Kitabı oku: «Gesammelte Dramen: Die Braut von Messina oder die feindlichen Brüder • Die Jungfrau von Orleans • Die Räuber • Die Ve...», sayfa 6
Stürzet ein, ihr Wände,
Versink, o Schwelle,
Unter der schrecklichen Füße Tritt!
Schwarze Dämpfe, entsteiget, entsteiget
Qualmend dem Abgrund! Verschlinget des Tages
Lieblichen Schein!
Schützende Götter des Hauses, entweichet,
Lasset die rächenden Göttinnen ein!
Don Cesar. Isabella. Beatrice. Der Chor.
Beim Eintritt des Don Cesar zerteilt sich der Chor in fliehender Bewegung vor ihm, er bleibt allein in der Mitte der Szene stehen.
BEATRICE.
Weh mir, er ists!
ISABELLA tritt ihm entgegen.
O mein Sohn Cesar! Muß ich so
Dich wiedersehen – O blick her und sieh
Den Frevel einer gottverfluchten Hand!
Führt ihn zu dem Leichnam.
DON CESAR tritt mit Entsetzen zurück, das Gesicht verhüllend.
ERSTER CHOR.
Brechet auf, ihr Wunden!
Fließet, fließet!
In schwarzen Güssen
Strömet hervor, ihr Bäche des Bluts!
ISABELLA.
Du schauderst und erstarrst! – Ja, das ist alles,
Was dir noch übrig ist von deinem Bruder!
Da liegen meine Hoffnungen – Sie stirbt
Im Keim, die junge Blume eures Friedens,
Und keine schöne Früchte sollt ich schauen.
DON CESAR.
Tröste dich, Mutter. Redlich wollten wir
Den Frieden, aber Blut beschloß der Himmel.
ISABELLA.
O ich weiß, du liebtest ihn, ich sah entzückt
Die schönen Bande zwischen euch sich flechten!
An deinem Herzen wolltest du ihn tragen,
Ihm reich ersetzen die verlornen Jahre.
Der blutge Mord kam deiner schönen Liebe
Zuvor – jetzt kannst du nichts mehr als ihn rächen.
DON CESAR.
Komm, Mutter, komm! hier ist kein Ort für dich,
Entreiß dich diesem unglückselgen Anblick!
Er will sie fortziehen.
ISABELLA fällt ihm um den Hals.
Du lebst mir noch! Du jetzt mein Einziger!
BEATRICE.
Weh, Mutter! Was beginnst du?
DON CESAR.
Weine dich aus
An diesem treuen Busen. Unverloren
Ist dir der Sohn, denn seine Liebe lebt
Unsterblich fort in deines Cesars Brust.
ERSTER CHOR.
Brechet auf, ihr Wunden!
Redet, ihr stummen!
In schwarzen Fluren
Stürzet hervor, ihr Bäche des Bluts.
ISABELLA beider Hände fassend.
O meine Kinder!
DON CESAR.
Wie entzückt es mich,
In deinen Armen sie zu sehen, Mutter!
Ja, laß sie deine Tochter sein! Die Schwester –
ISABELLA unterbricht ihn.
Dir dank ich die Gerettete, mein Sohn!
Du hieltest Wort, du hast sie mir gesendet.
DON CESAR erstaunt.
Wen, Mutter, sagst du, hab ich dir gesendet?
ISABELLA.
Sie mein ich, die du vor dir siehst, die Schwester.
DON CESAR.
Sie meine Schwester!
ISABELLA.
Welche andre sonst?
DON CESAR.
Meine Schwester?
ISABELLA.
Die du selber mir gesendet.
DON CESAR.
Und seine Schwester!
CHOR.
Wehe! Wehe! Wehe!
BEATRICE.
O meine Mutter!
ISABELLA.
Ich erstaune – Redet!
DON CESAR.
So sei der Tag verflucht, der mich geboren!
ISABELLA.
Was ist dir? Gott!
