Kitabı oku: «Mein lieber Eduard»

Yazı tipi:


Christian Friedrich Steiger

Ritter des Roten Adlerordens

geb. 1.6.1780

gest. 24.2.1869

mit 88 Jahren

Friedemann Steiger

MEIN LIEBER EDUARD

Die Briefe des Christian Friedrich Steiger

an seinen Sohn (1859 bis 1868)

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2016

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Vorwort

Es scheint so etwas wie eine innere Vereinbarung oder positive Linie in unserer Steiger-Familie zu geben. Davon erzählen auch die Briefe, die Christian Friedrich Steiger an seinen Sohn Eduard in den letzten Jahren seines Lebens geschrieben hat. Ich möchte das so benennen:

(1) Freude am Leben. Wir leben alle gerne. Wir haben unseren Platz im Leben gefunden. Wir gingen oder gehen gerne zur Arbeit oder suchen uns im Ruhestand eine sinnvolle und ausfüllende Tätigkeit.

(2) Die Freude am Leben drückt sich auch in Dankbarkeit und Zufriedenheit aus. Wir reden nicht so viel von Gott. Aber die tägliche eine Sekunde der Dankbarkeit hat ein Ziel und eine Richtung. Das ist eine Grundhaltung mit vielen Akzenten, Schattierungen und Ausdeutungen.

(3) Da ist also die Freude an unserem evangelischen Glauben. Wie oft kommt in den Briefen von Christian Friedrich Steiger an seinen Sohn der Hinweis auf oder die Bitte an Gott vor. Anlässe gab es genug: Krankheiten bei Mensch und Tier, Kriege im Großen und Kleinen, Streitigkeiten in der Dorfgemeinschaft oder sogar in der weiteren Verwandtschaft.

(4) Da ist, und das ist besonders zu betonen, die Freude an der Familie. Das Pfarrhaus in Windehausen war ein offenes gastliches Haus. Es muss viele Räume gehabt haben und viele Betten. Dauernd ist jemand zu Besuch. Die Schwiegertochter Emma I, die Frau vom Sohn Carl, der ja sein Nachfolger im Pfarramt war und die Christian Friedrich Steiger nicht besonders mochte, von Ausnahmen abgesehen, weiß oft nicht, wie sie alle satt bekommen soll. Außerdem ist sie dauernd krank.

(5) Eine besondere Freude ist aber die „Johannesloge zur gekrönten Unschuld“ in Nordhausen. Steiger I hat, so wurde immer von meinem Vater erzählt, mit begründet. Heute ist das Gebäude das Nordhäuser Theater. Die Verbindung zu den Brüdern war tief und innig. Es fanden Rituale, Vorträge und Feste statt. Es gehörte in Nordhausen auch zum guten Ton, dort Mitglied zu sein. Steiger I bis III gehörten dazu und zwar mit innerer Leidenschaft. In der Loge ging und geht es um Nächstenliebe, Menschlichkeit, Konsensbereitschaft und Toleranz.

(6) Weiter wäre die Freude an gesellschaftlicher Tätigkeit zu nennen. Es interessiert sehr und nicht nur weil man den Nordhäuser Kurier ganz selbstverständlich liest, wie sich die Politik entwickelt. Preußen, Napoleon, der vierte französische Krieg, Hannover, die vielen kleinen Fürstentümer in Thüringen, die ersten demokratischen Wahlen, der König, Bismarck. Manchmal geht es bei den Wahlen auch recht großzügig vor. Das Fürstentum Stolberg-Roßla hatte auch eine eigene Gerichtsbarkeit und vor allem das älteste lutherische Konsistorium der Welt. (Siehe auch Kurzdarstellung des Fürstentums im Anhang).

(7) Vor allem aber wäre als gemeinschaftliche Linie der großen Steiger-Familie die Freude an der Natur zu nennen. Christian Friedrich Steiger hat ja mit der Veredlung und Aufzucht von Kirschen und Pflaumen in der Goldenen Aue begonnen und eine richtige Baumschule eingerichtet, die sein Sohn am Ort auch weiterführte. Er kaufte einen Teich, legte ihn trocken, ließ ihn mit guter Erde auffüllen und begann zu züchten; die Anregung und die Reiser holte er sich aus einer Baumschule in Ballenstedt. Er veredelte, hatte Misserfolge, aber bald auch Erfolge und so konnte er die Obstbäume an die Bauern in der Umgebung verkaufen. Man bedenke, es gab damals noch keine Rente und kein Gehalt. Der Pfarrer hatte das sogenannte Pfarrland, das hatte er zu nutzen, zu verpachten oder bearbeiten zu lassen. Davon musste er leben. (Ich kann mir an dieser Stelle nicht den Hinweis auf die heutigen Versorgungsverhältnisse der Pfarrer verkneifen, die man als gesichert bezeichnen kann; noch! Aber an Dankbarkeit für die Lebensgrundsicherung scheint es der jungen Generation oft zu fehlen; „ich bekomme meine Geld doch auch so“, sagte neulich ein junger Kollege, als man ihm vorwarf, nicht genug in der Kirchgemeinde zu tun).

(8) Weiter wäre die Freude am Menschen zu nennen. Die Briefe an den Sohn Eduard sind voll täglicher Geschichten, mit ihren Leiden und guten Tagen, ihrem Versagen, ihrem Egoismus, ihrer Hartherzigkeit und der kleinen und großen Freuden, die es zu leben galt. Manchmal geht es auch um Geld, das heißt, eigentlich ziemlich oft, um nicht zu sagen, fast immer. Christian Friedrich Steiger fühlte sich auch finanziell für die ganze Familie verantwortlich, besonders für seine Kinder und Enkel und da besonders für seine Töchter, die unterschiedlich einheirateten und teilweise schlecht versorgt waren. Es gab auch Missgunst, Neid, Ungerechtigkeit; das alles versuchte er auszuschalten oder in die Schranken zu weisen. Aber immer wieder erzählt er davon.

(9) Freude am Leben drückte sich aber auch, und darauf ist besonderes Augenmerk zu richten, in der Freude am Essen und Trinken aus. Wie wichtig waren die Schlachtfeste hier und bei Eduard. Die kleinen harten Würste, die er von seinem Sohn Eduard geradezu erbettelt, und die Geschenke von Wein und Gartenprodukten; Bier und Wein wurde getrunken, sogar ziemlich viel; der „köstliche“ Champagner wird oft erwähnt. Wenn Besuch kam, wurde eine Keule geholt, gebraten oder gesotten. Die „köstlichen“ Linsen von Eduard haben eine große Bedeutung. Von den Logenfesten wird ausführlich berichtet und erzählt, was es zu essen gab und woher die Speisen und Früchte kamen. Übrigens: Die Vokabel „köstlich“ ist die am meisten gebrauchte. Sie hat etwas von dem Psalm, wo es heißt: „Wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen!“ Es war hier alles „köstlich“.

(10) Man bedenke, Christian Friedrich Steiger war bis weit über sein zu sein 80. Lebensjahr hinaus, er ging 1866 in den Ruhestand, mit 86 Jahren, als evangelischer Pfarrer tätig. Seine Briefe an seinen Sohn Eduard sind hauptsächlich in den letzten Jahren seines Lebens entstanden. Er war alt, krank, manchmal auch etwas unzufrieden; er wohnte ja mit seinem Sohn Carl, also seinem Nachfolger, in demselben Haus, was sicher seine Schwierigkeiten hatte. Er fühlte sich auch manchmal sehr einsam. Darum erzählt er seinem Sohn Eduard, der als Landwirt immer nur gepachtet hatte, seine Geschichten. Besonders aber interessiert ihn, wie sein Sohn Eduard mit der Landwirtschaft und den damit verbundenen Schwierigkeiten und mit dem Wetter zurechtkam, welche Produkte für den Boden in der Goldenen Aue besonders für den Anbau geeignet waren und vor allem, welche Preise für Gerste, Roggen, Hafer und Weizen zu erzielen waren und besonders, was mit der Schafwolle zu verdienen war; die Wollpreise im Nordhäuser Kurier interessierten ihn besonders und er merkte sich auch, was die Wolle im Jahr zuvor eingebracht hatte.

(11) Und doch durchzieht eine Grundfreude sein Leben. Ich glaube die auch bei manchen nachfolgenden Familienmitgliedern zu entdecken. Jeder mag sich da selbst einordnen. Die meisten von uns haben Eduards einzigen Sohn Max (das war der neben sieben Schwestern) zum Vorfahren. So ist es auch interessant Einzelheiten über diesen heranwachsenden Jungen Max zu erfahren, die wir bisher nicht kannten.


Eduard Steiger

geb. 26.3.1815 in Windehausen

gest. 2.10.1901 in Friedrichroda

Sohn von Chr. Friedrich Steiger, Landwirt


Eduard Steiger mit Gattin Auguste, geb. Kleemann, geb. 18.12.1823

Die Kinder: Marie, geb. 13.7.1857

Luise, geb. 19.12.1858

Max, geb. 12.2.1860

Rosa, geb. 21.12.1861

Clara, geb. 21.12.1861

Elwine (Ella), geb. 18.3.1863

Sophie, geb. 5.8.1865

Auguste, geb. 13.3.1867 (noch nicht geboren)

INHALT

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Hinführung

Die Briefe des Christian Friedrich Steiger vom 20. 12. 1859 – 7. 11.1868 an seinen Sohn Eduard.

Wenn doch Eduard endlich eine gute Stelle als Landwirt finden würde! (20. Dezember 1859).

Der Konfirmanden-Unterricht wird ihm sauer. Da war er schon über 80 Jahre alt. (28. Januar 1860).

Der Husten geht zurück. So konnte er die Logenkonferenz leiten. (21. November 1861).

(2. Januar 1862) Es war sicher ein vergnüglicher und glücklicher Tauf -Tag. (30. Januar 1862).

Biete alles auf, um Deinem Nachwuchs die Last zu erleichtern. (05. Februar 1862).

Wieder eine Taufe bei Eduard. Zuletzt 7 Töchter und der Sohn Max. (12. Februar 1862).

Enkel Max ist ein starker Junge. Bahnstrecke Halle-Nordhausen. (11. November 1862).

Gustav hat einen starken Jagdtrieb. Er verliebt sich in jede Schürze. (5. Mai 1863) Freude: Blick in Deinen Familienkreis und in Deine Wirtschaft. (12. Mai 1863).

Möge der große Weltenmeister Deine Glückwünsche erfüllen. (05. Januar 1866).

Gott erhalte unser behütetes Glück. Die Preußen überschritten die bayrische Grenze, ohne einen Feind gesehen zu haben. (25. Januar 1866).

Sie, die Dicke, Emma I, liegt schon seit vier Wochen auf dem Sofa. Du, Eduard, bist der einzige, mit dem ich mich unterhalten kann. (24. März 1866).

Der Vater erzählt von Eduards Geburt. (10. April 1866).

Emma I ist auf dem Wege der Besserung; sie humpelt vom Sofa. (3. Mai 1866).

Carl Junior ist eingezogen worden. Julie bekommt kein Geld. Auf dem Markt in Erfurt wurde den Marktfrauen ihre Butter ins Gesicht geschmiert und die Eier auf den Kopf gehauen. Zu teuer. (28. Mai 1866).

Was für Schreckenszeiten! Kein Brief von Carl. (15. Juni 1866).

Carl ist wieder da! Er schreibt aus dem Lazarett. Gott gebe, dass unsere Menschen wieder siegen. Gute Nacht Österreich! (22. Juli 1866).

Es gab einen fruchtbaren Regen. Carl Junior geht es gut. Freundin. Hoffentlich ein Deutschland! Strafgericht über Österreich. (08. August 1866).

Ich bleibe in meiner Einsamkeit. Kein Besuch bei Eduard. (20. August 1866).

Morgen früh muss ich nach Erfurt reisen. (05. Sep1866).

Carlchen ist gesund zurückgekommen. Er weiß viel zu erzählen. Gustav schreibt aus Amerika. Auch dort gibt es die Cholera! Gott behüte uns in Deutschland vor der Revolution! (07. September 1866).

Einweihung der Bahn. Viele Bekannte. Große Zeremonie in Nordhausen für die Krieger. (22. Oktober 1866).

Trank zwei oder drei Gläser Rotwein gegen meine Schwäche. Du sollst Deinen Kindern von Martin Luther erzählen; ein Martinslicht. Ein Großfeuer in Heringen. (07. November 1866)

Hochwasser; von Windehausen bis Heringen sind nur die Köpfe der Weiden zu sehen. Quälender rheumatischer Schmerz; das linke Bein ist geschwollen. Anbei das Backwerk für die Kinder zum Weihnachtsfest. (18. Dezember 1866).

Danke für die köstlichen Wecken. Beim Auspacken meiner Geschenke hätte ich dabei sein mögen. Gern hätte ich das Redetalent Max gehört. Gustav ist dagegen ein Luftikus. Er lernte nicht, mit Geld umzugehen. Der Militär ist abgereist. (07. Januar 1867).

Danke für die Geburtstagsgrüße zu meinem 88. Geburtstag. Carl passt zum Bankerberuf. (08. Januar 1867).

Freude über die Briefchen der Kinder; große Fortschritte. Mein linker Fuß ist lädiert. Zinksalbe. Sie liegt schon 14 Tage auf dem Sofa. (28. Januar 1867).

Danke Deiner Frau für den köstlichen Kuchen. In Ilfeld wurde die Schule vorübergehend aufgelöst. (15. Februar 1867).

Hausfreude. Kalbskeule. Husten raubte mir den Schlaf. Die Pflaumen fangen an zu wachsen. Kirchen- Schulvisitation. (25. Februar 1867).

