Kitabı oku: «Notfälle bei Hund und Katze»

Yazı tipi:

Gisa Löwe & Olof Löwe

Notfälle
bei Hund und Katze

Ein tierärztlicher Ratgeber

Ursachen • Symptome • Erste Hilfe

Kynos Verlag

© 2021 KYNOS VERLAG Dr. Dieter Fleig GmbH

Konrad-Zuse-Straße 3 • D-54552 Nerdlen/Daun

Telefon: +49 (0) 6592 957389-0

www.kynos-verlag.de

Bildnachweis: S. 180

eBook-Ausgabe der Printversion 2021

ISBN-eBook (epub): 978-3-95464-266-3

ISBN gedruckte Ausgabe: 978-3-95464-254-0


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Hinweis an die Leser

Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im gesamten Text für die Berufsbezeichnung „Tierarzt“ sowohl im Singular als auch im Plural und bei Personengruppen wie „Tierbesitzer“ einheitlich die männliche Form verwendet. Selbstverständlich sind die Angehörigen beider Geschlechter gemeint.

Die tiermedizinische Wissenschaft und mit ihr auch Behandlungsrichtlinien und Medikamente sind einer ständigen Entwicklung unterworfen und können irgendwann nicht mehr aktuell sein.

Auch Internetadressen sind teilweise einem schnellen Wechsel unterworfen, sodass eventuell nicht immer alle angegebenen Seiten aktuell sind.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil 1 Allgemeine Informationen

Herzlich willkommen!

Checkliste wichtiger Daten für einen Notfall

Normalwerte bei Hunden und Katzen

Notfallinformationen – Checkliste für einen ersten Anruf beim Tierarzt

Wiederbelebung (Reanimation)

Heimlich-Manöver

Transport eines verletzten Tieres

Erste-Hilfe-Set

Teil 2 Notfälle von A – Z

Allergische Reaktion (Anaphylaxie)

Augapfelvorfall (Bulbusprolaps)

Austrocknung ➞ Dehydratation

Bissverletzung

Blasenbildung

Bluterguss

Blutungen am Augapfel und um das Auge herum

Blutung aus der Nase

Blutung, starke

Chemikalien im Auge (Verätzung am Auge)

Dehydratation

Eklampsie

Erfrierung

Erstickungsanfall

Ertrinken

Fieber

Fremdkörper in den Atemwegen

Fremdkörper im Auge

Fremdkörper im Gehörgang

Fremdkörper in der Haut

Fremdkörper in der Nase

Fremdkörper in der Speiseröhre

Geburt und Geburtsschwierigkeiten

Harnwegsverschluss (Ureterobstruktion, Urethraobstruktion)

Hitzschlag ➞ Überhitzung

Hornhautverletzung am Auge

Insektenstich

Knochenbruch

Krämpfe

Kopfverletzung ➞ Schädel-Hirn-Trauma

Lähmung

Luxation

Magen-Darm-Entzündung (Gastroenteritis)

Magendrehung (Torsio ventriculi)

Ohnmacht (Synkope)

Reisekrankheit

Schädel-Hirn-Trauma

Schlaganfall

Schlangenbiss

Schnittverletzung

Schock

Stichwunde

Stromschlag

Übelkeit ➞ Reisekrankheit

Überhitzung (Hyperthermie)

Untertemperatur (Hypothermie)

Verätzung der Haut

Verbrennung

Vergiftung

Verstauchung (Distorsion)

Wirbelsäulenverletzung

Zahnschmerzen

Zeckenbiss

Teil 3 Anhang

Quellen

Basis – Literaturquellen

Bildnachweis

Über die Autoren

Checklisten

Vorwort

In Deutschland leben nahezu 25 Millionen Hunde und Katzen in ca. 25 % der Haushalte.

Schnell ist ein Malheur passiert oder aber auch ein ernsthafter Notfall eingetreten.

Kenntnisse zur Ersten Hilfe bei Hunden und Katzen von der einfachen Wundversorgung bis zur Wiederbelebung können, bis eine professionelle Versorgung möglich ist, sehr hilfreich sein. Mehr noch, in besonders kritischen Situationen können Sie damit das Leben Ihres Tieres retten.

Durch etwas Vorbereitung, einige spezielle Kenntnisse und etwas Training sind Sie dazu in der Lage.

Mit diesem Buch möchten wir Sie dabei unterstützen.

In Teil I finden Sie einige Informationen für den Notfall. Sie betreffen die Daten, die Sie vorsorglich zur Hand haben sollten, Normwerte bei Hunden und Katzen, was für einen Anruf bei Ihrem Tierarzt wichtig ist, Maßnahmen zur Wiederbelebung (Reanimation), Hinweise für den Transport Ihres Tieres bei einem Notfall sowie die Haustierapotheke.

Der Hauptteil (Teil II) beinhaltet in alphabetischer Reihenfolge jederzeit mögliche Notfälle.

Sie erhalten dazu jeweils Informationen zu den Ursachen, Symptomen und der Ersten Hilfe. Wir beraten Sie, wann Ihre Erste Hilfe vermutlich ausreichen wird, wann Sie doch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollten und in welchen Fällen Sie sofort zu einer Tierklinik fahren sollten.

Ein abschließendes Sachverzeichnis erleichtert Ihnen das schnelle Auffinden der beschriebenen Notfälle.

Teil 1 Allgemeine Informationen

Herzlich willkommen!

Notfälle treten nicht sehr oft ein, doch wenn einer vorliegt, haben Sie keine Zeit, sich über notwendige Maßnahmen zu informieren oder Techniken wie die Wiederbelebung (Reanimation) oder das Verhalten bei einem Erstickungsanfall (Heimlich-Manöver) zu erlernen.

