Kitabı oku: «Tschefuren raus!»

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Foto: © Matej Pusnik

Goran Vojnović, geboren 1980 in Ljubljana. Promovierte an der Theater- und Filmhochschule Ljubljana und ist einer der talentiertesten Autoren seiner Generation.

Regisseur erfolgreicher Filme. Seine Bücher sind in viele Sprachen übersetzt. Bei Folio: Vaters Land (2016) und Unter dem Feigenbaum (2018).

Klaus Detlef Olof, ist einer der renommiertesten Übersetzer aus den südslawischen Sprachen. Bis 2005 Professor an den Universitäten Klagenfurt und Graz. Er übersetzte France Prešeren, Miroslav Krleža, Zoran Ferić, Drago Jančar u. v. a. Österreichischer Staatspreis für literarische Übersetzung.

GORAN VOJNOVIĆ

TSCHEFUREN RAUS!

oder

Warum ich wieder mal

zu Fuß bis in den zehnten

Stock musste

Roman

Aus dem Slowenischen von Klaus Detlef Olof


All den Meinen gewidmet

Wer ist ein Čefur oder Tschefur? Ein Tschefur ist eine Person, die auf dem Gebiet eines bestimmten Staates lebt, aber kein Angehöriger des dortigen Mehrheitsvolks ist. In unserem Fall sind das Menschen, die aus Gegenden südlich oder östlich des Flusses Kolpa kommen. Zu den Tschefuren zählen wir in den meisten Fällen auch ihre Nachkommen. Nach ihrer Physiognomie unterscheiden sie sich von den Angehörigen der Mehrheitsbevölkerung durch die niedrige Stirn, gepaart mit dichten Augenbrauen, betonten Backenknochen und stärker ausgeprägtem Unterkiefer. Ihre grundlegenden Verhaltensmerkmale sind die Liebe zum leichten Leben, zum Fluchen, zum Alkohol, zum sanfteren Geschlecht, zum Fußball. Sie vergöttern Kitsch und Goldschmuck. Am Herzen liegt ihnen die Kampfkunst, und nicht selten werden sie auch ohne richtigen Grund aggressiv. Ihr Akklimatisierungsprozess dauert in der Mehrzahl der Fälle sehr lang.

Aus dem Gedicht Čefur von Robert Pešut Magnifico

Čefur, -ja m Zugewanderter aus den südlichen Republiken des einstigen Jugoslawien (20. Jh.), geschrieben auch čifur, čufur, čefurka, čifurka, čufurka, čefurski, čifurski, čufurski, alles pejorativ. Vermutlich übernommen aus dem kroat., serb. čift, čivut („Jude“), was in der Mehrzahl der Mundarten als pejorative Kennzeichnung eines Angehörigen dieses Volkes gilt. Die slowenische Endung -ur anstatt des ursprünglichen -ut hat sich nach dem Muster nemčur („Deutschtümler“) aufgrund ihrer pejorativen Bedeutung eingebürgert.

Marko Snoj, Slowenisches etymologisches Wörterbuch

Čefurji raus!

Verbreitetes Graffito in den Straßen von Ljubljana

Inhalt

1.Warum ich keinen eigenen Fußballklub habe

2.Warum wir uns nach dem Finale geprügelt haben

3.Warum wir wegen Radovan im Kübel gelandet sind

4.Warum ich sonntags nicht aus dem Bett komm

5.Warum wir nicht wie sonst vor dem Block sitzen

6.Warum man nach einem guten Essen ein bisschen Bewegung braucht

7.Warum keiner mehr Basket spielt

8.Warum der Kommunismus noch nicht ausgestorben ist

9.Warum die Tschefuren nicht über Sex reden

10.Warum ich das Training geschmissen habe

11.Warum wir auf der Polizeiwache gelandet sind

12.Warum die slowenische Polizei im Arsch ist

13.Warum Radovan nach Slowenien gekommen ist

14.Warum mich diese Scheißstille noch verrückt macht

15.Warum ich nicht allein sein mag

16.Warum mir Slowenien auf den Sack geht

17.Warum Nachbarn besser sind als Mitbewohner

18.Warum die Dealer alle Hunde haben

19.Warum das Kubana das größte Loch ist in Fužine

20.Warum Razzien lachhaft sind

21.Warum ich den Namen Marko gekriegt habe

22.Warum ich der alten Tschefurin meine Kappe nicht gegeben habe

23.Warum es wichtig ist, dass Damjanović ein Tschefur ist

24.Warum ab und zu eine Razzia gut ist

25.Warum die Gastarbeiter die schlimmste Rasse sind

26.Warum Tschefuren die Musik im Auto voll aufdrehen

27.Warum Aco und ich am Pregl die Sprechanlage gecheckt haben

28.Warum Radovan schweigt wie ein Grab

29.Warum wir immer den Idioten machen

30.Warum die Moderatorin im Trainingsanzug ganz anders ist

31.Warum wir das Spiel nicht zu Ende geschaut haben

32.Warum Adi zum Junkie wird

33.Warum mir auf einmal die Stille zusagt

34.Warum Tschefuren immer in der letzten Bank sitzen

35.Warum die kleinen Tschefurinnen die größten Monster sind

36.Warum die Tschefuren an die Ljubljanica schiffen gehen

37.Warum keiner auch nur lausige fünf Prozent auf dich gibt

38.Warum die Tschefuren ständig einen auf lustig machen

39.Warum wir den Sperrmüll abgefackelt haben

40.Warum ich wieder mal zu Fuß bis in den zehnten Stock musste

41.Warum Radovan plötzlich wieder Schnaps trinkt

42.Warum Ranka und ich uns an Vela erinnerten

43.Warum bei den Tschefuren nichts geheim bleibt

44.Warum Bosnien total im Arsch ist

45.Warum Bosnien nichts für Tschefuren ist

46.Warum ich am Bahnhof hängen geblieben bin

Jahre später: Warum die Tschefuren in Quarantäne sind

Anmerkungen

1. Warum ich keinen eigenen Fußballklub habe

Ich habe keinen eigenen Fußballklub! Das geht mir von allem am meisten auf den Sack. Würde ich in Belgrad wohnen, wäre ich Fan von Roter Stern und wäre Zvezdaš. Ein Delija von der Wiege bis zur Bahre! Würde ich in Sarajevo wohnen, wäre ich ein Maniak, ein Fan von Željezničar. Aber hier ist alles verfotzt. Für Olimpija kannst du nicht sein, wenn du für Slovan spielst, so wie ich. Für Slovan kannst du nicht sein, denn das ist tschechisch. Das ist ein Fotzenrauch von einem Klub. Soll ich vielleicht ein Red Tigar werden? Ja, hallo! Was denn noch? Slovan spielt in der nullten Liga. Und das Stadion hat tausend Stehplätze. Olimpija ist ein Klub von Papa- und Mamasöhnchen. Dort spielen nur die Weicheier aus Murgle. Ist ja nicht so, dass ich nicht für Olimpija mitschreie. Aber ein Green Dragon wäre ich für kein Geld auf der Welt. Ich weiß nicht, warum. Ist einfach uncool. Vergiss es. Vielleicht ist das eigentliche Problem, dass ich ein Tschefur bin. Aber gerade weil ich ein Tschefur bin, macht mich das ziemlich fertig, dass ich keinen eigenen Klub habe. Das liegt mir im Blut. Das Bedürfnis nach einem Fußballklub, für den ich mit jedem fighten würde, der einen Scheiß über ihn sagt.

Meine Mitschüler, die Slowenen, scheint das überhaupt nicht zu jucken, dass sie keinen Klub haben. Denen geht das am Arsch vorbei! Aber mich zerreißt das innerlich so, dass ich am liebsten jemanden durchwalken würde. Diese Scheißtradition gibt es hier einfach nicht. Wenn du in Barcelona auf die Welt kommst, kaufen dir deine Alten einen Dress von Ronaldinho, eine Mitgliedskarte vom Klub und nehmen dich sonntags mit ins Camp Nou zum Derby gegen Real, und dann gehst du dein ganzes Leben zu den Spielen. Und wenn du heiratest, gehst du mit deiner Frau zu den Spielen, und dann mit den Kindern und dann mit den Enkeln und so weiter. Und Barca ist für dich ein Heiligtum. Wenn jemand nur Real sagt oder Ronaldo, dann schmierst du ihm eine. Keine unnötigen Fragen. Šamari geri! Wenn du im Dress von Eto’o in die Schule kommst, bist du echt der Zampano. Wenn du den Dress von Raúl anziehst, kriegst du eins auf die Nuss. Nicht so wie in Slowenien, wo du schon der Chef bist, wenn du im Dress von Cime zur Schule kommst. Und mitten auf dem Prešerec kannst du im Dress von Maribor rumlaufen, und dir wird keiner die Schnauze polieren.

