Kitabı oku: «Tagebuch eines Hilflosen»

Yazı tipi:

Francis Nenik

Tagebuch eines Hilflosen

Skizzen aus dem Amerika Donald Trumps


Inhalt

Tagebuch eines Hilflosen

Dank

»Jeder sollte das Tagebuch eines anderen führen.«

Oscar Wilde

20.01.2017

Inauguration: Der Vogel hebt ab und deutet den eigenen Flug, seine Tätigkeit wird nur auf der zerbügelten Haut seines von innen gegerbten Gesichts den Charakter eines Opfers tragen.

21.01.2017

Noch immer protestieren Millionen Menschen gegen Donald Trump. Dagegen, dass er die Wahl gewonnen hat, dass er Präsident ist und dass er überhaupt ist, wie er ist. Und doch: Auf der Rückseite der Proteste lauert bereits die Gewöhnung. Sie wartet auf ihren Einsatz. Es wird noch ein wenig dauern, bis sie hervortreten kann. Aber das macht nichts. Sie ist geduldig, denn sie weiß: Ihr Tag wird kommen, so wie er gekommen ist. Das Normale ist das Machbare plus Zeit.

22.01.2017

Donald klagt, die Presse fördere den Zwiespalt. Er erkennt das an seinen Haaren. Der Spliss hat zugenommen. Melania ist Haircare kaufen gegangen: Damit wird er das Land einen.

23.01.2017

Washington D. C., 8 Grad, Regen, dazu eine Sturmwarnung vom Nationalen Wetterdienst. Das muss sich ändern! Papier und Tinte werden’s richten. Sturmwarnungen verfasst in Zukunft das Oval Office. Alles in trockenen Tüchern. Superpower-Montag.

24.01.2017

Donald Trump verbringt seine ersten Tage im Weißen Haus damit, eine Vielzahl von Durchführungsverordnungen zu unterzeichnen. Es ist die reinste Fließbandarbeit. So viel hat er in seinem ganzen Leben noch nicht geschrieben. Aber er hat auch viel vor. Er will die Mexikaner ausmauern. Will den von Obama gestoppten Bau der Keystone XL Pipeline wieder aufnehmen und Rohöl aus Kanada quer durchs Land und sämtliche Naturschutzgebiete transportieren. Will aus dem Transpazifischen Partnerschaftsvertrag aussteigen, um Einfuhrzölle für ausländische Produkte erheben zu können. Und er will sämtlichen Organisationen, die auch nur über die Möglichkeit von Schwangerschaftsabbrüchen informieren, die Entwicklungsgelder streichen. Und zwar komplett. Finanzielle Abreibung für medizinische Abtreibung sozusagen. Und damit das auch alle verstehen und sich auch in hundert Jahren noch an Donald Trumps großes Streichkonzert erinnern, saß er gestern Abend wieder an seinem schweren Eichenholzschreibtisch, dem sogenannten »Resolute Desk«, und signierte sein radikal-resolutes Anti-Abtreibungs-Papier. Umringt war er dabei von einem Dutzend Männer – diverse Berater und Stabschefs, dazu Vizepräsident Mike Pence, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und noch einige mehr. Sie alle nickten, als Trump das Memorandum signierte. Frauen waren keine zugegen. Aber warum auch? Die Betroffenen werden wie immer nicht gefragt.

25.01.2017

Im Weißen Haus treffen sich weiße Männer mit weißem Haar um Obamacare so weiß wie möglich auszuradieren. In den Kohlegruben von Kentucky bereuen derweil weiße Männer mit schwarzen Lungen ihre Wahl. Wenn Obamacare fällt, platzen ihre Gesundheitsversicherungen wie unter Hochdruck stehende Lungenbläschen. Graue Tage für sie.

26.01.2017

The New Furor spricht: »Der Anfang meiner Worte ist das Ende eurer Welt!«

I: ex

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII

M: k. o.

27.01.2017

Trump ist der Retter des Fernsehens. Er bezieht seine Informationen aus dem TV und reagiert darauf via Twitter. Er hat die Nachrichtenkette umgekehrt. Aber das ändert nicht das Geringste. Das Ereignis ist ER – und wie rum ER die Kette hält, ist egal. Hauptsache, ER hält sie in der Hand.

28.01.2017

Am Ende des Tages ist Donald Trump auch nur ein alter Mann, der Angst davor hat, dass seine Welt eine andere werden könnte.

29.01.2017

Als Präsident wohnt Trump zwar im Herzen Washingtons, die Leute dort scheinen ihn aber nicht gerade in ihre Herzen geschlossen zu haben. Bei der Präsidentschaftswahl hat er in der Stadt nur 4,09 % der Stimmen geholt. Das ist das schlechteste Ergebnis, das ein Kandidat der Republikaner jemals in Washington D. C. erzielt hat. Andererseits: So viel besser waren die meisten anderen auch nicht. Seit 1992 haben alle republikanischen Kandidaten in Washington D. C. weniger als 10 % der Stimmen geholt. Und auch davor sind sie niemals auch nur in die Nähe eines Sieges gekommen. Das beste Ergebnis hat Richard Nixon für die Republikaner eingefahren, der 1972 exakt 21,56 % der Stimmen gewann. Wenn das »D. C.« nicht schon »District of Columbia« hieße, könnte man es also mit »Democratic County« übersetzen. Aber Trump wird das nicht weiter jucken, denn erstens ist er Präsident, zweitens kann er sich durch das Ergebnis in Washington weiter als Stachel im politischen Herzfleisch des Establishments inszenieren und drittens hat er die 90,86 %, die Hillary Clinton in Washington erzielt hat und die landesweit den Rekordwert für die Demokraten darstellen, anderswo locker getoppt. Und zwar mehrfach. Um genau zu sein, hat Trump in sechs Countys 91 % oder mehr geholt. Am höchsten war die Zustimmungsrate in Roberts County in Texas, wo 94,58 % der Leute ihr Kreuz bei Trump gemacht haben. Überhaupt hat er 2.623 der 3.112 Countys gewonnen und damit so viele, wie seit Ronald Reagan 1984 überhaupt keiner mehr.

30.01.2017

Trumps Landwirtschaftsminister heißt Sonny Perdue. Eine perfekte Wahl, wenn es darum geht, der Verschleierung der Tatsachen Rechnung zu tragen, denn nichts verbirgt die gnadenlose Fratze der Agrarindustrie besser als ein gutmütiges Großvatergesicht. Ökologische Landwirtschaft, Unterstützung kleiner Farmen, Tierschutz, Arbeitnehmerrechte, Maßnahmen gegen den Klimawandel – damit ist es aus und vorbei. C’est perdue.

31.01.2017

Man kann die Tatsache, dass Trump zum Präsidenten gewählt worden ist, auch als Sieg des amerikanischen Pragmatismus über die europäische Moralphilosophie lesen.

01.02.2017

Ich habe mir einen Anagramm-Generator gebaut und ihn gefragt, was ich mit »Donald Trump« tun kann. Er hat mir eine Trilogie des potenziellen politischen Aktionismus geschrieben:

Teil 1:

Darn Mud Plot.

Das Dreckskomplott verwünschen.

Teil 2:

Damp Lord Nut.

Herrn Dummnuss schwächen.

Teil 3:

Punt Mad Lord.

Den verrückten Herrscher wegkicken.

02.02.2017

Es ist für mich unvorstellbar, wie die Welt in vier Jahren, nach dem Ende von Trumps Präsidentschaft, aussehen wird. Aber noch viel unvorstellbarer ist für mich, wie die Einträge in diesem Tagebuch dann aussehen werden. Es scheint, als erfordere das Abbild einer Zeit mehr Vorstellungskraft als die Zeit selbst. Aber warum auch nicht? Alle Historiografie ist ein Sich-Distanzieren. Schritt hält der Schreibende nur mit sich selbst. Das Imaginäre ist die geschichtsmächtigste Kraft.

03.02.2017

Die USA nehmen Bootsflüchtlinge aus Lagern der Australier auf. Laut Donald Trump wird das Heimatschutzministerium jeden Einzelnen genau untersuchen. Eines werden sie aber bei keinem finden: die Menschenwürde. Die haben ihnen die Australier schon genommen.

04.02.2017

Langsam verwesende Körper unter Maßanzügen. Überzüchtete Gehirne, die sich austoben wollen. Wall Street. Neue Freiheit. Statt Anklage die Anti-Klagemauer. Die Gebetszettel lesen sich alle wie Dekrete aus dem Weißen Haus.

05.02.2017

Tagebücher sind die Annalen des kleinen Mannes.

06.02.2017

Vielleicht war das Bild, das wir über Jahre hinweg von Amerika hatten, nur ein Traum, ein Produkt reinen Geistes und schlechten Gewissens, und jetzt, wo Amerika unter Trump auftaucht wie ein urzeitliches Tier aus einem Sumpf, wie ein wabernder Batzen Fleisch aus einem kochenden Sud, da können wir es nicht glauben und hoffen, dass das Fleisch nur die Überreste jenes Tieres darstellt, das man lange vor unserer Zeit geschlachtet hat, und dass das Bild, wie dieses Monster aus dem Morast kriecht, nur in unserem Kopf existiert.

07.02.2017

Menschen mit psychischen Störungen dürfen nach einer Entscheidung des Kongresses künftig wieder Waffen kaufen. Die National Rifle Association jubelt – und die psychisch Kranken auch. Wer eine multiple Persönlichkeitsstörung vorweisen kann, bekommt beim Kauf eines Sturmgewehrs gleich noch eins dazu.

08.02.2017

Betsy DeVos ist seit gestern Bildungsministerin der Vereinigten Staaten. Ihre Wahl war denkbar knapp, am Ende stand es im Senat 50:50, und nur weil die Stimme des Vizepräsidenten in solchen Fällen doppelt zählt, hat sie den Job bekommen. DeVos war (und ist) vor allem bei den moderaten Republikanern umstritten, nicht nur, weil sie eine extrem eifrige, um nicht zu sagen eifernde Verfechterin von Privatschulen ist, sondern weil sie möglichst viele dieser Schulen unter erzkonservative christliche Führung bringen will. Im Wahlkampf hatte sich DeVos für den hoffnungslosen Jeb Bush eingesetzt und Trump als »Eindringling« gebrandmarkt, der die republikanische Partei nicht repräsentiere. Aber dann ist sie heimlich nach Canossa gegangen, oder sagen wir besser: hat ihren Bruder Erik dorthin geschickt. Wobei der im Grunde schon da war. Denn ihr Bruder Erik, der mit Nachnamen Prince heißt, einst das skandalträchtige Söldnerunternehmen Blackwater gegründet hat und seither in der klandestinen Welt der globalen Sicherheitsberater verkehrt, ist inzwischen zu einem festen Bestandteil von Trumps Dunstkreis geworden und berät ihn in Geheimdienst- und Militärangelegenheiten. Er hat dafür gesorgt, dass Trump seine nach Macht gierende Schwester nicht exkommuniziert, d. h. sie nicht aus dem Kreis der Kandidaten für die Leitung des Bildungsministeriums verstößt. Schließlich, so hat Erik Prince König Donald erklärt, sei seine Schwester ganz auf der Linie des Präsidenten und genauso wie er daran interessiert, den Staat bis aufs Mark zu entkernen und die öffentlichen Aufgaben in die Hände von Unternehmen und Privatleuten zu legen. Die Hohlräume, die bei der ganzen Aufräumaktion entstehen, wolle sie aber nicht leer lassen, sondern mit kleinen und großen Soldaten Christi auffüllen, denn sie erwarte die baldige Ankunft des Reichs Gottes und wolle vorbereitet sein, wenn er kommt. Tja, und als er das gehört hat, da ist er weich geworden, der Papst Präsident. Er hat gemerkt, dass sie um das Amt geradezu bettelt, die bildungsbeflissene Betsy, und dass sie es ernst meint mit Reue und Buße und dass sie ihr letztes Hemd (und auch ein bisschen was von ihrer letzten Milliarde) geben würde für ihre gemeinsame Vorstellung vom umfunktionierten amerikanischen Staat. Na ja, und da hat er sie eben als Ministerin vorgeschlagen und ihren Bruder, den Söldnerführer, zum, wenn schon nicht unbescholtenen, so doch unbesoldeten Militärberater gemacht. Denn nicht erst seit er Präsident ist, weiß Trump wie man repräsentiert – und eines ist sicher: Es gibt nicht viele Geschwisterpaare, die die amerikanische Trinitätslehre aus Gott, Geld und Gewalt so gut verkörpern wie Eric Prince und Betsy DeVos.

09.02.2017

Donald, das alte Pfirsichgesicht. Man nennt ihn The Peach With the Bleach and the Brain Out of Reach.

10.02.2017

Was weder Trump noch die Demokraten begreifen (weil sie den romantischen Quell ihrer Sehnsucht nicht mal vor sich selbst offenbaren): Amerika findet seine Einheit nur in der Wunde, die mit ihren blutigen Lippen zum linken wie zum rechten Ohr spricht.

11.02.2017

Me lanija (Slowenisch) bedeutet: »Ich schweige.«

12.02.0217

Nicht erst seit Donald Trump wissen wir: Golfplätze sind das Arkadien der Mächtigen.

13.02.2017

So geht das: Erst schenken die Franzosen den Amerikanern die Freiheitsstatue, damit die Welt von der Freiheit erfährt, die in beiden Ländern existiert. Dann bauen die Amerikaner eine große Mauer, damit ihre Freiheit erhalten bleibt. Anschließend errichten die Franzosen ebenfalls eine Mauer, und zwar rund um den Eiffelturm, damit auch dort trotz Terror die Freiheit gewahrt bleibt. Und zum Schluss schenkt die Freiheit dem Rest der Welt Statuen von Franzosen und Amerikanern, damit alle erfahren, dass sie es ist, der man in beiden Ländern Denkmäler in Form von Mauern gebaut hat.

14.02.2017

Trudeau traf Trump – der Schöne besuchte das Biest. Wenn es nur so einfach wäre … Beide wollen das Öl, um den Sand aus dem Getriebe der Keystone-Pipeline zu spülen. Die Schmiermitteldiplomatie hat gerade erst begonnen.

15.02.2017

Das konservative American Action Forum veranstaltet ab sofort ein »Regulation Rodeo«. Wer in kürzester Zeit die meisten Regulierungen abwirft, wird zum Superstier gekürt. Auf der dazugehörigen Webseite wird der Wettkampf in Form von Deregulierungs-Grafiken sichtbar gemacht. Aktuell liegt Bully Boy Donald deutlich in Führung. Er hat den Papierkram direkt bei den Hörnern gepackt und nach Angaben des Aktionskomitees schon über 24 Millionen Stunden Verwaltungsarbeit gespart. In gerade mal 26 Tagen! Super-American!

16.02.2017

… und dann sind da Leute wie Stephen Miller, und wenn ich ihn sehe, möchte ich lachen (aber das geht nicht, denn die Situation ist zu ernst) und ihn übertönen (aber das kann ich nicht, denn er ist auf allen Kanälen) und den Fernseher schwarz-weiß stellen (denn das ist die Zeit, aus der er kommt). Er, Stephen Miller, der unlängst erklärte: »Wenn jemand etwas Schlimmes über mich erzählt, dann ist das nicht wahr.« Er hat das ernst gemeint. Er kann das sagen. Er ist Donald Trumps Chefredenschreiber.

17.02.2017

Linda McMahon, einst Geschäftsführerin von World Wrestling Entertainment (WWE), jetzt Ministerin für Kleinunternehmen. Perfekte Wahl. Braucht nur 20 x 20 Fuß zum Geschäftemachen. Spendet dafür groß. Und das Beste: Hat 30 Jahre Erfahrung mit der Herstellung und dem Verkauf falscher Realitäten. Wahrhaft Wegweisende Entscheidung!

18.02.2017

Scott Pruitt ist seit gestern Leiter der Umweltschutzbehörde EPA. Zeit für ein kleines Gedicht.

Scott proved it

Erst bekämpft’ ich die Umweltbehörde,

jetzt bin ich ihr Boss,

denn was mich an ihr störte,

war, dass man dort die dreckige Luft nicht genoss.

Unser Klima wird sich nicht wandeln,

und falls doch, hat es Gott so gewollt,

wir aber dürfen seinen Plan nicht verschandeln,

weil er uns sonst bis in alle Ewigkeit grollt.

Also unterstütz’ ich sie weiter, die Typen

von der Kohle- und Ölindustrie,

die Umweltaffen können schon mal üben,

deren Verständnis von Klimatologie.

19.02.2017

Die Hölle, das sind die anderen,

aber die Gewöhnung daran, das sind wir.

20.02.2017

Ablaufplan einer Demokratie:

1. Fassung bewahren.

2. Verfassung hochhalten.

3. Fassungslosigkeit spüren.

4. Verfassungslosigkeit erleben.

(5. Fassung bewahren.)

21.02.2017

Donald Trumps autokratisch grundierte Politik ist konkret. Sie fängt einfach irgendwo an, bricht den Ersten aus der gegnerischen Reihe heraus, dann den Nächsten, den Nächsten … Manche trifft es doppelt, andere gar nicht. Die Löcher sind nicht verlinkt, sie sind einfach zwei Einschläge nebeneinander. Unvorhersehbar, wen es als Nächstes erwischt. Die Geschosse scheinen wahllos zu kommen und doch haben sie alle ein Ziel und auch ein System. Sie schaffen sich ihre Ordnung im Einschlag. Sie sind das Gedächtnis desjenigen, der feuert.

22.02.2017

Eines ist klar: Donald Trump ist Spiegel und Projektionsfläche derjenigen, die sich nicht abgebildet finden im Raum der medialen Öffentlichkeit. Er ist die Dauerpräsenz der Dauerabsenten.

23.02.2017

Dem US-Militär steht das Wasser bis zum Hals. Der Anstieg des Meeresspiegels droht in den nächsten Jahrzehnten 128 seiner Stützpunkte zu verschlingen. Nur leider glaubt der Präsident nicht an den Klimawandel und kürzt der Umweltschutzbehörde weiter die Gelder.

Die Pazifisten am Pazifik frohlocken schon. Das perfekte Abrüstungsprogramm: Wasser hoch, Waffen runter. Und mit ein bisschen Glück saufen die Russen und Chinesen auf der anderen Seite auch gleich noch mit ab.

24.02.2017

Trump fordert mehr Atomwaffen für die USA. Das heißt, eigentlich wünscht er sich eine atomwaffenfreie Welt. »Aber solange Staaten Atomwaffen haben, werden wir im Rudel ganz oben stehen«, spricht’s und plant fleißig die Aufrüstung und Modernisierung des Arsenals.

Wahrscheinlich muss erst ein Atomkrieg ausbrechen, damit er kapiert, dass es bei Nuklearwaffen so etwas wie eine Spitzengruppe nicht gibt. Und dass der Glaube, ganz oben zu sein, nichts anderes ist als die Voraussetzung dafür, dass eines Tages alles am Boden liegt.

25.02.2017

Chicago: Der Windy City bläst es rau entgegen, immer mehr Schießereien und eine steigende Mordrate. Das gefällt Trump nicht. Er will Bundespolizisten entsenden, schickt dann aber doch nur Twitter-Tiraden. Aber warum auch nicht, so setzt er nicht nur ein Zeichen gegen Gewalt, sondern gleich 140.

Bei den Kriminalstatistikern sprudeln derweil die Daten wie Blut. Die Aufklärungsrate bei Tötungsdelikten liegt in Chicago bei 5 %. Der Anteil Weißer an den Opfern ist ebenso hoch.

26.02.2017

Gestern Abend hat der britische Rechtspopulist und einflussreiche Brexit-Befürworter Nigel Farage Donald Trump in Washington zum Essen getroffen. Die beiden kennen sich gut. Farage hat Trump während des Präsidentschafts-Wahlkampfes wiederholt unterstützt, und Trump selbst hat Farage auf seinen Veranstaltungen als »Mr. Brexit« vorgestellt. Auch sonst ist Farage in den rechtskonservativen Kreisen des amerikanischen Politikbetriebs bestens vernetzt. Trumps enger Vertrauter Stephen Bannon hatte Farage bereits 2014 auf einem der exklusiven Empfänge seines Breitbart News Networks mit den entsprechenden Leuten bekannt gemacht und ihm die Möglichkeit gegeben, für den Brexit zu werben.

Jetzt, drei Jahre später, hat Farage beim Dinner im Trump International Hotel die Rendite in Form eines Platzes am Präsidententisch eingestrichen – und eine Rede vor der mächtigen »Conservative Political Action Conference« gab’s für ihn gleich noch dazu. Darin sprach Farage von einer »großen, globalen Revolution«, die durch den Brexit und die Wahl Trumps zum Präsidenten begonnen habe. Sie werde sich, so Farage, in den kommenden Jahren in der ganzen westlichen Welt ausbreiten.

Wie alle (selbsternannten) Revolutionäre ist auch Farage davon überzeugt, den Leuten mit seinen Plänen einen Gefallen zu tun. Er ist sich sicher, dass sogar jene, die jetzt noch zu seinen Gegnern zählen, ihn eines Tages für seine Ideen lieben werden. Und dem Präsidenten, so glaubt er, wird es nicht anders ergehen. »Genau wie der Brexit jeden Tag populärer wird, so wird auch Präsident Trump in den USA jeden Tag beliebter werden«, erklärte Farage und schloss seine Rede auf der Konferenz mit dem Ruf: »Wir werden siegen!«

Für das rechtskonservative Publikum klang dieser Satz wie ein Versprechen. Für mich klingt er wie eine Drohung.

27.02.2017

Heute vor fünf Jahren veröffentlichte WikiLeaks Millionen E-Mails des amerikanischen Sicherheitsinformationsdienstes Stratfor. 2013 wurde der Aktivist Jeremy Hammond von einem Bundesgericht für den Hack, der die kriminellen Machenschaften von Stratfor offenlegte, zu zehn Jahren Haft verurteilt. Hammond ist heute fast völlig vergessen.

Dies ist meine klägliche Erinnerung. Dies ist meine kleine Klage. Dies sind meine Zeilen, in deren Zwischenräumen sich die Hoffnung Luftschlösser baut.

28.02.2017

Trump? Militäretat?

B O O M !B O O M !B O O M !B O O M !B O O M !

01.03.2017

Das amerikanische Außenministerium freut sich mitteilen zu können, dass die Keystone-Pipeline XL 42.000 neue Jobs schaffen wird. Na gut, 38.100 davon sind Zulieferer und Serviceunternehmen, von denen die meisten nur kleinere Aufträge erhalten. Und gewiss, nur 3.900 Mann haben direkt was mit dem Bau der Pipeline zu tun. Und klar, auch die werden nur ein Jahr lang Arbeit haben. Aber hee, wenn das Ding einmal steht, bleiben immer noch 35 dauerhafte Jobs übrig. Okay, ein paar davon sind in Kanada, aber trotzdem: 20 bleiben in den USA. 20 neue Jobs für Amerika.

Das ist großartig!

Fragt sich nur, welcher Assi im Außenministerium in den Report geschrieben hat: »Das geplante Projekt hat auf die Beschäftigungszahlen und das Einkommen in den USA keinerlei Auswirkungen.«

Was soll denn das heißen, keinerlei Auswirkungen? Keinerlei heißt null. Aber 20 ist nicht null. 20 ist unendlich viel mal mehr als null! Hat anscheinend keine Ahnung von Mathe, dieser Schreiberling. Und von Wirtschaft auch nicht. Kein Wunder, der Report stammt ja auch noch aus der Zeit von Obama. Ist bestimmt schon gefeuert worden, der Typ. Sein Glück. Bester Zeitpunkt für ’nen Rausschmiss. Kann er jetzt mitmachen beim amerikanischen Jobwunder. Gibt Millionen neuer Jobs. 42.000 davon allein bei der Keystone-Pipeline!

02.03.2017

Sich der Welt schreibend zu nähern, heißt, ihr aus dem Weg zu gehen.

03.03.2017

US-Börse: 724 Milliarden Dollar Wertsteigerung in 24 Stunden. Macht 100 Dollar pro Erdbewohner. Gewinnausschüttung. Grundeinkommen. Welt samt Bevölkerung gerettet.

(Quelle: Tagebuch eines Heilfrohen)

04.03.2017

Trump hat Obama heute via Twitter beschuldigt, dass er im Wahlkampf seine Telefone abgehört habe. Was soll man dazu sagen? »O’ zapft is!« made in USA. Der OBaMa hat’s angestochen. Das blondierte Maß aller Dinge schäumt.

05.03.2017

Wie es aussieht, entbehren Trumps Anschuldigungen gegen Obama jeglicher Grundlage und sind nur eine jener Nebelkerzen, die Trump gerne wirft, um von sich selbst abzulenken und die Öffentlichkeit auf die falsche Fährte zu locken. Die Amerikaner bezeichnen so ein Verhalten als »red herring«, und vielleicht ist das Sprichwort in diesem Fall näher an der Wahrheit, als man denkt. Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn die echten Roten was mit der Sache zu tun haben. So wie es aussieht, gab es nämlich heimliche Verbindungen zwischen Trumps Wahlkampfteam und den Russen …

06.03.2017

Die Gays for Trump sind am Wochenende für den Präsidenten auf die Straße gegangen. Von Diskriminierung keine Rede. Es ist alles Liebe, Einheit, Vaterland, und da sind natürlich auch die rechtskonservativen Breitbart News vor Ort. Die Breitbart-Reporterin berichtet von Andre Soriano, einem homosexuellen Designer, der 2013 in einer von Rihanna moderierten Reality Show den 7. Platz erreicht hat. Soriano, so die Reporterin, »wurde beim Anblick der vielen Trump-Unterstützer von seinen Emotionen derart überwältigt, dass er anfing zu weinen.«

07.03.2017

In zehn Tagen ist es so weit: St. Patrick’s Day. Der offizielle Trump-Shop verkauft deshalb ab sofort »Make America Great Again«-Caps in Irisch-Grün, das Stück für 50 Dollar.

Zu teuer? Ach was! Schließlich prangt auf der Rückseite der Shamrock, jenes Kleeblatt, das in Irland als Nationalsymbol gilt. Eigentlich hat der Shamrock drei Blätter – Ausdruck der himmlischen Trinität. Auf dem Trump-Cap aber hat er vier. Für die Iren ist das ein grober Fehler, für die 50-Dollar-Spender dagegen ein Symbol kommenden Glücks.

Und St. Donald? Dem ist das alles egal. Für ihn ist es einfach nur ein weiteres Zeichen, dass man immer noch eins draufsetzen muss, wann man nach oben will. Nach ganz ganz oben.

08.03.2017

Donald Trump feiert heute Pfauentag.

09.03.2017

Hawaii klagt gegen Trumps neues Einreiseverbot. Die Insel will weltoffen wirken. 2016 hat sie die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge gegenüber 2015 um 350 % gesteigert. Von zwei auf sieben.

10.03.2017

… und es ist Freitagnachmittag, und John Browdy kommt von der Arbeit nach Hause, und Mary hat einen Kuchen gebacken und Kaffee gekocht, und so sitzen sie da, essen und trinken und reden, derweil eine Etage über ihnen ihr Sohn seine Existenz einer Spielkonsole vermacht hat und im Zimmer nebenan seine Schwester auf dem Bett liegt und mit großen Augen eine Zeitschrift durchblättert, und für einen Moment ist alles gut in Amerika und die Welt draußen vor den Wänden existiert nur noch in Erinnerungen und kommenden Fiktionen …

11.03.2017

Tief versteckt in Jared Kushners jugendlich wirkendem Gesicht liegt bereits die Enttäuschung über sein kommendes Schicksal, das ihn ständig weiter nach oben führen und in jener zynischen Abgeklärtheit enden wird, die die Liebe anderer suchte und den eigenen Verrat fand.

12.03.2017

Am 12. März 1989 dankte der amerikanische Schriftsteller Thomas Pynchon dem durch eine Fatwa vom Tode bedrohten Autor Salman Rushdie auf den Buchseiten der New York Times mit den Worten, dass Rushdie mit seinen Satanischen Versen all jene, die schreiben, daran erinnert habe, dass ihre Pflicht die eines Ketzers sei und dass die eingeschworenen Feinde des Schriftstellers die Macht und jene Unvernunft sind, die sich in Grundlosigkeiten ergießt und Alternativlosigkeiten gebiert. An dieser Pflicht hat sich – 28 Jahre und eine schier endlose Reihe machthungriger Herrscher später – nicht das Geringste geändert.

13.03.2017

Scott proved it again! Scott Pruitt, Chef der US-Umweltschutzbehörde, hat erklärt, dass der CO2-Ausstoß nicht entscheidend für die Erderwärmung sei. Folge: Tausende wütende Bürger rufen in der Umweltschutzbehörde an und legen sie mit ihren Anrufen lahm. Selbst die Praktikanten werden zum Telefondienst abbestellt. Und Pruitt? Der freut sich. Die Umweltaffen sind alle am Telefonieren und haben dadurch keine Zeit, den neuesten Bericht der Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde zu lesen, demzufolge der Kohlendioxidgehalt der Luft in Rekordtempo wächst.

14.03.2017

Das Weiße Haus hat gestern neun »Opfer von Obamacare« eingeladen, damit sie dem Präsidenten von ihrem Schicksal berichten. Zur selben Zeit präsentierte zwei Meilen entfernt das unabhängige Budgetbüro des Kongresses eine Analyse, wonach 14 Millionen Amerikaner ihre Krankenversicherung verlieren, wenn das Konzept der Republikaner umgesetzt wird.

15.03.2017

Trump ist heute bei einer Wahlkampfveranstaltung in Nashville. Wahl gibt’s zwar keine, aber gekämpft wird hier immer. Erst kürzlich hat ein Kerl aus der Gegend einen 47-Ender erlegt. Weltrekord! Das Geweih wird demnächst in der lokalen Baptistenkirche gezeigt. Für die Besucher gibt’s Fachinformationen und ein Fleisch-Dinner aus Elch, Reh, Ente, Wildschwein, Truthahn und Eichhörnchen. Danach sagt der LifeWay-Pfarrer noch ein paar Worte und irgendein Kerl spielt auf der Trumpete.

16.03.2017

Amerika und sein Präsident – keiner weiß mehr.

Amerika und sein Präsident – keiner weiß mehr.

17.03.2017

In den USA erwägt Heimatschutzminister Kelly Familien zu trennen, wenn sie illegal die Grenze überqueren.

In Deutschland hat sich die Kelly Family wiedervereint und will demnächst auf große Tour durch mehrere Länder gehen.

Irgendwie ist immer alles verkehrt.

18.03.2017

Baden-Baden hat den amerikanischen Finanzminister Steven Mnuchin empfangen. Die Stadt gibt das Beste, was sie hat – eine dicke Schicht alteuropäischer Patina für den Spieler aus der Neuen Welt. Sie wird helfen, aus dem Goldjungen einen Staatsmann zu machen.

19.03.2017

Sie kommen aus dem Big Business.

Sie gehen in die große Politik.

Sie gründen ihr eigenes Politik-Business.

Sie gieren.

Sie agieren.

Sie re-gieren.

20.03.2017

Am 26. August 1941 besucht der Schriftsteller Thomas Mann eine Abendgesellschaft in L. A. Es gibt gepflegte Cocktails und wilde Konversationen. Nach einer Weile ruft irgendein Typ: »America first!« Und: »We are the hope of the world!« Als die Party fast schon vorbei ist, taucht schließlich Erich Maria Remarque auf. 27.600 Tage später gibt es im Westen noch immer nichts Neues.

21.03.2017

Ich weiß nicht, warum, aber die Vorstellung, dass Donald Trump jetzt auch das Staatsoberhaupt von Puerto Rico ist, will mir einfach nicht in den Kopf.

22.03.2017

Ein Impeachment für das alternde Pfirsichgesicht? Es scheint, als ziele man auf den Kern, doch sind es in Wahrheit Fruchtfleischattacken. Die Haute Couture der modernen Politik: Das Abziehen der Haut im Zeitalter der Show. Pyrrhus trifft Potus, Potjomkin ruft Putin. Wo man einst ganze Häuser entkernte, werden heute nur noch die Kulissen verrückt.

23.03.2017

Wenn Trump spricht, verwendet er oft die Worte: »… but that’s okay.« Meist stehen sie am Ende eines Satzes, in dem er erklärt, dass er irgendetwas getan hat, was andere nicht mochten oder erwartungsgemäß nicht mögen werden.

»A lot of people are going to be angry that they are not a priority, but that’s okay.« (28. Februar 2017 anlässlich der Unterzeichnung eines Präsidialerlasses, der eine Vergrößerung des Budgets für die Historically Black Colleges and Universities vorsieht.)

Aber die Worte funktionieren auch als Punchline ganz gut: »You know, in the old days, when I made this speech I got paid a lot of money. Now I have to do it for nothing. Not a good deal, but that’s okay.« (17. Februar 2017 anlässlich einer Rede im Boeing-Werk in North Charleston/South Carolina.)

Die Worte fungieren aber auch als eine Art sprachliches Schulterzucken, dem die übliche Selbststilisierung zum Opfer innewohnt. Die Worte sind dann meist an seine politischen Gegner gerichtet, deren Handlungen Trump nicht weiter kümmern …

»I haven’t been treated properly. And that’s okay …« (Interview mit Fox News am 27. Februar 2017.)

Aber ich schreibe das hier nicht auf, um eine Analyse der Trump’schen Rhetorik zu unternehmen. Dafür ist später noch Zeit, zumal die Menge des Materials dann um einiges größer und die Ausbeute ergiebiger sein wird. Nein, ich schreibe es auf, weil mich das Wörtchen »okay« interessiert, schließlich hat es heute vor 178 Jahren zum ersten Mal das Licht der Welt erblickt, schwarz aufscheinend in der Boston Morning Post auf der zweiten Seite, in der zweiten Spalte, in Form von zwei kursiv gesetzten Kleinbuchstaben – zur Feier des Tages akklamiert von einem Ausrufezeichen: »o. k.!« Direkt dahinter stand auch die Auflösung dieser damals noch unbekannten Abkürzung, und der Leser erfuhr, dass »o. k.« »all correct« bedeutet. Was freilich ein wenig verwunderlich ist, denn in der Abkürzungslogik hätte »all correct« eigentlich »a. c.« ergeben müssen. Aber damals war es schwer in Mode, sich in der Kurzform auf eine falsche Schreibweise zu beziehen. Die Gleichung lautete deshalb: all correct = oll korrect = o. k.

Erfinder der Abkürzung und Verfasser des dazugehörigen Textes war ein gewisser Charles Gordon Greene von der Anti-Bell Ringing Society, einer Vereinigung, die angetreten war, das allgemeine Klingelstreichwesen zurückzudrängen und als Freizeitbeschäftigung stattdessen das Umbuchstabieren bekannter Wörter propagierte. Greenes Absicht war es, die Verschreiber samt echt falscher Abkürzung in die Zeitung zu bringen, schließlich wünschten er und seine New-Speller sich nichts mehr, als dass ihr neu ausgedachtes Kürzel »zwischen den schwarzen Lettern Funken schlagen, die Köpfe der Leser in Flammen setzen und ihre Münder entzünden« würde.

Eine ziemlich abgefahrener Wunsch, but that’s okay …

24.03.2017

Der Unterschied zwischen Fake und Fakt ist nicht groß. Bei mir beträgt er gerade mal 3,7 cm.

(Nein, es ist nicht »Na, Sie wissen schon, was«, sondern der Abstand zwischen dem »e« und dem »t« auf der Tastatur des Computers, mit dem ich dieses Tagebuch schreibe.)

25.03.2017

In Kalifornien schlägt sich die Anhängerschaft Trumps mit Gegnern. In Florida schlägt Melania allein auf einem Fundraising-Dinner auf. In Virginia schlägt Donald Trump stundenlang auf Golfbälle ein. Amerika ist in Schläglage geraten.

26.03.2017

Ich suche nach Inspirationen für meinen heutigen Tagebucheintrag, aber alles, was ich finde, ist ein Artikel in der Huffington Post. Titel: »11 praktische Wege, um voll und ganz im Hier und Jetzt zu leben.« Empfehlung Nummer 9 lautet: »Schreiben Sie ein Tagebuch.«

Diese huffnungslosen Typen wissen nicht, wovon sie reden! Mein Hier und Jetzt dauert schon viereinhalb Stunden, und ich habe noch immer keine Idee, was ich schreiben soll. Ich bin ein Hilfloser, der das Tagebuch eines Hilflosen füllen muss. In Punkt 9 heißt es weiter: »Es gibt Tage, an denen es schwer ist, in der Gegenwart zu leben.« Falsch! Es gibt Tage, an denen es schwer ist, die verdammte Gegenwart loszuwerden!

27.03.2017

Ich sitze im Park in der Sonne und lese über somalische Flüchtlinge, die in den USA Asyl beantragt haben und denen das US-Außenministerium daraufhin einen Platz in Alaska zugewiesen hat. Inzwischen gibt es so viele Somalier in Alaska, dass sich dort eine eigenständige somalische Gemeinde etabliert hat.

Es ist das Leben und das Lesen. Es ist die imaginierte Wärme einer Gemeinschaft von Afrikanern im kalten Alaska, während ich im frühlingshaften Leipzig allein in der Sonne sitze und die Haut auf meinem Gesicht langsam verbrennt.

28.03.2017

Manche Menschen suchen in Büchern nach der Lösung des Welträtsels, nach geheimen Bibelcodes und gigantischen Verschwörungskomplotts. Ich dagegen bin ein einfacher Geist, und deshalb frage ich meinen selbstgebauten Anagramm-Generator, was er über Edward Scott Pruitt, den Chef der Umweltschutzbehörde EPA, weiß.

Er sagt, Pruitt sei traurig, höhnisch und korrupt.

sad twitted corrupt

Aber warum?, will ich wissen.

Weil er eine Postkarte ist, auf die alle was draufgemalt haben, lautet die Antwort.

postcard drew tutti

Alle?, frage ich.

Der Anagramm-Generator überlegt, dann sagt er:

dictator stud twerp

»Diktator Zuchthengst Einfaltspinsel?«, übersetze ich’s mir.

»Ganz genau«, bestätigt mein Anagramm-Generator und erklärt mir, dass es Diktator Gelbhaar war, der dem kleinen Scotti eingebläut hat, was er sagen soll. Weil Gelbhaars Vokabular jedoch sehr begrenzt ist, die Karte aber schön voll werden sollte, hatte er all die studierten Zuchthengste, die in seinem ovalen Büro Kreise drehen, dazu animiert, ebenfalls was auf die Karte zu schreiben, und auch sonst durfte jeder Blödmann, der einen Kohlestift in der Hand halten konnte, vorbeikommen und seine Wünsche notieren.

»Das klingt übel«, sage ich.

»Ja«, sagt mein Anagramm-Generator, »dabei hab ich nur ein bisschen mit dem Offensichtlichen gespielt …«

29.03.2017

Der Gesichtsausdruck Trumps nach der Unterzeichnung eines Dekrets ist das verfleischlichte Sinnbild jener Sinn-Entleertheit der Macht, die sich allein ihrer selbst gewiss ist und sich in jener Absolutheit erschöpft, deren eigene Quelle sie ist.

30.03.2017

Make America Great Again

(ein Rückspiegel-Poem)

Größer und größer sollte sein Land werden,

aber es wurde nur wärmer und wärmer,

und die Meere stiegen und stiegen,

und Quadratmeile für Quadratmeile

versank

in verwässerten Zahlen

und aufgeweichten Papieren.

31.03.2017

Habe heute erfahren, dass in der inzwischen aufgelösten Trump University keine Lateinkurse angeboten wurden. Wahrscheinlich ein Akt des Selbstschutzes. Sonst hätte noch einer der Kursteilnehmer gemerkt, dass eine Trump-Universität a priori eine Contradictio in adjecto ist.

01.04.2017

Ein Aprilscherz ist was Schönes. Aber nicht, wenn er sich mithilfe einer Reality-Show auf Dauer gestellt hat und vier Jahre lang Murmeltiertag mit der Ungläubigkeit spielt. Andererseits, die Verwunderung wäre in diesem Fall noch zu ertragen. Wirklich schlimm dagegen ist, dass jeder, auch ich, inzwischen Donald Trump für den amerikanischen Präsidenten hält.

02.04.2017

Seit Trump Präsident ist, werden in den USA weniger Waffen verkauft. Die Einzigen, die seit der Amtseinführung aufrüsten, sind Schwarze und Homosexuelle. Als Obama Präsident war, war es genau andersherum. Der Schwarze im Amt brachte immer mehr weiße, heterosexuelle Männer dazu, sich Knarren zu besorgen.

Es sind Entladungen der Angst. Es ist die amerikanische Form des Beweises, dass alle Menschen gleich sind.

03.04.2017

Mein kleines Tagebuch ist im Grunde nichts anderes als die fortdauernde Nacherzählung einer Alternativweltgeschichte, die sich in die Realität verlaufen hat.

04.04.2017

Trump fordert »Jobs! Jobs! Jobs!«, aber nicht im Außenministerium. Dort sind bei den leitenden Beamten noch immer 30 von 106 Stellen unbesetzt. Bei den Staatssekretären fehlen sogar sieben von neun. Ihr Chef, Rex Tillerson, ist ein König ohne Stab, denn den hat Trump bereits über ihm gebrochen. Also spielt Tillerson den Draußenminister und fährt im privaten Fahrstuhl jeden Tag hoch in die 7. Etage in sein palastartiges Büro, derweil Trumps inhäusiger Schwiegersohn Jared Kushner den Außerhalb-des-Amtes-Minister mimt und als solcher im Auftrag des Herrn Schwiegervater durch die zerstörte Weltgeschichte fliegt.

05.04.2017

Bildungsministerin Betsy DeVos hat im Nationalen Luft- und Raumfahrtmuseum die Wichtigkeit mathematisch-technischer Bildung betont und dafür geworben, dass mehr Mädchen entsprechende Fächer studieren. Unterdessen sieht Donnie Darkos Budgetplan vor, den dazugehörigen Bildungs- und Förderprogrammen der NASA sämtliche Mittel zu streichen. Ein Widerspruch? Mitnichten! So eine Null ist geradezu die Grundlage für Höhenflüge. Er selbst ist das beste Beispiel, schließlich liest er nach eigenen Angaben keine Bücher, hat aber schon 17 geschrieben.

06.04.2017

Seit sich Donald Trump ungeniert im Glanz seines Präsidenten-Ichs sonnt, verzeichnen die großen Zeitungen in den USA steigende Abonnentenzahlen. Besonders die linksliberalen Blätter wie die New York Times profitieren davon, dass sich die demokratisch geprägten urbanen Eliten den Frust von der Seele lesen wollen. Die lokalen Blätter gehen dagegen vor die Hunde. Der Ausverkauf ist ein Musterbeispiel für Wirklichkeitsabsorption. Erst verschwindet die Zeitung vor Ort, dann verschwindet der Ort selbst aus der Öffentlichkeit. In den USA mussten seit dem Jahr 2004 mehr als anderthalbtausend Zeitungen schließen. Statt Licht wird dicht gemacht.

Trump kann das egal sein. Das Lokale hat ihn noch nie interessiert. Er liest ohnehin nur die großen Zeitungen. Jeden Tag, immer die gleichen vier Blätter: New York Times, Washington Post, Wall Street Journal, New York Post. Alles in Print. Trump liest keine Zeitungen online. Er liest am liebsten überhaupt nichts im Netz. Seine nicht enden wollenden Twitter-Nachrichten mögen ihn wie einen Digital-Junkie aussehen lassen, tatsächlich aber ist Trump ein Mann der analogen Welt. Er reagiert mit Twitter, nicht auf Twitter. Seine Informationsbasis ist und bleibt die fassbare Welt und die findet er – abgesehen von Fox News – in gedruckten Zeitungen und Magazinen. Deshalb bringen ihm seine Mitarbeiter auch jeden Tag nicht nur vier große Blätter, sondern auch eine Mappe voll ausgedruckter Online-Artikel. Und dazu noch ein paar Texte, die sie aus anderen Drucksachen herausfrisiert haben. (Die Mappe, so heißt es, ist neben Fox News Trumps zentrale Informationsquelle, und jeder Minister, Berater und Behördenchef versucht, Artikel, die ihn in einem guten Licht dastehen lassen, darin zu platzieren. Aber das ist nicht so einfach getan wie gesagt: Wer mit seinen Werbetextchen zum Präsidenten durchdringen, d. h. in die Mappe rein will, muss vorher an der Auslesemaschine namens Stabschef vorbei. Und je nach Wertigkeit des eigenen Rangs auch noch an einer Handvoll anderer Leute, die ihre Wachposten im Staff’s Secretary Office des Weißen Hauses bezogen haben und sich als Kettenhunde des Präsidenten verstehen.) Wer es aber schafft, zu Trump durchzudringen, hat gute Chancen, dass er erhört wird. Angesichts der New York Times und der Washington Post dringen allerdings auch jene zu ihm durch, deren Ansichten er ganz und gar nicht zu teilen vermag, weshalb es bereits erste Berichte von Journalisten gibt, die von Trump ihre eigenen Artikel zu- oder besser wohl: zurückgeschickt bekamen, inklusive einiger markiger Worte, mit denen Trump die entsprechenden Stellen signiert hatte. Signaturen gibt’s allerdings auch für jene Artikel, die bei Trump auf besondere Gegenliebe stoßen, was dazu führt, dass der ein oder andere Minister, Berater oder Behördenchef auch mal Post von Trump kriegt, und zwar ganz physisch in Form ausgeschnittener Artikel oder kompletter Zeitungen, in denen der jeweilige Minister, Berater oder Behördenchef – stellvertretend für die Trump-Administration und damit letztendlich: stellvertretend für Trump – gelobt worden ist. Sogar ausgedruckte Tweets sollen von Trump schon mithilfe der Poststelle des Weißen Hauses verschickt worden sein, zumindest wenn man den Berichten einiger Journalisten glauben darf, die sie in den Büros der jeweiligen Adressaten entdeckt haben, was allerdings auch nicht allzu schwer war, denn die Tweets hingen eingerahmt an der Wand! Was freilich auch daran lag, dass Trump sie nicht nur ausgedruckt, sondern auch signiert hatte. Eingerahmt haben den Tweet natürlich jeweils die Empfänger, denn für sie gibt der Rahmen dem Tweet erst die Würde. Unbewusst oder sagen wir besser: rückwärts gewandt (und zwar in jeglicher Hinsicht) bestätigt sich damit aber noch etwas anderes, nämlich Trumps analoges Verständnis von Welt, dessen Grundpfeiler Übersicht, Klarheit, Festigkeit und Abgrenzung sind. Es ist die Welt, wie sie früher mal war, und sei es auch nur im Kopf eines alten Mannes, der heute als Präsident im Weißen Haus sitzt. In einem ausgedruckten, signierten und eingerahmtem Tweet kommt Trumps Welt zu sich – und Trump selbst zu den Menschen.

07.04.2017

Eine der geläufigsten Charakterisierungen Trumps lautet: Der Mann ist böse. Ich würde das zwar so nicht unterschreiben, aber falls diese Charakterisierung trotzdem stimmt (und sie stimmt im Grunde ja immer nur für den Charakterisierenden und die, die ihm zustimmen, und nicht für den Charakterisierten selbst), also, wenn Trump tatsächlich »böse« ist, dann bekommt der Spruch von der »Banalität des Bösen« noch mal eine ganz neue Bedeutung, dann banalisiert sich das Banale aufs schlichtweg Blöde hinab, und das scheint mir keine sinnvolle Verwendung der Kategorie des Banalen zu sein. Wobei mich die Rede von der »Banalität des Bösen« in Wahrheit viel mehr interessiert als die Deutung Trumps als »böse«, »teuflisch« oder »monströs«, oder was immer sonst noch so durch den Raum des Pseudopsychologischen geistert. Denn die Tatsache, dass die – im Übrigen von Karl Jaspers bereits 1946 in einem Brief an Hannah Arendt vorgeprägte und von Arendt 1963 durch den Untertitel ihres Buches Eichmann in Jerusalem populär gemachte – Rede von der »Banalität des Bösen« wirkmächtig werden konnte und auch nach Jahrzehnten noch wirkmächtig ist, zeigt doch nur, dass wir es noch immer nicht geschafft haben, uns vom Monströsen zu lösen oder – anders gesagt – dass das Monster, das wir in einem Menschen wie Donald Trump sehen, noch immer in uns schlummert und aus der Dunkelheit des Schädelinneren heraus unsere äußere Wahrnehmung bestimmt.

08.04.2017

Heute mal nur ein kleiner Nachtrag zu gestern, denn die Sache mit der »Banalität des Bösen« ist mir nicht aus dem Kopf gegangen. Deshalb hier noch mal ein wenig genauer – und im Glauben, dass der Rückblick einen Ausblick eröffnet. Also: Jaspers schreibt in seinem Brief an Arendt im Oktober 1946, dass ihm »das Reden vom Dämonischen in Hitler und dergleichen« nicht ganz geheuer sei, denn: »Mir scheint, man muß, weil es wirklich so war, die Dinge in ihrer ganzen Banalität nehmen, in ihrer ganzen nüchternen Nichtigkeit – Bakterien können völkervernichtende Seuchen machen und bleiben doch nur Bakterien. Ich sehe jeden Ansatz von Mythos und Legende mit Schrecken.«*

Auch wenn ich Trump weder mit Hitler noch mit irgendwelchen Bakterien gleichsetzen oder auch nur damit vergleichen will, so scheint mir, dass Jaspers Aussage genau jene dünne Linie skizziert, auf der jedes noch so dicke Buch über Trumps Präsidentschaft entlang wandern muss.

09.04.2017

»Nordkorea, wir kommen. Unsere Kriegsschiffe öffnen das Land wie unsere Matrosen in den Häfen die Schenkel der Frauen. Wir sind geübt in diesen Dingen, denn wir haben das schon einmal getan. Damals, 1853, in Japan, als unsere Kanonenboote ihre Mörser nach Osten hin drehten und das Land vom Isolationismus befreiten. Jetzt kommen wir wieder. Wir sind der Stoßtrupp der Freiheit, wir sind der Türöffner zu unserer Welt.«

(Kleine Kollektivfantasie der Mitglieder des Historical Advisory Committee im amerikanischen Außenministerium, spontan verfasst unter dem Eindruck nordkoreanischer Raketen, die schreiend übers Meer in Richtung Amerika ziehen und aufgrund fehlender Reichweite in den Fluten des Pazifik versinken.)

10.04.2017

»Man muss den Worten auch Daten folgen lassen.« Das könnte ein zeitgemäßes Motto für Journalisten sein. Und das hätte auch seinen guten Sinn, denn wenn Trumps Protz- und Prahl-Präsidentschaft etwas Gutes hat, dann ist es die Tatsache, dass immer mehr Berichterstatter die Kraft ihrer Worte mit der Eingängigkeit interaktiver Karten und der Tiefenschärfe riesiger Zahlenmeere verbinden. Der Datenjournalismus der linksliberalen Medien feiert Hochzeit in der Scheidung mit Trump. Der unzeitgemäße Selbstdarsteller im Amt hat die zeitgemäße Form der Informationsdarstellung befeuert.

11.04.2017

Hiobsbotschaft für Konservative. Der republikanische Gouverneur von Alabama ist wegen einer Sex-Affäre zurückgetreten. Ist er ein Sünder? Ach was, er ist ein Sieger! Bei dem seit 1776 laufenden Wettkampf um die meisten Sex-Affären amerikanischer Bundespolitiker liegen die Republikaner dadurch jetzt mit 39:25 in Führung. Ich habe das – der »List of federal political sex scandals in the United States« bei Wikipedia sei Dank – eigenhändig ausgezählt. Und es passt auch sonst. In Hiob 39,25 steht schließlich geschrieben: »Sooft die Trompete klingt, ruft es: Hui!«

12.04.2017

Donald Trumps Sohn Eric behauptet, die Bombardierung eines syrischen Militärflughafens durch die Amerikaner zeige, dass es keine Verbindungen zwischen seinem Vater und Russland gebe.

Als wenn das dröhnende Gegeneinander beim öffentlichen Material- und Menschenschlachten nicht seit jeher die Basis für das stille Miteinander der großen Geschäftemacher wäre.

13.04.2017

Auf die Politisierung der Öffentlichkeit reagiert Trump mit der Privatisierung der Politik.

14.04.2017

Oh, all ihr Hobos und Eisenbahn-Tramps, eure Freiheit liegt in den letzten Zügen. Das ländliche Amerika wird entkoppelt und der Bahnen beraubt, auf denen ihr zieht. Meile um Meile verrostet zur Sesshaftigkeit. Wer hätte das gedacht? Die Kunst der Bewegung und des Sich-Treibenlassens endet im zusammengestrichenen Budgetplan des amerikanischen Verkehrsministeriums, in einer Handvoll Büros, in denen die einzigen Reisebeschreibungen die Dienstanweisungen von Sesselfurzern sind.

