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Kitabı oku: «Der Waldläufer», sayfa 42

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»Die des Spottvogels und die des jüngeren Kriegers aus dem Süden!«

Dies waren die Namen, die während der Belagerung der Insel Fabian und Pepe gegeben worden waren. »Gut«, sagte der Apache, »ich war dessen ebenfalls gewiß!« Dann wandte er sich an Sang-Mêlé: »El Mestizo«, fuhr der Apache fort, »wird die Goldkiesel für sich behalten; die Apachen werden kämpfen, um sie ihm zu erobern, und er wird ebenfalls für seine Brüder kämpfen. Das Blut unserer Krieger schreit um Rache. Ihre Mörder sind dort oben, und wir müssen ihren Skalp haben. Elf Krieger werden sich nur unter dieser Bedingung schlagen.«

»Ist es nur das?« antwortete Main-Rouge mit schrecklichem Lächeln. »Die Apachen werden die Skalpe bekommen, die sie verlangen!«

Nachdem dieser Handel abgeschlossen war, gaben die beiden Steppenräuber Baraja ein Zeichen, ihnen voranzugehen, und begannen den Fußsteig emporzuklimmen, während die Indianer sich in der Ebene zerstreuten, um die Jäger zu überraschen, wenn sie die Unklugheit begehen sollten, ihre Festung zu verlassen.

»Wir befinden uns jetzt der Pyramide gegenüber«, sagte Baraja, als sie nach ungefähr einem halbstündigen Marsch an eine Art von Öffnung gekommen waren, aus der der Wasserfall hervorstürzte; aber Wellen dicken Nebels verbargen den Zufluchtsort der drei Jäger, und die Augen der Indianer strengten sich ebenso wie die des Vaters und seines Sohnes vergebens an, diese Wolke zu durchdringen.

»Der Nebel, der diese Berge einhüllt, zerstreut sich niemals – selbst nicht bei Tag —, und du weißt es ebensogut wie ich«, sagte Main-Rouge zu Sang-Mêlé. »Es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn wir nach einer Stunde dort klarer sehen. Da jedoch diese Hunde von Indianern Skalpe haben müssen …«

»Greis«, unterbrach ihn der Mestize mit drohendem Ton, »vergiß nicht, daß ich indianisches Blut in den Adern habe, oder ich werde dich daran erinnern!«

»Es ist gut«, antwortete der Vater rauh, ohne sonst am Ton seines Sohnes, an den er gewöhnt war, ein Ärgernis zu nehmen. »Ich meinte, da diese Indianer Skalpe haben müssen, so ist es nötig, daß wir eine andere Stelle aufsuchen, um sie ihnen zu geben.«

Diese Unterredung fand in englischer Sprache statt – der Muttersprache des Jägers, der aus Illinois gebürtig war, wo seine Verbrechen ihn zur Flucht genötigt hatten —, und weder die Indianer noch Baraja hatten ein Wort davon verstanden.

»Ich werde einen finden«, nahm Sang-Mêlé das Wort; »habe nur ein Auge auf diesen Schelm!« fügte er, mit der Hand auf den Mexikaner zeigend, hinzu. Hierauf erstieg er das Gewölbe des Wasserfalls.

»Der Sohn einer indianischen Wölfin wird ohne Zweifel einen passenderen Ort als diesen hier finden, um uns das Gold zu verschaffen, das Ihr uns versprecht, Freund«, sagte der Amerikaner in schlechtem Spanisch und ließ seine schwere Hand auf die Schulter Barajas fallen, als der Mestize sich entfernt hatte. »Bis dahin wollen wir Feuer auf dieser Höhe anzünden; auf diese Weise werden die drei Füchse, die wir umzingeln wollen, sobald sie den Glanz des Feuers mitten im Nebel bemerken, glauben, daß da noch eine andere Abteilung zu ihrer Überwachung aufgestellt ist.«

Ohne den Mexikaner, dem er nicht traute, aus dem Gesicht zu verlieren, entfernte er sich einen Augenblick von ihm, um in der Nähe des Wasserfalls ein Feuer anzuzünden, und ließ Baraja sehr von dem Gedanken beunruhigt zurück, daß der Mestize, um den Angriff zu beginnen, die Felsen wählen könnte, die das Val d`Or beherrschten.

Das war die Ursache der Verzögerung, worüber sich die drei unbeweglichen und schweigenden Jäger auf dem Gipfel ihrer Festung wunderten.

Gerade als die Gefahr rings um ihn und seine beiden Gefährten größer wurde, schmeichelte sich Bois-Rosé, wie es beinahe immer der Fall ist, am meisten mit der Hoffnung, seine Vorahnung, die ihn einen Augenblick erschreckt hatte, beschwichtigen zu können.