Mein Vater, Radovan Đorđić, ist Zvezda-Fan. War ich auch, als ich klein war und mir immer wieder Radovans Kassetten mit den Spielen angesehen habe, als sie Weltmeister waren. Stojanović, Radinović, Najdovski, Šabanađović, Belodedić, Jugović, Prosinečki, Savičević, Binić, Mihajlović, Pančev. Ich hab sie gegen Milan gesehen, als es eins null für Zvezda stand und das Spiel wegen Nebel abgebrochen werden muss- te und sie im Wiederholungsspiel im Elfmeterschießen ausgeschieden sind. Ich hab sie gegen Köln gesehen, als sich Stojanović verletzt hat und der Ersatztorwart Milojević in der zweiten Halbzeit drei Tore kassiert hat. Aber dann haben sie alle der Reihe nach auseinandergenommen und haben den Europapokal geholt. Ranka, was meine Mutter ist, hat mir erzählt, dass bei uns zu Hause das reinste Tollhaus war, die ganze Hütte war voll. Vaters Kollegen, jeder ein alter Tschefur. Die haben so für Zvezda mitgefiebert, dass sie während des Spiels ganz ruhig dagesessen und auch mal was Kluges von sich gegeben haben, aber dann plötzlich explodiert sind: „Gib aaab! Nein, neeeein. Du egoistisches Arschloch! Ich fick dir die Mutter, du blöder Affe! Mach bloß, dass du vom Platz kommst! Warum hat dich dein Vater nicht gegen die Wand gespritzt!“ Und dann philosophieren sie wieder gemeinsam bis zur nächsten Zvezda-Chance. Mein Vater ist ja Bosnier, nur dass er in erster Linie Serbe ist und seit Geburt Fan von Roter Stern und dass er als Fan zu den Spielen nach Belgrad und Sarajevo gefahren ist. Aber ich kann kein Delija sein. Ich weiß nicht, weshalb. Das ist alles arschkompliziert. Ich bin zwar Zvezda-Fan, aber dass das mein Klub wäre, macht für mich überhaupt keinen Sinn. Das macht es für die Belgrader. Wenn du ein Kerl bist, bist du für den Klub deiner Stadt. Aber Ljubljana ist eben eine komische Stadt.

Vielleicht ist es ja deshalb, weil ich ein Tschefur bin. Wäre ich so ein kleiner Slowene, würde ich für Olimpija sein und höchstwahrscheinlich zum Eishockey gehen. Und mein Vater Janez würde ruhig dasitzen und mir erklären, wie Olimpija in den Siebzigern Staatsmeister im Basket wurde und wie die Fußballer in den Achtzigern gegen Roter Stern, gegen den Weltmeister, unentschieden gespielt haben und wie sie dann gegen Milan angetreten sind und wie in dem Spiel Marco van Basten zum letzten Mal gespielt und Olimpija nur drei zu null verloren hat. Denn das ist es. Wenn du erst einmal für einen Klub bist, der Weltmeister gewesen ist, dann kannst du nicht umschalten und dich für unentschiedene Partien, ehrenvolle Niederlagen, Vorrunden der Champions League, den Slowenischen Pokal und Kantersiege über NK Beltinci begeistern. Also wirklich, das geht nicht. Ich habe ja für die Basketballer von Olimpija mitgefiebert, als sie beim Final Four in Rom waren und Panathinaikos mit Dominique Wilkins und Kinder mit Predrag Danilović auseinandergenommen haben. Aber dann haben sie der Reihe nach gegen Krka und Laško verloren, und da ist mir doch die Kinnlade runtergefallen. Hier gibt es keine angeborene Tradition. Ich habe etwas von einem Tschefur in mir. Entweder bist du ein Champion oder du gehst Bleistifte spitzen, wie Radovan immer sagt.

Meine Kumpel sind Fans von Zvezda. Dejan ist Fan. Aco auch. Nur, deren Alte sind aus Serbien. Serbianzen. Wir Bosnier sehen die Sache etwas anders. Radovan gehen die Tschetniks auf die Eier, Arkan und Ceca und Gurović mit der Tätowierung von Draža Mihailović, und dass sie Zvezda zu einem Klub gemacht haben, der genauso wie Olimpija in der Champions League erst noch in der Vorrunde antreten muss. Scheiß drauf. Dejan trägt den roten Fan-Schal um den Hals und fährt ab auf Zvezda-Spiele gegen Finnen, Ungarn, Esten und andere Schwachmatiker. Aco fährt nur auf die Kroaten ab, ich nur auf die Deutschen. Das ist mir von einem Kollegen meines Vaters geblieben, der einmal von Dinamo Zagreb zu Zvezda gewechselt ist und dann erzählt hat, wie verschieden die beiden Klubs und die Leute an der Spitze sind. Wenn die Zagreber sich seelisch auf die Auslosung zur Champions League vorbereiten, machen sie sich fast in die Hose: „Jungs, das wäre super, wenn wir die Deutschen nicht schon in der ersten Runde kriegten. Dann kommen wir vielleicht in die zweite Runde. Bloß nicht die Deutschen.“ Zur selben Zeit trompeten sie bei Zvezda: „Wenn wir nur die Deutschen kriegen, dann ficken wir ihnen die Mama wie im Fünfundvierzigerjahr. Fünf Stück machen wir ihnen rein!“ Es ist ja nicht so, dass die Deutschen damals alle der Reihe nach auseinandergenommen hätten, nur sind deine Chancen natürlich größer, wenn du Eier in der Hose hast. Und darauf steh ich. Ich scheiß auf ein Spiel, in das du mit der Einstellung reingehst, dass schon eine minimale Niederlage ein Erfolg ist. Das ist keine Mentalität. Deshalb stehen wir, Aco, Dejan und ich, und manchmal kriegen wir auch Adi dazu, auf die Jugomannschaft. Wir haben unseren Gott, das ist Dejan Bodiroga! Wir schreien gemeinsam für die Basketballer, aber ich habe keine Lust, für Volleyballer, Wasserballer und sonstige Arschlöcher zu schreien. Fußball und Basket. Vielleicht noch Handball. Alles andere ist Pipifax.

Fužine müsste einfach einen eigenen Fußballklub haben. Das wäre cool. Wir sind schließlich zwanzigtausend. Mit den Illegalen sogar dreißigtausend. Wobei ich die Junkies gar nicht mitzähle. FC Fužine. Das wäre echt der Hammer. Entweder du bist für einen großen Klub, der um den Weltmeistertitel kämpft, oder für einen kleinen Klub aus dem eigenen Viertel, der alle Spiele verliert und wo alles zusammen die große Show ist und zu den Spielen hundert Klugscheißer kommen und nach jedem Spiel erst mal einen abwatschen und sich dann abfüllen. Ljubljana ist irgendwas zwischen Stadt und Dorf, und die Klubs hier sind irgendwas zwischen gut und überhaupt nicht. FC Fužine wäre die Lösung. Darauf könnte man abfahren. Fužine ist mega!

Es hat ja lange Zeit so ausgesehen, als würden wir einen eigenen Klub kriegen. Die Alten brachten regelmäßig, jeden Sonntag, Netze mit auf den Platz, und dann wurde gespielt. Neben dem Feld spielten die Pensionisten Schach, jemand hatte einen Kofferraum voll Bier, die Tribünen waren voll mit halbwüchsigen und erwachsenen Tschefuren, die nicht Fußball spielen können, weil sie Wasser im Knie haben oder andere Geschwülste. Vor allem aber war da nie eine Frau zu sehen und kein einziges slowenisches Wort zu hören. Nur der Postler Matej spielte mit, dafür wurde er auch von allen Slowenac gerufen, weil er als Einziger kein Tschefur war. Aus demselben Grund hieß unser Hausmeister Vlado bei ihnen TuĐman. Weil er aus Slavonski Brod war. Unwichtig, dass er kein Kroate war. Und Smajlagić wurde von allen Janša gerufen, weil er einmal mitdemonstriert hatte, dass sie Janša aus dem Gefängnis freilassen. Und gespielt wurde, dass es ein Traum war. Wir schauten und lachten über die Meldungen, die die Alten so rausschoben. Am komischsten waren natürlich die, die etwas Slowenisch gelernt und das Tschefurische schon leicht vergessen hatten und jetzt eine Mischung aus beidem redeten. Fužinerisch. Da fielen dann Sätze wie: „Gib mich ab! Ich hab mir den Knochen ausgerenkt! Es zwickt mich im Rückgrat!“ Und dann alle diese nazistischen und rassistischen Beleidigungen, die diese Hausmeister, Installateure, Chauffeure, Schaffner, Bauarbeiter und sonstigen Fužiner Tschefuren feixend von sich gaben und die alle, wie sie sie rausschoben, gesellschaftspolitische Konnotationen des einstigen gemeinsamen Lebensraums enthielten: „Schieß, Slowenac! Fick dich, Milka Planinc! Da fick doch einer den Ustascha, diesen Stümper! Ja, seid ihr Bosnier alle blind oder bescheuert? Ich steh allein vorm Tor, und du siehst mich nicht!“

Danach ging alles den Bach runter. Nicht mal Schach spielen diese Invaliden mehr. FC Fužine ist keine Option mehr. NK Olimpija ist beim Teufel und existiert nicht mehr. Das ist sowieso der totale Wahnsinn. Könnt ihr euch vorstellen, dass Barca den Bach runtergeht. Oder Bayern? Oder Liverpool? Die Leute würden auf die Barrikaden gehen, es gäbe Demonstrationen. Sie würden das Parlament anzünden. An den Eiern würden sie die Verantwortlichen aufhängen. Aber nicht hier. Da geht der größte Fußballklub des Landes zum Teufel, und nichts passiert. Würden sie die Philharmonie zumachen, würden all die Künstler irgendwas tun und über Tradition, über Kultur und ich weiß nicht was philosophieren. Aber wenn du einen Klub gegen die Wand fährst, gegen den Marco van Basten sein letztes Spiel gemacht hat, ist das egal. Das sind ja nur Sportler. Dumme, ungebildete, kulturlose Sportler. Und Fußball spielen sowieso nur die Tschefuren. Die haben ja auch alle kurze Krummbeine. Das ist eben diese beschissene Mentalität. Keinen Respekt. Wie soll der Mensch auf etwas abfahren, was von allen verachtet wird. Und dann faseln sie was von Assimilierung. Das geht langsam. Da kommen die Arbeiter aus der ehemaligen Jugovina und sollen jetzt auf Prešeren und Cankar abfahren. Was denn noch alles? Als wären sie zu Hause auf ihre Dichter abgefahren. Ich würde gern auf einen Fußballklub abfahren. Kann ich aber nicht. Eben. Und deshalb leidet der slowenische Teil meiner Identität. Und der tschefurische auch. Wie soll ich mich assimilieren und quasi Slowene werden, wenn ich keinen eigenen Fußballklub habe. Das geht nicht. Und das geht mir auf den Sack.

