Kitabı oku: «Freiheit ohne Wenn und Aber»
Für meine Mutter.
GERALD GROSZ
FREIHEIT
OHNE WENN UND ABER

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Erklärung des Verlages
Gerald Grosz publiziert in Zeitungen und Zeitschriften wie „Österreich“ und „Deutschland Kurier“ und tritt regelmäßig in der Sendung „Fellner LIVE!“ auf OE24.tv auf. Teile einiger im vorliegenden Buch abgedruckter Texte sind zuvor bereits in Kolumnen und Gastkommentaren veröffentlicht worden.
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ISBN 978-3-99081-072-9
eISBN 978-3-99081-078-1
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Inhalt
Vorwort von Claudia Haider
Freiheit ohne Wenn und Aber
Einleitung
Die Freiheit der Meinung
Die Freiheit in Sicherheit
Das Recht auf soziale Freiheit
Die Freiheit der eigenen Identität
Die Freiheit der Wirtschaft
Die Freiheit des Menschen
Die Freiheit des Genius
Corona-Sommer 2020 – und die Folgen
Vorwort
von Claudia Haider
„Freiheit“. Ein Begriff, mit dem sich mein Mann Jörg Haider Zeit seines Lebens intensiv auseinandergesetzt hat. Mehr noch, die Freiheit des Einzelnen durch die Befreiung aus den Zwängen des allgegenwärtigen Parteien- und Proporzstaates war ihm mehr als 30 Jahre lang Berufung und zugleich Auftrag für sein gesamtes politisches Wirken. Im Jahr 1993 fasste er seine inhaltlichen Betrachtungen im viel beachteten Buch „Die Freiheit, die ich meine“ zusammen.
Jahrzehnte später sind seine Forderungen aktueller denn je, seine Thesen allgemeingültig geworden. Heute finden sich die inhaltlichen Standpunkte des Buches zwar in vielen programmatischen Werken wieder, doch dreht sich das Rad der Entwicklung mehr als ein Jahrzehnt nach seinem Tod wieder zurück, wir gehen wieder den Weg der Unfreiheit. Meinungsfreiheit, das Recht auf Freiheit der eigenen Identität, das Recht auf Freiheit in Sicherheit sind in Gefahr. Wahrscheinlich mehr denn je. Es sind gesellschaftliche und politische Umbrüche, die einer breiten kritischen Öffentlichkeit Kopfzerbrechen bereiten. Die Gefahr ist, dass sich der einzelne Mensch mit der Einschränkung seiner Freiheit abfindet, gleichgültig gegenüber diesem höchsten Gut der Aufklärung wird. Es freut mich daher, dass der Autor Gerald Grosz, treuer politischer Weggefährte meines Mannes, sich des Themas Freiheit in seinem nunmehr vorliegenden Werk in all den Facetten der Freiheitsbe- und -einschränkung widmet. „Freiheit ohne Wenn und Aber“ ist keine Fortsetzung der bisherigen Literatur, sondern eine gegenwärtige Bestandsaufnahme und ein flammendes Plädoyer für unsere Freiheit. Mögen sich viele dieser Gedanken annehmen und diesem Beispiel folgen.
April 2021
Freiheit ohne Wenn und Aber
Einleitung
Seit Jahrtausenden bewegt den Menschen die Sehnsucht nach individueller Freiheit, er dürstet danach, blutige Kriege und Revolutionen schlug und schlägt er dafür, opferte und lässt sein Leben auch heute noch. Jedes Volk, jede Nation, jeder Mensch sehnte und sehnt sich doch danach. Alle Epochen der Geschichte vereinen sich im ewigen Kampf der Unfreien für ihre Freiheit. War die Freiheit in der Antike ein Privileg der Oberschicht, ist sie spätestens mit der Aufklärung zumindest auf unserem Kontinent ein verbrieftes Gut, ja ein scheinbar gesichertes Grundrecht aller Menschen, unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht oder ihrem Alter geworden. Freiheit, dieser heute inflationär verwendete Begriff, der uns gegenwärtig so selbstverständlich erscheint, aber in dem nun am Horizont aufziehenden Zeitalter der neuen Unfreiheit brüchiger denn je ist. Steuern wir tatsächlich auf ein neues Biedermeier zu? Nein, vielmehr stecken wir bereits mittendrin. Der diese Epoche beherrschende Ungeist eines bekannten Vertreters der Entrechtung der Bürger, Metternichs, ist in der Moderne angekommen. Die Freiheit wird wieder ein exklusives Privileg einer kleinen Minderheit, einer neuen, von allem Besitz ergreifenden „Oberschicht“, die sich über die Allgemeinheit erhebt. In allen Bereichen unseres Daseins sind wir von einer schleichenden Einschränkung unserer persönlichen Freiheit umgeben. Denn die Freiheit ist für uns selbstverständlich geworden, für die jüngeren Generationen immer da gewesen, und dieser Umstand birgt die große Gefahr des endgültigen Verlustes.
Der Mensch im 21. Jahrhundert: Wir waren so frei, uns seit der Aufklärung von der vermeintlich einengenden Religion, die übrigens auch nur Freiheit verhieß, zu entfernen, wir sind so frei, auf den Mond zu fliegen, wir nutzen die Freiheit der Wissenschaft, um Sonden auf den Mars zu schicken. Die Freiheit des Denkens brachte uns die Errungenschaften unserer Zeit in Wissenschaft, Medizin, Kunst, Kultur und Literatur. Der Wunsch nach Freiheit überwand noch in den 1990er-Jahren unter Einsatz des persönlichen Lebens der betroffenen Völker den kommunistischen Zwangsstaat Jugoslawien, überwand die Teilung Europas in West und Ost, zwang den Kommunismus in die Knie. Die freie Rede, beseelt durch den freien menschlichen Geist, ist Fundament unserer heutigen Demokratie, die wir trotz des Wissens um ihre Fehlerhaftigkeit zumindest als vornehmste und gerechteste Form, ja als Ideal unseres Zusammenlebens zu Recht und im Wissen um die Zerstörungskraft der Alternativen verehren. Verehren, aber leider nicht kraftvoll verteidigen! Denn wir sind blind geworden gegenüber den vielfältigen Gefahren, die dieser Freiheit, diesem unverbrüchlichen Wert, diesem Kitt unserer Gemeinschaft heute gegenüberstehen. Wir sind taub geworden gegenüber den politischen wie medialen Schlachtrufen, die der Freiheit entgegenschallen. Die Feinde der Freiheit sind schnell ausgemacht, wenngleich man sie mittlerweile nur unter Repressalien der alles beherrschenden Nomenklatura benennen darf. Es sind die Feinde der Freiheit der Rede, des Denkens, des Eigentums – ja, es ist eine sich als elitär empfindende Minderheit, die sich dank ihres Einflusses über die träge Mehrheit zu erheben versucht und jeden Millimeter gegen unsere Freiheit auch mithilfe des Relativismus als der hässlichen Missgeburt der Moderne erkämpfen will. Übersetzt: An jedem Tag, an dem wir uns in die Fänge der Bequemlichkeit begeben, an jedem Tag, an dem wir nur mehr das eigene Ich sehen und das „Wir“ vergessen, verlieren wir ein Stück unserer Freiheit. Wir sind müde und behäbig geworden, arrangieren uns mit den Angriffen auf unsere Freiheit. Wir merken nicht einmal mehr, wie sich dieser Wert nach unten nivelliert. Heute, im 21. Jahrhundert, glauben wir zwar noch, frei zu sein, sind es aber längst nicht mehr. Wir befinden uns aus eigenem Verschulden inmitten eines Zeitalters, in welchem der ohnedies nur noch romantisch verehrte Begriff Freiheit in höchster Gefahr, vielleicht schon verloren ist. Wir wiegen uns in einer trügerischen Sicherheit, ja fast in einer Blindheit und wahrscheinlich auch in einer Art Unglauben, dass diese Freiheit jemals in Gefahr sein könnte. Ein Blick nur wenige Jahrzehnte zurück, ein aktueller Blick auf andere Kontinente reicht, um zu wissen, wie schnell es um uns und unsere Rechte geschehen sein kann. Ein Blick in die mehr oder weniger gleichgeschalteten Medien, ein Ohr für die schablonenhaften Reden der wertelosen Politiker – sich lediglich einig in der Kultivierung ihres eigenen Egoismus – reicht, um zu sehen und zu hören, dass wir uns mit Lichtgeschwindigkeit in eine neue Form der Autokratie begeben, in der wir am Basar der politischen Kultur unsere Freiheit gegen eine neue „Sicherheit“ tauschen.
Die Freiheit ist nicht rechts, sie ist nicht links, sie muss in einer Gesellschaft immer vorn sein! Und sie ist die einzige Basis, im Wissen um die Größe dieses Wortes, für eine Weiterentwicklung unserer Zeit, unserer Gesellschaft. Der deutschbritische Politiker Lord Ralf Dahrendorf sagte einst: „Von der Freiheit ohne Wenn und Aber reden heute nur wenige. Die Mehrheit redet eher von Gerechtigkeit.“ Diese heutige Gerechtigkeit meint im Ergebnis nur Gleichheit. In dieser Gleichheit kann Freiheit nicht entstehen!
Die Freiheit ist letztlich jener Begriff, jener Wert, für den es sich auch im 21. Jahrhundert zu kämpfen lohnt, für welchen man angesichts der vielfältigen, ja fast erdrückenden Gefahren auch kämpfen muss. Dieses Buch ist eine Bestandsaufnahme und zugleich ein flammendes Plädoyer für die Freiheit in unser aller Leben!
Die Freiheit der Meinung
Die wohl am meisten gefährdet scheinende Freiheit ist in unseren Tagen die Meinungsfreiheit. Der mündige, einst meinungsfreie Mensch ist eingekesselt von den sich seit Jahrzehnten etablierenden Zwängen wider die freie Rede. Wir konsumieren die etablierten Medien, wir hören und sehen die Vertreter der politischen Nomenklatura, die in Wort und Schrift den Säulenheiligen der Freiheit unseres Kontinentes, wie Thomas Morus, Voltaire und vielen anderen, publikumswirksam huldigen und gleichzeitig deren Geist in ihrer konkreten, täglich gelebten und zur Schau gestellten Tat widersprechen, ja uns schlussendlich die Freiheit unserer Meinung rauben. Keine Ansprache dieser Vertreter eines schleichenden Meinungsdiktates, die nicht die Freiheit der Meinung und Rede einerseits publikumswirksam ehren und die dunklen Zeitalter der Diktaturen verteufeln würde, während sie in ihrem konkreten Handeln alles daran setzen, die Denk-, Meinungs- und Redefreiheit einschränken, sie zu reglementieren versuchen, sie in Wahrheit zensurieren. Denn die Meinungshoheit wird langsam, aber sicher wieder ein Gut der Mächtigen. Bildlich offenbart sich dies in der verlockenden Freiheit der neuen Medien. Facebook, YouTube, Twitter usw. gaukeln uns in allen wunderbaren Farben vor, an jedem Ort und zu jeder Zeit Herren der von uns in diese Kanäle eingespeisten Meinungen zu sein. Es ist eine Lüge, bewiesenermaßen. Es wird zensiert, es wird gesperrt, es werden nicht nur die Kanäle, es wird damit die elektronische Existenz des Betroffenen gelöscht. Alles, was nicht in den vorgegebenen Rahmen dieser gesteuerten Meinungsmonopolisten passt, darf nicht sein, findet nicht statt, wird getilgt. Der Mensch hat sich eben im Wege der Entwicklung des nun allgegenwärtigen Internets in diesem virtuellen Raum eine neue Realität, ein zusätzliches Leben geschaffen. Noch glaubt das einzelne Individuum, frei zu sein, und noch nie war die Täuschung so groß. Operiert wird auf diesen Plattformen mit den jeweiligen Geschäftsbedingungen, die uns auf den harten Boden der Realität zurückholen, dass diese Netzwerke eben keine Räume der ins Internet verlegten absoluten Meinungsfreiheit sind, sondern streng nach wirtschaftlichen Interessen – unter Einfluss der jeweiligen Regierungen – regulieren, verurteilen, tilgen. Das Leben wurde zwar ins Virtuelle verlegt, seine Freiheit durfte der Mensch, auch Nutzer genannt, aber nicht mitnehmen. Er unterwirft sich in dieser neuen Welt auch nicht demokratischen Gesetzen, sondern politischen wie ökonomischen Interessen der monopolistischen Eigentümer. Die Zensur ist absolut, die Entscheidungen sind undurchschaubar, man ist der Willkür von Algorithmen ausgesetzt. Besorgniserregend, denn diese bunten Plattformen sind Moloche, schwarze Löcher, die uns zwar aufsaugen, aber uns „drinnen“ jegliche bürgerlichen Rechte verwehren. Natürlich muss sich auch die Meinungsfreiheit einer Ordnung unterwerfen. Und zwar nur einer: dem Strafrecht! Dies, nur dies, und nicht Mark Zuckerbergs politische Einstellung, sein persönlich und damit rein subjektiv gestalteter Moralbegriff, sollte der ideelle Gartenzaun sein, innerhalb dessen sich Meinungen, Ideen und Reden frei und ungehindert bewegen können. Das Paradoxe ist, dass wir, obwohl wir durch die neuen Medien eine neue subjektive Freiheit verspüren, in unseren Äußerungen noch nie so eingeengt waren. Und was machen die Regierungen? Sie unterstützen diese Einschränkung, sie gehen im Gleichschritt mit diesen Monopolisten auf Meinung, mit einer Verschärfung von Verhetzungsparagrafen, der Erfindung virtueller Hassdelikte. Statt sich wehrhaft als Demokraten zu beweisen, sich gegen die Begehrlichkeiten einiger Weniger zu stellen, werden von unseren bisher geltenden Gesetzen ohnedies längst umfasste und ahndbare Einzeltäter als willkommener Anlass genommen, der Meinungs- und Redefreiheit auch noch die Verfolgung durch die Justiz gegenüberzustellen. Sowohl in Österreich als auch in Deutschland und der Schweiz tobt die Diskussion. Wenn man sich die jährlichen Zahlen dieser Delikte ansieht, stehen sie in keinem Vergleich zum Plan der Regierungen, mit dem vorgeschobenen Kampf gegen Hass und Hetze im Netz eigentlich die freie Meinung tilgen zu wollen. Es entsteht eine sogenannte Anlassjudikatur mit weitreichenden Folgen. Als ob man für jeden Rülpser am Stammtisch ein Gesetz gebraucht hätte, wird es uns heute als die Eier legende Wollmilchsau, als Notwendigkeit für Friede, Freude und Eierkuchen in unserer Gesellschaft verkauft.
