Kitabı oku: «Reich mit Raritäten»
Gerald Pilz
Reich mit Raritäten
Wie Sie Ihr Geld wertsteigernd einsetzen
2. Auflage

Bibliographische Information der Deutschen Bibliothek
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© UVK Verlag 2020
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Einbandmotiv: © iStock – blackred
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ISBN 978-3-7398-3047-6 (Print)
ISBN 978-3-7398-8047-1 (ePDF)
ISBN 978-3-7398-0013-4 (ePub)
„Nicht jeder Schatz besteht aus Gold und Silber.“
Jack Sparrow, aus dem Film „Fluch der Karibik“
Lesen Sie sich ein in die verschiedenen Wertanlagen und finden Sie in Ihrem bevorzugten Bereich Ihr “goldenes Ei”.


INHALT
Einleitung
Briefmarken – kleine Aktien für Sammler
Lohnen sich Briefmarken als Wertanlage?
Welche Briefmarken sind wertvoll?
Die Geschichte der Briefmarke
Die Rendite von Briefmarken
Münzen – Schätze aus vielen Jahrhunderten
Tipps für das Münzensammeln
Die höchsten Münzrenditen der Geschichte
Der Sonderfall: Amerikanische Goldmünzen
Das Währungssystem von Bretton Woods und dessen Ende
Historische Münzen
Die Rendite von Münzen und der Münzindex
Das Mysterium der teuersten Münze der Welt
Was Sie beachten sollten
Kunst
Wie Sie in Kunst anlegen
Welche Rendite Kunstwerke erzielen
Der zeitgenössische Kunstmarkt
Oldtimer
Welche Rendite Sie mit Oldtimern erreichen
Tipps für Investments in Oldtimer
Kostbare Bücher – geistige Schätze
Welche Bücher eignen sich für das Sammeln?
Ausnahmen Harry Potter und Erstausgaben
Sammeln Sie Werke, die vor 1900 erschienen sind
Was Sie beim Sammeln von Büchern beachten sollten
Welche Bücher sind besonders wertvoll?
Tipps und Hinweise für das Büchersammeln
Wie Sie Ihre Bücher aufbewahren
Comics – Rendite in Entenhausen
Reich durch Comics?
Tipps für das Sammeln von Comics
Sammelkarten
Die Rendite von Sammelkarten
Tipps für das Sammeln von Sportkarten
Ansichtskarten
Welche Karten sind besonders wertvoll?
Was Sie beim Sammeln beachten sollten
Welche Rendite Sie mit Ansichtskarten erzielen
Tipps für das Sammeln von Ansichtskarten
Historische Wertpapiere
Wie Sie hohe Renditen mit historischen Wertpapieren erzielen
Reich mit Goethe
Tipps für das Sammeln von historischen Wertpapieren
Patente
Wie meldet man eine Erfindung an?
Lohnen sich Patente?
Whisky
Welche Wertsteigerung Whisky erzielt
Tipps für das Sammeln von Whisky
Welche Whiskys sich besonders lohnen
Was Sie noch über Whisky wissen sollten
Die interessanten Destillerien für Renditejäger
Wie Sie Whisky lagern
Zur Reifung des Whiskys
Wein
Welche Rendite Sie bei Wein erwarten können
Tipps für den Weinkauf
Cognac – der edle Weinbrand
Cognac als Wertanlage
Die wertvollsten Cognacs
Was Sie beachten sollten
Tipps für das Investieren in Cognac
Rum
Die Geschichte des Rums
Die Verbreitung des Rums
Wie Rum hergestellt wird
Rum als Geldanlage
Porzellan – Weißes Gold für Kenner
Die Wertentwicklung bei Porzellan
Welches Porzellan ist besonders wertvoll?
Tipps für das Sammeln von Porzellan
Uhren
Welche Uhren besonders lukrativ sind
Teddybären
Tipps für das Sammeln von Teddybären
Die Steiff-Teddybären
Die Wertentwicklung von Teddybären
Überraschungseier
Die Geschichte der Figuren
Wie sammelt man Überraschungseier?
Die Wertentwicklung der Ü-Eier
Schreibwerkzeuge
Füllfederhalter als Geldanlage?
Wie Sie in Füllfederhalter investieren
Tipps für das Sammeln von Füllfederhaltern
Schallplatten – Kostbarkeiten aus Vinyl
Wie Sie am besten Schallplatten sammeln
Meteoriten – Wertvolles aus dem All
Wie Sie Meteoriten erkennen und sammeln
Tipps für das Sammeln von Meteoriten
Fossilien – Schätze aus der Urzeit
Was Sie beim Fossiliensammeln beachten sollten
Tipps für das Fossiliensammeln
Bonsaibäume
Wie Sie mit Bonsaibäumen Geld verdienen
Agrarland
Wald
Welche Renditen bietet Ihnen der Wald?
Tipps für den Kauf von Wäldern
Literatur- und Linkverzeichnis
Stichwortverzeichnis

EINLEITUNG
Haben Sie sich schon einmal Gedanken über Ihre Geldanlage gemacht? Sind Sie verunsichert und haben Angst vor der Eurokrise, einem Staatsbankrott oder einem Börsencrash? Fürchten Sie, dass Ihre Rente im Alter nicht mehr ausreichen wird? Dann ergeht es Ihnen wie vielen anderen. Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach sicheren und profitablen Investments.
Was denken Sie über Sachanlagen? Sicher kennen Sie den einen oder anderen Bekannten, der auf einem Flohmarkt eine Rarität erstanden hat. Manche Menschen wurden mit Briefmarken wohlhabend, andere entdeckten per Zufall eine alte Schallplatte in einer staubigen Kiste, die Tausende von Euro einbrachte. Ein seltenes Buch aus dem 16. Jahrhundert kann sich ebenso als Schätzchen erweisen wie ein Füllfederhalter aus den 1920er Jahren oder eine Uhr.
Bilder, alte Bücher, Briefmarken, Münzen, Wein oder Überraschungseier – welche Sachanlage hat wirklich das Potenzial, Ihnen zu Wohlstand zu verhelfen, Ihre Rente aufzubessern oder doch zumindest Ihren nächsten Urlaub zu finanzieren?
Sie werden überrascht sein: Auch wenn Sie Ihr Geld – sagen wir einmal ironisch – den Schlümpfen, Biene Maja oder Schneewittchen aus den Überraschungseiern anvertrauen oder mit Superman-Comics zocken, ist die Wertsteigerung oft erstaunlich höher und beständiger, als Sie annehmen. Und das Beste ist: Die Raritäten trotzen den wilden Börsenschwankungen, der unberechenbaren Staatsverschuldung und den Launen der Finanzmärkte. Auch nach einem verheerenden Börsencrash wird Ihre Münz- oder Briefmarkensammlung einen Wert haben. Ihr Porzellan lässt sich auch in Notzeiten noch versilbern. Denken Sie nur an Ihre Urgroßeltern: In Deutschland gab es im vergangenen Jahrhundert gleich mehrere Währungsreformen, politische Katastrophen und Wirtschaftskrisen. Ein Sparbuch, das Ihr Urgroßvater im Jahr 1914 angelegt hätte, wäre heute völlig wertlos (allein die galoppierende Inflation von 1923 hätte ihm den Garaus gemacht). Doch was wäre, wenn Ihr Urgroßvater das Geld in Kunst, Porzellan, seltenen Münzen und Briefmarken angelegt hätte? Bei einer sorgfältigen Auswahl könnten Sie sich dann heute über ein mehr oder minder großes Vermögen freuen.
Begeben Sie sich also mit mir auf eine vergnügliche Rundreise durch die kuriose Welt der Sachanlagen, und entdecken Sie die eine oder andere Kostbarkeit mit einer erstaunlichen Wertsteigerung. Viel Vergnügen auf dieser Reise!


BRIEFMARKEN – KLEINE AKTIEN FÜR SAMMLER
Im Zeitalter der E-Mail und der Handybriefmarke, bei der nur noch ein Zahlencode auf dem Umschlag vermerkt wird, hat die Briefmarke beträchtlich an Glanz verloren. In vielen Philatelistenvereinen herrscht Katzenjammer, denn die jüngere Generation lässt sich kaum noch für die bunten Bildchen begeistern, die einst Millionen von Umschlägen zierten. So sind Briefmarkenfans heute in Würde ergraut und trauern den Zeiten nach, als man – mit einer Lupe bewappnet – Zähnchen zählte und Wasserzeichen bestaunte.

Während Briefmarken früher als die „Aktie des kleinen Mannes“ galten, ist ihr Nimbus inzwischen verblasst.

