Kitabı oku: «Teenager mit Liebe und Logik erziehen»

Yazı tipi:

Foster Cline und Jim Fay

Teenager mit Liebe und Logik erziehen

Jugendliche auf ein verantwortungsvolles Erwachsensein vorbereiten

GloryWorld-Medien

1. Auflage 2021

© Copyright 2021 by Foster Cline and Jim Fay. All rights reserved. Originally published in English under the title „Parenting Teens with Love and Logic: Preparing Adolescents for Responsible Adulthood“ by Nav-Press.

All rights reserved.

© der deutschen Ausgabe 2021 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de

Alle Rechte vorbehalten

Übersetzung/Satz: Manfred Mayer

Umschlaggestaltung: Kerstin & Karl Gerd Striepecke, www.vision-c.de

Umschlagmotiv: Adobe Stock

ISBN (epub): 978-3-95578-471-3

ISBN (Druck): 978-3-95578-371-6

INHALT

Vorwort

Einführung

Teil 1: Liebe-und-Logik-Eltern werden erwachsen

1 Was man über Teenager wissen sollte

Ein beunruhigender Anruf

Wer hat hier das Sagen?

Ein Wechsel der Taktik

Verantwortung lernen

Die Zeiten ändern sich

Sich den Herausforderungen der nächsten Generation stellen

Ein Grund zur Hoffnung

2 Mit Liebe und Logik erziehen: Funktioniert das auch bei Teenagern?

Auf eigenen Füßen stehen

Helikopter-Eltern

Die Weiterentwicklung des Helikopter-Elternteils: der turbinengetriebene Kampfhubschrauber

Feldwebel-Eltern

Laissez-Faire-Eltern

Beratende Eltern

Die Liebe-und-Logik-Methode

3 Zurück zu den Grundlagen, Teil 1: Jugendliche zu verantwortungsbewusstem Handeln erziehen

Grundlegendes Selbstbild – Wer bin ich?

Liebe-und-Logik-Prinzip 1: Verantwortungsbewusste Teenager fühlen sich wohl in ihrer Haut

Liebe-und-Logik-Prinzip 2: Verantwortungsbewusstsein lernt man durch Vorbilder, nicht durch Belehrungen

Liebe-und-Logik-Prinzip 3: Lassen Sie Jugendliche für ihre Probleme und deren Lösungen selbst verantwortlich sein

Liebe-und-Logik-Prinzip 4: Wenn wir Teenager-Streitereien entschärfen, bleibt der Fokus auf ihnen

4 Zurück zu den Grundlagen, Teil 2: Teenager wie verantwortungsbewusste Erwachsene behandeln

Liebe-und-Logik-Prinzip 5: Kontrolle durch Wahlmöglichkeiten erlangen

Liebe-und-Logik-Prinzip 6: Kontrolle durch Nachdenkworte teilen

Liebe-und-Logik-Prinzip 7: Empathie und Bedauern plus Konsequenzen = Erfolg

Liebe-und-Logik-Prinzip 8: Die Konsequenzen müssen nicht sofort spürbar sein

Liebe-und-Logik-Prinzip 9: Aufbau einer lebenslangen Beziehung

Teil 2: Tanz auf dem Vulkan

Die wilden und wunderbaren Herausforderungen der Erziehung von Teenagern

5 Schnallen Sie sich an und genießen Sie die Fahrt!

Warum Eltern sich entspannen sollten

Einige Dinge, die Eltern verstehen müssen

Drei Typen von Teenagern

Nochmals, entspannen Sie sich

6 Teenager von innen heraus verstehen: Innere Veränderungen in der Reifephase

Änderungen im Denken

Physische Änderungen

Jugendliche über Sex informieren

Psychische Veränderungen (Wertewandel)

Umgang mit Rebellion

Lassen Sie sie los und lassen Sie sie wachsen

7 Teenager von außen nach innen verstehen: Äußere Veränderungen in der Reifephase

Der Druck des sozialen Wandels

Unterschiedliche Gegebenheiten, gleiche Bedürfnisse

Was heute anders ist

Druck von außerhalb der Familie

Auf den Wellen der Trends reiten

Druck aus dem Inneren der Familie

Sparen Sie Ihre emotionale Energie auf

8 Auf die Plätze, fertig, los – ab in die reale Welt

Willkommen in der realen Welt

Methoden für neunmalkluge Teenager

Erziehungsperspektiven zur Vorbereitung auf die reale Welt

Was Liebe und Logik nicht ist

Auf die Plätze, fertig, los!

Teil 3: Liebe-und-Logik-Erziehungsperlen

Wie man die Liebe-und-Logik-Perlen anwendet

1 Aggressives Verhalten

2 Erscheinungsbild: Kleidung, Frisur und andere Überraschungen

3 Auseinandersetzungen

4 Zurück ins Nest: Wenn ein älteres Kind wieder nach Hause ziehen muss

5 Widerworte

6 Autos, Fahren und Mitfahrgelegenheiten

7 Gottesdienst: Wenn Teenager nicht gehen wollen

8 Kosten für das Studium: Wer bezahlt?

9 Krisensituationen

10 Ausgehzeiten

11 Verabredungen

12 Respektlosigkeit

13 Scheidung und Besuchsrecht

14 Drogenmissbrauch

15 Essstörungen

16 Anspruchsdenken

17 Freunde und Gruppenzwang

18 Geschenke an unsere Teenager

19 Noten

20 Hausarrest

21 Jobs

22 Führung: Bereiten Sie Ihren Teenager darauf vor, ein Leiter zu werden

23 Geld

24 Stimmungsschwankungen

25 Musik

26 Befehle: Geben oder nicht geben

27 Partys

28 Wann Sie professionelle Hilfe aufsuchen sollten

29 Wenn Kinder von zu Hause weglaufen

30 Satanismus und religiöse Kulte

31 Sex

32 Die Schweigebehandlung

33 Soziale und außerschulische Aktivitäten

34 Sport

35 Selbstmorddrohungen

36 Technik: Internet, Handys, Pornografie, Fernsehen und Videos, Computerspiele

37 Gewalttätigkeit: Cybermobbing und Banden

Über die Autoren

Für all die Eltern und Kinder (einschließlich unserer eigenen!), die meine Lehrer waren, und für meine Frau Hermie, die mich unterstützt hat.

Foster Cline

Meiner Frau Shirley, deren Liebe, Unterstützung und Weisheit seit jeher eine Quelle der Motivation und Stärke für mich sind.

Jim Fay

Vorwort

Es hat uns sehr gefreut, wie die Bücher Mit Liebe und Logik erziehen sowie Teenager mit Liebe und Logik erziehen weltweit aufgenommen worden sind. Eltern auf sechs Kontinenten – alle außer der Antarktis – haben Liebe-und-Logik-Konzepte effektiv umgesetzt. Seit der ersten Ausgabe haben wir begeistert die Erfolgsgeschichten von Eltern gesammelt, die uns aufgeregt und stolz von der Erziehung ihrer Kinder mit Wahlmöglichkeiten, Konsequenzen und Einfühlungsvermögen erzählten, wie es in Mit Liebe und Logik erziehen gelehrt wird.

Seit der Erstausgabe hat sich die Welt offensichtlich in vielerlei Hinsicht verändert. Damals gab es weder Smartphones noch Online-Chats mit Fremden oder Computerspiele. Es gab weniger verfrühten Sex, weniger Gewalttätigkeit und weniger Alleinerziehende, die sich abmühten, Teenager großzuziehen.

Doch ganz unabhängig von den Generationen – ob Eltern mit ihren Kindern über ein Billardspiel oder über ein gewalthaltiges Videospiel reden, ob sie besorgt über die Rocklänge oder über gepiercte Nasen und Lippen sind – läuft eine gute Erziehung letztlich auf liebevolle Beziehungen und eine effektive Kommunikation zwischen Eltern und Kindern hinaus, die Respekt und Selbstdisziplin zur Folge haben.

Unser Ziel hat sich nicht verändert, aber diese aktualisierte Ausgabe enthält Informationen, wie Eltern gezielt mit den neuen Herausforderungen umgehen können, vor denen unsere Kinder heute stehen.

Wir danken den Eltern, die uns erzählt haben, dass ihnen die Prinzipien in diesem Buch geholfen haben, Kinder großzuziehen, die gute Entscheidungen treffen können, liebevoll und verantwortungsbewusst sind und mit denen man gerne zusammen ist. Wir danken auch denen, die uns Ideen und Anregungen gegeben haben, von denen einige in diese Ausgabe eingeflossen sind.

Foster Cline und Jim Fay

Einführung

Eltern, deren Kinder jetzt dreizehn Jahre alt werden, wissen, dass Kinder vor weit größeren Herausforderungen stehen als noch vor einer Generation. Risikoreiche Verhaltensweisen wie Komasaufen, Drogenkonsum und verfrühtes sexuelles Aktivsein sind in unseren Schulen stärker denn je verbreitet, und Kinder experimentieren damit inzwischen in jüngeren Jahren. Forschungsergebnisse zeigen uns, dass die Häufigkeit klinischer Depressionen in den weiterführenden Schulen heute ähnlich hoch ist wie in den 1950er-Jahren in psychiatrischen Einrichtungen (etwa jeder Vierte zeigt solche Symptome). Wenn man dazu noch die größere Verfügbarkeit und die stärkere Wirksamkeit von Drogen wie Marihuana und Methamphetamin, die grassierende Zunahme sexuell übertragbarer Infektionen unter Jugendlichen und die zunehmende Isolation unserer Kinder von ihren Bezugspersonen aus einer Reihe kultureller Gründe hinzufügt, wird leicht ersichtlich, dass unsere Kinder heutzutage früher im Leben mit vielen schwierigen und sogar lebensbedrohlichen Entscheidungen konfrontiert sind.

Das bedeutet, dass Eltern heute vor weit größeren Herausforderungen stehen als wir noch vor wenigen Jahren.

Die meisten Eltern lernen Erziehung einfach, indem sie es tun. Wir freuen uns und sind erleichtert, wenn unsere Kinder lernen, selbstständig zu leben und zu wachsen. Aber wir spüren auch den Stachel der Enttäuschung, wenn eine Methode scheitert, und es macht uns Angst, wenn es so aussieht, als würden unsere Kinder – trotz unserer besten Bemühungen – irgendwie nicht „richtig“ werden.

Diese Art der Versuch-und-Irrtum-Erziehung kann angesichts der Folgen, die sich für das Leben unserer Kinder abzeichnen, ziemlich nervenaufreibend sein.

Fragen Sie sich des Öfteren, ob Sie die richtigen Dinge tun, um Ihre Kinder für die Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen, gut auszurüsten? Fragen Sie sich, wie Sie sich für die Herausforderungen, vor denen Sie selbst stehen, wappnen können?

Fassen Sie sich ein Herz! Sie sind nicht allein. Erziehung ist eine Herausforderung – und eine Chance – für jeden, der Teenager hat. Es spielt keine Rolle, was sie bisher erreicht haben; die Pubertät kann eine völlig neue Situation sein.

Wir Autoren haben miterlebt, wie unsere eigenen Kinder in der Adoleszenz aufwuchsen, und wir haben mit Tausenden von anderen Eltern und Teenagern durch unsere jeweiligen Berufe der Psychiatrie und Pädagogik zu tun gehabt.

Wir haben einige Tipps, von denen wir überzeugt sind, dass sie Ihnen helfen werden.

Der Liebe-und-Logik-Ansatz

Unseren Erziehungsansatz nennen wir „Mit Liebe und Logik erziehen“. Wir haben ihn in einem Buch mit diesem Titel beschrieben.1 Vielleicht haben Sie es gelesen, die Prinzipien gelernt und sie auf Ihre Kinder angewandt.

Sollten Sie Mit Liebe und Logik erziehen noch nicht gelesen haben, könnte es hilfreich sein, sich ein Exemplar zu besorgen, vor allem, um den ersten Teil zu lesen, auch wenn wir in diesem Buch, das sich speziell mit Teenagern befasst, viele der gleichen Prinzipien aus einer anderen Perspektive behandeln werden. Haben Sie Mit Liebe und Logik erziehen gelesen, dann haben Sie einen guten Einstieg in das vorliegende Material. Wenn Sie zu Abschnitten kommen, mit denen Sie vertraut sind, lesen Sie sie als Auffrischungskurs in Liebe-und-Logik-Erziehung oder überfliegen Sie sie einfach.

Warum nennen wir unseren Ansatz „Mit Liebe und Logik erziehen“? Die erste Hälfte – Liebe – ist wesentlich für die Erziehung. Wie Sie jedoch noch sehen werden, bedeutet Liebe nicht, dass Sie um Ihre Teenager herumschwirren, um sie vor all den Problemen zu schützen, mit denen sie konfrontiert werden. Liebe bedeutet auch nicht, schlechtes, respektloses oder illegales Verhalten zu tolerieren. Vielmehr bedeutet Liebe, eine gesunde Beziehung zu unseren Teenagern zu pflegen und sie zu befähigen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, mit ihren eigenen Fehlern zu leben und an den Konsequenzen zu wachsen.

Logik, die zweite Hälfte unseres Ansatzes, konzentriert sich auf die Konsequenzen selbst. Die meisten Entscheidungen und Fehler haben logische Konsequenzen. Und wenn diese Konsequenzen von Empathie begleitet werden – Mitgefühl für die Enttäuschung, die Frustration und den Schmerz, den Teenager erleben – werden die Teenager dadurch Lektionen lernen, die wirksam genug sind, um ihr Denken ein Leben lang zu verändern. Mit anderen Worten: Logik erlaubt es unseren Kindern, selbst die Ursache-Wirkungs-Muster herauszufinden, inwiefern ihre Entscheidungen und ihr Verhalten zu bestimmten Konsequenzen führen; sie lässt sie wissen, dass wir sie in ihren Situationen lieben, unterstützen und Mitgefühl für sie empfinden, ihnen aber nicht aus der Patsche helfen werden; und sie erlaubt ihnen, Verantwortung zu entwickeln, während sie ihre Schwierigkeiten durcharbeiten und ihre Probleme selbst lösen.

Liebe und Logik anzuwenden, bedeutet nicht, dass wir alle unsere Antworten oder Werte auf unsere Teenager übertragen. Stattdessen helfen wir ihnen, in Situationen zu kommen, in denen sie Antworten und Werte selbst entdecken können.

Was verstehen wir unter einem Jugendlichen?

Obwohl dieses Buch „Teenager mit Liebe und Logik erziehen“ heißt, geht es eigentlich um die Erziehung von Jugendlichen. Die Definition von Teenager ist klar: Ein Teenager ist jemand, sich zwischen seinem dreizehnten und zwanzigsten Geburtstag befindet. Der Begriff „Jugendlicher“ ist nicht ganz so klar. Ein Jugendlicher kann ein zehnjähriges Kind sein. Oder ein vierzigjähriger Erwachsener, der bei seinen Eltern lebt und sich wie ein Vierzehnjähriger verhält. Oder ein Mann, der sich wie ein Siebzehnjähriger benimmt und mit einer Frau verheiratet ist, die für ihn die Rolle der Mutter übernimmt.

Woher wissen Sie also, ob Ihr Kind ein „Jugendlicher“ ist und ob die Beispiele und Ratschläge in diesem Buch auf Ihre Situation zutreffen?

Für unsere Zwecke ist ein Jugendlicher eine Person, die sich

1. gerade mit intensiven körperlichen und sozialen Veränderungen auseinandersetzt,

2. die Fähigkeit hat (ob sie genutzt wird oder nicht), herauszufinden, wie sie sich artikulieren kann, und

3. in der Lage ist, produktive, gesunde Entscheidungen zu treffen – Hormone hin oder her.

Diese Definition enthält wichtige Voraussetzungen, und dieses Buch wird am hilfreichsten sein, wenn alle drei Voraussetzungen erfüllt sind.

Ein Jugendlicher erlebt die intensivsten Veränderungen des Lebens. Zu diesen Anpassungen gehören Veränderungen des Aussehens und des körperlichen Verlangens. Ein Jugendlicher weiß auch, dass er innerhalb relativ kurzer Zeit an einem anderen Ort leben wird, mit anderen Erwartungen, mit neuen Menschen, die sich auf neue Weise artikulieren.

In der frühen Adoleszenz2 oder Reifezeit beginnen unsere Kinder die Fähigkeit zu entwickeln, wie Erwachsene zu denken, und machen den großen Sprung vom konkreten Denken zum Verständnis von Metaphern und Gleichnissen. Sie sind in der Lage, abstrakte Begriffe einzuschätzen, und sie fragen sich, ob die Mittel wirklich den Zweck heiligen. Betrachten wir ein Beispiel. Ein Elternteil fragt sein Kind: „Was bedeutet es, dass Menschen, die im Glashaus sitzen, nicht mit Steinen werfen sollten?“ Wenn die Antwort des Kind sich darum dreht, dass Glas zerbricht, dann ist es ein konkreter Denker. Wenn es aber etwas sagt, wie: „Man sollte lieber vorsichtig sein, bevor man etwas über jemand anderen sagt, wenn das Gleiche auch über einen selbst gesagt werden könnte“, dann ist es ein abstrakter Denker.

Die Fähigkeit unserer Jugendlichen, Ursache-Wirkungs-Zusam­menhänge zu sehen, situative Ethik anzuwenden, Dinge in eine Erwachsenenperspektive zu setzen und elterliche und gesellschaftliche Unzulänglichkeiten zu erkennen, kann alle möglichen Spannungen zwischen uns und unseren Kindern verursachen. Diese Veränderungen können Rebellion wahrscheinlicher machen, aber sie machen auch tiefe und beglückende Eltern-Kind-Beziehungen möglich.

Es ist keine leichte Aufgabe, Kinder zu erziehen, die die Schwelle zum Erwachsensein erreichen, mit einem weiterentwickelten Gehirn zu tun haben, neue Gefühle erleben und in neue Erfahrungen eintauchen. Erziehungsstile, die von fordernd und kontrollierend bis hin zu freizügig und übermäßig entgegenkommend reichen, mögen bei jüngeren Kindern einigermaßen effektiv sein, bei Jugendlichen sind sie jedoch zum Scheitern verurteilt. Es ist daher unser Privileg – und eigentlich ein Segen – Ihnen die Philosophie, die Werkzeuge und die Methoden anzubieten, die Ihnen helfen werden, Ihre Jugendlichen zu verantwortungsbewussten Erwachsenen zu erziehen.

Wie dieses Buch organisiert ist

Dieses Buch ist in drei Teile gegliedert. In Teil 1 werden Konzepte aus Mit Liebe und Logik erziehen speziell auf Teenager angewendet. Darin behandeln wir effektive und ineffektive Erziehungsstile. Wir erklären auch, wie Teenager mit Selbstwertgefühl, Kontrolle, Entscheidungen und Konsequenzen umgehen, und wie Eltern den Folgen der Entscheidungen ihrer Teenager mit Einfühlungsvermögen begegnen. Diese Prinzipien legen den Grundstein für eine effektive Erziehung von Teenagern.

In Teil 2 erforschen wir die Entwicklung von Teenagern: wie Kinder von der Kindheit in die Adoleszenz hineinwachsen (und wie Eltern mit ihnen Wachstumsphasen durchlaufen!) und wie sie auf innere und äußere Veränderungen reagieren. Wir beschließen diesen Teil mit praktischen Richtlinien und Anregungen für Eltern, wie man verantwortungsvolle Teenager erzieht.

In Teil 3 gehen wir praxisbezogen auf spezifische Themen ein. Wir stellen 37 „Liebe-und-Logik-Perlen“ vor, die sich mit alltäglichen Problemen und Fragen befassen, mit denen die meisten Eltern während der Teenagerjahre ihrer Kinder konfrontiert sind. Obwohl diese Strategietipps kurz und treffend sind, sollten sie erst gelesen werden, nachdem man sich mit den Prinzipien in den ersten beiden Teilen des Buches befasst hat und diese verstanden hat.

Wir glauben, dass die Liebe-und-Logik-Erziehung funktioniert, sonst hätten wir dieses Buch nicht geschrieben. Mehr als drei Jahrzehnte Forschung, Lehre, Verfeinerung der Methoden und die Erfahrung, dass es immer wieder funktioniert, haben uns von ihrer Wirksamkeit überzeugt. Aber kein Erziehungskonzept funktioniert jedes Mal perfekt. Im Laufe der Jahre haben wir wesentliche Faktoren hervorgehoben, die dafür sorgen, dass unsere Beziehung zu unseren Teenagern stark bleibt. Wir haben Methoden hinzugefügt, die Auseinandersetzungen entschärfen, und verschiedene andere Änderungen vorgenommen. Im Laufe der Jahre haben wir kein anderes Konzept entdeckt, das so effektiv ist wie das Liebe-und-Logik-Konzept, um Jugendliche zu verantwortungsvollen Erwachsenen zu erziehen.

Eigentlich ist die Liebe-und-Logik-Erziehung weniger ein Konzept als vielmehr eine bestimmte Einstellung. Wenn sie im Kontext einer gesunden Beziehung zu unseren Teenagern angewandt wird, wird ihnen diese Einstellung die Freiheit geben, mit der Zeit an Reife zuzunehmen. Sie wird sie lehren, zu denken, zu entscheiden und mit ihren Entscheidungen zu leben. Sie werden Verantwortung lernen, während wir lernen, mit weniger Kontrolle auszukommen und Frieden mit unseren eigenen Fähigkeiten und Unzulänglichkeiten zu schließen. Indem unsere Kinder älter und weiser werden, gewinnen wir nicht nur ein reiferes Kind, sondern auch einen lebenslangen erwachsenen Freund.