Das Frühjahr rückt voran. Die ganze Natur ist in Bewegung. Gut, dass Du Dich nicht an der Zuckerfabrik beteiligt hast. Du hast einen fetten Ochsen verkauft. Auch der Schweinestall hat etwas eingebracht. Gott bewahre uns vor der Rinderpest! (06. März 1867).

Ich bin krank und werde gut gepflegt von Carl und Auguste. (20. März 1867).

Glückwünsche für Eduard und seine Familie. Er bittet um eine von den guten Knackwürsten. Die Rübenfahrten beendet. Auch geht in den Schafställen alles gut. (28. März 1867).

Die Flaschen sind angekommen. Trinke ich lieber Lagerbier. Ein Pascha, S i e, schläft auf dem Sofa. (10.u.16. April 1867)

Ein Missverständnis. Gute Ernte und guter Fruchtzins. Die Rechnung für den Champagner. Runkeln, Kartoffeln und Grün-Kohl in der Erde. Das Gewächshaus will einfallen. (14. Mai 1867)

Es ist mir ein Herzensbedürfnis, mich mit Dir zu unterhalten. Der Krieg ist durch die Londoner Konferenz beseitigt. Preußens Macht und Größe wird bleiben. Neue Gefahr: Die Rinderpest. Gustav ist für die Loge nicht geeignet. (17. Mai 1867).

Mein Sohn Carl ist in der Baumschule. Er ist sehr fleißig. (28. Mai 1867).

Das Ragout hatte negative Folgen; viertägiges Fasten. Allerlei Krankheiten. Rinderpest. Pocken; impfen; die schwarzen Pocken waren bei einigen tödlich. In Ilfeld wird ein Regierungsbeamter in der Klosterschule ausgelacht. (17. Juni 1867).

Meine Debitoren (Schuldner) sind sehr nachlässig. Die Bäume in der Baumschule hängen voll. Kein Regen. Futternot. Die Schule in Ilfeld wird geschlossen, vorläufig. Carl hat über die Geschichte des Ordens (.O.) referiert. (16.07.1867)

Am Wahltag. Die Liberalen, die Sozialdemokraten und die Umsturzmänner. Dein Bruder hat eine Wahlveranstaltung gehalten. Wahlbetrug durch den Kantor und seine Freunde. (24. Juli 1867).

Ich wünsche mich nachts ungequält zu lassen. Am 25. war eine festliche Zusammenkunft. 170 Personen. Abends der Garten illuminiert. Eine Pfeife mit Appetit geraucht. (28. Juli 1867).

Eine gute Weizenernte; ich bin bei Gott froh darüber; ich danke, dass er Dich vor Hagel geschützt hat. Der Kantor Jacobi führt frivole und schmutzige Reden. (12. August 1867).

Beinahe wären wir alle verbrannt. Der Knecht, die Laterne. Wie steht es bei Dir mit den Linsen? Sie liegt nur auf dem Sofa. Die Kakteensammlung. Ich trinke Lagerbier und abends Rotwein; so kann ich schlafen. (27. August 1867).

Herr von Biela ist ein steinreicher Mann; er gehört zu denen, die noch im Schlaf reich werden. Den Esel für Max hat er sich auch gut bezahlen lassen. Dein Bruder verpachtete die Pflaumenländerei. (06. September 1867).

Die Kakteen, wie sollen sie transportiert werden? (12. September 1867).

Die herrlichen Linsen; wie hast Du das gemacht? Der Halunke Jacobi schießt auf dem Friedhof herum. Er wird in Stolberg angezeigt. (14. September 1867).

Kluges Arrangement die Kakteen betreffend. Große Freude hat mir Max mit seinem Brief gemacht. Er weiß seine Gedanken wacker auszudrücken. Von den Linsen aßen wir schon. Verhältnis im Haus ist sehr gesondert; überall Misstrauen. Möge Dir das Superphosphat reichlich Zinsen tragen. Der Weizen scheint im Preis nicht zu sinken. Der reiche Förstermann ist zum Bettelmann geworden. (19. September 1867)

Die Kakteen werden transportiert. Herzlichen Dank für die köstlichen Linsen und die Weintrauben. (23. September 1867).

Ich bin einsam und verlassen ohne meine Sophie. Wir hatten jede Freude gemeinsam genossen, jedes Leid gemeinsam ertragen. Ich habe den Tod täglich im Geist. Ein guter Freund ist gestorben; zehn Jahre jünger als ich. (05. Oktober 1867).

Du freust Dich auf den Andreastag; ich mich auch. Beim Martinsabend möchte ich Mäuschen sein. (06. November 1867).

Dank für Deinen heiteren Humor. Beilage A: Verzeichnis des toten und lebenden Inventars bei der Pfarramtsübergabe. Beilage B: Genehmigung des Konsistoriums in Stolberg. Beilage C: Interessenberechnung mit Erlass, handschriftlich.. Weitere Berechnungen. Streit um Bohnen. Misstrauen. (10. November 1867).

Große Freude über Deinen Brief und den Besuch, du hattest einen großen Empfang zu Hause. Deine Goldhähnchen erfreuten mich zwei Tage. Den Hasen gibt es am Sonntag. (21. Dezember 1867).

Dein Projekt die Sächsische Schweiz betreffend. Mühlhausen hatte 50-jähriges Stiftungsfest. Du hast bei Tisch Ernstes und Spaßhaftes vorgetragen. Gustav hat geschrieben. Es geht ihm gut. Zu Weihnachten will er 300 Meilen weiterreisen. (28. Dezember 1867).

Glückwunsch zum Jahreswechsel. Wir wünschen Gesundheit und gutes Gewerbe. Zwölf Slowaken handeln mit Mastkälbern. Jetzt haben sie Typhus und sind im Spital. Danke für den Champagner. Guter Rübenmarkt? Opium durch Dr. Noth. (07. Januar 1868).

Danke für die Glückwünsche zum 88.Geburtstag. Sie schenkte mir eine Pfeife. Kuchen, Wein von Freunden. Danke noch einmal für das Bild von Deiner Familie. Brief von Gustav aus Amerika; ich weinte; es geht ihm gut. Eine Hochzeit steht an. (12. Januar 1868).

Dein letzter Brief brachte große Freude, Trost und Beruhigung. Du hast Aussicht auf eine gute Ernte. Gustav bekommt täglich einen Dollar und macht Bekanntschaft mit einem jungen Mädchen. Von der Hochzeit hier habe ich von allen Delikatessen etwas erhalten. Dein Bruder gab mir seine ausgezeichnete Johannes-Arbeit. (22. Januar 1868).

Der Raum zwischen uns ist groß. Ist Gustav doch der „Verlorene Sohn“? Sie beklagt sich, dass sie nicht weiß, was sie kochen soll. Meine große Schwäche; höchstens zweimal am Tag stehe ich aus dem Lehnstuhl auf. Es ist kein Geld unter den Menschen. Fehsemeyer ist Kataster-Kontrolleur in Ziegenrück geworden. Ich esse nur Suppe. (01. Februar 1868).

Danke für die Schlachte-Schüssel! Es war aber zu viel, ich musste es verteilen. Das Geld lege ich für Dich bei Bach an. Ich bin altersschwach. Eine Qual ist das Asthma. Anbei das Nürnberger Kistchen mit Näschereien für Alt und Jung. Das Buch: „Der Krieg von 1866“ kannst Du behalten. (07. Februar 1868).

Täglich beschäftige ich mich mit Deinen Kindern; hoffentlich ist die kleine Sophie außer Gefahr. Meine Krankheiten sind keine Einbildung, wie Dein Bruder meint. Der böse Husten ist keine Einbildung. Der arme Müller hat nur Pech. Ihr kann es niemand Recht machen. Ich bettele um eine Knackwurst, wie neulich. (5. März 1868).

Große Not in Erfurt, Nordhausen und Heringen. Trotzdem ein Gartenfest in Nordhausen (Loge nehme ich an). Emma I ist nun aus dem Bett; wie lange? Dein Familienbild liegt die ganze Zeit vor mir. Große Freude! Dank! Ausgezeichnete Rübenernte in Aussicht. Auch im Schafstall geht alles ausgezeichnet. Der Jahre alte Louis Hartleb und Kantor Jacobi. Er bringt etwas in Bewegung; ein furchtbares Gerücht liegt über Windehausen. (02. April 1868).

Das Diner vom Mittwoch. Die Spitzen der Stadt, der Landrat, die vielen Brüder und das ganze Offizierscorps. 30 Personen waren dazu geladen. Das Familienfoto hat einen besonderen Platz bekommen; ich sehe es beim Erwachen. Dr. Noth ist gestorben. Er war ein guter Freund. Einige Stunden vorher war seine Frau mit einem kleinen Mädchen niedergekommen. Typhus. Aus! Fünf Kinder, drei Knaben, zwei Mädchen, bleiben zurück. Möge Gott seiner Frau Kraft geben. (28. April 1868).

Kostbarer Regen nach einem schrecklichen Gewitter. In Braunschweig wurde ein Schäfer mit 12 Schafen erschlagen. Hochzeitsvorbereitungen. Sie entscheidet. Am 9. Juni soll die Trauung sein. Der Richter in Heringen sagt, so ein intriganter Mensch wie Jacobi sei ihm noch nie vorgekommen. (20. Mai 1868).

Die Früchte stehen in Windehausen und in der Goldenen Aue ausgezeichnet. Wir hatten einige Male durchdringenden Regen. Ich habe mir mit Kirschen den Magen verdorben. Fasttag! Ein Wochenblatt aus New York. Gott möge Gustav führen und leiten. Schule in Windehausen von Göhrmann übernommen; ein alter Mann! (20. Juli 1868).

Das Schreiben an Dich ist meine einzige Freude. Gustav schrieb einen langen Brief. Er freut sich, dass ich ihm verziehen habe. Er verdient jetzt 10 Dollar die Woche. Er beschreibt die Gegend, in der er lebt und arbeitet. Schöner sei es aber in Windehausen. Sehnsucht. Das Schützenfest in Wien nimmt seinen üblichen Gang. Schöner ist das Sängerfest in Nordhausen; Nachmittags ein „Gesinge“. (05. und 24. August 1868).

Eduards Kurzbericht über seine Dresden-und Basteireise weckt eigene Erinnerungen. Außerdem war Eduard in Prag, was ihn noch mehr beeindruckte, besonders der Gesang eines Kastraten beim Kirchenkonzert. Warum warst du nicht im Judenviertel? Starke Hitze in Windehausen. Ein Mann wird erschlagen in der Pflaumenanlage. (07. September 1868).

Freude über Trauben und Pfirsiche. Gratulation zu Deines Bruders Geburtstag; Wünsche möchten in Erfüllung gehen. Das geschah augenblicklich. Zuerst kam ein Brief von Berlin; Carl könne bei der Bank angestellt werden. Dann: Vehsemeyer ist fest angestellt als Kataster-Kontrolleur. Zuletzt: Ein Schulze aus der Gegend von Langenhagen bittet um viele Bäume aus der Baumschule. So sind meine drei Wünsche in Erfüllung gegangen. Bei der Loge in Nordhausen war wieder eine Gesellschaft mit 100 Personen, eine wunderbare Feier. Einige bieten Carl das „Du“ an. Jacobi bekommt fünf Jahre Zuchthaus. Der Wärter sagte, er hätte fünfzehn Jahre bekommen sollen. (07. November 1868).

Nachtrag 1: Die politische Situation in Deutschland (1859-1867)

Nachtrag 2: Die Johannesloge zur gekrönten Unschuld in Nordhausen

Nachtrag 3: Das älteste lutherische Konsistorium der Welt: Stolberg-Roßla

Nachtrag 4: Etwas zur Übersetzung der Vorsütterlin-Schrift

Nachtrag 5: Die Steigerpfarrer in Schlotheim

Nachtrag 6: Kladderadatsch

Nachtrag 7: Einige Briefe im Original:

Brief vom 20. Dezember 1859

Brief vom 28. Januar 1860

Brief vom 24. November 1861

Brief vom 30. Januar 1862

Brief vom 20. Mai 1868

Brief vom 20. Juli 1868

Brief vom 7. September 1868

Brief vom 7. November 1868


Max Steiger, einziger Sohn von Eduard,

geb. 12.2.1860, gest. 12.3.1933

verheiratet mit Susanne, geb. Stegemann

geb. 12.4.1868, gest. 16.9.1931

Hinführung

Der Familie Steiger ältester nachweisbarer Vorfahre ist am 21. 8. 1698 in Erbenheim bei Wiesbaden geboren. Sein Vater war wohl ein Sauhirt gewesen. Näheres darüber ist in „Fröhlich unterwegs“ von unserem Vater Herbert Steiger aufgeschrieben und von mir herausgegeben und kommentiert. Dieser Martin oder Merten Steiger starb als Pastor in Schönstedt bei Langensalza am 23. 5. 1762. Ich bringe aber hier noch einmal die damals gemachten Forschungen und Ergebnisse, um die Briefe von Christian Friedrich Steiger, geboren am 1. 6. 1780 und verstorben am 24. 2. 1869, an seinen Sohn Eduard Steiger, geboren am 26. 3. 1815 und verstorben am 4. 1. 1870, in einen guten Zusammenhang zu stellen und um die manchmal schwierig zu lesenden Briefstellen damit etwas genauer zu untermalen. Es kommen ohnehin in den Briefen Namen und Zusammenhänge vor, die wir heute kaum mehr zu deuten wissen. Besonders schwierig sind die Abkürzungen, Namen, Zusammenhänge und Verwandtschaftsbeziehungen zu verstehen. So musste manches offenbleiben und der Fantasie des Lesers überlassen. Auch die Namen der Obstsorten, die Christian Friedrich Steiger II und seine Söhne Eduard und Carl veredelten und vertrieben, konnte ich ebenso wenig ermitteln, wie die von Getreide-, Raps- und Kartoffelsorten.