Händler sehen in ihren riesigen Beständen oft nicht mehr als Altpapier, und Erben zeigen sich nicht selten entsetzt, wenn sie den wahren Wert ihrer vermeintlichen Schätze erfahren. Hatte man nach einem ersten Studium von einschlägigen Katalogen geglaubt, sich noch eine Villa in der Toskana zulegen zu können oder zumindest eine mehrwöchige Traumschiffreise in der Karibik buchen zu dürfen, kommt die Enttäuschung spätestens, wenn der Briefmarkenhändler sich hartnäckig weigert, die Alben anzukaufen.
Opas mehrbändige Briefmarkensammlung im edlen Schweinsleder entpuppt sich unter den Augen des Experten als ein nahezu wertloses Sammelsurium. Die Erben, die schon mit großen Reichtümern gerechnet hatten, werden bitter enttäuscht.
ACHTUNG
In der Realität erzielen die meisten Briefmarken nämlich leider nur 15 bis 25 Prozent des Katalogwertes; die übliche Massenware kommt sogar nur auf weniger als zehn Prozent. Die meisten renommierten Nachschlagewerke setzen einen extrem hohen Standard voraus und präsentieren vorwiegend Spitzenexemplare, und selbst diese müssen oft drastische Abschläge hinnehmen. Selbst herausragende Meisterwerke der Briefmarkengeschichte erzielen oft nur 30 Prozent des Katalogpreises. Gutachter betrachten akribisch jede kleinste Auffälligkeit unter der Lupe – die „Zähne“ der Briefmarke müssen völlig einwandfrei sein; und auch die Gummierung (die klebrige Rückseite) darf keinerlei Mängel aufweisen. Bei wertvollen Stücken müssen nicht selten Gutachten angefertigt werden, um ein endgültiges Urteil fällen zu können.
Der Briefmarkensammler wurde – vielleicht zu Unrecht oder zum Verdruss der ambitionierten Anhänger – bisweilen mit dem Image des Sonderlings assoziiert, der zu Hause im Ohrensessel unter der Lupe in stundenlanger mühseliger und verdienstvoller Arbeit die biedermeierlichen Kleinodien alter Zeiten mustert. Eine Tätigkeit, die von heutigen Zeitgenossen eher mit der Mühsal eines Archivars oder eines Beamten in Verbindung gebracht wird und im Zeitalter von Facebook und After-Work-Partys keinen hippen Charme ausstrahlt.
Seitdem die Post individuell gestaltbare Briefmarken anbietet, auf denen sich jeder selbst porträtieren kann, und moderne Frankiersysteme Postwertzeichen mit Firmenlogo ermöglichen, hat die Briefmarke erheblich an Stellenwert eingebüßt. Selbst Privathaushalte erreicht kaum noch ein Schreiben, das eine richtige Briefmarke schmückt. Häufig begnügen sich auch renommierte Unternehmen mit einem aufgedruckten Logo, das das Wertzeichnen vertritt.
Vielleicht ist der Briefmarke eines Tages dasselbe unerbittliche Schicksal beschieden wie der Telefonguthabenkarte, die Anfang der neunziger Jahre noch euphorisch gesammelt wurde. Mittlerweile fällt die knallbunte, neonfarbene Plastikkarte der Vergessenheit anheim. In der Ära der Smartphones verschwand sie schnell und unwiderruflich von der Bildfläche.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Zahl der Briefe stetig zurückgeht. Selbst Weihnachts- oder Urlaubskarten werden heute kaum noch verschickt, sondern durch Fotos ersetzt, die über soziale Netzwerke in Sekundenschnelle verbreitet werden. Jede Nachricht ist heute mit wenigen Klicks verschickt. Die Briefmarke wird nur noch als historisches Relikt oder Kunstwerk eine Chance haben. Ihre goldene Ära zelebrierte die Briefmarke um 1900, als der Transport mit der Eisenbahn den Postverkehr beflügelte und die Postkutsche ablöste. Damals wurden selbst in Österreich gängige Briefmarken in Milliardenhöhe aufgelegt.
Lohnen sich Briefmarken als Wertanlage?
Anfang der achtziger Jahre, als die Inflation noch relativ hoch war, hätte man diese Frage uneingeschränkt bejaht. Die Philatelie konnte sich über viele Jahrzehnte behaupten.

Einen wahren Boom gab es in Deutschland nach der Wiedervereinigung im Jahr 1991.

Damals legten Briefmarken aus der DDR innerhalb weniger Monate um ein Vielfaches zu und erzielten exorbitante Preise. Die einst geschmähten Wertzeichen aus dem Osten wurden zu begehrten Raritäten. Denn Sammler hierzulande hatten kaum Postwertzeichen aus Ostdeutschland und so schnellte deren Wert empor. Doch schon zehn Jahre später machte sich allenthalben Ernüchterung breit, und der gesamte Markt fiel. Immer weniger junge Leute konnten für das angestaubte Hobby gewonnen werden.
Falls Sie nun denken, Sie könnten dieses Kapitel getrost überschlagen und sich der nächsten Sachwertanlage widmen, dann sollten Sie etwas Geduld aufbringen und nicht vorschnell urteilen.
Einige Briefmarken erzielen durchaus respektable Wertsteigerungen, und außerdem haben die kleinen Bildchen noch weitere entscheidende Vorteile, die nur wenige andere Wertanlagen für sich beanspruchen können.
Überlegen Sie einmal: Mit welchem Sachwert könnten Sie am ehesten einer Diktatur oder einem Krisengebiet entkommen? Stellen Sie sich zudem vor, Sie hätten zur Zeit des Ersten oder Zweiten Weltkriegs oder in einer anderen schwierigen Epoche gelebt. Als die galoppierende Inflation von 1923 kam und ein Brot mehrere hundert Milliarden Reichsmark kostete, hätten Sie mit Ihren gesamten Ersparnissen auf dem Konto höchstens eine Streichholzschachtel kaufen können. Damals wurden sogar Löhne in der Mittagspause ausbezahlt, damit die Menschen noch schnell einkaufen gehen konnten. Ihr gesamtes Sparbuch hätte nicht ausgereicht, um nur ein Brötchen zu erstehen.
Viel besser wären Sie mit einer sorgfältig zusammengestellten Briefmarkensammlung aufgestellt gewesen; denn ein solches Album hätte auch in der Zeit der Hyperinflation nicht an Wert verloren. Voraussetzung ist natürlich, Sie hätten nicht überall erhältliche Allerweltsbriefmarken, sondern begehrte Exemplare aus dem 19. Jahrhundert Ihr Eigen genannt.
Sie werden nun einwenden, dass andere Wertanlagen in Ihren Augen aber doch etwas besser sind – beispielsweise Gold oder Immobilien. Doch sind Sie wirklich sicher?
Wer 1923 ein Haus besaß und die Inflation unbeschadet überstand, musste danach hohe Ausgleichsabgaben an den Staat entrichten. Sogar nach der Währungsreform von 1948 gab es in Westdeutschland eine drastische Hypothekengewinnabgabe, die Hauseigentümer schröpfte. Eine staatlich eingetragene Zwangshypothek musste über mehrere Jahrzehnte an den Staat zurückgezahlt werden. Gerade Immobilieneigentümer werden in Krisenzeiten gerne zur Kasse gebeten. Immerhin stehen sie im Grundbuch und können so ohne bürokratische Probleme für Abgaben herangezogen werden.
Und wie wäre es mit Gold? Während der NS-Zeit stand auf Goldbesitz die Todesstrafe. Und in einer Diktatur wäre das Verschweigen von Goldvermögen ein gefährliches Unterfangen. Selbst in den USA war der Besitz von Gold bis Mitte der siebziger Jahre – also fast ein halbes Jahrhundert lang – verboten. Als Präsident Roosevelt 1933 das Goldverbot einführte, durften Schließfächer in Banken nur noch in der Gegenwart eines Beamten geöffnet werden. Unabhängig vom aufgedruckten Wert können Briefmarken nur dann als Renditeobjekte punkten, wenn sie äußerst selten sind.
Wer das Gold trotz Aufforderung nicht rechtzeitig zum staatlich festgelegten Kurs angegeben hatte, wurde mit einer drakonischen Geld- oder Freiheitsstrafe belegt.
Und falls Sie aus einer Diktatur (wie nach 1933) fliehen müssen, ist Gold eher ungünstig. Goldmünzen und Goldbarren können Sie kaum unauffällig über mehrere Grenzen transportieren, vor allem wenn es verschärfte Kontrollen gibt.
Eine kostbare und unscheinbare Briefmarke hingegen lässt sich nahezu unauffällig und unverdächtig in einem Geldbeutel, einem Buch, einer Schuhsohle, einer Armbanduhr oder in einem Gürtel verstecken. Und welcher Grenzbeamte kann schon den Wert einer Briefmarke einschätzen? Insofern sollten Sie der Briefmarke doch noch eine Chance einräumen.
Welche Briefmarken sind wertvoll?
Welche Postwertzeichen, wie sie amtlich heißen, lohnen sich wirklich? Vergessen Sie die Briefmarken, die in Millionenauflage erscheinen. Ihr Wert steigt nicht, sondern fällt kontinuierlich. Früher hatte man wenigstens noch die beruhigende Gewissheit, dass der aufgedruckte Wert sich zumindest zum Frankieren eignet. Doch mit der Einführung des Euro dürfen die alten DM-Briefmarken nicht mehr verwendet werden.
ACHTUNG
Große Teile von Briefmarkensammlungen sind mehr schmückendes Beiwerk; denn über 90 Prozent des Gesamtwertes wird von einigen wenigen Raritäten bestimmt. Es kommt daher nicht auf den Umfang von Alben an, sondern ob die wirklich wertvollen Marken, die nur fünf oder zehn Exemplare umfassen, in bester Erhaltung vorhanden sind.
Wenn Sie Briefmarken unter Renditeaspekten sammeln möchten, brauchen Sie nicht ein komplettes Fachgebiet abdecken, sondern es genügt, wenn Sie sich die erlesenen Raritäten zulegen.
ACHTUNG
Pauschal lässt sich für deutsche Briefmarken sagen: Vergessen Sie alles, was nach 1960 erschienen ist. Diese Massenauflagen werden nie an Wert gewinnen. Die gesamten Jahrgänge, so traurig das klingen mag, sind im Grunde fast nichts wert. Schon für weniger als 200 Euro erhalten Sie eine vollständige Briefmarkensammlung für Gesamtdeutschland, die alle Marken seit 1960 bis zum Ende der DM im Jahr 2002 umfasst. Nur seltene Fehldrucke oder Besonderheiten aus diesen Jahren haben ein Wertsteigerungspotenzial.
Vergessen Sie also voluminöse Alben, aus denen ganze Jahrgänge hervorquellen und auf denen sich der Staub niederlässt. Auch geheimnisvolle Dachbodenfunde zu Schnäppchenpreisen mit Katalogwerten jenseits der 10.000-Euro-Marke sind nichts anderes als eine Illusion und ein fraglicher Marketing-Gag.
Selbst bei den eher lukrativen Exemplaren aus den fünfziger Jahren sollten Sie eine sorgfältige Auswahl treffen. Gerade einmal eine Handvoll Briefmarken aus dieser Dekade birgt Seltenheitswert. In diesen Fällen spielt die Erhaltung eine unbestrittene Rolle; schon kleinste Beschädigungen der Zähne, die nur unter der Vergrößerung zu sehen sind, mindern den Wert dramatisch.

