Kitabı oku: «Die Gejagte»

Yazı tipi:

Die Gejagte
Interstellare Bräute® Programm: Band 17
Grace Goodwin


Die Gejagte Copyright © 2019 durch Grace Goodwin

Interstellar Brides® ist ein eingetragenes Markenzeichen

von KSA Publishing Consultants Inc.

Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch darf ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis des Autors weder ganz noch teilweise in jedweder Form und durch jedwede Mittel elektronisch, digital oder mechanisch reproduziert oder übermittelt werden, einschließlich durch Fotokopie, Aufzeichnung, Scannen oder über jegliche Form von Datenspeicherungs- und -abrufsystem.

Coverdesign: Copyright 2019 durch Grace Goodwin, Autor

Bildnachweis: Deposit Photos: ooGleb, diversepixel

Anmerkung des Verlags:

Dieses Buch ist für volljährige Leser geschrieben. Das Buch kann eindeutige sexuelle Inhalte enthalten. In diesem Buch vorkommende sexuelle Aktivitäten sind reine Fantasien, geschrieben für erwachsene Leser, und die Aktivitäten oder Risiken, an denen die fiktiven Figuren im Rahmen der Geschichte teilnehmen, werden vom Autor und vom Verlag weder unterstützt noch ermutigt.

Inhalt

Willkommensgeschenk!

Interstellare Bräute® Programm

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Epilog

Willkommensgeschenk!

Interstellare Bräute® Programm

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Über Die Autorin

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Interstellare Bräute® Programm

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1


Vizeadmiralin Niobe, Testzentrum für interstellare Bräute, die Kolonie

“Lauf. Du weißt, wie sehr ich die Jagd liebe. Ich werde dich fangen und dann …”

Die tiefe Männerstimme war nur ein Flüstern, aber ich hörte sie durch die endlose Entfernung zwischen uns als würde er genau neben mir sitzen. Er brauchte den Satz nicht zu beenden. Ich wusste, was er tun würde, wenn er mich fangen würde. Meine Haut kribbelte vor Aufregung und meine Pussy zog sich vor lauter Sehnsucht zusammen.

Ich war schnell.

Er war schneller.

Ich war gerissen.

Er war skrupellos.

Ich war ein Jäger.

Ich war auch die Gejagte.

Ich war seine Beute. Das Objekt seiner Begierde. Seine Partnerin.

Und er würde mich nehmen. Mich beherrschen. Mich ausfüllen. Mich ficken und mich vereinnahmen. Voll und ganz.

Ich rannte nicht vor ihm davon, weil ich ihn nicht wollte.

Ich rannte einfach nur so.

Mein Herz hämmerte nicht vor Erschöpfung, sondern vor Erregung. Lust.

Also rannte ich schneller, denn die Jagd gehörte zur Paarung dazu. Ich würde mich nicht von einem Mann erobern lassen, der mir nicht ebenbürtig war. Und er würde mich nicht für sich beanspruchen, solange ich ihn nicht auf die Probe stellte.

Das Gelände war steil, die Vegetation war dicht und das Kronendach der Bäume blockte das Sonnenlicht ab. Die Luft war feucht und warm. Fast schon schwül.

Lächelnd wich ich einem großen Baum aus und sprang über einen umgestürzten Stamm.

“Du bist feucht für mich. Ich kann deine Pussy riechen.”

Ich musste winseln, denn so war es. Ich war durchnässt und voller Bedürftigkeit. Ich war nicht einfach nur von der meilenlangen Jagd überhitzt. Ich verzehrte mich nach seinem Schwanz. Er bewegte sich schnell, seine Schritte setzten leichtfüßig auf dem Boden auf. Und doch konnte ich ihn genauso mühelos hören wie er mich. Seine Atmung war flach, Schweiß stand ihm auf der Haut. Ich atmete ihn ein und hätte diesen düsteren Duft überall wiedererkannt. Jederzeit, den Rest meines Lebens.

Die meisten Frauen hätten angehalten. Gewartet. Sich von ihrem Mann fangen lassen. Verdammt, die meisten Frauen wären gar nicht erst weggerannt. Aber ich war nicht wie die anderen Frauen. Ich war eine Everianerin. Eine Jägerin. Eine Kriegerin. Also rannte ich noch schneller. Der Boden unter meinen Füßen war verschwommen und mein Haar wehte mir aus dem Gesicht.

“Liebling, sobald du unter mir drunter liegst, wirst du genau wissen, wem du gehörst. Wem deine Pussy gehört. Auf mein Stichwort wirst du kommen. Auf meinem Schwanz. Unter meinem Mund.”

Der Gedanke an seinen Kopf zwischen meinen Schenkeln, seiner Zunge auf meinem Kitzler, wie sie die dicke Knospe umkreiste und neckte, lenkte mich ab. Ich geriet ins Stolpern, kam aber nicht zu Fall.

“Ah, Liebling. Du willst meinen Mund auf dir drauf?” Er hatte das Wanken in meinen Schritten gehört. “Dann lass dich fangen.”

Ich lachte und kniff die Augen zusammen, als ich auf eine Lichtung zustürmte. “Niemals.”

Als ich sein frustriertes Stöhnen hörte, machte mein Herz einen Freudensprung. Er wollte, dass ich mich wehrte. Er wollte meinen Kampfgeist und meine Stärke testen, ehe ich mich unterwarf. Denn das würde ich. Ich würde in seiner Dominanz schwelgen. Seiner Stärke. Denn auch, wenn ich mich auslieferte, würde ich die Macht behalten.

Meine Gedanken hatten mich abgelenkt, denn plötzlich war alles still. Keine Fußschritte, keine Jagd. Nur die Tiere des Waldes, der Wind. Er jagte mir nicht länger hinterher.

Er hatte seine Taktik geändert. Ich wurde langsamer und blieb stehen, als es völlig still blieb.

Ich drehte mich um und blickte in alle Himmelsrichtungen. Ich suchte. Lauschte. Spürte.

Dann hörte ich es wieder.

Herzschlag.

Atem.

Er atmete ein, was nur ihm gehörte.

Eine sinnliche Duftspur.

Ich wirbelte herum und da war er. Direkt vor mir. Ich musste den Kopf in den Nacken legen, um seinen hitzigen Blick zu treffen.

“Wie—”

Er grinste, sein Lächeln war ungehalten und süß zugleich.

“Unwichtig, Liebling.” Seine Brust weitete sich, als er tief Luft holte.

Ich war angepisst. Ich würde mich nicht so einfach geschlagen geben. Also floh ich.

Er lachte.

Wieder stellte er mich. Keine Ahnung, wie er es zustande brachte, aber ich konnte ihn erst ausmachen, sobald er mich eingeholt hatte. Als hätte er einen Umhang, der ihn abschirmte. Der seine Bewegungen verschleierte.

Ich kannte diese Fähigkeit nicht. Sie war nicht zu leugnen, denn auf einmal wurde ich gepackt, umgedreht und gegen einen Baum genagelt. Er berührte mich, als wäre ich aus Glas, und zwar trotz der Aggression die durch seine Adern strömte.

“Gib auf,” knurrte er.

Seine Hand war auf meiner Taille, die andere war neben meinem Kopf gegen den Baum gestützt. Seine volle Länge drückte in mich hinein. Jeder harte Zentimeter von ihm. Ich spürte seinen Schwanz, seine dicke Latte an meinem Bauch.

Ich war hin- und hergerissen. Der Paarungstrieb beeinträchtigte meine Konzentration. Ich wollte abhauen. Rennen. Noch einmal gejagt werden. Mehr. Ich brauchte das ekstatische Gefühl. Aber ich sehnte mich auch nach ihm. Seiner Hitze. Seiner Härte.

Ich wollte vor ihm auf die Knie fallen. Ich wollte mich nackig machen, mich aufs Gras legen und die Beine breit machen.

Ich wollte auf alle Viere gehen, über meine Schulter blicken und zusehen, wie er mich von hinten bestieg. Mich beanspruchte. Derbe, genau wie ich es brauchte.

Eine mächtige Hand kam an mein Kinn und neigte mein Gesicht nach oben. “Sag es. Ein Wort und ich werde dich erobern.”

Ich schluckte, dann leckte ich mir die Lippen. Er war hier. Er hatte mich gefunden. Mich gejagt. Es gab nichts, was ich sonst noch tun konnte, oder wollte.

“Ja.”

Er fiel vor mir auf die Knie und zog mir die Stiefel und dann meine Hose aus, sodass ich von der Hüfte abwärts nackt vor ihm stand. Er war dabei genauso flink wie bei meiner Jagd. Einen Augenblick später waren meine Beine über seinen Schultern und sein Mund dockte auf mir an. Genau da.

Sein Körper presste mich gegen den Baum. Ich wurde in die Höhe gehoben, ohne Halt oder Bodenkontakt, mit nichts als seinem Kopf zum Festhalten und meine Finger vergriffen sich in seinem Haar. Er leckte mich aus, spreizte mich auseinander. Er fand meinen Kitzler und fing an ihn sanft zu umkreisen.

Ein primitives Geräusch tönte aus seiner Brust, als er mich zum Orgasmus schraubte. Mir war klar, dass es auf sein Gesicht tropfte, denn ich war so geil, der Höhepunkt dermaßen intensiv.

“Warum?” sprach ich, als ich wieder zu Atem kam. Er war gerade dabei die Innenseite meines Schenkels zu küssen und nur seine Augen blickten zu mir nach oben.

“Warum ich vor dir auf die Knie gehe, wenn du diejenige bist, die sich mir unterwerfen wird?”

Ich nickte, mein Hinterkopf stieß gegen die raue Baumrinde.

“Dein Körper, dein Vergnügen gehört mir. Du gehörst mir. Ich mag zwar derjenige sein, der niederkniet, aber du gibst mir dafür alles.”

Ich konnte den fetten Umriss seines Schwanzes zwar nicht sehen, wusste aber, dass er steif war. Bereit, mich zu ficken.

“Was ist mit dir?”

Blitzartig wurde ich auf den weichen Boden gelegt und meine Beine baumelten über seinen Schultern.

Er machte sich an seiner Hose zu schaffen, zog seinen Schwanz raus, richtete ihn an meinem Eingang aus und rammte tief in mich hinein.

“Ja!” Ich schrie, als ich erfüllt wurde. Vom Gefühl ihn in mir zu spüren. Wie er mich ausdehnte. Mich eroberte.

“Dieses Wort. Deine Einwilligung. Deine Unterwerfung.”

Er zog heraus und ich winselte, aber binnen eines Sekundenbruchteils fand ich mich auch schon auf allen Vieren wieder und er war dabei mich zu besteigen. Er nahm mich. Tief. Feste.

Sein kräftiger Körper wölbte sich über meinen Rücken, sein Mund dockte an meinem Hals an und knabberte an meiner hämmernden Halsschlagader und biss die Stelle zwischen Nacken und Schulter. “Mir.”

Ich klammerte mich am feuchten Untergrund fest, fand aber keinen Halt. Er rammelte uns über den Waldboden und nur das Klatschen unserer Haut und das nasse Flutschen seines Schwanzes war zu hören, als er aus meiner Pussy aus und ein glitt. Wir hatten sämtliche Tiere verscheucht.

Wir waren wie Tiere. Wild und entfesselt. Er rammte in mich hinein und ich schrie auf; bereit, noch einmal zu kommen.

“So eine gierige Pussy. So feucht. Perfekt für mich. Du bist perfekt für mich. Du gehörst mir.”

“Ja.”

“Gib’s mir.”

Ich wusste, was er damit meinte. Nicht nur meinen Orgasmus, sondern meinen Körper. Meine Seele.

Meine Pussywände ballten sich straff zusammen und zogen ihn tiefer hinein. Sie wollten ihn, brauchten jeden stämmigen Zentimeter von ihm.

Ich kam mit einem Schrei und das Geräusch hallte durch den Wald und über das Land, auf dem er mich gejagt hatte.

Er stieß tief in mich hinein. Versteifte sich. Ächzte. Dann musste er kommen. Ich spürte die Hitze seines Samens, als er mich ausfüllte, mich vereinnahmte.

Und er gehörte mir, denn auch wenn er mich bezwungen hatte, so hatte ich ihm doch das ultimative Vergnügen bereitet. Ohne mich wäre er nicht mehr vollständig.

Und ich … ich lieferte mich ihm aus. Bereitwillig. Gerne. Voll und ganz.

Ich riss die Augen auf und musste nach Luft schnappen.

“Nein!” brüllte ich und das Wort hallte von den sterilen vier Wänden wider.

“So gut, hm?”

Ich blinzelte und erblickte Kiras süffisantes Gesicht. Meine Freundin war über mich gebeugt, sie sprang aber zurück, als ich mich abrupt aufsetzte.

Ich rieb mir die Augen. Meine Fresse, das war vielleicht scharf. So echt. Aber es war nur ein Traum. Ein alberner Testtraum für Bräute.

Rachel, eine andere Erdenfrau, die mit dem Gouverneur der Kolonie verpartnert war, blieb still, aber ihr Mundwinkel war nach oben gebogen. Oh ja, sie lachte sich ins Fäustchen.

