Kitabı oku: «Превращение / Die Verwandlung. Уровень 3», sayfa 9
Auf diese Weise bekam nun Gregor täglich sein Essen, einmal am Morgen, wenn die Eltern und das Dienstmädchen noch schliefen, das zweitemal nach dem allgemeinen Mittagessen, denn dann schliefen die Eltern gleichfalls noch ein Weilchen. Gewiss wollten sie nicht, dass Gregor verhungere. Tatsächlich litten sie ja gerade genug.
Mit Ausreden man an jenem ersten Vormittag den Arzt und den Schlosser wieder aus der Wohnung geschafft hatte, konnte Gregor gar nicht erfahren. Sie haben Gregor nicht verstanden und sie dachten nicht, dass er die anderen verstehen kann. Wenn die Schwester in seinem Zimmer war, hörte er ihre Seufzer und Anrufe der Heiligen. Erst später erhaschte Gregor manchmal eine Bemerkung, die freundlich war:
«Heute hat es ihm aber geschmeckt«, sagte sie.
Oder:
«Nun ist wieder alles stehen geblieben.«
IX
Während aber Gregor keine Neuigkeit erfahren konnte, horchte er manches aus den Nebenzimmern. Wo er nur einmal Stimmen hörte, lief er gleich zu der betreffenden Tür und drückte sich mit ganzem Leib an sie. Besonders in der ersten Zeit gab es kein Gespräch, das nicht irgendwie von ihm handelte.
Zwei Tage lang waren bei allen Mahlzeiten Beratungen darüber zu hören, wie man sich jetzt verhalten soll. Aber auch zwischen den Mahlzeiten sprach man über das gleiche Thema, denn immer waren zwei Familienmitglieder zu Hause. Niemand wollte allein zu Hause bleiben. Aber konnte man die Wohnung doch auf keinen Fall verlassen.
Auch hatte das Dienstmädchen gleich am ersten Tag kniefällig die Mutter gebeten, sie sofort zu entlassen. Als sie sich eine Viertelstunde danach verabschiedete, dankte sie für die Entlassung, wie für die größte Wohltat. Sie gab einen fürchterlichen Schwur ab, niemandem auch nur das Geringste zu verraten.
Nun musste die Schwester im Verein mit der Mutter auch kochen. Allerdings machte das nicht viel Mühe, denn man aß fast nichts. Immer wieder hörte Gregor,wie der eine den anderen vergebens zum Essen aufforderte60 und keine andere Antwort bekam, als:
«Danke, ich habe genug«, oder etwas Ähnliches.
Öfters fragte die Schwester den Vater, ob er Bier will, und herzlich erbot sie sich, es selbst zu holen. Als der Vater schwieg, sagte sie, sie kann auch die Hausmeisterin darum schicken. Aber dann sagte der Vater schließlich ein großes» Nein«.
Schon legte der Vater die ganzen Vermögensverhältnisse und Aussichten sowohl der Mutter, als auch der Schwester dar. Er stand er vom Tische auf und holte aus seiner kleinen Wertheimkassa irgendeinen Beleg oder irgendein Vormerkbuch. Man hörte, wie er das komplizierte Schloss aufsperrte und dann es wieder verschloss. Diese Erklärungen des Vaters waren das erste Erfreuliche, was Gregor seit seiner Gefangenschaft hörte. Er dachte, dass dem Vater von jenem Geschäft her nicht das Geringste übriggeblieben war. Der Vater hatte ihm nichts gesagt, und Gregor hatte ihn auch nicht darum gefragt.
Damals war Gregors Sorge, alles daranzusetzen, um die Familie das Unglück möglichst rasch vergessen zu lassen. Und so arbeitete er damals mit ganz besonderem Feuer. Er war fast über Nacht aus einem kleinenKommis61 ein Reisender geworden. Er hatte natürlich ganz andere Möglichkeiten des Geldverdienens. Seine Arbeitserfolge verwandelten sich sofort in Form der Provision zu Bargeld. Er konnte das der erstaunten und beglückten Familie zu Hause auf den Tisch legen. Es waren schöne Zeiten. Niemals nachher hatten sie sich wiederholt, trotzdem Gregor später so viel Geld verdiente, dass er den Aufwand der ganzen Familie zu tragen imstande war und auch trug. Man hatte sich eben daran gewöhnt62, sowohl die Familie, als auch Gregor. Man nahm das Geld dankbar an, er lieferte es gern ab. Aber eine besondere Wärme wollte sich nicht mehr ergeben.
Nur die Schwester war Gregor doch noch nahe geblieben. Es war sein geheimer Plan: sie, die Musik sehr liebte und rührend Violine spielte, nächstes Jahr auf das Konservatorium zu schicken. Öfters während der kurzen Aufenthalte Gregors in der Stadt wurde in den Gesprächen mit der Schwester das Konservatorium erwähnt, aber immer nur als schöner Traum, an dessen Verwirklichung nicht zu denken war. Die Eltern hörten nicht einmal diese Erwähnungen gern. Aber Gregor dachte sehr bestimmt daran. Er beabsichtigte, es am Weihnachtsabend feierlich zu erklären.