Aber der Reihe nach:

Wichtig ist uns in diesem Zusammenhang also der am 7. 2. 1734 in Schönstedt geborene Christian Friedrich Steiger (genannt Steiger I). Er heiratete am 5. 6. 1774 in Harzgerode die Johanne Sophie Charlotte Rudolph. Sie war am 10. 8. 1752 in Neudorf bei Harzgerode geboren worden und starb am 31. 1. 1786 in Windehausen an der Schwindsucht. Der Christian Friedrich Steiger heiratete übrigens am 24. 10. 1787 noch einmal und zwar die Jungfrau Marie Sophie Wölfert aus Sondershausen. Von einem Erich Kneffel, dem Vereinsführer des Genealogischen Vereins Nordhausen hatte Herbert Steiger folgende Zuschrift erhalten:

Magister Friedrich Steiger aus Schönstedt in Thüringen war erst Hofdiakonus in Rossla und kam 1772 als Pastor nach Windehausen. Im Besitze einer ausgesuchten Bibliothek studierte er fort bis an sein Ende. Seine Nebenstunden widmete er der Pflege seltener Gewächse und einigen Handarbeiten. Er pappte zum Beispiel vortrefflich und hat den salomonischen Tempel nach dem Lundius verfertigt. Bei der denkwürdigen Räuberei im Oktober 1806 wurde er von französischen Plünderern so misshandelt, dass er daran starb. Das war am 26. 10. 1806. Von seinem Magisterium hatten bei seinen Lebzeiten nur seine Söhne und einige vertraute Freunde Kenntnis.

Im Kirchenbuch von Windehausen ist zu lesen:

„Nach der Schlacht bei Jena flüchtete ein Teil der preußischen Armee in der größten Unordnung über Nordhausen nach Magdeburg. Ein 80 000 Mann starkes Korps verfolgte die Preußen und lieferte bei Nordhausen eine kleine Affäre. Des Nachts schlugen die Franzosen ein Biwak, wobei ein großer Teil die Erlaubnis erhielt, sowohl in Nordhausen als auch in den umliegenden Dörfern zu plündern. Auch unseren Ort traf das traurige Geschick. Am 19. 10. früh gegen zehn Uhr kamen die ersten sieben Franzosen vor unser Dorf. Sie verlangten, weil ein großer Teil der hiesigen Bewohner auf der Mühlbrücke war, weiter nichts als Schnaps. Der wurde ihnen in der Schenke gereicht. Als diese Gäste abgefertigt waren, kam ein anderer Trupp und verlangte 90 Dukaten. Ehe aber mit diesen unterhandelt werden konnte, kamen noch mehrere, fielen in die Häuser ein, zerschlugen Kisten und Kasten und nahmen besonders Hemden und Tücher mit.

Besonders hart traf dies Schicksal den Prediger, denn als sie Geld verlangten und nur wenig erhielten, zerschlugen sie alles und nahmen mit, so viel sie konnten. Auf diesen Sturm stellte sich eine Ruhe von wenigen Stunden ein. Bald aber kamen neue Gäste ins Pfarrhaus. Ruhig stellten sie ihre Gewehre in die Ecke und ließen sich den unter dem Rübenhaufen versteckten, aber doch gefundenen Wein wohl schmecken und tranken mir fleißig zu. Die Bauern, denen dieser Besuch zu lange dauerte und die doch kein Geräusch hörten, hatten sich vor der Tür versammelt. Aber die Franzosen fürchteten einen Überfall und ergriffen ihre Gewehre und schossen auf die sich auf meinen Wink schnell verteilenden Leute, trafen aber niemand, obgleich auf diese Art in der Umgebung mehrere Leute getötet worden sind. Der eine gab mir zur Antwort, dass er uns um meinetwillen, indem er meinen Gleichmut bewunderte und mich auf den Augenblick lieb gewonnen hatte, nicht habe treffen wollen. Doch nahmen diese drei einen ganzen Wagen voll Sachen und Lebensmitteln mit.

Nun glaubten wir das Unglück beendet. Allein am Abend war das Unglück stärker als zuvor. An die sechzig Franzosen fielen in unser Haus. Da sie nichts mehr fanden, verlangten sie Geld. Da wir ihnen das nicht geben konnten, vergriffen sie sich an meinem Vater, dem Prediger allhier und stießen ihn in eine Schrankecke. Da ich dies Unglück so lange als möglich zu verhindern suchte, warfen sie mich zum wiederholten Male zur Tür hinaus. Endlich, da der eine ganz besoffene Franzose nichts erpressen konnte, schleppte er mich in die Stube, verschloss die Türe und zog den Hahn seines Gewehres.

Als diese Drohung nichts helfen wollte, zog er sein Seitengewehr und hätte mir, wenn ich nicht ganz gegen meine Gewohnheit den Hut auf dem Kopf getragen hätte, den Kopf zerspalten. So ging es mit einer starken Wunde am Kopf ab. Mehrmals trug ich meinen 73-jährigen kranken Vater bis an die Haustür, aber die vor der Tür stehende Wache stieß uns immer wieder zurück. Endlich gelang es mir, ihn durch und in die Kirche zu bringen. Es war zehn Uhr abends. Nun schlich ich mich ins Haus zurück und holte Betten. Als ich so meinen Vater in Sicherheit und vor Kälte geschützt wusste, suchte ich meine Stiefmutter, welche die Unmenschen sehr misshandelt und an den Haaren herausgezogen hatten. Über eine Stunde hatte ich gesucht, bis ich sie endlich im Garten auf einer Bank ganz ohnmächtig fand. Ich brachte sie mit Hilfe des Nachbars Christof Andreas Heise ebenfalls in die Kirche. Um 12 Uhr nachts ging ich nach Urbach. Unzählige Wachtfeuer und das Brandfeuer in Bielen, hier hatten die Franzosen das adlige Gut angezündet, röteten den Himmel. In Urbach suchte ich einen sicheren Zufluchtsort. Alle waren in größter Bestürzung und konnten mir keine Sicherheit versprechen. Ich traf unseren Knecht und unsere Magd, die hierher geflüchtet waren. Ersteren nahm ich mit und ging auf Umwegen nach Heringen, um daselbst Sicherheit zu suchen. Ich traf eine französische Bedeckung für die Stadt an, die einige Sicherheit hoffen ließen. Ich lief zurück nach Windehausen. Die Pferde wurden angespannt. Die Wagen wurden mit Betten angefüllt und so brachte ich meinen Vater und meine Mutter glücklich nach Heringen.

In diesem Sturme hatten die Franzosen den Bauern vierzehn Pferde abgenommen. Darunter waren zwei Bauern, die ihr ganzes Gespann verloren hatten. Drei Tage verweilten wir in Heringen, beim Rat Oberländer, meinem Schwager. Allein mein Vater fing an, die sehr nachteiligen Folgen der schändlichen französischen Behandlung zu empfinden und wünschte sich in seine Wohnung zurück. Der Sturm war zwar vorüber, aber im Hause trafen wir alles zerstört an. Dieser Anblick erschütterte meinen Vater aufs Neue. Er legte sich ins Bett, um nicht wieder aufzustehen. Neun Tage nach dieser Schreckensnacht endete sein Leben“.

Der erwähnte Schwager Oberländer hatte die Sophie Christiane Steiger geheiratet, also eine Schwester des Christian Friedrich Steiger, von dem die Briefe an seinen Sohn Eduard erhalten sind. Dieser Christian Friedrich Steiger (also Steiger II) hatte auch Geschwister: Ernst Christian Ludwig Steiger, der sich im Herbst 1791 erhängt hatte; Grund unbekannt und Johann Friedrich Wilhelm Steiger, der Prediger in Schlotheim war. Es gab auch eine Schwester von Christian Friedrich Steiger, die am 8.11. 1806 im Alter von 79 Jahren verstarb.

Unser Christian Friedrich Steiger II, der die Briefe an seinen Sohn Eduard in den letzten Jahren seines Lebens, und den oben erwähnten Bericht über seinen Vater mit 26 Jahren schrieb, wurde am 1. 6. 1780 früh 7 Uhr geboren und am 2. Sonntag nach Trinitatis, es war der 4. 6. 1780, getauft. Christian Friedrich Steiger II besuchte die Fürstenschule zu Grimma, danach die Universitäten in Wittenberg und Leipzig. Er wurde von fürstlicher Seite berufen am 21. 4. 1807 in Windehausen der Nachfolger seines Vaters. So steht es in der Kirchenchronik, geschrieben von einem gewissen Leopold, Nordhausen von 1817. Ein Gemeindevorsteher schreibt: „1812 erwarb Pfarrer Steiger von der Gemeinde im Dorfe zwischen Mühle und Schmiede ein Sumpfgebiet. Er ließ in vier Wochen 2000 Fuder Erde aus dem „Kalten Graben“ hineinfahren und die Fläche mit Obstbäumen aus Ballenstedt anpflanzen. Dort errichtete er ein Wohnhaus für seine Erben. Darin wohnte der Lehrer beim Neubau der alten Schule im Jahre 1833. Dieses Haus wurde 1911 durch ein neues ersetzt. Pastor Christian Friedrich Steiger II hat hier 55 Jahre und zwar vom April 1807 bis zum 1. 5. 1862 segensreich amtiert. Im Jahre 1857 wurde in großartigster Weise sein 50-jähriges Amtsjubiläum gefeiert. So viele Festteilnehmer sind wohl aus irgendeinem anderen Anlass vorher und werden wohl jemals nicht wieder hierher kommen. Außer den Mitgliedern des Konsistoriums (Stolberg-Roßla war das älteste lutherische Konsistorium der Welt), den vielen bekannten und befreundeten Amtsbrüdern, waren sämtliche Logenbrüder mit ihren Angehörigen und viel Volks aus den umliegenden Ortschaften hierhergekommen. Der Logenwirt Schneegaß aus Nordhausen hatte ein großes Zelt aufschlagen lassen.

Das Jubiläumsfest dauerte drei Tage. Es wurde jeden Tag auf dem Schulplatz auf zwei Tanzflächen von Jung und Alt getanzt.

Nach seiner Pensionierung lebte er noch einige Jahre. Er war allgemein beliebt und verehrt. Er hatte für alle denkbaren Wirtschaftsinteressen großen Sinn und reiches Wissen und legte eine große Baumschule an. Durch die Einführung und Vertreibung der besten Obstsorten erwarb er sich einen großen Ruf. In der engeren und weiteren Umgebung holten sich die Gemeinden ihre Obstbäume. In unserer Gemeinde regte er an, dass große und ergiebige Obstplantagen angelegt wurden. Er war Mitbegründer des landwirtschaftlichen Vereins der Goldenen Aue in Nordhausen und viele Jahre Logenmeister der Freimaurerloge in Nordhausen. Am 12. 5. 1808 heiratete er Johanna Christiane Sophie Schulze, die am 29. 11. 1776 in Nordhausen geboren war und am 4. 3. 1848 in Windehausen am Nervenschlag verstarb. Sie hinterließ ihren Gatten, drei Töchter, zwei Söhne und zwei Enkel verstorbener Töchter. Soviel wissen wie:



Christiane, die älteste, heiratete den Prediger Karl Friedrich August Müller. Zwei Kinder, Sydonie und Hermine werden genannt. Nach dem frühen Tod der Christiane heiratete Müller am 25. 1. 1834 die Schwester Therese Auguste, die am 21. 3. 1809 in Windehausen geboren ist; er hat mit ihr auch noch Kinder.

Caroline heiratet mit 23 Jahren am 8. 10. 1833 in Windehausen den Doktor und späteren Sanitätsrat Ferdinand Grützmann in Heringen.

Die vierte ist Henriette Sophie Emilie; sie heiratet am 20. 10. 1843 den Kaufmann und Fabrikanten Gustav Schmidt aus Meerane in Sachsen. Sie hatten einen Sohn, den Gustav. Er war das Schmerzenskind der Familie. Er ging nach Amerika und wurde dort auch Kaufmann. Christian Friedrich Steiger, sein Opa, hing sehr an ihm und begleitet ihn lebenslänglich mit seinem Gebet.

Die fünfte Tochter war Julie Emilie. Sie heiratete am 7.2. 1837 den Prediger Theodor Oertel aus Großwelsbach bei Langensalza. Sie haben drei Töchter und einen Sohn. Eine Tochter heißt Ilse, eine Agathe, die einen Forstmeister Gümpel im Elsass heiratete und eine ist Frau Büchner mit fünf Kindern in Erfurt.

Das sechste Kind war Eduard Steiger, an den die Briefe seines Vaters mit den vielen Namen und Verbindungen, gerichtet sind. Er heiratete eine Kleemann. Über die Kleemanns sind wir mit Heinrich Anderten verwandt, geboren 1250 in Davenstede bei Hannover, gestorben 1317, verheiratet mit einer Alhedis. Über die Dompröpste von Zeitz sind wir übrigens mit Martin Luther verwandt. (Darüber auch in „Fröhlich unterwegs“)

Das siebente Kind war Friedrich Carl Steiger. Er wurde Vikar in Klettstedt bei Langensalza. Er heiratete im Alter von fast 27 Jahren am 28. 7. 1840 in Halle eine Anna Emma Knauth, genannt Franz. Sie galt als eine Schwester des berühmten Komponisten Robert Franz. In Windehausen im Kirchenbuch steht nur, dass ihr Vater Spediteur in Halle und die Mutter eine geborene Schultesius gewesen ist. Mein Großvater Max, den ich nie kennengelernt habe und der 1936 bei einem Autounfall bei Friedrichroda umkam, erzählte, nach Aussagen meines Vaters, gerne von seinen Eindrücken im Windehausener Pfarrhaus: „Der Opa, also Christian Friedrich Steiger, hatte alle seine Kinder zum Mittag eingeladen. Nach dem Mittagessen gab es noch einen Kaffee und sie waren fröhlich miteinander. Opa hatte sich inzwischen zurückgezogen, um im Ohrensessel seine geliebte Pfeife zu rauchen. Eines der Kinder sagte nach einer gewissen Zeit, der Opa sehe so merkwürdig aus und nun mussten sie feststellen, er war bereits tot. Er war gestorben im Alter von 88 Jahren, 8 Monaten und 23 Tagen. Das war am 24. 2. 1869.

