Kitabı oku: «Kampf um ihre Partnerin»
Kampf um ihre Partnerin
Interstellare Bräute® Programm: Buch 12
Grace Goodwin

Inhalt
Willkommensgeschenk!
Interstellare Bräute® Programm
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Epilog
Willkommensgeschenk!
Interstellare Bräute® Programm
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Über Die Autorin
Kampf um ihre Partnerin Copyright © 2019 durch Grace Goodwin
Interstellar Brides® ist ein eingetragenes Markenzeichen
von KSA Publishing Consultants Inc.
Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch darf ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis des Autors weder ganz noch teilweise in jedweder Form und durch jedwede Mittel elektronisch, digital oder mechanisch reproduziert oder übermittelt werden, einschließlich durch Fotokopie, Aufzeichnung, Scannen oder über jegliche Form von Datenspeicherungs- und -abrufsystem.
Coverdesign: Copyright 2020 durch Grace Goodwin, Autor
Bildnachweis: Deposit Photos: sdecoret, ALotOfPeople
Anmerkung des Verlags:
Dieses Buch ist für volljährige Leser geschrieben. Das Buch kann eindeutige sexuelle Inhalte enthalten. In diesem Buch vorkommende sexuelle Aktivitäten sind reine Fantasien, geschrieben für erwachsene Leser, und die Aktivitäten oder Risiken, an denen die fiktiven Figuren im Rahmen der Geschichte teilnehmen, werden vom Autor und vom Verlag weder unterstützt noch ermutigt.
Willkommensgeschenk!
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Interstellare Bräute® Programm
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1

Captain Seth Mills, ReCon-Einheit 3, Sektor 437, kontaminierter Frachter
Rauch vernebelte die Sicht, mein Team schwärmte trotzdem in die engen Gänge des Frachters aus und legte Sprengsätze. Das Raumschiff war seit mindestens achtzehn Stunden unter Kontrolle der Hive. Zu lange nach Koalitionsstandards, was bedeutete, dass ich meine Leute einschleusen, die im Maschinenraum eingeschlossenen Prillonen befreien und anschließend dieses verfickte Schiff in die Luft jagen musste, damit die Hive es nicht wieder zusammenflicken konnten.
“Die Sache ist im Arsch, Sir.” Der Mann neben mir, Jack Watts, war ein früherer SEAL aus Atlanta und sprach mit einem typischen Südstaatenakzent. Außer der Tatsache, dass wir beide von der Erde kamen, hatten wir nichts gemeinsam. Ich war bei der Armee, eins-fünfundneunzig und neunundneunzig Kilo schwer und duldete keinerlei Bullshit. Was einer der Gründe war, warum Kommandant Karter mir diese Einheit anvertraut hatte. Jack auf der anderen Seite war in der Navy, fünf Jahre jünger und wenn wir auf Mission waren, versprühten seine Augen noch immer eine aufgeregte Unruhe.
Allerdings hatte er auch nicht zwei Brüder an diese Scheiß-Hive verloren.
“Halt’s Maul, Watts, und mach die Sprengsätze klar,” fauchte ich. “Du kennst die Vorschriften.”
Er brachte eine Ladung an der Wand neben uns an und aktivierte den Zünder. “Ich weiß, aber diese ganzen Schiffe zu sprengen, nur weil die Hive sie für ein paar Stunden besetzt haben, kommt mir wie eine Riesenverschwendung vor. Das verfluchte Schiff gehört uns.”
“Nicht mehr länger.” Die ReCon-Einheiten hatten drei Stunden Zeit. Drei Stunden, um die Hive an Bord zu eliminieren, oder das Schiff würde als kontaminiert eingestuft werden. Zu gefährlich, um wieder bei der Koalitionsflotte in Betrieb zu gehen. Wir rückten weiter den vernebelten Gang entlang, zwei Männer schlichen als Späher voraus und der Rest folgte, wir prüften unsere Bomben und hielten uns gegenseitig im Auge. Sechs Mann.
“Ihr Menschen haltet die Klappe und schwingt eure Ärsche hier runter. Wir stecken in Schwierigkeiten.” Die vertraute Stimme eines Prillonischen Kriegers tönte durch das Kommunikationsgerät in unseren Helmen. Lautes Geschrei, Ionenfeuer und Rufe nach sichert-die-Tür waren zu hören.
Ich lief schneller. “Dorian. Hier Mills. Was ist bei euch los?”
“Die Hive haben die Tür gesprengt. Wir halten die Stellung, aber die Hälfte von uns haben sie schon erwischt. Wir werden nicht lange durchhalten.”
