Kitabı oku: «50 Dinge, die ein Steirer getan haben muss»

Yazı tipi:


Reinhard M. Czar · Gabriela Timischl




INHALT

50 Dinge, die ein Steirer getan haben muss

COVER

TITEL

VORWORT

01 DIE REISE ZUM MITTELPUNKT ÖSTERREICHS

Bad Aussee, Kurpark

02 BERGPARADIES AM STADTRAND

Bad Aussee, Alpengarten

03 AUFSTIEG AUF DAS DACH DER STEIERMARK

Der Dachstein

04 WO DER WILDBACH RAUSCHT

Ennstal, Gesäuse

05 IM WASSERREICH

Krakau, Günster Wasserfall

06 KLAMMHEIMLICH

Die Raabklamm

07 STEIRISCHE FORMEL MIT SELTENHEITSWERT: OSTERZEIT = BLÜMCHEN2

Großsteinbach, Schachblumenwiese

08 SAH EIN KNAB’ EIN RÖSLEIN STEH’N

Graz, Schloss Eggenberg

09 GRAZER WOHNZIMMER IN LUFTIGER HÖH’

Der Schöckl

10 OHNE BÜCHSE AUF DIE PIRSCH

Schloss Stainz, Jagdmuseum

11 AUF GRENZGANG ZU DEN NACHBARN

Leutschach und Sveti Duh

12 VOLL IM ÖL

Das Kürbiskernöl

13 EIN SCHLUCK STAATSVERTRAGSBIER

Leoben, Brauerei Göss

14 DAS BRETTL, DAS DIE STEIRISCHE WELT BEDEUTET

Die Brettljause

15 DAS DORF IN DER STADT

Graz, Kaiser-Josef-Platz

16 EIN WAHRHAFT PÄPSTLICHER IRRTUM

Der Schilcher

17 AUF VULKANLAND-TOUR INS STEIRISCHE SCHINKENPARADIES

Klöch – Bad Gleichenberg – Auersbach

18 EIN GENUSSSTÜCKERL IM SCHOKOLADEN-THEATER

Riegersburg, Zotter Schokoladen

19 EINE RUNDUM RUNDE SACHE

Der steirische Apfel

20 ICH WOLLT’, ICH WÄR’ EIN HUHN

Fantsch, St. Andrä im Sausal

21 EIN BESUCH BEIM „STEIN DER LIEBE“

Toplitzsee

22 GEDENKMINUTE VOR DEN GEBEINEN DES LANDESVATERS

Gratwein-Straßengel, Stift Rein

23 IN DEN FUSSSTAPFEN DES TERMINATORS

Thal und Graz

24 AM GRAB DES WELTMEISTERS

Graz, Zentralfriedhof

25 UNTERWEGS MIT DEM PS-MONSTER

Eisenerz, Erzberg


26 AUF DEM STEIRISCHEN (HOLZ-)WEG

St. Georgen am Kreischberg

27 STERNDERLSCHAUEN IN JUDENBURG

Judenburg, Stadtturm

28 EIN TEUFELSRITT MIT DER SEMMERINGBAHN

Semmering

29 IM LAND DER HÄMMER

Deutschfeistritz, Sensenwerk

30 IM WINDSCHATTEN DER STEIRISCHEN KULTKISTE

Graz, Johann Puch Museum

31 IM STEILHANG

Schladming, Planai

32 AUF ZWEI RÄDERN DURCH DIE GRÜNE MARK

Der Murradweg

33 KREISFAHREN AUF STEIRISCH

Spielberg, Red Bull Ring

34 DIE MUTTER DES STEIRISCHEN THERMENBOOMS

Loipersdorf bei Fürstenfeld

35 INTRIGEN IM LIPIZZANER-KINDERGARTEN

Köflach, Bundesgestüt Piber

36 FEIERN WIE DIE FREIHERREN!

Lassing, Burg Strechau

37 EINTRITT IN DIE STILLE

Graz, Franziskanerplatz

38 AUF ZEITREISE INS ALTE ROM

Flavia Solva – Graz – Löffelbach

39 LOKALAUGENSCHEIN AM LETZTEN KRIEGSSCHAUPLATZ MITTELEUROPAS

Bad Radkersburg

40 ZUG UM ZUG DURCHS MÄRCHENLAND

Graz, Schloßberg

41 ALTES GEWEBE

Ramsau am Dachstein, Lodenwalke

42 STEIRISCHE KAPELLENROMANTIK

St. Georgen am Kreischberg, Cäciliakirche Bodendorf

43 EIN SCHUSS INS WASSER

Krakau, Schattensee

44 DAS WANDERN IST DES STEIRERS LUST

Langenwang, Krieglach/Alpl, St. Kathrein am Hauenstein

45 DER WEG IST DAS ZIEL

Mariazell, Basilika

46 DIE STEIRERBIBEL

Fohnsdorf, Kumpitz

47 STEIRISCH GSUNGEN UND GSPIELT

Landauf landab in unzähligen Gasthäusern

48 IM „DA LOAM“ LEBT DER LEHM!

Graz, Mariahilferstraße 11

49 KÜNSTLERKIRCHEN

Thal, Pfarrkirche

50 SCHLUSS, AUS, OPERNHAUS!

Graz, Opernhaus

Dank | Die Autoren | Literatur

Bildnachweis

Impressum

„Dieses schöne Land ist der Steirer Land, ist mein liebes, teures Heimatland.“

Aus: Jakob Dirnböck, Dachsteinlied

VORWORT


Griaß enk!

„Griaß enk!“, auf Hochdeutsch „Ich grüße euch!“, so sagt man in weiten Teilen der Steiermark zur Begrüßung. Ob man mit den solcherart Gegrüßten per Sie oder per vertraulichem Du ist, spielt dabei keine große Rolle. In der Steiermark neigt man ohnehin eher zum Du, und spätestens wenn man gemütlich „beisammenhockt“, also zusammen am Tisch sitzt, ist es einerlei, ob Du oder Sie. Kein Klischee, sondern landauf, landab gelebte Wirklichkeit; der lockere Gruß zeugt weniger von mangelndem Respekt gegenüber dem Gegenüber, sondern vielmehr von einer unkomplizierten Art. Hier ist jeder willkommen, egal ob Hiesiger – Einheimischer – oder Zuagroaster – Fremder.

Schon im Jahre 1825 konstatierte ein gewisser Joseph Kyselak, der eine Fußreise durch weite Teile der k. u. k. Monarchie, darunter die Steiermark, unternommen hatte, einige Besonderheiten an steirischer Landschaft und Bevölkerung. Sein erster Eindruck, als er vom Semmering ins Tal herunterstieg: dampfende Meiler und schwere Hämmer überall. Kein Wunder, er kam ja in der Mur-Mürz-Furche an, die damals von der langsam in die Gänge kommenden Industrialisierung geprägt war und auch heute noch neben dem Großraum Graz das Kernstück steirischer Wirtschaftskraft darstellt. Die typischen steirischen Häuser waren zur Gänze aus Holz gefertigt – im bis heute waldreichsten Bundesland Österreichs nicht weiter verwunderlich. Die breitkrempigen, grünen Hüte der Menschen fielen ihm ebenfalls auf – so einen Hut trug bekanntlich sogar Erzherzog Johann. Ein Klischee? Mag sein, aber von dem Fußreisenden wurde es damals genau so vorgefunden und notiert. Lediglich mit seiner Einschätzung der „Leibestrachten“ der Mädchen lag Kyselak ein wenig daneben, meinen wir: Sie würden die Steirerinnen verunstalten, meinte er nämlich. Gut, dass er sich bei seiner Reise hütete, das vor Ort so auszusprechen, und es erst später in seinen Aufzeichnungen niederschrieb. Der Unmut der Steirerinnen und auch so manchen Steirers wäre ihm sicher gewesen …

Die geneigte Leserin, der geneigte Leser wird sich an dieser Stelle vielleicht fragen, was eine bald 200 Jahre alte Reisebeschreibung mit 50 Dingen zu tun hat, die man in der Steiermark der Gegenwart getan, gesehen, verkostet etc. haben sollte. Ganz einfach, auch bei der Recherche der 50 Dinge, die unserer Meinung nach repräsentativ für das Steirerland stehen und die wir in diesem Buch zusammengefasst haben, drohte die Gefahr, ins Klischee abzugleiten. Fragt man 50 Menschen nach 50 typisch steirischen Dingen, wird man 50 verschiedene Versionen erhalten. Aber dessen ungeachtet werden sich darunter einige Konstanten befinden, die fast jeder nennt: Kürbis, Kernöl, Kropf …

Ganz im Ernst: Wir hätten wesentlich mehr interessante Dinge in das Buch aufnehmen können als die 50, die es schlussendlich geworden sind. Die Auswahl ist uns nicht leicht gefallen, und wir haben dafür die Steiermark gewissenhaft und aufmerksam von Nord nach Süd und von Ost nach West bereist. Und weil es auch eine „Ordnung“ braucht, haben wir die 50 Steirer-Dinge in Gruppen zusammengefasst. Nach dem Auftakt in der wunderbaren steirischen Natur folgen Speis und Trank, ergreifende Steirer-Schicksale, einzigartige technische Innovationen, Sportliches sowie ein Streifzug durch die steirische Geschichte und Kultur.

Nicht zuletzt haben wir das Buch mit zahlreichen Bildern „garniert“, damit schon beim Durchblättern und Lesen der Wunsch entsteht: Das möchte ich auch erleben! Bekanntes wechselt dabei mit Unbekanntem; neue Routen sollen Lust auf Altes machen; oft ist es auch eine Frage der Perspektive, um Neues am vermeintlich Vertrauten zu entdecken; Jung und Alt sollen gleichermaßen auf ihre Kosten kommen.

Großen Wert haben wir bei unseren 50 Empfehlungen darauf gelegt, dass die Dinge für jedermann zu bewältigen sind. Man benötigt weder ein abgeschlossenes Überlebenstraining noch ein Abo fürs Fitnesscenter, um auf unseren Spuren zu wandeln. Gelegentlich ein Auto und/​oder eine Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel genügen völlig. Und ein Mal, auf der legendären Planai, wären ein Paar Ski von Vorteil. Doch auch in diesem Fall könnte man rein theoretisch (und praktisch) die Ski in der Ecke stehen lassen und den anderen, sprich den Profis, beim Skifahren zusehen, um ein weiteres steirisches „Must“ auf seiner Liste abzuhaken.