Die gegenwärtigen Einschränkungen der Meinungsfreiheit begannen recht früh, ehrlicherweise noch vor dem Zeitalter des Internets. Es begann mit der politischen Korrektheit, die sich heute wie die Renaissance der heiligen Inquisition erhebt, um zu urteilen, um zu neutralisieren, um schlussendlich zwar nicht mehr zu verbrennen, gottlob, aber die Meinung zu unterdrücken. Die politische Korrektheit als zeitgeistiges Schutzschild vor freier Rede, als moderne Erfindung einer Minderheit, dient nicht nur dazu, in der täglichen Debatte um die Zukunft der Welt zu täuschen und zu tarnen, sie dient auch der Verfälschung der Geschichte und am Ende der Wahrheit unserer Existenz.
Heute muss sich jeder dieser Form des Meinungsdiktates unterwerfen, schon allein aus einer berechtigten Angst heraus, bei Widerspruch die eigene soziale, finanzielle oder politische Existenz zu verlieren. Die politische Korrektheit, sie kommt so vornehm und geschmeidig daher, so gut und human, so elegant und elitär, so intellektuell, sie verschafft Respekt und Autorität. Am Ende ist sie nichts von all dem, sie ist die pure Lüge, Erfindung einer Ideologie, ja hat sich selbst zur Ideologie ausgewachsen.
Darüber hinaus steht sie im klaren Widerspruch zur Freiheit auf die Artikulation der Logik. Allein in Europa sehen wir täglich, wie die politische Korrektheit sich über die Wahrheit erhebt und die Freiheit der Meinung und Rede einschränkt. Wenn wir beispielsweise an das Jahr 2015 denken, dieses Annus horribilis der Gesetzlosigkeit, in dem regierende Politiker Hand in Hand mit Teddybären auf Bahnhöfen und an Grenzübergängen den Rechtsstaat außer Kraft setzten, um unter dem Schutz eines vorgeblichen Humanismus ihre Agenda des Multikulturalismus durchzusetzen: Da erklärte die politische Korrektheit als neue moralische Majestät die Richtigkeit des Handelns von Politikern gegen die eigenen Gesetze, gegen die eigene Bevölkerung, gegen die Demokratie! Sie sprach das Urteil, war Täter, Verteidiger und Richter in einem. Die Gesetze wehrten sich nicht, die Institutionen hielten die Füße still. Denn die lauten Kritiker dieser staatlich angeordneten Anomie – übrigens eine klare Mehrheit der Bevölkerung – wurden unter dem Deckmantel der politischen Korrektheit im Verbund mit Medien und Kirchen in ihrer Meinung bekämpft, als Rassisten, Ausländerfeinde, als Rechtsextreme, ja sogar als Nazis handstreichartig neutralisiert. Selbst vor diesen jenseitigen Vergleichen, also vor der Verharmlosung der Gräuel des Nationalsozialismus, der Millionen von Toten und dieses schrecklichen Leides, vor der Nennung dieser einzigartigen Ausgeburt des Bösen schreckte man nicht zurück, um Menschen in ihrer dem regierenden Establishment entgegenstehenden Meinung zu beschränken, sie dieser zu berauben, ja am Ende ihre persönliche Integrität zu diskreditieren. Die politische Korrektheit behübscht eben nicht nur, sie negiert nicht nur, nein, sie pervertiert die Wahrheit bis zur Unkenntlichkeit und sorgt als neues, an die Stelle der Bevölkerung inthronisiertes Regulativ der letzten Jahrzehnte dafür, dass die Meinungsfreiheit weiter an Boden verliert. Noch mehr: Die politische Korrektheit stellt sich als neu kreierte moralische Instanz – wohlgemerkt ohne gewachsene moralische Wurzeln – einer Minderheit gegen intellektuelle Redlichkeit, gegen Naturgesetze, gegen die Wissenschaft, gegen unverbrüchliche Fakten, gegen die Geschichte und deren Erforschung, ja gegen die Logik. Der Meinung des aufgeklärten, von Natur aus in Masse leichtgläubigen, weil bequemen Menschen wird ein künstlicher, nicht prüfbarer, hauptsächlich ideologisch konstruierter Moralbegriff gegenübergestellt, der, als absolute und einzige Wahrheit schleichend anerzogen, jeglichen Widerspruch unterbinden, ja sogar kriminalisieren soll. Der Durchschnittsbürger wird unter Generalverdacht gestellt, als ob er das Wort „Nigger“ brüllend, behinderte Menschen als „Depperln“ beleidigend und Homosexuelle anpöbelnd durch die Gassen laufen würde. Die politische Korrektheit wird als Notwendigkeit dargestellt, Bürger zu Respekt und Wertschätzung zu zwingen. Im Umkehrschluss wird unterstellt, dass sich die Mehrheit der Menschen unseres Planeten von der zwischenmenschlichen Beziehung des Neandertalers nicht unterscheiden würde. In Wahrheit ist die politische Korrektheit nur die Fortsetzung aller bisherigen Versuche, die Meinungsfreiheit einzuschränken, unter dem Deckmantel, die Welt anständiger zu machen. Sie ist die neue, gegenwärtige Form des Faschismus, des Kommunismus, des Nationalsozialismus. Ja, diese Diktaturen haben es auch an sich gehabt, nicht schon zu Anbeginn ihrer katastrophalen Entwicklung den gesamten Bauchladen des Bösen, der Massenvernichtung, der Zerstörung, der Armut für alle sichtbar zu präsentieren. Diese Vernichtungsideologien zielten in ihren Anfängen vergleichsweise harmlos „nur“ auf die notwendige Einschränkung der Meinungsfreiheit ab. So wie die politische Korrektheit, die unter dem hehren Ziel, die Welt und den Menschen zu verbessern – auch hier unterscheidet sie sich nicht von den plakativen Formulierungen der Nazis und der Kommunisten –, eine neue, für alle geltende Meinung begründet. Dass sie diskreditiert, kriminalisiert, lügt und verleumdet, verschweigen die Vertreter geschickt. Wer glaubt, die Verleumdung als Mittel der Wahl, um andere Meinungen zum Verstummen zu bringen, sei eine gegenwärtige Erfindung, irrt. Alle Autokratien, und zwar wirklich alle, die sich am Ende ihres Weges als Diktaturen entfalteten, eint, in ihren Anfängen die Meinung Andersdenkender zu verleumden, um sie dann zu unterdrücken, sie zu verbieten und im Endergebnis die Andersdenkenden und -meinenden zu vernichten. Das Verbieten anderer Meinungen und das Verleumden anderer Gesinnungen waren und sind der Schuhlöffel für weiterreichende Einschränkungen, die in ihrem Finale immer auf das Ende der physischen wie psychischen Freiheit des einzelnen Bürgers abzielen.
Die Verleumdung und die daraufhin stattfindende Ausgrenzung als zwei der vielfältigen Folterinstrumente der politischen Korrektheit nennen sich heute Cancel Culture. Schon viele wurden zu ihrem Opfer, im deutschsprachigen Raum jüngst die höchst umstrittene Kabarettistin Lisa Eckhart. Ihr wurde Antisemitismus unterstellt, ihre Vorstellungen hat man daraufhin boykottiert. Der Begriff Cancel Culture ist neu, die Methode ist es ganz und gar nicht. Gehen wir zurück in das Jahr 1988 und die weltweite Aufregung um Salman Rushdies Werk „Die satanischen Verse“. Seine Auseinandersetzung mit dem Propheten Mohammed brachte ihm im Folgejahr das in Form einer Fatwa ausgesprochene Todesurteil durch den iranischen Ajatollah Khomeini ein, jederzeit und überall von aufrechten Muslimen zu vollstrecken. Rushdies Auftritte sind bis heute von Protesten und Drohungen begleitet, mit dem einen Ziel, ihn und seine Werke, seine kritische Rede unhörbar zu machen, ihn zur Aufgabe und zum endgültigen Rückzug zu zwingen. Insofern können sich die heutigen Vertreter der linken Cancel Culture auf die Schultern klopfen: Sie haben wenigstens diesbezüglich mit einem blutigen, antisemitischen, islamischen Terroristen und Diktator etwas gemein. Man weiß aber zumindest durch solche und ähnliche Schicksale, wes Geistes Kind die politische Korrektheit, ihre Vertreter und deren Instrumente in Wahrheit sind.