Doktor Surnen, der für alle Testverfahren des Planeten verantwortlich war, stand jetzt mit seinem Tablet neben mir. Ich war nicht sicher, ob er so ruhig war, weil die Tests intensive Sexträume beinhalteten oder weil ich die erste Frau war, die er getestet hatte und bei der er nicht sicher war, was er sagen sollte. Soweit mir berichtet wurde, war ich gegenwärtig die einzige unverpartnerte Frau auf dem Planeten, abgesehen von Kristins Mutter, noch einer Erdenfrau. Dieser Doktor testete normalerweise keine Frauen. Er testete nur integrierte Krieger, die hierher transferiert wurden, nachdem sie der Gefangenschaft entkommen waren.

Meine Nippel waren hart, aber das würde ich nicht dem Doktor gegenüber erwähnen. Ich hatte keinen Steifen, immerhin hatte ich keinen Schwanz, aber meine Pussy sehnte sich nach genau dem Sex, den ich mir eben so bildhaft vorgestellt hatte … den ich aber nicht gehabt hatte.

Ich war aufgegeilt. Aufgereizter als in meinem gesamten Leben. War der Test absichtlich so grausam? Um uns total wuschig und spitz zu machen, ohne Aussicht auf Erlösung? War es so, damit die getestete Person dringend kommen wollte und folglich immer dem Match zustimmte, und zwar nur um garantiert Sex zu haben?

Momentan, mit diesen verräterischen Nippeln und meiner leeren, zuckenden Pussy, die sich verzweifelt nach einem dicken Schwanz sehnte, hätte ich wohl auch einem Match mit einem Planeten zugestimmt, dessen Typen blau waren und zwei Pimmel hatten.

“Ich bin hierhergekommen, um dich und Angh zu besuchen, nicht um mich testen zu lassen,” rief ich ihr in Erinnerung, und zwar nicht zum ersten Mal.

Sie rollte mit den Augen: “Du hast beides erledigt. Also ein überaus erfolgreicher Trip.”

Ich stieg vom Teststuhl runter und streckte mich. Schlechte Idee, da meine Nippel an meiner Uniform scheuerten. Ich wimmerte leise.

Rachel lachte.

“Ich mag dich nicht,” grummelte ich und warf ihr den bösen Blick der Akademiechefin zu, bei dem sich die jungen Kadetten normalerweise in die Hosen pinkelten. Sie lachte nur noch lauter.

2


Elitejäger Quinn, Latiri 4, Integrationszentrum der Hive, Sektor 437

An meinem Hals und meinen Handgelenken waren schwere Schellen angebracht, mein getrocknetes Blut war der einzige Hinweis auf das, was die Integrationseinheiten mir antun wollten.

Sie wollten mich zu einem von ihnen machen.

Hive.

Mich übernehmen. Meine Kraft und meine Fähigkeiten übernehmen. Meinen Geist übernehmen.

Eher würde ich sterben, als diesem summenden Gedröhne in meinem Schädel nachzugeben. Mit jeder Injektionsrunde wurde das Rauschen intensiver. Ich verlor ein weiteres Stück von meinem Verstand, auch wenn ich spürte, dass mein Körper kräftiger wurde.

Ich hatte mitangesehen wie zwei lebenslange Freunde, beide Elitejäger wie ich, in ihren Zellen dahingesiecht waren. Aber sie hatten sich nicht in den Feind verwandelt. Bis zum Schluss hatten sie gekämpft und den Hive das verweigert, was sie wollten. Mehr Krieger. Elitekrieger.

Meine Kumpels hatten dem blauen Chef dieser Basis nicht das gegeben, was er wollte. Ich war der letzte von uns. Der letzte Elitejäger in diesen unterirdischen Zellen. Seine letzte Aussicht auf Erfolg.

Die anderen hatten sich bis zum Schluss zur Wehr gesetzt. Und das würde ich auch tun.

“Wie ich sehe, bist du wach, Jäger.” Der dunkelblaue Alien war ein Flickwerk aus Silber und kräftigem, leuchtendem Blau. Seine Augen waren fast schwarz. Sie waren völlig undurchsichtig, hinter den Augäpfeln gab es nichts, kein Schimmer von Gefühl, keine Seele. Kein Himmelblau, sondern etwas Dunkleres und sehr viel Unheimlicheres. Ich wusste, dass ich dem berüchtigten Nexus gegenübersaß, einem der geheimnisvollen Anführer—oder Schöpfer—der Hive-Systeme. Meine Informationen kamen direkt vom Geheimdienst. Weniger als eine Handvoll von ihnen waren je gesichtet worden und das nur von Frauen von einem neuen Koalitionsplaneten namens Erde.

“Was willst du? Ich stehe nicht auf Männer und ich stehe auch nicht auf Blau, also krieg dich wieder ein.” Der Nexus kniff die Augen zusammen, zeigte jedoch keine weitere Reaktion. Aber er wusste, was ich gemeint hatte. Ich konnte seine Gereiztheit spüren.

“Ich habe nicht die Absicht, mich mit dir zu paaren.”

“Den Göttern sei Dank.”

Das ärgerte ihn sogar noch mehr: “Du versuchst es mit Humor, Jäger, aber das wird dir nichts nützen. Am Ende wirst du mir gehören.”

Ich schüttelte den Kopf und starrte ihm in die Augen. Die Geste ließ das Rauschen in meinem Kopf zu einem Brüllen anschwellen und der Schmerz bohrte sich wie Nadeln in meine Augen, aber ich wandte nicht den Blick ab. Sollte er mich doch töten. “Nein. Ich werde nur noch ein toter Krieger sein und du wirst versagt haben.”

Der Nexus fauchte, hob seine Klaue und verpasste mir eine Ohrfeige.

Die Nexus-Kreaturen waren anders als ihre Drohnen. Sie zeigten Reaktionen. Sie sprachen von sich in der ersten Person, nicht in der dritten. Sie waren lebendig. Sie waren Individuen.

Sie konnten manipuliert werden. Erschreckt werden.

Verhöhnt.

Ich lächelte die blaue Kreatur an, als sie die Hand hob und einer ihrer Drohnen ein Zeichen machte mit einer weiteren Runde Injektionen fortzufahren. Die Nadeln bohrten sich tief in meine Hals- und Handgelenkadern und pumpten mich mit mikroskopisch kleiner Hive-Technologie voll; Nanozyten, die so winzig waren, dass die Ärzte der Koalition keine Hoffnung hatten, sie jemals von kontaminierten Kriegern wie mir zu entfernen. Sollte ich überleben, wären meine Tage als Jäger wohl gezählt. Je nach Ausmaß der Integrationen könnte ich als unbrauchbar und vergessen in die Kolonie verbannt werden.

Es gab keine Hoffnung mehr für mich, aber ich lächelte trotzdem, als der Nexus sich von mir entfernte. Sobald er weg war, sackte ich wieder zu Boden. Sie hatten mir meine Uniform gelassen, allerdings hatten sie mir meine Waffen abgenommen. Der Anzug hielt zwar meine Körpertemperatur stabil, konnte aber nichts ausrichten, um meinen Geist vor der krassen Realität dieser Höhle abzuschirmen. Die gesamte Basis. Die Transportstation in Sichtweite meiner Zelle. Ich sah dutzende neue Gefangene eintreffen: Prillonen, Viken und Menschen, Atlanen und Xerimianer—wenn auch nur wenige von letzteren beiden; sie waren zu gefährlich, um sie in großen Mengen zu holen. Noch seltener waren Everianische Jäger wie ich. Die Tatsache, dass der Nexus genau hier, unter Kommandant Karters Nase eine Integrationsanlage betrieb, war mehr als verstörend. Wahnsinn sogar. Niemand wusste, dass wir hier waren. Hier, wo sie nicht nach uns suchten, weil angenommen wurde, dass das Gebiet von den Hive befreit war.

Der Gedanke machte mich stinkwütend und das Adrenalin in meinen Adern ließ den Lärmpegel in meinem Schädel einmal mehr ansteigen. Ich konnte mir jetzt keine Gefühle leisten. Ich musste die Ruhe bewahren, wenn ich der Hive-Technologie in meinem Körper widerstehen und meinen Verstand wahren wollte. Dieser blaue Mistkerl wollte mich brechen und ich musste diesen Kampf gewinnen.

Also atmete ich tief durch, verlangsamte meinen Puls und stellte mir vor, wie mein narbenübersäter Kumpel Zee und seine neue Partnerin auf Everis ein friedliches, erfülltes Dasein lebten. Wenn Zee Glück hatte, dann würden zwei oder drei Knirpse um ihn herumtollen und seine hübsche Erdenfrau Helen würde sich Nacht für Nacht seinen Berührungen hingeben.

Ich hatte auf eine eigene Partnerin für mich gehofft; eine liebliche, unterwürfige Frau, die eine starke Hand brauchte, um ihr sowohl Trost zu spenden als auch Vergnügen zu bereiten. Ich war sogar zum Programm für interstellare Bräute gegangen und hatte ihren Auswahltest mitgemacht, ihre Protokolle durchlaufen. Das war jetzt Jahre her. Keine Braut war eingetroffen, um mein Leben zu teilen, keine Frau war mir zugeordnet worden. Vielleicht war ich zu kaputt. Innerlich zu ramponiert. Zu zornig. Ich wusste, dass ich nicht mehr hundertprozentig fit war und dennoch hatte ich die Hoffnung nicht aufgegeben. Als ich aber in den vergangenen Tagen in die kalten, schwarzen Raubtieraugen des Nexus’ gestarrt hatte, hatte ich die Hoffnung auf eine Partnerin schließlich begraben. Ich brauchte keine Hoffnung, jedenfalls nicht hier. Was ich brauchte, war Stärke. Entschlossenheit. Willenskraft.

Der Nexus würde mich nicht bezwingen. Er würde mich vielleicht töten, aber er würde mich nicht brechen.


Niobe, Testzentrum für interstellare Bräute, die Kolonie

Kira kam zu mir herüber und umarmte mich völlig überraschend, worauf ich verkrampfte. “Doch, das tust du,” sprach sie. Wir mochten zwar in der Akademie und auf Geheimmissionen gearbeitet haben, aber das bedeutete nicht, dass ich von ihr geknuddelt werden wollte. “Es ist vorbei. Wie eine Impfung beim Kinderarzt. Die Vorstellung war schlimmer als der eigentliche Pieks. War der Test nicht klasse?”

Sie konnte es einfach nicht lassen, denn auf die Frage folgte ein unmissverständliches Zwinkern.

“Du weißt genau, was ich von Männern halte. Ich bin sechsunddreißig und bis jetzt sehr gut ohne klargekommen, also hört es sich jetzt irgendwie albern an.”

“Und doch hast du dich aus freien Stücken auf den Stuhl gesetzt. Wir haben dich zu nichts gezwungen,” sprach Rachel schließlich.

Sie lag richtig. Und dafür hasste ich sie auch. Ich seufzte. In der Akademie waren jetzt Ferien, aber ich hatte keine Familie, die ich besuchen konnte. Obwohl ich halb Everianerin war und vor meiner Karriere bei der Koalition zwei Jahre auf dem Planeten gelebt hatte, fühlte ich mich dort nicht heimisch. Ich würde niemals auf einem der äußeren Planeten mal eben Urlaub machen und ich wäre auch nicht zur Kolonie gekommen, hätte Kira mich nicht eingeladen. Es war nicht ihre erste Einladung und bis jetzt hatte ich immer abgewiegelt—nicht, weil ich sie nicht gern hatte, sondern weil es mir widerstrebte, meinen Job liegenzulassen—und jetzt hatte ich nachgegeben und war in diesem dämlichen Teststuhl gelandet. Ich war nicht betrunken, dank meiner russischen Gene mütterlicherseits und meiner Vorliebe für Vodka konnte ich den größten Atlanen unter den Tisch saufen.

Was mir nicht sonderlich in den Genen lag, war der Kinderwunsch. Eine Familie. Alles, was ein Partner von einer Braut erwarten würde. Ich hatte zwar einen Uterus, aber der stand fürs Fortpflanzungsbusiness nicht zur Verfügung. Keine Chance.

“Ich weiß,” entgegnete ich und strich mit den Händen über meine Uniform, um imaginäre Knitterfalten zu glätten. Sie hatten mich zwar nicht gezwungen den Test zu durchlaufen, aber ich hatte ihn ohne jeden Enthusiasmus hinter mich gebracht. Was sollte dabei schon für mich herausspringen? Ich war halb Mensch, halb Everianerin. Auf der Erde hatte ich als Kind nie wirklich dazugehört und auf Everis war ich die Erdentussi. Ich war ungewöhnlich, anders. Ich hasste es, aus der Rolle zu fallen oder die Kontrolle zu verlieren und jetzt gerade fühlte ich mich so zerzaust, schwitzig und durcheinander als hätte ich gerade Sex gehabt. Hatte ich aber nicht. Gott, wer war dieses Pärchen, von dem ich geträumt hatte? Die hatten aber eine Beziehung. Die Verbindung war intensiv gewesen, unglaublich. Aber die Art und Weise, mit der die Frau sich ihrem Partner unterworfen hatte? Nee, bei mir würde das nicht klappen. Ich war eine Vizeadmiralin und für die gesamte Koalitionsakademie verantwortlich. Ich brauchte keinen Mann, um mich herumkommandieren zu lassen.