»Anstatt uns für eine Kapitulation zu entscheiden«, sagte Pepe, indem er zuerst das Schweigen brach, »wäre es besser gewesen, sogleich die Flucht zu ergreifen oder eine Kugel in das Gehirn eines jeden der beiden Indianer zu senden, die hinter dem Gerippe des Pferdes verborgen liegen. Dies hätte den Knoten zerhauen; denn die Mittelwege sind immer gefährlich!«

»Kann man denn einen Posten wie den unsrigen verlassen, um sich aufs Geratewohl mitten in der Finsternis an einen Ort zu werfen, wo jede Erdfalte, jedes Gesträuch einen Feind verbergen kann; wohin die Indianer auf den Flügeln des Windes getragen zu sein scheinen?« antwortete Bois-Rosé. »Das hätte geheißen, einem gewissen Tod entgegenzulaufen! Unsere Stellung ist dadurch nur noch klarer geworden. Entweder wir kapitulieren ehrenvoll, oder wir verteidigen uns bis auf den Tod. Wir werden jedoch bald wissen, woran wir sind; die Schelme denken nicht mehr daran, ihre Gegenwart zu verbergen. Sieh nur das Feuer dort oben!« Pepe folgte dem Finger des Kanadiers – auf dem Gipfel des Wasserfalls funkelte im Nebel ein bleiches Licht: Es war das Feuer, das Main-Rouge mit Barajas Hilfe eben auf dem Felsenkamm angezündet hatte.

»Oh«, rief Pepe verächtlich aus, »was diejenigen anlangt, die sich dort oben festsetzen, so kümmere ich mich gerade soviel darum als über eine Schar Seemöwen auf einem Felsen am Strand; ihre Pfeile werden so wenig wie ihre Kugeln die wallende Befestigung durchdringen, die ich ihnen entgegengestellt habe. Was jene dort betrifft«, fuhr der Spanier fort, indem seine Blicke nach der Ebene zurückkehrten, »so sind das ausdauernde Schelme, die sich nach und nach immer mehr und mehr nähern.«

Bei diesen Worten brachte Pepe den Lauf seiner Büchse in Richtung des toten Pferdes und zeigte Bois-Rosé in einiger Entfernung diesseits vom Pferd zwei schwarze, kugelartig zusammengerollte Körper, die unbeweglich wie indianische Götzenbilder dalagen.

»Diese Leute verachten uns, und sie haben recht! Ach, Bois-Rosé, warum mußt du …« Pepe vollendete nicht; ein bitterer Blick seines alten Gefährten ließen den Vorwurf auf seinen Lippen ersterben.

»Möchte ich doch für ihn oder für dich sterben müssen, und du wirst es sehen, Pepe!« rief Bois-Rosé aus. »Ich weiß es, wahrhaftig, ich weiß es!« murmelte Pepe. »Das verhindert jedoch nicht, daß die beiden Körper, die wir zusammengerollt sahen, eben noch hinter dem Pferd lagen und daß sie jetzt vor ihm sind. Ich kann sie jedoch nicht so vergeblich sich anstrengen lassen; aber sei ruhig, ich will mit ihnen freundlich reden, um sie nicht zu erzürnen.«

»Du würdest vielleicht besser daran tun, zu schweigen«, sagte der Kanadier; »ich traue deiner Zunge nicht, wenn sie sich gegen irgendeinen Feind wendet, namentlich wenn dies ein Indianer ist.« Pepe nahm den versöhnlichsten Ton an, der ihm möglich war, und rief mit einer Stimme, die das Brausen des Wasserfalls übertönte: »Das Auge eines weißen Kriegers wünschte nur ein Aas in der Ebene zu sehen, und er sieht deren drei – das sind zwei zuviel!«

Die versöhnlichen Worte des Spaniers machten auf die beiden Indianer den Eindruck eines Pfeils mit scharfer Spitze. Alle beide erhoben sich mit einem Sprung auf ihre Füße, richteten sich in ihrer ganzen Höhe empor und stießen zusammen das Geheul eines wilden Tieres aus. Dann verschwanden sie in zwei anderen Sprüngen hinter der Felsenkette.

»Das sind Teufel, die ich mit Weihwasser besprengt habe«, sagte der frühere Grenzjäger mit einem schallenden Gelächter, in dem sich Verachtung und Wut mischten.

»Im ganzen hast du recht getan«, sagte Bois-Rosé, bei dem der Anblick seiner verhaßten Feinde das Blut durch die Adern peitschte und der durch die Nähe des Kampfes jenen Mut wiedererhielt, den seine Liebe für Fabian allein dämpfen konnte.