Die 1990er gelten als Geburtsära der politischen Korrektheit in unseren Breiten. Im Zuge der kritischen Auseinandersetzung breiter Teile der Bevölkerung mit den Auswirkungen einer zügellosen Zuwanderungspolitik, des Imports nationaler, religiöser und ethnischer Konflikte, schwappte diese politische Korrektheit als Nachgeburt politischer Strömungen der ’68er, als erklärter Feind der freien Rede von den USA aus auf unseren Kontinent. Wer beispielsweise nicht uneingeschränkt für den Multikulturalismus, die Toleranz gegenüber allem und jedem als Staatsziel Nr. 1 eintrat, sich dieser Ideologie mit Haut und Haar verschrieb, wurde a priori als Ausländerfeind diffamiert, in seiner Meinung neutralisiert. Mit in den Chor der Meinungsdiktatoren stimmten sämtliche Medien, Kunst- und Kulturschaffenden, Wirtschaftskapitäne und Promis ein, und auch die Religionsgemeinschaften ließen sich vor den Karren der vermeintlich guten Sache spannen. Jeder, der nicht stromlinienförmig in das Hochgebet der politisch verordneten Multikultigesellschaft einfiel, konnte somit von Anfang an damit rechnen, in allen wesentlichen Gesellschaftsbereichen als amoralischer, inhumaner Paria angesehen zu werden. Im Ergebnis war nicht nur die Meinungsfreiheit eingeschränkt, sondern das persönliche Fortkommen, also die Existenz, in Gefahr gebracht. Viel schlimmer traf es nur noch die medienöffentlichen Kritiker dieser Politik, die jahrelang vornehmlich von Aktivisten des linken politischen Spektrums vertreten wurde. In Österreich war es ein Jörg Haider, dessen Kritik am System ihm sogar Vergleiche mit Adolf Hitler einbrachte. Und seinen Mitstreitern wie auch seinen Wählern ging es nicht anders. Letzteren wurde zumindest rhetorisch die Zurechnungsfähigkeit abgesprochen, ja sogar das Wahlrecht infrage gestellt. In Deutschland hätte es angesichts ähnlicher, um nicht zu sagen: deckungsgleicher Ansichten und Äußerungen wohl Altkanzler Helmut Schmidt oder den bayerischen Übervater Franz Josef Strauß getroffen. Deren Glück war aber dann letztlich doch, dass sie unantastbare Säulenheilige ihrer Großparteien waren. Der FDP-Politiker Jürgen Möllemann hatte nicht so viel Glück. Seine kritischen Bemerkungen über die Konflikte im Nahen Osten trugen ihm den Vorwurf des Antisemitismus ein, seine Karriere war de facto beendet, sein früher Tod wurde vom politischen Establishment kaum beweint. Bis heute hat sich diese spezielle Form der Einschränkung der Meinungsfreiheit etabliert. Man erinnere sich in der jüngeren Vergangenheit an die Bücher eines Thilo Sarrazin, der in seinen Schriften – weit entfernt von jeder Ideologie – nur Zahlen und Fakten sprechen ließ, demografische Hochrechnungen veröffentlichte und sich rasch im Lager der Aussätzigen wiederfand. Man rufe sich auch Henryk M. Broder in Erinnerung, und seine treffende Kritik am politisch korrekten Zeitgeist. Obwohl er selbst Mitglied einer Opferfamilie der NS-Zeit ist, entblöden sich Gegner seiner Person und seiner Äußerungen nicht, ihn in die Nähe des Antisemitismus zu rücken. Ihr Ziel ist klar: Die Ansichten eines Antisemiten, eines Nazis, eines Rechtsextremen sind keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Und mit einem Verbrecher und dem rhetorischen, dem von ihm inhaltlich vertretenen „Verbrechen“ braucht man sich nicht auseinanderzusetzen. Er wird damit sozial, gesellschaftlich und finanziell für vogelfrei erklärt. Ja, um heute noch eine Meinung zu haben und diese zu vertreten, braucht man Mut.
Man vergegenwärtige sich diesbezüglich die Situation jener Kritiker am Islam, die als islamophob – als sei diese Religion eine Rasse – abgestempelt werden. Dass ebendiese Religion in ihrem Ursprung – historisch vollkommen wertfrei betrachtet – invasiv, aggressiv, frauenfeindlich und in eine aufgeklärte Gesellschaft des 21. Jahrhunderts kaum konfliktfrei integrierbar ist, darf zumindest aus Gründen der im Widerspruch zur Meinungsfreiheit und zur wissenschaftlichen Redlichkeit stehenden politischen Korrektheit nicht gesagt werden. Auch die Tatsache, dass eine Auslegung des Islam als religiöse Basis für die meisten Terroranschläge auf europäischem Boden fungiert, darf nicht mehr straffrei thematisiert werden. Und selbst kritische Gläubige des Islam selbst, die in Europa eine liberale Ausprägung ihrer Religion etablieren wollen, trifft die öffentliche Vorführung als islamophobe Verräter wie ein Fallbeil. Sie werden nicht nur von Medien, politischen Parteien und Vertretern der politischen Korrektheit angeprangert, sie werden in ihrem Leben und in letzter Konsequenz in ihrem Recht auf körperliche Unversehrtheit beschnitten. Sie stehen in unserer Scheinwelt der absoluten Freiheit unter ständigem Polizeischutz.
Und genau diese Entwicklung – zumindest in der anfänglich abgeschwächten Form, nur die Meinung und Rede des anderen zu diskreditieren – erleben wir seit 2020, dem Jahr des allgemein verordneten Corona-Diktats auf Basis einer zuvor geschickt verbreiteten Hysterie und Angst. Diese Pandemie führt uns vor Augen, wie verletzlich unsere Freiheit geworden ist, wie teilbar, wie relativierbar sie ist, und wie sie binnen weniger Wochen ohne große Widerstände eingeschränkt wird, wie leichtfertig der einzelne Mensch auf seine Grundrechte verzichtet, sie herschenkt aus Angst vor der abstrakten Gefahr, die Politik und Medien gezielt auf die Spitze treiben. Niemals hätte ich es im 21. Jahrhundert in all dem von allen Seiten beschworenen Geist der Freiheit für möglich gehalten, dass der einzelne Bürger seine Freiheitsrechte freiwillig hergibt, sich in eine neue Normalität begibt, in der er mühsam um seine alten Rechte bitten und betteln muss. Man quält eben den Bürger so lange, bis ihm jedes Mittel recht erscheint. Auch das seiner eigenen Entrechtung.
Aller Anfang war das Virus und das staatlich verordnete Diktat, dass es sich hierbei um eine Furcht einflößende, alles dahinraffende, also absolut tödliche Erkrankung handele. Jeder Widerspruch war zwecklos, denn die Kritik an den im Frühjahr 2020 einsetzenden Maßnahmen wurde prompt als Hochverrat von Sozialdarwinisten, also schrecklichen Individuen, denen Menschenleben nichts wert sind, die die Freiheit nur im Tod der anderen sehen, abgetan. Die Panik wurde von der Politik mittels der größtenteils gleichgeschalteten Medienlandschaft – Ausnahmen bestätigen die Regel – verordnet, man musste glaubhaft Angst verspüren, ja die oktroyierte Panik inhalieren und sich öffentlich dazu bekennen, denn alles andere wäre unsolidarisch gewesen. Der logische Hausverstand, eine mit Augenmaß und Besonnenheit vorgebrachte und vorgenommene Einordnung dieser Erkrankung und des absehbaren Risikos für die Menschheit wurden pauschal als drastische, verantwortungslose Leugnung der doch so fürchterlichen Wahrheit abqualifiziert und in ihrer Dimension der Krankheit selbst gleichgesetzt. Allein der anfängliche Vergleich zwischen Corona und Grippe wurde als verschwörerisch, als staatsgefährdend abgetan. Heute wird klar, das Corona-Virus – Mutationen hin oder her – lässt 99,8 % der Menschen erfolgreich gesunden. Für 0,2 %, vor allem für schwer vorerkrankte und alte Menschen, endet die Infektion tödlich. Also sind wir exakt bei der Letalität der Grippe, der saisonalen Influenza. Auf eine Richtigstellung der medialen und politischen Giftmischer, auf eine Entschuldigung gegenüber den Verleumdeten wartet man bis heute vergeblich.
Es begann auch hier mit der Einschränkung der Meinungsfreiheit durch jene, die in einer Art von moralischer Selbstüberhöhung die Einheitsmeinung zu dieser Corona-Hysterie prägten. Auf die Einschränkung der Meinungsfreiheit folgte die staatlich organisierte Bevormundung. Die Regierung diktierte nun dem verdutzten Bürger, was für ihn gut und was für ihn schlecht sei. Die Freiheit des Lebens und das damit verbundene Risiko wurden ihm abgenommen. Es folgte die Einschränkung von Grund- und Freiheitsrechten wie des Demonstrationsrechtes, eigentlich als unantastbar geltender Bestandteil der Europäischen Menschenrechtskonvention, und endete mit Zwängen in Form des Eingriffes in die persönliche Unversehrtheit von Menschen durch eine Zwangsimpfung. Es begann mit der Einschränkung der Meinung, der sichtbaren Anlegung eines Maulkorbes, es folgte das Ende der Freiheit auf Arbeit. Und mit dem Finale des mit den Maßnahmen einhergehenden Verlustes des Wohlstandes jedes Einzelnen endete die Freiheit des jeweiligen Menschen in seiner Gesamtheit. Wer nicht die verordnete Regierungsmeinung vertritt, wird zum Freiwild erklärt, als „COVIDiot“ abgestempelt, und selbst die althergebrachte Nazikeule wurde aus der Rumpelkammer der politischen Auseinandersetzungen der 1990er zurückgeholt und musste herhalten. Die Corona-Diskussion führte selbst den unkritischen, obrigkeitsgläubigen Teilen der Bevölkerung vor Augen, wie schnell sich das Rad der Unfreiheit zu drehen beginnt, wie angreifbar dieser Wert über Nacht wird. Ein kleines Virus, die geschürte Angst ob seiner gesundheitlichen Folgen, infektiöser als das Virus selbst, und den Globus hebt es aus den Angeln.
Die Medien als selbst ernannte vierte Macht im Staate: Die verbreitete Behauptung, die Medien fänden sich in den Verfassungen und Grundgesetzen als eigene Säule der Demokratie, ist falsch; sie tun größtenteils das Ihrige, diese Entwicklung in all den bereits genannten Bereichen zu befeuern. Statt die Meinungsfreiheit als Voraussetzung für eine plurale Gesellschaft auch in ihrem ureigenen Interesse einer garantierten Pressefreiheit zu verteidigen, stehen sie in Masse zielsicher auf der Seite der Unterdrücker. Unter Bruch der intellektuellen Redlichkeit wird die Wahrheit im Interesse dieser politischen Korrektheit in Form des Auftrittes eines Gutmenschen oder eines besorgten Virologen mit Vorsatz verfälscht, werden Fakten im besten Fall negiert, im schlechtesten Fall verdreht. Jene selbst gewählten Instrumente einer Gesellschaft zur objektiven Informationsvermittlung machen sich langsam, aber sicher zu Handlangern einer Minderheit von Meinungsdiktatoren. Wir erleben dies täglich, als die uns unter tragischen Umständen begleitende Summe des Jahres 2015, im Rahmen der Berichterstattung des sogenannten Einzelfalles. Wir sehen dies in der Darstellung der geschickt verschleierten Realität im Zusammenhang mit der Corona-Debatte, die uns gerade 2020/21 ausgerechnet durch öffentlich-rechtliche Medien, die zu einer besonderen Zuverlässigkeit verpflichtet wären, mundfertig in die Haushalte geliefert wurde.
Und wenn wir an die seit Jahren tobende Kampagne um den Klimawandel denken, dessen Gefahren von Politik wie Medien gezielt überhöht werden, um politische Interessen durchzusetzen, wird einmal mehr klar, dass vermeintlich freie und unabhängige Medien die ihnen zugeschriebenen Prämissen längst über Bord geworfen haben. Kein Wetterereignis, das nicht gezielt mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht würde. Und sei diese Argumentation auch noch so falsch. Seit Jahrhunderten ist Venedig, die alte Stadt auf Stelzen inmitten der Lagune, vom „Aqua Alta“ betroffen. Wenn der Herbst auf den richtigen Wind und die entsprechenden Gezeiten trifft, marschieren die Venezianer und an ihrer Seite Millionen von Touristen in Gummistiefeln. Im Regieplan der Medien, wonach die Welt unter einer menschengemachten Erwärmung leide, wird dieses jährlich erscheinende Hochwasser in Norditaliens Lagune dem Klimawandel zugerechnet. Wie auch die Verwaldung der Almen, die nun auf den Titelseiten jener journalistischen Produkte der Umerziehung abgebildet wird, welche noch vor wenigen Jahren großflächig vor einem Waldsterben warnten. Oder der uns seit der Industrialisierung begleitende Smog, der nun im Zuge der Klimawandeldebatte als neuartiger Feinstaub firmiert. Apropos Feinstaub: Dieser wird zum Anlass genommen, den Individualverkehr zu reglementieren, also die Bewegungsfreiheit der Menschen einmal mehr einzuschränken. Die Tatsache, dass während des coronabedingten Lockdowns im Jahr 2020 der Individualverkehr nahezu zum Erliegen kam, die Feinstaubwerte sich aber nicht deswegen verbesserten, wird verschwiegen. Man könnte ja den kritischen Menschen auf die gefährliche Idee bringen, über sich selbst, seinen Wohlstand, seine Freiheit und die Widersprüchlichkeit des Journalismus und dessen Erkenntnisse in Bezug auf den Klimawandel nachzudenken. Die Klimawandeldebatte, von einer minderjährigen Schwedin gezündet, die von den Medien rasch zur Heiligen auserkoren wurde, zielt direkt und unverblümt auf unsere Freiheit ab. In Deutschland wird über das Verbot von Einfamilienhäusern debattiert, in Österreich wurden die Steuern auf den Individualverkehr erhöht, die Verbots- und Bevormundungspolitik greift in das Eigentum der Bürger ein. Und die Journaille steht an der Seite der Bevormunder, ist der nützliche Idiot der Agenda, begleitet diese Kampagne mit der Verfälschung wissenschaftlicher Erkenntnisse, mit der vorsätzlichen Weglassung der ganzen Wahrheit. In den USA wurden diese Methoden unter dem Schlagwort „Fake News“ zusammengefasst, ein Begriff, der die Kraft gehabt hätte, die Medienlandschaft wieder zur erklärenden Objektivität zu zwingen, wenn nicht der Wortschöpfer, der heutige Ex-US-Präsident Donald Trump, sich im gleichen Stil wie die von ihm kritisierten Medien der „alternativen Fakten“, auch eine Form der gezielten Lüge, bedient hätte. Den Teufel treibt man doch nicht mit dem Beelzebub aus!
