Kitabı oku: «#Glücksmomente in der Toskana»

Yazı tipi:

Inhalt

Vorwort

DER NORDEN

Gigantischer Ausblick

Wo sich Dante und Beatrice trafen

Die Verführung von Adam und Eva

Josef bekommt Besuch

GLÜCKSTHEMA

Zuschauen und staunen

Ferragamo und die Schuhmode

Mercato Centrale, der Bauch der Stadt

GLÜCK ZUM VERSCHENKEN

Porzellan kauft man bei Ginori

Knallerei am Dom: Scoppio del Carro

Fussball-Match mit harten Bandagen

GLÜCKSTHEMA

Ein Comic für den Koch

Alte Schätzchen, echte Entdeckungen

Fabio Picchi, eine Florentiner Institution

Museum für Musikliebhaber

Dabei sein und genießen ist alles

Ein Park, der befreit

Welches Abendmahl ist eindrucksvoller?

Macht in Florenz, Pause auf dem Land

Der Berggott und die Demidoff-Villa

Der Ruhm einer Künstlerfamilie

Mundlose Gestalten im Castello

Eine Certosa wie ein Schwalbennest

Die tanzende Nonne im Chor

GLÜCKSTHEMA

Datini, der Wechsel und das liebe Geld

Prato, die Chinesen und die Moderne

Einblicke in Pratos Küche

Nach den Gladiatoren die Müßiggänger

Wächst die Nase, oder ist er ehrlich?

Andrea macht Genießer glücklich

Jugendstil und Karneval

Das hätte dem Maestro gefallen!

Nass, laut und außergewöhnlich

GLÜCKSTHEMA

Das andere weiße Gold

16 Brücken und 15 Tunnel

Gutes Pflaster für gewichtige Kunst

Bei Paola Eindruck hinterlassen

Dickflüssig, gelbgrün, köstlich

DER OSTEN

Kulisse für berühmte Filme

Über angebliche Prominenz

Unterwegs auf dem Sentiero della Bonifica

Nachhaltig wohnen und schlemmen

GLÜCKSWEG

EcoMuseo del Casentino

Leid und Liebe, Krieg und Frieden

Sich Zeit nehmen fürs Schlaraffenland

Fantastische Farbenpracht

Ein Inbild der Würde

Hinein ins Schlachtengetümmel

Edle Stoffe aus Anghiari

Genuss mit Fantasie und Tradition

GLÜCKSTHEMA

Wo die echte Chianina weidet

Castello mit Archiv

Stia und die Lodenweber

Das Einfache ist immer das Beste

Das gefiel nicht nur Franziskus

Abstieg in Chiusis Unterwelt

DAS ZENTRUM

Gütesiegel »Schwarzer Hahn«

Chianti-Rezept und Bio-Wein

Kulinarisches im alten Kloster

GLÜCKSTHEMA

Die Tradition der Teatrini toscani

Siena im Ausnahmezustand

Wasserversorgung als Kunstobjekt

Die Crete, Pilgerziel der Maler

Bei den tüchtigen Mönchen zu Gast

Ein Theater für alle

Auferstehung eines Dorfes

Golfer kennen kein schlechtes Wetter

Geascht oder in Blätter gewickelt

GLÜCKSWEG

Die besten Plätze fürs Ja-Wort

Im Trüffelland Toskana

Klein-Jerusalem von San Vivaldo

Adamo, das Gesicht des Nobile

Mit dem Aufzug ins Mittelalter

Dante sah Giganten tanzen

Die eine dunkel, die andere hell

Engel und Etruskergrab

TOP 5

Naturschutzgebiete

Weingüter

Strände an der Westküste

TOP 10

Städte

Befestigte Ortschaften

DER WESTEN

Seit über 920 Jahren in Schieflage

Große Kunst auf dem Putz

Wo Pisa baden geht

Mühlespiel gegen die Langeweile

Etruskisches unter der Schlacke

Kompaktes Mittelalter am Hang

Ein weibliches Konzept

Die Liebe zur Nonna verewigt

Saubere Energie aus der Hölle

GLÜCKSTHEMA

Der Amiata heizt ordentlich ein

Die Top Drei der Toskana-Thermen

Kleinod auf hohem Felsen

Klein-Jerusalem im Tuff

Die edle Haltung rassiger Pferde

Des Kaisers romantische Seite

Napoleon als Maskottchen

Diese Insulaner gelten als schlitzohrig

GLÜCK ZUM MITNEHMEN

Register nach Themen

Impressum

Vorwort

Während des Studiums der Kunstgeschichte war es unerlässlich, in die Toskana zu reisen, zur »Wiege der Renaissance«. Sehr bald wurde aus der Pflicht Liebe zu dieser halb unberührten, halb von Menschenhand geschaffenen Landschaft und ihren unermesslichen Kunstschätzen. Das bedeutete: immer wieder hinfahren auf der Suche nach Neuem, aber auch wegen der Freude des Wiedererkennens von Altbekanntem.

Ob zu Fuß, mit dem Bike oder auf dem Pferderücken über Hügel, durch Weinberge oder entlang der langen Strände – die Perspektivwechsel lohnen. Auch beim Besuch von Weingütern oder auf dem Weg von Dorf zu Dorf, die meist stolz auf einem Hügel thronen, auf einem Tuffsteinblock oder einem Berggrat, den Wind und Wetter ausgewaschen haben.

Oben angekommen, findet sich auf dem Hauptplatz mit Sicherheit ein Brunnen und nicht weit davon eine Enoteca, wo man sich niederlassen sollte – zum Genießen oder um die nächste Etappe zu planen, vielleicht in die weniger bekannte Toscana minore. Also nichts wie hin, zum ersten Mal oder immer wieder!

