Kitabı oku: «Ein Fall für die Akten», sayfa 2

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2. Kapitel

Kriminalhauptkommissar Dieter Seefeld ging gemäßigten Schrittes den langen Flur im Präsidium entlang, voller Vorfreude auf den Nachtisch. Auf einem Papptablett trug er ein Stück Torte vor sich her, das zusammen mit einem starken Kaffee als Entschädigung für das ungenießbare Kantinenessen dienen sollte.

Sein Kollege Uwe Brinkmann war bescheidener. Der wollte nur ein Schweineöhrchen. Dieser Schmachtlappen war eben kein Feinschmecker, aß alles, was man ihm in der Kantine vorsetzte und fand auch noch die Preise dafür gerechtfertigt. Sollte er mit seinem Schweineöhrchen glücklich werden. Ihn jedenfalls würde jetzt nur ein Stück Torte retten. Hauptsache, Brinkmann hatte nicht schon den Kaffee aufgesetzt. Der sparte ständig am Pulver, brachte es sogar fertig, auf zehn Tassen nur fünf Teelöffel Kaffee zu benutzen, so dass sogar in einer schwarzen Tasse der Boden deutlich erkennbar war. Selbst einen gebrauchten Filter ein zweites Mal zu benutzen, störte ihn nicht sonderlich. Der Kollege schaufelte einfach ein, zwei Löffel frischen Kaffees auf den alten Prütt drauf und meinte hinterher sogar, keinerlei Unterschied herauszuschmecken. Ja, dann wäre es aus mit seiner genussvollen Entschädigung.

Aber sonst kam Seefeld ganz gut mit ihm aus. Immerhin waren sie schon fast vier Jahre gemeinsam beim K 11, dem Kommissariat für Tötungsdelikte, und nie hatte es irgendwelche Reibereien in dieser Zeit gegeben. Sie hatten sich immer gut ergänzt, das ließ sich auch an ihrer Arbeit ablesen. Eine Aufklärungsquote von über 98 Prozent hatte nicht jedes Kommissariat aufzuweisen. Ein großer Anteil an diesem Erfolg war seinem Team zuzuschreiben.

Schwarzwälder Kirschtorte mit einem extra Schuss Kirschwasser, das musste man ihnen lassen, backen konnte die Bäckerei Böhmer. Seefeld schwelgte bereits in freudiger Erwartung, beschleunigte seinen Gang, drückte die Klinke zum Büro herunter und vernahm augenblicklich das Geräusch, das ihm die Freude versalzte: Das asthmatische Röcheln der Kaffeemaschine.

»Oh, du hast schon Kaffee gekocht«, sagte er gequält freundlich mit einem kritischen Blick zu der schwer dampfenden Maschine, die auf dem Kühlschrank in der Ecke des Büros platziert war.

»Ich mach mir nicht so viel aus Kaffee, trinke lieber Tee oder Cola«, hatte Brinkmann schon vor Jahren gesagt, als es um das Auffüllen der Kaffeekasse ging. Warum er dann immer wieder den Kaffee aufsetzte, war für Seefeld ein Rätsel.

»Ich wollte dir etwas Gutes tun, weil es dir in der Kantine nicht geschmeckt hat«, gab Brinkmann zurück, ohne von seinem Schreibtisch aufzublicken. »Aber ich fürchte, wir werden nicht viel Zeit für einen gemütlichen Kaffeeklatsch haben. Die Kollegen von der Andreaswache haben gerade angerufen. Es gibt eine Frauenleiche in der Mozartstraße. Soll ziemlich übel zugerichtet sein. Alle anderen sind schon unterwegs, nur wir fehlen noch in dem ehrwürdigen Kreis. Kannst die Torte ja mitnehmen.«

»Ha, ha, sehr witzig. Immer, wenn ich nichts Richtiges gegessen habe, bricht die Hölle los. Dass die Leute nicht einmal zur Weihnachtszeit friedlich leben können«, erwiderte Seefeld, während er seufzend das Kuchentablett in den Kühlschrank stellte. Sein Blick streifte den Kaffee, der sich bereits unheilvoll in der Kanne gesammelt hatte. Wenigstens bleibt mir der erspart, schoss es ihm durch den Kopf.

»Ich habe schon die Fahrbereitschaft angerufen, der Wagen steht unten«, nuschelte Brinkmann in seinen Schal, den er sich um den Hals gewickelt hatte und damit gleichzeitig das halbe Gesicht verdeckte. Dazu trug er eine mit Teddyfell gefütterte Jeansjacke, die mit ihrem verwaschenen Blau exakt den Farbton seiner Hose traf.

Seefeld war seriöser gekleidet, trug Hemd und Sakko sowie einen weitgeschnittenen Wintermantel, was schlichtweg besser zu seinem fülligeren Leibesumfang passte.