2. Warum wir uns nach dem Finale geprügelt haben

Mit einem Buzzer Beater beim Finale lässt sich kein Fick vergleichen. Gut, vielleicht wenn du Angelina Jolie fickst. Brad Pitt erinnert sich bestimmt nicht an jeden Fick mit Angelina. Aber Michael Jordan erinnert sich sicher an alle seine Buzzer Beater in den Finalspielen der NBA. Das ist Tatsache, garantiert. Ihr alle, die ihr gerade am Vögeln wart, und sei es J. Lo in ihren dicken Arsch, als ich in der letzten Sekunde des Finales der Staatsmeisterschaft gegen Olimpija den Korb gemacht habe, ihr könnt wissen, dass ich in dem Augenblick der King war. Der Stärkste! Das tausche ich nicht gegen einen Dreier mit Severina und Ceca. Gegen die beiden vielleicht noch, aber gegen keinen anderen Dreier auf der Welt. Bestimmt nicht. Kein Interesse, Alter. Ein Buzzer Beater ist besser als jeder Fick, und fertig!

Ich war aber so nervös wie noch nie in meinem Leben. Das packst du nicht, wie mein Nachbar Senad sagen würde. Schon so war ich das ganze Spiel über nervös, weil mir die Director’s Schwänze von Olimpija so auf den Sack gehen, dass mir schon schlecht wird, wenn ich sie nur sehe. Bei jedem Spiel haben sie neue Jordans, und es spielen alle die, von denen die Alten auf der Tribüne sitzen und dem Trainer Karten für den Skilift zustecken oder deren Unternehmen den Klub sponsern und die im Verwaltungsrat sind. Ich sag ja nicht, dass Slovan ein cooler Klub ist. Aber Olimpija ist echt fucking shit! Kurac palac portugalac! Statt einem Trainer haben sie ein fettes Schwein, aufgeblasen wie ein Ballon! Und dann spielst du gegen sie und bist vielleicht nervös und schwitzt an den Händen und zitterst, und dann pfeifen die Schiedsrichter noch für sie, dass du ihnen am liebsten die Fresse polieren würdest, diesen verdammten Arschlöchern! Und dann unser Trainer, ein Vollidiot mit einer Stimme, dass er in der vollen Halle überhaupt nicht zu hören ist, du siehst nur seine dämliche Fratze von Gesicht, so verzerrt, dass du nicht weißt, ob sie nicht gleich aus dem Leim geht. Aber du weißt genau, warum er schreit, und würdest ihn am liebsten dahin schicken, wo der Pfeffer wächst, weil er sowieso keinen blassen Schimmer hat und ein totaler Loser ist. Dann kommt noch Radovan zum Spiel und ätzt nonstop was von der Tribüne herunter, und das, obwohl er beim Basket nicht bis drei zählen kann, weil er Fußball gespielt hat. Aber er denkt, dass er alles weiß, und dann höre ich ihn während des ganzen Spiels schreien: „Marko! Maaarkoooo! Hol dir den Ball! Stell dich frei! Was versteckst du dich! Du siehst doch, dass sie ihn gedeckt haben!“ und lauter solchen Schwachsinn. Und dann hörst du die Fans von Olimpija, die alle komplett ausrasten: „Der kann nix! Der hat nix drauf. Der scheißt sich an!“, und überhaupt, wenn die Papis irgendwelche slowenischen Sprüche ablassen: „Primooož, lass dich nicht von dem crossover überspielen!“ Wo ich ihm am liebsten crossover ein paar über die Rübe geben würde. Und dann kriegst du den Ball und rennst zum Korb und wirfst ihn irgendwohin. Ins Nirgendwo!

Und der Ball landet im Korb. Du weißt selbst nicht, wie, und dir ist sowieso nichts klar, aber du hast gewonnen. Und das ist es, verdammt noch mal! Und du siehst das verdutzte Gesicht von Primož, der dich angeblich gedeckt hat und den du crossover überspielt hast, und brüllst ihm ins Ohr und zeigst ihm den Mittelfinger und würdest am liebsten die Hosen runterlassen, ihm deinen zeigen und klarmachen, dass er sich verpissen kann. Wir sind die Stärksten, die Stärksten! Die ganze Nervosität löst sich, das Adrenalin schießt ein und du wirst zum Tier, zur Bestie, wie Senad sagen würde. Du lässt einen solchen tierischen Schrei raus und schlägst auf alles ein, was dir gerade unter die Finger kommt, und wenn du Glück hast, ist es keine Betonwand, denn das könnte höllisch wehtun. Du rennst die Halle rauf und runter und brüllst, dass dir die Stimmbänder platzen. Wir sind die Stärksten, die Stärksten! Du umarmst die anderen, presst die total durchgeschwitzten Mitspieler an dich, klopfst mit aller Kraft auf Schultern, haust dich rein und stößt dich ab, wirfst dich auf den Boden, kommst wieder hoch und lässt diese Wahnsinnsenergie raus, die dich in der Halle hin und her schleudert. Wir sind die Stärksten, die Stärksten!

Das ist sonst der Slogan der Zvezda-Fans, aber wir rufen ihn alle in der Mannschaft seit damals, als in der Halle der Pioniere in Belgrad am Ende eines Spiels, das Zvezda vergeigt hatte, einer der Fans aufs Spielfeld gestürmt kam und anfing, den besten Spieler der italienischen Mannschaft, einen Schwarzen, mit Fäusten zu bearbeiten, und die anderen Fans schrien: „Wir sind die Stärksten, die Stärksten! Zigos sind wir, Zigos!“ Dieser tschefurische Primitivismus, verfickt, vulgär, grauenvoll, krank, dieser morbide balkanische Narzissmus ist für dich auf eigenartige Weise immer cool, wenn dir etwas so Tierisches passiert oder du abgefüllt bist wie eine Mamba. Da ist etwas Genetisches in uns, zumindest in den Tschefuren. Und deshalb brüllst du: „Wir sind die Stärksten, die Stärksten! Zigos sind wir, Zigos!“ Und mit dir brüllen alle anderen in der Kabine, auch die Slowenen, und wedeln mit ihren nassen Handtüchern über ihre nackten Arschbacken, sie hüpfen und grinsen, und als diese grünweißen Luschen vorbeimarschiert kamen, hast du einem direkt in die Fresse gebrüllt: „Wir sind die Stärksten, die Stärksten! Zigos sind wir, Zigos!“ Er stößt mich nur kurz weg und schon fallen Schläge. Und wir klopfen uns wie nie im Leben! Mein Gott, wie haben wir uns geprügelt! Ich hab ihnen echt die Mutter gefickt, meine Fresse!

3. Warum wir wegen Radovan im Kübel gelandet sind

Die Bullen sind wegen Radovan gekommen. Davon bin ich überzeugt. Schon als ich noch zu Hause war, war er fertig, plus dass bei uns noch Rile und Krstić waren. Meiner Schätzung nach haben sie sich Miroslav Ilić oder Šaban Šaulić oder einen von den anderen alten Säcken reingezogen, die Radovan auf Originalkassetten hat und die er jedes Mal rausholt, wenn er abgefüllt ist. Und dann brüllen sie „Komm, wir werden gemeinsam alt“. Wir haben noch zusammen angestoßen, ich mit Holundersaft und sie mit Scharfgebranntem, den sie ich weiß nicht wann aus Bosnien mitgebracht und für besondere Gelegenheiten gebunkert hatten. Allerdings ist bei ihm jedes Mal, wenn er sich einen Schluck genehmigt, eine besondere Gelegenheit. Nicht, dass er so oft abgefüllt wäre, aber wenn er mal zulangt, ist das jenseits von Gut und Böse. Ich kann mir richtig vorstellen, wie er im Flur auf die Blauen zuschwankt, mit dem Pokal unterm Arm, und ihnen erklärt, dass sein Sohn Marko gewonnen hat und dass sie ein bisschen feiern und lustig sind, weil Marko in der letzten Sekunde einen Korb gemacht und den Pokal als bester Werfer des Turniers gekriegt hat. Dann hat er ihnen wahrscheinlich versprochen, dass er die Musik leiser dreht und schlafen geht, und die Cops sind wieder gegangen, aber dann hat er gebrüllt, sie sollen die Musik voll aufdrehen, und hat gegen die Tür der dicken Maršička getreten, was sie die Polizei zu rufen hat und dass er ihr jedes Kilo zu viel extra fickt und dass er nicht schuld ist, wenn ihr Sohn ein Fixer ist. Obwohl Pero kein Fixer, sondern Kiffer ist, nur was weiß Radovan, dass nicht jeder Kiffer automatisch an der Nadel hängt und dass er möglicherweise nur Blätter raucht. Das ist für ihn alles ein und dasselbe. Er würde sie alle auf die Baustelle jagen, damit sie ein oder zwei Jahre malochen. Die Bullen hatten ihn sicher gehört, aber sie hatten keinen Bock, noch mal zurückzugehen. Sie waren ja nur gekommen, um eine Ermahnung auszusprechen. Von Gesetzes wegen sind sie dazu verpflichtet. Aber dann sind sie uns im Parterre entgegengekommen. Ach, Radovan, da hast du uns was eingebrockt.