Wir haben viel Zeit und Sorgfalt dafür verwendet, Sie an unserem Wissen und an unseren Erfahrungen im Umgang mit Notfällen teilhaben zu lassen.

Wir möchten Sie dazu ermutigen und dabei unterstützen, Ihrem Tier bei Notfällen zu helfen.

Dazu gehört, zu erkennen, wann ein Notfall vorliegt, was Sie unter Berücksichtigung Ihres spezifischen Wissensstandes tun können und wann unbedingt sofort professionelle Hilfe notwendig ist.

Bitte bedenken Sie immer, dass ein Tierarzt die Situation erst, wenn er Ihr Tier sieht, komplex beurteilen und die beste Behandlung bieten kann.

Alle Angaben sind ohne Gewähr.

Wenn Sie einen Hund oder eine Katze zu sich nehmen, empfiehlt es sich bereits dann, einige Dinge für Notfälle vorzubereiten.

 Unter welcher Rufnummer kann ich einen Tierarzt 24 Stunden an jedem Tag des Jahres erreichen?

 Wo kann ich einen Erste-Hilfe-Kurs für Hunde und Katzen besuchen?

 Was benötige ich im Notfall (Erste-Hilfe-Set)?

 Wie kann ich im Notfall mein Tier transportieren?

Checkliste wichtiger Daten für einen Notfall

Für Notfälle ist es sinnvoll, einige Kontaktdaten, den Impfausweis und die wesentlichen Behandlungsdaten Ihres Tieres in einer gesonderten Mappe griffbereit aufzubewahren.

Manche Tierärzte bieten einen Online-Zugang zu der Patientenakte Ihres Tieres an.

Erfassen Sie die untenstehenden Daten Ihres Tieres schriftlich und aktualisieren Sie diese regelmäßig. Neben der Papierform bietet sich ein digitales, cloudbasiertes Notizbuch auf Ihrem Smartphone oder Rechner an. Es gibt inzwischen auch spezielle Apps zu diesem Zweck. Wir haben hier ein Musterformblatt erstellt, welches Sie auf S. 189 zum Herausnehmen finden oder als Download unter www.hundebuchshop.com/notfallcheckliste.htm zur Verfügung steht.


Das ausführliche Formular zum Heraustrennen finden Sie auf S. 189 oder als Download unter www.hundebuchshop.com/notfallcheckliste.htm

Normalwerte bei Hunden und Katzen

Da die meisten physiologischen Daten Schwankungen unterworfen sind, ist es empfehlenswert, wenn Sie diese ohne jede Stress-situation bei Ihrem gesunden Tier messen. Dadurch lernen Sie die individuellen Werte Ihres Tieres am besten kennen.

Körpertemperatur (RT)

Die Körpertemperatur wird sowohl beim Hund als auch bei der Katze im Enddarm (Rektaltemperatur, RT) gemessen. Sie liegt bei beiden Tierarten bei 37,5 – 39,0 °C.

Sie unterliegt gewissen Schwankungen, abhängig von der Tageszeit, der Größe und dem Alter des Tieres sowie seiner aktuellen körperlichen Aktivität.

Morgens ist die RT etwas niedriger als am Abend. Kleinere Rassen haben eine etwas höhere RT als große Tiere. Jungtiere weisen eine etwa um 0,5 °C höhere RT auf als erwachsene Tiere und nach anstrengender körperlicher Aktivität ist sie deutlich höher als beim ruhenden Tier.

Bei einer Erhöhung um 0,5 °C wird von einer erhöhten Temperatur gesprochen. Steigt die RT auf 40 °C oder darüber an, spricht man von Fieber.

Atemfrequenz (AF)

Die Atemfrequenz beträgt bei Hunden 15 – 25 Atemzüge (AZ)/min und bei Katzen 20 – 40 AZ/min. Auch die AF unterliegt vielen Einflussgrößen wie Alter, Größe, körperlicher Aktivität des Tieres sowie der Umgebungstemperatur und kann erhebliche Schwankungen aufweisen.

Die Atmung soll leicht und ohne Nebengeräusche sein.

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Herzfrequenz (HF)

Die Herzfrequenz beträgt beim Hund 60 – 100 Schläge/min und bei der Katze etwa 140 – 180 Schläge/min. Beim Hund gibt es einen von der Atmung abhängigen Rhythmus. Beim Einatmen erhöht sich die Herzfrequenz und beim Ausatmen nimmt sie wieder ab.

So misst man die Herzfrequenz

Der Pulsschlag wird am besten am stehenden Tier an der Innenseite des Oberschenkels weit oben, nahe dem Hüftgelenk, mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger und leichtem Druck gefühlt. Die Herzfrequenz kann man an der linken Brustwand hinter dem linken Ellenbogen fühlen. Bei Hunden am besten durch Auflegen der flachen Hand, bei Katzen durch Auflegen von 2-3 Fingern. Das erfordert etwas Übung. Probieren Sie es deshalb am besten in Ruhe am gesunden Tier einmal aus. Zählen Sie eine halbe Minute lang und verdoppeln dann die Anzahl der Schläge.


Schleimhäute und Kapillarfüllungszeit (KFZ)

Schleimhäute sind blassrosa und feucht. Andere Farbtöne wie bläulich, rot, gelb oder weiß sind pathologisch (krankhaft).

Übt man einen deutlichen Druck mit dem Finger auf die Schleimhaut der Lefze oder auf das Zahnfleisch im Bereich des Eckzahnes aus, entsteht für kurze Zeit eine Blutleere, erkennbar an einem weißen Bezirk, auf den der Fingerdruck ausgeübt wurde. Die Durchblutung kehrt bei einem nicht unter Flüssigkeitsmangel leidenden Tier innerhalb von ein bis zwei Sekunden zurück und der weiße Bezirk auf der Schleimhaut verschwindet wieder. Die Zeitspanne von der Blutleere bis zur Rückkehr der Durchblutung wird als Kapillarfüllungszeit, abgekürzt KFZ, bezeichnet. Die KFZ ist ein sehr sensibler und zuverlässiger Parameter zur Beurteilung des Wasserhaushaltes des Tieres. Lediglich bei speziellen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems kann die Aussagekraft der KFZ beeinträchtigt sein.