Einen schönen dicken Schwanz könnte ich allerdings schon gebrauchen. Damit würde er mich bestimmt bei der Stange halten, besonders wenn er ihn mir genauso verabreichen würde wie dieser Typ aus dem Traum. Gott, ja. Aber ein Schwanz ohne Mann war nur ein Dildo und davon hatte ich schon mehr als genug zu Hause.

“Du bist nicht verpflichtet Kinder in die Welt zu setzen,” rief Kira mir in Erinnerung, als ob sie Gedanken lesen konnte. Oder sie hatte mein andauerndes Gemotze gehört, warum ich keine Braut werden sollte, nachdem Rachel und sie mit dem Vorschlag aufgekommen waren.

“Ihr habt Kinder,” konterte ich und blickte zwischen den beiden hin und her. Ich hatte nicht viele Freunde, denn in der Akademie musste ich zu den Studenten und den meisten Angestellten eine gewisse Distanz wahren. Ich war schließlich der Boss und konnte nicht einfach einen auf Kumpel machen.

Die Mädels hatten mich während meines Besuches unter ihre Fittiche genommen, auch wenn ich nicht allzu begeistert darüber gewesen war. Sie wussten, dass ich leicht reizbar und oftmals nervig war, weil ich alles immer nur schwarz-weiß sah—nicht buchstäblich, aber im übertragenen Sinne. Aber sie stammten von der Erde und es tat gut über Erdendinge zu schwatzen. Wie Haartrockner oder echte Eiscreme. Kühe gab es nämlich nur auf der Erde. Ich hatte mich nicht ganz so … anders gefühlt.

Irgendwie hatten sie mich die ganze Zeit auf mein Singledasein festgenagelt. Ich war ganze sechs Beförderungen drüber, um getestet und verpartnert zu werden. Ich war eine alte Jungfer und das war völlig in Ordnung so.

“Wir sind nicht wie du,” erwiderte Kira. “Wir wollten Kinder.”

Autsch.

“Dr. Surnen, erklären Sie der Vizeadmiralin, dass sie nicht verpflichtet ist, ihrem Partner Alienbabys zu gebären,” verlangte Kira.

Der Doktor, der sich darauf auf einen geräderten Stuhl setzte, blickte in meine Richtung: “Das muss ich der Vizeadmiralin nicht noch einmal erklären. Ich werde nicht ihre Intelligenz infrage stellen.”

Kluger Prillone.

Ich lächelte und nickte ihm zu.

“Na schön,” murrte Kira. “Dann werde ich es dir nochmal verklickern. Du bist clever, aber was diese Sache angeht, liegst du daneben. Der Test wählt deinen perfekten Partner aus. Was bedeutet, der Test weiß genau, wenn du keine Babys willst. Er wird dich nicht mit einem Typen verpartnern, der sich zwölf Kinder wünscht. Es ist dein perfektes Match.”

Ich blickte zum Doktor und er nickte.

“Ja, aber so ein Match ergibt sich nicht von jetzt auf gleich,” erwiderte ich und ging Richtung Tür. “Ich werde zur Akademie zurückkehren und abwarten. Wie ich gehört habe, warten einige Krieger hier seit Jahren.”

Der Doktor räusperte sich und wir alle blickten in seine Richtung. “Tut mir leid Sie zu enttäuschen, Vizeadmiralin, aber Sie haben ein Match.”

Mir klappte die Kinnlade runter. Das Herz rutschte mir in die Hose. “Was?”

Kira und Rachel fingen an zu kichern und klatschten sich wie Cheerleader auf einer Wahlkampfparty in die Hände. Warum war ich mit ihnen befreundet?

“Sie haben ein Match.”

“Ich habe Sie bereits beim ersten Mal gehört,” fauchte ich den Doktor an. “Was soll das heißen?”

“Es bedeutet Sie wurden Everis zugeordnet. Einem Elitejäger.”

“Natürlich wurdest du Everis zugeordnet,” rief Kira. “Macht Sinn, immerhin bist du halb Everianerin und du hast eine Markierung.”

Ich drehte meine Hand um und starrte auf das Zeichen in meiner Handfläche. Als ich auf der Erde aufgewachsen war, hatte ich gedacht, dass es sich um ein einfaches Geburtsmal handelte. Als ich aber nach Everis gegangen war, hatte ich erfahren, dass es so viel mehr bedeutete. Den anderen jedenfalls. Mir bedeutete es überhaupt nichts. Ich hatte die Hoffnung auf einen markierten Partner offensichtlich aufgegeben, schließlich war ich soeben getestet worden. Und erfolgreich zugeordnet. “Ich wusste nicht einmal, dass ich halb Everianerin war, bis mich mit vierzehn diese Jäger auf der Erde gefunden hatten. Für mich wäre es Hokuspokus, sollte meine Markierung zum Leben erwachen. Ich glaube nicht an solche Sachen. Ich bin … realistisch.”

Rachel neigte den Kopf zur Seite und warf mir einen milden Blick zu: “Realistisch? Das würde ich so sagen. Ich habe dich in der Kampfgrube gesehen.”

Ich war mitgekommen, um mit ihnen zusammen die Spiele anzuschauen, allerdings hatte ich mich freiwillig gemeldet und selber mitgemacht. Es kam nicht oft vor, dass Jäger an den Kämpfen teilnahmen. Und schon gar keine Frau.

“Komm schon, ich kann mir vorstellen, was die Leute in der Schule alles über dich erzählt haben. Du warst im Leichtathletikteam, oder?”

Damals war ich mir wirklich nicht bewusst gewesen, dass ich nicht ganz menschlich war. Ich hatte einfach geglaubt, ich wäre eigenartig. Genau wie alle anderen, mit denen ich in Minnesota aufgewachsen war, besonders nachdem meine Mutter gestorben und ich bei einer Pflegefamilie gelandet war. Das Waisenmädchen, das die unmöglichsten Sachen vollbrachte. Als ich klein war, konnte ich Gespräche hören, von denen ich eigentlich nichts hätte mitbekommen sollen, und das hatte mir eine Menge Ärger eingebrockt. Ich dachte zurück an die wenig rosige Zeit in meinem Leben, als ich gelernt hatte mitzuhören aber Stillschweigen zu bewahren, als ich lächerlich schnell und athletisch wurde und nicht verstehen konnte, warum.

Plötzlich kam alles wieder hoch. Das Gefühl nicht dazu zu passen, die Unsicherheit, der Zorn. Ich war eine Außenseiterin gewesen, genau wie das Gothic-Girl, das tonnenweise schwarzen Eyeliner auftrug, nur um die Leute anzupissen. Ich hatte nie Eyeliner getragen, aber ich wusste genau, wie sie sich fühlte. Ich war damals die Vorzeigeathletin einer riesigen Schule, denn ich hatte sämtliche Leichtathletik- und Langlaufrekorde des Bundesstaats gebrochen und war zu einer Art Heldin geworden. Ich hätte mühelos die nationalen Wettbewerbe gewinnen können, aber ich hatte mich zurückgehalten, weil ich mich beim Sport kaum verausgabt hatte. Mein Puls war selbst nach einem acht-Kilometerlauf kaum angestiegen. Ich wollte den Ruhm damals nicht. Ich wollte keine College-Stipendien, wo ich mir dann hätte den Kopf zerbrechen müssen, wie viel genau ich von meinen Fähigkeiten zeigen konnte, ohne zu viel Aufmerksamkeit zu erwecken. Die Eliteunis der Ivy League oder die Olympischen Spiele waren mir egal. Damals hatte ich nur meine Mutter vermisst. Ich erinnerte mich an nicht viel, ihr Lächeln, ihren Duft, ihre Stimme, aber mir fehlte das Gefühl von ihr. Gott, wie es war von ihr in den Arm genommen zu werden. Ich war allein in der Welt und die einzige Person, die mich je akzeptiert hatte, war tot.

Ich wollte keine Aufmerksamkeit. Ich wollte Antworten. Damals wollte ich herausfinden, warum ich ein Freak war.

Jetzt wusste ich es. Ich hatte Everianisches Blut in meinen Adern. Ich hatte keine Ahnung, wie meine Mutter in Minnesota mit einem Everianer angebandelt hatte, aber das hatte sie. War mein Samenspender nach einem kurzen Fick auf der Erde wieder nach Everis zurückgekehrt? War er getötet worden? Ich würde es nie erfahren. Verdammt, wären diese Everianer nicht zur Jagd auf die Erde gekommen und hätten sie dabei nicht zufällig von meinem Sieg bei der Laufmeisterschaft gelesen, dann wäre ich jetzt wahrscheinlich noch auf der Erde. Sie hatten mir nicht wirklich die Wahl gelassen zu bleiben, nachdem sie meine Markierung entdeckt und mein Tempo gesehen hatten. Ich war gezwungenermaßen mit ihnen nach Everis zurückgekehrt, um als Everianerin zu leben. Was, obwohl es mir in den Genen lag, nicht wirklich einfach gewesen war. Thema Kulturschock.

“Ich werde unmöglich jetzt nach Everis zurückgehen und bis ans Ende meiner Tage glücklich und zufrieden mit meinem Partner zusammenleben,” verkündete ich und funkelte dabei den Doktor an, damit er ja verstand, wie ernst ich es meinte. “Ich bin der Akademie verpflichtet und ich habe nicht die Absicht, mich zur Ruhe zu setzen.”

“Das müssen Sie auch nicht, aber Sie sollten zu ihm gehen,” entgegnete er darauf. “Die Details können Sie später gemeinsam klären …”

Ich zog eine Augenbraue hoch und verschränkte die Arme vor der Brust. “Ich sollte zu ihm gehen? Morgen kehre ich zur Akademie zurück. Er kann selber transportieren und mich dort treffen.”

“So ist die Tradition. Ich bedaure. Die Braut wird immer zum Mann transportiert. Sollten Sie sich weigern, dann würden sie seine Ehre verletzen.”

Ich runzelte die Stirn. “Ich werde jetzt nicht auf Gründe eingehen, warum diese Tradition geändert werden sollte.”

“Wollen Sie das Match ablehnen? Ihn entehren?”

Zum Teufel verdammt. Das war das Allerletzte, was ich einem edlen Krieger antun wollte. “Nein. Will ich nicht.”

“Ausgezeichnet.” Der Doktor hielt die Hände hoch, als wolle er meinen verbalen Angriff abwiegeln: “Sie transportieren zu ihm. Wie Sie sich dann entscheiden, wo Sie leben werden, bleibt allein Ihnen beiden überlassen.”

“Du kannst die Hosen anbehalten,” sprach Kira und zwinkerte mir zu. “Geh einfach zu ihm.”

Ich verdrehte nur die Augen. Dann knurrte ich sogar. Denn ehrlich gesagt liebte ich diesen Testtraum. Jeden einzelnen Moment davon. Ich wollte überhaupt keine Hose anhaben. Ich wollte heiß, feucht und nackig sein, mit seiner Zunge—oder seinem Schwanz—tief in mir drin.

“Du wirst ganz rot, Frau Vizeadmiralin.” Kira grinste wie die närrische Deppin, die sie auch war. Ich konnte es ihr nicht verübeln. Kriegsfürst Anghar war ein imposanter Krieger. Und ehrlich gesagt wäre niemand in der Lage gewesen, mich in den Teststuhl zu zwingen. Ich hatte mich bewusst von Kira und Rachel überreden lassen. Denn ich war es leid, länger allein zu sein.

“Gut.” Ich warf die Hände in die Luft und wiederholte es nochmal: “Na gut!”

Alle drei atmeten aus und entspannten sich sichtlich, was mich nur noch wütender auf mich machte, weil ich mir überhaupt erlaubt hatte, Schwäche und Unsicherheit zu zeigen. “Ich werde zu ihm transportieren.”

Der Doktor stand umgehend auf und Kira und Rachel waren schnurstracks dabei, mich aus der Tür und Richtung Transportzentrum zu drängeln, damit ich es mir bloß nicht anders überlegte. Ich stand auf der Transportplattform und der Doktor war dabei, dem Techniker die Koordinaten mitzuteilen. Ich blickte an mir herunter und stellte sicher, dass meine Vizeadmiraluniform der Koalitionsflotte tadellos saß und ich meine Waffe an den Schenkel geschnallt hatte. Wenn ich schon die Kolonie verlassen würde, dann in voller Montur.

Doktor Surnen räusperte sich: “Es ist üblich, dass die Bräute in einer etwas feminineren Aufmachung eintreffen …”

Ich warf ihm einen bösen Blick zu: “Treiben Sie es nicht zu weit, Doktor. Mein potenzieller Partner soll genau wissen, mit wem er es zu tun hat.”

Der Doktor grinste tatsächlich, was für einen Prillonen äußerst selten war, ganz besonders in der Kolonie. “Wie Sie wünschen, meine Dame.”

“Ich bin keine Dame.”