Da Fälschungen dieser begehrten Raritäten häufig vorkommen, sollten Sie auf ein Gutachten bestehen.

Sehr seltene Briefmarken steigen natürlich stetig in ihrem Wert. Wenn Sie das Glück gehabt hätten, die erste Briefmarke der Welt zu besitzen, dann wären Sie bereits heute mehrfacher Millionär und könnten einen Tequila Sunrise in der Karibik schlürfen.
Die Geschichte der Briefmarke
Bekanntlich haben die Briten das Kleinod für den Briefverkehr erfunden: Im Jahr 1840 erschien die erste Briefmarke der Welt in London. Sie wurde von Rowland Hill entworfen und zeigte das Porträt von Königin Victoria.
Deutschland zog etwas später nach. Im Jahr 1851 konnte man erstmals im damals sehr fortschrittlichen Großherzogtum Baden einen Brief mit einer Neun-Kreuzer-Marke frankieren. Hätte ihr Urururgroßvater einen netten Brief an seine Geliebte in Karlsruhe geschrieben und die Marke für Sie aufbewahrt, hätten Sie heute immerhin ein Vermögen von 1,5 Millionen Euro und könnten Ihren Lebensabend auf einer Jacht im Mittelmeer und nicht in Karlsruhe verbringen.
WISSENSWERT
Den eigentlichen Ruhm, die Briefmarke in Deutschland eingeführt zu haben, gebührt natürlich den Bayern. Schon im November 1849 kam der „Schwarze Einser“ heraus, der den Wert von einem Kreuzer hatte. Diese Marke ist besonders wertvoll; denn sie wurde erstaunlicherweise am 1. November aufgelegt, also an Allerheiligen – einem katholischen Feiertag in Bayern. Da kaum ein Postamt geöffnet hatte, gibt es so gut wie keine abgestempelten „Schwarzen Einser“.
Eines der wenig erhaltenen Exemplare ziert einen Brief aus Deggendorf. Danach beschloss das Königreich Bayern übrigens sehr bald, den „Schwarzen Einser“ zu ersetzen; denn die Marken konnten mit der schwarzen Stempelfarbe nur schlecht entwertet werden. Auf dem schwarzen Hintergrund war der Stempel kaum zu erkennen. Deshalb beschloss die Postverwaltung in München, rosafarbene, rote und orangefarbene Marken herauszugeben. Damals waren in Bayern noch keine Motive auf den Postwertzeichen üblich (der obligatorische Enzian, ein Stillleben mit einer bayerischen Brotzeit und das Alpenpanorama sind uns also erspart geblieben).
Der „Schwarze Einser“ ist leider in einer Auflage von fast 833.000 Stück erschienen und gilt daher nicht als sehr selten. Ein gut erhaltenes Exemplar erzielt dennoch heute einen Marktwert zwischen 1.000 und 3.000 Euro. Im Jahr 2010 erbrachte ein Bogen mit 90 „Schwarzen Einsern“ bei einer Auktion einen Zuschlag von immerhin 300.000 Euro.
WISSENSWERT
1841 gab es bereits Briefmarken in den USA, und 1843 führte Brasilien die so genannten „Ochsenaugen“ ein, die ihren Namen dem Kreis verdanken, der die Zahl umgab. Brasilien behielt die lustige Bezeichnung bei und nannte spätere Editionen im 19. Jahrhundert „Katzen-“ und „Ziegenaugen“. Wenig kundenfreundlich war indes die Handhabung. Man musste die Briefmarke noch selbst mit einer Schere vom Bogen schneiden (welch ein Glück, dass wir heute sogar selbstklebende Marken haben).
Zu den Vorreitern in der Geschichte der Briefmarke zählen auch die Schweizer Kantone Zürich (1843) und Genf (1843). 1850 folgten die Staaten Österreich (mit dem „Wappenschild“), Preußen, Schleswig-Holstein und Hannover. Der Vatikanstaat entschloss sich erst 1929, eigene Briefmarken herauszubringen.
Die zu Dänemark gehörenden Faröer-Inseln stießen erst 1975 zur Briefmarkengemeinde vor, als der Archipel zum eigenständigen Postgebiet erhoben wurde. Die autonome und jahrhundertealte Mönchsrepublik Athos im Norden Griechenlands brachte gar erst im Jahr 2008 ihre eigenen Postwertzeichen heraus.
Die Rendite von Briefmarken
Die Briten, die der Welt die Postwertzeichen beschert haben, waren auch diejenigen, die die Geldanlage in Briefmarken perfektionierten und die Leidenschaft für die bunten Bildchen entdeckten. So erstaunt es wohl auch niemanden, wenn es eigene Briefmarkenindizes gibt, die genau die Wertentwicklung eines Briefmarkenportfolios nachzeichnen. So avancieren die illustren Postwertzeichen fast zu Aktien, deren Wertentwicklung an einem Index abgelesen werden kann. Unbestrittener Pionier auf diesem Gebiet ist das älteste Handelshaus für Briefmarken in London: Stanley Gibbons.
WISSENSWERT
Einer der bekanntesten Indizes ist der GB250 Index, der die 250 wichtigsten Briefmarken Großbritanniens umfasst. Dieser Index ist so bedeutend, dass er selbst von dem weltweit anerkannten und renommierten Börsendienst Bloomberg verwendet wird. In den vergangenen 12 Jahren erzielte dieser Index eine jährliche Rendite von beachtlichen 13,14 Prozent. Daneben verblassen nicht nur Ihre Sparbücher und Tagesgeldkonten, sondern auch Aktienanlagen müssen sich geschlagen geben. Im weltweiten Durchschnitt kommt eine Aktienanlage über viele Jahrzehnte auf eine jährliche Wertsteigerung zwischen 7 und 10 Prozent (es sei denn, Sie haben in ein Schwellenland investiert, das ein starkes Wirtschaftswachstum verzeichnet – aber hier gibt es beträchtliche Risiken und die Gefahr großer Verluste).
Der Briefmarkenindex wurde erst vor 12 Jahren konstruiert und ist damit vielleicht noch nicht so aussagekräftig.
Anders verhält es sich bei diesem Barometer: Der GB30 Rarities Index, der die seltensten Briefmarken des Vereinigten Königreiches enthält, kann auf eine Historie von 40 Jahren zurückblicken und kommt auf eine jährliche Rendite von rund 10 Prozent.
Überlegen Sie an dieser Stelle: Welches Investment bietet Ihnen eine relativ kontinuierliche Rendite von zehn Prozent? Sparbuch, Investmentfonds, Immobilien? Die meisten werden mit dieser Performance langfristig nicht mithalten können.
Briefmarken haben außerdem einen weiteren unschlagbaren Vorteil: Selbst der schlimmste Aktiencrash, ein verheerender Staatsbankrott in der Eurozone oder eine andere Katastrophe können den Briefmarken nichts anhaben. Zwar wird die Nachfrage ähnlich wie bei Kunstwerken vorübergehend sinken. Aber wenn Sie einfach abwarten, wird sich der Wert langfristig wieder stabilisieren.
Wenn die Investmentbanker in New York nach einem Jahrhundertcrash längst die Kartons aus den Büros tragen und den Rest des Jahres dank üppiger Millionenboni auf dem Golfplatz verbringen, aufgebrachte Aktivisten in der Wall Street zelten, Fahnen schwenken und die Verstaatlichung fordern, können Sie sich zu Hause seelenruhig zurücklehnen und herzhaft lachen. Zinserhöhungen, Währungskrisen, Schuldenschnitt – für Sie als Anleger in Briefmarken bedeutungslos.
WISSENSWERT
Wie krisensicher Briefmarken sind, erkennen Sie, wenn Sie die Wertentwicklung der Indizes im Jahr 2008 betrachten. Als an der Wall Street mehrere Investmentbanken kurz vor dem Zusammenbruch standen, Lehman Brothers zahlungsunfähig wurde und der deutsche Aktienleitindex innerhalb von Wochen um mehr als 40 Prozent abstürzte, stieg der GB30 Rarities Index mit den Briefmarkenraritäten Großbritanniens um satte 39 Prozent, und auch der marktbreite GB250 Index (der immerhin 250 englische Briefmarken umfasst) konnte um 32 Prozent zulegen.
Falls Sie also Briefmarken für eine sterbenslangweilige Angelegenheit von übereifrigen Lehrern und Bibliothekaren in der badischen Provinz im Ruhestand hielten, werden Sie nun eines Besseren belehrt.
WISSENSWERT
Das renommierte Briefmarkenhaus Stanley Gibbons hat außerdem eine Studie über die Wertentwicklung chinesischer Briefmarken angefertigt. Im Zeitraum von 1989 bis heute konnte eine Anlage um 1.155 Prozent zulegen. Die jährliche Rendite beläuft sich auf 11,6 Prozent. Damit schnitt ein Investment in Briefmarken erheblich besser ab als eine Anlage in chinesischen Aktien.
Zwar konnte die Börse in Schanghai im Jahr 2007 die Wertentwicklung deutlich toppen, aber als der vehemente Absturz des Jahres 2008 kam, fiel die Wertentwicklung wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Die chinesischen Briefmarken hingegen stiegen in ihrem Wert Jahr für Jahr ohne nennenswerte Schwankungen.