»Hurra, ich finde endlich meinen alten Waldläufer wieder!« rief Pepe mit Begeisterung und streckte eine Hand dem Kanadier hin, die andere Fabian. »Frischauf denn! Wir haben zwar weder Hörn noch Trompete; so wollen wir denn unser Kriegsgeschrei wie sonst ausstoßen, wie es drei furchtlosen Kriegern diesen Hunden gegenüber geziemt! Macht es wie wir, Fabian, Ihr habt ja schon die Feuertaufe empfangen.«

Und diese drei unerschrockenen Männer stießen, ebenfalls aufrecht stehend und Hand in Hand, ein dreifaches Geheul aus, das weder an wilder Energie noch an ohrenzerreißendem Klang in irgendeiner Weise dem der Söhne der Steppe nachstand.

Ähnliches Geheul erscholl von der Höhe des Wasserfalls herab und tönte vom Gipfel der Felsen über dem Val d‘Or in die Ohren der Freunde auf der Pyramide. Die in der Ebene umherschweifenden Wölfe ergriffen beim Ertönen der menschlichen Stimmen die Flucht, und die ganze weite Steppe versank wieder nach dem letzten Donner des Echos in tiefes Schweigen— der Tag war angebrochen.

Die ersten roten Strahlen der Sonne erloschen im Dunst der Nebelberge wie das glühende Eisen im Wasser; aber der Sand der Ebenen funkelte von goldigem Schimmer, purpurner Widerschein erstrahlte an den Seiten der Felsen, und wie die Taucher ihr triefendes Haar schütteln, so schüttelten die Gipfel der Tannen im Morgenwind die letzten Flocken des nächtlichen Nebels ab.

51. Main-Rouge und Sang-Mêlé

Die drei Belagerten verloren keine Zeit, ihre letzten Vorbereitungen zum Kampf zu treffen. Jeden Gedanken an eine Kapitulation ließen sie von nun an für immer fallen.

»Sieg oder Tod! Du weißt ebensogut wie ich, Bois-Rosé«, sagte Pepe, indem er frisches Pulver auf die Pfanne seiner Büchse schüttete – und seine Freunde wandten dieselbe Vorsicht an —, »daß eine Kapitulation mit diesen unreinen Banditen um ein gutes Teil gefährlicher ist als ein Kampf gegen sie. Man verläßt im Glauben auf die Heiligkeit der Verträge eine ausgezeichnete Stellung – wir etwa würden in die Ebene hinabsteigen —, und da könnten wir gerade in dem Augenblick, in dem wir es am wenigsten erwarten, im Nu umringt, ermordet und skalpiert werden.«

»Für den Fall, daß der Mangel an Lebensmitteln uns dazu zwingen sollte, machen wir einen Ausfall!« rief der Kanadier. »Es darf aber erst geschehen, wenn wir ihre Zahl so weit gelichtet haben, daß es mit dem Teufel zugehen müßte, wenn ihrer noch genug sind, um uns zu umringen.«

»Es ist wahr, wir haben wenig Lebensmittel«, sagte Pepe mit stoischem Stirnrunzeln; »und ich muß gestehen, daß ich es immer hart gefunden habe, mich einen ganzen Tag lang zu schlagen, ohne am Abend einen Mundvoll Speise zum Nachtmahl zu haben. Jedenfalls habe ich im Dienste Seiner katholischen Majestät rauhe Lehrjahre im Hungern durchgemacht, und seitdem habe ich meine Studien in diesem Punkt fortgesetzt – und du ebenfalls; Don Fabian allein ist nicht daran gewöhnt.«

»Ich gebe es zu«, sagte Bois-Rosé lebhaft, der immer noch seinem System treu blieb, dieses schreckliche Leben in der Steppe seinem Fabian trotz der damit verbundenen vielseitigen Gefahren als ein überaus beneidenswertes darzustellen; »aber es gibt auch Tage des Überflusses, in denen die Tafel der Mächtigen auf der Erde nicht wie die unsrige besetzt ist. Ist es uns nicht hundertmal vorgekommen, daß wir von der kleinen Brut in den Bächen der Ebene bis zu den gewaltigen Salmen der Wasserfälle des Gebirges; von der Feldlerche bis zum großen Truthahn; vom kleinsten vierfüßigen Tier, das für den Tisch des Menschen bestimmt ist, bis zum kolossalsten Büffel der Prärien die Auswahl gehabt haben? Du wirst es sehen, du wirst es sehen, wenn …« – der Kanadier wurde plötzlich in der Höhe seines Enthusiasmus an die Wirklichkeit und ihre bedrängte Lage erinnert —, »wenn Gott diese neue Gefahr von uns abgewandt haben wird!« schloß er mit bewegter Stimme.