Medienvertreter verstehen sich heute nicht mehr als Teil des Volkes, für dessen Aufklärung sie zu sorgen hätten, sondern als Teil der erzieherischen, der selbst ernannten intellektuellen Elite. Das ist ihnen auch nicht zu verübeln, denn warum sollte ausgerechnet ein Journalist nicht nach Höherem streben dürfen? Die Damen und Herren Redakteure, die Herausgeber, sie wollen nicht nur als Beobachter dabei sein, sie wollen eben als vollwertige Mitglieder des beherrschenden Establishments wahrgenommen werden. Bestes Beispiel für eine solche Entwicklung ist die große österreichische Boulevardzeitung „Kronen Zeitung“. Einst von Zeitungslegende Hans Dichand ins Leben gerufen, immer den sensiblen Finger an der Denke des Volkes haltend, sich auch gegen die Regierungen und die kommenden und gehenden Kanzler richtend und gegen deren Politik sogar erfolgreich im Interesse der Bürger und eigenen Leser kampagnisierend, hat sie sich in den letzten Jahren von diesem Erfolgsrezept wegbewegt. Die Damen und Herren Redakteure wollen eben nicht mehr die schmutzige Arbeit im Dienste der Aufklärung leisten, sie wollen willkommene, anerkannte, respektierte Mitglieder der oberen Zehntausend sein. Sie verhabern sich mit den Mächtigen, verraten aber dafür die eigenen Leser, mehr noch, sie richten sich mit ihrer Berichterstattung direkt gegen die Meinung der Bevölkerung! Die Folge ist absehbar. Das einstige Flaggschiff österreichischer Medien verliert täglich Leser.
Ich breche an dieser Stelle eine Lanze für diese Branche: Auch Journalisten haben, wie alle Menschen, das Recht auf eine politische Meinung, auf die höchstpersönliche Wahrheit. Im Beruf hingegen wären sie angesichts ihres breitenwirksamen und meinungsmachenden Standes zur absoluten Unabhängigkeit und Objektivität verpflichtet; dort dürfte die persönliche Meinung sich bestenfalls auf den Kommentar, aber doch niemals auf die gesamte Berichterstattung erstrecken. Wer den Journalismus als Mittel der Freiheit und damit als echte Stütze der Demokratie ernst nimmt, darf sich nur an echter Wahrheit, an der intellektuellen Redlichkeit orientieren, hat mit seiner persönlichen Meinung von Berufs wegen hinter dem Berg zu halten. Der objektive Journalismus ist eben kein Instrument zur Verbreitung höchstpersönlicher Weltanschauung, er belehrt auch nicht, sondern informiert, und es obliegt dem Konsumenten, und zwar nur ihm allein, aus den bereitgestellten Informationen seine Schlüsse zu ziehen.
Die hingegen eindeutig vorherrschende ideologische Prägung der Mehrheit des Journalismus lässt sich damit erklären, dass gerade die Medien als Aufmarschgebiet für parteipolitische Interessen in absoluter Vereinnahmung gehalten werden, ja selbst die Journalistenausbildung einem immer wiederkehrenden ideologischen Diktat aus der gleichen Ecke folgt.
Jüngstes mir in Erinnerung gebliebenes Beispiel für die vorsätzliche Verschleierungstaktik der Medien ist die Berichterstattung über den Terroranschlag in Wien vom 2. November 2020. Obwohl relativ rasch klar war, dass es sich dabei um ein religiös motiviertes Attentat auf das öffentliche Leben der österreichischen Bundeshauptstadt handelte, fabulierte ein Moderator des Öffentlich-Rechtlichen Österreichs stundenlang von einem möglichen „Amoklauf“. Denn was nicht sein darf, über das wird auch nur sehr widerspenstig berichtet. Denn die Bestätigung, dass Österreich als jahrzehntelange Insel der Seligen nun auch von einem islamistischen Terroranschlag getroffen wurde, wäre wohl ein zu großes Eingeständnis des Scheiterns des politischen wie medialen Meinungsdiktates einer „multikulturellen Gesellschaft ohne Wenn und Aber“, einer Implementierung des sogenannten liberalen Islam in Österreich gewesen. Nicht vergessen werden darf die Tatsache, dass ausgerechnet die öffentlich-rechtlichen Medien aus dem Umstand heraus, als neutrale Berichterstatter eines Landes wahrgenommen werden zu wollen, einer besonderen Sorgfalt verpflichtet sind. Als Beweis für die Verletzung dieser Sorgfaltspflicht rufe ich die Berichterstattung dieser staatlich finanzierten Medienunternehmen im Zuge des „Brexit“ in Erinnerung. Monatelang trommelten sie, samt ihren aus Wien und Berlin instruierten Korrespondenten in Fernsehen und Hörfunk, nach dem „Brexit“ würden die Supermarktregale im Vereinigten Königreich leer bleiben, die Menschen aufgrund des Austrittes aus der Europäischen Union mit Hunger und einer neuen Armut konfrontiert sein, Großbritannien einem finsteren Zeitalter der Unterdrückung, der sozialen Ungerechtigkeit, der brennenden Barrikaden entgegensehen. Der „Brexit“, der freie Volksentscheid der Briten, wurde vollzogen – von Armut, Unruhen und leeren Supermarktregalen keine Spur. Die Medien berichteten nicht objektiv, sondern erfüllten den Auftrag, im sehenden und hörenden Volk keine Zweifel an der Richtigkeit einer fortdauernden EU-Mitgliedschaft des eigenen Landes zu säen; sie wollten nicht berichten, sondern schlicht beeinflussen, Stimmung gegen die aufkeimende EU-Kritik machen. Positiver Nebeneffekt: EU-kritische Parteien wurden somit geschwächt, also auch das höhere innenpolitische Interesse im Auftrag der Regierung bedient.
„Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, könnte man fast entschuldigend zur Verteidigung der Damen und Herren im öffentlich-rechtlichen Bereich einbringen. Das Brot kommt aber vom Bürger, in Form von Steuern und Gebühren, und nicht vom weiterreichenden Politiker, der ja nur der Vertreter des Volkes ist. Die Journalisten dürfen nur der Wahrheit und dem Volk verpflichtet sein, keinem höheren Wesen, das sich Kanzler nennt und sich mit Presseförderung und millionenschweren Kampagnenvolumen Meinung erkauft. Denn nicht anders kann man die Berichterstattung rund um die Corona-Krise bewerten. Die immer wiederkehrenden Fotos von zum Bersten gefüllten Leichenhallen, die sich dann teilweise als Archivfotos von einem Schiffsunglück vor Lampedusa herausstellten. Oder die falsch gedeuteten Zahlen und Statistiken, wo man unter absichtlicher Aussparung der gesamten statistischen Wahrheit dem Diktat der Angst folgte, zulasten der Freiheit. Das wochenlange Spiel mit den Sterbestatistiken ist uns noch gut in Erinnerung, wo Corona – wenig überraschend – an die Spitze der Todesursachen rutschte, weil halt auf Herzinfarkte, Krebserkrankungen und weiteres gesundheitliches Ungemach schlichtweg vergessen wurde. Hier unterstützten Medien aus Angst und Panik jene Agenda, die dazu führte, dass dem verunsicherten Bürger schlussendlich jede Maßnahme, und zwar wirklich jede Willkür und Repressalie, recht wurde. Und nicht zuletzt das Spiel mit den wöchentlichen Mutationen des SARS-CoV-2 darf nicht unerwähnt bleiben. Als im Herbst 2020 die Bereitschaft der Bürger nachließ, den einschränkenden Maßnahmen der Regierung zu folgen, wurde die sogenannte Briten-Mutation als Nachfolger des China-Virus ins Spiel gebracht. Als sich herausstellte, dass dieser Mutation die Luft ausging, zumindest was die verbreitete Hysterie betraf, kam das Südafrika-Virus hinzu. Und als dieses nach ungefähr vier Wochen nicht mehr zog, folgten die Brasilien-, die New-York-Mutation und viele andere. Auch die Auswahl redaktionsfremder Experten ist beachtlich. Kritische Experten kommen in einem Großteil der Medienhäuser im deutschsprachigen Raum nicht vor, sie dürfen nicht vorkommen. Ausgenommen hiervon sind zweifelsohne „ServusTV“ des Red-Bull-Milliardärs Mateschitz und die Produkte des Fellner-Medienhauses, „oe24“ bzw. „Österreich“. Sowohl Dietrich Mateschitz als auch Wolfgang Fellner haben sicherlich ihre politische Meinung, diese hindert aber beide Medienmacher nicht daran, alle Meinungen des gesamten Spektrums zu Wort kommen zu lassen. Beide Medienhäuser strahlen mittlerweile in den gesamten deutschsprachigen Raum, weit über Österreich hinaus, weil sie Debatten zulassen, die in Deutschland oder der Schweiz mittlerweile undenkbar scheinen.
Der Großteil der Medienlandschaft, und zwar europaweit, verfolgt eine andere Agenda: Belehrung, Umerziehung, Linientreue zur politischen Korrektheit, zu den jeweiligen Machthabern, ihrer Ideologie, ihrem Geld. Dass ausgerechnet jene Medien, die sich diesem Diktat und der dahinterstehenden politischen Agenda unterworfen haben, dann selbst zum Ziel der von ihnen geschürten einseitigen „bunten Vielfalt“ werden, zeigt das französische Beispiel von „Charlie Hebdo“. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Redaktion zahlten für die Freiheit ihrer Meinung und ihres Humors auf Kosten einer einschränkenden Religion den höchsten Preis, sie zahlten mit ihrem Leben. Und auch hier zeigt sich: Der Weg von der Einschränkung der Meinungsfreiheit für viele zur Gewalt durch einige wenige ist ein kurzer!
Freies Denken und freie Rede stehen heute einflussreichen Feinden gegenüber, die sich bildlich mit Messern im Mund gegen diese aus der Aufklärung entstandenen Werte mit aller Vehemenz zur Wehr setzen. Es soll Freiheit gespielt, aber nicht gelebt werden. Eine Phalanx aus Politik und Medien tilgt das freie Wort über Zuwanderung, über Klimawandel, über „Corona“, über den Islam mit ihren einflussreichen Instrumenten. Freies Denken und freie Rede sind unteilbar! Nein, sie dürfen nicht relativiert werden, sie dürfen nicht zwischen „guter“ und „böser“ freier Rede gegeneinander ausgespielt werden. Freiheit ohne Wenn und Aber, das gilt für Denken und Reden!
Die Freiheit in Sicherheit
Benjamin Franklin sagte einst: Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.