DON CESAR.
Verflucht der Schoß, der mich
Getragen! – Und verflucht sei deine Heimlichkeit,
Die all dies Gräßliche verschuldet! Falle
Der Donner nieder, der dein Herz zerschmettert,
Nicht länger halt ich schonend ihn zurück –
Ich selber, wiß es, ich erschlug den Bruder,
In ihren Armen überrascht ich ihn,
Sie ist es, die ich liebe, die zur Braut
Ich mir gewählt – den Bruder aber fand ich
In ihren Armen – alles weißt du nun!
– Ist sie wahrhaftig seine, meine Schwester,
So bin ich schuldig einer Greueltat,
Die keine Reu und Büßung kann versöhnen!
CHOR.
Es ist gesprochen, du hast es vernommen,
Das Schlimmste weißt du, nichts ist mehr zurück!
Wie die Seher verkündet, so ist es gekommen,
Denn noch niemand entfloh dem verhängten Geschick.
Und wer sich vermißt, es klüglich zu wenden,
Der muß es selber erbauend vollenden.
ISABELLA.
Was kümmerts mich noch, ob die Götter sich
Als Lügner zeigen, oder sich als wahr
Bestätigen? Mir haben sie das Ärgste
Getan – Trotz biet ich ihnen, mich noch härter
Zu treffen, als sie trafen – Wer für nichts mehr
Zu zittern hat, der fürchtet sie nicht mehr.
Ermordet liegt mir der geliebte Sohn,
Und von dem lebenden scheid ich mich selbst.
Er ist mein Sohn nicht – Einen Basilisken
Hab ich erzeugt, genährt an meiner Brust,
Der mir den bessern Sohn zu Tode stach.
– Komm, meine Tochter! Hier ist unsers Bleibens
Nicht mehr – den Rachegeistern überlaß ich
Dies Haus – Ein Frevel führte mich herein,
Ein Frevel treibt mich aus – Mit Widerwillen
Hab ichs betreten, und mit Furcht bewohnt,
Und in Verzweiflung räum ichs – Alles dies
Erleid ich schuldlos, doch bei Ehren bleiben
Die Orakel und gerettet sind die Götter.
Sie geht ab. Diego folgt ihr.
Beatrice. Don Cesar. Der Chor.
DON CESAR Beatrice zurückhaltend.
Bleib, Schwester! Scheide du nicht so von mir!
Mag mir die Mutter fluchen, mag dies Blut
Anklagend gegen mich zum Himmel rufen,
Mich alle Welt verdammen! Aber du
Fluche mir nicht! Von dir kann ichs nicht tragen.
BEATRICE zeigt mit abgewandtem Gesicht auf den Leichnam.
DON CESAR.
Nicht den Geliebten hab ich dir getötet!
Den Bruder hab ich dir und hab ihn mir
Gemordet – dir gehört der Abgeschiedne jetzt
Nicht näher an, als ich der Lebende,
Und ich bin mitleidswüdiger als er,
Denn er schied rein hinweg und ich bin schuldig.
BEATRICE bricht in heftige Tränen aus.
DON CESAR.
Weine um den Bruder, ich will mit dir weinen,
Und mehr noch – rächen will ich ihn! Doch nicht
Um den Geliebten weine! Diesen Vorzug,
Den du dem Toten gibst, ertrag ich nicht.
Den einzgen Trost, den letzten, laß mich schöpfen
Aus unsers Jammers bodenloser Tiefe,
Daß er dir näher nicht gehört als ich –
Denn unser furchtbar aufgelöstes Schicksal
Macht unsre Rechte gleich, wie unser Unglück.
In einen Fall verstrickt, drei liebende
Geschwister, gehen wir vereinigt unter,
Und teilen gleich der Tränen traurig Recht.
Doch wenn ich denken muß, daß deine Trauer
Mehr dem Geliebten als dem Bruder gilt,
Dann mischt sich Wut und Neid in meinen Schmerz,
Und mich verläßt der Wehmut letzter Trost.