Natürlich sind nicht alle Teenager gleich. Kinder, die sich bis elf noch so ähnlich schienen, entwickeln sich im Teenageralter sehr unterschiedlich. Kein Buch über Teenager kann jede körperliche Veränderung oder jeden äußeren Einfluss vorhersehen.

Deshalb gehen wir in diesem Buch davon aus, dass Teenager zwar grundlegende Gemeinsamkeiten haben, aber die Kinder je nach Familie ihre eigene Art haben. Die Rebellion des einen Teenagers ist die Unabhängigkeit eines anderen Teenagers. Die Nähe und Qualität der Eltern-Kind-Beziehung wird von einer Familie zur anderen variieren. Und manche Kinder sind einfach nur anders.

Eine weitere Annahme, von der wir ausgehen, ist, dass die Prinzipien in diesem Buch nicht missbraucht werden. Ein Ratgeberbuch, insbesondere eines, das Ratschläge zu einem so sensiblen Thema wie der Erziehung von Teenagern gibt, kann leicht missbraucht werden. Nur weil wir zum Beispiel glauben, dass Jugendliche mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen leben sollten, bedeutet das keineswegs, dass Eltern wegschauen sollten, wenn ihre Kinder in lebensbedrohliche Handlungen wie das Spielen mit geladenen Waffen verwickelt sind. Jugendliche stehen noch immer unter unserer Vormundschaft, weil sie immer noch liebevolle Führer und Berater brauchen, während sie sich den Herausforderungen ihrer Zeit stellen.

Wir gehen außerdem davon aus, dass Eltern, die dieses Buch lesen, fürsorgliche und liebevolle Menschen sind. Eltern mit einer Tendenz, ihre Kinder zu missbrauchen, könnten diese Prinzipien anwenden und ihrem Teenager möglicherweise Schaden zufügen. Leider erkennen die meisten dieser Eltern dies nicht oder geben es nicht zu. Eltern, die den Verdacht haben, dass sie möglicherweise ihre Kinder missbrauchen, sollten professionellen Rat einholen.

Wir glauben, dass Eltern vor keiner größeren Herausforderung stehen – und keine größere Chance haben –, als ihre Kinder durch die Teenagerjahre zu führen, damit sie zu einem produktiven, glücklichen und verantwortungsvollen Erwachsenenleben heranwachsen. Wir glauben, dass dieses Buch Eltern helfen wird, diese Herausforderung zu meistern und sich an dieser Chance zu erfreuen. Es ist nie zu spät, mit der Erziehung auf die Liebe-und-Logik-Art zu beginnen.

1 Foster Cline und Jim Fay, Mit Liebe und Logik erziehen, GloryWorld-Medien 2020.

2 Als Adoleszenz (lateinisch adolescere „heranwachsen“) wird in der Entwicklung des Menschen der Zeitraum von der späten Kindheit über die Pubertät bis hin zum vollen Erwachsensein bezeichnet. Die Adoleszenz unterscheidet sich also qualitativ sowohl von der Kindheit als auch vom Erwachsenenalter (Wischmann, 2010. S. 32). Der Begriff steht für den Zeitabschnitt, während dessen eine Person biologisch gesehen fortpflanzungsfähig wird und an deren Ende sie körperlich nahezu ausgewachsen und emotional wie sozial weitgehend gereift ist (Wikipedia, Zugriff 23.2.2021).

TEIL 1 : LIEBE-UND-LOGIK-ELTERN WERDEN ERWACHSEN

Kapitel 1: Was man über Teenager wissen sollte

Jake war nie das, was man schlecht nennen würde, aber als er in die Teenagerjahre kam, war er auch nicht das, was man gut nennen würde. Er war eine Art nicht besonders netter „Dazwischen-Typ“ von Jugendlichem. Mit sechzehn verhielt sich Jake launisch und distanziert gegenüber seinen Eltern. Er war nicht direkt rebellisch, sondern reagierte auf seine Eltern so, als seien sie irgendein Staubkorn, das durch das Haus schwebte. Das heißt, er hatte eigentlich keine Beziehung zu seinen Eltern, es sei denn, er wollte etwas. Wenn er zu Hause war, zog er sich launisch in sein Zimmer zurück.

Für ein Elternteil kann es manchmal noch schmerzhafter sein, ignoriert zu werden, als offenkundig negative Gemeinheiten ertragen zu müssen. „Es ist nicht so, dass wir es nicht verdient hätten“, erzählte Jakes Mutter Tammy.

Wir haben Jake immer ziemlich genau das gegeben, was er wollte. Wir haben ihn vor seinen eigenen Fehlern gerettet und hart gearbeitet, um ihm all die materiellen Dinge zu geben, die Gary und ich nie hatten. Wir haben uns verausgabt, um es dem Jungen recht zu machen, und deswegen hatte er natürlich überhaupt keinen Respekt vor uns. Wahrscheinlich erinnerte ihn die bloße Anwesenheit bei uns unbewusst daran, wen er als Vorbild verinnerlicht hatte. Damals haben wir das alles noch nicht verstanden. Gary nennt sie die Vor-Liebe-und-Logik-Zeit, in der „wir es einfach nicht kapiert haben“.

Gary und ich hatten gerade unseren ersten Liebe-und-Logik-Kurs beendet und waren völlig niedergeschlagen. Hier lebten wir mit diesem unkommunikativen und unnahbaren Menschen, den wir selbst erschaffen hatten. Wir durchliefen die „Hätten wir doch nur vor zehn Jahren Liebe und Logik gefunden“-Phase und fühlten uns irgendwie hoffnungslos, als Gott und das Glück uns eine entscheidende „signifikante Lerngelegenheit“ bescherten, die uns half, alles umzukehren und eine großartige neue Richtung einzuschlagen.

Ich kam von der Arbeit nach Hause und erhielt einen Anruf von einem Polizisten namens Robert Kenner. Er sagte, ein Kind, das sie aufgegriffen hätten, habe ein Geständnis abgelegt und Jake als einen der beiden identifiziert, die versucht hätten, ein paar Uhren aus einem Geschäft zu klauen. Es war Jakes Freund Chris, der auf dem Überwachungsvideo erkannt worden war und den Ruhm, schuldig zu sein, nicht für sich behalten wollte.

Der Polizist sagte, er werde bei uns vorbeikommen. Ich glaube, Jake wusste durch meinen Teil des Gesprächs, worum es bei dem Anruf ging, und ich weiß, dass er den üblichen „Wir haben es einfach nicht kapiert“-Ablauf erwartete: „Oh weh!“" – mit händeringender Panik von meiner Seite und einem Wutanfall seines Vaters. Aber damals war schon ein neuer Tag angebrochen, und ich sagte: „Das war ein interessanter Anruf. Die Polizei wird gleich hier sein. Viel Glück, Jake. Ich bin gespannt, wie du damit umgehen wirst.“

Genau in diesem Moment, als ich die völlige Überraschung und Bestürzung auf seinem Gesicht sah, fühlte ich diese überwältigende Freude in mir schreien, die sagte: „Du hast es geschafft! Du hast es geschafft!“ Das war ein Meilenstein für mich als Helikopter-Mutter und machte den Kurs jeden Penny wert.

Als der Polizist Kenner ankam, hatte er ein langes Gespräch mit Jake. Ich genoss es, mich rauszuhalten und den Hund zu füttern, der viel aufgeschlossener war als Jake in letzter Zeit. Kenner sagte, er werde Jake in die Stadt bringen, und ich sagte lediglich: „Ach so. Na gut.“, anstatt Variationen von „O nein!“ oder „Wie lange?“ oder „O je!“ oder „Wann kann ich ihn abholen?“ Man sah Jake an, wie entsetzt er darüber war, dass ich einfach so damit einverstanden war.

Als Kenner sich anschickte, Jake in Handschellen zum Streifenwagen zu bringen, fragte ich ihn, ob ich mit ihm noch allein sprechen könne, was er bejahte. Als er zurückkam, fragte ich ihn, wie lange er Jake festhalten werde, und er sagte, er könne ihn nicht lange festhalten. Jake war ein Jugendlicher und sie durften ihn bei diesem ersten Vergehen nicht festhalten, aber er würde ihn gerne mitnehmen und Fingerabdrücke nehmen.

Ich fragte ihn, ob es möglich wäre, Jake nicht wissen zu lassen, dass er nicht in einer Zelle gehalten werden könne – oder gar in eine Zelle gesteckt werden könne! Ob er mir bei einem Plan helfen werde? Ja, das werde er. Wir heckten alle Details zusammen aus, dort in der Küche. Als wir darüber sprachen, wie wir es anstellen würden, konnte ich sehen, dass dieser Polizist mich anerkennend ansah, als wäre ich eine großartige Mutter oder so etwas! Wow, das war neu! So etwas hatte mir noch nie jemand unterstellt. Dann fuhr der Polizist mit Blaulicht und heulendem Martinshorn mit Jake los, der einsam auf dem Rücksitz des Streifenwagens saß, und wir setzten den Plan in die Tat um. Er rief mich auf dem Weg in die Innenstadt zum Stadtgefängnis an und aktivierte den Lautsprecher des Telefons, damit Jake unser Gespräch mithören konnte. Wie verabredet, sagte er: „Sie können in ein paar Stunden kommen und Jake abholen.“ Ich sagte: „Tut mir leid, aber ich habe andere Dinge zu tun.“ „Also, wann können Sie ihn abholen?“ „Nun, heute nicht, das ist sicher.“ „Gute Frau, wir haben keinen Platz in der Jugendstrafanstalt, also muss er in die Erwachsenenzellen, und auch dort ist der Platz knapp. Wir sind voll mit Pädophilen und Sexualstraftätern, die gerade eingesperrt sind.“ „Tun Sie, was immer Sie tun müssen, aber ich habe heute einfach keine Zeit.“ „Aber wissen Sie, was passieren könnte?!“ „Guter Herr, ich bin nicht derjenige, der Walmart abgezockt hat. Jake hat ein paar schlechte Entscheidungen getroffen und muss die Konsequenzen tragen, aber er ist ja zäh. Ich bin mir sicher, dass es ihm gut gehen wird.“ In diesem Moment hörte ich, wie Jake im Hintergrund zu wimmern anfing: „Mama, hol mich ab.“ Da brach dieser tolle Polizist das Gespräch ab und sagte nur noch: „Okay, gute Frau, aber sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.“ Sie durften Jake nur drei Stunden lang festhalten, weshalb ich dann zum Gefängnis fuhr. Sie zogen Jake von einer Holzbank, auf der er die ganze Zeit gesessen hatte, und er rannte förmlich auf mich zu und warf seine Arme um mich. „Danke, Mama! Danke, Mama!“ Ich war seit Jahren nicht mehr so umarmt worden. Dann fing er an zu weinen. Es war der Beginn eines ganz neuen Lebens mit Jake. Seit diesem Tag hat er uns tatsächlich respektvoll behandelt, war verantwortungsbewusst und es macht fast immer Spaß, mit ihm zusammen zu sein, aber es liegt nicht nur an ihm. Auch wir haben uns verändert. Ich weiß, dass wir jetzt viel weniger kritisch wirken und ihn mehr annehmen – aber nicht immer zustimmend sind. Wir sind jetzt sehr konsequent, statt „schimpfend, tobend und rettend“.

Ein beunruhigender Anruf

Sandy und Alan Frank begutachteten den Esstisch. Das Silberbesteck, das Porzellangeschirr, die brennenden Kerzen und die Servierplatten waren schön gedeckt. Sie nickten ihren Gästen zu – Kollegen aus Alans Anwaltskanzlei – und alle setzten sich in der Erwartung, dass ein perfekter, unterhaltsamer Abend vor ihnen läge.

Alan und Sandy konnten mit einem ruhigen Abend rechnen; ihr Teenager-Sohn Ryan hatte ein Date mit einem Mädchen namens Desiree. Trotz ihrer äußerlichen Entspanntheit im Umgang mit ihren Gästen hegten sie jedoch Ängste in Bezug auf ihren zunehmend missratenen Sohn.

Diese Angst konkretisierte sich, als während des Nachtischs das Telefon klingelte. Sandy nahm den Hörer ab und rief mit zitternder Stimme nach Alan. Ryan und Desiree wurden im Büro des Sheriffs festgehalten. Sie hatten beide getrunken, weshalb Ryan – in einer Geste ritterlicher Feigheit – Desiree hatte fahren lassen. Sie war über einen Bordstein gefahren, praktischerweise direkt gegenüber der Polizeiwache, und hatte dabei einen Reifen zerfetzt. Beide bekamen Strafzettel. Der Beamte wollte wissen, wann Alan und Sandy vorbeikommen könnten, um die beiden gegen eine Bürgschaft abzuholen.

Sandys schlimmste Befürchtungen wurden wahr. Ihr Achtzehnjähriger hatte sich förmlich auf ein Leben als Krimineller eingelassen. Kreidebleich kam sie zurück an den Tisch. Als ihre Gäste fragten, was los sei, antwortete sie mit einer flachen „Das passiert immer“-Stimme: „Die Polizei hat angerufen und gesagt, sie würden Ryan festhalten.“

Alan, der immer noch am Telefon war, beschloss auf der Stelle, seinen Erziehungsstil zu ändern. Er und Sandy hatten kürzlich ein Liebe-und-Logik-Erziehungsseminar besucht und erkannt, dass sie einige Dinge anders machen mussten. Anstatt Ryan zu Hilfe zu kommen oder böse zu werden, wie sie es früher getan hätten, beschloss Alan, Ryan etwas Verantwortung lernen und erwachsen werden zu lassen.

„Wir kommen nicht aufs Revier, um Ryan abzuholen“, sagte er dem Beamten.

„Nun, Herr Frank, wenn Sie ihn nicht abholen, muss ich ihn einsperren.“

„Tun Sie, was immer nötig ist.“

Alan kehrte mit einem nervösen Grinsen ins Esszimmer zurück, als Sandy gerade den Tisch abräumte. Sie überlegte, wie sie den Abend höflich beenden, ihre Gäste zur Tür begleiten und dann zum Bahnhof fahren konnte, um Ryan rauszuholen. Alan kam herein, warf ein Kartenspiel auf den Tisch und sagte: „Lasst uns Hearts spielen.“ Er zog die fassungslose Sandy zur Seite, lächelte und sagte: „Wir sollten uns den schönen Abend nicht verderben lassen.“

Wer hat hier das Sagen?

Jahrelang schien Ryan auf ein verantwortungsloses Leben zuzusteuern. Er lebte wie ein Chaot und hatte sich zunehmend den Nörgeleien seiner Eltern wegen seines schlampigen Aussehens, seiner schmuddeligen Kleidung, seines unordentlichen Zimmers und dieser „infernalischen Musik“, die durch die Wände dröhnte, widersetzt.

Mit dreizehn Jahren „vergaß“ Ryan einfach, seine Hausarbeiten zu erledigen.

Je älter er wurde, desto trotziger wurde er. Mit siebzehn fing er an, sogar während der Woche zu trinken und mit Drogen zu experimentieren, was sich beides verheerend auf seine Noten auswirkte. Er ging mit Mädchen aus, die mit den falschen Leuten verkehrten, wie zum Beispiel Desiree, und erzählte seinem Vater: „Sie kommt aus einem zerrütteten Elternhaus und braucht mich als Seelsorger“, woraufhin Alan sarkastisch konterte: „Welche Seelsorgemethoden wendest du denn an?“

Ryan hatte die feste Familientradition, seinen Eltern einen Gutenachtkuss zu geben, schon lange aufgegeben. Jetzt waren sie froh, wenn er nur durch die Schlafzimmertür rief: „Ich bin wieder da.“

Alan reagierte auf Ryans moralischen Abstieg, indem er die Beherrschung verlor und herumschrie. „Du stinkst wie ein Gärbottich!“, begrüßte er seinen Sohn nach einer durchzechten Nacht. Oder: „Du hast das Sozialverhalten eines Penners!“

Und Sandy murmelte laut vor sich hin: „Dieses Kind würde ich mir selbst nie aussuchen.“

Ryan grinste natürlich nur. Er hatte seine Eltern soweit, dass sie ihm emotional aus der Hand fraßen, und er wusste es.

Sie wussten es auch. Aber sie wussten nicht, wie sie die Kontrolle wiedererlangen konnten.

Dann besuchten Alan und Sandy ein Seminar, das sie in den Liebe-und-Logik-Elternansatz einführte. Sie lernten, dass Eltern sich zuerst um sich selbst kümmern, dass sie ihre Kinder sich um ihre eigenen Probleme kümmern lassen und zulassen sollten, dass sie mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen lebten.

Ein Wechsel der Taktik

Nachdem die Gäste aus Alans Anwaltskanzlei nach Hause gegangen waren, hatten Alan und Sandy eine weitere Gelegenheit, diese Prinzipien anzuwenden. Um 23.00 Uhr, während sie wach lagen und sich fragten, ob sie das Richtige getan hatten, klingelte das Telefon.

„Ja, wer ist dran?“, antwortete Alan.

„Papa!“, kam Ryans dringende Stimme über das Telefon. „Papa, es ist ziemlich schlimm hier.“

„He Junge, ist es wirklich so schlimm?“ Alan ging in die Offensive. „Einigen wir uns darauf, dass, wenn ich in den Knast käme, du mich nicht retten würdest.“

Das war zu viel für den verunsicherten Ryan. „Okay, wenn du so drauf bist …!“, rief er und knallte den Hörer auf.

Eine Viertelstunde später klingelte das Telefon wieder. Diesmal ging Sandy ran.

„Frau Frank? Hier ist Julie. Ich bin eine Betreuerin in der Jugendstrafanstalt. Frau Frank, ich bin so stolz auf Sie und Ihren Mann. Ryan geht es sehr gut. Sie würden sich wundern, wie viele Eltern hierherkommen und ihren Kindern aus der Patsche helfen. Eltern wie Sie verdienen eine Medaille.“

Alan und Sandy hielten sich auch am nächsten Tag zurück, aber Desirees Mutter holte die beiden Teenager raus. Sandy fürchtete sich vor der kommenden Konfrontation. Ryan kam jedoch nicht sofort nach Hause. Aus Angst vor dem Zorn seiner Eltern verzögerte er seine Rückkehr.

Als Ryan zu Hause ankam, war er überrascht, dass seine Eltern nicht sauer auf ihn waren. Seine Verhaftung war seine Verantwortung, teilten sie ihm mit. Sie würden ihn nicht ausschimpfen, aber sie würden ihn auch nicht retten.

Diese Reaktion entschärfte jegliche Wut oder Abwehrhaltung von Ryan. Jetzt, da er wusste, dass er für die Situation verantwortlich war, war er bereit, etwas dagegen zu tun.

Ryan sagte seinen Eltern, er müsse Geld verdienen, um Desirees Mutter die Kaution zu erstatten, das Auto aus der Beschlagnahmung zu holen, es in eine Werkstatt abzuschleppen und einen neuen Reifen aufziehen zu lassen. „Das ist die teuerste Verabredung, die ich je hatte“, rief er aus.

Sandy war erstaunt über Ryans respektvolle und verantwortungsvolle Reaktion. „Nach dieser Erfahrung haben wir bei den Kindern nie wieder die Schimpftiraden-Methode angewendet“, kommentierte sie.

Anstatt ein Nichtsnutz zu werden, ging Ryan aufs College und schließlich auf die Hochschule. Er wurde ein Sozialarbeiter, der sich darum kümmerte, Zuschüsse zu bekommen, um die Welt zu verbessern. Alan beschreibt ihn als ein „Musterbeispiel der sozialen Verantwortung“.

Sandy sagt jetzt: „Wir vergessen leicht, dass die Pubertät eine Phase für den Teenager und auch für uns ist. Aber wenn man die richtigen Methoden anwendet, verkürzt das die schlechten Phasen.“

Verantwortung lernen

Lori, die Mutter der vierzehnjährigen Abby, hatte sich schon seit einiger Zeit auf den Abend gefreut. Nachdem sie sich zum Ausgehen vorbereitet hatte, ging sie zum Schrank, um die teure Lederjacke zu holen, die sie gerade erst gekauft hatte, und freute sich darauf, sie zum ersten Mal zu tragen. Die Jacke war nicht da.

Lori wusste sofort, wo er war. Abby war ungefähr so groß wie sie und hatte sich angewöhnt, ihre Sachen zu leihen, ohne zu fragen.

Später am Abend wartete Lori wutentbrannt auf ihre Tochter. Als Abby nach Hause kam, hatte sie tatsächlich die Jacke an – und es war Farbe auf dem Ärmel.