»Na, dann wollen wir mal«, gab er zur Antwort, wobei sein letzter sehnsuchtsvoller Blick dem Kühlschrank galt. Bei ihrer Rückkehr würde die Torte bestimmt matschig sein, mit dem Geschmack des Gyros, dessen Reste von gestern Abend unverpackt im oberen Fach des Kühlschranks standen.

»Weiß man schon was?«, fragte Seefeld, als sie sich in der engen Aufzugskabine gegenüberstanden.

»Sonja Hedewig, Anfang dreißig, gemeldet in der Mozartstraße. Wahrscheinlich drogenabhängig. Die Nachbarn haben angedeutet, dass sie anschaffen ging. Demnach müsste sie bei uns registriert sein. Dazu bin ich aber noch nicht gekommen. Die Kollegen meinen, dass die Leiche schlimm aussieht – Kopf völlig zertrümmert – muss wohl jemand große Wut gehabt haben.«

Das musste er Brinkmann lassen, sein Kollege wusste immer gleich zu Anfang etwas zum bevorstehenden Fall zu erzählen. Polizist mit Leib und Seele. Bestimmt mal ein guter Nachfolger für mich, dachte Seefeld.

Bei der Fahrbereitschaft nahm sich Brinkmann den Schlüssel für einen roten Opel Vectra, der schon einige Jahre und etliche Kilometer auf dem Buckel hatte. Seefeld wunderte sich immer wieder, dass dieses Auto überhaupt noch fuhr.

Wenn sie zusammen unterwegs waren, übernahm Brinkmann das Steuer. Das hatte sich so eingespielt, Seefeld war’s nur recht. Er fuhr nicht gerne Auto, saß lieber auf dem Beifahrersitz und sah sich die Passanten an. Dabei konnte er am besten nachdenken, obwohl ihn die rasante Fahrweise Brinkmanns oftmals davon abhielt.

»Gutes Auto, dieser Vectra. Solide und prima eingefahren, der nimmt es einem nicht übel, wenn man mit sechzig den Bordstein streift.« Brinkmann gefiel dieser Wagen, weshalb es Seefeld nicht gewundert hätte, wenn sein Kollege ihn speziell angefordert hätte.

»Das solltest du lassen. Vergiss nicht, dass ich meine Torte zurücklassen musste, weshalb ich unterzuckert bin und nicht die geringste Lust habe, an einem Stockcar-Rennen teilzunehmen. Ich sehe zwar auch, dass der Wagen nicht mehr der neueste ist, aber Steuergelder sind Steuergelder«, gab Seefeld mit süffisantem Lächeln zurück.

»Keine Angst, ich werde meinen werten Kollegen schon heil ins Rentenalter bringen. Und dass du unterzuckert bist, darfst du mir nicht anlasten. Dafür sind diesmal andere verantwortlich«, spielte er den Ball zurück, während er mit quietschenden Reifen vom Hof des Präsidiums fuhr und Seefeld einen grinsenden Seitenblick zuwarf.

Sie bogen von der Markgrafenstraße in die Hohe Straße Richtung Grafenhof ein, wobei Brinkmann auf siebzig beschleunigte und Seefeld klar wurde, dass es zwar eine schnelle, aber keine ruhige Fahrt bis zur Mozartstraße werden würde. Das auch noch bei dem Weihnachtsverkehr. Seine rechte Hand tastete an dem Seitenfenster entlang nach oben und umklammerte den Haltegriff.

Am liebsten würde der noch mit Blaulicht und Martinshorn fahren, ärgerte sich Seefeld. Dass die Ampel am Grafenhof auf Rot stand, ließ ihn jedoch erleichtert aufatmen. Mit siebzig ungebremst in die Kurve wäre seinem jungen Kollegen durchaus zuzutrauen. Brinkmann stoppte, schenkte Seefeld ein erneutes Grinsen und wanderte mit den Augen in Richtung des Hansaplatzes.

»Schon diesen bescheuerten Weihnachtsbaum gesehen? Angeblich der größte der Welt. So eine Angeberei. Was der gekostet haben muss? Dabei fahren wir hier mit so einer Möhre durch die Gegend.«

»Ich dachte, dir gefällt der Wagen!«

»Na ja, in München fahren die Kollegen BMW.«

»Da wird auch in Grünwald gemordet und nicht in der Nordstadt. Außerdem, wenn du nicht mal eine grüne Ampel erkennen kannst, nützt dir auch kein BMW.«

»Oh«, entfuhr es Brinkmann, prompt trat er aufs Gas.