Wir hatten uns mit dem Schnaps niedergekübelt, den Dejan bei seinem Vater hatte mitgehen lassen. Der alte Mirtić kriegt das gar nicht mit, der hat genug andere Flaschen, und dem ist das sowieso egal, was für’n Schnaps er trinkt. Jedenfalls hatten wir uns voll die Ölung gegeben. Dann ist einer von uns vier Genies, also Dejan, Aco, Adi und ich, auf die Idee gekommen, wir singen für den ganzen Block We Are the Champions. Und haben bei allen Sprechanlagen gedrückt und uns alle vier umarmt und angefangen zu brüllen, was sich aber mehr nach Kotzen als nach Singen angehört hat. In dem Moment kamen die Bullen vorbei, die Radovan erklärt hatten, dass sein Šaban zu laut sei. Sie waren schon an uns vorbei und verdrehten nur die Augen, aber dann fing Adi, der den meisten Schnaps intus hatte, damit an, auf die Sprechanlage einzuschlagen.

„Uns kann keiner was, wir sind stärker als das Schicksal!“

Der verfickte Mitar Mirić machte die ganze Situation noch schlimmer, die Bullen verloren die Geduld, und noch vor dem Ende des Refrains der inoffiziellen Hymne der Republika Srpska waren wir alle vier im Kübel. Ich weiß nicht, wie ich plötzlich da drin war, ich weiß nur, dass Adi unter mir lag und Dejan auf mir. Und dass die Tür zuknallte und der beschissene Kübel losfuhr und wir im Dunkeln durchgeschüttelt wurden.

Mir war klar, worum es ging. Das ist der Klassiker. Gewöhnlich stecken die Bullen die, die an der Ljubljanica ein bisschen die Angel ausgeworfen haben, in den Kübel. Die fahren sie dann ein bisschen spazieren und werfen sie irgendwo in der Pampa wieder raus, mitten im Wald. Auch Adi haben sie einmal hopsgenommen. Da ist er herumgeirrt und auf ein anderes Polizeiauto gestoßen. Er machte ihnen weis, er komme von der Tanzstunde und habe sich verquatscht, und ob sie ihn nach Hause fahren könnten. Und das taten sie auch, die Spackos. Damals haben sie ihn nicht so durchgeschüttelt wie uns jetzt. Am Anfang war noch alles cool, und Dejan hat rumgebrüllt wie ein Wahnsinniger.

„Wir sind von Fužine, wir wissen, wo wir sind. Ihr werdet uns nicht verarschen, denn wir haben den Konpas!“

„Was für ein Konpas! Kompass, du Pfosten!“

Dejan drehte auf und wir grinsten bis über beide Ohren und Adi machte weiter mit dem Song von Mitar Mirić.

„Uns kann nur hassen, wer uns nicht liebt!“

„Fährt Miško nach Belgrad!“

„Das kann Miško auch mit geschlossenen Augen!“

Aber dann war Schluss mit lustig. Wir wurden in dem Kübel hin und her geschleudert, einer fiel über den anderen, und die Idioten machten die Sirene an, fuhren wie die Wilden und legten sich wie die Verrückten in die Kurve. Keiner von uns brachte mehr einen Ton heraus. Du hörtest nur das Poltern und das Jammern, wir prallten gegeneinander, und ich wusste nicht, ob ich mit den Armen lieber das Gleichgewicht halten oder meinen Kopf schützen sollte. Ich tat irgendwas dazwischen, und plötzlich flog in einer Kurve jemand gegen mich, dass ich mit dem Kopf gegen die Wand knallte, zu Boden ging und wieder hochgeschleudert wurde. Es drehte sich mir im Kopf, und ständig flogen die anderen drei auf mich drauf. Ich versuchte meinen Kopf mit den Händen zu schützen und wartete, dass dieser Wahnsinn ein Ende hatte. Das hier war kein Spaß mehr. Ich hab mich angeschissen hundert die Stunde und gedacht, mit uns ist es aus. Der Kübel legte sich immer mehr in die Kurve, wir lagen auf dem Boden und hielten uns aneinander fest. Und dann trat der Idiot mit einem Mal auf die Bremse und schleuderte uns mit den Köpfen direkt gegen die Wand. Der Kübel hielt. Dann ging die Tür auf und jemand zog mich am Bein raus und ich flog auf die Erde. Direkt in den Dreck. Und Aco auf mich drauf. Und der Kübel raste davon. Ich lag auf der Erde, und Aco wälzte sich langsam von mir runter. Ich hörte Adi, wie er am Kotzen war. Dejan weinte, wie mir schien. Wir waren mitten in einem tiefen Wald. Am Arsch der Welt. Und dazu regnete es noch. Wir lagen im stinkenden Dreck, und mindestens fünf Minuten rührte sich keiner.

Hundert Jahre liefen wir in diesem verfickten Wald herum. Was für eine ausgemachte Sauerei, dass sie dich hier rausschmeißen, und du dann sehen kannst, wo du bleibst. Adi war wieder am Reihern. Dejan ging es auch schlecht. Wir fuckten uns an, weil wir uns nicht einigen konnten, in welche Richtung wir gehen sollten. Wir schrien uns an und Aco setzte sich auf den Boden und sagte, er gehe nirgends hin. Wir sollten uns verpissen. Dejan fauchte ihn an, und Aco wollte ihn sich schon vorknöpfen, um ihn zu vermöbeln. Aber dann sprintete er einfach los, ab durch den Wald. Und wir hinterher. Ich weiß nicht, ob ich jemals im Leben so wütend war. Ich hätte ihn umbringen können. Drecksäcke, verfluchte! Ich reiß ihnen die Tuntenärsche auf! Dejan und Adi stritten sich um etwas.

„Soweit ich weiß, ist das Šiška.“

„Was für Šiška. Šiška ist da, wo Dravlje ist.“

„Dann ist das Črnuče.“

„Im Leben warst du nicht in Črnuče.“

„Und wo sind wir dann?“

„Was weiß ich? Šmarna gora.“

„Ja, bestimmt. Šmarna gora ist ein Berg, du Pfeife!“

Mir wurde ganz anders. Mir wurde tatsächlich schlecht. Richtig trübe wurde mir vor Augen. Ich zitterte, mir kamen die Tränen, fuck, in den Zähnen hatte ich so ein komisches Gefühl. Ich biss mit aller Kraft ins Leere. Ich ballte die Fäuste und bohrte die Fingernägel in die Haut. Wenn ich in dem Moment einen Polizisten gesehen hätte, hätte ich ihn kaltgemacht. Worauf du einen lassen kannst. Ich war verrückt. Ich war richtig verrückt. Für die Anstalt. Die ganze Angst, die mich in diesem beschissenen Kübel hin und her geworfen hatte, alles das hatte mich so fertiggemacht, dass ich dachte, ich kriege einen Herzkasper.

„Für mich sieht das nach Golovec aus. Nur von der anderen Seite.“

„Auf der anderen Seite vom Golovec ist die Autobahn.“

„Komm, ruf’ne Taxe, Alter!“

„Und was willst du ihm sagen? Er soll hintern Golovec, unter die Šmarna gora nach Črnuče kommen?“

„Und, hast du ’ne bessere Idee?“

Als ich dann diese abgefuckte Jagdhütte sah, oder was für eine Schickimickibude der alte Holzkasten sein sollte, riss bei mir der Film. Ich fing an, mit allem zu werfen, was ich in die Hände kriegte. Steine, Erde, Äste, was mir unterkam. Ich trat mit aller Gewalt mit dem Fuß gegen die Tür.

„Diese verfluchten Wichser! Was haben wir ihnen getan, verfickte Arschlöcher! Was haben wir ihnen getan!“

Die anderen schlossen sich mir an. Wir zerschlugen alle Fenster, die Tür rissen wir heraus, den Zaun zerlegten wir komplett. Totales Blackout!

4. Warum ich sonntags nicht aus dem Bett komm

Am beschissensten ist es, wenn ich Radovan und Ranka höre, wie sie sich sonntagmorgens beharken. Der einzige Tag, wo beide morgens zu Hause sind und in Ruhe zusammen Kaffee trinken und Wiederholungen mexikanischer Serien schauen könnten und alles schön und gut wäre, aber nein, die beiden müssen sich natürlich aus irgendwelchen debilen Gründen streiten. Und dabei flüstern sie dann auch noch, wie um mich nicht zu wecken, und dann höre ich nur etwas, wenn Radovan sich nicht mehr zurückhalten kann und voll losbrüllt.

„Ich kann krepieren, aber es läuft so, wie du es dir ausgedacht hast! Stimmt’s? Gib es zu! Gib es zu, verdammt noch mal!“

Und dann wieder so ein Flüstern, und du wartest, wann es wieder einschlägt.

„Es ist nicht sooo! Hööörst duuu?“

Radovan zieht den letzten Teil seiner Sätze in die Länge, weil sonst schon Ranka mit ihren Finten hineinstößt. Und Ranka lässt nicht locker. Sie macht ihr Ding. Ruhig wartet sie, dass Radovan langatmig absondert, was er abzusondern hat, und macht dann weiter. Ranka kannst du nicht verarschen. Sie hat Radovan schon durchschaut, und ich weiß nicht, warum er immer noch herumschreit, wenn er keine Chance hat, irgendwas zu erreichen.

„Hast du gesagt, dass du den Topf auf den Balkon gestellt hast? Hast du das gesaaagt?“

Und so. Wieder die debilsten Gründe. Der Topf auf dem Balkon. Radovan regt sich auf, weil die Sarma nicht im Kühlschrank steht, sondern auf dem Balkon. Zwar ist es ziemlich blöd, dass sie auf dem Balkon steht, aber dass du dich deshalb so aufregst, ist nun auch wieder für die Anstalt. Der Witz besteht aber darin, dass ihm der Kopf wehtut und dass er einen Kater hat und jetzt zum Frühstück Sarma will. Sarma zum Frühstück, das ist seine fixe Idee. Wenn das nicht das Bosnische in Reinkultur ist.