Freiheit ist Geborgenheit. Der demokratische Staat als Hüter der Freiheit hat die Pflicht, für die Rahmenbedingungen des friedlichen Zusammenlebens seiner Subjekte größtmöglich zu sorgen. Freiheit garantiert eben auch die körperliche Unversehrtheit der Staatsbürger, die sich in Freiheit zusammenfinden. Jeder Mensch hat das Recht auf Freiheit in Sicherheit – möchte man meinen. Das Gegenteil ist mittlerweile der Fall, der Bürger verliert beides. Um den Preis der auf einer ganz bestimmten politischen Richtung vertretenen abstrakten, weil auf alle Lebensbereiche ausgedehnten und damit kaum fassbaren „Toleranz“ wird die Freiheit zugunsten der dadurch notwendig gewordenen neuen Sicherheit eingeschränkt. Unsere Gesellschaft verkommt dabei immer mehr zu einem Versuchslabor, wir sind die dazugehörigen Kaninchen. Generationen von Menschen setzten nach den Wirren des letzten Weltkrieges alles daran, die größtmögliche Freiheit des Individuums in größtmöglicher Sicherheit zu ermöglichen. Spätestens mit den wirtschaftlichen Begehrlichkeiten einzelner Staaten Europas, die einen Zuzug von Einwanderern forderten, und mit einer auf der ’68er-Generation fußenden multikulturellen Gesellschaft wurde ein Mehr an Sicherheit zulasten der Freiheit des einzelnen Staatsbürgers notwendig. Der regelrecht provozierte demografische Umbruch, die Hereinnahme anderer Kulturen und Sitten, der politisch gewollte Zuzug von Menschen aus Ländern unterschiedlicher zivilisatorischer Geschwindigkeiten erzeugten ein neues Sicherheitsbedürfnis. In einem Satz: Wir bauten die uns bisher vor ungezügelter Einwanderung und Ungemach aller Herren Länder schützenden Zäune an den Grenzen ab, um zum Schutz der Bürger Betonpoller in unseren Innenstädten zu errichten. Wir lösten die Grenzeinheiten der Exekutive auf, um die Personalstände unserer Sicherheitsbehörden in Städten und Gemeinden aufzustocken. Als Folge der Terroranschläge in New York am 11. September 2001 beschlossen die meisten Länder der westlichen Hemisphäre strengere Sicherheitsgesetze, die die Freiheit einer Mehrheit einschränkten, um die zügellos importierte Minderheit an Terroristen auszuforschen. Antiterrorgesetze, neue Fahndungs-, Überwachungs- und Ermittlungsmethoden, die mithilfe eines geschaffenen Pauschalverdachtes tief in die Freiheits- und Grundrechte der Menschen eingreifen. Der einfache, rechtschaffene Staatsbürger wird durch die Zwänge überschießender Maßnahmen im Bereich der Reisefreiheit, des Datenschutzes, seiner Privatsphäre und anderswo unter Generalverdacht gestellt, seiner bürgerlichen Freiheit beraubt, weil der Staat und dessen Regierung selbst Menschen gewalttätiger Absicht, also Unintegrierbare, integrieren will und damit gleichzeitig nicht mehr für die Sicherheit garantieren kann. Je höher der Grad der Zuwanderung, umso höher das Bedürfnis nach mehr Sicherheit und umso weniger Freiheit. „Sicherheit vor Freiheit“, so lautete die Devise des politischen Handlungsnotstandes, notwendig geworden aufgrund eines schweren Erbes, einer mit Blindheit geschlagenen politischen Elite, die – gewollt oder passiert – „einfach laufen ließ“. Eine neue Anlassgesetzgebung formiert sich je nach medial breitenwirksam diskutiertem Fall, zugunsten des neuen Bedarfs nach mehr Sicherheit verwässern wir Stück für Stück den liberalen, offenen, freiheitlichen Rechtsstaat. Wenn die Übergriffe auf Frauen in unseren Breiten durch Mitglieder frauenfeindlicher Kulturen und Religionen überhandnehmen, fordern die Vertreter des Rechtsstaates im Beißreflex schärfere Gesetze zum Schutz der Frauen, anstatt die dieser Delikte hauptsächlich verdächtigen Minderheiten außer Landes zu bringen. Wenn die Überfälle durch in der Messerund Machetenkunst besonders versierte Mitglieder einzelner Gruppen auf rechtschaffene Bürger überhandnehmen, fordern besonders begabte Politiker folgerichtig das Trageverbot von Messern in der Öffentlichkeit für die Allgemeinheit, anstatt die üblich verdächtigen messerfertigen Aggressoren aus unserer Gesellschaft zu entfernen, noch besser, sie gar nicht erst zu nur schwer er- und vertragenden Gästen werden zu lassen. Diesem vorherrschenden und praktizierten Geist folgend müssten wir in Zukunft auch Lkw verbieten, denn es besteht ja die reale und latente Gefahr, dass ein religiös beseelter Anhänger der Paradiesjungfrauen in Nizza oder Berlin damit ein Blutbad anrichtet. Ja, das soll es bekanntlich bereits gegeben haben, wie auch die von breitenwirksamen Medien geschickt verschwiegene Meldung, wonach „jeder fünfte islamistische Terrorist innerhalb der EU ein Asylwerber“ war. Das ist keine „islamophobe“ These, wiewohl allein dieses Schlagwort jegliche Kritik am Islam verbieten soll.
Recht früh bin ich den aggressiven Segnungen dieser Auslegung des Islam begegnet. Ich erinnere mich an die bedrückende Stille, als ich mit meinem damaligen Chef, dem österreichischen Vizekanzler und Sozialminister Herbert Haupt, den nur aus einem Grund bereitgestellten zweiten Teil des Friedhofes von Beslan in Nordossetien besuchte. Dieser Gottesacker musste binnen weniger Wochen neu errichtet werden, weil islamistische Selbstmordattentäter 331 Schüler und Lehrer in die Luft gesprengt hatten. Hunderte behelfsmäßig aufgestellte Holzkreuze und Grabsteine, auf den Gräbern Teddybären und Spielzeug. Drei Monate nach diesem Anschlag im Jahr 2004 besuchten wir die betroffene Schule, um die überlebenden, schwer traumatisierten Kinder zur Erholung nach Österreich einzuladen. In den verwüsteten Klassenzimmern der Mittelschule Nr. 1 verteilten sich die Hinterlassenschaften der getöteten Opfer am Boden, ihre Schuhe, ihre Taschen, ihre Kleidung, die letzten Habseligkeiten unschuldiger junger Menschen. Die Wände schwarz von den Detonationen der Sprengstoffgürtel. Mein erster Gedanke: Hier hat sich die Hölle offenbart, der Teufel sich gezeigt! Überall klebten menschliche Reste, getrocknetes Blut, Haare. Dieser Ort der Bildung und Freude wurde zu einem Mahnmal, zu einem Grab für die Opfer dieses Terrorismus, der weltweit in den meisten Fällen ein und denselben Ursprung hat. Das war der erste, für mich bis heute prägende Eindruck, der mich dazu veranlasst hat, mit allen Mitteln unsere Sicherheit zu verteidigen und mich gegen alle Versuche zur Wehr zu setzen, diese Gefahren aus politischen, ideologischen oder gar paradox humanistischen Gründen zu verharmlosen. Am Ende geben wir unsere Freiheit auf, um Intolerante zu tolerieren, Unintegrierbare zu integrieren.
Die zweite Begegnung mit der fürchterlichen Fratze dieser klar zu benennenden Religion hatte ich in New York. Acht Monate nach 9/11 blickte ich durch die eilig herbeigeschafften Bauzäune, die den Alltag des „Big Apple“ vom Ort des Grauens trennten, in die Grube, an deren Stelle einst die Türme des World Trade Center gestanden hatten und wo tausende Menschen ihre Leben hatten lassen müssen. Berge von Schutt und Asche, die mit den Leibern der Opfer eins geworden waren, offenbarten sich uns. Und auch hier war es unmöglich, die Fassung zu bewahren. Zwei Orte in zwei so gegensätzlichen Ländern, entstellt durch die Grausamkeit einer Ideologie, die unter dem Deckmantel der Religion Gewalt sät, Menschenleben vernichtet und durch die Duldsamkeit unserer politischen Eliten die Freiheit zugunsten einer scheinbar notwendig gewordenen Sicherheit einschränkt.
Der Gipfel der Perfidie zeigt sich uns zweifellos in Deutschland. Einem Land, dessen Führung geschehen lässt und dessen Volk mit den Folgen zu leben hat. Kein Tag vergeht, an dem dieses Land nicht infolge der Fahrlässigkeit seiner politischen Führung durch den – mittlerweile traurige Bekanntheit erlangt habenden – „Einzelfall“ erschüttert wird. Und es sind nicht nur die Schicksale der Opfer, die berühren, es ist die Wut ob einer darauffolgenden Diskussion, die darauf abzielt, unseren Alltag zu reglementieren, um Terror und Gewalt zu verhindern. Folglich müssen wir irgendwann auch Züge verbieten, denn ein aufgrund unserer für ihn unerträglichen Gesellschaft psychisch labil gewordener Täter könnte ja ein Kleinkind vom Bahnsteig aus vor den Zug werfen. Wir sind mittlerweile genötigt, je nach Anlassfall eine Reihe neuer Deliktgruppen in unsere Strafgesetze einzuschließen, von deren Existenz eine Mehrheit der Bevölkerung bis vor wenigen Jahren keinerlei Ahnung hatte. Der Fantasie sind bezüglich neuer Arten von Verbrechen keine Grenzen gesetzt. Andererseits sind wir gezwungen, das Strafmaß für manche Deliktgruppen herabzusetzen, weil der Rechtsstaat nicht mehr in der Lage ist, diese Formen der Kriminalität in den Griff zu bekommen. Der Drogenmissbrauch, also die Verabreichung des Giftes für unsere kommenden Generationen, ist de facto pardoniert, weil sich Exekutive und Justiz außerstande sehen, das Recht unserer Jugend auf Freiheit und Sicherheit zu verteidigen. Nicht zuletzt auch durch den Umstand, dass die Haftanstalten prall gefüllt sind.
Wir sind dazu genötigt, die bürgerlichen Freiheiten Stück für Stück aufzugeben, damit wir uns gegenüber einer intoleranten, unintegrierbaren Importware schützen können. Mir wäre nicht bekannt, dass wir vor 30 Jahren über ein Verbot der Frauenbeschneidung oder über ein Kopftuchverbot hätten diskutieren müssen, um die Unterdrückung jener Frauen zu unterbinden, in deren Namen Politikerinnen linker Prägung in den 1960er- und 1970er-Jahren noch ihren feministischen Kampf fochten. Übrigens ausgerechnet Anhängerinnen jener Couleur, die die Errungenschaften des zivilisierten Zusammenlebens und damit auch ihre eigenen feministischen Meilensteine nun um den Preis verkaufen, ihre Ideologie des grenzenlosen Multikulturalismus durchzusetzen. Eine Vertreterin dieser neuen multikulturellen Ideologie ist die Deutsche Carola Rackete, die geltende italienische Gesetze brach, sich also in einem Anflug von moralisch bewegter Eitelkeit über die Rechtsstaatlichkeit erhob und mit ihrem Flüchtlingstourismus am Mittelmeer nicht nur dem Menschenhandel Vorschub leistete, sondern auch den Begriff der Seenotrettung ad absurdum führte. Statt die aus dem Meer gefischten Opfer der Schlepper in den nächsten Hafen an der nordafrikanischen Küste zu bringen, schipperte die Gute einen unzählige Meilen entfernten Mitgliedstaat der EU an, um gegen alle internationalen Richtlinien ihre eigene Form der Flüchtlingspolitik durchzusetzen. Dass diese Boote selbstverständlich auch Individuen an Land bringen, die mit einer emanzipierten Kapitänin wie Frau Rackete so gar nichts anzufangen wissen, unter für sie besseren Umständen ihr als Frau sogar den Handschlag verweigern würden, scheint sie nicht zu tangieren.
