie es tun. Und sie tat es anscheinend gerne. Ohne zu murren. Man sah ihr an, dass sie schon sehr müde war. Und jetzt kam dieser andere Arzt. Er versuchte zu schlafen. Es gelang ihm schlecht. Er unterhielt sich mit Dr. Maier, der ihm dann erklärte, dass die OP zur vollen Zufriedenheit aller und er hoffte, auch zu seiner, verlaufen war. Man sei doppelt vorsichtig mit allem, da man ja nicht in einem normalen Krankenhaus war. Das verstand auch der Sultan. Man werde jeden Tag den Verband wechseln.
„Wer macht das?“
„Dr. Evans wird das machen. Sie hat auch operiert und will sicher ihre Fortschritte sehen.“
„Nein, bitte, machen sie das. Ich möchte das nicht.“
Zuerst sah er ihn verwirrt an. Dann verstand er. Es war schon eine große Überwindung, dass ihn eine Frau operieren durfte, aber dass sie ihn jeden Tag in die Hand nahm, würde sicher über seine Grenzen gehen.
„Ich werde es ihr sagen. Sie wird sicher enttäuscht sein.“
„Sie wird es verstehen“, sagte der Sultan.
Und damit war das Thema für ihn abgeschlossen. Sie sprachen dann noch über einige andere Themen. Als er wieder ins Quartier ging, schlief sie noch. Sie durften sich schon etwas freier bewegen. Es war nicht mehr immer eine Wache oder ein Diener dabei. Zwischen OP und Quartier war es kein Problem. Woanders hin, um sich die Beine zu vertreten, wurden sie wieder begleitet.
Dr. Evans wachte erst am nächsten Morgen auf. Dr. Meier und Dr. Weck wechselten sich mit der Überwachung ab. Vormittags wollte der Sultan schon wieder in seine Gemächer. Man ließ ihn nicht. Dr. Meier machte noch die Verbandskontrolle. Dann kam Dr. Evans wieder. Sie war mittlerweile auch schon wach und ausgeruht. Dr. Weck hatte es ihr am Morgen gleich sagen müssen, als sie Dr. Meier ablösen wollte, um den Verband zu wechseln.
„Das macht Dr. Meier. Der Sultan hat ihn darum gebeten.“
Er dachte, sie würde böse sein, doch sie nahm es gelassen hin. Um neun Uhr war ausgemacht, dürfe sie wieder in den Aufwachraum. Sie freute sich ihn wohlauf zu sehen.
„Dr. Evans, können Sie dem alten Arzt sagen, dass er mich in meine Gemächer lassen soll! Hier werde ich nicht gesund.“
„Wie sieht alles aus? Verband schon gewechselt? Konnte der Patient schon zur Toilette?“
„Ja, alles zur besten Zufriedenheit. Ich würde aber doch raten, ihn noch einen Tag hierzubehalten. Aus Vorsicht.“
Der Sultan war gar nicht zufrieden.
„Herr Sultan, würden Sie hierbleiben, wenn ich Ihnen Gesellschaft leiste?“
Dr. Meier sah sie überrascht an.
„Ja, da könnte ich es mir überlegen, diesen einen Tag noch hierzubleiben. Ich bräuchte dann noch kurz Omar, damit er mir Bericht erstattet.“
„Gut, dann machen wir das so. Dr. Meier, Sie können gehen. Ihre Arbeit ist getan. Sie können Omar sagen, er darf kommen, aber nicht zu lange. Ich lasse die Tür offen.“
Dr. Maier war sehr überrascht und dachte Dr. Evans würde wütend sein, dass sie den Verband nicht wechseln darf. Und auch wütend, weil der Sultan schon in seine Gemächer wollte und dann machte sie ihm noch dieses Angebot. Da war irgendetwas im Gange und er wusste nicht was. Die beiden hatten sich sehr in der Gewalt vor den anderen. Als er verschwunden war, sagte der Sultan: „Danke. Alleine hätte ich nicht hier sein wollen. Und mit den beiden mies gelaunten Männern schon gar nicht.“
„Warten sie erst ab, wie mies die erst drauf sind, wenn die von unserem Deal hören.“
„Das will ich gar nicht erst wissen. Ich hoffe du stehst zu deinem Wort.“
„Ja sicher! Ich darf Sie operieren und …“
Da kam gerade Omar herein und sie mussten ihr Gespräch beenden. Omar berichtete dem Sultan in Anwesenheit von Dr. Evans widerwillig, was sich alles getan hatte. Am liebsten hätte der Sultan die ganze Zeit Evas Hand gehalten, aber das ging ja nicht.
„Und das andere ist alles im Laufen?“
„Ja, Sultan“
„Omar, du hast die Ehre Dr. Evans das Reiten auf Ari6 beizubringen.“
Er starrte ihn an.
„Reiten ja, aber auf Ari?“
„Ja, auf Ari. Und keine Widerrede.“
Das war dann alles und er durfte gehen.
„Würden Sie bitte die Türe abschließen, damit uns keiner stört. Sie können sie später wieder aufschließen.“
Eva ging zur Tür und sperrte sie zu.
„So, jetzt können wir unser unterbrochenes Gespräch weiterführen.“
„Ja, ich stehe weiterhin zu meinem Wort. Ich habe Sie operiert und ich werde Ihre Frau, damit die anderen nicht alles gleich mitbekommen. Aber ich hoffe, Sie stehen auch zu ihrem Wort.“
„Ja, werde ich müssen. Aber ich werde die Zeit mit dir genießen, damit ich danach davon zehren kann.“
Er nahm ihre Hand und hielt sie.
„Du hast ja gar nicht mit der Wimper gezuckt als ich sagte, dass du reiten lernen musst.“
„Das haben Sie mir schon gesagt, als Sie von der Narkose aufgewacht sind und vorgestern auch schon.“
Jetzt starrte er sie an.
„Ach! Wirklich?“
„Ja, können Sie sich nicht mehr daran erinnern? Auch dass Sie mir einen neuen Namen suchen?“
„Nein, daran kann ich mich nicht erinnern. Aber einen Namen müssen wir dir suchen. Ich habe leider noch keinen gefunden. Darf ich dir ein paar sagen, um deine Reaktion darauf zu sehen?“
„Wenn Sie wollen? Wir haben ja Zeit. Darf ich aber vorher wieder die Türe öffnen, damit meine Kollegen hereinkönnen oder Omar, wenn er kommt?“
„Ungern, aber wenn es sein muss.“
Sie setzte sich zu ihm an das Bett.
„Aabidah“
Eva sah ihm ruhig in seine Augen. Und so ging es eine geraume Zeit weiter. Einmal störte Omar, später brachte ein Diener das Essen. Danach wurde der Sultan müde und schlief ein. Auch Evas Kopf fiel auf seine Bettdecke. Er wachte zuerst auf und betrachtete sie in Ruhe. Seine Gedanken kreisten um das große Fest, das anstand. Die Vorbereitungen liefen schon. Er traute sich diesmal nicht, sie zu streicheln. Denn sonst würde sie wieder wach werden und er wollte sie in Ruhe betrachten. Seine Gedanken gingen schon voraus, aber das tat seinem besten Stück nicht gut, denn der regte sich sogleich und das war noch nicht gut. Er unterdrückte einen Schmerzlaut, aber Eva wurde trotzdem sofort wach.
„Geht es dir nicht gut? Brauchst du ein Schmerzmittel?“
Sie hatte sich so erschrocken, dass sie ihn unbewusst duzte.
„Nein, meine Blume, alles in Ordnung. Ich müsste nur mal zur Toilette.“
„Ich helfe Ihnen“, bot sie an und kam wieder auf das ‚Sie‘ zurück.
„Nein, bitte hole Dr. Meier.“
Sie verstand. Er wollte sie nicht dabeihaben. Und wie aufs Stichwort kam Dr. Meier gerade rein.
„Der Sultan möchte bitte auf die Toilette.“
Sie ging anstandslos hinaus. Auch sie musste mal wohin. Auch auf die Toilette und sich etwas erfrischen. Nach einer Stunde kam sie wieder zurück.
„Alles wieder Ordnung mit Ihnen?“
„Ja bestens. Wo warst du so lange?“
„Ich musste auch wohin und mir etwas die Beine vertreten.“
Das sah er ein.
„Wo waren wir vorhin stehengeblieben?“, fragte er sie.
„Bei C.“
„Carima.“
„Canan.“
„Was ist das für ein Name?“
„Das heißt übersetzt bei euch so ähnlich wie Geliebte.“
„Wäre ich Ihre Geliebte?“, fragte sie dagegen.
„Nein, also doch gestrichen.“
„Kann man Kasim auch übersetzen?“
Er überlegte.
„Es heißt übersetzt: Der Wohltätige.“
„Sind Sie wohltätig?“
„Ich weiß nicht, das müssen andere sagen.“
„Gibt es auch Frauennamen mit K?“
„Ja sicher, Kabira, Kaderin, Kadidja, Kadira, Kadra, Kaela.“
„Nein, hören Sie auf. Alles zu hart.“
Er lachte. Das gefiel ihm.
„Welche Namen gibt es bei euch für Frauen und welche würden dir gefallen?“
„Die sind nichts für hier. Theresa, Rosa, Maria, Karina, Eva, Julia, Anna, Katharina und so weiter.”
„Und welche würden dir gefallen? Rosa oder Viola wären möglich, sind zwei Blumen.“
„Nein, wenn dann Jasmin. Wenn ich mal eine Tochter bekomme, würde ich sie Jasmin nennen.“
„Und sie müsste dir ähnlich sehen. Das kann ich mir jetzt schon vorstellen.“
Sie errötete etwas. Sie mussten wieder aufhören über Namen zu philosophieren, denn Omar störte erneut. Dr. Evans ging diesmal hinaus, damit sie ungestört reden konnten. Sie sah, dass Omar etwas auf der Zunge brannte.
„Ihren Frauen gefällt das ganz und gar nicht, dass Sie eine Ungläubige zur Frau nehmen wollen. Und das noch, bevor Sie die anderen Frauen offiziell zu Ihrer Frau machen.“
„Mich stört es aber nicht. Und das ist mir egal. Ich bin der Sultan und mache es so, wie ich es will!“, sagte er etwas lauter. „Ist sonst noch etwas?“
„Nein, das wäre alles.“
„Omar“, sagte er schon wieder etwas milder.
„Wenn du ihr das Reiten beibringst, musst du sie immer mit einem wechselnden Vornamen anreden. Ich bin bis C gekommen, es war aber keiner dabei. Und K kannst du auch vergessen genauso wie V. Du musst mit D weitermachen.“
Er sah ihn verwirrt an.
„Wir müssen für sie einen arabischen Namen finden. Oder willst du sie mit Eva oder Evans anreden?“
„Nein Sultan. Aber wird sie es wollen?“
„Sie hatte gerade nichts dagegen, als wir anfingen nach einem Namen zu suchen.“
Omar zog die Brauen hoch. Das hatte er nicht erwartet. Das würde des Sultans Frauen und die anderen Sultane milder stimmen.
„Würde sie auch zum Islam übertreten?“
„Omar, fordere nicht das Schicksal zu sehr heraus. Alles kann man nicht haben.“
Damit ging er wieder. Dr. Evans kam zurück. Sie hatte draußen schon gewartet, als er den Raum verließ. Die anderen Ärzte warteten mit ihr. Sie wollten sich beraten, ob er die Nacht schon in seinem Quartier verbringen konnte. Der Sultan wollte das unbedingt.
„Sie müssen aber ein paar Anweisungen befolgen, nicht dass eine Naht aufreißt.“
„Ich werde alles tun, was Sie sagen.“
Die beiden Ärzte begleiteten den Sultan langsam zu seinem Quartier. Omar freute es auch sehr. Das Essen nahm der Sultan dann alleine ein und die Ärzte speisten in ihrem Quartier. Sie hörten in der Nacht nichts von Omar, denn der sollte sie holen, wenn es dem Sultan nicht gut ginge.
Am nächsten Morgen in der Früh kam Omar mit einigen Dienern und bat Dr. Evans, ihre Sachen zu packen. Alle sahen sie verwirrt an.
„Der Sultan hat das angeordnet, dass sie ihr eigenes Quartier bekommt und nicht mit anderen Männern zusammen ist. Dr. Evans verstand warum. Die anderen rätselten immer noch.
Aazar Laaleh
Noch etwas ereignete sich in den nächsten Tagen. Yasminda7, seine jüngste Frau, erwartete ein Kind. Sie war erst 18 Jahre alt. Und sie tat sich schwer. Es war ihr Erstes. Seine Frauen und Dienerinnen konnten ihr nicht helfen. Doch sie wussten ja um die Ärztin. Amal8 ging zum Sultan und bat um Hilfe, bevor Mutter und Kind starben. Miriam9, seine erste Frau, wollte das zwar nicht, weil sie gegen diese Ungläubige war und sie die erste Frau an seiner Seite bleiben wollte. Er hatte sie zuerst geheiratet, doch war sie dadurch nicht unbedingt dauerhaft seine erste, oberste Frau.
„Sultan Kasim, ich komme mit einer großen Bitte zu Ihnen.“
„Was ist denn meine Liebe?“, fragte er überrascht.
„Yasminda geht es nicht gut. Sie kann nicht gebären und hat große Schmerzen. Könnten sie bitte die Ärztin fragen, ob sie ihr helfen kann?“
Der Sultan bekam einen großen Schreck. Gerade sie, die er zuletzt noch schwängern konnte, sollte sein Kind nicht auf die Welt bringen können?
„Was sagen Miriam und Aischa10 dazu?“
„Miriam ist dagegen die Ungläubige zu holen. Aischa wäre dafür die Ärztin wenigstens zu fragen.“
„Gut, ich werde sie holen lassen. Geh und sage es den anderen.“
Er ging selber zu Dr. Evans und klopfte an ihre Gemächer. Das wollte er keinem überlassen, sonst würde es zu viel Zeit kosten.“
„Dr. Evans, entschuldigen Sie, wenn ich störe.“
„Haben Sie Schmerzen Sultan? Brauchen Sie etwas?“
„Nein mir fehlt nichts, aber Yasminda, meine vierte Frau, bekommt ihr Kind und sie hat große Schmerzen. Könnten Sie ihr vielleicht helfen?“
„Haben Sie die anderen schon geweckt?“
„Nein, denn es darf kein Mann in die Nähe meiner Frauen.“
„Nicht einmal jetzt, wenn Not ist? Ich bitte Sie, falls etwas ist, brauche ich Hilfe. Wenigstens Dr. Meier, bitte?“
Er ließ sich von ihr breitschlagen und ließ auch Dr. Meier wecken und dazu holen. Eva packte ihre wichtigsten Sachen ein und folgte dem Sultan in die Gemächer seiner Frauen. Dr. Meier wurden die Augen verbunden, dann durfte er ebenfalls hinein. Seine Tasche trug er bei sich. Dr. Evans hatte sich schon einen ersten Überblick verschafft.
„Ich denke die Plazenta hat sich gelöst und blockiert den Geburtskanal. Ich müsste es mit der Hand holen.“
„Können wir sie nicht in den OP-Raum bringen?“
„Nein, keine Zeit. Zu gefährlich!“
Die Frauen sahen ihr neugierig zu. Auch die anderen, die herumstanden. Der Sultan war ebenso noch anwesend.
„Herr Sultan, ich habe eine Bitte. Könnten Sie alle rausschicken. Ich kann sonst nicht arbeiten. Es stört, wenn alle zusehen und wir keine Luft mehr zum Atmen haben.“
Der Sultan schickte alle Frauen raus. Auch Miriam. Die wollte zwar bleiben, doch sie musste sich fügen. Einzig der Sultan blieb. Einer musste trotzdem ein Auge darauf haben.