Briefmarken sind folglich keineswegs langweiliges Altpapier, sondern können stattliche Renditen mit sich bringen, sofern Sie eine sorgfältige Auswahl vornehmen und sich auf die Raritäten fokussieren.

Eine umfassende wissenschaftliche Studie der Universität Cambridge von Elroy Dimson kam zu dem aufschlussreichen Ergebnis, dass breit gestreute Investments in Briefmarken im Zeitraum von 1900 bis 2008 eine jährliche Rendite von rund sieben Prozent erbrachten. Mit Raritäten konnten Sie diese Rendite noch erheblich steigern, wie die Indizes von Stanley Gibbons verdeutlichen.
Vergessen Sie daher das Klischee vom ergrauten Briefmarkensammler mit der Hornbrille und den Ärmelschonern: Briefmarken können eine lukrative Wertanlage sein, sofern Sie sich intensiver damit befassen und sich die Kostbarkeiten heraussuchen.

MÜNZEN – SCHÄTZE AUS VIELEN JAHRHUNDERTEN
Das Münzsammeln, die Numismatik, ist ein altes Hobby, das bereits seit Jahrhunderten gepflegt wird. Nach dem Krisenjahr 2008 gewann die Geldanlage in Münzen deutlich an Zulauf, zumal viele Menschen Münzen für besonders sicher halten.
Ein Grund für diesen Boom besteht darin, dass der Gold- und der Silberpreis in der Zeit nach der Jahrtausendwende nur eine Richtung nach oben kannte. Zeitweilig war die Euphorie für Edelmetalle grenzenlos. Die von den Wechselfällen der Geschichte gebeutelte Dekade nach der Jahrtausendwende gleicht einem einzigen Thriller: Der 11. September, der Irak-Krieg, der Zusammenbruch von Lehman Brothers, der Kollaps des US-Immobilienmarktes und die Staatsschuldenkrise in der Eurozone sorgten für immer neue Preissteigerungen beim Gold und auch beim Silber.
Wer Münzen sammelte, konnte sich über beträchtliche Kurssteigerungen freuen. Doch selbst hier gilt es, genauer hinzusehen. Denn auch Münzen haben ihre Tücken.
ACHTUNG
Wer sich nicht sachkundig macht und blind zugreift, kann bei Münzen vieles falsch machen und ein hohes Lehrgeld zahlen. Seien Sie auf der Hut!
Von dem Anstieg der Edelmetallpreise profitieren vorwiegend so genannte Bullion Coins. Das sind „Anlagemünzen“, bei denen der Gold- oder Silbergehalt im Vordergrund steht. Die Hausse an den Edelmetallmärkten ließ diese Münzen auf Rekordniveau steigen. In den Jahren nach 2001 brach ein regelrechtes Goldfieber aus, das alles in den Schatten stellte, was es bisher gab.

Diese Münzen haben keinen eigentlichen Sammlerwert, sondern sie werden nur geprägt, um Gold handelbar zu machen.