15.04.2017

Würde ich in den USA leben, ich könnte dieses Tagebuch nicht schreiben. Je größer die Distanz zu den Dingen, Ereignissen und Menschen, über die ich berichte, umso besser. Die Unmöglichkeit des Erlebens ist die Bedingung der Möglichkeit meines Schreibens. Mein Zugang ist einer des Fernbleibens.

16.04.2017

Was Donnie nicht gelungen ist, hat Bini geschafft: Sie hat das zerrissene Amerika geeint. Alles, was Bini Adamczak dafür tun musste, war, ein Buch zu veröffentlichen. 100 Seiten haben gereicht, um die entzweiten zu vereinigten Staaten zu machen, denn nichts eint mehr als ein gemeinsamer Feind. Ein Blick in die Zeitschriften, Blog-Beiträge und Online-Foren zwischen Seattle und Miami macht’s deutlich: Seit Tagen stehen Millionen Amerikaner Seite an Seite, bereit, vom Text- ins Schlachtfeld zu ziehen, um den Kampf aufzunehmen mit dem, was sie bedroht: Eine deutsche Autorin und ihr Buch mit dem Titel Communism for Kids.

17.04.2017

Wenn ich gestern schon mal beim Kommunismus war, kann ich heute gleich weitermachen damit. Die Sache ist nämlich die: Marx wollte die permanente Revolution, Trump dagegen will die permanente re-election. Sein Kampagnen-Team hat schon 13 Millionen Dollar gesammelt, damit er 2021 wiedergewählt wird. Eine halbe Million Dollar Spendengelder ging allerdings mehr oder weniger direkt an Trump, da die Kampagneros in seinen Immobilien Büros angemietet haben und dafür kräftig zahlen. Aber auch der Secret Service und seine Agenten sollen, wenn schon nicht bluten, so doch zumindest blechen. Zum Beispiel für die Golfcarts, die sie auf Trumps Platz in Mar-a-Lago mieten müssen, um den Präsidenten beim Ballspielen zu beschützen. Allein mit dem Verleihen der Golfcarts hat Trump bisher über 35.000 Dollar verdient. Und sie rollen weiter. Wochenende für Wochenende. In Permanenz. Und das müssen sie auch, denn statt Revolution und Reduktion zählen für Trump nur re-election und Rendite. Oder, um es mit Trumps eigenen Worten zu sagen, die er im Jahr 2000 in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Forbes zum Besten gab: »Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass ich der erste Präsidentschaftskandidat sein könnte, der sich um das Amt bewirbt und damit auch noch Geld verdient.«

18.04.2017

In den USA hat Innenminister Ryan Zinke verkündet, dass die Mitarbeiter seines Ministeriums demnächst testweise ihre Hunde mit ins Büro bringen dürfen, um die interne Zusammenarbeit zu verbessern und die Arbeitsmoral zu erhöhen. Ein Mehr an Mitarbeit und Moral wird auch dringend nötig sein, denn Präsident Trump plant, das Budget des Innenministeriums um 12 % zu senken. Mit anderen Worten: Der Innenminister ist auf den Hund gekommen, weil sein Ministerium auf den Hund gekommen ist.

19.04.2017

In der Psychogeografie Trumps führen alle Wege direkt auf ihn zu. Er ist seine eigene To-Donald-Liste.

20.04.2017

An der mexikanisch-amerikanischen Grenze wurden im März knapp 17.000 Menschen festgenommen. Im Dezember waren es noch 60.000 gewesen. Bei Eltern mit Kindern sank die Zahl von 16.000 auf 1.100 ab. Ein 17-Jahres-Tief. In seinen Ausläufern, südlich der großen Schicksalslinie, warten unterdessen noch immer zahllose Menschen auf ihre Chance, unbemerkt ins gelobte Land reinzukommen, derweil andere umkehren und zurück ins Hinterland irgendeines Hinterlandes gehen, das nicht nur keine Erfüllung, sondern auch keinen Glauben mehr kennt.

21.04.2017

Melania hüllt sich in Hervé Pierre und Christian Louboutin.

Ich hülle mich darüber nicht länger in Schweigen,

denn in meines Tagebuches Akten

zählen nur die nackten

Fakten.

22.04.2017

World Earth Day. Überall wird heute gegen die wachsende Umweltzerstörung protestiert. Auch in den USA, dem Land, das den Weißkopfseeadler in seinem Wappen trägt. Das Tier war in den 1960er-Jahren fast ausgestorben und wurde 1973 mithilfe des Gesetzes zum Schutz bedrohter Arten gerettet. Jetzt aber ist das Gesetz selbst bedroht. Ein paar republikanische Weißköpfe im Kongress wollen ihm die Flügel stutzen und eine Reihe von Tierarten von der Liste streichen. Zu viele Tiere, zu viel Schutz, zu viel Regulierung, sagen sie. Der Weißkopfseeadler ist allerdings nicht unter den Streichkandidaten, denn den hat die Bush-Administration bereits 2007 von der Liste genommen, da sich die Bestände erholt hatten und ein spezielles Gesetz aus dem Jahre 1940 das Tier weiterhin schützt. Von den meisten anderen Arten, die jetzt ihren Schutzstatus verlieren sollen, kann man das dagegen nicht behaupten. Aber die sind auch keine Nationalsymbole. Wobei das mit der Symbolik so eine Sache ist. Benjamin Franklin jedenfalls erklärte 1784 in einem Brief an seine Tochter Sarah: »Was mich betrifft, so wünschte ich, man hätte den Weißkopfseeadler nicht zum Repräsentanten unseres Landes gemacht; er ist ein Vogel von schlechtem moralischen Charakter. Er verdient seinen Lebensunterhalt nicht auf ehrliche Weise.«* Mit Blick auf Trump passt das immerhin wieder.

23.04.2017

Liebes Klima, du hast dich verändert. Melania wird immer kälter zu mir. Ich friere Tag und Nacht. Von wegen steigende Temperaturen. Es herrscht Eiszeit! Selbst mein Twitter-Vögelchen ist schon ganz blau. (Aus Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

24.04.2017

Es ist schwer zu sagen, ob ein Land, das pro Jahr 611 Milliarden Dollar fürs Militär ausgibt, ein besonders reiches oder ein besonders armes Land ist. Vielleicht ist es einfach beides. Und noch ein Drittes dazu: ein schizoides, schisszoides, schießzoides Land.

25.04.2017

Die Wahl Donald Trumps hat gezeigt, wie groß die Differenz zwischen politischer und kultureller Macht in einer westlichen Demokratie ist. Aber diese Erkenntnis hat auch etwas Gutes, um nicht zu sagen etwas Befreiendes. Sie macht nämlich (hoffentlich!) Schluss mit dem elenden Glauben, dass Schriftsteller, Musiker, Theaterschaffende, Künstler oder sonstige »Kulturintellektuelle« politisch etwas zu sagen hätten. Das haben sie nämlich nicht. Aber das soll mir nur recht sein. Zumal die ganze Angelegenheit auch ihren Witz hat. Denn, dass die Selbstüberschätzung der kulturellen Eliten von einem Mann beendet wurde, der sich mehr als jeder andere selbst überschätzt und mit Kunst und Kultur nichts, aber auch gar nichts am Hut hat, zeigt, dass die Ironie der Geschichte unter dem gegenwärtigen Getrumpel am besten gedeiht.

26.04.2017

Es gibt keine Entwicklung in diesem Tagebuch. Es ist eine Coming-of-Page-Geschichte, die jeden Tag aufs Neue beginnt.

27.04.2017

USA vs. Nordkorea, Trump gegen Kim Jong-un, Frisur 1 gegen Frisur 2. Der Tag der Entscheidelung naht. Dem Seitenscheidel sind alle Mittel recht, und der Mittelscheidel erklärt, sich von seiner schlimmsten Seite zu zeigen. Wer verliert, wird frisiert. Der andere nimmt den Hairway to Heaven.

28.04.2017

Die deutschen Reformatoren heißen Luther und Melanchthon, die amerikanischen Mnuchin und Cohn. Ihre Kirche ist die Finanzindustrie, ihr Katechismus das Steuergesetz. Für die Präsentation ihrer Thesen aber brauchten sie heute nur ein einziges Blatt. Ihre einfältige Trinitätslehre definiert sich als: »Wachstum, Jobs und Profite«, und das Heil findet sich nicht oben im Himmel, sondern unten, in den niedrigen Abgaben. Firmen sollen in Zukunft jedenfalls statt 35 % nur noch 15 % Unternehmenssteuer bezahlen und können ihre Gewinne aus Auslandsgeschäften gleich mit verrechnen. Wenn alles so kommt wie geplant, würden Trump und andere Milliardäre massiv entlastet werden. Aber das hat seinen Sinn. Die Sachs’schen Goldmänner wissen, wem sie ihre Karriere verdanken. Ihr Wittenberg heißt Washington, ihr Glaube buchstabiert sich als Gier.

29.04.2017

Alle berichten über meine 100 ersten Tage und wie chaotisch, verrückt und aufregend sie waren. Aber niemand schreibt über meine 100 letzten Nächte, und dass ich sie in trauriger Einsamkeit verbracht habe. Überall nur noch Fake, nirgends mehr Fuck News. Ungerecht!

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht)

30.04.2017

In den USA hat die Umweltschutzbehörde EPA ihre eigenen Analysen zum Klimawandel aus dem Netz genommen. Sie werden, so heißt es, überarbeitet. Draußen, vor dem klassizistischen Riesengebäude der EPA, fernab der gut gekühlten Räume, in denen die frisch geleerten Server stehen, überarbeitet der Klimawandel unterdessen die Realität. Für Washington D. C. werden morgen 28 Grad erwartet, und auch danach wird’s nicht kühler. Die monatliche Durchschnittstemperatur für den April liegt schon jetzt bei knapp 18 Grad. Das ist ein Grad über dem bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 1994. Und außerhalb der Hauptstadt sieht’s nicht anders aus. Die ganze Ostküste schwitzt. Überall purzeln die Rekorde in die Höhe.

01.05.2017

Die US-Demokraten setzen auf die Macht von Graswurzelbewegungen beim Widerstand gegen Trump und bei der Erneuerung der eigenen Partei. Unterdessen steigen die Verkaufszahlen für Rasenmäher im ganzen Land stark an, und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Laut der Studie Power Lawn & Garden Equipment Market in the U.S. der Freedonia Group wird die Zahl der Rasenmäher bis 2021 »signifikant wachsen«.

02.05.2017

Trump will heute mit Putin am Telefon sprechen. Wie ist das möglich? Gelten Telefonate zwischen zwei Egomanen nicht eigentlich als Selbstgespräche?

03.05.2017

Nach über einhundert Tagebucheinträgen ist es mir endlich gelungen, eine definitive Definition der USA zu liefern. Also: Die USA sind ein Land, in dem die Gouverneure reich sind und irgendwie immer machen, was sie wollen. Sie sind Repukraten oder Demokaner, sehen aus, als seien sie einer Simpsons-Folge entsprungen, besitzen dutzende Firmen, haben früher mal viel Sport gemacht und später den Geruch von Schweiß als Basketballtrainer genossen, essen gern Mayonnaise-Sandwiches und geben ihren Kindern Namen wie Jay und Jill, weil sie heimlich Alliterationen lieben und sich selbst Jim Justice nennen, auch wenn die Leute in ihrem Bundesstaat häufiger als irgendwo sonst im Land an Gewalt und Drogen sterben, aber hey, das ist das Leben, das ist Amerika, aber das ist okay …

04.05.2017

Barack Obama schreibt ein Buch.

Hillary Clinton schreibt ein Buch.

Ivanka Trump schreibt ein Buch.

Ich schreibe – kein Buch.

Ich schreibe nur Tagebuch.

Ich schreibe, wie andere Bücher schreiben.

Ich bin ein Mann fremden Geletters.

Ich bin ein Schrifthintenansteller.

Ich bin ein von den Tagen Entlöhnter.

05.05.2017

Die Republikaner im Repräsentantenhaus haben entschieden: Obamacare soll in Teilen abgeschafft werden. Die Versicherer dürfen künftig älteren Menschen höhere Beiträge aufbürden als jungen, der Schutz für Patienten mit Vorerkrankungen wird deutlich beschnitten, das Budget des Gesundheitsfürsorgeprogramms für sozial Schwache massiv zusammengekürzt und stattdessen Steuererleichterungen für Besserverdienende eingeführt. Die Abstimmung war denkbar knapp. Die 193 Demokraten haben komplett dagegen gestimmt, 20 Republikaner haben sich ihnen angeschlossen, ein Republikaner war nicht da, und vier Sitze im Haus sind vakant. Am Ende hieß es 217:213 für die Republikaner. Ob ihre Vorlage im Senat durchkommen wird, ist allerdings offen. Es ist noch nicht mal sicher, ob sie dort überhaupt angenommen wird. Zwar haben die Republikaner im Senat die Mehrheit, inzwischen aber eine Vielzahl eigener Reformvorschläge erstellt, die seit Wochen über die Flure geistern. Ob sich einer von ihnen in den Hinterzimmern der Macht zu einer Gesetzesvorlage auswächst, die anschließend im Senat eine Mehrheit bekommt, weiß niemand zu sagen. Die Demokraten aber sind sich einig: Was immer die Republikaner machen, wird den Gesundheitsschutz von Millionen Menschen schwächen und dazu führen, dass viele ihre Krankenversicherung verlieren. »Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen solchen politischen Selbstmord gesehen«, sagte eine demokratische Abgeordnete, die passenderweise Louise Slaughter heißt.

06.05.2017

Das Weiße Haus hat heute ein Foto veröffentlicht, das zeigt, wie Trump mit den republikanischen Vertretern des Repräsentantenhauses und Mitgliedern seiner Regierung den gestrigen Abstimmungssieg feiert. Das Bild wurde im Garten des Weißen Hauses aufgenommen. Trump steht am Rednerpult, dreht sich zu den hinter ihm wartenden Republikanern um und breitet die Arme aus, um zu zeigen: Ich hab’s geschafft! Die Republikaner heben den Daumen, lachen und jubeln ihm zu. Auf dem Foto sind 49 Männer und 1 Frau zu sehen. Aber die ist vom Vizepräsidenten verdeckt. Die Zahl der Afroamerikaner auf diesem Bild beträgt null.

07.05.2017

Donald Trump hat alles erreicht. Und doch, folgt man seinen Worten, ist es, als sei Amerika ein Synonym für alles, was noch nicht wahr geworden ist. Ein Möglichkeitsraum, dem die Geschichte die Erfüllung versagt hat. Doch jetzt ist ER gekommen. ER, der sich selbst nichts versagt, wird Amerikas Bestimmung erfüllen. Denn ER ist sich sicher: Das Schicksal seines Landes ist seins. Wenn Amerika ihm folgt, wird es groß, wird es siegen, wird es ein RE-ICH.

08.05.2017

Millionen Menschen

haben

Millionen Dinge

über Donald Trumps

eine und einzige

Frisur

gesagt,

aber niemandem ist bisher aufgefallen,

dass sie

der größtmögliche Gegensatz

zu einem

Igelschnäuzchen

ist.

09.05.2017

Trump hat heute FBI-Direktor James Comey gefeuert. Hintergrund ist die Tatsache, dass Comey Trumps Vorwürfe, Obama habe sein Telefon abgehört, nicht bestätigen wollte, weil auch nicht bestätigen konnte, denn an der Sache ist offensichtlich nichts dran, schließlich hat das FBI keinerlei Hinweise gefunden. Außerdem hat Comey den Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses über die russischen Manipulationsversuche bei der Präsidentschaftswahl informiert und sich bei der Gelegenheit auch gleich noch über Trumps Russland-Kontakte ausgelassen, woraufhin Trump endgültig rot gesehen hat. Also hat er Comey gefeuert. Comeytenhafter Absturz sozusagen. Aber wer weiß, ob sich seine Entlassung am Ende nicht als Trumps Tunguska-Ereignis entpuppt.

10.05.2017

Ajit Pai, seines Zeichens Jurist, Republikaner und Vorsitzender der amerikanischen Bundesbehörde für Telekommunikation, will die Netzneutralität aufgeben, um, wie er sagt, das Internet freier zu machen. Freiheit aber bedeutet für ihn Deregulierung. Deregulierungen aber waren schon immer eine Grundlage für Klassengesellschaften – und das heißt: für Ungleichbehandlungen. Sie sind die eigentliche Essenz und das wahre Ergebnis dieser Form von Freiheit. Und das soll auch so sein, denn die Gleichbehandlung von Übertragungswegen – und das heißt in letzter Konsequenz: die gleichberechtigte Verbreitung von Daten im Netz – klingt in Ajit Pais Ohren nach digitalem Kommunismus. Er dagegen ist ein Mann des Kapitals. Einer, der die Schnelligkeit einer Entwicklung an der Geschwindigkeit misst, mit der die digitalen Dollars durch die Datenkabel rauschen. Ajit Pai heißt in Wahrheit Ajit Pay.

11.05.2017

Wenn’s Frühling wird,

kommen sie hoch,

die Toten aus den New Yorker Central-Park-Teichen.

Ein einfaches Prinzip: steigt die Temperatur des Wassers,

steigt die Menge der Bakterien darin,

unaufhörlich, wie die Zahl von Trumps Twitter-Nachrichten.

Die Bakterien aber sind glücklich, sie haben Arbeit und Unterkunft

in den Brusthöhlen der Leute,

direkt neben den Herzen, die für niemand mehr schlagen.

Dort produzieren sie Gase,

eine kleine, unterirdische Industrie,

vertreten nicht von Gewerkschaften, sondern von Lobstergruppen.

Und während die Bakterien arbeiten,

bekommen die Körper Auftrieb

und steigen, ganz langsam, aus der Tiefe empor.

Aber wehe, wenn die Krebse sie kriegen,

sie fressen den Auffahrenden Löcher in die Brust,

und dann laufen die Herzen über und die Gase entweichen.

Und dann? Dann wird’s Sommer,

und in den New Yorker Central-Park-Teichen

haben ein paar den Grund ihres Daseins auf ewig gefunden.

12.05.2017

Wer Scheiße baut, darf auch auf die Kacke hauen.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

13.05.2017

Donald Trump hat heute vor Studenten der Liberty University in Lynchburg/Virginia gesprochen, der größten privaten christlichen Universität in den USA. Das Wort Wissenschaft hat er in seiner Rede allerdings kein einziges Mal in den Mund genommen. Stattdessen hat er erklärt: »In America, we don’t worship government. We worship God.«

Eine passende Aussage für eine Hochschule, in der die Lehrkräfte die Evolutionstheorie ablehnen und die Studierenden dazu verpflichtet werden, Kurse in kreationistischer Biologie zu besuchen, weshalb es dann auch kein Wunder ist, dass man in der universitätseigenen Sammlung das Alter der dort aufbewahrten Saurier-Fossilien mit 3.000 Jahren angibt.

Und Trump? Der weiß dazu nichts zu sagen – und hat mit seinem Satz im Grunde auch schon alles gesagt, schließlich hat er seinen Ausspruch nicht als Regierungschef getan, sondern als der Gott, für den er sich hält.

14.05.2017

Flash-Mob auf einem Trump’schen Golf-Platz nahe Los Angeles. 200 Leute legen sich auf den kurz geschnittenen Rasen und formen den Schriftzug »RESIST!«. Die Betreiber der Anlage rufen die Polizei, die ist innerhalb von Minuten vor Ort, positioniert sich mit Mann und Maus auf dem Clubhaus-Balkon – und greift nicht ein. Niemand wird verhaftet, und nach einer Stunde gehen alle wieder nach Hause.

Ein Zeichen der Hoffnung? Vielleicht. Vielleicht ist es aber auch ein Ausdruck der Selbstsicherheit eines Systems, das Kritik auf der Oberfläche (des Rasens) zulässt, um Zeit zu haben, sie tief in sich einzusaugen, und das heißt: sie zu assimilieren und sich untergründig nutzbar zu machen, um daraus zu lernen, damit »das System« gestärkt fortschreiten und noch widerstandsfähiger, noch endgültiger, noch unausweichlicher, kurzum: damit es UNWIDERSTEHLICH werden kann.

15.05.2017

Sitze beim Kieferchirurgen, Weisheitszahn-OP, gleich gehen die Lichter aus. Deshalb noch flugs im Kopf nach einem Gedanken gesucht und den Tag a priori verbucht. Also: Was ist der Unterschied zwischen Donald Trump und Wladimir Putin? Ganz einfach: Der eine nimmt immer nur den Mund voll, der andere kaut dagegen jedes Mal auf.

16.05.2017

Mein Anagramm-Generator ist ein schlaues Kerlchen. Als ich ihm heute mitgeteilt habe, dass Trump und Erdoğan sich treffen, hat er gesagt, er wisse alles über die beiden. Er brauche nur ihre Namen zu hören und schon sei ihm klar, was da gespielt wird.

Na schön, hab ich gesagt, dann erklär mir doch mal, was die Ziele der beiden sind, was bei denen gerade politisch so läuft.

»Mordant purge«, hat mein A.-G. mit Blick auf Erdoğan gesagt, »eine alles wegbeißende Säuberungsaktion.«

Und Trump, hab ich gefragt, was macht der gerade?

»Dormant purge«, lautete die Antwort, »eine stille Säuberungsaktion.«

Verstehe, hab ich gesagt, und wie erreichen sie das?

»Tamper ground«, meinte mein Ej-Tschie bezüglich Erdoğan, »Grundlage fälschen.«

Und Trump?

»Argument drop«, war seine Antwort, »kein Argument zulassen.«

Klingt plausibel, hab ich gesagt, aber weißt du auch, worüber sie heute gesprochen haben?

Aber mein Ej-Tschie meinte, sie hätten nicht gesprochen.

Aber was haben sie dann getan, wollte ich wissen, was war das zwischen den beiden heute im Weißen Haus?

»A grunted romp«, hat er gesagt, »ein dahingegrunztes Techtelmechtel.«

17.05.2017

Man könnte Donald Trump aufgrund dessen, was er sagt und tut, als Witzfigur betrachten, als ein irres Maskottchen der amerikanischen Demokratie, aber das ist er nicht, im Gegenteil, er ist ihr ureigenstes Abbild, ihr reinstes Produkt – der auf die Washingtoner Erde gekommene Sohn der Gründerväter.

18.05.2017

Chelsea Manning ist frei. Endlich! Aber vergessen wir nicht all die anderen, die wegen ähnlicher »Vergehen« noch immer in Haft sitzen: Jeremy Hammond, der die kriminellen Machenschaften von Stratfor öffentlich machte, Ryan Johnson, der sich dem Einsatz im Irak widersetzte, oder Jeffrey Sterling, der als geheim eingestufte Informationen weitergab und damit politische Skandale aufdeckte. Ein Sprichwort sagt: Ehrlich währt am längsten. In diesen Fällen muss es wohl eher lauten: Ehrlich sitzt am längsten. Allerdings nicht am politischen Hebel, sondern im amerikanischen Knast.

19.05.2017

Trump auf großer Auslandsreise. Heute ist er in Saudi-Arabien, morgen in Israel – ziemlich verzwickte Interessen, komplizierte Materie, reichlich vermintes Gelände, überhaupt nicht sein Ding. Danach geht’s weiter zum Papst in den Vatikan, da gibt’s bestimmt auch nur Mecker. Aber dann, dann geht’s endlich nach Belgien – und mit Belgien kennt er sich aus, zu Belgien wusste er schon letztes Jahr im Wahlkampf etwas zu sagen. »Also, Belgien«, hat er gesagt, »Belgien ist eine wunderschöne Stadt.«

20.05.2017

Trump tütet den größten Rüstungsdeal der US-Geschichte ein und verkauft den Saudis amerikanische Waffen im Wert von 110 Milliarden Dollar. Gefragt, wozu er so viele Waffen brauche und ob er zufrieden mit dem Geschäft sei, sagte Kronprinz Mohammed Bin Salman: »Yeah, man.«

21.05.2017

Und es ist Sonntag in Amerika, und Donald ist nicht im Land, und alle atmen auf und aus und ein und durch, denn es ist der erste Tag seit Monaten, der ihnen eine Ahnung davon verschafft, wie es mal gewesen ist, damals, als das Lachen über den Clown noch Teil der Aufführung war und er es ihnen nicht täglich zurück in die Hälse gestopft hat, eine Ahnung, wie es einst war und irgendwann wieder sein wird, dann, wenn alles ganz anders ist und das Luftholen in den Unbemerktheiten des Tages verschwindet, wenn es in ihm aufgeht wie ein Teig voller Hefe, den irgendjemand – ein Zauberer vielleicht? – vor aller Augen in eine Schüssel gelegt und unter seinem Tuch zum Verschwinden gebracht hat.

22.05.2017

Trumpel in Israel.

Trouble is real.

23.05.2017

Trump schnappt sich SNAP, das Supplemental Nutrition Assistance Program, hierzulande auch gern mal Lebensmittelhilfe genannt. Schnappt sich einfach das Budget und schnabuliert’s auf. 192 Milliarden Dollar weniger, verkündet sein Schnabel. Eine Schnapsidee? Ein Grund für Schnappatmung? Nur für Schnappschwänze und Schnäppchenjäger. Aber die zählen für ihn nicht, denn er zählt sich nicht zu ihnen. Er ist schließlich Donnie »The Snapper«, und während sie im Westen nach Luft schnappen, schnäbelt er im Osten Steaks mit Säbelscheichs.

24.05.2017

Trump beim Papst, Gott beim Therapeuten. Und Melania, was macht die? Greift beim Ausstieg aus dem präsidialen Himmelsfahrzeug in Rom nicht nach der Hand, die Donnie ihr reicht. Ein Skandal? Ach was, ein christliches Gebot! Eine im Jahr 2017 in einer heiligen Stadt erbrachte Referenz auf Johannes 20,17, ihr ganz persönliches noli me tangere.

25.05.2017

Nur so ein Gedanke … Ein Schriftsteller lebt in Fiktionen und lässt sie mit seinen Worten zu Realitäten werden. Donald Trump lebt in der Realität und macht mit seinen Worten Fiktionen daraus.

26.05.2017

Donald Trump ist ein Dollarscheinheiliger.

27.05.2017

Trump beim G-7 Gipfel in Sizilien. Es ist sein erster Auftritt beim Treffen der sieben ehemals wichtigsten Industrienationen. Das unausgesprochene Motto lautet: Trump gegen die anderen. Wobei die anderen schon glücklich sind, dass sich Trump überhaupt mit ihnen abgibt. Frankreichs Präsident Macron erklärt jedenfalls, er sei froh, dass Trump ihre Argumente in der Klima- und Handelspolitik angehört hat. Nur wird das nicht viel bringen. Trump kann mit der Rationalität anderer Leute nichts anfangen. Und das bisschen, was er versteht, merkt er sich nicht. Trumps Aufmerksamkeitsspanne ist kürzer als die durchschnittliche Amtszeit italienischer Ministerpräsidenten. Was bei Trump links reingeht, ist rechts schon wieder draußen. Der Mann hat ein Gehirn wie ein Sieb, da bleibt nicht mal eine Insel von der Größe Siziliens drin hängen. Die Folge: Trump widersetzt sich den Forderungen der anderen. Den Rest ignoriert er. Die alte Einheit der G7 bröckelt. Statt zu siebt ist man jetzt zersiebt.

28.05.2017

Wieder zu Hause. Verdammte Europäer! Bin froh, dass der Atlantik zwischen mir und denen liegt. Immerhin, hab eine neue Idee, was Mexiko betrifft. Werde den Mauer-Plan aufgeben und den Golf von Mexiko verlängern lassen. Aufbruch zu neuen Ufern, Durchbruch bis zum Pazifik. Diese Europäer werden schon sehen, was Inselationismus heißt.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

29.05.2017

Eine kleine Statistik der Statisten: Bisher hat Donald Trump in seiner Funktion als Präsident rund 1.300 Personen getroffen. Unter ihnen waren mehr Geschäftsleute (273) als republikanische Politiker (258). 79 % seiner Dates hatte er mit Männern, die wiederum zu 80 % weiß waren. Bei Golfbällen lag diese Quote sogar bei 100 %.

30.05.2017

Merkel hält Trump für unzuverlässig.

Melania hält ihn für unverlassbar.

Trump selbst hält sich für unverletzlich.

Und ich? Ich halte ihn für unerlässlich.

Für dieses Tagebuch, dessen Ende ich mir unablässig wünsche.

31.05.2017

Saudi-Arabien will 20 Milliarden Dollar in den USA investieren. Partner vor Ort ist der New Yorker Finanzdienstleister Blackstone. Wie passend: Schwarzer Stein in Mekka, Schwarzer Stein in New York. Und der Vorsitzende der Blackstone Group heißt – wie soll es anders sein – Schwarzman und ist Trumps persönlicher Freund und Berater. Wem das an dunklen Mächten noch nicht genug ist, d. h., wer jetzt noch immer nicht schwarzsieht, dem sei gesagt, dass sich der saudische Kronprinz und Jemen-Kriegstreiber Mohammed bin Salman mit Schwarzman zusammengetan hat und das Investment persönlich mit ihm bespricht. Gute Nacht.

01.06.2017

Großer Wahnsinn lässt mittleren Irrsinn wie kleinen Unsinn aussehen, und auch wenn es nicht unmittelbar sinnfällig ist, trägt Trumps stumpfsinnige Politik dazu bei, dass Merkel im Herbst wiedergewählt wird. Im Schatten desjenigen, der wie von Sinnen handelt, schlüpft sie in die Rolle der Besonnenen.

Ein Kreuz macht die Hand, und unter ihr wandern Millionen nach rechts. Sinnlos zu hoffen, sie täten es nicht.

02.06.2017

Ohne Pariser ist’s heißer!

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

03.06.2017

Scott proved it again! Scott Pruitt, Chef der amerikanischen Umweltzerstörungsbehörde, hat sich einmal mehr als Idealbesetzung erwiesen und gestern in Washington mit einigen Getreuen den Austritt aus dem Pariser Klimaschutzabkommen gefeiert. Aber nicht irgendwo und irgendwie, sondern mit einem Abendessen in einem furznoblen französischen Restaurant, das den Namen Le Diplomate trägt. Ich hoffe, die Schnecken haben ihm in den Salat geschissen.

04.06.2017

Terror in London. Drei Islamisten haben gestern sieben Menschen ermordet. Es ist der dritte Anschlag binnen acht Wochen. Londons Bürgermeister Sadiq Khan hat daraufhin heute Morgen in einem Statement erklärt, dass sich die Menschen in London nicht verunsichern lassen sollen. Er meinte damit aber nicht den Terror, sondern bezog sich mit seiner Aussage explizit auf die anhaltend hohe Zahl an Polizisten in den Straßen. Im Wortlaut heißt es: »Die Menschen in London werden heute und in den kommenden Tagen eine erhöhte Polizeipräsenz feststellen. Das ist kein Grund, alarmiert zu sein – eine der Sachen, die die Polizei und alle von uns tun müssen, ist, dafür zu sorgen, dass wir so sicher sind wie nur möglich.«

Auch Trump reagiert auf den Terroranschlag – aber auf seine ganz eigene Weise. Er reißt Khans Aussage komplett aus dem Kontext, bringt sie mit den Opfern des Attentats in Verbindung und lässt es dadurch so aussehen, als spiele Londons Bürgermeister die islamistische Terrorgefahr absichtlich herunter. Auf Twitter schreibt Trump: »Mindestens sieben Tote und 48 Verletzte nach einem Terroranschlag, und Londons Bürgermeister sagt, es gebe keinen Grund, Angst zu haben.«

Jetzt werden überall Rufe nach Entschuldigung laut. Aber die wird es nicht geben. In den mehr als 31.000 Tweets, die Trump bisher verfasst hat, findet sich nirgendwo ein Bedauern. Das kleine Wörtchen »regret« taucht überhaupt nur ein einziges Mal in Trumps Twitter-Archiv auf – und selbst da stammt es nicht von ihm, auch wenn es ihn perfekt charakterisiert. Es ist der Tweet eines Users, der Trump gefiel und den er deshalb geteilt hat. Darin heißt es: »My only regret is, that there isn’t 3 Donald Trump’s [sic!].«

05.06.2017

Berylliose ist kein poetisches Wort. Es bezeichnet eine schleichende Vergiftung des Organismus, eine Lungenkrankheit, hervorgerufen durch die Verarbeitungen eines Metalls namens Beryllium, das im Flugzeug- und Schiffsbau, in der medizinischen Industrie und bei der Herstellung von Computern verwendet wird.

Seit 1975 arbeitete die ebenso unpoetisch klingende amerikanische Bundesbehörde zur Durchsetzung des Bundesarbeitssicherheitsgesetzes an strengeren Richtlinien bezüglich Beryllium, um Arbeiter besser davor zu beschützen. Nach über 40 Jahren und unzähligen Kämpfen gegen Lobbygruppen der Industrie wurden die neuen Regeln Anfang 2017, kurz vor Ablauf der Präsidentschaft Obamas, fertiggestellt. Als sie jetzt unter Trumps Regierung zur Anwendung kommen sollten, wurden sie sofort ausgesetzt. Die hinter der Nichtanwendung der strengeren Richtlinien stehende Rechnung ist einfach: Arbeitsschutz kostet Geld. Berylliose dagegen nur Menschenleben. Menschenleben aber sind gute Kosten, denn die machen den Weg frei, für das Einzige, was unter Trump zählt: Jobs. Neue Jobs. Neue Jobs voller alter, schleichender Vergiftungen.

06.06.2017

Glücklich verkehrte Welt: Ich schreibe dieses Tagebuch nicht, um etwas von mir, sondern um etwas von einem anderen preiszugeben.

07.06.2017

Es ist keine Ironie der Geschichte, sondern der Zynismus der Gegenwart, dass die Whistleblowerin, die Informationen über russische Hackerangriffe auf die Präsidentschaftswahlen in den USA öffentlich machte und deshalb vor wenigen Tagen verhaftet wurde, den Namen Reality Winner trägt.

08.06.2017

Donald Trump hat heute nichts getwittert, und ich frage mich, ob es nicht generell an der Zeit wäre, die Weltgeschichte als Geschichte des Unterlassenen, Nicht-Gemachten, Leeren und Lückenhaften zu schreiben. Die Historie als Abfolge von Hohlräumen, aus denen die Geschichte heimlich ihr gemachtes Köpfchen rausstreckt. Aber das wird nicht passieren. Unterlassen gilt nicht als Handeln. Machen hat immer schon das Recht auf seiner Seite, während das Nichts-Tun unter der eigenen Beweislast begraben liegt. Und auch ich mache weiter …

09.06.2017

Wir schreiben das Jahr 2017. Ganz Washington ist von verrückten Republikanern besetzt. Ganz Washington? Nein! Ein unbeugsamer Republikaner hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Sein Name ist Walter Jones. Er ist Vertreter des Repräsentantenhauses, abgeordnet aus North Carolina, und hat heute als Einziger auf republikanischer Seite gegen die Deregulierung der Wall Street gestimmt. Er hat auch schon gegen die Abschaffung von Obamacare votiert. Und kürzlich öffentlich gemacht, dass das US-Militär sechs Millionen Dollar ausgegeben hat, um neun seltene italienische Ziegen in Afghanistan anzusiedeln, in der Hoffnung, die dortige Kaschmir-Industrie zu beleben. Allerdings, so Jones, wisse niemand, wo die Tiere jetzt sind und was aus ihnen geworden ist. Ich hoffe, Walter Jones findet die Ziegen.

10.06.2017

Donald Trump spielt heute mal wieder Golf. Dan Scavino, sein ehemaliger Caddy, ist inzwischen Social-Media-Chef im Weißen Haus. Damit hat er seine Möglichkeiten verzehnfacht. Beim Golf sind nämlich nur 14 Schläger erlaubt, bei Twitter dagegen 140 Zeichen. Und trotzdem: Obwohl aus dem Caddy ein Twüterich geworden ist, hat er seine ursprüngliche Rolle behalten, denn noch immer ist Dan Scavino vor allem eines: ein Handlanger, der Schlagdrein Donald Trumps.

11.06.2017

Ich weiß nicht, ob dieses Tagebuch ein Ausdruck der Hilflosigkeit ist oder einer des Protests. Andererseits, vielleicht sind das nur zwei Aggregatzustände ein und derselben Sache, vielleicht bedeutet Protest nichts anderes als sich einer Hilflosigkeit zu entäußern, die sich selbst nicht mehr erträgt.

12.06.2017

Die Dialektik der Dezibel: Je lauter der Mann im Vordergrund brüllt, desto ruhiger können seine Leute im Hintergrund arbeiten. Bildungsministerin Betsy DeVos vernäht Amerikas Schulen still und heimlich die Münder. Damit sie stumm bleiben und beten lernen. Denn gefaltete Hände bilden keine Faust. Sie bilden Schulen. Schulen wie Betsy DeVos sie mag. Erzkonservative, reaktionäre, christliche Privatschulen. Gelddruckmaschinen im Namen des Herrn, auch wenn er in diesem Fall eine Frau ist. Aber keine Sorge, Betsy DeVos spendet einen Teil ihrer privaten Milliarden. Zum Beispiel für Organisationen, die Workshops anbieten mit dem Titel »Pray away the gay«.

Zeit, die verdammte Dialektik umzudrehen und es laut und deutlich zu sagen: Diesen homophoben Kreationisten gehört der Arsch zugenäht, denn sie haben ihn offen!

13.06.2017

Heute gibt’s mal ein dreiblättriges Kalenderblatt. So denn:

Am 13. Juni 1966 erklärt der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten das Aussageverweigerungsrecht für zulässig. Es räumt Angeklagten das Recht ein, zu ihren Taten zu schweigen.

Am 13. Juni 1977 publiziert die New York Times die Pentagon Papers. Die geheimen Papiere informieren die Öffentlichkeit über die kriegstreiberische Rolle der USA in Vietnam. Sie sind der Anfang vom Ende des Krieges.

Am 13. Juni 2017 verklagen zwei Staatsanwälte Donald Trump wegen unerlaubter Hotelgeschäfte. Die Medien berichten ausführlich darüber. Kurz darauf twittert Trump: »The Fake News Media has never been so wrong or so dirty.«

Und ich? Ich merke mal wieder, dass die Geschichte nicht fortschreitet. Sie dreht sich einfach nur um sich selbst. Aber auch das ist keine neue Erkenntnis – und trotzdem ein seltsames Glück.

»Jede Epoche«, erklärte der Historiker Leopold von Ranke 1854 bei einem Vortrag, »ist unmittelbar zu Gott, und ihr Wert beruht gar nicht auf dem, was aus ihr hervorgeht, sondern in ihrer Existenz selbst, in ihrem Eigenen selbst.«

Es wird sich zeigen, was das Geschrei des Donald Trump wert ist, und was die Gegenwart, die es durchhallt.

14.06.2017

… und ihre Antwort auf die heutige Schießerei werden Waffen sein, noch mehr Waffen, und die Spirale wird sich weiterdrehen, wird sich zum Himmel hinaufschrauben wie ihre Gebete, in denen sie um Genesung und Gewehre bitten …

PS: Weil man schon in ein paar Wochen nicht mehr wissen wird, von welcher Schießerei hier die Rede ist: Es handelt sich um den Angriff auf das Baseball-Team der Kongress-Republikaner. Der Abgeordnete Steve Scalise wurde bei der Attacke schwer verletzt. Der Angreifer wurde von der Polizei erschossen.

15.06.2017

Es sammelt der Mueller,

es mahlen die Mühlen,

in Washington werden sie bald statt in Mehl

in Donald’s Geldspeicher wühlen.

Manche nennen sie Mäuse,

andere Ratten,

während Dritte glauben

man tät’ sie beschatten.

Und während man in den Backstuben der Wahrheit

die Argumente wie Brote abwiegt,

sieht man, wie sich draußen im drehenden Winde,

das Getreide zum Brechen hinbiegt.

16.06.2017

Tagebuchschreiber wie ich sind katastrophale Kartografen. Sie gehören zu denjenigen, die nach oben sehen und nichts als einen leeren Himmel erblicken, und dann nach unten schauen, und das Gebiet zu ihren Füßen kartografieren. Will sagen: Die Gefahr eines solchen Tagebuchs ist mir vollends bewusst. Sie besteht darin, dass es sich im Klein-Klein seiner Einträge verrennt und den Blick fürs große Ganze verliert. Ein »richtiger« Kartograf – einer, der von oben schaut – würde sagen: Der Blick auf die Karte ist besser als der Blick aus dem Gebiet, das die Karte repräsentiert. Und da ist gewiss auch was dran. Aber letztlich setzt sich jede Karte ja aus Aufnahmen des Gebietes zusammen, das sie schlussendlich zeigt. Meine Tagebucheinträge sind diese Aufnahmen. Die Karte aber ist dieses Buch hier. Nur dass man es – im Gegensatz zu einer Karte – nicht auf einen Blick erfassen kann, sondern lesen muss. Nicht unbedingt von vorne nach hinten, sondern gern auch verquer, aber am Ende – in der Monadenhaftigkeit des einzelnen Eintrages – doch linear.

17.06.2017

Und weiter geht’s im Kuriositätenkabinett der Karriereleitern: Lynne Patton, die Hochzeitsplanerin von Trumps Sohn Eric, ist vom Ministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung zur Chefin für das Gebiet New York und New Jersey ernannt worden. Erfahrungen in dem Bereich hat sie keine. Aber hey, immerhin fangen »Hochzeit« und »Hochhäuser« mit denselben vier Buchstaben an. Darauf lässt sich aufbauen.

18.06.2017

Vatertag in den USA. Trumps Sohn Eric bekommt von seiner Frau eine »Make America Great Again«-Schutzhülle für seinen Golfschläger geschenkt (denn die hatte er natürlich noch nicht), postet ein Bild des frisch umhüllten Kloppers auf Twitter und verlinkt auf den Shop der Donald-Trump-Webseite, wo es das Ding für 55 Dollar zu kaufen gibt. Es ist eine Socke mit Hut. Zum Glück eine schwarze und keine rote. Aber selbst wenn … Es ist Amerika. Es ist das Trumpire. Es ist alles Geschäft.

19.06.2017

Es sterben einfach zu viele Zivilisten. Also beschäftigt das US-Militär ab sofort sieben statt zwei Mitarbeiter, um in Syrien und dem Irak den Tod derjenigen Menschen zu untersuchen, die durch amerikanische Luftschläge umkommen. Welch Fortschritt! Die Humanität des modernen Krieges besteht in der korrekten Zählung der Toten.

20.06.2017

Tägliche Kritik an ein und derselben Sache bedeutet immer auch Abstumpfung, Aufgabe-Gedanken und – noch vor allem anderen – das Wissen um die alles und jeden umschmeichelnden Plausibilitäten der Sinnlosigkeit. Aber eines bedeutet es nie: Akzeptanz.

21.06.2017

In einem Vorort von Atlanta haben Demokraten und Republikaner anlässlich der Nachwahl für einen Sitz im US-Repräsentantenhaus zusammen 55 Millionen Dollar für Werbung ausgegeben. Zur Wahl gingen daraufhin genau 259.488 Menschen. Das macht 211,96 Dollar pro Person. Dafür kriegt man in den Supermärkten im Wahlgebiet durchschnittlich 120 Kilo Vanille-Eis mit Cookies drin. Wäre vielleicht überzeugender gewesen …

22.06.2017

Trump ist gut zu Vögeln. Klingt wie ein Witz, ist aber keiner. Während einer Rede in Iowa hat Donald Trump beklagt, dass Windräder Unmengen an Vögeln töten. Die Leute im Publikum haben genickt, auch wenn Trump keine Zahlen genannt hat. Aber die gibt’s: Jährlich sterben in den USA rund 300.000 Vögel durch Windräder. 10 Millionen lassen ihr Leben an Funkmasten, 400 Millionen knallen gegen Glasscheiben und 3,7 Milliarden werden von Katzen gefressen. Aber wehe, jemand beklagt, dass Katzen nicht gut zu Vögeln sind, dann schütteln die Leute nur mit den Köpfen.

23.06.2017

Ich sitze am Schreibtisch und erfinde die Welt. Mein Amerika besteht aus Worten. Meine Erfahrungen sind Leseeindrücke. Meine Informationen stammen allesamt von Fremden, die fernab von mir wohnen. Ich bin ein Lehnstuhl-Ethnologe des digitalen Zeitalters.

24.06.2017

Das letzte bisschen Erfahrung ist dahin, und eine Strategie gibt es nicht. Die Trump-Regierung hat die 2009 gegründete diplomatische Einheit für Pakistan und Afghanistan ohne Vorwarnung aufgelöst, und in dem noch verbliebenen Büro für Zentral- und Südasiatische Angelegenheiten sind alle wichtigen Stellen bezüglich Afghanistans unbesetzt. Stattdessen schickt das US-Militär 4.000 neue Soldaten ins Land. Aber das ist nur konsequent. Trumps Motto »Jobs! Jobs! Jobs!« heißt in Afghanistan in Wahrheit nämlich »Shots! Shots! Shots!«

25.06.2017

Fast alle amerikanischen Präsidenten haben Tagebuch geführt. Trump aber ist der erste, der das öffentlich tut. Er nimmt dafür einfach seinen Twitter-Account. Nennen wir es deshalb ein Twiary. Ein klassisches Werk minus Stift, Papier und Gedanken, die weiter als 140 Zeichen reichen. Ein solches Tagebuch war für sämtliche Präsidenten vor ihm eine Unmöglichkeit, ein sogenanntes TaBu.

26.06.2017

Am 26. Juni 2015 entschied der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, dass gleichgeschlechtliche Paare das Recht haben zu heiraten. In Reaktion darauf erstrahlte das Weiße Haus an diesem Abend in Regenbogenfarben.

Am 26. Juni 2017 entschied der Oberste Gerichtshof, dass Donald Trumps Einreiseverbot für bestimmte muslimische Länder teilweise in Kraft treten kann. In Reaktion darauf wird das Weiße Haus heute Abend besonders weiß erstrahlen.

27.06.2017

Heute vor fünf Monaten hat Donald Trump die Executive Order Nr. 13769 unterschrieben, besser bekannt als »Muslim Ban«. Das Dekret soll Bürgern aus sechs mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern für drei bis vier Monate die Einreise in die USA verwehren. Zu diesen Ländern zählen Iran, Irak, Jemen, Libyen, Somalia und der Sudan. Hinzu kommt noch Syrien, für das ein dauerhaftes Einreiseverbot gelten soll.

Gegen das Dekret wurde sofort geklagt. Und auch in den Medien wurde und wird aufs Bitterste darüber gestritten. Was dabei aber völlig untergeht: Trump ist bei Weitem nicht der Einzige, der versucht, Bürger aus bestimmten Ländern draußen zu halten. So verweigern z. B. 16 Staaten israelischen Staatsbürgern die Einreise. Dazu gehören u. a. der Iran, der Irak, der Jemen, Libyen, der Sudan und Syrien, also sechs von jenen sieben Ländern, deren Bürger Trump seinerseits die Einreise verweigern will. Vielleicht ist diese ganze Verbannungsnummer ja nicht nur auf Trumps Mist gewachsen und seiner Angst vor muslimischem Terror geschuldet, sondern auch eine heimliche Vergeltungsaktion der Israelis. Frei nach dem Motto: Wie du mir, so ich dir. Oder, um im Bilde zu bleiben: Visa du mir nicht, Visa ich dir nicht …

28.06.2017

In einigen von Donald Trumps Golfclubs hängt ein Cover des Time Magazine vom 1. März 2009, das Trump in Großaufnahme zeigt und in den dazugehörigen Schlagzeilen von seinen Erfolgen berichtet. Das Problem ist nur: Am 1. März 2009 ist gar kein Time Magazine erschienen. Und Donald Trump war im Jahr 2009 auch nie auf dem Cover. Mit einem Wort: Die Sache ist eine Fälschung.

So weit, so verständlich bei einem Narzissten und Egomanen. Was aber heißt es, wenn ein Mann, der die klassischen Medien als Hort von Fake News bezeichnet, ein solch klassisches Medium nutzt, um mit seiner Hilfe eine Fälschung zu seinen Gunsten zu machen? Sind Fake News x Fake News = Good News? Oder beginnt in den USA der Marsch durch die Institutionen statt mit einem Philosophie-Seminar mit einem Photoshop-Tutorial?

29.06.2017

Ein gewöhnlicher Donnerstag. Alles läuft so dahin. Nur nicht in Nicholasville, Kentucky, denn da ist nichts mehr an seinem Platz. Ein Sturm hat vor ein paar Tagen gewütet, und die Leute reden noch immer darüber. In der Old Danville Road hat er einen Carport zwei Fuß vom Haus weggerückt und anschließend das Auto aus der Garage geschoben. Danach ist er in die Hall Road gezogen, um einem Hühnerstall Kopfstand zu lehren und hat, zu guter Letzt, einem Hund seine Hütte geklaut. Der Hund ist jetzt obdach-, das Dutzend Hühner leblos. Aber kein Grund zur Sorge. Das mit den Hühnern läuft immer so in Kentucky …

30.06.2017

Trump regt sich auf, weil eine Moderatorin, die er nicht mag, sich während eines Empfangs bei ihm anzubiedern versucht hat, und das, obwohl sie, wie er sagt, nach einem Facelifting noch im Gesicht blutet.

Die Leute regen sich auf, weil Trump in aller Öffentlichkeit so über die Moderatorin spricht und sie obendrein noch eine Verrückte mit einem niedrigen IQ genannt hat.

Gott regt sich auf, weil weder Trump noch die Leute verstehen, dass das Blut nicht die Folge eines chirurgischen, sondern eines demiurgischen Eingriffs war und er einfach mal schauen wollte, wie die Menschen auf göttliche Wundmale reagieren. Aber so wie es aussieht, scheint heutzutage niemand mehr die Sache mit den Stigmata zu verstehen.

Und ich? Ich rege mich nicht, sondern schreibe nur auf, was Trump, die Leute und Gott mir nach ein, zwei, drei Gläsern Wein so alles erzählen.

01.07.2017

Ich hatte heute einen Wunsch: Ich wollte mich wie Donald Trump an einem ganz normalen Samstagnachmittag fühlen. Also hab ich mir die Tasche mit den Golfschlägern umgehangen, mir mein Fahrrad geschnappt und bin in den Park gefahren, um eine Runde zu drehen. Es lief gut, aber am letzten Loch habe ich den Ball böse verzogen, und während er auf Nimmerwiedersehen im Wasser verschwand, ist mir plötzlich etwas klar geworden: Ein guter Spieler macht einen schlechten Schlag und wird demütig. Ein schlechter Spieler macht einen guten Schlag und wird hochmütig. Und da war’s mit meinem Versuch, mich in Trump einzufühlen, vorbei.

02.07.2017

Auf Donald Trump ist Verlass: Wer ihn bedingungslos unterstützt, den lobt er in den höchsten Tönen. So z. B. gestern Abend bei einer Rede in New York den Baptistenprediger Robert Jeffress. Der hatte im Wahlkampf erklärt, wer als Christ sein Kreuz nicht bei Trump mache, sei ein Idiot. Außerdem, so der bekannte TV-Prediger, habe Gott nichts gegen Grenzmauern, er habe nur etwas gegen Schwule, Juden, Katholiken, Moslems und Mormonen (wenn auch nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge). Was Trump betrifft, so ist sich Pastor Jeffress jedenfalls sicher, dass Gott ihn gesandt hat, das sei ihm nach einem gemeinsamen Cheeseburger-Essen bei Wendy’s klar geworden.

Und siehe da, auch mir wird plötzlich etwas klar, denn ich verstehe endlich, was der wahre Unterschied zwischen Alter und Neuer Welt ist: In Europa beten sie in prunkvollen Kirchen die Knochen von Heiligen an, in Amerika dagegen lassen sie sich in einer schmierigen Burger-Brat-Bude von 220 Gramm Rindfleisch erleuchten.

03.07.2017

Opioide überschwemmen die USA. Es ist ein Klimawandel in den Blutbahnen. Die Zahl der Toten steigt wie der Meeresspiegel im Zeitraffer. Gegen Fentanylkonsum ist Heroin zu nehmen wie einen Schluck Mineralwasser zu trinken. Aber die Millionen von Abhängigen interessiert das nicht. Sie fressen es, weil es ihre Sorgen auffrisst. Opioeat.

04.07.2017

Unabhängigkeitstag? Von wegen! Knapp 52 % der Amerikaner sind in irgendeiner Form auf staatliche Unterstützung angewiesen. Donald Trump gehört nicht dazu. Er bekommt seine Hilfe von der Deutschen Bank. Bei der steht er mit 130 Millionen Dollar in der Kreide. Aber was macht’s?! Trump ist too big to fail. Er ist die Systemrelevanz in Person. Er ist – mit einem Wort – der Abhängigkeitstage-Erzeuger.