Noch mehr Grinsen, aber er sagte nichts darauf. Ein verdammt smarter Prillone.

“Gib’s ihm, Niobe! Dann sorg dafür, dass er um mehr bettelt.” Kira hatte die Hände auf die Hüften gestemmt und lachte. Der Doktor warf ihr für den unangebrachten Ratschlag einen finsteren Blick zu, ich aber ignorierte ihn und erwiderte ihr Lächeln.

“Das werde ich.” Betteln. Pushen. Verführen. Mich quer durch den Wald jagen.

Meine Pussy zog sich zusammen, als die Erinnerungen wieder aufkamen. Gott, ich konnte es kaum erwarten.

“Mach bloß nichts, was wir nicht auch tun würden,” sprach Rachel vom unteren Ende der kleinen Treppe.

“Ihr habt drei Tage, dann komme ich nach und will Einzelheiten hören. Alle Einzelheiten.” Kira wackelte mit den Augenbrauen und ich funkelte sie an.

“Abgemacht.” Hoffentlich würde ich auch ein paar Einzelheiten zu erzählen haben. Ich wandte mich wieder dem Doktor zu. “Wohin gehe ich überhaupt? Everis?”

Er blickte kurz auf, dann schaute er zurück aufs Transportpanel. “Nein, Vizeadmiralin. Elitejäger Quinn ist gegenwärtig mit der Kampfgruppe Karter im Sektor 437 stationiert. Den Aufzeichnungen zufolge leitet er von einer unterirdischen Basis auf Latiri 4 aus Aufklärungspatrouillen gegen die Hive.”

Die Karter? Sektor 437? Der Doktor war dabei mich mitten in einen Kriegsschauplatz zu schicken. Ich wusste es. Kira wusste es scheinbar auch.

“Oh Gott. Das ist genau an der Front.” Ihr Blick sprang von Doktor Surnen zu mir. “Vielleicht solltest du warten. Er ist nicht einmal auf dem Schlachtschiff, Niobe. Er ist auf Bodenmission.”

Elitejäger Quinn.

Hübscher Name. Quinn. Meine Gedanken schweiften einen Moment lang ab. Er war ein Elitekrieger. Er würde stark sein. Schnell. Womöglich genauso schnell wie der Krieger aus meinem Traum …

“Niobe, nein! Das kann nicht dein Ernst sein. Du musst warten.”

Ich war so sehr damit beschäftigt, mir Quinn vorzustellen, dass es einen Moment dauerte, bis ich Kiras Worte registriert hatte. “Stopp. Er ist auf dem Boden? Ich dachte, er ist auf dem Schlachtschiff Karter.”

Doktor Surnen räusperte sich erneut, prüfte etwas auf seinem Tablet und wandte sich mir zu: “Normalerweise wäre ich nicht berechtigt es Ihnen mitzuteilen und ich könnte Sie auch nicht an seinen Standort transportieren. Aber wie ich sehe, verfügen Sie über ein sehr hohes Freigabelevel beim Geheimdienst.”

“Das tue ich.” Ich wusste über so ziemlich alles in diesem Krieg Bescheid. Nicht alles alles, aber fast. Meine Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst war umfangreich und langjährig.

Er seufzte. “Elitejäger Quinn ist zurzeit mit einer Jägereinheit im Einsatz und betreibt Aufklärung über die Hive. Seine Einheit ist in einer unterirdischen Basis hinter den feindlichen Linien stationiert.”

“Was?” Mein Partner war jetzt im Hive-Gebiet?

“Der Kampf um Latiri 4 und Latiri 7 ist für diesen Krieg entscheidend. Diese beiden Planeten und ihre Monde sind perfekt positioniert, um als Angriffsbasis für mehrere Weltraumsektoren zu dienen. Die Hive sind nicht bereit, sie aufzugeben und wir ebenso wenig.”

Das wusste ich. Ich wusste sogar, dass wir dem Beispiel der Hive gefolgt waren und mit dem Bau unterirdischer Stützpunkte begonnen hatten, um sie dazu zu bringen unser Territorium zu überlaufen. Wenn sie sich dann nichtsahnend auf der Oberfläche eingenistet hatten, sammelten unsere unterirdischen Aufklärungsteams wichtige Informationen über ihre Bewegungen, Pläne und technologischen Entwicklungen. Über die neuen unterirdischen Programme hatte ich vor ein paar Monaten in einem Briefing gelesen. Aber darüber zu lesen und in eine Untergrundfestung zu transportieren, die sich unter dem von den Hive kontrolliertem Gebiet befand, waren zwei sehr verschiedene Angelegenheiten.

Kira und der Doktor starrten mich beide an. Wollte ich lieber warten?

Nein. Nicht wirklich. Aber ich war auch nicht naiv.

“Ist der Stützpunkt gesichert?”

Der Doktor blickte wieder auf sein Tablet. “Ich bin sicher, dass Sie das mit besseren Quellen als mit mir abklären könnten, aber den gegenwärtigen Daten zufolge, ja.”

Das musste erstmal einen Moment lang einsickern. “Und wie lange ist Quinn auf der Basis stationiert?”

Er verlautete ein langes, tiefes Seufzen und ich wusste, dass die Antwort mir nicht gefallen würde. “Unbegrenzt. Jägereinheiten arbeiten nicht wie die anderen Koalitionstruppen. Sie kooperieren mit der Koalitionsflotte solange es ihrer Agenda entspricht. Er könnte morgen wieder aufbrechen. Er könnte jahrelang dort bleiben. Es gibt keine festen Regeln, sondern unterliegt dem Elitejäger, der für die Einheit verantwortlich ist und ihren Gefolgschaften auf Everis.”

Sicher, ich könnte zur Akademie zurückkehren und abwarten. Oder ich könnte transportieren und mich in ein wildes Abenteuer stürzen.

Ein aufgeregtes Kribbeln machte sich in mir breit. Ich hatte seit Jahren nicht mehr am Kampfgeschehen teilgenommen, aber die Vorstellung schreckte mich nicht ab. Was mich stattdessen zusammenzucken ließ, war die Vorstellung, in mein spärliches Büro in der Akademie zurückzukehren und noch einen einzigen Tag länger aus dem verdammten Fenster dort zu starren. Sicher, ich hatte eine wichtige Aufgabe. Ich bildete Kämpfer aus. Ich machte sie clever. Ich rettete Leben. Gelegentlich zog der Geheimdienst mich zu einer Mission hinzu. Heutzutage aber handelte es sich dabei eher um Diplomatie und Spionagetricks als offene Kriegstreiberei. Ich war ein Schreibtischjockey und dieses Dasein saugte mir regelrecht die Seele aus dem Mark.

Meine Hauptaufgabe bestand darin, neue Krieger auszubilden und dafür zu sorgen, dass sie sich da draußen auch zurechtfanden. Aber ich langweilte mich. Ich war einsam. Ein paar Tage Aufregung und schlüpfriger Sex klangen also echt toll.

“Ich habe über zehn Jahre bei der ReCon verbracht, ehe ich in die Akademie befördert wurde. Ich fürchte mich nicht, mir die Hände schmutzig zu machen, Kira.”

Kira war beim inneren Geheimdienst. Sie und ihr Partner, der Atlanische Kriegsfürst, standen immer noch im Dienst. Sie kannte mich und sie wusste, dass ich es ernst meinte. “Ich weiß.” Sie erwähnte nichts vom Geheimdienst, denn das war gegen das Protokoll, aber ihrem Blick zufolge wusste sie genau, wovon ich sprach. “Es sind nicht deine Hände, um die ich mir Sorgen mache.”

Rachel lachte laut auf, als die Vibrationen der Transportplattform unter meinen Fußsohlen aufstiegen. Eine Sekunde später standen mir die Härchen auf den Armen zu Berge.

“Ihr Transport beginnt in drei … zwei … eins.”

Dann waren meine beiden Freundinnen weg und ich fand mich auf einer anderen Transportfläche wieder.

Nicht in der Kolonie. Auf Latiri 4.

Statt von einem knackigen Elitejäger begrüßt zu werden, stand ich einem Hive-Trio gegenüber, das genauso geschockt war wie ich. Was zum Teufel war hier los?

Alle drei zückten ihre Waffen. Drei ehemalige Viken-Krieger, die jetzt mit Hive-Technologie überzogen waren. Da war keinerlei Licht in ihren Augen. Keine Seele. Sie waren wahrhaftig tot. Integriert.

Au Scheiße. Doktor Surnen musste seine Infos updaten.

Das hier war kein Koalitionsstützpunkt.

Das hier war die Hive-Hölle …

3


Quinn, Latiri 4, Integrationszentrum der Hive, Sektor 437

Meine Wange lag auf den kalten, harten Zellenboden gepresst und die Vibration der nahen Transportfläche ließen meinen Schädel dröhnen. Bestimmt trafen gerade noch mehr Gefangene in dieser Hölle ein. Noch mehr Krieger, die ich nicht retten konnte.

Scheiß drauf, ich konnte mich nicht einmal selbst retten.

Die letzte Spritze, die der Nexus mir hatte verabreichen lassen, ätzte sich wie Säure durch meinen Organismus.

Schlimmer noch, ich konnte sie jetzt in meinem Schädel hören, ein Hintergrundgeräusch wie das ständige Geschwirre der Insekten auf den Bäumen von Everis. Ssss. Rassel. Summ. Der Lärm war konstant. Der Kopfschmerz ließ mich frustriert die Zähne knirschen. Aber ich kämpfte weiter gegen das Geräusch, egal wie sehr es auch schmerzte. Sollte ich aufgeben, dann würden sie mich übernehmen und lieber wäre ich tot.

Das Hive-Trio, das die Transportfläche leitete, bewegte sich wie lautlose Drohnen im perfekten Gleichklang. Zwar schmerzte es, Koalitionskrieger zu sehen, die voll integriert und in stumpfsinnige Maschinen verwandelt worden waren, aber der Anblick war lange nicht so grausig wie der Gedanke, genauso zu enden wie sie.

Leer.

Empfindungslos.

Eine Waffe, die der Nexus gegen meine Brüder richten konnte.

Diese Basis war eigentlich als Koalitionsstützpunkt gebaut worden. Latiri 4 und Latiri 7, beide im Sektor 437 und unter Kommandant Karters Schutz, verkörperten seit Langem die Frontlinie dieses Krieges. Seit Jahren. Dieser Weltraumsektor war für den Versorgungstransport und als Ausgangspunkt zu mehreren bewohnten Planeten unerlässlich.

Die Koalitionsflotte konnte es sich nicht leisten, die Kontrolle über diesen Sektor zu verlieren. Also war diese unterirdische Basis errichtet worden, heimlich, als dieser Felsbrocken noch uns gehört hatte.

Und dann hatten wir sie reingelassen. Hatten wir die Hive glauben lassen, sie hätten unser Gebiet erobert.

In Wahrheit aber war es eine Falle, um hinter feindlichen Linien Informationen zu sammeln. Die Basis hatte fast ein Jahr gedient, um die Aktivitäten der Hive auszuspionieren. Das Wissen, das wir hier gewonnen hatten, hatte das Blatt langsam zu unserem Vorteil gewendet.

Bis vor etwa einer Woche, als wir von Hive-Soldaten und Drohnen überfallen und überrannt worden waren. Die Integrationseinheiten waren direkt hinter ihnen eingezogen und die Folter, der Tod und die Integration meiner Kumpels und Waffenbrüder hatte begonnen.

Der Nexus war am zweiten Tag eingetroffen. Seine Ankunft war das Ende der Elitejäger unter meinem Kommando. Wir wurden ausgesondert. Beiseitegestellt. Die Injektionen, die uns verabreicht wurden, machten das Werk der Hive für die Außenwelt unsichtbar.

Aber ich konnte spüren, was sie in meinem Inneren anrichteten. Die mikroskopisch kleine Technologie fraß sich wie ein Virus durch meine Zellen, sie brach Dinge auf und reparierte sie. Sie machte mich zu etwas anderem.

Ich hatte mitangesehen, wie sie diesen versteckten Zufluchtsort in eine Produktionsstätte für Hive-Soldaten umfunktioniert hatten und mich gefragt, warum niemand zu unserer Rettung kam.

Wie konnte es sein, dass das Schlachtschiff Karter nicht wusste, was hier passiert war? Wir mussten uns alle paar Tagen mit aktuellen Informationen bei der Koalition melden. Und ich saß seit acht Tagen in dieser Zelle fest.

Ich blinzelte benommen, als das Wummern der Transportfläche nachließ. Das Trio Vikenscher Drohnen vor meinen Augen erstarrte und richtete seine Waffen auf etwas, das ich nicht sehen konnte.

Ich rappelte mich auf und stützte mich an der Wand ab, um mich aufzurichten, dabei ignorierte ich den brennenden Schmerz in meinen Beinen. Von früheren Erfahrungen wusste ich, dass der Schmerz nachlassen würde, sobald ich wieder aufrecht stand.