Sprich: Für ein kleines Binnen-I und das sanfte Ruhekissen, etwas Großes, moralisch Selbstüberhöhtes und Gutes getan zu haben, kann man eine anschließende Serie von Vergewaltigungen durch die Glückskinder Merkels schon als Kollateralschaden in Kauf nehmen. Die Freiheit verkommt zu einem verhandelbaren Wert, die Gesellschaft zu einem Versuchslabor politischer Strömungen, die in die Unfreiheit des Einzelnen münden. Zahlen lügen nicht, und ein Blick in die Kriminalstatistiken beweist: Mehr als die Hälfte der rechtskräftig verurteilten und inhaftierten Straftäter sind nicht heimischer Herkunft. Und damit fällt unser Freiheitsrecht auf Eigentum, auf persönliche Unversehrtheit, ja es fällt das Recht auf Freiheit in Sicherheit. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es ist unsere rechtliche und moralische Verpflichtung, auch jenen Menschen Sicherheit zu gewähren, die in ihren Ursprungsländern Gefahr laufen, ihrer Freiheit, ihrer Sicherheit und ihrer physischen wie psychischen Unversehrtheit beraubt zu werden. Wir sind zwar nicht der Weltenretter, aber jede Nation muss doch ihren angemessenen Beitrag dazu leisten, Menschenleben in größter Not zu schützen. Das kann aber nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn die wahren Schutzsuchenden ihrerseits auch dazu bereit sind, unsere Freiheit zu respektieren. Und es ist notwendig, dass wir über all die Beruhigungspillen der Politik hinweg mutig den Respekt vor unserer Freiheit und damit vor unserer Kultur, unseren Traditionen, unseren Werten einfordern.
Um die Sicherheit zu erhalten, ist es eben notwendig, die Freiheit zu verteidigen. Und zwar gegen alle Feinde, die unseren Liberalismus ausnutzen, um ihn letztgültig zu zerstören. Wenn wir gegenüber den Intoleranten Toleranz zeigen, geben wir die Freiheit auf. Wenn wir Unintegrierbare integrieren wollen, geben wir die Freiheit auf. Und wenn wir die Freiheit aufgeben, verschenken wir unsere Sicherheit.
Das Recht auf soziale Freiheit
Oftmals liest man, wir müssten Sozialgesetze verschärfen, weil der organisierte Sozialmissbrauch überhandnehme. Weil sich neu angekommene Proponenten samt der von ihnen vertretenen Methode in unsere Gesellschaft eingeschlichen haben, wonach nicht jene die Leistungen unserer Solidargesellschaft bekommen, die sie brauchen, sondern vor allem jene, die sie nur wollen. Überhaupt ist das Recht auf Freiheit in sozialer Sicherheit wie alle anderen wesentlichen Grundfreiheiten ebenso in Gefahr, zu wanken. Denn schon allein die gezielte ideologische Förderung des demografischen Umbruches macht die soziale Sicherheit, wie wir sie kennen, dauerhaft unfinanzierbar. Das wissen wir seit Jahren. Niemand erhebt Einspruch. Im Ergebnis würde der Einwand bedeuten, den Mut zu haben, als Staatsziel endlich festzulegen: Wir sind kein Einwanderungsstaat. Und das hat nichts mit Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit zu tun, sondern schlicht mit logischem Hausverstand.
Der Sozialstaat ist nur dann dauerhaft finanzierbar und sicher, bietet größtmögliche Freiheit, wenn ihm mathematisch eine Vollbeschäftigung und die daraus resultierenden moderaten Steuer- und Abgabenleistungen gegenüberstehen. Stattdessen bietet die Politik keinerlei Rahmenbedingungen für eine Vollbeschäftigung, sondern importiert die Arbeitslosigkeit und die soziale Ungerechtigkeit mitten hinein in das fragile System. Die Arbeitslosigkeit und damit die Inanspruchnahme des Sozialsystems ist eben bei Zuwanderern am größten. Zahlen lügen nicht!
Die Finanzkrise von 2008 erschütterte erstmals den Sozialstaat, das Corona-Debakel und die damit einhergehende Wirtschaftskrise samt einer Arbeitslosigkeit und darauf einsetzender Inflation ungeahnten Ausmaßes lassen das System endgültig kippen. Betriebspleiten vermindern die Abgabenleistung in das System, eine höhere Arbeitslosigkeit vergrößert die Sozialausgaben, verstärkt die Armut, und diese wiederum belastet das Sozialhilfesystem. Nicht zu vergessen ist die „Generation Corona“, also jene Jugendlichen, denen seitens der Regierungen mit der als „alternativlos“ dargestellten Lockdown-Politik mindestens ein Jahr der Schulbildung geraubt wurde, die damit ein Jahr später in den Arbeitsprozess einsteigen, den Sozialstaat mit ihren Steuer- und Abgabenleistungen erst ein Jahr später erhalten und finanzieren können.
Zudem hat sich der von mir in seinen Grundzügen nie infrage gestellte Sozialstaat mit Hunderten auf allen Ebenen etablierten Leistungen, Zulagen, Beihilfen, Fonds und dergleichen zu einem Betreuungsstaat entwickelt, in dessen undurchschaubarem Dickicht der Missbrauch aufblüht, der vielmehr noch zu Missbrauch einlädt und im Übrigen das Hauptargument für den jede Dimension sprengenden Zuzug darstellt.
Es ist zweifelsohne der Sozialdemokratie längst vergangener Zeiten zu verdanken, dass Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Knechtschaft der Industrialisierung befreit wurden, dass sich über das letzte Jahrhundert hinweg in vielen Staaten tragfähige Sozialsysteme – gespeist durch die Wirtschafts-, Abgaben- und Steuerleistung der leistungsbereiten Allgemeinheit – gebildet haben, um jene zu schützen, die temporär oder dauerhaft die Unterstützung der Solidargemeinschaft brauchen. Das Ziel eines funktionierenden Sozialstaates ist es, auch jenen Menschen ihren Anteil an der Freiheit zu ermöglichen, die aus eigener Konstitution heraus dazu nicht imstande wären. Es ist ein Irrtum, dass Sozialleistungen Almosen wären. Es handelt sich bei ihnen um einen rechtlich jeweilig verbrieften Anspruch, um eben Menschen in ihrem von Natur aus gegebenen Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit – selbst in schwierigen Situationen – zu helfen.
Wo wären Deutschland oder Österreich heute ohne das Gesundheitssystem, das eng gesponnene Sozialsystem, die Behindertenhilfe, die Familienbeihilfe? Wo wären Deutschland oder Österreich ohne die sozialen Errungenschaften der Politik eines Willy Brandt oder eines Bruno Kreisky? Nicht zu vergessen ist beispielsweise das sogenannte Kindergeld als letzter sozialer Meilenstein der jüngeren Geschichte Österreichs, erzwungen vom damaligen Sozialminister Herbert Haupt. Das Kinderbetreuungsgeld diente seinem Wesen nach dazu, die Leistbarkeit von Kindern und die Kosten ihrer Erziehung mit den individuellen Wünschen junger Familien in Einklang zu bringen. Das Kindergeld sollte es jungen Männern und Frauen ermöglichen, ihren Kinderwunsch ohne finanzielle Einbußen zu erfüllen, sollte aber nicht dazu dienen, dass manche aus dem Empfang dieser Sozialleistung eine Art von organisiertem Gewerbe machen. Mit der Methode „Wir bekommen zehn Kinder und finanzieren unser gesamtes Leben ausschließlich durch die Sozialleistung“ pervertiert man diese Systeme, stellt sie gleichzeitig zum Nachteil jener, die sie wie einen Bissen Brot brauchen, infrage. Daraus entsteht ebenjener Missbrauch, der systematisierte Sozialbetrug, der sich gegen die Basis unserer sozialen Freiheit stellt. Und wegen einiger weniger, aber gleichzeitig immer zahlreicher werdender sogenannter schwarzer Schafe wird die Leistung für viele eingeschränkt. Wegen wenigen, die die durch den Sozialstaat ermöglichte Freiheit und Unabhängigkeit ausnutzen, vermindert sich folgerichtig zur Hintanhaltung des Missbrauches die Freiheit für alle. Um aufgedeckten Missbrauch zu verhindern, führte beispielsweise Deutschland im Jahr 2003 mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz die Lichtbildpflicht auf der Gesundheitskarte ein, in Österreich ziert das Bild des Versicherten die e-card, die aber nur in Verbindung mit einem Ausweis gültig ist. Weit haben wir es gebracht! In den 1990er-Jahren war es zumindest noch nicht notwendig, den Krankenschein so aufwendig und mit einem andauernden datenschutzrechtlichen Risiko abzusichern.
Unser Sozialstaat, der Freiheit und Unabhängigkeit garantieren soll, präsentiert sich am Silbertablett, wird sogar in entsprechenden Foren von Schleppern in den entlegensten Winkeln des Globus regelrecht beworben. Dafür fehlen uns andererseits die finanziellen Mittel, das Gesundheitssystem auszubauen. Jahrelang wurde aus Gründen der Sparsamkeit und Effizienz – jene Schlagwörter, die für einen Abbau des Gesundheitsnetzes und der Spitalslandschaft stehen – die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung zurückgefahren. In einem Satz zusammengefasst: Jedes Dorf hat zwar Kreisverkehre bekommen, dafür haben wir in den Städten die Krankenhäuser geschlossen. Weil deren Erhaltung ineffizient sei, weil sich deren Erhaltung nicht rentiere. Mit der gleichen fahrlässigen Argumentation könnten wir auch die Versicherungspflicht kippen oder die Feuerlöscher in Gebäuden versilbern. Die Corona-Krise hat uns gezeigt, dass unser Gesundheitssystem stückweise endoptimiert wurde, für Eventualitäten nicht mehr vorbereitet ist, immer am Anschlag fährt. Daraus ergibt sich eben, dass wir längst eine Zweiklassenmedizin haben, unterteilt in jene Bürger, die sich durch ihre ökonomischen Möglichkeiten eine Zusatzversicherung und damit die Versorgung im privaten Spitalsbereich leisten können, und jene Bürger, denen man die Gesundheitsversorgung aus Sparsamkeitsgründen, sprich Betten- und Ärztemangel, verwehrt. „Freiheit in sozialer Sicherheit“ verkommt so zu einer leeren Plattitüde, mit der sich Sozialpolitiker aller Farben schmücken, die aber mit unserer Realität sehr wenig zu tun hat.
Anders ergeht es dem Verwaltungsbereich des Gesundheitssystems, den Sozialversicherungsträgern, die nach wie vor aus dem Vollen schöpfen. Proporzmäßig zwischen den Parteien aufgeteilt, wird hier ein krankes, nicht mehr zeitgemäßes, aufgeblähtes Funktionärssystem verwaltet, während andererseits die Gelder für zusätzliche Gesundheitsleistungen oder die Finanzierung der Spitäler fehlen. In Österreich wurden zwar in den letzten Jahren die einzelnen Sozialversicherungsträger großzügig zusammengelegt, übrigens eine der vielen aufsehenerregenden Forderungen von Jörg Haider aus den 1990er-Jahren. Der Pferdefuß ist nur, dass man aus ehemals 21 Organisationsmolochen nun fünf Monster geschaffen hat. Der Personal- und Verwaltungsrucksack blieb gleich. Und die demografische Entwicklung macht es nicht besser, sondern zunehmend schlechter.
Immer mehr Menschen bekommen zwar Leistungen aus dem Sozialsystem, zahlen aber nicht ein. Und übrigens werden auch immer mehr Menschen immer älter, eine Tatsache, die uns alle mit Freude erfüllt, aber das Solidarsystem an seine Grenzen bringt. Und die Reaktion der Politik auf die Aushöhlung des Gesundheitswesens, den Sozialmissbrauch und die drohende Unfinanzierbarkeit des Sozial- und Pensionssystems? Keine! Alle Maßnahmen sind Stückwerk, man verharrt in den ausgetretenen Pfaden, traut sich nicht zu reformieren. Freiheit in sozialer Sicherheit bedeutet eben, dass sich für all jene, die aufgrund ihrer eigenen Leistung in das Versicherungssystem einzahlen, auch ein garantierter Leistungsanspruch ergibt, der sowohl im Erkrankungsfall als auch nach dem Erwerbsleben größtmöglichen Wohlstand und damit finanzielle Freiheit garantiert. Mindestpensionen für Frauen, die zeitlebens hart gearbeitet haben, aber am Ende ihres aktiven Erwerbslebens gerade einmal „überleben“ können – derart zu Bittstellern degradiert zu werden, entspricht dem genauen Gegenteil dessen, was sich Menschen von diesem Sozialsystem erwarten. Auf der anderen Seite muss man dann regelmäßig in Zeitungen lesen, dass sich mittlerweile eine ganze Industrie entwickelt hat, die durch ihre kulturell bedingt lendenstarke Familiengestaltung darauf abzielt, sich zeitlebens nur im Wege der Sozialmittel zu versorgen. Freiheit bedeutet nicht Egoismus und schon gar nicht die Ausnützung eines Systems, das leistungsbereite Menschen durch ihre Arbeit bzw. durch deren Abgaben täglich finanzieren. Übrigens müßig zu erwähnen, dass dieser Missbrauch hauptsächlich im migrantischen Milieu stattfindet. Auch eine der vielen Tatsachen, bei deren Benennung man umgehend in seiner Meinung neutralisiert, als Rassist schubladisiert wird. Aber Zahlen lügen nicht, und das Gesundheits-, Pensions- und Versicherungssystem ist pure Mathematik.