Tauchen Sie mit uns also tief ins Steirische ein! Tun, sehen, verkosten etc. Sie die 50 Dinge, die ein Steirer unbedingt getan, gesehen, verkostet etc. haben sollte. Viel Spaß oder, um es auf Steirisch zu sagen, a Mords a Gaudi wünschen wir!

Reinhard M. Czar

& Gabriela Timischl

01

DIE REISE ZUM MITTELPUNKT ÖSTERREICHS

Bad Aussee, Kurpark

„Dieses schöne Land ist der Steirer Land“, singt man in der Landeshymne. Stimmt, die Steiermark ist reich an sehenswerter Landschaft und so kommt es nicht von ungefähr, dass sogar der Mittelpunkt Österreichs hier zu finden ist.

Die Aufgabe klingt ähnlich spannend, wenngleich nicht so strapaziös wie die von Professor Otto Lidenbrock vor rund 150 Jahren. Der fiktive Wissenschaftler wurde bekanntlich vom französischen Schriftsteller Jules Verne im Jahr 1863 in einem seiner berühmtesten Romane auf die beschwerliche Reise zum Mittelpunkt der Erde geschickt … Unser Ziel hingegen liegt weniger weit entfernt und ist komfortabler zu erreichen, darf sich aber genauso Mittelpunkt nennen: nämlich geografischer Mittelpunkt Österreichs. Dieser liegt also in der Steiermark, im Kurort Bad Aussee im steirischen Teil des Salzkammerguts, von unserem Ausgangspunkt Graz gerade einmal 160 Kilometer entfernt. Professor Lidenbrock hätte das wohl nur einen Lacher gekostet …

Seit dem Jahr 1949 gilt der Punkt mit den Koordinaten 47 Grad 37 Minuten Breiten- und 13 Grad 47 Minuten Längengrad offiziell als Mittelpunkt Österreichs. Im Kurpark von Bad Aussee erinnert ein Gedenkstein, der sogenannte Mittelpunktstein, an den besonderen Status des Ortes. Ganz in der Nähe des Steins fließen die beiden Quellflüsse der Traun zusammen, die Grundlseer und die Altausseer Traun. Auch über der Mündung der beiden Flüsse hat man mit einer sternförmigen Brücke versucht, so etwas wie ein „Mittelpunktfeeling“ zu schaffen. Mit 27 Metern Durchmesser stellt die Brücke zwar ohne Zweifel den größten Mercedesstern der Welt dar, sie war bei ihrer Errichtung aber nicht unumstritten in der selbstbewussten Ausseer Bürgerschaft.

Ausgehend von einem Wettbewerb, in dem eine Zeitschrift einst dazu aufgerufen hatte, den Mittelpunkt der Alpenrepublik zu eruieren, kristallisierte sich rasch heraus, dass dieser in Bad Aussee liegt. Ein Gutachten der Universität Wien bestätigte das schwarz auf weiß, und am 24. September 1949 wurde das Ereignis, beglaubigt im Mittelpunkt zu stehen, feierlich in dem Städtchen begangen.

Oben: Mittelpunktstein im Kurpark (markiert durch die Fahnen),

unten links: Erzherzog-Johann-Statue im Kurpark,

unten rechts: Mercedes-Brücke

Ehre, wem Ehre gebührt, könnte man sagen, denn Bad Aussee verdient den Titel „Mittelpunkt Österreichs“ nicht nur aus geografischen Gründen. Auch anderweitig präsentiert die Stadt an der Grenze zu Oberösterreich eine Fülle dessen, was typisch für unsere Heimat ist: Man stößt bei einem Rundgang auf interessante Bauten, wie beispielsweise den ehemaligen Gasthof „Blaue Traube“ – heute eine Pension. Die Grundsteine dieses ältesten Hauses von Bad Aussee in der Kirchengasse reichen tief ins Mittelalter zurück. Das altehrwürdige Gemäuer vereint unterschiedlichste Epochen in sich, auf der einen Seite findet man zwei Römersteine, auf der anderen Seite erinnert eine Gedenktafel daran, dass einst Karl Renner kurz hier gewohnt und wohl auch sozialdemokratisch am Wirtshaustisch agitiert hat.

Ganz in bester k. u. k. Tradition gibt es im legendären Kurcafé Lewandofsky, heute im Besitz des bekannten steirischen „Eisbarons“ Charly Temmel, ausgezeichnete Mehlspeisen zu genießen. Diese Pflichtstation für jeden Aussee-Besucher findet man in zentraler Lage im Kurhaus am Rande des Kurparks, nur wenige Meter vom Mittelpunktstein entfernt.

Natürlich hat auch Erzherzog Johann in Bad Aussee seine Spuren hinterlassen, schließlich wurde die Liebe seines Lebens, Anna Plochl, hier im Postmeisterhaus geboren – mehr dazu in einem eigenen Kapitel (► 21).

Darüber hinaus ist die Region natürlich vom Salz und von den Seen geprägt. Ob Altausseer See oder Grundlsee, jeder hat seinen spezifischen Reiz, und es stellt fast so etwas wie eine „Religion“ dar, an welchem See man lieber seine Zelte aufschlägt. Auf den Spuren des Salzes wandelt man am besten in den Salzwelten von Altaussee. Im nach wie vor aktiven Bergwerk wurde eine sehenswerte Erlebniswelt eingerichtet, inklusive Bergmannrutsche und unterirdischem Salzsee. Doch auch in Bad Aussee selbst begegnet man dem Salz auf Schritt und Tritt, beispielsweise im Kammerhof, ein wenig oberhalb des Kurparks am Chlumeckyplatz gelegen. Dort residierten früher die mächtigen Salzverweser und damit die Herren über das „weiße Gold“, das der Region großen Reichtum brachte.


An und für sich stellt ganz Bad Aussee den Mittelpunkt Österreichs dar. Den daran erinnernden Mittelpunktstein findet man leicht, er steht im Kurpark, nicht weit vom gut sichtbaren Erzherzog-Johann-Denkmal entfernt.

ausseerland.salzkammergut.at

02

BERGPARADIES AM STADTRAND

Bad Aussee, Alpengarten

Natur pur, obwohl einst künstlich angelegt: Die gesamte Blumenwelt der Alpen blüht hier auf einem Fleck und wartet darauf, entdeckt zu werden!

Raus aus der Stadt, rein in die ungestüme Bergwelt! Kaum anderswo in der Steiermark lässt sich das schneller und intensiver bewerkstelligen als in Bad Aussee. Denn unmittelbar vor den Toren dieser Kleinstadt im Salzkammergut, der wir bereits das vorhergehende Kapitel in diesem Buch gewidmet haben, warten mit Gösslmauer, Loser & Co nicht nur mächtige Bergwände. – Außerdem, Berge gibt’s am Rande anderer steirischer Städte ja auch. Hier aber präsentiert sich die Bergwelt im wahrsten Sinne des Wortes von ihrer schönsten Seite: in Form eines Alpengartens, der sich in besonderer Weise solcher Pflanzen annimmt, die wiederum wahre Bergfexe sind und die Seehöhe lieben …

In und um Bad Aussee spielen Blumen traditionell eine große Rolle. Alljährlich findet das berühmte Narzissenfest statt, für das Tausende und Abertausende der blühenden Frühlingsboten, die in der Region wie das sprichwörtliche Unkraut sprießen, zu allen möglichen Skulpturen gebunden werden. Höhepunkt der (Schnitt-)Blumenschau: der Bootskorso auf dem Grundlsee. Wem der Sinn weniger nach Großveranstaltung mit Massenauflauf steht, der wird hingegen im Alpengarten besser aufgehoben sein. Nicht nur an einem Wochenende im Frühling, sondern den Großteil des Jahres über sehens- und besuchenswert präsentieren sich die Pflanzen dort, nur wenige Kilometer vom Zentrum Bad Aussees entfernt.

Den Beinamen „Naturerlebniszentrum“ trägt der Alpengarten von Bad Aussee mit vollem Recht. Hauswurz, Enzian, Steinbrech, Frauenschuh, Mauermiere und wie sie alle heißen stehen friedlich vereint nebeneinander. Diese Oase der Natur wurde auf einem verlassenen Steinbruch vor circa 100 Jahren angelegt. Aufgrund dieser außergewöhnlichen Bodengegebenheiten fühlen sich Steingarten- und Alpenpflanzen sowie botanische Raritäten aus den verschiedenen Erdteilen hier besonders wohl. Auch Gehölze, Orchideen, Heilkräuter und Giftkräuter haben eine – teils neue – Heimat gefunden.

Schon vor dem Betreten des eigentlichen Alpengartens, noch während man die Straße vom Parkplatz hinaufmarschiert, erkennt man, dass es sich um ein ganz außergewöhnliches Stück Natur handelt. Die eine oder andere vorlaute Pflanze scheint ihr Köpfchen neugierig über den Rand des Zaunes zu strecken und die Besucher bereits außerhalb der Einfriedung zu begrüßen. Drinnen erstreckt sich auf rund 12 000 Quadratmetern eine unglaubliche Vielfalt an Alpenpflanzen, die man in aller Ruhe betrachten kann. Die Farbenvielfalt erfreut das Auge und so manche Blüte verströmt einen betörenden Duft, der nicht nur Bienen und andere Insekten anlockt, sondern auch die zweibeinigen Besucher in seinen Bann zieht. Bei unserem Besuch im Frühsommer standen – inmitten der Berge ein wenig später als im Flachland – viele Pflanzen in voller Blüte, und wir konnten uns kaum an der Farbenpracht sattsehen.