“Der Transport wurde nicht genehmigt, Frau. Wo sind deine Wachen?” Der Chef des Trios sprach langsam und deutlich, als ob er ein paar Momente brauchte, um ihre Anwesenheit zu verarbeiten. Hatte er gerade Frau gesagt? Was hatte verdammt nochmal eine Frau hier zu suchen? Es gab zwar nicht wenige weibliche Koalitionskrieger, aber die wurden bei einer Gefangennahme woanders hingebracht. Nahm ich jedenfalls an, denn ich hatte keine einzige durch den Transportraum eintrudeln gesehen. Oder wieder hinausgehen sehen, ohne Kopf und Verstand und mit voll integrierten Körpern, um ihre ehemaligen Freunde und Verbündete zu bekämpfen.

Ich trat so nah wie möglich an die Energiebarriere und erstarrte. Ich lauschte. Das Energiefeld würde einem Atlanen im vollen Bestienmodus standhalten. Das wusste ich; ich hatte zugesehen, wie sich mehrere davon blutig geschlagen hatten, als sie versucht hatten, auszubrechen. Ich konnte die Barriere zwar nicht durchbrechen, aber ich konnte mich vorbereiten. Irgendetwas stimmte nicht. Irgendetwas fühlte sich … anders an und dabei handelte es sich nicht um das Gesumme in meinem Schädel. Alles, was die Hive aufmischte, war aus meiner Sicht gut.

Ich wartete auf die Antwort der unbekannten Frau, genau wie die drei Hive-Drohnen, die nebeneinander aufgereiht im Transportraum standen.

Statt eine Antwort zu bekommen wurden alle drei in rascher Folge mit Ionenschüssen ausgelöscht. Hatte sie sie getötet? War sie eine Kundschafterin vom Schlachtschiff Karter? Der erste Schlag eines ReCon-Teams? Hoffnung stieg mir zu Kopf und mir wurde schwindelig.

Sekunden später rannte eine Frau in einer seltsamen Panzerung hinter die Transportsteuerung, ihre Hände huschten so schnell über das Panel, dass ich mich anstrengen musste, um ihren Bewegungen zu folgen. Ich musste blinzeln. Sie war umwerfend. Langes, brünettes Haar, das zu einer einfachen Frisur zurückgezogen war, die ich noch nie gesehen hatte. Ihre Panzerung bedeckte jeden Zentimeter von ihr und saß wie eine zweite Haut, aber es war das Abzeichen an ihrer Brust, das mich schockte.

Ein Vizeadmiral? Allein?

Sollte das eine Art Witz sein?

Wer war diese Frau? Und warum war sie hier?

“Hallo! Hier drüben!” Ich rief ihr zu und seufzte erleichtert, als sie aufblickte. Sie drehte sich zu mir um und mir blieb die Luft weg, jede Zelle meines Körpers reagierte auf diese Frau vor mir. Ihr dunkelbrauner Blick bohrte sich in meinen wie ein Schlag in die Magengrube und alle Qualen, die ich in den letzten Tagen erlitten hatte, verpufften ins Nichts. Die Integrationen, die Folter, nichts davon war von Bedeutung. Das einzige, was mir jetzt noch etwas bedeutete, war sie. Ich musste überleben; nicht, damit ich auch nur einen weiteren Tag lang kämpfen konnte, sondern damit ich sie erobern konnte. Um meinen Schwanz tief in sie hineinzustecken, ihren Körper zu beherrschen, sie meinen Namen kreischen lassen. Ich hatte nie an Liebe auf den ersten Blick geglaubt, oder an Verpartnerungsprotokolle. Nicht einmal an die Markierung in meiner Hand. Ich hatte gesehen, wie andere Everianer ihre markierte Partnerin gefunden hatten und hatte die krasse Verbindung gesehen, die sie miteinander teilten, aber ich hatte es mir nie für mich so vorgestellt.

Meine Markierung fing nicht zu brennen an, sie flackerte nicht auf. Sie war also nicht meine markierte Partnerin. Aber das war kaum überraschend. Einer von hundert, wenn überhaupt, fand seine markierte Partnerin. Die meisten Everianer wählten ihre Gefährten nach denselben Maßstäben wie auf vielen anderen Welten auch; Anziehung, Respekt, Gemeinsamkeiten.

Verlangen. Die wenig greifbare Verbindung zwischen Liebenden. Diese Frau mochte zwar nicht meine markierte Partnerin sein … aber sie würde mir gehören.

Ich hatte mich vor einiger Zeit testen lassen. Und jeder Tag der verstrich, ohne das meine interstellare Braut eingetroffen war, hatte mir bewiesen, dass ich richtig lag. So etwas wie die perfekte Frau gab es nicht. Zumindest nicht für mich.

Jedenfalls nicht bis jetzt, bis ich sie erblickt hatte. Scheiße. Sie.

Ich dachte, sie würde zu meiner Zelle eilen und mich befreien. Stattdessen neigte sie den Kopf zur Seite; wahrscheinlich hörte sie dasselbe wie ich—noch mehr Hive-Soldaten, die durch die Gänge gerannt kamen. War sie eine Everianerin? Ein Mensch? Vike? Definitiv keine Atlanin. Von hier aus konnte ich es einfach nicht erkennen, nicht, ohne sie aus der Nähe zu sehen, sie zu berühren, ihre Haut zu riechen. Und die verfluchte Energiebarriere verhinderte genau das.

Sie machte sich wieder an der Transportsteuerung zu schaffen.

“Stopp. Sie kommen!” warnte ich. Ich schloss meine Augen und zählte die Schritte. “Es sind nochmal drei. Schwer.” Die Schritte wurden immer lauter, als größere, langsamere Kreaturen sich auf uns zu bewegten. Es musste sich entweder um Prillonen oder Atlanen handeln, die zu Kampfmaschinen der Hive integriert worden waren. Ich wusste, dass der Feind seine gefährlichsten Krieger in diesem Bereich unterbrachte, aber die Atlanischen Gefangenen waren auch auf dieser Etage und es brauchte eine Bestie, um gegen eine andere Bestie zu kämpfen. Die leichteren, schnelleren Soldaten wurden eine Etage drüber untergebracht oder bewachten die Landedecks. Mit einem Angriff so tief in der Basis hatten sie nicht gerechnet. Ich ebenfalls nicht.

War das überhaupt ein Angriff? Eine einzelne Frau rechtfertigte kaum einen größeren Gegenschlag. Allerdings hatte sie gerade eben drei ihrer Soldaten ausgeschaltet.

Die Hive hatten sich geirrt, wenn die gedacht hatten, dass sie hier sicher wären. Genau wie wir. Und ich würde ihnen die Hölle heiß machen, sollte ich je aus dieser Zelle rauskommen.

Die Frau ignorierte mich, also brüllte ich erneut: “Hier drüben! Du musst das Energiefeld von meiner Zelle deaktivieren! Ich kann helfen.”

Das ließ sie aufhorchen. Sie beugte sich runter und riss einem der toten Hive die Ionenpistole aus der Hand. Ein integrierter Vike. Dann kam sie herübergerannt und hielt lange genug inne, um das Steuerpanel neben meiner Zelle zu zerballern. Das Energiefeld brach sofort in sich zusammen und ich preschte vorwärts und nahm ihr die Pistole aus der Hand.

“Was ist hier los? Ich dachte, das ist ein Koalitionsstützpunkt.”

“Das war es auch, bis vor einer Woche. Die Hive sind reintransportiert und haben uns überrannt. Ohne Vorwarnung. Wir dachten, hier unten wären wir sicher.”

“Gibt es noch mehr Krieger? Andere Gefangene?” wollte sie wissen. Allerdings schaute sie mich nicht an. Sie blickte auf den Flur, wo in etwa fünf Sekunden drei weitere Hive auftauchen würden. Größer dieses Mal. Stärker.

“Es wurden viele hereintransportiert. Ich habe jeden einzelnen von ihnen gesehen. Keine Ahnung, wie viele davon noch leben.”

Ich lauschte wieder. Ein Atlane und zwei Prillonen, hätte ich raten sollen. Mist. Die würden nicht mit einem einzelnen Schuss niedergehen. Nein, sie wären sehr viel schwieriger totzukriegen.

Irgendetwas in meiner Stimme ließ sie aufhorchen, denn dieser dunkle Blick wanderte zu mir zurück und ich erblickte so etwas wie Trauer oder Mitleid in ihren Augen. Ich konnte nicht ausmachen, was genau von beiden es war und ich wollte weder das eine noch das andere.

“Geh in Deckung. Ich erledige sie.” Ich brauchte keine Mitleidsorgie. Jetzt, als ich befreit war und mit einer Waffe an der Hand, konnte die schwirrende Hilflosigkeit in meinem Kopf sich gefälligst zum Teufel scheren.

“Drei von ihnen werden gleich da sein. Und einer davon ist … war ein Atlane.”

“Ich weiß.”

Sie wusste es? Woher? Konnte sie ihn etwa auch hören?

Sie schaute mich nicht länger an, sondern war hinter der Ecke in Deckung gegangen, genau, wie ich es vorgeschlagen hatte, sodass nur ihre Schulter und ihre Ionenwaffe den Hive als Zielscheibe dienten.

Sie kniff die Augen zusammen und zielte.

Die Götter mochten mir helfen, sie war umwerfend. Wie zum Teufel hatte sie den feinen Unterschied in den schweren Schritten des integrierten Atlanen herausgehört? Mir war es klar gewesen, aber ich hatte Jägersinne. Sie war kein Elitejäger. Ich wusste nicht, was sie war, abgesehen davon, dass sie hübsch war—ich blickte kurz rüber auf die drei toten Viken auf dem Boden hinter ihr—und tödlich. Effizient. Skrupellos.

“Wer bist du?” Ich konnte mir die Frage einfach nicht verkneifen, auch wenn wir gerade auf den Feind warteten. Sie war ein Rätsel. Ein komplettes, totales Rätsel, das ich sehnlichst lösen wollte. “Und wie bist du hierhergekommen?”

Sie war offensichtlich hereintransportiert. Aber wo hatte sie die Koordinaten her? Woher wusste sie über das geheime Integrationszentrum der Hive Bescheid?

Natürlich ignorierte die vertrackte Frau die Fragen.

Mit dunklen, scharfen Augen blickte sie zu mir auf. “Wirst du wie eine Zielscheibe hier rumstehen oder wirst du mir helfen uns hier rauszuschaffen?”

Ich erkannte ihre Sprache als eine verbreitete Erdensprache wieder. War sie etwa ein Mensch? Und wenn ja, wie konnte sie die nahenden Soldaten hören? Wie hatte sie einen davon als Atlanen identifiziert? Menschen waren für ihre Hartnäckigkeit und ihren Mut bekannt, nicht für ihre überragenden Sinne.

“In Deckung, Krieger. Sofort.”

Diesen Tonfall—der eines Kommandanten, der es gewohnt war, dass man ihm gehorchte—hatte ich nur selten von einer Frau gehört, und ganz bestimmt nicht von einer, die so zierlich und hübsch war wie sie. Es war egal, von welchem Planeten sie kam. Hier, inmitten eines verfluchten Integrationszentrums, wurde ich hart. Mein Schwanz schien sich nicht darum zu kümmern, dass der Feind uns gleich einheizen würde. Ich wollte sie. Und ihre dominante Art. Oh ja, sie hatte Wirkung auf mich. Mein verborgener Jäger wollte ihr zeigen, wer wirklich das Sagen hatte. Vielleicht nicht präzise in diesem Moment, aber sobald ich erstmal diesen reizenden Körper seiner Uniform entledigt hatte, würde sie einsehen, dass ich der Boss war.

Ich grinste. Oh ja. Ich war der Jäger und sie würde schon bald herausfinden, dass sie die Gejagte war.

Ein Brüllen tönte durch den Korridor, die integrierte Atlanische Bestie gab uns eine Warnung. Bei den Atlanen war ich mir nie sicher, ob sie komplett den Hive-Implantaten erlegen waren oder ob sie immer noch dagegen ankämpften. Manchmal zögerten sie einen tödlichen Schuss hinaus, um einem ReCon-Kämpfer oder einem Krieger auf dem Schlachtfeld die Chance zu geben, sie auszuschalten.

Ein rascher Tod war in diesem Falle eine Gnade.

Ich positionierte mich so, damit ich die Stellung der Frau decken konnte und prüfte das Energielevel der Waffe. Sie war vollständig geladen und ich stellte die Ionenpistole auf maximale Feuerkraft. “Ich werde sie aufhalten. Kennst du dich mit der Transportsteuerung aus?”

Sie blickte über ihre Schulter und warf mir einen gereizten Blick zu, ihre Lippen waren schmal und fest. “Halt sie von uns fern und ich werde uns hier rausschaffen. Für die restlichen Gefangenen werden wir später zurückkehren.”

“Verstanden.”

Sie stand auf und drehte sich, sodass sie mit dem Rücken zur Wand war, während ich weiter den Korridor ins Visier nahm. “Wie lautet dein Name?” fragte sie.

“Quinn.”

Sie blinzelte langsam, als ob mein Name sie verwunderte und ihr Blick musterte interessiert mein Gesicht. Mit etwas mehr als nur einfachem Kampfinstinkt. “Du bist Everianer? Ein Elitejäger?”