„Ist es irgendwann mal so gewesen, wie ich gesagt habe? Ist es das? Irgendwann? Sag. Los, sag! Saaag!“

Zisch ab dahin, wo der Pfeffer wächst. Jetzt rollen sie die Geschichte auf. Sie zerlegen ihre Ehe in die Urbestandteile, dass kein Schwein sie bis zum nächsten Sonntag wieder zusammensetzt. Wenn sie sie aufs Neue zerlegen. Also, deshalb steh ich sonntagmorgens nicht auf. Ich nehme die Sportske von unterm Bett und lese die Ergebnisse der NBA, und wer wie viele Punkte gemacht und wer wie viele Sprungwürfe gehabt hat. Statistik eben. Hier zum Beispiel, Gilbert Arenas aka Agent Zero hat 36 Punkte gemacht, mit einem schwachen Prozentsatz Würfe aus dem Spiel, aber er hatte noch sieben Assists. Vince Carter aka Half Man Half Amazing hat Sacramento 45 reingedrückt, nur dass sie’s trotzdem vergeigt haben. Bei Sacramento haben Bibby und Artest jeder 22 Punkte gemacht. Ron Artest ist der größte Idiot, der ist sogar mal die Tribüne hochgeklettert, um Zuschauer zu verprügeln. Aber ich kann nicht in Ruhe lesen, weil im Wohnzimmer wieder Stille herrscht und ich darauf laure, wann es wieder einschlägt. Stille ist der größte Shit. Da könnte ich mich umbringen. Da, jetzt geht’s los.

„Fick dich ins Knie, du Vollkoffer.“

Töpfe fliegen. Türen knallen. Dann herrscht eine Zeit lang Ruhe. Zum Verrecken ruhig. Beide sind beleidigt und lassen Dampf ab. Radovan wird ständig schnaufen, Ranka wird so tun, als sei sie zu Tode gekränkt. Ein bisschen ist sie es auch, nur bei ihr ist es nicht schlimm. Sie scheißt Radovan auf diese Weise gern ins Hirn. Das Schlimmste aber ist, dass Radovan jetzt keine Ruhe geben kann, sondern anfängt, durch die Wohnung zu tigern. Deshalb lege ich die Sportske weg und tu so, als würde ich schlafen. Er öffnet die Tür und glotzt eine Zeit lang auf mich runter, dann macht er die Tür zu und geht zurück. Soll er sich doch ins Hirn ficken. Wenn ich keinen Hunger hätte, würde ich so den ganzen Tag liegen bleiben, denn jetzt zwischen sie zu gehen ist das totale Desaster. Aber ich muss, zum Teufel. Das ist so im Leben.

Am schlimmsten sind die dummen Fragen, die Radovan mit seiner finsteren beleidigten Stimme stellt. Mir geht sowieso alles auf den Sack, und ich hab keine Lust, auf sie zu antworten. Und unausgeschlafen bin ich auch noch. Und alles tut mir weh. Aber Radovan muss was fragen.

„Gehst du heute irgendwohin?“

Ich nicke.

„Wann?“

„Weiß ich nicht.“

„Wieso weißt du das nicht? Gehst du oder gehst du nicht?“

Jetzt bin also ich dran. Ranka hat ihren Teil zu hören gekriegt, jetzt muss ich herhalten. Aber ich habe keine Lust, die Situation zu befrieden. Ich hab heute keine Kraft dazu. Ich sage nichts. Ich sitze da wie ein Idiot. Radovan dampft ab und zappt sich wütend durch die Programme. Ranka platzt herein.

„Wo wart ihr gestern?“

„Hier.“

„War es gut?“

Ich hab keine Lust zu antworten und nicke nur. Das bringt bei Radovan das Fass zum Überlaufen. Es hat nicht viel gebraucht.

„Was ist los mit dir?“

„Nichts, wieso?“

„Eben, nichts. Deine Mutter hat dich wirklich schön erzogen. Weck ihn nicht, lass ihn schlafen bis zwölf. Er muss nicht reden, wenn er nicht will.“

Ich hab ja gewusst, dass sie sich über mich in die Haare kriegen. Blitzartig raffe ich meine Sachen zusammen und will aus dem Zimmer.

„Wo willst du hin?“

„Ich gehe …“

„Wann kommst du zurück?“

„Weiß ich nicht.“

Als ich an der Tür bin, springt Radovan auf und kommt mir nach.

„Mutter macht Essen.“

Ich verschwinde nach draußen. Vor den Block. Diese ewige Fragerei macht einen wirklich fertig. Totale Scheiße.

5. Warum wir nicht wie sonst vor dem Block sitzen

Vor-dem-Block-Sitzen ist in Fužine Nationalsport. Wahrscheinlich ist es in jeder Wohnsiedlung so, aber in Fužine ist diese Disziplin aufs Perfekteste entwickelt. Ist ja logo, kleine Wohnungen, große Familien, angespannte Beziehungen, niedriger Standard. Jede große Familie hat wegen des niedrigen Standards in der kleinen Wohnung nur einen Fernseher, und klarerweise sind dann die Beziehungen angespannt, weil du dich ständig darum streitest, wer fernsehen darf. Und dann macht sich ein Glücklicher auf der Couch lang und zappt durch die Kanäle, und die anderen können sehen, wo sie bleiben. Wenn Mama ihre mexikanische Limonade schaut, geht Vater in die Kneipe, und wenn Vater sie mit Pink oder mit 24sati oder mit Trenja anödet, geht Mama auf einen Kaffee zur Nachbarin. In jedem Fall ziehen die Kinder den Kürzeren, und wenn sie dann noch keinen Computer haben, sitzen sie vor dem Block. Die Tschefuren sind nicht für Computer zu haben. Playstation, das geht noch irgendwie, aber Programmieren und Hacken, das ist nichts für uns Tschefuren. Und dann hat die Mehrzahl der Tschefureneltern irgendwo mal von wem gehört, dass Computer für Kinder gefährlich sind, und wollen dir deshalb natürlich keinen guten Rechner kaufen. Da sitzt du dann eben vor dem Block und drehst die Bässe auf. Du starrst Löcher in die Luft, mit anderen Worten. Drei Tage debattierst du darüber, ob der MerĐo besser ist, der von deutschen Maschinen gemacht wird, oder der Ferrari, der von Hand gemacht wird. Maschine gegen Mensch. Ein großes Thema. Dann bringst du den Terminator ins Spiel, und RoboCop, und Schumacher, und Adis Onkel Emir, der in Deutschland MerĐos schraubt, und den Kollegen von Dejan, der in Italien Ferraris testet, und Juventus, und Bayern, und den Pullover von Acos Oma Stojadinka, und den Pullover aus dem Emporium, und so drei Tage und drei Nächte lang. Und zwischendurch siehst du die abgelutschten Väter, die von der Arbeit kommen, brave kleine Nachbarn, die aus der Schule kommen, die Moderatorin aus dem achten Stock mit den hohen Absätzen, deren Arschbacken so tanzen, dass mir immer der Hals wehtut, wenn ich sie sehe, Božos sexy Mama, von der wir immer noch nicht wissen, ob sie vierzig oder fünfzig ist, den Alki Šuškić aus dem elften Stock, der einmal so abgefüllt war, dass er den Block verwechselt hat und beinahe beim Achter-Block eingebrochen wäre, weil er die Tür nicht aufkriegte, und Hausmeister Vlado, der ständig am Rumstinken ist, der Arsch. Und am Ende weißt du immer noch nicht, ob der MerĐo besser ist oder der Ferrari, weil der MerĐo ist ein Švabo und schon deshalb super und ihn fahren alle Gastarbeiter und Mafiosi, und Ferrari ist eben Ferrari, und das ist es dann.

Du sitzt vor dem Block und setzt Schimmel an. Aber das ist wenigstens cool. Besser als Radovan und Ranka hören zu müssen.

Und jedes Mal ist es dasselbe. Dejan behauptet etwas, und Adi zieht ihn auf und beweist ihm, dass das, was er behauptet, Blödsinn ist.

„Wirst schon sehen, dass wir in Črnuče waren.“

„Einen Scheiß waren wir in Črnuče. Was für ein Črnuče! Črnuče ist da, wo der Sechser hinfährt. Du bist echt ein Spacko.“

„Kauf doch ’ne Zeitung und sieh nach, wo diese Jagdhütte ist. Sicher schreiben sie im Lokalteil, dass wir sie verwüstet haben.“

Das sind so diese genialen Ideen von vor dem Block. Dass du, wenn du mal Rambazamba machst, gleich in die Zeitung kommst.

Aco fällt natürlich auf diesen blöden Schmäh rein und geht zur Trafik. Und kommt zurück mit dem Dnevnik. Ich hab nicht mal gewusst, dass dieses Käseblatt überhaupt existiert.

„Sieh dir den Debilen an, was der gekauft hat. Willst du was über Kultur lesen? Ich hab dir doch gesagt, du sollst die Novice kaufen.“

„Hier ist doch auch ein Lokalteil drin!“

„Jetzt wirst du sehen, wo wir waren. Črnuče. Wirst sehen, dass wir in Vič waren.“

Sowieso.

„Das sind wir! Wir sind drin!“

„Gib her! Lass mich, du kannst sowieso nicht lesen.“

„Einen Scheiß kann ich nicht!“

Es ist nicht zu glauben! Diese Jagdhütte ist ein total angesagter Partyschuppen, und jetzt schreiben sie über uns in der Zeitung. Gut, das ist nicht wer weiß was, aber irgendwo muss man ja anfangen.