Nicht freudig, wie ich gerne will, kann ich
Das letzte Opfer seinen Manen bringen,
Doch sanft nachsenden will ich ihm die Seele,
Weiß ich nur, daß du meinen Staub mit seinem
In einem Aschenkruge sammeln wirst.
Den Arm um sie schlingend, mit einer leidenschaftlich zärtlichen Heftigkeit.
Dich liebt ich, wie ich nichts zuvor geliebt,
Da du noch eine Fremde für mich warst.
Weil ich dich liebte über alle Grenzen,
Trag ich den schweren Fluch des Brudermords,
Liebe zu dir war meine ganze Schuld.
– Jetzt bist du meine Schwester und dein Mitleid
Fodr ich von dir als einen heilgen Zoll.
Er sieht sie mit ausforschenden Blicken und schmerzlicher Erwartung an, dann wendet er sich mit Heftigkeit von ihr.
Nein, nein, nicht sehen kann ich diese Tränen –
In dieses Toten Gegenwart verläßt
Der Mut mich und die Brust zerreißt der Zweifel –
– Laß mich im Irrtum! Weine im Verborgnen!
Sieh nie mich wieder – niemals mehr – Nicht dich,
Nicht deine Mutter will ich wiedersehen,
Sie hat mich nie geliebt! Verraten endlich
Hat sich ihr Herz, der Schmerz hat es geöffnet.
Sie nannt ihn ihren bessern Sohn! – So hat sie
Verstellung ausgeübt ihr ganzes Leben!
– Und du bist falsch wie sie! Zwinge dich nicht!
Zeig deinen Abscheu! Mein verhaßtes Antlitz
Sollst du nicht wiedersehn! Geh hin auf ewig!
Er geht ab. Sie steht unschlüssig, im Kampf widersprechender Gefühle, dann reißt sie sich los und geht.
CHOR.
– – – – – – –
Wohl dem! Selig muß ich ihn preisen,
Der in der Stille der ländlichen Flur,
Fern von des Lebens verworrenen Kreisen,
Kindlich liegt an der Brust der Natur.
Denn das Herz wird mir schwer in der Fürsten Palästen,
Wenn ich herab vom Gipfel des Glücks
Stürzen sehe die Höchsten, die Besten
In der Schnelle des Augenblicks!
Und auch der hat sich wohl gebettet,
Der aus der stürmischen Lebenswelle
Zeitig gewarnt sich herausgerettet
In des Klosters friedliche Zelle.
Der die stachelnde Sucht der Ehren
Von sich warf und die eitle Lust,
Und die Wünsche, die ewig begehren,
Eingeschläfert in ruhiger Brust,
Ihn ergeift in dem Lebensgewühle
Nicht der Leidenschaft wilde Gewalt,
Nimmer in seinem stillen Asyle
Sieht er der Menschheit traurge Gestalt.
Nur in bestimmter Höhe ziehet
Das Verbrechen hin und das Ungemach,
Wie die Pest die erhabenen Orte fliehet,
Dem Qualm der Städte wälzt es sich nach,
Auf den Bergen ist die Freiheit! Der Hauch der Grüfte
Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte,
Die Welt ist vollkommen überall,
Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.
Don Cesar. Der Chor.
DON CESAR gefaßter.
Das Recht des Herrschers üb ich aus zum letztenmal,
Dem Grab zu übergeben diesen teuren Leib,
Denn dieses ist der Toten letzte Herrlichkeit.
Vernehmt denn meines Willens ernstlichen Beschluß,
Und wie ichs euch gebiete, also übt es aus
Genau – Euch ist in frischem Angedenken noch
Das ernste Amt, denn nicht von langen Zeiten ists,
Daß ihr zur Gruft begleitet eures Fürsten Leib.