Ich nickte. “Ja.” Sie schien viel über meine Spezies zu wissen. Ungewöhnlich. Die meisten Aliens von der Erde hatten kaum etwas von meinem Planeten gehört.

“Gut. Dann solltest du es schaffen, sie mir vom Leib zu halten.”

Jetzt war ich auf einmal gereizt. “Selbstverständlich.”

Sie grinste und am liebsten wollte ich sie küssen, als ich das Funkeln in ihren Augen sah. Scheiße. Im Ernst, ich wollte sie gegen die Wand nageln und meinen Schwanz in ihr vergraben. Aber das würde warten müssen, bis wir diesem Felsbrocken entkommen waren. Diese Unverfrorenheit würde ich ihr schon austreiben. Sie in heißes Keuchen verwandeln. In hauchiges, lustvolles Stöhnen.

Ohne noch ein Wort zu verlieren, stürmte sie zur Steuerung und ich wandte mich wieder dem Korridor zu, als auch schon der erste Angreifer auftauchte. Der integrierte Atlane war vorne in der Mitte. Die Decken in dieser Basis waren drei Meter hoch und trotzdem duckte er sich, als ob er fürchtete, er könnte sich den Kopf einschlagen.

Das würde er nicht, es sei denn, er würde zum Sprung ansetzen.

Ich feuerte nonstop, bis die Bestie auf die Knie fiel. Wie Wasser, das einen Felsen umströmte, liefen die anderen beiden um ihn herum und kamen näher. Prillonische Krieger, jedenfalls waren sie das einmal. Um sie machte ich mir kaum Sorgen. Zwei Schüsse für jeden und sie waren außer Gefecht gesetzt; sie krümmten sich auf dem Boden, während sich der Atlane hinter ihnen wieder aufrappelte.

“Beeil dich,” rief ich. “Die Bestie ist wieder im Anmarsch.”

“Bin schon dabei.” Die Frau war nach vorne gebeugt, ihre Finger huschten fanatisch über die Steuerung. Die Konzentration auf ihrem Gesicht war eine weitere, faszinierende Bereicherung ihres Repertoires, aber mir blieb keine Zeit, sie anzustarren. Ich speicherte den Anblick für später ab, wenn ich mir ausreichend Zeit nehmen und eventuell mit den Fingerspitzen ihre Lippen nachzeichnen könnte, während ich zusah, wie ihr Gesichtsausdruck sich unter meiner Berührung wandelte.

“Wir. Töten.” Der integrierte Atlane war voll im Bestienmodus und scheinbar hatte er den Befehl bekommen mich zu töten. Wahrscheinlich würde er sie ebenfalls töten.

“Aber nicht heute.” Ich feuerte, gründlich, und traf alle empfindlichen Stellen in der Panzerung der Bestie. Seinen Hals. Seine Knie. Sein Gesicht, sobald ich Zeit für einen Extraschuss hatte.

Ich hörte, wie sein Helm aufbrach und unterdrückte einen Triumphschrei. Vor meinen Augen nahm er den Helm ab und warf ihn gleichgültig beiseite.

Götter, er war verdammt nochmal gigantisch.

Ich wollte ihn nicht töten. Wirklich nicht. Ein Kopfschuss und er wäre erledigt, aber ich kannte ihn. Hatte die letzten Monate mit ihm zusammen gedient. Bevor wir gefangengenommen wurden. Seit dem Einmarsch der Hive in diese Basis hatte ich ihn nicht mehr gesehen. Bis jetzt. Bis er ausreichend integriert worden war, um von ihnen gesteuert zu werden. Um zu kämpfen, mich zu töten.

Er war ein anständiger Typ. Ehrbar. Ein wahrer Krieger.

“Scheiße verdammt, Zan.”

Ich drosselte die Feuerkraft meiner Waffe und hoffte, die geringere Ladung würde ihn außer Gefecht setzen, aber nicht töten. Die Prillonen, die ich erschossen hatte, waren nicht von dieser Basis. Die waren nicht wie dieser Atlane eben erst integriert worden. Sie waren alte Bekehrte, ihre Persönlichkeiten längst verschwunden. Leere Hüllen, deren Körper mit so vielen Integrationen versehen waren, dass sie gänzlich zu Hive geworden waren. Durch und durch der Feind. Ich hatte gehört, dass die Hive ihre zuverlässigen, vollständig integrierten Soldaten wie diese beiden Prillonen zusammen mit den Atlanischen Bestien losziehen ließen, um sie im Zaum zu halten.

Da die integrierten Prillonen erledigt waren, bestand darauf keine Hoffnung mehr. Zan war jetzt dabei auf mich loszugehen, er war fuchsteufelswild.

Scheiße.

Ich hob meine Waffe und zielte. Feuerte einen Betäubungsschuss.

Sein Kopf flog zurück und er fiel um wie ein Baumstamm. Ich eilte zu ihm und prüfte seinen Puls.

Er atmete noch. Gut. Die Betäubung hatte gewirkt, sogar bei einer Bestie.

Ich hielt inne und lauschte, dann hörte ich das hastige Fluchen der Frau, als weitere Schritte auf uns zukamen. Sie konnte sie ebenfalls hören. Sie waren wahrscheinlich noch zwei Korridore von uns entfernt, aber uns blieben nur wenige Minuten. Höchstens drei. Und diesmal waren es mehr als drei Soldaten. Sehr viel mehr.

Und der riesige Atlane musste gerettet werden. Solange er eine Überlebenschance hatte, konnte ich ihn nicht einfach zurücklassen, selbst wenn man ihn in die Kolonie schicken würde.

Also packte ich notdürftig sein Bein und zog ihn in den Transportraum. Auf dem Boden lagen die drei Transporttechniker, die sie erledigt hatte. Tot. Vergessen. Die Frau blickte von der Steuerung auf, warf einen Blick auf den Atlanen und runzelte die Stirn.

“Er ist ein Freund von mir.” Zan war ein anständiger Krieger, ich würde ihn nicht zurücklassen. Und sollte der blaue Mistkerl hier unten nach dem Rechten sehen, dann würde sowieso keiner von uns überleben. “Du musst uns hier rausschaffen bevor die Nexus-Einheit kommt. Gegen die hat Zan keine Chance.”

Sie erstarrte. “In dieser Basis befindet sich eine Nexus-Einheit?”

“Ja.” Ich wollte nachfragen, woher sie wusste, was ein Nexus war, schließlich war diese Information nur für hochrangige Agenten und Kommandanten bestimmt, aber ich war zu sehr mit dem überdimensionierten Leib der Bestie beschäfigt, um nachzufragen.

“Es gibt ein dringenderes Problem. Ein Transport kommt gerade herein und ich kann den Befehl nicht aushebeln. Es ist zu spät.”

Ich ließ Zans Bein los und er blieb reglos auf dem Boden liegen. Es gab kaum Platz, denn er und die toten Transporttechniker nahmen fast den gesamten Raum ein. Ich drehte mich zur Transportfläche um. Wie sie angekündigt hatte, füllte sich der Raum mit elektrischer Ladung und unter meinen Füßen fing es an zu vibrieren. “Freundlich?”

“Nein. Ich glaube nicht.” Sie schnappte sich die Waffen der toten Techniker und warf mir eine davon zu. Ich prüfte die Ladung, entsicherte sie. Eine zweite Waffe konnte nicht schaden. “Sie bringen mehr Koalitionskrieger … Gefangene, um sie zu integrieren.”

Sie machte ihre eigene Ionenpistole klar, ging auf ein Knie runter und hatte wie ich je eine Waffe in der Hand. Sie nutzte die Steuerkonsole als Deckung und wartete.

“Wie viele?” wollte ich wissen.

“Sieben.”

Scheiße. Das war eine ganze Menge, sollte es sich ausschließlich um Hive handeln. “Die Hive arbeiten in Dreiergruppen. Immer. Sie sind verdammt konsequent. Sie würden nicht zwei Trios für einen Gefangenen losschicken. Es müssen drei Aufpasser mit vier Gefangenen sein. Das kommt mehrmals täglich vor. Ich weiß es.” Leider wusste ich das nur allzu genau.

Sie nickte, blickte aber nicht in meine Richtung. Ich wandte mich wieder der Transportfläche zu, als sieben Gestalten auftauchten.

Es war einfach, die Hive von den Koalitionskämpfern zu unterscheiden. Wir zielten. Feuerten. Töteten. Die drei Hive-Soldaten hatten nicht damit gerechnet in ihrer eigenen Einrichtung angegriffen zu werden, genau wie ich es erwartet hatte. Gefangene konnten nicht ausbrechen. Schlugen nicht zurück.

Ich allerdings schon. Genau wie … sie. Sie hatte zwei von ihnen fast genauso schnell erledigt wie ich einen. Sie war fabelhaft. Verdammt, und ich kannte noch nicht einmal ihren Namen.

Die vier Koalitionskämpfer fielen auf die Knie und duckten sich zum Schutz. Sie konnten nichts anderes ausrichten, hatten keine Waffen. Sie waren gefesselt.

Binnen Sekunden war es vorbei. Die Aufpasser waren tot. Die Gefangenen blickten verwundert auf.

“Wo zum Teufel sind wir?” fragte ein Prillone, weil er wahrscheinlich bemerkt hatte, dass er auf einer Transportfläche der Koalition angekommen war.

“Latiri 4. Den Rest erkläre ich später. Holt den Atlanen. Wir müssen raus hier,” kommandierte sie.

Sie ignorierte mich bereits wieder und erwartete, dass ich ihrer Anweisung folgte, während ihre Finger über die Steuerung huschten. Verdammte Frau, ich wollte sie und ich wollte sie meinem Willen beugen, sie mit Leib und Seele erobern. Jetzt war aber weder der richtige Zeitpunkt noch der passende Ort, um mit ihr zu streiten. Und sie hatte recht.

Ich nahm einem der toten Viken den elektronischen Schlüssel von der Hüfte und machte den vier Gefangenen ein Zeichen. Sie kamen prompt zu mir herüber und ich schloss ihre Handfesseln auf. Der nächste, ein grimmiger Prillonischer Krieger, dem die anderen zu gehorchen schienen, winkte die drei zu dem Atlanen rüber.

“Ihr habt den Befehl gehört, schafft den Atlanen auf die Transportfläche.”

Die Frau hinter der Konsole blickte auf, als sie seine Stimme hörte. “Prax, schön dich zu sehen. Lang ist’s her.”

Der Prillonische Captain, Prax, grinste sie an. Sie grinste zurück, der Ausdruck war völlig neu und nicht für mich bestimmt. Ich blinzelte und versuchte sie nicht anzustarren. Götter, sie war ein verdammtes Prachtstück. Und wie kam es, dass dieser Prillone sie kannte und ohne zu zögern ihren Befehlen folgte? Der Prillone trug das Abzeichen eines Captains an der Uniform und ich bezweifelte nicht, dass er die Lage einzuschätzen wusste. Sie kannten sich offenbar, aber woher?

Gehörte sie zu ihm? War sie seine Partnerin? Hatte er ein Auge auf meine Frau geworfen?

Meine Frau. Der Gedanke schoss mir durch den Kopf, als ich dem unbekannten Prillonischen Captain meine zweite Waffe überreichte und dabei half, den enormen Atlanen auf die Transportfläche zu schleifen.

Wir alle arbeiteten zusammen, um ihn auf die Plattform zu hieven. Sogar fünf kräftige Krieger hatten mit der Bestie ihre Mühe. Sobald wir ihn an der richtigen Stelle hatten, überließ ich meine Waffe einem der anderen Krieger und trat an die Frau heran. Ich nahm ihre Ersatzwaffe, warf sie einem dritten Krieger hin und las ihre kleine Ionenpistole auf, die sie griffbereit auf der Steuerkonsole abgelegt hatte.

Die Krieger gingen um den bewusstlosen Atlanen in Stellung und ich stellte mich zwischen meine Frau und die offene Tür. Ich konnte die Hive kommen hören und mir war klar, dass die Männer bis zum Tod kämpfen und mehr als gerne jeden Hive erschießen würden, der sich jetzt mit uns anlegte.

“Kannst du uns hier rausbringen?” fragte ich sie. Sie hatte seit gefühlten Stunden an der Steuerung herumhantiert, ihre kleinen Hände hatten unaufhörlich schnelle, geschickte Bewegungen vollführt.

“Ja. Aber zuerst sperre ich die gesamte Basis.”

Was sagte sie da?

Ich drehte mich zu ihr um. “Wie?”

Sie blickte nicht einmal auf, sondern sprach stattdessen mit der Steuerkonsole. “Lockdown-Protokoll einleiten. Befehlscode …” Sie rasselte ein paar Worte in der Muttersprache von Prillon Prime runter und wartete. Dann ertönte ein Piepen und sie ließ erleichtert die Schultern sacken. “Sie sind nicht ins Hauptsystem eingedrungen. Meine Befehlscodes funktionieren noch.”

Was war gerade passiert? Niemand konnte eine ganze Basis abriegeln. Das war undenkbar. “Das ist unmöglich.”