Zu den gängigen und beliebten Bullion Coins zählen beispielsweise der südafrikanische Krügerrand und der österreichische „Philharmoniker“. Sie genießen uneingeschränktes Vertrauen, da sie von einem Staat herausgegeben wurden, der letztlich die Echtheit garantiert.
Bei Gold- oder Silberbarren hingegen wird unter Umständen erst einmal eine Sicherheitsprüfung vorzunehmen sein, wenngleich es auch hier Stempel von Scheideanstalten gibt, die für eine hohe Zuverlässigkeit stehen. Fälschungen von Goldbarren sind dadurch möglich, dass ein Wolframkern mit Gold überzogen wird.
Verschwörungstheoretiker behaupten immer wieder gerne, viele Goldbarren bestünden im Grunde aus Wolfram, und das eigentliche Gold sei längst beiseite geschafft.
ACHTUNG
Eines sollten Sie beachten: Bullion Coins werden nie selten – denn sie erscheinen generell in einer Millionenauflage. Selbst die höchste Qualitätsstufe, die so genannte polierte Platte, die sich durch eine besonders hochwertige Prägung auszeichnet, kommt mit mindestens 100.000 Stück auf den Markt. Die sehr beliebten Gedenkprägungen – beispielsweise zu bestimmten Anlässen wie einer Fußballweltmeisterschaft oder einer Olympiade – werden selbst nach Jahrzehnten nicht teurer, da sie in einer viel zu hohen Auflage im Umlauf sind.
Ähnlich wie bei Briefmarken gilt auch hier: Nur seltene Münzen haben einen echten Sammlerwert. Ansonsten zählt nur der Edelmetallgehalt.
TIPPSfür das Münzensammeln
Bitte unterscheiden Sie genau zwischen Münzen und Medaillen. Münzen dürfen nur von Staaten (Münzrecht)
geprägt werden und gelten als hoheitliches Zahlungsmittel. Eine Münze weist daher immer eine Währungsangabe (Euro, DM, US-Dollar usw.) und eine Zahleinheit (ein Euro) auf. Medaillen hingegen sind nichts anderes kunstvoll gestaltete Metallplättchen, die zu allerlei Anlässen unter das Volk gebracht werden. Jeder darf sie herausgeben. Auf ihnen steht deshalb auch keine Währungsangabe. Bei Medaillen kann der Herausgeber natürlich die Metallzusammensetzung frei wählen (Messing, Kupfer mit winzigen Spuren von Gold oder Silber beispielsweise). Im Zweifelsfall erhalten Sie ein völlig wertloses Stück Blech mit einem Messingüberzug, das eine nette Gravur von einem Sportereignis oder Jubiläum ziert. Medaillen eignen sich nicht zur Geldanlage. Wenn Sie Pech haben, enthält die Medaille keinerlei Edelmetall, und ein Sammlerwert ist praktisch nicht gegeben. Um Interessenten in die Irre zu führen, werden in bunten Prospekten oft „Gedenkprägungen“ angeboten. Je salbungsvoller die Formulierungen sind, desto mehr Skepsis sollten Sie walten lassen. Eine „Gedenkprägung“ ist fast immer eine Medaille, denn sonst würde sie als (vom Staat herausgegebene) „Gedenkmünze“ inseriert.
Die meisten Münzen erzielen nie eine sinnvolle Wertsteigerung, da sie in einer Millionenauflage vorhanden sind. Sie sind gleichsam eine Massenware, die sich nicht für Investments eignet.
Kaufen Sie Münzen nur im renommierten Fachhandel, und überzeugen Sie sich bitte genauestens, ob der Händler Mitglied in einem angesehenen Fachverband ist. Es ist zwar möglich, Münzen auch auf Internetplattformen und in entsprechenden Auktionen zu erwerben, aber das Risiko nimmt erheblich zu, dass Sie an eine Fälschung geraten.
Fragen Sie zur Probe, ob der Händler Ihnen die Münze wieder abkaufen würde.
Vergleichen Sie vor jedem Kauf akribisch die Preise. Aufschläge von hundert Prozent zum eigentlichen Marktwert sind gar nicht so selten. Wenn Sie Münzen viel zu teuer erwerben, werden Sie nie eine vernünftige Rendite erzielen. Selbst nach vielen Jahrzehnten erreichen Sie oft nicht einmal den Einstandspreis und machen herbe Verluste.
Beim Kauf sollten Sie sich ausreichend Zeit lassen, und die Preise im Internet in Fachkatalogen sorgfältig recherchieren.
Was die Katalogpreise angeht, gilt hier dasselbe wie bei Briefmarken. Die enormen Werte, die in den gängigen Standardwerken verzeichnet sind, treffen nur auf herausragende Exemplare zu. Schon kleinste Fehler (wie Kratzer oder Abnutzungen) führen zu drastischen Abschlägen. Kaum eine Münze erfüllt die Idealbedingungen des Höchstwertes. Insbesondere bei antiken oder mittelalterlichen Münzen ist die Stufe „vorzüglich“ schon das Allerbeste, was Sie überhaupt auf dem Markt finden.
Spezialisieren Sie sich auf ein seriöses und anerkanntes Fachgebiet. Laien kaufen vor allem „modische“ Münzen, über die Experten und Numismatiker insgeheim unverkennbar die Nase rümpfen. Dazu gehören die Münzeditionen von Zwergstaaten aus der Südsee, die selbst Geografen mit einem Bachelor nicht sofort auf dem Globus finden. Skurril sind auch Gedenkmünzen, mit denen manche Länder geradezu den Weltmarkt überschwemmen, als wären sie Supermächte. Münzen, die anlässlich einer Olympiade oder einer Meisterschaft herausgegeben werden, sind ebenso wenig in Fachkreisen als sammelnswert eingestuft wie die Kursmünzensätze aus San Marino, Monaco oder dem Vatikan, die zwar kurzzeitig bei der Euroumstellung einen Hype auslösten, aber von ernstzunehmenden und honorigen Münzsammlern gemieden werden.
Seriöse Sammelgebiete, die auch den Ansprüchen von Historikern genügen, sind die griechische und römische Antike, das Mittelalter, die Renaissance, die frühe Neuzeit oder das 19. Jahrhundert.
Aber auch die sorgfältig auswählenden Münzsammler sind gegen Enttäuschungen nicht gefeit. Denn die Rendite ist nicht selten überaus bescheiden.

Das vergangene Jahrzehnt war wegen des historisch unvergleichlichen Booms bei den Edelmetallen eher eine seltene Ausnahmeerscheinung.

Die Wertsteigerung ging primär auf das Edelmetall zurück und nicht auf eine Zunahme des Sammlerwerts. Langfristig aber muss die Rendite vor allem über eine gestiegene Nachfrage erwirtschaftet werden.
ACHTUNG
Wer Münzen sammelt, sollte dieses Hobby als ein kurzweiliges Steckenpferd, aber weniger als eine sinnvolle Geldanlage betrachten. Bedenken Sie auch, dass die Transaktionskosten enorm sind. Während beim Börsenhandel mit Aktien, Anleihen und Fonds nur geringfügige Kosten anfallen, sind beim Münzhandel haarsträubende Aufschläge bisweilen die Regel.
Nur bei Bullion Coins, also Anlagemünzen, bei denen der Gold- oder Silberwert im Vordergrund steht, halten sich die Aufschläge mit fünf oder zehn Prozent in Grenzen. Aber auch hier erleben Sammler drastische Einbußen, wenn sie Zehntelunzen einer Gold- oder Silbermünze erwerben. Die Händler berechnen Aufschläge von über 30 Prozent. Wer so Gold und Silber einkauft, darf sich nicht wundern, wenn er nur Verluste macht. Als Investment eignen sich wegen der Händlerspannen nur Ein-Unzen-Münzen.
Münzen sind demnach ein eher kostspieliges Hobby als eine lukrative Geldanlage. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. In den gängigen Numismatikforen im Internet werden Sie vor allem Zeitgenossen antreffen, die über die geringe Wertentwicklung und den Niedergang des Münzsammelns lamentieren. Auf jedem Fall sollten Sie vor Ihrem Kauf ein solches Forum konsultieren und auch einem von Händlern unabhängigen Numismatikverein beitreten; dort können Sie wertvolle Tipps erhalten, die Sie vor Schaden bewahren.
Die höchsten Münzrenditen der Geschichte
Manche Münzen machen auch reich. Am bekanntesten ist der Fall eines Ingenieurs aus den USA, der seine gesamte Altersvorsorge auf Münzen ausrichtete. John Jay Pittman legte über 20 Jahre die Hälfte seines Einkommens in Münzen an – insgesamt 100.000 US-Dollar. Als er in Rente ging, konnte er sich eines Vermögens von fast 30 Millionen US-Dollar erfreuen.
Ebenso bekannt ist der Fall von Silvano DiGenova. Er erwarb bereits als Jugendlicher überaus seltene Münzen und wurde bereits mit 21 Jahren Millionär.

Die beiden Sammler wurden vor allem deshalb durch Münzen reich, weil sie über ein herausragendes Expertenwissen verfügten und nur erstklassige und äußerst seltene Raritäten erwarben.