Ihre

Nana Claudia Nenzel und Gottfried Aigner



Der Norden
Florenz bis zur Versilia-Küste

Florenz ist nicht nur die Hauptstadt der Region Toskana, sondern auch Wirtschaftsmetropole, Universitätsstadt und eines der wichtigsten Kunst- und Kulturzentren Italiens. Die Stadt gilt als die Wiege des Humanismus und der Renaissance. Mit Museen, deren Sammlungen Kennern den Atem rauben und unkundigere Betrachter bezaubern. Hier ist Medici-Land, die Stadt des Dichter-Dreier-Gespanns Dante, Petrarca und Boccaccio, und hier liegt auch der Geburtsort der italienischen Sprache. Das Umland verdankt den Medici die schönsten Villen: Der Mugello brachte Malergenies wie Giotto und Fra Angelico hervor und später den toskanischen Jugendstil. Meerwärts liegen urbane Schätze wie Prato, Pistoia und Lucca, an der Küste locken feinsandige Strände und in ihrem Hinterland die Marmorberge von Carrara sowie die waldgrüne, wilde Garfagnana.

Gigantischer
AUSBLICK
Über 463 schweißtreibende Stufen
zum Florenz-Panorama

Kräftige Wadenmuskeln und ein starkes Herz, keine Angst vor der Enge und Schwindelfreiheit müssen Kuppelstürmer haben. Denn die Wendeltreppe führt erbarmungslos nach oben, es gibt kein Zurück. Die erste Etappe gibt sich noch human, zunächst als Belohnung ein Blick von der Empore hinunter in das Innere der Kirche, wo tief unten die Besucher winzig wie Ameisen wirken.

Die Schmierhände aller Denkmäler der Welt werden hier nach der Generalreinigung zur Ordnung gerufen: Eine App namens Autography lädt ein, Name, Besuchsdatum und ein virtuelles Graffiti auf einem Tablet zu hinterlassen. Das Werk wird auf der Website veröffentlicht.

Doch dann wird es ernst, keuchend geht es rundherum aufwärts bis zum Sockel der Kuppel, deren Anblick noch einmal den Atem raubt. Filippo Brunelleschi (1377–1446) hat hier zwischen 1418 und 1434 ein technisches Meisterwerk der Architektur vollbracht: Ohne Bodengerüst schuf er eine frei schwebende Kuppel mit einem Innendurchmesser von 41,50 Metern. Er schlug alle Warnungen in den Wind: den Einsturz der Kuppel der Hagia Sophia in Konstantinopel (1346) ebenso wie die drohende Senkung der Baptisterium-Kuppel, die statisch verstärkt werden musste. Der Medici-Baumeister wollte die Maurerkunst der Römer wiederbeleben und in der Architektur Zeichen für eine echte Renaissance setzen. Um Zeit zu sparen, beschwerliche Auf- und Abstiege zu vermeiden, engagierte er einen Weinhändler, einen Bäcker und eine Köchin, welche die Maurer und ihre Gehilfen in einer Taverne unter der wachsenden Kuppel versorgten.

Die Kuppelinnenseite zieren Fresken mit bewegten Szenen von mehreren hundert Figuren, die sich um den von unten kaum sichtbaren Weltenrichter scharen. Georgio Vasari hat sich hier 1572 verewigt, und sein Schüler Federico Zuccari (1579) leistete sich ein paar anatomische Witze: einen Esel mit kräftigen Bärenbeinen, Meister Petz wiederum mit Hufen. Gänsehaut verursacht das Jüngste Gericht: Feixende Teufel stürzen die kreischenden Sünder kopfüber mit verrenkten Gliedern die Hölle hinab.

Dem Kuppelerklimmer stehen andere Qualen bevor: Vorbei am Abstieg, der Einbahnstraße auf der anderen Seite der Kuppel, nerven Staus, eine letzte, steile Treppe steht bevor. Wer beharrlich bleibt, zieht sich bald an den letzten Stufen mithilfe von Seilen zu einer Leiter hinauf und atmet endlich wieder reine Luft ein. Der Säulentempel an der Spitze, die Laterne, ist erreicht, 91 Meter über dem Domplatz. Dann der Blick vorbei am Campanile über die Stadt – und alle Mühe ist vergessen.



GLÜCKSVERSTÄRKER

Der Domplatz mit seinen drei großartigen Bauten – Dom, Baptisterium und Campanile (Glockenturm) – kann zusammen mit dem überarbeiteten und großartig eingerichteten Dombaumuseum mit einem gemeinsamen Ticket besichtigt werden.

Grande Museo del Duomo, https://duomo.firenze.it, https://autography.operaduomo.firenze.it

Wo sich Dante
UND BEATRICE TRAFEN
Aus der Liebe wurde nichts –
außer Unsterblichkeit

Eigentlich heißt dieses uralte Kirchlein, das von der Via Calzaiuoli aus nicht zu verfehlen ist, Santa Margherita dei Cerchi, aber in Florenz kennt man es nur als die Kirche von Dante und Beatrice. Für viele gibt es keinen Aufenthalt in Florenz ohne den Besuch dieser romantischen Stätte. Bei leiser barocker Musik wird jeder ganz still, der den bescheidenen Raum betritt. Das Grab der Beatrice Portinari, laut Legende und so steht es dort geschrieben, befindet sich unter dem Altar der Hauskapelle der Familie Portinari. Wie alt die Kapelle genau ist, weiß niemand, die Sippe der Cerchi jedenfalls hat das Patronat über sie 1353 übernommen.

Ob sich alles tatsächlich so zugetragen hat, lässt sich nicht sicher belegen, nur dass die Begegnung der beiden an dieser Stelle möglich war: Dante wohnte 20 Meter entfernt um die Ecke, und Beatrice besuchte hier die Gräber ihrer Verwandten. Der Treffpunkt zweier junger Menschen, deren Liebe gewollt und erwünscht war, aber nicht realisiert wurde.