“Ich habe Befehlscodes zweiter Stufe, Jäger. Niemand wird ohne meine Erlaubnis diese Basis betreten oder verlassen. Nicht mehr.” Sie warf mir einen Blick zu, als sie sich von der Steuerkonsole entfernte und auf den Prillonischen Captain zuging. Ich zog mich von der Tür zurück und rückte näher, weil ich nicht mochte, dass sie diesem Krieger so nahe kam.

Befehlscodes zweiter Stufe?

Stufe eins war für Prime Nial persönlich, dem Anführer der gesamten Koalitionsflotte, Herrscher der interstellaren Koalition. Er kontrollierte alles. Wenn sie die Wahrheit sagte, dann konnte nur der Prime persönlich die Sperrung dieser Basis außer Kraft setzen.

Schlachtschiffkommandanten, wie Kommandant Karter, verfügten nur über Codes der Stufe vier. Meine waren Stufe fünf.

Scheiße. Wer bitteschön war sie nur?

“Lasst uns gehen.” Captain Prax trat nach vorne. “Ich muss nach dem Rest meiner Männer sehen.”

Ich brachte es nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass sie höchstwahrscheinlich bereits in Zellen gesperrt und integriert worden waren. Vernichtet.

Die Frau sprang auf die Transportplattform und der Prillonische Captain stellte sich schützend zwischen sie und den Korridor, ohne aber Anstalten zu machen, ein hilfloses Weibchen verteidigen zu wollen. Dafür lag zu viel Wissen in seinen Augen. Respekt.

Wer war sie? Geheimdienst? Ich kannte keinen einzigen Kämpfer mit Befehlscodes. Es sei denn, das war alles nur ein Versehen und ein Transporttechniker hatte sie unbeabsichtigt zum falschen Ort geschickt.

Klar, nee. Sie war zu intelligent, flott und aufmerksam für eine solche Lächerlichkeit. Und falls ein solcher Zufall sie zu mir gebracht haben sollte, dann würde der Transporttechniker wahrscheinlich in einen Koalitionsknast wandern.

Ich spürte die Vibrationen, hörte das Wummern.

“Alle Mann bereit?” sprach sie und blickte zu uns rüber. Die Gefangenen waren gerade mal eine Minute hier und schon ging es für sie wieder weg. Glück gehabt.

So ein verdammtes Glück nochmal. Und der Atlane, der wie eine tote Masse zu ihren Füßen lag auch.

“Ja, verdammt,” sprach ich. Die anderen fauchten und knurrten zustimmend. Sie waren besiegt worden, aber sie waren wieder im Rennen. Wir würden verdammt nochmal von hier verschwinden.

Mein Jägergehör nahm Fußgestapfe wahr. “Sie kommen,” sprach ich.

Sie nickte, entweder weil sie mir glaubte, oder weil sie die Hive ebenfalls hören konnte. Jetzt blieb keine Zeit um das zu erörtern.

“Fünf Sekunden,” sprach sie.

Ich gesellte mich schleunigst neben sie. Dann neigte ich ihr Kinn hoch, damit sie mich anblickte. Damit sie eine von diesen fünf Sekunden mir zugestand.

“Wer bist du?” fragte ich sie. Der bevorstehende Transport ließ mir sämtliche Haare am Körper zu Berge stehen.

Drei Sekunden.

Zwei Sekunden. Die Hive stürmten in den Raum. Aus dem Augenwinkel konnte ich ihre gezückten Waffen sehen. Die anderen Krieger eröffneten das Feuer, aber ich ignorierte alles um mich herum. Ich sah nur noch sie. Die Frau, die mein Leben gerettet hatte. Das Leben von sechs Kriegern.

“Ich bin deine Partnerin.”

Eine Sekunde.

Und weg waren wir. Dabei, aus der Hölle der Hive hinauszutransportieren und zurück in Sicherheit. Mit meiner …

Partnerin.

4


Niobe, Schlachtschiff Karter, Sektor 437

Ich hatte wirklich nicht die Absicht gehabt, es ihm so unverblümt zu verklickern.

Ich bin deine Partnerin.

Nicht gerade das Genialste. Ich hatte ihm nicht einmal meinen Namen verraten.

Allerdings war ich mitten in ein Integrationszentrum der Hive hineintransportiert —ein unbekanntes Integrationszentrum, das eigentlich einer unserer Stützpunkte sein sollte—und musste umgehend um mein Leben kämpfen. Und um sein Leben. Zum Glück hatte ich meine Waffe dabei. Zum Glück waren meine Instinkte und Reflexe in der Akademie noch nicht total eingerostet. Mein Vorgesetzter beim Geheimdienst hätte sich bei der Vorstellung kaputt gelacht.

Im Großen und Ganzen hatten sich meine Schlachtschiffjahre beim ReCon-Team bezahlt gemacht. Das alte Training war mir instinktiv wieder eingefallen, als ob ich nie aufgehört hätte, geschweige denn die letzten paar Jahre hinterm Schreibtisch zugebracht oder neue Koalitionskadetten ausgebildet hätte.

Das entsetzte Gesicht des Transportoffiziers überraschte mich ganz und gar nicht, als plötzlich sieben Krieger ohne Vorwarnung oder Genehmigung auf Kommandant Karters Schiff eintrudelten. Ich hatte ein Überbrückungsprotokoll eingeleitet und uns ins nächste Schlachtschiff befördert, so weit weg von den Hive, wie es in kürzester Zeit nur machbar war.

Ich hätte uns überall hin transportieren können. In die Akademie. Nach Everis. Prillon Prime. Nichts davon ergab Sinn, wenn man bedachte, wo wir gerade gewesen waren. Was wir wussten.

Die Karter war die perfekte Wahl. Sie befand sich nicht nur im selben Sektor wie der versteckte Hive-Stützpunkt, sondern sie war auch das einzige Schlachtschiff, das nahe genug dran war, um dort einen Angriff gegen die Hive zu starten. Sie machten sich unsere Basis zunutze, um unsere Krieger zu foltern und zu töten, genau unter unserer Nase, und je eher wir uns um das Problem kümmerten, desto mehr Krieger würden wir retten können.

Die Tatsache, dass die Koalition gar nicht wusste, dass der Stützpunkt vom Feind überrannt worden war, ließ mich Rot sehen. Ich kannte Kommandant Karter, den knallharten Prillonischen Kommandanten. Ich hatte mit ihm und Kommandantin Chloe Phan auf zahlreichen Geheimmissionen zusammengearbeitet. Ich war sicher, dass Kommandant Karter schnell und konsequent handeln würde.

Ich hatte diese Geheimbasis abgeriegelt und alle verbleibenden Hive wie die Ratten in einem Fass eingeschlossen. Die Transportcodes würden jedes Ein- und Ausgehen verhindern, es sei denn ich würde selber den Transport autorisieren—oder Prime Nial persönlich würde meine Befehlscodes überschreiben. Nein. Nichts und niemand würde in diese Basis rein oder wieder herauskommen, solange wir nicht genügend Krieger versammelt hatten, um dorthin zu gehen und aufzuräumen. Um unsere Leute zu retten und diesen Schlamassel zu beseitigen.

Quinn wusste nicht, wie viele noch da unten waren, lebendig und mit den Hive gefangen. Wie sollte er auch genaue Zahlen nennen, immerhin hatte er hinter einer Energiebarriere in der Zelle gesessen und die Hive waren ein Haufen gewissenloser Arschlöcher. Wir mussten zurückgehen. Ich würde nicht riskieren, dass noch einziger Krieger in diesem Höllenloch landete. Er genauso wenig, wenn man bedachte, was die Hive ihm wohl alles angetan hatten. Wer wusste schon, was für Integrationen er hatte oder welche Qualen er überlebt hatte.

Der Krieger hinter der Steuerkonsole blickte mit offenem Mund zu uns auf, ehe er sich wieder fassen konnte. Das Vibrieren ließ nach, meine Haare hörten auf zu knistern. “Wer sind Sie?” fragte er verwundert. Er war definitiv verwirrt. “Sie sind nicht auf meiner Transportliste.” Er blickte zum Prillonischen Captain hinter mir, einem Kadetten, den ich vor mehreren Jahren ausgebildet hatte. Ein feiner Krieger und ein ehrenhafter Mann. “Captain Prax? Sind sie das? Sie wurden auf Latiri 4 vermisst gemeldet. Wie sind Sie hier gelandet?”

Prax knurrte, als der Atlane zu unseren Füßen anfing sich zu regen, seine Ionenpistole war auf den Krieger gerichtet, der jetzt zwar wieder seine normale Gestalt angenommen hatte, aber immer noch gut dreihundert Pfund schwer und weit über zwei Meter groß war. Die Bestie hatte sich zurückgezogen. Wir wussten nicht, wie umfangreich seine Integrationen waren. Verdammt, wir wussten nicht einmal, ob er überhaupt noch zu retten war.

Ich stieg vom Block und die Stufen der Plattform herunter. “Ich bin Vizeadmiral Niobe. Ich muss sofort mit Kommandant Karter und Kommandant Phan sprechen.”

Der Mann machte sich zügig daran, meine Identität zu überprüfen, wie das Protokoll es vorsah. Ich wartete voller Ungeduld, mein Stiefel tippelte auf dem Boden des Transportraumes herum, als der Bildschirm hinter ihm dieselben Daten wie sein Steuerpanel anzeigte. Ein Bild von meinem Gesicht erschien, zusammen mit meiner Laufbahn und rechts oben einem großen Emblem, das bestätigte, dass ich eine Vizeadmiralin war—nicht, dass er meinen Rang beim Blick auf meine Uniform hätte übersehen können—sowie mein Status als Geheimdienstmitarbeiterin. Der Mann schaute zu mir, dann einmal nach unten und dann wieder zu mir. “Jawohl, Vizeadmiral. Ich werde die Kommandanten über Ihre Ankunft in Kenntnis setzen.”

“Gut.” Ich nickte und versuchte dabei, den Jäger hinter mir zu ignorieren, meinen Partner, der mir bereits auf die Pelle rückte. Er war zu nahe, wie ein Alphatyp. Ein überaus eifersüchtiger noch dazu. Ich ging ein paar Schritte zur Seite, denn ich musste die Kontrolle behalten. Ich atmete seinen Duft ein und spürte die Hitze, die von seinem Körper ausstrahlte, ich bemerkte seinen Blick … es war pure Ablenkung. Meine Nippel stellten sich auf.

“Alarmieren Sie die Krankenstation.” Ich deutete auf die Plattform. “Ich habe hier einen integrierten Atlanen und vier Krieger, die aus einem Integrationszentrum der Hive gerettet wurden. Sie waren Neuankömmlinge dort und haben meines Wissens nach keine neueren Integrationen, aber sie müssen gründlich untersucht werden, nur für den Fall.”

Der Techniker nickte. “Jawohl, Vizeadmiral.”

Er erhob sich und starrte uns alle noch ein paar Sekunden lang an, er betrachtete die angeschlagenen Krieger, den Everianischen Jäger, den bewusstlosen Atlanen voller Hive-Technik und mich.

Ich zog die Augenbrauen hoch. Für solcherlei Schwachsinn hatte ich jetzt keine Zeit. “Sofort.”

Er sprang wie von der Tarantel gestochen auf und wenige Sekunden später kam ein Rettungsteam in Grün in den Transportraum geeilt. Dem Atlanen wurde, so vermutete ich, ein starkes Beruhigungsmittel injiziert und der Rest wurde nach draußen auf die Krankenstation geführt. Captain Prax nickte mir zu, entweder zum Dank oder zum Abschied oder bis zur nächsten Gelegenheit. Ich war einfach nur froh, dass er sicher war. Wohlauf.

Ich hob die Hand und machte dem Arzt ein Zeichen, dass er warten sollte. Er nickte zaghaft und wartete auf meinen Befehl. Es gab da noch einen ziemlich sturen Everianer, der versorgt werden musste. Mir war außerdem klar, dass er es nicht erlauben würde, jedenfalls nicht, solange er nicht mit mir geredet hatte. Ihm kurz vorm Transport aus einer Folterbasis zu stecken, dass ich seine Partnerin war? Hallöchen, normalerweise lief es wohl nicht so.

Ich machte auf dem Hacken kehrt. Ich wusste, dass Quinn nicht mit den anderen gegangen war. Ich spürte seinen Blick im Nacken, seine Augen waren regelrecht dabei mich zu verschlingen. Eindringlich. Sinnlich. Voller Verlangen.

“Wie lange warst du gefangen?” sprach ich. Ich wollte es nicht hören, und gleichzeitig doch. Mein Herz, das bis vor kurzem nicht einmal gewusst hatte, dass es ihn gab, schmerzte jetzt für ihn. Während ich mit Kira und Angh und den anderen in der Kolonie gewesen war, war er gefoltert worden.

“Ich weiß es nicht mehr genau. Eine Woche. Vielleicht länger.”

Ich konnte es mir nur ausmalen. Die Basis war unterirdisch. Ohne Fenster. Ohne Licht. Ohne eine Möglichkeit sich irgendwie zu orientieren. Er trat näher, hob eine Hand an mein Gesicht und strich mit den Fingerspitzen über meine Wange. Für einen Jäger, und ich wusste, dass er zur Elite gehörte, war seine Berührung überaus sanft.