Fabian erwiderte darauf: »Der letzte Mediana, der jetzt noch einen so reichen Teil dieser Erfahrungen mitnehmen konnte, hat mehr als einmal im Schoß des Elends, in das man ihn gestoßen hatte, das Wühlen des Hungers in seinen Eingeweiden vernommen. Ich habe keine angenehmeren Lehrjahre in meinem Leben gehabt als ihr.«

»Armes Kind«, sagte Bois-Rosé.

»Und Gayferos?« rief Pepe. »Was soll während dieser ganzen Zeit aus ihm werden?«

»Er steht wie wir unter Gottes Schutz«, sagte der Kanadier ruhig; »jetzt dürfen wir nur an uns denken. Sobald sich nur unter diesen Indianern irgendein Freund oder ganz einfach nur einige Krieger des Schwarzen Falken befinden, so wird der Kampf ein Kampf auf Leben und Tod sein. Nach hundert Jahren würden deren Nachkommen noch von den unsrigen Rechenschaft für das indianische Blut fordern, das wir an den Ufern des Rio Gila vergossen haben; es ist also gut, keine Vorsichtsmaßnahmen zu unterlassen.« Die drei Jäger legten nun hinter den nach der Seite des Wasserfalls hin zu ihrem Schutz ausgespannten Decken ihre Pulverhörner nieder, da sie fürchteten, daß eine Kugel ihnen das einzige Verteidigungsmittel rauben könnte. Ihre Ledertaschen, die die Kugeln und die Lebensmittel enthielten, wurden am selben Ort niedergelegt und mit Steinen bedeckt, um sie noch mehr vor dem Feuer des Feindes in Sicherheit zu bringen.

Nachdem diese Vorsichtsmaßnahmen getroffen waren, legten sich der Kanadier und Fabian, indem sie stets die Augen auf den Gipfel der der Plattform der Pyramide gegenüberliegenden Felsen richteten, hinter die breiten Steine, die sie vor sich aufgerichtet hatten, die Büchse zur Seite, und Pepe kniete hinter den Stämmen der beiden Tannen nieder. Dann erwarteten alle drei den Beginn der Feindseligkeiten.

Dieser Augenblick war um so feierlicher, als die Belagerten noch nicht wissen konnten, mit welchen Feinden sie zu tun hatten, noch wie groß ihre Anzahl war. Alles, was sie – aber nur undeutlich durch die Felsenschießscharten, hinter denen sie gedeckt lagen – unterscheiden konnten, war eine fast unaufhörliche Bewegung der Gebüsche, die auf dem gegenüberliegenden, einer Verschanzung ähnlichen Gipfel hin und her wogten. Man errät wohl, daß es den Mestizen keine Mühe gekostet hatte, diesen für den Angriff so vorteilhaften Posten zu finden, obgleich er nicht so hoch lag als die Pyramide. Er hatte darauf zum großen Schrecken Barajas, dessen unruhige Sorge für seinen Schatz immer wach blieb, noch vor Tagesanbruch seine Stellung über dem Val d‘Or eingenommen. Der Abenteurer hatte sich beeilt, einen bestürzten Blick hinabzuwerfen. Aber wie groß war sein Erstaunen, als er sah, daß eine unbekannte Hand – die Hand eines eifersüchtigen Liebhabers, der allen Augen den Gegenstand seiner Liebe verbirgt – unter einem Schleier von Zweigen den berauschenden Glanz des Goldes, den das Tal widerstrahlte, verborgen hatte! Baraja dankte abermals seinem Schutzengel für diese ganz besondere Gunst und suchte in seinem Geist nach einem Mittel, in das Val d‘Or hinabzuschleichen, um dem Mestizen den für seine Befreiung bedungenen Preis heraufzuholen, ohne die fast unerschöpfliche Quelle zu verraten.

Main-Rouge und Sang-Mêlé hatten im Vertrauen auf ihre Kraft und Geschicklichkeit mit Ungeduld und Verachtung all die umständlichen Vorbereitungen eines indianischen Angriffs mit angesehen. Als endlich diejenigen der Apachen, die aus den bisherigen Kämpfen die Kaltblütigkeit und den Mut ihrer furchtbaren Gegner kannten, sich hinter den Reisigbündeln, die sie aufgehäuft hatten, und hinter dem dichten Gebüsch, mit dem die Felsen auf dem Gipfel bedeckt waren, in Sicherheit glaubten, um das Feuer zu eröffnen, stieß Main-Rouge den Kolben seiner Büchse heftig auf den Boden.