Wen stört’s heute? Schon gar nicht die Liebespärchen, deren Wunschund Bittzettelchen ganz schön zahlreich an Beatrices Grab hängen, in der Hoffnung auf die unendliche, lebenslange Liebe oder auf das Wiederaufleben einer verlorenen Zweisamkeit.





GLÜCKSVERSTÄRKER

Mittagssnack in Florenz bedeutet Anstehen an einem Kiosk der Trippaioli, der Kuttelverkäufer an ihren angestammten Plätzen, etwa gleich links von Dantes Kirche und auf der kleinen Piazza davor. Die gekochten Innereien werden in ein Brötchen gedrückt und nach Wunsch mit salsa verde, »grüner Soße«, gewürzt.

Chiesa di Dante e Beatrice: tgl. frei zugänglich 8–12.30 und 17–19 Uhr

Die Verführung
VON ADAM UND EVA
Florenz steckt voller Szenen aus dem
Alten und Neuen Testament

Schon beim Pflichtgang zur goldenen Paradiespforte am Baptisterium wartet oben links Lorenzo Ghibertis »Erschaffung des Menschen«: Auf der einen Seite hilft Gott Adam aufzustehen, in der Bildmitte entschwebt die formschöne Eva aus Adams Rücken, rechts werden die beiden beim Sündenfall erwischt und aus dem Paradies gejagt.

Das weckt die Neugier: Wo sonst noch lassen sich unsere Urahnen von der hinterlistigen Schlange verführen? An der Westseite des Campanile beginnen die Reliefs am Sockel mit der Erschaffung der beiden, im dritten Bild schwitzen sie bereits bei der Landarbeit. Auch im Dom werden Spürnasen fündig in Domenico di Michelinos »Dante und die Göttliche Komödie«. Links torkeln die Verdammten in die Hölle, in der Mitte führt der spiralförmige Weg des Läuterungsbergs die Gläubigen ins Paradies, auf der Spitze leuchten Adam und Eva, als wäre nichts geschehen.

Nächste Station: der Palazzo Vecchio. Geblendet von Michelangelos »David« und »Herkules« eilt man durch das Tor, um den zierlichen Putto mit dem spuckenden Delfin zu finden. Stopp! Schnell ein paar Schritte zurück, denn den Haupteingang flankieren zwei kleine Statuen, etwas mickrig zwar, aber immerhin aus dem Garten Eden. Nebenan versprechen die Uffizien reiche Funde: In Saal 20 hängen »Adam und Eva« von Hans Baldung (1484–1545), einem Schüler von Albrecht Dürer. Adam scheint den Apfel zu verschmähen, schaut etwas hochnäsig in den Himmel. Im selben Raum stellt es sich Lucas Cranach der Ältere (1472–1553) anders vor. Seine zierliche Eva hält den Apfel besonders verführerisch in der ausgestreckten Hand. Adam muss sich das Angebot wohl noch überlegen, kratzt sich erst mal am Hinterkopf.

Im wunderschönen gotischen Chiostro Verde, dem Kloster von Santa Maria Novella, hat Paolo Uccello (1397–1475) den Sündenfall gemalt: Die Vertreibung aus dem Garten Eden endet für Adam mit der Harke in der Hand auf dem Acker.

Jenseits des Arno hat in der Brancacci-Kapelle der Maler Masaccio (1401–1428) die Vertreibung schonungslos realistisch dargestellt: gequälte Gesichter, verschämte Gestik, dramatisch die Schritte in ein ungewisses Leben außerhalb von Eden. Im prüden 16. Jahrhundert wurde die Scham von Adam und Eva mit den Blättchen eines Zweiges bedeckt, bei der Restaurierung hat man die Dekoration entfernt. Den Unterschied zwischen Renaissance und der vorausgehenden Gotik sehen die Besucher im selben Raum mit dem Sündenfall von Masaccios Meister Masolino da Panicale (1383–1447): Die beiden Eden-Bewohner in graziöser Haltung wirken zurückhaltend und zart.

Der Palazzo Pitti zeigt in der Galeria Palatina eine außergewöhnliche Darstellung des biblischen Paares von Jacopo Bassano (1515–1592). Ein Ochse lässt vermuten, dass beide in einem Stall liegen, bequem auf einer Decke, in schönster Nacktheit einander zugewandt, ein Liebespärchen ohne Arg. Ein bevorstehender, neuer Sündenfall oder schon ein Hinweis auf den Messias?


Josef bekommt
BESUCH
Zum Glück liegt Santa Trinita abseits,
gut für stille Betrachtungen

Keine Frage: In der Sassetti-Kapelle der Kirche Santa Trinita hat Domenico Ghirlandaio (1449–1494) seine Kunst zur Vollendung gebracht. Das Einfühlungsvermögen in die Situation seiner Figuren wird besonders im Altarbild »Anbetung der Hirten« deutlich. Ein Lamm als Geschenk im Arm, betrachten die herbeigeeilten Schafhirten das Jesuskind, das der Künstler nicht auf Heu und Stroh gebettet hat, sondern auf einem seidenen Tuch, beäugt von einem bunten Distelfink. Ochs und Esel blicken mit fast menschlicher Anteilnahme auf das Kind. Das schwarze Auge des Ochsen leuchtet, der Esel blickt auf den hinter Maria liegenden Sattel – ein Hinweis auf die bevorstehende Flucht nach Ägypten? Die Gottesmutter betrachtet versonnen und glücklich das strampelnde, am Zeigefinger lutschende Baby. Und dann der alte Zimmermann, der sich als Hüter der Familie wohl etwas mehr Ruhe wünscht. Die Hirten stehen noch vor der Krippe. Josef hat den Kopf leicht nach hinten gelegt, greift sich mit seiner rechten Hand verzweifelt an die Stirn, die Augen nach oben verdreht, Bart und Haarschopf sind ergraut. Den alten Mann hat der Mut verlassen, denn auf dem Berghang im Hintergrund zieht ein Strom von Menschen zu Fuß, mit dem Wagen und zu Pferd in Richtung Stall von Bethlehem. Deutlich sind die Heiligen Drei Könige in der Menge auszumachen. Wäre in der Renaissance die Sprechblase schon erfunden gewesen, hätte in ihr bestimmt »Schon wieder Besuch!?« gestanden.