Die Totenklage ist in diesen Mauren kaum
Verhallt und eine Leiche drängt die andre fort
Ins Grab, daß eine Fackel an der andern sich
Anzünden, auf der Treppe Stufen sich der Zug
Der Klagemänner fast begegnen mag.
So ordnet denn ein feierlich Begräbnisfest
In dieses Schlosses Kirche, die des Vaters Staub
Verwahrt, geräuschlos bei verschloßnen Pforten an,
Und alles werde, wie es damals war, vollbracht.
CHOR.
Mit schnellen Händen soll dies Werk bereitet sein,
O Herr – denn aufgerichtet steht der Katafalk
Ein Denkmal jener ernsten Festlichkeit noch da,
Und an den Bau des Todes rührte keine Hand.
DON CESAR.
Das war kein glücklich Zeichen, daß des Grabes Mund
Geöffnet blieb im Hause der Lebendigen.
Wie kams, daß man das unglückselige Gerüst
Nicht nach vollbrachtem Dienste alsobald zerbrach?
CHOR.
Die Not der Zeiten und der jammervolle Zwist,
Der gleich nachher, Messina feindlich teilend, sich
Entflammt, zog unsre Augen von den Toten ab,
Und öde blieb, verschlossen, dieses Heiligtum.
DON CESAR.
Ans Werk denn eilet ungesäumt! Noch diese Nacht
Vollende sich das mitternächtliche Geschäft!
Die nächste Sonne finde von Verbrechen rein
Das Haus, und leuchte einem fröhlichern Geschlecht.
Der zweite Chor entfernt sich mit Don Manuels Leichnam.
ERSTER CHOR.
Soll ich der Mönche fromme Brüderschaft hieher
Berufen, daß sie nach der Kirche altem Brauch
Das Seelenamt verwalte und mit heilgem Lied
Zur ewgen Ruh einsegne den Begrabenen?
DON CESAR.
Ihr frommes Lied mag fort und fort an unserm Grab
Auf ewge Zeiten schallen bei der Kerze Schein,
Doch heute nicht bedarf es ihres reinen Amts,
Der blutge Mord verscheucht das Heilige.
CHOR.
Beschließe nichts gewaltsam Blutiges, o Herr,
Wider dich selber wütend mit Verzweiflungstat:
Denn auf der Welt lebt niemand, der dich strafen kann,
Und fromme Büßung kauft den Zorn des Himmels ab.
DON CESAR.
Nicht auf der Welt lebt, wer mich richtend strafen kann,
Drum muß ich selber an mir selber es vollziehn.
Bußfertge Sühne, weiß ich, nimmt der Himmel an,
Doch nur mit Blute büßt sich ab der blutge Mord.
CHOR.
Des Jammers Fluten, die auf dieses Haus gestürmt,
Ziemt dir zu brechen, nicht zu häufen Leid auf Leid.
DON CESAR.
Den alten Fluch des Hauses lös ich sterbend auf,
Der freie Tod nur bricht die Kette des Geschicks.
CHOR.
Zum Herrn bist du dich schuldig dem verwaisten Land,
Weil du des andern Herrscherhauptes uns beraubt.
DON CESAR.
Zuerst den Todesgöttern zahl ich meine Schuld,
Ein andrer Gott mag sorgen für die Lebenden.
CHOR.
Soweit die Sonne leuchtet, ist die Hoffnung auch,
Nur von dem Tod gewinnt sich nichts! Bedenk es wohl.
DON CESAR.
Du selbst bedenke schweigend deine Dienerpflicht,
Mich laß dem Geist gehorchen, der mich furchtbar treibt,
Denn in das Innre kann kein Glücklicher mir schaun.
Und ehrst du fürchtend auch den Herrscher nicht in mir,
Den Verbrecher fürchte, den der Flüche schwerster drückt,
Das Haupt verehre des Unglücklichen,
Das auch den Göttern heilig ist – Wer das erfuhr,
Was ich erleide und im Busen fühle,
Gibt keinem Irdischen mehr Rechenschaft.