»Ach was«, sagte er mit einem schrecklichen Fluch, »es ist Zeit, dem ein Ende zu machen. Ohne diese Hunde – ohne diese Indianer, wollt‘ ich sagen – mit ihrer lächerlichen Liebe für die Skalpe, die nichts einbringen, würden wir diese Räuber dort oben auffordern, uns ihren Schatz auszuliefern; mit der Nennung unserer Namen würde alles beendet sein. Wir würden sehen, daß sie sich aus dem Staub machten wie Präriehunde, deren Bau man aufgräbt.«

»Ach, du alter Schelm«, sagte der Mestize mit einem Lieblingsfluch, der an Energie dem seines schrecklichen Vaters nichts nachgab, und spielte damit auf ein Gerücht an, das über Main-Rouge von den indianischen Stämmen erzählt wurde, »du mußt gewinnbringendere Skalpe haben wie diejenigen, die die Befehlshaber an den Grenzen dir, wie man sagt, einst mit Gold aufwogen. Diese Indianer wollen drei Skalpe, und sie sollen sie erhalten, verstehst du?«

Vater und Sohn warfen einen jener unheilverkündenden Blicke aufeinander, die zwischen diesen zügel- und gesetzlosen Schelmen so oft in blutigen Streit ausgeartet waren; für diesmal jedoch blieb es ohne Folge. Jeder von ihnen fühlte, daß der Augenblick, ihren abscheulichen Leidenschaften freien Spielraum zu lassen, schlecht gewählt war; der Vater verschluckte darum seinen Zorn und nahm wieder das Wort: »Nun denn! Was ist jetzt zu tun?«

»Was ist jetzt zu tun?« wiederholte Sang-Mêlé, indem er sich an denjenigen unter den Indianern wandte, der am einflußreichsten unter ihnen zu sein schien. »Der Schwarze Falke will seine Feinde lebendig haben; der Wunsch eines solchen Häuptlings wie er ist Gesetz für seine Krieger!«

»Gut«, sagte Main-Rouge; »das ist noch viel schwieriger, als drei Leichen den Skalp zu entreißen.« Dann warf er auf Baraja einen Blick, der diesen erzittern ließ. »Hund!« sagte er zu ihm. »Hast du uns nur darum hierher geführt?«

»Habe ich es Euer Gnaden nicht gesagt«, antwortete Baraja, »daß der Schatz von drei furchtbaren Jägern bewacht würde?«

»Was liegt daran?« sagte Sang-Mêlé. »Der Mexikaner wird sein Gold hergeben oder, wenn er uns betrogen hat, seine Haut bis auf den kleinsten Fetzen; Main-Rouge und Sang-Mêlé werden die drei Weißen den Indianern lebendig überliefern oder selbst das Leben dabei verlieren. Sie haben es versprochen, und sie werden ihr Wort einlösen.«

Der treulose Mestize hatte diese Worte halb spanisch – damit Baraja sie verstünde – und halb indianisch gesprochen, um vom Festhalten an seinem Wort eine Idee zu geben. Seine Verbündeten schenkten ihm kein Vertrauen.

»Ist der Name meines Bruders«, wandte er sich an den Indianer, »nicht die Gemse?« »Ja; er springt wie diese auf den Felsen.« »Wohlan; ist die Gemse entschlossen, ihr Leben und das ihrer Krieger zu opfern, um die Weißen gefangenzunehmen?«

»So sei es! Vorausgesetzt, daß drei von ihnen übrigbleiben, um die Gefangenen zur Hütte des Schwarzen Falken zu führen, willigt die Gemse ein, sich unter der Zahl derer zu befinden, die ihr Dorf nicht wiedersehen werden.«

»Gut«, sagte der Mestize. Dann wandte er sich an Baraja und sagte: »Und du, Schelm; welche Rolle wirst du spielen, um dein Versprechen zu halten?«

Baraja war wegen der Antwort sehr verlegen. Er wußte nur, daß er die Rolle des Schakals spielte, der sich zur Jagd einer Bande von Jaguaren angeschlossen hat. Er hielt sich deshalb im Hintergrund, da er sich erinnerte, daß in den Augen des wilden Amerikaners wie in denen des Mestizen sein Leben wenigstens bis zu dem Augenblick einigen Wert haben mußte, wo er sein Lösegeld bezahlt haben würde. »Euer Gnaden«, sagte er, »sollten in Betracht ziehen, daß ich allein weiß, wo der Schatz vergraben ist und darum mein Leben nicht leicht aufs Spiel setzen darf.«

»Bleibt darum hinter diesen Felsen versteckt!« sagte der Mestize und wandte Baraja verächtlich den Rücken.