Schauen Sie sich über dem genialen Altarbild auch das Fresko »Franziskus von Assisi erweckt einen Knaben zum Leben« an, um Ghirlandaio besser kennenzulernen. Seinen Namen trug er seit der Zeit als Goldschmied, seine Spezialität waren damals sogenannte Girlanden, der Kopfschmuck der Florentiner Damenwelt. Wie andere Künstler der Renaissance ging auch Ghirlandaio dazu über, auf seinen Werken statt der Signatur sich selbst darzustellen. Die Künstler hatten ihren Platz in der Gesellschaft gefunden und dokumentierten mit den Porträts ihr gestiegenes Selbstbewusstsein. So gesellt sich Ghirlandaio auch im oben erwähnten Fresko zur Reihe einiger Berühmtheiten der Stadt Florenz. In der Männergruppe rechts an einem Pfeiler steht Ghirlandaio im blauroten Gewand und rotem Überwurf sowie einer roten Malerkappe. Der Künstler schaut den Betrachtern direkt in die Augen. Wie schade, dass Ghirlandaio, mitten im Schaffen, im Alter von nur 45 Jahren starb, wahrscheinlich an der Pest.



GLÜCKSVERSTÄRKER

Gleich bei der Trinita beginnt die vielleicht edelste Einkaufsstraße der Stadt, die Via Tornabuoni mit feinen Boutiquen im Erdgeschoss der riesigen Paläste, in denen oben Architekten und Versicherungen residieren. Darunter reihen sich Tiffany und Saint Laurent, Prada und Gucci aneinander – und schräg gegenüber der Kirche Salvatore Ferragamo mit seinem Schuhmuseum.

Zuschauen
UND STAUNEN
Zu den historischen Werkstätten im
Stadtteil Oltrarno

Selbstbewusstsein hat hier Tradition: Die Florentiner Handwerker hatten sich im Mittelalter in Zünften organisiert und besaßen Mitspracherecht in der Stadtregierung. Einige ihrer bottege, wie die Werkstätten auf Italienisch heißen, sind bis heute südlich des Arno in den Vierteln Santo Spirito, San Frediano und San Niccolo erhalten geblieben. Die Meister, rund 20 an der Zahl, lassen sich dort von Besuchern gern über die Schulter schauen. Einige Beispiele:

In der Via Romana 58 demonstriert Omero Benvenuti, wie ein Ledereinband für Bücher oder Agenden entsteht. Dafür benutzt er, wie es seine Vorgänger seit dem 16. Jahrhundert taten, Schablonen, um das von Hand kunstvoll marmorierte Papier zuzuschneiden. Für den Buchrücken verwendet Benvenuti Leder und steckt alles zusammen in die schwere Presse zum Trocknen.

An der Piazza Santo Spirito 12 wird in den Obergeschossen mit Metall gearbeitet: Hier stanzt Giuliano Ricchi im Laboratorium des verstorbenen Carlo Cecchi traditionelle Muster, dazu gehören Wappenlilien. Die perforierten Edelstahlplatten benutzt er dann als Matrizen für die Pressung von Feinblechen, die mit farbigem Emaille bei 800 Grad Celsius »gebacken« werden. So zaubert Giuliano kleine und größere Löffel, Döschen, Rahmen und vieles mehr, hauptsächlich im Auftrag bekannter Edelmarken wie Poggi, Dior und Nina Ricci. Hier in der Werkstatt zuzugreifen bedeutet, etwa ein Drittel des üblichen Preises zu zahlen …

Gianni Raffaelli in seinem L’Ippografo in der Via Santo Spirito 5 ist eher ein Künstler als ein Kunsthandwerker. Der Kupferstecher hat es längst zu internationalem Ruhm mit seinen Arbeiten gebracht, auch wenn er für die Florenz- oder Venedig-Veduten Vorlagen benutzt. Die Details seiner Druckplatten entstehen in mühsamer Geduldsarbeit an den Kupferplatten wie vor 500 Jahren.

In der Via Bartolini 4 nahe der Porta San Frediano befindet sich eine regelrechte kleine Fabrik, die schon früh Königshöfe und Patrizierhäuser belieferte: Das Antico Setificio Fiorentino ist, wie der Name schon verrät, eine Seidenmanufaktur. Die Webstühle stammen noch aus dem 17. bis frühen 20. Jahrhundert und lassen die Produktion von höchstens 60 Zentimetern pro Tag zu. Die kostbaren Seidenarbeiten haben freilich ihren Preis – wie wäre es denn wenigstens mit einem kleinen Kissen?



GLÜCKSVERSTÄRKER

Bewunderung macht durstig – und so bietet sich die Einkehr in das wunderbare Weinlokal Il Santo Bevitore an, übersetzt heißt das der »heilige Trinker«: Hier wartet eine heimelige Atmosphäre, die Speisekarte ist stets von jungen Künstlern gestaltet, es gibt wechselnde Florentiner Tagesgerichte und offene Weine. Via Santo Spirito 64/66r, www.ilsantobevirore.com. Nebenan in der Hausnummer 60 lockt die Vineria Il Santino den ganzen Tag über zu einer Weinpause mit Häppchen.

www.firenze-oltrarno.net

Ferragamo
UND DIE SCHUHMODE
Ein Süditaliener kleidete die Füße der
Hollywood-Schönheiten

Was Salvatore Ferragamo (1898 bis 1960) geleistet hat, zeigen nicht nur die tollen Auslagen im hoch aufragenden Palazzo Spini Feroni an der Piazza Trinità, sondern vor allem die ständige Ausstellung von 15 000 Schuhmodellen aus aller Welt in dem Museum, das im Sockelgeschoss des Stammhauses eingerichtet ist. Darunter finden sich Holzformen der Füße seiner berühmtesten Kunden, genauer gesagt, Kundinnen. Seine liebsten waren wohl Marilyn Monroe, Greta Garbo und Audrey Hepburn; diesen Schluss lassen die Modelle zu. Die Diven konnten so aus dem fernen Amerika ihre Bestellungen aufgeben, ohne anprobieren zu müssen – Maestro Ferragamo hatte ja alles, was er für eine neue Kreation brauchte.