Oben links: Sommersbergsee,

unten links: Alpengarten

Der Alpengarten ist in verschiedene Themenbereiche gegliedert. Die große Vielfalt alpiner Pflanzen erlebt man auf einem wunderschön angelegten Rundweg. Ermüdet vom Rundgang lässt es sich dort und da auf Bänken trefflich ausruhen. Dieser Alpengarten sollte ein Muss für jeden Garten- und Naturliebhaber sein. Übrigens, auch Kinder finden in diesem Garten ihre Freude: Es gibt einen naturbelassenen Teich, zwischen den Steinen tummeln sich bunte Eidechsen und Schmetterlinge stecken ihren Rüssel in den ein oder anderen Blütenkelch – Naturerlebnis pur …

Apropos Kinder – der Alpengarten ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für eine kurze Wanderung. In rund einer Dreiviertelstunde erreicht man auf bestens ausgeschildertem Weg den Sommersbergsee. Zuerst durch den Wald, in weiterer Folge über Flur und Felder führt der Weg bergan zu diesem malerisch gelegenen See, der auch ein Badesee ist. In idyllischer Lage lässt sich hier ein Stück Bergwelt genießen, das im Gegensatz zum Alpengarten nicht künstlich angelegt wurde. Das Moorwasser macht den Sommersbergsee selbst in dieser Höhe von mehr als 800 Seemetern rasch warm, sodass man, wenn das Wetter entsprechend ist, bereits im Frühjahr ein paar Tempi wagen kann. Mit einem Wort: ein schöner Ausflug für die ganze Familie.


Naturerlebniszentrum Alpengarten Bad Aussee, Ischlbergstraße 67, 8990 Bad Aussee. Vom Zentrum Bad Aussees kommend auf der Salzkammergutstraße B145 Richtung Oberösterreich bis zur Abzweigung Ischlbergstraße. Dort am besten den beschilderten Parkplatz benützen und die wenigen 100 Meter bis zum Alpengarten zu Fuß hinaufgehen.

03

AUFSTIEG AUF DAS DACH DER STEIERMARK

Der Dachstein

Sein Name ist Programm: Der Dachstein ist der höchste Berg der Steiermark. Ihn zu bezwingen und der grünen Mark damit „aufs Dach zu steigen“ zählt zur Steirerpflicht, deren Erfüllung dank Gondelbahn heutzutage leichtfällt.

Er ist der steirische Berg schlechthin und wird gleich in der ersten Zeile der steirischen Landeshymne besungen: der Dachstein. „Hoch vom Dachstein an, wo der Aar noch haust“, lautet die weithin bekannte Textzeile des Liedes, wobei der Aar, also die alte Bezeichnung des Adlers, bereits signalisiert, dass die Weise schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Die Hymne kennt man auch unter dem Namen „Dachsteinlied“, sie wurde ursprünglich anlässlich des 25-jährigen Bestehens der von Erzherzog Johann gegründeten Steiermärkischen Landwirtschaftsgesellschaft geschrieben. Erst im Jahr 1929 mutierte das von Ludwig Carl Seydler und Jakob Dirnböck geschaffene Lied zur Landeshymne.

Als Steirerin bzw. Steirer muss man den darin besungenen Dachstein also ohne Zweifel gesehen haben. Um das Bergmassiv nur zu betrachten, würde an und für sich ein Ausflug ins obere Ennstal genügen. Dort wird man den Blick kaum von der Dachstein-Südwand abwenden können, so markant prägt das Massiv die Region. Wir wollen aber mehr, als den Berg nur zu sehen.

Um den Dachstein genauer zu erkunden, muss man schon auf ihn hinauf. Die Ersten, die die furchteinflößende Südwand durchklettert haben, waren zwei Brüder: Georg und Franz Steiner gelang im September 1909 die Erstbesteigung der felsigen Dachstein-Südwand. Bis heute nennt sich die von den Brüdern gewählte Route Steinerweg und ist klarerweise nur etwas für geübte Bergsteiger.

Am bequemsten erfolgt der Aufstieg auf das „Dach der Steiermark“ heutzutage natürlich mit der Gondelbahn, die von Ramsau aus zur Gipfelstation verkehrt. Die Talstation – auch schon auf stolzen 1700 Metern Seehöhe bei der sogenannten Türlwandhütte gelegen – erreicht man über eine mautpflichtige Straße. Die beeindruckende Bahn, die ohne eine einzige Zwischenstütze auskommt, wurde in den späten 1960er-Jahren errichtet und bietet eine genauso mühelose wie spektakuläre Fahrt auf den Berg. In rund 6 Minuten gondelt man damit über eine Strecke von mehr als 2 Kilometern, bis man in der Bergstation am Hunerkogel steht. Oben auf 2700 Metern Seehöhe angelangt, eröffnet sich (bei Schönwetter) nicht nur ein grandioses Berg- und Talpanorama, sondern auch eine vielfältige Freizeitwelt, an der dem echten Bergfex so manches etwas disneyhaft vorkommen könnte. Attraktion um Attraktion wurde in den vergangenen Jahren auf den Berg gestellt, beispielsweise eine Hängebrücke, der Skywalk oder die Treppe ins Nichts. Von den beiden Letztgenannten lässt es sich trefflich in die Tiefe starren, was durchaus einen gewissen Nervenkitzel hervorrufen kann. Immerhin geht es unter den eigenen Füßen von den zwei gläsernen Plattformen aus mehrere Hundert Meter im freien Fall hinunter, allein die Glasplatte, auf der man steht, bietet einen nahezu unsichtbaren Halt. Wem das zu gefährlich anmutet, der freut sich vielleicht über die Märchenskulpturen im Eispalast, den man ins Gletschereis gehauen hat.

Oben: Panoramagondel & Skywalk,

unten: Hängebrücke

Und natürlich kann man auf dem Dachsteingletscher außerdem Ski fahren, Touren gehen oder klettern, womit wir wieder bei den bereits erwähnten Steiner-Brüdern gelandet wären. Sie waren zwar die Ersten, die sich durch die Dachstein-Südwand quälten, oben auf dem Berg hat aber bereits einige Jahrzehnte vor ihnen ein bekannter Alpinist seine Spuren hinterlassen: Friedrich Simony. Der böhmische Geograf, der im obersteirischen St. Gallen gestorben ist, erforschte ab den 1840er-Jahren das Dachsteinplateau. Die ihm gewidmete Schutzhütte, die Simonyhütte, erinnert an seine Aktivitäten.

Man sieht, der steirische Paradeberg bietet für jeden Geschmack etwas, egal ob man gerne in die Eisen steigt oder es lieber gemütlich angeht. Wie es sich eben für einen Berg geziemt, der in der Landeshymne besungen wird. Wobei das mit der „Landeshoheit“ so eine Sache ist. Denn der Dachstein liegt hart an der Grenze zu Oberösterreich, was ihm in den vergangenen Jahren einen veritablen, aber letztlich nicht ganz ernst gemeinten Grenzstreit zwischen den zwei Bundesländern beschert hat. So wurden einstmals steirische Anteile, wie zum Beispiel der Eispalast, nach einer neuerlichen Vermessung Anfang 2014 den Oberösterreichern zugeschlagen. An Attraktivität hat das Ausflugsziel dadurch allerdings nichts eingebüßt …

Messungen auf des Messers Schneide scheinen immer schon das Schicksal des Dachsteins gewesen zu sein. So galt früher der Grimming als höchster steirischer Berg – mons altissimus Styriae, wurde er genannt, wohl wegen seiner imposanten Gestalt als alleinstehender Block. In Wahrheit fehlen dem Grimming aber an die 600 Höhenmeter, um es mit dem Dachstein aufnehmen zu können. Wurde anfangs der Dachstein in seiner Höhe gewaltig unterschätzt, so wurde er später gerne überschätzt. Einen Dreitausender nannte man ihn, was ebenfalls nicht stimmt. Da dürfte wohl der Wunsch, auch im Steirerland einen Dreitausender zu haben, Vater des Gedankens gewesen sein. Exakt 2995 Meter hoch ist er, knapp kein Dreitausender also, aber eindeutig der höchste Berg der Steiermark.


Von Schladming kommend durch den Ort Ramsau fahren. Nach dem Ortsende zweigt rechts die Mautstraße zur Talstation der Dachstein Gletscherbahn ab.

www.derdachstein.at

04

WO DER WILDBACH RAUSCHT

Ennstal, Gesäuse

Zwischen Admont und Hieflau gibt die Enns so richtig Gas. Im Gesäuse, dem einzigen steirischen Nationalpark, zeigt der obersteirische Fluss, was Wasser alles kann, wenn es einmal losgelassen ist.

Gesäuse – schon der Name ist Programm. Denn das Zischen, Sausen und Brausen, das die Enns knapp nach Admont im rund 16 Kilometer langen, teils extrem engen Tal namens Gesäuse aufnimmt und bis Hieflau nicht mehr bleiben lässt, wird mit der Lautmalerei bestens beschrieben. Da der Fluss auf den wenigen Kilometern beachtliche 150 Höhenmeter überwindet, tost er dementsprechend wild durch das eng eingeschnittene Tal, dessen Felswände links und rechts bis zu 1800 Meter in die Höhe ragen. Die Charakterisierungsversuche des Gesäuses sind reich an Superlativen und erstrecken sich von der „größten Felsschlucht Europas“ bis hin zur „tiefsten“; von urgewaltigen Felswänden ist auf den unzähligen Seiten, die dem Gesäuse gewidmet sind, die Rede, von wilden Bächen, aber auch von atemberaubender Schönheit, die mit unbändiger Natur einherzugehen pflegt.

Heute kann man die Schlucht auf einer Straße durchfahren, die – wie ein Schienenstrang – gerade noch neben dem Wasser Platz gefunden hat. Das Gesäuse ist also auch für Ausflügler und Wanderer, die es lieber gemütlich angehen, bestens geeignet. Zumindest bei schönem Wetter, das als Voraussetzung für einen Besuch anzuraten ist. Wenn nämlich die Elemente umschlagen, dann tun sie dies im Gesäuse doppelt stark, und es wird rasch ungemütlich.