05.07.2017

Die wenigsten werden es wissen, aber dass Donald Trump bei den Republikanern ist, liegt im Grunde nur daran, dass die Partei, die ihm am nächsten gestanden hätte, nicht mehr existiert, da sie sich bereits 1860 aufgelöst hat. Ihre Inhalte aber hätten perfekt gepasst, denn die Partei sprach sich gegen Einwanderung aus, lehnte fachliche Expertisen ab und argumentierte streng populistisch. Außerdem redeten ihre Mitglieder mit Vorliebe von Wahlbetrug, hassten das politische Establishment und waren Anhänger diverser Verschwörungstheorien. Das Beste aber war der Name der Partei. Er war wie geschaffen für Donald Trump. Er lautete: The Know-Nothing-Party.

06.07.2017

Anlässlich seiner Reise nach Deutschland und Polen verfasste Präsident Trump eine Grußadresse an die Alte Welt. Wir geben sie hier im vollständigen Wortlaut wieder:

»E, Uropa!«

07.07.2017

Am 11. Oktober 1986 trafen sich Reagan und Gorbatschow in Reykjavík, um über Abrüstung zu sprechen. Es gab kein Staatsbankett, keine Hymnen, keinen roten Teppich, keinen riesigen Tross überzüchteter Gehirne. Nur ein einfaches Holzhaus am Rande der Stadt, in dem man sich traf. Für ein paar hunderttausend Dollar an Kosten gab es zwar keine Einigung, aber einen Anfang.

Heute, wenn Trump und Putin sich in Hamburg treffen, auf einer extra für sie errichteten Insel inmitten der Stadt, gibt es für hunderte von Millionen noch nicht einmal den.

08.07.2017

Transkription eines Gesprächs zwischen Donald Trump und Wladimir Putin am Rande des G-20-Gipfels heute in Hamburg:

[…]

Trump: Jetzt mal ehrlich, Wladimir, habt ihr unsere Wahl gehackt?

Putin: Nein!

Trump: Verdammt, ich hab letztens gesagt, ihr wart’s.

Putin: Dann sag einfach, wir waren’s doch nicht.

Trump: Aber dann widerspreche ich mir.

Putin: Das ist nicht schlimm. Wir beide sind schließlich Meister in Doppeldenk und Neusprech, nicht wahr? Du musst nur noch lernen, das in die richtigen Worte zu packen. Zum Beispiel in die eines Gedichts.

Trump: Warum ein Gedicht?

Putin: Weil niemand Gedichten misstraut. Zitiere ein Gedicht und man hält dich für einen guten und friedfertigen Menschen.

Trump: Aber ich kenne keine Gedichte. Und ich bin auch kein …

Putin: Ich weiß, ich auch nicht. Aber ein Gedicht habe ich trotzdem gelernt. Sogar auswendig. Es ist von einem Amerikaner.

Trump: Ein Amerikaner? Sehr gut, schieß los!

Putin: Also gut, sprich mir nach: »Widerspreche ich mir?«

Trump: »Widerspreche ich mir?«

Putin: »Wohlan, ich widerspreche mir.«

Trump: »Wohlan, ich widerspreche mir.«

Putin: »Das ist ein Zeichen von Größe, ich vereine vieles in mir.«

Trump: »Das ist ein Zeichen von Größe, ich vereine vieles in mir. Ich bin der Präsident der Vereinigten Staaten.«

Putin: Ich hätte es nicht besser sagen können …

(Und beide ab.)

09.07.2017

Manchmal, wenn mir die Welt im Allgemeinen und Trumps Politik im Besonderen vollkommen irre vorkommt und alles und jeder durchzudrehen scheint, lese ich Landwirtschaftsnachrichten aus dem Mittleren Westen. Da sind die Katastrophen erdiger, und wenn ich die Diskussionen der Bauern in den einschlägigen Foren verfolge, habe ich das Gefühl, dass das Böse besiegt werden kann. Gerade wird über den Japankäfer debattiert, eine Art biologischer Kamikaze-Bomber mit grünem Kopf und kupferfarbenem Körper, der am liebsten das grüne Gewebe zwischen den Blattadern wegmampft, und zwar derart komplett, das selbst der hartgesottenste Bauer von Skelettierfraß spricht. Aber damit soll’s jetzt vorbei sein. Ab sofort wird dem Käfer mit Seifenwasser zu Leibe gerückt. Das Landwirtschaftsministerium von North Dakota ist informiert. Amerika befindet sich im saubersten Kampf seiner Geschichte.

10.07.2017

Donald Trumps Top-Fundraiser heißt Mr. Obst. Er sorgt dafür, dass den Leuten Millionen an Dollars aus den Taschen fallen. Er braucht sie dann nur noch einzusammeln. Wie reife Früchte vom Baum der Erkenntnis. Der in diesem Fall ein Baum des Bekenntnisses ist. Wer spendet, bekennt sich zu Donald Trump. Und zu Vizepräsident Mike Pence. Ebenjenem Mike Pence, der ebenfalls fleißig am Geldsammeln ist und in privaten Fundraising-Dinners in seinem Amtssitz regelmäßig Hedgefonds-Manager, Chefs ultrakonservativer Think-Tanks, die Vorstände von Dow Chemical oder den Öl-Multi Charles Koch einlädt, damit sie ungestört speisen und spenden und sprechen …

11.07.2017

In New Jersey hat der dicke Gouverneur, den kaum einer mag, letzte Woche alle öffentlichen Strände sperren lassen, weil man sich in seinem Bundesstaat nicht auf einen Haushalt einigen konnte. Dann hat sich der dicke Gouverneur mit seiner Familie an einen der geschlossenen Strände gelegt und gesagt, er dürfe das. Daraufhin mochten ihn noch weniger Leute. Einige haben ihm das gestern bei einer Anruf-Show im Radio zu verstehen gegeben. Der dicke Gouverneur aber hat gesagt, dass er ihre Kritik nicht verstehe und die Anrufer als Kommunisten bezeichnet.

Wenn er so weiter macht, fangen die Leute in Amerika noch an, die Kommunisten zu mögen.

12.07.2017

US-Landwirtschaftsminister Sonny Perdue hat ein zweites Amt. Seine Heimatkirche in Warner Robins, Georgia, hat ihn zum Missionar für Washington ernannt. Zu Recht, denn Perdue ist ein wirklich gläubiger Mann. Als er noch Gouverneur von Georgia war, hat er während einer langen Trockenperiode vor seinem Amtssitz ein »Prayer for Rain« abgehalten. Geregnet hat es danach zwar nicht, aber das ist auch ganz gut, denn Sonny Perdues Aufgabe ist es, den Sumpf in Washington trockenzulegen. Für morgen sind allerdings Schauer angekündigt und für Freitag Regen. Im Umkreis von Trump, so scheint’s, führt der Weg zur Moral durch den Morast.

13.07.2017

In Paris (Arkansas) trafen sich die Gemeindevertreter, besprachen politisches Klein-Klein und tauschten sich über die Finanzlage aus. Ergebnis: Die Stadt, so der Bürgermeister, sei »in good shape«.

In Paris (Frankreich) trafen sich Trump und Macron, besprachen politisches Groß-Groß und tauschten sich über ihre Frauen aus. Ergebnis: Macrons Frau, so Trump, sei »in good shape«.

Tja, das nenn ich mal ein echtes »pari«.

14.07.2017

Holy Shit! Notverordnung in Nevada! Weil die Nachfrage nach dem kürzlich per Gesetz legalisierten Marihuana so groß und die Zahl der Vertriebslizenzen so klein ist, wurden durch ein sogenanntes »Statement of Emergency« des Gouverneurs kurzerhand neue Lizenzen ausgestellt.

Für den Gouverneur ist es ein simpler Verwaltungsakt, für die Potheads dagegen ein himmlisches Ereignis, die Verwirklichung ihrer heiligen Trinitätslehre: Gesetzeserweiterung – Lizenzerweiterung – Bewusstseinserweiterung.

15.07.2017

Trump hatte im Mai mehr Geld fürs Militär verlangt und ein Jahresbudget von 668 Milliarden Dollar gefordert. Dem Repräsentantenhaus war das allerdings noch immer zu wenig. Also hat es ihm gestern 696 Milliarden gegeben. Sogar ein Großteil der Demokraten hat dafür gestimmt.

Und das Geld wird auch wirklich benötigt, denn in der entsprechenden Beschlussfassung wird der Klimawandel als nationales Sicherheitsrisiko bezeichnet. Mit anderen Worten: Wenn die einen viel Kohle verfeuern, dürfen die anderen noch mehr Kohle verfeuern. Ein echt kohlegiales Miteinander. Nur ist das Ergebnis leider ein – Kohllateralschaden.

16.07.2017

Die Welt will ins Gleichgewicht gebracht werden, und wenn einer eine Rolle rückwärts macht, muss ein anderer eine vorwärts tun … Nachdem gestern viele Demokraten dafür gesorgt haben, dass das Pentagon den Anstieg des Meeresspiegels künftig in Dollarscheinen abbilden kann, hatte heute ein Reporter von Trumps Haus-und-Hof-Sender Fox News einen lichten Moment. »Warum folgt Lüge auf Lüge auf Lüge?«, hat Shepard Smith mit Blick auf Donald Trump, dessen Sohn und Russland gefragt. Die Antwort lieferte ihm eine Sentenz aus Walter Scotts Marmion. Darin heißt es: »Oh, welch verworren Netz wir weben, wenn wir nach Trug und Täuschung streben …«

17.07.2017

Das Weiße Haus wird eine »Made in America«-Woche veranstalten. Ich empfehle Ivanka Trumps Klamotten, Taschen und Schuhe. Die werden zwar in Vietnam, Indonesien, China, Indien, Bangladesch und Äthiopien hergestellt, aber die Idee für das »Women who work«-Schild, das überall dranhängt, stammt von Ivanka, genau wie der Slogan, der draufsteht. Er lautet: »Handle zielstrebig.« Aber vielleicht galt der auch nur der Polizei in Bangladesch, die sehr zielstrebig gehandelt und im Dezember einen Streik von Näherinnen, die ein Ende der Ausbeutung und eine faire Bezahlung forderten, mit Gewalt aufgelöst hat. Anschließend wurden Tausende Frauen von den Fabrikbesitzern entlassen.

Viele Firmen haben dagegen protestiert, Ivankas Firma nicht. Ivanka hat schließlich andere Sorgen. Sie muss ihr Image als Kämpferin für Frauenrechte pflegen. Außerdem arbeitet sie Vollzeit im Weißen Haus. Eine Themenwoche steht an. Es ist alles mad in America.

18.07.2017

Heute vor 92 Jahren erschien Hitlers Mein Kampf. Das Buch verkauft sich in den USA seit jeher ganz gut. Wobei auch die US-Regierung Kasse gemacht hat. Als die Vereinigten Staaten dem Deutschen Reich 1941 den Krieg erklärten, gingen nämlich – durch den »Trading with the Enemy Act« sowie einen Präsidialerlass von Präsident Roosevelt – die Rechte an der amerikanischen Übersetzung des Werkes vom Verlag Houghton Mifflin an die USA über. Zudem wurde der Verlag gezwungen, die 30.000 Dollar, die er bis dahin mit dem Buch verdient hatte, an eine Bundesbehörde zu überweisen. Und die Einnahmen sprudelten weiter: Allein bis Kriegsende verdiente die US-Regierung nochmal mehr als 20.000 Dollar mit Hitlers Werk. (Da Houghton Mifflin als Produzent des Buches fungierte, fielen freilich auch für den Verlag weiterhin ein paar Dollar ab, ebenso für die Literaturagentur Curtis Brown Ltd., die den Deal zwischen den deutschen und amerikanischen Verlegern eingefädelt hatte und im Laufe der Jahre Tausende Dollar dadurch verdiente.)

Als Houghton Mifflin die Rechte an der Übersetzung des Buches 1979 von der US-Regierung zurückerwarb, waren durch Hitlers Buch insgesamt über 130.000 Dollar in die Staatskasse geflossen, wobei das Geld direkt in einen sogenannten »War Claim Fund« eingezahlt worden war, aus dem ehemalige amerikanische Kriegsgefangene Unterstützung erhielten. Damit war es ab 1979 vorbei, denn von da an flossen die Gewinne wieder in die verlagseigenen Taschen. Bis ins Jahr 2000 kamen dadurch schätzungsweise 500.000 Dollar zusammen. Zumindest war das die Größenordnung, die am 16. Oktober 2000 in einem Artikel des U.S. News & World Report genannt wurde. Titel des Beitrags: »Money from a Madman: Houghton Mifflin’s ›Mein Kampf‹ Profits.«

Der Verlag sah sich infolge des öffentlichen Drucks gezwungen, auf die Einnahmen zu verzichten und die bisherigen ebenso wie alle künftigen Gewinne zu spenden. Das geschah lange Zeit anonym, aus Angst, die Empfänger könnten es ablehnen, wenn sie von der Herkunft des Geldes erfahren. Aber das hat sich geändert. Seit letztem Jahr geht das Geld, wie der Verlag mitgeteilt hat, an den in Boston ansässigen »Jewish Family and Children’s Service«, der sich um Überlebende des Holocaust kümmert. Und es kommt immer noch einiges zusammen. Allein 2016 wurden über 15.000 Exemplare von Hitlers Mein Kampf in den USA verkauft. Donald Trump gehört allerdings nicht zu den Lesern. Er bevorzugt, wie man aus einem Interview weiß, The Speeches of Adolf Hitler.

19.07.2017

»Obamacare ist gefallen. Ein alter Mann ohne Lippen hat ihm den Garaus gemacht. Krankheit und Tod unzähliger Menschen werden Mitch McConnell in den Rang eines Unsterblichen heben.«

Diese Zeilen hatte ich vor zwei Tagen geschrieben, in der Erwartung, dass die Republikaner im US-Senat ihren Gesetzentwurf zur Gesundheitsreform durchkriegen. Aber sie haben es nicht geschafft – und dennoch bleiben diese Zeilen bestehen. Als Zeichen dafür, dass es die Aufgabe jeder Geschichtsschreibung ist, die Alternativen mitzuerzählen, in dem Wissen, dass alle historischen Tatsachen immer nur das Produkt einer Sammlung von Möglichkeiten sind, von denen einige zum Fakt geronnen sind und viele andere nicht.

20.07.2017

Ein halbes Jahr führe ich nun schon dieses Tagebuch, und mit jedem Eintrag, den ich schreibe, wächst die Hilflosigkeit. Mit der Hilflosigkeit aber wächst dieses Tagebuch. Ich drehe mich im Kreis. Ich umkreise eine Präsidentschaft. Ich bin ein Hilfloser, der Bericht von einem anderen Hilflosen gibt. Nur dass er es im Gegensatz zu mir nicht bemerkt.

21.07.2017

Aus den Tiefen der Geschichte an die Oberflächen der Republikanischen Partei: Die John Birch Society ist wieder da! Über 100.000 Mitglieder waren es mal, damals in den 1950er- und 60er-Jahren. Und sie hatten eine Mission: Sie wollten die kommunistische Unterwanderung der USA beenden. Aber die Kommunisten sind nie gekommen – und die John Bircher irgendwann gegangen. Einer nach dem anderen, bis sie fast alle weg waren. Aber jetzt sind sie zurück. Die meisten von ihnen sind weiße Männer. Sie haben sich durch gemeinsames Anschauen von Trumps Reden vermehrt und fordern jetzt voller Inbrunst, dass außer Trump und ihnen alles und jeder verschwindet. Als da wären: die UNO, das Bildungsministerium, das Energieministerium, Einschränkungen im Waffenbesitz, der Großteil des Regierungsapparats … Sogar die Aufarbeitung des russischen Einflusses auf die Präsidentschaftswahl wollen sie stoppen. Dabei konnten die John Bircher früher nicht genug Russen finden. Laut Bob Dylans »John Birch Society Blues« haben sie sogar in ihren Kloschüsseln nach Roten gesucht. Dabei war dort alles braun. John-Birch-Society-Braun.

22.07.2017

… und Trumpelstilzchen nahm sein goldenes Haar und spann es zu Stroh. Dann stand er auf und rief die Leute, die seinem Märchen bisher nur aus der Ferne beigewohnt hatten, zu sich.

»Seht her«, sagte er. Dann zog er seine Hose runter und kackte in das frisch gesponnene Stroh.

»Das habt ihr davon, dass ihr mich gewählt habt.«

»Was für ein Mist!«, riefen die Leute und fingen an, darin nach Gold zu suchen.

23.07.2017

Vor drei Tagen hat Sean Spicer erklärt, Ende August sein Amt als Pressesprecher von Präsident Trump aufzugeben – und schon fangen die Ersten an, aus dem gemeinen Lügner eine liebenswürdige Kultfigur zu machen. Die Verklärung hat also begonnen, während im Briefing Room des Weißen Hauses die Gegenaufklärung ungehindert weiterläuft. Schenkelklopfende Erinnerungen im Videoformat. Schnittige Rückblicke in die Abgründe des Unwissens, der Ignoranz und der alternativ-alternierenden Fakten. Die Ironie sagt Hallo zu sich selbst, während der Zynismus vom Ich auf die anderen schielt, in der Hoffnung, noch ein paar weitere Köpfe zu kontaminieren. Und so geht’s dahin. Geschichte wird nicht mehr gemacht, sie wird nur noch geskriptet, geschrieben, immer dann, wenn das Gelächter das Grausen ersetzt.

24.07.2017

Gesetze vom rechten Rand der Paragrafenwüste. In Florida konnten bis vor wenigen Monaten Ärzte dafür verklagt werden, wenn sie mit ihren Patienten über die Gefahren von Schusswaffen sprachen. Gouverneur Rick Scott und seine Republikaner hatten auf Druck der Waffenlobby im Jahr 2011 extra ein Gesetz dafür erlassen. Im Februar 2017 war es damit vorbei, und jetzt zahlt der Staat Florida das Millionen-Honorar der Anwälte, die das Gesetz vor Gericht zu Fall gebracht haben.

Es ist die perfekte $ymbiose, ein Miteinander voller §ynergie-Effekte. Waffen und Gerichte bilden in den USA eine Lebensgemeinschaft, die vom Tod nicht geschieden, sondern von ihm geschmiedet wird. Den Blutzoll dafür aber zahlen die Leute, und die Ärzte versorgen sie dann. Mit Wundkompressen. Und jetzt auch wieder mit Worten. Welch Fortschritt!

25.07.2017

Laut der heute veröffentlichten Studie »Clinicopathological Evaluation of Chronic Traumatic Encephalopathy in Players of American Football« wiesen 110 von 111 American-Football-Spielern, deren Gehirne nach ihrem Tod untersucht wurden, Anzeichen einer bestimmten Form von Demenz auf, die häufig mit schweren Persönlichkeitsstörungen einhergeht. Diese oft als »Boxerwahnsinn« bezeichnete Erkrankung entsteht, wenn man über eine längere Zeit hinweg viele Stöße vor den Kopf bekommt. Was aber, so frage ich mich, passiert, wenn man über eine längere Zeit hinweg andere vor den Kopf stößt, mit Twitter-Nachrichten, Dekreten und Reden? Eine Antwort darauf habe ich nicht. Aber falls es irgendjemand schafft, Donald Trumps Gehirn nach dessen Tod zu untersuchen, wird er, entgegen allen Erwartung, vielleicht gar keine Demenz finden und auch keine Persönlichkeitsstörung, sondern die Erinnerungen eines Einzelnen, die ihren Ursprung im kollektiven Wahnsinn einer Nation hatten, in der Millionen Gehirne – unmerklich und über lange Zeit – in eine linke und eine rechte Hälfte zerfallen waren.

26.07.2017

Donald Trump hat heute entschieden, dass offen als Transgender lebende Personen nicht mehr beim US-Militär Dienst leisten dürfen. Das riecht verdächtig nach der übl(ich)en rechtskonservativen Sicht auf die Welt, in Wahrheit verbirgt sich aber viel mehr dahinter. Denn jetzt wird endlich klar, was Trump am 14. Juni 2016 gemeint hat, als er auf Twitter den Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern dankte und ihnen zurief: »I will fight for you!«

27.07.2017

Im Grunde ist Tagebuchschreiben Meinungsmache für mich selbst.

28.07.2017

Nur für die Akten: Anthony Scaramucci ist neuer Konfrontations- … Entschuldigung, ich meine neuer Kommunikationsdirektor im Weißen Haus.

29.07.2017

Foxconn, Produzent von Elektronik und hohen Selbstmordraten unter seinen Angestellten in China, will in den USA investieren und in Wisconsin eine neue Fabrik für LCD-Bildschirme errichten.

Bei Donald Trump herrscht Jubel: 10 Milliarden Dollar Investitionen, Tausende neue Jobs.

Bei den Steuerzahlern in Wisconsin herrscht dagegen Trubel: 3 Milliarden Dollar Subventionen, 17.000 Dollar staatliche Unterstützung pro Arbeitsplatz und Jahr, das Siebenfache der üblichen Zuschüsse. Aber das ist die Dialektik des Deals: Flache Bildschirme, dicke Subventionen – und eine hohe Selbstverwirklichungsrate für Donald Lump.

30.07.2017

In Donald Trumps marktradikaler Sicht auf die Welt besteht die beste Regierung darin, keine Regierung zu haben. Da das nicht durchsetzbar ist (und er dann außerdem arbeitslos wäre), hat er sich für die zweitbeste Variante entschieden, die besagt, dass nur eine schlechte Regierung eine gute Regierung ist. So gesehen hat Donald Trump das Versprechen seiner eigenen Ideologie vollauf erfüllt.

31.07.2017

Donald Trump ist der beste Beweis dafür, dass intellektuelle Schmalhänse oft die größten Dickköpfe haben.

01.08.2017

Anthony Scaramucci hat seine Arbeit als Konfrontationsdirektor des Weißen Hauses so gut gemacht, dass er bereits gestern nach einem Zusammenprall mit dem neuen Stabschef John Kelly erfolgreich entlassen werden konnte. Der gesamte Vorgang wird unter K wie Kellysion zu den Akten gelegt.

02.08.2017

Das Dorf Lebanon ist der geografische Mittelpunkt der Vereinigten Staaten, das Zentrum des Sturms, der Ort, an dem nichts passiert. Keine News, keine lokalen Ereignisse, noch nicht mal Polizeinachrichten finden sich an diesem zweiten August. Der einzige Lebanese, der etwas zu vermelden hat, ist ein Kerl, der sich »Krönender Deal« nennt und seit Tagen versucht, bei eBay eine Million irakischer Dinars für 900 Dollar an den Mann zu bringen. Aber niemand will seine Dinars haben, und seine Angebotsgebühr bei eBay muss er in Dollar bezahlen.

»Hard times forces sale«, hat er unter seine Anzeige geschrieben, und so wie es aussieht, ist eine Besserung nicht in Sicht. Aber wie auch? Der Irak ist für den einfachen Amerikaner schon seit Jahren ein Zuschussgeschäft.

03.08.2017

Tagebucheinträge sind Nachschriften einer vorangehenden Zeit. Sie verhalten sich zur Chronologie wie Puzzleteile zu einem Bild.

04.08.2017

West Virginias Gouverneur Jim Justice wechselt die Partei. Er geht von den Demokraten zu den Republikanern.

Die Demokraten wechseln ihren Parteislogan. Der neue lautet: »The Better Deal«.

Trump wechselt den Botschafter. Der für Belgien vorgesehen war, soll jetzt nach Frankreich gehen.

Und ich? Ich weiß nicht, ob Amerika im Wechselfieber oder in den Wechseljahren ist. Aber ich bin mir sicher, dass diese Wechselspiele nichts ändern werden, weil sich alles wieder verwächst.

05.08.2017

Früher hatte ich Melania, die sich für mich in aller Öffentlichkeit auszog, und in Russland hatte ich die weltschönsten Frauen, die mir ihre Körper auf dem Laufsteg darboten. Jetzt habe ich nur noch die Kombination aus beidem: Einen Russen namens Wladimir, der sich mir halbnackt beim Angeln präsentiert. Das Schlimmste aber ist, dass ich besser als jeder andere weiß, was die Botschaft dieser Bilder aus Sibirien ist, denn der tolle Hecht an Putins Haken – das bin ich.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

06.08.2017

Instant Karma, Drive-in-Jesus. In Daytona Beach/Florida gibt es Gottesdienste, bei denen man im Wagen bleiben kann. Eine Art Autokino mit transzendentaler Leinwand. Einfach auf die Wiese fahren, Parkplatz suchen, fertig. Der Geistliche predigt auf 88,5 Megahertz. Es gibt Oblaten so groß wie Kinderfingernägel. Und Wein, schlückchenweise eingeschweißt in Plastikbecher. Wenn’s vorbei ist, fährt der Kirchendiener per Golfcart mit dem Klingelbeutel von Fahrertür zu Fahrertür. Er ist, wie alle Bediensteten hier, vorher vom FBI durchgecheckt worden. Die Gemeinde verfügt über einen sicheren Glauben – und über einen Vertrag mit der Fast-Food-Kette Krispy Kreme, die denjenigen, die hinterm Lenkrad sitzen und um Erlösung bitten, göttlich leckere Donuts liefert.

07.08.2017

Trump im Urlaub, Renovierungsarbeiten im Weißen Haus. Der Westflügel ist für die nächsten zwei Wochen Sitz der Handwerker-Regierung. Klimatechnik, Heizung- und Sanitärarbeiten erledigt Calvary Mechanical, die Malerarbeiten übernimmt Cypress Painting, und die neuen Teppiche verlegt Microbase. Die Aufträge wurden noch von der Obama-Regierung vergeben. Alle Firmen gehörten bei Vertragsabschluss in die Kategorie 8(a), worunter jene kleinen Unternehmen fallen, die bevorzugt öffentliche Aufträge bekommen, da sie auf dem freien Markt benachteiligt sind, von ethnischen Minderheiten betrieben werden oder sonstige soziale und ökonomische Einschränkungen erfahren. Anders gesagt: Sie sind der Gegenentwurf zu demjenigen, dem sie gerade das Häuschen herrichten. Empower statt Empire.

08.08.2017

Scheitern als Erfolg … Wer in den USA Saisonarbeiter aus dem Ausland einstellen will, muss zwei Anzeigen in der Zeitung aufgeben, anschließend 14 Tage warten und dann nachweisen, dass er keine Amerikaner für den Job gefunden hat.

Trumps Golf- und Luxus-Club Mar-a-Lago in Palm Beach ist geübt im Keine-Amerikaner-Finden. Also hat er auch in diesem Jahr wieder unscheinbare Anzeigen mit viel Text aufgegeben und weder eine Internet- noch eine E-Mail-Adresse für Bewerber darunter geschrieben. Wer einen der schlecht bezahlten Jobs haben wollte, musste ein Fax schicken, an eine Nummer, hinter der sich ein Anrufbeantworter verbarg, der in einer Endlosschleife »Sorry«, »Danke für den Anruf« und »Goodbye« sagte. Damit aber nicht noch jemand persönlich vorbeikommt und sich bewirbt, hat sich der Club entschieden, diese Woche lieber nicht an der lokalen Jobmesse teilzunehmen, bei der sich amerikanische Arbeitssuchende den Clubs und Hotels in Palm Beach vorstellen können.

»Niemand gefunden«, wird die Personalabteilung von Mar-a-Lago dem Arbeitsministerium demnächst mitteilen, die eigene Null gegen 70 fremde Saisonkräfte eintauschen, die weder im Land bleiben noch Trinkgeld annehmen dürfen, und sich dabei in bester Gesellschaft wissen. Schließlich hat die Trump-Regierung vor zwei Wochen 15.000 zusätzliche Visa für Saisonarbeiter aus dem Ausland bewilligt …

09.08.2017

Ein Tagebuch zu führen heißt, schreibend zu denken.

10.08.2017

Donald Trump kann die Zukunft vorhersagen. Vor vier Jahren, am 31. August 2013, twitterte er: »Seid vorbereitet. Es besteht eine – wenn auch nur kleine – Gefahr, dass unsere abscheulichen Anführer uns unwissentlich in einen dritten Weltkrieg führen.«

Jetzt ist Trump selbst an der Macht und die Chance auf einen neuerlichen Weltbrand zumindest nicht kleiner geworden, auch wenn ich nicht so recht daran glaube (vielleicht auch nicht glauben mag), dass die Gefahr eines dritten Weltkriegs wirklich real ist. Aber wie dem auch sei, die Moral der Trumpschen Twitter-Geschicht’ ist sowieso eine andere. Sie lautet: Schwarzmaler versuchen sich am liebsten als Hellseher.

11.08.2017

Trump droht dem Mars mit Krieg. Er hat gehört, das sei ein roter Planet.

12.08.2017

Manche leben auf großem Fuß.

Viele nehmen den Mittelweg.

Ich folge Trumpelpfaden.

13.08.2017

Erst ruft Donald Trump seine Geister, und dann wundert er sich, dass sie tatsächlich erscheinen. In Charlottesville sind gestern rechtsradikale Gruppen und Paramilitärs unter dem Motto »Unite the Right« durch die Stadt marschiert, haben »Heil Trump« gerufen und ihren Glauben an eine weiße Vorherrschaft mit rassistischen Parolen und Hakenkreuzflaggen offen zur Schau gestellt. Grund für die Demonstration war der Beschluss des Stadtrates, eine Statue des Südstaaten-Generals Robert E. Lee entfernen zu lassen. Es war einer der größten rechtsextremen Aufmärsche seit Jahren in den USA – und er endete fatal. Ein Protestteilnehmer ist mit seinem Auto in eine Gruppe Gegendemonstranten gefahren und hat dabei eine Frau tödlich verletzt. Aber selbst das hat nicht gereicht, damit Trump die Angriffe und das Auftreten der Rechtsextremen verurteilt. Stattdessen hat er erklärt, die Gewalt komme »von vielen, vielen Seiten«. Von Süden kommt sie in seinen Augen aber gewiss nicht. Nicht nur weil Trump die Konföderierten verehrt, sondern weil er ein paar Kilometer südlich von Charlottesville ein eigenes Weingut besitzt. Der Weiße, so heißt es, soll besonders gut sein.

14.08.2017

Trump und Pence ergänzen sich perfekt. Der eine gibt die Dreckschleuder, und der andere mimt den Saubermann. Zusammen stecken sie das Feld des Sag- und Machbaren ab, sodass sich vom moderaten Republikaner bis zum Rechtsextremen und vom erzkonservativen Christen bis zum esoterischen Neopaganen jeder darin wiederfinden kann. Es ist das Schlachtfeld einer zwischen Furor und Fundamentalismus hin und her pendelnden amerikanischen Tragödie.

15.08.2017

Mitarbeiter der amerikanischen Naturschutzbehörde sind von Regierungsbeamten aufgefordert worden, ihre Wortwahl zu ändern. Statt »Klimawandel« müssen sie jetzt »Wetterextreme« sagen, und aus der Forderung nach einer »Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen« soll der Wunsch nach einem »Aufbau von organischen Bodensubstanzen und einer Effizienzsteigerung beim Nährstoffverbrauch« werden. Mit anderen Worten: In den USA heißt »Behördendeutsch« ab sofort »Neusprech«.

16.08.2017

Das war’s mit der weißen Weste: In Texas wurde jetzt nach jahrelangen Prozessen das letzte von insgesamt 89 Mitgliedern der lokalen Arischen Bruderschaft verurteilt. Wegen Drogendelikten, Gewalttaten und Diebstählen wurden die (barb)arischen Brüder zu insgesamt 1.070 Jahren Haft verdonnert. Schusswaffen wurden bei ihnen natürlich auch gefunden, und zwar genau 88 Stück. Bei 89 Leuten hatte also einer keine besessen. Aber das hat seinen guten Grund: Leute, die eine Methamphetamin mampfende Matschbirne namens Adolf verehren, sind nie bis an die Zähne, sondern immer nur bis an die Zahlensymbolik bewaffnet.

17.08.2017

Donald Trump hat die Absurdität zu seiner Sache gemacht und den Irrwitz zurück an die glänzenden Oberflächen des Tages gehoben. Die zusammenhanglosen Handlungen, die hinter ihm liegen, sind sein eigenes Werk, und es gibt für ihn keinen Grund, nach einer tiefergehenden Verbindung zu suchen. Es genügt ihm zu wissen, dass er es war, der sie ins Leben gesetzt hat. Wir müssen uns Donald Trump als einen glücklichen Menschen vorstellen.

18.08.2017

Scott proved it again! Scott Pruitt, Chef der amerikanischen Umweltschutzbehörde, ist ein konsequenter Mann, der weder Komplikationen noch Kompliziertheiten mag. Also beschneidet er ein Naturschutzgesetz nach dem anderen, feuert Ausschussmitglieder, die der Ansicht sind, dass der Klimawandel menschengemacht sei, nimmt tausende Webseiten mit Emissionsdaten seiner hauseigenen Wissenschaftler vom Netz und lädt anschließend Industrielobbyisten dazu ein, Umwelt-Expertisen für ihn zu erstellen. Treffen mit Umweltschützern meidet er, Interviews gibt er nicht und Auskünfte ebenso wenig. Und dazu hat er auch allen Grund: Er verachtet die kritischen Wissenschaftler, die investigativen Journalisten, die fragenstellenden Bürger. Er verabscheut ihre Kultur der Kritik, der Analyse und Anteilnahme. Und aus dieser Verachtung konstruiert er sich ein Gegenbild: die Natur. Es ist eine Natur, die roh ist und rein. Eine raues, urwüchsiges Etwas, das keiner Studien, Berichte oder Nachfragen bedarf, denn alles in ihr regelt sich selbst. In Scott Pruitts Welt ist die Rechnung deshalb ganz einfach: Wenn der Chef der Umweltschutzbehörde die Behörde abschafft, hat in seinen Augen der Umweltschutz gesiegt.

19.08.2017

Aus der Sicht seiner Anhänger verhält sich Stephen Bannon zum Washingtoner Polit-Establishment wie die Offenbarung des Johannes zur Bibel. Er ist der wahre Prophet der Apokalypse, der einzige Trostbringer in einer durchknechteten Zeit. Sein Abgang aus dem Weißen Haus ist eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Er kann seine Sendschreiben jetzt wieder direkt an seine Gemeinde richten.

20.08.2017

Vielleicht muss das große amerikanische Zeitalter mit einem Unzeitgemäßen enden, vielleicht gehört es einfach zu den Ironien der Geschichte, dass am schleichenden Ende einer Weltmacht namens USA einer ihrer größten Befürworter steht. Vielleicht gibt es einfach keinen, der Dekadenz und Degeneration besser verkörpert als Donald J. Trump.

21.08.2017

Eine aktuelle Studie der Fachzeitschrift Climate Policy schätzt den Mehrausstoß an CO2, der unter anderem aufgrund der kohlefreundlichen Umwelt- und Energiepolitik der Trump-Regierung in den USA bis 2021 zu erwarten ist, auf 12 Milliarden Tonnen. Wie passend, dass es während der heutigen Sonnenfinsternis am längsten in einer Stadt namens Carbondale dunkel sein wird. Die beste Sicht auf das Spektakel hat man dort übrigens von den Rängen des lokalen Football-Stadions. 15.000 Leute gehen rein, das Ticket kostet 25 Dollar pro Person, VIP-Plätze sind für 500 pro Sonnenguckernase zu haben. Es ist ausverkauft. Mit anderen Worten: Die einen machen mit der Sonnenfinsternis Kohle, Donald Trump dagegen macht mit der Kohle eine Sonnenfinsternis.

22.08.2017

Südkorea hat den Einfuhrstopp für amerikanische Hühnerprodukte aufgehoben. Ab sofort werden wieder Geschäfte gemacht. Die erste Lieferung besteht aus Hühnerbrüsten in Militäruniformen. Ihre Eier dürfen sie sogar zollfrei mitbringen, weil die Südkoreaner derzeit nicht genug haben. Kurzfristiger Körnermangel, heißt es in den Kommuniqués. Dem hanebüchenen Gockel in Nordkorea schwillt schon wieder der Kamm.

23.08.2017

Dass sich mit Sex Geld verdienen lässt, ist bekannt. Dass man ohne Sex welches sparen kann, versucht das amerikanische Gesundheitsministerium gerade zu zeigen. Es hat – mit Trumps ausdrücklicher Unterstützung – einem von der Obama-Regierung initiierten Programm zur sexuellen Aufklärung und Vorbeugung von Teenager-Schwangerschaften die Mittel gekürzt, obwohl es nachweislich erfolgreich war. Stattdessen plant man, einen Teil der gesparten 213 Millionen Dollar in Maßnahmen zur Förderung der Enthaltsamkeit zu stecken, die sich bereits in den vergangenen Jahrzehnten als weitgehend nutzlos erwiesen haben. Zusammengefasst heißt das: Dort, wo Trump und Co. auf die Ergebnisse wissenschaftlicher Vernunft bauen könnten, ziehen sie ihre eigene Unvernunft zu Rate. Und dort, wo mit einem gewissen Maß an jugendlicher Unvernunft zu rechnen ist, fordern sie die absolute Herrschaft des Geistes über die Neugier des Körpers.

24.08.2017

Robert E. Lee war ein Südstaatengeneral. Er befehligte in Virginia die dortige Armee während des Bürgerkriegs und gewann zahlreiche Schlachten. In den vergangenen Tagen wurden in den USA einige seiner Statuen infolge der Ereignisse von Charlottesville aus dem öffentlichen Raum entfernt.

Robert Lee ist Sportreporter. Er sollte Anfang September in Virginia von einem Football-Spiel berichten. Vor einigen Tagen wurde er von seinem Sender von dem Spiel abgezogen. Man wolle, so die Begründung, durch die Namensgleichheit keine Verwirrung stiften und den Reporter vor Anfeindungen schützen.

Man sagt, die Schwierigkeit des modernen Menschen bestehe im Aushalten von Differenzen.

In diesem Fall hätte sie im Aushalten einer Homogenität bestanden, die gar keine ist.

Andererseits, vielleicht gehören diese beiden Phänomene zusammen, vielleicht besteht die größte Schwierigkeit für uns alle darin, die Erkenntnis auszuhalten, dass wir nie modern gewesen sind.

25.08.2017

Im Grunde ist Donald Trump ein vollkommen unpolitischer Mensch.

26.08.2017

Donald Trump hat Joe Arpaio begnadigt. Arpaio bezeichnet sich selbst als Amerikas härtesten Sheriff, hat im Wahlkampf Donald Trump unterstützt und zwischendurch immer mal wieder Leute verhaftet, deren Gesicht oder Hautfarbe ihm nicht gefielen. Weil er nicht damit aufgehört hat und auch nicht mit den Gerichten, die gegen ihn ermittelt haben, kooperieren wollte, ist Arpaio Ende Juli zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verdonnert worden, die er im Oktober antreten sollte. Aber so weit ist es gar nicht gekommen, denn Trump hat gestern einen vollständigen und bedingungslosen Straferlass unterschrieben – und damit ist Arpaio raus, bevor er drin ist.

Ein altes Sprichwort sagt, man solle Gnade vor Recht ergehen lassen. Sheriff Arpaio handelte während seiner Amtszeit allerdings nach einem anderen Sprichwort. Es lautete: Knarre vor Recht.

27.08.2017

Donald Trump, Amerikas oberster Lektürekostverächter, macht Werbung für das Buch des afroamerikanischen Sheriffs David A. Clarke, der Afroamerikaner als »ungebildet, faul und moralisch verkommen« bezeichnet, mit der amerikanischen Waffenlobby nach Moskau reist, um die dortigen Waffennarren zu unterstützen, sich sonst aber als Superamerikaner inszeniert, der im Amt Cowboyhut trägt und Trumps Politik der Rückführung illegaler Einwanderer gern mit Polizeigewalt unterstützen würde. Bei Wahlen tritt Clarke übrigens für die Demokraten an. Ein Widerspruch? Ach was, Amerika!

28.08.2017

In den USA arbeiten immer mehr Lehrer als Markenbotschafter, und die dazugehörigen Firmen sponsern die Kurse. Klassenzimmer werden im Starbucks-Style eingerichtet, damit die Kinder wissen, wie man unterm Sternenbanner am besten seine bucks verdient, Amazon verschenkt Gutscheine an Lehrer, die sich in Blogeinträgen positiv zur Firma äußern, und Apple finanziert Angebote zur Lehrerfortbildung, damit in Zukunft noch mehr Kinder und Jugendliche in den sauren Apfel technologisch erzeugter Abhängigkeit beißen. Es ist alles nur noch Rendite und Deal-Macherei, und der Segen kommt von ganz oben. Bildungsministerin Betsy DeVos ist die irdische Prophetin der Privatisierung.

29.08.2017

Präsident Trump im Katastropheneinsatz. Texas. Alles nass. Genau sein Gebiet.

Finanzminister Mnuchin im Steuereinsatz. Taxes. Trockene Materie. Genau sein Gebiet.

30.08.2017

Der Wasserstand im Flutgebiet sinkt, der Stand der rechtlichen Regelungen in Flutgebieten ist schon gesunken. Am 15. August hat Donald Trump ein Dekret erlassen, in dem er die von der Obama-Regierung beschlossenen baulichen Mindeststandards für mit Bundesgeldern geförderte Gebäude und Infrastrukturprojekte in Flutgebieten wieder aufgehoben hat. Der Effekt: Die Baukosten werden leicht sinken, die Wiederaufbaukosten werden stark steigen. Man könnte es aber auch so sagen: Erst wird gebaut, dann kommt die Flut, und wenn sie wieder weg ist, gehen die verbauten Dollars den Bach runter.

31.08.2017

Dieses Tagebuch zu schreiben bedeutet, sich den Kopf jeden Tag mit Nachrichten zuzuschütten, sie durch sämtliche Hirnwindungen trumpeln zu lassen und sich den Schädel anschließend durch die Finger wieder leer zu saugen.

01.09.2017

Weltfriedenstag – und die amerikanische Polizei rüstet sich erneut hoch zur Armee. Nachdem Obama die zunehmende Militarisierung der Dienststellen beendet und die Nutzung von Armeetechnik und schweren Gerätschaften 2015 eingeschränkt hatte, sind jetzt bald wieder Granatwerfer, Tarnuniformen, Panzerfahrzeuge und großkalibrige Waffen erlaubt. Trump hat die neue Gewaltspirale gestern durch ein Dekret in Gang gesetzt. Schneller, höher und weiter wird sie sich drehen. Aber sie wird auch tiefer gehen und eine Doppelhelix bilden, in der sich Gewalt und Gegengewalt gegenseitig bis ins Innerste verschrauben. Es ist die DNA eines Landes im Krieg mit sich selbst.

02.09.2017

Donald Trump Jr. erhält 100.000 Dollar von der University of North Texas für seine Teilnahme an einer »Speaker Series« im Oktober. Die ersten 50.000 Dollar bekommt er für eine 30-minütige Rede, die anderen 50.000 gibt’s für eine halbe Stunde Diskussion mit dem Publikum. Die Publikumsfragen bekommt Trump Jr. allerdings Wochen vorher zugeschickt. Das ist wichtig, sonst kann er sich keine 50.000 Dollar teuren Antworten ausdenken. Es ist zu erwarten, dass einige der ältesten Menschheitsrätsel an diesem Tag ihre definitive Antwort erhalten werden.

03.09.2017

Trump zurück im Flutgebiet. Diesmal läuft’s besser. Statt des überall herum strömenden Wassers stromern diesmal nur ein paar Kinder umher. Sie werden von Trumps Leuten mit leichter Hand gefangen und von Trump artgerecht umarmt. »Trump shows empathy«, titeln daraufhin die Nachrichtenseiten. »Keine Treffer«, titelt das Trump-Twitter-Archiv, nachdem ich »empathy« dort eingegeben habe. Trump hat das Wort in seinen über 35.000 Tweets nicht einmal verwendet.

04.09.2017

Habe gerade einen Blick auf die nationale Schuldenuhr der USA geworfen. Amerika steht tief in den roten Zahlen. 19.897.500.000.000 Dollar, um genau zu sein. Die gesetzlich erlaubte Schuldenobergrenze liegt allerdings bei 19.900.000.000.000. Fehlen also noch zweieinhalb Milliarden bis zum Knall. Seltsamerweise scheint die Doomsday-Clock ähnlich zu ticken. Ihr zufolge sind es noch genau zweieinhalb Minuten bis der Atomkrieg beginnt. Damit auch alles glatt geht wenn’s so weit ist, haben die üblichen Zweieinhalbkäsehochs in Nord- und Südkorea in den vergangenen Tagen mit amerikanischer, russischer und chinesischer Hilfe geübt, wie man sich in zweieinhalb Minuten gegenseitig zweieinhalb Mal vernichten kann.

Sieht aus, als wäre heute der beste Zeitpunkt, mir mal wieder Die nackte Kanone 21/2 anzuschauen. Da wird am Ende nicht der Erde, sondern der Bombe der Stecker gezogen.

05.09.2017

Die Körperschaftsteuer muss sinken! Zahle seit Jahren für Melania und schaffe es trotzdem nicht, dass sie meinen Körper mit ihrem ansteuert. Wenn das so weitergeht, kann ich für meinen Schaft statt Ausfuhr- bald Einfuhrsteuer berechnen. Ungereckt!

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

06.09.2017

Schulen in Colorado, die in der Nähe von offiziellen Marihuana-Verkaufsstellen liegen, bekommen 9,2 Millionen Dollar, um mithilfe eigens dafür eingestellter Sozialarbeiter Jugendliche davon abzuhalten, Marihuana zu konsumieren. Das Geld stammt aus einem ganz besonderen Topf, um nicht zu sagen aus einem großen, grünen Pott. Der Staat Colorado hat es durch Steuern und Abgaben von den offiziellen Marihuana-Verkaufsstellen eingenommen. Ein echtes Joint Venture.

07.09.2017

Die fetten Jahre waren vorbei, jetzt kommen sie wieder. Nachdem die Obama-Regierung festgelegt hatte, dass bestimmte Milchsorten bei der Schulspeisung fettfrei sein müssen, ist jetzt wieder 1 % Fett erlaubt. Dagegen wurde der Vollkornrückerstattungsanteil gesenkt. Er gibt an, ab wie viel % Vollkornanteil in einem Schulessen (z. B. Nudeln) die Bundesstaaten Vergütungen aus Washington bekommen. Bisher waren es 50 %, jetzt gibt’s dagegen schon bei einem geringeren Vollkornanteil Geld aus den Futtertöpfen der Trump-Administration. Der Grund ist einfach: Die meisten Kinder mögen nämlich den Gesundheitsfraß nicht, und es macht sich politisch nicht gut, wenn ein Bundesstaat in finanzielle Schwierigkeiten gerät, nur weil sich irgendwelche Rotzlöffel keine Vollkornnudeln auf die Gabel spießen wollen.

08.09.2017

Die Wahlkommission in Virginia hat wegen Sicherheitslücken und aus Angst vor Hackerangriffen Touchscreen-Abstimmungsgeräte für die Gouverneurswahl im November verboten. Das Problem mit den Maschinen ist seit Jahren bekannt, aber die Republikaner vor Ort hatten die Gelder für neue Abstimmungsgeräte gestrichen. Die Republikaner von Virginia sind die Russen der Vereinigten Staaten.

09.09.2017

Wenn ein Mann wie Donald Trump als Vermittler zwischen zwei verfeindeten Staaten auftreten kann, muss es um die Welt schlecht bestellt sein. Dass die Stimmung zwischen Saudi-Arabien und Katar nach Trumps Vermittlungsversuch noch schlechter ist als zuvor, hat da fast schon etwas Versöhnliches.

10.09.2017

Für den Bau der Mauer, die die USA von Mexiko trennen soll, werden erste Prototypen entwickelt. Eine der von der US-Regierung dazu beauftragten Firmen ist KWR Construction aus Sierra Vista in Arizona. 70 Meilen weiter nördlich, in Tucson/Arizona, befindet sich das Zentrum für Artenvielfalt. Es hat natürlich keinen Auftrag bekommen, aber dafür Klage gegen die US-Regierung eingereicht, weil sich die zuständigen Ministerien weigern, die Auswirkungen des Mauerbaus auf den Naturschutz zu untersuchen. Das Motto des Bundesstaates Arizona lautet übrigens: »Ditat Deus« – »Gott bereichert«. Fragt sich nur, ob damit die Zahl der Jobs in der Baubranche oder die Sache mit der Artenvielfalt gemeint ist.

11.09.2017

Wirbelsturm Irma wütet derzeit mit 200 Kilometern pro Stunde durchs Land, Tendenz sinkend. Die amerikanische Geflügelindustrie ist da mit 140 Hühnern pro Minute schon deutlich schneller unterwegs und die Tendenz ist weiter steigend. Zumindest wenn es nach dem Willen des republikanischen Kongressabgeordneten Doug Collins geht, denn der will die maximal erlaubte Anzahl von 140 Gefügelschlachtungen pro Minute und Fließband auf 175 erhöhen. In Deutschland dürfen die Hühner laut Collins sogar mit bis zu 200 über die Schlachtebahn fahren. Die amerikanischen Gewerkschaften laufen trotzdem Sturm gegen seine Pläne. Allerdings nicht, weil dadurch mehr Tiere sterben, sondern mehr Arbeiter verletzt werden würden. Es drohen Todesfälle auf beiden Seiten. Bisher betraf es nur die Hühner. Die Hühner können aber nichts gegen das Sterben tun, denn sie haben keine offizielle gewerkschaftliche Vertretung. Das einzig Offizielle, was die Hühner haben, ist die durchschnittliche Geschwindigkeit, mit der man ihnen am Fließband die Hälse in Richtung Jenseits dreht. Ihr Totentanz wird genau protokolliert. Er beträgt in den USA momentan 131 bpm, was in diesem Fall »birds per minute« bedeutet.

12.09.2017

Das groß angekündigte und von den Medien hofierte 1.000 Days / 1.000 Songs-Projekt des amerikanischen Schriftstellers Dave Eggers, bei dem täglich ein politischer Song veröffentlicht wird, um gegen die Präsidentschaft Donald Trumps zu protestieren, ist nach nur 172 Liedern eingestellt worden. Seit dem 20. Juli 2017 gibt es keine neuen Lieder mehr. Die Playlist des Protests scheint an ihr Ende gekommen. Genau wie das Projekt Briefe aus Amerika, das von der Schriftstellerin Zoë Beck initiiert worden war und in Deutschland einiges an Aufmerksamkeit erlangt hatte. In dem dazugehörigen Blog sollten Amerikaner und ihre Geschichten vorgestellt und dadurch gezeigt werden, »was sich seit dem 20.1.2017 in den USA verändert hat, worüber die Menschen reden, wovor sie Angst haben, worauf sie hoffen, wofür sie kämpfen.« Nachdem anfangs fast täglich Beiträge veröffentlicht worden waren, nahm die Zahl mit der Zeit immer mehr ab, und inzwischen scheint das Vorhaben gänzlich im Sande verlaufen zu sein. Seit dem 14. Juli ist kein neuer Beitrag mehr auf der Seite erschienen.

Nur ich mache weiter. Vielleicht ist es mein Glück, dass mein Tagebuch nicht groß angekündigt wurde, dass es keine Aufmerksamkeit erlangt hat und wohl auch niemals welche erlangen wird. Weil ich kein bekannter Schriftsteller bin. Weil ich keinerlei Verbindungen zur literarischen Welt habe. Weil ich das hier alles ganz allein mache. Deshalb berichtet auch niemand darüber. Manchmal macht mich das traurig. Manchmal wünschte ich mir, mehr Leute würden meine Einträge lesen. Aber dann wird mir klar, dass ich nur ein einfacher Kerl aus dem Muldental bin, der sich in seinem Kopf in das Amerika Donald Trumps verrannt hat.

13.09.2017

Befunde vom Grunde, Schätze aus den Zahlenmeeren des Deep States: Im Oktober 2016 gaben 27 % aller amerikanischen Bundesbediensteten an, im Falle eines Wahlsieges von Donald Trump eventuell ihren Job kündigen zu wollen. Tatsächlich gekündigt haben zwischen Dezember und März nur 2,2 %. Entlassungen und sonstige Berufswechsel schon mit eingerechnet. Im Finanzministerium waren es sogar nur 1,5 %. Die Fluktuation liegt damit nur unwesentlich höher als beim Amtsantritt von Barack Obama. Was konsequentes politisches Handeln betrifft, scheint mit dem Staat im Staate kein Staat zu machen zu sein. Oder immer der gleiche.

14.09.2017

Donald Trump und die Steuerreform. Plan hat er keinen, aber dafür jeden Tag eine andere Idee, die der vom Vortag widerspricht. Aber was macht’s, konsistente Ansichten kennt er nicht, und für Konsequenzen musste er noch nie aufkommen.