Was hatte er gesagt? Drogenabhängige Prostituierte? Seefeld ging im Kopf mögliche Tatmotive durch. Da könnte ein Junkie aus ihrem Bekanntenkreis versucht haben, sich Geld oder Stoff zu besorgen, hatte etwas härter zugeschlagen, schon war die Frau tot. Junkies waren immer nervös und vor allem nicht mehr in der Lage, ihr Handeln zu kontrollieren. Da wurde der Bogen schnell überspannt.

Weiter kam Seefeld nicht mit seinen Gedanken. Die Erinnerung an das zurückgelassene Stück Schwarzwälder Kirsch drang, getragen von einem großen Hungergefühl, dazwischen. Hoffentlich würde es vor Ort nicht so lange dauern. Wenn die Kollegen von der KTU schon da waren, würden Brinkmann und Seefeld bald eine erste Stellungnahme bekommen, dann galt es, die Leute in der Nachbarschaft zu befragen …

»Wer hat die Tote gefunden?«

»Irgendjemand aus dem Haus. Vielleicht liegt sie schon so lange da, dass sie angefangen hat zu stinken.« Er zog eine Grimasse.

»Übrigens, könntest du dein Gyros auch mal mit einer Folie abdecken, sofern du noch vorhast, es zu essen, sonst schmeiß die Reste bitte gleich weg«, entgegnete Seefeld.

»Was ist los, wovon sprichst du?«

»Na, dein scheiß Gyros von gestern Abend! Da stinkt doch der ganze Kühlschrank nach!«

»Ich habe dir gesagt, du sollst den Kuchen mitnehmen. Hättest du jetzt auf der Fahrt essen können. Und das Gyros werde ich gleich entsorgen, nur keine Aufregung, wird alles erledigt. Die Torte kannst du auch noch heute Abend essen.«

»Dann schmeckt die Sahne nicht mehr nach Kirschwasser, sondern nach Zaziki«, klagte Seefeld. »Und tu mir bitte einen Gefallen: Heiz nicht wie ein Geisteskranker über den Wall. Torte essen hier im Auto, du machst Witze. Bei deiner Fahrweise würde das Meiste wohl auf meiner Hose landen.«

Brinkmann musste wieder grinsen, drosselte aber die Geschwindigkeit, da die Ampel am Westentor ebenfalls auf Rot umgesprungen war.

»Du kannst die Kollegen vom Rauschgiftdezernat gleich fragen, ob die Dame dort bekannt ist. Wenn von denen überhaupt noch einer da ist, wenn wir zurückkommen.« Seefelds Tonfall klang wieder freundlicher. »Ach, hat auch Zeit bis morgen oder bis nach Weihnachten«, entfuhr es ihm daraufhin gleichgültig.

»Nee, nee, das mach ich schon. Von der ist bestimmt einiges bekannt«, antwortete Brinkmann und bog am Westentor links ab, um gleich danach in die Brinkhoffstraße einzubiegen. Die Unterführung der dortigen Bahnanlage wirkte kalt, mit ihren schwarzen Eisenträgern ähnelte sie dem dreckverkrusteten Schlund eines Ungeheuers. Die Abschüssigkeit der Straße verstärkte das Gefühl, in eine Art Unterwelt einzutauchen. Nordstadt.

»Fehlen nur noch die brennenden Mülleimer und man könnte meinen, wir wären in der Bronx«, sagte Brinkmann, als sie die Unterführung passierten.

»Und du würdest dich da gerne als Wyatt Earp anbieten, mit qualmenden Hinterreifen in einem Ford Mustang, wie?«

»Du musst wohl immer das letzte Wort haben. Soll ich schnell beim Bäcker halten, damit du dein verdammtes Stück Torte bekommst? Aber wahrscheinlich gibst du auch noch mit vollem Mund deine dusseligen Kommentare ab«, scherzte Brinkmann und ließ an der Pauluskirche eine alte Frau mit Einkaufswagen die Schützenstraße passieren. Schwerfällig drehte sie ihren Kopf in Richtung des Opels, um sich freundlich mit einem Lächeln zu bedanken. Währenddessen raste auf der Gegenspur ein in blau-metallic gespritzter 3er BMW mit hohem Tempo auf die alte Frau zu, so dass diese sich mit zitternden Armen beeilte, den Einkaufswagen über die Straße zu schieben. Das tiefer gelegte Fahrwerk vibrierte von den wummernden Bässen, die aus dem Wageninneren drangen. Die zwei grinsenden Jugendlichen im Wagen hatten offensichtlich ihren Spaß daran, die alte Frau zu erschrecken.

»Wenn ich diese Arschlöcher schon sehe«, entfuhr es Brinkmann, »nichts im Hirn und fahren dennoch den ganzen Tag spazieren. Da frag ich mich, wo die beiden die ganze Kohle herhaben?«

»Nun reg dich nicht auf und fahr los, wir haben zu tun. Vielleicht sind es ja zwei V-Leute aus München. Dem Auto nach zu urteilen, könnte das hinkommen.«

»Oh Gott, hätte ich dich doch die Torte essen lassen!«, rief Brinkmann mit gespielter Verzweiflung.