Bis 2009 fuhr noch die Eisenbahn tagtäglich durchs Gesäuse, bevor der Betrieb eingestellt wurde. An schneereichen Wintertagen mussten wir früher des Öfteren erfahren: Nichts geht mehr. Lawinengefahr machte ein Weiterkommen unmöglich. Bergtourengeher können ebenfalls ein Lied von den Wetterkapriolen im Gesäuse singen. Und die Extremfolgen des Versuchs, die wilde Natur in den Gesäusebergen auf Biegen und Brechen bezwingen zu wollen, sind auf drastische Weise im Bergsteigerfriedhof in Johnsbach dokumentiert, wo viele verunglückte Bergfexe ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Oben rechts: Die Enns als Wildbach,

unten rechts: Gesäuseeingang

Zeitgleich mit der Entdeckung der Gesäuseberge für den Alpinismus begannen die zivilisatorischen Zähmungsversuche der Schlucht. Es war um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als man sich in etlichen Regionen der k. u. k. Monarchie mit dem Gedanken trug, eine Erschließung mittels Eisenbahnstrecke zu versuchen. So auch im Gesäuse, das als schwierigster Abschnitt der Kronprinz-Rudolf-Bahn angesehen wurde, die als eine von mehreren Alpenüberquerungen von St. Valentin nach Tarvisio geführt werden sollte. Im Jahr 1872 war es so weit, die Bahnstrecke durch die wilde Gebirgsschlucht wurde eröffnet, und plötzlich war das Gesäuse auch von Wien aus relativ leicht zu erreichen. Nicht von ungefähr stammte einer der bedeutendsten Alpinisten, die sich an die bis dato mehr oder weniger unberührten Gesäuseberge heranwagten, aus Wien: Heinrich Heß. Ihm gelangen etliche Erstbesteigungen im Gesäuse, er verfasste einen Reiseführer zum Gebiet, und ihm zu Ehren hat man eine Hütte benannt: die Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Heßhütte in der Hochtorgruppe.

Seit dem Jahr 2002 ist das Gesäuse ein Nationalpark, wobei die Grenzen des Nationalparks Gesäuse weiter gefasst sind als das eigentliche Durchbruchstal des Flusses ausmachen würde. So gehören auch die Gesäuseberge zu dem mit über 11 000 Hektar drittgrößten österreichischen Nationalpark, übrigens der einzige der Steiermark. Naturschutz und die Erhaltung der landschaftlichen Urtümlichkeit sind Hauptgegenstand im Nationalpark, es gibt zudem etliche Attraktionen, in deren Rahmen den Besuchern der Reiz der unberührten Natur vermittelt wird. Zentrum diesbezüglicher Aktivitäten ist der sogenannte Weidendom, direkt an der Gesäusestraße bei der Abzweigung Richtung Johnsbach gelegen. Von dort aus erstrecken sich einige frei begehbare Themenwege, auf denen Aulandschaft, die Problematik der Bachregulierung und Besonderheiten der Gesäuse-Vegetation auf anschauliche Art und Weise nähergebracht werden. Dort lädt außerdem der begehbare ökologische Fußabdruck ein, etwas über das eigene Verhalten nachzudenken. Für individuelle Touren lassen sich Nationalpark-Ranger buchen, die seltene Tiere und Pflanzen gerne gemeinsam mit den Besuchern aufspüren.

Zurück zum Wildbach! Von einem äußerst ungewöhnlichen Versuch, die Enns im Gesäuse zu zähmen, berichtete Peter Rosegger in seiner Zeitschrift. Anfang des 20. Jahrhunderts habe es Bestrebungen gegeben, die Enns ab dem Gesäuseeingang unterirdisch durch den Buchstein bis nach St. Gallen zu führen, wo sie im Ortsteil Weißenbach wieder in ihr ursprüngliches Bett münden sollte. Dort würde sie in einem Wasserfall 200 Meter in die Tiefe stürzen (dieser rechnerische Wert dürfte sich aus den 150 Metern Höhenunterschied im Gesäuse sowie weiteren 50 Metern Höhenunterschied auf ihrer Fließstrecke von Hieflau bis Weißenbach ergeben haben). Mit dem Wasserfall wollte man ein Kraftwerk betreiben, das den Strom für die Eisenbahn liefern sollte. Roseggers prophetisch anmutende Einschätzung damals: „Ehe die Enns durch den Buchstein rinnt, wird noch viel Wasser durchs Gesäuse rinnen.“ Wie wahr, wie wahr, der abenteuerliche Plan wurde Gott sei Dank nie in die Tat umgesetzt, und mittlerweile fährt wie gesagt auch die Eisenbahn nicht mehr, für die man den Strom benötigt hätte …


Das Gesäuse erreicht man ab Admont bzw. Hieflau über die Gesäusestraße B146. Informationen zum Nationalpark und seinen Angeboten:

www.nationalpark.co.at

05

IM WASSERREICH

Krakau, Günster Wasserfall

Er ist der höchste Wasserfall der Steiermark. Grund genug, dieser unbekannten Perle einen erfrischenden Besuch abzustatten.

Bereits während des kurzen Anmarsches durch die schmale Birkenallee hin zum Günster Wasserfall hört man sein Rauschen, zuerst noch ohne ihn zu sehen. Nach ein paar Hundert Metern auf dem Schotterweg, der von der asphaltierten Straße zwischen Schöder und Krakaudorf abzweigt, geht es an einem stattlichen Gehöft mit kleinem Gehege vorbei, in dem sich Kaninchen, Ziegen und Enten tummeln – der Auftakt unseres Ausflugs in ein richtiges steirisches Wasserreich präsentiert sich also wildromantisch. Und dann steht man auch schon am Fuß des höchsten Wasserfalls der Steiermark, über den sich die zischenden und brausenden Wassermassen des Schöderbachs weißgischtig herunterstürzen. Mit einer Fallhöhe von 65 Metern stellt der Günster Wasserfall nicht nur den einschlägigen Höhenrekord in unserem Bundesland auf, sondern er könnte es auch locker mit so manchem Kirchturm aufnehmen. Zur weiteren Veranschaulichung: Die Türme der Admonter Stiftskirche beispielsweise sind mit 76 Metern nur unwesentlich höher.

Weniger deutlich als die Informationen zur Höhe zeigen sich übrigens die Angaben zum Namen des Wasserfalls. Günster Wasserfall findet man in gleicher Weise wie Günstner Wasserfall, also mit einem „n“, und manchmal sogar unmittelbar nebeneinander. So weist ihn die Hinweistafel an der Abzweigung der Zufahrtsstraße auf der einen Straßenseite als Günster aus, jene auf der gegenüberliegenden Straßenseite hingegen jedoch als Günstner, die Bushaltestelle am selben Platz wird wiederum als Günster bezeichnet … Egal, Name ist laut Goethes „Faust“ sowieso nur Schall und Rauch. Und den Schall hört man am Günster Wasserfall ohnehin nicht, weil das ins Tal donnernde Wasser einen derartigen Höllenlärm verursacht, dass man nicht einmal das eigene Wort versteht.


Tosender Wasserfall

Über steile Stufen, teils „natürlich“ von den Wurzeln zahlreicher Bäume geschaffen, großteils aber künstlich in Form von hölzernen Leitern und Stegen, einmal auch als eine in den Wald betonierte Stiege, kann man den Wasserfall entlang in die Höhe steigen. Immer wieder spritzt uns die Gischt ins Gesicht, nachdem wir am Willkommensgruß vorbeimarschiert sind:

„Freudig tosend stürz ich zu Tal

Und grüße Euch alle viel tausendmal“

So steht es ein wenig holprig auf einer Tafel geschrieben, die an einem der mächtigen Felsen befestigt wurde, von denen das senkrechte Bachbett begrenzt wird. Mehr als 100 Jahre empfängt der Günster Wasserfall seine Besucher nun schon auf ausgesprochen freundliche Art und Weise – sprich mit den genannten künstlichen Aufstiegshilfen versehen, die es erst ermöglichen, in unmittelbarer Nähe des Wassers zu seinem Ursprung hinaufzusteigen. 1959 wurde ihm das Prädikat Naturdenkmal verliehen, auch um ihn vor der Nutzung zur Elektrizitätsgewinnung und damit wohl vor der Zerstörung zu schützen.

Wie findet man den längsten steirischen Wasserfall nun? Bester Ausgangspunkt ist der Hirschenwirt in Schöder, der im Zentrum der kleinen Gemeinde an der Südseite der Niederen Tauern nicht zu verfehlen ist. Von diesem traditionsreichen Gasthaus aus fährt man die Straße Richtung Krakaudorf entlang, um nach rund 3 Kilometern zur erwähnten Abzweigung mit den Hinweistafeln zu gelangen. Wer beim Marsch entlang des Günster Wasserfalls so richtig auf den Geschmack nach Abkühlung gekommen ist, der möge danach nochmals rund 3 Kilometer nach Krakaudorf weiterfahren, wo ein naturbelassener Badesee, eingebettet in das wunderschöne Hochplateau der Krakau, zu einem Sprung in die Fluten einlädt.

Der Hirschenwirt selbst verdient übrigens ebenfalls aus mehrerlei Sicht Erwähnung. Zum einen kam er zu TV-Ehren. In der Fernsehserie „Die Leute von St. Benedikt“, die im Jahr 1993 über die Bildschirme flimmerte, war der gemütliche Gasthof das gleichnamige Wirtshaus im Film. Noch heute erinnern daran eine Tafel an der Hauswand und das St.-Benedikt-Schnitzerl in der Speisekarte. Zum anderen schlägt sich der Hirschenwirt tapfer im inoffiziellen Wettbewerb um den Titel des ältesten steirischen Gasthauses. Bereits im Jahr 1423, so entnimmt man der Hauschronik, wurde er im Lehensbuch der Liechtensteiner, die damals Herren auf Burg Murau waren, als „taver gelegen ze Schedern“, also Taverne, gelegen in Schöder, erwähnt. Neben dieser offiziellen Lesart gibt es noch eine weitere, erklärte uns Wirt Anton Petzl: Bereits auf einer noch älteren Skizze sei an der Stelle des Hirschenwirts eine Taverne eingezeichnet, urkundliche Erwähnung sei das allerdings natürlich keine. Und so gebührt der Titel der „ältesten steirischen Gaststätte“ dem Gasthaus Winter in Bodendorf mit einer nachweisbaren Geschichte ab dem Jahr 1040 – vom Hirschenwirt in Schöder gerade einmal 20 Kilometer entfernt. Das obere Murtal war offensichtlich immer schon eine besonders gastliche Gegend …



Der Günster Wasserfall liegt am Rande der Krakau. Dieses romantische Hochtal auf mehr als 1000 Metern Seehöhe erreicht man von der Murtalstraße B96 entweder über Schöder oder auch ab Murau. Circa auf halber Strecke zwischen Schöder und Krakaudorf befindet sich der Günster Wasserfall und dieser ist bereits ab Schöder gut ausgeschildert.