„Abby“, begann ihre Mutter, „wie konntest du nur so etwas tun! Du weißt, dass ich die Jacke gerade erst gekauft habe.“

„Oh, Mama, das ist keine große Sache.“

„Keine große Sache! Ich habe den Mantel gerade erst gekauft, und jetzt ist Farbe auf dem Ärmel.“

„Das war nicht meine Schuld. Es war ein Unfall. Außerdem, wenn du nicht so geizig wärst und auch mal was Schönes für mich kaufen würdest, müsste ich mir nicht deine Sachen zum Anziehen ausleihen.“

Daraufhin war Lori kurz davor, an die Decke zu gehen, aber sie hatte einen Liebe-und-Logik-Kurs belegt und wusste, dass sie in diesem Moment zu emotional war, um mit der Situation umzugehen. „Abby“, sagte sie und nahm ihre Selbstbeherrschung zusammen, „ich liebe dich zu sehr, um mit dir zu streiten, und ich bin gerade nicht in der Lage, das jetzt zu lösen, aber du hast die Jacke ohne Erlaubnis getragen und wirst eine Lösung für das Problem finden müssen. Lass uns jetzt zu Bett gehen. Wir können das später noch einmal besprechen. Lass mich wissen, wie du das Problem lösen wirst.“

Später am nächsten Tag sprach Lori ihre Tochter erneut auf den Mantel an. „Hast du darüber nachgedacht, was du tun wirst?“

„Oh, ich weiß nicht. Kannst du mir nicht einfach Hausarrest geben oder so?“

„Nun, das würde das Problem nicht wirklich lösen, oder?“

„Ich denke nicht.“

„Soll ich dir ein paar Möglichkeiten vorschlagen?“

„Von mir aus, okay.“

„Nun, du könntest einen neuen Mantel kaufen.“

„Wie viel hat er gekostet?“

„Dreihundertneunundachtzig Dollar.“

„Das kann ich nicht tun! Ich habe nicht so viel Geld.“

„Okay, du könntest es auch einfach ignorieren.“

„Nein, das könnte ich nicht! Du würdest nie vergessen, was passiert ist, und es mich auch nie vergessen lassen.“

„Ja, da hast du recht. Eine andere Möglichkeit wäre, ihn zu einem Lederfachgeschäft zu bringen und herauszufinden, was sie tun können, um die Farbe zu entfernen.“

Abby wählte diese Option und fand heraus, dass es fünfunddreißig Dollar kosten würde, die Farbe von der Jacke zu entfernen, dass die Firma aber keine Garantie für die Arbeit übernehmen würde. Als sie Lori anbot, ihr die fünfunddreißig Dollar zu geben, um die Sache auszugleichen, lehnte Lori erneut ab und gab das Problem an ihre Tochter zurück. Letztendlich würde Abby selbst eine Lösung finden müssen, ob mit der Reinigung oder durch einen privaten Flohmarkt ihrer eigenen Sachen, um die Jacke bezahlen zu können.

Es ist besser für eine Vierzehnjährige, finanzielle Verantwortung zu lernen, indem sie in diesem Alter „bankrott“ geht, als wenn sie älter ist und es andere gibt, die sich auf sie verlassen. So oder so, Abby würde für die Lösung sorgen.

Die Zeiten ändern sich

Tammy, Gary, Sandy, Alan und Lori haben durch ihre Erfahrungen alle eine hochqualifizierte Ausbildung in Sachen Erziehung erhalten. Ihre bisherige „Ausbildung“ hatte sie nicht auf die Intensität der Freuden, Sorgen und Probleme vorbereitet, mit denen sie täglich und manchmal stündlich mit einem Teenager konfrontiert waren – von Beziehungen über Jobs, Mode, lauter Musik und gebrochenen Herzen zu gebrochenen Gesetzen.

Eltern von Teenagern werden unweigerlich herausfinden – wenn sie es nicht schon getan haben – was diese fünf Eltern gelernt haben: Kinder verändern sich. Und was für eine Veränderung!

Nur ein paar Jahre zuvor haben wir Windeln gewechselt, den Kindern grundlegende Umgangsformen beigebracht, sie hin und her gefahren, ihnen bei den Hausaufgaben geholfen, sie beim Spielen beobachtet. Sicher, wir haben manchmal die Beherrschung verloren, und manchmal hatten wir sogar das Gefühl, den Verstand zu verlieren. Und ja, unsere elterliche Autorität stand unvermeidlich und scheinbar endlos auf dem Prüfstand. Aber selbst während der harten Lektionen waren wir immer noch die Eltern. Unsere Kinder waren immer noch unter unserer Kontrolle.

Aber dann kam ein Szenenwechsel, der dafür sorgte, dass wir uns weiterbilden mussten: ein Diplomkurs in Sachen „Teenager“.

Plötzlich sahen unsere Kinder nicht mehr so aus wie früher. Benny war früher mit Skater-Jeans und einem T-Shirt zufrieden. Jocelyn ließ sich früher von Mama Kleidung kaufen. Jetzt trägt Ben Junior Jeans mit Löchern – und das nicht nur an den Knien – und Jocelyn hat eine enge persönliche Beziehung zu jeder Kleidungs-Verkäuferin im Einkaufszentrum. Manchmal ziehen sie sich an, als wäre jeder Tag Fasching. Diese Kinder gehen durch körperliche Verwandlungen, von denen wir glauben, dass kein Arzt je etwas davon gehört hat. Ben Junior überragt Papa und kann Mama mit einer Hand vom Boden heben. Jocelyn sieht gut aus – zu gut – in hautengen, bauchfreien Kleidern.

Tatsache ist, dass Kinder in fünf Jahren Pubertät mehr körperliche Veränderungen durchmachen als zu jedem anderen Zeitpunkt ihres Lebens:

• Ihre Gehirne verändern sich, sodass sie abstrakt denken können. Es kann sein, dass sie Ihren Glauben in Frage stellen, und sie sind sich auch nicht so sicher, ob sie an Sie glauben.

• Ihre Hormone toben wie nie zuvor, und sie sind anfällig für alles, von unglaublichen Wachstumsschüben bis hin zu extremen Stimmungsschwankungen.

• Ihre Haut produziert mehr Talg und Fett, was dazu führt, dass sie Pickel bekommen und deswegen in einen emotionalen Strudel geraten.

• Und, falls Sie es vergessen haben, sie werden fortpflanzungsfähig.

Heutige Eltern stehen vor einer Reihe von Herausforderungen. Kinder scheinen immer früher reif zu werden, und gesellschaftliche Einflüsse brechen mit Lichtgeschwindigkeit über Familien und Teenager herein, was unglaubliche und manchmal katastrophale Auswirkungen hat.

Diese gesellschaftlichen Umwälzungen haben die Familien zersplittert – allen voran die „traditionelle“ Familie mit einem berufstätigen Vater, einer Mutter, die Hausfrau ist, und Kindern. Das ist für die meisten von uns nichts Neues. Aber was wir wirklich nur schwer begreifen können, ist das Ausmaß der Umwälzungen im Leben der Teenager. Bedenken Sie folgende bekannten Probleme bei Jugendlichen:

• Selbstmord ist, nach Verkehrsunfällen, die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen.

• Von den unbeabsichtigten Verletzungen, die zum Tod führen, entfallen die meisten auf Verkehrsunfälle, wobei häufig Alkohol am Steuer die Ursache ist.

• Alkohol- und Drogenmissbrauch

• Frühzeitiger Sex mit der Gefahr von sexuell übertragbaren Infektionen und ungewollten Schwangerschaften

• Schulabbruch

• Viele der Eltern sind geschieden

Aber familiäre und gesellschaftliche Veränderungen sind nur die äußeren Faktoren. Viel komplizierter sind die Veränderungen im Inneren – das, was die Teenager in ihrer persönlichen Entwicklung erleben.

Sich den Herausforderungen der nächsten Generation stellen

Wenn Sie Ihre Kindern dabei beobachten, wie sie in die schöne neue Welt des Heranwachsens im 21. Jahrhundert eintreten, merken Sie, wie heftig deren unberechenbaren emotionalen Reaktionen auf diese inneren Umwälzungen sind.

Ein Teenager zu sein ist sozusagen eine „außerkörperliche Erfahrung“ – raus aus dem Körper eines Kindes und rein in den eines Erwachsenen oder irgendwo dazwischen. Ein Teenager kann wie ein Erwachsener aussehen, während er sich wie ein Zweijähriger verhält, genauso entschlossen, seine eigene Identität zu etablieren, wie ein trotziges Kleinkind. Natürlich sind wir besorgt. Ist er bereit, mit der realen Welt zurechtzukommen, die jenseits der Sicherheit unserer schützenden Obhut auf ihn wartet? Und genauso natürlich werden unsere Teenager immer selbstbezogener, hinterfragen alles und orientieren sich an Gleichaltrigen. Sie assimilieren sich in eine Subkultur, legen sich spezielle Kleidung und Frisuren zu, zusammen mit einer Musik und Sprache, die in den Ohren von Erwachsenen oft Anstoß erregen.

All dies gründet in einem tiefen persönlichen Kampf, was Identität und Selbstwert angeht. „Wer bin ich?“ ist die zentrale Frage beim Übergang der Teenager von der Abhängigkeit zur Unabhängigkeit.

Aber unsere Teenager können im Vergleich zu den Kindern, die wir früher kannten, wie Außerirdische wirken. Wir fragen uns, ob andere Eltern vielleicht genauso viele schlaflose Nächte haben, in denen sie sich um ihre Teenager sorgen. Manche von uns fragen sich, ob unsere Kinder und unsere Ehen überleben werden.

Angesichts dieses Kontrollverlusts fragen wir uns: „Was stimmt nicht mit mir? Haben meine Eltern auch so über mich gedacht, als ich ein Teenager war?“

Was haben denn Ihre Eltern gemacht? Schließlich ist es doch noch gar nicht so lange her, dass Sie selbst ihre Lieblingsmusik gesungen haben, Ihre ersten Zigaretten und Ihr erstes Bier probiert haben, die Kirche geschwänzt, die Sperrstunde gebrochen und sogar manchmal Hausarrest bekommen haben. Haben sich Ihre Eltern gefragt, ob Sie jemals erwachsen werden und ein verantwortungsbewusster Erwachsener werden würden? Ja, das haben sie! Aber Sie haben es geschafft.

Nun machen Sie einen zeitlichen Sprung. Jetzt sind Sie Eltern von Teenagern und hoffen, dass diese in den wenigen Jahren, die ihnen noch bleiben, bevor sie das Weite suchen, irgendwie lernen werden, wie man in der realen Welt Entscheidungen trifft.

„Die reale Welt“ – das ist ein Ausdruck, der uns erschaudern lässt. Der Druck und die Einflüsse, die heute überall herrschen, waren in früheren Zeiten praktisch unbekannt. Wir sind versucht, in Verzweiflung zu versinken, wenn wir sehen, wie unsere Kinder vor Entscheidungen über Leben und Tod stehen, lange bevor sie auf eigenen Füßen stehen. Teenager und sogar viel jüngere Kinder sind häufig mit Drogen, Alkohol, vorehelichem Sex und vor allem Depressionen und Selbstmord konfrontiert. Dieser Druck kann Eltern genauso überfordern wie Teenager, vielleicht sogar noch mehr, vor allem, wenn sie versuchen, sie mit den Methoden zu erziehen, wie es ihre Eltern eine Generation zuvor getan haben.

Wenn Jims Eltern zum Beispiel sagten: „Spring!“, dachte er, sie könnten ihn tatsächlich dazu zwingen, es zu tun. Jugendliche wissen heute, dass Eltern aufgrund der sozialen, kulturellen und technologischen Revolutionen seit dem Zweiten Weltkrieg einfach nicht mehr diese „Mein-Wort-ist-das-Gesetz-in-diesem-Haus“-Kontrolle haben. Sie wissen, dass sie ein Recht darauf haben, mit Respekt und Würde behandelt zu werden, und nicht mit autokratischer Kontrolle.

Heute sagen sich die Teenager: „Ich bin mir nicht sicher, ob meine Eltern Recht haben mit dem, was sie von mir verlangen und wie sie es verlangen. Und meine Freunde sagen, dass ich mir das nicht gefallen lassen muss.“ Sie kämpfen darum, ihren eigenen Weg zu finden. Kein Wunder, dass Eltern gestresst sind, Wege zu finden, wie sie mit ihren Teenagern umgehen können. Und Teenager sind gestresst, weil sie herausfinden müssen, wie sie mit ihren Eltern zusammenleben können. Wir alle müssen uns in einer neuen Welt zurechtfinden.

Ein Grund zur Hoffnung

Gibt es noch Hoffnung? Wir glauben, die Antwort ist ein klares Ja. Wir alle hoffen, dass wir unsere Kinder so erziehen können, dass wir, wenn sie achtzehn Jahre alt sind, Freunde sein können, nicht wahr? Wir freuen uns darauf, ihnen als Erwachsene auf einer gemeinsamen Basis begegnen zu können. Aber was bedeutet das?

Nun, wir wissen, was wir von unseren erwachsenen Freunden erwarten. Wir gehen davon aus, dass sie verantwortungsbewusst reden und handeln, klar denken, mit uns spielen, wenn wir Spaß haben wollen, in den schwierigen Zeiten des Lebens ernst bleiben und uns in Ruhe lassen, wenn wir Privatsphäre brauchen.

Warum können wir das nicht auch von unseren Teenagern erwarten? Sie denken wahrscheinlich: „Sie sprechen wohl über die Teenager anderer Leute. Meine Tochter kam heute um 4 Uhr morgens heim. Bis morgen Nachmittag wird sie nicht einmal ansprechbar sein. Der einzige Grund, weshalb sie meinen Erwartungen Aufmerksamkeit schenken würde, wäre, um herauszufinden, wie man sie durchkreuzen kann.

Aber wir reden hier tatsächlich über Ihren Teenager. Die Prinzipien, die wir in diesem Buch darlegen, sind für alle relevant – von scheuen Rehen bis zu Rebellen aus Prinzip. Wir zeigen Ihnen, wie Sie diese Prinzipien bei der Aufgabe, Ihren Teenagern zu helfen, verantwortungsvolle Erwachsene zu werden, anwenden können.

Erziehung erfordert nicht nur Engagement und harte Arbeit, sondern auch die richtigen Fertigkeiten. Liebe-und-Logik-Methoden eignen sich besonders gut für die Teenagerjahre, weil sie eine gute Kommunikation und einen beratenden Ansatz betonen. Das passt gut zu der sich entwickelnden Unabhängigkeit des typischen Teenagers. Und das Beste von allem ist, dass Liebe-und-Logik-Eltern Freundschaften mit ihren Kindern aufbauen, die ein Leben lang halten sollten.

„Liebe und Logik“ ist eine Win-Win-Strategie. Vorausgesetzt, die Genetik und die soziale Situation sind stabil, gewinnen die Eltern, weil sie auf eine gesunde Art und Weise lieben und eine effektive Kontrolle über ihre Teenager praktizieren. Sie müssen nicht auf Wut, Belehrungen, Drohungen und wiederholte Warnungen zurückgreifen, die Teenager auf dem Weg zum Erwachsensein verfolgen. Sie vermeiden auch den Ärger und die Frustration, die nur dazu beitragen, Fehlverhalten zu fördern. Teenager gewinnen, weil sie Verantwortungsbewusstsein und die Logik des Lebens lernen, indem sie ihre eigenen Probleme lösen. Sie erwerben die notwendigen Werkzeuge, um mit der „realen Welt“ zurechtzukommen.

Wir bieten diese Philosophie an, weil die Grundbedürfnisse von Teenagern zwar die gleichen wie in früheren Generationen und über alle Kulturen hinweg sind, aber die Einflüsse und der Druck, der auf ihnen lastet, radikal anders sind.

Die heutigen Herausforderungen erfordern mehr denn je einen neuen Ansatz in der Erziehung von Teenagern.

Kapitel 2: Mit Liebe und Logik erziehen: Funktioniert das auch bei Teenagern?

Beim Aufräumen der Wäsche stolperte Amy zufällig über das geheime Marihuana-Lager ihres Sohnes. „Ich war total schockiert“, sagte sie später. „Ich wusste einfach nicht, was ich tun sollte. Mein Tag war ruiniert. Ich war völlig deprimiert.“

Ihr war klar, dass sie das Thema ansprechen musste, aber sie wusste nicht, was sie tun oder sagen sollte. Da sie die Drogen aus Marks Zimmer entfernt hatte, wusste sie, dass sie sie entweder wieder an denselben Ort zurücklegen oder bald mit ihm sprechen musste; er würde merken, dass sie entdeckt worden waren.

Amy wollte gerade die Tasche wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückzubringen, um Zeit zu haben, mit jemandem zu sprechen, der ihr einen Rat geben konnte, als Mark ins Haus zurückkehrte und zu ihr herkam, während sie die Tasche noch in der Hand hielt.

Unnötig zu sagen, dass sie beide schockiert waren. Da stand sie in der Küche mit Drogen. Mark stotterte etwas heraus, das sich anhörte wie: „Es ist nicht das, was du denkst, Mama. Das ist nicht mein Gras. Ich bewahre es nur für einen Freund auf.“

Amy schaffte es, mit „Das habe ich schon mal gehört, und es spielt keine Rolle. Drogen sind in diesem Haus nicht erlaubt. Ich werde etwas dagegen unternehmen müssen“ zu antworten.

„Was, Mama?“

„Ich habe nicht die geringste Ahnung. Das ist eine solche Enttäuschung. Das ist so ernst. Ich werde eine Weile darüber nachdenken müssen. Nimm diese Tasche und mach was damit. Ich bin so wütend, dass ich in mein Zimmer gehen muss. Wir sprechen uns ein andermal.“

Amy quälte sich für den Rest des Tages, sprach mit einigen ihrer Freunde und rief einen der Beratungslehrer an der Highschool an. Am Ende dieser Zeit wusste sie immer noch nicht, was sie tun sollte. Sie regte sich nur noch mehr über die Situation auf.

Mark kam an den Esstisch, aber er konnte seine Mutter nicht ansehen. Während des gesamten Essens herrschte Schweigen. Als das Essen vorbei war, bot er an, den Abwasch zu machen. Amy bemerkte, dass dies etwas ungewöhnlich war. Normalerweise flüchtete er sich an seinen Computer. Später sagte sie: „Ich glaube, er wollte ein bisschen Schadensbegrenzung betreiben und mich besänftigen.“

Während Mark das Geschirr spülte, fragte er noch einmal: „Du hast mir noch nicht gesagt, was du wegen dieser Sache vorhast. Was ist los?“

Amys Antwort war: „Ich habe an nichts anderes mehr gedacht, seit ich deine Drogen gefunden habe, aber ich habe keine Ahnung, was ich tun soll. Es hat mich furchtbar aufgewühlt. Ich muss dir sagen, dass ich so traurig darüber bin, dass ich es nicht in Worte fassen kann.“

Sie fuhr fort: „Die Sache, die mich am meisten traurig macht, ist, dass ich weiß, dass ich dich in deinem Alter nicht mehr vor deinen schlechten Entscheidungen schützen kann. Ich kann nicht mehr zwischen deinen schlechten Entscheidungen und dem stehen, was die Welt dir dafür zu bieten hat. Ich denke, deine schlechten Entscheidungen müssen nun in deiner eigenen Verantwortung stehen, und die Konsequenzen für diese Entscheidungen musst du selbst tragen. Du bist derjenige, der mit ihnen umgehen muss, und mein Herz tut mir um deinetwillen weh.“

Sie fuhr fort, ihm zu sagen, sie werde nichts gegen das Marihuana unternehmen, außer dass ihm klar sein müsse, dass es niemals in ihrem Haus sein könne.

Amy ging mit gebrochenem Herzen ins Bett. Sie konnte nicht schlafen, weshalb sie aufstand und ins Wohnzimmer ging, um zu versuchen zu lesen. Kurz darauf kam Mark mit der Tüte mit Marihuana zu ihr.

„Mama, ich werde das Zeug im Hinterhof vergraben.“

„Warum? Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich nicht bestrafen werde.“

„Mama, als du mir gesagt hast, dass du dich nicht mehr zwischen meine schlechten Entscheidungen und die möglichen Konsequenzen stellen kannst, hat mir das wirklich Angst gemacht. Wenn du dich nicht darum kümmerst, habe ich beschlossen, dass ich es tun muss.“

Auf eigenen Füßen stehen

Erinnern Sie sich noch daran, wie gespannt wir darauf waren, unsere Kinder zum ersten Mal laufen zu sehen? Wir schwebten über jedem einzelnen, bereit, für alle Zeiten Babys ersten Schritt zu filmen.

Als sie dann loslegten, liefen sie los – mit Volldampf. Sie rannten durch die Küche und rasierten die Ecken. Sie rannten um das Haus herum, immer in Richtung der Treppe. Sie rannten über den Vorgarten und die Straße entlang, während die Erwachsenen sie einzuholen versuchten.

Wir waren stolz, wenn nicht sogar ein wenig erschrocken darüber, wie schnell sie mobil wurden und ihren eigenen Weg gehen wollten.

Jetzt sind sie Teenager. Sind sie endlich langsamer geworden? Nur lange genug, um uns um Fahrstunden und die Schlüssel für das Familienauto zu bitten. Und schon geht es wieder los – sie legen den Rückwärtsgang ein und fahren die Einfahrt hinunter. Aber sie fahren nicht nur aus der Garage heraus. Sie sind dabei, aus unserem Leben zu verschwinden. Während sie eine Abgaswolke in unsere Richtung schicken, hoffen wir, dass sie die Intelligenz und das Verantwortungsbewusstsein haben, es alleine zu schaffen.

Wie sollten Eltern diese letzten Jahre nutzen, um ihre Teenager auf den Auszug von zu Hause vorzubereiten? Wie bereiten wir sie darauf vor, als unabhängige Erwachsene zu leben?

Keine Erziehungsstrategie ist todsicher. Wir glauben jedoch, dass durch eine kluge Anwendung der Liebe-und-Logik-Prinzipien sich die Chancen erhöhen, verantwortungsbewusste Teenager zu erziehen, die, wenn sie einmal das Haus verlassen, in der Lage sind, sich dem Leben selbst zu stellen.