Die Hollywood-Stars kannte er aus seiner Zeit in Amerika, wo er bald nach der Ankunft 1915 Schuhe für die Filmbranche fertigte. Doch die USA waren irgendwie nicht sein Ding. 1927 kehrte er nach Italien zurück, siedelte seine Werkstatt in Florenz an, ab 1938 im famosen mittelalterlichen Palazzo Spini Feroni, wo in den 1950er-Jahren gekrönte Häupter und der internationale Jetset eingekleidet wurden. Sie alle kamen in die Showrooms Ferragamos, um vor Ort seine neuen, für ihre Qualität und den Einfallsreichtum bekannten Kreationen zu bewundern und zu bestellen.

Die ersten Schuhe hatte der spätere italienische Star-Designer im Alter von neun Jahren für seine Schwester genäht, und bei der Handarbeit blieb es im Ferragamo-Imperium, das nicht nur Schuhe produziert, sondern auch Kleidung für die Damen- und Herrenwelt und dazu weitere passende Accessoires wie Taschen, Tücher, Gürtel und Schmuck. Allein die Auslagen sind den Weg hierher wert, erst recht das Museum. Und wer sich’s leisten kann, wird sicher passende Schuhe finden …

Dass es Ferragamo-Mode noch lange geben wird, dafür garantieren die sechs Kinder, die gemeinsam das Erbe Salvatores angetreten haben: Fiamma und Giovanna, Ferruccio und Fulvia, Leonardo und Massimo (Fiamma und Fulvia sind inzwischen verstorben), plus die Enkelkinder.

Eine besondere Ehre erwies man der Familie Ferragamo, als im Juli 2019 das Plätzchen zwischen der Via dei Bardi und der Via Guicciardini südlich des Ponte Vecchio in einer feierlichen Zeremonie mit Bürgermeister und Stadtrat auf den Namen der Eheleute Salvatore und Wanda Ferragamo getauft wurde – ein Jahr früher, und die hochbetagte Wanda Ferragamo hätte es noch erlebt.


GLÜCKSVERSTÄRKER

Ein paar Schritte über den nahen Ponte S. Trinità, gegenüber dem Palazzo Pitti, lockt das Weinlokal Pitti Gola e Cantina zu einem weinseligen und auch kulinarischen Erlebnis – ob im schönen Ambiente drinnen oder draußen auf der großen Piazza. Es gibt wechselnde Tagesgerichte, typisch toskanische kalte Platten und Crostini.

www.pittigolaecantina.com, außer Di 12–23 Uhr

Salvatore Ferragamo, Palazzo Spini Feroni, www.ferragamo.it

Mercato Centrale,
DER BAUCH DER STADT
Ein Schlaraffenland mit Tradition und
vielen Liebhabern

Der Markt mitten im Viertel San Lorenzo ist umgeben von Lebensmittelgeschäften und kleinen Trattorien, wo früher die Marktleute zu Mittag aßen und man heute mit Mühe ein freies Plätzchen findet. Dafür gibt es jetzt mehr davon im aufwendig umgebauten Mercato Centrale von 1874, dessen Erdgeschoss wie eh und je tutta Firenze mit frischen Lebensmitteln versorgt und das ausgebaute Obergeschoss eher Besucher. Und diese – im Gegensatz zur Markthalle, die nur werktags geöffnet ist und um 14 Uhr schließt – bis Mitternacht oder länger, wenn eine Veranstaltung stattfindet, anlockt. Rings um die Tische wird in offenen Küchen gebrutzelt und gekocht, echt Florentinisches oder vermeintlich Echtes wie beispielsweise Sushi, sizilianische Gerichte und Pizza. Man bestellt hier einen Eintopf, ausgebackenes Gemüse oder einen Salat, holt sich dort ein Glas Wein und besetzt im großen SB-Restaurant einen Platz. Dort kommt man mit Sicherheit mit dem Tischnachbarn ins Gespräch, ganz so, wie es die Kenner im Erdgeschoss bei Nerbone seit ewiger Zeit tun. Aber unten ist es nicht ganz so fein und ausgetüftelt, dort gibt es wirklich nur die ortsübliche Kost wie Kutteln oder Dinkelsuppe, eine dicke Porchetta-Scheibe oder Kichererbsengemüse zum Hauswein aus Pappbechern.



GLÜCKSVERSTÄRKER

Rooftop-Terrassen sind in Florenz der Hit. Vor allem Hotels locken damit und bieten »ganz oben« sonnige und auch regensichere Plätzchen mit schönem Blick über die Stadt. Auf der sicheren Seite ist, wer einen Tisch auf einer Hotelterrasse bucht, etwa im Cavour, Westin Excelsior, Continentale oder Minerva. Aber auch das berühmte Kaufhaus Rinascente betreibt auf dem Dach ein Panorama-Café.

www.mercatocentrale.it

Glück zum Verschenken






Zu den klassischen toskanischen Souvenirs gehören Lederwaren aus Florenz, speziell aus dem Viertel von Santa Croce, auch direkt von der Lederschule der gleichnamigen Kirche. Aus Florenz kommt auch modische Kleidung bester Qualität. Die Boutiquen in edlen Palästen sind die reinste Verführung, die allerdings meist das Reisebudget ganz ordentlich strapaziert; erst recht beim Kauf von Gold- und Silberschmuck – und sogar von hochwertigem Modeschmuck.