Der nach Druck mit dem Finger auf das Zahnfleisch entstandene weiße Fleck sollte nach 1-2 Sekunden wieder verschwunden sein.


Physiologische Normwerte bei Hund und Katze
Physiol. NormwerteHundKatze
RT (°C)37,5 – 39,037,5 – 39,0
RT Welpen39,0 – 39,539,0 – 39,5
AF (AZ/min)10 – 3020 – 40
HF (Schläge/min)60 – 120120 – 180
HF kleine Rassen80 – 180
HF Welpen100 – 200
KFZ (s)1 – 21 – 2

Notfallinformationen – Checkliste für einen ersten Anruf beim Tierarzt

Liegt bei Ihrem Tier vermutlich ein Notfall vor, informieren Sie Ihren Tierarzt möglichst bereits telefonisch von Ihrem Kommen. Für bestimmte Fälle kann er dann bereits Vorbereitungen treffen. Schicken Sie keine E-Mails oder Textnachrichten per SMS etc. Unter den üblichen Bedingungen in einer Kleintierpraxis oder Kleintierklinik ist es den Tierärzten meist nicht möglich, solche Mitteilungen ständig im Blick zu behalten.

Bei einem ersten Anruf informieren Sie Ihren Tierarzt möglichst kurz und präzise über den vorliegenden Notfall.

 Was für ein Notfall liegt vor?

 Wann ist der Notfall eingetreten?

 Ist das Tier ansprechbar?

 Was wurde bisher unternommen?

 Wie sehen die Schleimhäute aus?

 Falls möglich, wie sind die Werte für RT, AF, HF und KFZ?

Wiederbelebung (Reanimation)

Unter einer Wiederbelebung (Herz-Lungen-Wiederbelebung, engl. CPR für cardiopulmonary resuscitation) im Sinne einer Ersten Hilfe versteht man eine durch eine Person durchgeführte Beatmung und Herzdruckmassage bei einem Patienten (Hund, Katze), der keine eigene Atmungs- und Herzfunktion mehr aufweist.

Kenntnisse zur Wiederbelebung können lebensrettend für ihr Tier sein.

Sie erfolgt nach der sogenannten ABC-Methode.

Diese Methode findet Anwendung, wenn keinerlei Hilfsmittel oder Medikamente zur Verfügung stehen. Unter Klinikbedingungen erfolgen selbstverständlich andere Maßnahmen.

A steht für Atemwege

B steht für Beatmung

C steht für Cardiale Reanimation

Es sollte eine strukturierte Vorgehensweise nach diesem ABC-Schema geübt werden.

Sie können das Zuhause mehrfach in Gedanken durchgehen, an Ihrem Tier andeutungsweise (!) üben oder am besten in einem Erste-Hilfe-Kurs an einem Dummy trainieren.

Erste Hilfe 1

Prüfen Sie, bevor Sie beginnen, ob das Tier nicht doch ansprechbar ist. Dann ist keine Reanimation notwendig. Bei krampfhaften Atemzügen, sogenannter Schnappatmung, beginnen Sie sofort mit den Brustkorbkompressionen.

A Kontrolle der Atemwege

 Hund in die rechte Seitenlage bringen, damit das mehr links im Brustkorb liegende Herz besser erreicht werden kann

 Öffnen der Maulhöhle

 Kontrolle der Maulhöhle nach sichtbaren Fremdkörpern, die die Atemwege verlegen

 Zunge leicht herausziehen und zur Seite ziehen

 Kopf strecken

 Zunächst erfolgt ein einmaliger Druck auf den Brustkorb, um einen Ausatmungsstoß zu simulieren und damit nochmals zu prüfen, ob Erbrochenes oder andere Fremdkörper die Atemwege verlegen und entfernt werden müssen.

Die Atmungskontrolle erfolgt durch das Ansehen der Bewegungen des Brustkorbes oder durch die Kontrolle der Ausatmung, indem ein Handrücken vor die Nasenöffnungen gehalten wird.

B Beatmung

Kann keine Atmung festgestellt werden, beginnen Sie mit der Beatmung.

 Die Zunge wird in die Maulhöhle zurückverlagert und die Maulhöhle geschlossen.

 Umfassen Sie das Maul des Tieres und biegen den Kopf des Tieres leicht nach hinten, bevor Sie mit der Beatmung beginnen.

 Wenn möglich, ziehen Sie auch den Unterkiefer etwas nach vorn.

 Wenn Sie den Kopf Ihres Tieres nicht nach hinten biegen, könnte es sein, dass die eingeblasene Luft nicht in die Lungen, sondern in den Magen gelangt.

 Halten Sie die Maulspalte des Tieres geschlossen.

 Legen Sie ein sauberes Tuch über die Nasenöffnungen und blasen Sie so, dass sich der Brustkorb nur leicht anhebt.

 Die Schnauze des Tieres wird mit einer Hand fest umfasst und es erfolgt die Mund- zu Nasenbeatmung mit zunächst 1 – 2 Atemzügen pro Minute.

 Insgesamt sollten 20 Atemzügen pro Minute bei großen Hunden und 24 Atemzügen pro Minute bei kleinen Hunden oder Katzen erfolgen.

 Zwischen den einzelnen Atemzügen muss man Zeit lassen zur Ausatmung.

Bedenken Sie, dass Ihr Atemzugvolumen höchstwahrscheinlich deutlich größer als das Ihres Tieres ist.