Friedrich Carl Steiger war der dritte in der Steiger-Dynastie zu Windehausen. Auch er wurde der Nachfolger seines Vaters. Vorher war er Pfarrer in Obergebra gewesen. Er übernahm die Pfarrstelle am 1. 5. 1862 und starb im Januar 1870 im 62. Lebensjahr. Er war beliebt, ein tüchtiger Prediger; er hatte von seinem Vater die Baumschule übernommen und machte eine großartige und einträchtige Anlage aus ihr. Von den Freimaurern wurde ihm, wie seinem Vater, das Amt des Logenmeisters übertragen. Sein Sohn Carl, von dem in den Briefen des Christian Friedrich Steiger an seinen Sohn Eduard oft die Rede ist, war Reichsbankbeamter in Berlin. Er heiratete die Alwine aus Windehausen. Die Kinder sterben alle klein. Eine Tochter heiratete einen Schuldirektor in Schlotheim; sie hatte mehrere Töchter. Eine Johanne Therese Marianne heiratete einen Albert Vehsemeier, einen königlichen Regierungsgeometer zu Erfurt am 29. 7. 1862 mit 19 Jahren.

Ich erwähne das hier nur, weil immer wieder in den Briefen des Christian Friedrich Steiger Namen auftauchen, mit denen wir nichts anfangen können und so wissen wir wenigstens, wer wozu gehört. Aber nun zu Eduard Steiger. Er wurde am 26. 3. 1815 in Windehausen geboren, getauft am 28. 3. Er wurde ein tüchtiger Landwirt; konnte aber nie einen eigenen Hof erwerben. Er war immer Pächter. Er war Oberamtmann in Sonneborn bei Gotha. Er heiratete Auguste Wilhelmine Johanna Kleemann, die am 18. 12. 1823 in Ebeleben geboren worden war. Die Trauung war am 26. 3. 1856. Zu der Zeit war er Pächter in Werningerode (Nicht zu verwechseln mit Wernigerode).



Sie werden in den Briefen seines Vaters an ihn viel über die Verwandtschaft erfahren und das auch alles einordnen können. Er trauert um seine bereits verstorbenen Kinder, die Christiane, die mit dem reichen Grützmann verheiratet war. Der Sohn Fritz Grützmann war nach dem frühen Tod seiner Mutter oft im Pfarrhaus Windehausen zu Gast.

Eine besondere Rolle spielt der Pastor Müller. Nach dem Tod von Caroline heiratet er die Auguste, die bis dahin dem Vater in Windehausen den Haushalt geführt hatte. Er galt als guter Mensch, dieser Müller. Aber er war ein Unglücksrabe. Er kam nie aus den Schulden heraus. Seine Unglücksstreiche sind zahlreich. Sein Pferd brach sich ein Bein. Er brauchte ein neues Pferd. Ein anderes Mal stürzte er auf einer vereisten Straße. Er musste lange liegen. Dann musste er sein Pferd und das Geschirr verkaufen. Er hatte sich aber noch eine Fahrt nach Windehausen ausbedungen. Dort gibt es einen schlimmen Wirbel. Die Hausfrau Emma I liegt krank auf dem Sofa. Der Fahrer wird in der Nachbarschaft untergebracht. Müller nimmt dessen Ranzen mit auf den Saal des Pfarrhauses. Später kommt der Mann und behauptet, er habe 75 Taler darin gehabt. Jetzt seien es nur noch 35. Der Junge oder die Magd müssten es genommen haben. Als die Magd gefragt wird, schreit sie wie rasend und läuft davon. Später bestätigt sich der Verdacht, dass der Fahrer nur seine Fahrt bezahlt haben wollte. Eben wie immer: Pechvogel Müller.

Sophie, die den Kaufmann Schmidt in Meerane geheiratet hatte, stirbt früh. Sie hatte wenig Glück. Sie hatte zwei Söhne. Gustav war Opas Sorgenkind und Hermann, den er als faul bezeichnete, der es aber ein Jahr bei Onkel Eduard in Balgstädt ausgehalten hatte, beziehungsweise den Eduard ein Jahr ertragen hat. Gustav hält die Verwandtschaft in Atem. Er läuft jeder Schürze nach. Er reist viel. Er erwirbt auch das Majorspatent in Köln. Zuletzt war er in Dresden, vorher in Köln und Aachen. Sein Vater schiebt ihn in die USA ab. Er wird mir sieben neuen Anzügen ausgerüstet; bekommt dreihundert Taler und eine Schiffskarte, 2. Klasse für zweihundert Taler. Die 2. Kajüte findet mehrfach Erwähnung und hat den Opa besonders getröstet. Er hört nicht auf, für den „Verlorenen Sohn“ zu beten. Er bedenkt ihn ebenfalls in seinem Testament. Gustav ist Spediteur in New York geworden.

Julie, die den Pfarrer Oertel in Großwelsbach geheiratet hatte, hatte ein besonders einnehmendes Wesen und überzog unbedenklich ihren Erbanteil. Als ihr Mann früh gestorben war, lebte sie in Erfurt bei ihrer Tochter Büchner, deren Mann eine Gärtnerei und einen Samenhandel betrieb.

Mit seinem Sohn Carl, also Pastor Steiger III in Windehausen, ist der Opa nicht immer zufrieden. Auch davon ist in seinen Briefen an dessen Bruder Eduard zu lesen; aber letztlich hat er sich mit ihm versöhnt. Carl stirbt schon ein Jahr nach seinem Vater. Ob seine Frau, die Christian Friedrich nur „die Dicke“ und „Sie“ nennt, daran Schuld war? Wer weiß es? Christian Friedrich Steiger hält auch viel von seinem Sohn Carl. Aber der Eduard scheint charakterlich und auch sonst seiner verstorbenen Frau sehr ähnlich gewesen zu sein.

Über Carls Kinder spricht Opa Christian Friedrich immer gut. Da ist die Nanny mit ihrem Katasterkontrolleur Vehsemeier; oft ist sie in Windehausen. Da ist die Emma II, die spät nach langer Verlobungszeit nach Schlotheim heiratet und zwar den Kaufmann und Brauereipächter Kühn. Von der Hochzeit schreibt er ausführlich. Er nennt eine Liste der Präsente, eine silberne massive Zuckerdose aus dem Hause des inzwischen verarmten und taub gewordenen Komponisten Robert Franz, dessen Tochter oft in Windehausen weilt. Die Hochzeit wurde am 9. 6. 1868 gefeiert. Die Burschen und Mädchen bringen eine Musik.

So war ständig Betrieb im Pfarrhaus von Windehausen. Aber es gab auch immer Geldknappheit. Damit und mit den Klagen und ordentlichen Verrechnungen sind die Briefe gefüllt. Natürlich auch mit Krankheiten und den täglichen kleinen und großen Sorgen, mit dem Ärger über den Kantor und Lehrer, der sich unordentlich verhält und vor allem mit der Landwirtschaft, dem Wetter und der Frage, wie alles gewachsen sei.

Als Christian Friedrich Steiger II, Ritter des Roten Adlerordens, 1866 in den Ruhestand geht und sein Sohn Carl vom Grafen zu Stollberg Roßla zu seinem Nachfolger berufen wird, übergibt er diesem die komplette Pfarrwirtschaft. Das hat damals alles dazugehört. Bedenke, lieber Leser, es gab keine Kirchensteuer, die Pfarrer mussten von ihrem Land leben und so waren sie selbst oft Bauern oder Gärtner.

Verzeichnis derjenigen Stücke lebenden und toten Inventars an Vieh, Acker, Hausgerät, an vorrätigem Heu und Stroh, welche sein Sohn Carl Steiger beim Amtsantritt gegen entworfene und genehmigte Taxe übernommen hat:

Ein Pferd und drei Kühe: ............................................ 200 Taler

Eine alte Sau................................................................................12

Zwei desgleichen junge .............................................................20

Eine Ziege .....................................................................................3

Zwanzig Hühner, zwei Hähne ...................................................4

Ein Ackerwagen .........................................................................25

2 Pflüge, Egge, Walze................................................................10

Verschiedene Ketten ...................................................................4

Ein Schlitten..................................................................................5

Ein Hamburger Wagen .............................................................25

Eine Schütt- und eine Schiebkarre ............................................2

Gartenuntensilien.........................................................................5

Scheitholz, incl. Fuhrlohn.........................................................24

Altes Wellholz...............................................................................6

Gerüststangen...............................................................................2

Tannentragen ...............................................................................3

Zwei Stück Randholz...................................................................2

Alles Kleeheu und Grummet ...................................................10

Alles Stroh...................................................................................12

Ein Federbett des Knechts .........................................................8

Eine Bettstelle der Magd nebst Schirm.....................................6

Eine Bettstelle...............................................................................1

Ein Kleiderschrank ....................................................................10

Ein Eckschrank im Hause.......................................................... 5

Dreißig Pfund Speck, Schinken, Wurst .................................. 11

Butterleier u. M. ........................................................................... 2

Zwei Tragkörbe......................................................................0, 20

Vier Kuchenbleche...................................................................... 2

Vier Kuchenschüsseln, Käsebretter vier Gelten ...............2, 05

Nachtrag:

Ein Waffeleisen ......................................................................1, 10

Zwei Zinnkaffeekannen.............................................................. 1

Sechs Teller.............................................................................0, 15

Sechs Zinnteller............................................................................ 2

Ein Spiegel .................................................................................... 3

Sechs Ferkel............................................................................5, 21

Kuh und Halfterketten..........................................................1, 22

Ackergeschirr................................................................................ 2

Kuhgeschirr .................................................................................. 5

Axt, Beil...................................................................................0, 20

Drei Leitern .................................................................................. 1

Vorräte an Sämereien ................................................................ 10

Zehn Zentner Zuckerrunkeln.................................................. 40

An baren Auslagen:

Kleesaat ........................................................................................ 2

Holz zu machen .....................................................................5, 20

An Förster Gerlach............................................................... 1, 10

Frachtauslage für Wein .........................................................3, 19

Ferner: Stühle, Sofa, Tische, Tafeln, Bänke, Säcke, Planen, Gewichte, Waschrolle, Waschmaschine, Siebe, Sensen, Planen, Obstlagen, Küchengeräte, Flachs und Flachsgeräte. Das alles wird genannt. Darunter auch für allein hundert Taler das Gewächs- und Bienenhaus mit veredelten Pflanzen und Stecklingen.

Darunter steht: Die ganze Summe des Inventars beträgt 766 Taler; 116 Taler sind erlassen. Bezahlt wurden 650 Taler. Nach unserer vom Konsistorium genehmigten Auseinandersetzung bezahlt mein Sohn für die Ernte 300 Taler. Für die Melientien zahlt er 84, 18 Taler. Melientien, das ist der Mehrwert und meint die weitere Bewirtschaftung bis zum Sommer. Die Hauptfrucht war Roggen, für den er 118 Taler als Ertrag verrechnet. Weizen brachte 42 Taler, Gerste 72 Taler, Hafer 84 Taler, fünf Fuder Heu und vier Fuder Grummet brachte 72 Taler, Bohnen 32 Taler, Erbsen 24 Taler, Runkeln 15 Taler, Kartoffeln 15 Taler, Runkelpflanzen 7 Taler, Runkelssamen 50 Taler. Das waren insgesamt 531 Taler, die er auf 384 Taler ermäßigte. Wobei er versichert, das sei das geringste Angebot, sonst hätte er es besser auf dem Halm stehen lassen.

Wir wollen, um manche Einzelheit in den Briefen des Christian Friedrich Steiger an seinen Sohn Eduard besser verstehen zu können, hier noch die Worte des scheidenden Vaters an seine Kinder bringen:

„Mein Vater hatte mit meiner Mutter ca. 5000 Taler bekommen. Als er zur zweiten Heirat schritt, legte er jedes seiner Kinder mit 800 Talern ab und vermachte meiner Stiefmutter, wenn ich nicht irre 2500 Taler. Ob mit Recht oder Unrecht, darüber möchte ich mir als Kind kein Urteil erlauben. Meine Stiefmutter war keine Wirtin. Mein Bruder und ich, wir studierten und als mein Vater starb, war der größte Teil der 5000 Taler absolviert.

Bei der Auseinandersetzung wollte ich und mein Bruder keinen Eklat machen und dem Publico ein schiefes Urteil über den seligen Vater nicht gestatten und verzichteten auf unseren Erbteil, obgleich wir vor allem Anspruch auf die uns ausgeworfenen Raten machen konnten, so dass unser Herr Schwager, der Rat Oberländer, sich seine 800 Taler auszahlen ließ, obgleich dieser Schleicher recht wohl wusste, wie die Verhältnisse standen. Wir verzichteten aber nicht nur auf unseren Erbteil, sondern opferten sogar die von der Tante hier ererbten 300 Taler, um der Stiefmutter und dem Oberländer das Maul zu stopfen. Das würden wir nicht gekonnt haben, hätten wir nicht von einer Tante in Harzgerode geerbt. Nur dadurch war es uns möglich, auf unseren Erbanteil zu verzichten. Mir blieb so viel, dass ich hier die Wirtschaft übernehmen konnte. Ich heiratete. Leider war meine Frau keine Wirtschaftsverständige und bei ihrer Freundlichkeit und Zuvorkommenheit riss der Besuch nicht ab. Die Wirtschaft wurde vernachlässigt. Ich sah meinem Ruin entgegen und fürchtete schon, das Schicksal mancher Amtsbrüder teilen und Schulden machen zu müssen und so entschloss ich mich, das Pfarrland zu verpachten und das war zu meinem und zu eurem Glücke.