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KLAMMHEIMLICH

Die Raabklamm

Dort, wo man es eigentlich nicht erwarten würde, am Übergang des Berglandes in die oststeirische Hügellandschaft, fließt die Raab durch die längste Klamm Österreichs.

Klammheimlich und von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hat sich die Raabklamm einen beachtlichen Rekord gesichert: Sie ist die längste Klamm Österreichs. Und das an einer Stelle der Steiermark, wo das zerklüftete wilde Bergland bereits der sanfteren Hügellandschaft der Oststeiermark zu weichen beginnt. Der Längenrekord mag kaum jemandem in der Steiermark bekannt sein, man wird sich seiner allerdings bald bewusst, wenn man die gesamte Klamm durchschreiten will. Dies dauert allein für die sogenannte Große Raabklamm von Arzberg bis zum Gasthaus Jägerwirt in Mortantsch gute dreieinhalb Stunden oder auch mehr – in eine Richtung, ohne Rückmarsch wohlgemerkt. 10 Kilometer ist allein dieser Weg lang (für alle, die nicht hin und retour gehen wollen, wurden Rückholmöglichkeiten mittels Taxi eingerichtet).

Für die Große Raabklamm wird Trittsicherheit empfohlen, nicht ohne Grund, denn an manchen Stellen geht es über steiniges Terrain, gelegentlich helfen Seile zum Festhalten dabei, Engstellen zu passieren. Und wenn es kurz vorher geregnet hat, dann sind nicht nur die Steine glitschig, sondern laden auch die Wurzeln der unzähligen Bäume zur unfreiwilligen Rutschpartie ein. Schon in einem Reiseführer aus dem Jahr 1931 wurden vor allem die weiblichen Besucher der Klamm ausdrücklich gewarnt: „Für schreckhafte Damen ist der Weg nicht geeignet, denn wohl zehnmal muss man die junge, schäumende Raab auf hohen, schwankenden Brückenstegen überqueren.“ Ob heute die Damen weniger schreckhaft sind oder der Weg besucherfreundlicher gestaltet wurde, sei dahingestellt. Auf jeden Fall finden sich genug Damen und auch viele Kinder, die die Raabklamm mutig durchschreiten. Während der erste Teil der Klamm (aus Richtung Arzberg) eher felsiger Natur ist, präsentiert sich der untere Teil von au- und hochwaldähnlichem Charakter. Einmal geht es direkt die Raab entlang, dann steigt man wieder an den Abhängen der Klamm hoch hinauf und erahnt vom Weg aus die Raab nur mehr tief unten als ein im Waldesdunkel fast verborgenes Bächlein.


Einmal abgesehen von gelegentlichen Hochwässern, die in der Vergangenheit mehrmals das Zeug dazu hatten, die Klamm zu verwüsten und die Wege zu zerstören, zeigt sich die Große Raabklamm heute weitgehend friedlich, wenngleich wie gesagt ziemlich lang. Da es aber unterwegs einige Einstiegsmöglichkeiten in das enge Tal der Großen Raabklamm gibt, kann man sich die Leistung, in der längsten Klamm des Landes marschiert zu sein, auch in kürzerer Zeit auf die Fahnen heften. Man wählt einfach einen Teilabschnitt! Ab dem Jägerwirt erstreckt sich in weiterer Folge die Kleine Raabklamm bis Mitterdorf an der Raab. Sie ist um einiges kürzer, leistet mit 7 Kilometern aber immer noch einen beträchtlichen Beitrag zur Gesamtlänge der Raabklamm von insgesamt 17 Kilometern. Beide Varianten – ob Große oder Kleine Raabklamm – können in beide Richtungen gegangen werden. Beginnt man mit der Großen Raabklamm allerdings in Arzberg bzw. mit der Kleinen Raabklamm in Mortantsch, genießt man einen Startvorteil: man wandert flussabwärts …

Im Jahr 1970 wurde die Raabklamm zum Naturschutzgebiet erklärt. In ihr fühlen sich nämlich nicht nur Menschen wohl, sie stellt auch so etwas wie eines der letzten Paradiese für allerlei vom Aussterben bedrohtes Getier dar. Genauso haben einige seltene Pflanzen hier ein Rückzugsgebiet gefunden. Und die unzähligen Höhlen entlang des Weges schätzen die ebenfalls selten gewordenen Fledermäuse. Die Höhlen nicht zu betreten ist also nicht nur eine Frage von Anstand und Vernunft, sondern auch verboten. Für Höhlenforscher gibt es allerdings im Umfeld der Raabklamm dennoch viel zu tun: Mit Grasslhöhle und Katerloch warten zwei Tropfsteinhöhlen auf Entdecker. Diese beiden sind ebenfalls Rekordhalter: Österreichs tropfsteinreichste Schauhöhle angeblich die eine, die andere die älteste Schauhöhle des Landes.


Ab Gasthaus Jägerwirt in Mortantsch oder ab Arzberg dem Weg 765 folgen, der direkt durch die Große Raabklamm führt.

www.raabklamm.at

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STEIRISCHE FORMEL MIT SELTENHEITSWERT: OSTERZEIT = BLÜMCHEN2

Großsteinbach, Schachblumenwiese

Die Schachblume, ein äußerst selten gewordenes Pflänzchen, behauptet sich in der Steiermark nur mehr auf einer einzigen Wiese.

Sie wächst in der gesamten Steiermark nur auf einer einzigen Wiese, blüht für knappe zwei Wochen im Jahr und zieht sich dann nahezu unsichtbar für den Rest des Jahres ins grüne Wiesenbett zurück. Solche Starallüren entwickelt Fritillaria meleagris, auf Deutsch die Schachblume. Ihr markantes Kennzeichen: die schön geformte, im Verhältnis zur restlichen Pflanze ziemlich große Glocke, die wie ein Schachbrett abwechselnd mit zart und kräftig violetten Quadraten übersät ist. Wenn man die rare Blume sehen will, und das sollte man, wenn man sich schon im gleichen Bundesland befindet wie das Pflänzchen selbst, dann gilt es, die Zeit rund um Ostern zu nutzen. Da geruht die Primadonna nämlich ihre Blüte zu zeigen.

Dabei ist die Schachblume gar nicht so verwöhnt, wie man angesichts ihrer Seltenheit glauben könnte. Eine feuchte Wiese, wo man sie in Ruhe lässt, genügt ihr nämlich. Und feuchte Wiesen sollte es hierzulande wohl genug geben … Noch gut in Erinnerung ist der Ausspruch eines ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten von den Sümpfen und sauren Wiesen in unserem Land. Rudolf Kirchschläger meinte damit freilich nicht den Lebensraum der Schachblume, sondern politische Sümpfe rund um den damaligen AKH-Skandal und forderte deren Trockenlegung im Jahr 1980 ein.

Damit wären wir genau beim Problem, vor dem auch die Schachblume steht. Weil immer mehr und öfter die Feuchtwiesen – sei es für die Landwirtschaft, sei es als Bauland – umgewandelt und trockengelegt wurden und ihren ursprünglichen natürlich-feuchten Charakter verloren haben, hat zeitgleich die Schachblume ihren Lebensraum immer stärker eingebüßt. Auch in der Umgebung der einzigen steirischen Wiese, wo sie noch wächst, gedieh sie früher in viel größerem Ausmaß als heute. Büschelweise soll man sie in der Nachkriegszeit gepflückt haben, während sie gegenwärtig unter strengstem Naturschutz steht. Trotzdem – ein wenig muss auch die altrömische Blumengöttin Flora ihre zartgliedrigen Blütenblätterfinger im Spiel gehabt haben, dass ausgerechnet die oststeirische Gemeinde Großsteinbach, rund 20 Kilometer südwestlich von Hartberg gelegen, das große Los gezogen hat und heute Heimat der Schachblume ist.

Botanisch zählt die Schachblume zu den Liliengewächsen. Sie hat eine lange Geschichte – zurück bis in die Eiszeit –, die in der „Schachblumengemeinde“ Großsteinbach hoffentlich noch lange fortgesetzt wird. Die Chancen stehen gut, denn inzwischen wurde alles Menschenmögliche unternommen, um den Schutz der Pflanze zu gewährleisten: Ihre Wiese bleibt unangetastet. Außerdem stellt das Blümchen mittlerweile einen entsprechenden Tourismusfaktor dar, der unzählige Pflanzenfreunde zur Blütezeit nach Großsteinbach lockt. Sogar eine eigene Wanderung gibt es rund um die Blume inzwischen. Kein Wunder also, dass eine stilisierte Schachblume seit dem Jahr 1966 das Gemeindewappen von Großsteinbach ziert.


Die Schachblumenwiese westlich des Ortszentrums von Großsteinbach ist zur Blütezeit der Blume gut ausgeschildert.

www.gemeinde-grosssteinbach.at

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SAH EIN KNAB’ EIN RÖSLEIN STEH’N

Graz, Schloss Eggenberg

Im Park des UNESCO-Weltkulturerbes Schloss Eggenberg erhebt sich ein unscheinbarer Hügel. Unscheinbar? Ja, aber nur so lange, bis die Rosen in voller Blüte stehen …

Einer der sehenswertesten Hügel von Graz ist wieder da. Und wie! Wir reden hier nicht vom Schloßberg oder vom Kalvarienberg, nein, der Hügel, den wir meinen, ist viel kleiner. Er besteht auch nicht aus uraltem Felsgestein, sondern wurde künstlich aufgeschüttet. Trotzdem sollte man ihn gesehen haben. Im Nordwesten der Stadt konnte nämlich ein Juwel, das eine bewegte Historie aufweist und noch vor Kurzem völlig verwildert war, wiederhergestellt werden: der Rosenhügel im Park von Schloss Eggenberg. Für uns eindeutig das botanische „Comeback des Jahrzehnts“.