Sie dürfen also nicht einen vollen, kräftigen Atemzug in Ihr Tier hineinblasen. Das würde die Dehnbarkeit der Lunge des Tieres überfordern und die Lungenbläschen zum Platzen bringen. Der Brustkorb soll sich nur leicht anheben. Wenn er sich nicht anhebt, müssen Sie den Kopf etwas weiter in den Nacken biegen und die Beatmung erneut versuchen.

Bei sehr kleinen Tieren genügt es eventuell, nur das Luftvolumen Ihres Mundes mit der Kraft Ihrer Wangen langsam in das Tier zu übertragen. Auch hier soll sich der Brustkorb leicht anheben.

Sollte Ihr Tier normale Bewegungen ausführen, unterbrechen Sie die Notfallmaßnahmen und beobachten Sie es. Krämpfe sind keine normalen Bewegungen.


Zur Beatmung umfassen Sie so das Maul und biegen den Kopf leicht nach hinten.


Drücken Sie zur Herzmassage bei Herzstillstand ca. 60 – 80 Mal pro Minute mit gestreckten Armen auf die höchste Stelle des Brustkorbs hinter dem linken Ellbogen.

C Cardiale (engl. Herz-) Reanimation bei Herzstillstand

Unter einer kardialen Reanimation versteht man alle Maßnahmen, die der Beendigung des Herz-Kreislaufstillstandes dienen.

Es erfolgt zunächst einmalig ein sogenannter „präkordialer Faustschlag“ (Begriff aus der Humanmedizin, präkordial bedeutet „vor dem Herzen“ gelegen). Beim Hund erfolgt dieser bei dem in rechter Seitenlage befindlichen Hund seitlich in Verlängerung des Ellenbogengelenkes.

Auch bei kleinen Hunden und bei der Katze in rechter Seitenlage kann in der gleichen Region ein kurzer Impuls gegeben werden. Natürlich kein Faustschlag im eigentlichen Sinn.

Sofern danach weiterhin kein Herzschlag fühlbar ist, sollte man mit der Herzmassage mit Hilfe von Brustkorbkompressionen an der höchsten Stelle des Brustkorbes hinter dem Ellenbogen beginnen.

Brustkorbkompression

 Legen Sie Ihr Tier auf einer glatten, festen Fläche auf die rechte Körperseite und nicht wie beim Menschen auf den Rücken.

 Knien Sie sich auf der Bauchseite des Tieres vor Ihr Tier.

 Legen Sie die Handfläche in die Region hinter dem linken Ellenbogen. Mit der zweiten Handfläche können Sie den Druck unterstützen. Halten Sie die Arme gestreckt.

 Bei sehr großen Hunden können Sie die Kompression des Brustkorbes auf drei bis vier Zentimeter ausdehnen. Benutzen Sie eventuell zusätzlich das Gewicht Ihres Oberkörpers, um die Kompression zu bewerkstelligen. Es werden 60 – 80 Brustkorbkompressionen/min durchgeführt.

 Bei kleinen Hunden und bei Katzen benutzen Sie zur Kompression nur eine Hand oder sogar nur Ihre Finger. Umfassen Sie das Brustbein von unten und führen die Kompressionen in der Ellenbogenregion beiderseits zwischen dem Daumen und den restlichen vier Fingern aus. Es ist eine Frequenz von 120 – 140 Kompressionen/min anzustreben.

 Versuchen Sie, einen festen Rhythmus zwischen Beatmung und Herzkompression zu erreichen. Nach zweimaligem Beatmen werden 15 Herzkompressionen ausgeführt und danach wird wieder zweimal beatmet usw.

 Dazwischen ist zu prüfen, ob die Maßnahmen erfolgreich waren und ein Herzschlag bzw. ein Puls zu fühlen ist.

Erlernen Sie diese Maßnahmen möglichst vor einem Notfall in einem entsprechenden Kurs.

Bei Kleintieren sind Maßnahmen zur Wiederbelebung (Reanimation) häufig nicht bekannt und ungeübte Personen können unter Umständen auch zusätzlichen Schaden anrichten.

Es ist dennoch oft besser, etwas zu tun, als nichts zu tun, auch wenn man unsicher ist.

Es beginnt damit, sich sicher zu sein, dass das Tier tatsächlich nicht mehr atmet und / oder keinen Herzschlag bzw. Puls mehr hat.

Wenn kein Blut mehr zum Gehirn transportiert wird, kann es nach wenigen Minuten zu einem Hirnschaden kommen. Nach acht bis zehn Minuten ohne Sauerstoffversorgung stirbt das Tier.

Wenn Sie unerfahren sind, beschränken Sie sich auf die seitliche Kompression des Brustkorbes in schneller Folge (ein- bis zweimal pro Sekunde!). Sie sichern dadurch den Blutfluss und damit den Sauerstofftransport zum Gehirn, zum Herzen und zu anderen wichtigen Organen.

Achten Sie darauf, dass Sie bei Ihrer Kraftanwendung auf die Kleinheit Ihres Tieres Rücksicht nehmen. Der Brustkorb soll leicht eingedrückt, die Rippen aber nicht verletzt werden. Die Atmung Ihres Tieres lassen Sie unberücksichtigt.

Auch hier ist es häufig besser, etwas zu tun, als nichts zu unternehmen, auch wenn Sie dabei unsicher sind.

Ihr Tierarzt hat technische Hilfsmittel, um das Herz zur Pumpfunktion anzuregen und das Beatmungsvolumen genau auf die Lungenkapazität des Patienten abzustimmen.

Suchen Sie so schnell wie möglich einen Tierarzt auf. Setzen Sie die Wiederbelebungsmaßnahmen möglichst fort, bis Sie Ihr Tier einem Tierarzt übergeben.