In den damaligen Jahren war ich sehr kränklich und fürchtete meinen frühen Tod und dachte darauf, wie ich Frau und Kindern wenigstens ein Obdach verschaffen möchte. Im Jahre 1812 erlangte ich von der Gemeinde, dass sie mir den Sumpf von der Mühle bis ziemlich an die Schmiede für ca. 40 Taler als Eigentum überließ. Der Sumpf wurde mit 4000 Fudern Erde ausgefüllt. Das Grundstück wurde eingefriedet. Das kostete mich 300 Taler. Aber so war Grund und Boden zum Hausbau beschafft.

Um den schönen neuen Platz zu bepflanzen, musste ich nach Ballenstedt und sah hier, wie man einen solchen Boden durch Baumzucht verwerten könnte. Ich nahm zugleich hundert Wildlinge, säte Obstkerne, die flätig, also sehr gut aufgingen. 1813, etwa drei Wochen vor Johanni, bepflanzte ich einen großen Teil des Gartens. In dem lockeren schönen Boden wuchsen die Wildlinge bis zwei und drei Fuß hoch. Im darauffolgenden Sommer fing ich an zu veredeln, hatte aber wenig Glück damit. Doch das störte mich nicht. Ich bin oft sehr früh an die Arbeit gegangen, weil manches Bäumchen zwei-bis dreimal veredelt werden musste. Die Bäumchen wuchsen vortrefflich und 1817, zum Fest des Reformationsjubiläums, konnte ich schon so viele Bäume an die Bauern abgeben, dass der Lutherplatz und der Gemeinderasen am „Kalten Graben“ bepflanzt werden konnte. Auf beiden Plätzen war jedem Hausbesitzer erlaubt, drei Stellen zu bepflanzen.

Meine erste Einnahme belief sich auf 130 Taler und so hab ich nach und nach so viel aus meiner Baumschule gelöst, dass Grund und Boden sich bezahlt machten und das Kapital zum Hausbau noch übrig blieb. Dadurch hat sich dieses Grundstück durch meine saure Arbeit gleichsam selbst erschaffen“.

Mit König, Berbisleben, legte er eine zweite Baumschule an, denn das Nachpflanzen wollte nicht gedeihen. Damals kannte er noch nicht das Rigolen; in 40 -70 Zentimeter Tiefe wurde der Kulturboden aufgelockert und die obersten und untersten Bodenanteile wurden umgeschichtet. Wörtlich: „Das war aber ein saures Stück Arbeit. Oft bin ich früh um sieben Uhr, wenn ich von vier Uhr an meine amtlichen und sonstigen Arbeiten erledigt hatte, hinüber gegangen und habe den ganzen Tag veredelt und beschnitten, so dass ich mir oft nicht einmal die Zeit nahm, um die Suppe, die mir Caroline brachte, zu verschlingen und wenn ich am Abend um sieben Uhr nach Hause kam, war ich oft auf äußerste erschöpft“. (Danach wurde ein Acker am Dorf gepachtet und wieder eine Baumschule angelegt).

Mein Sohn Eduard war stellungslos. Er kam zurück und nahm sich der Baumschule mit Eifer und Liebe an und erleichterte mir dadurch die saure Arbeit. Meine Frau starb 1848. Meine Auguste nahm sich der Wirtschaft an. Die Besuche nahmen bedeutend ab, weil hierbei nicht so vorgegangen wurde wie früher. Wir lebten einfach und zurückgezogen. Um meinem Sohn Eduard ein zwar knappes, aber doch notdürftiges Unterkommen zu sichern, suchte ich unter großen Schwierigkeiten und vielen Verdruss, die letzte Baumschule auf dem Heringer Domänenlande, dem sogenannten Kirchhofe, anzulegen. Eduard arbeitete unverdrossen und legte nebenbei den Samenhandel an, bis er endlich in Werningerode pachtete.

Trotz aller Mühe und Arbeit, die er auf die Baumschule und den Samenhandel verwendete, habe ich ihm auch nicht die geringste Entschädigung geboten und er selbst war zu bescheiden, um solche zu verlangen und ich habe mir im Stillen oft Vorwürfe darüber gemacht.

Meine Tochter Auguste hat mir nach dem Tod ihrer Mutter die Wirtschaft treu und zu meiner Zufriedenheit geführt. Sie hat auch manche Ersparnisse eingeführt und dadurch den häufigen und oft lästigen Besuchen ein Ende gemacht. Ich erlaubte ihr Käse, Bier und dergleichen, was in der Wirtschaft nicht gebraucht wurde, zu ihrem Nutzen zu verkaufen. Auch hielt ich ihr in den letzten Jahren eine Sau, deren Erlös sie bekam, um auf diese Weise ein kleines Kapital zu sammeln, so dass sie mit dem, was sie nach meinem Tod bekommen wird, ohne Sorgen bei ihrer bekannten Sparsamkeit würde leben können.“ (Auguste heiratete aber den Pastor Müller nach dem Tode ihrer Schwester, das Testament fährt fort:)

„Alles, was ich hinterlasse, ist sauer verdient. Auch die Präsente, die ich von der Loge, vom landwirtschaftlichen Verein und von einer Vormundschaft erhalten habe.“ Dann nimmt er Auguste in Schutz; sie hätte so viel aus dem Windehausener Pfarrhaus weggeschleppt. „Man darf nicht vergessen, dass sie kein neues Mobiliar, nicht einmal neue Betten bekommen hat und es möchte wohl ein Irrtum sein, wenn man meint, es hätten hier sechzehn vollständige Betten aufgeschlagen gestanden. Dazu hätte es ja auch an Raum gefehlt.

Vertragt euch in Liebe und Güte. Seid zufrieden mit dem, was ich mit saurem Schweiß verdient habe. Beschimpft mich nicht in der Erde und sorgt dafür, dass mein guter Name nicht geschändet wird, wie auch ich dafür gesorgt habe, dass kein schiefes Urteil über meinen Vater gefällt werden konnte.

Gott möge mit euch allen sein. Das wünscht Euch von Herzen Euer Vater Steiger.

Wir lesen viel aus den alten Briefen heraus. Da aber manches unverständlich und wohl auch dem Alter von Christian Friedrich Steiger geschuldet, bringe ich hier noch einige Anmerkungen, damit wir die Briefe besser verstehen. Ich habe mich ziemlich durch sie hindurchgequält. Ich hatte zwar mir der Dorfchronistin Inge Albrecht aus Badrina eine Übersetzerin; aber die hat auch nicht alles lesen können. Hilfreich war … die mir Bruder Martin besorgte und die mir einige Briefe am Anfang und Ende genauer übersetzte.

So bleibt hier die Zusammenfassung unseres Vaters Herbert Steiger, die ich aus „Fröhlich unterwegs“ aufgenommen habe, um hier dem besseren Verständnis Vorschub zu leisten. (Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2007)

Als Schwiegertochter Auguste ihn besucht, ist er des Lobes voll. „Deine schönen Pferde haben hier aufsehen gemacht! Und Dein Kutscher hat dich aus dem Busche heraus gelobt und die 120 Morgen Weizen, so wie die Zuckerrüben und die ganze Wirtschaft gerühmt. Die kleine Marie ist gesetzter geworden und soll der Oma in Windehausen ähneln, während der dicke Max ganz der Papa in Ebeleben sei. Gleich einem Eichhörnchen sei er auf die höchsten Kirschbäume geklettert. Er hat aber auch den 90. Psalm mit Verstand und ausdrucksvoll, ohne jeden Anstoß deklamiert, was dem Opa in Windehausen große Freude gemacht hat. Er schickt den Kindern den „Robinson“ zum Lesen, denn Gustav Freitag „Ahnen“ wären doch zu früh. Er schickt ihnen auch gern Bonbons. Zu Martini bekommt jedes Kind ein Licht und Vater Eduard soll ihnen vom Reformator erzählen. Er interessiert sich für die Wollpreise, für die Weizen – und Rübenernte. Er freut sich, wenn die vierteljährlichen Zinsen kommen und versucht immer wieder, ohne Wissen von Carl, dieses Geld unter irgendeinem Vorwand zurückzuschicken.

Er freut sich über die Sendungen an Weintrauben und Most, Rotwein und Champagner. Nach einer schweren Krankheit schreibt er, er habe sich erst erholt, als er ohne Wissen des Arztes statt an Selter sich an Rotwein gehalten habe. „Und schon ging es aufwärts!“ „Herr von Biela ist einer von denen, die im Schlafe reich werden. Aber das gefällt mir nicht, dass er den Esel für Deinen Max sich hat mit sieben Talern bezahlen lassen“. Bei einem Unwetter heißt es: „Ich bin darüber in meinem Gott vergnügt, danke ihm aus der Fülle meines Herzens, dass er Dich vor Hagel geschützt hat!“

Ein andermal heißt es: „Du hast eine Betschwester bekommen. Da bedaure ich Dich und Deine Kinder. Das Beten ist recht gut und nötig, wo es hingehört. Wenn aber Kinder, die noch keinen Begriff von der Sache haben, zu viel beten müssen, werden sie gleichgültig und sprechen Worte ohne Sinn. Es ist recht gut, wenn ein religiöser Sinn in dem zarten Gemüt der Kinder geweckt wird. Nur kein Muckertum! Noch weniger ein Richteramt, das den einen zum Himmel und den anderen zur Hölle wirft. Das Richteramt gehört dem, der Herz und Nieren prüft, nicht den schwachen Menschen. Solche Dinge würde ich untersagen. Mucker sind die schlechtesten Menschen. (Das geht gegen eine Gouvernante in Balgstädt).

Am 20. 10. 1866 wird die Eisenbahn über Heringen in Betrieb genommen. Zu diesem Ereignis lässt er sich hinfahren und wir lesen: „Ich sah hier zum ersten Mal die ganze Umgestaltung der Gegend und die Einrichtung“. Als der Zug am Abend erwartet wurde, sammelte sich die Noblesse von Heringen, unter anderem der Bürgermeister und Freund Olearius. Als es 1866 zum Krieg mit Österreich kommt, nimmt er für Preußen und Bismarck Partei. Preußen habe 50 Millionen im Staatsschatz; es könne jede Woche 100 000 Taler neu prägen. Was habe Österreich? Papier! Nichts als Papier! Allerdings koste die Mobilmachung 20 Millionen und täglich eine halbe dazu. Er liest nämlich den Nordhäuser Kurier.

Er bangt um seinen Enkel Carl Junior. Der Bankbeamte ist als Unteroffizier eingezogen. Als in Böhmen gerade seine Regimenter aufgerieben wurden, klagte die dicke Emma Stein und Bein. Aber Carl ist nur leicht verwundet und versprengt. Er kommt ganz gesund wieder nach Hause. Bei der Siegesfeier in Nordhausen geht es hoch her, denn der Carl ist „unter der Nase gut zu Fuß“, das heißt, er verträgt allerhand. Nur Urbach, Sachswerfen und Ilfeld haben Trauer, diese hannoverschen Gebiete werden preußisch. In Langensalza liegen noch viele Hannoveraner im Lazarett und in Merxleben findet ein Bauer einen Toten im Getreidefeld, der ein goldenen Uhr und 50 Dukaten hat. Ein Jahr später wird in Langensalza der Sieg gefeiert. Ganze Kisten mit Blumen und Kränzen sind von Hannover geschickt worden. Das war vergebliches Blut, das der blinde Wolf vergossen hat.

So nimmt er auch an dem Tagesgeschehen lebhaften Anteil. Er umsorgt alle Kinder und Enkel. Als das Gewächshaus zerfällt, trauert er um die schöne Kakteensammlung. Es sind über 200 Stück. Einen Teil gibt er Fritz Grützmann, aber das meiste übernimmt Eduard nach Balgstädt. Das Stück zu vier Silbergroschen. Was schreibt er sonst noch in seinen Briefen?

Hausklatsch, Besuche, Skandale, wie Ärger mit dem Kantor, der sich an kleinen Mädchen vergeht und der schließlich ins Gefängnis kommt. Oder er erzählt von einem Brand im Pferdestall, von einem Unglück beim Bahnbau, ferner von Wetter und Ernte, Krankheiten bei Mensch und Vieh. Als er Eduard zum Geburtstag gratuliert, meint er: „Ich hätte wohl mögen ein Mäuschen sein. Deine Lieblinge in Reih und Glied aufgereiht. Jedes sagt seine Wünsche und die kleine Ellla besonders niedlich“. Bei dieser Gelegenheit blickst du behaglich auf Deine vorgerückten Jahre! Nun, die Natur wird doch bei Dir keine Ausnahme machen. Die Steigers haben harte Köpfe. Dein Urgroßvater in Schönstedt war ein hoher Siebziger. Er würde sein Leben höher gebracht haben, wenn der 7-jährige Krieg in seiner Nähe nicht nachteilig auf ihn eingewirkt hätte. Dein Großvater war auch noch hoch in die Siebzig und hätte noch länger leben können, wenn die Franzosen nicht seinem Leben 1806 ein Ende gemacht hätten. Ein Bruder, der Advokat in Heringen war, war auch ein Siebziger und Deine Tante hier war 80 Jahre und ihre Schwester, die Ludwig in Schönstedt 81 … und ich!!!

In der Familienbibel stehen alle Kinder:

Am 13. 7. 1857 früh um halb 9 Uhr wurde mir von meiner Frau Auguste, geborene Kleemann, ein Töchterchen geboren, welches am 12. 8. in der Taufe die Namen Friederike, Luise, Auguste, Marie empfing. Taufzeugen waren Pastor Christian Friedrich, sein Vater; Frau Amtsrätin Auguste Kleemann, seine Schwiegermutter Forsträtin Luise Drechsler und Herr Amtsrat Wilhelm Kleemann, mein Schwiegervater. So geschrieben am Tauftage zu Crimderode in der Administrationswohnung des Drechslerschen Rittergutes.