Donna Isabella. Don Cesar. Der Chor.
ISABELLA kommt mit zögernden Schritten und wirft unschlüssige Blicke auf Don Cesar. Endlich tritt sie ihm näher und spricht mit gefaßtem Ton.
Dich sollten meine Augen nicht mehr schauen,
So hatt ich mirs in meinem Schmerz gelobt,
Doch in die Luft verwehen die Entschlüsse,
Die eine Mutter, unnatürlich wütend,
Wider des Herzens Stimme faßt – Mein Sohn!
Mich treibt ein unglückseliges Gerücht
Aus meines Schmerzens öden Wohnungen
Hervor – Soll ich ihm glauben? Ist es wahr,
Daß mir ein Tag zwei Söhne rauben soll?
CHOR.
Entschlossen siehst du ihn, festen Muts,
Hinabzugehen mit freiem Schritte
Zu des Todes traurigen Toren.
Erprobe du jetzt die Kraft des Bluts,
Die Gewalt der rührenden Mutterbitte
Meine Worte hab ich umsonst verloren.
ISABELLA.
Ich rufe die Verwünschungen zurück,
Die ich im blinden Wahnsinn der Verzweiflung
Auf dein geliebtes Haupt herunterrief
Eine Mutter kann des eignen Busens Kind,
Das sie mit Schmerz geboren, nicht verfluchen.
Nicht hört der Himmel solche sündige
Gebete, schwer von Tränen fallen sie
Zurück von seinem leuchtenden Gewölbe.
– Lebe, mein Sohn! Ich will den Mörder lieber sehn
Des einen Kindes, als um beide weinen.
DON CESAR.
Nicht wohl bedenkst du, Mutter, was du wünschest
Dir selbst und mir – Mein Platz kann nicht mehr sein
Bei den Lebendigen – Ja, könntest du
Des Mörders gottverhaßten Anblick auch
Ertragen, Mutter, ich ertrüge nicht
Den stummen Vorwurf deines ewgen Grams.
ISABELLA.
Kein Vorwurf soll dich kränken, keine laute
Noch stumme Klage in das Herz dir schneiden.
In milder Wehmut wird der Schmerz sich lösen,
Gemeinsam trauernd wollen wir das Unglück
Beweinen und bedecken das Verbrechen.
DON CESAR faßt ihre Hand, mit sanfter Stimme.
Das wirst du, Mutter. Also wirds geschehn.
In milder Wehmut wird dein Schmerz sich lösen –
Dann, Mutter, wenn ein Totenmal den Mörder
Zugleich mit dem Gemordeten umschließt,
Ein Stein sich wölbet über beider Staube,
Dann wird der Fluch entwaffnet sein – Dann wirst
Du deine Söhne nicht mehr unterscheiden,
Die Tränen, die dein schönes Auge weint,
Sie werden einem wie dem andern gelten,
Ein mächtiger Vermittler ist der Tod.
Da löschen alle Zornesflammen aus,
Der Haß versöhnt sich, und das schöne Mitleid
Neigt sich ein weinend Schwesterbild mit sanft
Anschmiegender Umarmung auf die Urne.
Drum, Mutter, wehre du mir nicht, daß ich
Hinuntersteige und den Fluch versöhne.
ISABELLA.
Reich ist die Christenheit an Gnadenbildern,
Zu denen wallend ein gequältes Herz
Kann Ruhe finden. Manche schwere Bürde
Ward abgeworfen in Loretos Haus,
Und segensvolle Himmelskraft umweht
Das heilge Grab, das alle Welt entsündigt.
Vielkräftig auch ist das Gebet der Frommen,
Sie haben reichen Vorrat an Verdienst,
Und auf der Stelle, wo ein Mord geschah,
Kann sich ein Tempel reinigend erheben.
DON CESAR.
Wohl läßt der Pfeil sich aus dem Herzen ziehn,
Doch nie wird das verletzte mehr gesunden.