Quellen

Rohwedder L, Alef M. Evidenzbasierte Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimation bei Hund und Katze. Tierarztl Prax Ausg K 2014; 42(04): 263 – 271.

Perkins GD, Handley AJ, Koster RW, Castrén M, Smyth MA, Olasveengen T et al. European Resuscitation Council Guidelines for Resuscitation 2015: Section 2. Adult basic life support and automated external defibrillation. Resuscitation 2015; 95: 81 – 99.

Lernen Sie Herz-Lungen-Wiederbelebung https://depts.washington.edu/learncpr/german/index.html aufgerufen am 24.06.2021.

Heimlich-Manöver

Sind die Atemwege durch einen Fremdkörper verlegt, kann der regelmäßige Gasaustausch von Sauerstoff und Kohlendioxid über die Lungen nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt erfolgen.

Die Sauerstoffversorgung des Gehirns und anderer wichtiger Organe ist eingeschränkt und innerhalb weniger Minuten kann es zum Tod durch Ersticken kommen (➞ Erstickungsanfall).

Eine Maßnahme, die Atemwege freizulegen, ist das sogenannte Heimlich-Manöver.

Sofern Ihr Tier in der Lage ist, kräftig zu husten, ist die Anwendung des Heimlich-Manövers meist nicht notwendig.

In den Fällen, in denen der Husten Ihres Tieres untypisch, leise oder gurgelnd ist, die Maulschleimhaut sich bläulich verfärbt und der vermutete Fremdkörper von der Maulhöhle aus nicht zu sehen oder zu entfernen ist, beginnen Sie mit dem Heimlich-Manöver.

Dabei wird der Druck im Bauchraum kurzzeitig durch folgende Maßnahmen erhöht.

 Umfassen Sie Ihr Tier von hinten/oben unmittelbar unterhalb der Rippen und schließen Sie Ihre beiden Hände in der Nabelregion ihres Tieres.

 Üben Sie einen kurzen, schnellen Druck auf den Bauch Ihres Tieres in Richtung des Brustkorbes aus. Dadurch wird ein Druck auf das Zwerchfell ausgeübt, der zu einem Ausatmungsstoß in der Lunge führt. Der so erzeugte Luftstrom kann den Fremdkörper nach außen befördern.

 Dieses Manöver wird kurz hintereinander wiederholt ausgeführt.

 Kleine Hunde und Katzen kann man fest in den Arm mit dem Gesicht des Tieres nach unten nehmen. Der Kopf sollte dabei tiefer als der Brustkorb hängen.

 Wiederholtes, dosiertes Klopfen auf den Rücken kann zur Lockerung und zum Hervorbringen des Fremdkörpers führen.

 Teilweise wird empfohlen, synchron mit dem Klopfen auf den Rücken einen kurzen Druck mit dem Arm auf die obere Bauchregion auszuüben. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass Mageninhalt nach oben gedrückt wird und in die Luftröhre gelangen kann.

 Wird Ihr Tier bewusstlos, beginnen Sie mit der Reanimation.


Heimlich-Manöver bei Fremdkörper in den Atemwegen: Umfassen Sie Ihr Tier von hinten/oben direkt hinter den Rippen, schließen die Hände in der Nabelregion und üben mehrfach kräftigen Druck aus.

Transport eines verletzten Tieres

Nicht nur die Erste Hilfe, sondern auch ein sicherer und angemessener Transport eines verletzten Tieres zum Tierarzt ist wichtig. Ein unsachgemäßer Transport kann schwere Folgeschäden beim Tier verursachen und auch Menschen in Gefahr bringen.

Erste Hilfe 2

 Leinen Sie Ihr Tier an. Tiere können bei einem Verkehrsunfall in Panik geraten, davonlaufen und nicht abrufbar sein.

 Bewegen Sie Ihr Tier so wenig wie möglich.

 Entfernen Sie einengende Utensilien, sofern das möglich ist.

 Schützen Sie sich selbst. Tiere mit starken Schmerzen könnten beißen, auch wenn sie unter normalen Verhältnissen absolut freundlich sind.

 Legen Sie einen Maulkorb an. Achten Sie darauf, dass die Atmung nicht behindert wird. Haben Sie keinen Maulkorb zur Hand, legen Sie vorübergehend (!) und nicht zu fest eine Maulschlinge an.

 Kleine Tiere, auch Hunde, bringen Sie am besten in einem Transportkäfig unter. Dieser sollte nach Möglichkeit von oben zu öffnen sein. Notfalls benutzen Sie einen Karton.

 Legen Sie Ihr Tier möglichst auf die Seite. Erzwingen Sie jedoch keine bestimmte Haltung. Eventuell verursacht gerade diese Haltung oder Lagerung besondere Schmerzen oder Beschwerden wie Atemnot.

 Insbesondere bei dem Verdacht einer Wirbelsäulenverletzung ist zum Transport eine ebene Fläche (Brett) wünschenswert. Notfalls transportieren Sie Ihr Tier in einer Decke und fassen an den Enden mit einer Hilfsperson an. Tragen Sie Ihr Tier nicht senkrecht auf dem Arm. Dabei werden die Schmerzen größer und es können Folgeschäden aufgrund von Stauchungen entstehen.

 Achten Sie darauf, dass Sie nicht auf den Magen drücken, damit Sie nicht ein Erbrechen auslösen. Es könnte Mageninhalt in die Atemwege gelangen.

 Winkeln Sie den Kopf nicht in Richtung Brust. Er sollte möglichst gerade in einer natürlichen Körperhaltung liegen oder so, wie sie das nicht bewusstlose Tier von sich aus einnehmen möchte.

 Sollte das Tier erbrechen, müssen Kopf und Hals abwärts zeigen, damit Flüssigkeit abfließen kann und nicht in die Atemwege gelangt.