“Stimmt es, was du gesagt hast? Du gehörst mir?” sprach er leise.

“Ja.” Es gab keinen Anlass unser Match zu leugnen. “Und du gehörst mir.” Ich wollte es von Anfang an klarstellen, denn ich war kein zart besaitetes, unterwürfiges Frauchen. Ich würde genauso viel einfordern, wie ich zu geben bereit war. Vielleicht sogar mehr.

“Bei den Göttern.” Er lehnte sich an mich und schmiegte sich an meinen Hals, während ich gleichzeitig dem Arzt ein Zeichen machte. “Wie heißt du?”

“Niobe.”

Er sprach meinen Namen nach, atmete mich ein. Seine Hände wanderten auf meine Hüften und ich geriet ins Schwanken, ein paar Sekunden lang wurde ich vom Adrenalin und der Wucht seiner Nähe überwältigt. Aber dann besann ich mich wieder. Er war gefoltert worden. Integriert. Er war verletzt. Abgemagert. Die Ringe unter seinen Augen zeugten von vielen schlaflosen Nächten. Die Furchen um seinen Mund spiegelten Schmerz wider. Und ich konnte mir nur vorstellen, was für mentale Qualen er durchgemacht haben musste. “Du musst auf die Krankenstation, Quinn.”

“Mir geht’s gut. Ich komme schon wieder in Ordnung. Ich brauche keinen Doktor, ich brauche dich.”

Ich musste lachen und selbst ich war überrascht. Mein Partner war ganz schön forsch. “Ich habe befürchtet, dass du das sagen würdest.”

Das ließ ihn aufhorchen und er hob den Blick, um mir in die Augen zu starren. “Niobe.”

“Quinn.”

“Ich möchte dich küssen.”

Gott, ja. Küss mich. Ich nickte dem Doktor hinter ihm zu. “Na schön. Danach gehst du auf die Krankenstation.”

“Danach werde ich dich erobern,” brummte er.

Bevor ich darauf antworten konnte, pressten seine Lippen auch schon auf meine und raubten mir den Atem, sie brachten mich um den Verstand. Seine Berührung ließ meinen Körper heiß auflodern und ich musste mich mit ganzer Kraft zusammenreißen, um meine Hand von seinem Rücken zu heben und dem Doktor ein Zeichen zu machen, dass er näherkommen und ihm eine Spritze verpassen sollte, um ihn außer Gefecht zu setzen.

Ich merkte, als es so weit war, denn Quinn sackte gegen mich zusammen, unsere Lippen berührten sich immer noch. Als seine Knie nachgaben, öffnete er die Augen und blickte mich an. Seine Hand lag auf der Injektionsstelle an seinem Hals. “Dafür werde ich dir den Arsch versohlen.”

Ich lachte. Gott mochte mir beistehen, er war charmant. Und das war verdammt heiß. Niemand hatte mir je den Arsch versohlt—weder als Kind zu Bestrafung, noch als Erwachsene im Bett. Nie. Die Vorstellung aber, wie Quinn Hand anlegen würde? Mein Höschen war augenblicklich hinüber.

Zuerst aber musste er gründlich untersucht werden und eine Weile im ReGen-Tank chillen. Er musste gesund werden und wenn er auch nur ansatzweise jedem anderen Mann im Universum ähnelte, der gerade seine Partnerin getroffen hatte, würde er sich nicht von seinen Verletzungen daran hindern lassen. Er gehörte mir und ich würde mich um ihn kümmern, ob er das nun wollte oder nicht. Ob er mir dafür nun den Arsch versohlen würde oder nicht.

Ich lächelte, als der Doktor ihn von hinten auffing und der Transportoffizier zur Hilfe eilte, um meinen Partner zur Krankenstation zu befördern. Er grinste mich an, sediert, aber immer noch bei Bewusstsein und sein Körper schien schneller nachzugeben als sein Verstand. Er starrte mich an und diese Bernsteinaugen gaben ein düsteres Versprechen preis.

Ich konnte nicht anders und musste ihn noch einmal necken.

“Leere Versprechungen, Liebster.”

Er lächelte immer noch, als sie ihn fort trugen. Ich grinste wie eine Idiotin und spielte die ganze Szene noch einmal in meinem Kopf nach, als Kommandant Karter den Raum betrat.

“Vizeadmiral.” Seine Stimme donnerte. “Was zum Teufel ist hier los? Und wie sind Sie auf mein Schiff gekommen?”


Zwei Stunden später

Quinn – Krankenstation

Noch ehe ich die Augen öffnete, wusste ich, wo ich war. Der allzu vertraute Geruch des ReGen-Tanks rief mir dutzende unangenehmene Erinnerungen ins Gedächtnis. Dennoch, es war besser als das unterirdische Gefängnis, in dem ich festgesessen hatte. Ich war nackt, aber der Gestank des Nexus und seiner Schikanen war weg. Bestimmt hatte der Doktor auf der Suche nach Hive-Technologie jedes einzelne Molekül in meinem Körper auf den Kopf gestellt und versucht herauszufinden, ob ich für die Crew eine Gefahr darstellte.

Ich fühlte mich anders. Das Gesumme in meinem Schädel war zwar verstummt, mein Körper aber war hochsensibel und jeder Druckpunkt auf der Unterlage war meinen Sinnen akut bewusst. Ich konnte den Duft der Reinigungslösung riechen, mit der sie die Koalitionsschiffe putzten. Den weibliche Charme meiner Partnerin, die irgendwo in der Nähe war.

Es war bei Weitem nicht das erste Mal, dass ich in einem ReGen-Tank aufwachte, aber diesmal war es anders. Dieses Mal war sie hier. Ich konnte sie spüren, konnte ihr Herz schlagen hören. Ihre Stimme, als sie sich auf der anderen Seite des Tanks angeregt mit Kommandant Karter unterhielt.

Sie war nicht von meiner Seite gewichen und diese Tatsache ließ mein Herz höher schlagen. Meine Partnerin war keine gewöhnliche Frau. Sie war eine Vizeadmiralin der Koalitionsflotte und mir vom Rang her weit überlegen. Ihrer Gestik und ihrer Sprache nach zu urteilen, vermutete ich, dass sie ein Mensch war … und dennoch fühlte sich das nicht ganz treffend an.

Ihr Duft erinnerte mich an Zuhause, an Everis, und ich fragte mich, ob sie nicht doch von meiner Welt stammte. Vielleicht hatte sie lange auf der Erde gelebt und sich deren Bräuche und Sprache angeeignet. Everianische Jäger waren echte Chamäleons und verstanden es, verschiedenste Dialekte und Manieren nachzuahmen, jene Vielzahl an unbeschreiblichen Wesensmerkmalen, die einen anders machten.

Wenn sie eine Everianerin und kein Mensch war, dann fragte ich mich, welcher Elitejäger sie gezeugt hatte. War ihr Vater auf meiner Heimatwelt eine Legende oder war er unbekannt?

Nicht doch, dass ihre Herkunft von Bedeutung war. Solange sie mit mir zusammen war, kümmerte mich ihre Vergangenheit herzlich wenig. Aber ich war nun mal ein Raubtier mit einer unersättlichen Neugierde, einer Neugierde, die sie mehr befeuert hatte, als irgendjemand oder irgendetwas zuvor. Ich wollte alles über sie wissen. Jede. Kleinste. Einzelheit. Von ihrer Geburt bis zu diesem Augenblick.

Sie gehörte mir.

Der transparente Deckel hob sich automatisch und meine Partnerin und Kommandant Karter kamen zu mir herüber. Ich setzte mich auf und rieb meine Hand über mein Gesicht.

“Wie geht es Ihnen?” wollte der Kommandant wissen.

Der Blick meiner Partnerin wanderte über meinen Körper. Jeden nackten Zentimeter davon. Und natürlich bekam ich davon einen Steifen.

“Bringt dem Mann ein Laken,” brüllte der Kommandant und fuchtelte dabei wild mit dem Arm herum. Wie er sehen konnte, war mein Penis noch intakt und wahrscheinlich hatte er keine Lust mit mir zu plaudern, während mein Schwanz ihn begrüßte.

Ich konnte einfach nicht anders. Meine Partnerin stand vor mir. Herrenlos.

Der Doktor kam herbei und reichte mir ein weißes Laken und ich legte es mir über den Schoß.

“Alles bestens, wie Sie sehen konnten.” Ich wandte mich an den Doktor. “Wie sieht es mit den Integrationen aus?”

Er blickte auf das Tablet in seiner Hand. “Die Daten zeigen eine Vielzahl mikroskopisch kleiner Integrationen. Bis dato ist uns nur ein weiterer Krieger mit dieser Art von Integrationen bekannt, ein Prillone in der Kolonie. Sein Name ist Tyran. Ich habe mir seine Akte angesehen und diese Art Implantat scheint, solange keine vollständige Sättigung erreicht ist, das Bewusstsein nicht zu beeinträchtigen. Ihre Zellsättigung liegt bei fünfundachtzig Prozent.”

Scheiße. Eine oder zwei Injektionen mehr von diesem blauen Mistkerl und er hätte mich geknackt.

Der Doktor sprach weiter: “Die Integrationen werden Ihre Muskeln sehr viel stärker und widerstandsfähiger machen als zuvor. Ihre Knochen ebenfalls. Der Prillone, Tyran, ist meines Wissens getestet worden und er ist stärker als die integrierten Atlanen. Solange Sie keinen zusätzlichen Integrationen ausgesetzt werden, geht es Ihnen gut. Sie sind stärker. Schneller. Aber in Ordnung. Was Ihren allgemeinen Gesundheitszustand anbelangt, so waren Sie dehydriert, unterernährt und haben unter Schlafentzug gelitten, aber das alles hat der ReGen-Tank bereits wieder ausgeglichen.”

“Danke.” Er sprach die Wahrheit. Ich strotzte nur so vor Vitalität. Leben.

Verlangen.

Ich blickte zu meiner Partnerin. Sie sah genauso aus wie zuvor. Aber wir waren nicht länger dabei gegen die Hive und um unser Leben zu kämpfen. Wir waren auf dem Schlachtschiff, in Sicherheit. Ich war wieder gesund. Nur der Kommandant stand noch im Weg, ehe ich sie erobern konnte.

Das und eine verdammte Dusche.

“Ich brauche eine Dusche. Kommandant, wenn Sie mich entschuldigen würden …”

“Noch nicht. Seit wie vielen Tagen haben die Hive unseren Stützpunkt übernommen?” Der Kommandant blickte finster, unnachgiebig. Ich wusste, wie blanker Zorn aussah und der Kommandant kochte nur so vor Wut, jeder seiner Muskeln war gespannt und zitterte leicht, als er sich gerade noch so davon abhalten konnte, auszuholen.

“Seit mindestens einer Woche. Ich habe acht Tage gezählt, womöglich länger, womöglich weniger. Ich hatte weder eine Uhr, noch Tageslicht. Ich habe ihre Schichtwechsel beobachtet und so die Zeit abgeschätzt.”

Er begann auf und ab zu marschieren, sodass er mir alle paar Schritte die Sicht auf Niobe nahm, aber sie war sowieso nicht länger auf mich fokussiert. Ihr Stirnrunzeln war fast genauso drastisch wie das des Kommandanten: “Kommandant, wie kann es sein, dass die Hive vor über einer Woche eine Koalitionsbasis erobert haben, ohne dass Sie irgendetwas von dem Angriff mitbekommen haben?”

Er knurrte und wirbelte zu ihr herum, sein Ton aber blieb respektvoll, auch wenn seine Stimme voller Wut war: “Vizeadmiral, wir haben in den vorgesehenen Intervallen Lageberichte von der Basis erhalten. Sie hatten die korrekten Passwörter und haben uns erwartungsgemäße Informationen übermittelt. Wir hatten keine Möglichkeit, es zu wissen. Die Hive haben unsere Abläufe perfekt imitiert.”

Ihr Blick driftete zurück zu mir und die Hitze kehrte sofort zurück; als ob sie durch die Umstände gedämpft worden war. “Soll ich daraus schlussfolgern, dass das auch auf anderen Koalitionsstützpunkten der Fall sein könnte und wir keinen Hinweis darauf hätten, dass etwas nicht stimmt?”

Er trat zurück. Nickte. “Ja.”

Meine wunderschöne Partnerin fluchte und ging Richtung Tür, um sich eine Illusion von Privatsphäre zu schaffen. “Das muss ich melden. Die Nexus-Einheit muss dafür verantwortlich sein.”

Kommandant Karter erstarrte. “Was haben Sie da eben gesagt?” Er wandte sich zu mir um. “In dieser Basis ist ein Nexus gefangen?”

“Ja.” Als ich die Nachricht bestätigte, wandelte sich Kommandant Karters Anspannung in kühle Berechnung: “Gehen Sie sich duschen, Quinn. Verbringen Sie etwas Zeit mit ihrer Partnerin. Sie haben zwei Stunden, keine Minute länger. Haben Sie mich verstanden? Sollten Sie sich eine Minute auf dem Kommandodeck für das Briefing verspäten, werde ich persönlich Ihre Tür einrammen, Vizeadmiral hin oder her.”

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