Aber bevor wir einen Überblick über die Liebe-und-Logik-Methode geben, lassen Sie uns zunächst einen Blick auf zwei bekannte Erziehungsstile werfen, die fast eine Garantie für graue Haare – oder gar keine Haare – sind, bevor Teenager das letzte Mal wegfahren.

Helikopter-Eltern

Hubschrauber sind aufregend, weil sie viel Wind, Lärm und Vibrationen erzeugen und nicht sehr schnell sind (mit Ausnahme von Kampfhubschraubern mit Turbinenantrieb, die wir später besprechen werden). Ihr Platz in der Welt ist es, zu schweben, zu retten und zu schützen. Notfallteams könnten ohne sie nicht funktionieren.

Aber was ist, wenn der Hubschrauber über uns schwebt, obwohl es keinen Notfall gibt? Dann ist das ein Problem.

Wenn Eltern darauf bestehen, ständig über dem Kind zu schweben und es zu beschützen, ist das lästig. Es kann sogar das normale Leben behindern. Wir nennen diejenigen, die diesen Ansatz verfolgen, „Helikopter-Eltern“. Sie bleiben in der Nähe, um ihre Kinder zu retten, wann immer ein Problem auftaucht.

Um einen guten Eindruck von Helikopter-Eltern zu bekommen, müssen Sie nur Ihre örtliche weiterführende Schule besuchen. Sie werden sehen, wie sie durch die Eingangstür hinein- und herausschweben und ihren Kindern allerhand Dinge hinterhertragen. Helikopter-Eltern warten darauf, dass ihre geliebten Sprösslinge ein Leuchtsignal hochschicken, und dann stürzen sie sich darauf, ihre Kinder vor Lehrern, Spielkameraden und anderen scheinbar feindlichen Elementen zu schützen. Leider schirmen sie ihre Kinder auch von allen bedeutenden Lernmöglichkeiten ab; Helikopter-Eltern kümmern sich um die Konsequenzen, die ihre Kinder eigentlich selbst auf sich nehmen sollten. Der Schuldirektor wird leise vor sich hin murmeln: „Mann! Wie lange hat das Kind wohl gebraucht, um seine Eltern darauf zu trimmen, so etwas zu tun?“

Andere Mütter und Väter betrachten Helikopter-Eltern manchmal als Vorzeigebürger. Schauen Sie sich doch an, wie engagiert sie sind! Sie sind in jedem Komitee und scheinen mehr in der Schule zu sein als manche Lehrer. Sie scheinen sehr fürsorglich zu sein. Sie sind immer „da“ für ihre Kinder. Schließlich sind die Gefahren ja real, also müssen die Kinder doch gerettet werden, oder?

Aber wenn Sie nur unter die Oberfläche schauen, werden Sie entdecken, dass Helikopter-Eltern oft Dinge für ihre Kinder tun, weil sie – die Eltern – sich so fühlen. Aus „Liebe“ oder Schuldgefühlen verzichten sie darauf, Konsequenzen aufzuerlegen oder zuzulassen, weil sie sich mit Konsequenzen unwohl fühlen. Wenn ihre Kinder leiden, helfen sie ihnen aus der Patsche – weil auch sie leiden.

Helikopter-Eltern verhalten sich deshalb so, weil sie Liebe, Schutz und Fürsorge verwechseln. Alle diese Dinge sind gut, aber sie sind nicht miteinander gleichzusetzen.

Helikopter-Eltern erlauben ihren Kindern nicht, zu versagen. Wenn ihre Kinder versagen, so folgern sie fälschlicherweise, bedeutet das, dass sie gefühllose und lieblose Eltern sind. Rettende Eltern retten oft aus ihren eigenen Bedürfnissen heraus. Sie genießen es unbewusst, das Leid anderer zu lindern. Sie sind Eltern, die gebraucht werden wollen, nicht Eltern, die gewollt werden wollen.

Kinder, die mit der „Liebe“ von Helikopter-Eltern erzogen werden, werden selbst zu Helikoptern. Doch irgendwann geht ihnen der Treibstoff aus und sie stürzen in ihrem persönlichen Leben ab. Warum? Weil ihnen die Lernmöglichkeiten im Namen der Liebe gestohlen wurden.

Diese Kinder verstoßen gegen das Tempolimit, weil sie wissen, dass ihr Vater das Bußgeld bezahlen wird, oder sie haben promiskuitiven Sex, weil ihre Mutter die Antibabypille bezahlt hat. Ein paar Jahre später brechen sie das College ab, verprassen das wenige Geld, das sie haben, oder irren umher, um „herauszufinden, was sie wollen“. Die reale Welt, so entdecken diese jungen Erwachsenen, bietet keinen großen Helikopter-Elternteil im Himmel, der ihre Krankheiten heilt, ihre ungedeckten Schecks bezahlt, sie vor unverantwortlichen Menschen rettet oder sie buchstäblich aus dem Gefängnis holt.

Die Weiterentwicklung des Helikopter-Elternteils: der turbinengetriebene Kampfhubschrauber

Beim Schreiben der ersten Version dieses Buches schienen Helikopter-Eltern nur darum besorgt zu sein, ihre Kinder aus Krisensituationen zu retten. Inmitten des Wohlstands der 1990er-Jahre entstand ein neuer Typ Eltern, der nicht mehr nur rettete und verteidigte, sondern mit rauchenden Gewehren und zielgerichteten Raketen einflog, um jeden anzugreifen, der sein Kind für sein Handeln zur Verantwortung zog.

Wir nennen sie inzwischen das „turbinengetriebene Kampfhubschrauber-Modell“ der Helikopter-Eltern. Diese Eltern sind von dem Wunsch besessen, ein perfektes Leben für ihre Kinder zu schaffen. In diesem Leben sollen die Kinder niemals mit Kämpfen, Unannehmlichkeiten, Unbequemlichkeiten oder Enttäuschungen konfrontiert werden. Es ist ein Leben, in dem die Kinder mit den besten Referenzen ins Erwachsenenalter starten können, weil sie nie eine Niederlage einstecken mussten, selbst wenn das bedeutete, dass jemand anderes die meiste Arbeit machte oder dafür sorgte, dass die Regeln genau so zurechtgebogen wurden, dass sie gewinnen konnten.

Die heranwachsenden Kinder von turbinengetriebenen Kampfhubschrauber-Eltern sehen auf dem Papier toll aus. Ihre Schulzeugnisse zeigen gute Noten, außerschulische Aktivitäten und Auszeichnungen und besondere Ehrungen – von denen die meisten nie wirklich verdient wurden. Die Fehler dieser Teenager werden unter den Teppich gekehrt, und Auszeichnungen werden mit wenig oder gar keiner Anstrengung ihrerseits erworben. Wir haben ihre Eltern oft sagen hören: „In der Welt da draußen geht es hart zu, und ich möchte, dass meine Kinder jeden Vorteil haben. Sie sollen später nicht durch Fehler, die sie in jungen Jahren machen, aufgehalten werden.“

In ihrem Eifer, ihre Kinder zu schützen, stürzen sich diese Eltern auf jede Person, Schule oder Behörde, die sie als Bedrohung für die tadellosen Zeugnisse ihrer Kinder sehen. Mit intelligenten verbalen Bomben bewaffnet, sind sie schnell dabei, jeden in die Luft zu jagen, der hohe Standards für Verhalten, Moral oder Leistung setzt, die ihre Kinder dazu bringen könnten, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Ihr Kind zum Opfer zu erklären, ist ein beliebtes taktisches Manöver, mit dem Schulpersonal oder Sozialarbeiter dazu veranlasst werden sollen, sich in die Schützengräben zu retten. Das ständige Sperrfeuer der Kampfhubschrauber-Eltern zermürbt Lehrer und Schulverwalter.

Es ist furchtbar enttäuschend zu beobachten, wie Kinder lernen, anderen die Schuld für ihren mangelnden Erfolg zu geben, anstatt zu Menschen zu werden, die ihre Ziele durch Entschlossenheit und harte Arbeit erreichen. Wir hören täglich von den turbinengetriebenen Kampfhubschrauber-Eltern, die sich nicht damit begnügen, ihre Kinder zu beschützen, sondern es sogar vorziehen, die Infrastruktur genau der Einrichtungen zu zerstören, die sich der Erziehung ihrer Kinder zu gebildeten, verantwortungsbewussten und moralischen Menschen widmen.

Das Unternehmen, das ein Kind solcher Eltern einstellt, wird sich angesichts minderwertiger Leistungen nicht so leicht durch elterlichen Druck einschüchtern lassen. Ein perfektes Image und ein makelloses Schulzeugnis sind ein schlechter Ersatz für Charakter und die Einstellung, dass sich Erfolg durch Mühe und Ausdauer einstellt. Die Arbeitskräfte von morgen – und zu einem großen Teil auch viele derjenigen, die heute mit der Arbeit beginnen – werden ein böses Erwachen erleben, wenn sie erkennen, dass „zur Arbeit gehen“ genau das bedeutet, und dass sie nicht in der Lage sein werden, ihre Eltern anzurufen, um ihren Chef zurechtzuweisen, weil ihre Beförderung an jemanden ging, der eher bereit war, sich ins Zeug zu legen und sich die Fähigkeiten anzueignen, die für die Erledigung der Arbeit erforderlich sind.

Feldwebel-Eltern

Feldwebel sind beeindruckend, weil sie wie Hubschrauber viel Lärm machen, Dinge aufwirbeln und eine unglaubliche und unmittelbare Motivation bei ihren Zuhörern erzeugen. Sie sind unverblümt und bestimmt: „Tu es, oder du bekommst Hausarrest!“, bellen sie.

Wären wir Feldwebel und müssten Sie mit in den Krieg nehmen, müssten wir vielleicht irgendwann sagen: „Wir gehen den Hügel hinauf, um das Maschinengewehrnest zu suchen!“ Das Letzte, was wir von Ihnen hören wollen, ist: „Aber warten Sie mal, Feldwebel! In solchen Situationen sind Menschen schon verletzt worden. Wir alle wollen erst einmal darüber abstimmen.“ In solchen Krisenzeiten kann die Demokratie tödlich langsam sein. Was nötig ist, ist Handeln, und zwar sofort.

Feldwebel haben einen Platz in unserer Welt. Aber ihr Stil ist kein Weg, um ein Land zu führen – oder eine Familie.

Wenn Sie sich nicht im Krieg befinden, ist es nicht effektiv, Teen­ager zu erziehen, indem man ihnen Befehle entgegenbrüllt. In der Tat könnten dies einen Krieg verursachen. Wir wissen das, weil viele von uns mit Feldwebel-Eltern aufgewachsen sind. Und nebenbei bemerkt, war das damals wahrscheinlich die beste Art und Weise für Eltern, mit Dingen umzugehen, weil die ganze Kultur glaubte, dass Kinder sich ohne Protest ihren Eltern unterordnen müssen. Damals wurde von Kindern erwartet, dass sie gehorsam aufwachsen, durch Disziplin groß werden, zu loyalen Firmenmitarbeitern werden und im Erwachsenenalter Befehle befolgen. Von ihnen wurde erwartet, dass sie sich eher anpassen als selbst denken.

Das war für die damalige Zeit in Ordnung. Solch „blinder Gehorsam“ war bewundernswert in einer Zeit, in der eine Person erwarten konnte, einen Job fürs Leben zu haben. Die Welt war weniger komplex, und die Rollen waren klar definiert.

Jim erinnert sich, dass er seinen Vater nie kritisierte, wenn er zu ihm sagte: „Es ist mir egal, wie du dich dabei fühlst – du erledigst es jetzt!“ Als Jim erwachsen wurde, schwor er sich jedoch, nie so zu sein. Aber er wurde seinem Vater in seiner frühen Elternzeit ähnlicher, als er es sich je hätte vorstellen können.

Es ist eine schwer zu durchbrechende Gewohnheit. Feldwebel-Eltern haben das Gefühl, dass es ihren Kindern auf lange Sicht umso besser geht, je mehr sie sie durch Befehle kontrollieren. Diese Eltern befinden sich auf einem Machttrip. Sie gehen davon aus: „Diese Kinder werden diszipliniert sein. Sie werden wissen, wie man sich richtig verhält.“

Obwohl der Feldwebel-Stil scheinbar ganz anders aussieht als der Helikopter-Stil, sind die Ergebnisse doch die gleichen. Kinder von Feldwebel-Eltern wissen nicht, wie sie Entscheidungen treffen sollen. Sie sind ihr ganzes Leben lang herumkommandiert worden und haben auf Stimmen gehört, die von außerhalb ihres Kopfes kamen. Wenn sie in die Pubertät kommen und versuchen, die Stimmen ihrer Eltern zu übertönen, haben sie keine eigene innere Stimme. Also fangen sie an, auf andere Stimmen außerhalb ihres Kopfes zu hören – und diese Stimmen kommen von ihren Gleichaltrigen.

Feldwebel setzen häufig Strafen als Konsequenz für die Fehler ihrer Kinder ein. Die reale Welt funktioniert jedoch größtenteils nicht durch Bestrafung. Sofern sie nicht das Gesetz brechen und verurteilt werden, bekommen Erwachsene keinen Hausarrest, wenn sie im Leben Mist bauen. Und wenn sie eine Art Bestrafung für ihre Handlungen erleben, halten sie selten inne, um sich selbst zu überprüfen. Verbitterung ist die häufigste Reaktion.

Feldwebel-Eltern entdecken irgendwann, dass sie, wenn sie ihre Teenager bestrafen, ihnen ein großartiges Fluchtventil bieten: eine Flucht vor den Konsequenzen ihrer Handlungen. Ihre Teenager müssen nie denken, wenn sie bestraft werden. Alles, was sie tun, ist, vor Groll zu kochen, weil die Eltern ihnen das Denken abnehmen.

Die reale Welt funktioniert nicht über Bestrafung. Sie funktioniert über Konsequenzen. Wenn wir bei der Arbeit durchgehend eine schlechte Leistung bringen, nimmt unser Chef uns nicht den DVD-Player weg. Er feuert uns – und Junge, dann denken wir über Lösungen nach! Mit anderen Worten, wir fangen an zu sagen: „Ich muss für mich selbst denken.“

Manchmal bieten diese beiden Erziehungsstile, Helikopter und Feldwebel, eine Tarnung für die emotionale Distanz zu den Kindern. Die Familie mag im selben Haus wohnen, am selben Tisch essen und im selben Auto fahren, aber sie könnte genauso gut auf verschiedenen Planeten sein. Die Familienmitglieder sind oft blind für das Problem, weil sie sich seiner Existenz überhaupt nicht bewusst sind. Hätten sie ein vages Gefühl dafür, dass etwas nicht stimmt, wären sie höchstwahrscheinlich ohnehin nicht in der Lage, es zu artikulieren.

Wenn diese Familien dann gelegentlich doch einmal interagieren, verfallen die Eltern entweder in den Helikopter- oder in den Feldwebel-Stil. Entweder heißt es: „Oh, Schatz, du weißt, dass wir dich lieben und alles für dich tun werden“, oder: „Werd nicht emotional in meiner Nähe, Junge! Du tust, was man dir sagt!“

Laissez-Faire-Eltern

Eine andere Art der Erziehung, die hier nur am Rande erwähnt werden soll, ist das, was wir „Laissez-faire-Eltern“ nennen. Das sind Eltern, die ihre Kinder praktisch sich selbst erziehen lassen.

Einige glauben die Theorie, Kinder würden mit der Fähigkeit geboren werden zu wissen, was für sie richtig ist, wenn man ihnen nur die Zeit und Gelegenheit dafür gäbe, und sie würden schließlich zu erfolgreichen, kreativen Menschen heranwachsen, falls die Eltern einfach aus dem Weg gingen und sich nicht einmischten.

Andere glauben, sie sollten der beste Freund ihrer Kinder sein, sie nie für irgendetwas zur Rechenschaft ziehen und dafür sorgen, dass sie immer glücklich sind und das bekommen, was sie wollen. Sie glauben, dass es wichtiger ist, eine solche Art von Beziehung zu pflegen, als ihren Kindern Selbstdisziplin oder Charakter beizubringen.

Wieder andere fühlen sich schuldig, weil sie außer Haus arbeiten und deshalb wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen können. Anstatt ihre Kinder für ihre Taten verantwortlich zu machen, lassen sie ihnen einfach freien Lauf und glauben, dass ein Verantwortungsbewusstsein auf die Kinder abfärbt, wenn sie wenig, dafür aber eine „qualitativ wertvolle Zeit“ mit ihnen verbringen.

Wieder andere haben Probleme damit, ihre Teenager dafür verantwortlich zu machen, dass sie sich so verhalten wie sie selbst am Anfang ihrer Teenagerjahre. Das gängige Argument ist: „Nun, ich bin schnell gefahren, habe Marihuana probiert, ein bisschen zu viel getrunken und habe mich trotzdem gut entwickelt. Das werden sie auch.“ Sie glauben dies trotz der Tatsache, dass viele ihrer Altersgenossen dies nicht taten und dass die gleichen Verhaltensweisen heute viel riskanter sind.

Wieder andere wissen einfach nicht mehr, was sie tun sollen, und haben deshalb einfach aufgegeben, es zu versuchen.

Wir möchten betonen, dass es sich dabei um gar keine Erziehungsmethode handelt, sondern um eine Abkehr von der elterlichen Verantwortung. Wie wir gerne sagen: „Wären Kinder dazu bestimmt, die Familie zu schmeißen, wären sie größer geboren worden.“

Beratende Eltern

Helikopter können nicht ewig schweben, Feldwebel werden irgendwann heiser und Laissez-faire-Eltern tun nichts. Erlauben Sie uns, eine bessere Alternative vorzustellen, die das ganze Leben lang gut funktioniert, aber bei Teenagern besonders effektiv ist: der beratende Erziehungsstil.

In der Reifezeit findet eine wichtige Veränderung in der Denkfähigkeit statt. Kinder gehen von konkreten Denkern zu dem über, was der bekannte Kinderpsychologe Jean Piaget „formale Operationen“ oder abstraktes Denken nannte. Während diese wichtige Veränderung in der Wahrnehmung stattfindet, müssen Eltern die Art und Weise, wie sie erziehen, anpassen, um den Bedürfnissen der neuen Denkprozesse, die in ihren Kindern stattfinden, gerecht zu werden. Neuere Studien zeigen, dass sich das Gehirn von Teenagern fortlaufend und sehr aktiv entwickelt. Diese Forschung scheint darauf hinzuweisen, dass Denkmuster, die zwischen zwölf und fünfundzwanzig Jahren entwickelt werden, mit größerer Wahrscheinlichkeit die Gehirnverdrahtung – und damit zukünftige Verhaltensmuster – beeinflussen als zu jedem anderen Zeitpunkt. (Wir werden diese Entwicklung in Kapitel 6 ausführlicher besprechen).

Jüngere Kinder denken konkret und brauchen wohlüberlegte Führung und manchmal auch feste Grenzen. Teenager lehnen sich jedoch oft gegen Richtlinien auf und rebellieren gegen feste Grenzen, weil sie anders zu denken gelernt haben. Während ihre Gehirne allein von Emotionen und extremem Nervenkitzel angezogen werden, haben sie auch die Fähigkeit, abstrakt zu denken und, wenn sie die Chance bekommen, den grundlegenden tierähnlichen Reaktionen der Amygdala – bzw. des „emotionalen Gehirns“, wenn Sie so wollen – zu entkommen und mehr daran zu arbeiten, die Denkfähigkeiten der höheren und fortgeschritteneren Teile ihres Gehirns zu entwickeln.

Teenager lesen die Rettungsbotschaft von Helikopter-Eltern so: „Du bist zerbrechlich und schaffst es nicht ohne mich.“ Und sie nehmen die „Tu, was ich dir sage“-Botschaften von Feldwebel-Eltern auf, die verdeckt kommunizieren: „Du kannst nicht selbst denken, also werde ich es für dich tun.“ Sie interpretieren die „Was auch immer sein wird, wird sein“-Haltung von Laissez-faire-Eltern so, dass sie sich nicht um sie kümmern oder keine Hilfe dabei sind, Grenzen zu setzen, in denen sie sich sicher fühlen können.

Bei viele Eltern schlägt das Setzen von Grenzen ins Erteilen von Befehlen um. Sie untermauern diese Grenzen und Regeln mit weiteren Befehlen – stark angereichert mit Strenge und Wut –, und wenn diese versagen, greifen sie zur Bestrafung. Typischerweise reagieren Teenager auf diese Befehle und Bestrafungen mit Verantwortungslosigkeit, Widerstand und Rebellion.

Eltern, die in Liebe und Logik geschult sind, vermeiden die Helikopter–, Feldwebel- und Laissez-faire-Mentalität, indem sie stattdessen einen beratenden Stil anwenden. Sie stellen Fragen und bieten Wahlmöglichkeiten an. Anstatt ihren Kindern zu sagen, was sie tun sollen, legen sie die Last der Entscheidungsfindung auf die Schultern ihrer Kinder. Sie legen Optionen innerhalb sicherer Grenzen fest.

Eltern können ihre Kinder auf die reale Welt vorbereiten, indem sie das Familienleben so gestalten, dass es die Realitäten widerspiegelt, mit denen ihre Kinder bald selbst konfrontiert sein werden. Daher können wir uns ansehen, wie Berater in anderen Bereichen arbeiten, um unsere Vorstellung eines beratenden Erziehungsstils zu verfeinern.