 Decken Sie Ihr Tier mit einer Decke zu, um es zu beruhigen und warm zu halten.

 Bei einem ernsthaften Notfall vergessen Sie nicht, Ihren Tierarzt oder die Tierklinik von Ihrem Kommen zu informieren.

Quellen

Mutter JN. Transport und Bergung von Notfallpatienten. 2011, Universität Zürich, Veterinärmedizinische Fakultät.

Gfeller R, Thoams M, Mayo I. Transporting an Injured Pet: First Aid. https://veterinarypartner.vin.com/default.aspx?pid=19239&id=4951321 aufgerufen am 24.06.2021.

Erste-Hilfe-Set

Erste-Hilfe-Sets helfen Ihnen, in Notfällen schnell zu reagieren. Alles, was unmittelbar bei Verletzungen und anderen Notfällen benötigt wird, liegt an einem Platz zusammen einsatzbereit. Wenn Sie sehr sorgfältig sein möchten, sollten Sie auch in Ihrem Auto ein Erste-Hilfe-Set für Ihr Tier bereitliegen haben.

Im Handel gibt es fertig zusammengestellte Sets für Hunde und Katzen. Auch Ihr Tierarzt ist Ihnen sicher gern behilflich bei dem Zusammenstellen eines Sets.

An Folgendes sollten Sie denken:

 Antihaft-Steril-Binden und Rollgaze in verschiedenen Größen

 antiseptische Lösung (Chlorhexidin 0,5 %ig, Ethanol-Wasser-Gemisch)

 antiseptische Salbe

 Binden zum Zubinden des Maules oder einen dafür geeigneten Maulkorb („Knobelbecher“)

 Einweg-Untersuchungshandschuhe

 elastische Wickelbinden

 Gummi-Schlauch zum Abbinden (Tourniquet)

 großes Tuch

 Hände-Desinfektionsmittel (alkoholische Lösung)

 Handtuch

 Klebeband

 Kühlpackungen

 Plastiktüten in verschiedenen Größen

 Schere und Pinzette

 Sekundenkleber

 Sicherheitsnadeln in verschiedenen Größen

 Spritzen zum Absaugen oder Spülen

 Thermometer

 Vaseline oder ähnliches zum Abdecken

 Wattebäusche, Tupfer und Wattestäbchen

 Wundkompressen

Die komplette „Einkaufsliste” zum Abhaken für das Erste-Hilfe-Set finden Sie unter www.hundebuchshop.com/erstehilfeset.htm

Bei speziellen chronischen Krankheiten Ihres Tieres sind eventuell Ergänzungen sinnvoll.

Auch bei der „Reiseapotheke“ könnten einige Medikamente wie eine antibiotische Salbe oder ein Medikament gegen Durchfall sinnvoll sein. Ihr Tierarzt wird Sie sicher beraten. Ihr Erste-Hilfe-Set sollten Sie regelmäßig überprüfen, eventuell ergänzen oder Einmalartikel austauschen, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist.

Bitte bewahren Sie die Medikamente für Ihr Tier und Ihre persönlichen Medikamente auch zu Hause streng getrennt voneinander auf. Viele, teilweise auch frei verkäufliche Medikamente, sind für Hunde oder Katzen in hohem Maße toxisch und dürfen keinesfalls bei diesen Tieren angewandt werden. Dazu gehören insbesondere verschiedene Schmerzmittel.


Stellen Sie ein Erste-Hilfe-Set für Ihr Tier zusammen und überprüfen Sie dieses regelmäßig.

Teil 2 Notfälle von A – Z

Allergische Reaktion (Anaphylaxie)
Ursachen 1

Bei der Anaphylaxie handelt es sich um eine lebensbedrohliche allergische Reaktion, die mehrere Organsysteme betrifft.

Es kann zu einem Schock, einem plötzlichen Blutdruckabfall und zu Atembeschwerden kommen.

Meist ist die Lunge das vorrangig betroffene Organ. Bei Hunden ist es der Darm.

Bei einer entsprechenden Überempfindlichkeit kann eine Anaphylaxie innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten auftreten. Manchmal dauert es auch Stunden. Auslöser einer Anaphylaxie können Medikamente, Impfungen, Futtermittel oder Insektenstiche von Bienen, Wespen, Hornissen und Feuerameisen sein. Nicht immer kann man die Ursache für eine Anaphylaxie erkennen.


Hier hat ein Insektenstich zu einem starken Anschwellen mit Rötung im Kopfbereich geführt.

Symptome ch2a-1

 Unruhe und Erregung

 Hautreaktionen wie Rötung, Bläschenbildung, Schwellung, Juckreiz

 Schwellungen betreffen häufig Kopfbereich, Gesicht, Augenregion, Lippen und Rachen

 Atemnot durch Schwellung im Rachenbereich oder Verengung der Atemwege

 eine sehr hohe Herzfrequenz

 Erbrechen oder Durchfall

 Taumeln und Gangunsicherheit bis hin zur Bewusstlosigkeit

Erste Hilfe

Wenn Sie bei Ihrem Tier Anzeichen einer äußerst heftigen allergischen Reaktion vermuten:

 Entfernen Sie mögliche Auslöser aus der Nähe des Tieres (Bienen, Wespen, suspekte Futtermittel, Medikamente und dergleichen).

 Entfernen oder zumindest lockern Sie einengende Utensilien wie Halsbänder oder ein Brustgeschirr.

 Geben Sie Ihrem Tier nichts zu trinken oder zu fressen.

 Hüllen Sie Ihr Tier in eine Decke ein.

Weitere Maßnahmen 1

Fahren Sie sofort zu einem Tierarzt!

Die Anaphylaxie ist eine der schwerwiegendsten Formen einer Allergie.