Bis es aber so weit war, sind langjährige Vorbereitungsarbeiten vorangegangen. Im Jahr 2008 fiel sozusagen der Startschuss: Man begann zunächst einmal, den wild bewachsenen Hügel freizulegen, dann erfolgten die konkrete Planung und Umsetzung des Projekts. Die Auswahl fiel auf Rosen, die es vor 1835 – zur ersten Blütezeit des Hügels – gegeben hatte, man kehrte also zu den „alten Rosen“ zurück. Und so kann man heute wie damals auf dem Parapluieberg, der nach historischem Vorbild mit alten Rosen und Gehölzen wiederbepflanzt wurde, lustwandeln und den betörenden Duft der Rosen, die im Juni ihre Hochblüte haben, genießen.

Dieser Parapluieberg im chinesischen Stil ist als kleiner Aussichtshügel zu verstehen, wo man auf einem kurvig angelegten Weg zum Ziel gelangt. Der kurze Pfad führt von der Schlossseite her, bepflanzt mit Rosen und dunklen Koniferen, hinauf „zum Gipfel“, dazwischen gibt es verschiedene Blumen zu bewundern. Oben angelangt, kann man sich auf einer Bank unter einem Schirm ausruhen und dann auf der Rückseite des Hügels, wo ebenfalls verschiedene Gehölze und Sträucher wachsen, wieder hinunterpromenieren. Natürlich funktioniert das Ganze umgekehrt genauso.

Von diesem Aussichtshügel lässt sich nicht nur Schloss Eggenberg, das 2010 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde, bestaunen, sondern auch die gesamte Parkanlage sowie die schönen Alleebäume. Vom Rosenduft umhüllt und vom Lustwandeln im Park ermüdet, besteht die Möglichkeit, sich im kleinen Pavillon, der ebenfalls in die Parkanlagen eingebettet ist, bei Kaffee und Kuchen zu laben.


Die Gärten von Schloss Eggenberg unterliegen bis heute ständigen Veränderungen und Umgestaltungen. Dies bestätigt ein Blick in die Geschichte des Gartens. Den Grundstein für den Rosenhügel legte im Jahr 1833 Johann Hieronymus Herberstein, der sich weltmännisch-französisch auch Jérôme nannte – unser im Titel genannter „Knabe mit dem Röslein“. Zu ihm erzählt Barbara Kaiser, Leiterin von Schloss Eggenberg und der Alten Galerie, in ihrem Buch „Schloss Eggenberg – Park und Gärten“ eine bezeichnende Anekdote: Jérôme wollte einen künstlichen Hügel, eben den späteren Rosenhügel, errichten lassen, um von dort aus über seine neu geschaffene Gartenwelt blicken zu können. Dafür ließ er erhebliche Umgestaltungen im bestehenden Schlosspark vornehmen, unter anderem den Abbruch einer bis dato vorhandenen Gartenterrasse. Mit schwerwiegenden Folgen: Die Grazer, die schon damals gerne in den Garten strömten, protestierten vehement gegen diese Umgestaltung, sehr zum Missfallen des Bauherrn. Da die Österreicher leidenschaftliche „Prozesshansln“ sind, kam es auch bei der Klärung der Frage, ob der Park öffentlich zugänglich bleiben sollte oder nicht, zu heftigen Auseinandersetzungen vor Gericht – Jérôme wünschte nämlich keine öffentlichen Besuche mehr, zog aber letztlich den Kürzeren.

So ist es uns heute nach der Wiederherstellung zu Beginn des 21. Jahrhunderts möglich, nicht nur den Rosenhügel mit seinen historischen Rosen zu bewundern und deren Duft zu riechen, sondern auch durch die verschiedenen Gärten samt Teich im Schlosspark zu wandeln. Nicht zu vergessen die Pfaue, die es dort gibt und die frei herumlaufen. Manchmal ist es nicht einfach mit den Tieren, so versperrten sie uns bei unserem Besuch gleich zu Anbeginn den Weg zum Rosenhügel, was wir uns als g’standene Steirer natürlich nicht gefallen ließen – wir kämpften uns den Weg frei, allerdings ohne ein Gericht zu bemühen, sondern indem wir warteten, bis die stolzen Tiere ihren Standplatz zu wechseln gedachten …

Auch die Rosen allgemein blicken auf eine lange Geschichte zurück. Die ältesten Rosen sind seit der Antike bekannt, die Römer ließen Rosenblätter vom Himmel fallen, um ihre Feste besonders blumig zu gestalten, und von Ägypten aus gelangte die Königin der Blumen mit dem Schiff nicht nur zu uns, sondern in viele, viele andere Länder. Schon in China soll es 2000 Jahre vor Christus Rosen gegeben haben. Die angeblich älteste bildliche Darstellung von Rosen findet man übrigens im Palast von Knossos auf Kreta.


Schloss Eggenberg

So alt sind die Eggenberger Rosen nicht. Nichtsdestotrotz findet man auf dem Rosenhügel verschiedene Arten von „alten Rosen“, Strauch-, Beet- und Hochstammrosen, unter anderem mit „gekrönten“ Namen wie „Königin von Dänemark“. Besonders elegant: die Damaszener Rosen, die dort ebenfalls bewundert und beschnuppert werden können.

Unsere Empfehlung an alle Garten- und Rosenfreunde und jene, die es werden möchten: Besuchen Sie den Rosenhügel zur Blütezeit ab Juni!


Schloss Eggenberg mit dem Schlosspark und dem Rosenhügel kann man bequem mit der Grazer Straßenbahn-Linie 1 erreichen. Bei Anreise mit dem Auto gibt es genügend Parkplätze: Eggenberger Allee 90, 8020 Graz.

www.museum-joanneum.at/​schloss-eggenberg-prunkraeume-und-gaerten

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GRAZER WOHNZIMMER IN LUFTIGER HÖH’

Der Schöckl

Alle Wege führen auf den Schöckl. Seit Kurzem ist der Hausberg der Grazer sogar barrierefrei zu erklimmen, was dieses Pflichtprogramm für Steirer und alle, die es werden wollen, denkbar einfach macht.

Ohne Schöckl geht in Graz gar nichts. Nicht umsonst bezeichnet man die 1445 Meter hohe Erhebung nördlich der Landeshauptstadt als Hausberg von Graz. Und das, obwohl der Schöckl eigentlich rund 15 Kilometer entfernt in St. Radegund gelegen ist. Doch so eng wird das mit den Gemeindegrenzen in der Steiermark nicht gesehen, und so drängeln sich an schönen Frühlings- und Herbstsonntagen auf dem Schöcklplateau wesentlich mehr Grazerinnen und Grazer, als in der Herrengasse im Stadtzentrum zu finden sind. Vom „Wohnzimmer der Grazer“ in luftiger Höhe zu sprechen hat angesichts dessen wohl seine Berechtigung.

Das Sprichwort von allen Wegen, die nach Rom führen, kann getrost auf den Schöckl übertragen werden. Zeitgenössische Wanderführer nennen fast ein Dutzend Möglichkeiten, wie man auf den oder rund um den Grazer Hausberg wandern kann. Klassisch ist der Aufstieg von St. Radegund aus, wobei man diesen entweder zu Fuß auf gut markierten Wegen in Angriff nimmt und nach circa 2 Stunden auf dem Gipfel steht. Der Marsch führt abwechselnd über Wiesen und durch die für die Region um Graz typischen Mischwälder nach oben. Oder man wählt ebenfalls ab St. Radegund die Schöckl-Seilbahn, die einen in rund 7 Minuten Fahrtzeit bequem auf den Berg bringt. Mehr als 150 000 Fahrgäste werden Jahr für Jahr auf diese Art und Weise auf den Berg gegondelt – eine der Erklärungen für das gelegentliche Gedränge auf dem Schöcklplateau.

In den vergangenen Jahren hat sich der Schöckl zu einem richtigen Freizeitparadies entwickelt, das kaum Wünsche offenlässt. Kritiker monieren, dass dem Berg Gefahr drohe, seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren. Wie auch immer, das Angebot deckt vieles ab: Naturgemäß kommen Wanderer und Nordic-Walker voll auf ihre Kosten. Aber auch Mountainbiker können den Hausberg der Grazer im wahrsten Sinne des Wortes erfahren. Die Sommerrodelbahn mit dem Namen „Hexenexpress“ erinnert an die Sage von der Schöcklhexe, die in ihrer Wetterküche die gröbsten Unwetter zusammengebraut haben soll. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Jungfamilien mit Babys im Kinderwagen wurde vor Kurzem ein mehr als 3 Kilometer langer „Weg für alle“ eingerichtet, der – in Kombination mit einigen speziell ausgestatteten Seilbahngondeln – nun wirklich allen den Gipfelsturm ermöglicht. Der Schöckl als barrierefreier Berg sozusagen.