Sie sehen: So schnell können Sie, wenn Sie es richtig bewerkstelligen, zu den oberen Zehntausend zählen.
Bevor Sie den erfolgreichen Numismatikern nun nacheifern, kann ich Ihnen versichern, dass es viele andere Anlagen gibt, mit denen Sie vermutlich wesentlich schneller Millionär werden.
Solche begehrten Münzen bekommen Sie nur auf Spitzenauktionen und bei Münzhändlern, die sich ihr Leben lang auf ein sehr begrenztes Gebiet spezialisiert haben. Die Massenware, die im Internet und in Zeitschriften häufig feilgeboten wird, eignet sich dazu nicht. Außerdem müssen Sie in der Lage sein, einen Preis realistisch einschätzen zu können. Wenn Sie zu teuer kaufen, werden Sie nur Verluste machen.
Der Sonderfall: Amerikanische Goldmünzen
Die USA sind in der Numismatik ein exotischer, aber interessanter Sonderfall. Zum einen haben es dort Anleger wesentlich einfacher als in Europa. In den USA gibt es nämlich ein differenziertes einheitliches Bewertungssystem, nach dem eine Münze eingestuft wird. Schon beim Kauf vom Händler wissen Sie, welchen Erhaltungsgrad die Münze hat.
Hierzulande hingegen gehen die Meinungen weit auseinander, so dass Ihre Münze unter Umständen viel schlechter bewertet wird, als Sie anfangs dachten. Damit kann ein drastischer Wertverlust einhergehen. Die Katalogpreise gehen immer von der besten Erhaltungsstufe aus. In der Praxis ist diese so gut wie nie gegeben. Ähnlich wie bei Briefmarken sind daher die Wertangaben in Katalogen drastisch zu reduzieren, um eine realistische Vorstellung von den tatsächlichen Preisen zu erhalten.
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In den USA hingegen werden Münzen nach einem standardisierten System eingeordnet, das sich in der Regel als zuverlässig erweist. Beim Händler erhalten Sie ein eigenes Echtheitszertifikat, das den Erhaltungsgrad offiziell ausweist. Als Maßstab und Instanz dienen zwei Verbände, nämlich der Professional Coin Grading Service (PCGS) und die Numismatic Guaranty Corporation (NGC), die dieses System entwickelt haben und so für ein hohes Maß an Transparenz sorgen. Im Vergleich dazu ist der traditionelle Münzhandel in Europa wenig anlegerfreundlich.
Eine zweite Besonderheit, die nur Goldmünzen betrifft, ergibt sich aus der amerikanischen Geschichte. Nach der schweren Weltwirtschaftskrise von 1929 beschloss der Präsident 1933, ein vollständiges Goldverbot zu erlassen. Goldmünzen mussten gegen einen staatlich festgelegten Kurs zwangsweise in US-Dollar umgetauscht werden. Banksafes konnten nur in Gegenwart eines Beamten geöffnet werden. Wer den Goldbesitz verschwieg und erwischt wurde, musste mit harten Strafen rechnen. Erst Mitte der siebziger Jahre wurde das Goldverbot in den USA wieder aufgehoben. Auch in anderen Ländern – in Deutschland in der Weimarer Republik und während der NS-Zeit – gab es ein umfassendes Goldverbot, das rigoros umgesetzt wurde. Selbst staatliche Gold- und Silbermünzen wurden in Deutschland eingezogen.
In den USA ließ Präsident Roosevelt die Goldmünzen einschmelzen. Experten gehen davon aus, dass über 90 Prozent aller Goldmünzen, die vor 1933 ausgegeben wurden, auf diese Weise unwiderruflich im Schmelztiegel verschwanden und zu Goldbarren gegossen wurden. Aus diesem Grunde wurde das Angebot an amerikanischen Goldmünzen durch diese staatliche Maßnahme künstlich verknappt. Solche Münzen sind daher eine wahre Rarität, was sich in den Preisen niederschlägt. Hinzu kommt, dass im 19. Jahrhundert bereits schon einmal eine Einschmelzung stattgefunden hat. Im Jahr 1834 hatte der US-Präsident beschlossen, die Goldmünzen aus dem Zeitraum von 1795 bis 1834 dem Geldkreislauf zu entziehen. Auch diese Münzen verschwanden fast vollständig im Schmelztiegel.
Daher sind gerade amerikanische Goldmünzen als Investment lukrativ. In Europa hingegen – insbesondere in Deutschland – gab es unzählige Fürstentümer, Grafschaften, Königreiche, geistliche Territorien und Stadtstaaten, die ein eigenes Münzrecht hatten. Hinzu kommen Zwergstaaten wie Monaco, Luxemburg, Liechtenstein, San Marino, Andorra und die Schweizer Kantone, was bei der Münzprägung zu einer kaum überschaubaren Vielfalt und zu einem numismatischen Flickenteppich führt.
Das Währungssystem von Bretton Woods und dessen Ende
Das Münzsammeln verdankt seinen kometenhaften Aufschwung im 20. Jahrhundert eigentlich einem anderen Umstand, der mehr etwas mit dem Währungssystem zu tun hat.
Im Jahr 1944, als sich der Zweite Weltkrieg dem Ende zuneigte, trafen sich in einem unbedeutenden kleinen Dorf in der tiefsten Provinz namens Bretton Woods die wichtigsten Wirtschaftspolitiker der Alliierten, um dort über die Nachkriegsordnung und das Wirtschaftssystem zu beraten.
Es wurde ein Konzept entworfen, das den US-Dollar als Ankerwährung vorsah. Alle anderen wichtigen Währungen sollten in festen Relationen zum Greenback gehandelt werden. Zusätzlich wurde beschlossen, dass die US-Notenbank für Ausländer eine Goldeinlösepflicht übernahm. Das bedeutete: Deutsche, französische oder britische Händler, Staaten oder Kunden konnten jederzeit darauf bestehen, ihre US-Dollars in Gold umzutauschen.

Das Währungssystem von Bretton Woods sorgte nach 1945 für eine große Stabilität und beflügelte den Welthandel. Der Weg für die Wirtschaftswunderjahre der Fünfziger wurde so geebnet.

Doch der schleichende Niedergang setzte ein, als die USA sich in Vietnam verausgabten und die Staatsschulden in die Höhe schnellten. Die astronomischen militärischen Ausgaben für den Konflikt in Indochina überforderten Washington. Nach außen behielt man einfach die Währungsrelationen bei und führte nur gelegentlich kleinere Korrekturen durch. Aber im Gebälk des morschen Währungssystems knirschte es bereits heftig, da einige Experten zunehmend zweifelten, ob die USA langfristig die US-Dollarbestände, die vom Ausland gehalten wurden, im Notfall in Gold umtauschen konnten. An der Oberfläche jedoch schien das System einwandfrei zu arbeiten. Die Krise wurde lange Zeit einfach verdrängt.
Der Stein geriet ins Rollen, als Frankreichs Präsident darauf bestand, die vorhandenen US-Dollars in Gold einzutauschen.
In Paris ahnte man längst, dass der Greenback stetig an Wert verlor und dass nur noch das Währungskorsett von Bretton Woods den Verfall verschleierte.
In Washington war man über dieses Misstrauen und das Ersuchen Frankreichs ungehalten, konnte aber vor der Weltöffentlichkeit nicht die desolate Situation eingestehen, ohne eine weitere Lawine auszulösen. Deshalb wurden Tonnen von Gold per Schiff nach Frankreich transportiert.
Doch allen Fachleuten war inzwischen klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die USA sich gezwungen sahen, die Goldeinlösepflicht aufzuheben.
Im August 1971 war es schließlich so weit: Der jahrelange Vietnamkrieg hat den US-Haushalt zerrüttet, und das System von Bretton Woods war am Ende. Die USA konnten für ihre US-Dollars nicht mehr mit Gold bürgen. Danach dauerte es nur noch wenige Wochen, bis sämtliche festgelegten Währungskurse freigegeben wurden. Der Wert des US-Dollars, des Franc, der D-Mark und des Britischen Pfunds richtete sich nun – wie bei allen anderen Waren oder Rohstoffen – nach dem Spiel von Angebot und Nachfrage. Dieses Prinzip wird als „Floating“ bezeichnet. Einige Währungen gerieten erheblich unter Druck, und die gesamte Weltwirtschaft wurde von den stetig schwankenden Währungen ziemlich in Mitleidenschaft gezogen.

Der lustige „Twist“ der Nachkriegswährungen hatte sich in das wilde „Woodstock“ des freien Devisenhandels verwandelt.

Doch es geschah noch etwas Bemerkenswertes: Das Gold, das bisher an den US-Dollar nach einem staatlich festgelegten Kurs gekettet war, streifte das lästige und beklemmende Währungskorsett ab und entfesselte eine Preisentwicklung, die bis dahin niemand für möglich gehalten hatte. Während das gelbe Edelmetall über ein halbes Jahrhundert lang zwischen 25 und 35 US-Dollar pendelte, kannte der Preis nun kein Halten mehr. Fast monatlich schoss der Goldkurs in die Höhe.
Am Ende des „goldenen“ Jahrzehnts – im Jahr 1980 – erreichte der Preis des gelben Edelmetalls mit 850 US-Dollar je Feinunze (31,1 g) einen historischen Rekord. Erst in unserer Zeit schaffte der Goldpreis es, den Gipfel von rund 1900 US-Dollar zu bezwingen.
In den achtziger Jahren hingegen fiel der Preis des gelben Edelmetalls wieder auf 310 US-Dollar. Insgesamt betrachtet waren die achtziger Jahre eher eine Dekade der Aktienmärkte als der Rohstoffe. Auch der Ölpreis sank dank hoher Förderquoten im Rahmen des Kalten Krieges in den Keller. US-Präsident Reagan hatte bei den Ölstaaten interveniert, um die Sowjetunion von ihren Rohstoffeinnahmen abzuschneiden.

Wer in den siebziger Jahren Münzen sammelte, profitierte weniger von dem Sammlerwert als von den drastisch steigenden Goldpreisen.