»Hoffentlich setzt der Alte die Pressekonferenz morgen nicht so früh an, damit wir ein bisschen was in den Händen haben, wenn die Zeitungsfritzen kommen. Die haben ’ne schöne Story zu Heiligabend. Frauenleiche zum Fest der Liebe …«, sinnierte Seefeld leise in Richtung des Seitenfensters, aus dem er die Leute auf dem Bürgersteig beobachtete. Ein buntes Völkchen flanierte da. Wenn Dortmund großstädtisch war, dann hier in der Nordstadt.

Sie bogen ab in die Mozartstraße, prompt sprangen ihnen die Fahrzeuge der KTU ins Auge. Doktor Freitag vom Erkennungsdienst hatte sich gerade einen weißen Kunststoffoverall übergezogen und kramte im Heck seines Opel Omega nach den erforderlichen Utensilien.

Brinkmann stoppte auf gleicher Höhe, während Seefeld mühsam das Seitenfenster nach unten kurbelte.

»Na Doktorchen, wie sieht’s aus, haben sie schon einen Blick auf die junge Dame werfen können?«

»Ach, schau an. Seefeld und sein dynamischer Kollege Brinkmann. Ihr seht doch, dass ich gerade erst angekommen bin, also schön langsam mit die jungen Pferde.«

»Oder alter Mann ist doch kein D-Zug«, versuchte Brinkmann einen Scherz und beugte sich über den Schoß von Seefeld, um Doktor Freitag besser sehen zu können.

»Habe ich es nicht gesagt, dynamisch und obendrein auch noch vorlaut«, erwiderte Doktor Freitag, nahm einen schwarzen Koffer aus dem Wagen und schloss die Heckklappe, ohne auch nur eine Gesichtsregung.

»Wenn die Herren mich jetzt meine Arbeit tun lassen würden …«

»Aber selbstredend, wir treffen uns oben bei Fräulein Hedewig«, gab Seefeld zurück. Auf ein Nicken hin fuhr Brinkmann weiter, um nach einem Parkplatz zu suchen.

Vor der Tür der Verstorbenen stand eine junge Polizistin von der Andreaswache, welche die beiden Kripobeamten bei ihrem Eintreffen begrüßte. Brinkmann machte ihr sogleich schöne Augen und bemühte sich darum, dass sie sein unangebrachtes Lächeln wahrnahm.

»Und? Sieht es schlimm aus?«, fragte Seefeld, ohne auf das lächerliche Verhalten seines Kollegen einzugehen.

Die junge Beamtin nickte. »Kann man sagen. Mir ist richtig übel geworden. Ist meine erste Tote in diesem Zustand.« Sie lachte verlegen und zog ihren Notizblock aus der Jackentasche, bevor sie weitersprach: »Ich habe hier die Personalien der Leute, die die Leiche gefunden haben. Wohnen beide im Haus. Sind oben in der Wohnung von Frau Bielinski. Ich habe ihnen gesagt, dass die Kollegen von der Kripo gleich zu ihnen kommen, um weitere Fragen zu stellen. Die Frau hat schon einiges intus, getrunken meine ich. Wird nicht ganz einfach sein, die zu befragen. Die Leute von gegenüber sind nicht zu Hause. Soll sich um Russen handeln. Vielleicht sind sie über Weihnachten in ihre Heimat gefahren. Die zwei anderen Wohnungen werden von dem Vermieter und dessen Sohn benutzt, jedoch nicht bewohnt. Na ja, kein Wunder, angesichts des Zustands von dem Haus«, sagte sie in einem möglichst sachlichen Ton und reichte dem Hauptkommissar einen Zettel.

Seefeld warf einen kurzen Blick darauf, bevor er ihn wegsteckte. Er war neugierig, ob die Tote wirklich so schlimm aussah, wie es die Polizistin zu Protokoll gegeben hatte. So drückte er sich an den Beamten der KTU vorbei in das Wohnzimmer der Toten. Doktor Freitag kniete auf dem Fußboden und war gerade dabei, die Leiche zu untersuchen.

»Tja, meine Herren, so sieht das aus, wenn jemandem mit einem Beil die Omme gespalten wird«, sagte er in seiner ihm eigenen Gelassenheit.

»Wieso Beil?«, fragte Seefeld und beugte sich zur Leiche hinunter, um sie sich näher anzusehen.

»Sieht ja wirklich übel aus! Der Kopf ist kaum noch zu erkennen.« Seine Gesichtszüge verzogen sich zu einer angewiderten Grimasse. Reflexartig verschloss er mit einer Hand den Kragen seines Mantels, als müsse er sich vor diesem Anblick schützen wie vor zugigem Wind.