Aus Arezzo und dem Chianti stammen Korbwaren und Arbeiten aus Schmiedeeisen, aus Impruneta und Umgebung Ton- und Keramikartikel, aus Empoli Glaswaren. Das dortige Glasmuseum, das auch zeitgenössische Stücke zeigt, gibt Anregungen für den Kauf. Der schönste, durchsichtige Alabaster wird in Volterra gefertigt. Von erlesenem Geschmack zeugen Mitbringsel aus den Keramikwerkstätten von Ginori in Florenz und von Chini aus Borgo San Lorenzo aus Borgo San Lorenzo im nördlichen Mugello.


Die beliebtesten und zugleich erschwinglichen Souvenirs aus der Toskana hat jeder Laden – die hervorragenden Lebensmittel halten sich zudem oft gut: Pecorino (Schafskäse, möglichst lange gelagert) aus Pienza oder der Maremma; kalt gepresstes Olivenöl aus Lucca, Vinci, Pienza oder dem Chianti-Land; aus Pescia stammen die besten Biscotti di Prato (Mandelplätzchen), auch wenn sie di Prato, also »aus Prato« heißen, und Panforte, das schwere, gewürzreiche weihnachtliche Gebäck kommt traditionell aus Siena. Immer ein gutes Geschenk sind natürlich die Weine wie Chianti, Nobile di Montepulciano und Brunello di Montalcino, Bianco di Pitigliano, Vernaccia di San Gimignano, Morellino di Scansano und andere.

Porzellan kauft man
BEI GINORI
Im Showroom nahe dem Markt ist
Verführung garantiert

Seit der Gründung der Porzellanfabrik 1735 durch Carlo Ginori, Spross einer seit der Renaissance bedeutenden Adelsfamilie, ist es an den Herrscherhöfen üblich gewesen, feinstes Porzellan bei Ginori zu bestellen. Die entsprechenden Wappen und Signets wurden bei Bedarf selbstverständlich eingefügt. 1896 verschmolz die Firma mit der Mailänder Richard-Gruppe zu Richard-Ginori. 2013 hieß es dann: Übernahme durch Gucci. Das geschah nicht zum Schaden der Manufaktur, denn bei Gucci handelt es sich um eine echt Florentiner Marke, auch wenn sie inzwischen einem größeren internationalen Konsortium angehört. Immerhin haben die neuen Inhaber jüngst die Installation eines Showrooms im Florentiner Renaissance-Palazzo der Familie Ginori ermöglicht, dessen Innenausstattung in der Jugendstilzeit einige Änderungen erfuhr. Seit 1901 steht der Palast unter Denkmalschutz als nationales Monument. So macht allein schon der Gang durch die vom Architekten Tito Chini umgestalteten Räume des Palazzo Ginori glücklich.


Via de Ginori 11, www.richardginori1735.com

Knallerei am Dom:
SCOPPIO DEL CARRO
Die Ostertaube spielt Orakel

In Begleitung von Fahnenschwenkern und Trommlern trifft der von zwei weißen Ochsen gezogene Karren mit einem mehrstöckigen Kanzelgebilde, dem Brindellone, aus Holz, vor dem Domportal ein. Mit Spannung wird das Ende der Ostermesse erwartet. Dann öffnen sich die Haupttüren, und nervöse Messdiener knüpfen ein am Hochalter befestigtes Drahtseil draußen am Brindellone fest. Alle starren in die Kirche. Plötzlich rast eine Rakete in Form einer Taube ins Freie. Dort rammt der »Heilige Geist« den Wagen. Es knallt und pfeift und zischt, ein ohrenbetäubender Lärm begleitet von buntem Funkengestöber. Die Menschen tosen und klatschen, ihre Lippen schmecken bitteres Pulver, sie stören sich nicht am Feinstaub, der brüderlich verteilt auf die vielen Köpfe der Gläubigen rieselt. Mit Spannung warten alle auf den letzten Böllerknall, er gibt der Taube genügend Druck, um zum Chor zurückzusausen. Wenn dieses Finale reibungslos verläuft, erlebt Florenz ein gutes Jahr. 1966 glückte das Spektakel nicht, die Taube kehrte nicht zurück, der Arno überschwemmte die Stadt …


Fussball-Match
MIT HARTEN BANDAGEN
Zu Ehren des Schutzpatrons werden weder
Kostüme noch Knochen geschont

Während es beim religiös begründeten Scoppio del Carro nur um möglichst lautes Feuerwerksknallen geht, lassen es die Florentiner beim historischen Fußball, dem Calcio Storico oder Calcio Fiorentino, so richtig krachen. Keine Fußball-Tradition soll härter sein! Brutal? Florentiner lieben es, dabei zu sein, als Zuschauer und als Mitspieler. Sie kommen aus den vier Stadtvierteln von Florenz: aus Santa Croce die Blauen (Azzuri), aus Santa Maria Novella die Roten (Rossi), aus Santo Spirito die Weißen (Bianchi) und aus San Giovanni die Grünen (Verdi). Bei jedem Spiel stehen 27 gegen 27 Mann auf dem Platz und bilden eine für den fremden Zuschauer recht unübersichtliche Spielsituation. Seit dem 15. Jahrhundert ist das so bei mehreren Spielen ab dem letzten Mai-Sonntag, gipfelnd im Finale am 24. Juni, dem Johannestag, zu Ehren des Schutzpatrons von Florenz.