In unserer Zeit hingegen hat der Goldpreis bereits einen erheblichen Preisanstieg hinter sich. Wer heute in Münzen anlegen will, muss in erster Linie auf den Sammlerwert achten, der nur bei ausgewählten Raritäten zum Zuge kommt.
Historische Münzen
Bei historischen Münzen sollten Sie besonders auf den Erhaltungsgrad achten. Schon geringfügige und unscheinbare Kratzer, die nur unter der Lupe zu erkennen sind, können zu einem dramatischen Wertverlust führen. Auch sollten Sie niemals Münzen mit den Fingern anfassen, da die Hautoberfläche Stoffe absondert, die die Münze langfristig angreifen.
Dasselbe gilt für die Aufbewahrung: Achten Sie sorgfältig darauf, dass die Münzalben oder Kapseln keine Weichmacher enthalten, die sich schädlich auf die Münze auswirken. Grundsätzlich sollten Sie Münzen, die sich in einer Kapsel befinden, nie entnehmen, und wenn, dann nur mit einer Pinzette. Münzen dürfen niemals poliert werden – dann verlieren sie fast vollständig ihren Wert. Die Patina, die sich im Lauf der Zeit gebildet hat, gilt nämlich als Zeichen der Echtheit.
Die Rendite von Münzen und der Münzindex
Wenn Sie langfristig in Münzen investieren möchten, ist es unabdingbar, dass Sie sich umfassend informieren und genau die Preise kennen. Gehen Sie zu entsprechenden Tagungen und Fachmessen, werden Sie Mitglied in einem seriösen Verein, studieren Sie die Fachliteratur und suchen Sie gezielt Informationen im Internet und in spezialisierten Onlineforen.
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Auch für Münzen gibt es ähnlich wie bei Briefmarken einen eigenen Index, den PCGS 3000 (www.pcgs.com), der von dem angesehenen US-Verband Professional Coin Grading Service berechnet wird. Er erstreckt sich vor allem auf seltene Münzen.
Der PCGS 3000 Index stand im Jahr 2004 noch bei rund 61.000 Indexpunkten und erklomm im Börsenkrisenjahr 2008 die Spitze von 73.500 Punkten.
Der Index begann im Jahr 1970 mit einem festgelegten Ausgangswert von 1000 Punkten. Danach fiel der PCGS 3000 deutlich auf ein Niveau von unter 68.000 Zählern zurück. Einen absoluten Rekordwert verbuchte der Münzindex im Jahr 1989, als er die Schallmauer von 180.000 Punkten durchbrach. Im Jahr 1995 stand er aber mit 50.000 Punkten wieder auf einem Tiefpunkt.
Im Vergleich zu anderen Sachwertanlagen wie Whisky, Rum oder Wein ist die Wertentwicklung bei Münzen eher wechselhaft und launisch. Der Münzmarkt konnte sich seit seinem Glanzjahr 1989, das die Krönung in der Münzgeschichte darstellt, nie mehr erholen.
Für amerikanische Münzen liegt die durchschnittliche jährliche Wertsteigerung zwischen zehn und elf Prozent. Bei ausgewählten europäischen Münzen dürfte sie etwas niedriger sein.
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Die mit Abstand rarste Münze weltweit ist übrigens der Double Eagle aus dem Jahr 1933 mit dem Nennwert von 20 US-Dollar. Sie trägt auf der Rückseite als Symbol einen Weißkopfadler, der zum Wappentier der USA erhoben wurde und heute unter Naturschutz steht. Auf der Vorderseite erscheint die Liberty, die der griechischen Mythologie entlehnte Freiheitsgöttin im wallenden Gewand. Insgesamt blieben nach der bereits erwähnten Einschmelzungsaktion zur Zeit der Weltwirtschaftskrise lediglich zehn Münzen übrig, die der damalige ägyptische König Farouk in letzter Minute von einem Händler in Texas für 1575 US-Dollar erwerben konnte.
Das Mysterium der teuersten Münze der Welt
Die Münzen, die in Philadelphia bereits kurz vor dem Erlass des Präsidenten geprägt wurden, sollten ursprünglich bis 1937 eingeschmolzen werden. Im Lauf der Jahrzehnte verschwanden die zehn Münzen, und die US-Regierung versuchte mit akribischer Feinarbeit und mit Unterstützung von Geheimdiensten, den Verbleib der Double Eagles aufzuklären.
Erst im Jahr 1996 konnte die letzte der zehn Münzen in einer Auktion in New York angeboten werden. Bei der Versteigerung erzielte sie einen atemberaubenden Wert von 6,6 Millionen US-Dollar.
Der anonyme Käufer stellte das Objekt der Federal Reserve für Ausstellungen zur Verfügung. Die Münze wird heute von der New Yorker Abteilung der US-Notenbank unter strengen Sicherheitsvorkehrungen aufbewahrt.
Was Sie beachten sollten
Insgesamt gilt: Eine seltene Münze wird in ihrem Wert immer steigen. Jedoch ist es auch für sachkundige Experten schwierig herauszufinden, wie viele Münzen von einer Auflage noch vorhanden sind. Bisweilen lässt sich bei alten Münzen noch nicht einmal die ursprüngliche Auflage ermitteln, da die Aufzeichnungen in früheren Jahrhunderten lückenhaft sind oder vollständig fehlen. Monarchen mussten einst keine Rechenschaft über ihre Geldpolitik ablegen.
In Deutschland gingen durch zwei Weltkriege etliche Münzen verloren, und dennoch werden immer wieder auf Dachböden, in Kellern und in Hinterlassenschaften seltene Stücke gefunden.
Das Alter einer Münze sagt übrigens nicht immer etwas über ihre Seltenheit aus. So sind römische Münzen in Deutschland keineswegs eine Seltenheit. Bei Ausgrabungen südlich der ehemaligen römischen Grenzbefestigungen werden immer wieder große Mengen an Münzen gefunden, so dass Exemplare aus der spätrömischen Antike bereits für wenige Euro zu haben sind.
Weitaus kostbarer und gediegener als die weit verbreiteten Kupfermünzen sind natürlich Goldmünzen wie der so genannte Aureus.
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Einen besonderen geheimnisvollen Nimbus hat übrigens der Brutus-Denar. Wenn Sie sich noch an Ihren Geschichtsunterricht erinnern oder an das berühmte Drama Shakespeares, dann dürfte Ihnen geläufig sein, dass Cäsar an den Iden des März von Brutus im römischen Senat erstochen wurde. Seine letzten Worte sollen „Tu quoque, mi fili“ („Auch du, mein Sohn“) gewesen sein.
Der berühmte Tyrannenmord, der den Niedergang der römischen Republik nicht aufhalten konnte, wurde auf einer Münze verewigt – dem berüchtigten Brutus-Denar. Der Adoptivsohn Cäsars, Oktavian, der spätere Kaiser Augustus, ließ natürlich die Münze sofort einziehen. So kommt es, dass sie äußerst selten ist. Auf einer Auktion erhielt ein Brutus-Denar einen Zuschlag von 90.000 Euro.

KUNST
Kunstwerke sind beliebte Anlageobjekte, da sie von den zahlreichen Schwankungen der internationalen Finanzmärkte unabhängig sind. Ein Rembrandt oder ein Picasso wird auch nach einem Jahrhundertcrash, einer schweren Währungskrise oder einem Staatsbankrott noch ein Vermögen wert sein. Die Kunst zeichnet sich durch größere Beständigkeit und Solidität aus als schwankende und volatile Aktien oder ausfallgefährdete Anleihen von zahlungsunfähigen Staaten.
Allerdings sollten Sie einige Gefahren und Nachteile im Auge behalten, die mit dem Kunstmarkt verbunden sind. In Notzeiten lassen sich Kunstwerke nur schwer veräußern, und die Erlöse sind rückläufig. Denn wenn kaum jemand Kaufkraft hat, sinken unweigerlich die Preise für Kunstwerke. Daher sollte man in schwierigen Zeiten nie darauf angewiesen sein, die Kunstwerke veräußern zu müssen.
WISSENSWERT
Der Kunstmarkt ist relativ unübersichtlich; und nur bei zeitgenössischen Künstlern können Sie über einen kürzeren Zeitraum hohe Renditen erzielen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn ein wenig beachteter Maler zu einem Klassiker der Gegenwart avanciert. Aber dies vorzusehen gelingt selbst versierten Fachleuten selten. Die teuren Klassiker früherer Jahrhunderte sind entweder bereits in den Museen oder so unerschwinglich, dass nur Milliardäre als Klientel in Frage kommen.
Ein weiteres Problem besteht darin, dass Fälschungen in der Kunst gar nicht so selten sind. Experten gehen davon aus, dass fast zehn Prozent aller Werke einer Fälscherwerkstatt entsprungen sind. Zwar bieten moderne Analysemethoden eine gewisse Sicherheit, aber selbst renommierte Auktionshäuser haben schon ahnungslos Fälschungen unter den Hammer gebracht. Mit modernen Analysen lassen sich alle Fälschungen und Duplikate früher oder später entlarven. Denn es ist nahezu unmöglich, beispielsweise Materialien aus der Renaissance oder dem Barock zu beschaffen. Künstlich gealterte Leinwand und dilettantisch nachgeahmte Farben werden in jedem Chemielabor enttarnt.