„Van…da…len … Was ist das denn?“

„Das sind Blödmänner. Lies weiter.“

„Vandalen haben gestern Abend eine Hütte in Dolgi Most verwüstet … Siehst du, Dolgi Most.“

„Aber das ist doch da, wo Črnuče ist. Der Sechser fährt doch nach Dolgi Most.“

„Einen Scheiß ist das da, wo Črnuče ist. Weißt du, wo Dolgi Most ist?“

„Na wo?“

„Das ist … wenn du nach Vič fährst und dann …“

„Das ist nicht Vič, wenn es Dolgi Most ist. Wenn es Vič wäre, hätten sie Vič geschrieben.“

„Hör doch auf, wenn du keine Ahnung hast. Erinnerst du dich, wo er nicht gewusst hat, wo Tromostovje ist.“

„Das hab ich gewusst, ich hab nur nicht gewusst, dass das der Prešeren-Platz ist.“

Wer weiß, ob diese Debatte im Leben einmal zu Ende gegangen wäre, wenn es nicht Samira gegeben hätte, Adis Mutter.

„Adi, da kommt deine Mutter.“

„Oh, verdammt!“

Jetzt kommt Samira auf uns losgestiefelt, sie ist nicht aufzuhalten. Adis Vater, Mirsad, arbeitet in Österreich. Adi sagt, dass er Chauffeur ist, und wir, dass er Müllfahrer ist. Und dann schleicht Samira ständig hinter Adi her und will ihn nach Hause holen. Aber Adi hat keinen Bock drauf und verdünnisiert sich, und dann sagt sie das Mirsad, und Adi kriegt eins auf die Nuss. Und dann fährt Mirsad zurück nach Klagenfurt, und Adi entwischt Samira wieder und sie läuft wieder durch Fužine und sucht ihn.

„Adi, komm, wir gehen nach Hause.“

„Aber ich geh nicht nach Hause. Ich bleib hier.“

„Heute kommt Papa.“

Der Schmäh ist, dass Mirsad nie dann einfliegt, wenn er einfliegen müsste, und Samira wartet ständig auf ihn mit dem fertigen Mittagessen und sammelt die Kinder in Fužine ein, damit sie so etwas hätten wie ein gemeinsames Familienessen, wenn Mirsad nach Hause kommt. Adi fängt sie vielleicht noch ein, aber Sanel, Adis älteren Bruder, nie, der ist total abgetaucht.

„Und was, wenn er kommt? Wenn er wirklich kommt, dann komm ich auch.“

„Komm nach Hause, es gibt Mittagessen.“

„Ich komme nicht. Mach ’ne Fliege!“

Immer dasselbe. Verdammte Kacke, aber wieso ihr das nicht über wird, weiß ich auch nicht.

„Nun komm schon …“

„Mach ’ne Fliege! Wo wir doch zusammen essen gehen. Marko lädt ein, weil er gestern gewonnen hat.“

Scheiße ist das, weil mir Samira am Ende immer leidtut. Noch nie ist Adi mit ihr nach Hause gegangen, aber sie steht immer da und sieht uns an und bettelt, und Adi nimmt sie nicht für voll, und wir stehen daneben wie die Idioten und sehen zu Boden. Manchmal ist mir das so zu blöd, dass ich am liebsten mit ihr zu diesem Mittagessen gehen würde.

„Geh nach Hause und lass mich. Kommt, wir gehen, wenn sie nicht weggeht.“

Und dann gehen wir gewöhnlich hinter Adi her und lassen sie stehen wie einen Haufen Unglück. Mirsad baggert inzwischen Österreicherinnen an. Mirsad ist mir überhaupt suspekt, es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn er in Kranj arbeitete und er Samira das mit Klagenfurt nur vormachte. Was weiß Mirsad, wo Klagenfurt ist.

6. Warum man nach einem guten Essen ein bisschen Bewegung braucht

Keine richtige Tschefurenfamilie geht zum Essen ins Restaurant. Nicht mal zu Jovo. Erstens ist es zu teuer, zweitens müssten sie sich zwei Stunden über irgendwas unterhalten, was für eine Tschefurenfamilie nicht zu packen ist. Zu Hause isst du in zehn Minuten und gehst weiter fernsehen. Oder Geschirr spülen. Je nach Geschlecht. Aber ich kann mir nicht vorstellen, mit Radovan und Ranka zwei Stunden beim Essen zu sitzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Radovan und Ranka zwei Stunden beim Essen sitzen ohne mich. Too much! Diese Familienunterhaltungen gibt es sowieso nur in amerikanischen Serien. Ich hab mich im Leben nicht mit Radovan unterhalten. Oder mit Ranka. Wir fragen uns nur was und geben Antwort.

„Hast du deine Hausaufgaben gemacht?“

„Mhm!“

„Hast du heute ein Spiel?“

„Morgen.“

Radovan hat mit sich selbst die Challenge, wie viele blöde Fragen er zu fragen imstande ist, und ich habe mit mir selbst die Challenge, wie ich möglichst kurz darauf antworte. Ranka hat einen anderen Typ Fragen.

„Warum hast du nach dem Abendbrot den Tisch nicht abgeräumt? Warum hast du nach dem Training das nasse Zeug nicht aus der Tasche genommen?“

Das ist noch einfacher. Auf solche Fragen gibt es keine Antwort. Und Ranka erwartet keine. Ich tue immer genügend Sachen nicht, sodass sie immer genügend Fragen hat.

„Warum hast du dein Zimmer nicht aufgeräumt? Warum hast du das Licht im Klo nicht ausgemacht? Warum hast du den Müll nicht rausgebracht? Warum hast du die schmutzigen Strümpfe nicht in die Schmutzwäsche getan?“

Wie du dich zwei Stunden mit den Alten unterhalten kannst, wird mir nie klar werden.

Aber dann ist da noch ein dritter Grund, weshalb die Tschefuren nicht mit der Familie ins Gasthaus gehen. Weil die Frau kocht. Dass sie einen Tag mal nicht kocht, ist keine Option. Immer gibt es Sarma oder Musaka oder Pita oder Sataraš oder Gefüllte Paprika. Wenn die Frau zufällig einen Tag mal nicht kocht, gibt es Gulasch vom Vorabend oder Bohnen von der Vorwoche. Oder es gibt was Tiefgefrorenes aus dem Freezer, das man nur aufzutauen braucht. Deshalb hat ein Tschefur es nie eilig nach Hause zum Essen. Weil sich all dieses Essen löffelwarm aufwärmen lässt. Und Pita ist auch kalt ganz in Ordnung. Nur sonntags, wenn es Huhn gibt und Bratkartoffeln im Schmortopf aus dem Rohr, muss man quasi pünktlich zum Essen sein. Dann essen wir so wie alle zusammen. Aber dann habe ich keine Lust dazu. Weil Radovan und Ranka so was von behämmert sind und ich keine fünf Minuten Lust habe, mit ihnen zusammenzusitzen. Scheiß auf Huhn und Bratkartoffeln im Schmortopf aus dem Rohr.

Deshalb sind wir zu Babnik gegangen. Das ist ein Dorfgasthaus auf der anderen Seite der Ljubljanica, wo sie ganz annehmbare Preise haben, wenn du schnell bist und verschwindest, wenn die Kellnerin nicht hersieht. Ein einziges Problem gibt es mit diesem Gasthaus, und zwar, dass du da nur einmal hingehen kannst. Ich weiß nicht, ob es auch nur einen Tschefur auf der Welt gibt, der bei denen zwei Mal war. Denn jedes Wochenende rennt jemand aus dem Babnik weg, satt wie ein Schwein. Bin ich etwa dafür verantwortlich, dass Fužine so nah ist und dass die Kellnerin uns nicht durch die Siedlung nachläuft?

Nur, dass mich die Kellnerin aus dem Babnik total angefuckt hat. Die Scheißfotze, weil sie uns von Anfang an so angesehen hat, als wären wir die größten Verbrecher. Weil wir so aussehen wie Tschefuren, oder was? Du hast richtig ihren Blick sehen können, wie sie uns angesehen und sich gedacht hat, dass wir uns nach dem Essen bestimmt französisch verabschieden. Wir sind dann ja wirklich abgehauen, aber das ist jetzt nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass sie nicht wissen konnte, dass wir abhauen werden, und dass sie uns trotzdem so angesehen und uns ganz mickrige Portionen serviert hat, und all so was. Denn was, wenn Getafe gegen Alaves verliert und Aco beim Wetten richtig liegt und wir Cash hätten und am Schluss zahlen würden? Was wäre dann? Sie hätte uns genauso angesehen. Und da liegt der Hase im Pfeffer! Nutte, verfickte. Dass sie dich ansieht, als wärst du ein Verbrecher, schon bevor du überhaupt einer bist. Und so sehen uns alle andauernd an. Immer schauen alle nur, wann wir abhauen und was wir zerlegen und wen wir anpflaumen werden. Ich wollte am Ende richtig aufstehen und an den Tresen gehen, auf den Tausender spucken und ihr den an die Stirn kleben. Verfickte Zigeunerfotze. Die soll mich noch einmal so ansehen.

Nur dass ich sowieso keinen Tausender hatte. Ich hatte nicht mal einen Hunderter. Ich hatte fünfzig beschissene Tolar und noch was an Kleingeld. Und wir sind gerannt. Das ist immer komisch, wenn vier Typen wie die Idioten vor einer altersschwachen Kellnerin davonrennen. Du rennst, als wären die Cops hinter dir her. Und nicht, dass du anhältst, wenn du nach Fužine kommst, und dann langsam weiter. Nein, du rennst immer weiter, bis ganz zum Basketplatz. Keiner dreht sich um und sieht zurück. Das hab ich echt nie kapiert. Vier eigentlich starke Typen, die stärksten, und eine dicke Kellnerin. Und dann noch in Fužine, wo alle sportlich leger gehen, als hätten sie es gerade mit Seka Aleksić getrieben, und wenn du dann noch „Aufpassen!“ rufst, zucken alle zusammen und fangen wieder an zu rennen! Mann, wenn das nicht wieder so ein psychologischer Trick ist.