Die therapeutischen Maßnahmen betreffen in erster Linie die Gabe von Adrenalin.

Darüber hinaus sind in der Regel zusätzliche Maßnahmen wie Dauertropfinfusionen und die Gabe weiterer Medikamente zur Behandlung der weiteren Symptome notwendig.

Eine stationäre Überwachung für mindestens acht bis zwölf Stunden ist anzuraten, da teilweise wiederholte Adrenalingaben notwendig sind. Auch die Therapie eventuell bereits in Mitleidenschaft gezogener Organe nimmt eine längere Zeit in Anspruch.

Ist bei Ihrem Tier eine Allergie bekannt und besteht aktuell keine Möglichkeit, einen Tierarzt aufzusuchen, sollte das vermutlich im Notfallset Ihres Hundes vorhandene Antihistaminikum oder Kortikosteroid nach der vom Haustierarzt verordneten Dosierung angewandt werden.

Quellen

Reedy LM, Miller WHU, Willemse T. Allergische Hauterkrankungen bei Hund und Katze. Hannover: Schlütersche 2002.

Ring J, Beyer K, Biedermann T. et al. Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie. Allergo 2014, J23: 36 – 54.

AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/025 Entwicklungsstufe 2: Akuttherapie anaphylaktischer Reaktionen. Allergo 2007, 16: 420 – 34.

Tizard I, Hypersensitivity Diseases in Animals.

https://www.msdvetmanual.com/immune-system/immunologic-diseases/excessive-adaptive-responses aufgerufen am 24.06.2021.

Sampson HA, Muñoz-Furlong A, Campbell RL et al. Second symposium on the definition and management of anaphylaxis: summary report – second National Institute of Allergy and Infectious Disease/Food Allergy and Anaphylaxis Network symposium. Ann Emerg Med 2007; 47 (4): 373 – 80.

Augapfelvorfall (Bulbusprolaps)
Ursachen 2

Durch ein Trauma oder bei kurzköpfigen Rassen mit einer sehr flachen knöchernen Augenhöhle (Mops, Shih Tzu) kann es allein durch Spreizen der Augenlider zu einem Vorfall des Augapfels kommen.

Das Auge kann nicht von allein zurückgleiten. Die Folgen sind ein Überdehnen oder sogar Reißen des Sehnervs und ein Austrocknen der Hornhaut. In diesen Fällen muss der Augapfel chirurgisch entfernt werden.

Bei Traumata kommt es weiterhin zu Blutergüssen im Bereich des Augapfels, was ein Zurückverlagern des Augapfels zusätzlich erschwert.


Bei kurzschädeligen Hunden mit sehr flacher knöcherner Augenhöhle kann es leichter zu einem Bulbusprolaps kommen.


Entfernung eines vorgefallenen Augapfels.

Symptome ch2a-2

 Das Auge liegt mit seinem „Äquator“, das heißt mit seinem größten Durchmesser, außerhalb der Augenhöhle.

 Die Augenlider sind hinter dem Auge eingeklemmt, sodass das Auge nicht von selbst zurückgleiten kann.

 Die Bindehaut ist geschwollen und gerötet.

 Das Augenlid kann nicht geschlossen werden.

 Der Augapfel kann insgesamt blutunterlaufen sein.

 Die Hornhaut des Auges trocknet sehr schnell aus und erscheint dadurch milchig trüb.

 Das Auge ist hochgradig schmerzempfindlich.

Erste Hilfe

 Decken Sie das Auge mit einem feuchten Wattebausch ab, um ein Austrocknen der Hornhaut zu verhindern. Ein feuchtes Tuch oder eine feuchte Kompresse sind auch möglich, lassen sich aber schlechter an ein vorgefallenes Auge anpassen als nasse Watte.

 Verhindern Sie, dass Ihr Tier am Auge kratzt.

 Versuchen Sie nicht selbst, den Augapfel zurückzuverlagern.

 Versuchen Sie nicht, das Auge zu reinigen.

Weitere Maßnahmen 2

Fahren Sie unmittelbar nach dem Ereignis zum Tierarzt.

Das Feuchthalten des Augapfels bis zum Eintreffen beim Tierarzt ist die wichtigste Maßnahme.

Je schneller das Auge unter Vollnarkose chirurgisch zurückverlagert wird, um so günstiger sind die Aussichten für eine vollständige Wiederherstellung der Sehfähigkeit.

Ist der Sehnerv verletzt, muss der Augapfel entfernt werden. Die Lebensqualität Ihres Tieres wird dadurch kaum eingeschränkt.

Quellen

Eule C. Der Bulbusprolaps – Ein traumatisches Ereignis. Kleintier konkret. 2008; 11(01): 10 – 13.

https://www.cp-pharma.de/media/pdf/12/7b/76/CPlus-2019_V3_27-03-02-2019.pdf

Lutz, H, Kohn B und Forterre F. Krankheiten der Katze. 6. aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme, 2019.

Austrocknung ➞ Dehydratation
Bissverletzung
Ursachen 3

Rangordnungskämpfe können bei Hunden und Katzen leicht zu gegenseitigen Bissverletzungen führen.

Die möglichen Bissverletzungen sind abhängig von der Gesamtsituation, wie der Autorität des Besitzers, Hunde sind angeleint oder nicht sowie von der Anzahl der beteiligten Hunde, der Größe des beißenden Hundes, seiner Aggressivität und der Beißkraft.

Die Beißkraft wird in PSI (englisch für pounds per square inch, also Pfund pro Quadratzoll) gemessen. Sie liegt bei großen Hunden zwischen 195 (Malinois) und 740 (Kangal) PSI. Für den Deutschen Schäferhund wird beispielsweise eine Beißkraft von 220 PSI genannt.


Rangordnungskämpfe können zu gegenseitigen Bissverletzungen führen.