Die Freiheit der eigenen Identität
Wir leben in Europa, einem gewachsenen, von Kriegen entstellten und aus diesen auch friedlich zusammengekommenen Kontinent. Die wechselhafte Geschichte der Länder Europas machte uns zu einer Schicksalsgemeinschaft, aber doch nicht zu einer neuen Nation, zu einem Superstaat einheitlicher Sprachen, Kulturen oder Ethnien, oder, wie manche politische Gruppierungen sogar fordern, zu den Vereinigten Staaten von Europa. Wir sind und bleiben in erster Linie Österreicher, Deutsche, Italiener, Franzosen, Slowenen, Kroaten, Briten oder Spanier, die sich aus der dramatischen Erkenntnis zweier Vernichtungskriege in einer friedlichen Einheit voller Freiheit gefunden haben, mit dem stolzen Erbe ihrer Kulturen und ihrer Geschichte, friedlich nebeneinander, um im Miteinander zu leben. Und wir können trotz der dunklen Stunden und auch wegen der Überwindung selbiger stolz sein auf die vielfältige Geschichte, auf die herausragende Kultur, die wirtschaftliche und soziale Schaffenskraft der einzelnen Nationen auf diesem Kontinent. Denn nicht weniger als der historisch einzigartige Geist der Aufklärung gab den Bewohnern der einzelnen Staaten ihre Freiheit.
Diese Freiheit war für einige Länder dieses Europa noch mehr oder minder gegenwärtig nicht immer selbstverständlich. Erst 1989 wurden die ehemaligen Staaten des Ostblockes von der mörderischen Diktatur des Kommunismus befreit. Michael Gorbatschow, das letzte Oberhaupt der Sowjetunion, der als Sowjet-Führer scheiterte und aus diesem Führungsdebakel heraus für Freiheit sorgte, erkannte nach eigenen Angaben: „Die Menschen brauchen Freiheit. Ohne sie kann sich eine Person nicht entfalten.“ Tragisch, dass ausgerechnet seine Heimat Russland, wie ein Großteil der Nachfolgestaaten des Sowjet-Regimes, die Fesseln der kommunistischen Diktatur abgestreift hat, um sich anschließend unter eine Diktatur der Korruption zu begeben. Am Beginn der 1990er-Jahre zerbrach der kommunistische Zwangsvielvölkerstaat Jugoslawien in seine Einzelteile. Die Kräfte der nationalen Selbstbestimmung, der Drang nach Souveränität und damit nach Freiheit setzten sich, wenngleich wiederum um einen hohen Blutzoll, ein weiteres Mal durch. Man hätte es wissen müssen, denn bereits der Zerfall der Donaumonarchie manifestierte den nach wie vor geltenden Lehrsatz, dass die Zentrifugalkräfte der Eigenständigkeit eben stärker sind als ein von oben herab verordneter Zwang.
Trotz dieser Erfahrung sehen wir uns heute wieder damit konfrontiert, dass sich politische Kräfte im Wege einer künstlich als eine Art von eigener Nation kreierten Europäischen Union samt Hymne, Regierung, Parlament und Währung über den einzelnen Bürger erheben, die Identität der Bürger als Angehörige einzelner Nationalstaaten tilgen und durch die neue Herkunftsbezeichnung „Europäer“ ersetzen wollen. Wider besseres Wissen und trotz der Tatsache, dass derartige Entwicklungen in den letzten Jahrhunderten immer in einer Katastrophe mündeten, wird beharrlich am Projekt des neuen „Vielvölkerstaates Europa“ weitergearbeitet, zulasten der Souveränität der einzelnen Länder und gegen das Selbstverständnis der Bürger einzelner Staaten. Entgegen dem Grundsatz, dass nur die Anbindung an die historischen und kulturellen Lebensfäden eines Landes den Menschen ihre Identität und somit ihre Freiheit gibt. Dieselben, die beispielsweise den Kroaten oder Slowenen die Freiheit und Eigenständigkeit weit weg von Titos Belgrad zugestanden, unterjochen uns nun unter der Autokratie eines belgischen Städtchens namens Brüssel. Ein Treppenwitz der Geschichte und der Beweis, dass man aus dieser lernen kann, aber nicht unbedingt muss. Kritiker dieser Entwicklung werden als „üble Nationalisten“ diffamiert, der Wert des Patriotismus, die Liebe zum eigenen Land bei gleichzeitigem Respekt der anderen Nationen, als etwas Verbrecherisches, als etwas Böses verkauft. Der Nationalismus sei das Verbrechen des 20. Jahrhunderts, wird getönt, dabei waren es doch expansive Diktaturen, die die Eigenständigkeit von Nationen zerstörten – welche sich ja aus der Notwendigkeit des Zerfalles der europäischen Monarchien entwickeln mussten – und die Herkunft im Rassenwahn tilgten, die für die größten menschlichen Katastrophen sorgten. Dennoch wird die Legende vom bösen Nationalstaat schon mit der Milchflasche in der Volksschule verabreicht.
Auch eine Form der Umerziehung, die langsam ihre Früchte trägt. Jüngstes Beispiel ist Großbritannien mit seinem „Brexit“. Der freie Volksentscheid der Briten als beeindruckender Beweis für die Demokratiefähigkeit des Vereinigten Königreiches, sich wegen chronischer Erfolglosigkeit Brüssels von der Europäischen Union zu entfernen, wurde von Politikern wie Medien als rückwärtsgewandt und furchtbar nationalistisch verteufelt. Also die Selbstbestimmung, die Souveränität, die Freiheit, die Unabhängigkeit eines friedlichen Volkes öffentlich als Ausbund des Bösen dargestellt. Wir erleben die verordnete Umkehr unserer Werte: Freiheit ist schlecht, Unabhängigkeit ist böse, Souveränität ist hässlich. Autokratie, wenngleich sie auch ständig scheitert, ist gut, zusammengepresste Vielvölker sind gut. Das Ziel der Umerziehung ist klar: Man muss sich gegenseitig unter Weglassung seiner Identität, seiner Kultur, seiner Sprache inhalieren, um ein guter Europäer zu sein. Man muss sich der Gleichmacherei unterwerfen, um ein moderner, progressiver Bürger zu sein. Geflissentlich wird heute verschwiegen, dass der Grund für den Ersten Weltkrieg nicht ein überbordender Nationalismus war, sondern sich diese menschliche Tragödie aus dem Drang zur Freiheit eingepferchter und unterdrückter Völker ergab. Und ebenso wird verschwiegen, dass der Zweite Weltkrieg einzig aus jenem Grund seine bekannte Entwicklung nahm, weil rechtschaffene Menschen der Diktatur, der Besetzung und Zerstörung die Freiheit entgegensetzen wollten. Die Franzosen oder die Briten oder alle anderen Länder, die in den Zweiten Weltkrieg involviert waren, wollten sich eben von der Diktatur eines sich nach Westen und Osten kriegerisch ausbreitenden nationalsozialistischen Superstaates befreien, sie verteidigten ihre Souveränität, ihre Unabhängigkeit, ja sie wollten ihren Frieden. Und für diesen Triumph der Freiheit werden sie bis heute als Helden verehrt.
Das Rezept ist eben nicht die Hegemonie, wie sie heute die EU verfolgt, sondern die Vielfalt und Selbstbestimmung von Nationen und Regionen in gemeinsamer friedlicher Zusammenarbeit. Europa war und ist keine absolute Vereinigung, sondern das Dach einer freiwilligen Zusammenarbeit. Zumindest entsprach dies der Gründungsidee. De Gaulle, Churchill, Schuman, Adenauer – vier Vertreter einer geschundenen Kriegsgeneration, Gründerväter des europäischen Gedankens, sahen den einzigen Ausweg aus den Wirren der Vernichtung in der Zusammenarbeit auf rein wirtschaftlicher Basis, nicht in der zwangsweisen Vereinigung zu einer neuen, gewaltigen Supernation. Niemals wäre Churchill selbst nach den ihm zugeschriebenen drei täglichen Flaschen Champagner auf die wahnwitzige Idee gekommen, einen Briten zu einem Deutschen mutieren zu lassen, der sich dann Europäer nennt und von Frau Von der Leyen geführt wird. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für Konrad Adenauer, der mit Merkel und der EU-Kommissionspräsidentin zwar post mortem die Parteizugehörigkeit teilen muss, aber dessen Agenda als erster deutscher Kanzler demokratischer Herkunft nach dem Zweiten Weltkrieg jener der beiden Damen doch konträr gegenübersteht. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Merkels erste Schritte unter dem Eindruck ihrer DDR-Erziehung erfolgten und man halt nur schwerlich die Prägungen der Jugend abstreift. Anders ausgedrückt: Aus einem willfährigen Tanzbären wird auch dann kein freiheitsliebendes Pferd, wenn er in einem Pferdestall steht. In Wahrheit sind heute die als üble, rückwärtsgewandte Nationalisten verfemten Gruppierungen dem Gründungsgedanken Europas näher als jene Parteien, die die Europäische Union wie eine heilige Monstranz vor sich hertragen.
Und wie zum Beweis scheitert auch dieses Konstrukt regelmäßig. Die Finanzkrise von 2008 hat gezeigt, dass diese EU zwar Banken retten kann, aber nicht den Wohlstand der Bürger. Das Jahr 2015 wirkt durch die Fehlentscheidung der sich zu einer geheimen Führerin der EU aufschwingenden Angela Merkel bis heute nach. Der selbst ernannte Superstaat, der mutig und entschlossen nach innen wirkt, kann seine Außengrenzen nicht einmal im Ansatz schützen. Selbst in der Außenpolitik, eigentlich ein politisches Terrain, das kaum zu Verwerfungen zwischen ähnlich gesinnten Staaten führen sollte, scheitert diese EU bzw. stellt sich zielsicher immer auf die falsche Seite, zum wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Nachteil des Kontinentes.
Die Europäer sind von einem höheren und NATO-hörigen Brüsseler Wesen offenbar dazu verdammt worden, eine amerikanische Missionierungspolitik Seite an Seite mit den USA über den gesamten Globus hinweg zu exekutieren. Der Arabische Frühling und der von der EU für all ihre Mitgliedstaaten vorgegebene Umgang damit war ein gutes Beispiel hierfür. Auf Befehl der USA, um in erster Linie deren und nicht unseren politischen wie wirtschaftlichen Einfluss im Nahen Osten und damit den Zugriff auf die Ölreserven zu stärken, mussten wir im Chor der Falken mitheulen. „Gaddafi muss weg, Mubarak muss weg, Assad muss weg“, waren die unverhohlenen Direktiven aus Washington. Dass zumindest in Syrien ein Klima der Freiheit aller Religionen herrschte, natürlich unter dem autokratischen Dach der übermächtigen Familie Assad, wurde verschwiegen. Assad, der blutige Diktator, Syrien, der terroristische Schurkenstaat, lautete das Urteil des Westens, um seine Intervention zu rechtfertigen. Im Jahr 2004 besuchte ich mit Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider, Sozialminister Haupt und einer großen Wirtschaftsdelegation Damaskus. Es zeigte sich ein aufstrebender, weltoffener, ja fast säkularer Staat, in dem Muslime, Juden und Christen friedlich nebeneinander lebten. Ich erinnere mich heute nur allzu gut an eine Debatte im österreichischen Nationalrat: Meine in einer Rede zum Ausdruck gebrachte Warnung, dass eine Unterstützung der Destabilisierung des Nahen Ostens gerade uns in Europa auf den Kopf fallen werde, dass wir mit unseren Entwicklungshilfegeldern in der Endkonsequenz islamistische Terroristen unterstützten, wurde seitens der Regierungsabgeordneten mit dummem Gelächter quittiert. Ich wolle nur das Öl von Gaddafi, lautete der Zwischenruf eines besonders kurzsichtigen Abgeordnetenkollegen, der die globale Dramatik der damals am Beginn stehenden Aufstände nicht verstand. Wie auch, wenn man sich den alten Spruch vergegenwärtigt, dass ein Großteil der Parlamentarier ihr Hirn beim Portier des Parlamentes abgibt und nur dazu dient, als Abstimmungsvieh die Parlamentsmehrheit zu sichern?