7. Warum keiner mehr Basket spielt

In der letzten Zeit sind die Basketplätze in Fužine leer. Das ist so, wenn die Schulen ihre Spielplätze nicht renovieren und wenn die Gemeinde, zu der Fužine gehört, nichts auf die Reihe kriegt. Dann gibt es keine Bretter, keine Netze, nichts. Für mich ist das ein echt trauriger Anblick. Du kommst auf den Platz, und kein Mensch weit und breit. Die Kleinen fixen oder ziehen sich Videospiele rein. In Fužine gibt es sechs Basketplätze plus einen Korb bei den Tennisplätzen und ein Spielfeld vor der Verrücktenanstalt, wo sie auch eine Leitung haben und du Wasser trinken kannst. Von allen diesen Spielplätzen wird nur auf dem Krajevec gespielt, und das ist dazu noch der abgefuckteste Platz der Welt, wo die Mittellinie kein Aus bedeutet. Die Regel hat sich irgend so ein Kretin vor hundert Jahren ausgedacht und die gilt jetzt noch immer. Auf allen Spielfeldern ist beim Basket die Mittellinie das Ende des Spielfelds, wenn du nur auf einen Korb spielst, nur auf dem Krajevec nicht. Und außerdem gibt es heute keinen richtigen Basketball mehr. Früher gab’s an jedem Korb ein paar Dreier, da spielten Rašo Nesterović und voll ein paar super Typen, und da spielten ein paar Greise, bei denen du keinen dunken konntest, egal was du versucht hast. Vor der Gastgewerblichen waren immer ein paar gefährliche Typen aus dem Fünfzehner-Block, die, den Kassettenspieler voll aufgedreht, Public Enemy laufen ließen und einen verdammt unangenehmen Basketball spielten. Auch wenn der Typ nicht dribbeln konnte, war er stark und hat mit dir den Boden gewischt. Wer weiß, wo diese Legenden jetzt sind, all diese verschiedenen Jordans. Nur, vor der Kochakademie hängt schon mindestens zehn Jahre kein Brett mehr. Bei uns, am Rusjan, wurde nur so easy Basket gespielt, aber das war trotzdem immer eine coole Angelegenheit, da haben sich voll die Leute versammelt, und jetzt kommen wir hin, und da ist ein Zwerg ein bisschen am Schießen, der Ball größer als er. Hast keinen, mit dem du zu dritt spielen könntest. Ein wahres Trauerspiel. Und dann hörst du in der Glotze, wie irgendwelche bemühten Warmduscher klugscheißen, dass es immer mehr Junkies gibt und so. Sollen sie doch mal von Platz zu Platz spazieren und sehen, wo die Kids sind. Klaro wird da gefixt, wenn du zum Basket kommst oder zum Fußball, aber da siehst du keinen von denen. Meiner Schätzung nach gibt es mehr Fixer als Basketballer auf diesen Spielplätzen.

„Gibst du mir mal den Ball, dass ich einen Dreier werfe?“

Aco muss die Kleinen immer erst mal anblaffen. Angeblich weil sie uns auch angeblafft und vom Platz geworfen haben, als wir die Kleinen waren, und jetzt bringt er quasi den Kleinen Ordnung bei. Damit klar ist, wer hier das Sagen hat. Aber die Kleinen von heute scheißen dir was. Wir haben uns damals angeschissen und uns nicht getraut zurückzublaffen und sind schön runtergegangen vom Spielfeld, aber heute blasen sich die Kleinen auf und blaffen zurück.

„Gib schon her, ich fress ihn dir schon nicht auf. Ich werf nur mal einen Dreier.“

Da hast du diese Pimpfe. Die reißen das Maul auf, und die Alten nehmen nie den Gürtel, wie es sich gehört. Von wegen moderne Erziehung. Und dann muss ihm Aco den Ball mit Gewalt wegnehmen, um seinen fucking Dreier zu werfen, und der Kleine ist beleidigt und will zu seiner Mami laufen und ihr was vorplärren und Aco kriegt die Wut und haut ihm den Ball irgendwohin Richtung Ljubljanica.

„Da hast du deinen Ball, du Nervensäge!“

Und der Kleine läuft weinend nach Hause. Und wir sitzen schön auf der Tribüne vorm leeren Platz und sind gut drauf.

„Willst du ’n bisschen Gras? Von Hasch-Jovo?“

Gras will ich keines. Ich meine, wo ich doch Sportler bin. Ein Tschick geht manchmal bei mir. Nur so zum Angeben, denn wenn Radovan wüsste, dass ich qualme, würde er mich in meine Einzelteile zerlegen. Die Eier würde er mir um den Hals binden. Da versteht er keinen Spaß. Drogen oder Basket. Zigaretten, eine, zwei, das ist es nicht, Radovan hat ja auch geraucht, als er jung war, aber wenn ich einen Joint rauchen würde, würde ich kopfüber aus dem dreizehnten Stock fliegen. Nicht, dass unser Block dreizehn Stock hätte, aber für die Gelegenheit würde Radovan den dreizehnten dazuerfinden. Dann wär der Kopf ab. Deshalb sehe ich Dejan und Adi zu, wie sie rauchen, und ich stecke mir eine auf easy an und inhaliere nicht. Mehr zum Angeben.

„Keiner spielt mehr Basket?“

„Kein Geld.“

„Was brauchst du Geld. Nimmst dem Kleinen den Ball ab und machst ein Dunking und so.“

„Ach nee, das hat keine Perspektive.“

Manchmal schiebt Dejan was raus, dass es dir den Magen umdreht. Was weiß der, was Perspektive ist. Der Mensch hat keine blasse Ahnung von gar nichts. Die ganze Grundschule durch hatte er alles Fünfen. Für ’ne Vier in Geografie brauchte er nur alle Kontinente auswendig zu lernen, ging nicht. Am Schluss hat er sich mit der Geografietussi geeinigt, dass er ihr für ’ne Vier alle sieben Londoner Klubs aufzählt, die in der Premier League spielen.

„Ach so, keine Perspektive? Du könntest gern mal Tagebuch schreiben.“

„Das hast du gut gesagt! Weißt du überhaupt, was das ist, Perspektive?“

„Werd ich wohl wissen!“

„Was? Dann sag’s doch, wenn du’s weißt.“

„Warum? Sag du.“

„Du bist doch der Schlaue.“

„Und du der Oberschlaue, wenn sie dir nicht beigebracht hat, was das ist, Perspektive.“

„Hör auf, du hast keine Ahnung, was das ist, Perspektive!“

„Das ist das, was später kommt, in der Zukunft. Wenn es cool ist und so.“

„Ach, in der Zukunft? Mein Gott, was du heute alles rauslässt, Alter! Machst wohl grad deinen Doktor, oder was? Es gibt keine Perspektive!“

„Basket spielt keiner, weil keiner mehr Lust dazu hat. Die Kids sind zu faul, Alter. Keiner hat Lust, sich zu bewegen! Nimm bloß mal den Nušić. Wo hat der Lust, auf dem Spielfeld rumzulaufen! Die Leute sind total phlegmatisch. Kein Interesse, Alter.“

„Die Leute sind behämmert.“

Und so weiter. Gibt nichts Schöneres. Du sitzt da und genießt. Scheißt dich nix.

8. Warum der Kommunismus noch nicht ausgestorben ist

Wenn ich abends nach Hause komm, bete ich zu Gott, dass Radovan schon pennt. Ich hab wirklich keine Lust auf Fragen, wo ich war, mit wem und warum ich nicht zum Essen gekommen bin. Nur, heute hat Radovan direkt auf mich gewartet. Er saß da in Unterhemd und Unterhose, was bei ihm der Pyjama ist, und zappte durch die Kanäle. Und dann fing er an, um mich herumzuschleichen. Und ich wusste, dass ich nicht so leicht davonkommen würde. Irgendwas ging ihm im Kopf herum, und das musste er mir jetzt mitteilen. Scheiße auch.

„Ich habe mit diesem … Krković gesprochen. Er kennt da wen … bei Olimpija! Er steht sich gut mit dem, wie heißt er noch … Ćućić. Er hat gesagt, er wird sehen, was er für dich tun kann.“

„Was?“

„Na, für Olimpija. Er steht sich wirklich gut mit diesem … Ćućić.“

„Was für Olimpija.“

„Na, Olimpija.“

„Ich will nicht zu Olimpija.“

Soll er sich Olimpija und diesen Ćućić sonst wo hinstecken. Was kommt er mir damit um ein Uhr morgens. Und wieder ist er nervös zum Abwinken. Scheiß auf seine Nervosität.

„Bist du wahnsinnig, du Ochse? Was willst du nicht! Und was willst du? Willst du vielleicht zu den Ingenieuren mit deinen Noten? Wenn du nicht bei Olimpija spielst, bist du nirgends! Glaubst du, da kommt einer nach Fužine, um dich zu sehen! Du Depp du! Dann geh doch … geh doch nach Ježica, zu den Frauen, wenn du so einer bist!“

„Und was macht dieser Ćućić! Er ist da Physiotherapeut!“

„Kennt er Sagadin? Kennt er ihn? Ja, er kennt ihn! Und wer ist der Oberste? Sagadin!“

Nur Ranka hat uns noch gefehlt.