»Das Beil haben die Kollegen hinter dem Sessel gefunden. Handelsübliches Modell, aber noch ziemlich neu. Könnt ihr in jedem Baumarkt finden. Damit muss er wohl wie ein Irrer zugeschlagen haben«, antwortete Doktor Freitag, wobei er über den Rand seiner Brille sah, erst Seefeld ins Gesicht, dann auf dessen verkrampfte Hand, die noch immer den Mantelaufschlag hielt.

»Was ist los, Dieter? Soll ich dir etwa die Welt erklären?«, war sein Kommentar dazu.

Ein Beamter reichte Seefeld die Tüte mit dem Tatwerkzeug. Blutreste und Haare klebten, bereits zu einer schwarzen Substanz vertrocknet, an dem Metall. Seefeld wog den Gegenstand in seinen Händen ab.

»Jede Menge Fingerabdrücke dran. In der ganzen Wohnung auch. Da werden wir heute noch einiges zu tun haben«, sagte der Mediziner und machte sich augenblicklich wieder an die Arbeit. Sein weißer Kunststoffoverall war viel zu groß; er wirkte darin wie ein aufgeblasenes Michelin-Männchen. Seefeld nickte geistesabwesend und sah sich im Zimmer um. Die Einrichtung war bürgerlich, geradezu spießig. Alles stand ordentlich an seinem Platz, was auf den ersten Blick gar nicht an eine Drogenabhängige erinnerte, deren verwahrloste Wohnungen er so oft schon gesehen hatte.

»Die Leute im Haus haben angegeben, dass sie drogenabhängig gewesen sein soll?«, fragte Seefeld in Richtung des Pathologen.

»Ja, ja, ein paar Einstiche, nicht übermäßig. Aber wie viel sie während der Tatzeit im Blut hatte, kann ich erst nach dem Labor sagen. Übrigens ist sie noch nicht so lange tot. Ich vermute mal, dass es heute Nacht oder sogar erst heute Morgen passiert ist. Da kann man von Glück sprechen, dass sie so schnell gefunden wurde. Drogenabhängige liegen oftmals wochenlang in den Wohnungen und stinken vor sich hin.«

»Komm, Uwe. Wir gehen erst nach oben zu den Leuten und holen uns deren Aussagen, damit die Jungs hier in Ruhe arbeiten können«, sagte Seefeld zu Brinkmann und schaute zum Doktor hinunter, der sich wieder der Leiche zuwandte. Wie der das bloß aushielt, fragte sich Seefeld die Treppe hochlaufend.

Gerade als er die Klingel betätigen wollten, riss Opa Heinrich die Tür auf. Der hatte sich die ganze Zeit auf halber Treppe über das Geländer gelehnt, um ja nichts zu verpassen, bei dem Anblick der beiden Kripobeamten war er jedoch schnell zurück in die Wohnung geeilt. Nun stand er da in einem graumelierten Zweireiher, den er in den fünfziger Jahren gekauft hatte und der ihm eine Nummer zu groß war. Die Hose hing in länglichen Falten auf tongleichen Slippern; gehalten wurde sie von einem karamellbraunen Gürtel aus Lederimitat, der zwar durch die Schlaufen gezogen worden war, aber nicht den Hosenbund umspannte. Unter der Anzugjacke schaute eine breite, kaffeebraune Krawatte hervor, die er über einem moosgrünen Pullunder trug, den er zum besseren Halt der Hose dort hineingestopft hatte. Seine spärlichen Haare waren akkurat nach hinten gekämmt. Er roch nach 4711, von welchem er reichlich aufgetragen hatte, sowie nach Korn. Auf den ersten Blick wirkte er wie die Reinkarnation des Meisterdetektivs Nick Knatterton.

Mit den Worten: »Kommse rein, ich hab se schon erwattet«, bat er die beiden Beamten, ihm in die Küche zu folgen.

Dort saß Frau Bielinski halb weggetreten am Tisch, auf dem sich neben der eckigen Flasche Frühstückskorn auch ein Potpourri aus Bierflaschen versammelt hatte. Wahrscheinlich waren dies ihre Vorräte, die sie angesichts des ungeheuerlichen Ereignisses nun aufbrauchte. Einer der Hunde lag vor der Spüle und begutachtete mit hochgestellten Ohren das eintretende Trio.

Opa Heinrich behielt das Wort, als leite er die Ermittlungen, und eröffnete seine hiermit einberufene Konferenz, indem er sich vorstellte: »Mein Name ist Heinrich Hoppe. Ich …«

»Hoppe, hoppe Reiter, der fickt mich wie kein Zweiter«, säuselte Klara mit herabhängendem Kopf, während sie blöd in sich hinein grinste. Die drei drehten sich zu ihr um und starrten sie an, als hätten sie es mit einer Schwachsinnigen zu tun. Offensichtlich erwarteten sie, dass Klara in ihrer Rede fortfahren würde. Sie blickte aber nur weiterhin stumpf auf das aufgereihte Flaschen- und Dosenarsenal.