Donald Trump und die Steuerreform. Was rauskommt, weiß keiner zu sagen. Nur eins ist sicher: Es wird eine ’s teuer Reform.

15.09.2017

Der 11-jährige Frank Giaccio hat heute im Rosengarten des Weißen Hauses den Rasen gemäht. Ich erwähne das, weil sich später, wenn die Gelehrten in ihren Aufsätzen und Büchern die großen Linien von Trumps Präsidentschaft nachzeichnen werden, niemand mehr an den kleinen Frank Giaccio erinnern wird, der am 15. September des Jahres 2017 mit einem alten Rasenmäher in den Händen über die Wiese des Rosengartens zog.

16.09.2017

Unter dem arktischen Eis liegt das Öl. Wie viel es ist, weiß niemand zu sagen. Die Trump-Regierung will die Menge jetzt bestimmen lassen. Der Blick in die Tiefe wird den Aktienkurs der Ölmultis nach oben treiben. Das Grün der Dollars duldet keine weißen Flecken auf der Landkarte.

17.09.2017

Me lan i a (Slowenisch) bedeutet: »Mein Mann ist ein Esel.«

18.09.2017

Dieses Tage- ist ein Werkbuch, bei dem der Teufel das Wort und der Schreiber das Protokoll führt. Aber was immer der Teufel auch sagt, wen immer er anbrüllt und wie laut er auch schreit: Es gilt das geschriebene Wort.

19.09.2017

So langsam gehen Trump mit Blick auf Nordkorea die Drohungen aus, die Liste der Schimpfwörter ist an ihr Ende gekommen, die Zerstörungs-szenarien alle lang und breit präsentiert, die Apokalypse in den dunkelsten Farben gezeichnet. Doch nichts ist passiert. Es gibt nur eine Lösung: Eine neue Grammatik muss her. Es ist Zeit für den Schurkerlativ.

20.09.2017

Bei einem Treffen im Rahmen der UN-Vollversammlung hat Trump die anwesenden afrikanischen Regierungschefs beglückwünscht. Wörtlich sagte er: »Afrika hat unglaubliches ökonomisches Potential. Ich habe viele Freunde, die in Ihre Länder gehen, um reich zu werden. Ich gratuliere Ihnen.« Daraufhin standen die Afrikaner auf, vollführten einen Freudentanz und ließen sich mit bunten Glaskugeln beschenken.

21.09.2017

Nomen est omen? Ach was, nihil nomen est omen! Deshalb hier mal die Top Ten derjenigen Begriffe, die Donald Trump in seinen bisherigen 35.000 Tweets nicht ein einziges Mal verwendet hat:

- Treibhausgase (greenhouse gases)

- Vegetarier (vegetarian)

- Sozialkompetenz (soft skill / social competence)

- Literatur (literature)

- Kriegsverbrechen (war crimes)

- Geisteswissenschaften (humanities)

- Fremdsprachen (foreign languages)

- Empathie (empathy)

- Meeresspiegelanstieg (sea-level rise)

- Frauenrechte (women’s rights)

22.09.2017

Nachdem US-Innenminister Ryan Zinke zum Amtsantritt mit dem Pferd zur Arbeit kam, anschließend seinen Mitarbeitern erlaubte, ihre Hunde mit ins Büro zu nehmen, um die Arbeitsmoral zu steigern, hat er sich jetzt etwas Neues einfallen lassen, um Mensch und Tier einander näherzubringen. In der Cafeteria seines Ministeriums hat er das Computerspiel Big Buck Hunter installieren lassen, einen Jagd-Shooter, bei dem es darum geht, um den Globus zu reisen und möglichst viele verschiedene Tiere zu erlegen. Er wolle damit, schreibt der Innenminister, den Beitrag von Jägern zum Artenschutz würdigen.

23.09.2017

Heute vor 142 Jahren wurde Billy the Kid zum ersten Mal verhaftet, weil er einen Korb Wäsche geklaut hatte. Inzwischen sind die Verbrecher schlauer geworden. In den USA stehlen sie nicht mehr die Wäsche, sondern das Waschmittel. Besonders beliebt ist Waschmittel der Marke Tide. Das ist überall zu haben, wird von Leuten mit einer nicht ganz so weißen Weste besonders gern genommen und kostet in der großen Packung 20 Dollar. Wer es schafft, eine solche Packung mitgehen zu lassen, bekommt dafür auf dem Drogenmarkt Gras im Wert von 10 Dollar. Wahlweise gibt’s auch 5 Dollar in bar. So gesehen ist Geldwäsche echt ’ne saubere Sache.

24.09.2017

Joe Biden bringt sich in Stellung. Am 1. Februar hat er an der Penn State den Vorsitz des Biden Center for Diplomacy and Global Engagement übernommen, und nur wenige Tage später hat er an der University of Delaware das Joseph R. Biden Jr. Institute for Public Policy and Administration gegründet. Klingt sperrig, ist aber in Bidens Augen notwendig, um ihm die Tür zum Weißen Haus aufzusperren. Denn da will er rein. Obwohl er kaum raus ist aus der Regierung. Aber die Sache ist langfristig angelegt, sowohl was die Institute, als auch was seinen Weg ins Oval Office betrifft. Die beiden Institute – das eine außenpolitisch ausgerichtet, das andere nach Innen gedreht – haben dabei jeweils eine Doppelfunktion: Einerseits fungieren sie als eine Art Think-Tank, der Biden Ideen und Konzepte für seine – dann sicherlich letzte – Präsidentschaftskandidatur liefert, und andererseits bieten sie ihm eine Plattform, mit der er nach außen treten und seine Positionen publik machen kann. Das hat er auch Anfang der Woche wieder getan, als er auf dem Blog seines Delaware-Instituts einen Text über die Zukunft der Arbeit veröffentlicht hat. Der Inhalt ist nicht sonderlich originell, aber das muss er auch nicht. Der Text soll schließlich keinen Essaypreis gewinnen, sondern eine Aufgabe erfüllen, und die besteht darin, Bidens politische Position deutlich zu machen und sich zugleich abzugrenzen, und zwar von Donald Trump ebenso wie von Bernie Sanders, die er beide als Populisten betrachtet. (Auch wenn Biden das mit Blick auf Sanders natürlich nicht offen sagt.) In seinem Text wendet sich Biden jedenfalls gegen das Grundeinkommen und ein zu wohlfahrtsstaatlich orientiertes Amerika. Biden redet lieber von Chancen und Möglichkeiten als von irgendwelchen Hilfsprogrammen. Ohnehin pflegt Biden einen reichlich traditionellen Arbeitsbegriff, der den Job nicht nur an den Paycheck, sondern auch an die Würde der Arbeit an sich (zurück-)bindet. Arbeit bedeutet für Biden Sinnstiftung und Gemeinschaftsgefühl, Selbstverwirklichung für den Einzelnen und Fortschritt für alle. Irgendwelche ökonomischen Postwachstums-Szenarien sind mit Good Old Joe jedenfalls nicht zu machen. Degrowth ist für ihn ein Zauderwort, das das gute alte Zauberwort namens Wachstum nicht ersetzen kann und auch nicht ersetzen wird. Überhaupt spricht sich Biden dagegen aus, die (amerikanischen) Großunternehmen auf die Anklagebank zu setzen und sie für die Probleme des Landes verantwortlich zu machen – eine nur halb versteckte Kampfansage an Bernie Sanders und seine linken Kumpanen. Aber auch Trump wird von Biden attackiert, wobei er dafür nicht den institutseigenen Blog, sondern die deutlich größere Reichweite der New York Times nutzt, um in einem Meinungsbeitrag die Außenpolitik der Trump-Administration als unvereinbar mit den Werten Amerikas zu beschreiben. Altgediente Verbündete wie Deutschland würden, so Biden, am langen Arm verhungern, während Autokraten wie Putin hofiert würden. Aber auch Trumps wirtschaftspolitischer Blick auf die Welt erscheint in Bidens Augen extrem verengt. Statt Offenheit, so Biden, regiere Abschottung, statt internationaler Verträge der Nationalismus.

Wie gesagt, dass alles ist weder neu noch besonders originell, und die Zeit, die ich mit dem Lesen von Bidens Texten verbracht habe, wäre normalerweise unter der Kategorie »verdaddelt« verbucht worden, wäre mir beim Lesen nicht der Gedanke gekommen, wie es wohl aussehen muss, wenn sich Donald Trump im Oval Office an den Schreibtisch setzt, um einen Text über seine arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen zu verfassen oder einen Meinungsbeitrag für die New York Times zu schreiben. Offen gesagt, sieht das – zumindest in meinem Kopf – ziemlich seltsam aus. Das heißt, es sieht eigentlich gar nicht aus, denn ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Eher kommt Monica Lewinsky nochmal unterm Schreibtisch hervor, als dass sich Trump oben auf der Platte ne Platte macht, wie er seine Politik in Textform sachgerecht erklären kann. Dass sich Trump hinsetzt, nachdenkt und schreibend eine Reihe sinnvoller Sätze aufs präsidiale Papier spult, ist ein Bild, das nur um den Preis einer offenkundig schlechten Satire zu haben ist. Und dass Trump einen seitenlangen Texte in die Tastatur hämmert, ebenso. Andererseits, Trump muss auch keine politischen Programmpapiere verfassen. Das hat er noch nie getan und das wird er auch nicht tun. Und kann es auch nicht. So fest seine Gesinnung auch ist, eine Manifest wird niemals daraus. Wie auch? Trumps Sprache ist die gesprochene, nicht die geschriebene Sprache. Und die genügt ihm. Denn mit der gewinnt er nicht nur Leute, sondern auch die Aufmerksamkeit. Und zwar über die Welt des Politisch-Administrativen hinaus. Das heißt: gerade über diese Welt hinaus. Allein die Tatsache, dass Trump in Dutzenden Hip-Hop-Songs vorkommt (und Biden vermutlich in keinem) bestätigt das. Und das ist nicht erst so, seit Trump Präsident ist. Trump tauche bereits Ende der 1980er-Jahre in Hip-Hop-Songs auf. Er ist Teil der Lyrics, weil er Teil der Welt dieser Leute ist, wobei sich die lyrischen Verweise vor allem auf Trumps Ruhm und seinen Reichtum beziehen. Und das bleibt auch so. Trump protzt sich durch die Jahre, und die Lyrics rühmen’s und reimen’s zurück. Aber das liegt nicht nur daran, dass Trump permanent einen auf dicke Hose macht, sondern auch daran, dass er sich in seinem So-und-nicht-anders-Sein leicht adaptieren lässt. Soll heißen: Trump ist eine Gedankeneinheit, ein fleischgewordenes Sample, das hervorragend in die Songs integriert werden kann, derweil Joes sperrige Texte und seine weitschweifigen Gedanken da einfach nicht reinpassen. Kurzum: Bei Biden hippt und hoppt überhaupt nichts. Wenn er zu Beginn seines Textes über die Zukunft der Arbeit schreibt: »Economic transformations due to rapid advances in technology have created not only significant anxiety but also a legitimate debate about whether there will be sufficient jobs to sustain a vibrant middle class«, dann ist das zwar ein Beispiel für sein politisches Denken, aber kein Sample, das Teil der Popkultur werden kann.

25.09.2017

In South Carolina hat vor einigen Tagen eine Lehrerin ihren Schülern eine Aufgabe gestellt. Sie lautete: »Du bist ein Mitglied des Ku-Klux-Klans. Warum, denkst du, ist dein Umgang mit Afroamerikanern gerechtfertigt?« Was folgte, war die Trias der neueren Erregung: Rassismusverdacht, Shitstorm, Beurlaubung. Als sei der Versuch, etwas zu verstehen, gleichzusetzen mit dem Wunsch, Verständnis dafür zu entwickeln. Dabei ist oft genug das Gegenteil der Fall. Eine Ideologie, ein Zustand, ein Gegner – sie alle lassen sich oft nur dann überwinden, wenn man ihre Logik begreift, auch und gerade, wenn einem beim Versuch, die Gründe für diese Handlungen nachzuvollziehen, speiübel wird. Aber das ist nun mal die Aufgabe, und die gilt es mit kühlem Kopf und heißem Herzen zu lösen. Die direkte Negation ist das Ziel, nicht der Weg.

26.09.2017

Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Alabama zog der republikanische Senatskandidat Roy Moore auf der Bühne eine Pistole aus der Tasche, hielt sie hoch und erklärte, er glaube an das Recht jedes Bürgers, Waffen tragen zu dürfen. Denn, so Moore, nicht die Waffen töten die Menschen, es seien die Menschen selbst, die einander umbringen. Es ist das alte Argument der politischen Rechten (und einiger paramilitärisch verblendeter Linker). Es übersieht, dass Menschen mit Waffen in den Händen oft alles Menschliche verlieren und zu Unmenschen werden.

27.09.2017

»Banned Books Week« in den USA. Trump will mitmachen, findet aber nichts. Irgendwo im Weißen Haus müsste doch noch ein Buch rumliegen, aber wo? Donnie hat keine Ahnung. Er hat Bücher seit jeher aus seinem Leben verbannt. Also muss er sich auch nicht an sie erinnern. Und deshalb eigentlich auch nicht mitmachen. Wenn ihn jemand nach seinem Lieblingsbuch fragt, sagt er sowieso immer: »Die Bibel.« Aber die Bibel wird nicht verboten. Die Bibel führt nur zu Verboten. Die Kirchenleute, die seit Trumps Amtsantritt wieder vermehrt unliebsame Bücher aus öffentlichen Bibliotheken zu verbannen versuchen, berufen sich andauernd auf sie. Wenn das so weitergeht, werden die öffentlichen Bibliotheken in den USA bald so leer sein wie die Bücherregale im Weißen Haus.

28.09.2017

Abrüstung auf Amerikanisch: Die Führung der US-Air Force hat heute mitgeteilt, dass ihre Flugzeuge im Irak und in Syrien momentan mehr Bomben abwerfen und mehr Raketen abfeuern als in den USA nachproduziert werden können. Wer hätte das gedacht? Waffen reduzieren durch Krieg!

29.09.2017

Im August besuchten 40 Millionen Menschen die amerikanischen Nationalparks. Die Nationalparks kamen an ihre Grenzen. Den Umwelt-schützern kamen die Tränen. Den Parkbetreibern kam der Gedanke, dass man sich in Zukunft für den Besuch der Natur anmelden muss. Für die Dixi-Klos im Zion National Park in Utah kam das alles zu spät. Sie kamen nicht mehr hinterher. Deshalb tragen sie jetzt Schilder mit der Aufschrift: »Due to extreme use, these toilets have reached capacity.«

Damit ist alles gesagt und die Erinnerung an den amerikanischen Spätsommer des Jahres 2017 komplett. Erst sind die Küstenstädte vom Wasser, dann die Parks von den Leuten und zum Schluss die Klos von der Scheiße übergelaufen.

30.09.2017

Finanzminister Steven Mnuchin hat den umstrittenen Plan zur Senkung der Körperschaftssteuer auf einer Pressekonferenz verteidigt, schließlich, so sagte er, werde die Körperschaftssteuer zu 70 % von den Arbeitnehmern bezahlt, weshalb diese von einem geringeren Steuersatz am meisten profitieren. Allerdings zeigt eine Studie seines eigenen Ministeriums, dass die Steuer in Wahrheit nur zu 18 % von den Arbeitern bezahlt wird und die Arbeitgeber die eigentlichen Gewinner dieser Steuersenkung wären. Weil aber nicht sein kann, was nicht sein darf, wurde die Studie nach Mnuchins Erklärung von der Webseite des Finanzministeriums entfernt, frei nach dem Motto: 2 Meinungen minus 1 Löschung = 1 Lösung = 0 Probleme.

01.10.2017

Gespräche mit Nordkorea sind reine Zeitverschwendung. Liegt an der Zeitverschiebung. Rocket-Man und seine Leute sind uns immer 14 Stunden voraus. Wissen also immer schon, was ich sagen werde. Selbst Rex, mein gut geölter Schäferhund, ist nicht schnell genug, die einzuholen. Unfair!

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

02.10.2017

Verkehrte Welt. Seit Trumps Machtantritt wollen die meisten republikanischen Kandidaten, die bei irgendeiner Wahl antreten, Teil des Anti-Establishments sein. Dabei gab es vor 50 Jahren schon mal eine amerikanische Gegenkultur, nur dass diese für ökologische, soziale, pazifistische, feministische, sexuell aufgeklärte und religionskritische Werte stand, eine ebensolche Politik forderte und Teil einer internationalen Protestbewegung war.

Die republikanische »Gegenkultur« des Jahres 2017 ist nichts von alledem. Sie ist lediglich die zur Farce gewordene Wiederholung eines Lustspiels, bei dem erst jetzt klar wird, dass es sich beim ersten Mal als Tragödie ereignet hat.

03.10.2017

Das im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verankerte Recht auf Waffenbesitz hat sich in den 226 Jahren seines Bestehens zu einem der todbringendsten Gesetze aller Zeiten entwickelt. Vom Obersten Gerichtshof der USA als Möglichkeit zur Selbstverteidigung und damit zum Schutz des eigenen Lebens interpretiert, ist es in den Niederungen des Faktischen zu einer Aufforderung geworden, anzugreifen und fremdes Lebens zu vernichten. Und so kommt es, dass das vermeintliche Naturrecht auf eine Waffe in Las Vegas, dieser Stadt, die keine Natur kennt und in der das Natürliche nur als Simulation existiert, seine ganze reale Perversion offenbart und mehr als 50 Menschen binnen Minuten durch die Hand eines Schützen eines natürlich-unnatürlichen Todes sterben lässt.

04.10.2017

Die Ränder der us-amerikanischen Gesellschaft liegen in der Mitte des Landes.

05.10.2017

Beim offiziellen Wettbewerb um die längste Hundezunge der Welt hat ein Bernhardiner aus South Dakota den ersten Platz belegt. Beim nicht ganz so offiziellen Wettbewerb um die höchste finanzielle Unterstützung von Waffenlobbyisten hat der Republikaner Paul Ryan aus Wisconsin gesiegt. Der Lohn: Ein Löffel Erdnussbutter für den Besitzer des Lecklappens und 336.597 Dollar für den Wackeldackel der Waffenfreunde.

06.10.2017

Wie erst heute bekannt wurde, drangen während John Kellys Amtszeit als Minister für Innere Sicherheit Unbekannte in das Innere seines Handys ein und sicherten den Inhalt. Wer aber war es? Und warum hat er das getan?

War es ein Backup für Barack?

Ein W-LAN-Angriff von W-LAD-imir?

Oder irgend so’n Update vom Sohn von Trump, Fred?

Keiner weiß es. Aber Detective Donald wird’s (t)wittern.

07.10.2017

Dow Jones seit Amtsantritt um 24 % gestiegen, Standard & Poor Index 19 % rauf, Nasdaq sogar 27 % höher, und die Aktien der Waffenhersteller steigen auch rapide. Was soll ich sagen? Ich, der Allmächtige, und mein Heiliger ökonomischer Geist, wir tschafften das.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

08.10.2017

Mauerbau im kalifornischen Otay Mesa, direkt an der Grenze zu Mexiko. Die von Trump gewünschten Prototypen werden gerade von den beauftragten Firmen errichtet. Es ist eine Art Freiluftwettbewerb in Abschreckungsdesign, ausgerechnet an jenem Ort, an dem der erste Mensch der westlichen Hemisphäre fliegen lernte. John Joseph Montgomery war sein Name, und er hat sogar ein eigenes Denkmal in Otay Mesa. Es ist ein großer, senkrecht stehender Flügel, der vom Boden abhebt. Sein Sockel besteht aus zwei riesigen Stelzen aus Stahl. Eine komplette mexikanische Großfamilie könnte problemlos darunter Platz finden. Aber so weit will es Trump gar nicht erst kommen lassen, hier, an diesem Ort, an dem einst ein Amerikaner den Boden unter den Füßen verlor.

09.10.2017

Pollutionsprinz Pruitt perforiert präpräsidiales Power-Plan-Programm, präferiert Pennsylvaniakohle. Protektionistischer Popanz.

10.10.2017

Ein Mann wie Donald Trump sucht den Zweikampf, weil er eins mit sich ist.

11.10.2017

Beim Rennen um den Gouverneursposten von Illinois ist der demokratische Bewerber Ameya Pawar noch vor der Abstimmung aus dem Vorwahlkampf seiner Partei ausgestiegen. Der Grund: Er hat einfach nicht genug Geld, um mit den anderen Kandidaten mithalten zu können. In neun Monaten hatte Pawar 828.000 Dollar Spenden gesammelt, das ist ungefähr die Summe, die auch sein demokratischer Mitbewerber, der Milliardär Jay Robert Pritzker, für seinen Wahlkampf ausgibt. Allerdings nicht in einem Dreivierteljahr, sondern pro Woche. Wahlkämpfe sind in den USA längst zu Zahlkämpfen geworden.

12.10.2017

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben heute die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization verlassen. Kurz gesagt: UNESCO.

13.10.2017

Die amerikanische Regierung unterhält insgesamt 128 Behörden, die Daten sammeln und verbreiten. Mein Favorit ist der »Nationale Landwirtschafts-Statistik-Service«, Unterabteilung »Viehbestand«, Fachgebiete »Brathähnchen-Aufzucht, Hühnerbrutbetriebe, Pelzproduktion beim Amerikanischen Mink«. Verantwortlich für die Daten ist dort eine Frau namens Lachs.

14.10.2017

Trump hat heute erklärt, er habe keinen Zeitplan für seine Präsidentschaft, aber wenn er einen hätte, wäre er ihm weit voraus. Er ist nicht der erste, der den real existierenden Konjunktivismus verkündet. Der Donald Trump der DDR – Walter Ulbricht – folgte einem ganz ähnlichen Konzept. Er nannte es »überholen ohne einzuholen«, und seine Absicht war es, den Kapitalismus aus dem Feld zu schlagen, ohne das Feld zu betreten. Und wer weiß, vielleicht folgt Donald Trump ja Walter Ulbrichts Beispiel, überholt erst seinen Zeitplan, dann sich selbst und tritt schließlich mit den Worten: »Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten«, frühzeitig ab.

15.10.2017

Die in der zweiten Reihe sieht man oftmals nicht … Kathleen Hartnett White, die Kohlendioxid für ungefährlich und den menschengemachten Klimawandel für einen Aberglauben hält, soll in Zukunft im Weißen Haus den Rat für Umweltqualität leiten, derweil der Kohlelobbyist Andrew Wheeler zum Vizechef der Umweltschutzbehörde ernannt werden soll. Frei nach dem Motto: Kohle killt kühlt Klima.

16.10.2017

National Dictionary Day heute in den USA. Donnie lässt sich zur Feier des Tages ein Wörterbuch aus echtem Papier bringen und schlägt sich selbst nach. Als er sich gefunden hat, ist er überrascht. Das Wort Trump, so liest er, ist ein sehr altes Wort. Seine erste Erwähnung datiert bis ins Jahr 1529 zurück.

»Interessant!«, befindet Donnie, und schaut, ob noch mehr Wörter aus diesem Jahr stammen. Und siehe da, er findet welche. Sie lauten politics (Politik), poltroon (Feigling), smeary (schmierig), unloving (lieblos), double-dealing (unaufrichtig), payday (Zahltag) und … ähem … periwig (Perücke).

17.10.2017

Im Prinzip macht Donald Trump als Präsident das, was er schon als Immobilienunternehmer gemacht hat. Er errichtet glitzernde Fassaden, hinter denen nichts ist.

18.10.2017

Selbst wenn alle Einträge dieses Tagebuchs nichts als Nachträge einer ursprünglichen Ohnmacht sind, so ist dieser hier doch zugleich das Postskriptum des gestrigen, denn einen Unterschied zwischen Trump als Immobilienunternehmer und Trump als Präsident gibt es doch. Als Immobilienunternehmer hat Donald Trump Mauern gebaut und daraus Macht bezogen, als Präsident hat er Macht und baut daraus Mauern.

19.10.2017

Donald Trump spielt auf Twitter am liebsten den Wutbürger. Man könnte auch sagen: Er schreibt statt Tage- Ragebuch.

20.10.2017

Die Selbstgewissheit in Donald Trumps Aussagen finden ihre Entsprechung in der Selbstgewissheit, mit der sie von politisch linker Seite aus abgelehnt werden. Die Leere dazwischen ist der Resonanzraum der amerikanischen Demokratie.

21.10.2017

Die öffentlichen Bibliotheken von New York streichen heute einmalig allen Kindern und Jugendlichen die Überziehungsgebühren für ihre ausgeliehenen Bücher. Ach, wäre Donald Trump doch nur ein fälliger Dollar auf dem Benutzerkonto eines kleinen Jungen aus Brooklyn.

22.10.2017

kcüruz se theg ttirhcs rüf ttirhcs

Klingt Türkisch, ist aber Trumpisch – und da laufen nunmal nicht nur die Uhren, sondern auch die Buchstaben rückwärts. Den Grund für die heutige Rückwärtsrolle liefert das Landwirtschaftsministerium. Es hat nämlich eine 2016 von der Obama-Regierung beschlossene Regelung gestrichen, die es kleinen und mittelständischen Viehzüchtern erlaubt hätte, bei Preisdumping und anderen unfairen Wettbewerbspraktiken leichter gegen die großen Fleischverarbeiter vorzugehen. Dazu kommt es nun nicht, denn der Wunsch Donald Trumps und der seines Landwirtschaftsministers Sonny Perdue ist ein anderer: Das fette Raubtier namens Kapitalismus soll auch zum kleinsten Hühnerstall freien Zugang haben.

23.10.2017

Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Haushaltsdefizits der USA; es ist die Fiskaljahres-Zahl; und diese Zahl ist 666 Milliarden.

24.10.2017

Nachrichten nenne ich Nachrichten, wenn sie sich nach mir richten.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

25.10.2017

Scott Brown, der US-Botschafter in Neuseeland, hat bei einer offiziellen Veranstaltung in Samoa einige der einheimischen Kellnerinnen und Kellner als »beautiful« bezeichnet und gesagt, sie könnten mit ihrer guten Arbeit in den USA »hundreds of dollars« verdienen. Daraufhin gab es eine offizielle Untersuchung wegen potentiell anstößigen Verhaltens. Das US-Außenministerium schickte eigens dafür mehrere Beamte nach Neuseeland. Das Ergebnis: Mr. Brown solle kulturell sensibler sein. Mr. Brown, so heißt es, hat den Hinweis dankend angenommen, denn er weiß: Er ist weiß, der Mr. Brown.

26.10.2017

Merke: »Größe« ist für Donald Trump ein rein quantitativer Begriff.

27.10.2017

Kleine Gemeinheit am Rande: Wenn man auf Donald Trumps offizieller Webseite www.donaldjtrump.com ein Dokument sucht, das dort nicht mehr vorhanden ist, erscheint auf dem Monitor die Meldung: »Ooops! Das ist peinlich. Sie suchen nach etwas, das nicht existiert.« Daneben ist ein Bild zu sehen. Es zeigt eine lachende Hillary Clinton. Sie steht hinter einem Rednerpult, an dem ein offizielles Siegel prangt. Darauf die Worte »President of the United States« …

28.10.2017

Seit 2016 werden in den USA mehr Menschen eingeäschert als im Sarg begraben. Seitdem knallt’s aber auch immer häufiger, denn die Herzschrittmacher der Leichen explodieren. Eigentlich müssen die Bediensteten in den Krematorien die Herzschrittmacher vor der Einäscherung rausnehmen, aber da sie immer kleiner werden, werden sie nicht immer gefunden. Wie oft es die Toten krachen lassen, ist allerdings nicht bekannt. Da Krematoriumsmitarbeiter offiziell kein großes Unfallrisiko haben, müssen ihre Arbeitsunfälle nicht gemeldet werden. Allerdings soll die Behörde, die für die Durchsetzung des Bundesarbeitssicherheitsgesetzes zuständig ist, nächstes Jahr 1,4 Millionen Dollar mehr für statistische Erhebungen bekommen. Mit anderen Worten: Wenn Trump schon nicht geht, werden die Menschen zumindest erfahren, welcher Totengräber außer ihm mit einem großen Knall abgetreten ist.

29.10.2017

Geschichte wird in Schulbüchern gemacht. Es sind ihre Seiten, auf denen die künftige Historie entsteht. So auch in New Mexico, wo die Schulbehörde in den neuen Büchern ein paar Dinge herunterspielen wollte, z. B. die Sache mit dem Klimawandel (»Klimaschwankung« klingt irgendwie viel netter), das Alter der Erde (ein paar tausend Jahre statt viereinhalb Milliarden reichen auch) und die Bedeutung der Evolution (der Allmächtige hat in seiner Allmacht eben mächtig viele Arten gemacht … ).

Nachdem das bekannt wurde, sind die Emotionen in New Mexico hochgekocht, und jetzt hat die Schulbehörde alle Hände voll zu tun, die eigenen Pläne herunterzuspielen. War alles gar nicht so gemeint … War nur ein Entwurf und der wurde auch schon wieder verworfen … Und überhaupt, man freue sich, wenn die Leute mitdiskutieren …

Aber sie werden es natürlich weiter versuchen, diese kleinen Revisionisten. Die Chancen für die Zukunft ihrer Geschichte standen nie besser als unter der Herrschaft von Dyslexic Donald.

30.10.2017

»I do not remember the name, but uh but it is quite poss … uh but I remember in this, in, I remember that uh, that uh, that from the … I think from the, yes, from the consulate, from the Russian consulate, uh … some people visited me, not but not only this man, only also I think Consul once, but I do not remember his name either.«

Trumps Ex-Berater George Papadopoulos, vom FBI über seine Russland-Kontakte befragt, als Antwort Bertolt Brechts Aussagen gegenüber dem Komitee für unamerikanische Umtriebe vom 30.10.1947 zitierend.

31.10.2017

George Papadopoulos ist nicht der Einzige von Trumps Leuten, der im Fadenkreuz des FBI steht. Inzwischen hat es auch Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort erwischt. Er wurde gestern offiziell von der Staatsanwaltschaft angeklagt, wobei sich die Liste der Vorwürfe wie ein Auszug aus einem Mafia-Prozess liest und von Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten über den Verdacht der Geldwäsche bis hin zu versuchter Zeugenbeeinflussung und Falschaussage reicht.

Insgesamt umfasst die Anklageschrift zwölf verschiedene Vergehen, und das ist nur der offizielle Teil der Geschichte. Der inoffizielle reicht noch ein ganzes Stück tiefer und liegt in diesem Falle im Urban Dictionary vergraben. Dort heißt es nämlich: »Als ›Manafort‹ bezeichnet man jene Mischung aus Scheiße und Urin, die an einem heißen Tag im unteren Teil eines Dixi-Klos vor sich hindümpelt.«

Tja, und dann sind da diese warmen Herbsttage, an denen alles an die Oberfläche kommt …

01.11.2017

Ich führe Tagebuch über ein fernes Land, über eine mir fremde Person, über Dinge, die außerhalb meines Horizonts liegen. Das ist ein großes Glück, und nichts könnte besser passen zu mir, denn wenn ich über mein eigenes Tun eines weiß, dann dies: Ich schreibe nicht aus mir raus, ich schreibe in mich hinein.

02.11.2017

Trump sagt, dass amerikanische Justizsystem müsse schneller werden. Da hat er Recht. Allerdings gehören Trump, seine zahlreichen Unternehmen und das dazugehörige Heer an Anwälten selbst zu den Bremsern, immerhin waren Trump und sein Firmengeflecht in den letzten 30 Jahren an über 4.000 Prozessen beteiligt und wurden selbst fast 2.000 Mal verklagt. Außergerichtliche Vergleiche gab es so gut wie nie, es wurde und wird fast immer bis zur letzten Instanz prozessiert, koste es, was es wolle – und wenn es die Schnelligkeit des amerikanischen Justizsystems ist.

03.11.2017

Sam Clovis ist ein Mann ganz nach Donald Trumps Geschmack. Er leugnet den Klimawandel, er ist der Ansicht, dass man Kindern nichts von Rassismus und Umweltschutz erzählen sollte, denn das sei reine Indoktrination, und natürlich ist er auch homophob. Weil er auch kein Wissenschaftler und erst recht kein Agrarwissenschaftler ist, sollte er nach Trumps Willen im Landwirtschaftsministerium den Posten des Staatssekretärs für Forschung, Erziehung und Wirtschaft übernehmen. Macht er aber nicht, denn Sam Clovis hat seine Kandidatur zurückgezogen. Der Grund: Sein Name ist im Zuge der Ermittlungen gegen russische Wahlbeeinflussung in den Akten aufgetaucht. Aber das war ja eigentlich zu erwarten. Mit seinen Ansichten ist Sam Clovis schließlich auch ein Mann ganz nach russischem Geschmack …

04.11.2017

Die Demokraten haben ihre oberste Fundraiserin gefeuert. Der Grund liegt auf der Hand bzw. auf dem Konto. Die demokratische Partei hat in diesem Jahr deutlich weniger Geld eingenommen als die Republikaner. Aktuell führen die mit 104 zu 51 Millionen Dollar. Tja, seit Donnie auf’m Thron sitzt, rollt bei den Republikanern der Rubel, bei den Demokraten kommen dagegen nur die Kopeken gekleckert. Und deshalb rollt jetzt – ein Köpfchen.

05.11.2017

Donald Trump ist der beste Beweis dafür, dass man auch ohne Ideen eine Ideologie haben kann.

06.11.2017

Jetzt, wo eine Reihe von Sportlern bei der Nationalhymne nicht mehr die Hand aufs Herz legt, ist die nach einer Schießerei öffentlich bekundete Trauer des Präsidenten das vielleicht letzte Ritual, das Amerika noch hat. Und so tritt er vor die immergleichen Mikrofone und sagt mit dem immergleichen Gesicht die immergleichen Worte. In diesen schweren Stunden, so heißt es, stünden alle Amerikaner zusammen, in der Trauer reiche einer dem anderen die Hand. Aber wie sich die Hände reichen, wenn alle die Finger an den Abzügen haben?

07.11.0217

In Südkorea sind 50 % der Menschen für Trump.

Von den 50 % für Trump sind 50 % für Donald und 50 % für Melania.

Von den 50 % für Donald sind 50 % für ihn, weil er Nordkorea zerstören will, und 50 %, weil er es noch nicht getan hat.

Von den 50 %, die für ihn sind, weil er Nordkorea zerstören will, sind 50 % für ihn, weil er den Staat militärisch zerstören will, und 50 %, weil er ihn wirtschaftlich plattmachen möchte.

Von den 50 %, die für die militärische Option sind, sind 50 % für Luftangriffe und 50 % für eine Bodenoffensive.

Von den 50 %, die für Luftangriffe sind, sind 50 % dafür, es mit amerikanischen Raketen zu tun, und 50 % dafür, es mit den südkoreanischen zu versuchen.

Von den 50 %, die amerikanische Raketen auf Nordkorea abfeuern wollen, sind 50 % dafür, dass sie vorher über Südkorea fliegen, und 50 % dafür, dass sie es nicht machen.

Von den 50 %, die dafür sind, dass die Raketen vorher über Südkorea fliegen, sind 50 % dafür, dass sie auf ihrem Flug zu sehen sind, und 50 % dafür, dass man sie nicht sieht.

Von den 50 %, die dafür sind, dass man die Raketen sieht, möchten 50 %, dass aus den Sprengköpfen beim Anflug auf Nordkorea die Gangnam-Style-Musik ertönt, und 50 %, dass sie einfach nur Raketen- und Sprengkopfgeräusche machen.

Von den 50 %, die sich Raketensprengköpfe mit Gangnam-Style-Musik wünschen, wollen 50 % dazu tanzen, während 50 % nur die Musik hören wollen.

Von den 50 %, die dazu tanzen möchten, sind 50 % auf der Seite von Barack Obama, der behauptet hatte: »I can do that move«, derweil die anderen 50 % für Trump sind, der sich bisher nicht zum Gangnam-Style geäußert hat, was aber nicht weiter schlimm ist, da es nicht darum geht, irgendwelche Behauptungen aufzustellen, sondern zu beweisen, dass in Südkorea 50 % der Menschen für Trump sind, was hiermit geschehen ist.

08.11.2017

Twitter verdoppelt die Zeichenzahl. Das bedeutet: Donald Trump braucht fortan nicht mehr zwei Tweets, um sich zu widersprechen.

09.11.2017

In den USA haben Forscher einen Apfel entwickelt, dessen Fruchtfleisch nicht mehr braun wird. Ich wünschte, sie hätten es mit dem Hirnfleisch des Präsidenten versucht.

10.11.2017

MAGA – Millionen Andere Grapschen Auch.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

11.11.2017

Und auch das ist Amerika, auch wenn es wie eine Falschmeldung klingt: aufs Ganze gesehen seit 20 Jahren sinkende Mordraten, weniger Raubüberfälle, eine geringere Zahl an Diebstählen. Und eine der entscheidenden Größen: lokale Gruppen und Organisationen, die sich vor Ort um die Gestrauchelten kümmern, sich der Straßen und Plätze annehmen und in den Vierteln die Gemeinschaft zu stärken versuchen. Diese Gruppen und Organisationen fallen nicht auf. Sie haben keinen Nachrichtenwert. Sie eignen sich noch nicht mal für Fake-News.

12.11.2017

Trump auf den Philippinen. Seine Berater haben gesagt, das sei der perfekte Ort für eine Philippika. Aber er weiß nicht, was das ist. Und nachfragen ist nicht sein Ding. Also bleibt er mal lieber ganz ruhig, zumal Präsident Muerte neben ihm schon wieder eine Brandrede hält.

13.11.2017

Das US-Militär will 80.000 neue Soldaten einstellen, aber es gibt nicht genug geeignete Kandidaten. Deshalb wurde jetzt eine Verordnung erlassen, die es Menschen mit bestimmten Krankengeschichten erlaubt, sich mittels einer Sonderfreigabe bei der Armee zu bewerben. Dazu gehören bipolare Störungen, selbstverletzendes Verhalten sowie Drogen- und Alkoholmissbrauch – also jene Dinge, die man bislang erst während der Dienstzeit erwarb.

14.11.2017

Das US-Repräsentantenhaus hat mit 366 zu 30 Stimmen entschieden, dass die Militärhilfe, die Saudi-Arabien von den USA derzeit im Jemen erhält, gesetzlich nicht gedeckt ist. Die Forderung nach einer Einstellung der Unterstützung für die Saudis – und damit zugleich auch ein Ende der Unterstützung von al-Qaida und Co. – enthält der Beschluss nicht. Er ist in keinster Weise bindend. Und doch ist er repräsentativ, denn für diesen wie für unzählige andere politische Beschlüsse gilt: Sie sind nur noch Symbol, sind nichts als ein Zeichen, sind nur noch ein Nichts, nichts als ein Nichts.

15.11.2017

Mathematrick à la Trump. Auf der Soll-Seite stehen:

3 in der Landwirtschaft häufig eingesetzte Pestizide von Dow Chemical;

1.800 durch sie gefährdete Arten;

10.000 Seiten wissenschaftlicher Ergebnisse, die die Gefährlichkeit der Pestizide belegen.

Auf der Haben-Seite finden sich:

3 Briefe, die Dow Chemical an Kabinettsmitglieder von Trump geschrieben hat;

1 Million Dollar Beteiligung an den Kosten der Amtseinführung;

0 Probleme, die Dinge gemäß der Wünsche von Dow Chemical zu regeln.

Der (Rückwärts-)Saldo lautet daher:

Die Trump-Administration wird die Entscheidung über die künftige Verwendung oder ein mögliches Verbot der von Dow Chemical hergestellten Pestizide um zwei Jahre zurückstellen. Bis dahin dürfen sie in der Landwirtschaft weiter uneingeschränkt eingesetzt werden.

16.11.2017

Donald Trump hat Brett Talley als Richter für ein Bundesbezirksgericht in Alabama vorgeschlagen. Er ist bestens geeignet für den Job. Okay, er hat noch nie einen Fall verhandelt und somit auch keine Erfahrung als Richter, aber dafür arbeitet seine Frau als Juristin im Weißen Haus. Außerdem hat er übernatürliche Kräfte. Oder glaubt zumindest daran, immerhin war er Teil der »Paranormal Research Group« in der Stadt Tuscaloosa, die sich mit der Existenz von Geistern beschäftigt. Er hat sogar ein Buch zum Thema geschrieben. Haunted Tuscaloosa heißt es und ist Teil der »Haunted America«-Reihe, und dass Amerika von bösen Mächten verfolgt wird, behauptet ja auch Donald Trump jeden Tag. Deshalb braucht es Männer wie Brett Talley, um sie zu vertreiben. Oder zu erschießen, denn auch das kann Brett Talley. Schließlich ist er erklärter Unterstützer der Waffenlobby und hat vor ein paar Jahren im Anschluss an eine Schießerei öffentlich »Zu den Waffen!« gerufen. Wie gesagt, er ist wirklich bestens geeignet für den Job als Richtender.

17.11.2017

Amerikanern ist es ab jetzt wieder erlaubt, in Sambia und Simbabwe Elefanten zu jagen und ihr Elfenbein mit nach Hause zu bringen. Aber warum bis nach Afrika reisen? Warum brechen sie nicht einfach zu Hause in Amerika den Leichen ihrer Schießereien die Zähne aus dem Maul?

18.11.2017

Habe die Erlaubnis, Elfenbein aus Afrika einzuführen, soeben wieder aufgehoben. Habe alle Fakten studiert, und die Sache ist klar: Man hat mich reinzulegen versucht. Elfenbein stammt gar nicht von Elfen!

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

19.11.2017

Nur mal so als künftige Erinnerung: Eines Tages werden Trump und seine Regierung nicht mehr im Amt sein, aber täuschen wir uns nicht, diese Leute werden damit nicht weg sein, sondern weiterhin ihre Bahnen und Kreise durchs Land ziehen, werden wieder da sein, wie sie es schon waren, bevor sie die Posten besetzten. Denn eines ist sicher: Die Oberflächlichkeit, die sich nunmehr vor uns entfaltet, lag die ganze Zeit in der Tiefe und das heißt: unter einer anderen (dickeren?) Oberfläche versteckt, und dahin geht sie (und gehen auch sie!) wieder zurück, um sich irgendwann aufs Neue von unten nach oben durchdrücken zu lassen.

20.11.2017

Das wird nichts mit Jamaika. Donald Trump hat noch immer keinen Botschafter für die Insel benannt. Die Stelle ist seit fünf Monaten unbesetzt, und potentielle Kandidaten sind nicht in Sicht. Doch das ist den Jamaikanern egal. Sie vermissen niemanden. Außer ein bisschen Sonne, denn es regnet seit Tagen. Sogar ein kleines Erdbeben hat es heute Morgen gegeben. Die Stärke betrug 3,4 und das Epizentrum lag in der Nähe der Stadt Falmouth, was so viel heißt wie »Ort, an dem man auf die Fresse fliegt«.

21.11.2017

Donald Trump hat kürzlich den Pharma-Manager Alex Azar als neuen Gesundheitsminister nominiert. Azar werde, so Trump, für geringere Kosten bei Medikamenten sorgen. Dass sich während der zehn Jahre, in denen Azar zunächst Top-Lobbyist und schließlich Präsident des Pharmakonzerns Eli Lilly war, der Verkaufspreis des Insulins Humalog fast verdreifacht hat, ist gewiss nur ein Zufall. Und dass ein Gericht in New Jersey wegen illegaler Preisabsprachen gegen Eli Lilly ermittelt, ebenso. Es sind alles nur Zufälle – und die haben angeblich kein System. Und das stimmt auch, denn unter Trump sind die »Zufälle« das System.

22.11.2017

Nach zehn Monaten Tagebuchschreiben hat sich mir heute die Frage gestellt, ob Trump innerhalb der amerikanischen Gesellschaft als Sensibilisierungs- oder als Desensibilisierungsmaschine fungiert. Die Antwort: Wahrscheinlich ist er beides. Auf der politisch rechten Seite baut er Empfindlichkeiten ab und politisch links baut er sie auf. Wobei die Sache hier wie da den Charakter einer Zwangshandlung trägt. Rechts schwinden die einstmals starken Gefühlswallungen aus machtpolitischen Gründen und links wachsen sie aus identitätspolitischer Ohnmacht.

23.11.2017

Heute ist Thanksgiving, und zur Feier des Tages gibt’s ein kleines Gedicht.

Turkey

Trumps Truthahn

heißt Erdoğan.

Er verspeist ihn mit gemischten Gefühlen,

denn das Innere des Vogels ist gefüllt mit

Gülen.

24.11.2017

Tagebücher werden nachts geschrieben, weil sie uns das Dunkel vor Augen führen, in dem die Entscheidungen über unsere Tage getroffen werden.

25.11.2017

Hierzulande streiten sie sich um die Oppositionsbänke, in den USA dagegen um die Regierungssessel. Der Direktor des Consumer Financial Protection Bureau (CFPB), der amerikanischen Verbraucherschutzbehörde in Finanzangelegenheiten, ist gestern zurückgetreten und hat das Amt seiner Stabschefin übertragen, die damit automatisch zur geschäftsführenden Direktorin geworden ist und die Behörde so lange weiterführen soll, bis Trump einen eigenen Kandidaten vorgeschlagen und der Kongress ihn bestätigt hat. Allerdings wollte Trump nicht so lange warten. Also hat er seinen Kandidaten flugs benannt und ihn, weil er einmal dabei war, auch gleich zum Direktor der Verbraucherschutzbehörde erklärt. Jetzt gibt es also zwei Chefs – und die Juristen können sich in Spitzfindigkeiten darüber ergehen, wer der rechtmäßige ist.

Diejenigen, die statt Paragrafen lieber auf den gesunden Menschenverstand setzen (bzw. in diesem Falle: auf den kranken), wetten derweil, wer den Washingtoner Stuhltanz gewinnen wird, wobei die Chancen von Trumps Kandidat Mick Mulvaney ziemlich gut stehen, schließlich gehört es seit Trumps Amtsantritt zum guten Ton, dass der künftige Chef einer Behörde diese früher verklagt haben sollte oder zumindest mal ihre Abschaffung gefordert haben muss – und Mick Mulvaney hat da einiges zu bieten, immerhin hat er die Verbraucherschutzbehörde Anfang des Jahres »einen traurigen, kranken Witz« genannt und gesagt, dass manch einer sie gern loswerden würde.

26.11.2017

Die Nachrichtenseite Politico titelt heute: »Den USA gehen wegen Trumps Politik die muslimischen Geistlichen aus.« Ich schätze, in den amerikanischen Moscheen gibt’s bald großes Gemekka.

27.11.2017

Das geschliffene Wort richtet nichts aus gegen grobe Dekrete. Wenn sie etwas bewirken will, muss die Feinfühligkeit Fleisch werden.

28.11.2017

Donald Trump mag mit seiner Wortwahl oft daneben liegen, Menschen verletzen und ganze Gruppen diskriminieren, und doch haben seine Worte ihren Wert, denn sie zeigen, wie groß das Feld des Sagbaren in Wirklichkeit ist. Ihm gegenüber, auf der anderen Seite des Feldes, liegt das »richtige« Sprechen. Hier, im Spiegel des Großmauls, wachsen die Kleinkarierten in ungeahnte Höhen empor, entmündigen sich ihrer Ichs in Empfindsamkeit und Empörung.

29.11.2017

Melania hat das Weiße Haus für Weihnachten dekoriert. Jetzt ist es das Weißeste Haus. Überall stehen Tannenbäume voller Kunstschnee und Eis, dazwischen Menschen mit eingefrorenen Gesichtern. Es sieht aus, als wäre im Böhmerwald eine Crystal-Meth-Küche explodiert.

30.11.2017

Die Schere wird immer zuerst im eigenen Kopf angesetzt – und am Ende sieht man den Schnitt in den Statistiken. In den öffentlich einsehbaren Zusammenfassungen zu Studien, die von der National Science Foundation gefördert wurden, haben amerikanische Wissenschaftler den Begriff »Klimawandel« im Jahr 2017 deutlich seltener verwendet als in den Jahren zuvor. Der Grund ist einfach: Viele Wissenschaftler haben Angst, sich durch eine »falsche« Wortwahl weitere Fördermöglichkeiten zu verbauen oder Jobs nicht zu kriegen. Also spielen sie mit und können später »guten« Gewissens behaupten, dass der Anfang ihrer Karriere ein einschneidendes Erlebnis war.

01.12.2017

In mehr als 100 Staaten sind Streubomben geächtet, weil ihr Einsatz oft zu einer hohen Zahl ziviler Opfer führt. Die USA gehören nicht zu diesen Staaten. Statt sie zu verbieten, wollte das Pentagon lieber Streubomben entwickeln, die nicht mehr so sehr streuen. Zehn Jahre lang hat man getüftelt. Rausgekommen ist nichts, nur ein Memorandum, das heute gestreut wurde. Darin heißt es, die alten Streuer dürfen weiterhin eingesetzt werden. Und warum auch nicht? Die ge(s)treuen Verbündeten der USA – die Saudis – haben in letzter Zeit schließlich Unmengen der Bomben gekauft und nutzen sie auch. Sie dienen ihnen als Streusalz für die religiösen Vereisungen in der jemenitischen Wüste.

02.12.2017

Der US-Senat hat entschieden, dass im nördlichen Teil des Arctic National Wildlife Refuge, dem großen Naturschutzgebiet in Alaska, künftig Öl- und Gasbohrungen erlaubt sein sollen. Umweltschützer haben 40 Jahre lang dagegen gekämpft. Alaskas republikanische Senatorin Lisa Murkowski aber hat ihre Zustimmung zu Trumps Steuerreform von der Bohrerlaubnis abhängig gemacht. Sie hatte 6.000 km2 Verhandlungsmasse – und ihre Stimme wurde gebraucht. Also hat sie bekommen, was sie wollte. Eine republikanische Hand hat die andere gewaschen. Der ölige Dreck, den sie sich dabei von den Fingern geschrubbt haben, wird demnächst an der Nordküste Alaskas angespült werden.

03.12.2017

Gerüchten zufolge plant Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Seine einzige Bedingung: die Stadt solle danach JerUSAlem heißen.

04.12.2017

Warum haben die armen Schweine aus dem mittleren Westen den reichen Immobilienhai von der Ostküste gewählt? Ganz einfach, weil die Armen etwas gegen Intellektuelle und ihr Gequatsche haben, aber nichts gegen Reiche und ihr Geld. Im Gegensatz zu den Intellektuellen spricht der Hai ihre Sprache. Er findet seine Basis in ihrer Welt, weil er ihrer Welt eine Basis verleiht. Sein Überbau, das viele Geld, ist mit ein bisschen Glück machbar, und wenn nicht, ist es auch nicht so schlimm. Bei den Intellektuellen ist es dagegen genau andersrum. Ihre Basis ist der Überbau, und der besteht aus Kulturquark und Kunstscheiße. Damit erwirtschaften sie das Geld, das sie offenkundig verachten, während sie in den hermetischen Zirkeln ihrer Zielgruppe mit ihren Hypersensibilitäten hausieren gehen.

05.12.2017


Dow Jones oben.

Armutsrate unverändert.

Steuern unten.

Dow Jones im Himmel.

Armutsrate unverändert.

Steuern ganz ganz unten.

06.12.2017

Abstimmung über die Einleitung eines möglichen Amtsenthebungsverfahrens gegen Trump heute im Repräsentantenhaus. 58 Abgeordnete votieren dafür, 364 dagegen, 4 enthalten sich. Das Gros der Demokraten also auf Seiten der Republikaner. Begründung der demokratischen Mehrheitsführerin Nancy Pelosi: »Jetzt ist nicht die Zeit für ein solches Verfahren.« Mit anderen Worten: Appeasement statt Impeachment.

07.12.2017

Dieses Tagebuch ist ein Placebo gegen die eigene Hilflosigkeit. Eine Pille ohne Wirkstoff, die ich mir Tag für Tag selbst verabreiche. Ich schlucke sie und speie sie in Form von Sätzen wieder aus.

08.12.2017

Was haben

der syrische Präsident Assad,

der philippinische Präsident Duterte,

Venezuelas Präsident Maduro,

Regierungsvertreter von Myanmar,

das russische Außenministerium,

die chinesischen Staatsmedien,

der polnische Präsident Duda,

diverse libysche Zeitungen,

der spanische Außenminister,

zahlreiche Politiker in Singapur,

der Präsident von Uganda,

die Wahlkommission von Somaliland,

die Tochter des Präsidenten von Angola,

der Informationsminister von Kambodscha,

und Vertreter von Erdoğans AKP gemeinsam?