Am 19. 12. abends halb zehn Uhr 1858 wurde mir die zweite Tochter geboren. Sie empfing am 18. 1. 1859 in der heiligen Taufe den Namen Auguste Emma Luise. Taufzeugen waren Kaufmann Becker aus Nordhausen und meine Schwägerin, geborene Franz aus Obergebra.

Am 12. 2. abends halb neun Uhr 1860 wurde mir ein Sohn geboren. Derselbe empfing am 17. 3. in meiner Wohnung zu Sondershausen die Namen Otto, Hermann, Max. Taufzeugen waren der Amtmann Otto Kleemann, Thalgebra, Fräulein Hermine Kleemann, Ebeleben und Fräulein Marie Scheppig, Sondershausen. In Crimderode steht noch immer eine schöne Rotbuche im Park des ehemaligen Gutes, von der behauptet wurde, dass sie mein Urgroßvater Eduard gepflanzt habe. Zumindest hat er viele Veredelungen davon verbreitet, denn das hatte er ja in Windehausen gelernt. Er hatte die Wirtschaft nur zwei Jahre und wohnte eine Zeit in Sondershausen. Er pachtete dann das Rittergut von Sperling in Werningerode, das sehr heruntergewirtschaftet war. Er machte eine Märgelgrube auf und brachte wieder Leben in den Boden, was den Opa, also meinen Ururopa dazu veranlasste, ihm den Spruch zu schreiben: „Kalk macht reiche Väter, aber arme Söhne!“ Aber Eduard kaufte auch fleißig Superphosphat dazu. Damals war die künstliche Düngung noch etwas Neues. Die Nachbarn wunderten sich über seine guten Ernten.

In der Familienbibel von Eduard Steiger stehen auch die folgenden Kinder:

Am 21. 12. 1861 wurde meine Frau abends gegen neun Uhr von zwei kleinen Mädchen entbunden, die am 2. 1. 1862 in der Wohnstube der Pächterwohnung zu Balgstädt getauft wurden. Zur Älteren waren Zeugen meine Schwägerin Frau Oberamtmann Luise Riemann, Großmehlra, mein Schwager, Herr Amtmann Otto Apel, Hohenebra und es erhielt der Täufling den Namen Luise, Ottilie, Rosa. Zur Jüngeren waren Zeugen Fräulein Marie Uhde dahier, mein Schwager Herr Ökonom Alfred Kleemann, Ebeleben und erhielt in der heiligen Taufe die Namen Albine Marie Clara.

Am 18. 3. 1863 früh um halb sechs Uhr genas meine Frau eines gesunden kräftigen kleinen Mädchens, welches am 19. 4. in der heiligen Taufe den Namen empfing: Wilhelmine Auguste Elwine und zwar in dem vierten Zimmer der Schlosswohnung in Balgstädt; bekannt war sie in der Familie als die Tante Ella. Die Taufzeugen waren: Wilhelm Kleemann, Regierungsassessor zu Liegnitz. Da er aber erst wenige Tage zuvor abgegangen, vertrat ich (Eduard) ihn selbst, und meine Nichte Emma Büchner, geborene Oertel aus Erfurt. Dazu Oberamtmann H. Siegel auf Schloss Freyburg.

Am 5. 8. 1865. sechs Uhr früh, genas meine Frau eines gesunden kräftigen Mädchens, welche am 8. 9. in dem vierten Zimmer getauft wurde und die Namen Johanna Auguste Sophie empfing. Taufzeugen waren Herr von Biela auf Zscheiplitz, Frau Amtmann Amalie Kleemann, geborene Gatterstedt und Herr Amtmann Karl Kleemann, Ottenhausen.

Am 13. 3. 1867 vormittags halb elf Uhr wurde mir die siebente Tochter geboren, welche am 2. Osterfeiertag, an dem 22. 4. in der heiligen Taufe die Namen Margarete Auguste Natalie empfing. Taufzeugen: Frau Amtmann Natalie Meyer, geborene Kleemann aus Altengottern, meine Schwägerin. Für selbige stand aber Fräulein Anna Uhde hier und Frau Pastor Auguste Müller, geborene Steiger aus Altengottern. Für dieselbe dann die Lehrerin Fräulein Wilhelmine Schmidt aus Liegnitz. Übrigens ist die Auguste noch nicht geboren, als das Familienfoto gemacht wurde; siehe Umschlag.

Ich, Friedemann Steiger, schrieb das alles so genau nach der Familienbibel, weil in den Briefen an Eduard die Namen fast alle genannt werden und man durch den Abstand der Jahre nicht weiß, wer was war. Gerade auch, weil sich die Vornamen wiederholen.

Was ist von Eduard Steiger noch zu sagen?

Er hat ja den Briefwechsel mit seinem Vater treu aufbewahrt, weil er ihm so nahe stand. Wie war sein Werdegang? Drei und ein halbes Jahr war er Ökonomielehrling bei E. V. Hopfgarten in Schlotheim. Wegen guten Betragens und beharrliches Fleißes war er als Ökonomieverwalter zu empfehlen. Im Jahr darauf ist er Gutsverwalter bei R. Gebser in Allstedt. Er wurde zum Militär einberufen und ging darum von dort weg. Er hat ein Jahr dienen müssen. Darüber gibt es aber keine Unterlagen. Danach hat er eine Zeit lang bei seinem Vater die Baumschule angelegt. 1859 hat er vom Landrat in Nordhausen ein Zeugnis darüber bekommen, dass er mehrere Jahre das Rittergut Werningerode mit sichtbarem Erfolg selbstständig bewirtschaftet hat und wegen seiner ökonomischen Kenntnisse wiederholt zum Sekretär des Landwirtschaftlichen Vereins gewählt wurde. Sein Schwiegervater, Wilhelm Kleemann, legte den Grund zu seinem Glück, indem er ihm 10 000 Taler zum Betrieb einer jetzt zu erwerbenden Gutspacht unverzinslich zur Verfügung stellt. Nach Ablauf der Pachtzeit in Balgstädt pachtete er in Sonneborn bei Gotha. Aber reich wurde er auch da nicht. Aber er hatte sieben Töchter und jede hatte einen Bruder; wie viele waren das? Danach wurde in der Familie immer scherzhaft gefragt.

Eine bedeutende Rolle spielte er in der Loge in Nordhausen. In der Geschichte der Logenmeister der Johannesloge in Nordhausen „Zur gekrönten Unschuld“ steht, dass Christian Friedrich Steiger 65 Jahre lang den Maurerschurz getragen habe. Auch als Prediger und Seelsorger in Windehausen habe er eine segensreiche Tätigkeit entfaltet, die ihm die Liebe und Verehrung der Gemeinde im vollsten Maße erwarb. Daneben fand er Zeit, sich als praktischer Landwirt zu betätigen. 1838 gründete er den landwirtschaftlichen Verein der Goldenen Aue. Er hat als erster in dieser Gegend richtig rationelle Obstbaumzucht betrieben. Hammerführender Logenmeister war er in den Jahren 1825 bis 1832. Zum Stiftungsfest 1831 waren seine Worte, dass der Freimaurer nicht alles bloß aus dem Ritual und dem Symbol der Freimaurerei schöpfen könne, sondern einen reinen vaterländischen Sinn in die Loge mitbringen und das dann geistig verarbeiten müsse, was in der Loge über Menschenverehrung im allgemeinen gelehrt werde.

Er erlebte die Freude, zwei Söhne dem Orden zuzuführen. Am 13. 9. 1848 seinen Amtsnachfolger Carl und sechs Jahre später Eduard, meinen Urgroßvater. 1854 feiert Christian Friedrich Steiger sein 50-jähriges Maurerjubiläum und 1864 auch noch sein 60. Maurerjubiläum, zu dem er eine Grußadresse des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, dem damaligen Kapitelmeister bekommt.

Von 1863 - 1870 ist Carl Logenmeister. Eine Rede zum Johannestag liegt gedruckt vor: „Wie hat der Maurer den Johannestag zu feiern?“ Die Antwort lautet: „Festlich geschmückt (also drei Rosen am Herzen), festlich gestimmt (Hochzeitsfreude im Herzen)und festlich geweiht (zu heiligen Tempeln des Neuen Bundes). Am 4. 1. 1870 ist er nach kurzem Krankenlager verstorben. Ein beschiedenes Denkmal sollte das Grab schmücken. Die Anbringung maurischer Embleme wurde vom gräflichen Konsistorium in Stolberg untersagt. Jesaja 57, 3: „Dauerhafter als Eisen und Stein ist doch die Bruderliebe.“ Die hat er innigst gepflegt. Noch heute steht sein Grabstein auf dem Friedhof in Windehausen.

Eduard Steiger war noch in den Graden der später gegründeten zweiten Stufe, der Andreasloge. Er wird aber daran nicht mehr groß teilgenommen haben.

So wollen wir uns nun den Briefen des Christian Friedrich Steiger an seinen Sohn Eduard zuwenden. Ich hoffe, dass meine ausführliche Hinführung das Verstehen etwas erleichtert. Aber ich sage gleich, alles haben wir nicht übersetzen können. Seine Schrift ist zu pitzelig, klein und abgekürzt. Man vergesse nicht: Er war bereits fast 80 Jahre alt, als er den ersten, uns überlieferten Brief an Eduard schrieb. 1866 ging er in den Ruhestand und 1868 starb er, mit 88 Jahren.

Aus allem aber spricht die große Liebe eines Vaters zu seinem Sohn, der wohl seiner vor langer Zeit verstorbenen Sophie sehr ähnlich gewesen sein muss. Eine Vermutung! Aber gerade in der letzten Phase seines Lebens ist die Verbindung zu diesem Sohn Eduard ein ihn tragendes Element.

Mein lieber Eduard!

Sehr sorgenvolle Tage habe ich erlebt um Deinetwegen, da Du bei Ramelbang, mit der ich so gar nicht gerechnet hatte, wie nun Deine Auguste durch Kemstedt sagen ließ, durchgehalten …, und ich nun glaubte, Du seiest wegen Gorsleben, der Dir nicht gefallen hatte, nach Naumburg gereist und ich glaubte, dass Du darauf nicht groß reflektieren würdest. Du nanntest mir in dieser Minute einen mir ganz unbekannten Ort, weshalb Du in Naumburg gewesen bist.

Nun mag er mir unbekannt sein, und den Namen aus Deinem Briefe nicht genau entziffern können, wenn nur diesmal deine Hoffnungen erfüllt werden, das wünsche ich von Grund meines Herzens und da wäre mir eine große Sorge abgenommen.

Teils habe ich auch in Hinsicht auf Auguste große Sorgen gehabt. Sie hatte sich damals in Nordhausen eine sehr hartnäckige Grippe zugezogen, welche in ein Nervenfieber überzugehen drohte. Sie hatte dabei ein heftiges Fieber, aber auch eine noch heftigeren Husten, dass ich fürchtete, sie würde sich etwas im Leibe zersprengen. Doch Gott sei Dank, seit gestern ist sie auf der Besserung. Seit zwölf Tagen hatte sie nicht einen Löffel Suppe gegessen – ihre Zunge war ganz belegt – doch dies hat sich gegeben und sie fängt an, etwa Suppe zu essen. Pauline Heidecke hat uns beigestanden.

Am Mittwoch, den 14. hatte ich ein sehr lieben und unerwarteten Besuch. Gegen 10 Uhr kam Büchner von Erfurt in die Stube. Er brachte uns die angenehme Nachricht, dass Therese Oertel verlobt sei. Schon acht Tage vorher hatte Emma Oertel an mich geschrieben und einen Rat erbeten. Es hätten sich zwei Bewerber ein gefunden: Ein G. Zimmermann, der Sohn eines Regierungsrates in Magdeburg, ein Baubeflissener und F. Ilse, der Sohn eines Oberförsters bei Erfurt, ein Forstkandidat. Letzterer hatte förmlich um Therese angehalten, der erstere schien mir mehr eine Ballbekanntschaft zu sein. Ich antwortete, wie in einem solchen Falle zu antworten war, und Büchner brachte mir die Nachricht, dass sie Herrn Ilse gewählt habe. Wie die Forstmänner in eine alte Predigerfamilie kommen, mag Gott wissen. Büchner, der mit ihm in die Schule gegangen ist und auch mit ihm gedient hat, gibt ihm ein ausgezeichnetes Lob. Er schildert ihn als einen sehr hübschen, soliden und ernsten Mann Er ist jetzt bei seinem Vater, den er unterstützt und wird ihm vielleicht nachfolgen.

Büchner ist ein ganz prächtiger Mensch. Er ist nehrmals hier gewesen, aber ich habe keine Gelegenheit gefunden, ihn so genau kennenzulernen als jetzt, da wir allein waren. Er ist in seiner Sache sehr unterrichtet und die Gutmütigkeit und Offenheit selbst. Nur schade, dass Auguste in der Kammer sehr fest darniederlag. Auch sie ist ganz glücklich über ihn und meinte auch, ob Emma seiner auch wert sei. Denke Dir, als er ausrücken muss, kauft er per 100 rg Schmuck für Emma. Er kommt zu Limpert, seinem Vertrauten, und fragt ihn um Rat, ob er sein jetzt schon disponobeles Vermögen von 7000 rg (Reichstaler) der Emma vermachen solle. Natürlich zollt Limpert ihm bei und die Sache wird zugleich von einem Notar aufgenommen. Das ist in der Tat viel! Den Donnerstag drauf ließ ich ihn nach Sondershausen fahren. Er wollte Dich aufsuchen, ist aber doch spät weggekommen, und da er gehört habe, Du seiest nicht zu Hause, hat er wahrscheinlich die Auguste nicht incommudiren wollen.