Lebe, wers kann, ein Leben der Zerknirschung,
Mit strengen Bußkasteinugen allmählich
Abschöpfend eine ewge Schuld – Ich kann
Nicht leben, Mutter, mit gebrochnem Herzen.
Aufblicken muß ich freudig zu den Frohen,
Und in den Äther greifen über mir,
Mit freiem Geist – Der Neid vergiftete mein Leben,
Da wir noch deine Liebe gleich geteilt.
Denkst du, daß ich den Vorzug werde tragen,
Den ihm dein Schmerz gegeben über mich?
Der Tod hat eine reinigende Kraft,
In seinem unvergänglichen Palaste
Zu echter Tugend reinem Diamant
Das Sterbliche zu läutern und die Flecken
Der mangelhaften Menschheit zu verzehren.
Weit wie die Sterne abstehn von der Erde,
Wird er erhaben stehen über mir,
Und hat der alte Neid uns in dem Leben
Getrennt, da wir noch gleiche Brüder waren,
So wird er rastlos mir das Herz zernagen,
Nun er das Ewige mir abgewann,
Und jenseits alles Wettstreits wie ein Gott
In der Erinnerung der Menschen wandelt.
ISABELLA.
O hab ich euch nur darum nach Messina
Gerufen, um euch beide zu begraben!
Euch zu versöhnen, rief ich euch hieher
Und ein verderblich Schicksal kehret all
Mein Hoffen in sein Gegenteil mir um!
DON CESAR.
Schilt nicht den Ausgang, Mutter! Es erfüllt
Sich alles, was versprochen ward. Wir zogen ein
Mit Friedenshoffnungen in diese Tore,
Und friedlich werden wir zusammen ruhn,
Versöhnt auf ewig in dem Haus des Todes.
ISABELLA.
Lebe, mein Sohn! Laß deine Mutter nicht
Freundlos im Land der Fremdlinge zurück,
Rohherziger Verhöhnung preisgegeben,
Weil sie der Söhne Kraft nicht mehr beschützt.
DON CESAR.
Wenn alle Welt dich herzlos kalt verhöhnt,
So flüchte du dich hin zu unserm Grabe,
Und rufe deiner Söhne Gottheit an,
Denn Götter sind wir dann, wir hören dich,
Und wie des Himmels Zwillinge dem Schiffer
Ein leuchtend Sternbild, wollen wir mit Trost
Dir nahe sein und deine Seele stärken.
ISABELLA.
Lebe, mein Sohn! Für deine Mutter lebe!
Ich kanns nicht tragen, alles zu verlieren!
Sie schlingt ihre Arme mit leidenschaftlicher Heftigkeit um ihn, er macht sich sanft von ihr los und reicht ihr die Hand mit abgewandtem Gesicht.
DON CESAR.
Leb wohl!
ISABELLA.
Ach, wohl erfahr ichs schmerzlich fühlend nun,
Daß nichts die Mutter über dich vermag!
Gibts keine andre Stimme, welche dir
Zum Herzen mächtger als die meine dringt?
Sie geht nach dem Eingang der Szene.
Komm, meine Tochter! Wenn der tote Bruder
Ihn so gewaltig nachzieht in die Gruft,
So mag vielleicht die Schwester, die geliebte,
Mit schöner Lebenshoffnung Zauberschein
Zurück ihn locken in das Licht der Sonne.
Beatrice erscheint am Eingange der Szene. Donna Isabella. Don Cesar und der Chor.
DON CESAR bei ihrem Anblick heftig bewegt sich verhüllend.
O Mutter! Mutter! Was ersannest du?
ISABELLA führt sie vorwärts.
Die Mutter hat umsonst zu ihm gefleht,
Beschwöre du, erfleh ihn, daß er lebe.
DON CESAR.
Arglistge Mutter! Also prüfst du mich!
In neuen Kampf willst du zurück mich stürzen?