Ganz einfach. Sie alle haben in Donald Trumps Gebrüll eingestimmt und sind inzwischen dazu übergegangen, ihnen unliebsame Meinungen und Tatsachen in aller Öffentlichkeit als Fake News zu bezeichnen.

09.12.2017

US-Finanzminister Mnuchin will einen Mann namens Muzinich zu seinem Finanzstaatssekretär machen. Die Ähnlichkeit in den Namen ist Zufall, die Ähnlichkeit in der Herkunft ist es nicht: der eine kommt von Goldman Sachs, der andere von Morgan Stanley. Zusammen treffen sie sich im US-Finanzministerium, dem Sammelbecken der High(Finanz) Fische.

10.12.2017

Tag der Menschenrechte heute – und in den Nachrichten kein einziges Wort über Guantanamo.

Guan-ta-na-mo … Wenn man es ganz langsam spricht, klingt es wie der Name einer fernen Insel. Wie ein paradiesischer Platz. Wie ein Sehnsuchtsort. Guan-ta-na-mo …

11.12.2017

Donald Trump verkündet: »Die Bergwerke in West Virginia exportieren saubere Kohle nach China.«

In den vergangenen zwei Jahren hat China zwar so gut wie keine Kohle aus West Virginia bekommen, und selbst wenn sich das jetzt durch Trumps kohlefreundliche Politik ändert, ist und bleibt das Zeug ungefähr so sauber wie die chinesische Menschenrechtsweste. Aber was macht’s, in Trumps Folksrepublik ist die Wiederholung die Mutter der Fakten. Deshalb gleich nochmal von vorn:

»Die Bergwerke in West Virginia exportieren saubere Kohle nach China.«

»Die Bergwerke in West Virginia exportieren saubere Kohle nach China.«

So, und jetzt alle zusammen: »DIE BERGWERKE IN WEST VIRGINIA EXPORTIEREN SAUBERE KOHLE NACH CHINA.«

Sehr gut, das reimt sich sogar. Eine kohlossale Leistung, fürwahr!

12.12.2017

Auch wenn Donald Trump tagein, tagaus hetzt, verleumdet und lügt, dürfen wir niemals vergessen, dass der wirkliche Kampf nicht den Worten, sondern der wirtschaftlichen Macht, den sozialen Ungerechtigkeiten und dem ökologischen Irrsinn gelten muss, die in Donald Trump und seinen Kabinettsmitgliedern ihre perfekt-perfide Repräsentation gefunden haben.

13.12.2017

Trumps Ideologie buchstabiert sich I-deal-orgie.

14.12.2017

Falls später mal jemand fragt, wer um alles in der Welt Omarosa Manigault-Newman war und welche Rolle sie im Weißen Haus gespielt hat, so wird man ganz einfach sagen können, dass sie eine junge, schwarze, weibliche Version von Donald Trump war, deren Aufgabe darin bestand, den Menschen zu zeigen, dass beim Thema Niedertracht, Selbstdarstellung und Egoismus das Alter, das Geschlecht und die Hautfarbe tatsächlich keine Rolle spielen.

15.12.2017

In Donald Trumps Denken gibt es keine Gesellschaft, keine sozialen Strukturen, keine Schichten, nichts dergleichen. Für ihn gibt es nur den Einzelnen. Donald Trump ist die Transformation des Westernhelden auf die Bühne der Politik.

16.12.2017

Walmart bietet seinen Mitarbeitern in den USA ab sofort an, dass sie ihren Lohn vorzeitig bekommen. Eine App macht’s möglich. Damit soll verhindert werden, dass sie ihr Konto überziehen und Dispozinsen zahlen oder Kurzzeitkredite aufnehmen müssen.

Klingt wie ein Weihnachtsgeschenk, ist aber keins, sondern die übliche Verschleierung der Ausbeutung, die Verlagerung der Frage des ökonomisch Machbaren auf die Ebene des technisch Gemachten. Statt mehr Lohn zu zahlen als die lächerlichen 9 Dollar die Stunde, die Neuangestellte bei Walmart bekommen, werden Millionen in Dienstleistungssysteme investiert. Das Resultat: Serviceschicht um Serviceschicht legt sich über die ökonomischen Ungerechtigkeiten, so lange, bis sie darunter verschwunden sind. Denn das ist das Ziel derjenigen, die herrschen: Dass der Mensch seine eigene Ausbeutung vergesse und so leicht bedienbar werde wie eine App, bevor man ihn – eines schönen ökonomischen Tages – gar nicht mehr zu bedienen braucht und von den Thronen der Macht aus zuschauen kann, wie der Mensch zu einer bloßen App seiner selbst geworden ist.

17.12.2017

Im Falle von Donald Trump gilt: Wer nichts geregelt kriegt, dereguliert.

18.12.2017

Was kostet ein Menschenleben? Das amerikanische Transportministerium weiß es. Im »Leitfaden für die Berechnung des ökonomischen Wertes eines statistischen Durchschnittslebens« sind für das Jahr 2016 genau 9,6 Millionen Dollar genannt. 2015 ist ein Mensch nur 9,4 Millionen Dollar wert gewesen. Unter Trump dürften die Zahlen weiter steigen, denn es gilt das Motto: MAGA – Make Ableben Great Again.

19.12.2017

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. Wer Programmierfehler findet, kriegt Geld. Das US-Militär macht’s möglich. »Hack the Air Force 2.0« heißt die Aktion, bei der Hacker Sicherheitslücken entdecken sollen. Je größer die gefundene Lücke, desto größer die Belohnung. Die höchste Einzelprämie, die aktuell ausbezahlt wurde, beträgt 10.650 Dollar. Dafür müssen die frisch entlohnten Hacker dann aber auch Sätze sagen wie: »Wir dachten, die Regierung würde Probleme unter den Teppich kehren. Aber das tut sie nicht.«

Als wenn das Militär die Hacker unter den Teppich schauen lassen würde! In Wahrheit sind die Nerds doch nur dazu da, um die Web-Fehler zu finden.

20.12.2017

Im Wahlkampf hatte Donald Trump versprochen, den Niedrig-Steuersatz für Hedgefonds-Manager zu erhöhen. Ihr Steuersatz sei »lächerlich«, hatte Trump erklärt und angekündigt, die Manager würden in Zukunft statt 20 % die üblichen 39,6 % zahlen.

Jetzt, wo Trump Präsident und die Steuerreform beschlossene Sache ist, hat sich die Angelegenheit erledigt. Der Niedrig-Steuersatz für die Hedgefonds-Hochverdiener bleibt. Was wie ein Wahlkampfversprechen aussah, war wahrscheinlich nur ein Wahlkampfversprecher.

21.12.2017

Und weiter geht die wundersame Weihnachtswichtelei. Infolge von Trumps Steuerreform zahlen die Telekommunikationsriesen Comcast und AT&T, die gerade mitgeholfen haben, die Netzneutralität abzuschaffen, ihren Angestellten 1.000 Dollar Bonus. Der Finanzdienstleister Wells Fargo spendet 400 Millionen Dollar für gemeinnützige Zwecke, und Boeing legt noch mal 300 Millionen dazu. Aber warum auch nicht? Wenn der gigantische Kuchen verteilt ist, kann man es sich leisten, ein paar größere Krümel liegen zu lassen.

Diese saturierten Säcke und ihre Helfershelfer in den PR-Abteilungen – man kann nur hoffen, dass ihnen irgendwann mal jemand die gönnerhaften Fressen einschlägt.

22.12.2017

US-Verteidigungsminister Mattis hat den Navy-Stützpunkt Guantanamo besucht. Das heißt, er hat die dortigen Soldaten besucht. Das Gefangenenlager hat er sich nicht angeschaut und stattdessen nur kurz erklärt: »Ich bin überzeugt, dass wir dort das Richtige tun.«

Es war der erste Besuch eines Verteidigungsministers seit 16 Jahren. Außer dem Folterfreund Rumsfeld hat nie einer von ihnen das Lager gesehen. Aber sie brauchen es auch nicht, denn sie haben ihre Überzeugungen. Und die gründen sich nicht in einem Überblick vor Ort, sondern in der Überheblichkeit der Überlegenen.

23.12.2017

Donald Trump will nicht Präsident sein, er will, dass das Präsidentenamt Donald Trump ist.

24.12.2017

»Komme gerade aus der Kirche zurück. Der Pastor hat über irgendeinen Zimmermann, seine frigide Alte und ihr komisches Balg gesprochen, dem alle Geschenke machen. Meine Steuerreform hat er dagegen mit keinem Wort erwähnt. Dabei ist sie das größte Geschenk. Verdammte Christmess!«

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

25.12.2017

Dass Donald Trump über Jahre hinweg bei den Demokraten war, scheint hierzulande nicht allzu bekannt. Und dass er früher sogar mehrfach Geld an Hillary Clinton gespendet hat, auch nicht. Aber das sind die Fakten. Acht Jahre bei den Demokraten und acht Spenden an Hillary. Insgesamt hat Trump seiner heutigen Erzfeindin 8.700 Dollar vermacht. Aber damit ist sie keine Ausnahme, denn Trump hat die Demokraten über Jahre hinweg mit Geld unterstützt. Zwischen 1989 und 2010 hat er ihnen über 175.000 Dollar mehr zukommen lassen als den Republikanern. Erst ab 2011 hat sich das Blatt mit den Überweisungsformularen gewendet. Zwischen 2011 und 2015 haben die Republikaner über 630.000 Dollar erhalten, die Demokraten gerade mal noch 8.500.

Trumps Parteizugehörigkeit geht allerdings nicht mit den Spenden konform, was auch daran liegt, dass er sich lange mit Positionen beider Parteien identifiziert hat und es wahrscheinlich immer noch macht, auch wenn er sich das kaum noch selbst eingestehen dürfte. Was die Parteizugehörigkeit betrifft, war Trump jedenfalls zunächst bei den Republikanern, und zwar von 1987-1999, bevor er zur Reform Party gewechselt ist, bei der er bis August 2001 blieb. Dann wurde Trump zum Demokraten, zumindest auf dem Papier, bevor er sich 2009 wieder den Republikanern anschloss. Allerdings war das nur ein Zwischenspiel, denn am 21. Dezember 2011 hat Trump im New York State Voter Registration Form unter dem Punkt »Political Party« sein Häkchen in jenes Kästchen gesetzt, hinter dem steht: »I do not wish to enroll in a party.« Damit war er das, was die Amerikaner einen independent nennen, einen Unabhängigen. Was freilich nicht mit einem Mitglied der Independence Party gleichgesetzt werden kann, zu der Trump auch mal gehört hat, denn der New Yorker Zweig der Reform Party firmiert unter genau diesem Namen. Und als wäre das nicht alles schon verworren genug, ist Trump im Jahr 2000 für ebenjene Reform/Independence Party als Präsidentschaftskandidat angetreten, allerdings nicht in New York, sondern in Kalifornien. Trump zog seine Kandidatur zwar einige Monate vor der internen Abstimmung zurück, gewann den Vorausscheid aber trotzdem.

Ach ja, am 12. April 2012 ist Trump dann wieder zu den Republikanern gewechselt. Aller guten Dinge sind eben drei – und sei es die Rückkehr in den Schoß der Partei.

26.12.2017

Israel will einen Bahnhof nach Donald Trump benennen. Trump, so heißt es, habe im Gegenzug vorgeschlagen, dem US-amerikanischen Teil des World Wide Web den Namen Nettanyahoo zu geben.

27.12.2017

Im Bundesstaat Virginia hat ein mit einem »Trust Me«-T-Shirt bekleideter Mann ein Auto gestohlen. Offenbar hat der Kerl, der laut Polizeiangaben Wilmer Lara Garcia heißt, Trump nachzuahmen versucht, nur dass er nicht die Mittel hatte, ein ganzes Land zu seinem persönlichen Gebrauchsgegenstand zu machen und sich deshalb mit einem Honda Civic begnügen musste. Aber das ist im Grunde nur ein gradueller Unterschied, denn fest steht: Macht ist, wenn die Launen wirksam werden.

28.12.2017

Es ist nicht leicht, einen Tagebucheintrag zum Thema sozialer Segregation und Stadtentwicklung in den USA unter der Regierung von Donald Trump zu verfassen, schon gar nicht, wenn es um irgendwelche komplizierten Fälle geht, die Aktenzeichen wie »1:17-cv-02192-BAH« tragen und davon handeln, wie ein Bundesrichter das Wohnungsbauministerium anweist, endlich eine Regel aus der Regierungszeit Barack Obamas umzusetzen, die es ärmeren Familien erleichtern soll, aus Elendsvierteln in bessere Wohngebiete zu ziehen, was durch eine Neuberechnung von Durchschnittsmietpreisen in 23 ausgewählten Metropolregionen, eine entsprechende Anpassung in den Regularien für Wohnberechtigungsscheine und höhere Zuschüsse für Bedürftige geschehen soll – ein Vorhaben, das der von Trump eingesetzte Wohnungsbauminister Ben Carson für einen Akt schändlicher Sozialtechnik hält, wodurch wieder einmal klar wird, dass Carson, Trump und all die anderen marktradikalen Deregulierer heimliche Romantiker sind, was zwar ein ganz netter Umstand, zugleich aber auch ein ziemlich fettes Problem ist, denn wer würde in seinem Tagebuch schon etwas gegen Romantiker sagen und stattdessen von der Anmut eines Aktenzeichens berichten …

29.12.2017

Die Wirtschaft läuft, der Buchladen ersäuft in den Fluten des Amazonass. Book World, die viertgrößte Buchhandelskette der USA, ist pleite und schließt ihre 45 Geschäfte. Denn das ist die Situation: Die Buchläden in den USA sterben nicht wegen fehlender Leser, wegen der E-Books oder einer schlechten wirtschaftlichen Lage, sondern am Lieferweg. Und dann liegen sie da. Am Weg. Und sind selbst geliefert. Ein Relikt der Geschichte, während der große, nach Uferlosigkeit strebende Strom weiterzieht und hinter ihm die verbliebenen Buchläden in Echtzeit zu Antiquitätengeschäften werden, in denen sich die Gegenwart selbst ausstellt.

30.12.2017

Wer im Dunkeln bohrt, braucht keinen, der ihn berät. Und er braucht erst recht keinen, der ihm sagt, wie er’s tun soll und worauf zu achten ist beim Stochern und Stechen in nachtschwarzer Tiefe. Also lockert die Trump-Regierung die Sicherheitsstandards für Ölbohrungen auf See. Und schafft auch gleich noch das HIV-Beratergremium ab. Die Samenamtlichen werden nicht länger benötigt. Wer sich verbohrt, muss sehen wie er kommt. Richtige Männer tragen weder Bedenken noch Gummis. Richtige Männer tragen ihre Kämpfe mit sich und der Welt in der Schutzlosigkeit fremder Körper aus.

31.12.2017

Donnie und seine Leute haben’s geschafft. Das Jahr ist auseinander geklappt, die Köpfe liegen links und rechts auf den Flanken, dazwischen haben die Verbliebenen ihre Zwerchfelle gespannt, denn wer bleiben will, muss jetzt Trumpolin springen. Salto vor und zurück, vor und zurück, so lange, bis sie stürzen, die Köpfe abknicken und links und rechts auf die Flanken rausrollen. Willkommen an den Rändern, die eines Tages der Mittelpunkt der Geschichte eines ganzen Landes gewesen sein werden.

01.01.2018

Ach, gäbe es doch nur eine zweite Ebene in Donald Trumps Aussagen, dann gäbe es wenigstens Hoffnung.

02.01.2018

Die durchschnittliche Penislänge eines US-Amerikaners beträgt 13,1 cm, die eines Nordkoreaners bloß 9,8 cm. Nur falls Donald Trump mal andere Argumente als die Größe des Atomwaffenknopfs auf seinem Schreibtisch braucht.

03.01.2018

Kriminalisierungsende! Kalifornier kiffen künftig klauselgerecht. Krautläden kriegen Konzessionen, kaufen’s Kraut kiloweise, kreieren kosmische Kräuterraketen. Kiffer kriegen Kontingente. Knüppeldicke Knistertüten kosten kräftig Kohle. Keine Kreditkarten. Kreditinstitute kooperieren keineswegs. Klimperkrötenzwang!

04.01.2018

Durch die mediale Konzentration auf Trump und seine Regierung wird allzu oft (und allzu leicht) übersehen, dass ein Großteil der Politik in den Bundesstaaten gemacht wird. Allein 2017 sind dort über 21.000 Gesetze erlassen worden. Wobei sich viele mit den Wünschen der Regierung verbinden. Aber die meisten bleiben unter dem Radar der Öffentlichkeit. Aber wenn man genau hinschaut oder, wie im Fall von Illinois, hinhört (can you hear the Illi-noise?), dann zeigen sich die Harmonien. Und die funktionieren auch über Parteigrenzen hinweg. In Illinois jedenfalls hat die demokratisch dominierte Generalversammlung ein Gesetz verabschiedet, dass massive Steuererleichterungen für all jene vorsieht, die Stipendien an Privatschulen vergeben. Im Hintergrund hat allerdings der republikanische Gouverneur und Geschäftsmann Bruce Rauner die Fäden gezogen. Rauner ist ebenso milliardenschwer wie Bildungsministerin DeVos und genau wie sie davon überzeugt, dass das amerikanische Schulsystem in private Hände gehört. Weil man das aber weder als Gouverneur noch als Bildungsministerin sagen kann (zumindest nicht laut), wird die Sache als »school choice« verkauft und so getan, als würde das Gros der Schüler nur deshalb in staatliche Schulen gehen, weil die gegenüber den privaten bevorteilt werden, was es auszugleichen gelte. Dabei weiß jeder: Wenn Milliardäre von fehlender Chancengleichheit reden, stimmt irgendwas nicht. In diesem Fall ist es die bildungspolitische Agenda. Statt in die staatlichen Schulen zu investieren und damit die wachsende soziale Ungleichheit zu bekämpfen, werden die Privatschulen und damit auch die Kluft in der Gesellschaft weiter gestärkt. DeVos war dann auch ganz schnell dabei, ihrem Parteifreund Rauner für seinen Einsatz zu danken und zu erklären: »Wirkliche Veränderung und Innovation im Bildungsbereich kommt nicht aus Washington – sie kommt aus den Bundesstaaten, wo sich die Eltern und Schüler wünschen, dass sie gehört werden und mehr Möglichkeiten für Bildung entstehen.«

Es sind Möglichkeiten, die immer nur einem Teil der Menschen zur Verfügung stehen. Jenen, die es sich leisten können, aus ihrem Vermögen Stipendien für Privatschulen zu finanzieren, und sich ihr Geld anschließend vom Staat über die Steuer zurückholen.

05.01.2018

Regelerneuerung: Wenn bei Schülerinnen, deren Eltern nur den Regelsatz beziehen, während der Regel das Fernbleiben von der Schule zur Regel wird, weil sie sich regelmäßig keine Regelbinden leisten können, regelt die kalifornische Schulbehörde das jetzt auf ihre Weise und rekurriert auf ein Regularium, welches besagt, dass Regelschulen Regelblutungskontrollartikel künftig kostenlos in die Regale legen müssen.

06.01.2018

»So viel Genie

wie bei me,

war noch nie,

Melanie.«

»Ich heiße Melania!«

(Transkript der kompletten Unterhaltung zwischen Donald Trump und seiner Frau gestern Abend im Bett.)

07.01.2018

25.000 Punkte (und es geht noch weiter)

Der Dow Jones wird das Dach der Wall Street sprengen,

die Einkommen der Leute werden auskömmlich sein,

die Arbeitslosenzahl wird unter den IQ des Präsidenten sinken

und Amerika so groß werden, dass Kanada daneben wie ein Zwergstaat

erscheint.

Kein Mensch wird mehr leiden,

niemand mehr den Zweck mit den Mitteln vergleichen,

weil sich keiner mehr daran erinnert,

dass es mal ein Glück ohne Rendite gab.

08.01.2018

Tagebuchschreiber sind die Lokomotiven ihrer eigenen Geschichte. Ich dagegen bin der ferngesteuerte Begleitwagen einer Dampfwalze.

09.01.2018

Wenn wir eines fernen Tages auf diese Präsidentschaft zurückblicken, wird es uns seltsam erscheinen, wie groß unsere Ängste damals waren und wie klein letztlich ihre Erfüllung. Dann werden wir uns diese Präsidentschaft als Geschichte einer ausgebliebenen Katastrophe erzählen.

10.01.2018

Vielleicht ist die schiere Morallosigkeit, mit der Trump und andere Rechtspopulisten die politische Gegenwart zu formen versuchen, nur das reaktionäre Spiegelbild jener moralischen Arroganz, mit der ein Teil der Linken die Geschichte betrachtet.

11.01.2018

Würde sich von Donald Trumps Selbstvertrauen auch nur ein kleiner Teil in Verstand umwandeln, er würde blitzartig begreifen, dass sein größtes Unglück nicht die Russen, irgendwelche Enthüllungsbücher oder kleine Männer aus Nordkorea sind. Oh nein, ihn würde – gleich einem Eimer kalten Wassers, den man über einem Menschen ausgießt – die Erkenntnis durchschaudern, dass sein größtes Unglück darin besteht, dass er sich jeden Tag selber passiert.

12.01.2018

Alle Welt schimpft, dass Donald Trump afrikanische Länder als »shithole countries« bezeichnet hat. Aber das stimmt nicht. Er hat einfach nur laut gelesen. Zum ersten Mal in seinem Leben hat Donald Trump ein Buch gelesen! Und weil das neu für ihn war, hat er’s eben laut getan. Superhawks. Strike Force Alpha, heißt die Schwarte. Die muss der Verteidigungsminister auf dem Tisch liegen lassen haben, denn der war vorher mit seinen Militärberatern in dem Raum. Aber dann sind die Militärs raus, und die Schluffis von der Migrationsabteilung sind rein und haben sofort angefangen, von Afrika zu reden, und da war Donnie langweilig, so langweilig, dass er angefangen hat, in dem verdammten Buch rumzulesen, und da haben plötzlich alle aufgehört zu reden und gestaunt, denn zuvor hatte noch niemand Donnie jemals lesen sehen. Aber jetzt war es so weit, Donnie las, und erzählte dabei irgendwas von vergiftetem Wasser und dass man so was in Amerika nicht haben wolle. Und alle dachten, er spreche über die afrikanischen Länder und wie schlecht es den Leuten da geht, aber Donnie war ganz woanders und hat nach der Geschichte von dem vergifteten Wasser einfach weitergelesen und gesagt: »Maybe that’s how some people like it, living in their little shithole countries, but not us. We are Americans and we are special. Don’t let anyone tell you different. We went to the goddamn moon and we saved Western civilization three goddamn times in the past hundred years.«

Dann hat er aufgeschaut, hat vor sich lauter Leute mit offenen Mündern gesehen, hat sich gefragt, ob die sie vielleicht nicht mehr alle haben, hat sich das Buch geschnappt und ist damit aufs Klo gegangen. Und alle dachten nur: Shit, was machen wir jetzt? Und nur Donnie wusste, was er jetzt gleich macht …

13.01.2018

Ein Drama in fünf Akten (für manche ist’s freilich ein Lustspiel):

1. Im November 2011 erklärt Kathleen Hartnett White öffentlich: »Es gibt keine Umweltkrise, in Wahrheit gibt es fast keine großen Umweltprobleme.«

Sie ist zu diesem Zeitpunkt Leiterin einer Energie- und Umweltorganisation, die von ExxonMobil, Chevron und den ultrakonservativen Koch-Brüdern gesponsert wird.

2. Sechs Jahre später, im Oktober 2017, wird Kathleen Hartnett White von Donald Trump als Leiterin des Rates für Umweltqualität vorgeschlagen. Sie soll die umweltpolitischen Maßnahmen des Weißen Hauses koordinieren.

3. Im Dezember 2017 verweist der US-Senat den Personalvorschlag an Trump zurück, da Hartnett White nicht die nötige Unterstützung hat.

4. Donald Trump könnte jetzt einen neuen Kandidaten bestimmen.

5. Donald Trump nominiert Kathleen Hartnett White einfach noch mal.

14.01.2018

Donald Trumps historische Erfahrungen sind die Ereignisse des jeweils letzten Tages.

15.01.2018

Donald Trump und seine Söhne preisen Martin Luther King auf Twitter. Das hätte vermutlich nicht mal der sich träumen lassen.

16.01.2018

Sie nennen mich einen Rassisten, aber das ist FAKE! Ich schlage nur Weiße. Der einzige Präsident, der jemals Schwarze geschlagen hat, war Woodrow Wilson. Aber ich spiele Golf nicht im Schnee.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

17.01.2018

Die Trump-Administration plant eine neue Militärdoktrin, in der Atomwaffen wieder eine stärkere Rolle spielen. Damit sollen vor allem Russland und China in Schach gehalten werden. Ein klassischer Irrtum, denn mit Atomwaffen ist es wie mit Frühstückseiern: Wenn man selbst dafür verantwortlich ist, dass die Sache schon viel zu lange kocht und immer noch vor sich hindampft, nützt am Ende auch das Abschrecken nichts mehr.

18.01.2018

Donald Trump muss unsterblich sein. Wie will er sonst all die Versprechen einlösen, die er als Präsident bisher gegeben hat?

19.01.2018

Haushaltssperre? Versteht Donnie nicht. Er hat schon immer mehr Geld ausgegeben, als er eigentlich hatte. Das ist sein verdammtes Erfolgsprinzip! Sein Motto lautet schließlich nicht runterfahren, sondern hochstapeln.

20.01.2018

4 Jahre – 1 Jahr = drei(ste) Jahre, die noch vor uns liegen.

21.01.2018

In Ohio wollen die Republikaner einen Abgastest für alte Autos abschaffen, der in Teilen des Bundesstaates gilt. Allerdings können sie ihn nicht selbst aufheben, da der Test mit einem Programm verbunden ist, das 1996 durch die damalige Regierung in Washington aufgestellt wurde. Also haben die Republikaner in Ohio im März letzten Jahres mithilfe ihrer Mehrheit im Repräsentantenhaus einen Beschluss gefasst, der die Trump-Regierung auffordert, die Regel zu kippen. Um der Sache Nachdruck zu verleihen, haben die Republikaner aus Ohio Trump und seinem Umweltzerstörungsminister Pruitt sogar persönlich geschrieben und darum gebeten, dass sie was tun. Aber sie haben bis heute keine Antwort erhalten. Wahrscheinlich hätten sie nicht reinschreiben sollen, dass der Test vor allem Menschen aus den unteren und mittleren Einkommensschichten belastet, da sie nicht das Geld haben, sich ständig neue Autos zu kaufen und deshalb diejenigen sind, die mit ihren alten Schrottkarren zum Abgastest müssen. Das klingt zu sehr nach Sozialpolitik und damit nach den Demokraten. Wahrscheinlich hätten sie Trump und Pruitt einfach fragen müssen: »Wie soll Amerika wachsen, wenn die Emissionsraten schrumpfen?!« Dann hätten die beiden das Programm sofort runtergefahren und sich dabei sogar noch eins gelacht. Dann wären nämlich künftig 1.000 Tonnen N2O mehr in der Luft gelandet. Das Zeug ist wahlweise als Distickstoffmonoxid oder als Stickoxidul bekannt. Der Volksmund nennt’s dagegen nur Lachgas.

22.01.2018

Wenn Donald Trump wirklich die Eier hätte, die er immer vorgibt zu haben, dann würde er den Befehl erteilen, diesem verdammten Erdoğan und seinen Unterstützern in Syrien ein paar in die kriegstreiberischen Fressen zu hauen, und mithelfen, dass die Kurden endlich das bekommen, was sie verdienen – Frieden und Land.

23.01.2018

Waschmaschine

Waschmaschina

Waschmachina

Wasmachchina

Wasmachtchina?

Strafzölle!

24.01.2018

Donald, the deeply disturbing Dumpfbacke, beweist’s jeden Tag: Die Leere eines Kopfes ist proportional zur Fülle der Versprechen, die aus ihm kommen.

25.01.2018

Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Der gemeinsame Welthandel ist in seinen Augen ein gemeiner Welthandel. Für Trump gilt: America First – wer auf Platz Zwei kommt, ist ihm egal. Im Grunde ist die Sache nicht schwer zu verstehen. Solange die kleinen Pisser aus den anderen Ländern seinen Namen in den Schweizer Schnee pinkeln, dürfen sie mit ihm auf Rodelpartie gehen. Falls sie aber die chinesischen Schriftzeichen bevorzugen, werden die Beziehungen eingefroren. Dann gibt’s ’ne Eiszeit. Die Folge: Allgemeine Aufregung im Alpenstädtchen. Die Nieten in den Nadelstreifen schaudert’s bei Trumps Wunsch nach Protektionismus. Dabei weiß eigentlich jeder: Davos ist da, wo’s Donnie krachen lässt.

26.01.2018

Trump hat gestern beim Weltwirtschaftsforum mit den großen Konzernchefs zu Abend gegessen. Die Kerle saßen am Tisch wie Zinnsoldaten, ganz aufrecht und steif, als hätten sie ein Rückgrat.

27.01.2018

Das amerikanische Wirtschaftsministerium hat eine Untersuchung eingeleitet, die sich mit der Frage beschäftigt, ob aus China importierte Zierschleifen und Dekobänder unerlaubte Subventionen erhalten haben und dadurch amerikanischen Zierschleifen- und Dekobandherstellern Nachteile entstanden sind. In den nächsten zehn Monaten wird die amerikanische Wirtschaftsministerialzierschleifenunddekorbandauswicklungsabteilung die Sache prüfen. Wenn rauskommt, dass unerlaubte Subventionen geflossen sind, können die Chinesen einpacken! Und zwar nicht nur ihre Zierschleifen- und Dekobandproduktion, sondern auch sich selbst. Frei nach dem Motto: Die chinesische Bastion mit Zierschleifen schleifen.

28.01.2018

Ein neues Buch ist auf dem Markt. God and Donald Trump, von einem Mann namens Stephen E. Strang. Mr. Strangs strange These: Gott habe bei der Präsidentschaftswahl seine Hände im Spiel gehabt und Millionen Schafe … ähem … Wähler zu Trump geführt. Denn er, Donald Trump, sei vom Allmächtigen persönlich auserwählt worden.

Früher wäre der Autor eines solchen Buches wegen Ketzerei geteert und gefedert worden, heute wird er geehrt und gefeiert. Willkommen im Jahr 2018.

29.01.2018

Donald Trump hat in einem Interview behauptet, das Polareis habe gerade eine Rekordausdehnung erreicht. Laut aktuellen Forschungsdaten sind in der Antarktis 9,14 Mill. km2 und in der Arktis 11,8 Mill. km2 von Eis bedeckt. Das sind die zweitniedrigsten jemals gemessenen Werte. Sie stammen von Dezember 2017, jenem Monat, in dem Donald Trump den Klimawandel von der Liste der nationalen Bedrohungen gestrichen hat.

30.01.2018

Während ich dieses Tagebuch schreibe, fühlt es sich manchmal an, als würde ich den Stein des Sisyphus den Berg hinaufrollen, als wären meine ganzen Anstrengungen von vorne bis hinten und von oben bis unten ein komplett falsches, nutzloses, fehlgeleitetes Tun, besonders jetzt, in Tagen wie diesen, wenn die halbe Welt am Abkacken ist und ein Prahlhans wie Donald Trump fast schon wie ein harmloses Maskottchen aus irgendeiner schlecht gemachten Werbeshow wirkt angesichts all der machthungrigen Sultane und Kriegspräsidenten im Osten, die von keinen checks and balances zurück auf den Boden geholt werden, den Boden, auf den sie glauben, ein Anrecht zu haben, den Boden, auf den sie ihre Bomben werfen, den Boden, der sie hoffentlich bald sechs Fuß tief verschluckt.

31.01.2018

Das amerikanische Umweltministerium möchte, dass Pestizide künftig auch schon von unter 18-Jährigen eingesetzt werden dürfen. Denn alle wissen: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Beziehungsweise, wie es im Umweltministerium heißt: Wenn das Pflänzchen sein Pestizidchen nicht kriegt, kommt der Pflanze ein Schädling in die Quer’.

01.02.2018

Bisher glaubten die Menschen, Unsichtbarkeit beruhe auf einer besonderen Eigenschaft, doch seit Melania wissen sie, dass die Grundlage der Unsichtbarkeit eine besondere Eigenschaftslosigkeit ist.

02.02.2018

Trump twittert nicht, er gibt dem großen Affen namens Zeitgeist Zucker. 280 Stück direkt in den Rachen. Kein Wunder, dass die Leute Durst nach Rache bekommen und Wasserdampf ablassen müssen, wenn sie seine Nachrichten lesen.

03.02.2018

Es heißt, seit die Trump-Regierung an der Macht ist, seien Zeitungen wieder im Aufwind und gutes journalistisches Handwerk wichtiger als je zuvor. Das stimmt, doch profitieren leider fast nur die großen Verlagshäuser davon. Die kleinen und mittleren Zeitungen dagegen taumeln weiter – und fallen. Reihenweise. Jetzt hat auch die Charleston Gazette-Mail in West Virginia Insolvenz angemeldet. Dabei wurde der Zeitung erst im vergangenen Jahr der Pulitzerpreis für ihre Berichterstattung zur Opioid-Krise verliehen, und auch sonst gilt das Blatt als herausragend in seiner investigativen Arbeit, den Reportagen über Machenschaften der Kohleindustrie oder bei der Aufdeckung von Korruptionsfällen – und das seit Jahrzehnten. Aber es scheint nichts zu nützen. Der Teufel scheißt leider auch beim Widerstand gegen selbsternannte Götter immer nur auf den größten Haufen.

04.02.2018

Der frühe Werber fängt den Wähler. Zwei Jahre vor Beginn der Präsidentschaftsvorwahlen schalten die ersten Kandidaten bereits ihre Wahlwerbespots. Und das ausgerechnet in den Pausen beim Super-Bowl. Wo doch jeder weiß, dass es mit den Gedächtnissen von Football-Spielern durch die dauernden Kopfstöße nicht gerade zum Besten steht. Andererseits, vielleicht können sich die Leute die Namen der künftigen Kandidaten ja besonders gut merken, wenn sie zwischen zwei Footballer-Schädeln aufploppen und dann mit Schmackes durch den Helm ins Hirn gehämmert werden.

05.02.2018

Ein Umschwung hat begonnen. Trumps Politik ist in die Phase der Relativierungen eingetreten. Er wird in den Zeitungen zunehmend als erfolgreicher Präsident angesehen. Es ist die Zeit der »Trump ist zwar«-Kommentatoren …

Trump ist zwar dumm, aber er hat die Konjunktur angekurbelt.

Trump ist zwar ein Schaumschläger, aber er hat den IS militärisch weitgehend besiegt.

Trump ist zwar ein Rassist, aber er hat die Arbeitslosenquote unter Afroamerikanern gesenkt.

Nicht mehr lange und der erste Teil dieser Sätze wird verschwinden. Dann kommt die Zeit der »Trump hat«-Kommentatoren. Sie werden erklären, dass er das alles ganz allein geschafft hat. Nicht mal einen Koch hatte er bei sich, denn sein Essen hat sich Donnie immer bei McDonald’s geholt.

06.02.2018

Das also ist der von Donald Trump versprochene Kampf gegen die Opioid-Epidemie mit täglich 175 Toten:

Er benennt seit einem Jahr keinen neuen Direktor für das Office of National Drug Control Policy, die oberste Behörde zur Koordinierung der gesamten amerikanischen Anti-Drogen-Politik.

Er lässt die Behörde stattdessen monatelang von einem 24-Jährigen führen, der keinerlei Erfahrung auf dem Gebiet der Drogenbekämpfung, dafür aber umso mehr als Wahlkampfhelfer von Donald Trump hat.

Er dünnt die Führungsspitze von neun auf drei Leute aus.

Er plant, der Behörde massiv die Mittel zu kürzen.

Er lädt den geschäftsführenden Direktor nicht zu den entsprechenden Kabinettssitzungen ein.

Donald Trumps Kampf gegen die Drogen scheint eher einer gegen die eigene Anti-Drogen-Behörde zu sein.

07.02.2018

Letztes Jahr hat Donald Trump in Frankreich eine große Militärparade gesehen. Jetzt will er auch eine haben. Die im Pentagon sollen das organisieren.

In den anderen Ministerien geht derweil die Angst um. Dutzende Mitarbeiter wurden abgestellt, um Fotos und Videos zu sichten und zu ermitteln, was Donnie auf seinen Reisen noch so alles gesehen haben könnte. In ersten Berichten ist vom Kolosseum, der Elbphilharmonie und der Klagemauer die Rede. Letztere will man so schnell als möglich bauen. Dann kann man Donnie auf die eine und Melania auf die andere Seite stellen und sie können sich gegenseitig ihr Leid klagen. Das schafft ein bisschen Ruhe und Frieden zwischen all den dröhnenden, drohenden Militärparaden.

08.02.2018

»Am 15. August hat Donald Trump ein Dekret erlassen, in welchem er die von der Obama-Regierung beschlossenen baulichen Mindeststandards für mit Bundesgeldern geförderte Gebäude und Infrastrukturprojekte in Flutgebieten wieder aufgehoben hat.« Das ist natürlich ein Selbstzitat aus dem Tagebucheintrag vom 30. August 2017, aber was soll ich tun, wenn Trumps Regierung das Rad vor- und zurückdreht? Jedenfalls hat das Wohnungsbauministerium heute festgelegt, dass die Bundesstaaten künftig bei Gebäudeneubauten und Infrastrukturvorhaben in Flutgebieten darauf achten müssen, dass diese deutlich oberhalb des Hochwasserlevels liegen. Mit anderen Worten: Was Obama einst beschlossen und Trump danach wieder abgeschafft hatte, hat der Wohnungsbauminister jetzt wieder in Kraft gesetzt. Man könnte auch sagen: Die Regierung rotiert.

09.02.2018

In Donald Trump offenbart der Zeitgeist seine zeitlose Geistlosigkeit.

10.02.2018

Nun hat Donald Trump doch noch einen Direktor für das Office of National Drug Control Policy nominiert. Sein Name ist Jim Carroll, nur leider ist er so unbekannt, dass es selbst den stets gut informierten amerikanischen Zeitungen nicht gelungen ist, ein Foto von ihm aufzutreiben. Weil’s ohne Bild aber nicht geht, haben einige zu ihren Texten ein Foto des Schriftstellers Jim Carroll veröffentlicht, der nicht nur den gleichen Namen wie der künftige Direktor, sondern auch mal ein Buch über Drogen geschrieben hat. Dass dieser Jim Carroll, der bereits 2009 verstorben ist und ein langjähriger Heroin-Süchtiger, ehemaliger Punk und Künstlerfreund Andy Warhols war, mit seinem Konterfei eines Tages diverse Artikel zur nationalen Anti-Drogen-Behörde illustrieren würde, hätte er sich wahrscheinlich nicht mal auf seinem krassesten Trip vorstellen können.

11.02.2018

Die allgemeine Bevölkerungsumfrage lügt nicht. Sie wird alle zwei Jahre durchgeführt und macht deutlich: Amerikaner haben immer weniger Sex. Zeit für Donnie, mal laut »MeToo« zu rufen.

12.02.2018

Donald Trumps Infrastrukturprogramm: Füllen von Schlaglöchern bei gleichzeitigem Aufreißen von Haushaltslöchern.

13.02.2018

Wenn es nach dem Willen des Landwirtschaftsministeriums geht, sollen die 16 Millionen Bedürftigen in den USA künftig statt Lebensmittelmarken »Food Boxes« bekommen. Frisches Obst, Gemüse und Fleisch werden da zwar nicht drin sein, dafür aber jede Menge Dosenfutter, das sich problemlos bis zum Ende von Donnies Präsidentschaft hält, wobei es in diesem Falle egal ist, ob die ein oder zwei Amtszeiten dauert. Eines steht aber jetzt schon fest: Neokonservatismus definiert sich ab sofort als »die Politik der neuen Konserve«.

14.02.2018

Es heißt, Donald Trumps angebliche Affäre, die Pornodarstellerin Stormy Daniels, habe von seinem Anwalt 130.000 Dollar Schweigegeld bekommen. Aber das stimmt nicht. Eine Frau, die vom adipösen Donnie in die Laken gedrückt wird, kann nicht schweigen. Sie schreit. Und wer schreit, hat Schmerzen. Und wer Schmerzen hat, bekommt Schmerzensgeld. So einfach ist das. Und selbst wenn es anders ist, d. h. Donnie in die ganze Sache gar nicht involviert war und sein persönlicher Paragrafenreiter die mopsfidele Hoppelschwester für irgendeine andere Galoppnummer bezahlt hat – Stormy Daniels kann gar nicht schweigen. Sie schreit in jedem ihrer Filme. Ich habe das gerade geprüft.

15.02.2018

Und wieder einmal hat sich gezeigt, wie gut und richtig die amerikanischen Waffengesetze sind. Und vor allem: wie wirkungsvoll. Denn als gestern ein Amokläufer in Parkland (Florida) in eine Schule stürmte, zogen Schüler und Lehrer wie von der Waffenlobby gewünscht ihre Gewehre und Pistolen unter den Bänken hervor und überwältigten den Angreifer binnen Sekunden. Es war ein Kinderspiel. Mit seiner halbautomatischen AR-15 hatte der Eindringling nicht den Hauch einer Chance. Er wurde im Klassenraum abgeknallt und wenige Minuten später von zwei fröhlich lächelnden Polizisten abtransportiert. Anschließend wurde der Unterricht fortgesetzt.

16.02.2018

In Europa endete das Mittelalter mit der Entdeckung Amerikas.

In Amerika beginnt das Mittelalter mit der Abwendung von Europa.

17.02.2018

Im Bundesstaat Indiana sollen Eltern, deren Kinder öffentliche Schulen besuchen, zukünftig schriftlich erklären, dass ihre Kinder am Sexualkunde-Unterricht teilnehmen dürfen. Liegt keine Erlaubnis vor, ist es dem Kind nicht gestattet, den Kurs zu besuchen. Man verkauft das als neue Wahlfreiheit der Eltern und als Notwendigkeit, sich informieren und mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen. Tatsächlich aber wurde der Gesetzentwurf von konservativen Gruppen eingebracht und deren Ziel ist klar. Nur der Weg dahin muss echt amerikanisch aussehen. Und so kleidet man die Gegenaufklärung in den Deckmantel der Freiheit.

18.02.2018

Hab heute gelesen, dass in den amerikanischen Landmaschinen immer mehr Sensoren und andere High-Tech-Teile verbaut werden. Für die Reparatur braucht es dann entsprechende Software und Reparaturanleitungen. Genau die aber werden in den USA von Firmen wie John Deere, Apple, Microsoft, AT&T und Tesla nicht freigegeben und nur an autorisierte Händler verkauft. Die Folge: Extrem hohe Reparaturkosten, Zeitverlust, Ernteausfälle. Aber die Farmer wehren sich und fordern die Freigabe der Software und Baupläne, denn sie wollen ihre Maschinen selbst reparieren. Weil sich die Firmen aber weigern, haben sich die ersten jetzt mithilfe von Filesharing-Netzwerken Programme besorgt, mit denen sie die Fehler in ihren Maschinen auslesen und beheben können. Denn das ist der Lauf der Welt auf dem Lande: Früher wurde Unkraut gehackt, heute werden Traktoren gehackt.

19.02.2018

Wenn du die schlechten Nachrichten nicht mehr leugnen kannst, dann interpretiere sie so, dass sie wie gute Nachrichten klingen. Das hat sich wohl auch Amerikas Umweltzerstörungsminister Scott Pruitt gedacht, denn statt den Klimawandel weiter abzustreiten, setzt er jetzt darauf, den Menschen die positiven Seiten der Erderwärmung schmackhaft zu machen. Frei nach dem Motto: Wenn dein Haus brennt, brauchst du’s nicht mehr zu heizen.

20.02.2018

Donald Trump Jr., von Beruf Präsidentensohn und selbst im dunklen Trump-Universum nicht gerade die hellste Kerze am Leuchter, ist gerade in Indien, um Geschäfte zu machen. Vier neue Trump-Tower sollen dort gebaut werden, mehrere hundert Luxus-Eigentumswohnungen inklusive. Interessenten können Trump Jr. sogar persönlich treffen. Das Meet & Greed kostet 38.000 Dollar. Heiße Luft war nie so günstig.

21.02.2018

Als Reaktion auf das Schulmassaker von Parkland, bei dem letzte Woche ein 19-Jähriger mit einer halbautomatischen AR-15 17 Menschen erschossen hat, soll am 24. März in Washington D. C. eine große Demonstration für strengere Waffengesetze stattfinden. Am selben Tag wollen die Republikaner von Stevens County im Bundesstaat Washington eine Spendengala abhalten. Eines der Objekte, die bei dem Fundraising-Dinner ersteigert werden können, ist eine solche AR-15. Zwar haben die Organisatoren das Angebot heute zurückgezogen, aber nur vorübergehend. Schließlich, so sagen sie, stehe man zum aktuellen Waffenrecht, und überhaupt sei die AR-15 sehr populär.

22.02.2018

Donald Trumps Präsidentschaft hat auch ihr Gutes, denn seine Amtszeit bringt das eigentliche Drama Amerikas erst so richtig zum Vorschein. Es besteht darin, dass dieses Land ein Gefangener seiner eigenen Freiheitsvorstellungen ist.

23.02.2018

Das Schulmassaker von Parkland ist eines der schwersten in der Geschichte der USA, und dennoch ist es in seiner Wirkung nicht zu vergleichen mit dem Amoklauf an der Columbine High School am 20. April 1999. Columbine ist zum Archetyp des amerikanischen School Shootings geworden und hat die Schüler in eine Generation vor und eine nach Columbine unterteilt. Nicht nur, weil die Zahl der Schulmassaker infolge von Columbine deutlich gestiegen ist, sondern weil diejenigen, die seit dem 20. April 1999 die Schulen besuchen, sich eine Welt ohne School Shootings gar nicht mehr vorstellen können. Aber wie auch? Statt die Waffengesetze zu verschärfen, werden noch mehr Waffen gefordert und die Schulen weiter hochgerüstet. Dabei könnte es alles ganz anders sein … Als das für Bildungsfragen zuständige Komitee des US-Senats zwei Wochen nach Columbine eine Anhörung durchführte, wurde auch Denise Gottfredson als Sachverständige eingeladen. Gottfredson lehrt als Professorin für Kriminologie und Strafrecht an der Universität Maryland und ist eine der führenden Forscherinnen auf dem Gebiet von School Shootings und jugendlicher Gewalt. Sie erklärte damals:

»Metal detectors and school patrols will make our schools seem like armed camps and will destroy the learning environment and in fact increase the level of fear of our kids by reminding them on a daily basis how vulnerable they are. School uniforms, with or without bulletproof armor underneath; concealed weapons for teachers with the NRA is now supporting …«*

24.02.2018

In Florida haben Republikaner und Demokraten gemeinsam entschieden, dass der Schriftzug »In God We Trust« in Zukunft deutlich sichtbar an allen Schulen zu sehen sein muss. Gott hat daraufhin entschieden, Florida von seiner Liste vertrauenswürdiger Staaten zu streichen.

25.02.2018

Letzte Nacht haben wir Schweden im Olympiafinale beim Curling geschlagen. War ne klare Sache. Diese Muslime können halt nicht auf Eis.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

26.02.2018

Im Grunde ist Donald Trump ein Chuck-Norris-Witz ohne Pointe.

27.02.2018

2016 hat das US-Transportministerium nach mehreren schweren Truck-Unfällen infolge überhöhter Geschwindigkeit ein Gesetz auf den Weg gebracht, welches besagt, dass neue Trucks mit einer Software ausgestattet werden müssen, die die Geschwindigkeit bei Gefahr automatisch reduziert. Das Gesetz wurde von der Trump-Administration zunächst auf Eis gelegt und jetzt vom Transportministerium endgültig begraben. Zu viele Regulierungen bremsen die Wirtschaft, sagt Truckdriver Trump. Stimmt, pflichten ihm seine Parteifreunde bei, und machen sich daran, ein weiteres Gesetz aus den Angeln zu heben. Es wurde 2015 verabschiedet und soll Züge mit leicht entflammbarer Fracht mit einem speziellen Bremssystem ausstatten, das den Bremsweg verringert und bei einem Unfall eine größere Zahl von Waggons auf der Schiene hält. Zu viele Regulierungen bremsen den Konjunkturzug, erklärt Lokführer Donald, und stellt die Signale, die sogleich dollargrün leuchten.

28.02.2018

Gute Nachrichten. 64 % von Trumps Agenda wurden bereits umgesetzt. Das hat zumindest die Heritage Foundation heute errechnet, und Trump hat die Nachricht mit Freude auf Twitter verbreitet. Das Gute daran: Da Trump seit genau 404 Tagen im Amt ist, wird er seine gesamte Agenda nach 631 Tagen abgearbeitet haben. Demzufolge wird Donald Trump am Samstag, dem 13. Oktober 2018, mit seiner Arbeit fertig sein und – da nichts weiter zu tun ist – zurücktreten.

01.03.2018

Trumps Kommunikationsberaterin Hope Hicks hat angekündigt, demnächst ihr Amt niederzulegen. Gegenüber dem Geheimdienstausschuss hat sie vor ein paar Tagen zugegeben, ab und an gelogen zu haben, um Trump in der Russland-Affäre aus der Bredouille zu helfen. Ansonsten konnte sie sich in der neunstündigen Befragung aber an nicht viel erinnern und hat die Antwort auf die meisten Fragen der Ausschussmitglieder verweigert. Zeit also, ihr (und uns!) ein kleines Abschiedsgedicht zu schreiben …

Schluck’s runter

(Es gibt Hoffnung)

Seit Jahrtausenden fragen sich die Menschen

was sie gegen ihren

Hicks

tun können.

Sie haben alles probiert

Luft anhalten

Cannabis konsumieren

Multiple Orgasmen

Rektalmassagen

Essig durch die Nase ziehen

aber nichts hat geholfen.

Und jetzt

jetzt ist

Hicks

weg,

einfach so.

hat gekündigt,

um flüchten zu können

auf ihren langen Beinen

der Lüge.

02.03.2018

Donald Trump hat Strafzölle auf importiertes Aluminium angekündigt. Konkret heißt das: Sobald ausländisches Aluminium auf dem Staatsgebiet der USA eintrifft, kommen mit Zollstöcken bewaffnete Zöllner und schneiden von jedem Meter Aluminium ein Zoll, also 2,54 cm, ab. Anschließend wird das Aluminium namenstechnisch verlängert und darf fortan nur noch Aluminimum genannt werden. Weil aber niemand, der noch halbwegs bei Trost ist, beschnittenes unamerikanisches Aluminimum kauft, wird der Markt bald schon von einheimischen Produkten dominiert werden, die fortan als Alumaximum verkauft werden.

03.03.2018

Donald Trump palavert auf Twitter ein bisschen über Handelskriege. Seine steile These: »Handelskriege sind gut und leicht zu gewinnen.« Das steil bergab führende Resultat: Unruhe und Kursverluste an den Börsen.

04.03.2018

Nachdem Donald Trump gestern Abend in aller Öffentlichkeit davon geträumt hatte, Präsident auf Lebenszeit zu sein, fand man heute Morgen bei Christian Dior in Paris eine E-Mail im Postfach. Sie enthielt nur einen einzigen Satz. Er lautet: »Können Sie aus einem Trau- ein Trauerkleid machen?«

05.03.2018

Das Unglück, das Typen wie Trump und Co. Tag für Tag in die Welt setzen, besteht nicht darin, dass es irgendwann mal knallt und die Welt untergeht. Das wahre Drama ist ein ganz anderes. Es besteht darin, dass die Welt nicht untergeht, dass sie nie untergehen wird, was immer diese Knallchargen auch tun. Sie bleibt, ein immer schrecklicherer Ort – und so bleiben auch wir. Und das, das ist unser Untergang. Inmitten einer ewigen Welt gehen wir auf ewig unter.

06.03.2018

In Ohio haben zwölf Personen eine Lizenz, Marihuana für den medizinischen Gebrauch anzubauen. Als jetzt Gesundheitsminister Alex Azar, ein ehemaliger Pharma-Manager, Ohio besuchte, erklärte er auf Nachfrage: »There really is no such thing as medical marijuana.«

Es ist seit zweitausend Jahren das gleiche Problem: Unter 13 Leuten ist immer ein Verräter.

07.03.2018

Im Mittleren Westen schießen die Heupreise in die Höhe.

Im Weißen Haus sinkt durch Ausstieg von Gary Cohn, der Trumps Strafzölle auf Importwaren nicht mittragen wollte, unterdessen die Zahl der Wirtschaftsberater.

Dazwischen gibt es keinen Zusammenhang, nur ein paar Zahlen.

Im Jahr 2017 haben die Vereinigten Staaten Heu im Wert von 1,46 Milliarden Dollar exportiert. Demgegenüber stehen Importe im Wert von gerade mal 62 Millionen.

Merke: Wenn man so viel getrocknetes Gras verkauft, dass man am Ende Geld wie Heu hat, ist mit dem Protektionismus von vornherein Schluss.

08.03.2018

Die Typen vom Pentagon wollen, dass ich endlich mal zu den Truppen ins Kriegsgebiet reise. Nach Syrien, Irak oder Afghanistan. Die haben gut reden. Die können den ganzen Tag in der Weltgeschichte rumballern, während ich zu Hause nicht zum Schuss komme. Ungerecht!

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

09.03.2018

Manchmal kommt es mir vor, als würde sich das Märchen über Des Kaisers neue Kleider in der Präsidentschaft Donald Trumps auf seltsame Weise spiegeln. Im Märchen verkaufen bekanntlich zwei Betrüger dem Kaiser für viel Geld neue Kleider, die – so sagen sie – nur von jenen gesehen werden können, die ihres Amtes würdig sind und nicht dumm. Dass der Kaiser die Kleider selbst nicht sehen kann, gibt er natürlich nicht zu, schließlich will er weder als dumm noch als unwürdig dastehen, weshalb es kommt wie es kommen muss: Der Kaiser präsentiert seine neuen Kleider der Öffentlichkeit, die Leute glauben, sie sehen nicht recht, und ein Kind ruft: »Der hat ja gar nichts an.«

Bei Trump ist es ähnlich – und doch anders. In seinen öffentlichen Auftritten tut er immer so, als würde er das Kleid eines Staatsmannes tragen. Viele sehen in seinem Verhalten aber nur nackte Idiotie, und es gibt ja auch genug Leute, die das laut ausrufen. (Das Kind ist in diesem Falle durch die »kritische Masse« ersetzt worden.) Wobei die Ausrufer die Ansicht vertreten, dass Betrüger und Präsident in diesem Fall ein und dieselbe Person sind.

Nun, das mag stimmen, ist aber nicht das, was mich an dieses Märchen erinnert. Es ist eher so, dass, wann immer Trumps nackte Idiotie im staatsmännischen Kleide auftritt, mir besonders klar wird, aus welch gewöhnlichem Stoff doch die Kleider der anderen Staatsmänner sind.

10.03.2018

In Utah wollten republikanische Politiker eine Landstraße in »Donald Trump Highway« umbenennen, als Dank dafür, dass er in den angrenzenden Nationalparks die Möglichkeit geschaffen hat, nach Bodenschätzen zu bohren. Daraufhin schlugen die Demokraten vor, der Zufahrtsstraße zum Highway den Namen »Stormy Daniels-Auffahrt« zu geben. Die Begründung mit irgendwelchen Bohrungen brauchten sie dann gar nicht mehr zu liefern. Die Republikaner zogen ihren Antrag freiwillig zurück.

11.03.2018

US-amerikanische Studenten haben inzwischen kollektiv mehr als 1 Billion Dollar Schulden durch Studiengebühren angehäuft – und die Mittel der Geldeintreiber werden immer rabiater. Einige Bundesstaaten haben schon Gesetze erlassen, um die verschuldeten Studenten zu schützen. Bildungsministerin Betsy DeVos hat sich jetzt allerdings gegen stärkere Schutzmaßnahmen ausgesprochen. In ihrem Ministerium waren bereits die Rückzahlungsmodalitäten verschärft und Härtefallregelungen immer seltener angewandt worden. Nach Ansicht von DeVos soll sich Bildungshunger schließlich auszahlen.

12.03.2018

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(Liste der von Melania Trump bisher initiierten Projekte gegen Cyber-Mobbing, ihr erklärtermaßen wichtigstes Anliegen als First Lady der USA.)

13.03.2018

Trump hat heute Außenminister Tillerson gefeuert. In einem Wort: Rex und hopp.

14.03.2018

In West Virginia haben Lehrer neun Tage lang für eine bessere Bezahlung und gegen die massive Anhebung ihrer Krankenkassenbeiträge gestreikt. Sie waren erfolgreich damit. Aber sie waren es nur, weil ihr Protest nicht als Abfolge symbolischer Aktionen daherkam, sondern direkt ins Parlament getragen worden ist. Weil sie ihre Wut nicht nur in Worte gepackt, sondern körperlich spürbar gemacht haben. Weil sie den ersten Kompromissangeboten der regierenden Republikaner eine Absage erteilt und bis zur vollständigen Erfüllung ihrer Forderungen weitergestreikt haben, auch gegen den Rat der Gewerkschaften. Denn das ist der Weg, in Amerika wie auch bei uns. Sich die alles verklebende Harmoniesoße aus den Hirnrinden zu wischen, die Differenzen zu betonen und sie konkret – und das heißt eben auch: körperlich erfahrbar – zu machen. Und wer wäre dafür geeigneter als Lehrer?! Die wissen schließlich am besten über Klassenkämpfe Bescheid.

15.03.2018

Die Welt ist nicht genug und der Mond nur eine Zwischenetappe. Donald Trump hat jedenfalls gestern erklärt, dass die ersten Amerikaner schon bald zum Mars fliegen werden. Schokoriegelaktien schossen daraufhin in die Höhe.

16.03.2018

In den Zeitungen heißt’s, es droht ein neuer Kalter Krieg,

doch falsch, es sind nur alte Krieger.

Kalte Männer, neu im Amt,

und alte Männer, immerda, das ist es, was wir haben.

Die Tragödie ruft: »Auf geht’s zur Farce!«

Die Geschicht’ ist heiß auf’s Wiederholen.

17.03.2018

Neues aus der Gerücheküche. Laut Medienberichten erfuhr US-Draußenminister Tillerson auf dem Scheißhaus von seiner Entlassung. Eine Darmgrippe hatte ihn dorthin festgesetzt – und so was dauert … Weil Trump aber nicht warten wollte, schickte er seinen Stabschef John Kelly vor. Und der tat, was ein Stabschef nunmal tut – er brach den Stab über dem Sitzfleischveteranen. Aber Tillerson kann sich trösten, er wird in die Geschichte eingehen. Wahrscheinlich ist er der erste Politiker, der seinen Top-Job auf’m Topp losgeworden ist.

18.03.2018

An einem Tag, an dem in Russland der Präsident gewählt wird und in den USA der Präsident gegen den Sonderermittler wettert, der mögliche russische Einflussnahmen auf die US-Wahl untersuchen soll, an so einem Tag lässt sich der Unterschied zwischen Trump und Putin vielleicht so zusammenfassen:

Putin ist von seiner absoluten Macht gelangweilt. Er sucht deshalb außerhalb seines Landes nach Gegenwehr und neuen Grenzen.

Trump ist von seiner absurden Macht berauscht. Er findet deshalb im eigenen Land Widerstand und seine eigenen Grenzen.

19.03.2018

Und so geht’s dahin: Nachdem amerikanische Wissenschaftler im Jahr 2017 den Begriff »Klimawandel« in ihren mit öffentlichen Geldern geförderten Studien immer seltener verwendet haben, das Umweltministerium die Erderwärmung wahlweise leugnet oder schönredet und Donald Trump im Dezember 2017 den Klimawandel von der Liste der nationalen Bedrohungen gestrichen hat, zieht jetzt auch die nationale Koordinationsstelle für Katastrophenhilfe nach und verbannt das Wort »Klimawandel« aus ihrem Strategieplan für die nächsten vier Jahre. Und auch sonst haben die Katastrophenschützer das Nächstliegende zum Entferntesten gemacht, denn neben dem Klimawandel wurde auch gleich noch der Begriff »globale Erwärmung« kaltgestellt, derweil der »Anstieg des Meeresspiegels« irgendwo zwischen den Zeilen versunken und bisher nicht wieder aufgetaucht ist. Aber im Grunde ist das nur konsequent, denn wenn Sprache Wirklichkeit abbildet, dann bildet Nicht-Sprache Nicht-Wirklichkeit ab. Und in dieser Nicht-Wirklichkeit gibt es nun mal keine Probleme mit dem Klima. Wirklich nicht.

20.03.2018

Der amerikanische Gott Donnie hat heute den saudischen Gott Mohammed getroffen. Das Ergebnis war eine vollkommene Symbiose. Es ist die Geburtsstunde des sogenannten Mohammedonnismus, der höchsten Form der Bi-Gotterie.

21.03.2018

An amerikanischen Universitäten werden seit einer Weile verstärkt Texte von Karl Marx gelesen. Das hat vor allem mit Marx’ 200. Geburtstag zu tun, aber die Waffenlobby ist da anderer Ansicht. Ihre Vertreter sehen beim Namen Karl Marx sofort rot, kaufen sich eine Extraportion Patronen und müssen trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) mit ansehen, wie das Schreckgespenst einer kommunistischen Unterwanderung Amerikas Quartier in ihren Hirnschalen bezieht.

»Junge Sozialisten übernehmen das Land!«, hat der Chef der National Rifle Association kürzlich öffentlich gerufen. Seine Worte wurden erhört, nur wurden sie nicht als Warnung, sondern als Wegweiser verstanden. Die Zahl der täglichen Neuanmeldungen bei den Democratic Socialists of America hat sich jedenfalls seitdem verdreifacht.

22.03.2018

John Dowd, Trumps wichtigster juristischer Berater in der Russland-Affäre, hat heute gekündigt. Warum, ist nicht ganz klar. Vielleicht fühlte sich der Rechtsberater links liegen gelassen. Vielleicht hatte John Dowd aber auch seine Zweifel, dass Trump wirklich aufrichtig zu ihm ist. Wahrscheinlich hat er aber einfach nur gemerkt, dass das Loch in der Mitte des §-Zeichens im Falle von Donald Trump so groß ist wie Russland und dass es am Ende jeden, der nicht rechtzeitig flüchtet, verschlingt.

23.03.2018

Das altgewordene Kaltekriegskind John Bolton ist Trumps neuer Sicherheitsberater. Dabei entspringen seinem Mund für gewöhnlich nur Kriegstreibereien. Die Sache kann eigentlich nur schiefgehen. Bolton ist ein Bellizist und Trump eine Taube. Man muss sich die beiden nur einmal anschauen. Trump aalglatt rasiert und Bolton mit einem dicken, fetten Schnauzbart versehen. Es sind die drahtigen Borsten des Scharfmachers. Bolton hat sie sich schon vor Jahrzehnten über die Oberlippe wachsen lassen, undurchdringlich und dicht, wie ein gefrorener Wasserfall aus menschlichem Haar. Ein solcher Bart lässt küssen nicht zu. Es sind kalte Zeiten, in denen die Liebe hinter selbst gezüchteten Gitterstäben verschwindet.

24.03.2018

Wenn es etwas Überraschendes an dieser Präsidentschaft gibt, dann, wie wenig überraschend sie bisher verlaufen ist. So ziemlich alles, was man von Trump befürchtet (oder erhofft) hat, ist eingetreten. Nur den vielfach prophezeiten Weltuntergang, den hat er nicht hingekriegt. Was allerdings nicht weiter überraschend ist, denn das Drama besteht ja nicht im Untergang, sondern im endlosen Beschissener-Werden.

25.03.2018

Es gibt Tage, da erscheint mir Donald Trump geradezu wie ein zahmer, zahnloser Tiger angesichts all der mordenden Syrer, Türken und Russen, angesichts der an ihrem Glauben irre gewordenen Muslime und eines Chinesen, der seinen Kolonialisierungsdrang in einen seidenweichen Kokon zu spinnen versucht. Es sind diese Tage, an denen mir Donald Trump als das gegenübertritt, was er abseits des Amtes wahrscheinlich auch ist: Ein geistiger Tiefflieger mit einem heillosen Hang zur Hochstapelei. Ein 240 Pfund schweres Luxusproblem, das glaubt, man könne der Welt seinen Stempel aufdrücken, wenn man einmal quer durch den Porzellanladen rollt.

26.03.2018

Der Teufel macht auf Transparenz. Amerikas Umweltzerstörungsminister Scott Pruitt will keine Studien mehr zu Rate ziehen, die mit nicht-öffentlichen Daten arbeiten. Was auf den ersten Blick aufklärerisch anmutet, ist in Wahrheit nichts als reaktionär, schließlich basieren besonders Studien, die sich mit den Auswirkungen von Umweltverschmutzungen auf den Menschen beschäftigen, zu großen Teilen auf Krankenakten und anderen Rohdaten, die nicht öffentlich einsehbar sind, da sie laut Gesetz dem Datenschutz unterliegen. Pruitt nennt das »Geheimwissenschaft«, aber eigentlich meint er: »Geh heim, Wissenschaft.«

27.03.2018

Hab heute mit Merkel telefoniert, Handelspolitik war das Thema. Hab gesagt, ich handle, sie macht Politik. Ruhe am anderen Ende. Danach ging’s um Haushaltspolitik. Hab gesagt, Melania macht den Haushalt, ich mach die Politik. Wieder Ruhe. Wollte mich schon verabschieden, als Merkel plötzlich angefangen hat, über irgendeine schwarze Null zu sprechen. Hab nichts dazu gesagt und mir bloß gedacht, dass es stimmt, was die Leute behaupten: Diese Deutschen sind wirklich alles Rassisten! (Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

28.03.2018

Donald Trump hat heute den »Eliminating Government-funded Oilpainting Act« unterzeichnet. Er verbietet es, in Öl gemalte Porträts von Politikern mit öffentlichen Mitteln zu fördern. Das Verbot war bereits seit 2014 in Kraft, wurde aber erst jetzt in die Form eines Gesetzes gegossen. Dass es Donald Trump unterzeichnet hat, ist kein Wunder. Das Gesetz trägt schließlich den offiziellen Titel EGO-Act.

29.03.2018

Donald Trumps Arzt wird befördert. Er wird Kriegsveteranenminister in Washington.

Mein Arzt befördert sich selbst. Er fährt jeden Tag mit dem Rad in die Praxis. Heute Morgen hat es geregnet. Ich war sein erster Patient. Als ich ins Behandlungszimmer kam, war er noch ganz durchweicht von der Fahrt. Aber niemand berichtet darüber, alle reden nur von Ronny Jackson, dem Arzt Donald Trumps. Er ist Konteradmiral der Marine. Meiner dagegen hat nur nasse Haare.

30.03.2018

»Sy rien!«

Donald Trump, sich auf Französisch zu einem US-Militäreinsatz äußernd.

31.03.2018

All jene, die sich wünschen, dass erwachsene Menschen die Welt öfter mit den Augen eines Kindes betrachten, sollten daran erinnert werden, dass genau das gerade jemand tut – und dass dieser Jemand Donald Trump ist.

01.04.2018

Donald Trump ist ein Aprilscherz, den der Erfinder des Witzes vergessen hat, aufzulösen.

02.04.2018

Melania hat dem traditionellen Ostereierrollen im Weißen Haus ein neues Spiel hinzugefügt: Rasenbowling. Natürlich auf Kunstrasen. Mit Plastikbällen und aufblasbaren Kegeln. Die Historiker werden sich an dieses Spiel erinnern müssen, wenn sie eines fernen Tages in ihren Büchern über die Verdienste der First Lady berichten, denn das ist es, wofür Melania steht: Plastik und große Bälle.

03.04.2018

Und weiter geht’s mit der Klimawandel-Negiererei. Aus einer 2016 erstellten und bis heute nicht veröffentlichten Studie, die die Gefahren des Meeresspiegelanstiegs und das Risiko von Sturmfluten für die zahlreichen küstennahen Nationalparks analysiert, hat das amerikanische Innenministerium sämtliche Hinweise, die den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel behandeln, entfernen lassen. Laut dem Silencing Science Tracker der Columbia University ist dies das 124. Mal seit Amtsantritt von Präsident Trump, dass die amerikanische Regierung oder eine ihrer Behörden bestimmte Forschungsvorhaben verbieten oder einschränken, die Publikation von Ergebnissen verfälschen oder die öffentliche Diskussion und Nutzbarmachung von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verhindern versuchen.

04.04.2018

Donald Trump greift in die Geschichte der Geschichtsschreibung ein. Er tut alles dafür, dass »die Bauchentscheidung« eine seriöse Kategorie zur Analyse historischer Entwicklungen wird. Jetzt müssen es nur noch die Historiker mit den dicken Quellköpfen verstehen.

05.04.2018

Rex Tillerson wollte das amerikanische Außenministerium umstrukturieren, es effizienter und moderner machen. Dafür hatte er 90 Berater engagiert, die bis zu 300 Dollar die Stunde verdienten. Allerdings hatten die Unternehmensberater (wie üblich) kaum Ahnung von der Materie und verstanden auch nichts von Diplomatie, kulturellen Unterschieden und den Gepflogenheiten der Außenpolitik. Die Folge: Die Erkenntnisse sind banal, die Ergebnisse mager, die komplette Aktion für die Katz. Die Rechnung der Berater aber bleibt, auch wenn Rex Tillerson inzwischen nicht mehr im Amt ist. 12 Millionen Dollar wollen sie haben. Und das ist erst der Anfang, denn insgesamt ist der Umstrukturierungsauftrag 265 Millionen schwer. Dabei wäre die Reform mehr oder weniger zum Nulltarif zu haben gewesen. Es gibt schließlich 35.000 hauseigene Verbesserungswünsche und dazu noch den vom Außenministerium höchstselbst publizierten Quadrennial Diplomacy and Development Review, der in den Jahren 2010 und 2015 ebenfalls viele Veränderungsvorschläge gemacht hat. Aber so ist das nunmal: Berater leben nicht von Erfahrungen, Kenntnissen oder einem Gefühl für die Spezifik einer Situation, sondern von dem Glauben, dass all das, was nichts kostet, auch nichts wert ist. Sie stoßen sich gesund an diesem kranken Gedanken.

06.04.2018

In Oklahoma verdienen Lehrer im Schnitt fast 8.000 Dollar im Jahr weniger als im benachbarten Texas, das Schulsystem wurde erfolgreich kaputtgespart, die Klassen sind viel zu groß und die Anforderungen an die Lehrer nehmen in dem Maße zu, in dem die Aktualität des Lehrmaterials sinkt. Der Zustand der Schulen ist allgemein beschissen, der der Toiletten sowieso und überhaupt schlage ich vor, dass das Land Sachsen Partnerland von Oklahoma wird.

07.04.2018

In West Virginia wurde eine neue Form weinender Heiligenstatuen entdeckt. Es handelt sich um eine junge Frau, die beim Anblick von Donald Trump in Tränen ausbrach und ihm schluchzend für die Steuererleichterungen dankte.

08.04.2018

Trump nennt Assad ein »Vieh«.

Der Fleischverbrauch eines Amerikaners beträgt 222 Pfund pro Jahr.

In der Bibel ist die 666 die Zahl des Tieres.

Wenn Donnie für Dreie reinhaut, kann er ihn wegputzen.

09.04.2018

Ein gewöhnlicher Montag.

Donnie trägt dick auf,

Melania trägt Christian Louboutin,

und Stormy Daniels trägt – nichts.

Und ich? Ich bin träge und trage nur diese Zeilen zusammen.

10.04.2018

Vergangenes Jahr bezeichnete Donald Trump Katar als großen Finanzierer von Terroristen. Heute, beim Besuch des katarischen Scheichs in Washington, adelte er das Land dagegen als Freund und Partner im Kampf gegen den Terror. Es hat sich also ausgezahlt, dass die Kataris ihren einheimischen Terroristen für eine Weile die Mittel gekürzt und ihre schmierigen Millionen für amerikanische Lobbyisten ausgegeben haben, damit sie gut aussehen, wenn ihr Staatsoberhaupt die USA besucht. Nur eines haben die Lobbyisten nicht wegbekommen, und das ist der hässliche Schnauzbart von Scheich Tamim bin Hamad Al Thanatos.

11.04.2018

In Donnies Haus, dem Weißen,

da lassen sie die Bibel kreisen,

Pence, Pompeo, Sessions, Vos,

gehören alle zu dem Glaubenstross,

der von einem Manne wird geleitet,

der Drollinger sich nennt und es nicht meidet,

Homosexuelle zu bekämpfen

und Frauenrechte einzudämpfen,

im Gegenzug preist er den Präsidenten,

für seine standhaft starken Lenden,

denn das ist es, was die brennend-heiße Welt jetzt brauch’,

’nen Mann mit einem dicken Schlauch.

12.04.2018

»Bomb ich? Bomb ich nicht? Bomb ich? Bomb ich nicht? …«

(Donald Trump, mit einem Gänseblümchen in der Hand im Garten des Weißen Hauses sitzend, vor ihm eine Karte von Syrien.)

13.04.2018

»Beschließe: Bomben!«

14.04.2018

»Bin bedient. Bange Brigadekommandiere befürworten Billig-Bombardement. Bevor Bumm-Bumm beginnt, bekommen Bolschewiki Bescheid. Bereinigen Basislager, beseitigen Beweise. Bloßer Blümchen-Beschuss. Bitter!«

15.04.2018

»Und wer noch kein Trump-Enthüllungsbuch geschrieben hat und auch nicht vorhat, eines zu schreiben, der werfe seinen Autoren-Vertrag aus dem Fenster!«, sprach der Herr und schaute vom Himmel hernieder, und aus einem Fenster des Oval Office kam etwas Kleines, Blaues geflattert. Es war das Twitter-Vögelchen, das sich auf die Suche nach einer Literaturagentur machte.

16.04.2018

Auf der Karriere-Plattform Zippia findet sich seit einigen Tagen eine Landkarte der USA, die – für jeden Bundesstaat einzeln – die größten politischen Spender der vergangenen zehn Jahre ausweist. Die zentralen Erkenntnisse: Donald Trump war der größte Geldgeber in New York mit über 19 Millionen Dollar, während in South Dakota einem gewissen Eldon Roth 80.000 Dollar reichten, um Platz eins zu erringen. Auf der Insel Hawaii machte – wie sich’s gehört – ein Mann namens Seeman das Rennen, und in South Carolina war Frank Islam am spendierfreudigsten, was allein schon dem Namen nach Futter für Verschwörungstheoretiker ist. Die größte Einzelspenderin der USA – mit über 68 Millionen Dollar – aber war Linda McMahon. Sie ist seit letztem Jahr Trumps Ministerin für kleine Unternehmen und stammt aus Connecticut. Motto des Bundesstaates: »Qui transtulit sustinet« – »Wer herüberbrachte, wird erhalten.«

17.04.2018

Und auf ewig ruft Donald Trump: »Sanktioniert Russland!«

18.04.2018

Der Landwirtschaftsausschuss des Repräsentantenhauses hat heute entschieden, dass es in den USA in Zukunft verboten ist, Katzen und Hunde zu Nahrungszwecken zu schlachten.

In China ist unterdessen der Sack Reis für die Beilage umgefallen.

19.04.2018

Die National Restaurant Association (die zweite NRA neben den Waffennarren) betreibt seit Jahren aktive Lobbyarbeit gegen die Erhöhung des Mindestlohns in der Gastronomie. Der beträgt aktuell 7,25 Dollar pro Stunde. Um verlässliche Zahlen zu bekommen, wie unbeliebt ein höherer Mindestlohn bei den Kunden ist, hat die NRA eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben. Das Ergebnis hat ihr allerdings gar nicht gefallen: Über 70 % der Leute sind nämlich nicht gegen, sondern für eine Erhöhung des Mindestlohns, und zwar selbst dann, wenn dadurch die Restaurantbesuche teurer werden. Gefragt wurde übrigens nach einer Erhöhung auf 10 Dollar pro Stunde. Die Demokraten fordern dagegen sogar 15 Dollar. Der NRA aber ist das alles viel zu viel. Die Studie wurde deshalb nicht veröffentlicht und kam erst jetzt durch einen Leak ans Licht. Die NRA-Vorsitzende Dawn Sweeney schweigt derweil zu den Zahlen. Ihr dämmert wahrscheinlich, dass Behauptungen besser sind als Beweise. Zumindest für Lobbyisten. Und besonders dann, wenn sie, wie Sweeney, viel Geld dafür bekommen, dass andere wenig verdienen. Die National Restaurant Association zahlt ihr schließlich 3,8 Millionen Dollar im Jahr. Das sind umgerechnet fast 1.900 Dollar pro Stunde. Der Lohn, den ein Vollzeit arbeitender Mindestlohn-Beschäftiger in einem Restaurant nach sechs Wochen erhält.

20.04.2018

James Comeys Notizen über seine Gespräche mit Trump sind jetzt online einzusehen. Aber es gibt Lücken. Zahlreiche Stellen sind geschwärzt. Aber warum die Fehlstellen nicht zum Ausgangspunkt machen? Das wäre zumindest mal eine Aufgabe: Die Geschichte der Menschheit als Geschichte ihrer Schwärzungen zu schreiben. Das ergäbe – im wahrsten Sinne des Wortes – einen ganz neuen Ausschnitt aus der Historie.

21.04.2018

Trump schimpft über den hohen Ölpreis. Daraufhin sinkt der Ölpreis.

Anschließend lobt er seinen Verstand. Daraufhin schießt sein Verstand in die Höhe, durchbricht die Schädeldecke und wird nie mehr gesehen.

22.04.2018

Meine Berater haben gesagt, ich solle was zum heutigen Tag der Erde schreiben. Habe geschrieben: »Barbara Bush liegt seit gestern drin.« Aber das fanden sie nicht gut. Sollte lieber was über Umweltschutz schreiben. Habe geschrieben: »Der Umweltschutz ist bei uns so tot wie Barbara Bush.« Aber das mochten sie auch nicht. Haben mich gebeten, auf alle Erwähnungen von Barbara Bush zu verzichten und den Umweltschutz als etwas Ur-Amerikanisches darzustellen. Habe geschrieben: »Umweltschutz ist bei uns Sache der Natur.« Jetzt muss ich nichts mehr schreiben.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

23.04.2018

Zwei Männer im Anzug

pflanzen im Garten ’ne Eiche

und daneben stehen ihre Frauen

und versinken mit den Stilettos im Rasen.

It’s 2018.

It’s Macronald.

It’s the oakonomy, stupid!

24.04.2018

In den USA können Lebensmittelmarken bald online bei Amazon eingelöst werden. Als größter Lebensmittelhändler im E-Commerce-Bereich profitiert der Konzern besonders stark vom 70 Milliarden Dollar umfassenden Lebensmittelhilfsprogramm. Und das gleich mehrfach. Zum einen kauft fast die Hälfte der Leute, die auf das Programm angewiesen sind, schon jetzt bei Amazon ein. Und zum anderen gehören auch Amazons eigene Mitarbeiter zu den Bedürftigen. Amazon hat in den USA zwar inzwischen über eine Milliarde Dollar an Subventionen bekommen, aber die Bezahlung seiner Angestellten ist teilweise so schlecht, dass die Leute auf das Hilfsprogramm angewiesen sind. In Pennsylvania und Ohio bekommt jeder zehnte Amazon-Mitarbeiter Lebensmittelmarken, in Arizona sogar jeder Dritte. Damit können sie dann bei ihrem eigenen Arbeitgeber etwas zu essen erwerben. Ein Wirtschaftskreislauf made in A(r)merika.

25.04.2018

Noch tausend Tage Trump.

26.04.2018

Präsident Truman macht’s möglich. Sein 1950 während des Korea-Krieges erlassener »Defense Production Act« soll reaktiviert werden, um Amerikas unprofitable Kohle- und Atomkraftwerke mit Aufträgen und Geld zu versorgen. Die ursprüngliche Aufgabe des Gesetzes war es, die amerikanische Ökonomie auf Kriegswirtschaft umzustellen, aber ein demokratischer Senator aus dem Kohlestaat West Virginia hat Trump gestern einen Brief geschrieben und den Einsatz zu Gunsten der Kraftwerke gefordert. Trump findet die Idee großartig. Erstens mag er alles, was mit Kohle zu tun hat, und zweitens hat er nichts zu verlieren. Wenn die Sache schiefgeht, waren’s die Demokraten. Wenn’s klappt, war er’s. Und wenn nichts passiert, fängt er einfach seinen eigenen Korea-Krieg an. Mit Präsident Trump ist eben alles möglich. It’s true, man.

27.04.2018

Vorgestern ist bei Madame Tussauds in New York die Wachsfigur Melania enthüllt worden. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass eine Wachsfigur lebendiger aussieht als das Original.

28.04.2018

Trump attackiert seit Monaten den deutschen Handelsüberschuss. Besonders gegen die deutschen Autobauer wettert er. Merkel kann daran nichts ändern, denn Donnie ist ein Mann, der Fakten schafft und sich nicht auf Merkels Laberrhabarber einlässt. Er ist einer, der die Dinge beim Namen nennt. Er braucht keine Regierungssprecher, die abstrakte Ungewissheiten in ungewisse Abstrakta umformulieren. Die Leiterin für strategische Kommunikation im Weißen Haus heißt nicht umsonst Mercedes Schlapp.

29.04.2018

Es heißt, ein Präsident solle nicht abgehoben sein und nicht auf das Volk herabschauen. Er soll aber auch nicht wie das Volk sein, sondern einer, zu dem man aufblicken kann. Trump ist nichts von beidem und vereint doch alles in sich. Er ist abgehoben und schaut gern auf andere herab. Zugleich aber ist er so wie das Volk nun mal so ist: einfältig, vulgär und gemein. Genau das aber lieben seine Wähler an ihm. Sie blicken zu ihm auf und sehen sich selbst.

30.04.2018

Habe die Zölle auf europäisches Stahl und Aluminium aus gutem Grund verschoben. Denke nach dem Besuch der beiden EUlen aus Paris und Berlin nämlich noch über eine extra Blechredesteuer nach. Wird sie teuer zu stehen kommen!

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

01.05.2018

Bestechung, Bedrohung, Korruption – Trump benimmt sich im Falle der Vergabe der Fußball-WM 2026 in aller Öffentlichkeit so, wie es die Fifa tagein, tagaus hinter verschlossenen Türen macht. Das ist nur konsequent. Die offene Drohung ist die Ehrlichkeit des Mächtigen. Amerikas Gegenkandidat bei der WM-Vergabe hat jedenfalls keine Chance und geht schon vor der ersten Abstimmungsrunde Marok k. o.

02.05.2018

Das Weiße Haus hat heute einen neuen Begriff eingeführt. Er ersetzt den Ausdruck »Letzter Versuch, den Handelskrieg mit Peking doch noch abzuwenden« und lautet: Mnuchina.

03.05.2018

Der neue US-Botschafter in Deutschland heißt Richard Grenell. Er ist Trump-Unterstützer, Israel-Freund, Christ, hochgebildet und homosexuell. Er ist der Kollegah von der anderen Seite.

04.05.2018

Die Arbeitslosenrate in den USA ist auf 3,9 % gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit Ende 2000. Wenn Trump die Mauer baut, wird er Mexikaner brauchen, die für ihn den Mörtel anrühren.

05.05.2018

Natürlich Regieren Amokläufer.

06.05.2018

Ich sitze in der Sonne und frage mich, ob ich noch immer hilflos bin. Die Wahrheit ist: Ich habe mich an diesen Idioten im Amt gewöhnt. Aber in dem Fall gibt es noch eine weitere Wahrheit, und die besagt, dass diese Gewohnheit im Grunde die größte Hilflosigkeit ist. Nur leider ist es nicht jene, die mich damals (»damals«!) dazu gebracht hat, dieses Tagebuch zu beginnen. Wenn ich also aus Gewohnheit weiterschreibe, so nur in der Hoffnung, eines Tages wieder anders hilflos zu werden. Vielleicht ja sogar vor Glück.

07.05.2018

Don Blankenship hat viel Geld, einen Schnauzbart, ein eigenes Kohlebergwerk, eine Menge Rassismus im Hirn und eine lebenslange Mitgliedschaft in der NRA. Außerdem ist er nach eigenen Angaben bis aufs Blut mit Hillary Clinton und Barack Obama verfeindet. Eigentlich der perfekte Kandidat für die morgigen Vorwahlen der Republikaner in West Virginia. Aber Donald Trump will ihn nicht haben. Blankenship hat nach Ansicht von Trump nämlich keine Chance, bei der Senatswahl im November gegen den Kandidaten der Demokraten zu gewinnen. Also bittet Trump die Wähler per Twitter, morgen einen der beiden anderen republikanischen Bewerber zu wählen, damit der dann im November den Demokraten herausfordern und schlussendlich auch schlagen kann. Kaum dass das Twitter-Vögelchen die Sache verkündet hat, bedanken sich die beiden republikanischen Bewerber artig bei Trump und erklären, so wie er sein zu wollen. Allerdings haben sie nicht mit Don Blankenship gerechnet, der kurzerhand (und ganz oldschool) eine Pressemitteilung raushaut und ein für alle Mal klarstellt: »I am Trumpier than Trump.«

Kurzum: Es geht trumper und drüber in West Virginia. Aber das aus gutem Grund, denn morgen wird »The Trumpiest Man Alive« gewählt. Donald, so viel ist sicher, wird diesmal bestenfalls Zweiter.

08.05.2018

Die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Donald Trump und dem Perserreich. Eine Trilogie.

I run.

I ran.

I ruin.

09.05.2018

Don Blankenship hat’s nicht geschafft,

der dritte Platz hat ihn dahingerafft,

das freut den Präsident, denn der kann sagen,

man kann den Trump nicht mit ’nem Trumpigeren schlagen.

10.05.2018

Die Trump-Regierung unterstützt die massive Ausweitung von Programmen zur sexuellen Enthaltsamkeit vor der Ehe. Als wenn Enthaltsamkeit eine selbstbestimmte, schambefreite, glückliche Sexualität zur Folge hätte. Das Gegenteil ist der Fall. Enthaltsamkeit ist die Inkorporation fremder Macht in den eigenen Körper. Dort, wo sie regiert, schießen die Zahlen von Teenager-Schwangerschaften in die Höhe, blühen die Geschlechtskrankheiten, ist Aufklärung zum Schimpfwort geworden. Aber warum darüber überhaupt noch diskutieren? Im Jahre 2018! Warum nicht ein kleines, 50 Jahre altes Zitat aus Rolf-Dieter Brinkmanns Roman Keiner weiß mehr rauskramen und es den Enthaltsamkeits-Aposteln vor den sittsam vertrockneten Latz knallen?! »Argumentieren lohnt sich nicht mehr. Zusammenficken sollte man alles, zusammenficken.«

11.05.2018

Es heißt, Melania klaue bei anderen Leuten Reden und Texte und gäbe sie als ihre eigenen aus. Aber das stimmt nicht. Es ist genau andersherum. Melania kommt erst und nur in der Kopie zu sich selbst. Was immer sie sich aneignet, ist deshalb nichts weiter als das vorweggenommene Plagiat ihres späteren Originals.

12.05.2018

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass es einer Knallcharge wie Donald Trump bedarf, um die Potemkinschen Dörfer sichtbar zu machen, aus denen große Teile der internationalen Politik bestehen.

13.05.2018

Die U.S. Army entwickelt Uniformen, die ähnlich wie die Hülle des Tarnkappenbombers funktionieren. Ziel ist es, Truppenbewegungen für die Radaranlagen zur Bodenüberwachung unsichtbar zu machen. Als Vorbild für Unsichtbarkeit trotz Anwesenheit haben die Entwickler Melania ausgewählt.

14.05.2018

Auch und gerade bei Donald Trump gilt: Auf der Rückseite seines politischen Handelns liegt häufig nichts als Angst. Angst, die Welt könnte eine andere werden, könnte sich seiner (imaginierten) Kontrolle entziehen und Risse bekommen, die er nicht zu flicken vermag. Angst ist eine der heimlichen Triebfedern von Trumps Aktionismus. Aber selbst wenn es anders ist, sicher scheint mir: Je größer die Angst, desto kleiner das Ich. Allerdings ist der Umkehrschluss ein Sch(l)uss in den Ofen, denn es gilt offenbar nicht: Je größer das Ich, desto kleiner die Angst. Klein sind – zumindest bei Trump – nur die Bewusstseinszustände desselben, denn sie werden vom ewigen Ruf nach »Deals! Deals! Deals!« überdeckt. Damit aber zeigt sich letztlich nur eines: Politische Geschichte ist Angstgeschichte in Aktion. Wobei die Aktion eine heimliche ist. Und eine heimelige obendrein.

15.05.2018

Der heutige Eintrag ist ein kleiner Nachtrag zu gestern, der mit einer etwas holzschnittartigen These beginnt. Sie lautet: Die westlichen Demokratien sind bestrebt, den Menschen die Angst vor der Zukunft zu nehmen, während Diktaturen eher das Gegenteil machen und die Bevölkerung in (und mit) der Angst leben lassen. Wobei die Wahrung des Status quo hier wie da Ziel der Unternehmung ist und die westlichen Demokratien – bewusst oder nicht – auch nicht ohne das Schüren von Ängsten auskommen, allein schon, um die eigene Identität zu konstruieren bzw. sie zu bewahren, wofür nunmal ein »Äußeres«, »Anderes«, »Fremdes« erzeugt werden muss – und das macht Angst, ob man nun will oder nicht. Aber das nur am Rande bzw. zum Anfang, denn während ich über die Sache mit der Angst nachgedacht habe, ist mir Roosevelts Rede über die vier Freiheiten in den Sinn gekommen, die er am 6. Januar 1941 vor dem Kongress gehalten hat. Eine dieser Freiheiten ist für Roosevelt die Freiheit von Furcht. 1948 ist sie Teil der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte geworden. Im Januar 1941 war Roosevelt Bezugspunkt allerdings ein anderer, denn er hatte – trotz bzw. gerade wegen des Krieges – die weltweite Abrüstung im Blick. Roosevelts längerfristiges Ziel bestand darin, dass »kein Staat mehr in der Lage ist, seinen Nachbarn mit Waffengewalt anzugreifen – überall auf der Welt.« (Die Ironie der Geschichte wollte es so, dass die Japaner elf Monate später Pearl Harbor angriffen und die USA damit in den Krieg zwangen.) Aber um den Krieg geht es mir nicht, sondern um das Jahr 1941 und um die Angst. Die finden sich 1941 nämlich noch an einer anderen Stelle wieder, denn in jenem Jahr veröffentlichte der französische Historiker Lucien Febvre einen Aufsatz mit dem Titel »Sensibilität und Geschichte«. Febvre forderte seine Kollegen darin auf, ihren Blick zu weiten und die politisch-militärische Ereignisgeschichte um mentalitätsgeschichtliche Analysen zu ergänzen, um zu einer ganzheitlichen Betrachtung der Geschichte zu gelangen. Febvres Plädoyer für die Mentalitätsgeschichte war dabei auch ein Plädoyer für die Geschichtlichkeit von Emotionen, weshalb ihm eine Geschichte des Hasses ebenso vorschwebte wie eine der Liebe. Aber auch eine Geschichte der Angst war für Febvre vonnöten. Eine solche Geschichte gab es damals noch nicht. Inzwischen haben die Historiker Hunderte davon geschrieben. Für das Amerika unter Donald Trump steht die erste noch aus. Man müsste sie, zumindest in Teilen, als Geschichte einer verdrängten Angst vor der Angst konzipieren.

16.05.2018

Trump hat heute seine Finanzen für 2017 offengelegt. Dem Dokument zufolge hat er nur zwei Geschenke bekommen, und zwar Golfschläger und … ähem … Golfschläger. Aber kein Wunder. Wer dauernd Golfplätze baut oder kauft, hat irgendwann kein Geld mehr für die Schläger.

17.05.2018

Um die Midterm-Wahlen zu gewinnen, haben die Republikaner eine Vielzahl von Lobbygruppen und Aktionskomitees gegründet. Allein der Congressional Leadership Fund verfügt über Dutzende Millionen Dollar, unterhält 34 Büros, besitzt ein eigenes Wahlforschungsinstitut und hat 4.000 Studenten auf der Gehaltsliste. Viele von ihnen wurden in den Kursen für Bürgerschaftliche Erziehung angeworben. Diese Kurse wurden einst geschaffen, damit die Studenten lernen, wie Demokratie funktioniert.

18.05.2018

»Ich trauere um die [Zahl einsetzen] Toten und sende meine Unterstützung an alle, die betroffen sind von dieser schrecklichen Attacke in [Name des Ortes einsetzen]. Den Schülern, ihren Familien, den Lehrern und Angestellten der [Name der Schule einsetzen] möchte ich sagen: Ich bin bei euch in dieser schlimmen Stunde, und bete dafür, dass so etwas Fürchterliches nie wieder passiert.«

[10] +++ [Santa Fe] +++ [Santa Fe High School]

(Quelle: National Rifle Association, Textmuster für Musterpräsidenten.)

19.05.2018

Der Tag nach der Schießerei ist der vor der Schießerei. Da passt es wie die Kugel in den Kopf, dass heute »National Train a Teacher Day« ist und die Angebote fast alle Schusswaffengebrauch beinhalten. Aber kein Wunder, der Aktionstag wurde schließlich von Ausbildern der Waffenlobby NRA und einer Gruppe namens Trigger Presser (Abzugdrücker) initiiert. Überall im Land bieten sie an diesem Samstag Schießübungen für Lehrer an. Absolut gratis. Kostet heute nicht mal ein Leben.

20.05.2018

Seit einem Jahr ist Donald Trump nun schon mit Robert Mueller verheiratet. Die beiden kümmern sich rührend umeinander. Viel mehr als es Donnie mit Melania jemals getan hat. Sie fragt sich noch immer, wie es zur Trennung kommen konnte. Donald hat ihr zum Geburtstag eine Karte geschrieben, aber da stand nichts drin. Nur dass sie älter geworden ist. Aber das kann nicht der Grund sein. Dieser Mueller ist schließlich schon 73. Aber was ist es dann? Ihr ist, als sei das alles überhaupt nie passiert. Ihr erstes Treffen auf dieser New Yorker Party, das anschließende Kennenlernen mit der dazugehörigen Schönheits-OP, die dreitägige Hochzeit, die jahrelangen Teleshopping-Auftritte, der eigene Flügel im Weißen Haus … Ihr ist, als sei Amerika nur ein Gespinst aus Klarträumen, als sitze sie noch immer in Slowenien und der große russische Bruder wache über sie.

21.05.2018

Oliver North hat einst den Iran illegal mit Waffen beliefert, jetzt ist er ein Anhänger des Iran-Hassers Donald Trump. Oliver North glaubt, dass die Gewalt im Netz und im TV Jugendliche zu Schulmassakern animiert, hat vor einigen Jahren aber selbst Werbung für den Ego-Shooter Call of Duty gemacht. Oliver North ist ein Mann der 1980er-Jahre, aber Präsident der NRA ist er erst im Mai 2018 geworden. Das hat seinen Sinn, denn während die Linke über Worte, Identitätszuschreibungen und Geschlechterkaspereien streitet und die eigene Basis vom Kopf her aufspaltet, schafft es die Rechte, sich in der Ignoranz ihrer eigenen Widersprüche zu einen. Nicht nur in den USA steht sie deshalb mit beiden Füßen fest auf dem Boden, steht dort so fest wie seit Langem nicht mehr. Denn sie ist es, die den Boden der Tatsachen schafft.

22.05.2018

Die EU fordert ein Treffen mit Donald Trump. Der ukrainische Präsident Poroschenko hat seins letztes Jahr schon bekommen. Er hat einfach 400.000 Dollar bezahlt und los ging’s. Bei 28 EU-Staaten würde so ein Treffen folglich 11,2 Millionen kosten. Falls die EU das Geld nicht hat, kann sie aber auch in den USA nachfragen. Dort gibt es nämlich genau 11,2 Millionen Millionäre. Wenn jeder von denen nur einen Dollar gibt, kann Donnie verreisen. So günstig war das noch nie. Für einen Dollar gibt’s sonst nur Rubbel-Lose. Wobei, im Grunde ist Trumps Politik auch nichts anderes. Man kann schließlich nie wissen, was rauskommt, wenn man an seiner Oberfläche kratzt. Und obwohl man eigentlich davon ausgehen kann, dass sich hinter der glänzenden Fassade eine Niete verbirgt, probiert man’s trotzdem, probiert’s immer wieder …

23.05.2018

Wer schreibt, bleibt – und zwar draußen. Bei einer öffentlichen Anhörung der amerikanischen Umweltschutzbehörde wurde Journalisten gestern der Zutritt verwehrt. Thema der Anhörung ist eine Studie über gesundheitsgefährdende Stoffe im Trinkwasser, die von der Umweltschutzbehörde seit Monaten zurückgehalten wird, da ihre Veröffentlichung einen, wie es intern heißt, »Public-Relations-Albtraum« ergeben würde. Dieser Albtraum wird, wenn es nach der Behörde geht, zwar niemals eintreten, aber dafür steht jetzt ein Non-Public-Relations-Albtraum vor der Tür.

24.05.2018

In Pjöngjang:

Kim Jong Un trottet zum Briefkasten, greift rein, findet einen Brief.

»Post von Donald!«, ruft er, fängt an zu lesen – und erbleicht.

»Es wird keinen Gipfel geben«, steht da geschrieben.

»Das ist ja der …«, will Kim sagen, aber das Wort »Gipfel« kommt ihm nicht über die Lippen.

Derweil in Washington:

Donald trottet zum Bettkasten, springt rein, findet Melania.

»Der Gipfel ist abgesagt«, sagt sie und dreht sich um.

»Ich weiß«, antwortet er und versucht, sich auf sie zu hieven.

»Nein«, sagt sie und flutscht unter ihm weg, »du verstehst nicht. Es wird keinen Höhepunkt geben. Nicht heute und nicht im Juni.«

»Das ist ja der …«, will Donald sagen, aber die Worte »vierhundertneunundachtzigste Tag in Folge« kommen ihm nicht über die Lippen.

25.05.2018

Bernie Sanders hat die höchste Zustimmung aller gewählten Senatoren in der Bevölkerung und wird, so hat er angekündigt, auch wieder für den Senat kandidieren. Und doch: In seinen eigenen Kreisen kriselt’s. Seine Unterstützer aus der »Our Revolution«-Bewegung haben es bisher nicht geschafft, Sanders nahestehende Kandidaten in politische Positionen zu bringen. Zudem beträgt das Spendenaufkommen nur noch ein Drittel des Vorjahres. Und seit einigen Tagen kommen noch Personalquerelen und Abgänge von Führungskräften hinzu. Wenn das so weitergeht, frisst nicht die Revolution ihre Kinder, dann fressen die Kinder ihre eigene Revolution.

26.05.2018

Das »Genehmigungsgesetz zur nationalen Verteidigung« hat durch seine Finanzpläne die Gesamt-Truppenstärke der USA für 2019 festgesetzt. Sie beträgt 1.329.461 Soldaten. Das entspricht der Bevölkerungszahl von Estland.

27.05.2018

Was immer man von Donald Trump hält, sein hemdsärmeliger Aktionismus macht zumindest klar, dass ein guter Teil der angeblich komplizierten politischen Zusammenhänge und ehrwürdigen diplomatischen Traditionen aus nicht viel mehr besteht als persönlichen Animositäten und dem Machtstreben einer Reihe von Hanswürsten.

28.05.2018

Die Zahl von Ivankas Markenrechten in China steigt ins Unermessliche. Die Zahl der Arbeitslosen in den USA sinkt ins Bodenlose.

Bald können sich alle Amerikaner die Steppdecken leisten, die Ivanka in China produzieren lässt. Und während alle selig schlummern, heißt’s in einem bösen Traum: In jeder Steppdecken tut ein Depp stecken.

29.05.2018

Das amerikanische Innenministerium plant, die Jagd auf Wolfs- und Bärenjunge demnächst wieder zu erlauben. Sogar in ihren Bauen und Höhlen dürfen die Tiere geschossen werden. Die einen nennen das erweitertes Jagdgebiet. Ich nenne es Schulmassakerübungsgelände.

30.05.2018

Trump will, dass Mexiko für die Mauer löhnt. Mexiko aber will, dass die USA die Mauer selbst bezahlen. Kurzum: Die Sache ist ziemlich verfahren. Dabei liegt die Lösung nahe. Das heißt: im Nahen Osten. Trump muss nur ein paar neue Pläne für Israel machen, die die Palästinenser so richtig erzürnen. Dann werfen die Palästinenser wieder mit Steinen. Die Steine lässt Trump dann vom Personal der US-Botschaft in Jerusalem aufsammeln, in die Hafenstadt Haifa bringen und von dort aus an die Grenze zu Mexiko verschiffen, wo sie nur noch abgekippt und über die 3.144 Kilometer verteilt werden müssen. Mit ein bisschen undiplomatischem Geschick reichen die Steine.

Und das Beste – alle Beteiligten haben was davon:

Die Israelis, denn die werden danach nie wieder mit Steinen beworfen, denn die Steine sind alle.

Die Palästinenser, denn die kommen nach so viel Ausarbeitung nie wieder auf dumme Gedanken.

Die Amerikaner, denn die kriegen ihre Mauer.

Die Mexikanern, denn die sparen ihr Geld.

Und Trump, denn der kann seine irrsinnigsten Pläne in die Welt raus twittern und hinter jeden schreiben: Keine Satire, is rael!

31.05.2018

Donald Trump trifft Kim Kardashian.

Man könnte auch sagen: Großer Arsch trifft großen Arsch.

01.06.2018

Weil viele Kohlekraftwerke schließen, hat die Trump-Regierung ein Memo erstellt, wonach die unrentablen von ihnen beim Stromkauf bevorzugt werden sollen. Die Sache ist dringend. Allein letztes Jahr haben die Kohlekraftwerke in den USA 30 Millionen Kilowattstunden weniger erzeugt. So kann das nicht weitergehen. Donnie muss etwas tun. Sein Amerika soll nicht umsonst Ruß-Land heißen.

02.06.2018

Melania wurde seit über drei Wochen nicht in der Öffentlichkeit gesehen. Alle rätseln, was los ist. Dabei ist es ganz einfach: Ihr Geist hat Besitz von ihrem Körper ergriffen. Mit anderen Worten: Sie hat sich tatsächlich in Luft aufgelöst.

03.06.2018

Die Zahl der von Ärzten verschriebenen Opioide ist 2017 das fünfte Jahr in Folge gesunken. Aber das Zeug ist längst in den Körpern. 14 % aller Organspenden in den USA stammen von Drogentoten.

04.06.2018

Im August 2017 hatte das amerikanische Gesundheitsministerium entschieden, die finanzielle Unterstützung für Organisationen, die am »Teen Pregnancy Prevention Program« teilnehmen, von fünf auf drei Jahre zu kürzen. Die Unterstützung wäre infolgedessen am 30. Juni 2018 ausgelaufen. Ein Gericht hat jetzt geurteilt, dass das unzulässig war. Die 84 betreffenden Organisationen können somit noch zwei Jahre weiterarbeiten. Danach aber wird die Unsicherheit von Neuem beginnen, denn Trump und seine Leute setzen nicht auf Aufklärung, sondern auf Abstinenz. Sie sind die Enthalt-Samen.

05.06.2018

In Louisiana unternimmt die Politik jetzt was gegen die vielen Toten bei Schulschießereien. Sie erlaubt kugelsichere Rucksäcke.

06.06.2018

»Das werden wir Ihnen heimzollen!«

(Überschrift eines Briefes der EU an Donald Trump.)

07.06.2018

Der amtierende Direktor der US-Verbraucherschutzbehörde Mick Mulvaney hat drei wichtige Beiräte aufgelöst und sämtliche Mitglieder gefeuert. Einige von ihnen hatten zuvor kritisiert, dass Mulvaney die gesetzlich vorgeschriebenen Treffen mit ihnen mehrfach abgesagt hatte. Begründet wurde die Auflösung offiziell mit Kosteneinsparungen. Tatsächlich aber sind Mulvaney nicht nur die Beiräte, sondern die gesamte Verbraucherschutzbehörde ein Dorn im Auge. Da sie sich von außen aber nicht zertrümmern ließ, versucht er sie jetzt von innen zu zersetzen. Um sein Auskommen muss Mulvaney dabei nicht bangen. Er ist »nebenbei« noch Direktor des Amtes für Verwaltung und Haushaltswesen. Als solcher hat er großen Einfluss darauf, wie die Steuergelder verwendet werden. Und den nutzt er, denn er, Mick Mulvaney, ist ein Mann des Verbraucherschatzes, nicht einer des Verbraucherschutzes.

08.06.2018

Was mich wundert, ist, dass Trump seinen Protektionismus noch nicht als Form des Umweltschutzes verkauft hat. Bisher wurden Umweltschutzklauseln in Freihandelsabkommen besonders von den USA genutzt, um Produkte aus Entwicklungsländern draußen zu halten. Schränkt man nun den Freihandel zusätzlich durch Zölle ein, so könnte Trump zumindest argumentieren, dass dadurch weniger Produkte quer über den Planeten gekarrt werden müssen, was Emissionen senken würde. »Kauft Stahl regional!«, wäre das passende Motto dafür. Aber wer weiß, ob das mit den sinkenden Emissionen durch »grünen Protektionismus« überhaupt stimmt. Und ob der CO2-Ausstoß, selbst wenn er durch kürzere Transportwege sinkt, nicht durch laxere Umweltgesetze in der heimischen Industrie wieder steigen würde, sodass am Ende überhaupt nichts gewonnen wäre.