„Was habt ihr um diese Zeit hier zu diskutieren. Ihr weckt die ganze Siedlung auf.“

„Und wenn schon! Wann hast du das nächste Training?“

„Morgen.“

Radovan schnappt wieder nach Luft, Ranka leidet, und ich habe von all dem die Schnauze voll. Und überhaupt von seinen Krkovićs und Ćućićs. Das ganze Leben habe ich nur Troubles von diesen Krkovićs und Ćućićs und sonstigen Stümpern. Ständig kennt Radovan wen, der irgendwas richten wird, weil der wieder jemanden kennt, und das sind lauter Tschefuren, die sich kennen, und alle richten irgendwas, und am Schluss setzen sie sowieso alles in den Sand. Wenn jemand glaubt, der Kommunismus ist ausgestorben, hat er sich schwer getäuscht. Radovan ist noch immer auf diesem Trip mit seinen Krkovićs und Ćućićs. Bei ihnen ist alles hilfst du mir, helf ich dir. Du kannst nicht mal in den Laden gehn Brot kaufen, ohne dass Radovan zu dir sagt: „Warte, ich rufe Ćućić an, dass er nachsieht, ob in der Bäckerei bei Krković noch ein Laib über ist!“ Für jeden Scheiß wird nach einer Verbindung gesucht, man fragt nur, wo jemand auf -ić ist und wer ihn kennt, denn wenn er auf -ić ist, dann ist er ein Tschefur, und ein Tschefur kennt doch einen anderen Tschefur. Und dasselbe, wenn eine Waschmaschine kaputtgeht, dann kaufst du keine neue oder bringst sie zum Service, sondern rufst Krković an, der kennt einen Ćućić, der das umsonst repariert. Und so. Alles umsonst. Ein Tschefur ist für den anderen da. Und dann ist die Waschmaschine nach zwei Tagen wieder im Arsch. Der Kommunismus ist im Arsch, weil die Leute für wenig Geld gearbeitet haben. Nur Radovan und seine Krkovićs und Ćućićs haben das noch nicht geschnallt. Die werden immer mehr und sind überall. Alle kennen sich und alle tun sich einen Gefallen, in Wirklichkeit machen sich die einen auf Kosten der anderen einen Lenz. Als ich anfing, Basket zu trainieren, ging das nicht ohne Krković. Nein, er musste bei Slovan einen gewissen Ćućić kontaktieren und irgendwas fix machen. Alle anderen kamen schön zum Training und fingen an zu trainieren. Was weiß ich, das ist wahrscheinlich deshalb, weil damals in Jugoland alle in eine fremde Republik gekommen sind und keinen blassen Schimmer hatten und sich alle angeschissen und nach ihren Leuten gesucht haben, die ihnen helfen würden, sich leichter zurechtzufinden, weil sie weder die Sprache konnten noch sonst was. Aber nach dreißig Jahren könnte man auf dieser Welt doch mal was ohne Krković und Ćućić machen, verdammter Tito, verdammter.

9. Warum die Tschefuren nicht über Sex reden

Heute Morgen bin ich im Aufzug mit der Moderatorin aus dem achten Stock gefahren. O Mann, was würde ich mit ihr machen. Die ist echt steil. Real ist sie noch besser als im Fernsehen. Und immer maximal aufgebrezelt. Hochhackige plus enge Hose, dass der Arsch nur so wackelt und es dir den Atem verschlägt, wenn du hinter ihr gehst. Mir war es immer zu dumm, ihr was nachzurufen und so. Das ist mir immer auf den Sack gegangen. „Hallo Kleine, lass mi mol eine!“, „Mädchen, hast du stramme Bäckchen!“ und ähnliche Meldungen mehr. Ich würde zu ihr sonst was sagen, ich bin aber ein zu großer Loser. Ich bin wirklich zu doof für solche Sachen. Sie kommt in den Aufzug und alles duftet nach ihrem Parfüm, und ich starre auf den Boden und dann, wenn sie aussteigt, geh ich ihr langsam nach und sehe auf ihren Arsch, wie er in den engen Hosen hin und her hüpft. Das ist mein Liebesleben. Eine ausgemachte Kacke. Dass ich etwas zu ihr sage oder so, keine Chance. Ich erinnere mich überhaupt nicht, wann ich ihr zum letzten Mal ins Gesicht gesehen habe. Ich weiß ja, sie hätte mich abblitzen lassen, aber es geht mir doch gegen den Strich, dass ich nicht die Eier habe, um was zu probieren. Ich habe richtig Angst vor ihr. Ich scheiß mich voll an, wenn ich sie sehe.

Auch Adi und Dejan sind solche Loser, obendrein sehen die beiden auch noch so aus, dass sowieso nicht daran zu rütteln ist, weil Adi erst noch wachsen muss und Dejan seine Pickel in Ordnung bringen muss und so. Aco ist der Einzige, der Tussen anbaggert, aber nur solche kleinen Tschefurken aus der Grundschule, die ihn sowieso nicht lassen, und dann kriegt er die Wut und lässt sie stehen und sie rufen ihn dann noch ein halbes Jahr lang an. Wir drei sind einfach eine Katastrophe. Adi zieht sich nur Pornos rein, und meiner Schätzung nach wird es ihn davon noch zerlegen, weil er komplett durchdreht. Sowieso kennt er alle Schauspieler aus den Pornos, was an sich schon krank ist, und dann redet er noch dauernd von denen, von wegen wie und was, eine Nervensäge, nur manchmal kannst du ihn nicht stoppen. Am schlimmsten ist es, wenn er anfängt zu erzählen, wie Mirsad Samira fickt. Für mich ist das wirklich krank, aber Adi erzählt und erzählt. Sowieso kommt er immer mit denselben Behauptungen, nur dass mir schlecht wird, wenn ich an Mirsad und Samira denke. Wenn ich die beiden hören würde, wie sie es treiben, würde ich im Leben keinen mehr hochkriegen. Und dann erzählt er noch, wie Mirsad irgendwelche Kellnerinnen nagelt, und ich weiß nicht, was noch alles. Schmerz lass nach. Weiß der Teufel, warum er das erzählen muss, aber seine Familie ist sowieso am Sand.

Dejan ruft ihnen ständig was hinterher, die allervulgärsten Meldungen, dass dann alle Tussen, wenn sie uns nur von Weitem sehen, machen, dass sie wegkommen. Einmal, als er der Moderatorin was nachgerufen hat, hätte ich ihm fast eine gescheuert, weil er wirklich grauenhaft war. Und dann das Hinterherpfeifen. Ständig. Bei jeder, die vorbeigeht. Das ist das Tschefurischste auf der Welt. Keine Ahnung, wo sie sich das ausgedacht haben.

Je mehr ich darüber nachdenke, scheint mir, dass ich mit dem, mit Sex und so, meine Schwierigkeiten habe. Denn wenn ich normal wäre, hätte ich schon mal eine gepoppt. Aber dann denke ich, das ist deshalb, weil bei uns zu Hause Sex ein Tabu ist. Über Sex wird bei den Tschefuren nicht gesprochen. Der existiert nicht. Meiner Schätzung nach haben Radovan und Ranka sowieso schon hundert Jahre nicht mehr. Wo sollen sie auch, wenn ich im Nebenzimmer bin und die Wände in Fužine so dünn sind, dass ich Radovan höre, wenn er schnarcht. Und wenn ein Film im Fernsehen läuft und da zwei anfangen, miteinander rumzumachen und so, wechselt Radovan sofort das Programm. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich Radovan frage, wann er zum ersten Mal hat, oder Ranka. Das Einzige, wo mal ein Fick erwähnt wird, ist, wenn irgendwelche schweinischen Witze erzählt werden, wenn Mujo Fata pempert und so. Sonst keine Chance.

Mit Adi, Dejan und Aco rede ich auch nicht darüber. Ich meine, ernsthaft. Klar sind wir ständig am Flachsen, Adi erklärt, dass er Tanja Ribič und Rebeka Dremelj nageln würde, Dejan Jelena Karleuša, und Aco Nataša Bekvalac. Ich sage dann meistens Severina, und dann heißen sie mich einen Ustascha, diese Wichser. Gute Möpse sind aber eine supranationale Kategorie. Aber ernsthaft reden wir nie darüber. Weil jeder Angst hat, dass ihm die anderen auf den Kopf scheißen, wenn er sagte, was ihn anmacht. Und wie sie das täten. Wenn ich sagen würde, dass ich auf die Moderatorin stehe, würde ihr Dejan jedes Mal, wenn sie vorbeigeht, nachrufen: „He, Moderatorin! Moderatorin! Marko würde dich gern in deinen Arsch pempern!“

Deshalb starre ich wieder auf den Boden. Wieder trägt sie Heels, und wieder riecht der Aufzug nach ihrem Parfüm. Und wieder geht die Tür vom Aufzug auf und wieder warte ich, dass sie sich etwas entfernt, und gehe hinter ihr her. Wieder hat sie die eng anliegenden Hosen an, und wieder schaukeln die Bäckchen links, rechts, rauf, runter. Was für ein Arsch! Und wieder gehe ich hinter ihr her bis zur Haltestelle, und sie steigt in den Bus, und ich tue, als würde ich auf den nächsten warten, und gehe, wenn der Bus weg ist, zurück vor den Block.

Aber auf sie kann ich nicht wichsen. Geht nicht. Komisch ist das, aber es geht nicht. Auf andere Nachbarinnen geht es, und auch auf Mitschülerinnen und so, aber auf sie kann ich einfach nicht. Ob das Verliebtheit ist oder sonst ein Fotzenrauch, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass mein sogenanntes Liebesleben total im Arsch ist und dass ich total im Arsch bin und dass ich auch das nächste Mal, wenn wir allein im Aufzug fahren, keinen Ton rausbringen, sondern wieder nur auf den Boden starren werde. Vielleicht war Radovan derselbe Loser, oder ein noch größerer, und deshalb will er jetzt nicht darüber reden, weil es für ihn noch immer peinlich ist. Scheiße, Blut ist kein Wasser.

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Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
20 şubat 2026
Hacim:
214 s. 7 illüstrasyon
ISBN:
9783990371169
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
İndirme biçimi:

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