„Weg für alle“

Paragleiter können vom Schöckl aus abheben, und wer eine neue angebliche Trendsportart sucht, der kann es einmal mit dem Disc Golf, einer Art Frisbee, probieren, für das ebenfalls ein eigener Parcours eingerichtet wurde. Auf der anderen Seite schaut es mit dem seit Generationen traditionellen Skilaufen auf dem Schöckl weniger gut aus. Lernten früher noch zahlreiche Grazer Kinder auf ihrem Hausberg Skifahren, so droht diesem Wintersportvergnügen hier das endgültige Aus. Schneemangel und veraltete Liftanlagen werden als Ursachen genannt. Schade, noch vor wenigen Jahren zog Conny Hütter, die mittlerweile im Alpinen Skiweltcup an der Weltspitze mitfährt, unter anderem auf dem Schöckl erste Schwünge in den Schnee, was beweist, dass nicht nur Obersteirer mit den berühmten zwei Brettln umgehen können …

Abgerundet wird das Angebot auf dem Schöckl durch eine Gastronomie, die locker mit manchem Ausflugsziel im Tal mithalten und ebenfalls auf eine ziemliche Tradition verweisen kann. So hat das Stubenberghaus bereits vor über 100 Jahren, im Jahr 1890, seine Pforten erstmals geöffnet und bietet bis heute nicht nur Verköstigung an, sondern auch die Möglichkeit zu nächtigen. In einem Wanderbüchlein aus dem Jahr 1931, als es noch keine Seilbahn und andere Verkehrsmittel gab, die einen rasch nach Graz zurückbringen konnten, liest man noch eine dementsprechende Empfehlung: „Wer den Schöckl zum erstenmal besteigt, sollte oben übernachten.“

Wem angesichts der vielfältigen Attraktionen noch Zeit bleibt, der kann bei entsprechendem Wetter einfach nur die Aussicht vom Berg in die Landeshauptstadt hinunter, aber auch bis weit in die Nachbarländer hinein genießen. Oder man marschiert gemütlich über das Schöcklplateau zum Gipfelkreuz. Der Weg führt unter anderem am Sender vorbei, der ebenfalls auf dem Schöckl Platz gefunden hat, um von hier aus seit dem Jahr 1956 weit ins Umland auszustrahlen. Der Schöckl dürfte übrigens immer schon Hightech, Naturgenuss und Mystik unter einen Hut gebracht haben: So zündete der Grazer Raketenpionier Friedrich Schmiedl zwischen 1924 und 1933 vom Gipfel aus seine ersten Postraketen. Und im bereits zitierten Wanderführer wird Anfang der 1930er-Jahre der sogenannte Telephonweg als Aufstiegsmöglichkeit auf den Grazer Hausberg genannt. Dieser führte von der Göstinger Hütte eine Fernsprechleitung entlang zum Hochschöckl.


Betriebszeiten der Schöckl-Seilbahn, Bergwetter und alles zu den Freizeitmöglichkeiten auf dem Grazer Hausberg findet man unter „Freizeit“ auf der Website der Holding Graz. www.holding-graz.at

Der klassische Wanderweg auf den Berg beginnt in St. Radegund bei der Talstation der Schöckl-Seilbahn und lautet auf die Nummer 21.

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OHNE BÜCHSE AUF DIE PIRSCH

Schloss Stainz, Jagdmuseum

Vom Wildschütz zum Jäger? Schon Erzherzog Johann schätzte die fachliche Kompetenz der Wilderer. Das und viel mehr über die ursteirische Tradition des „Jagerns“ erfährt man im Jagdmuseum.

Der Fuchs schnürt fluchtartig davon, denn plötzlich bricht ein Zwölfender-Hirsch durchs Gehölz; bevor der stolze König des Waldes noch in den Anblick des Aufsichtsjägers gelangt, kracht auch schon der Schuss aus dem Stutzen des Wilderers, und es beginnt eine wilde Hatz durchs Revier: Jäger verfolgt Wilderer … Klischees wie dieses prägen nicht zuletzt aufgrund unzähliger Heimatfilme aus den 1950er-Jahren bis heute das Bild der Jagd. Dabei stehen mittlerweile ganz andere Dinge auf der Agenda der knapp 25000 steirischen Jäger: Erfüllung gesetzlich vorgeschriebener Wildabschüsse, Aufrechterhaltung eines natürlichen Gleichgewichts im Wald, und auch für das bei den Wildwochen in der steirischen Gastronomie heiß begehrte Hirschgulasch muss logischerweise irgendjemand die Ausgangsbasis liefern, nämlich die Jäger.

Der Jagd in all ihren Facetten widmet sich das Jagdmuseum in Schloss Stainz in der Weststeiermark. In diesem Spezialmuseum, einer Abteilung des Universalmuseums Joanneum und damit des steirischen Museums schlechthin, haben Jäger wie Nicht-Jäger die Möglichkeit, tief ins Mysterium der Jagd einzutauchen. Das Jagdmuseum erlaubt jedem einen ausführlichen Pirschgang durch Geschichte und Gegenwart der Jagd – ganz ohne Büchse und Jagdkarte. „Vom Auerhahn bis zur Waldameise wird versucht, dem Besucher einen Überblick zu geben, was an der Jagd interessant ist“, erklärt Museumsleiter Karlheinz Wirnsberger. Dabei wendet man sich vor allem an die nicht jagende Bevölkerung, also die große Mehrheit. „Wir sind keine Trophäenschau“, zerstreut Wirnsberger gleich im Vorfeld mögliche Bedenken. Und wirklich, die verschiedenen Schaustücke des Jagdmuseums zeigen das Wild und dessen Lebensraum Wald aus den unterschiedlichsten Perspektiven. So tummeln sich die Tiere des Waldes als anschauliche Präparate auf einem Drahtgestell statt, wie früher, im nachgebauten Pappmaschee- und Plastikunterholz. Es geht um die Konzentration aufs Wesentliche, die Tiere, und nicht darum, ein welt- und waldfremdes Stimmungsbild zu transportieren wie in den eingangs angesprochenen Heimatfilmen. Die Schau lädt zum Erfahren mit beinah allen Sinnen ein: Sehen, Hören, Fühlen. So können die Besucher Fellstücke verschiedenster Tiere mit den Fingern berühren oder sich bei der Spurenkunde den Vierbeinern auf die Fersen heften. „Das Museum ist ein Lernort für die Natur“, erklärt Wirnsberger den Hintergrund. Was man hier sieht, lässt sich beim nächsten Waldspaziergang draußen in natura erkunden.

Links Mitte: Hamilton, Hirschhatz,

links unten: Original-Winterjagdanzug Erzherzog Johanns (hinten),

rechts oben: Schloss Stainz

Wem das vielleicht ein wenig zu modern und aller Mystik beraubt erscheint, der wird beim ausführlichen Streifzug durch die Historie der Jagd sicherlich versöhnlich gestimmt. Großflächige Jagdgemälde von Meister Johann Georg Hamilton, der im Auftrag von Fürst Schwarzenberg das Thema „Jagd und Hund“ in Form unterschiedlichster Hatzen eindrucksvoll auf die Leinwand brachte, sind genauso vertreten wie wertvolle historische Falkenhauben, die erste gedruckte Originalausgabe des Buchs „De arte venandi cum avibus – Über die Kunst der Jagd mit Vögeln“ von Kaiser Friedrich II. oder historische Waffen. „Natürlich haben Waffen einen Stellenwert, sie sind aber nicht überbordend“, so Wirnsberger, der betont, dass man neben der technischen Entwicklung auch die kunsthistorische Seite an der Waffe zeigen möchte. Mit Jagdmotiven verzierte kostbare Waffen hatten (und haben) in Jägerkreisen ja durchaus das Zeug zum Statussymbol wie anderswo ein Auto mit Stern.

„Wir wollen das Thema Jagd umfassend der breiten Öffentlichkeit präsentieren“, so der Museumsdirektor. Mit Schloss Stainz, welches das Museum seit 2003 beherbergt, wurde ein kongenialer Standort für das Jagdmuseum gefunden. Das Schloss diente früher Erzherzog Johann als Wohnsitz (dessen Nachkommen heute noch dort wohnen). Erzherzog Johann hat sich auch um die Jagd in der Steiermark enorme Verdienste erworben, was an einigen Highlights im Jagdmuseum ablesbar ist, Original-Exponaten des „steirischen Prinzen“: So wird sein Winterjagdanzug gezeigt, und handschriftliche Dienstanweisungen an seine Jäger lassen erstaunliche Schlüsse zu: Dass diese Jäger beispielsweise lesen konnten oder dass der Job als erzherzoglicher Jäger wegen der guten Bezahlung nicht der schlechteste war. Detail am Rande: Erzherzog Johann rekrutierte seine Jäger teilweise aus dem Kreise der Wildschützen, weil sich diese besonders gut „im Revier“ auskannten. Das beweist, was für ein schlauer Fuchs der Mann doch gewesen ist, womit sich der Kreis unseres Pirschganges ohne Büchse hin zum Ausgangspunkt schließt …


Jagdmuseum Schloss Stainz, Schlossplatz 1, 8510 Stainz.

Öffnungszeiten: April bis Oktober, Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr.

www.museum-joanneum.at/​jagdmuseum

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AUF GRENZGANG ZU DEN NACHBARN

Leutschach und Sveti Duh

Das steirische Leutschach und das slowenische Sveti Duh verbindet vieles: die Heiligengeistklamm, die gemeinsame Geschichte und, man glaubt es kaum, auch eine Wurst!

Es war einmal … in diesem Fall ist es kein Märchen, das so beginnt, sondern der Grund dafür, warum uns dieser Marsch über die Landesgrenzen, ja sogar über die Grenzen Österreichs hinausführt und wir trotzdem in der Steiermark bleiben.

Los geht’s im südsteirischen Leutschach an der Weinstraße, Ortsteil Schloßberg. Von dort führen zwei Wege zum Ziel, das jede Steirerin und jeder Steirer einmal gesehen haben sollte: Sveti Duh, zu Deutsch Heiliger Geist, eine Wallfahrtskirche in Slowenien knapp nach der Grenze. Wie bereits angedeutet, war das früher einmal, bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, alles eine Steiermark. Auch heute noch, wo die Untersteiermark zu Slowenien gehört, lässt sich das am Namen ablesen. Štajerska heißt dieses Gebiet in der Sprache der Nachbarn. Man muss kein Sprachwissenschaftler sein, um die Verwandtschaft zwischen der slowenischen und der deutschen Bezeichnung zu erkennen.