Bühne frei auf der mit Sand bedeckten Piazza Santa Croce mitten in Florenz: Am 24. Juni steht die ganze Stadt kopf, nach dem Umzug in historischen Kostümen ist Anpfiff. Von den schönen Trikots bleibt nach 50 Minuten ohne Pause kaum etwas übrig. Ziel ist es, wie bei jedem anderen Fußballspiel, den Ball ins gegnerische Netz zu befördern, egal wie, ob tatsächlich mit den Füßen oder auch mit den Händen. Jeder Treffer bringt bei dieser Mischung aus Fußball und Rugby einen Punkt, fliegt der Ball übers Netz, erhält die Gegenseite einen halben Punkt. Alles ist erlaubt: Schläge und Tritte sowie Catcher-Technik. Allein der Kopf sowie Angriffe von hinten sind tabu. Es kämpfen nur Mann gegen Mann, nie zwei gegen einen. Zu erheblichen Verletzungen kommt es dennoch immer wieder …



www.calciostoricofiorentino.it

Ein Comic
FÜR DEN KOCH
Eine Skizze zeigte Michelangelos
Leibkoch die Speisenfolge

Michelangelo bewirtete gern Gäste in seinem edlen Florentiner Haus, doch sein Koch ließ sich bei aller Mühe nicht dazu bewegen, Lesen und Schreiben zu lernen. Für den begnadeten Künstler kein Problem – kurzerhand hinterließ er seinem unverbesserlichen Küchenchef eine Skizze für die Speisenfolge. Ein Glücksfall, dass diese hübsche Notiz erhalten geblieben ist und im Archiv der Casa Buonarotti in Florenz lagert. Ab und zu wird sie bei passender Gelegenheit ausgestellt. Dabei hatte Michelangelo vor seinem Tod 1564 vor, alle Skizzen und Kartone zu vernichten, damit, so Vasari, niemand erkennen könne, mit wie viel Mühe er seine Werke vollbracht habe.

Die Skizze ist klein, aber für Kenner ebenso ein besonderes Erlebnis wie für Feinschmecker, die versuchen könnten, die Speisenfolgen nachzukochen. Ein Wunder, dass kein Wirt der toskanischen Hauptstadt bislang auf die Idee gekommen ist, ein Menü à la Michelangelo anzubieten …


Casa Buonarroti, Via Ghibellina 70, www.casabuonarroti.it

Alte Schätzchen,
ECHTE ENTDECKUNGEN
Der Antiquitätenmarkt auf der
restaurierten Piazza dei Ciompi

Seit der hübsche historische Platz mit seiner langen Loggia im Osten der Altstadt restauriert wurde, ist die Piazza dei Ciompi noch viel schöner geworden. Sie hat in der Mitte ein grünes Herz bekommen und wuchs zu einem wichtigen Treffpunkt heran. Besonders hübsch sind die kleinen Kioske, Wintergärten ähnlich, in denen das Stöbern bei jedem Wetter Vergnügen bereitet, etwa die Buchantiquariate oder die Puppenläden.

Vier feste Wochenend-Termine teilen sich die Marktleute: Kunsthandwerk, alles handgemacht, läutet am ersten Samstag des Monats den Reigen der Märkte ein mit Artefacendo. Am zweiten Wochenende ist die Creative Factory vertreten mit jungen Kreativen, die vor allem Mitmachwerkstätten für die ganz Kleinen bieten. Der dritte Samstag des Monats gehört den unabhängigen Buchhändlern, die sich gern mit kulturellen Veranstaltungen präsentieren, beispielsweise mit Lesungen. Am letzten Wochenende findet der Flohmarkt statt, das Highlight des Monats – und jeden Freitagvormittag wechseln hier Blumen den Besitzer.


Fabio Picchi, eine
FLORENTINER INSTITUTION
Kulinarische Künste und das Teatro
del Sale als Dreingabe

Fabio Picchi ist ein Florentiner Urgestein und einer der bekanntesten Wirte der Stadt, weitab vom Gewusel des Zentrums wirkt er in Sant’Ambrogio. Auf dem hiesigen Markt kostet alles Frische einen Tick weniger als im Mercato Centrale. Ringsum hat sich Picchi seit 1979 sein kulinarisches Reich unter dem Namen Cibrèo, benannt nach einem einfachen Gericht seiner Großmutter, geschaffen: Es gibt ein Restaurant (exklusiv und recht teuer), eine Trattoria (günstiger, aber aus derselben Küche), ein Café (großartig für den Aperitif) und ein neues orientalisch angehauchtes Lokal, das Ciblèo. Doch das ganz Besondere bietet das Teatro del Sale nebenan, dem seine Frau, die Schauspielerin und Regisseurin Maria Cassi vorsteht, mit rund 240 Aufführungen im Jahr! Einlass nur für Mitglieder – doch jeder kann Mitglied werden, der das Jahresabonnement des Circolo bucht, für einen eher symbolischen Betrag. Nur Mitglieder dürfen sich auch am stets wechselnden Buffet vor der Vorstellung satt essen. Die Küche ist nur durch eine Glasscheibe vom Theaterraum getrennt.

Ganz gleich, ob in einem der Restaurants oder im Theater, die Speisekarte richtet sich nach dem, was die Saison an Zutaten liefert. Im Frühjahr die kleinen wilden Artischocken, die roh mit etwas feinem Olivenöl, Zitrone und ganz wenig Pfeffer aus der Mühle genossen werden; den Sommer schmeckt man sich durch die Soßen sonnengereifter Tomaten, den Herbst durch Feigen, ob frische oder schon getrocknete; den Winter, sagt Sohn Giulio Picchi, der das kulinarische Imperium übernommen hat, braucht niemand zu fürchten, dann haben alle Kohlsorten, Knoblauch und Getreide Saison.




www.cibreo.com

Museum für
MUSIKLIEBHABER
Das Florentiner Museo del Duomo lädt
auch zu Konzerten ein

Eigentlich, sagen die Museumsmacher am Domplatz mit seinen kompakten Strukturen, ist das Dombaumuseum nach seinem kompletten Umbau nicht nur einfach großartig geworden, sondern auch ein neuer Treffpunkt im Kulturleben der toskanischen Hauptstadt. Eine weitere spannende Adresse, die nicht nur Bildungsreisende, sondern vor allem die Florentiner ansprechen will mit wechselnden Ausstellungen, aber auch mit Konzerten und anderen kulturellen Events, die das Interesse möglichst aller Altersklassen wecken möchten.