Heute, 17 Jahre später, hat sich dank unserer Außenpolitik das Bild des Nahen Ostens dramatisch verändert. Und was hat die EU getan? Im Wissen darum, dass eine Destabilisierung dieser geopolitisch wichtigen Region im Vorhof Europas massive Nachteile auch für uns bedeutet, applaudierte sie dem Vorgehen der USA. Also wurde der sogenannte Arabische Frühling unterstützt, in Wahrheit durch die USA initiiert und durch Steuermittel der Europäischen Union mitfinanziert. Das Ergebnis war trotz der gigantischen Medienunterstützung, die jede Kritik an diesen „Freiheitsbewegungen“ negierte, verheerend. Berechenbare Diktatoren wurden gestürzt, unberechenbare, aber dafür korrumpierbare Terroristen eingesetzt. Man hat, volkstümlich gesagt, mit dem Bettler Stecken getauscht. Die Folge dieser europäischen Außenpolitik für Europas Staaten war, dass zum Beispiel Österreich seinen seit Bruno Kreisky, Jörg Haider und UN-Generalsekretär a. D. Kurt Waldheim aufgebauten diplomatischen Respekt in dieser wichtigen Region restlos verloren hat. Der zweite Effekt ist, dass wir seit 2015 mit den Auswirkungen der „friedlichen Intervention“ der USA zu kämpfen haben. Die nennen sich „Flüchtlingskrise“. Und der dritte Effekt ist, dass wir Despoten wie Erdoğan mit Millionen von Flüchtlingen ein Faustpfand in die Hände gaben, um Europa und damit alle in diesem Boot des Unterganges sitzenden Mitgliedstaaten nach Lust und Laune zu erpressen.
Das Gleiche spielt sich auch im Umgang der EU mit Russland ab. Natürlich entspricht es unserem Naturell, Freiheit und Demokratie überall dort, wo es möglich ist, durchzusetzen – auch mit allen Mitteln. Freiheit, auch wenn sie teils nur vorgeblich ist, soll kein Privileg des Westens sein. Faktum ist aber auch, dass gerade Russland – auch wenn die dort ersehnte Freiheit nach der Finsternis des Kommunismus ein Höchstmaß an Korruption brachte – zumindest auf einem besseren Weg als in den letzten Jahrzehnten der erloschenen Sowjetunion ist. Aus wirtschaftlichen Gründen und nicht auf Basis eines moralisch hehren Ansatzes verfügten die USA Sanktionen gegen Russland. Sinnigerweise, weil sich Russland eben gegen die Ausdehnung der amerikanischen Militärhemisphäre auf die Ukraine wehrte. Und Europa? Statt eine eigenständige Außenpolitik einzunehmen, sich endlich selbst auf dem diplomatischen Parkett als selbstbewusster Kontinent zu beweisen, vollzog man getreu der Weisung der USA die Sanktionspolitik. Die übrigens wiederum unsere eigene Wirtschaft schädigt, unseren Wohlstand einschränkt, unsere Arbeitsplätze vernichtet und uns somit ein weiteres Stück Freiheit und Eigenständigkeit kostet. Gerade dieses Konglomerat scheitert selbst in wirtschaftlichen Fragen, opfert seine Eigenständigkeit, um ja nicht vom großen Bruder jenseits des Großen Teiches abgestraft zu werden. Von den Tageslaunen eines Herrn Obama, eines Herrn Trump und nun eines senilen Herrn Biden machen wir uns abhängig. Wie einst schon in den 1970er-Jahren, als auf Befehl der USA in Persien der an sich westlich gesinnte Schah seinen Platz räumen musste, damit man ein Mullah-Regime installieren konnte. Sämtliche Versuche, diesem Iran ein weltoffenes Antlitz zu verpassen, sind gescheitert. Ich erinnere diesbezüglich an den Reformer Chatami, dem ich in Teheran im Zuge eines Auslandsbesuches von Bundespräsident Thomas Klestil und Sozialminister Herbert Haupt begegnen durfte. Mithilfe der aufgeklärten Studenten wollte er sein Land aus den Untiefen religiöser Verblendung, sprich einer Diktatur der Hardliner, in das 21. Jahrhundert katapultieren. Er stand allein auf weiter Flur, von europäischer oder amerikanischer Hilfe keine Spur. Ich schrieb es bereits: Mit Zielsicherheit stehen wir zum eigenen Nachteil immer auf der falschen Seite, stehen uns selbst im Weg. Statt Freiheit bringen wir Chaos und scheitern regelmäßig an den Folgen der eigenen Politik.
Und 2020 zeigte sich mit der Corona-Krise, dass diese EU nicht einmal in der Lage ist, den freien Waren- und Personenverkehr aufrechtzuerhalten. Dieser Litanei des Scheiterns stehen aber zumindest eine eigene Währung, eine Hymne, ein Parlament, ein Billionenbudget, Tausende Beamte und deren sinnentleerte Verordnungen sowie eine nicht gewählte Regierung gegenüber. Welch eigenartiger Trost. Wahre Freiheit ohne Wenn und Aber kann auf unserem Kontinent nur aus der Bewahrung und Stärkung eigenständiger Verantwortung der Nationalstaaten und ihrer Regionen in friedlicher Koexistenz miteinander stattfinden. Wie oft hören wir doch in den Sonntagsreden der Gemeinden, dass Zentralismus schlecht sei, dass der Bürgermeister vor Ort die Sorgen und Nöte der Menschen schneller löse als eine Zentralregierung in der jeweiligen Bundeshauptstadt. Und jene, die das Lied des bürgerfreundlichen Volksvertreters vor Ort singen, sind auch jene, die das in alle Lebensbelange eingreifende Regime Brüssels verteidigen. Die Euro-Krise zulasten der Bürger und nur zum Lohn der Banker gelöst, die 2015er-Krise ungelöst, der tägliche Einzelfall lässt grüßen, und bei „Corona“ überhaupt den Super-GAU hingelegt. Dazwischen Großbritannien verloren, regelmäßig vor Recep Erdoğan und seinen Erpressungsversuchen in die Knie gegangen, aber dennoch ist offensichtlich Kraft genug da, um eine Pommes-Frites-Verordnung auf die Reise zu bringen, das natürliche Wachstum von Gurken mit der Gurkenkrümmungsverordnung zu beeinflussen und – wie als Metapher für die geistige Dunkelheit des EU-Establishments – mit der Glühbirnenverordnung die Lichtquellen jedes Haushaltes zu organisieren. Die Liste dieses Karussells des Wahnsinns, das sich europäische Kommission oder Parlament schimpft, ließe sich beliebig fortsetzen. Es schwingen sich undemokratische Konstrukte auf, Probleme zu lösen, die sie selbst erst geschaffen haben. Ein Unterfangen der pragmatisierten Erfolglosigkeit.
Ein weiterer entscheidender Baumangel dieser Europäischen Union ist die Wertelosigkeit. Sie lesen richtig! Die Nationen dieses alten Kontinentes schöpfen aus einem schier unermesslichen Reservoir an Werten, aufbauend auf unserer Geschichte, unserer Kultur, unseren Traditionen, unseren Sprachen. Italien mit der Geschichte und dem Wissen des alten Roms, Griechenland mit der Philosophie der Antike, Frankreich mit seiner Aufklärung, Österreich mit Sigmund Freud und Mozart, Deutschland mit Friedrich dem Großen, Wagner, Bach oder Händel, Großbritannien mit seinem ersten demokratischen Parlament. Nicht zu vergessen ist der alle Länder durchdringende Glaube des Christentums mit seinen jüdischen Wurzeln. Und was macht das Konstrukt der Europäischen Union? Es ersetzt diese unbezahlbaren Werte, diese Inhalte unseres Daseins durch ein Diktat der substanzlosen Gleichmacherei. Als hätten wir in unseren Ländern keine Basis, als wären wir ohne Grundstein gebaut, importieren wir ausgerechnet mühsam kreierte, neuzeitliche Weltanschauungen, nicht Werte, sondern relativierbare, plumpe Weltanschauungen aus einem Land, das gegen die als Enge empfundene Kultur und Identität europäischer Nationen wie Großbritannien oder Frankreich erfolgreich revoltierte. Wir stehen auf den Säulen einer jahrtausendealten Geschichte, wurden inspiriert durch Griechenland und Rom, haben das Mittelalter durchschritten, sind in der Renaissance zu neuer Blüte gelangt, wurden mit der Aufklärung gereinigt – und kopieren allen Ernstes die USA, die sich gerade einmal 300 Jahre lang auf der Weltkarte befinden, tauschen Platon gegen Mickey Mouse, tauschen das Kolosseum gegen Disneyland und die Kulinarik Italiens oder Frankreichs gegen McDonald’s. Hinter diesen bildhaften Vergleichen verbirgt sich die wahre Tragik Europas. Wir, der alte, große Kontinent der gewachsenen Freiheit, begeben uns in eine Scheinwelt, die uns zwar Freiheit vorgaukelt, aber befreiende Identität nimmt. Und dennoch hängen die unseren Kontinent prägenden Eliten dieser Fata Morgana nach, statt vom geistigen Reichtum ihrer Nationen zu profitieren. Aber Nationen sind eben verpönt, nicht en vogue. Diesem Geist entspringt der Gedanke der Vereinigten Staaten von Europa, ein politischer Fetisch, der wiederum in einer Katastrophe und in einem Zeitalter der Unfreiheit münden wird. Fatalistisch? Nein, nur realistisch. Denn nur aus der Geschichte lernt man für die Zukunft.
Dieser ewige Drang danach, alles ebenmäßig und gleich zu machen, jeden Widerspruch niederzuwalzen, setzt sich auch gesellschaftspolitisch durch. Die vielfältigen, ja einzigartigen und befruchtenden Unterschiede zwischen den Menschen sollen getilgt werden. Alle sind wir gleich in der Unfreiheit der Schablone, beraubt unseres unterschiedlichen Denkens, unserer Bildung, unserer Talente, unserer Herkunft, unseres Geistes, unseres Charakters, durch den Genderismus unseres Geschlechtes – und am Ende unserer Zukunft. Gleichheit ist die neue Gerechtigkeit, eine das Individuum kenntlich machende Identität gibt es nicht mehr. Das enthumanisierte Es soll die neue Welt darstellen, ist das Material, aus dem die Träume gleichmacherischer Technokraten bestehen. Dieses Modell ist aus der dunklen Geschichte entliehen. Das Es gab es schon einmal im Kommunismus, im Nationalsozialismus, in der Unterdrückung, in der Sklaverei. Denn mit dem gleichgeschalteten, nur mehr nummerierten Es lässt es sich leichter regieren. In Fortsetzung dieser Strategie setzen auch die Bildungssysteme auf Gleichmacherei. In den meisten Ländern wurden die bildungspolitischen Unterscheidungen, die dazu dienen sollten, um eben jeden Menschen nach seinem eigenen Talent fördern zu können, eingeebnet. Die undifferenzierte Einheitsschule für Einheitsschüler lässt eine auf den jeweiligen Schüler abgestimmte Förderung seiner erkennbaren Talente nicht zu. Die Motivation zur Höchstleistung wird durch ein neues System erstickt, das Genie stirbt aus, der freie Geist wird nicht mehr gefordert, er verkümmert. Dies sind die nach wie vor vorherrschenden Bildungsideologien der ’68er. Jener Generation, die vorgeblich die persönliche Freiheit erkämpfte, um sie gegen die Diktatur des Relativismus einzutauschen. Am Ende bleibt nur mehr das gesichtslose Es.
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