Der Ausflug von der Steiermark in die Štajerska eröffnet einige interessante Perspektiven. Rein landschaftlich betrachtet sticht vor allem die Heiligengeistklamm hervor, die von Schloßberg hinauf zur Grenze führt. Wild rauscht das Wasser durch die Schlucht. So wild, dass die Klamm bei einem Unwetter im Februar 2014 – starker Regen, der blitzschnell zu Eis gefror – komplett verwüstet wurde und monatelang nicht zu begehen war. Spätestens in solchen Fällen, aber auch bei Hochwässern oder fehlender Trittsicherheit kommt die Umgehungsstrecke der Klamm zum Tragen. Sie lässt die Abgründe der Schlucht rechts liegen und führt nach einem kurzen, steilen Anstieg über Wiesen und Obstplantagen, bis oben auf dem Hügel beide Wege wieder zusammentreffen. Egal für welche Variante man sich entscheidet, die Wanderung entpuppt sich in jedem Fall als reich an Erlebnispunkten. Bevor es nämlich nach Slowenien hinübergeht, kommt man unter anderem am südlichsten Punkt der Steiermark vorbei, im Volksmund steirischer Südpol genannt. Offiziell lautet die Bezeichnung nüchtern auf Grenzstein 314.

Und dann ist es schon so weit: Die Staatsgrenze wird passiert. In EU-Zeiten natürlich ohne Grenzbalken, aber Grenze bleibt Grenze. Ab hier empfiehlt es sich, einen Reisepass eingesteckt zu haben, den man in Slowenien, wie überall im EU-Ausland, mit sich führen muss. Von der Staatsgrenze zur Wallfahrtskirche Sveti Duh führen in der rund 2-stündigen Wanderung (für eine Wegstrecke) nur mehr wenige Schritte. Das Gotteshaus liegt in rund 900 Metern Seehöhe ein wenig erhaben auf einer Hügelkuppe. Doch so gut die Übersicht von oben auch ist, so entlegen präsentierte sich der Gipfel in früheren Jahrhunderten und diente deshalb offenbar immer wieder als Rückzugsgebiet für Menschen, die nicht ganz den jeweils gängigen „Normen“ entsprachen. Einer in der Reformationszeit entstandenen Sekte mit dem Namen Springer – katholisch zwar, aber doch ein wenig abweichlerisch – soll der Berg als Rückzugsort gedient haben. Seinem Namen entsprechend tanzte das Grüppchen bei Gottesdiensten in Ekstase neben seiner kleinen Kirche ums Feuer, bevor es vertrieben wurde. An dieser Stelle entstand die heutige Wallfahrtskirche. Man genießt rund um die Kirche einen herrlichen Ausblick, ob man nun in die slowenische oder in die österreichische Steiermark hineinschaut.


Oben: Wallfahrtskirche Sveti Duh

Apropos genießen! Wie es sich für einen echten Wallfahrtsort geziemt, gibt es auch ein wenig Gastronomie bei der Kirche. Und da merkt man einmal mehr die Verwandtschaft zwischen den zwei steirischen Seelen. Während man in Österreich Krainer Würstel verzehrt, lautet der Name der beliebten Spezialität in Sveti Duh Krajnska klobasa. Der Seelenfrieden wäre vor einigen Jahren beinahe empfindlich gestört worden: Slowenien wollte die genannte Wurst markenrechtlich schützen lassen und den Steirern die Verwendung des Namens untersagen. Als gute Nachbarn einigte man sich aber bald darauf, dass jeder sein Würstel samt dem jeweiligen Namen behalten durfte. Bei unserem Besuch bewies der slowenische Wirt übrigens unbewusst Diplomatie. Auf der Karte stand nämlich Krajnska klobasa, von ihm angeboten wurde die Köstlichkeit aber einfach als „Krainer“ – Mahlzeit beziehungsweise Dober tek!


Ausgangspunkt: Leutschach. Los geht’s mit beiden genannten Wanderwegen nach Sveti Duh nahe den Parkplätzen Spitzmühle im Ortsteil Schloßberg.

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VOLL IM ÖL

Das Kürbiskernöl

„Die Steiermärker schätzen eine gute fröhliche Mahlzeit … der Fremde glaubt, sie bringen ihre ganze Lebenszeit mit nichts als dem lieben Essen und Trinken zu“, wusste man schon 1792. Unverzichtbar für die Steirerspeis: das Kernöl.

Kürbiskernöl, und damit klären wir gleich zu Beginn alle möglichen im Soge des Titels aufkommenden Doppeldeutigkeiten, zählt zu den landwirtschaftlichen Produkten, die mit dem steirischen Boden untrennbar verbunden sind. So untrennbar, dass man es in Analogie zum „schwarzen Gold“, dem Erdöl, gerne als grünes Gold der Steiermark bezeichnet. Wieso grün, wird sich jetzt der eine oder andere Leser fragen, der nur einen kurzen Blick auf das Kürbiskernöl geworfen hat, es ist doch eindeutig schwarz. Ja, deshalb sind wohl die unzähligen (schlechten) Witze mit dem „Motoröl“ entstanden, das man in der Steiermark kredenzt bekäme. Doch das stimmt so nicht ganz. Die Geschichte mit dem Motoröl sowieso nicht. Auch die schwarze Farbe entspricht nicht den Tatsachen. Wenn man das Kürbiskernöl gegen das Sonnenlicht hält, dann wird man rasch erkennen, dass es tief dunkelgrün schimmert. Und auf dem Teller hinterlässt es ebenso seine deutlich steirischen – grünen – Spuren. Vorausgesetzt natürlich, es handelt sich um echtes steirisches Kürbiskernöl, denn „Nachbauten“ gibt es viele, die weder bezüglich Farbe noch zähflüssiger Konsistenz mithalten können …

Um dieses kostbare Gut zu schützen, haben sich die Erzeuger zur Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g. A. zusammengeschlossen. Diese Bezeichnung umfasst die Herkunft der Kürbisse vom Feld über die Ernte bis zur Pressung. Jeder einzelne Schritt muss dokumentiert und zurückzuverfolgen sein. Als Kennzeichen, dass das Öl ein echter Steirer ist, dient die Plakette „Steirisches Kürbiskernöl g.g. A.“ auf jeder Flasche – g.g. A. steht für „geschützte geografische Angabe“. Das bedeutet, dass nur Kürbiskerne aus bestimmten Anbauregionen verwendet werden dürfen, und zwar klarerweise aus der Steiermark und – jetzt kommt das Kuriose an der Sache – aus dem südlichen Burgenland und aus Teilen Niederösterreichs.

Es geht aber noch kurioser, denn umgekehrt gibt es Bauern in der Steiermark, deren Öl nicht „g.g. A.“, also geografisch geschützt, ist. In der Steiermark produziertes Kürbiskernöl, das aus in der Steiermark herangewachsenen Kürbissen gewonnen wurde, darf dann also nicht steirisches Kürbiskernöl genannt werden? Ja, gibt’s denn so was, fragt man sich und wundert sich nicht, dass diese Frage vor einiger Zeit sowohl durch die Presse geisterte als auch in einschlägigen Bauernforen heiß diskutiert wurde. Ja, das gibt es wirklich. Wenn die Landwirte nicht Teil der genannten Erzeugergemeinschaft sind, dann dürfen sie auch kein „Steirisches Kürbiskernöl g.g. A.“ abliefern. Und das ist amtlich!

Der Grundstein für das Gold der Steiermark liegt beim sogenannten Bluzer, der vor allem in der südlichen Steiermark angebaut wird. Damit ist der steirische Kürbis (Cucurbita pepo var. styriaca) gemeint, in dessen Inneren die kostbaren Kerne zur Kernölgewinnung heranreifen. An und für sich ist der Kürbis ein Fremder: Erst nach der Entdeckung Amerikas gewährte man dem Südamerikaner hierzulande Asyl. Dann freilich lernte man rasch seine Fähigkeiten schätzen und der Gast wurde so vorbildlich integriert, dass er heute als typischer Steirer gilt.


www.steirisches-kuerbiskernoel.eu

KÜRBISKERNÖLDALKEN MIT KERNÖL-EIERSPEIS


Kürbiskernöl veredelt vor allem grüne Salate aller Art. Typisch steirisch ist aber auch die Kernöleierspeise. Wir haben den Doyen der steirischen Köche, Willi Haider*, gebeten, uns zu verraten, wie man sie richtig zubereitet. Er hat als „Untergrund“ für die Köstlichkeit Kürbiskernöldalken gewählt. Guten Appetit!

(*kleines Foto links)

Zutaten

100 g Heidenmehl, 80 g Weizenmehl glatt

oder nur 180 g Heiden- bzw. Buchweizenmehl (= Blini)

oder nur 180 g Weizenmehl (= Dalken)

oder nur 180 g Weizenvollmehl + 8 cl Milch

10 g Germ (Hefe)

2 Eidotter (Eiweiß für Schnee)

1/8 l lauwarme Milch

30 g flüssige Butter

1 – 2 EL Kürbiskernöl (2 cl) oder Sonnenblumenöl

2 – 3 EL grob geriebene Kürbiskerne (40 – 50 g)

Salz

3 – 4 Eier für die Eierspeise

Zubereitung

Für die Dalken bzw. Blinis alle Zutaten (außer Eiweiß) in einer größeren Schüssel (Masse geht doppelt so viel auf) vermischen. 2 Eiweiß, halbsteif geschlagen, unterheben. 1 – 2 Stunden quellen lassen. Ca. je 1 EL Masse in Pfanne geben, evtl. geröstete Kerne draufgeben und in etwas Öl langsam beidseitig ausbacken. Blinis können dünn wie Palatschinken oder dick wie Dalken gebacken werden.

Für die Eierspeise Öl und etwas Butter in einer leichten Pfanne aufschäumen, kurz verschlagene Eier, mild gesalzen, eingießen und leicht stocken lassen. Pfanne am Stiel leicht anheben, festgewordene Eierspeise mit Löffel oder Spachtel vom Rand Richtung Pfannenmitte ziehen, damit die weiche bzw. noch flüssige Masse nachrinnen und somit auch stocken kann.

Dalken bzw. Blinis mit kleiner Eierspeise, mit Kernöl beträufelt (oder mit Pinsel aufgetragen), und 2 – 3 Kürbiskernen anrichten.

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Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
23 aralık 2023
Hacim:
232 s. 88 illüstrasyon
ISBN:
9783990404089
Yayıncı:
Telif hakkı:
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