Ist das vielleicht der Grund, warum Donnie, die Weismachmaschine, diesen Trumpf nicht ausspielt?

Ich weiß es nicht. Es ist kompliziert, und ich habe keine Lösung. Aber ich bewundere das Problem.

09.06.2018

G7 ist großer Mist. G-Punkt wäre mir lieber. Gipfel der Lust statt Gipfel der Last. Werde dafür sorgen, dass die Russen beim nächsten Mal wieder mit dabei sind. Die haben wenigstens geile Nutten.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

10.06.2018

Wie misst man Gewöhnung? Um ehrlich zu sein, habe ich nicht die geringste Ahnung. Ich weiß nur, dass ich an Tag 1 geschrieben habe, dass wir uns an Trump als Präsident gewöhnen werden, denn das Normale ist das Machbare plus Zeit.

Damals, am 21. Januar 2017, demonstrierten Millionen Menschen weltweit gegen einen Präsidenten namens Donald Trump. Allein in den USA wurde die Zahl der Protestierenden auf 3,3 bis 4,6 Millionen geschätzt, was einige Kommentatoren dazu brachte, von den größten Protesten in der Geschichte der USA zu sprechen. Jetzt, knapp anderthalb Jahre später, ist davon nicht mehr viel zu sehen. Gewiss, wenn Donald Trump irgendwo auftritt, gibt es hier und da noch immer Proteste, aber im Großen und Ganzen sind sie deutlich seltener geworden und auch viel kleiner. Zudem richten sie sich nicht mehr gegen Trump an sich, sondern gegen einzelne politische Entscheidungen, die Trump getroffen hat oder zu treffen droht. Die Menschen, so scheint’s, haben sich an Trump als Präsidenten gewöhnt. Und vielleicht lässt sich diese Gewöhnung nirgends besser ablesen als an jener »Timeline of protests against Donald Trump«, die es zu einem eigenen Wikipedia-Artikel gebracht hat. Im Januar, Februar und März 2017 finden sich dort für nahezu jeden Tag Einträge. Und auch für April und Mai sind noch zahlreiche Proteste verzeichnet. Aber ab Juni geht die Zahl der Demonstrationen und auch die ihrer Teilnehmer zurück. In den Folgemonaten sind jeweils nur noch zwei oder drei Protestveranstaltungen aufgeführt, und ab Januar 2018 bricht die löchrig gewordene Kontinuität der Proteste endgültig ab. Seit dem 29. Januar sind keinerlei Proteste mehr vermerkt.

11.06.2018

Die Republikaner kämpfen nicht gegen die Demokraten, sie kämpfen gegen die Demografen. Da die (Noch-)Minderheiten aus Latinos, Afroamerikanern und Asian-Americans einen immer größeren Anteil an der Bevölkerung ausmachen, aber nur zu einem geringen Prozentsatz republikanisch wählen, wird das Verfahren der Wählerregistrierung in einigen Bundesstaaten verschärft oder möglichst streng gehandhabt. Und der republikanisch dominierte Oberste Gerichtshof hilft dabei. Mit Blick auf Ohio, einen Staat, der traditionell zwischen republikanischen und demokratischen Mehrheiten schwankt, wurde heute eine Klage abgewiesen, die das dortige Wahlrecht ändern wollte. Die Sache läuft so: Wer in Ohio zwei Jahre lang nicht wählt, wird von den Behörden angeschrieben. Wer sich daraufhin nicht zurückmeldet oder in den nächsten zwei Jahren wieder nicht wählen geht, wird aus dem Verzeichnis gestrichen. Bisher wurden auf diese Weise 144.000 Personen von den Listen entfernt. Als Grund für das Vorgehen geben die Behörden an, die Wählerverzeichnisse aktuell halten zu wollen. Aber wie so oft steckt hinter der formalen Gesetzestreue nichts weiter als formvollendete Machtpolitik, denn die Restriktionen und Streichungen betreffen vor allem sozial Schwache und ebenjene Minderheiten, die vorzugsweise die Demokraten wählen. Aber die Demografie ist gegen die Republikaner, und deshalb müssen sie noch mehr tun. Und das machen sie auch. In Wahlbezirken, die traditionell eher demokratisch wählen, ist die Zahl der Streichungen doppelt so hoch wie in jenen, in denen die Republikaner dominieren. Es geht, so scheint es, also weniger darum, die Wählerverzeichnisse aktuell zu halten, als darum, die aktuellen Machtverhältnisse in den Wählerverzeichnissen abzubilden – trotz und gegen alle Demografie.

12.06.2018

Donald Trump trifft Kim Jong-un.

Hochzeit für die Diplowmaten.

13.06.2018

Erst legt Trump den Sumpf trocken, dann lässt Bildungsministerin Betsy DeVos das Hirnwasser ab. Vorzugsweise im eigenen Haus. 550 Beschäftigte hat das Bildungsministerium in den vergangenen anderthalb Jahren bereits verloren. Das heißt in DeVos’ Augen: eingespart. Die meisten arbeiteten in der Abteilung zur Einhaltung der Bürgerrechte und jener, die sich mit Finanzierungshilfen für Studierende und Bildungseinrichtungen befasst. Und es wird weitergehen. Die vermeintlichen Wasserköpfe der Verwaltung verschwinden, die Wüste wächst.

14.06.2018

Trump hat Geburtstag. 72 Jahre wird er heute, aber von Altersweisheit keine Spur. Und von Altersmilde ebenfalls nicht. Aber wozu auch? Durch seine Taktlosigkeiten hat er den Taktstock über ein ganzes Land in die Hände bekommen. Er brüllt, und die Affen tanzen. Die Diplomatie kann ihm gestohlen bleiben. Sie ist ohnehin nur ein Anagramm für »Opa Limited«.

15.06.2018

In den USA hat die Zahl der monatlichen UFO-Sichtungen die der Melania-Sichtungen erstmalig überschritten.

16.06.2018

Wo sind nur all die Verschwörungstheorien geblieben? Seit Trump im Amt ist, scheint das beliebte Realitäts-Genre auf dem absteigenden Ast zu sein. Zumindest was diejenigen betrifft, die den Präsidenten der USA und seine Regierungsmannschaft als Verschwörer betrachten und nicht als Aufklärer ansehen (wie es die Verschwörungstheoretiker von QAnon mit Trump machen). Aber wer weiß, vielleicht waren die Verschwörungstheorien bisher gar nicht, wie gemeinhin angenommen, ein Resultat geheimer Machenschaften, sondern ein Effekt der verschwurbelten Politikersprache. Dann wäre die Sache leicht zu erklären, dann haben Trumps Plautzereien die verschwörungstheoretischen Blasen zum Platzen gebracht und neue sind nicht fabrizierbar. Denn jeder weiß: Verschwörungstheorien können unter Sonnenkönigen nicht gut gedeihen. Sie wachsen am besten im Schatten des etablierten politischen Betriebs. Sie sind der geheime Knoblauch in der Küche der Konsensdemokratie.

17.06.2018

Melania protestiert bei anderen gegen Familientrennung. Bei mir wehrt sie sich gegen Vereinigung. Ungerecht!

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

18.06.2018

Das Pentagon will seine Cyber-Waffen nicht länger nur defensiv einsetzen. Stattdessen favorisieren die Militärs künftig Präventivschläge und das Einhacken in ausländische Netze von Freund und Feind. Dafür stehen der U.S.-Army 41 Cyber-Mission Force Teams zur Verfügung. Da für die Lösung aller wichtigen Fragen des Lebens, des Universums sowie des ganzen Rests (inklusive der Frage nach dem endgültigen und unwiderruflichen Finalsieg bei den Cyber-War-Games) nach Ansicht des Supercomputers Deep Thought aber die Zahl 42 von zentraler Bedeutung ist, planen die Verantwortlichen im Pentagon, noch ein weiteres Team aufzubauen. Es soll sich ausschließlich mit der Herstellung »alles Bisherige übertrumpfender Schimpfwörter beschäftigen, die der Präsident auf Twitter nutzen kann«.

19.06.2018

Trump kümmert sich ausnahmsweise mal um Europa und erklärt per Twitter, dass dort die Kriminalität steige. Seiner Meinung nach haben die europäischen Staatsführer »einen großen Fehler gemacht, indem sie Millionen Menschen erlaubt haben, reinzukommen«. Laut Trump haben diese Menschen die Kultur in den jeweiligen europäischen Ländern stark verändert und das zum Teil mit Gewalt. In Deutschland ist die Kriminalität laut Trump »seit Ankunft der Flüchtlinge 2015 um mehr als 10 % gestiegen«, aber diese Zahlen würden die Regierungsvertreter nicht veröffentlichen.

Merkel hat daraufhin erklärt, dass die Kriminalitätszahlen sinken und sich dabei auf die Polizeiliche Kriminalstatistik bezogen, die der Innenminister kürzlich vorgestellt hatte und die für 2017 einen Rückgang der Straftaten um 9,6 % ausweist. Trump aber scheint sich mit seiner Aussage auf eine andere Quelle zu beziehen. Zumindest haben die großen amerikanischen Nachrichtenagenturen, kurz bevor er seinen Tweet abgesetzt hat, über eine von der deutschen Regierung in Auftrag gegebene Studie berichtet, die – wie Reuters schreibt – »im Januar veröffentlicht worden ist und zeigt, dass die Gewaltkriminalität in den Jahren 2015 und 2016 um 10 % gestiegen ist, wobei 90 % dieses Anstiegs auf das Konto junger männlicher Asylbewerber gehen«.

Allerdings nennt Reuters keine Quelle und Trump natürlich sowieso nicht. Aber es kann sich nur um die vom Bundesfamilienministerium 2017 in Auftrag gegebene und am 3. Januar 2018 veröffentlichte Studie Zur Entwicklung der Gewalt in Deutschland handeln, die ihren Schwerpunkt auf Jugendliche und Flüchtlinge legt. Dort ist im Zwischenfazit auf S. 81 zu lesen: »Die Zahl der polizeilich registrierten Gewaltdelikte ist in Niedersachsen nach einer siebenjährigen Phase des Rückgangs in den Jahren 2015 und 2016 erstmals wieder deutlich angestiegen (+10,4 %). Eine vom LKA Niedersachsen durchgeführte PKS-Datenanalyse zeigt, dass diese Zunahme zu 92,1 % den Flüchtlingen zuzurechnen ist.«

Man könnte sich jetzt daran aufhängen, dass Reuters Niedersachsen mit Deutschland gleichsetzt. Was mich aber viel mehr beschäftigt ist etwas anderes, nämlich dass Donald Trump mit seiner Aussage nicht unrecht hatte. Gewiss, auch er differenziert nicht, und die Zahlen sind – entgegen Trumps Behauptung – öffentlich einsehbar. Dennoch liegt Trump von der Sache her richtig. Weil er aber oft genug Fake News verbreitet, wird ihm – besonders hierzulande bzw. auf politisch linker Seite – kaum mehr geglaubt, und nach Merkels Aussage schien Trumps Tweet ohnehin ins Land der Fabeln zu gehören. Aber genau darin liegt die Gefahr. Dass nämlich jeder von uns – auch ich – davon ausgehen muss, dass der große Fake-News-Verbreiter auch mal recht haben kann. Dass es immer wieder darum geht, die Quellen zu checken, die Daten zu überprüfen und sie zu vergleichen, selbst dann, wenn die Quelle gar nicht genannt wird.

20.06.2018

Der Zynismus wird System. Kaum, dass Umweltminister Scott Pruitt die USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen gedrängt hatte, ging er Französisch essen. Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen hat es ihm jetzt gleichgetan. Nachdem sie an der Grenze zu Mexiko Kinder von ihren Eltern trennen ließ, genoss sie in einem Washingtoner Restaurant erstmal die gute mexikanische Küche. So gesehen ist davon auszugehen, dass Donald »der alte Abkanzler« Trump demnächst in Washington D. C. im Café Berlin auftauchen wird. Das liegt nur zwei Meilen vom Weißen Haus entfernt und wirbt auf seiner Internetseite mit Bayerischer Küche. Wahrscheinlich wird er Seehoferzunge bestellen.

21.06.2018

Der amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin hat heute den ersten von einhundert geplanten F-35A-Kampffliegern an die Türkei ausgeliefert. Auf dem Firmengelände in Fort Worth, Texas, wurde dazu extra eine große Übergabefeier veranstaltet. Die F-35 wurde unter martialischer Musik und einem kinofilmartigen Trailer auf eine große Bühne gerollt und dem Publikum präsentiert. Scheinwerfer setzten den türkischen Halbmond auf dem Tarnkappen-Flugzeug perfekt in Szene.

Wie die Maschine da vor ihnen stand, erhoben sich die Leute von ihren Sitzen und klatschten. Außer dem Flugzeug war niemand auf der Bühne. Es war, als würden sie eine Gottheit anbeten. Das Klatschen nahm ihnen die Angst, eines Tages Opfer ihrer eigenen Erfindung werden zu können. Anschließend gab es traditionelle türkische Musik und Tanz. Und dazu die Erkenntnis, dass sich Fortschritt und Folklore nirgends inniger vereinen als im Zeichen des Krieges.

22.06.2018

Wenn das Leben Lücken reißt, stürzen die Worte in den Tagebruch.

23.06.2018

Die Zahl der rauchfreien Colleges und Universitäten in den USA hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Pulverdampf wurde allerdings nicht mit eingerechnet.

24.06.2018

Steve King, der für die Republikaner von Iowa im US-Repräsentantenhaus sitzt, will nicht länger hinnehmen, dass muslimische Migranten, die in der fleischverarbeitenden Industrie Iowas tätig sind, Schweinefleisch verpacken. Er ist der Ansicht, dass sie das Fleisch wegen seiner Unreinheit verwünschen und denjenigen, der es isst, damit in die Hölle zu bringen versuchen.

PS: Das Gallup-Institut hat vor Kurzem eine repräsentative Umfrage veröffentlicht. Danach glauben 71 % der Republikaner, dass die Religion alle oder zumindest die meisten Probleme lösen kann, die die Menschheit aktuell hat.

25.06.2018

Der Motorradhersteller Harley-Davidson hat angekündigt, wegen des andauernden Handelsstreits mit Europa und den permanenten Zoll- und Gegenzollmaßnahmen einen Teil seiner Produktion von den USA ins Ausland zu verlegen. Sämtliche Motorräder, die für den europäischen Markt bestimmt sind, sollen in Zukunft nicht mehr in den Vereinigten Staaten produziert werden. Trump schäumt: »Eine Harley sollte niemals in einem anderen Land gebaut werden!«, ereifert er sich auf Twitter.

Er sollte innehalten. Die Bremsen für die Harleys kommen allesamt aus Italien, und auch die Kupplungen werden von dort importiert. Aber das ist noch nicht alles: Die Motorkolben werden in Österreich produziert, die Mehrzahl der elektronischen Bauteile stammt aus China oder Mexiko und die Stoßdämpfer aus Japan. Die Verbindung nach Japan hat für Harley-Davidson übrigens Tradition. Als die Firma 1929 im Zuge der Weltwirtschaftskrise am Rande des Ruins stand und händeringend nach neuen Absatzmärkten suchte, hat sie einen Lizenzvertrag mit dem japanischen Motorradhersteller Rikuo geschlossen. Kurz darauf wurde mit amerikanischer Hilfe in Tokyo ein entsprechendes Werk aufgebaut. Bis 1937 hat Rikuo darin Motorräder unter dem Namen Harley-Davidson produziert und in Japan verkauft. Anschließend hat die Firma unter eigenem Namen weitergemacht. Harley-Davidson selbst hat die Verbindung lange Zeit geheim gehalten. Die Firma wollte nicht, dass herauskommt, dass sie durch den Aufbau der Fabrik die Techniken der modernen Massenproduktion in Japan bekannt gemacht und über Jahre hinweg befördert hatte.

26.06.2018

Muslime müssen draußen-, die Realität drinbleiben. Menschen aus fünf muslimischen Ländern dürfen künftig nicht mehr in die USA einreisen. Das hat der Oberste Gerichtshof heute entschieden.

Die Whistleblowerin Reality Winner muss dagegen fünf Jahre ins Gefängnis. Sie hatte NSA-interne Dokumente an die Medien gegeben, die zeigen, dass russische Hacker die US-Präsidentschaftswahlen beeinflusst haben. Verurteilt wurde sie wegen des Espionage Acts. Er stammt aus der Zeit des 1. Weltkriegs und stellt die Veröffentlichung militärischer Informationen unter Strafe, wird aber auch gegen Whistleblower eingesetzt. Ob das rechtmäßig ist, ist überaus zweifelhaft. Der Oberste Gerichtshof hat die Anwendung des Espionage Acts auf Whistleblower nie auf seine Verfassungsmäßigkeit hin überprüft.

27.06.2018

Trump und Putin wollen sich in einem »neutralen Drittstaat« zu einem Gespräch treffen. Jetzt rätseln Militärs und Geheimdienste beider Länder, welchen Staat sie noch nicht infiltriert, gehackt oder sonst irgendwie auf ihre Seite gezogen haben.

28.06.2018

Trumps Zölle schlagen durch. Jack Daniels schlägt 10 % drauf. Allerdings nur auf den Preis, nicht auf den Alkoholgehalt.

29.06.2018

Spatenstich für das neue Werk des Apple-Zulieferers Foxconn in Wisconsin. Trump ist dabei und lobt die Firma und sich in den höchsten Tönen. In ein paar Monaten, so heißt es, werden bereits die ersten Gebäude stehen. Ich hoffe nur, sie machen es in Wisconsin wie in China und spannen Netze rund um die Fabrikhallen, damit all jene, die das Arbeitsklima bei Foxconn nicht aushalten und von den Dächern springen wollen, drin hängenbleiben. Bei vier Milliarden Dollar Steuererleichterungen und Subventionen sollte das drin sein.

30.06.2018

Donnie hat heute erfahren, dass 35.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert sind. Er ist entsetzt. Er hatte nicht mit einer solchen Zahl gerechnet. Er hatte gedacht, dass es weniger sind. Vielleicht sieben. Oder elf. Oder 16. Aber 35.000? Niemals! Manchmal muss die Realität eben noch lernen, sich an seine Vorstellungen anzupassen. Er kann nur hoffen, dass die im Penn-tagon endlich aufwachen und diese überbordende Wirklichkeit entsprechend zurechtstutzen.

01.07.2018

Für Donald Trump ist die Politik eine bloße Fortsetzung des Ichs mit anderen Mitteln.

02.07.2018

Trump droht China mit einem Handelskrieg. China droht Trump, US-Waren zu boykottieren. Vor allem die US-Landwirtschaft wäre dann betroffen. Dann werden nämlich die Bestellungen in Peking storniert und die amerikanischen Sojabohnen in China künftig Soneinbohnen heißen. Und das in einer Zeit, in der die Bauern in den USA zum ersten Mal seit 35 Jahren mehr Soja als Getreide angebaut haben. Aber was sollen sie machen? Der Fruchtwechsel auf den Feldern verläuft nunmal unendlich viel langsamer als der Launenwechsel ihres Präsidenten.

03.07.2018

In Illinois kandidiert ein bekennender Neo-Nazi und Holocaust-Leugner für einen Sitz im Kongress. Sein Name ist Arthur Joseph Jones, und er war der einzige, der in seinem Wahlkreis bei den innerparteilichen Vorwahlen der Republikaner angetreten ist. Seitdem unternimmt die Partei alles, um ihn loszuwerden. Aber Jones, der seit 40 Jahren erfolglos versucht, ein Amt zu erringen, sieht seine Zeit für gekommen. Den führenden Republikanern im Land geht der Arsch jedenfalls mächtig auf Grundeis. So sehr, dass sie gegen ihren eigenen Parteimann noch heftiger twittern als Donald Trump gegen Hillary Clinton. »Dieser bigotte Blödmann sollte keine einzige Stimme bekommen«, schreibt ein republikanischer Senator und fordert die Leute auf, bei der Wahl für den Kandidaten der Demokraten zu stimmen. Er weiß offenbar, dass in Donald Trumps Amerika nicht viel Platz zwischen einem Außen- und einem Draußenseiter ist. Allerdings weiß Arthur Joseph Jones das auch …

04.07.2018

Unabhängigkeitstag. Für alle. Nur nicht für Melania. Denn sie weiß: Ringe waren es, die ihr die Kette schmiedeten.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

05.07.2018

Scott Pruitt ist seit heute nicht mehr Leiter der Umweltschutzbehörde EPA. Zeit für ein kleines Abschiedsgedicht.

S’cott zt ihn an

(und uns auch)

Der Scotty ward heute downgebeamt,

seine Umwelt, sagt er, habe ihn verraten.

Sie hat ihn aus dem Amt getrieben,

Doch etwas ist von ihm geblieben,

eine dicke, dreckige Kerbe –

sein politisches Erbe.

06.07.2018

Scott Pruitts Zeit als Leiter der Umweltbehörde ist vorbei, doch Donald Trump setzt weiter auf Kohle. »Wenn man eine Pipeline bombardiert, ist es das Ende der Pipeline«, sagte Trump vor Anhängern im Kohlestaat West Virginia. »Mit Kohle kann dir das nicht passieren, das Zeug ist unzerstörbar.«

Stimmt. Die Verweildauer von CO2 in der Erdatmosphäre beträgt 150-200 Jahre. 20 % davon bleiben sogar 1.000 Jahre erhalten, und 10 % leisten uns noch in 10.000 Jahren Gesellschaft. Falls es dann noch so etwas wie eine Gesellschaft gibt.

07.07.2018

Wie erst heute bekannt wurde, hat Scott Pruitt an seinem letzten Tag als Umweltschmutzminister nochmal richtig zugeschlagen und besonders dreckigen Diesel-Trucks eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Diese sogenannten Glider-Trucks werden von speziellen Firmen hergestellt. Sie verbinden moderne Karosserien mit alten, billigen Motoren, die meist aus Unfallfahrzeugen stammen und bis zu 55 Mal mehr Schadstoffe ausstoßen als erlaubt. Eigentlich sollte die Produktion dieser Trucks auf 300 Stück begrenzt und irgendwann ganz eingestellt werden, aber jetzt können die »Super-Polluters« dank Scott Pruitt wieder in die Vollen gehen. Die Industrie rechnet damit, in den USA 10.000 solcher Trucks pro Jahr zu verkaufen. Ein guter Deal, wenn man bedenkt, dass die Glider-Truck-Lobby nur 225.000 Dollar Spenden benötigte, um binnen weniger Monate die entscheidenden republikanischen Politiker auf ihre Seite zu bringen. Vorher hatte bereits Donald Trump während seines Wahlkampfes Station bei den Glider-Truck-Produzenten gemacht, und so fügte sich am letzten Tag in Scott Pruitts Büro alles auf ebenso wundersame wie widerliche Art und Weise zusammen.

08.07.2018

Donald Trump führt ein Land im Westen.

Ich führe ein Landleben im Osten.

Dazwischen liegt dieses Tagebuch.

Aber es verbindet nichts,

es ist nur eine Sammlung von Fragmenten,

Tag für Tag versinkend

im Ozean der Nichtigkeiten.

09.07.2018

Trump nominiert Brett Kavanaugh für den Obersten Gerichtshof.

Er selbst bleibt als Alleroberster Richter weiter im Amt.

10.07.2018

Habe gerade nach »morning education« gegoogelt, um mich auf Politico über aktuelle Diskussionen in der amerikanischen Bildungspolitik zu informieren. Google fragte daraufhin: »Meintest Du: morning erection?« Nein, meinte ich nicht.

11.07.2018

Mein Tagebuch verhält sich zu einem professoralen Geschichtswerk wie ein Ramschantiquariat zu einem perfekt durchdesignten Museum. Aber das ist nur so ein Gedanke. Und wer weiß, vielleicht ist es ja auch eine barocke Wunderkammer, die ich mit meinen Einträgen fülle …

12.07.2018

Dass Donald Trump von politischen Zusammenhängen nichts versteht, ist bekannt. Aber das braucht er auch nicht, denn er agiert frei nach dem Motto: Ich liefere die Worte und die anderen ihre Bedeutung.

13.07.2018

Donald Trump auf Staatsbesuch in Großbritannien. Beim offiziellen Foto steht er neben der Queen und grinst wie ein Honigkuchenpferd übers ganze Gesicht. Die Queen wirkt dagegen klein, gebeugt und irgendwie fertig, gerade so, als müsse sie den Zustand ihres einstmals großen Empires symbolisieren. Auch Melania ist mit von der Partie. Sie hat sich zur Feier des Tages in ein beigefarbenes Presswurstkostüm von Dior geknallt und sieht aus wie eine Eieruhr auf zwei Beinen. Die Fotosession wird von diversen TV-Stationen live übertragen, ist in Wahrheit aber so stinklangweilig, dass die Programmmacher des britischen Fernsehsenders ITV in weiser Voraussicht eine Expertin für Körpersprache engagiert haben, damit sie Trumps Verhalten deutet. »Er sieht aus wie eine Wachsfigur bei Madame Tussauds, mit seinen herabhängenden Armen und dem Grinsen im Gesicht«, sagt die Expertin.

5.500 Kilometer entfernt, bei Madame Tussauds in New York, steht derweil ein glücklicher Donald Trump neben seiner Melania. »Endlich«, flüstert er ihr ins Ohr, »endlich bist du Wachs in meinen Händen.«

14.07.2018

Die US-Navy hat neue Frisur-Regeln erlassen. Soldatinnen dürfen ab jetzt Dreadlocks tragen. Auch Pferdeschwänze und Dutt-Frisuren sind künftig erlaubt. Man könnte auch sagen: Donnie, der Heerführer, ist nicht mehr der Hair Führer, auch wenn sein Spitzname in politischen Kreisen nach wie vor »Hair Fuhrer« lautet. Wobei auch »Herr Furor« sehr beliebt ist. Und »Hair Furor« auch was für sich hat. Im Privaten liegen die Dinge, d. h. die Haare, dagegen ganz anders, denn einen Vhairführer kann Melania beim besten Willen nicht in ihm erkennen.

15.07.2018

Donald hat heute Namenstag. Wie passend, dass der Ur-Donnie ein schottischer Heiliger war und das Trumpelchen heute in Schottland weilt. Seine Tagesaufgabe besteht darin, auf den Golfplatz zu gehen und auf kleine weiße Bälle einzudreschen. Aber er macht das nicht zum Spaß. Es ist seine Pflicht. Sein Name bedeutet schließlich »Herrscher über die Welt«. Und wer herrscht, muss dreschen. Das ist die Logik, der er folgt.

16.07.2018

»Helsinki.«

(Trump und Putin, 16. Juli 2018.)

»In hell sink we!«

(Putin und Trump, eines schönen Tages.)

17.07.2018

In den USA bekommt Trump wegen seines Treffens mit Putin unterirdisch schlechte Kritiken. Aber ihm kann das egal sein, denn was für ihn zählt, ist sein Konto für die Wiederwahl, und das wächst überirdisch gut. Zwischen April und Juni haben Donald Trumps Fundraising-Komitees 18 Millionen Dollar eingenommen. Insgesamt belaufen sich die Spenden für seine Wiederwahl bereits auf 90 Millionen. Wenn das so weitergeht, wird Donald Trump in zweieinhalb Jahren derjenige sein, für den auf dem politischen Transfermarkt die höchste Nicht-Ablösesumme aller Zeiten bezahlt worden ist.

18.07.2018

Heute hab ich Urlaub, heute mach ich frei.

Heute heißt’s für mich: Badetuch statt Tagebuch.

19.07.2018

Kathleen Kraninger soll nach dem Willen Donald Trumps künftig die US-amerikanische Verbraucherschutzbehörde leiten. Allerdings hat sie keinerlei Qualifikationen auf diesem Gebiet. Aber das ist bei einem wie Donald Trump eher ein Grund als ein Hindernis. Und selbst wenn er sich darüber nicht im Klaren ist, kann er sich sicher sein, dass er mit dieser Politik nur jene gute alte Tradition fortführt, die Präsident Warren G. Harding vor knapp 100 Jahren etabliert hat.

Harding verschaffte nämlich vollkommen unqualifizierten Leuten hohe Posten in seiner Regierung. Einstellungsgründe waren unter anderem, dass die Person mit ihm verwandt war oder zumindest mal neben ihm gewohnt hatte. Es reichte aber auch aus, wenn ihm derjenige einst die Zeitung zugestellt hatte, sein Allgemeinarzt gewesen war oder im Urlaub einfach irgendwann einmal im selben Hotel genächtigt hatte. Aber Trump und Harding haben noch eine weitere Gemeinsamkeit (abgesehen von diversen außerehelichen Affären). Ihre Reden strotzten vor Fehlern, Verdrehungen und Sinnentstellungen. Bei Harding lag das vor allem an Grammatik und Aussprache, bei Trump liegt es an Größenwahn und Ahnungslosigkeit.

20.07.2018

Das Schulmassaker von Parkland, der anschließende »March for Our Lives« und die seit Juni quer durchs Land führende Tour von Schülern, die das Massaker überlebt haben und sich nun für ein strengeres Waffenrecht einsetzen, haben in den USA zu einem deutlichen Anstieg der Wählerregistrierungen geführt, besonders bei jungen Leuten. Aber das ist nur die eine Seite, denn auch die NRA ist aktiv. Sie hat in den 30 Tagen nach dem Massaker die meisten Spenden ihrer Geschichte bekommen und erhält seither weiter Monat für Monat Millionen. Und das ist erst der Anfang. Vor drei Tagen hat das Finanzministerium die geltende Regel, wonach Spenden über 5.000 Dollar der Steuerbehörde gemeldet werden müssen, für Organisationen wie die NRA aufgehoben. Zur Begründung hieß es, die Behörde habe dadurch deutlich weniger Verwaltungsaufwand, wodurch letztlich Steuergelder gespart würden. Es ist das altbekannte Argument vom schlanken Staat, der in den Augen der Trump-Regierung und natürlich auch in denen der NRA immer der bessere Staat ist. Wer Bürokratieabbau sagt, hat schon gewonnen. Paperwork sparen ist alles, was zählt. Dass man sich dadurch auch die Möglichkeit spart, den Weg von Großspenden nachzuvollziehen, wird nicht nur in Kauf genommen, sondern ist offenbar auch gewollt. Künftig dürfte also noch viel mehr »dark money« in die Kassen der Waffennarren und von da aus weiter in die Wahlkämpfe fließen.

21.07.2018

Milliardenschwerer Machtmensch mag Model mit mächtigen Möpsen.

Model mit mächtigen Möpsen mag milliardenschweren, mächtigen Mann.

Mithin: Mächtiges Möpsegehopse.

Milliardenschwerer Machtmensch meets Mittelklasseanwalt Michael.

Mittelklasseanwalt Michael muss Mopsehopsedame mundtot machen.

Mittelklasseanwalt Michael macht’s.

Milliardenschwerer Machtmensch makellos, macht Megakarriere.

Michael misstrauisch, macht Mitschnitt.

Mist. Mist. Mist. Mist. Mist.

22.07.2018

Trumps Erfolg basiert auch darauf, dass seine Anhänger zwischen Reden und Handeln trennen. Deshalb lassen sie es ihm durchgehen, dass er den politischen Gegner mit Twitter-Tiraden überschüttet, dass er Vulgärvokabular für Frauen einsetzt und Begriffe verwendet, die von vielen als rassistisch deklariert werden. Für die Unterstützer Trumps sind das alles nur Worte. Und die sind nichts im Vergleich mit den vielen Richtern, die Trump an Bundesgerichten untergebracht hat und die, ganz in seinem und ihrem Sinne, die Grenzen des künftigen Handelns bestimmen. Sind nichts im Vergleich mit den Mauern, die er bauen lässt, um die Ängste der Konservativen zu umhegen. Sind nichts im Vergleich zu all den Gesetzen und präsidialen Dekreten, mit denen die Lebensweise und die Werte der weißen, christlich-konservativen Bevölkerung zur Norm erhoben und gegen jene geschützt werden, die diese Welt mit ihren Werten aufzuweichen versuchen, seien es nun Transgender-Personen, Muslime, Sozialisten, Atheisten oder Migranten. Trump ist in den Augen seiner Wähler einer, der ihre Welt mit Taten, nicht mit Worten beschützt. Und das hat in ihren Augen auch seinen guten, d. h. historischen Grund, denn es waren Taten, nicht Worte, mit denen weiße Christen Amerika erschaffen und groß gemacht haben. Zumindest in ihrer Version der Erzählung. Dort, wo das Handeln wieder zu Reden gerinnt.

23.07.2018

Donald Trump hat auf dem Gelände des Weißen Hauses eine große Produkt-Show eröffnet. Er sagte: »Wir sind heute hier, um die großartigsten Produkte der Welt zu feiern – Produkte, die mit amerikanischem Herzen, amerikanischem Schweiß und amerikanischem Stolz gemacht worden sind.« Anschließend wurde das Bett, in dem Donald Trump gezeugt wurde, hereingetragen. Trump legte sich hinein und steckte sich die Ausstellungsnummer 1 ans Revers.

24.07.2018

Donald Trump – vier Geschwister und trotzdem Einzellkind.

25.07.2018

Bisher mussten in den USA Firmen, die im Zuge ihrer Geschäftstätigkeit öffentlichen Grund und Boden schädigen, dafür zahlen oder Ausgleichsflächen schaffen. Diese »compensatory mitigation« genannte Praxis soll nach Plänen des US-Innenministeriums nun freiwillig sein. Passend dazu ist die Regierung von Donald Trump gerade dabei, das Gesetz zum Schutz bedrohter Arten zu überarbeiten. Firmen sollen künftig leichter Zugang zu geschützten Gebieten haben, um darin arbeiten oder auf andere Weise ihren Geschäften nachgehen zu können.

Die Zahnräder der Zerstörer beginnen ineinanderzugreifen.

26.07.2018

Im September 2017 fragten drei Kongressabgeordnete den US-Sonderbeauftragten für den Aufbau in Afghanistan, wie viel Geld durch Verschwendung, Betrug, Misswirtschaft sowie fehlerhafte und sinnlose Maßnahmen seit Gründung der Aufsichtsbehörde im Jahre 2008 vergeudet worden ist. Jetzt, nach zehn Monaten Arbeit, kam die Antwort: Es sind 15,5 Milliarden Dollar. Allerdings, so der Sonderbeauftragte, sei das wahrscheinlich »nur ein Bruchteil der tatsächlichen Verschwendung«. Von den 764 untersuchten Projekten wiesen jedenfalls 643 Unregelmäßigkeiten auf. Am schlechtesten schnitten die amerikanischen »Stabilisierungsprogramme« ab. Sie führten laut der Analyse »zu einer Konfliktverschärfung, Zunahme an Korruption und verstärkter Unterstützung für die Aufständischen«. Man könnte auch sagen: Für die Taliban sind die amerikanischen Stabilisierungsprogramme die perfekte Form der vielgepriesenen Hilfe zur Selbsthilfe.

27.07.2018

Die Umweltschutzbehörde EPA will die Produktion der besonders dreckigen Glider-Trucks jetzt doch wieder begrenzen. Damit widerruft Interimschef Andrew Wheeler eine der letzten Anordnungen seines Vorgängers Scott Pruitt. Aber nicht, weil Wheeler plötzlich sein ökologisches Gewissen entdeckt hat, sondern weil 17 Bundesstaaten Klage gegen die Dreckschleudern eingereicht haben. Denn das ist die Umweltpolitik in den USA seit Donald Trump. Nicht zwei Schritte vor und einen zurück, sondern zwei zurück und – wenn‘s nicht anders geht – wieder einen nach vorn.

28.07.2017

Die ganze Welt ist durch Donald Trumps Handelskrieg von der Idee besessen, amerikanischen Produkten den Zugang zum eigenen Markt zu verwehren. Die ganze Welt? Nein! Argentinien öffnet seine Märkte und Mägen und importiert amerikanisches Schweinefleisch. Zum ersten Mal seit 26 Jahren. Aber es gibt Widerstand. Die kleine, von einem unbeugsamen Gaucho namens Carlos Alberto Verna regierte Provinz La Pampa will die Vereinbarung torpedieren und nur lokales Fleisch erlauben. Seiner Ansicht nach sind die amerikanischen Schweinefleisch-Importe eine Sauerei für eine Rindernation.

29.07.2018

Sonntagmorgen. Halb Amerika sitzt in der Kirche, die andere Hälfte ist auf dem Schießstand. Nur Donald Trump macht eine Ausnahme. Er sitzt im Bett und twittert sich die Finger wund. Schimpft über seinen früheren Anwalt Michael Cohen. Droht mit Stilllegung der Regierung, wenn der Kongress seinen Immigrationsplänen nicht zustimmt. Und macht aus den Medien mal wieder eine gigantische Fake News-Industrie. Weil aber Sonntag ist und alle Leute was Schönes tun (schießen) oder zumindest mit ihren Kumpels abhängen (in der Kirche), will auch Donnie nicht zurückstecken. Also preist er seine Erfolge in der Wirtschaftspolitik. Und erklärt, er habe höhere Zustimmungswerte als jeder andere republikanische Präsident vor ihm. Dass das nicht stimmt, ist ihm egal. Es ist schließlich Sonntag, da hat sich der Herr freigenommen und achtet nicht auf die Fakten, sondern erfreut sich am Ballern und Beten.

30.07.2018

Atomvertrag gekündigt ✓

Präsident beleidigt ✓

Mit Krieg gedroht ✓

Alle Verbindungen mit dem Iran gekappt ✓

Ergo: Keine Vorbedingungen mehr, kann Rohani jetzt treffen.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

31.07.2018

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Donald Trump hat es nach anderthalb Jahren im Amt geschafft, seinen Kandidaten für den Posten des obersten Wissenschaftsberaters zu benennen. Aber das ist nicht das Wunder, denn das besteht darin, dass er jemanden nominiert hat, bei dem es mal keine Proteste gibt. Im Gegenteil, alle scheinen den Kerl zu mögen. Sogar die Klimaforscher applaudieren. Einer der üblichen reaktionären Rednecks scheint der Kerl jedenfalls nicht zu sein. Und sein Name deutet auch eher auf einen ruhigen und besonnenen Typen hin. Er heißt Droegemeier. Sein Vorname lautet allerdings Kelvin. Und wer Kelvin heißt, der muss fast schon Meteorologe sein. Und das ist er dann auch. Aber Kelvin Droegemeier hat noch einen weiteren Bonus: Er hat sich jahrzehntelang mit Wirbelstürmen und extremen Wetterumschwüngen beschäftigt, und jetzt kann er sie endlich mal live und in Farbe studieren – im Weißen Haus, Amerikas oberster Donnerwetterstation.

01.08.2018

Donald macht Druck. Entweder enden die Mueller-Sessions oder die Sessions-Sessions. Tertium non datur!*

02.08.2018

Trumps bevorzugte Form der politischen Rede ist das, was man in der Rhetorik ein argumentum ad hominem nennt. Dabei wird die inhaltliche Auseinandersetzung gescheut und der Gegner stattdessen persönlich attackiert, um seine Position in der Debatte zu schwächen. Besonders beliebt sind Angriffe auf vermeintliche Charakterschwächen und Eigenheiten der Kontrahenten (»die korrupte Hillary«, »der schläfrige Joe«, »die verrückte Nancy Pelosi«), Diffamierungen durch Zuschreibungen, ganz egal, wie richtig oder falsch sie auch sind (»die erfolglose New York Times«, »die Fake-News-Medien«) und persönliche Beleidigungen, die im wahrsten Sinne des Wortes aufs Äußerste zielen. (Über seine republikanische Kontrahentin Carly Fiorina sagte Trump 2015 in einem Interview mit dem Rolling Stone: »Schauen Sie sich dieses Gesicht an. Würde das irgendjemand wählen?«)

Die Angriffe sind kein Einzelfälle, sondern Teil eines aus Hilflosigkeit und Hochmut geborenen Abwertungssystems. Die alles andere als erfolglose New York Times führt inzwischen sogar eine eigene Liste, die all jene Personen, Orte und Dinge enthält, die Trump auf Twitter bisher verunglimpft hat. Diese Woche fanden sich darauf u. a. der frühere stellvertretende FBI-Direktor Andrew McCabe (»Clown«, »Loser«), die kalifornischen Umweltgesetze (»schlecht«) und wie üblich Hillary Clinton (»korrupt«) und die Medien (»Fake News«, »Hexenjagd«, »sehr gefährlich und krank«).

Man könnte über all das lachen, wäre Trump nicht so erfolgreich damit. Seine Wähler jedenfalls bejubeln seine Attacken und teilen sie eifrig auf Twitter. Dennoch: Man überschätzt Trumps Macht, wenn man glaubt, dass die Leute ihm lediglich folgen. Es ist ebenso andersherum. Trump greift auch immer wieder Meinungen und Perspektiven aus konservativen Bevölkerungskreisen und populistischen Strömungen auf, kondensiert sie in wenigen Schlagworten und feuert sie zurück in die Debatte. Auf diese Weise verbindet er sich mit seiner Stammwählerschaft. Argumentum ad populum, eine Beweisrede für das Volk, wird das in der Rhetorik genannt. Wobei in diesem Falle Beleidigung und Beweisrede in eins fallen. Das mag von außen betrachtet nach einem billigen Trick aussehen, ist tatsächlich aber extrem effizient und bestimmt die Debatten. Trump jedenfalls ist so erfolgreich damit, dass seine politischen Gegner mit ihrem Latein inzwischen am Ende sind.

03.08.2018

Das arme Schwein, das eines Tages Melanias Biografie schreiben muss, hat nur eine Quelle für sein Buch. Es ist die permanente Interpretation des Nichts – und aus der muss er alles schöpfen. Melania ist die Unmöglichkeit einer Biografie in Worte gefasst.

04.08.2018

Die Überlebenden des Parkland-Schulmassakers haben im Rahmen ihrer zweimonatigen Tour durch die USA heute vor dem Hauptquartier der NRA in Fairfax protestiert. Die Reaktion der Waffenlobby war die Übliche. Die Protestler wollten Amerikas Bürger wehrlos machen, sagten ihre Vertreter und erklärten, sie hätten laut des zweiten Zusatzartikels zur Verfassung das Recht, Waffen zu tragen. Dass der Waffenbesitz laut Verfassung »well-regulated« sein soll, sagten sie nicht.

05.08.2018

In Kalifornien brennen die Wälder. Aber Donnie hat die Lösung. Mehr Wasser muss her. Und mehr Bäume müssen weg. Und die strengen kalifornischen Umweltgesetze können bei der Gelegenheit auch gleich mit wegrasiert werden.

Derweil wüten die Feuer weiter. Viele davon in der Nähe von Seen mit Rekordwasserständen. Wasser ist also nicht das Problem. Und Brandschneisen schlägt man in Kalifornien auch schon seit über 100 Jahren. Nur der Klimawandel ist neu. Aber für den hat Donnie keine Lösung. Doch die braucht er auch nicht, denn für ihn existiert der Klimawandel nicht. Kein Wunder. Donnie kennt nur Phänomene, keine Ursachen. Er sieht brennende Wälder, aber nicht die durchglühte Erde. Aber wie auch?! Erde brennt in Donnies Welt nicht.

06.08.2018

Ich bin ein Faktenbodychecker.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

07.08.2018

America-First-Energy-Konferenz in New Orleans. Neben den üblichen Fossilien und ein paar reaktionären Think-Tanks sind auch Vertreter des Weißen Hauses und des US-Innenministeriums anwesend und hören, was gesagt wird. Und es wird einiges gesagt. Die Sprecher der Konferenz leugnen den Klimawandel, preisen Kohle und Öl und erfreuen sich an den gelockerten Umweltschutzauflagen. Und überhaupt: Wenn alles dereguliert und dem freien amerikanischen Markt überlassen wird, wird sich das mit den Temperaturen, den Wetterextremen und dem steigenden Meeresspiegel schon einpendeln. Wird es ganz bestimmt.

08.08.2018

Die Energiekonferenz ist vorbei und laut Donald Trump war sie ein voller Erfolg. Er setzt jedenfalls weiter auf Kohle statt Windkraft. Mit anderen Worten: Er wählt die Emission statt der E-Mission.

09.08.2018

Donald Trump erhebt Strafzölle gegen alles und jeden und hält das für einen geradezu göttlichen Akt. Aber warum auch nicht? »Sanctio« bedeutet so viel wie »heilige Tat«, und auch wenn Donald Trump davon nichts weiß und mit seinem Latein am Ende ist noch bevor die erste Strafmaßnahme überhaupt in Kraft treten kann, macht er weiter wie bisher und sanktioniert alle, die seine Wirtschaftspolitik nicht als göttlich erachten.

10.08.2018

Donald Trump, der Mann, der anderen gern Einläufe verpasst, bekommt neue Toiletten. Die alten Schüsseln im Weißen Haus haben schon 40 Jahre auf dem Buckel und damit mehr als genug Ärsche gesehen. Außerdem geht es darum, Amerika selbst dann groß zu machen, wenn der Präsident mal groß macht. Es gilt schließlich eine Tradition zu bewahren. Es war nämlich Präsident Jefferson, der im Jahre 1801 im Weißen Haus Innentoiletten installieren ließ. Sie hatten sogar eine Wasserspülung, die mit Regenwasser funktionierte, und waren damit die ersten ihrer Art. Kein Scheiß.

11.08.2018

Donald Trump hat die Sonderzölle für türkischen Stahl und Aluminium verdoppelt. Er will Druck auf die Regierung in Ankara ausüben, damit sie den inhaftierten US-Pastor Andrew Brunson freilässt. Erdoğan tobt. Er spricht von einem Wirtschaftskrieg gegen sein Land und ist unter keinen Umständen bereit, Brunson die Freiheit zu schenken, schließlich hat der seiner Meinung nach Verbindungen zu den türkischen Putschisten gehabt. Die Situation ist völlig verfahren. Dabei waren sich die beiden Machtmenschen Trump und Erdoğan noch bis vor Kurzem sympathisch. Aber damit ist es jetzt vorbei. Man könnte auch sagen: Das Verhältnis zwischen Trump und Erdoğan beginnt sich abzugülen.

12.08.2018

Von der »Sonde« zur »Sonne« sind’s auf meiner Tastatur sechs Zentimeter. Außerhalb der Buchstabenwelt, d. h. in der Realosphäre, sind’s bis zur Sonne derer 15.000.000.000.000. Ist also ein Stück des Weges. Vor allem, wenn man plant, pünktlich zu Heiligabend anzukommen. Allerdings nicht 2018, sondern 2024. An diesem Tag, dem 24. Dezember 2024, soll nämlich die Sonde, die die NASA heute zu Forschungszwecken losgeschickt hat, der Sonne am nächsten kommen. Wenn kein böser Schatten aufs Land fällt, könnte der amerikanische Sonnenkönig dann immer noch Präsident sein.

13.08.2018

Man mag von Trump halten, was man will, aber er hat ein Gespür für die Themen und Problemlagen, die den gemeinen Amerikaner umtreiben. Dass er im Grunde seines Herzens kein politischer Mensch ist, kommt ihm dabei zugute. Den Rest erledigt sein kleines blaues Vögelchen für ihn. Mit seiner Hilfe kann er die Twitterung aufnehmen und sich mit den Menschen im Land verbinden.

14.08.2018

»Ich werde all-mächtig!«

(Erster Satz in Donald Trumps Space Force-Programm.)

15.08.2018

Eines muss man Donald Trump zugutehalten: Im Gegensatz zu anderen Politikern hat er sich während seiner gesamten Präsidentschaft noch nicht ein einziges Mal über das strunzlangweilige Thema »Identität« ausgelassen. Selbst seine Twitter-Tiraden sind frei davon. Es gibt keine Brüche, keine Suche, keine Verwerfungen, nichts dergleichen. Der Mann ist mit sich im Einklang, so viel ist sicher.

16.08.2018

Geschlechtsspezifisches Lohngefälle im politischen Betrieb: Männer, die sich um einen Sitz im US-Repräsentantenhaus bewerben, erhalten im Schnitt 17 % mehr Wahlkampfspenden als Frauen. Aber ein paar gallische Dörfer gibt es auch in Amerika. In den Wahlkreisen, die traditionell eher links wählen, haben die Frauen die Spendennase vorn. Trotzdem werden laut aktuellen Umfragen nur 12 von 154 weiblichen Bewerberinnen Chancen auf einen Sieg in ihrem Wahlkreis eingeräumt. Die Seilschaften der Geschichte sind eben länger als die Kontoauszüge in den Wahlkampfkassen.

17.08.2018

Frage: Wie nennt man es, wenn sich ein Präsident eine Heerschau mit ganz großem Aufmarsch wünscht, sie aber nicht bekommt?

Antwort: Militärpar-adé.

18.08.2018

Nur zur Information: Die 500 Pfund schwere, lasergesteuerte Mk-82-Bombe, die vergangene Woche im Jemen 40 Kinder in Stücke gerissen hat, wurde von Lockheed Martin in den USA hergestellt und im Rahmen eines Deals an Saudi-Arabien verkauft. Eigentlich hatte Barack Obama Ende 2016 verboten, solche Waffen an die Saudis zu geben. Aber die Trump-Regierung hat das Verkaufsembargo im Frühjahr 2017 wieder aufgehoben, mit der Begründung, Saudi-Arabien müsse sich verteidigen können.

19.08.2018

Ab sofort kann man sich das Ölsparen sparen. Zumindest in den USA, denn in einem Memo hat die Umweltsch(m)utzbehörde – mal so ganz nebenbei – die Jahrzehnte alte Energiepolitik der Vereinigten Staaten für beendet erklärt. Es gäbe, so die Behörde, inzwischen so viel einheimisches Erdgas und Schieferöl, dass die Energiesicherheit der USA nicht mehr von den Ölimporten aus anderen Ländern abhängig sei, weshalb sich die Amerikaner nicht mehr einschränken müssten. Mit anderen Worten: Die Fossile in der Regierung stellen fest, dass genug Fossile für alle da sind. Dass auch der Klimawandel für alle da ist, wird dagegen nicht erwähnt. In dem Memo darüber jedenfalls kein Wort. Aber wie auch? Den Begriff »Klimawandel« hat die Behörde inzwischen aus so ziemlich all ihren Verlautbarungen gestrichen. Sogar im offiziellen Strategieplan für die nächsten vier Jahre ist er nicht mehr zu finden. Denn das ist die Dialektik der Dreckschleudern: Statt Energie werden die bösen Begriffe gespart.

20.08.2018

Trump stellt die politische Unabhängigkeit der US-Notenbank (FED) infrage. Die Zinsen, so sagt er, seien zu hoch. Zu fed, sozusagen.

21.08.2018

Donald Trump schaut am liebsten Fox News. Die sind ganz nah an ihm dran. Da passt kein Blatt Papier zwischen Empfänger und Sender. Vor allem die Frühstücksshow Fox & Friends hat es ihm angetan. Die dortigen Trumpeten an den Mikrofonen sind jederzeit offen für Anrufe des Präsidenten. Man kennt sich schließlich schon lange. Bevor er Präsident geworden ist, hat Trump einen eigenen Sendeplatz in der Show gehabt. Von 2011 bis 2015 durfte er einmal pro Woche seine Sicht auf die Welt präsentieren. Monday Mornings with Trump hieß das Format, das nicht nur Trump, sondern auch Fox News geformt hat. Aus dem einen hat es den Präsidenten, aus dem anderen den Präsidenten-Sender gemacht. Weshalb Trump jetzt auch nicht mehr so oft auftauchen muss, sondern in aller Ruhe frühmorgens im Bett liegen und die Lobpreisungen seiner Freunde empfangen kann. Er braucht dafür gar nichts weiter zu tun, er muss einfach nur fernschauen. Allerdings hält Trumps Sendungsbewusstsein des bloße Empfangen nicht lange aus. Deshalb twittert er regelmäßig über das, was er bei Fox & Friends sieht. Was dadurch entsteht, ist eine klassische Rückkopplungsschleife. Sie ist Teil des großen Geschenks, das sich Trump und seine Freunde jeden Morgen gegenseitig machen.