Demgegenüber weist ein Mensch eine Beißkraft von 120 bis 130 PSI auf.

Die Aggressivität, das heißt wie lange ein Hund, wenn er (mit verschiedenen Reizen) gereizt wird, nur droht und ab wann er zubeißt, wurde von der American Temperament Test Society untersucht und auf deren Webseite https://atts.org aufgelistet. Dabei wiesen der Bearded Collie die höchste und der French Bulldog die niedrigste Reizschwelle auf.

Die Reizschwelle bei Hunden unterliegt jedoch nicht nur rassebedingten, sondern in hohem Maße auch individuellen Unterschieden.

Symptome ch2a-3

Bissverletzungen können banal bis hin zu lebensgefährlich für Ihr Tier sein.

Sie sind gekennzeichnet von Quetschungen und Zerreißungen und bluten oft sehr stark.

Sie sind immer mit dem Eintrag von Keimen, manchmal auch von Haaren und anderen Fremdkörpern in die Wunde, verbunden.

Sie reichen oft sehr tief, ohne dass man das immer von außen wahrnehmen kann.

Bisse von Katzen können unscheinbar aussehen, aber ebenfalls sehr tief eindringen. Sie weisen ein sehr hohes Infektionsrisiko auf.

Auch Quetschungen und Zerreißungen des Gewebes in der Tiefe können gefährlich sein, auch wenn von außen kaum etwas sichtbar ist.

Bisse können in den Brustkorb, die Bauchhöhle, in Gelenke, in einen Knochen oder andere sensible Strukturen, wie beispielsweise die Augen, Nasennebenhöhlen usw. eindringen und dort zu eitrigen Entzündungen führen.

Bissverletzungen sollten daher immer tierärztlich versorgt werden.

Erste Hilfe

 Schneiden Sie die Haare um die Wunde herum ab.

 Waschen Sie oberflächliche Wunden gründlich mit frischem Leitungswasser und Seife aus und entfernen Sie sichtbare Fremdkörper. Dazu gibt es unterschiedliche Empfehlungen, doch Leitungswasser ist nahezu steril.

 Sind Sie sich nicht sicher, ob der Brustkorb, die Bauchhöhle, Gelenke oder ähnlich sensible Strukturen verletzt wurden, waschen Sie die Wunde nicht aus.

 Decken Sie die Wunde mit einem möglichst sterilen, leichten Verband ab. Schnüren Sie ihn nicht zu fest und lockern Sie ihn nach einer gewissen Zeit wieder.

 Tragen Sie keine Salben oder sonstige Medikamente auf.

 Denken Sie möglichst noch vor Ort an rechtliche Konsequenzen und registrieren Sie ggf. die Kontaktdaten des Halters des beteiligten Hundes.

Weitere Maßnahmen 3

Suchen Sie noch am gleichen Tag einen Tierarzt auf.

Zähne und Speichel sind nicht steril. Es besteht ein hohes Infektionsrisiko.

Der Tierarzt kann die Art der Verletzung einschätzen. Manchmal sind es relativ triviale Verletzungen, bei denen eine lokale Behandlung und antibiotische Versorgung sowie eine Schmerzmedikation ausreichend sind.

Ein großer Teil von Bissverletzungen bedarf jedoch einer chirurgischen Versorgung in Vollnarkose, da es durch Quetschungen zu abgestorbenem Gewebe in der Tiefe oder zu Verletzungen an Gelenken, Sehnen und Bändern gekommen ist.

Neben einer angemessenen Versorgung wird der Tierarzt auch die Tetanusgefahr im Blick haben.

Bedenken Sie auch, dass in manchen Ländern Tollwut unter Tieren noch weit verbreitet ist.


Typisch für Bisswunden ist eine Kombination aus Quetschungen und Zerreißungen.

Quellen

Shamir MH et al. Dog bite wounds in dogs and cats: a retrospective study of 196 cases. J Vet Med A Physiol Pathol Clin Med. 2002; 49(2):107–12.

https://www.insidedogsworld.com/dog-bite-explained-top-20-dogs-with-thestrongest-bite-force/ aufgerufen am 24.06.2021.

What is the Average Human Bite Force? https://www.reference.com/science/average-human-bite-force-350a634805933cf8 aufgerufen am 24.06.2021.

Blasenbildung
Ursachen 4

Blasen an den Pfoten sind meist Bagatellverletzungen. Durch Überlastung, zum Beispiel zu langes Laufen am Fahrrad, kann es auch beim Hund zu Blasenbildung an den Pfoten kommen. Auch Schuhe zum Pfotenschutz können zur Blasenbildung an den Pfoten führen.

Besonders in den Sommermonaten können auch im Bereich der Pfoten eingedrungene Fremdkörper zu Entzündungen und Blasenbildungen (Pododermatitis), insbesondere zwischen den Zehen, führen (➞ Fremdkörper in der Haut).

Bei einer mehr oder weniger großen mit Blut gefüllten Blase an den Ohren handelt es sich um ein Othämatom (➞ Bluterguss).

Treten an mehreren Stellen des Körpers unabhängig von einer mechanischen Reizung Blasenbildungen auf, könnte ein allergisches Geschehen oder eine innere Erkrankung der Hintergrund sein. In diesem Fall ist eine Abklärung durch einen Tierarzt notwendig.

Vorbeugung

Überfordern Sie Ihr Tier nicht beim Training.

Muss Ihr Hund einen Pfotenschutz tragen, wählen Sie innen gepolsterte Hundeschuhe aus und reinigen Sie diesen täglich. Insbesondere Fell- oder Wollauskleidungen können hilfreich sein. Achten Sie darauf, dass die Schuhe nicht zu klein sind. Gehen Sie mit Ihren Hunden, wenn sie einen Pfotenschutz tragen, nur kurze Wege.

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