Er unterhielt sich nun einige Minuten mit seinem Vater in einem Dialekt, den niemand von den Zuhörern verstehen konnte. Die kurze Besprechung fand auf einem von den Felsen gebildeten, sanft abfallenden Abhang statt. Auf diesem Abhang, der mit einer Art terrassenförmiger und mit Gebüsch bedeckter Anhöhe schloß, standen die Indianer fast aufrecht; ihr Kopf war in gleicher Höhe mit den ersten Schößlingen, und obgleich sie eine weniger hohe Stellung einnahmen als ihre Gegner, so konnten sie doch, selbst gedeckt, die leichteste Bewegung benützen, die etwas von ihnen erblicken ließ.

»Wenn wir ihnen das Leben versprechen würden, so würden sie sich ergeben«, sagte der Mestize zum Schluß.

»Und wir werden unser Wort halten, da wir sie den Indianern lebendig überliefern sollen«, fügte der Vater mit wildem Lächeln hinzu.

Zu gleicher Zeit stiegen Vater und Sohn die Böschung halb hinauf und hoben die Hand empor, ohne sich selbst oberhalb der Gebüsche zu zeigen.

»Aufgepaßt!« sagte Pepe, der hinter den beiden Tannen auf den Knien lag. »Die Feindseligkeiten oder die Unterhandlungen werden ihren Anfang nehmen; ich sehe zwei Hände, die den Felsenkamm überragen und das Zeichen des Friedens geben. Aber … diese Hände halten nicht das Kalumet … und die Kleider, die die Arme bedecken, sind nicht diejenigen der Apachen … Mit wem haben wir es denn zu tun?«

Pepe hatte mit außerordentlicher Schnelligkeit diese Worte gesprochen und diese Beobachtungen angestellt, als eine starke Stimme sie unterbrach: »Wer ist derjenige«, sagte die Stimme, »den die Indianer den Adler der Schneegebirge nennen?«

»Was ist das?« murmelte Bois-Rosé bestürzt. »Wer von diesen Schelmen spricht englisch?«

Und da Bois-Rosé nicht antwortete, fuhr die Stimme fort: »Vielleicht versteht der Adler der Schneeberge nur die Sprache, die man im Land redet?« Und die Stimme wiederholte ihre Frage französisch.

Bois-Rosé erbebte. »Das ist noch schlimmer, als ich dachte«, sagte er so leise, daß nur Pepe ihn verstehen konnte. »Es ist irgendein Renegat unserer Farbe dabei!«

»Ein von den Weißen zu den Roten übergelaufener Schelm«, sagte Pepe in spruchreichen Worten; »das sind die Wütendsten.«

»Was will man vom Adler?« fragte nun auch Bois-Rosé französisch, da er sich des Namens erinnerte, den ihm der Schwarze Falke gegeben hatte.

»Er möge sich zeigen; oder wenn er Furcht hat, sich sehen zu lassen, so möge er hören!«

»Und wenn ich mich zeige – wer bürgt mir dafür, daß ich es nicht zu bereuen habe?«

»Wir werden ihm mit Vertrauen vorangehen«, antwortete die Stimme.

»Was sagt er?« fragte Pepe.

»Ich soll mich zeigen und …«

Bois-Rosé blieb stumm vor Bestürzung beim Anblick der beiden seltsamen Gestalten, die plötzlich über der Brüstung ihm gegenüber auftauchten. Er hatte zwei Männer erkannt, deren Ruf als hinterlistige Mordgesellen nicht bloß bis zu seinen Ohren gelangt war, sondern die der Zufall zum zweitenmal ihm in den Weg führte. Schon das erstemal war ihm die Begegnung verderbenbringend genug gewesen.

Beim Anblick dieser beiden Männer, mit denen er hier wieder zusammentraf, durchzuckte ein fremdartiges, schmerzliches, bis dahin unbekanntes Gefühl das Herz des unerschrockenen Waldläufers: Fabian war bei ihm, und zum erstenmal in seinem Leben fürchtete sich Bois-Rosé beinahe! Seine stählernen Muskeln spannten sich wie die starken Lianen der amerikanischen Wälder.

»Main-Rouge und Sang-Mêlé! Erkennst du sie?« sagte er zu Pepe.