Heute ist es auch möglich, Kunstwerke zu scannen, so dass sich selbst Farbschichten im Einzelnen betrachten lassen.

Es ist heute nicht im Detail bekannt, wie beispielsweise Leonardo da Vinci, Michelangelo oder Rubens die Farben gemischt haben und welche Zutaten genau verwendet wurden; man kann lediglich Vermutungen über die wahrscheinlichen Ausgangsstoffe anstellen. Moderne Farben aus dem Künstlerbedarf und dem Baumarkt enthalten aber Chemikalien, die es im 16. und 17. Jahrhundert noch nicht gab. Mit der heutigen Analytik lassen sich selbst Isotope genau bestimmen, so dass es einem sachkundigen Fälscher nahezu unmöglich wird, eine absolut perfekte Kopie zu erstellen.
Wie Sie in Kunst anlegen
Wenn Sie sich für Kunst als Anlageform interessieren, sollten Sie sich vertieft und ausführlich in ein Fachgebiet einarbeiten. Je mehr Sie Bescheid wissen, desto eher können Sie eine akzeptable Rendite erzielen. Beachten Sie aber auch: Bei allen Sachwerten – seien es Kunstobjekte, Münzen, Briefmarken und andere – verdient in erster Linie der Händler.
Während bei einem Aktienkauf maximal ein Prozent an Gebühren anfällt (bei Onlinebanken lässt sich diese Provision noch drastisch reduzieren), ist es beim Handel mit Gegenständen völlig normal, dass der Händler 50 bis 100 Prozent des Wertes aufschlägt. Diese gewaltige Provision müssen Sie erst durch eine Wertsteigerung wieder hereinholen. Auch bei Immobilien fallen solche Nebenkosten an – sie halten sich aber mit rund 10 bis 13 Prozent in Grenzen. Am günstigsten sind in dieser Hinsicht immer noch Wertpapiere, da es bei ihnen problemlos möglich ist, die Transaktionskosten auf unter ein halbes Prozent zu drücken.
Machen Sie sich folglich keine Illusionen: Wenn Sie ein Kunstwerk kaufen, zahlen Sie erst einmal eine horrende Händlerprovision. Bei Auktionen müssen Sie mit Mehrkosten von 30 Prozent rechen – zuvor wird der Verkäufer schon einen deutlichen Aufschlag einkalkuliert haben.

Nirgendwo auf diesem Planet gibt es zweites Exemplar. Daher kann die Wertsteigerung bei Kunstwerken auch außergewöhnlich sein.

Dennoch können Sie mit Kunst erkleckliche Renditen erzielen. Wenn Sie einen noch unbekannten Künstler als das große Genie des 21. Jahrhunderts entdecken und sich frühzeitig die Werke sichern, dann dürfte Ihrem Reichtum nichts mehr im Wege stehen. Kunstwerke haben einen Vorteil, den andere Sachwertanlagen wie Briefmarken, Münzen oder Whisky nicht für sich beanspruchen können: Sie sind Unikate.
Jedoch gibt es unzählige Künstler, die frühzeitig scheitern. Von den Millionen, die sich zur höheren Kunst berufen fühlen, schaffen es nur wenige an die Spitze und in die führenden Galerien der Welt. Der Erfolg ist oft nicht einmal vom Talent abhängig; entscheidender ist das, was man die Ökonomie der Aufmerksamkeit nennt. Einige schaffen es eher, sich im Rampenlicht zu platzieren und die Gunst des Publikums zu erheischen.
Wenn Sie in Kalifornien die Chinesische Mauer als „Landart“ nachbauen, dürfte Ihnen ein großes Medienecho zuteil werden. Oder verpacken Sie doch einfach den hessischen Landtag in Alufolie. Natürlich können Sie auch einen toten Hai in ein Aquarium legen (aber das gab es schon – nehmen Sie etwas anderes). Oder Sie lassen sich mitten auf dem Alexanderplatz in Berlin in einem Eisblock ausstellen.
Welche Rendite Kunstwerke erzielen
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Die Bilder der großen Meister der Kunstgeschichte kommen auf 7 bis 12 Prozent jährlich. Allerdings sind die Werke von Van Gogh, Rembrandt, Rubens, Caravaggio oder Degas für Normalsterbliche absolut unerschwinglich. Auch Künstler der Gegenwart erreichen Werte von mehreren hunderttausend Euro.
Wer frühzeitig einen Klassiker entdeckt, hat indes ausgesorgt. Bei einigen Aspiranten dürfte allerdings erst die nächste Generation profitieren. Van Gogh beispielsweise war zu Lebzeiten ein bettelarmer Mann, der seinen Bruder um Unterstützung bitten musste. Eines seiner Bilder diente sogar als Abdeckung für einen Taubenschlag. Gauguin fristete schwerkrank sein Dasein auf Tahiti, obwohl er als reicher Börsenmakler begonnen hatte. Viele Künstler konnten von ihrem späteren Ruhm nicht profitieren.
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Der Kunstmarkt ist zudem von der allgemeinen Vermögensentwicklung abhängig. Einen schweren Crash gab es beispielsweise 1990. Damals hatten viele vermögende Japaner sich Klassiker zugelegt. Als die Konjunktur in Tokio einbrach, fiel auch der Kunstmarkt. Anders verhielt es sich in den Jahren nach der Jahrtausendwende. Trotz der schrecklichen Ereignisse in New York im Jahr 2001 konnte sich der Kunstmark stabil halten. Und auch das schwere Krisenjahr 2008 mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers bescherte dem Kunstmarkt nur für eine kurze Zeit rückläufige Preise.
Wer sind nun die großen Künstler unserer Epoche? Zu den renommierten und äußerst begehrten Künstlern der Gegenwart zählen beispielsweise Gerhard Richter, Neo Rauch und Damien Hirst.
Damien Hirst schafft es, durch spektakuläre Kunstobjekte die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu lenken. Neben einem eingelegten Hai war es ein mit Brillanten übersäter Totenschädel aus Platin, der die Kunstwelt in gruseliges Staunen versetzte, zumal das Oeuvre den bizarren Titel „For the love of God“ trägt.
Welche Dimensionen der Kunstmarkt hat, können Sie an einzelnen Auktionsergebnissen ermessen: Andy Warhols Bild „Green Car Crash“ brachte stattliche 64 Millionen US-Dollar. Das Bild „White Center“ von Mark Rothko kam bei Sotheby’s auf 72,9 Millionen US-Dollar. In immer mehr Schwellenländern begeistern sich Millionäre für Kunstinvestments. So ist es nicht verwunderlich, dass Städte wie Hongkong und Schanghai immer mehr renommierte Galerien und neue Kunden anlocken.
Während früher nur europäische Künstler in Sammlungen und Museen aufgenommen wurden und anschließend amerikanische Maler in die Spitzenranglisten aufstiegen, so sind es heute zunehmend chinesische Künstler, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ein Drittel der wertvollsten und teuersten zeitgenössischen Kunst stammt mittlerweile aus China.
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Experten schätzen die Rendite von modernen zeitgenössischen Kunstwerken, die anerkannt sind, auf im Durchschnitt jährlich rund 20 Prozent.
Man sollte aber berücksichtigen, dass es auch für Experten ungemein schwer ist, die Zukunftsperspektiven von modernen Kunstwerken zuverlässig und objektiv einzuschätzen. Einige Künstler verschwinden schon nach kurzer Zeit, während andere sich langfristig durchsetzen. Nur wer frühzeitig dieses Potenzial erkennt, kann mit Kunstwerken Renditen erwirtschaften, die weit über 20 Prozent jährlich liegen.
Nur ganz wenige Auserwählte werden in 50 Jahren im renommierten Museum of Modern Art in New York oder im Centre Pompidou in Paris hängen. Der Rest macht Grafikdesign für Werbeagenturen oder endet auf einem Aussteigerbauernhof in Ecuador.
Als Investor sollten Sie daher nur das kaufen, was Ihnen gefällt und behagt: Wenn Ihnen glitzernde Totenschädel in Ihrem Schlafzimmer endlose Albträume bereiten, dann kaufen Sie lieber etwas weniger Anstrengendes. Auch Kunstobjekte, die aussehen, als hätte sich Ihr Eigenheim in einen Schrottplatz verwandelt oder in ein öffentliches Pissoir, sind vielleicht gewöhnungsbedürftig.
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