Unternehmensberater

Unternehmen stellen oft spezialisierte Berater ein, um eine Perspektive von außen auf ein bestimmtes Problem zu erhalten, mit dem das Unternehmen konfrontiert ist. Das Unternehmen stellt die Berater wegen ihres Fachwissens ein, nicht um dem Unternehmen zu sagen, wie es arbeiten soll.

In der Tat würde die Geschäftsführung der meisten Unternehmen einen Berater feuern, der versucht, sie herumzukommandieren.

Berater diktieren nicht, sondern geben Rat. Sie sagen Dinge, wie: „Ich frage mich, ob es für Sie effektiver wäre, wenn Sie …“ Diese Haltung hat tatsächlich große Vorteile, da Berater nicht dafür verantwortlich sind, ob ihre Kunden ihren Rat annehmen. Wenn dem Kunden der Rat des Beraters nicht gefällt, muss er ihn nicht mehr anhören.

Und Berater sind nicht dafür verantwortlich, was passiert, wenn ihre Kunden ihren Rat befolgen oder nicht. Wenn ein Unternehmen Geld verliert, nachdem es der Empfehlung eines Beraters gefolgt ist, wird der Verlust nicht aus der Tasche des Beraters geholt. Im schlimmsten Fall wird der Berater gefeuert und verliert Empfehlungen.

Wenn Berater also Autorität abgeben, geben sie auch gerne die damit einhergehende Verantwortung ab. Das ist ein Vorteil!

Therapeuten und Schulpsychologen

Ein Beratungsbeispiel aus einem anderen Bereich ist der Therapeut oder der Schulpsychologe. Auch hier wird der Berater vom Klienten aufgesucht.

Obwohl kleine Kinder nicht von sich aus entscheiden, einen Berater aufzusuchen (es kommt wohl selten vor, dass ein Achtjähriger sagt: „Mama, ich brauche einen Therapeuten“), sind die meisten Teen­ager in der Lage, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen. Viele von ihnen werden freiwillig und gerne Hilfe bei einem Schulpsychologen oder Therapeuten suchen.

Wie Unternehmensberater erteilen auch Schulpsychologen und Therapeuten keine Befehle. Sie geben niemandem Hausarrest. Sie werden selten wütend und schreien ihre Klienten nicht an. Sie führen selten Rettungsaktionen durch, und sie lassen sich nicht manipulieren oder missbrauchen. Aber sie bieten viel Empathie und Verständnis.

Andererseits erwarten Klienten von ihren Beratern, dass sie voller guter Ideen sind. Therapeuten und Berater sind dafür verantwortlich, ihre eigenen Standpunkte anzubieten, während sie die ihrer Klienten erkunden. Sie verwenden Umschreibungen und nachdenkliches Schweigen. Sie mögen oft skeptisch dreinblicken als Reaktion auf das, was sie hören. Sie können laut über mögliche Alternativen nachdenken.

Aber das Wichtigste bei dem, was Therapeuten und Seelsorger für ihre Klienten tun, ist ihre Einstellung. Die meisten Therapeuten glauben, dass ihre Klienten Kapitäne ihrer eigenen Schicksalsschiffe sind. Sie verstehen, dass ihre Klienten in der Vergangenheit Fehler gemacht haben und höchstwahrscheinlich auch in der Zukunft Fehler machen werden.

Die meisten Therapeuten hoffen, dass ihre Klienten auf sie hören, verlangen es aber nicht. Sie zeigen große Anteilnahme, halten sich aber zurück, sie zu retten. Tatsächlich ist es Therapeuten per Gesetz nur dann erlaubt, einzuschreiten und die Schweigepflicht zu brechen, wenn eine Person sich selbst oder andere physisch gefährdet. Das ist eine ziemlich starke Einschränkung!

Eltern als Berater

Wenn Kinder in die Pubertät hineinwachsen, ist es für viele Eltern verständlicherweise schwierig, von der Rolle des Leitenden oder gar des wohlwollenden Diktators in die Rolle des Beraters zu wechseln.

Einer der größten Übergänge ist der von der „Du“-Sprache zur „Ich“-Sprache. Eltern, die zu Beratern geworden sind, erkennen, dass es nicht mehr hilfreich ist, „Du“-Botschaften zu senden, wie z. B. „Du solltest jetzt besser deine Hausaufgaben machen.“ Stattdessen verwenden effektive Berater-Eltern „Ich“-Botschaften, die ihre eigenen Verwunderungen, Überlegungen und möglichen Vermutungen zum Ausdruck bringen:

• „Ich frage mich, ob dir der Abi-Abschluss nicht wichtig ist.“

• „Ich frage mich, ob du dich über die Entscheidungen, die du triffst, ärgerst.“

• „Es interessiert mich, aus welchen Gefühlen heraus du zu deinen Entscheidungen kommst.“

Solcherart Bemerkungen sind etwas ganz anderes als: „Das solltest du diese Woche noch erledigen, wenn du eine Note für diese Arbeit haben willst.“

Leider sind jedoch einige Eltern von Teenagern immer noch im Bestimmer- statt im Beratermodus. Werden sie mit den Fehlern ihres Kindes konfrontiert, senden sie die Botschaft: „Was soll ich jetzt tun, um dein Problem zu lösen?“ Bedauerlicherweise übernehmen Eltern, die leiten wollen, die Verantwortung für den Teenager, was dem Teen­ager die Verantwortung für sein eigenes Problem entzieht.

Berater stellen auch eine Menge Fragen. Fragen, die Neugier und Interesse zeigen, sind mächtige Werkzeuge, die man bei Jugendlichen einsetzen kann. Befehle und Forderungen funktionieren oft gar nicht. Nachdenkliche, neugierige Fragen zwingen zum Nachdenken und führen oft dazu, dass Jugendliche neue und spannende Antworten finden, die ohne die Frage nie entstanden wären.

Die meisten Therapeuten verlassen sich in erster Linie auf Fragen. Man sagt oft, dass Seelsorger gute Antworten und Therapeuten gute Fragen haben. Und was glauben Sie, was die meisten Menschen schätzen? Wahrscheinlich die Fragen. Sie zahlen sicherlich mehr für einen guten Therapeuten als für einen guten Seelsorger.

Fragen führen dazu, dass Ihr Teenager nachdenkt und Lösungen überlegt. Forderungen, Belehrungen, Ultimaten und geäußerte Bedenken eher nicht. Es ist allzu leicht für einen Teenager, einer besorgten Mutter einfach zu sagen: „Mach dir keine Sorgen, Mama“, während er selbst überhaupt nicht über die Gefahren der Situation nachdenkt. Aber wenn eine Mutter sich laut fragt: „Was wirst du tun, wenn die Polizei in Jeanettes Hause kommt und die Eltern sind nicht da und es gibt Minderjährige, die Alkohol getrunken haben?“, muss sich der Teenager plötzlich eine Antwort einfallen lassen.

Fragen, die mit Bitterkeit und anklagend gestellt werden, sind unwirksam. Wenn Teenager das Gefühl haben, dass sie angeklagt werden, verweigern sie die Aussage und halten den Mund. Aber wenn Fragen mit Neugier und ehrlichem Interesse gestellt werden, öffnen sich die meisten Teenager.

Fast jede Aussage kann in eine Frage verwandelt werden. Hier sind einige Tipps, wie Sie als beratender Elternteil erfolgreich Fragen einsetzen können:

• Sagen Sie Ihrem Kind nicht, was Sie erwarten. Fragen Sie: „Was erwarte ich von dir?“ Besprechen Sie es. Nicht: „Ich erwarte, dass du dich verhältst wie …“, sondern: „Schatz, wie erwarte ich wohl, dass du damit umgehst?“

• Nicht: „Ich will nicht, dass du Freunde zu Besuch hast, wenn ich nicht da bin“, sondern: „Wenn du Freunde zu Besuch hättest, wenn ich nicht da bin, und es würde anschließend etwas fehlen, wer wäre dann schuld daran? Wie würdest du dafür bezahlen?“

• Erwarten Sie keine Antworten auf Fragen, wenn Ihr Teenager gerade mitten in seiner Wut oder seinem Schmerz steckt. Dann ist es am besten, sich Luft zu verschaffen, Liebe und hohe Erwartungen auszudrücken und später auf das Thema zurückzukommen.

• Wenn ein Teenager nicht antwortet und der Erwachsene weitere Fragen stellt, gibt dies dem Kind die Kontrolle über die Situation. Wenn Ihr Kind sich weigert zu antworten, machen Sie nicht den Fehler, eine Antwort zu verlangen. Anstatt eine weitere Frage zu stellen, sagen Sie einfach: „Ich kann verstehen, warum das so schwer zu beantworten ist. Vielleicht willst du ja darüber nachdenken und später darüber reden.“

Es besteht ein himmelweiter Unterschied zwischen einem kontrollierenden, fordernden Elternteil und einem einfühlsamen, beratenden Elternteil. Teenager brauchen Eltern, die sie beraten und gleichzeitig Einfühlungsvermögen zeigen und Konsequenzen zulassen. Typischerweise reagieren Teenager auf Befehle und Bestrafungen mit Verantwortungslosigkeit, Widerstand und Rebellion. Wir können jedoch auch von rebellischen Teenagern erwarten, dass sie sich an bestimmte Erwartungen in unserem Zuhause halten. Zum Beispiel können Eltern von ihren Teenagern erwarten,

• sich gegenüber allen Personen im Haus, einschließlich Gästen, respektvoll zu verhalten,

• keine Drogen ins Haus oder auf das Grundstück zu bringen,

• etwas zum Unterhalt des Haushalts beizutragen, indem sie Hausarbeiten erledigen,

• dass sie um Erlaubnis bitten, bevor sie die Kleidung eines anderen Familienmitglieds tragen oder das Familienfahrzeug benutzen.

Manche Erziehungsexperten nennen dies „Grenzen“. Der Klarheit halber bezeichnen wir sie als „Erwartungen“. Wenn nötig, können Eltern jüngere Kinder physisch begrenzen, aber es ist schwieriger, einen Jugendlichen oder einen anderen Erwachsenen so zu begrenzen, wie „Grenze“ auf die traditionelle Art und Weise verwendet wird: als eine Anweisung, die befolgt werden muss. Wir können jedoch Erwartungen äußern, und wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden, können wir Enttäuschung zeigen oder empfinden und dann auf eine Weise reagieren, die unseren eigenen Bedürfnissen gerecht wird.

Erwartungen sind am effektivsten, wenn sie nicht als Anweisungen gemacht werden, sondern wenn sie mit Fragen ausgelotet werden, wie z. B.: „Was denkst du, wie wir reagieren würden, wenn wir Drogen in der Wohnung finden?“ oder: „Was denkst du, wie die Polizei reagieren würde, wenn wir ihr melden würden, dass es bei uns Drogen gibt?“

Die Liebe-und-Logik-Methode

Wir glauben, dass eines der obersten Ziele der Erziehung darin besteht, verantwortungsvolle Kinder aufzuziehen – Kinder, die mit Fähigkeiten ausgestattet sind, die es ihnen ermöglichen, ein Leben lang weise Entscheidungen zu treffen.

Der Liebe-und-Logik-Erziehungsstil basiert auf nur einer Handvoll von Grundprinzipien. Jedem Prinzip liegen gewisse Überzeugungen und Einstellungen zugrunde. Sie alle zielen auf eine einfache Methode ab, Kinder zu erziehen und Teenagern zu helfen, verantwortungsbewusst und unabhängig zu werden. Die ersten vier werden wir in Kapitel 3 näher erläutern, die übrigen in Kapitel 4.

Die folgende Übersicht fasst kurz die Prinzipien zusammen, die diesem einzigartigen Win-Win-Ansatz für Eltern und ihre Kinder zugrunde liegen.

Verantwortungsbewusste Teens fühlen sich wohl in ihrer Haut

Selbstwertgefühl „passiert“ nicht einfach dadurch, dass man dafür sorgt, dass Teenager sich gut oder glücklich fühlen. Es beginnt, wenn Kinder ihre Unabhängigkeit geltend machen und versuchen, ihren Familien und der Welt zu zeigen, dass sie eigenständige Personen sind. Wenn sie Dinge durch ihren eigenen Schweiß und ihre Intelligenz erreichen, wächst ihr Selbstvertrauen, aber oberflächliche Merkmale – Aussehen, Kleidung und eine positive Einstellung – sind keine Garantie dafür, dass ein Teenager ein gesundes Selbstbild hat. Teenager entwickeln dieses gesunde Selbstbild durch den Umgang mit Verantwortung. Im Gegenzug lernen sie am besten, wenn sie ein gutes Gefühl über sich selbst haben.

Verantwortungsbewusstsein lernt man durch Vorbilder, nicht durch Belehrungen

Verantwortungsbewusstsein ist nicht etwas, das ein Elternteil einem Teenager durch Belehrungen, Drohungen oder Einschüchterung weitergibt. Stattdessen werden Verantwortungsbewusstsein und das damit einhergehende Selbstwertgefühl durch verdeckte Botschaften weitergegeben, die es Teenagern ermöglichen, ihren Charakter auf ihren Stärken aufzubauen. Wir müssen Teenagern die Möglichkeit geben, Entscheidungen zu treffen und auch Fehler zu machen.

Teenager sollten zu ihren Probleme stehen und selbst nach Lösungen suchen

Dies ist eine Alternative zu Helikopter-Eltern, die ihre Kinder ständig vor Missgeschicken und Fehlern bewahren, und zu Feldwebel-Eltern, die ihre Teenager heruntermachen, wenn sie Mist bauen: Leiten Sie Ihren Teenager an, eine Lösung für sein Problem zu finden. Beratende Liebe-und-Logik-Eltern helfen ihren Teenagern, das Leben zu meistern, indem sie Wahlmöglichkeiten anbieten, mögliche Lösungen für Probleme vorschlagen und sich dafür entscheiden, die Kontrolle in diesem Prozess zu teilen.

Wenn wir Teenager-Streitigkeiten entschärfen, sorgen wir dafür, dass sie weiterhin im Fokus stehen

Eines der vielleicht wichtigsten Liebe-und-Logik-Prinzipien lautet: „Entschärfe alle Streitereien.“ Streitereien geben Ihren Kindern die Möglichkeit, unvernünftig zu sein und zu testen, wo Ihre empfindlichen Stellen sind. Wenn Sie beide in der Hitze der Emotionen agieren, wird das Ergebnis unweigerlich sein, dass beide Seiten verlieren.

Kontrolle durch Wahlmöglichkeiten erlangen

Es ist nur natürlich, dass Eltern ihre Teenager kontrollieren wollen, aber sie müssen diesem natürlichen Drang widerstehen, selbst die ganze Kontrolle zu behalten, wenn sie wollen, dass ihre Teenager reif werden – und wenn sie nicht ihren Verstand verlieren wollen. Anstatt die Reifephase als einen langwierigen Konflikt um Kontrolle zu betrachten, warum nicht ein bisschen lockerer werden? Die effektivsten Eltern sind diejenigen, die mit Bedacht die Kontrolle abgeben, die sie ohnehin nicht haben, indem sie ihren Teenagern Wahlmöglichkeiten bieten.

Grenzen setzen durch Nachdenkworte

Liebe-und-Logik-Eltern bieten Wahlmöglichkeiten an, indem sie Nachdenkworte, nicht Streitworte verwenden. Sie sagen, was sie anbieten oder erlauben werden, und schreiben ihrem Teenager nicht vor, was er zu tun hat. Nachdenkworte müssen jedoch auch durchsetzbar sein, also bieten Sie niemals Wahlmöglichkeiten an, die Sie nicht durchsetzen können (zum Beispiel sind Aussagen wie „Beruhige dich jetzt, oder du kannst die restlichen 100 Kilometer nach Hause laufen“ ebenso ineffektiv, da sie sich guten Gewissens nicht durchsetzen lassen). Nachdenkworte überlassen den Teenagern die Arbeit, das Problem herauszufinden, während die Eltern abwarten, wie ihre Kinder sich verhalten.

Empathie plus Konsequenz gleich Erfolg

Wenn Teenager straucheln, stehen Liebe-und-Logik-Eltern vor dem größten Hindernis und der größten Chance, ihren Teenager beim Erwachsenwerden zu beobachten. Anstatt der Versuchung nachzugeben, den Teenager zu retten oder wütend auf ihn zu werden, empfinden Liebe-und-Logik-Eltern Mitgefühl mit ihrem Teenager und lassen die logischen Konsequenzen des Fehlers eintreffen. Indem sie diese Empathie aufbringen und dann die Konsequenzen zulassen, vermitteln sie die Lektion, dass sie den Teenager lieben, der Teenager aber lernen muss, wie die reale Welt funktioniert.

Konsequenzen müssen nicht sofort erfolgen

Allzu oft fühlen wir uns als Eltern unter Druck, uns auf der Stelle und auf dem Höhepunkt unseres Ärgers eine Konsequenz für die Handlung eines Teenagers einfallen zu lassen. Dabei verpassen wir die Chance, dass sich sowohl ein Verantwortungsbewusstsein im Teenager entwickelt als auch ihm zu helfen, die besten Lösungen zu finden. Es ist in Ordnung zu sagen: „Du musst mir nicht gleich sagen, wie du diese Situation lösen wirst. Lass uns beide darüber nachdenken. Später reden wir noch einmal darüber.“ Sprechen Sie dann mit Ihrem Ehepartner, Ihren Freunden, Lehrern, Beratern oder Seelsorgern und versuchen Sie, den besten Weg zu finden, mit der Situation umzugehen. Machen Sie sich keine Sorgen; das Letzte, was Ihr Teenager wahrscheinlich tun wird, ist, es zu vergessen.

Aufbau einer lebenslangen Beziehung

Diese Erziehungsmethoden sollen Ihnen nicht nur dabei helfen, die schwierigen Stellen bei der Erziehung von Teenagern zu meistern. Das Ziel ist es, Ihren Teenager zu einem verantwortungsvollen, produktiven und glücklichen Leben zu führen. Wenn Sie Ihrem Teenager erlauben, unabhängig zu werden, werden Sie erleben, dass ein Erwachsener aufblüht. Und dieser Erwachsene, der zufällig auch Ihr Kind ist, kann dann Ihr Freund werden. Und um wie viel stärker wird diese Freundschaft sein, wenn Sie den Ärger, die wiederholten Belehrungen, Drohungen und Ultimaten aus Ihren Interaktionen herausnehmen und stattdessen als liebevoller, einfühlsamer Berater agieren, während das Kind seine eigenen Probleme löst?

Diese Prinzipien bilden die Grundlage dafür, Teenager mit Liebe und Logik zu erziehen. Wir werden sie in den nächsten beiden Kapiteln näher erläutern, bevor wir uns mit den speziellen Problemen von Teenagern beschäftigen.

Kapitel 3: Zurück zu den Grundlagen, Teil 1: Jugendliche zu verantwortungsbewusstem Handeln erziehen

Stephanie versuchte wütend, die zuständige Person davon zu überzeugen, dass sie noch zu einem Kurs zugelassen werden sollte, der schon geschlossen war. Als ihre Bemühungen nicht fruchteten, zückte sie ihr Handy und rief ihre Mutter zu Hause an. Sie reichte der Person das Telefon und forderte sie auf: „Hier! Sprechen Sie mit meiner Mutter. Sie wird das schon richten.“

So bizarr das auch klingt, ist es doch keine Seltenheit. Viele junge Erwachsene, die von zu Hause ausgezogen sind und studieren, sind nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen oder Probleme selbst zu lösen.

In einem kürzlich erschienenen Zeitungsartikel wurde ein ehemaliger stellvertretender Direktor für studentische Angelegenheiten mit den Worten zitiert: „Das Handy ist die längste Nabelschnur der Welt.“ Einige Hochschulen berichten, dass die Einführungsveranstaltungen für Erstsemester immer mehr einem Kindergarten ähneln, bei dem mehr Eltern als Studenten anwesend sind.

Dieses Szenario zeigt eine große Veränderung in den letzten dreißig Jahren auf. Viele junge Erwachsene verlassen das Elternhaus ohne viel geübt zu haben, Dinge selbst zu regeln und dann verantwortungsvoll zu handeln.

Wir machen uns Sorgen, dass junge Menschen wie Stephanie, die nicht glauben, dass sie alltägliche Probleme lösen können, kaum in der Lage sein werden, auf sich selbst aufzupassen. Es ist nicht schwer sich auszumalen, wie sie mit Entscheidungen über Sex, Saufgelagen und Geld umgehen würde.

Wie konnte Stephanie sich plötzlich mit so begrenzten Fähigkeiten in der Welt der Erwachsenen wiederfinden? Offensichtlich glaubte sie, dass ihre Mutter sich um sie kümmerte und wollte, dass sie erfolgreich war. Ihre Mutter war diejenige, die die Universität aussuchte, welche Stephanie besuchen würde, die erfolgreich die perfekte Mitbewohnerin aussuchte, ihre Kurse auswählte und ihre Bücher kaufte. War das nicht alles das Handeln eines liebevollen Elternteils, der das Beste für seinen Nachwuchs wollte?

Schauen wir uns an, wie Kinder emotional verkrüppelt und dazu gebracht wurden, zu glauben, sie seien von den Ansichten anderer abhängig.

Viele der heutigen Eltern wollen das Beste für ihre Kinder. Sie wollen nicht, dass sie enttäuscht, frustriert oder unzufrieden sind. Sie wollen nicht, dass ihre Kinder sich abmühen müssen, wie sie es früher getan haben. Sie wollen sich wie gute Eltern fühlen. Aber sie erkennen nicht, dass sie ihre Kinder genau der Fähigkeiten berauben, die sie brauchen, um erfolgreich zu sein, wenn sie schließlich aus dem Nest fliegen. Was wird Stephanies nächste Überraschung sein? Wird sie ihre Mutter anrufen, das Telefon an ihren Chef weiterreichen und dann erwarten, dass Mama ihm erklärt, warum sie eine Gehaltserhöhung bekommen sollte, anstatt gefeuert zu werden?

Die Liebe-und-Logik-Erziehung baut auf einer Reihe von Prinzipien auf, die auf Kinder jeden Alters angewendet werden können, um sie darin zu schulen, verantwortungsvoll zu handeln und mit ihren eigenen Problemen umgehen zu können. In diesem und dem folgenden Kapitel stellen wir diese Bausteine mit speziellen Anwendungen für Teenager vor, damit sie, wenn sie sechzehn oder siebzehn sind, in der Lage sind, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, ihren Weg in der Welt zu finden und die Art von Erwachsenen zu werden, die Sie sich als Ihre Freunde wünschen würden.

Grundlegendes Selbstbild – Wer bin ich?

Johns bester Kumpel kam in der Mittagspause auf ihn zu und sagte: „Hey, John, ich habe dieses wirklich tolle Zeug. Lass uns etwas davon hinter der Schule rauchen.“

„Sicher, warum nicht?“ antwortete John. Bisher hatte ihn noch keine „Sag einfach nein“-Kampagne beeindruckt.

Aber Johns Vater – der nicht einmal anwesend war – machte John schon eher zu schaffen. Junge, sagte er zu sich selbst, wenn ich das tue, wird mein Vater wirklich sauer werden. Und was ist das Nächste, was John sich sagte? Aber das wird er nie herausfinden.

Teenager sind voll von Übertreibung, Prahlerei, Drohungen, Einschüchterung und Stimmen – lauten Stimmen, die von außerhalb ihres Kopfes kommen. Aber selbst in den besten Situationen leiden Teenager natürlich unter vielen Problemen, was ihr Selbstverständnis ihre Zweifel anbelangt.

Bei all seiner angeblichen Unabhängigkeit hatte John eine lausige Art, Entscheidungen zu treffen. Wenn vernünftige Teenager gebeten werden, Drogen zu nehmen, sagen sie sich: Hey, ich frage mich, wie sich das auf mich auswirken wird?

Teenager kämpfen mit vielen Dingen in ihrem Leben, die sie nicht verstehen. Es ist natürlich, dass sie durch einige ziemlich herausfordernde Zeiten gehen, aber die gehen vorbei. Wichtig ist, dass sie ein starkes Selbstbild entwickeln, das sie nicht nur durch den morgigen Tag bringt, sondern ihnen auch Stabilität für die Zukunft gibt.

Travis, zum Beispiel, hat nicht die Stabilität, die seine Eltern mit ihrer Ehe, ihrem Haus und ihren Autos haben. Er weiß noch nicht, wer er ist, aber er arbeitet wie verrückt daran, es herauszufinden. Deshalb verbringt er viel Zeit bei Brandon, vergleicht schäbige Jeans und Ohrringe und beweist sich selbst, dass er nicht nur eine Erweiterung seiner Familie ist. Er verbringt immer mehr Zeit damit, Brandon zuzuhören, um zu zeigen, dass er nicht immer auf seine Eltern hört. Travis ist sich dessen nicht bewusst, dass er immer noch auf jemanden außerhalb seines Kopfes hört; es ist nur so, dass die Stimme jetzt öfter die von Brandon ist als die seiner Eltern.

Pubertäre Identitätskrisen treten auf, wenn Teenager versuchen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, sich aber nicht sicher sind, ob sie es tun, weil sie es wollen oder weil es ihre Eltern glücklich macht. Dies ist die klassische jugendliche Identitätskrise, die James Dean in dem Film … denn sie wissen nicht, was sie tun verewigt hat.

Kämpfe um das Selbstverständnis in der Adoleszenz

Das Selbstverständnis ist in den Teenagerjahren oft auf dem Tiefpunkt, weil so viele Dinge passieren, die sehr schwer zu verstehen sind.

Jedes Mal, wenn Teenager zum Beispiel ihren Körper betrachten, sind sie am Ende enttäuscht. Mit ihren Haaren stimmt etwas nicht. Ihre Freunde ziehen sich besser an als sie selbst. Ihre Körperform ist zu groß oder zu klein. Sie fragen sich ständig: Wie sieht ein normaler Teenager aus? Wie verhält sich ein normaler Teenager?

Diese Fragen treiben Teenager in den Wahnsinn und stellen ihr Selbstverständnis ständig in Frage. Und kluge Eltern wissen, dass die Ängste von Teenagern in Bezug auf sich selbst oft gerade dann am größten sind, wenn sie so tun als seien sie sehr selbstsicher.

Was passiert in solchen Zeiten mit Freundschaften? „Mensch, gestern mochte mich mein Freund noch, aber jetzt hasst er mich.“ „Die Mädchen schlossen mich früher ein, bis ich anfing, mit so und so rumzuhängen.“ Die Cliquen ändern sich ständig.

Noch wichtiger als Äußerlichkeiten oder Freundschaften sind jedoch die Fragen von Leben und Tod, mit denen Teenager täglich konfrontiert werden. Missbrauch zu Hause, Drogen und Selbstmordgedanken bedrängen sie und zerren an ihnen. Wenn ihr Selbstverständnis nicht verlässlich ist, können sie stolpern – mit fatalen Folgen.

Den Ursachen eines beschädigten Selbstverständnisses auf der Spur

Probleme mit dem Selbstverständnis beginnen oft in den ersten ein oder zwei Lebensjahren. Die meisten Eltern beschädigen das Selbstverständnis ihres Kindes nicht absichtlich, aber es kann auf viele Arten geschehen:

• überzogene Kritik

• Überfürsorge und/oder Überbehütung

• Vernachlässigung

• Perfektionismus

• Genetik und/oder pränatale Faktoren

• übermäßige oder unzureichende Kontrolle

• Kinder zum formalen Lernen drängen, bevor sie dazu bereit sind

• Vergleich von Kindern mit anderen, die bessere Leistungen erbringen

• Versagen, Kinder Verantwortung für ihre eigenen Belohnungen und Enttäuschungen übernehmen zu lassen

• bedingte Liebe

• Kinder respektlos sein lassen

• Versagen der Eltern, vorzuleben, wie man angemessen für sich selbst sorgt

• Lernbehinderungen

• emotionale Probleme

• fehlende frühzeitige Bindung

Wenn Sie diese Liste über das, was dem Selbstverständnis schaden kann, lesen, fragen Sie sich vielleicht, wie gut Sie als Elternteil bisher waren. Keiner ist perfekt – wir haben alle ein paar Fehler gemacht. Aber Sie haben die Wahl, was Sie in Zukunft tun wollen. Sie können entscheiden, welche Einstellungen Sie selbst und welche Einstellungen Ihr Kind, das jetzt ein Teenager ist, am glücklichsten machen werden.

Stetiger Aufbau des Selbstverständnisses

Teenager suchen bei uns nach positiven oder negativen Bestätigungen und speichern sie in ihrem Gedächtnis. Die aus diesen elterlichen Botschaften gewonnenen Wahrnehmungen werden tatsächlich zu ihrer Realität. Hier sind einige Tipps zur Erhöhung der Erfolgschancen, wenn wir unsere Verantwortung wahrnehmen, das Selbstverständnis unserer Teenager aufzubauen:

• Vermitteln Sie sowohl durch verbale als auch nonverbale Botschaften, dass Sie sie bedingungslos lieben.

• Leben Sie Ihren Teenagern Ihr eigenes gesundes Selbstverständnis vor, indem Sie sich genauso um sich selbst kümmern, wie Sie sich um sie kümmern.

• Vermitteln Sie sowohl durch verbale als auch nonverbale Botschaften: „Ich schätze dich!“

• Vermitteln Sie sowohl durch verbale als auch nonverbale Botschaften: „Du kannst denken.“

• Vermitteln Sie sowohl durch verbale als auch nonverbale Botschaften: „Du hast die Kontrolle.“

• Geben Sie den Teenagern die Möglichkeit, sich mit ihren Entscheidungen und ihrer Verantwortung auseinanderzusetzen und dann dazu zu stehen.

Drei Möglichkeiten, Liebe zu zeigen, sind Augenkontakt, Berührung und Lächeln. In Kombination miteinander sind sie wie Dynamit. Die Art und Weise, wie wir Teenagern zuhören, hat ebenfalls großen Einfluss darauf, wie geliebt sie sich fühlen und wie sehr sie uns lieben.

Wir würden unseren Kindern gerne helfen, aber ironischerweise kann dieser starke Wunsch, anderen Menschen zu helfen und sich um sie zu kümmern, zu unserem schlimmsten Feind werden, wenn es um unsere Teenager geht. Wenn dieser Wunsch zu Überbehütung führt, vereitelt er die Möglichkeiten, dass sie Verantwortungsbewusstsein lernen.

Die drei Stimmen des Selbstverständnisses

Das Selbstverständnis ist wie ein dreibeiniger Tisch. Wenn nicht alle drei Aspekte des Selbstverständnisses vorhanden sind, steht er schief. Diese drei Beine sind wie drei Stimmen. Teenager mit einem starken Selbstverständnis haben alle drei Stimmen im Ohr.

Die erste Stimme sagt: „Ich werde von den ‚Wundermenschen‘ in meinem Leben geliebt“ – den wichtigen anderen Menschen. Wir alle sind Wundermenschen im Leben von Teenagern.

Die zweite Stimme sagt: „Ich habe genau die Fähigkeiten, die ich für eine Person meines Alters brauche. Ich kann im Klassenzimmer mithalten. Ich kann zu Hause mithalten. Ich kann auf der Straße konkurrieren. Ich kann mich im Sport messen. Ich kann mich überall mit Leuten meines Alters messen. Ich bin okay.“

Die dritte Stimme sagt: „Ich kann die Kontrolle über mein Leben übernehmen. Ich kann Verantwortung übernehmen und Entscheidungen für mich selbst treffen und (dies ist der wichtige Teil): Ich kann mit den Konsequenzen meiner Entscheidungen oder Handlungen leben.“

Liebe-und-Logik-Prinzip 1

Verantwortungsbewusste Teenager fühlen sich wohl in ihrer Haut

Obwohl wir über das Selbstverständnis sprechen, konzentrieren wir uns nicht auf Begriffe wie Selbstwertgefühl und Selbstbild. Sie werden kein Liebe-und-Logik-Programm finden, das darauf ausgelegt ist, das Selbstwertgefühl Ihres Kindes zu steigern.

Verstehen Sie uns aber nicht falsch. Wir wollen, dass Ihre Kinder ein hohes Selbstwertgefühl haben. Aber sie bekommen kein hohes Selbstwertgefühl oder ein gutes Selbstbild, wenn sie sich darauf konzentrieren, es zu entwickeln. Fragen Sie die Eltern eines Teenagers mit einem großartigen Selbstbild, wie sehr sie sich darauf konzentrieren und darüber sprechen, werden sie wahrscheinlich etwas verdutzt schauen und etwas sagen, wie: „Hmm, wir reden eigentlich nie darüber, jetzt, wo Sie es erwähnen.“

Selbstwertgefühl und Selbstbild sind die Folge dessen, wie ein Zuhause funktioniert. Wenn ein Kind durch Konsequenzen ermutigt wird, weise und produktive Entscheidungen zu treffen, wird sich ein positives Selbstbild einstellen. Liebe-und-Logik-Eltern konzentrieren sich nicht darauf, „nett zu reden“, sondern geradlinig, ermutigend, einfühlsam und rücksichtsvoll zu sein.

Nehmen Sie z. B. den sechzehnjährigen Jeff, der lange schläft, wenig leistet und respektlos gegenüber seinen Eltern ist. Manche Bücher ermutigen die Eltern vielleicht, freundlich mit ihm darüber zu reden, welches Gefühl er über sich selbst hat. Und das kann wichtig sein. Auch Seelsorge kann eine Option sein. Die Eltern können jedoch die Liebe-und-Logik-Methoden anwenden, damit Jeff sich verantwortungsvolle Entscheidungen und Konsequenzen überlegt, mit denen sie selbst gut klarkommen können.

Verantwortungsbewusstsein können Eltern nicht durch Belehrungen, Drohungen oder Einschüchterung an einen Teenager weitergeben. Verantwortungsbewusstsein und sein Kompagnon, das Selbstverständnis, werden durch verdeckte Botschaften weitergegeben, die es Teenagern ermöglichen, ihren Charakter auf ihren Stärken aufzubauen. Wenn wir Teenagern die Möglichkeit geben, Entscheidungen zu treffen, müssen wir ihnen auch erlauben, Fehler zu machen. Laut dieser Philosophie bedeutet es jedoch nicht, dass inakzeptables Verhalten erlaubt ist, wenn man Kindern die Verantwortung überträgt. Eltern haben das Recht, verantwortungsvolles Verhalten von ihren Kindern zu erwarten.

Diese Philosophie besagt auch, dass Erwachsene und Teenager wachsen, indem sie auf ihren Stärken aufbauen. Aber das ist nicht die Art, wie viele von uns aufgewachsen sind. Als Jim zur Schule ging, hätte er, wenn ein Lehrer ihn gefragt hätte: „Hey, Jimmy, worin bist du gut?“, geantwortet: „Ich weiß es nicht.“ Und wenn der Lehrer ihn bedrängt hätte: „Nun, wer weiß es denn?“, dann hätte er geantwortet: „Ich glaube mein Lehrer und meine Mutter. Die müssen solche Dinge wissen.“

Aber wenn er gefragt worden wäre: „He, Jimmy, was sind deine Schwächen?“ Junge, da gab es niemanden sonst, der so ein Experte darin war. Er konnte diese Dinge herunterrasseln, weil seine Lehrer und Eltern der Meinung waren, er müsse, bevor er etwas lernen könne, erkennen, wie schwach er war. Zum Beispiel sagte seine Mutter jedes Mal, wenn er sich umdrehte: „Jim, deine Sprache ist schlampig. Achte auf deine Ms, Ps und Bs.“ Aber diese ständige Kritik half ihm nicht wirklich – und ich bin mir ziemlich sicher, dass es jedem anderen, der zu dieser Zeit aufwuchs, nicht anders erging.

Helfen wir den Teenagern also, sich ihrer Stärken bewusst zu werden, und bauen wir darauf auf. Das bedeutet nicht, dass wir ihre Schwächen ignorieren sollten, sondern nur, dass wir sie nicht auf Kosten ihrer Stärken in den Vordergrund stellen. Sie können und sollten auch an ihnen arbeiten. Als Faustregel gilt hier, dass ich von mir oder einem meiner Kinder nie verlangen werde, an mehr als einer Schwäche gleichzeitig zu arbeiten.

Verdeckte Nachrichten

Die stärksten Botschaften, die wir von Menschen aufnehmen, sind die angedeuteten, nicht die tatsächlichen Worte, die gesagt werden. Wenn wir Teenagern andeuten, dass sie mit einer Situation umgehen können, tun sie das auch. Wenn wir ihnen zu verstehen geben, dass sie nicht damit umgehen können, tun sie es nicht. Senden wir Teenagern eine unterbewusste Botschaft, dass sie denken können, verbessert sich ihr Selbstverständnis. Wenn Teenager genug von diesen guten Botschaften erhalten, lernen sie, sich selbst zu mögen.

Der Zusammenhang lässt sich im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung formulieren: „Ich werde nicht so, wie du denkst, dass ich es kann, und ich werde nicht so, wie ich denke, dass ich es kann. Ich werde, was ich denke, dass du denkst, dass ich es kann.“

Hatten Sie jemals einen Chef, einen Freund oder einen Lehrer, der Sie für das Tollste hielt, was es gibt? Wie haben Sie sich in der Nähe dieser Person verhalten? Haben Sie sich wöchentlich verabredet, um hinzugehen und zu sagen: „Moment mal. Ich bin nicht so gut, wie Sie denken?“ Oder haben Sie erlebt, dass Sie diesen Erwartungen gerecht wurden? Waren Sie jemals mit einer Person zusammen, die Sie für den Abschaum der Menschheit hielt? Wie hat sich das auf Ihre Reaktionen ausgewirkt?

Ein großer Teil unserer Erziehungsarbeit konzentriert sich darauf, wie wir den Teenagern vermitteln können – ohne es direkt zu sagen –, dass wir wissen, dass sie mit allem fertig werden, was das Leben ihnen bietet. Dann müssen wir ihnen vertrauen, dass sie es schaffen, und diese sich selbst erfüllende Prophezeiung ihre Arbeit tun lassen.

So wie es Eltern gibt, die einem Teenager unterstellen, dass er entweder toll oder ein Mistkerl ist, gibt es auch zwei Arten von Teen­agern.

Sonya wacht morgens auf, marschiert ins Badezimmer und sagt zum Spiegel: „He, sieh dir die Kleine an. Sie ist voll OK. Ich mag diese Frau, und ich wette, andere Leute werden sie auch mögen.“

Nun zu Hannah. Sie wacht morgens auf, schleppt sich zum Spiegel und murmelt vor sich hin: „Oh, nein, sieh dir das an. Ich mag nicht, was ich sehe. Und ich wette, anderen Leuten gefällt sie auch nicht.“

Welcher dieser Teenager verursacht Probleme zu Hause oder in der Schule? Hannah, natürlich. Sie sieht sich an und erklärt: „Ich bin schlecht.“ Was kommt als Nächstes? „Schlechte Teenager sollten bestraft werden. Warum bestraft mich dann niemand?“ Dann zieht sie jemanden mit rein: „Ich tue etwas Schlimmes, und wenn sie mich nicht bestrafen, tue ich etwas Schlimmeres.“ Wenn sie schließlich bestraft wird, kann sie sagen: „Siehst du? Ich bin böse und sollte bestraft werden.“

Welche verdeckten Botschaften wollen Sie senden? Diejenigen, die Ihren Teenager zu der Antwort veranlassen: „Oh, ja? Dann bring mich mal dazu, es zu tun“, oder die, die Ihren Teenager einladen, einzuwilligen und sich dabei gut zu fühlen?

Liebe-und-Logik-Prinzip 2

Verantwortungsbewusstsein lernt man durch Vorbilder, nicht durch Belehrungen

Eltern haben Folgendes mit Gott gemeinsam: Wir können unseren Kindern eine große Freiheit geben, so wie Gott sie allen Menschen – seiner höchsten Schöpfung – gegeben hat. Das bedeutet, die Freiheit, sowohl Fehler zu machen als auch, es richtig zu machen. Scheitern und Erfolg sind zwei Seiten der gleichen Medaille.

Damit Kinder ihre eigenen Entscheidungen treffen können, müssen sie manchmal ihre Unabhängigkeit geltend machen, indem sie sich bewusst dafür entscheiden zu scheitern. Paradoxerweise ziehen Eltern, die versuchen, die Erfolge ihrer Kinder sicherzustellen, oft erfolglose Kinder auf.

Eine Sache, zu der wir Teenager definitiv nicht zwingen können, ist, „verantwortlich zu sein“. Verantwortungsbewusstsein kann nicht gelehrt werden; es muss erlebt werden. Die am schwierigsten zu lernenden Lektionen betreffen die Dinge, von denen uns gesagt wird, dass wir sie tun müssen. Um unseren Kindern zu helfen, Verantwortungsbewusstsein zu erlangen, müssen wir ihnen Gelegenheiten bieten, verantwortungsbewusst zu sein, anstatt ihnen zu befehlen, das zu tun, was wir für verantwortungsbewusst halten.

„Regeln“ als solche tragen nicht viel zum Aufbau von Verantwortungsbewusstsein bei, da Regeln und Vorschriften von Job zu Job und von Institution zu Institution variieren. Manchmal gibt es überhaupt keine Regeln – oder nur dumme Regeln.

Auf seinen Reisen als Redner hörte Foster von einer Universität, die vor ein paar Jahren eine neue Regel aufgestellt hat: „Kein Sex in den gemischten Studentenwohnheimen.“ Das ist eine dumme Regel. Die meisten von uns sind der Meinung, dass Sex in keinem der Studentenwohnheime erlaubt sein sollte.

Aber nehmen wir an, Jerry tritt in die Behemoth Western University ein. Er ist achtzehn Jahre alt und hat immer getan, was Mama und Papa ihm sagten. Als er auf dem Campus ankommt, denkt er: Mensch, so viele schöne Mädchen habe ich noch nie gesehen. Nach der ersten Woche ruft er seine Eltern an und sagt: „Hey, Mama und Papa! Diese Mädchen hier sind der Hammer! Ich gehe morgen Abend mit einer auf eine Party.“

Und nun raten Sie mal, was passiert. Mama und Papa versuchen – aus der Ferne – die „Kein Sex in den gemischten Studentenwohnheimen“-Regel der Universität durchzusetzen: „Jerry, wo wirst du heute Abend sein? Wird es dort irgendwelche Drogen geben? Wann wirst du wieder in deinem Zimmer sein? Wir wollen, dass du um zwölf zurück bist, und wir meinen nicht eine Minute nach zwölf.“

„Sicher Mama, sicher Papa“, versichert Jerry ihnen. „Ich werde brav sein, so wie ihr es mir gesagt habt.“ Vielleicht meint er es sogar ernst.

Um Mitternacht, wenn das Bier herumgereicht wird, muss Jerry eine Entscheidung treffen. Er kann auf das hören, was seine Eltern gesagt haben oder dem Drängen seiner Kumpels und dem Mädchen, das an seinem Arm zerrt, nachgeben. Aber Jerry hatte noch nie die Chance, auf sich selbst zu hören und seine eigene Entscheidung zu treffen.

Mal ehrlich, machen Regeln wie „Kein Sex in den gemischten Studentenwohnheimen“ überhaupt einen Sinn? Nein, natürlich nicht.

Ein sinnvolles, reifes Verhalten kann nur dann erfolgen, wenn es dem Charakter unseres Teenagers entspringt – und der Charakter wird geformt, indem man lernt, Entscheidungen zu treffen und mit den Konsequenzen zu leben. Für uns Eltern hatte es noch keine großen Folgen, wenn wir unseren Kindern Entscheidungen abnahmen, als sie noch klein waren und es noch nicht unbedingt wichtig war, dass sie die Konsequenzen ihrer schlechten Entscheidungen zu spüren bekamen. Das mag für uns als Eltern damals die einfache Lösung gewesen sein, aber wenn wir so weitermachen, wird es für unsere Teenager nicht einfach sein, wenn sie mit Entscheidungen über Leben und Tod konfrontiert sind, die vor ein oder zwei Generationen noch undenkbar waren.

Tragischerweise sind für viele Jugendliche die ersten wirklichen Entscheidungen, die sie treffen, dumme Entscheidungen über Autos, Sex oder das Verhalten am Arbeitsplatz. Wenn sie vorher noch nie die Gelegenheit hatten, Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung für die Konsequenzen zu übernehmen, ist es egal, was sie in der Fahrschule oder im Gesundheitsunterricht gelernt haben, da sie nie gelernt haben, verantwortlich zu sein.

Verantwortungsbewusstsein wird gelernt, wenn Eltern die Kontrolle mit ihren Teenagern teilen. Wir können Teenager dazu ermutigen, selbständig zu denken, und ihnen dabei helfen, ihr Selbstverständnis intakt zu halten. Wenn Teenager selbstständig denken, treffen sie Entscheidungen und lernen, mit den Konsequenzen zu leben. Wenn diese Konsequenzen bedeuten, dass sie die Lektionen des Lebens auf die harte Tour lernen, können wir auf angemessene Weise Empathie oder Anteilnahme zeigen. Das macht den Schmerz der Konsequenz deutlich, sodass sie die Lektion nie vergessen werden – und den Fehler nie wieder machen müssen.

Kurz nachdem Jerry auf der Campus-Party war, bekamen seine liebevollen Eltern einen Anruf. Jerry, so schien es, war in Schwierigkeiten geraten. Er war nicht nur wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit verhaftet worden, sondern es geschah auch noch, als er das Mädchen – dessen Namen er schnell vergessen hatte – am nächsten Morgen um drei Uhr aus seinem Wohnheim begleitete.

Nun sind die Eltern an der Reihe, eine Entscheidung zu treffen. Sie können Jerry anschreien: „Wir haben dir gesagt, du sollst dich benehmen, aber du hast nicht auf uns gehört! Wir sind wirklich sauer auf dich! Das kostet uns fünfzig Dollar für deine Gerichtskosten und das Bußgeld, weil du in der Öffentlichkeit betrunken warst.“

Oder sie können einsehen, dass Jerry jetzt auf eigenen Füßen steht und seine eigenen Entscheidungen treffen muss: „Jerry, es tut uns wirklich leid, was passiert ist. Wir wissen, dass du das Geld wirklich gebraucht hättest, um dir ein paar Schulbücher zu kaufen, anstatt die Strafe zu bezahlen, aber du kannst bestimmt abends einen Teilzeitjob finden, um das wieder auszugleichen.“

Nur wenige Teenager wollen wirklich für immer Teenager bleiben. Sie wollen erwachsen werden und ihre Unabhängigkeit beweisen, auch wenn sie es nur oberflächlich zeigen. Sie haben die Kleidung, die Angeberei und die Antworten. Lassen Sie sie also unabhängig agieren und entscheiden und damit leben. In nur wenigen Jahren werden sie Sie nicht mehr haben, um ihnen aus der Patsche zu helfen, wenn sie das Auto zu Schrott fahren, sich mit ihrem Ehepartner streiten oder das Geld für die Miete ihrer Wohnung verprassen. Warum also warten?

Lektionen kosten morgen immer mehr als heute, deshalb ist es desto besser, je früher unsere Teenager sich den Konsequenzen ihrer Entscheidungen stellen und daraus lernen dürfen.

Einige von uns warten aufgrund tief verwurzelter Erziehungsmuster aus jener längst vergangenen Ära, als unser sechzehnjähriger Rabauke noch ein süßer, kleiner, frecher Schelm war. Wir wollten alles Menschenmögliche für unseren Kleinen tun. Aber was uns in Schwierigkeiten brachte, war, wie wir unsere „Liebe“ zeigten – oft durch Überbehüten.

Eltern, die es nicht besser wissen, neigen dazu, in den Helikopter- oder Feldwebel-Erziehungsstil zu verfallen, von denen wir bereits gesehen haben, dass sie nicht funktionieren.

Liebe-und-Logik-Prinzip 3

Lassen Sie Jugendliche für ihre Probleme und deren Lösungen selbst verantwortlich sein

Beratende Liebe-und-Logik-Eltern helfen Teenagern durch das Leben, indem sie Wahlmöglichkeiten anbieten und dabei die Kontrolle teilen, während sie auf dem gesunden Selbstverständnis ihrer Teenager aufbauen. Sie lassen die Teenager sowohl ihre Probleme als auch ihre Lösungen selbst in die Hand nehmen.

Der Aufbau eines starken Selbstverständnisses ist das erste von drei Dingen, die wir zusammen mit Teenagern tun können, damit sie, wenn sie ins Alter der Versuchung kommen, eine Chance haben, Drogen- und Alkoholmissbrauch oder anderen riskanten Verhaltensweisen zu widerstehen.

Die zweite Sache, die wir tun können, ist, Teenager darin zu unterstützen, wie man Entscheidungen trifft. Wir tun dies unter anderem, indem wir sie die Verantwortung für diese Entscheidungen übernehmen lassen – einschließlich der guten Gefühle und auch der Enttäuschungen – und ihnen diesen Gedanken ins Bewusstsein pflanzen: „Die Qualität meines Lebens hängt von den Entscheidungen ab, die ich treffe.“

Drittens können wir deutlich machen, wem die Verantwortung für ein bestimmtes Problem obliegt. Wenn Eltern keine klaren Grenzen ziehen, wenn sie nötig sind, haben sie und ihre Teenager eine Menge Ärger am Hals.

Lassen Sie die Teenager für ihre eigenen Probleme, ihre eigenen Gefühle, ihre eigenen Enttäuschungen und ihre eigenen Belohnungen verantwortlich sein. Eines der schlimmsten Dinge, die wir tun können, ist, Teenagern die Botschaft zu vermitteln, dass sie etwas nicht tun sollten, weil die logische Konsequenz ihres Handelns ist, dass Erwachsene wütend werden. Erstens ermutigt sie das, ihr Handeln nach den Stimmen außerhalb ihres Kopfes zu richten. Und zweitens kann es bei einigen Teenagern, die alles daransetzen, Erwachsene wütend zu machen, ihre unreife Rebellion verstärken. So oder so übernehmen sie keine Verantwortung für die Situation.

Nehmen wir zum Beispiel an, dass Ihre Tochter mit dem Familienauto unterwegs ist und versucht ist, vor ihren Freunden anzugeben. Sollte sie denken: „Junge, wenn ich dieses Auto zu Schrott fahre, wird mein Vater wirklich sauer sein?“ Würde ein reifer Teenager so reagieren?

Falls sie eine vernünftige junge Frau auf dem Weg zu einer gesunden Unabhängigkeit ist, wird sie das nicht denken. Stattdessen wird sie sich sagen: „Mensch, wenn ich mit diesem Auto einen Unfall baue, werde ich uns über die ganze Autobahn verteilen. Ich sollte wohl besser vorsichtig sein.“

Es liegt in der Verantwortung des Teenagers, sich das Problem zu eigen zu machen und eine Lösung zu finden. Aber das ist nicht immer so einfach, wie es klingt, da wir versucht sind, wie ein Hubschrauber herbeizurasen, um unseren Sohn oder unsere Tochter vor der realen Welt zu schützen. Oder wir marschieren wie ein Feldwebel herzu, brüllen ein paar Befehle und erwarten, dass die Teenager-Truppe sich widerspruchslos einreiht. Diesen Versuchungen müssen wir widerstehen.

Als eine Person im helfenden Beruf der Erziehung fühlte ich (Jim) mich immer versucht, die Probleme meiner Schüler zu lösen. Deshalb musste ich mir antrainieren, etwas anderes zu tun, indem ich ein Schlüsselwort benutzte: „Schade.“ Immer, wenn ich dieses Wort benutzte, erinnerte es mich daran: „Jim, sei vorsichtig. Löse das Problem nicht für ihn. Gib ihm keine Lösung. Gib ihm keine Ratschläge und verteidige dich nicht. Überlasse ihm das Denken.“ Und wenn der Schüler „Schade“ hört, klingt es einfühlsam. „Oh, so ein Pech. Schade. Ich wette, das fühlt sich schrecklich an.“

Wenn wir Teenagern zeigen, dass wir verstehen, wie sie sich fühlen, geben wir ihre Gefühle an sie zurück – zu ihrer Kontrolle, nicht zu unserer.

Die Eigenverantwortung für Probleme gerät auch ins Wanken, wenn wir Lob mit Ermutigung verwechseln. Vor zwanzig Jahren begannen die öffentlichen Schulen, etwas zu verwenden, das „positive Verstärkung“ genannt wird. Diese Philosophie besagt, dass, wenn wir viel Zeit damit verbringen, Teenagern zu sagen, wie gut sie etwas machen, sie es besser machen werden.

Dieser Ansatz funktioniert gut mit Teenagern, die sich selbst als eine „Eins“ sehen, weil sie nicht nach Beweisen suchen müssen, um ihr Selbstverständnis zu untermauern. Aber wie viele Teenager in unseren Klassenzimmern oder zu Hause halten sich wirklich für eine „Eins“?

Teenager können wir am besten ermutigen, wenn wir mit ihnen wie mit Erwachsenen sprechen. Wir bauen kein Selbstverständnis auf, indem wir ihnen sagen, dass sie gut sind. Jugendliche, die ein schlechtes Selbstbild haben, werden es einfach ignorieren, und es wird ihnen wahrscheinlich schlechter gehen, als wenn wir nichts gesagt hätten.

An einem Tag sind Teenager down, am nächsten Tag geht’s ihnen wieder gut. Das gehört dazu. Wir können helfen, indem wir sie so wenig wie möglich kritisieren und es sein lassen, ihnen das zu sagen, was sie selbst herausfinden sollen. Wir wollen, dass sie selbst denken, also sollten wir ihnen Fragen stellen, anstatt sie herumzukommandieren. Wenn sie sagen, dass sie etwas Dummes tun werden, können wir antworten: „Ja, das ist eine Möglichkeit. Das kannst du tun. Hast du jemals an dies, das und das gedacht? Wir wünschen dir alles Gute, und wir werden dich immer noch lieben, egal was passiert.“

Indem wir mit Teenagern reden, als wären sie Erwachsene, vermitteln wir die starke Botschaft, dass wir von ihnen erwarten, dass sie sich wie Erwachsene verhalten und die Dinge in ihrem Leben in die Hand nehmen. Aber wir tun dies sicherlich nicht durch Belehrungen oder Drohungen.

Liebe-und-Logik-Prinzip 4

Wenn wir Teenager-Streitereien entschärfen, bleibt der Fokus auf ihnen

Wir können es nicht deutlich genug sagen: Wenn man Streit zulässt oder sich darauf einlässt, werden alle Versuche, die Liebe-und-Logik-Methoden anzuwenden, zunichte gemacht. Eltern, die mit ihren unvernünftigen Teenagern streiten oder versuchen, sie zur Vernunft zu bringen, führen einen Zermürbungskrieg. Am Ende erschöpfen sie sich nur und geben vielleicht auf.

Wenn wir Teenager für ihre Handlungen verantwortlich machen, wird ihre erste Bemerkung natürlich nicht lauten: „Mensch, Mama, tolle Erziehung! Vielen Dank, dass du so hartnäckig warst, um mir diese Lektion beizubringen.“ Stattdessen werden sie emotional sein – höchstwahrscheinlich wütend – und in diesem Zustand bleiben, bis sie etwas Zeit haben, sich abzukühlen. Wenn wir wütend sind, benutzen wir den elementarsten Teil unseres Gehirns, die Amygdala bzw. das „emotionale Gehirn“, und nicht den Kortex, wo analytisches Denken und Schlussfolgerungen stattfinden. Wenn wir in diesem Zustand mit unserem Teenager streiten, ist das Letzte, was er oder sie tun wird, vernünftig zu sein.

Das Beste, was ein Elternteil bei einem hitzigen Streit tun kann, ist, einen Liebe-und-Logik-Einzeiler zu verwenden, wie z. B. „Also, was habe ich gesagt?“ oder „Ich liebe dich zu sehr, um darüber zu streiten.“ Ein solcher Dialog könnte etwa so wie der folgende ablaufen, in dem Amanda sich darüber ärgert, dass sie nicht zu einer Party gehen darf:

AMANDA: Du lässt mich nie tun, was ich will.

MAMA: Ich liebe dich zu sehr, um darüber zu streiten. Lass uns darüber reden, wenn wir uns beide wieder abgekühlt haben.

AMANDA: Aber Carly darf immer tun, was sie will.

MAMA: Ich liebe dich zu sehr, um darüber zu streiten.

AMANDA: Ja, weil du sie lieber magst.

MAMA: Also, was habe ich gesagt?

Das darf nicht herablassend oder sarkastisch sein, sondern muss immer mit Empathie ausgedrückt werden. Echtes Einfühlungsvermögen hat eine erstaunliche Fähigkeit, Emotionen zu absorbieren. Am besten ist es, eine einfühlsame Aussage zu verwenden, die direkt aus Ihrem Herzen kommt, eine Aussage, die sich für Sie natürlich anfühlt. Es kann sogar jedes Mal die gleiche sein. Wenn Sie wollen, dass es einen verstärkenden Effekt hat, verwenden Sie auch denselben Gesichtsausdruck und dieselbe Körpersprache. Hier sind einige Beispiele für einfühlsame Aussagen, die funktionieren:

• „O nein. Ich wette, das fühlt sich schrecklich an.“

• „Mann, so ein Pech!“

• „Ich kann mir nicht vorstellen, wie schlimm sich das anfühlt.“

Und hier sind einige Beispiele für Aussagen, die häufig nicht so gut funktionieren:

• „Ich weiß, wie du dich fühlst.“

• „Ich weiß genau, was du meinst.“

• „Ich verstehe.“

Als Eltern müssen Sie sich auch auf das konzentrieren, was kontrollierbar ist, indem Sie Ihren Teenagern sagen, was Sie selbst tun werden, nicht was sie tun werden. Sie werden nicht streiten, aber Sie können sie nicht davon abhalten, es zu versuchen; Sie werden später mit ihnen darüber sprechen, aber Sie können sie nicht dazu bringen, bis dahin eine endgültige Antwort für Sie zu haben. Sie werden sich selbst kontrollieren, indem Sie Ihren Teenagern die Fähigkeit vorleben, sinnlosem Gezänk zu widerstehen, und sie dazu zwingen, zu erkennen, dass sie die Konsequenzen der Entscheidungen, die sie treffen, tragen müssen.

Im nächsten Kapitel werden wir anhand der folgenden Prinzipien untersuchen, wie man effektiv mit Teenagern spricht:

• Kontrolle durch Wahlmöglichkeiten erlangen

• Grenzen setzen durch Nachdenkworte

• Das Erfolgsrezept: Einfühlungsvermögen mit Konsequenzen

• Aufbau einer Beziehung, die ein Leben lang hält

Kapitel 4: Zurück zu den Grundlagen, Teil 2: Teenager wie verantwortungsbewusste Erwachsene behandeln

Die vierzehnjährige Tina war wütend und verwirrt. Ihre Mutter, sagte sie, behandele sie einmal, als wäre sie eine Zweijährige, und dann wieder wie eine Erwachsene.

„Mama behandelt mich ganz okay, wenn sie mit mir über meine Kleidung, meine Freunde oder meine Hausaufgaben spricht – diese Dinge sind in Ordnung“, erklärte Tina. „Aber wenn sie mir sagt, ob ich mich verabreden darf oder wer mein Freund sein kann, ist es, als wäre ich ein kleines Mädchen, das nichts weiß.“

Tinas Mutter war auch nicht sehr glücklich. „Tina benimmt sich einmal wie eine junge Dame und dann wieder wie eine Zweijährige. Ich werde aus ihr nicht schlau! Sie ist so süß, wenn ich sie frage, wie es in der Schule läuft, oder wenn sie mir ihr neues Kleid zeigt. Aber wenn wir über diese Jungs mit den komischen Frisuren reden, die sie mag und von denen ich glaube, dass sie einen schlechten Einfluss auf sie haben, dann kriegt sie fast einen Wutanfall.“

Tina und ihre Mutter befanden sich in einem typischen elterlichen Kampf um die Kontrolle. Bei Dingen, die die Mutter als nicht allzu folgenreich empfand, wie Kleidung, Freunde und Schularbeiten, war Tina eine junge Erwachsene. Aber wenn es um Tinas Freundeswahl und Verabredungen ging, behandelte ihre Mutter sie, als wäre sie zwei. Je mehr ihre Mutter sie bei diesen Themen bedrängte, desto mehr rebellierte sie – das gleiche Problem, das Eltern mit Zweijährigen haben.

Liebe-und-Logik-Prinzip 5

Kontrolle durch Wahlmöglichkeiten erlangen

Hatten Sie, wie Tinas Mutter, den starken Wunsch, strengere Regeln bei Ihrem Teenager durchzusetzen? Wenn Sie sehen, dass Ihr Teenager unabhängig wird, neigen Sie dazu zu sagen: „Ich wäre ein besserer Elternteil, wenn ich nur … kontrollieren könnte.“

Aber wir haben einen freien Willen, und das bedeutet, das Recht, viele Entscheidungen zu treffen und mit den Konsequenzen zu leben. Das ist es, was den Menschen spannend macht. Wäre es nicht schrecklich, wenn wir jeden Schritt unserer Kinder kontrollieren könnten? Können Sie sich vorstellen, mit was für Menschen wir dann leben müssten, wenn sie erwachsen sind? Im besten Fall wäre es furchtbar langweilig.

Möchten Sie, dass Ihr Teenager vernünftig ist, Spaß hat und auch verantwortungsbewusst ist? Dann lockern Sie Ihren Griff. Denken Sie daran, dass Ihr Teenager in ein paar Jahren in der Welt der Erwachsenen unterwegs sein wird, also teilen Sie die Kontrolle mit ihm. Je mehr Kontrolle Sie jetzt abgeben, desto mehr Kontrolle gewinnen sie. Das ist die Selbstbeherrschung, die sie nutzen werden, um in ihrer Entwicklung als Erwachsene gute Entscheidungen zu treffen. Die glücklichsten Teenager sind verantwortungsbewusste Teenager, die sich an die Regeln der realen Welt halten, die zur Selbstkontrolle anregen, statt an die Regeln und die Kontrolle der Eltern, die eine Rebellion fördern können.

Aber wie teilen wir die Kontrolle auf? Haben Sie schon einmal die klassische Szene gesehen, in der ein Elternteil versucht, die absolute Kontrolle zu bekommen, und im nächsten Sekundenbruchteil bekommt der Teenager die totale Kontrolle? Was läuft da schief?

In der menschlichen Interaktion gibt es hier eine sehr feine Linie. Auf der einen Seite der Linie haben die Teenager das Gefühl, dass sie eine gewisse Kontrolle haben. Aber auf der anderen Seite der Linie haben sie keine. Sobald wir auf die Seite überwechseln, auf der die Teenager das Gefühl haben, keine Kontrolle zu haben, entscheiden sie sich plötzlich, alles zu bekommen.

Ein Beispiel: Der Vater warnt seinen Sohn: „Du bist um Mitternacht zu Hause, sonst …“ Der Teenager hat keine Kontrolle über die Situation. An diesem Punkt kann er jedoch die totale Kontrolle übernehmen, indem er sich entscheidet, nach Mitternacht nach Hause zu kommen, und dann muss Papa auf ihn reagieren.

Das richtige Maß an Kontrolle


Die Psychologin Dr. Sylvia B. Rimm, stellt fest, dass Menschen aller Altersgruppen das Maß an Kontrolle, das sie in einer Beziehung haben, nur mit dem Maß an Kontrolle vergleichen, das sie früher hatten – nicht mit dem Maß, das sie ihrer Meinung nach haben sollten. Wenn sie mit der Zeit mehr Kontrolle erhalten, sind die Menschen zufrieden; wird die Kontrolle reduziert, werden sie zornig. Wenn die Eltern also die Kontrolle immer mehr abgeben, sind die Kinder – vor allem Teenager – in der Regel zufrieden mit dem neuen Maß an Kontrolle, das sie erleben.