Pepe machte eine bejahende Gebärde. Eine ähnliche Erschütterung wie die, die Bois-Rosé gefühlt hatte, hatte sein Herz getroffen. »Zeige dich nicht!« sagte er. »Für alle, die mit ihnen zusammentreffen, ist der Tag ein Tag der Trauer.«

»Ich werde mich zeigen«, erwiderte Bois-Rosé; »es würde sonst scheinen, als ob ich Furcht hätte. Beobachte nur genau jedes Blatt an den Gesträuchen, und verliere keine einzige Gebärde dieser beiden Teufel, die es mit beiden Parteien halten, aus den Augen.« Bei diesen Worten richtete der Kanadier auf der Plattform seine hohe Gestalt gerade und fest wie der Lauf seiner Büchse empor, und sein klarer, offener und ruhiger Blick bewies, daß die Furcht im Herzen des Kanadiers keine Stätte hatte.

Main-Rouges Anblick war abstoßend. Er war ein großer, dürrer alter Mann mit lohbrauner, backsteinfarbiger Haut und wildem Blick; seine Augensterne von ungleicher Größe und stechendem Blick und seine sich auf einem eckigen Gesicht schief erhebende Nase bezeichneten ihn als vollendeten Bösewicht. Seine langen weißen, früher brandroten Haare waren auf dem Scheitel des Kopfes nach indianischer Sitte aufgebunden und wurden von Riemen aus Otternhaut zusammengehalten. Eine Art Jagdkittel aus Hirschleder, mit Stickereien von verschiedener Farbe verziert, reichte ihm bis ans Knie und ließ lederne Gamaschen erblicken, die verschwenderisch mit Fransen und Troddeln besetzt waren. Seine Füße waren mit olivengrünen Mokassins bekleidet und mit Glasperlen jeder Art geschmückt. Eine buntfarbige Decke war über die Schulter geworfen, während ein lediger Gurt eng seine hageren Seiten umschloß. An einem roten Wehrgehänge befanden sich eine Streitaxt, ein langes Messer ohne Scheide und das Futteral einer indianischen Pfeife.

In einem solchen Aufzug hätte niemand in dem amerikanischen Renegaten Züge der weißen Rasse zu erkennen vermocht.

Sang-Mêlé hatte einige Ähnlichkeit mit seinem Vater, und wenn seine Augen auch von ebenso großer Wildheit zeugten, so deutete das indianische Gepräge seines Gesichts doch wenigstens nicht auf die bei Main-Rouge so sichtbare Gemeinheit der Seele. Der Mestize war ebenso groß, aber viel kräftiger gebaut als sein Vater. Er hatte die wunderbare Stärke geerbt, die das Alter bei dem alten Renegaten noch nicht verringert hatte. Mit einem Wort: der Mestize hatte zugleich etwas vom Tiger und vom Löwen an sich. Der Weiße jedoch war wie der bengalische Tiger, der die Natur des amerikanischen Schakals angenommen hat. Die dicken schwarzen Haare El Mestizos waren ebenso aufgebunden wie die seines Vaters, jedoch nicht durch Lederriemen, sondern durch scharlachrote Bänder, wie man sie zuweilen in die Mähne der Pferde geflochten findet. Seine Jagdkleidung, vom selben Schnitt wie die des Amerikaners, bestand aus rotem Tuch und unterschied sich übrigens von der seines Vaters nur durch die reichliche Verwendung von Zierat, mit dem ein junger indianischer Fant so gern seine Person herausputzt. Auf seiner Schulter ruhte eine lange Büchse, deren Kolben und Schaft mit Messingnägeln übersät waren, deren Köpfe wie Gold glänzten; außerdem war sie noch sorgfältig mit Verzierungen von Zinnober bemalt.

Obgleich diese beiden Banditen die feierliche Haltung der Indianer anzunehmen suchten, so fand sich doch ein großer Unterschied zwischen ihrer abstoßenden Gesichtsbildung und dem Antlitz und der Haltung Bois-Rosé, dessen athletische Gestalt ebenso wie die Züge seines Gesichtes das schönste Bild eines ehrenfesten Mannes darboten, der sich seines Wertes bewußt ist.

»Was will man vom Adler der Schneeberge, da dies doch einmal der Name ist, mit dem man mich bezeichnet hat?« fragte der Kanadier mit ruhiger Stimme.

»Ei«, sagte der Räuber von Illinois mit häßlichem Lächeln; »wir haben uns schon gesehen, wie mir scheint, und wenn ich mich recht erinnere, so hätte der kanadische Waldläufer seinen Skalp nicht behalten, ohne …«

»… einen Kolbenschlag, an den Euer ausgezeichnetes Gedächtnis Euren Schädel erinnern sollte!« fügte Pepe hinzu, der nun auch an der Besprechung teilnahm, die in englischer Sprache stattfand.

»Ah, da seid Ihr ja ebenfalls!« fuhr der Amerikaner fort.