»Öh, das ist Frau Bielinski, meine Lebensgefährtin. Sie müssen entschuldigen, der Schrecken und die Aufregung von heute, da hat se sich einen Kleinen zur Brust genommen«, erklärte Opa Heinrich leicht genervt. Dabei warf er Klara einen strafenden Blick zu.

Er überlegte einen Augenblick, an welcher Stelle er geendet hatte, seine Stirn legte sich dabei in Falten. Dann fuhr er mit seinem Satz fort: »Ach so, ja … Ich habe die Leiche gefunden.«

Das war Klara neu, weshalb sie mit halb geschlossenen Augen verdutzt in die Runde blickte. Um dagegen zu protestieren, fehlte ihr aber die Kraft. Sollte der alte Kerl doch seinen Triumph haben. Opa Heinrich, der ihr Aufschauen bemerkt hatte und einen Einspruch Klaras befürchtete, berichtigte sich sogleich: »Also, so direkt habe ich se nicht gefunden. Ich meine, wir … oder vielmehr meine Lebensgefährtin war dat. Aber ich habe dafür gesorgt, dat keine Spuren verwischt wurden. Se müssen wissen, dat iss wirklich ne gefährliche Gegend. Watt ich hier schon allett erläbt habe. Und diesett Luda, äh, ich mein de Tote, war innet Rauschgiftgeschäft. Wilde Orgien gingen da ab, mit Zuhältas und Koks. Und dat allett mitten inne Nacht. Da bin ich dann aber runta und hab denen Bescheid gegeben. Das hab ich nicht mit mir machen lassen, so wahr ich Heinrich Hoppe bin.«

Auch das war Klara nicht bekannt und diesmal konnte sie nicht mehr an sich halten.

»Ah, watt! Gepennt hatta! Gesacht, dat de jungen Leute sich mal austoben solln. Aufgegeilt hatta sich an dat Luda, imma aufm Arsch geguckt und auffe Titten. Dann hatta se sich wahrscheinlich vorgestellt, wenna bei mich am rumfummeln wa, die alte Sau. Imma hatta de Augen zu, dacht wohl, er licht bei der alten Nutte«, polterte sie los und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, so dass die leeren Flaschen anfingen zu tanzen. Opa Heinrich platzte nun seinerseits vor Wut. Man sah, wie die Adern an seinen Schläfen anschwollen und sein Gesicht sich innerhalb von Sekunden rot verfärbte. Musste sie ihm so in den Rücken fallen? Konnte sie das nicht für sich behalten? Ausgerechnet vor den Beamten der Kripo musste sie so ein Theater machen.

»Jetzt halt aber mal die Schnauze, du blödes Weib!«, schrie er sie an. »Besauf dich und misch dich nicht ein, wenn sich die wichtigen Herren mit mir unterhalten, sonst krisse gleich ’n paar gelangt.« Alle Dämme waren gebrochen und ungeachtet der Anwesenheit von Seefeld und Brinkmann verlor er jegliche Selbstbeherrschung.

»Nun reicht ’ s aber«, mischte sich Seefeld energisch ein. »Wir sind hier doch nicht im Kasperletheater. Ihre Streitereien können sie gefälligst unter sich ausmachen. Wenn sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht in der Lage sind, eine ordentliche Aussage zum Geschehen zu machen, dann müssen wir morgen wiederkommen oder noch besser, sie kommen ins Präsidium. Werden vorgeladen, wenn ihnen das lieber ist. Glauben Sie vielleicht, wir sind zum Vergnügen hier?«

Augenblicklich war in der Küche Ruhe und ein betretenes Schweigen machte sich breit. Verdutzt starrten sie Seefeld an.

»Befass du dich mit ihnen«, sagte dieser angewidert zu Brinkmann und ging zurück in die Wohnung der Hedewig.

Die Leichenträger mit dem Zinksarg waren gekommen und hatten ihn wie ein Möbelstück vor der Tür der Russen abgestellt. Offensichtlich hatten die Beamten der KTU noch zu tun.

»Brauchst du die Tote noch oder kann die jetzt nach Dorstfeld in die Pathologie?«, fragte Doktor Freitag. »Ich bin hier soweit fertig. Morgen werde ich dir hoffentlich mehr sagen können. Weißt du schon, wann die Pressekonferenz ist?«

»Keine Ahnung, ich habe mit dem Alten noch nicht gesprochen. Wann auch? Die Tote kannst du mitnehmen«, antwortete Seefeld und prägte sich das Szenario im Wohnzimmer noch einmal ins Gedächtnis ein.