Wer sich auf der Homepage für den Newsletter des Gran Museo del Duomo, wie es stolz heißt, anmeldet, kann nur staunen, wie reich das Angebot ist! Gershwin steht da genauso auf dem Programm wie Vivaldi, Opernarien wie die besonders beliebten Streichorchester. Herzerwärmend und beglückend, auch weil damit die Zeit zwischen November und März in der Stadt am Arno aufgewertet wird. Der Titel des Angebots: Note al Museo, also »Noten im Museum«, nicht zu verwechseln mit Notte al Museo, was ja »Nacht im Museum« hieße. Eine großartige Kulisse für den »Dialog zwischen Musik und den bildenden Kunstwerken im Zeichen der Schönheit« bietet der Salone del Paradiso, so benannt nach der goldenen Paradiespforte des Baptisteriums, die hier neben den beiden anderen ebenfalls restaurierten Originaltüren die meisten Bewunderer anzieht. Mit der Neueröffnung des Museums im Oktober 2015 haben diese Veranstaltungen begonnen, und das Beste: Alles ist kostenlos, nur sollte man sich rechtzeitig um die Karten kümmern, der Paradiessaal ist nicht besonders groß …

Programm und Anmeldung unter https://operaduomo.firenze.it

Dabei sein und
GENIESSEN IST ALLES
Der Maggio Musicale und das neue Kulturareal im Westen der Stadt

Während man sich noch vor ein paar Jahren sehr frühzeitig anmelden musste, Karten für den Maggio Musicale Fiorentino im bescheidenen Teatro Comunale zu reservieren, lässt das neue Opernhaus vor dem Parco delle Cascine die Fans des Musikfestivals geradezu Frühlingsluft wittern. Immerhin handelt es sich um einen recht ansehnlichen Komplex, der gleichzeitig mehrere Funktionen erfüllt: Er besteht aus einem Saal für bis zu 1890 Zuschauer fürs Teatro Lirico, also für Oper und Operette, und mit weiteren 2000 Plätzen im Freien. Im Bau befindet sich ein Konzert-Auditorium für 1200 Zuhörer. Auch der Sitz der Verwaltung des Maggio Musicale Fiorentino hat hier seinen Platz gefunden, während Chor und Orchester auch an anderen Orten der Stadt proben und auftreten.

Die voreilige Einweihung im Dezember 2012 mit Beethovens »Neunter Symphonie« hatte damals für Spott gesorgt, weil das Haus noch nicht richtig fertig war und danach wieder geschlossen werden musste. Erst nach einer unglaublichen Kostenexplosion um mehr als 260 Millionen Euro und der Abnahme der aufwendigen Bühnentechnik war es so weit: Eröffnungsgala am 10. Mai 2014, immerhin pünktlich zum Maggio Musicale und zeitgleich mit der Fertigstellung der Piazza Vittorio Gui, benannt nach dem Gründer des Florentiner Orchesters. Damit einher ging die Neugestaltung des gesamten Areals, die Tram-Stazione Leopolda mit Ausstellungsräumen inbegriffen. Ein wahrlich großer Wurf für Florenz! Aber der Aufwand lohnte: Schließlich dauert das Musikfestival von Mai bis in den Juli hinein, und auch das Programm für den Rest des Jahres kann sich sehen lassen. Musikfans kommen allemal auf ihre Kosten!



www.maggiofiorentino.com

Ein Park,
DER BEFREIT
Der Parco delle Cascine hinter dem
Opernhaus

Die Florentiner lieben ihren Parco delle Cascine, die Stadt bietet ihnen hier im Sommer Open-Air-Konzerte, während des Maggio Musicale sogar mit internationalen Künstlern. Zum Spazierengehen in der Mittagspause oder am Abend taugt der Park ebenso wie als Joggingstrecke, und um einfach die Seele baumeln zu lassen, natürlich auch.

Am Arno entlang führt ein herrlicher schattiger Radweg. Darauf gelangt man bis zur Nachbargemeinde Signa, ganz ohne Straßenverkehr, rund zehn Kilometer die einfache Strecke. Kurz vor Signa erstreckt sich der Parco dei Renai, eine 80 Hektar große Seenplatte mit Inselchen, Vogelbeobachtungsstellen, Wassersportmöglichkeiten wie Surf-, Kite- und Segelschule. Der Sandstrand ist aufgeschüttet, einladende Liegewiesen davor. Eine Pizzeria, ein Restaurant und eine Musikbar runden das Angebot ab – den Florentinern gefällt’s und etlichen Besuchern auch. Denn was braucht es mehr zum vergnüglichen Entspannen? Falls der gut bestückte Picknickkorb fehlt: Den kann man jeden Samstag gleich zu Beginn der Radtour am Eingang des Parks auf dem Cascine-Wochenmarkt füllen. Kein anderer Florentiner Wochenmarkt bietet frischere Ware, dickere Porchetta und besser gelaunte Standler, behaupten sie dort. Und kein Markt ist preislich so günstig wie dieser. Also den nächsten Samstag vormerken, aber nur vormittags!




GLÜCKSVERSTÄRKER

Florenz ist mit Recht stolz auf die immer besser ausgebauten Straßenbahnverbindungen, geplant sind insgesamt fünf Routen. So soll möglichst bald die ganze historische Altstadt vom Autoverkehr befreit werden. Die Strecke Flughafen–Hauptbahnhof ist schon fertiggestellt, die Fahrt mit den Panoramazügen ersetzt die Sightseeingtour …

Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
09 kasım 2024
Hacim:
225 s. 159 illüstrasyon
ISBN:
9783734321887
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
İndirme biçimi:

Benzer kitaplar