Das Licht der Sonne mir noch teuer machen
Auf meinem Wege zu der ewgen Nacht?
– Da steht der holde Lebensengel mächtig
Vor mir und tausend Blumen schüttet er
Und tausend goldne Früchte lebenduftend
Aus reichem Füllhorn strömend vor mir aus,
Das Herz geht auf im warmen Strahl der Sonne,
Und neu erwacht in der erstorbnen Brust
Die Hoffnung wieder und die Lebenslust.
ISABELLA.
Fleh ihn, dich oder niemand wird er hören,
Daß er den Stab nicht raube dir und mir.
BEATRICE.
Ein Opfer fodert der geliebte Tote,
Es soll ihm werden, Mutter – Aber mich
Laß dieses Opfer sein! Dem Tode war ich
Geweiht, eh ich das Leben sah. Mich fodert
Der Fluch, der dieses Haus verfolgt, und Raub
Am Himmel ist das Leben, das ich lebe.
Ich bins, die ihn gemordet, eures Streits
Entschlafne Furien gewecket – Mir
Gebührt es, seine Manen zu versöhnen!
CHOR.
O jammervolle Mutter! Hin zum Tod
Drängen sich eifernd alle deine Kinder,
Und lassen dich allein, verlassen, stehen
Im freudlos öden, liebeleeren Leben.
BEATRICE.
Du, Bruder, rette dein geliebtes Haupt,
Für deine Mutter lebe! Sie bedarf
Des Sohns, erst heute fand sie eine Tochter,
Und leicht entbehrt sie, was sie nie besaß.
DON CESAR mit tief verwundeter Seele.
Wir mögen leben, Mutter, oder sterben,
Wenn sie nur dem Geliebten sich vereinigt!
BEATRICE.
Beneidest du des Bruders toten Staub?
DON CESAR.
Er lebt in deinem Schmerz ein selig Leben,
Ich werde ewig tot sein bei den Toten.
BEATRICE.
O Bruder!
DON CESAR mit dem Ausdruck der heftigsten Leidenschaft.
Schwester, weinest du um mich?
BEATRICE.
Lebe für unsre Mutter!
DON CESAR läßt ihre Hand los, zurücktretend.
Für die Mutter?
BEATRICE neigt sich an seine Brust.
Lebe für sie und tröste deine Schwester.
CHOR.
Sie hat gesiegt! Dem rührenden Flehen
Der Schwester konnt er nicht widerstehen.
Trostlose Mutter! Gib Raum der Hoffnung,
Er erwählt das Leben, dir bleibt dein Sohn!
In diesem Augenblick läßt sich ein Chorgesang hören, die Flügeltüre wird geöffnet, man sieht in der Kirche den Katafalk aufgerichtet und den Sarg von Kandelabern umgeben.
DON CESAR gegen den Sarg gewendet.
Nein, Bruder! Nicht dein Opfer will ich dir
Entziehen – deine Stimme aus dem Sarg
Ruft mächtger dringend als der Mutter Tränen
Und mächtger als der Liebe Flehn – Ich halte
In meinen Armen, was das irdsche Leben
Zu einem Los der Götter machen kann –
Doch ich, der Mörder, sollte glücklich sein,
Und deine heilge Unschuld ungerächet
Im tiefen Grabe liegen – das verhüte
Der allgerechte Lenker unsrer Tage,
Daß solche Teilung sei in seiner Welt –
– Die Tränen sah ich, die auch mir geflossen,
Befriedigt ist mein Herz, ich folge dir.
Er durchsticht sich mit einem Dolch und gleitet sterbend an seiner Schwester nieder, die sich der Mutter in die Arme wirft.
CHOR nach einem tiefen Schweigen.
Erschüttert steh ich, weiß nicht, ob ich ihn
Bejammern oder preisen soll sein Los.
Dies eine fühl ich und erkenn es klar,
Das Leben ist der Güter höchstes nicht,
Der Übel größtes aber ist die Schuld.