»Na dann, tschüss, bis morgen«, verabschiedete sich Doktor Freitag, während die anderen Kollegen der KTU eifrig damit beschäftigt waren, Spuren zu sichern. Metallpulver staubte, buschige Pinsel wedelten, Blitzlichter erhellten die Wohnung, hier und da wurden Fusseln in Plastik verpackt.

Die Leichenträger kamen ins Wohnzimmer, stockten, verzogen erschrocken ihre Mienen. Auch sie bekamen eine so zugerichtete Leiche nicht alle Tage zu sehen. Das Aufziehen des Reißverschlusses am Leichensack übertönte die anderen Geräusche im Zimmer. Und wie jedes Mal lief Seefeld bei dem Surren ein Schauer über den Rücken.

Ob diese endlose Kette des Mordens jemals unterbrochen werden würde? Von Abel bis zur Hedewig waren es unzählige Tote. Wahrscheinlich waren in der Zwischenzeit, von der Tatzeit bis zu diesem Augenblick, weitere Tausende dazugekommen. War das nun gut, aus beruflicher Sicht, oder eher frustrierend? Er müsste Brinkmann dazu befragen, aber wahrscheinlich war dieser zu pragmatisch für solche Gedanken.

Der Plastiksack wurde zugezogen. Das gleiche raue Reiben des Reißverschlusses war zu hören. Gerade mal dreißig und schon alles vorbei, dachte Seefeld. Ob die sich ihr Ende so vorgestellt hatte? Aber vielleicht passend zu ihrem Leben. Als dämmernde Omi mit Wunschkonzert im Radio und rhythmischer Gymnastik in einem Stuhlkreis von Gleichaltrigen, so hatte sie sich bestimmt auch nicht gesehen.

Angehörige ausfindig machen und benachrichtigen. Sich im Freundeskreis umhören. Alles unangenehm! Nur gut, dass er Brinkmann hatte, der würde schon zusehen, dass sein Humor nicht verblasste.

Er trat zur Seite, um den Trägern in den grauen Kitteln Platz zu machen und nickte ihnen dabei aufmunternd zu. Auch kein schöner Beruf.

An der Wand hingen einige Fotografien der Toten. Als Grande Dame mit Kopftuch und Sonnenbrille im offenen Wagen, als Jugendliche am Strand, als Kind bei einer Kaffeetafel auf sonnendurchfluteter Terrasse. Hübsches Mädchen und offensichtlich kein schlechter Background, bemerkte Seefeld.

Er zog sich ein Paar neue Einweghandschuhe über und öffnete eine Schranktür. Nippes, Gläser, ein paar Pornovideos. Seefeld hielt die Kassetten etwas weiter weg, um die Titel besser lesen zu können. Dazu die passenden Fotos auf den Covern; alles schon tausendmal gesehen.

Zur Augenuntersuchung müsste er mal wieder, wahrscheinlich war eine neue Brille fällig. Die ständige Arbeit am Computer war schuld, da konnten die Kollegen einem erzählen, was sie wollten.

Sein Blick fiel auf eine Karte mit einem Poststempel aus Ibiza. Er griff nach ihr und überflog die wenigen Zeilen:

Hallo mein Sahnehäubchen,

selber schuld, dass du nicht mitgekommen bist!

Luft 34°, Wasser 25° und jeden Abend Party.

Und du hockst in diesem kalten und grauen Dortmund …

Dein Johannes

Er legte die Karte zusammen mit den Videofilmen zurück in den Schrank. Das war im Augenblick nicht von Bedeutung. Er suchte etwas. Irgendetwas, das ihm einen ersten Hinweis gab, einen Anhaltspunkt, an dem er ansetzen konnte, um zu verstehen, was hier vorgefallen war.

Er drehte sich um und betrachtete den Raum aus der neuen Perspektive. Vielleicht war es weniger als fünfzehn Stunden her, dass der Tathergang passierte. Gestern um diese Zeit war noch alles in Ordnung, da hatte sie wahrscheinlich noch gemütlich in einem der Sessel gesessen und Fernsehen geguckt. Seefeld schaute zum Fenster hinüber. Jemand hatte die Vorhänge aufgezogen und ein träges Licht von der Mozartstraße in den Raum gelassen. Auf der Fensterbank ein paar Zimmerpflanzen in trostlosem Zustand. Muscheln und Kieselsteine, dekoriert neben Kakteen. Zwei weihnachtliche Bilder auf dem Fensterglas. Grübelnd sah er vorbei auf die gegenüberliegende Häuserfront. Dort hatten sich die Bewohner größere Mühe mit der Weihnachtsdekoration gegeben. In jedem Fenster blinkten im ruhigen Takt bunte Lichterketten, umhüllt vom warmen Schein sanft flackernder Kerzenlichter. Die mit künstlichem Schnee vollgesprühten Scheiben erinnerten an ein friedliches Weihnachtsfest irgendwo in den Bergen. Fehlten nur die plattgedrückten Nasen glücklicher Kinder.