»Wie Ihr seht«, antwortete der Spanier mit einer Kaltblütigkeit, die seine vor Haß glühenden Augen Lügen straften.

»Derjenige, den meine indianischen Brüder den Spottvogel nennen«, sagte Sang-Mêlé. Die Augen des Spaniers, dessen glühende, fast wilde Leidenschaften gewaltsam durchzubrechen drohten, schleuderten einen blitzartigen Blick auf den Mestizen; er öffnete den Mund, um eine jener Antworten zu erteilen, nach denen die friedlichen Unterhandlungen sich gewöhnlich in erbitterte Kriegserklärung verwandeln, als Bois-Rosé ihn bat, doch ruhig zu sein.

Bois-Rosé fühlte ebenfalls schnell seine Geduld verfliegen, und der furchtbare Indianertöter vermochte kaum noch die Flut des aufsteigenden Hasses länger zurückzuhalten; er wollte jedoch noch ruhig genug bleiben, um die Vorschläge, zu denen er nicht die Hand zuerst geboten hatte, für den zweifelhaften Fall anzuhören, daß sein leicht erregtes Ehrgefühl ihm erlauben würde, sie zugunsten Fabians anzunehmen.

»Ich bin gekommen, um Worte des Friedens zu vernehmen, und da verirrt sich nun die Sprache von Main-Rouge und Sang-Mêlé sehr weit vom Ziel«, sagte er ernst.

»Es wird nicht lange dauern«, erwiderte der Amerikaner. »Sprich, Sang-Mêlé!«

»Ihr steht mit den Füßen auf einem reichen Schatz«. sagte der Mestize; »ihr seid nur zu dritt – wir sind fünfmal zahlreicher als ihr und müssen diesen Schatz haben. Das ist es.«

Bestimmt, klar und unverschämt, dachte Pepe. Ich will doch sehen, wie Bois-Rosé das verdauen wird. Ein Mann, der weniger Vertrauen auf die Überlegenheit, die ihm die Zahl seiner Verbündeten gab, auf seine Geschicklichkeit und Körperkraft gesetzt hätte, wäre vor dem augenblicklichen Ausdruck des Gesichtes des athletischen Waldläufers zurückgebebt. Trotz seiner zärtlichen Liebe für Fabian fühlte doch Bois-Rosé nur noch das glühende Verlangen, die Unverschämtheit des Banditen zu bestrafen.

»Hm«, machte der Kanadier mit einer Anstrengung, die ihm beim Anblick des anmaßend auf den Lauf seiner Büchse gestützten Mestizen schwer genug werden mußte; »und unter welchen Bedingungen müßt ihr diesen Schatz haben?«

»Unter der Bedingung, daß ihr euch alle drei so schnell wie möglich aus dem Staub macht.«

»Mit Waffen und Gepäck?«

»Mit Gepäck, aber ohne Waffen!« erwiderte El Mestizo, der wohl wußte, daß es ihm dann ein leichtes sein würde, trotz seines Eides die drei Jäger seinen wilden Verbündeten zu überliefern.

»Wenn die beiden Bösewichter nicht an unser Leben wollten, so würde ihnen so zahlreich, wie sie sein müssen – wenig daran liegen, ob wir unsere Waffen behielten«, flüsterte Pepe dem Kanadier ins Ohr.

»Das ist klar wie der Tag; aber laß mich nur diese Schelme entlarven«, erwiderte Bois-Rosé ganz leise. Dann sagte er laut zum Mestizen: »Sind die Schätze, die wir zurücklassen, nicht hinreichend? Was sollten euch drei Büchsen unter fünfzehn Kriegern nützen?«

»Um euch außerstande zu setzen, uns zu schaden.«

Der Kanadier zuckte die Schultern. »Das ist keine Antwort!« sagte er. »Ihr habt es hier mit Männern zu tun, die alles hören können, ohne sich durch Drohung beunruhigen, durch trügerische Redensarten täuschen zu lassen. Wir müssen bestimmt wissen, woran wir uns zu halten haben«, fuhr er fort, sich an Pepe wendend.

Der alte Renegat nahm hierauf das Wort. »Wohlan«, sagte er höhnisch lachend, »Sang-Mêlé vergißt in seiner Gnade für euch eine Bedingung.«

»Welche?«

»Daß ihr euch auf Gnade und Ungnade ergeben müßt«, begann der Mestize.

»Laß mich doch diesem Vipernpaar mit weißem Schwanz und indianischem Kopf antworten!« sagte Pepe, indem er Bois-Rosé mit dem Ellbogen stieß.

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
30 ağustos 2016
Hacim:
1180 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain