Kitabı oku: «Babaji - Von Herz zu Herz»
Das Buch
Aus Amerika, Indien, Afrika und Europa berichten Menschen ihre tiefgreifenden oft sehr persönlichen Erlebnisse mit Babaji, dem Meister. Sie erfahren wundersame Wandlungen durch die Begegnung mit ihm, durch seine persönlichen Lehren, seine Einfachheit und Wahrheit und durch seine allgegenwärtige Liebe. Die anschaulichen Berichte stimmen nachdenklich und fordern uns auf, unsere eigene heutige Weltanschauung, die oftmals vom Materialismus geprägt worden ist, zu überdenken und zurückzukehren zum wahren menschlichen Sein, zur Menschlichkeit, zu seiner Lehre von Wahrheit, Einfachheit und Liebe.
Die Autorin
Gertraud Reichel, lebte zusammen mit Ihrem Mann einige Jahre in Kairo, Ägypten, und in Daressalam, Tansania, wo sie Ihren Master in Sprachwissenschaften machte. Nach der Begegnung mit dem bekannten Meister Babaji 1979 in Indien gründete sie den G. Reichel Verlag, der als erstes Bücher über diesen Meister herausbrachte. Seitdem ist der Verlag stetig angewachsen mit dem Ziel, Wissen zu vermitteln. Zur Zeit lebt sie in Bayern und hat zwei Kinder.
Gertraud Reichel
Babaji - Von Herz zu Herz

Inhaltsverzeichnis
Umschlag
Das Buch / Die Autorin
Titel
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Begegnung mit Babaji
Neti Neti - Nicht dies, nicht jenes
Begegnungen in Haidakhan
Schulung
Dankbarkeit
Erinnerungen
Spiel des Schicksals
Ein Ghanese trifft Babaji
Lerne die richtige Distanz
Eine furchterregende Begegnung
Das Leid des Abseits
Lebende Bilder - die kein Maler malt
Mein Weg zu Babaji
Sehnsucht
Vom Nebel ins Leben
Erlebnisse in Haidakhan
Reise zum Selbst
Der Wendepunkt meines Lebens
Erfahrung eines neuen Lebens
Das Ende der Suche
Eine wahre Geschichte
Wunderwege
Abschied
Teil II
Der Schlag eines Herzens
Erfüllung
Wie mein Meister mich rief
Infos im Internet
Fußnoten
Impressum
Liebe die ganze Menschheit. Hilf allen Lebewesen. Sei glücklich. Sei höflich. Sei eine Quelle unerschöpflicher Freude. Erkenne Gott und das Gute in jedem Gesicht. Kein Heiliger ist ohne Vergangenheit, kein Sünder ohne Zukunft. Sprich Gutes über jeden. Kannst du für jemanden kein Lob finden, so lasse ihn aus deinem Leben gehen.
Sei originell. Sei erfinderisch. Sei mutig. Schöpfe Mut - immer und immer wieder. Ahme nicht nach. Sei stark. Sei aufrichtig. Stütze dich nicht auf die Krücken anderer. Denke mit deinem eigenen Kopf. Sei du Selbst. Alle Vollkommenheit und Tugend Gottes sind in dir verborgen - offenbare sie. Auch Weisheit ist bereits in dir. Schenke sie der Welt.
Lasse zu, dass die Gnade Gottes dich freimacht. Lasse Dein Leben das einer Rose sein - schweigend spricht sie die Sprache des Duftes.
Shri Babaji, Februar 84
Vorwort
Einem großen Meister zu begegnen ist oft der Wendepunkt im Leben eines Menschen. Alte Gedankenmuster lösen sich auf und machen neuen Platz, das Bewusstsein öffnet, weitet sich und betritt unbekannte Dimensionen auf allen Ebenen. Ein Umdenken findet statt, das, angewendet auf das praktische und geistige Leben, zur wahren Erfüllung des Menschseins führt.
Die hier aufgezeichneten Berichte aus Europa, Afrika und Amerika sind nur ein Teil der Erfahrung, die unzählige Menschen aus allen Ecken und Enden der Welt in dem kleinen Dorf Haidakhan, - Wohnsitz Babajis - am Fuße des Himalaya gelegen, machten. Jeder wurde individuell belehrt, je nach seinem augenblicklichen Bewusstseinszustand und seiner Aufnahmefähigkeit. Andere haben Babaji nie in der Physis kennen gelernt und erfahren dennoch seine Lehren und seine Gegenwart Tag für Tag im geistigen Bereich.
Babaji wird als Mahavatar bezeichnet. Das Wort kommt aus dem Sanskrit und bedeutet das "Herabsteigen des Göttlichen in die Materie" oder die Verdichtung von Geist oder Feinstofflichem. Ein Mahavatar ist demnach eine göttliche Erscheinung - ein Gottmensch - ohne menschliche Geburt. Avatare oder Mahavatare erscheinen auf der Erde immer dann, wenn große Umwälzungen bevorstehen, und wenn die Menschheit den rechten Weg verlassen hat.
Babaji ist seit Jahrhunderten in der Kumaon Region am Fuße des nördlichen Himalaya Gebirges unter dem Namen "Haidakhan Baba" bekannt. Schriftliche wie mündliche Überlieferungen berichten von seinem Erscheinen in zahlreichen Gestalten und von Wundern, die er mal in dieser oder jener Gegend vollbrachte. Vor der jetzigen Inkarnation war er zuletzt 1920 in einem physischen Körper gesehen worden. Noch heute lebende Schüler berichten, dass er sich damals inmitten eines Flusses in Licht auflöste. Seit diesem Zeitpunkt war er gelegentlich in seinem Lichtkörper erschienen, um Weisungen zu geben oder Heilungen durchzuführen.
Babajis baldige Wiederkehr wurde von dem zeitgenössischen Heiligen, Mahendra Baba, der kurz vor Babajis erneutem Erscheinen verstarb, verkündet. Um ihn wiederzuerkennen, beschrieb er ihn sogar mit seinen Narben an den Armen und Beinen. Schließlich gab sich Babaji 1970 - als er in einer Höhle sitzend gefunden wurde - zu erkennen.
Bald begann sich die Nachricht von Babajis Wiederkehr in ganz Indien zu verbreiten. 1972 kamen die ersten Europäer.
Von sich selber sagte er: "Ich bin niemand und nichts, dieser Körper hat keinerlei Bedeutung, ich bin nur der Spiegel in dem Du Dich siehst." Sein Bewusstsein durchdrang alles Sein, das Grobstoffliche wie das Feinstoffliche. Es war unmöglich, sein Wesen zu analysieren, geschweige denn es zu verstehen. Er war rätselhaft, unbeständig und seine Reaktionen unvorhersehbar. Da er alles wahrnahm, handelte er entsprechend der augenblicklichen Erfordernisse und Gegebenheiten. Dennoch kann man sein Wesen mit einem Satz zusammenfassen: Er ist die verkörperte Liebe. Sie war aus jeder seiner Handlungen, seiner Blicke und Gesten zu sehen und zu spüren. "Ich bin gekommen um zu geben. Gebt auch Ihr", waren seine Worte.
Als Mahavatar benötigte Babaji nichts von dieser Welt. Nahm er Nahrung zu sich, so sagte er manchmal: "Ihr esst und trinkt für Euch, ich aber esse und trinke für die Welt!" Seine Person stellte er ganz in den Hintergrund: "Dieser Körper hat keine Bedeutung. Er ist nur dazu da, seine Pflicht und Aufgabe zu erfüllen!" Seine Aufgabe war es, die Menschen zu ihrer wahren Natur zurückzuführen, nämlich zur Menschlichkeit. Er wirkte zwar im religiösen Formenkreis des Hinduismus, entnahm diesem auch manches, aber seine Lehre - die der Menschlichkeit - ist überkonfessionell und keiner bestimmten Glaubensrichtung zuzuordnen.
Durch seine Ausstrahlung und Impulse, die er gab, rief er die in jedem innewohnenden positiven Eigenschaften wach, die nur stimuliert und kultiviert werden müssen, um innerlich und schließlich auch äußerlich wirksam zu werden. "Wie oben so unten, wie innen so außen", lautet ein hermetisches Gesetz.
Seine Lehre umfasste die Begriffe:
Wahrhaftigkeit: Denken, Sprechen und Handeln in Übereinstimmung mit dem göttlichen Kern eines jeden Menschen.
Nächstenliebe und Toleranz aller Kreatur gegenüber, einschließlich der Tiere und Pflanzen.
Bescheidenheit und Genügsamkeit auf jedem Gebiet des Lebens, was auch die Zurückstellung eigener Wünsche zugunsten anderen Lebensformen bedeutet.
Neben diesen drei Prinzipien der Wahrheit, Einfachheit und Liebe, die die Eckpfeiler einer jeden Weltanschauung sein sollten, lehrte er das ständige Herzensgebet, die immerwährende Anrufung eines der Namen Gottes. Er bevorzugte das uralte Sanskrit Mantra "Om namah Shivay", was übersetzt so viel bedeutet wie: Herr, Dein Wille geschehe. Das ständige Herzensgebet, auch ein Bestandteil der orthodoxen Kirche, beruhigt den Gedankenfluss und führt zur Stille, denn nur in der Stille kann wahres Wissen, kann Verbindung mit dem göttlichen Ursprung aufgenommen werden.
Babaji betonte auch immer wieder die Bedeutung selbstloser Arbeit, dem sogenannten Karma Yoga, der ein Weg zur Gotteserfahrung ist.
Warum inkarnierte Babaji? Er erschien aus zweierlei Gründen. Einmal um die Menschheit aufzurütteln und ihr Bewusstsein für ein Leben voller "Menschlichkeit" - bezogen auf alle Daseinsformen - zu erwecken, und zum anderen, um die Menschheit vor den großen Gefahren kommender Umwälzungen zu warnen.
Ein Umdenken und vermehrtes Handeln im Einklang mit der Natur ist von Nöten, denn: "Die Elemente sind vergewaltigt worden. Sie wollen sich nun von ihrer schweren Last befreien,... und die Entfesselung der Naturgewalten hat bereits begonnen."
Seine Voraussagen bezogen sich konkret auf die Neugestaltung der Erde:
"Die gegenwärtige Zeit ist voller Aufruhr. Es wird eine große Veränderung stattfinden, und zwar durch eine blutige Revolution... Am Ende der alles zerstörenden Revolution wird kein Land, sei es groß oder klein, verschont geblieben sein. Einige Länder werden vollkommen ausgelöscht, es bleibt kein Zeichen ihrer früheren Existenz. In anderen Ländern werden 3 - 5 Prozent, maximal 25 Prozent der Bevölkerung übrigbleiben und überleben.
Die Vernichtung wird durch Erdbeben, Überschwemmungen, Unfälle, Konflikte und Kriege herbeigeführt."
Auf die Frage, wie man sich vor der Zerstörung retten kann, antwortete er, dass alle diejenigen gerettet würden, die wahrhaftig Gott - in beliebiger Form - verehren und Seinen Namen preisen.
Am 14. Februar 1984 verließ Babaji in Haidakhan seinen Körper. Seine Präsenz ist nach wie vor im Ashram in Haidakhan zu spüren, der im Laufe der Jahre zu einem Pilgerzentrum für Menschen aller Rassen, Nationalitäten und Religionsrichtungen geworden ist. Es ist ein universeller Kraftort, an dem viele Menschen geistige und physische Kräftigung erfahren.
Gertraud Reichel

Begegnung mit Babaji
Dio Urmilla Neff, Amerika
"Babaji" flüsterte ich hingebungsvoll und sehnte seine Erscheinung herbei. Ich schaute mich in der Empfangshalle meiner Eltern um. Es war 1966. Ich saß gefesselt von Yoganandas klassischem Buch "Autobiographie eines Yogi1 gemütlich in einem Sessel und war von dem Phänomen, das er so real beschrieb, fasziniert. Ich war gerade bei dem Ausspruch des bekannten Meisters Lahiri Mahasaya angelangt: "Wer auch immer mit Ehrfurcht den Namen Babajis ausspricht, erhält seinen sofortigen Segen."
"Babaji", wiederholte ich und versuchte dabei, ehrfürchtig zu sein. Nichts schien sich in der Vorhalle zu regen. Ich sah keine Lichter, hörte keine ätherischen Stimmen. "Wie dumm von dir," dachte ich, "Was erwartest du eigentlich?" Ich wäre jedoch höchst erstaunt gewesen, wenn ich geahnt hätte, dass Babaji mich wirklich gehört hatte und es mir zwölf Jahre später mitteilen würde.
Babaji war Yoganandas Gurus Gurus Guru, der den Überlieferungen zufolge in den Himalayas lebt und sich mit seinem kleinen Gefolge von Berggipfel zu Berggipfel teleportiert. Yogananda beschrieb ihn als den Begründer des Kriya Yogas, eines Systems von Meditationstechniken. Angeblich Hunderte von Jahren alt, wird Babaji nicht als Mensch angesehen, sondern als "Avatar", ein göttliches Wesen, das sich inkarniert, um der Menschheit zu Hilfe zu kommen. Die "Autobiographie eines Yogi" beschreibt Babaji als streng und bewundernswert zugleich: Er schlug ein glühendes Holzscheit auf die Schulter eines Schülers, heilte dann aber sofort die Wunde mit seiner Hand und erklärte seinen befremdeten Jüngern, dass dieser Mann aufgrund seines Karmas andernfalls in einem Feuer umgekommen wäre. Ein anderes Mal befahl Babaji einem angehenden Schüler, eine steile Felsklippe hinunterzuspringen, um seine Hingabe zu beweisen. Der Mann sprang. Babaji erweckte ihn sofort zum Leben und akzeptierte ihn als Schüler.
Babaji lebte bis 1984 in seinem kleinen Ashram in Haidakhan, einem kleinen Dorf am Ufer des Gautama Ganga Flusses im Kumaon Gebirge von Uttar Pradesh. Obwohl er seit 1970 dort ständig ansässig war, haben ihn relativ wenig Besucher aus dem Westen aufgesucht. Es scheint, dass nur wenige herausfinden konnten, wo er lebte, die anderen waren der Überzeugung, er sei noch immer unerreichbar, irgendwo in den unzugänglichen, luftigen Höhen des Himalayas.
Mein Mann und ich hörten zuerst durch eine junge Frau in San Francisco von Babaji. Sie hatte acht Monate in seiner Nähe verbracht. Die Überzeugung, dass er wirklich der Babaji ist, erfüllte uns mit dem Verlangen, ihn aufzusuchen. Zunächst wussten wir nicht, wie wir eine solche Reise finanzieren sollten, doch dann wurden Familiengelder frei, die vorher durch juristische Streitigkeiten festgelegen waren. Drei Monate später befanden wir uns in Indien.
Begegnung mit Babaji
In Babajis Haidakhan Ashram, auf einem Hügel gelegen, fanden wir ein entzückendes Anwesen vor mit weißen und pfirsichfarbenen Häusern und terrassenförmigen Bananenhainen und Blumengärten. Sie überblickten den klaren Gautama Ganga Strom. Der winzige oktagonale Tempel mit seiner schmalen, rot-weiß-grünen Kuppel ragte aus Bananenblättern hervor, ein verblichenes rotes Fähnchen flatterte an der Tempelspitze. Alles war sauber, gut gepflegt und friedvoll.
Zu jeder Seite des Ashrams liegen terrassierte Korn- und Reisfelder, trockene grün-braune Hügel, einige steinerne Bauernhäuser. Auf der rechten Seite befindet sich das Dorf Haidakhan mit seinem rauschenden Bergbach und der Miniaturbrücke. Gleich auf der anderen Seite des breiten Flussbettes liegt der alles überragende Berg Kailash, der seit Urzeiten als Sitz des Hindugottes Shiva bekannt ist. Zahlreiche Hügel flankieren in einiger Entfernung das weiße, steinige Flussbett. Einige Dorfbewohner arbeiten in glühender Hitze auf den Feldern, andere treiben schwarze Wasserbüffel auf engen Pfaden.
Als ich am Nachmittag meiner Ankunft die Ashramstufen hinuntereilte, um mein Gepäck wieder aufzufinden, stieß ich fast mit einer Gruppe Inder zusammen, die vor einer großen, rundlichen Person, gekleidet in ein Hemd aus violetter Seide und einem Dhoti, geleitet wurde. Der Vorangehende hatte ein jugendliches, rundes, goldfarbenes Gesicht und zurückgekämmte schwarze schulterlange Haare, die, wie in Indien üblich, geölt waren. Zuerst war ich sehr verwirrt. Ich konnte nicht feststellen, ob dieses Wesen ein Mann oder eine Frau war, er oder sie schien das Beste von beiden zu vereinen. Das Gesicht war so ansprechend, so leuchtend. "Ah", rief ich. Ich hatte ihn erkannt. Babaji fragte nach meinem Namen und eilte dann an mir vorüber in den Garten, wo seine Anhänger sich zum abendlichen Singen zusammengefunden hatten. Ich setzte mich in den hinteren Teil des Gartens und schaute voller Erstaunen dieses Wesen in Violett an. Er sah fast wie ein amerikanischer Indianer aus mit seiner hohen, gewölbten Stirn und den dunklen Augen. Seine Lippen waren fein geschwungen, seine Wangen voll und rosig, und er strotzte vor Gesundheit. Sein Gesicht war so ansprechend und wundervoll. Er war das schönste Wesen, das ich je gesehen hatte.
Babaji saß auf einer niedrigen Mauer am Ende des Gartens und empfing seine Schüler, die sich in Reih und Glied aufstellten, um ihn zu begrüßen. Frauen in farbenprächtigen Saris beugten sich nieder, berührten mit ihrer Stirn seine Füße, erhoben sich und sagten strahlenden Gesichts einige Wort zu ihm. Männer in Dhotis und Männer in westlichen Anzügen näherten sich, viele warfen sich in ganzer Länge vor ihm nieder zu dem respektvollen indischen Gruß vor dem Meister, Pranam genannt. Diejenigen, die am Nachmittag angekommen waren, überreichten ihm Geschenke und Babaji wickelte Hemden und Dhotis aus, Tuschkästen und Zeichenpapier, Früchte und indische Süßigkeiten. Einige Schüler brachten ihm duftende Öle, um damit seine Füße einzureiben, oder Weihrauch, um ihn in seiner Nähe zu verbrennen. Augenscheinlich verehrten sie ihn alle.
Am nächsten Tag begann die Ashram-Routine, die für die nächsten zehn Wochen unser tägliches Leben bestimmen sollte. Wir standen um vier Uhr morgens auf, nahmen ein schnelles Bad in dem kristallklaren Wasser des Gautama Ganga unterhalb des Ashrams und fanden uns in der winzigen Kirtanhalle aus Zement zu Gesängen und Gebeten zusammen. Babaji kam dann, um uns zu empfangen, und wir stellten uns an, um ihn zu begrüßen oder um an seinem erhöhten Sitz zu stehen und mit ihm zu sprechen. Anschließend gingen wir zu unseren Räumen oder saßen mit Babaji im Garten oder arbeiteten in der Küche oder trugen Eimer mit Wasser vom Fluss die Treppen hoch. Mittags fanden wir uns im Innenhofe zum Mittagessen ein, und anschließend legten wir uns in unseren Räumen zu einem Schläfchen nieder. Am späten Nachmittag badeten wir zum zweiten Male, um anschließend im Garten zu singen. Manchmal am Abend wurde einer unter uns von Babaji gebeten, eine Rede zu halten, manchmal alberte er herum und machte Späße mit einem Schüler oder zog ein Kind auf seinen Schoß, um es wie eine Mutter zu schaukeln oder zu herzen. Und oftmals saß er einfach da, und wir fuhren fort zu singen bis es Zeit war, ins Bett zu gehen.
Herakhan Baba2
Nach den Aussagen seiner indischen Schüler verweilt Babaji nur für eine gewisse Zeit in seinem physischen Körper, dann löst er sich auf und erscheint seinen Anhängern nur noch in Visionen. Wenn er sich physisch wieder manifestiert - berichten sie - hat er einen neuen Körper und eine andere Erscheinung. Sie sagen, er inkarniert sich nicht, sondern erscheint vollständig ausgewachsen. Yoganandas Beschreibung von Babaji bezieht sich auf eine Zeit bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Ein anderes Buch, von Baba Hari3 Dass beschreibt Babajis Leben zwischen 1890-1920 in der Kurmanchala Region in Indien, die an Nepal grenzt. Babaji wurde damals vorwiegend Herakhan Baba genannt wegen seiner langjährigen Zugehörigkeit zu diesem Dorf. Fotografien zeigen den Herakhan Baba von großer Statur, mit ziemlich heller Hautfarbe, kurzem schwarzen Haar und vornehmer Gestalt. Es wurde erzählt, dass er niemals schlief, weder Hunger noch Durst kannte und dennoch ungewöhnlich stark war. Ferner strömte er einen lieblichen moschusähnlichen Duft aus.
Nachweislich vollbrachte Herakhan Baba Wunder vor großen Menschenmengen. Es wurde ihm nachgesagt, Kranke zu heilen, Tote zu erwecken, an zwei Orten gleichzeitig zu erscheinen, in heiligen Feuern zu sitzen, ohne ein Haar zu versengen. Schließlich hatte er Tausende von Anhängern in verschiedenen Teilen der Kurmanchala Region. Wohin er auch immer ging, versammelten sich Menschenmengen, um seine Segnungen zu empfangen. Nach einer anderen Quelle -1922 oder 1920 - stieg er vor einer Gruppe von Anhängern in die Wasser der zwei zusammenfließenden Ströme Gori und Kali und wurde daraufhin nicht mehr gesehen.
Eines Morgens, wenige Tage nach meiner Ankunft, kam ich vom Fluss, in dem ich meine Saris gewaschen hatte, zum Ashram zurück. Als ich mich den Ashramstufen näherte, rief mich Babaji zu sich. Er saß mit wenigen Personen unter schattenspendenden Bäumen im Garten nahe des Flussbettes und streckte seine goldfarbene Hand nach mir aus, um mich zu sich auf eine niedrige Felsmauer zu ziehen. Er erklärte uns seine einfache Botschaft, die er an alle seine Schüler weitergibt: "Lebt in Wahrheit, Einfachheit und Liebe und wiederholt im Geiste ständig das Mantra Om Namah Shivay.4
Bald danach sprach ich über das Mantra mit einem jungen Fotografen aus Gwalikor, einem langjährigen Schüler Babajis. Der Fotograf erzählte mir von der Zeit, als er Babaji in die Provinz Bihar begleitete, wo Shri Yukteswar, Yoganandas Guru, Tausenden von Leuten Kriya Yoga gelehrt hatte. Die meisten Schüler, die sie trafen, übten noch immer Kriya Yoga aus, und sie wussten auch, dass Babaji der Begründer dieser Technik war. "Lehre uns mehr Kriyas" riefen sie und scharten sich um Babaji. Nichts anderes als dieses wollten sie hören. So ließ Babaji die Leute in mehreren Reihen sitzen, und er gab dem Fotografen Anweisung, jedem einzelnen die richtige Kriya Technik für dieses Zeitalter beizubringen. Ich fragte, was er denn getan hätte. "Ganz einfach. Ich flüsterte jedem Om Namah Shivay zu!"
Die Geschichte, in der Babaji in seiner jetzigen Form erschien, begann eigentlich in den Zwanziger Jahren, als ein fünfjähriger Junge in Bihar eine Vision hatte. Ein prächtiger Jüngling erschien ihm und überreichte ihm etwas Prasad, gesegnete Speise. Der Junge wurde mit Ehrfurcht für den Jüngling erfüllt, und als er erwachsen war, durchquerte er zu Fuß ganz Indien, Nepal und Tibet auf der Suche nach seiner glänzenden Vision. Endlich entdeckte er eine Fotografie des legendären Herakhan Baba auf einem Kurmanchala Familienaltar und erkannte den Guru, den er so lange gesucht hatte. 1949 schloss sich dieser Schüler in einen Raum des Ashrams ein, der dem Herakhan Baba geweiht war, und schwor, weder zu essen noch sich aus seiner Yogaposition zu rühren, bis die geliebte Person seiner Vision wiederkehre. Und Babaji erschien tatsächlich5. Als Belohnung für seine tiefe Verehrung - so erzählt die Überlieferung- machte Babaji ihn zu seinem Botschafter. Er wurde Mahendra Baba genannt.
Mahendra Baba baute überall in Indien Ashrams für Babaji, zog alle übriggebliebenen Schüler des Haidakhan Baba in der Kurmanchala Region zusammen und verkündete ihnen, dass ihr geliebter Herakhan Baba und der historische Babaji ein und derselbe wären und dass er bald wieder erscheinen würde.
***
Als ich mich an das Ashramleben gewöhnt und gelernt hatte, um vier Uhr morgens im Dunkeln zu der "Flussbett-Toilette" zu gehen und die Kunst beherrschte, im langen Unterrock zu baden, begann ich mich meiner Hauptaufgabe im Ashram zu widmen, die scheinbar darin bestand, Babaji zu beobachten. Seine Aktivitäten schienen - soweit ich es beurteilen konnte - aus einer speziellen vor Sonnenaufgang abgehaltenen Feuerzeremonie, aus seiner Anwesenheit beim morgendlichen und abendlichen Singen, aus Empfängen von Anhängern in seinem Raum und aus zeitweiligem Überwachen von vedischen Ritualen zu bestehen. Manchmal saß er im Garten, irgend jemand massierte ihm dabei die Füße, malte mit Wasserfarben oder spielte Schach mit einer Gruppe aus dem Westen. Zu anderen Zeiten wies er seinen Anhängern kraftvoll Arbeiten zu: einen Baum zu pflanzen, einen überwucherten Pfad zu säubern oder aber Steine vom Fluss zu einer Baustelle zu tragen. Oftmals erschien er munter zur Mittagszeit zwischen den am Boden sitzenden und essenden Schülern, ging hin und her, stellte hier und dort eine Frage, wie sie den Reis fänden, ob sie es bequem hätten etc. Seine Energie schien unerschöpflich. Man mag über Babajis eher einfache tägliche Routine rätseln. Augenscheinlich vollbrachte er keine spektakulären Wunder wie der alte Herakhan Baba, noch schien er hart und streng wie in Yoganandas Beschreibung. Woher wissen wir, dass er wirklich Yoganandas Babaji ist? Hier kann ich keine große Hilfe sein, ich spürte einfach sofort, als ich von ihm hörte, dass er der echte Babaji ist. Als Babaji einmal von meinem Mann scherzhaft gefragt wurde, ob er der Mann auf dem Foto des Herakhan Baba sei, antwortete er lächelnd: "Ja" und signierte das Foto.
Mahendra Baba hatte vorausgesagt, Babaji würde "Bhole Baba" oder "anspruchsloser Vater" genannt werden, weil er keine offensichtlichen Wunder vollführe. Er tut es auch nicht, wenigstens meistens nicht.
Ich hörte von einer Begebenheit, als im Ashram unerwartet eine Busladung von einhundert Schülern aus der nahen Kleinstadt Haldwani ankam. Es war Mittagszeit, und die Gäste füllten den Innenhof, die Stufen und gar die Wege im Garten. Dort warteten sie in der heißen Sonne auf das Mittagsmahl. Die indische Köchin war sehr beunruhigt, hatte sie doch nur Speisen für etwa zwanzig Leute vorbereitet, und sie wusste, dass unmöglich alle Anwesenden beköstigt werden konnten. "Teile das Essen aus!" befahl Babaji, ihren Protest nicht beachtend. Somit begannen die Helfer, sich mühsam durch das sitzende Gedränge von Dorfleuten hindurchzuarbeiten, um Reis und Gemüse auf die Bananenblätter-Teller zu häufen.
Kellenweise die Speise verteilend, machten sie ihren Weg durch den dicht gefüllten Hof, die Stufen und Wege hinunter in den Garten. Sie füllten den Teller des letzten Gastes und gingen zurück, um nochmals Nachschlag auszuteilen. Der Köchin wurde bewusst, dass Babaji irgendwie eingegriffen hatte, konnte es aber nicht beweisen. Babaji schützte wie üblich Unwissenheit vor.
Meine Bekannte aus San Francisco erwähnte eine andere "Fisch- und Brotausteilung" aus der Zeit, in der sie dem Ashram als Köchin diente. Ich hörte viele Geschichten wie diese: Babaji, obwohl im Ashram anwesend, erscheint in einem entfernten Dorf, um eine kranke Bauersfrau zu heilen; Babaji, der allein mit einem bestimmten Schüler plötzlich fließend Englisch oder Deutsch spricht; Babaji, der sich plötzlich leichter macht, wenn ein kühner Anhänger darauf besteht, ihn durch den Fluss zu tragen. Das Wunder, das ich persönlich erlebte, war sein offensichtliches Gedankenlesen, eine alltägliche Handlung im Ashram, wie ich später erfuhr. Mir wurde mitgeteilt, wenn ich ihn in Gedanken um etwas fragen würde, käme die Antwort früher oder später. Und wirklich. Zu meiner Überraschung brauchte ich nur um Verstehen oder um einen Einblick in ein Problem zu bitten, die Antwort wurde mir auf ganz subtile Art gegeben: als plötzlicher Lichtblick oder durch jemand anderen. Begleitet wurde dieses Phänomen oftmals durch eine kleine äußere Geste seinerseits. Ich wusste plötzlich eine Antwort oder hatte eine kleine Eingebung, woraufhin Babaji mir eine Mango reichte. Jedes Mal, wenn ich geistig den richtigen Weg einschlug - so schien es mir - bekam ich die sofortige Bestätigung von ihm: einen schnellen Blick, eine Hand zum Segen erhoben, ein wenig Prasad.
Je länger ich bei Babaji weilte, um so erstaunlicher erschien er mir. Wenn er den Küchenbereich betrat, wurde dieser Trakt lebendig. In Saris gekleidete Damen sprangen auf von ihrem Reis, den sie gerade säuberten, um ihn zu begrüßen. Der jugendliche Koch tauchte aus seiner Holzhütte auf, strahlend, das brodelnde Gemüse momentan vergessend. Die Küchengehilfen umringten Babaji, ihre glänzenden Gesichter leuchteten mit dem "Er-ist-Hier" Ausdruck, den ich so gut kennenlernte.
Im Juni 1970, so erzählt die Geschichte, träumte ein Bauer aus Haidakhan namens Chandramani6, er solle den Gautma Ganga Fluss überqueren und eine Höhle am Fuße des Kailash Berges betreten. Und wirklich, als er in die Höhle kam, fand er einen wunderschönen Jüngling in Lotuspose sitzend vor. Er war groß, schlank, mit dunklem, schulterlangen Haar und heller Hautfarbe. Chandramani eilte nach Hause, um Milch zu holen und zog schließlich selbst in die Höhle, um dem Jüngling, den er verehrte, zu dienen. Kurz darauf erklommen die beiden den Kailash Berg. Fünfundvierzig Tage saß dann der Jüngling unbeweglich in perfekter Yoga-Positur auf dem Gipfel, aß und trank nicht, noch öffnete er seine Augen. Später überquerten er und Chandramani den Fluss und gelangten zu einem kleinen oktagonalen Tempel, der zuvor vom Herakhan Baba erbaut worden war. Sie lebten in einer Hütte nahebei und die Bauern kamen, einer nach dem anderen, um dem bemerkenswerten jungen Mann ihre Verehrung zu zeigen, in dem Glauben, dass endlich ihr Herakhan Baba zurückgekehrt sei.
Ein Jahr nach seinem Erscheinen besuchte der junge Guru verschiedene Dörfer und Städte Nordindiens. Dadurch wurden mehr und mehr Leute auf ihn aufmerksam, und bald strömte das Volk zu dem abgelegenen Tempel in den Kumaon Hügeln.
Eine indische Bekannte aus Bombay erzählte mir, wie sie Babaji in jenen Tagen zum ersten Mal traf, und wie er sich ihr offenbarte. Meine Bekannte, ein ernster Mensch und ziemlich westlich eingestellt, las 1959 die "Autobiographie eines Yogis". Sie fühlte ein intensives Verlangen, Babaji zu finden und machte sich auf den Weg in die Himalaya Berge. Sie fand ihn dort nicht und unternahm daraufhin 1965 nochmals einen Versuch, der ebenfalls ohne Erfolg blieb. Eines Abends, 1971, sie saß gerade mit ihrem Vater am Familienaltar, der mit Bildern von Gottheiten und Heiligen geschmückt war, klopfte ein Verwandter an und bestand darauf, der Familie einen jungen Guru vorzustellen. Die Bekannte hatte die Hoffnung, Babaji jemals zu treffen, aufgegeben und hatte außerdem genug von Gurus, so dass sie keinen mehr sehen wollte. Aber ihr gastfreundlicher Vater beschloss, ihn zu empfangen.
Der Verwandte brachte einen auffallend schönen Jüngling herein, der sofort zum Altar ging und sich dort niederließ. Er schaute intensiv auf meine Bekannte und deutete wortlos auf ein Bild auf dem Altar, das vorher dort nicht gestanden hatte. Es war die Federzeichnung von Babaji aus der "Autobiographie eines Yogi". Dann deutete er auf sich und wiederholte diese Geste zweimal. Innerlich zutiefst getroffen, fiel ihm meine Bekannte zu Füßen. Endlich hatte sie Babaji gefunden.
Diese Frau und andere indische Schüler berichteten mir über die ersten Jahre Babajis in Haidakhan. 1971 und 1972, so sagten sie, saß er stundenlang mit geschlossenen Augen in Lotusposition, augenscheinlich in tiefen meditativem Zustand. Auch wenn er nicht meditierte, sprach er wenig und wenn, dann nur einsilbig. Seine Augen schienen Licht auszustrahlen und oftmals war sein Blick so hell und durchdringend, dass man ihn nicht anschauen konnte. Fotos aus dieser Zeit zeigen Babaji als einen schlanken, wundervoll geformten Jüngling, etwa zwanzig Jahre alt, mit dunklen, fesselnden Augen und einem wirren Haarschopf. Auf einigen Fotos sah er aus wie ein Sioux-Indianer, auf anderen wie eine Madonna.
Theaterspiel
Der erste Sturm der Vor-Monsunzeit brach aus, und der ruhige Fluss in seinem flachen Flussbett schwoll an zu einem reißenden, lehmigen Strom. Die Luft wurde kühl und die pfirsichfarbenen Gebäude, die Wege aus Zement, die verschwenderisch wachsenden Bananenblätter, - alles war nass und glänzte vor Feuchtigkeit.
"Wenn du Babaji nur beobachtest, wirst du nicht viel von ihm erfahren," dachte ich. Ich saß im hinteren Teil der tropfenden Kirtanhalle und versuchte das, was ich von dem legendären Babaji und von diesem rätselhaften Meister vor mir wusste, zu vereinbaren. Jedem zeigt er sich nämlich anders. Manchmal änderte sich sein Verhalten sogar von Minute zu Minute, mal ist er kindlich, mal ein liebevoller Spielkamerad, dann aber, ganz plötzlich, schaltet er ab, als ob er gerade abgerufen worden sei und nur seinen physischen Körper zurückgelassen hat. Er konnte ernst sein, streng, liebevoll oder sich sogar ein wenig lächerlich machen. Zu einer hübschen Frau aus Punjab und ihren Kindern war er fortwährend aufmerksam, aufgeschlossen und liebevoll. Mit einer älteren Dorffrau lachte er und verulkte sie oder aber schrie gellend "Buh" hinter ihr her. Anderen gegenüber benahm er sich gleichgültig oder tat verstimmt. Vielen zeigte er abwechselnd all diese Gebaren. Verstehen konnte ich diese bunt durcheinandergewürfelten Verhaltensweisen nicht. Schließlich bat ich einige langjährige Schüler Babajis um Aufklärung.
"Ich habe ihn sechs Jahre lang so handeln sehen," erzählte mir eines Tages eine in London ansässige Schriftstellerin in ihrem gemütlichen Raum, "und ganz egal, was sich auch immer oberflächlich abspielen mag, so gibt und beschenkt er uns doch immer in seiner unendlichen Liebe und seinem Mitgefühl für uns." Sie war eine große, graziöse, ausgeglichene junge Frau, scheinbar eine Favoritin von Babaji, denn er lobte sie oft und ließ sie ständig in seiner Nähe sein.
Am Anfang hatte sie viel zu erdulden, so erzählte sie. Nach ihrem ersten Besuch musste sie sechs Monate mit einer fiebrigen undefinierbaren Krankheit das Bett hüten. Sie wusste, dass sie diese Krankheit und ihre rätselhafte Heilung Babaji zuzuschreiben hatte. Bei einem späteren Besuch hatte Babaji sie samt Gepäck bei strömenden Regen aus dem Ashram geworfen. Während der folgenden Besuche wurde sie mal ignoriert, mal freundlich behandelt oder gar vergessen. Ich fragte, wie Babaji sie heute behandelt. "Ich fürchte, es ist gerade die Kehrseite der Medaille," berichtete sie lächelnd. "Ich muss mich fortwährend zwingen, wegen seiner fortgesetzten Aufmerksamkeit nicht überheblich zu werden." Sie glaubt, dass Babaji zuerst psychologisch an den Schülern arbeitet, um sie von ihren zahlreichen Problemen zu befreien, schließlich - in der traditionellen Rolle des Meisters - erhebt er sie geistig zu seinen Schülern. Diese Aufmerksamkeit, so glaubt sie, war wieder ein Test, den sie zu bestehen hatte.
Ich sprach mit einer entzückenden Dame während wir in der Kirtanhalle saßen. Sie war die Frau eines wohlhabenden Geschäftsmannes und kannte Babaji seit seinen frühesten Tagen. "Babaji ist hier, um uns zu dienen, und glauben Sie, er tut es wirklich, selbst wenn er vorgibt, uns zu ignorieren. Hinter all dem steht eine allumfassende Liebe." Sie erzählte, dass auch sie harte Zeiten durchmachen musste, gewann aber dadurch die nötigen Einsichten und ein tieferes Verständnis ihrer geistigen Notwendigkeit. Seelisch erstarkte sie und war Babaji dafür sehr dankbar. "Niemals werde ich vergessen, dass er mir einmal sagte: "Ich bin nur gekommen, um zu geben!" flüsterte sie.
"Wenn Du mit Zweifeln herkommst," sagte Babaji einmal zu meiner Bekannten aus San Francisco, die ihm gegenüber zuerst recht misstrauisch war, "werde ich Dir allen Grund zum Zweifeln geben. Wenn Du mit Misstrauen kommst, werde ich Dir Grund geben, misstrauisch zu sein; aber wenn Du kommst, um Liebe zu erhalten, werde ich Dir mehr Liebe schenken, als Du jemals erhofftest."
Bald erreichte der Monsun seinen Höhepunkt. Fast täglich regnete es stundenlang, und die kargen Hügel verwandelten sich in einen üppigen Dschungel, unsere Zimmer in feuchte Höhlen. Wir drängten uns ums Kerzenlicht, während unsere nassen Gewänder über unseren Köpfen auf kreuz und quer gespannten Wäscheleinen hingen. Der Geruch von feuchter Baumwolle durchdrang alles. "Lass dich nicht durch Äußeres täuschen," sagte meine Bekannte, die Londoner Schriftstellerin, als wir heißen Tee in ihrem Zimmer tranken. "Im Grunde genommen ist er unbeteiligt und unparteiisch. Was man auch tut, man kann ihn nicht beeinflussen, er ist - und sie suchte nach dem Wort - "unbestechlich... und vergiss nicht," fuhr sie fort, "Babajis Belehrungen sind immer sehr subtil. Er spricht in Symbolen, macht Andeutungen und gibt Anhaltspunkte." Ich erzählte ihr von dem Vorfall, als Babaji mir half, meine vor Feuchtigkeit klamme und aufgequollene Holztür aufzustoßen. "Ich bin Dein Helfer," hatte er auf Englisch gesagt. "Genau das ist es, er hilft Dir! Er öffnet Dir alle Türen," sagte sie.
Und so sammelte ich von Babajis indischen und ausländischen Anhängern Anekdoten und Theorien über sein Verhalten. Er pflichtet Egoisten bei, macht sie zu seinen Favoriten und lässt ihr Ego anschwellen. Sobald die vor Überheblichkeit platzen, holt er sie von ihrem hohen Ross herunter, indem er sie aus dem Ashram wirft oder aber sie eine besonders erniedrigende Erfahrung machen lässt. Die Unsicheren bringt Babaji noch mehr aus der Fassung, indem er sie ignoriert und die Unentschlossenen verwirrt er vollends durch widersprüchliche Antworten auf ihre Fragen.
Eine Erklärung dieses Phänomens war, dass seelische Knoten oder Probleme, die in Gegenwart eines spirituellen Meisters auftreten, durch seinen reinigenden Einfluss auch aufgelöst werden. Es schien, als ob Babaji diese ans Licht holte, um sie endgültig verschwinden zu lassen. Mir wurde erzählt, dass Egoisten schließlich ihre Arroganz verlieren, ihr Selbstbewusstsein behalten: die Unsicheren erkannten ihre innere Kraft und die Unentschlossenen lernten Entscheidungen zu fällen. Diese Analyse ist rein theoretisch, denn niemand weiß, was er wirklich macht.
Viele von uns nannten diese psychologischen Spielchen "Haidakhan Theater". Meine eigene Erfahrung mit Babaji war ähnlich. Einer der Hauptgründe, warum ich ihn überhaupt aufgesucht hatte, war, dass ich vor der schwierigen Entscheidung stand, mich von meinem Mann zu trennen oder nicht. In diesem Dilemma spielte Babaji mit mir wie mit einem Pingpongball, mal trieb er mich in diese, mal in jene Ecke. An einigen Tagen bedeutete er mir, ich solle verheiratet bleiben, an anderen, ich solle mich scheiden lassen, und er verstärkte somit immer meine eigene Unentschlossenheit und mein Selbstmitleid. Äußerlich schien er mich nicht zu beachten, innerlich aber beantwortete er jede meiner Fragen, gab mir zahlreiche Hinweise und die Gewissheit, dass er mir wirklich half: er ehrte mich mit der Aufforderung, einen Artikel über ihn zu schreiben, konnte sich aber dann scheinbar an meinen Namen nicht mehr erinnern.
Als ich nach Kalifornien zurückkehrte, wurde ich von einer rätselhaften Krankheit befallen und erholte mich auf eine ebenso rätselhafte Art und Weise. Während der nächsten sechs Monate änderte sich mein Leben dramatisch zum Guten. Ich wurde viel glücklicher und entscheidungsfreudiger. Habe ich es Babaji zu verdanken? Natürlich sind alles nur Spekulationen... "Tausende von Leuten werden nach Haidakhan kommen," sagte Babaji einmal einem amerikanischen Bekannten, "aber nur eine Handvoll wird mich jemals erkennen."
Seine Botschaft
Obgleich Babaji sehr aktiv war, hielt er selten eine Rede oder bot ein geistiges Gespräch. Er wies uns nur an, ein Leben der Wahrheit, Einfachheit und Liebe zu führen und "Om Namah Shivay" zu wiederholen. Ich wusste von meinen Vedanta Philosophie Studien etwas über "nam jap", die Wiederholung eines Mantras. Es heißt, dass Sanskritausdrücke die gleiche Schwingung haben wie die Dinge, die sie benennen, allerdings auf einer anderen Frequenz. So ist z. B. das Sanskritwort für "Licht" schwingungsmäßig so aufgebaut wie tatsächliches, physisches Licht, nur auf einer anderen Oktave. Es heißt weiter, dass man Gottes Aufmerksamkeit bestimmt erlangt, wenn man seinen Namen in Sanskrit wiederholt, wodurch die Gottheit im eigenen Bewusstsein hervorgerufen oder erschaffen wird. Gottes Gegenwart so unmittelbar hervorzurufen, ist ein Weg zur Erleuchtung.
Ich hatte gehört, dass in Büchern "OM" als der Urlaut der Schöpfung beschrieben wird. "Namah" wurde mir übersetzt mit "Ich verneige mich vor dir" und "Shivay" als der Hindugott Shiva oder der Aspekt Gottes, der unsere seelischen Verstrickungen und unsere Unwissenheit zerstört. Ich hörte auch, dass "Shiva" in Sanskrit "Einer, der Glückseligkeit schenkt" bedeutet, und so kann es sich auf alle Götter oder Gott allgemein beziehen. Ferner wurde mir gesagt, dass dieses Mantra Gott anruft, gleich welcher Religion man angehört. Daher sah ich die Bedeutung für mich in: "Herr, ich ergebe mich Dir" oder "Herr, befreie mich von Unwissenheit".
***
Frage an Babaji: "Hast du eine Botschaft für die Amerikaner?"
"Dieselbe wie für die ganze Menschheit: Folgt den Prinzipien Wahrheit, Einfachheit und Liebe."
„Bedeutet Wahrheit mehr, als die Wahrheit sagen?"
"Wahrheit hat viele Bedeutungen."
Babaji rief seinen obersten Priester, Shastriji, damit er die Frage beantworte. Shastriji hielt einen langen Vortrag in Hindi, den ich hier in etwa wiedergebe:
"Gott ist Satya - also Wahrheit - und steht über allem. Die Veden und andere alten Schriften beschreiben Gott als die Verkörperung der ewigen Wahrheit. Und Wahrheit bringt Erfolg, denn einer, der die Wahrheit spricht und nach wahrhaften Prinzipien lebt, ist erfolgreich in allem, was er tut. Wahrheit ruft Willenskraft hervor. So wird jemand, der Schwierigkeiten hat, aber die Wahrheit spricht und in ihr lebt, ganz von selbst die nötige Willenskraft entwickeln, den Lebenskampf zu gewinnen. Deshalb ist Wahrheit mit der sie begleitenden Willenskraft und dem Erfolg das erste Prinzip von Babajis Lehre."
"Bedeutet Einfachheit, mit wenig Besitz zufrieden zu sein?"
"Es bedeutet, ohne Selbstsucht und Egoismus zu sein."
"Heißt Liebe, andere Menschen und Gott zu lieben?
"Andere Menschen lieben ist Gott lieben."
"Was bedeutet Om Namah Shivay?"
"Om Namah Shivay ist ein Mahamantra, ein großes Mantra, eine gekürzte und machtvollere Version des Mantras, welches den Mittelpunkt aller vier Veden bildet. Es wird ein "Beej Mantra", ein Kernmantra genannt. Je kleiner und konzentrierter das Objekt, umso kraftvoller ist es. Ein Kern enthält in sich alle notwendige Kraft, einen mächtigen Baum zu erschaffen, und so ist er im Vergleich viel machtvoller als der Baum. Ebenso verhält es sich mit Om Namah Shivay, es ist der Kern der längeren Version und somit ist es ein sehr machtvolles Mantra."
"Es ist symbolisch", fuhr Shastriji fort, "sowohl in seinem Laut als auch in der Schreibweise. OM enthält den Laut und die Symbole der drei Aspekte Gottes: Brahma, Vishnu und Shiva und auch die göttliche Mutter und das absolute Prinzip, das aller Existenz zugrunde liegt. Namah Shivay symbolisiert die fünf Prinzipien, aus der die gesamte Schöpfung besteht Luft, Erde, Feuer, Wasser und Prana oder Lebenskraft. Om Namah Shivay war der allererste Laut, der von Gott ausging, und aus ihm entfaltete sich die ganze Schöpfung.
Shiva
Viele westliche Schüler Babajis betrachten Babaji als großen psychologischen Meister, viele Inder sehen ihn in einem ganz anderen Licht: als einen Avatar Shivas.
Shiva ist einer der drei Aspekte Gottes der hinduistischen Kosmologie. Brahma, sagen sie, ist der schöpferische, Vishnu der stimulierende oder erhaltende und Shiva der zerstörende Aspekt. Die Hindus glauben auch, dass diese Aspekte Gottes sich in menschlicher Form als Avatar inkarnieren oder materialisieren können. Es heißt, dass Inkarnationen Vishnus sterblich sind, Inkarnationen von Shiva hingegen unsterblich.
Die indischen Schüler, mit denen ich sprach, waren überzeugt, dass Babaji ein Avatar ist. Erstens habe Mahendra Baba seinen ehrfürchtigen Schülern wiederholt gesagt, dass beide, ihr geliebter Herakhan Baba und Yoganandas Babaji eine Shiva Inkarnation sei. Ferner sei schon lange vorausgesagt, dass, wenn Shiva das nächste Mal in menschlicher Form erscheinen würde, er eine Narbe an seinem rechten Unterschenkel, eine andere an seinem linken Oberarm und Shiva-Symbole und Zodiak Zeichen an seinen Fußsohlen haben werde. Und tatsächlich! Babaji hatte die erforderlichen Narben und erlaubte nach drei Jahren Sträubens, seine Füße einzufärben und fotografieren zu lassen. Und dort waren sie, verstreut über seine Ferse und seinen Fußballen: ein winziger Stier, eine Kobra, der Dreizack Shivas, ein OM in brahmanischer Schrift, das Löwe- und Widderzeichen.
Meine Bekannte aus Bombay erzählte mir, dass sie und andere Frauen oft ein Licht von Babajis Stirn ausstrahlen sahen, und manchmal formte das Licht verschiedene Shiva-Symbole: ein offenes, senkrechtes Auge, das OM in brahmanischer Schrift und Shivas Dreizack. Die Schlange ist ein besonders bezeichnendes Shiva Symbol. Ein pensionierter indischer Luftwaffenkommandant aus Allahabad erzählte mir von einer Begebenheit, da Babaji eine Gruppe Schüler zu den Quellwassern des Ganges führte. Als sie sich am Ufer versammelten, bemerkte der Kommandant, wie sich eine mystisch geformte Kobra mit drei glänzenden Köpfen langsam aus dem Wasser erhob. Sprachlos versuchte er Babajis Aufmerksamkeit zu erlangen.
"Habe ich das wirklich gesehen?" fragte er später Babaji.
"Ja, das hast du."
Eines Tages, als ich im Ashram die Bücherei putzte und über diese und jene Anekdote nachgrübelte, fand ich ein Buch über Satya Sai Baba, den süd-indischen Meister, der berühmt ist für seine aus der Luft materialisierten Gegenstände. In dem Buch heißt es, dass sich Sai Baba 1963 vor einem Publikum von Tausenden von Menschen von einer ernsten Erkrankung heilte, der ein achttägiges Koma folgte. Er enthüllte, dass er eine Inkarnation von Shiva und seiner Gefährtin Shakti sei und eine alte Prophezeiung erfüllt habe, welche voraussagte, dass sich dieses Paar inkarnieren würde und eben diese Acht-Tage-Krankheit durchmachen müsste. In jener Nacht bat ich Babaji in Gedanken, mir diese Sache zu erklären. Wer war denn nun Shiva?
Am nächsten Tag kam ein junger Engländer in die Ashrambücherei, wo ich die Bücher abstaubte. Er erzählte mir, wie er und eine Gruppe Schüler einst nach Delhi gingen, wo Babaji eine reinigende Feuerzeremonie abhalten sollte. Babaji war von den Tempelpropheten des "Buches Brighu" darum gebeten worden. Er fügte hinzu, dass dieses Buch eines der Wunder Indiens sei, eine Serie alter Buchblätter in einer kaum übersetzbaren Sprache, die die Namen und Nöte eines jeden nannten, der den Tempel aufsuchen würde - sogar bis zum heutigen Tag. Eines Tages - so schien es - habe das Buch eine spontane Botschaft preisgegeben. Sie besagte, dass ein ziemlich unbekannter Heiliger aus dem Dorf Haidakhan gerufen werden sollte, um ein vedisches Feuerritual zu vollziehen. Als Babaji dort ankam, so erzählte der Engländer, fanden die Propheten seinen Namen in einem Buch und lasen das folgende:
"Shiva ist zu uns zurückgekehrt. Er hat sich in drei Formen manifestiert: Shiva allein, in jenem Sadhu dort," und die Priester zeigten auf einen weißbärtigen heiligen Mann, der sie von einer Ecke aus beobachtete, "Shiva und Shakti zusammen in Satya Sai Baba und als Nataraj, den tanzenden Shiva der Zerstörung, in der Form dieses jungen Gurus, Haidakhan Baba."
Der tanzende Shiva der Zerstörung
Von all den Facetten, die Babaji uns präsentierte, ist die Idee des Gottes der Zerstörung am verwirrendsten. Er offenbarte jedoch seinen Schülern etwas davon, indem er beständig kommendes, sehr schweres weltweites Unheil - Naturkatastrophen und Kriege - erwähnte.
Er sagte, Om Namah Shivay7, und das Verwirklichen von Wahrheit, Einfachheit und Liebe seien genau das Gegenmittel gegen das Unheil. Diejenigen, die dieses ausübten, egal welchen geistigen Weg sie gehen oder welcher Religion sie angehören, würden beschützt sein.
Babajis indische Schüler gehen so gar so weit zu sagen, Babaji als Nataraj, dem schrecklichsten Aspekt Shivas, sei persönlich für diese Zerstörung verantwortlich, und es sei seine Aufgabe, die Unwissenheit in der Welt zu zerstören, um ein neues geistiges Zeitalter herbeizuführen. Er sammelt nun seine Schüler aus früheren Leben, um ihnen, wie sie sagen, das neue Kriya, das Wiederholen von Om Namah Shivay zu lehren. Somit stattet er sie mit dem notwendigen geistigen Rüstzeug aus, den kommenden Ereignissen zu widerstehen.
Bevor ich nach Haidakhan fuhr, wusste ich von dieser Vorhersage und diesem Glauben hinsichtlich Babajis, ich war vertraut mit dem wilden und kriegerischen Nataraj Shiva, wie er in der indischen Kunst und Mythologie dargestellt wird, aber nichts in Babajis rundem, goldenen Gesicht oder seinem veränderlichen Verhalten schien irgendwie dem Geist der Zerstörung zu ähneln. Je mehr ich von seiner Scherzhaftigkeit und dem verborgenen Mitgefühl sah, umso mehr spekulierte ich über diese eigenartige Voraussage und die ganze Shiva-Darstellung. Gedanklich bat ich Babaji, dieses Rätsel zu lösen, und ein paar Nächte später hatte ich einen lebhaften Traum. Ich sah eine Kerzenflamme in einem Herzen brennen und wusste, sie bedeutet Liebe und Hingabe. Die Kerze wuchs zu einer heißeren und helleren Flamme, und ich konnte sehen, dass sie alles verbrannte und reinigte, was nicht Liebe war. Alle dunklen, niedrigen Dinge, die nicht der Liebesintensität dieser Flamme entsprachen, wurden von ihr verzehrt, aber nur, wie es schien, um Platz zu machen für das Gute, das diesen Raum einnehmen würde... Da verstand ich, dass der "zerstörerische" Shiva-Aspekt Gottes eigentlich eine außerordentlich intensive Schwingung von Liebe war, die nichts beschädigte, was aus einer ähnlichen Liebesschwingung war, aber sofort alles zerstörte, das aus einer niedrigen Schwingung bestand - Gier, Grausamkeit oder Selbstsucht zum Beispiel. - Und es schien nun, dass Babajis Bezeichnung des Om Namah Shivay als eines schützenden Mantras tiefen Sinn hatte. Wenn die vedische Vorstellung über Mantras richtig war und die Wiederholung dieses Mantras den Shiva-Aspekt Gottes in einem Menschen hervorbrachte, dann würde er natürlicherweise nicht verletzt werden, falls die Shiva-Energie durch ihn hindurchströmte, da die gleiche Energie schon in ihm vorhanden wäre.
Als ich erwachte, war ich erfüllt von den Bildern dieses seltsamen Traumes. War es eine andere "Botschaft" von Babaji, eine Antwort auf meine Frage? War es möglich, dass diese Ansicht der Zerstörung zugunsten eines geistigen Zeitalters richtig war? Arbeitete Babaji wirklich daran, alle, die er erreichen konnte, zu informieren und zu beschützen?
Fragen an Babaji
"In der Autobiographie eines Yogi" heißt es, wenn man mit Ehrfurcht Deinen Namen wiederholt, wird man Deinen Segen erhalten, Babaji. Hörst Du wirklich Deine Anrufung?"
"Selbstverständlich."
"Viele westliche Schüler, mit denen ich sprach, haben diesen Teil gelesen und Deinen Namen ausgesprochen und sind in Deinen Ashram gekommen. Ist dies teilweise der Grund, weshalb sie gekommen sind? Zieht das Aussprechen Deines Namens sie wirklich herbei?"
"Selbstverständlich. Es liegt an der innewohnenden Kraft."
"Hast Du eine spezielle Botschaft für Yoganandas Anhänger oder den Ausübenden des Kriya Yogas?"
"Keine Botschaft. Alle üben Kriya aus. Auch die Anwesenden."
"Was ist Kriya denn jetzt?"
"Es ist jetzt ‚nam jap’".
"Ich hörte, Du hättest gesagt, dass alles in der Autobiographie über Dich wahr sei, außer dem Teil Deiner Schwester. Du hättest keine. Ist es wahr, was ich hörte?"
"Es ist wertlos. Nur zehn Prozent ist wahr, und neunzig Prozent sind falsch."
"Soll ich dies berichten?" fragte ich den Übersetzer.
"Du musst es tun," sagte er und nickte.
"In dem Buch ‚Brighu’ steht, dass sich Shiva jetzt dreimal materialisiert hat: Shiva und Shakti in Sai Baba, Shiva allein in einem Sadhu und der tanzende Shiva der Zerstörung in Dir. Ist es wahr?"
"Du hast gehört, was Du gehört hast. Glaube, was Du in deinem Herzen weißt."
"Es scheint ein Widerspruch zu sein, dass der Aspekt Gottes, der gekommen ist um zu zerstören, so viel Liebe und Güte ausstrahlt. Ist diese Zerstörung in Wirklichkeit ein Akt der Liebe für die Menschheit?"
"Viele Menschen auf dieser Welt sind hinterhältig. Es ist zum Wohl der Menschheit, wenn sie entfernt werden. Eine gewisse Zerstörung ist nötig. Es ist im Interesse der Menschheit und der ganzen Welt."
"Hast Du in Amerika Schüler aus früheren Leben, die Du finden möchtest?"
"Ja."
"Wenn jemand Sehnsucht verspürt, Dich zu finden oder bei Dir zu sein, bedeutet das möglicherweise, dass er oder sie ein alter Schüler von Dir ist?"
"Ja."
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Möchtest Du sie segnen, beschützen und erreichen, bevor die Zerstörung beginnt?"
"Ja, sie werden beschützt sein!"
Ich erinnerte mich seiner Worte an meine Bekannte in Delhi in ihren frühesten Tagen im Ashram.
"Ich habe so viel zu tun, " sagte er leise, "und so wenig Zeit, in der ich es tun kann."
Neti Neti - Nicht dies, nicht jenes
Sita Rami, Amerika
Neti Neti - Nicht dies, nicht jenes. Sanskritworte, die das Unaussprechliche ausdrücken - das Absolute, das Transzendentale, das Göttliche, Gott. Wie oft habe ich erklärt, nicht über Babaji schreiben zu können. Er, der jenseits aller Worte und jenseits der kühnsten Vorstellungskraft steht. Die unerhörtesten Fantasien verblassen neben ihm. Offen gestanden, ich weiß nicht, wer er ist. Niemand kann ihn ergründen. Keine noch so treffenden Worte können ihn beschreiben. Worte sind beschränkt. Er aber ist grenzenlos. Dennoch möchte ich mit jenen, die dem Göttlichen gegenüber aufgeschlossen sind, die die Wahrheit in höchster Form, den Frieden, die Freiheit suchen, meine Erfahrungen mitteilen. Ich möchte ihnen seine Botschaft der Wahrheit, Einfachheit und Liebe, die ständige Wiederholung der Namen Gottes nahe bringen; diese seine Lehre, die, wie er sagte, Schutz vor Atombomben gewährt, die so einfach ist, die jedem Wesen innewohnt und die die Grundlage aller Religionen ist.
Mein erstes Wissen um Babaji erhielt ich durch Paramahansa Yoganandas "Autobiographie eines Yogi". Sie schildert Babaji als unsterblichen Meister, als Yogi-Christus Indiens, Shiva Mahavatar8 und "Menschwerdung Gottes", imstande, seinen physischen Körper durch Jahrhunderte hinweg zu erhalten, manchmal sichtbar, manchmal unsichtbar, stets für die Errettung und Erhöhung der Menschheit wirkend. Wer vermag es, unberührt zu bleiben von seiner Schönheit, Kraft, niemals endenden Liebe und Protektion seinen Schüler gegenüber. Wer vermag es, innerlich nicht nach ihm zu rufen, zumal Yogananda angibt: Spricht jemand Babajis Namen mit Ehrfurcht aus, so wird ihm sofortiger Segen zuteil."
Ich erinnere mich dann des Sehnens, das ich nach dem unsterblichen Meister aller Meister verspürte, dessen jugendlicher Körper, stark und schön, keine Anzeichen des Alterns zeigt, sondern einen wahrnehmbaren Glanz ausstrahlt. Niemals kam mir der Gedanke in jenen Tagen, dass ich jemals diesen Unvergleichlichen treffen könnte, der immer nur von Zeit zu Zeit erscheint und sich beliebig in Licht auflöst, dessen "unzerstörbarer Körper keiner Nahrung bedarf", der nur, wenn er es wünscht, von anderen gesehen und erkannt werden kann. Babaji war das fesselndste, verlockendste Gedankenkonzept, das sich mein suchender Geist ausdenken konnte. Obwohl ich niemals die Echtheit der Beschreibung von Yogananda bezweifelte, schien es mir unmöglich, jemals diesem göttlichen Wesen zu begegnen. Dieses mir unmöglich Erscheinende besänftigte den Aufruhr meines Herzen und die Erinnerung an seine Existenz versank schließlich ins Unbewusste. Ich glaube, dass das Verlangen nach ihm und die Erinnerung an ihn in all seiner Pracht in meinem subtilen Bewusstsein lebendig blieb, und mich keinen Frieden oder Befriedigung finden ließ. Ja, das glaube ich! Ich kann nicht sagen, ich wüsste es. Man kann die Wahrheit nur im Herzen finden, der Verstand kann diese Dinge niemals erfassen: sie sind jenseits des rationalen Denkens.
Viele Jahre nach der Lektüre der "Autobiographie eines Yogi" hörte ich, dass Babaji in einem physischen Körper in der Kumaon Region des Himalaya in Indien lebt. Ich zögerte keinen Augenblick, ihn aufzusuchen. Ich kündigte meine Stelle an einer Schule, in der ich Rechtswissenschaft lehrte. Vier Monate später befand ich mich auf meinem Flug nach Indien. Mein Geist berauschte sich an Gedanken und Geschichten über dieses reine Licht, das zum Wohle der Menschheit Fleisch geworden war. Auf dem Wege öffnete ich ein kleines spirituelles Tagebuch von Yogananda, das ich soeben erstanden hatte. Wie vollkommen doch seine Worte für diesen Tag waren:
"Weil Gott dich liebt, bin ich hier bei dir, um Dich heimzuholen, dahin, wo meine Geliebte ist, wo Krishna, Christus und Babaji..... und andere Heilige wohnen. Komm, so sagt Gott ‚alle erfreuen sich in mir. Keine weltlichen Freuden.... können sich mit den göttlichen Freuden meines Hauses messen.’ Es gibt nur eine Wirklichkeit, und das ist ER. Vergiss alles andere."
Ich erinnere mich deutlich an den ersten Fußmarsch zu Babajis Ashram entlang des Flusstals. Der heilige Gautama Ganga Fluss musste zehn bis zwölf Mal überquert werden, die weißen Flusssteine glänzten, das Wasser funkelte im Sonnenschein. Das Gefühl, endlich nach Hause zu kommen, berührte mich stark. Nichts war mir jemals vertrauter. Es schien, als ob jeder Ort, den ich liebte, sich hier als Teil eines Ganzen widerspiegelte. Nach unermesslich langer Zeit - es stellte sich heraus, dass es nur 1 1/2 Stunden waren - erblickte ich den Ashram, - die Tempel auf der anderen Flussseite - farbenprächtig aus dem goldenen Kailashberg, dem legendären Wohnsitz Shivas - als Silhouette gegen den blauen Himmel ragen. Auf der gegenüberliegenden Seite wurden oberhalb einer langen weißen Treppe winzige, rosa und weiße Gebäude sichtbar. Ein Märchenland! Dann hörte ich jemanden sagen: "Babaji kommt!" Mein Kopf berührte seine Füße...... an mehr erinnere ich mich nicht. Von diesem kurzen Moment an gibt es für mich im Leben nur noch eine Zeitrechnung: die Zeit vor und nach Babaji. Nichts anderes hat Bedeutung.
Es sind nun etliche Jahre, dass meine Augen sich zum ersten Mal an seiner Schönheit erfreuten, meine Ohren seiner melodischen Stimme lauschten, sein Lachen hörten, dass ich zuerst den unbeschreiblichen Wohlgeruch seiner physischen Präsenz wahrnahm. Unvergleichlich ist die Freude, ihn zu lieben, das Eintauchen der Gedanken in ihn. Sättigung erscheint unmöglich. Faszination ist in allem, was ihn betrifft.
Soll ich seine Schönheit beschreiben? Wie alles um ihn, fehlen dazu die Worte. Neti, Neti. Er ist wie ein Trugbild, wie Licht, wie eine Wolke. Solche Erscheinungen kann man nicht festhalten, sie vergehen. Außerdem verändert er sich... von Moment zu Moment... Was ist diese Schönheit? Obwohl man schaut und schaut, der Verstand kann seine Natur nicht ergründen. Wie einen Schal trägt er seine sterbliche Hülle, nur um sein Licht zu verbergen. Gebunden ist er an sie nicht. Nach seinem Willen verändert er sie. Dieses wird deutlich anhand der zahlreichen Fotografien seit seinem Erscheinen im Jahre 1970. Welch krasse Unterschiede!
Ein indischer Heiliger, Devara Dasimayya, beschreibt in einem Gedicht, das Famanatha9 gewidmet ist, Babajis illusorisches, undefinierbares Wesen:
Sind Brüste und langes Haar zu sehen,
so nennt man diese Erscheinung "Frau"
sind Barthaare und Stoppeln sichtbar,
so nennt man sie Mann
aber sieh, das Selbst, das zwischen beiden wohnt,
ist weder Frau noch Mann, Oh Ramanatha10.
Obgleich Babaji äußerlich den Körper eines Mannes trägt, lässt sich sein Aspekt der göttlichen Mutter nicht verleugnen. Beides ist in ihm, der Schöpfer vereint alles in sich: Gottvater, Gottmutter, das göttliche Wesen erhaben über alle menschlichen Eigenschaften. Oftmals wird ihm während der Andachten, die vor ihm zelebriert werden, ein Schal über den Kopf und die Schultern gelegt. Während er regungslos da sitzt, wird er mit Blumen bekränzt; und seine Erscheinung nimmt dann gänzlich die Form einer Göttin an. Der männliche Aspekt verwischt sich vollkommen und seine Schönheit - wie aus kostbarstem Marmor gemeißelt - ist außergewöhnlich.
Mahantiji, der zu seinen Lebzeiten Priester des Hanuman Tempels war, einer der Haupttempel in Delhi, wusste viele wundersame Geschichten zu erzählen, dass Babaji nicht an Zeit und Raum gebunden ist. Einmal reiste er mit Babaji von Vrindaban, dem Wirkungsort Krishnas, nach Madhuban. Im dortigen Ashram wurde Babaji Speise angeboten, die dieser segnete. Er gab die Anweisung, dass alle, die mit ihm gereist waren, zuerst essen sollten und die Dörfler nach ihnen. Diese Anweisung wurde in der herrschenden Aufregung nicht befolgt. Die Einheimischen drängten sich vor und nahmen die vorgesehenen Plätze ein. Als alle saßen, wurde eine Wolke am wolkenlosen, blauen Himmel sichtbar. Innerhalb weniger Minuten war alles in unmittelbarer Nähe durchnässt. Babaji lief - trotz des Regens - unterdessen mal hier, mal dort hin. Mahantiji, der ihm folgte, bemerkte auf einmal höchst erstaunt, dass Babaji nicht nass wurde. Als Babaji sich dann wieder auf seinen Sitz setzte, hatte er nicht einen Spritzer an sich, Mahantiji hingegen war von oben bis unten beschmutzt. An seinen Füßen, Beinen und an seiner Kleidung klebte der Matsch.
Der Name Shiva wird oft mit BABAJI in Verbindung gebracht. Shiva steht gleichbedeutend mit der Silbe OM. Shiva bedeutet Schöpfer des Universums, heilig und unendlich glücklich. Shiva wird als Gott ohne Gleichen angesehen. Er durchwandert diese Welt seit Schöpfungsbeginn in ein und derselben Gestalt zum Wohle der Menschheit. Er wird beschrieben als unveränderlich, ewig rein, eigenschaftslos, alles durchdringend, unendlich, als unsterbliche Essenz des Universums, universelles Selbst, als selbstleuchtendes Licht aller Lichter, als Verkörperung der Weisheit. Die Menschen sagen, dass BABAJI Shiva ist, der große Gott, Mahadev. Sein einziger Wunsch, so wird berichtet, ist, die Unwissenheit zu zerstören und das Licht leuchten zu lassen. Was BABAJI wirklich ist, was Shiva darstellt - vergeblich versucht man diese Dinge zu beschreiben - sie sind unergründlich.
Wie:
Ein Schatz, verborgen im Erdreich
Geschmack in einer Frucht
Gold in einem Felsen
und im Samen.
Niemand kennt die Wege des Herrn.
Weiß wie Jasmin11.
Ich selbst habe ihn mit meinen physischen Augen als Shiva gesehen. Er hatte eine bläuliche Haut, sein geflochtenes Haar türmte sich auf seinem edlen Kopf und aus seinen Mandelaugen strömte äußerste Glückseligkeit. Ein andermal sah ich ihn als Hanuman, den verehrten affengesichtigen Gott, der als Shivas Manifestation angesehen wird. Hanuman, der seinen Anhänger alle Wünsche erfüllt, der Rama und Sita, seiner Gemahlin, tief ergeben ist, dessen vollkommene Hingabe seit langem mein Ideal ist. Bei anderer Gelegenheit sah ich Babajis Antlitz zu dem meiner Mutter werden. Diese tiefgreifenden Erlebnisse sind unvergleichbar und verdeutlichen die Schwierigkeit, ihn zu beschreiben.
Unser begrenztes Bewusstsein bemerkt eine außergewöhnlich hohe und breite Stirn. Sein schwarzes Haar, gewellt und glänzend, erinnert an die Wellen des heiligen Ganges Flusses, der - so wird gesagt - um die Erde nicht durch seine Kraft zu zerstören, durch Shivas Haare herniederströmt. Seine dunklen Augen leuchten, lächeln aus einer Tiefe voller Glückseligkeit und scheinen das Universum widerzuspiegeln. Manchmal habe ich das Gefühl, als schaute ich den Himmel von einem hohen Berg in einer klaren, mondlosen Nacht. Ich habe Babaji aufbrausend in Stimme und Gebärde erlebt, dennoch war er nichts als Sanftmut, Mitgefühl und Liebe. In seinen wunderschönen Augen spiegelt sich der Ozean des Friedens wider. Seine Nase, zart dennoch kräftig, vibriert sanft und erinnerte mich oftmals an die ungestüme Energie und Freude eines jungen Fohlens. Sein Mund, wie auch alles andere in seinem Antlitz, ist von ausgesprochener Schönheit. Sein volles Gesicht ähnelt dem der Sonne.
Ich liebe den wunderschönen Einen,
denn er kennt keinen Tod,
Verfall oder Gestalt,
keine Himmelsrichtung und keinen Ort,
kein Ende oder Geburtsmerkmal.
Ich liebe ihn, Oh Mutter. Lausch!
Ich liebe den wunderschönen Einen,
denn er kennt weder Grenzen noch Furcht,
keine Sippschaft, kein Land,
Nichts besitzt er außer seiner Schönheit!
Sein Körper ist breit, manchmal sogar stämmig. Zu Zeiten scheint er die Erde in seinem Leib zu tragen. Einmal sagte er einem Schüler, er enthalte fünf Babys. Jemand erklärte die Bedeutung dieser Worte: die ganze Schöpfung besteht aus den fünf Elementen: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Ein anderer machte die Erfahrung, in Babajis Leib einzudringen. Er sah darin das ganze Universum enthalten.
Trotz seiner Fülle sind seine Bewegungen graziös. Wenn er läuft - oftmals trägt er einen Stab - scheinen seine Füße den Erdboden nicht zu berühren. Zu Zeiten hinterlässt er keine Fußabdrücke. Als er einmal auf eine Waage stieg, zeigte sie fünfundsiebzig Kilo an. Dennoch trägt er sein Gewicht als sei es eine Feder, und seine Füße scheinen beflügelt zu sein. Schwebend läuft er die Hügel hinauf. Einige Schüler, die ihn getragen haben, erzählen, dass er fast nichts wiegt. Ein Buch in Hindi beschreibt die kosmische Bedeutung eines jeden seiner Körperteile. Es scheint, dass selbst die kleinste seiner Gebärden den ganzen Kosmos beeinflusst. Wenn er beim Lachen seinen Kopf zurückwirft oder in Zustimmung zu einer Frage bejahend nickt, füllt sich das Herz eines jeden mit tiefer Liebe zu ihm.
Seine Gegenwart strömt einen einzigartigen Duft aus. Einige sagen, er sei moschusartig. Ich selbst konnte diesen Duft noch nie definieren. Er durchdringt alles, was Babaji benutzt, seinen Schal, sein Kopfkissen. Ein Schüler, bei dem Babaji mehrere Tage in Delhi weilte, erzählte mir, dass dieser Duft noch nach sechs Monaten in dem Raum spürbar war, selbst für jene bemerkbar, die nichts von ihm oder seinem Besuch wussten. Eines Tages, als ich das Gelände vor Babajis Raum in Haidakhan säuberte, verspürte ich seinen typischen Duft. Verwundert hielt ich in der Arbeit inne: seit zwei Monaten war Babaji auf Reisen.
Dieses Juwel der Schöpfung, dieser reinste Ozean der Liebe, warum hat er sich verkörpert? Die wahre Natur Babajis wird den weltlich Orientierten wohl für immer verborgen bleiben. Dennoch offenbart sich Gott, wenn auch nur wenigen. Für diese ist er auf Erden erschienen. Und hier ist, was er ihnen zuruft:
"Ich bin überall, in jedem deiner Atemzüge. Ich bin gekommen, damit du die Einheit jenseits der Vielheit erkennst. Ich werde dir eine nie erahnte Freiheit zeigen. Erkenne, dass alles Eins ist und suche Harmonie in allem, was du tust. Ich bin Harmonie. Bist du in Frieden, so bin auch ich in Frieden, drücken dich Sorgen, so drücken sie auch mich. Bist du glücklich, so bin auch ich glücklich! Glaube! Alles hängt vom Glauben ab."
Babaji war gekommen, um den Menschen das Leid zu nehmen, ihr Herz und ihren Geist zu wandeln, um sie auf das kommende goldene Zeitalter der Wahrheit vorzubereiten. Seine Lehren dringen aus der Tiefe seiner unendlichen Barmherzigkeit und Liebe hervor. Seine Lehre, so einfach, so machtvoll, imstande alle Sünde der Welt aufzulösen, so natürlich dem Innersten eines jeden entsprechend, ist das Prinzip einer jeden edlen Weltanschauung.
Dreifach ist seine Lehre :
Lebe ein Leben in Wahrheit, Einfachheit und Liebe. Denke stets an Gott, indem du ständig seinen Namen wiederholst.
Obgleich Babaji die Wiederholung eines jeden Namen Gottes lehrte, so lehrte er speziell das Mantra OM NAMAH SHIVAY. Dieses, so sagte er, sei das höchste Mantra. Es bedeutet in etwa: Dein Wille, oh Herr, geschehe. Rezitiere es ständig. Es reinigt den Geist und das Herz. Gott kann nur in einem gereinigten Herzen wohnen.
Verrichte Karma Yoga, Gott geweihte Arbeit. Arbeite zum Wohle der Menschheit, gib ihr alles, deine ganze Kraft und Energie. Müßiggang ist der Tod auf Erden, die Brutstätte allen Übels. Durch Gott geweihte Arbeit wird man Eins mit dem Schöpfer.
Möge sie jeder beherzigen.


Begegnungen in Haidakhan
Ilse Falk, Österreich
Im österreichischen Rundfunk schilderte Ilse Falk ihre Eindrücke anlässlich eines Besuches in Haidakhan, die unter dem Titel "Begegnungen in Haidakhan" zusammengefasst sind. Den Wortlaut der Sendung einschließlich des Original Interviews möchten wir hier abdrucken:
Wir erleben eine morgendliche Feierstunde in Haidakhan, einem Ashram im Norden Indiens, eine Tagesreise nordöstlich von Delhi im Vorgebirge des Himalaya. Haidakhan ist der Ashram jenes Meisters vom Himalaya, der von seinen Schülern und Anhängern einfach Babaji, verehrter Meister, genannt wird, und als Inkarnation des Gottes Shiva gilt, im Hinduismus der große Zerstörer des Alten und Wegbereiter des Neuen. Paramahansa Yogananda spricht in seiner "Autobiographie eines Yogi", einem in der westlichen Welt viel gelesenen Buch, von Babaji als dem großen Führer der Menschen im Verborgenen, der seit Menschengedenken im Himalaya lebt. Von Zeit zu Zeit erscheint er, wie Yogananda schreibt, in menschlicher Gestalt. Im Juni 1970 erschien Babaji in einer Höhle am Fuße des Berges Kailash im Himalaya um, wie seine Anhänger glauben, in einer Zeit des Umbruchs an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter, den Menschen den Weg zu weisen.
Bis Babaji am 14. 2. 84 starb, oder, wie es in Indien heißt, seinen Körper verließ, lehrte er seine Anhänger die zeitlose Botschaft von Einfachheit, Liebe und Wahrheit, die Essenz aller Religionen. Eine Veränderung dieser Welt, die am Rande des Abgrunds stehe, so seine Lehre, sei nur durch eine Wandlung im Bewusstsein jedes Einzelnen möglich. Friede und Heilung im Herzen des Einzelnen brächten auch der Welt Frieden und Heilung. Uneigennützige Arbeit und Hingabe sei der einfachste und schnellste Weg, um zur Vereinigung mit dem göttlichen Prinzip, mit der Urkraft des Universums, zu gelangen. Jede Antwort ist in dir, lehrte er, und mit Arbeit, Disziplin und Hingabe ist jedes Ziel zu erreichen. Menschen, die Babaji in den Jahren seines Wirkens in Haidakhan besuchten, berichten davon, dass sich ihre Einstellungen zum Leben, und ihr Leben selbst durch die Begegnung mit ihm verändert hat.
Ich selbst hatte Yoganandas "Autobiographie eines Yogi" auch gelesen und Berichte von Menschen gehört und gelesen, die Haidakhan besucht hatten, als Babaji dort lebte. Dadurch entstand in mir der Wunsch, auch an diesen Ort zu gelangen, um eine Zeitlang inne zu halten, um ein paar Wochen wenigstens in Stille und Abgeschiedenheit zu leben.
Im letzten Winter war es denn soweit. Ich hatte Urlaub bekommen, einen Flug nach Delhi gebucht und einen Brief in der Tasche, der mir den Weg weisen sollte. Von der Bus-Endstation Dam Site geht es dann zu Fuß weiter, zwei bis drei Stunden durch das Flusstal des Gautama Ganga. Dies war die Stelle in meinem Brief, die mich am meisten beschäftigte. In Tag- und Nachtträumen sah ich mich schon durch ein sonniges stilles Tal gehen und Friede und Freude empfinden. Und so war es dann auch. Begleitet von einem Inder, zierlicher und kleiner als ich selbst, der sich mein ganzes Gepäck auf die Schultern geladen hatte und mit dem ich mich nicht verständigen konnte, weil ich kein Hindi, und er kein Englisch sprach, wanderte ich durch ein sonniges und stilles Tal. Die Luft war frisch, und die Sonne wärmte meine wintermüden Glieder. Nur das Rauschen des Flusses und Zwitschern der Vögel war zu hören. Acht oder zehn Mal mussten wir den Fluss durchwaten. Das eiskalte Wasser ging mir an manchen Stellen bis zum Oberschenkel, und ich musste aufpassen, in der starken Strömung nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Mit jedem Schritt, den ich vorwärtskam, stieg meine Erwartung, und es überkam mich ein nie gekanntes Gefühl von Friede und Freude.
Anfang Februar ist eine ruhige Zeit in Haidakhan. Die meisten Gäste, die zum groß gefeierten Weihnachtsfest gekommen waren, sind wieder abgereist und jene Besucher, die zum Frühlingsfest erwartet werden, sind noch nicht da. Als ich in Haidakhan ankam, waren außer den immer hier lebenden Indern, vielleicht vierzig westliche Besucher im Ashram. Ashram wird in Indien die Wohnung, Lehrstätte eines Heiligen genannt, wo er mit seinen Schülern lebt und meditiert. Der Haidakhan Vishwa Mahadam, was etwa "Größter Kraftort des Universums" bedeutet, liegt auf einem Hügel über dem Gautama Ganga. 108 hohe Stufen führen vom heiligen Fluss hinauf zu dem 1840 erbautem Shivatempel. In den Siebziger Jahren, als Babaji hier wirkte, wurde die Anlage ausgebaut und rund um den Tempel mehrere Gebäudes als Unterkunft für Besucher und Schüler errichtet. Auch ein Hospital und eine Schule gehören heute zum Ashram. Für die Einheimischen sind diese Einrichtungen kostenlos. So ist der Ashram nicht nur ein spirituelles Zentrum, sondern hat auch eine wichtige soziale Funktion für die Bevölkerung.
Auf der anderen Seite des Flusstales befindet sich eine Höhle, die als die Geburtsstätte des Gottes Shiva gilt. In dieser Höhle wurde im Juni 1970 Babaji von einem indischen Brahmanen gefunden. Durch Traumvisionen war er zu diesem Platz am Fuß des Kurmanchal Kailash geleitet worden, wo er, wie berichtet wird, einen jungen Sadhu, einen indischen Heiligen, von vollkommener Schönheit vorfand, der wochenlang unbewegt in strenger Yogahaltung meditierte. Schließlich gab er sich als Inkarnation, als Wiederverkörperung des legendären Babaji zu erkennen, dessen Wiederkehr für diese Zeit in den Schriften für Anfang des 20. Jahrhunderts vorausgesagt worden war. Babaji hat fast 14 Jahre an dieser Stelle gewirkt. Heute wird der Ashram von Schülern geführt, und nach wie vor von Menschen aus aller Welt besucht. Was mich an diesem Platz besonders stark beeindruckte, war die Begegnung mit Menschen, die Babaji persönlich begegnet sind und mir davon erzählten. Dazu gehört Kamalata, eine junge Frau aus Deutschland, die mit ihren beiden noch nicht schulpflichtigen Söhnen schon den ganzen Winter hier zugebracht hatte. Sie erzählt:
"Ich hatte überhaupt nichts mit spirituellen Dingen am Hut. Ich habe nicht an Gott geglaubt, ich habe keine Erleuchtung gesucht. Ich weiß gar nicht, wie ich es ausdrücken soll, ich war eigentlich irgend wie nur total frustriert am Leben, und ich konnte den Sinn nicht finden. Ich hatte studiert und das schien nicht meine richtige Wahl zu sein, denn ich wollte diesen Beruf nicht ergreifen. Ich wollte auch nicht heiraten, etc. und dann habe ich unbewusst die Frage ans Universum gestellt: "Wozu dieses ganze Leben überhaupt?" Dafür hat die christliche Kirche ja auch keine Antwort. Warum leben, wenn es nur dieses eine Leben gibt? Und dann bin ich in meiner Verzweiflung, die auch bis zum Selbstmordversuch ging, auf das Rebirthing gestoßen."
Der Amerikaner Leonard Orr hat diese Methode des bewussten Atmens entwickelt und "Rebirthing" genannt, was sinngemäß "neugeboren werden" heißt. Verbunden mit lebensbejahendem Denken ist es eine Möglichkeit, die Kraft seines innersten Wesens zu entdecken und sich mit ihr zu verbinden. So können alte Ängste und eingefahrene Verhaltensmuster erkannt und aufgelöst werden. Bei einem Seminar in Deutschland traf Kamalata mit Leonard Orr zusammen.
"Er hatte von Babaji erzählt und hat immer wieder gesagt: "Großer Yogi im Himalaya". Das war wie eine große Märchenfigur, die man nie finden kann als normaler Mensch, wo man nie hinkommt.... Irgendwie unerreichbar, wo man seinen Weg nicht hinlenken kann. Und dann habe ich aber die "Autobiographie eines Yogi" gelesen, die ich schon vorher einmal zu lesen versucht hatte, vor vier, fünf Jahren, und da war ich bis Seite zwanzig gekommen und hatte sie weggelegt, ja, und jetzt hatte ich sie gelesen, und sie in drei Tagen verschlungen, einfach ohne Pause. Und dann hab ich gedacht, so ein Leben möchte ich leben. So hautnah mit Gott möchte ich leben. Plötzlich war Gott für mich eine Realität. Wenn er so auftreten kann im Leben, dass man sich in jeder Frage an ihn wenden kann, dass man mit den Menschen über ihn reden kann usw. So ein Leben wollte ich dann plötzlich leben.
Auf diesem Training über Weihnachten war Leonard Orr mit zehn Leuten, mit denen er anschließend nach Indien fahren wollte. Mir klingelten natürlich die Ohren. Unbewusst war in mir der Wunsch hinzufahren, obwohl ich irgendwie gedacht habe ... nie! Wer bin ich denn? Nie komme ich je dahin! Ich hatte auch noch den Satz im Kopf aus der "Autobiographie eines Yogi", wo er sagt: Du findest deinen Guru nicht. Dein Guru holt dich. Du kannst nicht losgehen und ihn suchen, er holt dich, wenn es Zeit ist für dich."
Im Seminar mit Leonard Orr wurde paarweise in der Gruppe geatmet. Kamalata hatte mit einem älteren Mann zu arbeiten.
"Ich war mit jemandem in der Gruppe, den ich auf den Tod nicht ausstehen konnte, und der mir so widerlich war, dass ich es kaum schildern kann. Alle Haare standen mir zu Berge, und mit dem musste ich zusammenarbeiten. Da lag dieser Mensch nun, ein älterer Mann, und da habe ich gedacht: Was kannst du ihm geben? Wenn du ihm sagst, wie er atmen soll, das nimmt er ja sowie so nicht an. Und dann war mir auf einmal glasklar, dieser Mensch braucht einfach Liebe. Und wie ich den Gedanken hatte, kam plötzlich so eine Kraft durch mich durch, wie von oben, rein in mich und aus meinem Herzen wieder raus. Und dann hab ich ihn in den Arm genommen und zwei Minuten so gehalten und da habe ich also wirklich zum ersten Mal in meinem Leben mein Herz gespürt wie es sich öffnete und wie da wirklich etwas durch mich durchströmte und was eigentlich nicht von mir war. Na ja, dann war's gut. Ich habe ihn wieder losgelassen, bin aufgestanden, wortlos hinuntergegangen und habe unten meinen Kaffee getrunken. Und wie ich da so saß, kommt er nach einer halben Stunde auf einmal hinunter, zieht seinen Stuhl neben mich heran und sagt: "So. Du willst also auch nach Haidakhan fahren!" Da wusste ich, dass das eine Einladung war. Ich hatte puddingweiche Knie und sagte: "Oh, man muss doch schreiben und vorher fragen, ob man kommen darf." Und da sagt er, er hätte irgendwie eine innere Verbindung und Babaji wollte, dass ich komme... und er solle mir das Flugticket bezahlen. Ich sollte mit ihm zur Bank gehen, er würde mir einen Scheck geben und dann könnte ich gleich meinen Flug buchen. Sie würden übermorgen fahren und ich könnte ja dann sehen, dass ich schnell nachkommen würde."
Kamalata flog nach Delhi, und traf dort in ihrem Hotel auf einen Amerikaner, der auch nach Haidakhan wollte, den Weg schon kannte und mit ihr weiterreiste.
"Mittags kamen wir dann in Haidakhan an. Es war auf einmal wie wenn ich nach Hause komme, wie wenn ich schon immer hier gewesen war. Es war die Jahreszeit wie jetzt, Frühling, das war wie ein Magnet am Ende, der einen total zieht. Dieser Gang über den Fluss, das kam mir vor wie Ewigkeiten. Es war wie, wirklich, wie wenn du auf das himmlische Tor zugehst, was die innere Spannung anbetrifft."
Und dann die Begegnung mit Babaji im Ashram.
"Er guckte uns so ganz lieb an. Wir sollten uns dann neben ihn setzen. Er hatte dann erst eine große Konversation mit dem Amerikaner angefangen, mit dem ich gekommen war. Ich dachte: "Kein Wunder, du bist ja hier auch 'ne Null sozusagen, was soll er sich auch mit dir unterhalten." Also, mein eigenes Spiel, was ich immer spiele. Erst hat er sich mit meinem Begleiter groß und breit unterhalten, und dann hat er ihn fortgeschickt. Da saß ich nun ganz allein da und dachte: "Was kommt denn nun, was mach ich denn hier?" und hatte auch schon eine gewisse Angst. Dann sagt er plötzlich etwas in Hindi zu mir. Ich dachte: Was er wohl gesagt hat, und da wiederholt er es in Englisch und sagt: "You very beautiful", so ganz langsam. Das war, ich kann es gar nicht beschreiben, ein wunderbarer und heilsamer Schock, ich hab es gar nicht in Gedanken fassen können in dem Moment, aber, wenn ich es im Nachhinein betrachte, war es, wie wenn ich wirklich dem begegnet bin, wonach ich mich mein Leben lang gesehnt hatte. Einfach, dass mich jemand erkennt als das, was ich bin. Nicht die komische Marion die soundso aussieht, und das und das macht, und jene Fehler hat, oder solche Vorzüge, sondern wie, wenn einer mir direkt ins Herz guckt und direkt ins Herz spricht, und das anspricht, was ich wirklich bin und was ich irgendwie immer gewusst hab, dass ich es bin, ohne, dass mir bewusst gewesen wäre, was ich immer gefühlt hab und wonach ich mich immer gesehnt habe.
Die eigentliche Arbeit fing dann erst an. Er hatte seinen Angelhaken in mein Herz gehängt und damit war ich hier "gefangen". Die Güte und Liebe, die er ausgestrahlt hat, die kann man auch gar nicht beschreiben."
Babajis Ashram war schon zu seinen Lebzeiten keine Zufluchtstätte für zivilisationsmüde Aussteiger. Die Zeit, die man bleiben durfte, war begrenzt. "You leave tomorrow" 12 war eine gefürchtete Anweisung.
Und wie ging Kamalatas Leben weiter?
"Es hat einfach neu angefangen. Was ich bis dahin gelebt hatte, war abgeschnitten. Ich hatte Zahnmedizin studiert. Man musste ja dann zurück. Er bestimmte, wie lange man bleiben durfte. "You leave tomorrow", das war natürlich wie der Hammer und dann musstest du dich damit auseinandersetzen, was kommt nun wieder auf mich zu, was muss ich da wieder machen. Natürlich war es schwer, wieder in die Welt einzusteigen mit dem, was du hier geschenkt gekriegt hattest und auch mit den neuen Inhalten, die du hier gelernt hattest. Wie solltest du die wieder mit in die Welt nehmen und sie dort umsetzen? Ja, und als ich dann wieder zu hören kriegte: "You leave tomorrow", da war es auf einmal, wie als wenn jemand den Gedanken in mein Hirn getan hätte: So, jetzt gehe ich nach Hause und arbeite mit meinem Vater in der Praxis zusammen als Assistent. Das wäre für mich früher undenkbar gewesen. Meinen Vater hätte ich am liebsten früher an den Nordpol gewünscht. Ich wusste aber auch, dass dieses eine große Sehnsucht von ihm war. Für mich war es eigentlich die größte Überwindung, die ich mir vorstellen konnte. Ich bin also zu ihm, habe mit ihm gearbeitet. Es war unheimlich schwer, und als ich daraufhin das nächste Mal nach Haidakhan fuhr, starb mein Vater fünf Tage später. Die Todesnachricht erreichte mich gar nicht, weil ich gerade unterwegs war. Mit Babaji hat sich unsere Beziehung auch geklärt. Mein Vater hat mir gesagt, er würde auch auf seine Weise an Babaji glauben. Seine letzten Worten an mich waren: "Jetzt wünsche ich dir nur noch, dass du einmal einen guten Mann findest."
Drei Wochen, nachdem ich hier ankam, hat mich Babaji verheiratet! Da fragte mich Babaji eines Tages: "Can you marry Dr. Martin tomorrow? You marry Dr. Martin. Possible?"13 waren seine genauen Worte. Ja, da saß ich nun. In mir war kein Gedanke, es war nur Freude, unbändige Freude. Ich hab nicht eigentlich gedacht: Oh, wie schön oder oh, wie schrecklich. Ich hab mich nur gefreut, dass er mich das gefragt hat."
Geheiratet hat Kamalata einen Schweizer, der sein Leben als Psychiater in Zürich abgebrochen hatte, als Schüler zu Babaji gekommen war, und von ihm den Namen Hari Govind erhielt. Während der heißen Monsunzeit im Sommer lebt Kamalata nun mit ihren zwei Söhnen in Deutschland. Sie hat eine Wohnung in Rieferath, einem kleinen Dorf in der Nähe von Bonn, in dem es auch heute einen Babaji Ashram gibt. Für ihren Unterhalt sorgen die Schwiegereltern. Hari Govind lebt jetzt schon seit acht Jahren in Haidakhan und ist einer der wenigen, die ständig im Ashram leben.
"1970 habe ich das Buch gelesen von Yogananda ‚Die Autobiographie eines Yogi’“ erzählt Hari Govind, „und da habe ich ja sehr viel über Babaji gehört und in dem Moment hat meine Seele gewusst, dass Baba mein Guru ist. Ich wusste nur, ich muss gehen. Es war absolut, hundertprozentig klar in einer Sekunde. Da gab es gar nichts dran zu rütteln."
Hari Govind hat daraufhin mit seinem bisherigen Leben gebrochen. Es hat ein Jahr gedauert, bis er alle seine Verpflichtungen gelöst hatte und zu Babaji nach Haidakhan kam.
"Ich habe alles abgebrochen. Ich habe nur gewusst, so kann ich nicht weiterleben, wie ich bisher gelebt hab. Und dann... dann hat er übernommen. Ich habe einfach realisiert, dass er der ist, den ich mein ganzes Leben lang gesucht hatte. 34 Jahre war ich damals. Und dann, als ich ihn dann sah, da wusste ich, es war richtig. Da hatte ich die Gewissheit. Ja, und dann gingen die Prüfungen los. Ich hab am Anfang viele Tränen geweint, es war hart, sein Training, die ersten Monate war er eher abweisend... äußerlich abweisend. Innerlich hatte ich sehr viel erfahren. Ich muss sagen, mein Leben hat erst angefangen dort. Das ist wirklich wahr. Es war die Dimension, die zu erleben ich eigentlich 34 Jahre vergeblich gesucht hatte. Die ging dann eben langsam auf, das kann man natürlich nicht an einem Tag machen. Man bekommt Krankheiten. Ich bin noch nie in meinem Leben so viel krank gewesen. Ich hab Malaria, Hepatitis, Amöben gehabt, zwanzig Monate war ich am Rande der Erschöpfung. Nach den zwanzig Monaten hat er mich dann weggeschickt."
Zurückgekehrt in den Westen war noch einiges zu erledigen. Ein Haus zu verkaufen, eine Wohnung aufzulösen, Klarheit zu schaffen.
Heute ist Hari Govind Feuer-Yogi am Dhuni, der heiligen Feuerstelle in Haidakhan. Babaji hat das vedische Feuerzeremoniell als Ausdruck der Gottesverehrung wieder eingeführt. Bei dieser Zeremonie werden am Feuer Mantren rezitiert und Reis, Butterschmalz, Früchte, Blumen und Weihrauch geopfert. Nach der Andacht werden Früchte oder Süßigkeiten, die an der Feuerstelle gesegnet wurden, an alle Versammelten verteilt. Zweimal am Tag, bei Sonnenaufgang und bei Sonnenuntergang zelebriert Hari Govind dieses Feueropfer. Mir wurde bei meinem Aufenthalt in Haidakhan immer wieder erzählt, dass sich der Segen, der davon ausgeht, auf die ganze Region erstrecke. Es habe seit der Wiedereinführung der Feueropfer keine Dürrekatastrophe mehr gegeben und die Ernten seien besser geworden.
Nach hinduistischer Auffassung leben wir derzeit im Kali Yuga, dem dunklen Zeitalter, was jetzt zu Ende gehen soll. In einem 2000 Jahre alten Schriftstück wird diese Zeit so charakterisiert: Eine Zeit, in der Besitz allein Vorrang hat, Reichtum als einzige Tugend gilt, nur Leidenschaft Mann und Frau verbindet, und nur Unwahrheit zum Erfolg führt, der Genuss der Sinne als höchste Glückseligkeit gilt und äußere Form mit wahrer Geistigkeit verwechselt wird.
Im Gegensatz dazu steht Babajis Lehre vom Leben in Einfachheit, Liebe und Wahrheit.
"Er hat durch Erfahrung gelehrt. Er hat keine Vorträge gehalten, sondern hat im praktischen Leben deine Erfahrung vermittelt, und zwar direkt durch das Herz oder durch den Geist. Er hat dich ständig wissen lassen, dass er genau weiß, was du denkst, in jedem Moment, dass er immer dabei ist. Auch, wenn er physisch nicht anwesend war, hat er dich wissen lassen, dass er genau wusste, was in deinem Geist los war und in deinem Herzen. Er hat keine philosophischen Vorträge gehalten, sondern durch das praktische Leben gelehrt, durch Karma Yoga, durch Gottesdienst und durch seine individuelle Schulung. Es ging ihm um Wahrheit, Einfachheit und Liebe."
Außer dieser Inspiration, von der auch die Gruppe "Super Tramp" in ihrem Lied "Babaji" singt, beschränkte sich die Lehrmethode Babajis auf das strikte Befolgen der Ashramregel. Frühes Aufstehen, morgens und abends ein Bad im Fluss, danach gemeinsames Singen und Arbeit für die Allgemeinheit wurden verlangt. Dasselbe wird auch heute von Besuchern praktiziert. Der Tag beginnt früh in Haidakhan, sehr früh. Beim ersten Lesen des Tagesplanes hielt ich noch alle verrückt, die aus freien Stücken um vier Uhr morgens im eisigen Fluss baden wollten. Es war noch ziemlich kalt nachts im Februar. Ich verweigerte am ersten Morgen so frühes Aufstehen, und zauderte auch, als ich dann um sechs Uhr aus meinem Schlafsack kroch, die 108 Stufen zum Fluss hinunterzusteigen, um im Fluss zu baden. Ich benutzte die Dusche im Tempelbereich, die eigentlich nur Alten und Kranken vorbehalten war. Durch das verspätete Aufstehen hatte ich allerdings auch die morgendliche Feuerzeremonie, das Havan, verpasst. Erst am Abend bei Sonnenuntergang konnte ich dabei sein, und da stand es dann für mich fest: keine einzige Feuerzeremonie wollte ich mehr versäumen. So sehr war ich von der Kraft und der Energie, die davon ausgingen, berührt. Das Aufstehen am nächsten Morgen war einfacher, als ich es mir vorgestellt hatte. Auf dem Weg zum Fluss schützte mich eine Decke vor dem nächtlich kalten Wind und belohnt wurde ich durch die unübertroffene Pracht des Himalaya-Sternenhimmels und die unwirkliche Stille der Nacht in diesem weltfernen Tal. Dieser erste nächtliche Gang zum Fluss war ein Erlebnis und ebenso das angenehm prickelnde Gefühl auf der Haut nach dem Bad im kalten Wasser, dann die allmählich aufsteigende Wärme und das Sitzen am Feuer. Es war ein tiefes stilles Glück, das mich da zum ersten Mal erfasst hat. Und so erging es mir mit allem, wogegen ich mich vorerst innerlich gewehrt hatte. Jedes Mal, wenn ich meinen Widerstand aufgab, spürte ich den Segen, der daraus kam.
Allen, die zu ihm kamen, sagte Babaji immer wieder: Karma Yoga, also selbstlose Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit, ist der beste, leichteste und schnellste Weg zu Gott. In Haidakhan ist Karma-Yoga ein paar Stunden am Morgen und ein paar am Nachmittag ein wichtiger Teil des Tagesplanes. Jeder tut, was er kann und wofür er sich am besten eignet... in der Küche, im Garten, im Hospital oder im Büro, beim Bauen oder Renovieren eines Gebäudes. Während Babaji hier wirkte, sind schier unglaubliche Arbeiten geleistet worden mit den primitivsten Hilfsmitteln. Ein halber Berg wurde abgetragen, ein Tempelbezirk gebaut, der Fluss reguliert, die Wohngebäude errichtet. Und all das ohne technische Hilfsmittel. Mit seiner Energie hat er ungeahnte Kräfte in jedem einzelnen mobilisiert. Babaji hatte nie eine sehr große persönliche Anhängerschaft gesucht. Sein kleiner Ashram, nur über das gewundene Flusstal des Gautama Ganges beschwerlich zu Fuß zu erreichen, und kilometerweit von der nächsten Landstraße entfernt, hätte nie die vielen Tausende anlocken können, die andere Gurus und Heilige anziehen. Verehrt wurde er von den Anhängern aller Religionen. Von Hindus, Christen, Buddhisten, Juden, Sikhs, Moslems, auch Atheisten fanden den Weg zu ihm und zu seiner Botschaft. "Folge der Religion, die in deinem Herzen ist. Geh deinen Weg in Liebe, Einfachheit und Wahrheit, das ist die Essenz aller Religionen." Jeder Weg, jede Religion führt letztlich zum Ziel, wenn WAHRHEIT, EINFACHHEIT und LIEBE drin leben.


Schulung
Gaura Devi, Indien/Italien
Die Begegnung
... einer Kleinstadt zu Füßen des Himalaya. Damals wusste ich noch gar nichts über ihn. Mir war nur gesagt worden, dass ein großer Yogi, - die Inkarnation des Haidakhan Baba -, ein großer Heiliger aus früheren Zeiten, in die Stadt gekommen sei. Es ist schwierig mit Worten zu beschreiben, was ich bei seinem Anblick fühlte. Babaji begegnete mir das erste Mal im April 1972 in Almora. Er sah so unirdisch, fast unwirklich aus wie er so da saß, ganz in weiß gekleidet wie eine Statue, die Frieden und Schönheit ausstrahlte. Welch eine Stille, welch eine Vollkommenheit! Seine Augen waren dunkel und tiefgründig, kraftvoll und beängstigend zugleich. Er glich einem weisen, wissenden Engel mit seiner zarten, lieblichen Gestalt.
Jedes Mal, wenn sich jemand vor ihm verneigte, hob er seine Hand zum Segen und ein unendlich zartes Lächeln des Mitgefühls huschte über seine edlen Züge. Es war als träume ich, als hätte ich eine zauberhafte Vision inmitten eines kleinen Raumes angefüllt mit Menschen und Musik.
Kein Wort wurde gesprochen. Dennoch entspannte sich ein Gespräch zwischen ihm und mir und er beantwortete alle Fragen meines Herzens. Innerlich bewegt und berührt von dieser mysteriösen, wortlosen Begegnung ging ich nach Hause. In derselben Nacht träumte ich von Babaji. Ich befand mich in einem dichten, dunklen Wald. Plötzlich erschien Babaji; er durchbrach die Dunkelheit als helles Licht. Wie ein Hirte hielt er einen Stab in der Hand und umringt von einigen Schülern sagte er zu mir: "Ich bin der Meister deines Lebens".
"Was wirst du mich lehren?", fragte ich.
"Ich werde dich lehren, auch die einfachsten und niedrigsten Dinge sorgfältig auszuführen", antwortete er und verschwand.
Mit dem Wunsch im Herzen, ihm recht bald wieder zu begegnen, erwachte ich am Morgen. Einige Tage später machte ich mich auf den Weg zu seinem Wohnort nach Haidakhan, einem winzigen Dorf, welches das Tal des Gautama Ganga Flusses überschaut.
Die Reise nach Haidakhan
Mit einer Gruppe von Menschen, die alle aus dem Westen kamen, suchte ich Haidakhan auf. Es war ein heißer Sommertag. Überall um uns herum wuchsen Bananenstauden und Mangobäume, tropische Vögel sangen und das Wasser, das wir überquerten, schimmerte und gurgelte, als es über die weißen, polierten Steine des Flussbettes sprang. Alles war rein und unbeschreiblich schön und grün überall. Die Frauen aus dem Dorf stiegen den Hügel herab, um Wasser aus dem Fluss zu schöpfen, sie waren einfach und stark mit ihren sonnengebräunten Gesichtern. Mir war, als käme ich nach unendlicher Zeit zurück nach Hause in ein uraltes Land, das Land einer Märchenerzählung.
Babaji
Babaji führte mich hinauf und gemeinsam umrundeten wir den Tempel. Wir läuteten die Glocken wie in einem alten, seit langem vergessenen Ritual. Dann setzte er sich mit mir in einer Ecke nieder und schrieb mit einem Stein das Wort "Gott" in den Sand. Furcht durchzog mein Herz bei diesem einfachen Wort, und als ich ängstlich zu ihm aufschaute sagte er sanft: "Gott ist Liebe!"
Ich fühlte mich scheu und schüchtern vor ihm. Seine Energie war stark und ganz anders als von den Menschen, denen ich jemals in meinem Leben begegnet war. Seine Schönheit und seine Harmonie waren jenseits aller Worte.
Ein wenig später ließen wir uns in Babajis Dhuni-Raum nieder - einem Raum mit einer Feuergrube - in dem er lebte. Frauen aus den Bergen waren gerade eingetroffen und saßen in einem großen Kreis. Sie waren bunt angezogen wie einfache Zigeuner und lachten mich an.
Am Abend begann eine Zeremonie im Tempel, die mich sehr stark bewegte. Babaji saß reglos wie eine Statue in Yoga-Position mit geschlossenen Augen in Meditation. Die Schüler schwenkten eine Butterlampe vor ihm und unter dem Licht der Lampe nahm Babajis Antlitz einen göttlichen Schimmer an. Es entströmte ihm reine Energie, die den Schein des Lichtes auf uns zurückwarf. Ein Mann zitterte und bebte vor Erregung, Tränen flossen ihm über die Wangen. Er wusste, er stand vor dem Herrn. Ich konnte meine Augen nicht abwenden von Babajis ätherischer Schönheit und plötzlich fühlte ich mich in eine andere Welt versetzt, ich wurde durch ein Wunder in ein weit entferntes magisches Land versetzt.
Am folgenden Tag rief mich Babaji und fragte, ob ich ihm folgen und mit ihm reisen wolle. Spontan sagte ich zu. Trotz meines Unwissens um seine Person wusste ich in meinem Herzen, dass ich ihm folgen musste.
Vrindaban
Wir machten uns auf den Weg nach Vrindaban, der Stadt von Lord Krishna und als wir dort ankamen, meinte ich, an einem himmlischen Ort zu sein. Die Häuser waren uralt und verziert mit den verschiedensten Skulpturen und Verzierungen. Überall standen Tempel, die von Gesängen und Gebeten widerhallten und auf den Straßen wandelten viele Mönche und Nonnen (Sadhus). Niemals war ich an einem solchen Ort gewesen, die Zeit schien hier nicht existent zu sein, und ich fühlte mich um 2000 Jahre zurück versetzt.
In Vrindaban saß Babaji die meiste Zeit auf seinem Sitz in einem Tempel. Er war von singenden Menschen umgeben, die alle wie verzaubert schienen. Er gab "Darshan"14 und in Indien wird gesagt, wenn man nur einen Blick auf die verkörperte Form Gottes wirft, dass dann alle Wünsche in Erfüllung gehen. Sein Darshan war wirklich mysteriös, etwas Fremdes, denn er arbeitete durch die Kraft der Stille. Bewegungslos saß er da, schaute in jedermanns Augen und wandelte die Herzen aller, die zu ihm kamen. Es war die Magie der göttlichen Präsenz und die kraftvolle Ausstrahlung seines Geistes, die telepathisch mit allen Anwesenden kommunizierte. Seine Gegenwart schien zu bezaubern und ist schwierig zu beschreiben.
Seine Gestalt schien mir die vollkommenste zu sein in all ihrer Schönheit und Vollendung. Sie strahlte Harmonie, Wahrheit und Liebe für alles Existierende aus - danach hatte ich mich mein ganzes Leben lang gesehnt. Die von ihm ausgehende, mir unbekannte Energie war so stark, dass ich mich oftmals vor ihr fürchtete. Babajis Liebe ließ mich dieses Hindernis überwinden und füllte die schmerzvolle Entfernung, die ich bei seinem Anblick und dem ihn umgebenden Geheimnis verspürte.
Wenn immer ich mich fürchtete und ich mich in mich zurückzog, lächelte er mich an, sagte ein nettes Wort, überreichte mir eine Süßigkeit oder eine Frucht als "Prasad", eine Gabe von Gott. Nur durch seine Gnade war es mir vergönnt, seine Gegenwart zu ertragen.
Wenn immer ich vor ihm stand oder in seine Augen schaute, fühlte ich, dass er mein ganzes Wesen, meine Gedanken und Gefühle durchleuchtete und mir sofort darauf antwortete. Es war ein so klares, deutliches Zeichen, dass keine Zweifel aufkamen. Babaji saß da wie das allmächtige, allumfassende Bewusstsein, er kannte jeden und wusste um alles. Seine Liebe war immer gegenwärtig, eine ständig gebende Energie, ein reines klares Licht.
Ich war fasziniert von der Atmosphäre im Tempel. Alles sah so vollkommen und heilig aus, der Duft der Blumen und des Weihrauches, die Melodien der alten Gesänge und diese wunderschönen, einfachen indischen Menschen, die sich ehrfurchtsvoll aus tiefstem Glauben vor ihm verneigten und so seinem Wesen huldigten. Die Hingabe dieser Menschen an ihn kam aus ihren Herzen, sie war spontan und stark, denn er vermittelte ihnen die Vision des verkörperten Herrn.
Die Lehre
Dann begann das Spiel. Es war eine lange und schwierige Lehrzeit für die Seele, aber versüßt durch seine Gegenwart. Jeder Tag mit ihm war ein göttliches Fest, jeder Tag der langen Jahre war eine Feier der Verkörperung des Göttlichen auf der Erde unter uns. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen was da war an seiner Gestalt, das mich ihn stundenlang, monatelang, jahrelang anschauen ließ. Seine Gestalt war wie ein Symbol, ein Ausdruck von allem, was wir jemals in dieser Welt lieben können: Friede, Kraft, Lieblichkeit, Schönheit, Energie, Wissen, Unendlichkeit...
Die ihn umgebende Energie war so mächtig, dass sie uns jede Sekunde in Konzentration verharren ließ, sie verscheuchte Müdigkeit, Schlaf oder Hunger. Jeder war bereit, ihm und anderen im höchsten Maße zu dienen und diese Bereitschaft mündete in einer fühlbar erhebenden Atmosphäre.
Babaji stand mitten unter uns wie der Regisseur eines göttlichen Theaters und übertrug jedem eine perfekte Rolle in dem Spiel, zu dem er uns vollkommene Werkzeuge gab, um die Rollen zu lernen. Seine Lehrmethode war streng aber spielerisch, großzügig und weich zur gleichen Zeit. Er versuchte, uns das Spiel der menschlichen Existenz bewusst zu machen, es gut zu spielen und jenseits aller Grenzen zu gehen, wunschlos, zurück zur ewigen Wahrheit.
Er lehrte mit unendlicher Liebe und Geduld und wiederholte die Lektion wenn nötig unzählige Male. Seine Gestalt hatte eine magnetische Anziehungskraft und man liebte und hing an ihm so wie eine Motte, die, hilflos angezogen vom Licht, in die Helligkeit hineinfliegt und verbrennt. Genauso erging es vielen. Sie fühlten die Furcht, sich an seiner ungeheuren Kraft zu verbrennen. Auf der anderen Seite war eine friedvolle Stille um ihn, die so schwer in Worte zu fassen ist, ein Gefühl von Verbundenheit, absoluter Sicherheit und Schutz. Seine Liebe war oft wie die eines Vaters und einer Mutter zugleich, es war eine heilende Liebe, zart und warm und in seiner Gegenwart wurde man wieder zum Kind. Immer wusste er um alle Nöte und manchmal erfüllte er selbst die kleinsten versteckten Wünsche, so als müssten sie erst auf der materiellen, menschlichen Ebene erfüllt werden, bevor das Göttliche seinen Einzug halten konnte.
Babaji würde mit uns den ganzen Umwandlungsprozess durchlaufen, wenn nötig. Ich war oft innerlich bewegt von seinem Mitgefühl und durch sein Opfer für uns. Es kam mir vor, als würden wir ihn ständig aussaugen, so als ob der Meister sich völlig seinen Schülern hingeben muss, um seine Arbeit vollenden zu können - wie das Kreuz es symbolisiert.
In den ersten Monaten meiner Anwesenheit reisten wir mit vielen Schülern durch Indien. Es war eine Lehre von Herz zu Herz ohne Worte, schwer und kraftvoll zugleich. Für mich war diese Reise eine Anbetung der tausend Gesichter Gottes und die Verehrung der lebenden Verkörperung Gottes. Es war die Manifestation von Gnade. Die Zeit, die wir in Vrindaban verbrachten, war erfüllt mit Hingabe und Verehrung. Wir erhoben uns früh am Morgen beim Klang der Tempelglocken und bei den süßen, melodischen Gesängen der Priester. Die ganze Stadt, in jeder Ecke, in jeder Straße erhoben sich die Seelen der Menschen im Gebet zu Gott. Ich schlief auf dem Ashramdach, inmitten von Affen und wurde durch die Gebete geweckt. Mir war, als badete ich in einem starken Fluss von Hingabe, der ein neues Gottesbewusstsein zum Entfalten brachte.
Babaji versorgte uns die ganze Zeit wie eine großzügige Mutter mit Süßigkeiten, jedem gab er reichlich und lehrte uns die Begriffe Freude, Überfluss und welche Wonne das Geben ist.
Die Erfahrung wahrer spiritueller Liebe ist nicht einfach. Immer war eine Distanz zu überwinden und die scheinbare Trennung schmerzte tief. Unsere Liebe zu ihm konnte nicht besitzergreifend sein oder nach mehr verlangen, Vereinigung mit ihm musste in der Vereinigung mit Gott liegen. Oft verlor ich mich in meinen eigenen Verstrickungen und war in einem geistigen Verlies gefangen, aus dem ich nur schwer entrinnen konnte.
Bald verstand ich sein Geheimnis und die daraus entstehenden Hürden: es war die Stille, die im eigenen Geist hervorgebracht werden musste, um empfangsbereit für seine sanfte Energie zu werden. Er selber war diese große Stille, die so schwer zu ertragen war, er war der vollkommene, leere und oft verlegen machende Spiegel meines Selbst.
Unterricht in Haidakhan
Nach einem Jahr des Herumreisens kehrten wir nach Haidakhan zurück und hier begann sein wahrer Unterricht. Ich musste dem Meister nun von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen. Dieser Zustand erinnert mich an einen Satz, den ich irgendwo gelesen hatte: "Bevor die Seele vor einem Meister stehen kann, müssen seine Füße im Blut des Herzens gebadet sein." Die Phase der Hingebung war beendet, ich musste jetzt hart an mir arbeiten und ging durch eine Zeit der physischen und mentalen Reinigung. Ich musste mein Haar scheren, weiße Kleidung tragen und körperlich viel arbeiten, besonders in der Küche, Wasser schleppen, saubermachen und riesige Töpfe schrubben. Diese Disziplin stählte den Körper. Ich stand um vier Uhr in der Früh auf, badete im kalten Wasser des Flusses, meditierte, betete, arbeitete den ganzen Tag und betete am Abend wieder. Der Zeitplan war sehr eng, es blieb keine Zeit für mich, keine Zeit zum Nachdenken, ich war immer beschäftigt und wiederholte ohne Unterlass das Mantra. Der Geist wand sich unter Gedanken und Wünschen, der Körper sehnte sich nach den üblichen Annehmlichkeiten und Babaji schien oft sehr weit weg zu sein, so unnahbar, so wortkarg. Er war ein strenger Meister.
Ich erinnere mich noch and den ersten heißen Sommer in Haidakhan, die Hitze, die Arbeit, die meinen Körper und meinen Geist erschöpften und leerten. Nachts schlief ich im Freien auf einer Mauer, die den Bergen zugewandt war. Über mir wölbte sich der nachtblaue Himmel mit der tropischen Sternenformation während leichte nach Jasmin duftende Windstöße mir Kühlung brachten. Jeden Morgen würde ich das Heraufziehen der Dämmerung beobachten, die ersten hellen, rosafarbenen Stahlen. Jeder Tag war der Anfang eines neuen Abenteuers. Babaji lehrte mich wie ein Kind indisches Fladenbrot zu backen und die ersten Hindiworte. Ich fing ein neues Leben an.
Eines Nachts nahm mich Babaji mit hinunter zum Fluss. Ich fürchtete mich sehr davor, mit ihm allein zu sein. Er setzte sich vor mir auf einen Felsen, nahm meine Hand in seine Hand und fragte, ob ich glücklich sei. Ja, das war ich, sagte ich, denn er war mir begegnet. Eine Weile saßen wir noch schweigend da, dann führte er mich an seiner Hand zurück zum Tempel. Von diesem Tage an fühlte ich mich ihm sehr nahe und es war mir, als könne ich von nun an dem Meister und der göttlichen Präsenz zum ersten Male ohne Furcht begegnen. Er hat mir eine solch reine, sanfte Liebe entgegengebracht, die mir das Gefühl gab, ein Stück von ihm zu sein.
Das erste Mal, dass ich bat, mich Entsagung (Sadhana) zu lehren, antwortete er: "Nur eine Mahlzeit täglich, keinen Tee, dafür aber Om namah Shivay vierundzwanzig Stunden am Tag." So einfach und doch so schwer!
Wir alle im Ashram mussten blindlings seinen Anweisungen folgen. Dies war eine große Herausforderung für unsere Hingabe, besonders für eine Person aus dem Westen wie mich, die sich immer gegen jede Autorität aufgelehnt hat. Aber Babajis Wesen war so göttlich, und Gehorsam und blindes Vertrauen waren die Basis des Weges. Manchmal wollte ich fortlaufen und oft lehnte ich mich innerlich auf, aber es waren immer seine Liebe und seine Energie, die mich trotz der Schwierigkeiten weitermachen ließen.
Babaji stieß uns oft jenseits unserer Grenzen. Ich erinnere mich an einen stundenlangen Spaziergang mit ihm in des Sommers Hitze. Ich lief barfuß über heiße Steine ohne einen Tropfen Wasser zum Trinken, wir erklommen den ganzen Tag die Berge, ohne einen Bissen zu uns zu nehmen, oder eine Rast zu machen. Er lehrte uns jenseits der Grenzen des physischen Körpers zu gehen und unsere eigene wahre Quelle zu finden: inneres Glück.
Der Winter kam nach Haidakhan. Nirgendwo konnten wir uns schützen. Wir schliefen in den kalten Bergen, sprangen in das eiskalte Wasser am Morgen und sangen dabei lauthals das Mantra, um darüber die Kälte zu vergessen. Ich gewöhnte mich daran, in der aufkommenden Dämmerung zum Fluss zu gehen und die Sterne zu betrachten. Dabei sang ich laut seinen Namen und bald wuchs eine neue Kraft in mir. Eine neue Energie umgab mich überall wie ein elektrischer Strom, aus der überall neues Leben erwuchs.
Nach dem Bad saß ich bei Babaji in seinem Dhuni, nahm seine Stille in mir auf, den Geruch des Feuers und des Weihrauch und manchmal sang ich mit ihm die süßesten Weisen der Welt.
Eines Nachts gab mir Babaji die Erlaubnis, mit ihm in seinem Zimmer zu meditieren. Ich saß auf dem Boden mit geschlossenen Augen und bat ihn innerlich, mir etwas von ihm zu enthüllen. Nach einer Weile öffnete ich meine Augen und erblickte anstatt seiner einen riesigen Regenbogen, der wie ein Kreis in allen Farben schimmerte. Die Vision war so stark, dass mir Tränen über die Wangen rollten und ich wurde an das reine Licht erinnert, das der Körper des Herrn war. Plötzlich nahm Babaji wieder Gestalt an und stimmte mit einem Lächeln einen wunderschönen göttlichen Gesang an.
Nach vier oder fünf Jahren kamen unzählige Schüler aus ganz Indien und aus den westlichen Ländern nach Haidakhan und erfüllten eine alte Prophezeiung, dass eines Tages die ganze Welt in das kleine Dorf von Haidakhan kommen würde. Jeden rief er auf seine mysteriöse Art und Weise zu sich, durch den inneren Ruf.
Babaji lehrte jedermann zu arbeiten und zu dienen und die Disziplin des spirituellen Lebens. Er vermittelte spirituelle Stärke und Mut. Sein Hauptanliegen war das Erlernen von Demut, das Loslassen von Stolz und wie ein leeres Gefäß vor Gott zu stehen. Er lehrte Einfachheit und Glücklichsein mit wenig Essen, einfacher Kleidung und ohne materiellen Komfort. Als Ausgleich wurde man von göttlicher Energie erfüllt. Er lehrte Wahrheit auf jedem Schritt: Wahrheit des Herzens, des Geistes und der Gefühle und die Kontrolle unnötiger Gedanken und Phantastereien. Er lehrte Aufopferung und spirituelles Wachsen, die Heiterkeit der Seele und zeigte uns den Weg zum inneren Frieden.
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