„Dr. Meier, würden sie bitte Yasminda halten?“
Doch er konnte mit der Augenbinde nicht sehen wo sie war.
„Sultan, darf er die Binde abnehmen, sonst kann er mir nicht helfen. Wir erzählen es keinem und nachher bindet er sie wieder um.“
Er machte es ungerne, aber da er am Kopfende blieb, ließ er es gelten. Dr. Meier riss sich die Binde herunter. Er setzte sich zu Yasminda ans Kopfende und gab ihr ein Holzstück, das schon bereit lag, in den Mund. Er lächelte sie an und sagte: „Wir schaffen das schon“, und nickte ihr zu.
Sie verstand zwar nichts, aber das freundliche Gesicht gefiel ihr.
„Ich werde bei der nächsten Wehe versuchen die Plazenta zu holen“, sagte Dr. Evans und zum Sultan gewandt: „Sagen Sie ihr bitte, sie soll ruhig liegen bleiben und sich nicht zu sehr verkrampfen, egal was passiert. Ich weiß, es wird schwer sein.“
Er übersetzte es und sie nickte. Sie sagte etwas, dass der Sultan ihr übersetzte.
„Sie vertraut Ihnen voll und ganz.“
„Danke“, sagte Eva und schenkte Yasminda ein Lächeln.
Dr. Meier hielt ihre Hände und sie biss auf das Holz. Dr. Evans desinfizierte ordentlich ihre Hand mit dem Handschuh und griff in die weiche Scheide. Bei der nächsten Wehe war sie vor der Gebärmutter und spürte wirklich die Plazenta, die den Ausgang versperrte. Sie hoffte, dass es noch nicht zu spät war für das Kind. Sie versuchte, sie zu nehmen und herauszuziehen. Yasminda war wirklich tapfer. Der Sultan übersetzte alles. Man merkte es ihm an, dass er Angst hatte. Dann zog sie die Plazenta, so schnell sie konnte heraus. Alles war sofort nass und rot. Dem Sultan wurde es fast übel dabei. Aber Dr. Evans blieb ruhig. Auch der andere Arzt, also musste das normal sein. Dann fühlte sie Yasmindas Bauch.
„Das Baby liegt auch noch falsch herum! Ich muss es drehen.“
„Drehen? Im Mutterleib?“, fragte der Sultan erschrocken.
„Ja, dass es wieder richtig herum liegt.“
„Sie müssen noch mal hineingreifen?“, fragte er total erschrocken.
„Nein, das geht jetzt von außen“, beruhigte sie ihn.
Dann suchte sie eine passende Stelle und versuchte das Kind zu drehen. Nach dem dritten Ruck sagte sie: „Bei der nächsten Wehe mitpressen!“
Sie hoffte, das Kind würde in den Geburtskanal rutschen und dann herauskommen. Mehr konnte sie jetzt auch nicht tun. Als Yasminda presste, half ihr Dr. Meier in dem er ihren Rücken hielt. Bei der zweiten Presswehe sagte Dr. Evans: „Ich kann das Köpfchen schon sehen.“
Bei der dritten Wehe kam das Kind dann heraus. Es war schon sehr blau. Sie hoffte, dass sie es noch retten konnte. Mangels einer Absaugung, die man im Krankenhaus hatte, musste es auf die altbewährte Art gehen. Ein ordentlicher Klaps auf den Po. Ein zweiter. Es tat sich noch nichts. Sie musste dem Kind Leben einhauchen. Ganz vorsichtig machte sie Mund-zu-Mund-Beatmung und eine Herzmassage. Dem Sultan war es ganz anders geworden, als er das Kind leblos und blau daliegen gesehen hatte. Er sah es schon tot. Und wie durch ein Wunder fing das Kind nach dem dritten Atemzug, den ihm Dr. Evans gegeben hatte, wie wild an zu schreien. Sie band die Nabelschnur ab und dann schnitt sie diese durch. Dann legte Eva das Kind der Mutter auf den Bauch.
„Herzlichen Glückwunsch. Es ist eine Tochter.“
Dem Sultan kamen die Tränen. Es lebte! Aber es war wieder einmal eine Tochter. Aber sie lebte und die Mutter auch. Dr. Meier war es auch ganz anders geworden dabei. Was hätte der Sultan gemacht, wenn es tot gewesen wäre? Und wenn es ein Junge gewesen wäre, ein toter Junge. Er wollte gar nicht daran denken.
„Fukran Sahiba.“
„Was hat sie gesagt?“, fragte Dr. Evans den Sultan.
„Danke Herrin.“
„Und wie will sie ihre Tochter nennen?“
Der Sultan fragte sie.
„Aazar11“, antwortete Yasminda mit schwacher Stimme.
Yasminda bat den Sultan nach Dr. Evans Vornamen zu fragen, um ihn als zweiten Namen zu tragen. Sie sah ihn an.
„Aazar bedeutet übersetzt Licht, Feuer. Und sie will eigentlich wissen wie Sie mit Vornamen heißen, aber diesen Namen kann sie ja nicht nehmen. Darum lässt sie fragen, welche Ihre Lieblingsblume ist.
„Eine Tulpe.“
Der Sultan übersetzte.
„Aazar Laaleh12.“
„Sie soll zu Ihren Ehren den Namen Ihrer Lieblingsblume tragen.“
Dr. Evans lächelte Yasminda noch mal an und sagte dann zum Sultan: „Jetzt können Sie die anderen Frauen wieder hereinlassen. Den Rest können diese erledigen und Sie setzen sofort wieder das Tuch auf“, sagte sie zu Dr. Meier gewandt.
Der lächelte nochmal Yasminda an und legte ihr kurz die Hand auf die Stirn. Dann zog er sofort wieder das Tuch über den Kopf. Dr. Evans half ihm auf und führte ihn aus dem Raum. Jetzt wusste sie auch, wieso sie immer bei den schweren Geburten dabei war und die anderen hatten die einfachen. Damit sie nämlich Erfahrung sammeln konnte für diesen Notfall hier. Die Frauen gingen sofort alle hinein. Eine Frau blieb vor Dr. Evans stehen und starrte sie nur an. Ein Beutel lugte unter ihrem Schal hervor. Eva dachte, das wäre die Ärztin, Abiba. Das hatte sie schon gelernt.
Der Sultan lud Eva am Abend noch kurz zu sich ein.
„Dr. Evans, Sie haben ein Wunder vollbracht. Sie werden von vielen meiner Frauen und Dienerinnen bewundert. Und sie bringen Ihnen Ehrfurcht entgegen. Nur meine erste Frau nicht, denn sie ist, man nennt es bei euch glaube ich Wunderheilerin oder Schamanin.“
„Und hier heißt es wohl Abiba.“
„Sie kennen das Wort?“
„Ich habe auf der Reise hierher etwas Arabisch studiert.“
„Meine Bewunderung haben Sie in allen Dingen. Yasminda geht es wieder gut und ich soll mich noch einmal bei Ihnen bedanken. Was ich hiermit auch gemacht habe. Ich habe dich auch bewundert. Du warst so ruhig und gelassen.“
„Dabei war ich gar nicht ruhig und gelassen. Ich musste es sein. Und leider haben sie wieder ein Mädchen bekommen.“
„Das bin ich schon gewohnt, aber ich hoffe es wird sich bald ändern.“
„Und wenn es ein Sohn gewesen und tot geboren wäre, weil wir zu spät gekommen wären.“
„Ich wäre untröstlich gewesen, aber dann wäre es Allahs Wille gewesen. Aber dem war nicht so.“
„Vielleicht sollten Sie sich überlegen hier eine Krankenstation zu bauen, damit die Leute immer Hilfe bekommen und einen Arzt kommen lassen können, wenn ein ähnliches Problem auftritt.“
„Das ist hier nicht nötig. Sie helfen sich selber oder es ist Allahs Wille.“
Sie sah, dass er trotzdem traurig war und verabschiedete sich.
Ari und reiten?
Dr. Meier ging jeden Morgen den Verband wechseln.
„Es sieht gut aus“, konnte er immer vermelden.
Das Reiten wollte Dr. Meier ihm noch verbieten, doch der Sultan bestand darauf.
„Kann ich schon reiten? Was muss ich beachten?“
Er ließ nicht locker. Bis er es ihm eine Woche nach der OP widerwillig erlaubte. Er solle vorsichtig reiten und sich ein Kissen unter den Po legen. Er nahm es zwar mit, wollte es jedoch nicht nehmen, aber er legte es sich dann doch ganz brav unter seinen Hintern. Dr. Evans durfte nach ihrem Umzug am dritten Tag nach der OP, das erste Mal ihr Pferd sehen, mit dem sie reiten lernen sollte. Es war ein wilder schwarzer Hengst. Nur der Sultan konnte ihn reiten.
„Und mit dem soll ich reiten lernen?“
„Ja, so hat es der Sultan befohlen.“
„Darf ich mir mein Pferd nicht selber aussuchen? Es stehen so viele hier.“
„Nein, er besteht auf Ari. Und Sie wissen, was er sagt, das muss getan werden.“
Sie trug immer einen Turban, einen Kaftan und um das Gesicht einen Schal, damit man ihr Gesicht nicht sehen konnte. Natürlich hatte es sich im Palast herumgesprochen, dass einer der Ärzte eine Frau sein sollte. Und dann waren da noch die Gerüchte um die Hochzeit. Aber da musste Eva jetzt durch. Als sie zu dem Hengst trat, musste sie sich zuerst beschnuppern lassen. Da sie jedoch in der Früh ein Deo aufgetragen hatte, musste sie sich sofort waschen gehen.
„Das mag das Pferd nicht und es wird wild“, sagte Omar.
Der war auch so schon wild genug. Ari kam zur Tür seiner Box und schnüffelte sie an. Zuerst wollte er nicht so recht. Dann lockte ihn Omar. Und sprach arabisch mit ihm. Dann blieb er vorne stehen. Zuerst musste sie ihn striegeln. Ari versuchte sie zu zwicken. Omar hielt ihn zwar, aber er ließ sich nicht davon abhalten, nach Eva zu schnappen.
„Das macht er beim Sultan auch immer.“
„Und was macht er dann?“
„Er küsst ihn.“
Eva sah ihn verwundert an. Was machte er? Sie striegelte ihn fertig. Das machten sie zwei Tage lang. Dann durfte sie ihn satteln. Omar zeigte es ihr und dann musste Eva es machen. Doch Ari war schlau. Er hielt die Luft an, während sie den Gurt festschnallte. Da sie ihn deswegen nicht so fest zuziehen konnte, fiel der Sattel wieder herunter, als sie aufsteigen wollte. Weil er ja nicht fest saß. Beim dritten Mal wurde sie wütend und zog fest an. Ari erschreckte sich, ließ die Luft heraus und der Sattel saß.
„Hab ich dich erwischt!“, sagte sie.
Das spielte sich bis jetzt alles noch im Stall ab. Jetzt ging es hinaus auf die Koppel, die mit Sand befüllt war, weil es ja kein Gras und Sägespäne gab. Sie trainierten immer vormittags. Um die Mittagszeit und nachmittags kamen die Karawanen und hielten hier Rast. Da hatten sie dann keinen Platz. Der Sultan sah immer von seinem Balkon aus zu. Manchmal musste er lachen, dann wieder hatte er Angst, dass sie es nicht schaffen würde. Solange Omar neben Ari ging, war er brav. Wollte er weiter weggehen, wurde er stur oder bockte.
Eva fiel einige Male herunter. Das machte sie nur noch wütender und jetzt wollte sie es erst recht schaffen. So verging die Woche und dann durfte der Sultan selber reiten. Manchmal ritt er mit Ari oder mit Riah13 gegen Abend weg und kam ungefähr drei Stunden später wieder zurück. Keiner wusste, was er tat. Nur Dr. Meier wunderte sich, dass seitdem die Wunde viel schneller heilte. Und er hatte das Gegenteil befürchtet. Was machte er nur immer da draußen? Dr. Evans hatte bisher den Sultan selbst noch nicht gefragt, ob sie ihr Werk mal selbst begutachten durfte. Sie wusste, sie würde es sicher noch sehen. Und Dr. Meier berichtete ihr immer von seinen täglichen Verbandswechseln und Kontrolluntersuchungen.
Der Sultan sprach bei seinen Ausritten auch immer mit Ari, doch der stellte sich bei Eva immer noch stur. Es waren noch drei Tage bis zur geplanten Abreise. So wie es zuerst vereinbart war. Nur Dr. Eva Evans würde nicht abreisen. Eva ging es auf den Nerv, dass Ari sie immer noch nicht reiten ließ. Sie wusste aber nichts von dem Zeitlimit. Der Sultan wollte sie damit nicht unter Druck setzen. Omar probierte jeden Tag neue Namen für Eva aus. Sie hatte es ja schon mitbekommen, da der Sultan sie auch bereits danach gefragt hatte. Bis jetzt hatte er sie noch nicht zu sich gebeten und sie würde auch nicht nachfragen.
Es würde schon seine Bewandtnis haben. Seitdem sie reiten lernte, hatte Omar mit den Namen angefangen. Zuerst mit C, dann mit D und mit E. Manchmal fiel ihm ein anderer Name ein. Ihr fiel auch etwas ein. Tiere hören einem Menschen ja zu. Sie hatte das des Öfteren bei den Kameltreibern oder auch bei anderen gesehen, wenn sie ihnen etwas ins Ohr flüsterten. Eva saß gerade auf Aris Rücken und er stieg unruhig herum. Sie beugte sich vor und fing an ihm etwas ins Ohr zu flüstern. Der Sultan sah ihr wie immer zu. Sie hatte sich die Steigbügel höher machen lassen, dass sie fast wie ein Jockey auf ihm saß.
„Ari. Der Sultan Kasim will, dass du mich schneller trägst als der Wind. Und ich verspreche dir dafür, dass du nicht den Arsch von Yusuf tragen musst. Ist das ein Deal?“
Sie hatte das von Yusuf schon herausbekommen, dass er scharf war auf den Titel des Sultans und den Platz im Palast. Nämlich dann, wenn der Sultan Kasim keinen männlichen Nachkommen hatte.
Ari spitze die Ohren und es sah so aus, als würde er überlegen. In dem Moment klatschte Omar Ari mit einer Hand auf den Rücken und sagte: „Trage Fatma schneller als der Wind.“
Eigentlich wollte er Fatima sagen. Dann stieg Ari hoch. Eva hatte die Zügel schon kurz genommen, bevor sie ihm etwas zugeflüstert hatte. Sie hielt sich im Sattel und dann lief der Hengst so rasch wie der Wind durch das Tor. Das war schon für die Karawanen geöffnet worden, die schon in Sicht waren. Omar sprang erschrocken zurück. Der Sultan bekam fast einen Herzinfarkt. Und Ari sprang mit ihr hinaus. Eva hielt sich geduckt an den Zügeln fest. Sie glaubte nicht, was sie gerade spürte. Sie waren eine Einheit. Was hatte genützt?
„Ari! Lauf! Wir reiten Yusuf davon!“, schrie sie gegen den Wind.
„Omar! Reite ihr nach!“, schrie der Sultan vom Balkon.
Er hatte Angst, dass Ari sie irgendwo abwarf und Eva sich wehtat. Er lief auf die andere Seite des Balkons und sah ihr nach. Sie verschwand hinter den Hügeln. Omar hatte zu tun, in der Eile auf sein Pferd zu kommen. Er ritt ihr so schnell er konnte hinterher. Als er auf dem Hügel angekommen war, kam Ari mit Eva schon wieder zurück. Sie zischten an ihm vorbei. Sein Pferd erschreckte sich und hätte ihn fast abgeworfen. Dann ritt er hinter ihr her. Sie ritt mit Ari wieder in den Innenhof, bevor noch die ersten Karawanen hereinkamen. Sie bremste ihn in der Koppel ab. Er tat zwar noch etwas störrisch, war ihr aber schon gehörig. Sie stieg ab und stellte sich vor ihn.
„Ari, braver Junge“, lobte sie ihn und strich ihm über die Stirn.
Dann legte sie ihre Stirn auf die Seine. Er blieb ganz ruhig. Der Sultan sah verwundert herunter.
„Spucke ihm in den Mund“, sagte er leise, „spucke ihm in den Mund, dann ist er ganz dein.“
Eva küsste ihn auf die Nüstern. Ihr kam es vor, als würde es ihm gefallen und es hatte ihn gekitzelt, weil ein Schauer durch seinen Körper ging.
„Brav mein Junge. Jetzt verstehen wir uns, oder?“
Eva sah ihn an.
„Weißt du was manche Leute sagen? Man soll einem Tier in den Mund spucken, dann bleibt es einem ein Leben lang treu.“
Und wie zur Bestätigung nickte er oder kam es ihr nur so vor? Sie machte sein Maul auf und spuckte hinein. Ari hatte gar nichts dagegen. Dann brachte sie ihn in den Stall, sattelte ihn ab und rieb ihn trocken. Omar sah dem nur staunend zu. Er sah hoch zum Sultan. Der sah auch verwundert herunter. Dann brachte auch Omar sein Pferd in den Stall. Danach ging er sofort zum Sultan und Eva war schon in ihre Gemächer verschwunden. Den Namen, den Omar zu ihr gesagt hatte, hatte sie gar nicht mitbekommen.
Der neue Name
Eva war noch ganz benommen von dem Ritt und ging sich baden. Nach ihren Reitübungen wartete immer ein Bad auf sie. Heute schien jedoch etwas anders zu sein. Oder war es nur, weil sie mit Ari eine Einheit geworden war?
Am Abend kam eine Dienerin und brachte ihr einen schönen neuen Kaftan. Den sollte sie heute anziehen. Sie hatte auch ihren eigenen Diener bekommen. Der Sultan hatte Omar, sie hatte jetzt Kadir14. Er las ihr alles, was er konnte von den Lippen ab. Er war ihr schon treu ergeben, ohne dass sie auch nur etwas dafür getan hatte. Dass er vom Sultan aber den Befehl hatte, wusste sie nicht. Sie war schon neugierig, was sich getan hatte, dass sie heute zum Sultan durfte. Weil sie Ari geritten hatte? War das der Auslöser? Sie durfte heute wieder mit ihm speisen. Er sah gut aus. Viel zu gut, sagte ihr Herz, das sofort schneller zu schlagen begann. Er begrüßte sie höflich wie immer. Dann setzten sie sich an den Tisch und die Diener trugen das Essen auf. Sie hatte sich inzwischen schon daran gewöhnt. Vor dem Dessert stellte er die erste Frage. Vorher hatten sie schweigend gegessen. Sie traute sich auch nicht zu sprechen.
„Heute besonderer Tag!“, sagte Kadir. „Du brav sein wie arabische Frau.“
Sie wusste nicht, ob sie sich daran halten konnte. Es ging aber alles gut. Der Sultan sah sie an und sie ihn. Er konnte schon wieder normal sitzen. Also war bald die Zeit vorbei. Doch es würden nur ihre Kollegen abreisen. Sie würde noch bleiben. Oder würden Dr. Meier und Dr. Weck nicht ohne sie fahren?
„Dr. Evans. Was grübeln Sie so viel. Ich sehe es Ihnen an.“
Er war wieder im Dr.-und-Patient-Modus.
„Weil unsere Zeit bald vorbei ist und meine beiden Kollegen abreisen werden, falls sie denn abreisen. Wenn sie das von der Hochzeit mitbekommen, machen sie sicher einen Aufstand. Dann lassen sie mich bitte mit ihnen reden. Denn sie werden mich nicht hier alleine lassen und auch hierbleiben wollen.“
„Das ist doch verständlich oder nicht? Ich würde Sie auch nicht alleine und schutzlos in einem fremden Land lassen.“
„Dürfen sie vielleicht auch hier bleiben bis ich abreise? Ohne dass sie Probleme bekommen?“
„Wenn sie nichts gegen die Hochzeit unternehmen? Dann ist es sicher kein Problem. Ansonsten muss ich sie einsperren lassen.“
„Ich werde es ihnen sagen. Haben sie schon einen Termin festgesetzt?“
„Ja, heute in fünf Tagen.“
Eva sah ihn überrascht an. Sie hatte nicht so schnell damit gerechnet.
„Darf ich es ihnen die nächsten Tage erzählen oder ist es noch ein Geheimnis?“
„Nein, je eher desto besser. Damit sie sich damit anfreunden können. Aber eine falsche Bewegung und ich kann für nichts garantieren.“
„Okay, ich werde es ihnen sagen.“
Dann wurde die Nachspeise abgeräumt. Sie setzten sich auf die Kissen und Teppiche, die herumlagen. Sie bewunderte ihn, dass er schon so sicher gehen, sitzen und liegen konnte.
„An was denkst du?“
„Dass Sie sich schon sehr gut ohne Probleme bewegen können.“
Er lächelte nur.
„Ich habe ein kleines Geheimnis. Das verrate ich später nur dir.“
„Ich hätte eine Bitte als Ärztin.“
„Nein, frage gar nicht erst weiter. Du wirst ihn erst in unserer Hochzeitsnacht sehen. Da nützen kein Flehen und kein Bitten.“
„Dann werde ich mich später an ihm erfreuen, ihn sehen, schmecken und spüren.“
Also brauchte sie auch gar nicht mehr zu fragen, obwohl neugierig wäre sie schon auf ihr Werk und würde ihn lieber heute als morgen sehen. Aber wenn der Sultan ‚Nein‘ sagte, dann hieß es auch ‚Nein‘.
„Dafür habe ich eine andere schöne Neuigkeit für dich.“
„Und die wäre?“
„Ich habe endlich deinen Namen gefunden. Deinen neuen arabischen Namen.“
Sie sah ihn an. Doch er sagte ihn noch nicht.
„Und der wäre?“
Anscheinend hatte Eva ihn nicht mitbekommen, als sie mit Ari ausgeritten war. Oder sie tat so, als wüsste sie ihn nicht. Er wollte sie noch ein bisschen auf die Probe stellen. Ihr noch ein paar Namen sagen und dann sehen, wie sie auf DEN Namen reagierte.
„Ich lass dir noch etwas Zeit, ich will ihn mir auf der Zunge zergehen lassen und dich noch etwas mehr auf die Folter spannen. Du siehst dann immer so hübsch aus.“
Jetzt war Eva doch etwas gekränkt und sah sofort von ihm weg.
„Und was ist, wenn ich gehe?“
„Kannst du nicht.“
„Und wieso nicht?“
„Probiere es doch.“
Sie stand auf und ging zur Tür, doch dort stand eine Wache und hinter der anderen Tür auch. Keine der beiden Wachen würde sie ohne das O.K. vom Sultan herauslassen. So musste sie sich wieder setzen. Das gefiel ihm. Eva wollte lieber gehen, denn sie wusste nicht, ob er sich im Zaum halten konnte, aber der Sultan musste sich eigentlich im Zaun halten. Aber sie? Würde Eva es schaffen? Ohne sein Gesicht zu nehmen und ihn zu küssen. Was ihm auf der einen Seite sicher gefallen würde und auf der anderen nicht, wenn er nicht der war, von dem die Initiative ausging.
„An was denkst du gerade?“, holte er sie aus ihren Gedanken.
„An nichts“, sagte sie rasch.
Er sollte nicht ihre Gedanken lesen und kennen. Die wollte sie ihm später erzählen - später, wenn sie Mann und Frau waren.
„Mirjam, du sagst mir jetzt bitte was du gedacht hast“, sagte er ruhig.
Er wollte es nicht befehlen. Sie sollte selber entscheiden und er wartete ihre Reaktion auf den Namen ab. Sie sah ihn an und lachte.
„Miriam, nein danke“, sagte sie, stand auf und sah ihn an.
Durfte sie auch ein Wort dazu sagen?
„Komm setz dich wieder bitte, Layla.“
„Nein“, sagte sie erneut und ging einen Schritt weg.
Sie merkte, er testete sie aus. Diese beiden Namen wollte sie nicht.
„Marjam, bitte setz dich zu mir.“
Eva lachte wieder und sagte: „Nein.“
Sie drehte sich um und ging Richtung Tür. Er wartete noch etwas und sagte: „Fatma, bitte komm her zu mir.“
Eva blieb wie angewurzelt stehen. Ein Schauer rann über ihren Rücken. Es war, als hätte sie ihn schon mal gehört, sie wusste nur nicht wo. Sie ging einen Schritt weiter.
„Fatima, ich bitte dich noch einmal.“
Obwohl es das gleiche war, reagierte sie nicht darauf und machte mit der Hand eine wegwerfende Bewegung.
„Fatma, bleibe hier bei mir.“
Eva war nahe der Tür, sie lehnte sich an. Sie konnte nicht weiter. Eine Träne rann ihr über das Gesicht. Ja, das war ihr Name und ganz langsam kam die Erinnerung. Der Traum in der ersten Nacht. Eine Stimme sagte ihn immer wieder zu ihr: ‚Fatma, meine Blume‘. Sie lehnte sich mit dem Kopf an die Tür. Sie konnte nichts tun, war wie gelähmt. Sie sah nicht, wie der Sultan lächelte. Er musste sie dreimal beim Namen nennen und sie dreimal darauf reagieren, dann war es ihrer und sie die Richtige. Er ging ein paar Schritte zu ihr.
„Saida, komm.“
Sie winkte ab und sagte: „Nein.“
Er stand schon hinter ihr und sagte: „Fatma, meine Blume, dreh dich bitte um.“
Die Tränen begannen zu fließen. Sie konnte sich nicht alleine umdrehen. Der Sultan half ihr, nahm sie bei der Schulter, drehte sie zu sich und sah ihr in die Augen, in dem er ihr Kinn anhob. Ihre Augen waren voller Tränen. Sie hatte den Namen unbewusst gehört und war erstarrt, als sie ihn aus seinem Mund hörte. Das war das richtige Zeichen. Und sie hatte dreimal hintereinander darauf richtig reagiert. Er wischte ihre Tränen weg.
„Wer wird denn weinen, wenn meine Blume endlich einen Namen gefunden hat. Meine Fatma.“
Dann küsste er sie und sie erwiderte seinen Kuss. Er merkte, dass sie willig war, aber nicht heute. Erst in fünf Tagen. Er musste sich selber zusammenreißen. Sie schmiegte sich nach dem Kuss an ihn und er streichelte sie.
„Wollen wir uns nicht setzen? Ich glaube wir täten uns leichter.“
Sie nickte nur, sie konnte nichts sagen. Wischte sich die letzten Tränen ab und ging mit ihm zu den Kissen und ließ sich darauf nieder. Er setzte sich zu ihr.
„Wieso hast du dann noch die anderen Namen gesagt, wenn du schon den richtigen wusstest?“
Er legte seinen Finger auf ihren Mund.
„So weit sind wir noch nicht, erst wenn wir Mann und Frau sind, dürfen wir uns duzen.“
„Oh Entschuldigung, war mir so rausgerutscht - vor Glück.“
Er freute sich, dass Eva auch glücklich war und verzieh es ihr rasch.
„Um dich selber zu testen, wie du auf deinen Namen reagierst. Und du musst ihn innerlich schon gewusst haben, sonst wärest du nicht stehen geblieben und bei den anderen hast du nur gelacht, ‚nein‘ gesagt, oder abgewunken. Und bei Fatma bist du stillgestanden wie eine Statue.“
„Ich konnte mich auf einmal nicht mehr bewegen und wusste, ich hatte ihn schon mal gehört, aber nicht wo. Beim zweiten Mal kam die Erinnerung zurück. Ich hatte davon in der ersten Nacht geträumt und beim dritten Mal flossen die Tränen, ohne dass ich es wollte. Und konnte mich auch nicht mehr bewegen. Bis … bis du gekommen bist Kasim.“
Diesmal musste sie es so sagen und er hatte auch nichts dagegen. Im Gegenteil, er nahm ihr Gesicht in seine Hand und küsste sie.
„Fatma meine Blume.“
„Kasim.“
Und sie verschmolzen zu einem. Nachdem er sich wieder gelöst hatte, sagte er: „Ich kann es kaum erwarten, dich offiziell in meine Arme zu nehmen. Ich muss mich sehr zusammennehmen und dein Werk freut sich mit mir.“
Sie musste lächeln.
„Ich kann es auch kaum erwarten.“
Dann hielt sie sich die Hand vor den Mund. Das wollte sie eigentlich nicht preisgeben.
„Keine Angst, ich habe es auch so bemerkt.“
Um auf ein anderes Thema zu kommen, fragte er: „Wie hast du es denn letztendlich geschafft Ari zu reiten. Er war ja sehr wild. Nicht einmal mein Zureden hatte etwas genützt.“
Sie lächelte.
„Ich bin mit ihm einen Deal eingegangen.“
Er zog die Brauen hoch.
„Und der wäre? Dürfte ich ihn auch erfahren?“
„Ich versprach ihm, wenn er mich reiten lässt, wie es der Sultan will, dann wird Yusuf nie seinen fetten Arsch auf ihn setzen können. Anscheinend mag er Yusuf auch nicht. Dann ging er hoch und ritt mit mir wie der Wind hinaus.“
Er sah sie nur staunend an.
„Und ich bekam einen Schreck fürs Leben, als er so schnell mit dir hinausgeritten war. Omar war viel zu langsam dafür. Ich hatte Angst, dass er mit dir davonreitet und dich irgendwo verletzt liegen lässt und ich dich nicht finden kann. Mein Herz war schwer vor Sorge und leicht vor Freude, da er mit dir ritt. Und als du dann zurückkamst und er so still neben dir stand, war ich nur noch glücklich. Und ich …“
Er wusste nicht, sollte er es jetzt sagen?
„Was?“
„Wie kamst du auf die Idee deine Stirn auf ihn zu legen, zu küssen und ihn in den Mund zu spucken?“
„Ich hatte das des Öfteren bei den anderen gesehen. Ich hatte ja genug Zeit, ihnen immer zuzusehen. Und Omar sagte, Sie küssen ihn immer, wenn er Sie beim Striegeln zwickt. Und das mit der Spucke hatte ich mal im Fernsehen gesehen. Dadurch soll das Tier einem ein Leben lang treu bleiben.“
„Du hast recht getan bei dem. Aber küssen tu ich Ari nicht, da hat Omar gelogen.“
Dann stand er auf und zog sie auch hoch.
„Aber wir sollten jetzt schlafen gehen. Wir werden morgen und übermorgen in der Früh ausreiten und dann beginnen schon die Vorbereitungen für die Feier. Du solltest es also in den nächsten zwei Tagen deinen Kollegen sagen.“
Er begleitete sie noch zu ihrem Quartier und gab ihr nur mehr einen Kuss auf die Stirn.
Die Vermählung
Wie versprochen ritten sie am nächsten Tag aus. Der Sultan half Eva Ari zu satteln und dann stiegen sie auf. Der Hengst blieb ganz ruhig stehen. Dann ging es für zwei Stunden hinaus in den Sand und die Wüste. Er erklärte ihr einiges und erzählte von den umliegenden Beduinen-Zelten, die alle zu ihm gehörten und ihm unterstanden. Auch erklärte er ihr einiges wegen der Vorbereitungen für die Vereinigung. Seine Frauen müssten ihm auch noch das ‚Okay‘ geben, aber wenn sie von ihrem neuen Namen hörten und dass sie ihn angenommen hatte, würden sie nichts mehr dagegen haben. Auch die hohen Würdenträger können dann wenig dagegen machen.
Nach dem Ritt zog Eva sich um und ging mit Kadir zu ihren Kollegen. Kadir würde sie jetzt immer auf Schritt und Tritt begleiten. Zumindest so lange sie hier war. Ihre Kollegen freute es, sie wiederzusehen. Sie war einige Tage nicht erreichbar gewesen für sie. Sie hatten aber ihre Bemühungen beim Reiten mit Ari gesehen.
„Frau Dr. Evans, wie sieht es aus. Wir könnten die nächsten Tage schon abreisen. Könnten Sie sich von dem Land und dem Sultan trennen?“
Sie wollten sie aufziehen, doch das ging total daneben. Natürlich hatten sie es mittlerweile mitbekommen, dass da mehr war als nur Arzt und Patient.
„Wenn Ihr wollt, könnt ihr schon abreisen. Ich bleibe noch hier und komme später nach.“
„Nein. Wir sind miteinander gekommen und fahren wieder miteinander nach Hause“, sagte Dr. Meier.
„Nein, das kann ich nicht. Ich habe dem Sultan etwas versprochen.“
„Was kann das sein, dass sie noch länger hierbleiben wollen?“
„Die Hochzeit des Sultans. Er heiratet in vier Tagen und da muss ich anwesend sein. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr auch so lange bleiben und dann danach abreisen. Dann könnt Ihr wenigstens etwas erzählen, wenn Ihr zu Hause seid.“
Sie sahen sie argwöhnisch an. Was konnte so wichtig sein, dass sie bei der Hochzeit anwesend sein musste. Dr. Meier durchschaute es sofort.
„Sie wollen doch nicht sagen, dass SIE ihn heiraten? Dass Sie ihm das versprochen haben, wenn er sich operieren lässt. Er hätte sich auch so operieren lassen müssen.“
Er wollte auf sie zugehen. Doch Kadir stellte sich vor Fatma.
„Kadir danke, aber ich mache das schon.“
Ihr Diener ging wieder zwei Schritte zurück. Die beiden Ärzte sahen Eva erstaunt an.
„Ihr seid herzlich eingeladen. Ich mache das alles freiwillig und kommt bitte nicht auf dumme Ideen. Denn sonst kann ich euch nicht mehr helfen. Wenn ihr bis zur Hochzeit bleibt, könnt ihr danach nach Hause fahren. Oder ihr könnt auch schon jetzt fahren. Das ist euch überlassen. Ich werde danach noch etwas hierbleiben.“
Sie dachten, sie wäre verrückt geworden.
„Dr. Evans, das kann doch jetzt nicht Ihr Ernst sein. Sie wollen diesen Sultan heiraten und dann noch hierbleiben? Wer weiß, ob er sie danach tatsächlich gehen lässt.“
„Doch, wir haben einen Deal, er hält seine Abmachung und ich muss meine einhalten. Und außerdem …“
Beide sahen Dr. Evans erwartungsvoll an.
„…und außerdem ist es mein Schicksal. Da könnt ihr nichts dagegen machen und ich auch nicht. Ich kann es annehmen und das Beste daraus machen, sonst stellt es sich gegen mich. Ich muss nur wissen, bleibt ihr oder fahrt ihr?“
Sie sahen sich verwundert an. Dr. Meier ergriff das Wort. Mit Dr. Weck konnte man so etwas nicht besprechen. Der hatte immer noch Angst. Aber solange es Dr. Evans gut ginge, ginge es ihnen auch gut. Also brauchten sie keine Angst zu haben. Er hatte nur Angst, dass Eva nicht mehr von hier wegdurfte.
„Wir bleiben, bis sie auch nach Hause fahren.“
Plötzlich gingen Dr. Weck die Nerven durch.
„Ich bleibe sicher nicht ein Leben lang hier, nur weil sie den Sultan heiraten muss und Mutter Theresa spielen will!“
Dr. Meier drückte ihn in eine Ecke.
„Halten Sie das Maul oder ich stopfe es Ihnen. Wenn es sein muss, bleiben wir hier! Wir lassen unsere Kollegin nicht alleine. Denn wenn wir hierbleiben, hat sie eine bessere Chance wieder nach Hause zu kommen, als alleine. Und jetzt reißen Sie sich zusammen. Sie ist eine Frau und mutiger als wir beide zusammen!“
Da war es wieder! Sie ist mutiger! Es war ihr Schicksal! Dann drehte er sich um und ließ den wimmernden Dr. Weck stehen.
„Dr. Evans …“
Kadir trat einen Schritt nach vorn und sagte: „Bitte ab jetzt Fatma zu der Herrin sagen.“
Beide Ärzte sahen ihn verdutzt an.
„Das ist mein neuer Name und ich darf nur mehr mit ihm angesprochen werden. Bitte halten auch Sie sich daran“, erklärte es ihnen Fatma.
„Fatma, sagen Sie dem Sultan, dass es uns eine Ehre ist, der Hochzeit beizuwohnen und wir werden erst fahren, wenn auch Sie wieder abreisen. Danke sehr.“
Dr. Maier verbeugte sich sogar vor ihr.
„Danke euch beiden, dass ihr die Stellung haltet. Ihr könnt euch frei bewegen und dürft sogar ärztlich tätig sein. Der Sultan wird veranlassen, dass sich die Leute untersuchen lassen sollen. Damit ihr nicht den ganzen Tag untätig herumsitzt. Ihr bekommt auch einen Dolmetscher gestellt. Damit bedanke ich mich auch im Namen des Sultans und wir sehen uns irgendwann nach der Hochzeit wieder.“
Fatma verbeugte sich vor ihnen und ging mit Kadir in ihre Gemächer. Am nächsten Morgen ritten sie wieder aus. Dr. Meier sah ihnen zu. Es war kein Zwang dabei, bei gar nichts, wenn er daran dachte, was geschehen war. Dr. Evans machte immer alles freiwillig. Oder hatte sie sich so unter Druck setzen lassen? Nein, dazu war sie nicht der Typ. Im Gegenteil, sie setzte alle unter Druck. Oder … hatte Eva sich in ihn verliebt? Würde sie wieder nach Hause fahren? Man würde es sehen. Sie mussten ihr Zeit lassen.
Am nächsten Morgen erzählte sie dem Sultan, was sie ihnen angeboten hatte.
„Ich hoffe, ich habe in Ihrem Namen gehandelt. Aber sie die ganze Zeit untätig hier herumsitzen zu lassen wäre nicht gut. Dann würden sie vielleicht auf dumme Gedanken kommen.“
„Das war weise gedacht von meiner zukünftigen Frau. Ich werde alles Weitere veranlassen.“
Dass sie blieben, störte ihn ein wenig. Aber es war ihre Entscheidung. Nach dem Ritt verabschiedete er sich noch im Stall von ihr.
„Das ist das letzte Mal vor der Vereinigung, dass ich dich sehen darf. Ich sehe dich erst bei der offiziellen Übergabe wieder. Da du ja keine Mutter hast, wird das meine zweite Frau Aischa erledigen. Miriam hat seit deiner Geburtshilfe bei Yasminda einen Zorn auf dich. Sie wird auch nicht der Zeremonie beiwohnen. Aber ich glaube, dass wird dich nicht stören. Ich bin ihr nicht böse. Da sie nach der Geburt unserer Tochter Kahina15 krank geworden war und dadurch keine Kinder mehr bekommen kann, hat sie sich der Kräuterkunde gewidmet, um anderen zu helfen. Nur konnte sie mit ihrem Wissen Yasminda trotzdem nicht helfen. In die Wüste kann ich sie deswegen auch nicht schicken. Sie bleibt trotzdem meine Frau.“
Er nahm sie sanft in seine Arme und küsste sie.
„Der Kuss soll dich daran erinnern, dass wir bald Mann und Frau werden. Ich verzehre mich jetzt schon nach dir. Aber dafür ist später die Freude umso größer. Kadir wird dir alles erklären, was du über die Zeremonie wissen musst. Er darf auch als einziger Mann bei dir bleiben. Weil du ja einen Übersetzer brauchst. Er wird, wenn es nötig ist, die Augen schließen. Normalerweise darf kein Mann dabei sein. Denn Frauen und Männer feiern getrennt.“
Dann küsste er sie noch mal rasch und verschwand. Seine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Er hätte sie schon vor ein paar Tagen gerne genommen, aber es musste alles offiziell sein.
***
Am Abend kamen Aischa und Amal mit ein paar Dienerinnen um Fatma für die Zeremonie vorzubereiten. Sie wurde gebadet und sogar am ganzen Körper rasiert. Nur ihre Haare und ihre Augenbrauen durften bleiben. Sie genoss das sehr. Fatma wurde auch abgetrocknet und gut parfümiert. Sie durfte sich den Duft selber aussuchen. Rosmarin und Jasmin. Sie lachten dabei.
„Was haben sie, Kadir?“, fragte sie ihn.
Er stand bei der Tür und sie war hinter einem Sichtschutz für seine Augen versteckt.
„Der Duft der Könige, Sahiba.“
„Danke.“
Dann wurden ihre Hände und Füße mit Henna bemalt. Die Frauen erzählten von ihrer Vermählung und Kadir musste übersetzen. Manchmal wurde er dabei sogar etwas verlegen. Alle gingen nach dem aufregenden Tag spät schlafen. In der Früh kamen alle Frauen wieder und halfen Fatma beim Anziehen. Sie durfte sich ein Kleid aus fünf Farben auswählen, entweder braun mit orange, blau, gelb, rot oder violett. Sie konnte sich nicht entscheiden zwischen blau und violett.
„Sie können beide tragen, eines jetzt zu den Feierlichkeiten und das andere dann am Abend bei der Übergabe, sagte Amal und Kadir übersetzte.
„Ich darf sogar zwei Kleider tragen?“
„Ja! Manche tragen sogar noch mehr. Aber der Sultan hat die Feierlichkeiten zusammengelegt. Die anderen dürfen dann noch weiterfeiern, auch wenn das Brautpaar nicht mehr anwesend war. Eigentlich wäre morgen der Tag der Übergabe, aber er wollte es nicht so. Denn heute ist der längste Tag im Jahr, den will er mit Ihnen genießen.“
Dann klopfte es. Omar durfte eintreten, da Fatma noch hinter der Wand stand.
„Ich bringe die Morgengabe für die Sahiba. Der Sultan wusste nicht, was sie fordert oder besser gesagt, was ihre Familie fordert, da ja keine da ist. Also soll sie sich zwei Stücke aussuchen.“
Amal ging zu Omar und nahm die Schatulle, in der der Schmuck lag. Aischa und Amal waren schon neugierig, was der Sultan Fatma geschickt hatte. Bei ihnen hatten es die Eltern ausgehandelt. Als sie die Schatulle aufmachten, hörte man Entzückungsschreie der beiden Frauen, jedoch keinen von Fatma. Sie starrte die Ketten nur an. Zwei stachen ihr sofort ins Auge. Genauso wie bei den Kleidern.
Jetzt wusste sie auch, was sie wann tragen würde. Die Steine waren alle in Gold eingefasst. In der Mitte des Anhängers war ein großer violetter Amethyst in der Form eines Herzens und drum herum viele kleinere Steine. Die andere Kette war auch aus Gold und darin waren blaue Steine eingeschlossen. Der mittlere war in der Form einer Tulpe angelegt. Und rundherum waren größere und kleinere blaue Steine eingefasst. Fatma nahm beide sehr vorsichtig und ehrfurchtsvoll heraus. Sie hatte noch nie solch schöne und teure Ketten gesehen. Die waren sicher sehr wertvoll. Der Sultan soll ja auch sehr reich sein. Wie reich wusste man nicht. Amal und Aischa sahen sie an. Fatma sagte kein Wort und war sehr ehrfurchtsvoll. Beide Ketten legte sie auf den Tisch nebenan. Dann klappte sie die Schatulle wieder zu. Amal brachte sie zu Omar zurück.
„Sag dem Sultan meinen besten Dank.“
Er verbeugte sich und eilte zum Sultan zurück. Der war auch schon sehr unruhig und neugierig, was sie genommen hatte.
„Und was hat sie gesagt oder getan?“
„Sie bedankt sich beim Sultan.“
„Und weiter? Spann mich nicht auf die Folter. Raus mit der Sprache, Omar!“
„Es gibt nichts zu sagen. Amal holte die Schatulle und sie und Aischa kreischten vor Freude. Fatma sagte kein Wort. Sie nahm ganz sanft die Ketten heraus und bedankte sich.“
„Und jetzt sehen wir nach wer gewonnen hat.“
Er hatte mit ihm gewettet, dass sie die blaue und die violette Kette nehmen würde. Omar setzte die gelbe und die orange dagegen. Wenn Omar gewann, dann hatte er die Ehre das Tuch mit ihrem Blut von der Oase fortzubringen. Wenn er verlor, durfte es ein anderer machen. Omar verlor! Er musste bleiben und auf den Reiter warten.
Natürlich war er etwas sauer. Aber er durfte trotzdem der erste sein, der das Tuch danach sah. Und als Beweis ihrer Jungfräulichkeit seinen Frauen und den Würdenträgern zeigen.
Jeder erwartete natürlich, dass kein Tuch kommen würde, da es keine Jungfräulichkeit gab. Diese Ungläubigen sparten sich dafür ja nicht auf.
Um die Mittagszeit zog Fatma das violette Kleid mit der violetten Kette an. Sie wurde zu den Würdenträgern geführt und dort mit dem Sultan vermählt. Der sah sie nur mit bewundernden Blicken an. Und erfreute sich ihres guten Geschmacks. Dann wurde sie zu den Frauen geführt, wo gefeiert wurde und der Sultan ging zu den Männern.
Er wäre jetzt schon gerne mit ihr fortgeritten. Dass er beabsichtigte mit ihr wegzureiten, wussten nur Omar und Kadir. Er wollte nicht, dass sie seine oder ihre Schreie hören würden. Obwohl sehr viel Lärm wäre. Aber es gab immer Lauscher. Den Sultan beschäftigte auch das Problem mit der Jungfräulichkeit. Was sollte er machen, wenn sie keine Jungfrau mehr war? Sie sagte doch, dass sie den Sex genoss? Er musste das später überlegen. Jetzt forderten alle seine Aufmerksamkeit. Die Nacht nahte und nach dem Nachtgebet durfte sie endlich zu ihm. Fatma wurde in die dafür vorbestimmten Räumlichkeiten gebracht, in denen er schon wartete. Sie kam wie vermutet in dem blauen Kleid mit dem blauen Schmuck. Die Frauen verabschiedeten sich.
„Fukran“, sagte die Braut zu ihnen.
Jetzt waren sie alleine. Ihr war trotzdem nicht ganz wohl dabei. Er starrte sie nur an. Sie sah atemberaubend aus. Er hatte sich sogar rasiert für sie. Nicht ganz, aber der Bart wurde kräftig gestutzt. Das gefiel ihr. Sie hatte sich mal beschwert, dass er nur Haare im Gesicht hatte und ob er die nicht etwas schneiden lassen könnte. Er musste ihn ja nicht ganz abrasieren. Denn hier trugen die meisten Männer Bärte.
Als die Frauen weg waren, schlich Omar herein.
„Die Luft ist rein“, sagte er.
Was sollte das? Wieso kam Omar, wenn sie beide alleine sein sollten? Er brachte auch eine andere Kleidung für sie mit. Alles auch in Blau gehalten. Sogar der Turban war blau.
„Dort hinten kannst du dich umziehen. Wir bleiben nicht hier. Ihr würdet sagen, wir machen Flitterwochen. Zieh dich bitte rasch um.“
Er wirkte etwas nervös. Zu was hatte er sie dann so anziehen lassen? Fatma tat wie befohlen und zog sich um. Das Kleid wich einer weiten Hose und einem kurzen Kaftan. Dann nahm er sie bei der Hand und zog sie mit sich. Sie schlichen durch einen Geheimgang hinaus zu den Ställen. Es passte keiner auf. Alle feierten. Die Pferde waren schon gesattelt. Darum musste sie unbedingt reiten lernen. Der Sultan selbst stahl die Braut! Sie führten die Pferde durch das Tor, stiegen draußen auf und ritten davon. Fatma wusste nicht wohin. Sie ließ sich von Kasim und Ari führen.
Die Vereinigung
Sie ritten in die aufkommende Nacht. Fatma traute sich nicht zu fragen wohin. Sie musste ihm und Ari vertrauen. In weiter Ferne sah man einen Lichtschein. Die Pferde ritten darauf zu. Vor dem Steingebirge sah man einen Mann bei einem Feuer sitzen. Daneben stand ein Pferd. Er begrüßte den Sultan. Sie stiegen ab und gingen mit den Pferden weiter. Der Mann blieb. Kasim übernahm die Führung. Sie durchquerten eine Schlucht. Am Ende stand ein Stall mit Wasser und Futter für die Pferde. Dort band man sie an. Der Sultan führte seine Braut durch eine niedrige Höhle, durch die sie gebeugt gehen mussten. Fatma staunte nicht schlecht, als sie das andere Ende der Höhle erreichten und aus dieser heraustraten.
Sie standen in einer großen Oase. In ihrer Mitte lag ein kleiner See, umgeben von Dattelpalmen und Feigenbäumen.
Nicht unweit davon entfernt stand es ein großes Zelt. Auf das steuerte Kasim zu. Er ließ sie eintreten. Es war mit Teppichen, Decken und Kissen ausgelegt. Fatma kam aus dem Staunen nicht heraus. Kasim legte seine Jacke und den Turban ab. Fatma war immer noch hin und weg von dem Anblick. Er stellte sich hinter sie und sagte: „Ist meine Fatma sprachlos? Habe ich dich so überrascht?“
„Ja und wie. Auf so etwas war ich hier in der Wüste nicht gefasst.“
„Das ist mein Versteck. Wenn ich alleine sein will, fliehe ich hierher. Hier hört uns keiner. Da kann ich, sollte ich Schmerzen haben, schreien - und deine Lustschreie wird man auch nicht hören.“
Er küsste sie. Doch sie erwiderte seinen Kuss nicht so, wie er es gewohnt war.
„Was ist mit meiner Blume? Hat sie die Lust verlassen oder …“
„Oder was?“, fragte sie.
„Bist du unpässlich?“
Sie sah ihn verwirrt an.
„Nein, nein, das war schon. Aber ich bin noch so überwältigt von der Schönheit der Oase und dass hier ein Zelt steht mit allem Drum und Dran.“
„Das wurde in der letzten Woche aufgebaut. Für dich und mich. Am liebsten würde ich dich jetzt überwältigen.“
„Du hättest keine Freude an mir. Meine Gedanken sind immer noch draußen.“
Er nahm zwei Gläser und das eisgekühlte Getränk und ging hinaus.
„Nimmst du bitte zwei Kissen und eine Decke mit?“
Sie nahm das Gewünschte, schmiss endlich ihren Turban weg und folgte ihm. Sie setzten sich in die Nähe des Sees. Dann füllte er die Gläser.
„Auf die Zukunft!“
„Auf die Zukunft!“
„Mmmhhhh, das schmeckt aber gut. Was ist das?“
„Ein Sharbat. Ein Mixgetränk aus verschiedenen Früchten und Kräutern.“
„Schmeckt nach mehr“, sagte Fatma grinsend und hielt ihm bereits ihr leeres Glas hin.
Er schenkte ihr nach und nahm sich selbst auch noch ein wenig. Dann sahen sie hoch zu den Sternen. Fatma wurde immer ruhiger. Die Vermählung, die Feier und der lange Ritt hatten sie nervös gemacht und ziemlich mitgenommen. Er nahm ihre Hand.
„Ist meine Blume schon ruhiger geworden?“
„Ja. Hier ist es so herrlich.“
Sie sah noch mal hoch, schloss die Augen und genoss die Ruhe.
„Das ist schon besser als im Palast bei diesem Lärm. Ich glaube, ich hätte da heute nicht schlafen können.“
„Ich auch nicht. Aber aus einem anderen Grund.“
Sie sah zu ihm und er beugte sich zu ihr und gab ihr einen Kuss. Diesmal erwiderte sie ihn.
„Ja, so kenne ich meine Fatma.“
„Ja Kasim“
Er wurde schon ganz heiß. Kasim schnappte sie, hob sie hoch und trug sie zum Zelt. Er legte sie auf die Kissen. Dann holte er noch etwas aus der mitgebrachten Tasche. Und legte es neben das vorbereitete Bett. Fatma war inzwischen aufgestanden. Sie wollte sich nicht liegend ausziehen. Das wäre zu umständlich gewesen mit dieser Kleidung.
„Was machst du?“, fragte er.
„Das hier“, sagte sie lächelnd und fing an sich auszuziehen.
Bald stand sie nackt vor ihm. Ihr Atem ging rascher. Vor Erregung und Nervosität rann ihr eine Gänsehaut über den Körper. Auch er zog sich aus. Sie ging auf ihn zu und blieb direkt vor ihm stehen. Er nahm sie, küsste und streichelte sie. Sie spürte schon seine steife Männlichkeit an ihrem Bauch. Er wollte sie unter sich legen.
„Bitte lass mich beim ersten Mal die Führung übernehmen. Ich will, dass es dir so wenig wie möglich Schmerzen bereitet.“
Sie musste es ja wissen.
„Was soll ich tun?“
„Leg dich bitte auf die Decke. Auf den Rücken … und lass mich einfach machen.“
Er machte, was sie sagte. Seine Männlichkeit ragte steif in die Höhe. Zuerst musste sie ihn noch begutachten und strich mit ihrer Hand darüber. Er regte sich sofort. Sie hatte wieder mal gute Arbeit geleistet. Dann setzte sie sich über ihn und führte ihn zu ihrer Höhle. Setzte ihn an und ließ sich mit einem Ruck herunterfallen. Es gab einen kurzen Schmerz. Sie hatte die Augen geschlossen. Auch er spürte etwas. Aber weniger seinen Schmerz als den ihren. Wie konnte es sein, dass sie noch Jungfrau war? Er suchte sofort die Schatulle, nahm den Schlüssel von seinem Hals und sperrte sie auf, nahm ein weißes Tuch heraus und sagte: „Ich brauche etwas von dir.“
Sie wusste sofort, um was es ging. Fatma nahm es ihm ab, legte es auf seinen Bauch, rutschte rasch von ihm herunter und setzte sich auf seinen Bauch. Sie blieb kurz sitzen und beugte sich nach vorne.
„Wie kannst du noch Jungfrau sein, wenn du den Sex genießt?“
„Das erkläre ich dir später“, flüsterte Fatma und küsste ihn heiß.
Nach einer Weile setzte sie sich wieder auf und betrachtete das Tuch.
„Sieht fast aus wie eine Tulpe“, scherzte sie.
Fatma hob es auf und zeigte es ihm.
„Ja irgendwie schon“, sagte er, nahm es ihr ab, legte es wieder in die Schatulle und sperrte sie zu.
„Setz dich bitte wieder auf ihn. Das mag er. Wie nennt ihr noch mal diese Stellung?“
„Die Reiterstellung“, erwiderte Fatma und fing schon an ihn zu reiten.
Er genoss es in vollen Zügen. Kurz bevor er kam, nahm er sie bei den Hüften und schmiss sie auf die Kissen nebenan. Dann kam der erlösende Schrei von ihm und er spritze in einer großen Fontäne ab. Das hätte eventuell auch böse enden können, wenn er mit diesem Druck in ihr gekommen wäre. Sie legte sich auf den Rücken und erholte sich von ihrem ersten Ritt. Kasim wurde auch ruhiger. Dann zog er unter einem der Kissen ein Tuch hervor und wischte sich ab.
„Dr. Meier war noch so nett und hatte mich vor meinem ersten Samenerguss gewarnt. Er könnte eventuell zu stark sein, nach der langen Abstinenz.“
„Wann hatte er dir das erzählt?“
„Ich war nach unserem zweiten Ausritt noch bei ihm. Irgendwie sind sie ja deine Familie. Also musste ich obligatorisch bei ihnen um deine Hand anhalten. Er bat mich noch, gut zu dir zu sein. Und dass ich auch mein Wort halte. Er wusste zwar nicht, um was es bei dem Deal ging, aber ich solle mich auch daran halten, so wie du. Ich versprach es ihm. Sollte ich dich nicht bis Ende Juli nach Hause lassen, würde er zu mir kommen. Ich versicherte es ihm, dass ich mich auch an mein Wort halten würde. Es wird sicher schwer werden, aber wenn du glücklich bist, muss ich es machen. So aber jetzt muss ich dich kurz verlassen. Ich komme gleich wieder.“
Er zog sich seinen Kaftan über und nahm die Schatulle an sich, gab ihr einen Kuss und verschwand. Fatma kuschelte sich unter die Decke. Doch sie hörte das Plätschern des Sees, wenn das Wasser ans Ufer schlug. Sie ging hinaus und setzte sich auf das Kissen. Hier war es immer noch warm. Kasim fand sie dort vor, als er wieder zurückkam. Er hatte sich beeilt. Jetzt setzte er sich zu ihr und sie gab ihm sein Glas und füllte es.
„Ist es auf dem Weg zum Palast?“
„Ja.“
„Kann es auch keiner austauschen?“
„Nein, nur ich und Omar haben einen Schlüssel dazu.“
„Kann man in dem See auch schwimmen?“, fragte Fatma und wechselte das Thema.
„Ja sicher!“, erwiderte Kasim grinsend, stand auf, zog sich seinen Kaftan aus und zog sie mit sich.
Das Wasser umfing sie mit einer wohligen Wärme. Während sie sich im Wasser tummelten, ritt der Reiter zum Palast zurück. Mittlerweile wurde das Fehlen der Brautleute schon von Miriam entdeckt. Sie war neugierig, ob die Braut noch Jungfrau war. Und sie wollte als Erste das Tuch sehen. Auch wenn sie den Sultan und seine Frau dabei stören musste. Vielleicht wurde ja auch nichts daraus, wenn er durch den Schreck keinen hochbekam. Das würde sie am meisten freuen. Doch der Raum war leer. Sie verständigte die hohen Würdenträger. Denen war das egal, wo er mit ihr die Vereinigung machte. Hauptsache sie bekamen die Bestätigung. Die ließ noch auf sich warten. Dann kam der Reiter und brachte die Schatulle. Miriam nahm sie sofort an sich und wollte sie öffnen, um das Tuch auszutauschen. Sie hatte sich sicherheitshalber ein falsches eingesteckt. Doch sie konnte ohne den Schlüssel die Schatulle nicht öffnen und wollte Omar den Schlüssel entreißen.
„Es macht sonst keiner die Schatulle auf - nur ich. Befehl des Sultans“, sagte Omar bestimmt.
Dagegen konnte sie nichts machen. Denn alle Würdenträger standen jetzt vor dem Tisch, wo Omar die Schatulle hingestellt hatte. Dort lag auch die Kette von Fatma. Er öffnete vorsichtig die Schatulle und sah das Tuch. Also hatte er es zurückgeschickt. Aber war auch das Erforderliche darauf?
Langsam öffnete er den Deckel komplett. Dann grinste er und hob es hoch. Alle starrten das Tuch an wie ein Wunder. Sie war noch Jungfrau gewesen. Aber wie das, wenn sie von dem Land der Ungläubigen kam. Miriam wollte es sofort anzweifeln. Doch einer der Würdenträger sagte: „Dieses Zeichen kenne ich doch. Das Zeichen der neuen Sultanin, der Sahiba, die uns das Glück bringen wird. Das hat uns doch diese Wahrsagerin gesagt. Es wird einen Nachfolger geben, wenn ihr das Zeichen der Tulpe seht.“
„So wie das hier?“, fragte Omar und hob die Kette hoch, in die der Stein in der Form einer Tulpe eingesetzt war.
Sie hatten diese Kette an der Sahiba schon bewundert, aber nicht so sehr darauf geachtet. Miriam wollte trotzdem nicht aufgeben.
„Schweig neidische Frau und gehe zu deinesgleichen. Du hast hier nichts mehr zu suchen“, wurde sie von einem der Würdenträger zurechtgewiesen.
So musste sie unverrichteter Dinge abziehen. Er nahm das Tuch und ging hinaus in die Menge und zeigte die Jungfräulichkeit der neuen Sahiba. Dann feierten sie erst richtig. Natürlich bekamen es auch die beiden Ärzte mit und wunderten sich auch, dass sie noch Jungfrau war, aber nicht so sehr wie so manch andere.
***
Die beiden, die es betraf, schwammen seelenruhig im See. Dann stiegen sie heraus, legten sich auf die mitgebrachte Decke und sahen zum Sternenhimmel.
„Jetzt habe ich eine Frage an dich. Die mich schon sehr plagt.“
„Und welche wäre das?“
„Wie konntest du noch Jungfrau sein und doch Spaß am Sex haben?“
Sie lachte laut auf.
„Kasim, Kasim es gibt Mittel und Wege Sex zu haben, ohne dass der Mann in die Lusthöhle stößt. Eine davon ist diese ...“, erwiderte Fatma lächelnd, setzte sich auf, strich über seinen schon wieder leicht erigierten Penis, bewunderte, wie gerade er jetzt stand, und fing an ihn zu blasen.
„Fatma, Fatma tu das bitte nicht!“
„Wieso nicht?“
„Weil ich dich nicht bestrafen will.“
„Ist das bei euch eine Strafe für die Frau, wenn sie deinen Schwanz in den Mund nehmen muss? Bei uns nicht. Manche machen es leidenschaftlich gerne. Bleib liegen und lass dich verwöhnen.“
Was sollte er jetzt tun? Es tat so gut, wenn sie mit ihren Lippen und ihrer Zunge über seine neue Männlichkeit fuhr. Kasim tat wie sie sagte und entspannte sich. Er schloss seine Augen und genoss ihr Liebesspiel. Doch es dauerte nicht lange und er kam in ihr. Er war sehr schnell richtig heiß geworden. Sie leckte sein Prachtstück noch sauber und legte sich zurück auf die Decke.
„Du bist eine wundersame Frau. Aber wieso hast du dich aufgespart. Bei euch ist das ja egal.“
„Dazu muss ich erst etwas weiter ausholen. Ich war so um die 18 oder 19 Jahre alt, als ich mit Freunden auf einen Rummel ging. Dort gab es auch eine Wahrsagerin. Ich glaube sie hieß Abila oder Akiba.“
„Du meinst wohl Akilah. Die Weise oder die Kluge.“
„Kann sein, aber das ist schon so lange her. Jeder wollte sich die Zukunft voraussagen lassen. Ein Jeder von uns ging alleine hinein. Keiner erzählte hinterher so richtig, was sie gesagt hatte. Ich war noch nicht mal ganz drinnen, da sagte sie auch schon: ‚Du bist mutig und wirst Ärztin für Männerprobleme werden. Dadurch wirst du deinen Mann kennenlernen, dem du hilfst sein Problem zu lösen. Er ist in einem weit entfernten Land mit viel Sand und vielen blinkenden Sternen zu Hause.‘ Das ließ mich nicht mehr los. Ich ging sofort nach Hause, lernte viel und bestand die harte Prüfung, die vor mir lag. Und in einem fernen Land mit Sand musste man Jungfrau sein oder nicht?“
„Darum warst du nicht so überrascht über mein Angebot. Und fügtest dich in alles ein. Auch mir hatte eine Wahrsagerin, die hieß auch Akilah, etwas gesagt. Ich war so um die 20 und hatte noch keine Probleme mit meiner Männlichkeit. Er wölbte sich zwar etwas, aber das passte schon. Es wurde nur mit der Zeit immer schlimmer und ich war dann auch schon in Deutschland, um mich operieren zu lassen. Dann starb mein Vater und ich musste sofort zurück. Ich dachte nicht daran, dass es noch schlimmer werden könnte.
Sie sagte mir, dass ich mit meiner Männlichkeit Probleme haben würde und dass drei Schamanen aus einem kalten Land kommen würden. Diese könnten mir helfen. Jedoch würden nach erfolgter Heilung zwei Männer und meine Frau zurückfliegen. Ich verstand das damals nicht und dachte erst wieder daran, als ihr angekommen wart. Man hatte schon Gerüchte gehört, dass ein Schamane eine Frau sein sollte. Ich spielte das Spiel zuerst mit, nur musste ich auch mein Gesicht wahren und das Spiel nicht bis zum Ende mitspielen. Ich hatte mich sofort in deine Augen verliebt und hoffte, dass du eine Frau warst, denn in einen Mann hätte ich mich nicht verlieben dürfen. Und es war so, wie die Wahrsagerin gesagt hatte.“
„Auch ich hatte mich sofort in dich verliebt, als ich dich so sitzen gesehen habe. Alle hatten mir abgeraten hierherzukommen. Denn ich wäre ja eine Frau und das würde nicht gut gehen. Zu meinen Kollegen sagte ich, dass ihnen kein Haar gekrümmt werden würde. Denn wenn etwas wäre, würde ich es ausbaden, denn ich hätte ja einen Trumpf im Ärmel. Ich wäre eine Frau und es wäre mein Schicksal. Das verstanden sie natürlich nicht, denn sie kannten ja meine Prophezeiung nicht.“
Er sah in ihre Augen und küsste sie.
„Wie nennt man ihn auf Arabisch?“, fragte Fatma und strich über seinen Penis.
„Qadib“ (audib)
„Ja, ein Dieb ist er! Er stiehlt den Frauen die Jungfräulichkeit.“
Zuerst verstand er es nicht, doch dann lachte er.
„Er kann auch noch was anderes“, sagte Kasim, legte sich auf sie, küsste sie und spielte mit ihrer Brust, wodurch er wieder heiß wurde und sein Schwanz sich versteifte.
Diesmal schob er ihre Beine auseinander und fuhr mit ihm in ihr Himmelreich.
„Jetzt ist er im Himmelreich und wird dich das erste Mal richtig beglücken“, keuchte er und fing schon an sich rhythmisch zu bewegen. Dazwischen küssten sie sich und streichelten sich gegenseitig. Sie hatten Zeit. Es drängte sie nichts. Und da er schon zweimal abgespritzt hatte, hielt er diesmal auch länger aus. Sie fing schon an zu winseln, dass er endlich in ihr kommen möge, weil sie es nicht mehr länger aushielt. Er hatte ihr schon ein paar Orgasmen beschert. Fatma musste aufpassen, dass sie ihn nicht wie eine Katze kratzte, wenn sie einen heftigen Orgasmus bekam, denn dann wusste sie nicht mehr, was sie tat. Kasim musste oft ihre Hände festhalten. Doch dann hielt er es selber nicht mehr aus und kam das erste Mal in ihr. Nach einer kleinen Verschnaufpause sagte er: „Jetzt sind wir endlich wirklich Mann und Frau, vereint in Liebe.“
„Ja, vereint in Liebe, Kasim.“
Sie küssten sich, doch dann wurde es Fatma zu kalt. Sie fing an zu zittern. Sie nahmen alles mit und gingen ins Zelt, kuschelten sich unter die warme Decke und merkten gar nicht, dass sie danach vor lauter Müdigkeit einschliefen.
***
Fatma wurde von etwas geweckt. Sie schlug die Augen auf und wusste nicht gleich, wo sie war. Neben ihr lag Kasim. Er streichelte sie mit einer Feder.
„Du Schlafmütze! Es ist schon heller Tag!“
„Ja und? Ruft uns die Arbeit oder irgendwer anders?“
„Nein, aber mein Dieb ruft nach dir. Er verlangt seine warme Höhle?“
Sie lächelte ihn an, er hatte das von gestern aufgenommen.
„Und wie heißt das Zauberwort?“
„Sesam öffne dich!“, flüsterte Kasim, denn er wusste sofort was sie meinte.
Sofort küsste er sie, legte sich auf sie und sein Sesamstab rutschte in die vorbereitete Höhle. Sie war feucht und immer noch heiß. Er nahm sie zart und küsste sie immer wieder dabei.
Nachdem er sie lange betrachtet hatte und sein „Dieb“ sich erfreut aufstellte, fing der an sie zu kitzeln. Er freute sich sehr, dass er wieder Sex haben konnte und dass ohne irgendwelche Problem. Sie genossen es beide sehr. Er hatte Angst, dass sie nach der Vereinigung sofort gehen würde. Sie hatte dann ja auch Wort gehalten. Fatma lag jetzt unter ihm und genoss seinen Dieb in vollen Zügen.
Sie zeigte ihm nebenbei auch einige andere Stellungen. Denn er kannte nur die Standardstellungen.
„Wieso sind unsere Frauen nicht so agil und heiß wie du?“
„Weil sie nichts anderes gelernt haben, als brav im Bett zu liegen, den Mann arbeiten zu lassen und ja keine Gefühle zu zeigen. Oder willst du das abstreiten?“
„Nein, in dem Sinne sind wir hintendran.“
Und ihm gefiel die Hündchen-Stellung, da konnte er sich so richtig austoben. Auch Fatma mochte sie. Denn da kam sie problemlos an ihren Kitzler dran und konnte mithelfen. Sie tobten sich richtig aus.
Dann schnitt sich Fatma mit der Hand an einer Pflanze.
„Komm ich zeige dir etwas. Wie lange braucht so ein Schnitt, bis er verheilt ist?“, fragte Kasim.
„Schon gut sechs bis sieben Tage.“
„Der ist in zwei Tagen weg.“
Das glaubte sie nicht. Er ging mit ihr zum See und sie schwammen wieder darin. Als sie herauskamen sagte er: „Sieh dir deinen Schnitt an.“
Sie musste ihn suchen, denn er war kaum mehr zu sehen.
„In unserem Land würde man das sofort ausnutzen und Geld damit verdienen. Das Wasser in Flaschen abfüllen und verkaufen.“
„Das geht nicht. Es heilt der See und nicht das Wasser. Und er heilt auch nur den, der ihm wohlgesonnen ist. Miriam half es auch nichts.“
„Sie würden es trotzdem bei uns vermarkten.“
Dann kam es ihr erst!
„Darum wolltest du unbedingt wieder reiten und warst eine Zeit lang weg. Du warst hier und hast gebadet. Darum hatte sich Dr. Meier so gewundert, dass alles so schnell heilte.“
„Genau, meine Blume.“
Sie lagen wieder beim See und sahen in den Himmel.
„Wann müssen wir wieder zurück?“
Sie waren schon den dritten Tag hier. Das Essen wurde morgens immer frisch gebracht. Kasim holte es immer von dort, wo die Pferde stehen geblieben waren.
„Willst du schon wieder zurück?“
„Nein, nein. Ich dachte nur, du musst zurück.“
„Nein, ich habe Omar gesagt, er soll für eine Woche das Essen bringen. Sollte etwas sein, dann kommt am Morgen kein Essen und ich weiß, dass ich vor der verabredeten Zeit zurückmuss. Ansonsten bleiben wir noch.“
Das beruhigte sie. Am nächsten Tag fragte er sie, ob sie tauchen und wie lange sie die Luft anhalten könne.
„Ja, es geht so leidlich.“
„Dann komm mit.“
Sie gingen zum See und Kasim übte mit ihr das Tauchen und die Luft anhalten. Sie wusste nicht warum. Aber er wusste, wie lange man die Luft anhalten musste. Am nächsten Morgen ging er mit ihr tauchen.
„Schwimm einfach hinter mir her!“, sagte Kasim und schon tauchte er unter.
Sie wusste zwar nicht warum, machte es ihm aber nach. Es würde schon seinen Grund haben. Er schwamm zu einem dunklen Loch im Fels. Dann wurde es ziemlich finster. Sie befanden sich in einem unterirdischen, mit Wasser gefluteten, Tunnel. Am anderen Ende wurde es dann wieder heller. Fatma schwamm dem Licht entgegen und hoffte, dass dort Luft war. Denn sie brauchte ganz dringend welche. Mit Mühe kam sie dort an und schnappte sofort nach Luft. Sie hatte noch Kasims Beine gesehen, als er aus dem Wasser stieg. Sie prustete sofort los, strich sich die Haare aus dem Gesicht und wollte schon Kasim beschimpfen. Er hielt ihr seine Hand entgegen, half ihr aus dem Wasser und deutete ihr an zu schweigen. Kasim schaute nach oben und zeigte mit der ausgestreckten Hand zur Decke. Rund um ihn herum leuchtete es. Fatma sah sich um. Sie waren in einer Höhle. Sie wusste nicht, von wo das Licht herkam, das die ganzen Steine anstrahlte, die rundherum waren. Sie leuchteten, blinkten und glitzerten.
„Kasim, was ist das?“, fragte sie verwirrt.
Er nahm ihre Hand und half ihr aus dem Wasser.
„Das ist die Höhle der leuchtenden Sterne. Es ist meine Höhle. Mein Geheimnis. Die zeige ich nicht jedem.“
Sie setzten sich hin und Fatma sah sich um.
„Von woher kommt das Licht, das die Steine so leuchten lässt?“
„Das weiß ich auch nicht.“
Sie lehnte sich nach links und stützte sich mit der Hand ab.
„Autsch!“
„Was ist Fatma?“
„Irgendetwas hat mich gestochen.“
Sie wühlte vorsichtig im Sand und zum Vorschein kam ein ca. fünf Zentimeter großer, runder Stein.
„Wow. Ist der schön“, sagte Fatma staunend und hielt ihn hoch.
„Das ist dein Stein. Er gehört dir. Den darfst du dir mitnehmen.“
„Nein, so etwas Kostbares will ich gar nicht haben. Ich lasse ihn lieber hier. Hier ist er besser aufgehoben“, entgegnete sie und vergrub ihn ein Stück weiter hinten.
Kasim lächelte.
„Wieso lächelst du?“
„Weil du das Richtige getan hast. Derjenige, der viele Steine mitnehmen will, nur des Geldes wegen, kommt hier um. Denn er kommt gar nicht erst durch die Pforte. Die Steine wiegen dann so schwer, dass er nicht mehr hochkommt. Nicht mal, wenn du nur einen Stein ungefragt mitnimmst. Derjenige, der ihn für etwas Bestimmtes braucht, der darf welche mitnehmen. Derjenige, der ihn nur des Geldes wegen mitnimmt, wird hier sterben oder gezwungen die Steine hierzulassen. Miriam wollte welche mitnehmen. Sie wollte damit ihrer Familie helfen, doch die Pforte ließ sie nicht durch. Weil ihre Familie nämlich gar kein Geld brauchte, denn sie hatten genug. Sie musste zurück und die Steine hierlassen. Darum wurde sie auch bestraft und der See half ihr nicht. Jetzt kennst du die Wahrheit des Sees. Das wissen die wenigsten. Miriam hatte ich es gezeigt, weil sie meine erste Frau war. Aber danach war ich vorsichtiger. Du bist die erste nach langer Zeit, die dieses Reich hier sieht. Wenn ihr abreist, hole ich von hier vier Steine für eure Bezahlung. Und für das Krankenhaus, weil sie euch ersetzen mussten.“
„Wie viel ist so ein Stein wert?“
„Bei uns nicht so viel, aber bei euch sicher ein paar Hunderttausend, je nach Größe und Gewicht.“
„Jetzt verstehe ich es auch, wenn sie sagen du seiest reich, aber nicht wie reich. Das kann man ja gar nicht schätzen. Mir wird nur schwindlig dabei.“
Sie legte sich zurück und sah hoch.
„Dadurch treffen sie ihren Mann in einem fernen Land mit viel Sand und bunten Sternen. Jetzt verstehe ich das auch. Es war nicht der Sternenhimmel gemeint, sondern der Himmel mit den bunten Sternen hier.“
Sie griff hoch und tat so, als könnte sie die Steine streicheln.
„So kommt also immer die Wahrheit raus.“
„Wir müssen leider wieder zurück. Man darf sich auch nicht zu lange hier in der Höhle aufhalten.“
„Tschau ihr Sterne. Ich komme wieder zu euch und lasse mich von euch kitzeln.“
Kasim sah sie verwundert an.
„Hast du das nicht gespürt? Als ich so dagelegen habe, hat mich das Licht gekitzelt.“
„Nein, bei mir war das noch nie so.“
Dann tauchten sie ab und Fatma kam ohne Probleme wieder hoch. So als wäre der Weg jetzt kürzer gewesen. Kasim sah ihren fragenden Blick und sagte: „Nein, das macht die Höhle. Sie schleust dich ganz rasch heraus, wenn sie dir wohlgesonnen ist. Und du hast auf der ganzen Linie gesiegt.“
Am Abend kuschelten sie wieder am See. Sie wollte Kasim noch etwas beibringen, wenn er es überhaupt machte.
„Kasim, geht dein Dieb immer nur ins Himmelreich oder auch in die Hölle?“
Er wusste nicht, was sie meinte.
„Na das Himmelreich ist die Lusthöhle für deinen Sesamstab und die Hölle liegt gleich dahinter.“
Jetzt wusste er, was sie meinte.
„Ja, aber nur als Bestrafung, wenn eine Frau ungehorsam ist.“
„Und was muss man tun, damit man bestraft wird.“
„Das kommt immer darauf an. Wenn man nicht will, dass sie schwanger wird, weil sie sich selbst befriedigt hat oder mit einem anderen Mann alleine war. Oder so was Ähnliches.“
„Bestrafst du mich auch?“
Er drehte sich zu ihr um und blickte sie erstaunt an.
„Wieso soll ich dich bestrafen? Du bist ja willig und gefügig.“
„Und wenn ich dich darum bitte, mich zu bestrafen?“
„Nein Fatma, das mache ich nicht.“
„Aber es muss sein, du musst doch darauf vorbereitet sein, wenn du demnächst mal wieder eine deiner Frauen bestrafen musst. Falls jetzt etwas reißt, dann hast du immer noch den See zum Heilen. Im Palast geht das dann nicht mehr.“
Er sah sie verwirrt an.
„Das ist jetzt doch nicht dein Ernst, oder?“
„Doch mein voller Ernst und bei uns zuhause ist es keine Strafe. Oder was glaubst du, wieso ich noch Jungfrau war! Männer machen das gerne, denn es ist dort sehr eng.“
„Nein, ich kann das nicht, tu mir das bitte nicht an.“
„Doch! Ich muss irgendetwas finden, damit du mich bestrafst. Ein Mann ist nicht da, also muss ich mir etwas anderes überlegen.“
Sie verschwand im Zelt.
„Fatma komm her.“
Sie hörte ihn nicht mehr. Wenn sie ungehorsam war und nicht folgte, dann musste er sie bestrafen, das war noch das einfachste. Oder sie musste sich vor ihm selbst befriedigen. Das tat sie nie gerne, aber wenn der Zweck die Mittel heiligte? Er kam ihr in das Zelt nach.
„Komm her meine Blume. Du wirst dich doch nicht selber so erniedrigen wollen.“
„Doch Kasim ich muss es tun! Deinetwillen!“
Sie sahen sich gegenseitig böse an.
„Und ich werde es nicht tun!“
„Doch du wirst es tun! Du musst es tun!“
Und sie verschwand hinter dem Vorhang. Das war ihr Reich. Da durfte er ihr nicht folgen. Sie setzte sich in eine Ecke und überlegte was sie noch tun konnte. Sie musste sich ja gar nicht selbst befriedigen. Sie konnte nur so tun. Hier durfte er nicht hinein. Sie tat so, als würde sie es sich selbst machen.
„Fatma! Tu das nicht! Bitte mach das nicht! Ich muss dich sonst wirklich bestrafen.“
Sie stöhnte immer lauter. Und gab einen Orgasmus zum Besten.
„Fatma! Jetzt ist Schluss mit dem Spiel! Du willst es nicht anders. Komm heraus und hole dir deine Bestrafung ab.“
Jetzt war er wirklich wütend. Sie kam beschämt heraus.
„Knie dich nieder!“
Sie schüttelte den Kopf. Sie wollte ihm keinen blasen, sie wollte in den Anus gefickt werden. Mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen.
„Zieh dich aus!“, sagte er schon wirklich wütend.
Sie schüttelte wieder den Kopf, denn sprechen durfte sie nicht. Sonst würde er es merken, dass sie spielte. Er riss ihr die Kleider vom Leib, drückte sie herunter und sagte: „Blas mir einen.“
Sie schüttelte den Kopf und verweigerte die Aufforderung mit dem Kopf.
„Fatma, bitte sei nicht so stur! Ich will dich doch nicht so bestrafen, dazu mag ich dich doch zu sehr.“
Sie blieb stur. Sie musste es machen. Sie mussten beide da durch. Er warf sie auf die Kissen und wollte sie so nehmen, da merkte er, dass sie mit sich selber spielte.
„Nein Fatma, bitte nicht!“
Jetzt konnte er nicht mehr anders, auch wenn er sie liebte, er musste das leider tun, was sie wollte.
„Dreh dich um und empfange deine Strafe.“
Das sagte er so tonlos, dass sie wusste, jetzt wurde es ernst. Sie drehte sich um, kniete sich hin und streckte ihm ihren nackten Hintern entgegen. Er befeuchtete ihren Anus, hielt seinen Schwanz vor ihre Hölle und drückte ihn langsam und vorsichtig rein. Er wollte sie trotz allem nicht verletzen. Dann fing er an, sich rhythmisch zu bewegen. Sie sah seine Tränen nicht. Er weinte, weil er sich verletzt hatte und weil er sie bestrafen musste. Dann wurde er schneller und schlug ihr sogar vor lauter Frust auf den Hintern. Sie spielte sich vorne an ihrem Kitzler. Als er es merkte, schlug er ihr sofort die Hand weg. Er dachte, sie wolle ihn noch mehr provozieren. Doch das gehörte dazu, nur wusste er das nicht. Je schneller er wurde, desto heißer wurde Fatma. Ihr schwanden schon die Sinne. Ein Orgasmus bahnte sich an. Sie spielte trotzdem weiter, wie sie es gewohnt war. Er schlug ihr wieder die Hand weg. Vor lauter Erregung rief sie: „Ja - komm - fick mich! Gib es mir! Ich will ihn spüren.“
Jetzt merkte er erst, dass er in eine Falle getappt war. Sie hatte ihn so lange provoziert, bis er sie von hinten nahm. Jetzt musste er es erst recht machen. Er drückte ihr wieder die Hand weg, doch diesmal spielte er mit dem Kitzler.
„Oh ja, komm gib es mir. Ich komme gleich!“
Sie hatte sich lange zurückhalten müssen, damit er es nicht so schnell mitbekommt. Jetzt war es egal. Sie war heiß und genoss es. Eine Gänsehaut lief ihr über den Rücken. Da er jetzt mit ihrem Kitzler spielte wurde sie richtig heiß, sehr heiß. Er wurde noch schneller und verwöhnte weiter ihren Kitzler.
„Jaaaa, oh jaaa!“, stöhnte sie und bekam einen heftigen Orgasmus - so einen heftigen hatte sie beim normalen Sex noch nie!
Dann spritze er in ihre Hölle. Er stöhnte ebenfalls. Dann zog er ihn mit einem Ruck heraus. Er war blutverschmiert, genauso wie ihr Hintern. Er legte sich zurück und holte Luft zum Atmen.
„Fatma! Was machst du mit mir.“
Sie kniete immer noch und rang nach Luft.
„So einen Sex hatte ich auch noch nie!“
Er schüttelte nur den Kopf.
„Komm gehen wir baden, irgendwer ist verletzt.“
Sie stand auf, zog sich das Kleid ganz aus und ging ihm nach. Das Wasser umschloss sofort seine Beine, so als würde es ihn hineinziehen. Das machte es immer so. Als sie zum Wasser kam, entzog es sich ihr. Es ging immer weiter zurück. Sie blieb stehen und sah ihm zu.
„Komm doch rein, es tut gut.“
„Nein, das Wasser lässt mich nicht. Es will mir nicht helfen. Es entzieht sich mir.“
Sie ging einen Schritt zurück und setzte sich in das Gras. Sie sah ihm zu und war glücklich, dass er es geschafft hatte. Sie wollte gar nicht hinein, wenn sie nicht durfte. Sie wollte es auch gar nicht erst probieren. Dann sollte das eben ihre Strafe sein. Er lag auf dem Wasser und genoss es, dass es ihn umspülte. So gedankenverloren saß sie da. Bis sie etwas an ihren Beinen spürte. Das Wasser kam immer weiter heraus. Sie streckte einen Fuß aus, um zu sehen, ob es sich wieder zurückzog. Nein, es umspülte ihr Bein. Dann streckte sie auch das andere Bein aus und es umspülte auch dieses. Anscheinend hatte es ihr dieses Spiel verziehen.
„Danke“, sagte sie und ging langsam hinein.
Sie schwamm zu ihm und er war überrascht, dass sie plötzlich doch da war.
„Wie bist du hereingekommen, wenn du doch nicht durftest. Oder hast du es ohne seine Genehmigung gemacht?“
„Nein, es hat mich geholt. Ich saß da und freute mich, dass es dir trotz meines Spiels gut ging und dachte, dann sei es eben meine Strafe. Auf einmal, in meine Gedanken hinein, umspielte das Wasser meine Füße. Ich streckte zuerst den einen, dann den anderen Fuß aus. Es zog sich nicht zurück. Ich bedankte mich und ging ins Wasser.“
Der Sultan konnte nur den Kopf schütteln. Er nahm Fatma in die Arme und küsste sie.
„Danke. Du hattest recht. Wenn ich wen bestraft hätte, wäre meine Strafe größer gewesen, denn ich hätte mich ordentlich aufgerissen. Im Wasser habe ich es dir verziehen.“
„Darum durfte ich wahrscheinlich rein.“
Er küsste sie noch einmal.
„Fatma, mach das bitte nie wieder.“
„Nein, du musst es noch einmal machen, damit wir sehen, ob du nicht noch einmal reißt“
Er sah sie erschrocken an.
„Sag nicht, du willst das noch einmal durchstehen!“
„Ich glaube, du hast da etwas nicht mitbekommen. Mir hat es gefallen und ich hoffe beim dritten Mal gefällt es dir auch?“
„Beim dritten Mal?“
Er war so überrascht, dass er sich nicht mehr über Wasser halten konnte. Als er hochkam lachte Fatma.
„Was war das jetzt? Seit wann verliert man im Wasser den Halt?“
Anscheinend war das Wasser auch der Meinung, er müsse es nochmal tun.
„Ja, aber zu meinen Bedingungen.“
„Abgemacht, aber noch in diesen zwei Tagen.“
„Aber heute nicht mehr.“
„Okay, kein Problem.“
Dann schwammen sie hinaus. Beim Essen sah er sie immer von der Seite her an.
„Was starrst du mich an?“
„Weil du so glücklich bist, trotz der Bestrafung.“
„Kasim, für mich ist es keine Bestrafung. Bei uns ist das fast normal, für die, die auf so etwas stehen. Es gibt noch etwas anderes, aber von dem erzähle ich dir lieber nichts.“
Er fragte auch lieber nicht nach. Sie kuschelten sich zusammen und schliefen glücklich ein.
***
Der Morgen begann normal. Sie traute sich auch gar nicht, danach zu fragen. Nicht dass sie ihn wütend machte. Das wollte sie heute nicht absichtlich machen. Die letzten Tage hatte er schon so viel Sex, wie die letzten Jahre nicht mehr. Sie holte noch das Letzte aus ihm heraus.
Er dachte, er könne sicher jeden Tag mindestens dreimal mit ihr Sex machen. Zuerst funktionierte das auch, aber dann ließ es nach. Er saß am Wasser und grübelte darüber nach. Wie er mit ihr die Hölle erforschen sollte, ohne dass er oder sie sich wehtaten. Das Wasser war ruhig heute, dennoch probierte es schon die ganze Zeit, ihn zu erreichen. Aber er saß zu weit weg. Da konnte es nicht hin, aber mit jedem Stoß probierte es weiter herauszukommen. Er dachte an ihre Worte von gestern. Er zog sich aus und ging hinein. Was wollte das Wasser ihm sagen? Er legte sich auf den Rücken und ließ sich treiben. Es brachte ihn wirklich an eine bestimmte Stelle. Da war er noch nie gewesen. Er konnte auf einer Stufe nah am Ufer stehen. Gerade so hoch, dass sich vor ihm noch jemand niederknien konnte. Das Wasser umspülte sein bestes Stück und dieses zeigte Richtung Ufer.
„Du meinst wirklich?“, fragte Kasim erstaunt und wie zur Bestätigung drückte ihn eine Welle zum Ufer.
Das Wasser ging ihm mittlerweile bis über die Hüften, dann wären die bestimmten Stellen im Wasser. Auch von ihr. Dann sollte es anscheinend leichter sein. Er wollte es sich noch überlegen, doch er kam nicht weg. Das Wasser drückte ihn immer an diese Stelle.
„Okay, ja schon gut, ich mache es noch. Morgen aber erst.“
Und schon hatte er Wasser im Gesicht.
„Gut! Aber erst heute Nachmittag!“
Das Wasser blieb ruhig. Er schwamm zurück. Fatma war schon wach. Sie frühstückten und dann liebte er sie ganz sanft und zart. So als wolle er sich entschuldigen für das, was er noch mit ihr machen musste.
„Du warst heute besonders zärtlich? Hat das einen Grund?“
„Nein, keinen besonderen.“
Manchmal ritten sie auch aus, damit die Pferde in Bewegung blieben. Er zögerte die Heimreise hinaus. Aber irgendwann mussten sie doch zurück. Ihm blieb nichts anderes übrig. Fatma ging sofort ins Wasser.
„Komm herein, das Wasser ist herrlich nach dem langen Ritt.“
Er zögerte noch. Auf einmal sah er Fatma nicht mehr. Wo war sie? Er sprang sofort hinein. Das Wasser trieb ihn sofort zu der Stelle vom Vormittag, dort stand auch Fatma schon.
„Komm her und sieh, was ich für einen schönen Platz gefunden habe.“
Es war der, den ihm das Wasser in der Früh gezeigt hatte. Er kam näher.
„Sie her, da gibt es weiches Moos auf dem man weich liegen kann.“
Er hätte jetzt auch nicht mehr zurückschwimmen können. Er stellte sich zu ihr, küsste sie und war traurig über das, was er jetzt machen musste. Das Wasser würde sie nicht freigeben, bevor er es nicht freiwillig tat. Er drehte sie um.
„Bück dich!“, versuchte er rau zu sagen.
Sie legte sich willig auf das Moos. Ihr Hintern war ebenso unter Wasser wie seine Männlichkeit. Also würde alles schön feucht sein und besser rutschen. Zuerst steckte er ihn in ihr Himmelreich und nahm sie hart. Diesmal konnte sie sich nicht selbst befriedigen, da sie sich mit den Händen festhalten musste. Vielleicht war das ja eine Strafe für sie? Dann zog er ihn heraus und drückte ihn in ihre Hölle - ganz vorsichtig und langsam. Sie presste sich ihm entgegen. Kasim zog ihre Hinterbacken auseinander. Dadurch öffnete sich ihre Hölle noch etwas. Dann war er drinnen. Sie zuckte kurz. Das Wasser half ihm, den Rhythmus zu finden. Sie schrie nicht, sie winselte nicht, sie hielt still. Die anderen winselten immer sehr schnell. Er fing an, sie schneller zu nehmen. Sie krallte ihre Hände in das Moos. Fatma sagte immer noch kein Wort. Nicht mal schneller atmen hörte er sie. Aber das Wasser war auch zu laut dafür. Es klatschte immer mit, wenn er ihr ihn hineinschob oder - drückte. Dann hielt er es nicht mehr aus und fing an sie rascher zu nehmen - so wie gestern.
„Kasim!“, hörte er sie rufen.
Sollte er jetzt aufhören, weil es ihr weh tat? Er verlangsamte den Rhythmus.
„Kasim, schneller, bitte schneller!“
Also war es kein Schmerz. Er tat, was sie sagte und sah dabei immer auf seinen Steifen, wie er rein und raus ging. Es fing an, ihm zu gefallen. Wie sie sagte: Da ist es eng. Die Männer mögen das. Er fand auch langsam Gefallen daran.
„Kasim weiter. Bitte weiter.“
Er grinste und machte weiter. Immer schneller, bis er sich mit einem lauten Schrei entlud. Auch Fatma hatte einen phantastischen Orgasmus. Er musste erstmals zu Atem kommen. Dann beugte er sich nach vorn, gab Fatma einen Kuss, zog ihn aus ihrem Po heraus und ließ sich ins Wasser fallen.
***
Fatma wusste nicht, wie ihr geschah.
„Bück dich!“, forderte Kasim sie auf und sie machte, was er wollte.
Er sollte sie nehmen, ganz hart und wild, hier und jetzt. Der Platz passte sehr gut und war wie geschaffen dafür. Das Wasser würde es leichter machen. Dann schob er ihr ihn hinein. Ohne zu fragen, ohne etwas zu sagen. Sie hielt still. Er musste es tun! Von ganz alleine. Nicht als Strafe, sondern weil es dazugehörte. Wie sollte er es sonst machen, wenn er eine Frau bestrafen wollte? Wenn er Probleme hatte, weil es ihm wehtat oder er riss? Er sollte dabei keine Angst haben. Egal wen er nahm! Hatte sie es geschafft? Nein, noch nicht ganz! Er musste von alleine kommen. Diesmal hatte ihm das Wasser geholfen und ihn gezwungen. Sie hatte es bemerkt, da sie ganz genau auf diese Stelle zutrieb, ohne etwas dazuzutun. Und sie konnte sich diesmal nicht selber helfen. Sie musste sich anhalten. Aber er hatte es geschafft und sie hatte trotzdem ihr Vergnügen.
Fatma stieg auch ins Wasser und schwamm zu ihm. Es war mittlerweile dunkel geworden. Sie gingen stumm ins Zelt. Kasim legte sich heute nicht zu ihr. Sondern auf die andere Seite des Bettes. Das war die Strafe für sie. Nicht in seiner Nähe sein zu dürfen. Aber das würde sie bald immer sein. Sie würde demnächst nicht mehr jeden Tag an seiner Seite sein. Und wenn sie heimflog, sah sie ihn nicht mal jeden Tag. Das würde hart werden. Bald schlief sie vor Müdigkeit ein. Am Morgen war Kasim schon weg, als Fatma aufwachte. Holte er das Essen? Sie wartete auf ihn. Sie konnte sonst nichts machen. Er kam später als sonst zurück. Fatma sah ihn nur traurig an. Ohne ein Wort aßen sie das Frühstück. Danach schwammen sie wieder im See.
„Lass uns zur Höhle schwimmen.“
Sie schwamm hinter ihm her und tauchte neben ihm auf. Schwer atmend setzten sie sich in den Sand und sahen sich die Steine an. Fatma wollte sich zurücklegen und dabei schnitt sie sich an etwas. Als sie nachsah, war es der Stein, den sie schon einmal in der Hand hatte.
„Der gehört dir. Es ist dein Stein. Er muss mit dir gehen“, sagte Kasim mit brüchiger Stimme.
Irgendwie war er traurig und viel zu ruhig. Sie legte den Stein wieder zurück.
„Ist etwas mit dir?“
„Nein, was soll schon sein?“, sagte er etwas zu schroff.
Die Steine fingen an zu blitzen und zu blinken. Fatma musste sich immer wieder über die Haut fahren, da es schon wieder kitzelte.
„Habe ich dir wehgetan?“, fragte Kasim.
„Nein, hast du nicht.“
„Habe ich dich damit bestraft?“
„Nein, konntest du nicht. Aber du hast mich bestraft, in dem ich mich nicht neben dich legen durfte. Aber das wird im Palast auch so sein. Ich werde nicht jede Nacht bei dir sein dürfen. Und wenn ich nicht mehr hier bin, dann …“
„Schweig!“, sagte er diesmal wieder sehr hart.
„Ich will nicht an das denken. Ich will diesen Tag noch mit dir genießen. Morgen geht es wieder zurück. Ich werde dich so oft es geht besuchen kommen. Aber ich habe leider auch etwas anderes zu tun. Ja und du hast recht. Ich muss mich um meine anderen Frauen auch kümmern. Jetzt kann ich endlich die anderen fünf Frauen auch heiraten. Aber erst wenn du nicht mehr da bist. Vielleicht ist es besser so. Ich kann nicht ständig neben dir sein und die anderen links liegen lassen. Wenn du nicht da bist, wird es sicher leichter.“
Dann war kurz Stille.
„Ich hätte da noch eine Bitte“, flüsterte Kasim.
„Und welche wäre das?“
„Bitte sage nichts, wenn ich in die Hölle fahre. Ich will nicht hören, dass es dir gefällt.“
„Gut Kasim.“
Es würde ihr nicht leichtfallen, das zu machen. Das war jetzt wirklich eine Strafe für sie! Er ließ sie diesmal voraus schwimmen, denn er musste ihren Stein noch mitnehmen. Den wollte er ihr geben, wenn sie abreiste. Als Erinnerung an ihn. Der Tag verlief dann wieder ganz entspannt. Am Abend kuschelten sie sich wieder zusammen. Er streichelte sie und dachte am besten an gar nichts. Er ließ alles laufen. Zuerst verwöhnte er sie mit seiner Zunge und dann mit seiner Hand. Fatma hatte ihm beigebracht, wie das geht und dass man so auch eine Frau befriedigen konnte. Hier schrie sie ihre Geilheit heraus. Das würde ihm abgehen. Im Palast würde das nicht gehen. Dann nahm er sie mit seiner Stange und pumpte ihr seinen ganzen Saft hinein. Wer weiß, wann er wieder dazu kam. Dann schob er ihn sofort in die Hölle. Sie lag auf dem Rücken und sah ihn mit weit geöffneten Augen an. Er hatte ihr zwei Kissen unter ihren Hintern geschoben, damit sie höher lag. Dann nahm er sie ohne ein Wort zu sagen. Sie durfte auch nichts sagen. Und ihre Hände hielt er fest, damit sie sich nicht selber streicheln konnte.
„Fatma - ich komme!“, stöhnte er, dann schrie auch sie.
Er wusste nicht, ob vor Schmerz oder vor Geilheit. Er entzog sich ihr und legte sich neben sie. Beide rangen nach Luft. Er fing zuerst an zu sprechen. Fatma traute sich nicht.
„War das ein Lustschrei oder ein Schmerzensschrei.“
„Ein Lustschrei. So habe ich es auch noch nie erlebt.“
Er zog sie neben sich und deckte sie zu.
„Fatma, ich liebe dich.“
„Kasim. Ich liebe dich auch.“
Es war das erste Mal, dass sie es sich direkt sagten. Damit schliefen sie ein.
***
Am nächsten Tag ging es wieder zurück zum Palast. Sie blieben vor dem Tor kurz stehen und sahen ihn sich an.
„Es wird immer meine zweite Heimat bleiben, bis ich für immer bei dir bleiben kann.“
„Versprichst du mir das?“
„Ja, das verspreche ich dir. So wie ich das andere Versprechen auch gehalten habe.“
„Eines hast du mir nicht versprechen können.“
„Und was?“
„Dass ich einen Sohn bekommen werde.“
„Das liegt allein in Allahs Hand!“
Es gefiel ihm, dass sie das sagte. Sie ritten rasch hinein. Im Stall durfte er sie noch mal küssen. Denn da sah sie keiner. Offiziell durfte er sie nur in den eigenen Gemächern küssen. Fatma wollte gerade in ihre Gemächer gehen, da fing Kadir sie ab und zeigte ihr ihre neuen Gemächer. Diese lagen in der Nähe des Sultans.
Omar lief dem Sultan entgegen.
„Sultan, Sultan! Der Brunnen fließt wieder normal!“
Er sah ihn verstört an. Und kam von weit her mit seinen Gedanken. Dann zog Omar ihn mit zum Brunnen, der im Osten des Palastes seinen Platz hatte. Bei der aufgehenden Sonne. Und wirklich, er floss in Strömen wie schon lange nicht mehr. Er war wieder der wahrhaftige Sultan! Und Yusuf konnte ihm gestohlen bleiben! Was hatte Fatma Ari versprochen? Dass Yusuf nie seinen fetten Arsch auf seinen Rücken setzen würde. Er musste lächeln. Danach ging er seiner Arbeit nach. Es war viel zu erledigen.
„Omar, was siehst du mich so an?“
„Mein Sultan, Sie sehen so glücklich aus. Hat sich das alles gelohnt?“
„Ja und wie und sogar noch mehr.“
Mehr sagte er nicht. Heute machte er mal Pause, er musste sich auch mal von den Flitterwochen erholen.
Der Brunnen
Am nächsten Morgen bat Fatma um ein Gespräch beim Sultan. Man konnte und durfte nicht einfach so zu ihm. Nicht mal sie, als seine Frau. Er ließ sie sofort holen. Was konnte so wichtig sein?
„Guten Morgen Sultan Kasim. Ich hätte eine große Bitte. Die kannst nur du mir gewähren. Kadir sagte, dass musst du entscheiden, das darf ich nicht alleine.“
„Und welche Bitte hast du, Fatma?“
Es tat weh, mit ihr so reden zu müssen. Er hätte sie lieber in den Arm genommen.
„Darf ich mit den Ärzten speisen, denn sie wollen sicher wissen, ob es mir gut geht. Kadir wäre immer anwesend, damit keine Gerüchte aufkommen.“
„Ja darfst du, aber ich kann es dir nur einmal erlauben und nicht jeden Tag. Das musst du wissen.“
„Ja, Kadir hat mir das schon erklärt. Ich würde sie gerne heute Abend zum Essen einladen.“
„Ist erlaubt.“
Fatma verbeugte sich und ging. Kadir durfte somit zu ihren beiden Kollegen gehen und es ihnen sagen. Die freuten sich, sie wiederzusehen. Sie wohnten ja in einem anderen Teil des Palastes. Während der Sultan, Fatma und seine anderen Frauen im Ostteil des Palastes ihre Gemächer hatten, wohnten die beiden Ärzte im Westteil. Und sie wurden auch noch bewacht. Also gab es auch keinen unbefugten Zutritt. Während Fatma die Ärzte zu Besuch hatte, hatte der Sultan Amal zu Besuch. Sie freute sich ihren Sultan wohlauf und gesund wiederzusehen. Bei der Gelegenheit stellte er seine Männlichkeit mehr als einmal unter Beweis, damit Amal es den anderen Frauen gleich berichten konnte.
Die beiden Ärzte wollten auf Fatma zugehen, doch Kadir vertrat ihnen den Weg.
„Setzt euch doch. Wir können auch so reden. Erzählt mir, wie ist es euch in der Zwischenzeit ergangen ist.“
„Wir würden lieber mehr von Ihnen hören, Dr. Evans.“
Sie sah Dr. Maier erschreckt an und Kadir bekam einen Hustenanfall. Diesmal ließ er es noch durchgehen, wegen ihrer Freude, dass es der Sahiba Fatma gut ginge.
„Entschuldigen Sie, Sahiba Fatma, dass ich sie falsch ansprach“, sagte er schnell und verbeugte sich vor Kadir, um sich so zu entschuldigen.
Er nahm die Entschuldigung an.
„Der Sultan kam tatsächlich noch vor der Hochzeit bei uns vorbei und fragte um das Einverständnis, Sie heiraten zu dürfen. Doch was sollten wir sagen? Das hatten Sie ja bereits entschieden und so gaben wir ihm unsere Zustimmung. Der Sultan gab uns noch die Erlaubnis, uns frei im Palast bewegen zu dürfen und dass wir auch Untersuchungen durchführen könnten. Wir bekamen auch einen Dolmetscher zugewiesen. Ein sehr netter Mann. Ormaz16 ist sein Name. Es kamen einige Patienten mit Kleinigkeiten, aber nichts Wichtigem, zu uns. Die Feierlichkeiten dauerten vier Tage, bis wieder alles seinen geregelten Gang nahm. Dann erkundeten wir den Palast, aber nur so weit wie wir durften. Ja und jetzt freuen wir uns schon darauf, bald wieder heimkehren zu können. Können sie in der Hinsicht schon etwas sagen?“
„Nein, dazu kann ich noch gar nichts sagen.“
Inzwischen waren sie auch bereits mit dem Essen fertig. Nach dem Kaffee mussten sie auch schon wieder gehen. Sie hatten sie sehen dürfen, das war schon ein gutes Zeichen. Das bestätigte ihnen auch Ormaz.
„Mehr dürfen sie von der Fatma Sahiba nicht erwarten.“
Aber Fatma war es zu langweilig. Also ging sie im Palast spazieren. Was sollte sie sonst auch den ganzen Tag machen. Was machten die anderen? Die hatten Kinder und da gab es genug zu tun. Sie fand den Brunnen, von dem sie schon gehört hatte. Sie saß des Öfteren dort und sah ihm zu. Am nächsten Abend, als sie in ihr Gemach zurückkam, wartete der Sultan auf sie. Sie erschrak.
„Ich habe erfahren, dass du mit den Ärzten gespeist hast.“
„Aber das wusstest du doch. Ich hatte dich um Erlaubnis gebeten.“
Er stand auf, ging zu ihr und flüsterte ihr zu: „Miriam hat sich beschwert und sie kennt hier alle Schleichwege. Ich weiß nicht, ob sie jetzt gerade zuhört. Tu so, als würdest du weinen und mich um Verzeihung anflehen. Ich werde später am Abend kommen und alles wiedergutmachen.“
„Bitte Sultan Kasim, verzeihe es mir. Es wird nicht wieder vorkommen.“
„Das ist auch gut so. Ich komme später und bestrafe dich!“
„Ja Sultan.“
Sie musste sich tief verbeugen, damit man ihr Lachen nicht sah. Strafe war für sie, wenn er nicht kommen durfte. Er kam, aber leider zu spät. Fatma war schon vor lauter Müdigkeit eingeschlafen. Am nächsten Tag ging sie wieder zum Brunnen. Sie fand eine Blume an der Mauer, wo kaum Erde oder Sand war. Aber sie wuchs trotzdem. Fatma befreite sie von der kahlen Mauer und setzte die Blume etwas abseits neben dem Brunnen wieder ein. Sie holte mit der Hand etwas Wasser heraus und goss damit die Blume. Dann setzte sie sich an den Rand des Brunnens und hielt ihre Hand hinein. Es wunderte Fatma, dass es eiskalt war. Trinken konnte sie es nicht. Es war viel zu kalt dafür. So fand sie der Sultan vor. Ihn wunderte es, dass sie die Hand ins Wasser legen konnte.
„Was machst du hier?“
„Ich sitze hier und sehe dem Brunnen zu, wie sein Wasser rinnt und plätschert. Nur Trinken kann man es nicht.“
Er setzte sich zu ihr. Nahm eine Handvoll Wasser und sagte: „Trink es aus meiner Hand.“
Und tatsächlich - da konnte sie es trinken.
„Wieso kann ich das Wasser aus deiner Hand trinken und aus meiner nicht?“
„Eigentlich dürftest du deine Hand gar nicht in das Wasser halten können.“
„Und wieso nicht?“
„Weil es um den Brunnen eine Geschichte gibt. So lange ein männlicher Nachkomme da ist, wird das Wasser fließen. Hat der Sultan keinen eigenen Erben, so versiegt der Brunnen und ein anderer seiner Linie übernimmt seinen Platz. Aber nur der rechtmäßige Erbe kann seine Hand in das Wasser tauchen. Die anderen verbrennen sich oder die Hand vereist.“
Zum Beweis tauchte er noch einmal seine Hand in das Wasser. Fatma konnte es auch, aber ihr war es viel zu kalt.
„Warum kann ich es auch? Ich bin doch kein rechtmäßiger Erbe.“
„Vielleicht trägst du den rechtmäßigen Erben bereits in dir?“
Sie sah ihn erschrocken an. Das hieße, sie müsse hierbleiben? Das wollte sie aber nicht! Noch nicht!
„Tut mir leid, ich wollte dich damit nicht erschrecken. Ich habe dich gesucht, denn ich will mich für gestern entschuldigen. Ich war in deinen Gemächern, aber du hattest schon geschlafen. Miriam ist lästig und verbreitet Gerüchte über dich. Es will sie jedoch keiner anhören. Und heute muss ich sie bestrafen. Danach will ich nicht mehr zu dir. Ihren Schmutz zu dir tragen. Sie mochte dich von Anfang an nicht. Aber du bist jetzt meine Frau und das muss sie akzeptieren. Egal wie lange du hier bist.“
Er gab ihr noch einen Kuss und ging. Die Blume trauerte schon. Fatma gab ihr noch etwas Wasser. Eine Träne fiel mit hinunter. Der Sultan sah das noch.
Am Abend hallten die Schmerzensschreie von Miriam durch den Palast. Fatma musste sich die Ohren zuhalten. Sie hatte den Sultan gut gelehrt. Doch ihm war nicht so wohl dabei, wie bei Fatmas Bestrafung. Bei ihr hatte es ihm Spaß bereitet.
Drei Tage später konnte er Fatma endlich wieder besuchen. Sie lagen sich sofort in den Armen. Ihm war es egal, ob Miriam irgendwo zusah. Sie sollte nur sehen, wie glücklich er mit ihr war. Und wie es ihr gefiel. Er rechnete aber nicht mit ihrer Rache. Denn dann müsste er sie verstoßen. Sie wollte zwar noch mehr Lügen über Fatma verbreiten, aber seine Frauen glaubten es ihr sowieso nicht mehr und Miriam wurde nur durch die Gnade des Sultans verschont.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.