Im März soll die Hochzeit sein. Sein Vater hat ein sehr schönes Haus gekauft, in das er zieht und übergibt Büchner die Wirtschaft. Agnes ist ein verruchtes Weib. Sie hat ihrem Mann nicht eher Ruhe gelassen, bis er eingewilligt und Gustav und Herrmann in dieser Kälte nach Merane kommen lässt. Mir ist daher bange! –Wenn nur die Kälte nicht weiter steigt. Am Donnerstag Abend reisen die Kinder ab und der Vater holte sie in Halle ab. Das ist noch gut.

Die alte Frau von Biela ist, wie die Frau Grützner uns sagen ließ, gestorben. Wohl ihr! Wenn Du doch so gut wärst, der G. Unsere Teilnahme bezeigtest, denn unmöglich kann ich hinüber schicken.

Was die Katharinen-Pflaumen betrifft, so habe ich wohl einige für den Pflaumen-Garten gekauft, doch kenne ich sie nicht genau; vielleicht aber kennt sie Zitzing, da dieser auch Pflaumen hält. Du müsstest an ihn einmal schreiben. Tust du es, so schreibe ihm auch, dass die von ihm erhaltenen Cochinchina-Hühner schon Eier legen.

Donnerstag wollten wir schlachten. Gott gebe nur, dass Auguste dann wieder ganz wohl ist, denn mit Bertha ist nicht zu rechnen, da ihre kleine Nanny immer leidend ist. Gott gebe, dass die Hoffnung erfüllt wird.

Grüße die liebe Auguste und Dein kleines Mädchen. Kemstedt hat die Kleine im Bade getroffen. Sie ist ganz glücklich über das Kind.

Lebt alle recht wohl und behaltet lieb, Euren Vater Steiger.

Windehausen, am 20. Dezember 1859

Mein lieber Eduard!

Als ich gestern Deinen Brief erhielt, riss ich ihn sogleich auf in der Erwartung, eine frohe Nachricht darin zu finden. Aber leider wurde meine Erwartung getäuscht. Nun, Gott gebe, dass Du bald eine recht freudige Nachricht mitteilen kannst.

Als ich vor acht Tagen bei Bach und Frenkel war, teilte mir dieser, aber unter dem strengsten Siegel der Verschwiegenheit mit, dass K. Kühn aus Sollstedt bei ihm gewesen ist und ihm gesagt habe, dass er mit vollkommen ausgespannten Segeln auf Walkenried lossteure. Worauf Frenkel sogleich an Dich gedacht, und ihm gesagt habe, er möchte Dich doch bei S. Berücksichtigen; worauf er geäußert habe, er solle S. kein Anderer haben als Du. Ich erwiderte ihm darauf, dass K. wahrscheinlich ein Abtrittsquantum werde haben wollen, was aber Frenkel verneint. Er habe gesagt: es triebe ihm von S. weg, er könne dort nicht länger bleiben! Sein Verhältnis zu dem Baron mag nicht das Beste sein.

Das wäre nun alles recht gut. Freilich ein Abtritts-Geld verlangt er jedenfalls. Dazu kommt aber, dass die Pachtung für K. nur auf vier Jahre steht. Ohne Porlongation würde also gar nicht darauf einzugehen sein.

Ich möchte Dir das mitteilen, bitte aber keinen Gebrauch davon zu machen, denn Frenkel tut sehr geheim und machte sogar die Türe zu, dass nur Niemand etwas hören sollte.

Was nun die beiden Pachtungen in Meinigsch und bei Burg betrifft, so hast Du ja bei allen öffentlichen Verpachtungen unangenehme Erfahrungen gemacht und es hat Dir nirgends gelingen wollen. Die Sandgegend bei Burg würde vielleicht Dir am besten zusagen, da gerade hier mit Lupine und Serradella was zu machen ist und dort das Ammoniak-Wasser aus der Gasanstalt benutzt werden kann.

Was nun Anrode betrifft, so scheint der Umstand, dass Winz. Knorrs Vormund ist, sehr günstig. Hoffentlich hast Du nun besonders an diesen geschrieben! Ja, ich würde mich erkundigen, wenn es so wäre und damit Gelegenheit sich ergäbe, mich gelegentlich ihm dort vorzustellen. In diesen ernsten Zeiten ist ein solcher Platz der beste, wie ich nämlich Dir schon geschrieben habe, und unter 500 rh können sie Dir nicht wohl geben. Jede Pachtung ist ungewiss.

Es würde mir eine große Freude sein, wenn ich den Paul Zschische einmal bei mir sehen sollte. Er ist also noch der Alte. Den Block, von dem Du schreibst, muss ich kennen, ich kann mich aber nicht klar auf ihn besinnen.

Dass Zitzling Dir nicht geantwortet hat, wundert mich auch ich habe lange keine Nachricht von ihm. Herr Vogt hat an mich geschrieben und ich habe ihm geantwortet, dass Du seinen Auftrag an mich ausgerichtet hättest, dass ich ihn, da ich die Pflaumenbäume nicht hatte, eine andere Baumschule empfohlen. Du hättest aber keine Nachricht von diesem erhalten, wahrscheinlich, weil er die Bäume nicht gehabt hätte. Wahrscheinlich ist es doch der Vogt, der Dich so freundlich aufgenommen hat, ich habe ihm zugleich dafür gedankt.

Das ist ja ein schreckliches Schicksal, das der arme Apel erleben muss. Die Frau stirbt und er wird am Leben erhalten, um furchtbare Schmerzen zu erdulden. Von einer solchen Operation, wie Du sie beschreibst, habe ich ein erstes Mal gehört und begreife nicht, wie ein Mann von dreiundsiebzig Jahren solches überstehen kann. Gewiss stößt sie ihn zum Grabe,- doch ich habe Deinen Brief falsch verstanden. Der Apel in Hohenebes ist der alte Mann, der vom Faulfieber wieder hergestellt ist in Bellstedt ist der Unglückliche, der die Operation ausgestanden hat. Es ist furchtbar.

Auch hier ist ein junges Mädchen, das in Uthleben die Frau von Styla im Nervenfieber gewartet hat, an Typhus gestorben. Gott gebe, dass die Krankheit nicht weiter um sich greift.

Hast Du Dich nach Wallnussbäumen umgehört? Vergiss es nicht! Anliegende Zeilen gib doch recht bald ab. Hoffentlich wird die kleine Marie nun wieder völlig hergestellt sein! Das wünsche ich. Auch Auguste hat ihren Husten verloren. Sie hatte gestern Abend eine Spinnstube um 12 Personen. Meine Freude!!! Sie spinnt übrigens sehr fleißig.

Eben fällt mir ein, dass Carl mit v. W. Knorr schon öfter in angenehme Berührung gekommen ist und ihn als einen höchst liebenswürdigen Mann geschildert; vielleicht könnte auch dieser einwirken! Am besten wirkt freilich persönliche Bekanntschaft.-

Ist Dirs möglich, und erlauben es die Umstände, so sieh ja zu, dass Du den 7. in Nordhausen bist. Es würde mir die Sache sehr erleichtern. Du weißt ja, mit dem hochweisen Rieke ist nichts anzufangen, und Carl ist auch zu neu, dass ich ihn anstellen könnte. Der Präsident Seiffert hat sich zur Teilnahme gemeldet. Auch gut.

Der Konfirmandenunterricht wird mir jetzt sehr sauer. Ihre Zahl ist 36. Und ich muss jetzt die Sonntage Erholungstage nennen – ich fühle mich auf allemal ganz erschöpft. Nun lebt alle recht wohl. Gott gebe, dass Du mir bald eine recht frohe Nachricht geben kannst. Grüße und küsse Deine, liebe Auguste und Kinder.

Dein alter Vater Steiger

Windehausen, am 28. Januar 1860

Mein lieber Eduard!

Da ich mich nicht mündlich unterreden kann, muss ich es schriftlich tun; möchte ich glauben, was E. zu B. kürzlich gesagt hat: „Ja, mein Mann ist immer zurückgesetzt und Eduard wird vorgezogen.“ Das will ich nun nicht dem Wortlaut nach glauben, aber etwas könnte daran wohl sein. Woher das! Das liegt im Thermometer. Auf der einen Seite zeigt er schönes Gefühl, auf der anderen Seite Gleichgültigkeit.

Was meinen ungewöhnlich heftigen Husten betrifft, so scheint er mir heute im Abmarsch begriffen. So hinderte er mich nicht, am 22. die Konferenz zu leiten. Ich hatte bereits meinen Entwurf gemacht, instruierte Carl und unter dessen Leitung konnte Gaemse die Sache machen. Dass ich leider jedes Mal vor dem Eislebener Markt nicht kam, kann Zufall sein; aber der Magistrat hat den Antrag gern angenommen.

Da wir eine Eisenbahn bekommen, so hoffe ich dann, den Markt zu schaffen. Möchte doch die Bahn schon fertig sein!-

Noch heute komme ich nicht zur Loge kommen, so gern ich der Aufnahme des Dr. Noth beigewohnt hätte. Einer neuen Erkältung kann ich mich nicht aussetzen.

Gestern war Markttag, die Schule war geschlossen und Gustav benutzte die Gelegenheit und besuchte mich. So teilte mir die L. schonend mit, welchen Beruf er wählen solle. Er habe mir da gestanden, dass er zum Studieren keine Lust habe. Ich habe mit Gustav sachlich gesprochen und ihm das Beschwerliche und in diesem Teil Missliche der Landwirtschaft geschildert – er scheint aber Neigung dazu zu haben und meint, das Beschwerliche ließ sich wohl überwinden. Sollte sein Vater einwilligen, denn Kaufmann will er unter allen Umständen nicht werden, und ich selbst halte bei seiner Konstitution die Ökonomie passender für ihn, als eine sitzende Lebensart. So würde es am Besten fü Gustav sein, wenn du ihn unter Deine Leitung nimmst. Mir wäre ein Stein vom Herzen genommen, doch in Deinen Händen wüsste ich ihn gut aufgehoben.

Gesagt habe ich dem Gustav auch, dass in diesem Falle er Dich nicht als Onkel nehmen dürfte. Er sei dann ein völlig Fremder – was er auch recht gut verstand.

Als ich gestern zu Bette ging, trat die Sache lebendig vor meine Geist und habe sie von allen Seiten beleuchtet; ich weiß ja, dass der liebe Junge Dir sehr ans Herz gewachsen ist, wie mir, und das ist wirklich gut. Wir denken an Deine Mutter – meine immer unvergessliche Sophie. Er ist wie ein Abdruck von ihr.

Carl hat am Sonnabend die Schularbeit glücklich beendigt. Er hat bereits zwei Tage Holz aufstapeln lassen, und hat auch einen Tag damit zu tun. Eine ausgemachte Sache. Die ausgerodeten Quartiere sind mit starkern Hacken tief durchgehackt, so dass alle Wurzeln heraus gekommen sind und im Frühjar neu gegraben werden darf. Kommt die Eisenbahn, so ist das für Carl von unberechenbaren Nachteil und in einigen Jahren ist er im Schuss, um Massen abgeben zu können.

Was unseren lieben Müller betrifft, so spricht er, dass er durch Noths Hilfe von seiner Strangurie geheilt sei, ob aber auch von seiner Impotenz, davon schreibt er nichts. Noth, der so gut wie man weiß, in einer sehr schönen und sparsamen Küche unter Leitung seiner Kinder gelebt und dadurch kraftlos geworden, hat der Auguste ein Rezept verschrieben, das nicht in der Apotheke, wohl aber in der Küche präpariert wird. Er besteht zuerst in einer gesunden und kräftigen Nahrung und einer halben Flasche Wein täglich, wenn sein Geiz es zulässt, dass das Rezept präpariert wird.

Ich habe ihm Flaschen schicken lassen und geschrieben, dass ich ihm die Quelle verrate, aber nur auf eigene Kosten. Es ist eigentlich schädlich, da er kein Bedürfnis gefühlt und doch geheiratet und die arme Auguste. betrogen hat.

Der ist wieder auf Müllers-nur fahren wollen!(unvollständig) Wie sein Kind einst beim Kommen eine Ziege zuerst sahn und sogleich ausrief: „Häppel metnehm!“ … ebenso machte es nämlich der Kleine, als er ein Stück Torte auf dem Ofen stehen sahn: „Vater! mitnehm!“ Das Bitterste für Auguste ist, dass Aug. Müller zu Neujahr zurückkommt. Sie will zwar nur kurze Zeit bleiben und vielleicht angelt sie den Schollmeyer!

Gestern ist Carl in der Stadt gewesen (in der Loge), hat mit Silckradt gesprochen und aus allem geht hervor, dass Deine Sache in Nordhausen und ehemals in Berlin verpummelt gewesen; Silkradt habe auch hernach nach Berlin geschrieben und hoffe, bald Antwort zu erhalten, und so wird es doch vielleicht möglich, dass Deine Gegenwart hier nötig wird, vorausgesetzt, dass diese wegen Deinem guten Weibchen dort nicht notwendiger wird, was Du ihm schreiben musst.

Es ist mir recht lieb, dass ich Dir neulich die Beilagen geschickt habe; – Du kannst Dich erholen und wir können hier offen verhandeln. Was die Beilage A. betrifft, so ist mir sehr lieb, dass Du die Taxen billig gefunden.

In Bezug auf Beilage B sind wir in Hinsicht der Melioration nicht übereinstimmend. Mag das sein, hätte ich die Melioration, die im Kontrakt ausgesprochen war, nicht im Auge gehabt, hätte ich das Gebot von 300 rh per Ernte nicht angenommen.

Was die Auslagen-Berechnung für das Holz betrifft, so ist solches in unserm Holze im Frühjahr 1861 gehauen; und nach dem Gesetz wird das Holz für den kommenden Winter und nur ein Teilchen für den Sommer berechnet.