22.08.2018

Das amerikanische Verteidigungsministerium hat im neuen Riesenhaushalt auch ein paar Millionen Dollar für die Entwicklung von Roboter-Barmännern und automatischen Selbstbrauanlagen eingeplant. Es ist nicht das erste Mal, dass die Millionen im Verteidigungshaushalt fließen wie sonst nur das Bier in Studentenclubs. Wobei das mit den Studentenclubs nicht nur so dahergeredet ist, schließlich hat das Ministerium 2016 zusammen mit der National Science Foundation ein »gemeinsames Bierzustellungsprojekt mit Robotern« finanziert und dafür am Massachusetts Institute of Technology einen Laborraum in eine Bar verwandelt. Aber jetzt regt sich Protest. Einige Senatoren wollen Studien über Selbstbrauanlagen und Tests mit Roboter-Barmännern nicht länger finanzieren, zumal das Vorzeigeprojekt – der Maker Shaker – bereits kommerziell erfolgreich ist und auf Kreuzfahrtschiffen eingesetzt wird. Also haben sie eine entsprechende Gesetzesänderung beantragt. Die Mit(b)arbeiter am MIT finden das aBARtig, ihr Projekt droht zu kollaBIERen.

23.08.2018

Trump hält sich für too big to fail. Melania dagegen hält ihn für too fat to nail.

24.08.2018

Laut Umfragen sind 87 % der Republikaner mit Trumps Amtsführung zufrieden. Die anderen 13 % nutzen zur Meinungsbildung noch andere Quellen als Trumps Twitter-Account.

25.08.2018

Seit Donald Trump an der Macht ist, ist Geschichtsschreibung wieder Mythoskritik. Die politischen Ereignishistoriker, die sich als Schuttschlepper des Tatsachentums einen Namen gemacht haben, müssen künftig in den Abraumhalten des Trumpszendenten herumstochern.

26.08.2018

Donald macht keine Politik, Donald macht Deals. Sie sind das politische Ideal eines unpolitischen Staatsführers.

27.08.2018

Habe den Palästinensern gerade 200 Millionen Dollar Hilfsgelder gestrichen. Jetzt haben sie kein Geld mehr, um sich Molotowcocktails zu bauen. Aber ich hab’s nicht wegen Israel getan, sondern wegen mir. Ist ne ganz einfache Rechnung. Wenn die palästinensischen Mollis wegfallen, werden riesige Benzinmengen frei und überschwemmen den Weltmarkt. Dann gibt es ein Überangebot, woraufhin in Amerika die Spritpreise sinken und meine Umfragewerte steigen. Eine bessere Entwicklungshilfe kann’s für mich gar nicht geben.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

28.08.2018

Donald Trump hat »Trump News« gegoogelt und war überrascht, wie negativ die Schlagzeilen sind. Aber was hatte er denn erwartet? Wenn sich Gockel selber googeln, können sie nun mal nicht davon ausgehen, dass das Ergebnis eierlegende Wollmilchsäue sind.

29.08.2018

In Florida hat sich bei den Gouverneurs-Vorwahlen der Demokraten mit Andrew Gillum ein Kandidat durchgesetzt, der von Bernie Sanders unterstützt wird. Das ist noch nicht oft passiert, aber es scheint, als treibe Trump die Demokraten langsam nach links. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Republikaner wieder kollektiv rot sehen und von einer sozialistischen Unterwanderung Amerikas warnen. Und diesmal haben sie sogar eine Zahl, die sie als Warnschild groß auf die Leinwände ihrer Wahlkampfarenen projizieren können. Laut einer repräsentativen Gallup-Umfrage betrachten 57 % der Demokraten den Sozialismus als etwas Positives.

30.08.2018

Trump will sich die politische Unterstützung der Kirchenoberen bei den anstehenden Kongresswahlen im November sichern. Man könnte auch sagen: Er versucht, die Christenführer festzunageln wie die Römer dereinst Jesus am Kreuz.

31.08.2018

Donald Trump Jr. wünscht sich eine neue, konservative Version von Facebook. Einen Namen für das rechte soziale Netzwerk hat er noch nicht. Hmmm … wie wär’s mit Racebook?

01.09.2018

Trauerfeier für John McCain in Washington D. C. Alle sind da, nur Donnie nicht. Er spielt Golf in seinem Club in Virginia. Am 18. Loch liegt sein Ball im Bunker, er schlägt ihn raus, Sand stiebt auf. Und Donnie denkt sich: Da, wo’s gestaubt hat, ist die Hauptstadt.

02.09.2018

Die im US-Außenministerium vor zwei Jahren eingerichtete Einheit zur Bekämpfung von Wahlmanipulationen hat noch immer kein Budget. 40 Millionen Dollar waren vorgesehen, laut aktuellem Haushaltsplan sollen es aber nur noch 20 Millionen sein. Angekommen ist bisher kein einziger Cent. Wahrscheinlich hat sich das Geld nach Russland getrollt.

03.09.2018

Labor Day in Trumpistan. Das heißt: sinkende Reallöhne, Abbau von Arbeitsschutzmaßnahmen, politischer Druck auf die Gewerkschaften. Eine Erfolgsgeschichte. Denn für Donnie gilt: Labor Day ist, wenn die Arbeiter laborieren.

04.09.2018

Heute findet die Senatsanhörung des von Trump für den Obersten Gerichtshof nominierten Brett Kavanaugh statt. Worüber gesprochen werden wird, ist allerdings noch nicht ganz klar. Das US-Justizministerium hat nämlich über 100.000 Seiten aus der Zeit von Kavanaughs Arbeit als Rechtsanwalt im Weißen Haus unter George W. Bush nicht freigegeben. Die Senatoren haben trotzdem was zu lesen bekommen. Ihnen wurden 42.000 Seiten mit Dokumenten von und über Kavanaugh zugestellt – einen Tag vor der heutigen Anhörung. Das Motto der Demokraten lautet deshalb: Querlesen gegen rechts.

05.09.2018

Was für ein elendes Trauerspiel! American Football hat dieses Land groß gemacht, und jetzt geht es wegen Amercian Football vor die Hunde. Und schuld ist dieser Kaepernick. Ich hätte ihn schon lange gefeuert. Einfach runter vom Spielfeld und Schluss. Hab schon letztes Jahr im Wernher von Braun Center in Alabama gesagt, dass dieser Kaepernick ein Hurensohn ist. Was der macht, hat mit Sport nichts zu tun, schon gar nicht mit American Football. Wenn da die Nationalhymne gespielt wird, steht man stramm, hat die Hand auf dem Herzen und singt. Oder schaut hoch zum Allmächtigen. Oder zu mir, das ist egal. Aber gestanden wird! Die Nationalhymne ist nämlich verdammt nochmal heilig. Aber dieser Kaepernick entweiht sie. Kniet sich vorm Spiel hin, wenn sie erklingt. Will damit angeblich gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstrieren. Als wenn die Schwarzen jemals kniend etwas erreicht hätten. Ich meine, das könnte mir egal sein, aber jetzt hat der Verräter auch noch einen Werbevertrag bei Nike bekommen. Sieht aus, als hätte die Siegesgötzin ihr gutes Gewissen entdeckt. Drauf geschissen aufs gute Gewissen, kann ich da nur sagen. Aber dieser Typ macht das natürlich nicht. Der scheißt lieber auf die Hymne. Dafür sollte er zahlen, statt noch dafür bezahlt zu werden. Aber nichts da. Dieser verdammte Kaepernick hat Nike gekapert. Auf seinen Knien! Und die haben das mit sich machen lassen. Was für Schlaffis! Die passen wie ein Weichei zum anderen. Können in Zukunft als Kapernick & Kaepernike im Duo auftreten. Am besten in der Pause beim Frauenfußball. Da passen sie hin. Beim American Football haben sie nichts mehr verloren. Werde dafür sorgen, dass sie kein Knie mehr auf den Boden bekommen. Hab auch schon ne super Hashtag-Idee: #fickdichinsnike.

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

06.09.2018

Nur ein Gedanke: Wenn Putin die amerikanischen Präsidentschaftswahlen manipuliert hat, dann vielleicht weniger, weil er Trump ins Amt bringen wollte, als vielmehr deshalb, weil das der einzige Weg war, selbst in das Amt zu kommen, das er so gern hätte und doch niemals haben wird. Denn Putin weiß um seine Macht und ihre Grenzen – und ist gelangweilt von dem, was er hat. Trump dagegen kennt seine Macht im Grunde nicht und glaubt auch nicht an irgendwelche Einschränkungen – und das geilt ihn auf. So gesehen wäre Putins Strippenzieherei nichts weiter als eine Reaktion auf eine in seinen Augen falsche Rochade des Schicksals, ein Vollzug nach dem Vollzug, die ebenso späte wie vergebliche Rache eines Fatalisten am Fatum. Aber das kann er der Marionette in Washington natürlich nicht erzählen, schließlich hält die sich für den Regisseur der Inszenierung.

07.09.2018

Ein anonymer Autor hat in einem Gastbeitrag für die New York Times aus dem Innenleben des Weißen Hauses berichtet und erklärt, ein Großteil der Mitarbeiter hoffe, dass die Zeit unter Trump bald vorbei ist. Viele aus dem Umkreis des Präsidenten, so der Autor, sehen ihre Aufgabe nicht im Erstellen politischer Leitlinien, sondern darin, Trump von möglichst vielen seiner irrwitzigen Pläne abzuhalten. Wer den Beitrag geschrieben hat, ist unklar. Einige von Trumps Ministern haben aber schon mal vorsorglich versichert, dass sie sich nicht als Maulwurf betätigt haben. Trump ist trotzdem sauer und hat denjenigen, der sich die Pfoten dreckig gemacht hat, aufgefordert, rauszukommen und sich zu zeigen. Ich dagegen bin in mich gegangen und hab ein kleines Gedicht über den unbekannten Wühler geschrieben.

Der Tumultwurm

Der Maulwurf kann das Maul nicht halten,

er wirft sich auf in Zeitungsspalten,

und nieder dann im Weißen Haus,

wie, fragt ein jeder, geht die Geschicht’ wohl aus?

Wird er gefunden, ausgegraben?

Dann wird sich Donnie an ihm laben.

Oder bleibt er gut versteckt?

Und hat schon wieder etwas ausgeheckt?

Noch weiß es keiner, kann es niemand sagen,

wie die Geschicht’ in diesen Tagen,

weitergeht und sich entwickelt,

ein jeder blind – und alles so verdammt verfrickelt.

08.09.2018

Trumps ehemaliger Wahlkampfberater George Papadopoulos muss ins Gefängnis. Eine Falschaussage hat ihn reingebracht, ihre reumütige Richtigstellung die Haftzeit aber deutlich verkürzt. George Papadopoulos muss nur für 14 Tage in den Knast. Wenn er rauskommt, wird er George Papadoubleweek heißen.

09.09.2018

Donald Trump liebt Milliardärparaden.

10.09.2018

Die Trump-Regierung will der heimischen Industrie erlauben, künftig wieder mehr Methan in die Luft zu blasen. Aber die Industrieunternehmen sind nicht die einzigen, die’s wieder kräftig rauchen lassen dürfen. Seit Juli müssen die amerikanischen Farmer den Methanausstoß ihrer Kühe nicht mehr protokollieren, und seit Januar 2017 gelten feuchte Fürze aus Regierungsbehörden generell als Zeichen dafür, dass die Verdauung alter Umweltschutzregeln perfekt funktioniert. Den eigenen Wind riecht eben jeder gern.

11.09.2018

Bei den Demokraten stellen weiße Männer erstmals nicht mehr die Mehrzahl der Kandidaten für die nächsten Wahlen zum US-Repräsentantenhaus. Die Republikaner sehen Schwarz.

12.09.2018

Die Pyramiden der Macht werden von Grund auf gebaut – und die Lobby befindet sich immer unten im Gebäude. Denn da lässt sich’s wandeln und Verbindungen knüpfen. So wie es z. B. Jeff Miller macht, der ehemalige Berater von Energieminister Rick Perry. Miller baut gerade seine Lobbyfirma aus, die er nach dem Amtsantritt von Präsident Trump gegründet hat. Inzwischen beschäftigt er mehrere hochrangige Ex-Mitarbeiter aus dem Weißen Haus, und zu seinen Kunden gehören die wichtigsten Widerlinge des Wirtschaftssystems: Dreckschleudern wie Dow Chemical, private Gefängnisbetreiber wie Core Civic oder Branchenverbände wie die Pharmaceutical Research and Manufacturers of America, die für die extrem hohen Medikamentenpreise in den USA verantwortlich sind. Die Wandelhallen rund um die großen Pyramiden der Macht sind für Leute wie Jeff Miller die perfekten Orte zur klandestinen Verwandlung der Welt.

13.09.2018

War Donald Trump jemals so richtig, richtig traurig?

14.09.2018

Paul Manafort: Erst war er Donnie’s Paul-US, jetzt ist er sein Saulus. Und das alles wegen der Russ’. Es ist ein Verdruss, er erzählt nur noch Stuss, weil er’s durch Mueller so muss. Doch für Donnie, den Primus, ist noch lange nicht Schluss.

15.09.2018

Wirbelstürme kommen, Wirbelstürme gehen. Donald Trumps Frisur bleibt.

16.09.2018

Das älteste Kernkraftwerk der USA hat heute seinen letzten Arbeitstag. Kernschmelz-Donnie seinen 604.

Bleiben noch 856 Tage, bis der Reaktionär abgeschaltet wird.

Oder ’ne Laufzeitverlängerung kriegt.

17.09.2018

Donald Trumps neue Reality-TV-Show läuft in China und den USA, hat Milliardenquoten und trägt den Titel: Der Zollstreckungsbeamte.

18.09.2018

Die Vereinigten Staaten sind eine gespaltene Nation, und der heutige Tag zeigt es mal wieder. Trumps Ex-Affäre Stormy Daniels veröffentlicht ein Buch und berichtet darin ausführlich über Donnies Fleischpeitsche. In Berkeley, Kalifornien, verkündet derweil der Stadtrat, dass auf kommunalen Veranstaltungen, die montags stattfinden, künftig nur noch veganes Essen angeboten werden darf.

19.09.2018

Nur für die Statistik: Die Zahl der Pressegespräche im Weißen Haus ist unter Trump deutlich gesunken. Verglichen mit der Zeit unter Obama findet nur noch ein Drittel an Frage-und-Antwort-Stunden statt. Wobei die Stunden keine Stunden mehr sind, denn auch die Gesprächsdauer ist zurückgegangen. Von einstmals 60 Minuten auf gerade noch 20. Aber warum auch nicht? Das Zeitalter der Reduktion liebt das Sparen, nicht das Sparring.

20.09.2018

Die Trump-Regierung will künftig nur noch 30.000 Migranten pro Jahr aufnehmen. Aktuell sind es 45.000, unter Obama waren es mehr als doppelt so viele. Und selbst das ist nur ein Bruchteil derer, die es versuchen. Allein sechs Millionen Menschen stellen jährlich einen Antrag auf eine Green Card und daran ändern auch Trumps Tiraden und seine Abschottungspolitik nichts. Amerika ist und bleibt für viele ein Sehnsuchtsort. »Emigration« ist für sie ein Anagramm für »Ort in Magie.«

21.09.2018

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA betrug Ende vergangener Woche 201.000. Das ist der niedrigste Wert seit dem 15. November 1969, ebenjenem Tag, an dem die Vereinigten Staaten auf einem ganz anderen Gebiet einen Höchstwert erreichten. Damals, am 15. November 1969, fand nämlich die größte Anti-Kriegs-Demonstration in der Geschichte der USA statt. Allein in Washington versammelte sich eine halbe Million Menschen, um gegen den Vietnam-Krieg zu protestieren. Im ganzen Land waren es rund zwei Millionen, die auf die Straße gingen. Und heute? Da unterstützen die USA Saudi-Arabien in einem barbarischen Krieg im Jemen, dem bereits über 16.000 Zivilisten zum Opfer gefallen sind. Eine Reihe von Politikern und Militärs wollte die Unterstützung für die Saudis jetzt stoppen, aber dann hat »Verteidigungs-«Minister Mike Pompeo erfahren, dass damit US-Waffenverkäufe im Wert von 2 Milliarden Dollar gefährdet wären und da hat er ihre Bedenken vom Tisch gewischt. Amerikanische Rüstungskonzerne wie Raytheon können also weiter Waffen und Munition in riesigen Mengen produzieren – und die Zahl der Erstanträge wird weiter sinken.

22.09.2018

Während ich mich immer noch frage, wie jemand wie Donald Trump Präsident werden konnte, fragt er sich wahrscheinlich immer noch, wie es denn möglich war, dass er nicht schon viel früher in dieses Amt gekommen ist. Den Raum dazwischen füllt dieses Tagebuch.

23.09.2018

Der Bibel-Lesekreis im Weißen Haus ist noch immer aktiv. Einmal pro Woche treffen sich die drei gottesfürchtigen Ps – Energieminister Perry, Verteidigungsminister Pompeo und Landwirtschaftsminister Perdue – zum Studium der Heiligen Schrift. Dazu kommen noch Wohnungsbauminister Carson und Bildungsministerin DeVos. Trump ist nicht anwesend, kriegt aber jede Woche eine Kopie des Unterrichtsstoffes. Doch den ignoriert er. Er liest lieber in der Bibel, die ihm kürzlich die evangelikalen Christen geschenkt haben, denn da haben einhundert Pastoren eine Widmung für ihn reingeschrieben. Sie lautet: »Die Geschichte wird die Größe, die Sie für Generationen gebracht haben, registrieren.« Das ist natürlich kompletter Schwachsinn, aber immerhin wird die Geschichte nach dieser Widmung die kriecherische Kleingeistigkeit jener einhundert Bauch- und Bibelpinsler registrieren, die – statt Loblieder auf Dyslexic Donald zu dichten – sich besser mal das Ende von Matthäus 6,24 zu Gemüte geführt hätten, denn da steht: »Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.«

24.09.2018

Ende Mai forderte Donald Trump massive Preissenkungen bei Medikamenten. Der Pharmakonzern Pfizer sah daraufhin von geplanten Preissteigerungen ab. Das Weiße Haus nahm es als Beleg für den Erfolg von Trumps Politik. Tatsächlich ist der vermeintliche Beweis nichts weiter als die Nebelkerze eines Dampfplauderers, denn die Zahlen sind aufs Ganze gesehen vollkommen andere: In den Monaten Juni und Juli gab es bei Medikamenten insgesamt 24 Preissenkungen. Ihnen stehen 395 Preissteigerungen gegenüber.

25.09.2018

War heute bei der UNO. Generalversammlung, hieß es. Aber war kein einziger General da. Fake-Veranstaltung!

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

26.09.2018

Meine Freunde erzählen ständig von irgendwelchen »tollen amerikanischen Fernsehserien.« Ich kann nicht mitreden. Ich habe keine einzige von ihnen gesehen. Ich habe weder Netflix, noch Amazon Prime, noch einen Fernseher. Ich habe nur mein kleines Tagebuch hier. Aber das genügt mir. Es ist meine eigene Serie. Der Held ist ein Reality-Star. Und wenn meine Freunde fragen, was das Tollste an ihm ist, dann sage ich: seine Tolle.

27.09.2018

Donald Trump mag ein Problem für die Gegenwart sein, er ist aber auch eins für zukünftige Historiker. Die sind es nämlich gewohnt, die Aussagen und Handlungen eines Menschen einzubetten, in große Ideengebäude, umfassende Diskurse und komplexe Herrschaftsstrukturen. Die Historiker suchen nach Sinn und Kohärenz, aber die finden sie bei Trump nicht. Trumps Präsidentschaft lässt sich am besten als ungeordnete Abfolge fixer Ideen beschreiben.

28.09.2018

Der Index für das Verbrauchervertrauen, der die Konsumneigung von Privathaushalten misst, war im September in den USA so hoch wie seit 18 Jahren nicht mehr. Die Republikaner behaupten, die Zahlen seien so gut wegen Trumps Politik. Die Demokraten sagen, sie seien es trotz seiner Politik. Den 99,9 % der Menschen, die keine Politiker sind, ist es egal. Sie haben gewählt, jetzt können sie kaufen.

29.09.2018

Verdammt, ich hab schon seit drei Tagen nichts mehr zu Donald Trumps Frisur geschrieben. Aber was soll ich denn dazu noch erzählen? Es ist doch schon alles gesagt worden. Außer vielleicht, dass »Scheitel« das jiddische Wort für Perücke ist …

30.09.2018

Hätte ich nur ein Wort, um Trumps Politik zu beschreiben, es lautete: erratisch. Trump selbst würde dann das verkörpern, was die Geologen einen erratischen Block bzw. ein Erratikum nennen: einen Verirrten, der aufgrund spezieller Bewegungskräfte (Wählerwanderung) an eine Stelle gekommen ist, an der er eigentlich nichts zu suchen hat.

01.10.2018

Der frühe Vogel fängt den Wurm,

doch ist das längst nicht mehr die Norm,

denn jeder weiß durch Donalds morgendlich’ Perform:

der frühe Vogel erschafft jetzt einen Twitter-Sturm.

Das hat Gründe, denn morgens ist er noch in Form,

der Donnie, in seinem weißgetünchten Marmorturm,

er fühlt sich einsam, doch ist die Zahl der Follower enorm,

56 Millionen sind’s, was folgerecht bedeutet: 56 Millionen Mal

scheißt der Vogel auf den Wurm.

02.10.2018

Melania allein auf großer Auslandsreise. Sie besucht Ghana, Malawi, Kenia und Ägypten. Shithole countries, wie Donald sagen würde.

03.10.2018

Verdammte Schmierfinken von der New York Times. Bezichtigen mich des Steuerbetrugs. Dabei sind die Steuern der Betrug! Bin dadurch erst mit acht Jahren zum Millionär geworden. Und das, obwohl ich schon mit drei ein regelmäßiges Einkommen hatte. Das macht fünf verlorene Jahre. Fünf Jahre, in denen ich mich nicht Millionär nennen durfte. Diese Schmierfinken wissen gar nicht, was so ein Verlust mit einem Kind macht! Ich fordere Vergeldung!

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

04.10.2018

Das Beispiel Donald Trump zeigt einmal mehr: Die größten (und reichsten Anhänger) des »freien Marktes« haben immer nur die Haut anderer zu Markte getragen.

05.10.2018

Es konnte nicht nur einen geben …

»Donald Trump, born 5-26-1902, Cahokia.«*

06.10.2018

Brett Kavanaugh ist seit heute Oberster Richter. Gewählt ist er auf Lebenszeit. Das einzige Kriterium, das er laut Verfassung erfüllen muss, um im Amt zu bleiben, ist »good behaviour«. Schade, dass diese Bestimmung nicht auch für Präsidenten gilt. Wobei, auf Lebenszeit wäre Trump bestimmt gern gewählt.

07.10.2018

Melania ist zurück aus Afrika. Hab sie gefragt, ob wir ein kleines Bümserchen machen wollen. Aber sie lässt mich nicht ran. Sagt, ich sei ein Selfmade-Mann. SpritzWitzlos!

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

08.10.2018

Trumps Golfplatz im schottischen Turnberry macht das vierte Jahr in Folge Millionenverluste. Seit Trump den Club 2014 übernommen hat, hat er insgesamt 33 Millionen Pfund Miese gemacht. Sieht aus, als hätte er sein Geld in den Sandbunker gesetzt.

09.10.2018

Auf der kleinen Inselgruppe der Nördlichen Marianen haben sie zum großen Sprung angesetzt und sind vom totalen Cannabisverbot zur totalen Cannabisfreigabe übergegangen. Den üblichen Zwischenschritt, Cannabis erstmal nur zu medizinischen Zwecken zu erlauben, haben sie sich dabei geschenkt. Falls Sie also mal irgendwo mit Nerdwissen glänzen wollen, dann sagen Sie einfach, dass sich auf dem Gebiet der USA an einem Ort ein radikaler Wandel in der Cannabis-Politik vollzogen hat und dass dieser Ort als erster in der amerikanischen Geschichte Cannabis aus der absoluten Illegalität geholt und in all seinen Formen legalisiert hat. Und wenn ihr Gegenüber dann fragt, wo das denn sei (und mit Kalifornien oder New York rechnet), dann sagen Sie einfach »Nördliche Marianen«, zeigen auf dem Globus irgendwo zwischen Australien und Japan ins Wasser, rufen: »Genau hier. Hier ist es passiert!« und schweben auf einer Wolke aus neunmalkluger Nerdigkeit von dannen.

10.10.2018

Donald Trump glaubt seit Neuestem an den Klimawandel. Aber nicht daran, dass er menschengemacht ist. Der Klimawandel ist für ihn einfach Teil der Geschichte. Und so ein Klima ändert sich nunmal im Laufe der Jahre. Genau wie die Namen seiner Ehefrauen. Und dabei sind die Weiber mit der Zeit auch immer heißer geworden. Warum sollte das Klima also einen anderen Weg gehen?!

11.10.2018

Die 535 Mitglieder des Kongresses der Vereinigten Staaten bezahlen nur einen Bruchteil der Krankenversicherungskosten, die sie zahlen müssten, wenn sie nicht gewählte Volksvertreter wären. Sie bekommen bei ihrer Gesundheitsversorgung alle möglichen Vergünstigungen und erhalten darüber hinaus noch kostenlose Zusatzangebote. Zugleich aber wollen die republikanischen Abgeordneten Obamacare immer weiter beschneiden und möglichst ganz abschaffen.

Pleonexie nannten die antiken griechischen Philosophen eine Geisteshaltung, in der sich ein »Immer-mehr-haben-Wollen« manifestiert. Ihr Korrektiv war die sophrosyne, die für Besonnenheit, Verzicht und Maßhaltung stand. Inzwischen aber hat sich die Korrektivfunktion aufgelöst und in ihr Gegenteil verkehrt. Diejenigen, die immer mehr haben (wollen), fordern jene, die nicht so viel haben (sollen), zum Verzicht auf. Manche nennen das Politik in Zeiten (vermeintlich) knapper werdender Kassen. Tatsächlich aber ist es nichts als eine Anmaßung der auf der Sonnenseite Stehenden.

12.10.2018

Donald Trump hat, ohne es zu wissen oder auch nur zu wollen, allein durch seine Existenzweise eine philosophische Frage gestellt. Sie lautet: Ist Vielfalt wirklich ein höherer Wert, wenn Einfalt auch ein Weg zur Glückseligkeit ist?

13.10.2018

Am 28. Februar 2018 vermeldete das Tagebuch, dass Donald Trump nach Berechnungen der neokonservativen Heritage Foundation bereits 64 % seiner Agenda erfolgreich abgearbeitet hat. Extrapoliert man diese Daten (28.02. = 404 Tage im Amt = 64 % der versprochenen Gesamtarbeitsleistung), so müsste Donald Trump heute, nach 631 Tagen, mit seiner Arbeit fertig sein und zurücktreten. Ist er aber nicht. Stattdessen hat er sich einen neuen Anwalt genommen. Sein Name ist Pat Cipollone und er soll künftig den Präsidenten vertreten. Es sieht also so aus, als würde Trump noch eine Weile bleiben. Eine ganze Weile sogar, denn was Anwälte und Gerichtsverfahren anbelangt, so ist das mit Donald Trump eine schier unendliche Geschichte. Seine Firmen waren bisher in mehr als 3.500 Verfahren verwickelt, und seit Trump Präsident ist, hat er unzählige neue Klagen am Hals. Vermutlich werden sie ihm eines Tages sogar noch welche mit in den Sarg legen, in der Hoffnung, das Jüngste Gericht möge die alten Fälle begleichen.

14.10.2018

In den USA erreicht die Wählerregistrierung neue Rekordstände – dank Donald Trump.

In Bayern hat die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl um 8 % zugelegt – dank der AfD.

Man mag von beiden halten, was man will, aber eins steht fest: Polarisierung bedeutet immer auch Politisierung.

15.10.2018

Donald Trump hat heute das von Hurrikan Michael verwüstete Florida besucht. An seiner Seite war Gouverneur Rick Scott, jener Mann, der in der Vergangenheit seinen Behörden verboten hatte, den Begriff »Klimawandel« zu verwenden. Bevor er sich mit dem Gouverneur getroffen hat, ist Trump noch schnell mit dem Hubschrauber über die Gegend geflogen, um sich das Ausmaß der Zerstörung zeigen zu lassen. Statt durch die Lüfte zu fliegen, wäre es allerdings besser gewesen, er wäre in den Ozean gestiegen. Dann hätte er nämlich gemerkt, wie warm die Brühe ist. Und vielleicht wäre ihm dann auch klar geworden, dass warmes Wasser die Grundvoraussetzung für einen solch massiven Hurrikan ist. Denn je wärmer das Wasser, desto größer die Menge an Energie, die ein Sturm aufnehmen kann. Nur dadurch kann er sich zum Hurrikan entwickeln, kann ganze Wohnviertel wegblasen und das, was anschließend noch steht, mit Überschwemmungen und Springfluten verheeren. Aber wahrscheinlich sind derartige Schlussfolgerungen zu viel verlangt von einem Mann wie Donald Trump. Seine Hilfeleistung vor Ort bestand nach der Landung jedenfalls darin, den Gouverneur zu loben und ein paar Flaschen Wasser an Bedürftige zu verteilen. Gut gekühltes Wasser natürlich.

16.10.2018

Mein Freund, der saudische Kronprinz, hat mir soeben am Telefon versichert, dass die Saudis diesen Catchshocki nicht umgebracht haben. Hat gesagt, sie ermorden nur kleine Kinder im Jemen, nicht alte Männer in der Türkei. Das klingt für mich nach einem schlagenden Beweis.

PS: Tolle Börsenzahlen heute!

(Aus: Donald Trump, Tagebuch, unveröffentlicht.)

17.10.2018

Seit einigen Tagen gibt es DonaldDaters, die Singleplattform für alle, die keine Verabredungen mehr bekommen, weil sie Donald Trump unterstützen. Aber damit ist es jetzt vorbei. Statt mit Krethi und Plethi anzubandeln, treffen sich bei DonaldDater nur HillaryHater. Ich fürchte nur, die haben sich die AGB nicht durchgelesen, denn verboten sind: Beleidigungen, geschäftliche Werbung und Bigotterie. Einen auf Dicke-Hose-Donald kann hier also keiner machen. Und überhaupt: So wie das in den AGB klingt, ist das eher eine Webseite für BernieBelievers.

18.10.2018

Donald Trump Jr. hat heute die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, eine der Lieblingsgegnerinnen seines Vaters, des Plagiats bezichtigt. Die Rezepte, die sie 1984 zum Kochbuch Pow Wow Chow beigesteuert habe, seien, so Trump Jr., von einem französischen Koch geklaut, der sie kurz zuvor in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht habe. Dabei handele es sich um »Kaltes Omelett mit Krabbenfleisch« und »Krabbe mit Tomaten-Mayonnaise-Dressing«.

Und ich dachte immer, ich beschäftige mich mit abseitigem Zeug …

19.10.2018

Trumps Sohn Eric hat erklärt, man solle wegen des Mordes an Khashoggi nicht die Beziehungen mit Saudi-Arabien über Bord werfen, denn die USA »haben nicht so viele Freunde im Nahen Osten«.

Man muss schon ein ganz armes Schwein sein, wenn man solche Freunde braucht.

20.10.2018

In den USA ist der Casinobetreiber Sheldon Adelson der größte Einzelspender der Republikaner. Bisher hat er über 112 Millionen Dollar gespendet, damit die Republikaner die Midterm-Wahlen gewinnen. Allein im September waren es 32 Millionen.

In Japan hat die Regierung kürzlich das Verbot von Casinos aufgehoben. Die Lizenzvergabe steht unmittelbar bevor. Sheldon Adelsons Firma, so heißt es, wird bei der Vergabe eine herausragende Rolle spielen.

Zwischen diesen beiden Dingen gibt es eine Verbindung. Sie heißt – natürlich – Donald Trump. Im Februar 2017 hat er den japanischen Ministerpräsidenten Shinzō Abe getroffen. Casinos waren zu diesem Zeitpunkt in Japan verboten, und es gab weder ein Anzeichen noch einen Anlass, etwas daran zu ändern …

21.10.2018

Trump spricht – und nach ihm die Sinnflut.

22.10.2018

»Nationalist: one devoted to his nation, from ›national‹ in a now obsolete sense of ›patriotic‹.«

(aus dem amerikanischen Online Etymology Dictionary)

»You know what I am? I’m a nationalist. Use that word!«

(Donald Trump, heute auf einer Wahlkampfveranstaltung in Texas.)

23.10.2018

Seit dem Amtsantritt Donald Trumps und insbesondere, seitdem immer mehr Flüchtlinge aus Guatemala versuchen, in die USA zu gelangen, häufen sich in den Vereinigten Staaten die Vorfälle, in denen Menschen, die in der Öffentlichkeit Spanisch sprechen, von anderen aufgefordert werden, Englisch zu reden. Die Empörung in den sozialen Netzwerken ist entsprechend groß. Man habe, so heißt es, eine neue Stufe der Ausgrenzung erreicht. Allein, unter einem historischen Blickwinkel ergibt sich ein etwas anderes Bild, denn einstmals waren diese Ausgrenzungen sogar Teil der Politik. So war es z. B. während des Ersten Weltkrieges den in die USA immigrierten Katholiken verboten, sich innerhalb der Kirchen in ihrer Landessprache zu unterhalten. Und auch während des Zweiten Weltkrieges gab es ähnliche Anweisungen. So notierte der im kalifornischen Exil lebende Schriftsteller Thomas Mann im Mai 1944 in sein Tagebuch: » … auf der Straße Polizeimann, der uns verbot, deutsch zu sprechen.«*

Protestiert hat Thomas Mann gegen diese Anweisung übrigens nicht. In sein Tagebuch schrieb er hinter den Vorfall lediglich das Wort: »Neu«.

24.10.2018

Donald Trump kündigt einen Deal mit dem politischen Gegner – und schickt den Vertrag zum Verbot nuklearer Mittelstreckenraketen in Rente.

Ein Trump-Anhänger kündigt einen Deal mit dem politischen Gegner – und schickt einer Reihe von Demokraten und ihren Unterstützern Paketbomben.

Zwischen Recht und Unrecht liegt oft nur die Laune eines Amtes.

25.10.2018

Das Pentagon darf wieder gehackt werden. Und das ganz offiziell und obendrein noch mit Bezahlung durch die Amerikaner. (Normalerweise bezahlen nur die Russen und Chinesen dafür.) Egal, »Hack the Pentagon«, das Programm zur Erkennung und Beseitigung von Sicherheitslücken in der digitalen Infrastruktur, ist jedenfalls wieder am Start, und diesmal hat das amerikanische Verteidigungsministerium sogar noch einen draufgelegt und Kooperationsverträge mit ein paar Nerds aus dem Silicon Valley geschlossen. Die dürfen fortan jeden Tag (und natürlich auch jede Nacht) mit ihren wenig hortikulturellen Hackgeräten im Garten der militärischen Geheimnisse rumgeistern und nach Löchern im Zaun suchen. Wenn sie eins gefunden haben, müssen sie es dem Direktor melden, und der lässt es dann zunageln. Für jedes gefundene Loch gibt’s Geld. Und falls die Bezahlung schlecht ist, kann man ja immer noch bei den Russen anfragen. Oder den Chinesen. Die suchen immer nach neuen Aufgaben, besonders jetzt, wo sie Trumps Privattelefon gehackt haben und sich Geschichten von ganz anderen Löchern anhören müssen.

26.10.2018

Was haben Australien, Belize, die Kapverden, der Tschad, Chile, die Elfenbeinküste, Kuba, Ägypten, Estland, Georgien, Irland, Jordanien, Libyen, Mexiko, Pakistan, Panama, Südafrika, Singapur, Schweden, Tansania, Thailand, die Türkei, Katar und Saudi-Arabien gemeinsam?

Sie haben aktuell keinen amerikanischen Botschafter im Land und auch keinen, der für das Amt nominiert ist.

27.10.2018

Weil Trump nicht von sich wegkommt, kommt er der Welt auch nicht nahe. Abstrahieren kann nur, wer von sich absieht. Die individuelle Erfahrung ist ein Standpunkt, kein Schritt. Der Einfältige festigt seine Position, der Zweifelnde festigt sich in ihrer Entfaltung.

28.10.2018

Trumps Zölle zeigen Wirkung. Nur nicht die gewünschte. Statt die amerikanischen Stahl- und Aluminiumproduzenten zu stärken, haben Trumps Einfuhrzölle zur Schwächung der Branche geführt. Die Aktie der Nucor Corporation, eines der größten Stahlproduzenten der USA, hat seitdem 16,5 % an der Börse verloren, was einem Wert von rund 3,5 Milliarden Dollar entspricht. Der Börsenkurs der AK Steel Holding Corporation ist sogar um 29 % eingebrochen und steht jetzt auf dem niedrigsten Stand seit Mai 2016. Am schlimmsten aber hat es den Aluminiumproduzenten Century getroffen. Seine Aktien sind seit der Einführung der Zölle um mehr als 40 % abgestürzt.

Aber es wäre falsch, allein Donald Trump für den Niedergang verantwortlich zu machen. Die drei Unternehmen gehörten schließlich zu den größten Befürwortern der Zölle und haben Trumps Pläne voll und ganz unterstützt. Das nennt man wohl: The iron(y) of history.

29.10.2018

Tagebücher wissen nichts vom Ende einer Geschichte, sie kennen nicht ihren Verlauf, folgen keinen Thesen und wissen nicht, wie es weitergeht. Sie sind Synthesen einer natürlichen Fragmentierung, die Meistererzählungen der modernen Welt, Gegenschriften zum Telos der Historiografie.

30.10.2018

Der 110-Milliarden-Dollar-Waffendeal mit den Saudis sollte laute Trump 500.000 neue Arbeitsplätze in den USA schaffen. Mitunter sprach er sogar von einer Million Jobs, die verloren gehen würden, wenn die USA den Deal mit den Saudis canceln. Tatsächlich aber entstehen nur ein paar hundert neue Arbeitsplätze in den amerikanischen Waffenschmieden. Damit die militärische Aufrüstung der Saudis und die moralische Entrüstung der USA über den Mord an Jamal Khashoggi aber weitergehen können, müssen beide Sachverhalte voneinander getrennt werden. Genau das hat heute Verteidigungsminister Mattis getan, als er erklärte, der Krieg der Saudis im Jemen und der Mord an Khashoggi seien »separate issues«.

31.10.2018

Das antisemitische Attentat von Pittsburgh, bei dem elf jüdische Gläubige in einer Synagoge erschossen wurden, ist vier Tage her, und die NRA ist sich nicht zu blöde, die jüdischen Milliardäre George Soros, Tom Steyer und Michael Bloomberg öffentlich anzugreifen und ihnen vorzuwerfen, dass sie mit ihrem Geld Politiker unterstützten, die sich für strengere Waffengesetze einsetzen. Dass sich die NRA Soros, Steyer und Bloomberg rauspickt, ist nicht neu (und wäre deshalb gerade vor dem Hintergrund von Pittsburgh umso weniger nötig gewesen). Vor allem der Geschäftsführer der NRA, Wayne LaPierre, hat Soros, Steyer und Bloomberg bereits mehrfach in aller Öffentlichkeit wegen ihres Einsatzes für strengere Waffenrechte attackiert und dabei auch immer wieder auf ihren jüdischen Glauben verwiesen. Auch Trump hat in dieses antisemitische Horn geblasen und am 13. Oktober 2016 auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida dem Publikum mitgeteilt, Hillary Clinton würde sich »im Geheimen mit internationalen Banken treffen, um einen Plan auszuhecken, der die Zerstörung der Souveränität der Vereinigten Staaten beinhaltet, damit sich die globale Finanzelite bereichern kann«. Es ist kein Zufall, sondern Teil der gleichen Diskursblase, dass die NRA heute erklärt hat, Soros, Steyer und Bloomberg würden eine »elitist agenda« verfolgen.

01.11.2018

Donald Trump macht’s deutlich: Der Homo oeconomicus ist nicht der rationale Agent aus den Hörsälen der Wirtschaftswissenschaft, sondern der Irre aus dem Weißen Haus.

02.11.2018

Man mag die Tatsache ablehnen, ihr widersprechen oder die heilige Vernunft anrufen – es nützt alles nichts. Denn eines muss man Donald Trump lassen: Er spürt, dass Wahlen nicht mehr in einem Land, sondern an dessen Grenzen entschieden werden.

03.11.2018

Und dann gibt es diese Tage (und sie nehmen zu), an denen ich das Gefühl habe, dass die größte Gefahr für das, was man unsere »Freiheit« nennt, nicht eine Witzfigur namens Donald Trump ist, sondern die humorbefreiten Russen, Araber und Chinesen. Denn eines ist klar: Auf der Rückseite eines Lautsprechers haben die Leisetreter des geräuschlosen Totalitarismus die größtmögliche Ruhe zum Arbeiten.

04.11.2018

Mein kleines digitales Büchlein ist in die Tage gekommen. So sehr, dass es anfangen kann, Blicke zurück auf sich selbst zu werfen. So war vor einem Jahr an dieser Stelle die Rede von Emily Mellencamp Smith, der obersten Fundraiserin der Demokraten, die wegen Erfolglosigkeit gefeuert worden war. Die Republikaner hatten zu diesem Zeitpunkt mehr als doppelt so viel eingenommen wie die Demokraten. Gebracht hat Smith’s Entlassung nichts, im Gegenteil, seitdem hat sich der Trend sogar noch verstärkt. In Pennsylvania, Wisconsin, Florida und Michigan, wo es besonders viele umkämpfte Wahlkreise bei den Midterm-Wahlen gibt, steht den Republikanern inzwischen fünf Mal so viel Geld zur Verfügung wie den Demokraten.

05.11.2018

»Ich habe dieses Land gemeinsam mit euch so groß gemacht, dass jeder reinkommen will!«, rief Donald Trump am 18. Oktober seinen Anhängern in Montana zu. Einen Tag später durchbrachen tausende Menschen aus Mittelamerika in Guatemala einen Grenzzaun, gelangten auf mexikanisches Gebiet und liefen direkt weiter in Richtung USA. Sie waren auf ihrem Weg ins Glück. Sie sind es noch immer. Inzwischen haben sie Mexiko-City erreicht. Sie folgen Donald Trumps eigenen Worten.

06.11.2018

Halbzeitwahlen in den USA. Ergebnis: Die Republikaner bauen ihre Senatsmehrheit aus, während das Abgeordnetenhaus künftig in demokratischer Hand ist. Man könnte auch sagen: Große Zwei-Kammern-Koalition. Nur die Tür zwischen den beiden Kammern fehlt noch. Aber die wird keiner von beiden reinbauen. Sie schneiden höchstens ’nen Schlitz in die Wand. Dann können sie sich gegenseitig Vorlagen schicken, die die anderen ignorieren und mit einer eigenen kontern, woraufhin am Ende gar nichts passiert und das demokratische Miteinander vollends erstirbt. Wandurne statt Wahlurne.

07.11.2018

Justizminister Jeff Sessions ist heute auf Druck von Trump zurückgetreten. Trump sucht jetzt einen neuen. Eigenen Angaben zufolge will er mehrere Kandidaten persönlich prüfen. Das werden echte Chef-Sessions.

08.11.2018

So geht Business: Die Trump-Regierung verhängt Strafzölle gegen China bezüglich Stahl und Aluminium. Die Chinesen reagieren mit Gegenmaßnahmen bei Nahrungsmitteln. Diese wiederum treffen die amerikanischen Farmer, woraufhin sich das US-Landwirtschaftsministerium bereit erklärt, den Farmern jene Produkte abzukaufen, die sie jetzt nicht mehr an China loswerden. Daraufhin wechseln 144.000 Pfund Schweinefleisch von der Landwirtschaft direkt ins Ministerium.

In den dortigen Cafeterias brüten die Köche bereits über den Rezepten. Am besten wäre es, sie würden das Schweinefleisch süß-sauer machen, denn Smithfield, die »amerikanische« Firma, die der Regierung das Fleisch verkauft hat, gehört in Wahrheit den Chinesen.

09.11.2018

Donnie fliegt heute nach Frankreich, und man kann nur hoffen, dass der Pilot der Air Force 1 Trumps außereheliche Eskapaden nicht zum Anlass nimmt, um das zu tun, was vor einigen Tagen ein Pilot der US-Navy getan hat. Er stieg mit seinem Kampfjet über dem kalifornischen Saltonsee auf und versuchte, seine Flugroute so zu wählen, dass sie einen ebenso imaginären wie gigantischen Penis in die Luft zeichnete. Die Sache gelang. Nur leider hatte er nicht mit dem Flighttracker eines Twitter-Users gerechnet, der den Flug aufzeichnete, die Route auf einer Karte markierte und das Bild postete. Jetzt wird gegen den Piloten ermittelt, und zwar penibelSt.

10.11.2018

Lange nichts mehr von Steven Mnuchin gehört. Zur Erinnerung: Der Mann ist amtierender US-Finanzminister. Zuvor war er Investmentbanker bei Goldman Sachs, leitete anschließend einen Hedgefonds, stieg dann als Produzent ins Filmgeschäft ein und sicherte sich nach der Finanzkrise 2009 zusammen mit anderen die Immobilienbank Indy Mac, die er in OneWest umbenannte und zu einer Art Zwangsversteigerungsanstalt machte. Fast 40 % aller Immobilien-Zwangsversteigerungen in den USA wurden damals von OneWest durchgesetzt. Mnuchins Geschäftspraktiken waren allerdings derart unlauter, dass der Generalstaatsanwalt von San Francisco ihn 2013 strafrechtlich verfolgen wollte, was aber von der kalifornischen Justizministerin Kamala Harris verhindert wurde. Harris war dann auch die einzige Demokratin, die im Zuge der Senatswahlen 2016 von Mnuchin eine Wahlkampfspende erhielt. Aber warum auch nicht? Geld war genug da. Ein Jahr zuvor hatten Mnuchin und seine Leute die Bank mit einem Gewinn von fast 2 Milliarden Dollar verkauft, und als Mnuchin 2017 Finanzminister unter Trump wurde, schien die Sache mit der Bank und den Zwangsversteigerungen vergessen. Bis jetzt. Denn jetzt ist bekannt geworden, dass Cesar Sayoc, der Mann, der dringend tatverdächtig ist, im Oktober zahlreichen Trump-Kritikern Pakete mit Rohrbomben geschickt zu haben, im Jahr 2009 zu jenen gehörte, die ihr Haus an Steven Mnuchins Bank verloren. Warum er jetzt Demokraten und ihre Unterstützer in die Luft jagen wollte, weiß ich allerdings nicht. Irgendwie scheint Mr. Sayoc bei der Geschichte etwas missverstanden zu haben. Ist aber auch eine komplizierte Materie …

11.11.2018

Donald Trump ist der beste Beweis dafür, dass der Weg vom Banausentum in die Dekadenz den Umweg über die Kultur nicht braucht.

12.11.2018

In Kalifornien brennen die Wälder, und Trump erteilt den Leuten vor Ort vom Weißen Haus aus Ratschläge, was sie zu tun haben. Im Grunde also alles wie immer. Nur dass ich diesmal ein kleines Gedicht draus gemacht und das lyrische Ich Trump selbst überlassen habe.

Im Dichten vernichten

Wär ich bei der Feuerwehr,

es gäbe keine Feuer mehr,

so aber bin ich Präsident und Chef vom Heer,

und erzähle meine Feuer-Mär.

Ich twittre, dass in Kalifornien all die Wälder brennen,

weil die Waldmanager pennen,

woraufhin sie mir die digitale Tür einrennen

und laut rufen, ich würd die Lage absolut verkennen.

Tja, sag ich dann leis zu mir,

du legst Brände, doch das Löschen war noch nie an dir.

13.11.2018

Während sie in Florida die Stimmen der Senats- und Gouverneurswahlen neu auszählen und – wie üblich – nichts funktioniert, haben andere beim Innenministerium in Washington ganz genau hingeschaut und dadurch auch schon ein Ergebnis. Es lautet: 29,1 % Zeit für Treffen mit Vertretern von Naturschutz-NGOs und 70,9 % Zeit für Dates mit den Lobbyisten von der Gas-, Öl- und Kohleindustrie. Zumindest sind das die Verhältnisse in den Terminkalendern von sieben »high-level political appointees« des Ministeriums. Es sind die Mehrheitsverhältnisse von Leuten, die niemand gewählt hat, die von keinem Senat bestätigt werden mussten und deren Namen kaum einer kennt. Eingesetzt wurden diese Leute von Innenminister Ryan Zinke. Sie sind seine ganz persönlichen gezinkten Karten.

14.11.2018

Die ersten Flüchtlinge aus Mittelamerika haben die Grenze zu den USA erreicht.

Sie beziehen auf mexikanischer Seite Unterkunft in Baracken, Hallen und Zelten.

Die amerikanischen Grenzbeamten beziehen unterdessen den Zaun mit Stacheldraht.

15.11.2018

Die republikanische Mehrheit im US-Repräsentantenhaus hat eine Abstimmung über das Ende der amerikanischen Militärunterstützung für Saudi-Arabien verhindert. Begründung: In ein paar Wochen hätten die Demokraten wieder die Mehrheit, dann könnten sie gern über den Jemen diskutieren und auch abstimmen lassen. Die Erklärung klingt zynisch und sie ist es auch, aber sie ist noch mehr, denn sie zeigt das paradoxe Wesen der Macht: Wenn sie größer wird, schwindet die Moral. Wenn sie kleiner wird, schwindet sie auch, schwindet weiter und schwingt sich zu neuen Tiefpunkten auf.

16.11.2018

Vor drei Tagen hat sich mein kleines Blogbuch mit dem Big Boy’s Business im US-Innenministerium beschäftigt und den Anti-Umweltschutz-Kurs einiger hochrangiger Mitarbeiter skizziert, die u. a. für die Nationalparks zuständig sind. Heute nun wechseln wir mal die Seiten und nehmen uns einer einzelnen Dame an. Ihr Name ist Marcy Rockman und sie ist im US-Innenministerium Leiterin eines Programms, das sich um die Auswirkung des Klimawandels auf die Nationalparks und die dazugehörigen Kulturstätten kümmert. Das heißt, sie war Leiterin dieses Programms, denn sie hat ihr Amt aufgegeben, weil sich das Klima im Ministerium verändert hat. Statt die Stätten zu erhalten geht es seit Amtsantritt von Präsident Trump darum, etwas von den Stätten zu erhalten. Etwas, das unter ihnen liegt: Bodenschätze.

Die hohen Mitarbeiter haben natürlich auch eine hochgeistige Erklärung parat, warum alles so ist, wie es ist, und sich die gute Frau Rockman in ihren Augen einfach nur übernommen hat, so sehr, dass sie am Ende nur noch kündigen konnte. Die Sache stellt sich nämlich wie folgt dar: Wenn Zivilisation und Natur miteinander verglichen werden, dann gilt die Zivilisation als männlich und die Natur als weiblich. Wenn es aber darum geht, die Ressourcen zu managen, dann dreht sich dieses Verhältnis um. Das Management der natürlichen Ressourcen wird dann zur Sache der Männer, während die Betreuung der kulturellen Ressourcen den Frauen obliegt.

17.11.2018

Hier ist die Weisheit. Wer Verstand hat, berechne die Zahl des Tieres. Denn es ist die Zahl seiner bisherigen Präsidentschaft in Tagen; die Zahl ist 666.

18.11.2018

Bei den Republikanern brennt die Bude – und zwar wegen E-Zigaretten. Eigentlich war geplant, unter der Trump-Regierung möglichst viele Rauch- und Schmauch-Regulierungen abzuschaffen. Der freie Markt solle über Sein und Nicht-Sein, d. h. Nichtrauchen oder Rauchen, entscheiden. In einem ersten Schritt hob die Trump-Administration deshalb im Frühjahr 2017 die Beschränkungen bei E-Zigaretten weitgehend auf und erklärte die neue Freiheit für eine gute Sache, denn dadurch würden viele Raucher ermuntert, von klassischen Glimmstängeln auf elektrische umzusteigen, was nicht nur gesünder, sondern auch der erste Schritt zum Aufhören sei.

So weit die Theorie. Praktisch hat die Deregulierung dazu geführt, dass die Raucher fröhlich weiter paffen und Jugendliche, die bisher nicht geraucht haben, sich der E-Zigarette zuwenden. Unterstützt werden sie dabei von einer Industrie, die in den vergangenen anderthalb Jahren passende Geschmackssorten wie Melone oder Früchtemix auf den Markt gebracht hat. Die Folge: In Highschools hat die Quote der elektrischen Dampfer um 78 % zugenommen. Die Lebensmittelüberwachungsbehörde FDA will nun gegensteuern und den Verkauf einschränken. Ihr Chef, Scott Gottlieb, ist Republikaner und wegen der angekündigten Maßnahmen bei seinen Parteifreunden plötzlich gar nicht mehr beliebt. Was Gottlieb mache, so heißt es, sei Überregulierung. Er solle seine Vorschläge entweder zurücknehmen oder abdampfen.

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19 eylül 2025
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9783751800303
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