Rimms Analyse wird das „V“ der Liebe genannt. Die Seiten des „V“ stellen feste Grenzen dar, innerhalb derer das Kind Entscheidungen treffen und mit den Folgen leben darf. Das untere Ende des „V“ steht für die Geburt, während das obere Ende den Zeitpunkt darstellt, an dem das Kind das Haus verlässt und ins Erwachsenenleben eintritt.1 Ein Beispiel für den Verzicht auf Kontrolle kann sein, Kleinkindern die Wahl zwischen weißer oder Schokomilch zu lassen; für Teenager kann es die Möglichkeit sein, zu entscheiden, wann sie nachts nach Hause kommen.

Leider stellen viele Eltern das V auf den Kopf. Sie behandeln ihre Kinder von Anfang an wie kleine Erwachsene, mit allen Privilegien des Erwachsenseins, die sie ihnen unmittelbar nach der Geburt gewähren. Diese Kinder werden bald zu Tyrannen. Nicht ihre Eltern kontrollieren sie, sondern sie kontrollieren ihre Eltern und halten sie mit Wutausbrüchen und Schmollen als Geiseln. Tragischerweise führen viele Kinder, die ihr Leben mit zu viel Macht beginnen, ein unglückliches Leben, wenn sie älter werden. Ihr Fehlverhalten als Teenager zwingt die Eltern dazu, sie immer weiter zu kontrollieren, was Wut und Rebellion auslöst, da Rechte und Privilegien gewaltsam entzogen werden. Der unglückliche Teenager beschwert sich dann: „Ihr behandelt mich wie einen Fünfjährigen.“ Und in vielerlei Hinsicht ist das auch wahr.

Regeln für Kontrollkämpfe

Der Liebe-und-Logik-Ansatz in Bezug auf Kontrolle sagt: „Sei nicht gierig. Übe nur so viel Kontrolle aus, wie unbedingt nötig ist.“ Wenn ein Kampf um die Kontrolle droht, müssen sich Eltern einige Fragen stellen, wie z. B.: „Wie viel Kontrolle brauche ich in dieser Situation unbedingt? Und noch wichtiger: Muss ich überhaupt einen Kontrollkampf führen? Kann mein Teenager eine wertvolle Lektion lernen, wenn ich stattdessen Ratschläge oder Optionen anbiete?“

Liebe-und-Logik-Eltern haben gelernt, dass es umso leichter ist, mit Kontrolle umzugehen, je mehr sie sich entspannen. Wir empfehlen drei Regeln für Kontrollkämpfe:

1. Vermeiden Sie Kontrollkämpfe um jeden Preis.

2. Wenn Sie gezwungen sind, einen Kontrollkampf zu führen – in den seltenen Fällen, in denen es sich nicht vermeiden lässt – dann gewinnen Sie ihn um jeden Preis.

3. Wählen Sie das Thema sorgfältig und bewusst aus, ohne damit zu drohen. Tun Sie es einfach.

Wenn Eltern diese Methoden anwenden, führen sie keinen Kampf. Stattdessen veranlassen sie Teenager dazu, über ihre Entscheidungen nachzudenken.

Wenn Eltern in Kontrollkämpfe geraten, denken Teenager nur an eines: Wer wird gewinnen? Sie sind besonders gut darin, sich Kämpfe auszusuchen, die Erwachsene niemals gewinnen können: „Welche Musik wirst du mir verbieten zu hören? Wer darf mein Freund bzw. meine Freundin sein? Wann werde ich lernen? Versuch mich mal zum Reden zu bringen. Versuche mal, mich glücklich zu machen.“ Dies sind häufige Schlachtfelder für Eltern und Teenager.

Wann immer Eltern Teenagern einen Befehl geben, den sie nicht durchsetzen können, verlieren sie deren Respekt. Kontrollkämpfe über Freunde sind ein gutes Beispiel. Wenn einer von uns zu seiner Tochter sagt: „Geh nicht mit diesem Freund aus“ oder: „Ich mag diese Freunde nicht; häng nicht mit ihnen herum“, dann geben wir ihr einen Befehl, haben aber nicht die Macht, dies durchzusetzen. Wir beginnen einen Kampf, den wir unweigerlich verlieren werden. Und warum? Töchter (und Söhne) werden immer unabhängiger, wenn sie in die Pubertät kommen, und die Wahl ihrer eigenen Freunde ist eine Möglichkeit, diese Unabhängigkeit zum Ausdruck zu bringen. Wir werden auf keinen Fall in der Lage sein, dieses Verhalten vierundzwanzig Stunden am Tag zu überwachen. Praktisch gesehen könnten wir einen solchen Kontrollkampf nicht gewinnen, selbst wenn wir es versuchten, warum also nicht die Energie für einen Kampf sparen, den wir gewinnen können?

Aber Ihr Teenager könnte sehr wohl feststellen, dass ein solcher Kontrollkampf etwas ist, das er mit Ihnen ausfechten möchte. Kleine Kinder, ganz zu schweigen von Teenagern, entdecken, dass sie große Erwachsene ohne jede Anstrengung in die Knie zwingen können. Alles, was sie tun müssen, ist, die Erwachsenen in einen Kampf zu verwickeln, der in einer Million Jahren nicht gewonnen werden kann. Dann halten sie die Erwachsenen mit diesem Kampf beschäftigt – und die Erwachsenen haben weder die Zeit noch die Energie für die wichtigeren Kämpfe übrig, die sie hätten gewinnen können.

Nicht nur das, sondern zu beobachten, wie die Eltern wütend und frustriert werden, hat großartigen Unterhaltungswert. Schauen Sie sich Sitcoms an: Fast der gesamte Humor basiert darauf, frustrierte Autoritätspersonen zu beobachten, die versuchen, Situationen zu kontrollieren, die sie nicht kontrollieren können.

Es gibt jedoch ein paar Themen, in Bezug auf die Sie Kontrollkämpfe führen müssen, weil es dabei um Ihre Selbstachtung als Elternteil geht. Wählen Sie diese Kämpfe sorgfältig aus, mit der festen Absicht, sie zu gewinnen. Dazu gehört:

1. Eltern müssen drauf bestehen, dass ihre Kinder sie respektvoll behandeln, so wie es auch die Kinder von ihren Eltern verdienen. Sind Kinder respektlos gegenüber ihren Eltern, verschlechtert dies ihr Selbstbild. Ein schlechtes Selbstbild bei Kindern beginnt mit Respektlosigkeit gegenüber den Eltern.

2. Eltern müssen Kontrolle über das grundlegende Verhalten im Familienleben ausüben. Wenn zum Beispiel ein Teenager die Eltern stört, indem er im Haus raucht, müssen die Eltern ihre Selbstachtung vorleben und ihm oder ihr sagen, dass er oder sie nach draußen gehen soll. Es ist in der Regel ein Fehler, sich mit dem Teenager körperlich anzulegen, aber die Eltern können mit fester „Wir meinen es ernst“-Stimme sagen: „Wir denken, du triffst eine unkluge Entscheidung.“ Sie sind vielleicht nicht in der Lage, den Teenager in diesem Moment zu entfernen, aber sie müssen in der Lage sein, diese Grenze festzulegen.

3. Die Eltern müssen die Kontrolle im häuslichen Bereich haben. Schließlich gehört das Haus den Eltern. Manchmal bringen Teenager, wen immer sie wollen, ins Haus und tun so, als gehöre es ihnen. Das ist verkehrt. Wem etwas gehört, ist ein wichtiges Prinzip. Wenn die Kinder erwachsen werden und ihr eigenes Zuhause haben, dann haben sie das Recht, in dieser Umgebung Entscheidungen zu treffen.

Justin und sein Vater lieferten sich immer wieder Kämpfe um die Stereoanlage. Justin legte eine CD ein, drehte sie laut auf und seine Musik dröhnte förmlich durch die Wohnung. Dann brüllte Justins Vater unweigerlich über den Lärm hinweg: „Stell die blöde Anlage leiser!“ Passiv-aggressiv ließ sich Justin dann Zeit, um dem nachzukommen, und saß dann schmollend und rebellisch da.

Nachdem er ein Erziehungsseminar besucht hatte, ging Justins Vater anders damit um. Er wartete auf die Mikrosekunde, in der sowohl er als auch Justin in bester Stimmung waren. Dann setzte er sich zu seinem Sohn, legte ihm den Arm um die Schultern (diese Aktion war so selten, dass sie Justin in konzentrierte Aufmerksamkeit versetzte) und sagte: „Weißt du, Justin, ich verstehe, wie sehr du deine Musik liebst. Und ich gebe gerne zu, dass ich sie nicht besonders mag. Deshalb möchte ich wirklich, dass du die Lautstärke der Musik auf der Stereoanlage niedrig hältst, wenn Mama und ich zu Hause sind.“

„Das finde ich unfair. Du darfst deine Musik lauter spielen. Das hier ist auch mein Zuhause!“, antwortete Justin.

„Justin“, sagte sein Vater liebevoll, „du musst mal die Hypothek überprüfen und herausfinden, wem das Haus gehört. Das hier ist mein Zuhause, Sohn. Du darfst hier jedoch leben. Eines Tages, wenn du die Hypothekenzahlungen für dein eigenes Haus abbezahlst, werde ich nicht erwarten, dass ich meine CD vorbeibringe und sage: ‚Hey, steck das mal in die Maschine und dreh sie laut auf.‘ Weißt du, was ich meine?“

Justin antwortete – ein wenig widerstrebend, aber mit dämmernder Erkenntnis – „Ja, ich denke, das macht Sinn.“

Der Vater beendete das Gespräch mit den Worten: „Ich werde mein Bestes tun, um mich nicht zu sehr über deine Musik zu ärgern, und ich würde es wirklich schätzen, wenn du dein Bestes tun würdest, um die Dezibel niedrig zu halten. Vielen Dank, Justin.“

Er drückte seinen Sohn ein wenig um die Schultern und ging. Durch die liebevollen Grenzen seines Vaters wurde in Justin das Bewusstsein geweckt, dass den Kindern das Haus tatsächlich nicht gehört.

Probieren Sie einmal diese Kontrollkämpfe aus

Teenager suchen sich einige interessante Kämpfe aus, darunter: „Mal sehen, ob du mich zum Reden bringen kannst.“ Viel Glück! Ich (Jim) erinnere mich an eine Zeit, als meine zweite Tochter Teenager war und an die vielen Stunden des „Jetzt sehe ich, dass es ein Problem gibt. Warum sprichst du nicht darüber? Was ist denn los? Du weißt, dass du mit deiner Mutter oder mir reden kannst. Du weißt doch, dass es sicher ist, mit uns zu reden“, in das sie und ich unsere Energie reinsteckten. Und je mehr ich „reden“ sagte, desto weniger sagte sie, weil ihr Schweigen ihr die Kontrolle gab.

Ein anderer Kampf, in den uns Teenager gerne verwickeln, betrifft Werte: „Mal sehen, ob du mich dazu bringen kannst, dieselben Werte zu haben wie du.“ Wiederum, viel Glück! Tatsache ist, dass gesunde Teenager, als normaler Teil des Erwachsenwerdens, ständig irgendwelche neuen Werte ausprobieren: „Wäre das okay? Wäre das in Ordnung?“ Sie experimentieren damit, erwachsen zu werden.

Deshalb machen Teenager oft unverblümte Aussagen, wie: „Schule ist nicht wichtig.“ Dann lehnen sie sich zurück und sehen zu, wie ihre Eltern ausrasten. Es ist heute nicht ungewöhnlich, dass Teenager nach Hause kommen und sagen: „Ich finde, jeder sollte Sex haben können mit wem er will – jederzeit und an jedem Ort. Und es geht niemanden etwas an, schon gar nicht die Eltern.“

Eltern reagieren auf solche Aussagen unweigerlich, indem sie sofort versuchen, sie zu korrigieren: „Oh nein, glaube nicht das, sondern dies. Dies wird helfen und jenes wird helfen, aber diese Dinge darfst du nicht machen.“ Der Teenager schwelgt unbewusst in den unbeholfenen Versuchen der Eltern, auf seine neuen Werte einzugehen. Irgendwo im Inneren sagt der Teenager: „Viel Glück! Das wird dich eine Weile beschäftigen – so beschäftigen, dass du keine Zeit haben wirst, einige Kämpfe zu gewinnen, die du hättest gewinnen können.“

Was ist traurig an dieser Situation? Diese Eltern haben ihren Teenager gerade dazu gebracht, um jeden Preis an diesem speziellen Wert festzuhalten, denn jetzt ist diese Position eine Möglichkeit für den Teenager, um festzustellen, wer er oder sie als Individuum ist, losgelöst von den Eltern.

Eine bessere Reaktion ist es, den Teenagern zu erlauben, diesen neuen Wert auszuprobieren. Sie können sicher sein, dass sie sich in der folgenden Woche oder dem folgenden Monat etwas anderes einfallen lassen werden.

Aber manche Eltern können die Sorge nicht loslassen: „Was ist, wenn mein Kind nach Hause kommt und etwas sagt, mit dem ich nicht einverstanden bin, wie z. B. ‚Sozialismus ist ein wirklich toller Weg, um Wohlstand zu verteilen und eine gerechte Gesellschaft zu schaffen?‘ Wie kann ich das verhindern?“ Ganz einfach. Schauen Sie Ihren Teenager an, lächeln Sie und sagen Sie: „Danke, dass du das erzählst. Ich habe mich immer gefragt, wie Teenager das sehen.“

Lassen Sie uns das ein wenig weiterspielen und sehen, was passiert.

„Aber verstehst du denn nicht, Mama?“, fährt er fort. „Wäre es nicht wunderbar, wenn all die reichen Leute ihre Sachen mit den armen Leuten teilen könnten?“

„Nun, mein Sohn“, antwortet Mama, „das klingt interessant, aber was ist, wenn reiche Leute das nicht mitmachen wollen?“

„Nun, vielleicht müssten die Leute an der Macht sie zwingen, das aufzugeben, was sie haben.“

„Aha, also so, wie wenn du eine Stereoanlage hast, aber Papa und ich nicht“, bemerkt Mama. „Wir würden dich also zwingen, uns deine Stereoanlage zu geben, richtig?“

Dann macht Mama ein wenig das, was wir „referentielles Sprechen“ nennen, bei dem Eltern sich auf ihre Werte beziehen, ohne sie den Teenagern aufzuzwingen. Sie schließt: „Das würde in unserem Land sicher nicht funktionieren, aber ich kann verstehen, dass ein Teenager das so sehen könnte.“ Diese Reaktion zwingt Teenager zum Nachdenken: Moment mal! Mama spielt das Spiel nicht richtig. Sie sollte darüber mit mir streiten.

Eltern wissen das oft nicht, aber Geduld ist eine der besten Eigenschaften, um einen Wertekampf zu überstehen. Lange bevor Ihre Teenager dreißig werden, werden sie aufwachen und entdecken, dass sie viele der gleichen Werte vertreten wie Sie. Wenn sie also die ersten elf Lebensjahre gut hinter sich gebracht haben, ist es wirklich egal, was sie in den Teenagerjahren über ihre Werte sagen. Sind sie einmal erwachsen, werden sie Ihre Werte ziemlich sicher teilen.

Ein dritter großer Kontrollkampf mit Teenagern ist: „Mal sehen, ob du mich zum Lernen bringen kannst.“ Das passiert nur in Familien, in denen die Eltern es sehr deutlich gemacht haben: „Wir werden dich schon zum Lernen bringen.“ Wenn wir einen solchen Fehdehandschuh hinwerfen, erzeugen wir unweigerlich Kontrollkämpfe über Hausaufgaben, Noten und außerschulische Aktivitäten, bis hin zu Verabredungen und Ausgangssperren. Natürlich werden wir diese Kämpfe verlieren, und die Noten unserer Teenager werden sich verschlechtern, zusammen mit ihrem Respekt für uns als Eltern.

Liebe-und-Logik-Eltern machen sich keine Gedanken darüber, wie sie ihre Teenager zum Lernen bringen. Erstens wissen wir, dass wir nicht kontrollieren können, ob unsere Teenager lernen oder nicht. Zweitens sind die Noten die Noten des Teenagers, nicht unsere. Wir haben unseren Kindern klar gemacht, dass ihr Erfolg in der Schule in ihrer Verantwortung liegt. Den Jugendlichen gehört entweder ihr Erfolg oder ihre Faulheit und Misserfolge. Wenn wir unseren Teens die Kontrolle im Bereich des Lernens überlassen, sagen sie sich in der Regel: „Junge, wenn sie sich nicht darum kümmern, sollte sich besser jemand anderer darum kümmern – nämlich ich.“

Wie man Teenagern Wahlmöglichkeiten bietet

Die effektivsten Eltern geben immer mit Bedacht die Kontrolle ab, indem sie ihren Teenagern Wahlmöglichkeiten anbieten, und diese Wahlmöglichkeiten sollten immer innerhalb von Grenzen liegen, mit denen die Eltern leben und die sie durchsetzen können. Das ist der Weg der beratenden Eltern: Wir sind da, um zu beraten, Fragen zu stellen und Wahlmöglichkeiten vorzuschlagen; dann liegt es am „Klienten“, was passiert.

Die beste Zeit, Teenagern Wahlmöglichkeiten zu geben, ist, wenn die Dinge gut laufen, anstatt zu warten, bis es zu spät ist. Das Muster dabei kann so grundlegend sein wie: „Möchtest du Saft oder Milch?“, wenn sie jünger sind, und dann später fortgesetzt werden mit: „Möchtest du heute Abend um 22.30 oder 23.00 Uhr zu Hause sein?“ Sie haben die Nase vorn, wenn Sie Wahlmöglichkeiten statt Befehle geben. Indem sie ihrem Teenager viele Wahlmöglichkeiten geben, wenn die Dinge gut laufen, schaffen effektive Eltern eine Art „Sparkonto“ im Kopf ihres Teenagers, das ihm das Gefühl gibt, die Kontrolle zu haben – und ihn tatsächlich auch in Kontrolle sein lässt. Wenn es dann mal nicht so gut läuft, können die Eltern sagen: „Moment mal, Junge. Jetzt bin ich dran. Diesmal treffe ich die Entscheidung.“

Diese Methode kann mit dem Pokern verglichen werden. Das Leben ist ein Pokerspiel, bei dem die Eltern alle Asse halten. Die Eltern legen Asse für wichtige Ereignisse im Leben ihres Teenagers aus, wie z. B. das Erlernen des Autofahrens oder das Ausgehen mit Freunden. Aber die Eltern können immer sagen: „Ich gehe mit.“

Haben Sie schon einmal in die Augen eines Teenagers geschaut, während Sie „Halt die Klappe!“ oder „Stell die Stereoanlage leiser!“ sagen? Was passiert dann? Sie glitzern vor Vorfreude, nicht wahr? Der Teenager sagt: „Alles klar! Auf geht's! Los!“ Mit anderen Worten: Jedes Mal, wenn wir Teenagern sagen, sie sollen etwas tun, wozu wir sie nicht zwingen können, geben wir ihnen zu viel Kontrolle.

Hier müssen Sie Wahlmöglichkeiten anbieten. Beginnen Sie immer sehr freundlich mit: „Möchtest du lieber …?“ „Was wäre das Beste für dich?“ oder „Fühl dich frei, um …“ Sie könnten sagen: „Fühl dich frei, woanders so viel Lärm zu machen, wie du willst“, oder „Fühl dich frei, hier zu bleiben und still zu sein. Du entscheidest.“

Die meisten kreativen Teenager werden mit einer dritten Option daherkommen, und die wird Ihnen nicht immer gefallen, also stellen Sie sich darauf ein. Diese dritte Option ist ungefähr so: „Ich lebe hier. Ich habe Rechte. Ich kann Lärm machen, weil das auch mein Haus ist.“

Egal, welche dritte Option den Jugendlichen einfällt, wir müssen mit dieser einstudierten Antwort bereit sein: „Was waren die Wahlmöglichkeiten?“ Und der Teenager wird sagen: „Ja, aber ich – das ist nicht fair. Meine Freunde müssen sich das nicht gefallen lassen.“

Wir sagen wieder mit ruhiger, sanfter Stimme: „Was waren die Wahlmöglichkeiten?“

Der Teenager sagt: „Das ist blöd!“

Wir sagen: „Was waren die Wahlmöglichkeiten?“ Oder eine andere Alternative: „Was habe ich gesagt?“ – immer in einem freundlichen Ton.

Die meisten normalen Teenager werden, nachdem sie drei- oder viermal „Was waren die Wahlmöglichkeiten?“ gehört haben, antworten: „Lass mich endlich in Ruhe – was muss ich tun, um von diesem verrückten Erwachsenen wegzukommen?“ Mit anderen Worten: Auch wir haben das Recht, unsere Teens verrückt zu machen!

Wann immer Sie können, bringen Sie Ihren Teenager in eine Situation, in der er oder sie nicht Nein sagen kann, sondern eine Entscheidung treffen muss.

Liebe-und-Logik-Eltern verschwenden keine Zeit damit, zu sagen: „Du kannst dies nicht tun; du kannst das nicht tun.“ Stattdessen sagen sie Dinge wie: „Wie wirst du damit umgehen, wenn …?“

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Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
26 mayıs 2021
Hacim:
413 s. 23 illüstrasyon
ISBN:
9783955784713
Telif hakkı:
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