Da nun Carl das ganze Holz bekommt Tag behaut, da ich noch alten Vorrat per Sommer hatte, so muss die Hauerr und Macher Löhne tragen. Das alte Malter und Wellholz und das Fallholz, das ich in Rechnung gestellt habe, waren alte Vorräte von 1860. Du weißt, dass ich immer auf Vorrat gehalten habe.

Was das Kapital betrifft, dass Dir Carl beim Antritt von Windehausen gegeben, so bin ich völlig im Unklaren. Soviel ich weiß, habe ich deinem Bruder eine Schrift übergeben, in welcher ich gleichsam Bürgschaft leiste. Wie er aber sagen kann, dass er seine Verbindlichkeiten in Hinsicht der Gelder, die er von mir bezogen hat, gegen mich erfüllt habe. Das verstehe ich nicht. Im ersten Jahre hat er die Interessen von mir erhalten, und in den folgenden von Dir. Hätte ich mich mit dem Gelde befriedigt werden sollen, so konnte er keine Interessen annehmen – sie gehörten mir. Dass nur dieser Punkt kein Stein des Anstoßes wird.

C. ist in der Schule des kleinen Onkels gewesen und schlau. Das ist ein Hauptpunkt, der ins Klare kommen muss. Der Schwager von G. Schmidt in Greiz schreibt an Emilie Schulze, dass Hittemann einen Bankrot von 100 000 rh gemacht. Wenn nur Gustav nicht dazwischen steckt?!

Der Winter ist völlig eingezogen mit schon am Dienstage 8 Grad Kälte. Das Vergiften der Mäuse hat hier wenig geholfen, aber Nachteile gebracht. Unser Hektor und mehrere Hunde und Katzen und besonders Raben sind Opfer geworden. Schnupfen und Husten sind noch nicht ganz gewichen und machen mir den Kopf ganz tösig, was sich in diesen Zeilen bemerken wirst.

Zu Martini hat Carl wirklich 2 Pfund Kirschen vertilgt – ich konnte nur wenig essen, da mich das Übel schon erwischt hatte.

Gott erhalte Dich, Dein gutes Weibchen und die Kleinen recht gesund und munter. Meine Hausgenossen lassen sämtlich bestens grüßen. Grüße auch bitte Deine liebe Auguste von mir und sei umarmt von Deinem alten Vater.

Windehausen, am 21. November 1861

Im Hause meinen es alle gut mit mir und sind sehr aufmerksam. Oft mehr als mir lieb ist. Margarete scheint jetzt das Heimweh zu haben. Lebe wohl.

Mein lieber Eduard!

Ganz unerwartet kam mir Dein lieber Brief vom 25. am Tauf-Tag Deiner Kleinen. Da ich wusste, wie beschäftigt Du bist im Hause und im Schafstall. Möge der Tauf-Tag recht vergnügt und glücklich gewesen sein, was die Hauptsache ist, ohne Nachteil für deine liebe Auguste verlaufen sein. Im Geiste bin ich den ganzen Tag bei euch gewesen und mich – aus vielen Gründen – zu Euch gewünscht, denn unten wurde geschlachtet und das Hacken hörte erst gegen Mitternacht auf! Dein Wunsch ist gewesen, dass auch ich diesen für dich und Deine gute Auguste geistig und leiblich angreifenden Tag mitfeiern möchte, darum hast Du uns einen Hasen von immenser Größe, wie ich ihn noch nie gesehen habe, ein halbes Reh und eine Flasche Champagner geschickt. Empfange dafür meinen besten Dank. Leider konnte an demselben Tage des Schlachtens halber kein Gebrauch davon gemacht werden, und ist zum Teil ein ganz anderer Gebrauch damit gemacht, als du dachtest. Unsere Auguste besuchte mich seit mehreren Tagen – manches Bittre war vorgefallen und ich ließ dieser sogleich die Flasche und einen Teil des Rehes ins geheim ins Zimmer tragen, um es dort zu verzehren!! – Doch darüber unten mehr.

Dein Bruder wird Dir geschrieben haben, dass der 26. Februar zu Deiner Promotion ist. Wie sehne – wie freue ich mich auf diese Tage. Ist es einigermaßen möglich, so richte Dich ein, dass Du einige Tage hier sein kannst, um alles in Ordnung bringen zu helfen. Ein schwieriger Punkt ist die Melioration für die Ernte. Höre meine Ansicht: Wenn ich einen Acker verpachte, übernimmt der Pächter die Verpflichtung, den Acker beim Ende der Pachtung so zurückzulassen, wie er ihn übernommen hat. Dein Bruder hat die Ernte pr. 300 rh- also für eine sehr geringe Pacht für 33 Morgen. Die Melioration kann er nicht lassen, weil er kein Empfänger da ist – er muss sie also bezahlen, und ohne diese Meliorationszahlung würde ich ihn für sein geringes Gebot die Ernte nicht überlassen haben. Denke selbst darüber nach. Er hat ohnehin die Baumschule und alles zu niedrigen Preisen.

Was den Garten betrifft, so ist sein künftiger Beruf bestimmt. Er wird nicht Gärtner, sondern Kaufmann, und ich halte es auch für das Beste für ihn, obgleich er mir nicht geeignet genug erscheint, auch ist mir eine schwere Sorge abgenommen, wäre er Gärtner geworden, so läge die Verantwortung auf mir, jetzt liegt sie auf seinem Vater.

Habe eine Bitte: Gustav will mich auf einmal gern besuchen. Sein Vater gibt ihm kein Reisegeld. – Ich habe ihm solches geschickt und ihm geschrieben, dass er über Balgstedt reisen möchte. Kommt er zu Dir, so rate ihm von seiner Reise zu mir ab. Durch seine unvermutete Abreise ist mir der Schmerz der Trennung erspart. Durch seine Abreise von hier würde der Schmerz der Trennung noch empfindlicher für mich werden, so gern ich auch den guten Jungen noch einmal im Leben umarmt hätte. – Du verstehst mich.

Auguste Müller, deren Kondition Neujahr zu Ende ging, hat sogleich beim Amtmann Oelze in Sollstedt einen schönen Platz gefunden. Sie ist ganz zufrieden und glücklich in ihrer neuen Lage, wie sie mir schreibt. Du kennst sie, wie herrschsüchtig und eigennützig sie ist und so ist auch unsere Auguste mit ihrer Lage ganz zufrieden. Ihren Mann lobt sie und die Kinder sind mit der Mutter sehr gut. Wäre die arme Lina nicht, deren Zustand immer trauriger wird, so würde A, sehr zufrieden leben.

Bei mir ist jetzt ein Korrespondenzbüro -1. für den Familienbrief; 2. für den Verein; 3. für freundschaftliche Briefe; 4. für Unterbringugn von jungen Mädchen und Verwalter; 5. für Verlobungen (v.c. verbi causa=zum Beispiel) Herr Ungewitter mit Emma Heidecke; sie wollen einen landwirtschaftlichen Verein ins Leben rufen und fareg an, wie sie es anfangen sollen. Mit diesen Korrespondenzen ist der Morgen ausgefüllt-Nachmittags lese ich Zeitungen und andere Schriften. Abends liest Dein Bruder oft vor.

Doch genug vor jetzt und zur Beilage, die Du in ruhiger Stimmung, und wenn Du Zeit hast, lesen kannst

Grüße und küsse die liebe gute Auguste von allen recht herzlich Dein lieber Vater.

Windehausen, am 30. Januar 1862

Mein lieber Eduard!

Schon zwei Tage hatte ich auf Nachricht gehofft, und das machte mich sehr besorgt, umso größer ist nun meine Freude, dass alles nach den Umständen normal ist und wenn „Auguste“ alles gut geht, und ich will, indem ich zum Eintritt in einen neuen Zeitabschnitt gratuliere, von ganzem Herzen wünschen, dass mit der Zunahme der Tageslänge auch die Gesundheit und Erkräftigung der guten Auguste zunehmen möge. Schon die Geburt eines Kindes macht Schmerzen und Sorge und nun, wie viel mehr zwei kleine Wesen? Biete ja alles auf, um Deinem Frauchen die Last zu erleichtern, und ist sie mit Gottes Hilfe glücklich überstanden, so ist dann auch die Freude desto größer, denn je größer die Sorge um ein Kind, desto größer die Liebe zu ihm. Möge Gott meine stillen Wünsche erhören und Mutter, Vater und Kinder gesund erhalten. Sehr naiv ist der Einfall der kleinen Marie: „Soll denn Mäx’chen kein Schwesterchen bekommen?“ Dieser hat uns allen viel Spaß gemacht. Ob sie abe in zehn Jahren auch so gesagt haben würde?

Carl hatte zum Sylvester keine Punch gemacht, um sich nicht zu zerstreuen Gestern aber wurde ein solcher gemacht und der erste Toast wart ihr und die Zwillinge. Seine Predigtweise ist ganz eigentümlicher Art und spricht sehr an. Ob sie aber sich aber auch so in Zukunft vorhält! Gott – Gott erwähnt er nie, nur Jesus.

Müller, das habe ich Dir wohl schon geschrieben, hat glücklich verpachtet. Er ist bei seiner Verpachtung klüger gewesen als andere. Er hat das Feld auf 12 Jahre verpachtet, und jeder Pächter muss jährlich sein Quantum bezahlen. Seine Tochter Auguste geht zum Glück für unsere Auguste nun nicht nach Hause. sondern ist an Sylvester nach Wülfingerode gefahren; sie ist zu dem Amtmann Oelze gekommen. Hier hat sie es hoffentlich besser.

Der Bruder Studio Carl und Herr V. sind jetzt hier. Emma klagt oft darüber, dass es ihr zu sauer wird und weiß oft auch nicht, wie sie die Menschen sättigen will. Sie sind alle gut zu Fuße unter der Nase. Oft möchte es einem bange werden. Dazu kommt, dass sie und Nanny immer krank sind und klagen. Ich verhalte mich sehr ruhig und gehe äußerst fein mit allen um. Die Gemütlichkeit fehlt und damit fehlt mir gar viel.

Carl Junior ist schlau, und wo er mich über das Ohr hauen kann, tut er es, auch in Kleinigkeiten und das kann er bei mir sehr leicht. Aber ich liebe so etwas nicht.

Der Umzug hat freilich viel Geld gekostet, was man oft hören muss. Dabei hat man geglaubt, dass man in das Land kommt, wo Milch und Honig fließt. Das ist nun leider dieses Jahr nicht – es gibt kein Gemüse, keine Kartoffeln und doch braucht der Tisch täglich über zwei Mahlzeiten. Eine Kuh hat endlich gekalbt, aber das Kalb musste von Dr. Trenker und fünf Mann geholt werden und war tot. Doch die Kuh ist gesund und gibt viel Milch. Das ist eine Freude!! Nun kann Butter und Käse gemacht werden. Aber die saure Arbeit!!

Matreich (?) hat lange Jahre versichert gehabt, ist säumig im Bezahlen; er bekommt einen groben Brief vom A.; er geht zu ihm, bezahlt und kündigt. Zwei Tage danach verbrennt sein unversichertes Vieh!-

Die Wege fangen an unsicher zu werden. Gottschalk in Gräfbach hat man auf der Straße 10 rh abgenommen und solche Fälle gibt es mehr. Auch der arme Schneegass ist mittels Einbruchs schwer bestohlen und er berechnet den Schaden auf 200 rh.

Auguste will mich gern besuchen, aber es graust mir dafür, so gern ich sie auch sehe. Zwar für Fleisch will ich sorgen, wie ich bei solchen Gelegenheiten es schon getan habe, und beträgt an Wildbret und Fleisch p schon 13 rh!! so kleinlich geht es zu. Doch das unter uns. Wenn Du kommst, muss alles ins Reine gebracht werden. Was künftig werden soll, mag Gott wissen. Er kann mir nicht einen Taler abgeben. Das neue Möblement kostet 90 rh!! Carl hat an Michael 130 rh bekommen, jetzt nimmt er 50 rh mit, für Emma H. Muss 50 rh bezahlt werden! –-

Was unsern Gustav betrifft, so ist er noch nicht zurück; ich erwarte ihn am Sonnabend Gustav Oertel schreibt mir, dass sein Vater über alles zufrieden ist und er lernen könne, was er wolle. Die drei Jahre aber in Nordhausen wären vergeblich verbummelt und er würde ihm solches anrechnen! Welch elender dummer Mensch! Weil er selbst nichts gelernt hat, so glaubt er, dass die Kenntnisse, die sich Gustav in den drei Jahren erworben hat, umsonst wären. Der arme Gustav! Wie wird es ihm noch gehen, wenn ich nicht mehr bin?

Wenn die Umstände es bei Dir erlauben, dass Du zur Promotion kommen kannst, so gib mir Nachricht. Sie kann nur Ende eines Monats stattfinden.

Vehsemeyer wird als Geometer zur Grundsteuerregulierung übergehen? Wann? Das weiß er noch nicht und wird wohl für länger hier liegen bleiben.

Gott gebe nur, dass diese Zeilen Euch Alle und besonders die gute Auguste und die kleinen Mädchen gesund antreffen.

Grüße und küsse sie alle ganz herzlich von mir, so wie mir auch die besten Grüße von meinen Hausbewohnern aufgetragen sind. Lebt alle wohl und schreibe recht bald an mich, Dein Dich liebender Vater

Windehausen, am 2. Februar 1862

Eine recht angenehme Korrespondenz habe ich zeither mit dem Professor Lorenz zu Grimma unterhalten, was mir viel Freude gemacht hat. Auch die Vorbereiotungen haben wir uns gegenseitig geschickt.

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23 aralık 2023
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306 s. 45 illüstrasyon
ISBN:
9783960087977
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