Dagegen sahen die Engel am Fenster der Hedewig geradezu trostlos aus. Nicht gerade wie die Verkünder einer frohen Botschaft. Aber das hätte wohl auch nicht zu dem schwarzen Blutfleck auf dem Teppich gepasst.

Seefeld dachte an die bevorstehende Arbeit: Anhaltspunkte sammeln, von Haus zu Haus ziehen, herausfinden, ob die Nachbarn etwas beobachtet hatten. Splitter für Splitter zusammentragen. Lästig.

Erst jetzt bemerkte er, dass er die ganze Zeit die Hand mit dem Gummihandschuh an sein Kinn gehalten hatte, so dass ihm der aufdringliche Geruch des Gummis in die Nase gestiegen war. Angewidert blies er Luft durch die Lippen und erwachte aus seiner nachdenklichen Pose. Er öffnete eine andere Tür der Schrankwand. Die Bar. Altmodisch, mit eingelassenem Spiegel an der Rückwand, in dem sich ein paar Gläser und ein verstaubtes Plastikeimerchen für die Eiswürfel spiegelten. Sonderlich gut bestückt war sie auch nicht. Das kaum noch nennenswert gefüllte Ei von Dimple war wohl die teuerste Flasche des Hauses. Nichts, aber auch gar nichts, weshalb Seefelds Puls für einen Schlag ausgesetzt hätte, wo er hätte sagen können: »Ach, was haben wir denn hier.«

Vielleicht schaute er auch nicht mehr so genau hin, weil er mehr und mehr die Lust daran verlor, Beweise zu sammeln und hinter jedem Haar und hinter jedem abgebrochenen Fingernagel ein Indiz zu vermuten. Während er es früher immer als sein Fatum angesehen hatte, akribisch hinter allem und jedem her zu schnüffeln, bemerkte er jetzt eine zunehmende Müdigkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen. Er seufzte. Aber was half das schon?

Er wollte gerade einen speckigen Din A4- Umschlag hervorholen, der hinter den Flaschen steckte, als Brinkmann von der Vernehmung Frau Bielinskis und Opa Heinrichs zurückkam. Der Kollege stand in der Tür und trommelte mit den Fingern seiner Linken auf das Holz des Rahmens.

»Das war ja vielleicht ’ne Nummer! Die kann man glatt ausstellen. Haste die Klamotten von dem Kauz gesehen? Die nehmen sie nicht einmal mehr beim Roten Kreuz.«

»Und?«, gab Seefeld als Frage zurück, während er die Schranktür wieder verschloss.

»Also, Frau Bielinski ist gegen zwölf mit ihren Hunden von einem Spaziergang zurückgekommen. Die Hunde sind gleich hier rein, weil die Tür offen stand. Frau Bielinski ist ihnen gefolgt und ist dabei auf die Tote gestoßen. Ob die Tür vor ihrem Spaziergang offen war, konnte sie nicht sagen. Eingezogen sei die Hedewig so vor fünf oder sechs Jahren, aber da sollten wir lieber den Hausbesitzer fragen. Sie soll oft Partys gefeiert haben und habe sich immer respektlos verhalten, so die Bielinski. Na ja, und ihren Heinrich soll sie angemacht haben, das übliche Gerede. Der wusste, dass sie anschaffen ging. Am Anfang soll sie in einigen Klubs gearbeitet haben, auch mal in der Linienstraße und auf dem Eierberg in Bochum, aber dann nur noch auf der Straße, oben am Hannibal, und zuletzt in der Ravensberger Straße. Sei oft abends mit dem Taxi losgefahren, aufgedonnert, mit kurzem Rock und Strapsen. Das konnte der Hoppe in allen Einzelheiten schildern, da ist der richtig aufgeblüht, aber ob das gestern Abend auch so gewesen ist, wusste er nicht. Er sei erst mitten in der Nacht von einer kleinen Feier nach Hause gekommen. Wahrscheinlich betrunken. Und ob sie hier Kunden empfangen oder mit nach Hause genommen hatte, wussten sie auch nicht. Es sei schlichtweg nicht möglich gewesen zu unterscheiden, wer nun Kunde oder Freund gewesen sein könnte. Dann fingen sie wieder mit diesen blöden Partys an. Ich habe ihnen jeweils eine Karte von mir gegeben und gesagt, sie sollten anrufen, wenn ihnen noch etwas einfällt. Der Hoppe hat die gleich wie eine Reliquie in sein Portemonnaie gepackt und den ›schönen‹ Polizeistern bewundert.«

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