“Wie viele?” Ich begann zu rennen und mein Team heftete sich an meine Fersen; wir alle konnten die Brenzligkeit der Situation an der Stimme des Piloten heraushören. Dorian Kanakor war ein großer, goldfarbener Hurensohn und einer der besten Piloten unseres Sektors. Sein Cousin und sein Bruder dienten früher ebenfalls in der Kampfgruppe Karter und wenn das Trio irgendwo auftauchte, erinnerten sie mich an riesige Löwen. Goldenes Haar, goldene Haut, gelbe Augen und der älteste, Dorians Bruder Xanthe, mit ewig finsterer Miene.
“Zwölf. Wahrscheinlich mehr. Doppelt so viele sind hineintransportiert, aber wir haben mindestens sechs ausgeschaltet und der Rest ist aufs Kommandodeck verschwunden.” Wo sie den Kurs des Schiffes ändern und ihre kontaminierten Programme ins System unseres Frachters hochladen konnten.
“Scheiße.” Das kam von Jack, und ich wollte ihn nicht rügen, denn ich dachte genauso.
“Soldaten oder Aufklärer?” hakte ich nach.
“Soldaten und …” Die lange Pause macht mich nervös und ich blinzelte den beißenden Schweiß aus meinen Augen.
“Und?”
“Sie haben einen Atlanen. Oder was von ihm übrig ist.”
Das konnte nicht wahr sein. Mein gesamtes Team erstarrte für ein, zwei Sekunden. Wenn das stimmte, waren wir erledigt. “Ist er zur Bestie geworden?”
“Noch nicht.”
“Alles Roger.” Ich wusste nicht, ob mein irdischer Slang verständlich war oder nicht und wandte mich meinem Team zu. “Zeitzünder auf zehn Minuten.”
Keine Einwände. Entweder würden wir uns zur Prillonischen Crew durchschlagen oder eben nicht. Wie dem auch sei; eine in die Falle gegangene Atlanische Bestie, die zum Hive umprogrammiert worden war? Sie musste sterben. Dieses Schiff und alle Kreaturen an Bord mussten zerstört werden.
Ich blickte jedem Mann und der einen Frau in meinem Team kurz in die Augen. Ich checkte jeden einzeln und wartete auf ihr Kopfnicken. Als ich meinen eigenen Zünder betätigte—die Fernsteuerung, die die übrigen Sprengsätze aktivierte—, fing die Uhr an zu ticken.
Mit geschlossenen Augen atmete ich tief durch, dann öffnete ich die Augen und wählte den korrekten Befehl auf dem Display in meinem Helmvisier aus. Ein leichtes Tippen auf mein Handgelenk aktivierte den Zünder und in einer Ecke unserer Displays tauchten rote Zahlen auf. Der Countdown.
“Checkt eure Waffen. Maximale Feuerkraft. Mir ist egal, ob wir ein Loch in dieses verfluchte Schiff ballern. Die Hive werden nicht entwischen.” Ich stürmte auf den Feind zu und fütterte meiner Einheit den Plan während wir voraneilten. “Ich gehe links rein, mit Jack. Zwei Männer rechts. Ich werfe die DPG, dann eröffnen wir das Feuer und gehen zurück. Der Rest wartet, bis wir sie zur ersten Abzweigung im Gang gelockt haben. Wir ködern sie weg von der Crew und dann knallen wir sie im Seitengang ab.”
Jack machte ein grimmiges Gesicht. “Und wenn er zur Bestie wird?”
Er kannte die Antwort auf seine Frage, aber unsere ganze Einheit musste sie hören. “Wir beschäftigen den assimilierten Atlanen so lange, bis die Sprengsätze hochgehen. Egal was passiert, keiner darf entkommen. Ist das klar?” Die experimentelle DPG, der Prototyp einer disruptiven Granate, war so neu, dass wir die ersten Anwender waren. Der Geheimdienst hatte sich eine neuartige Hive-Technologie unter den Nagel gerissen, eine Technik, die meine Freundin Meghan während der Schlacht auf Latiri 4 aus dem Schädel eines blauen Ungetüms entfernt hatte. Ich kannte keine Einzelheiten und sie konnte mir auch nicht mehr darüber verraten, aber um meine Soldaten lebend von diesem Schiff herunterzubekommen würde ich alles versuchen.
“Klar.” Die verrauchte Stimme gehörte Trinity, der einzigen Frau in meinem Team, einer tüchtigen und ebenso trinkfesten Britin aus der Nähe von London. Seit zwei Monaten war sie bei mir und ich wusste nichts über ihren Hintergrund. Ich bemühte mich nicht mehr, ihre Lebensgeschichten zu lernen. Dermaßen viele Soldaten hatte ich schon an die verfluchten Hive verloren, dass ihr Tod umso mehr schmerzte, wenn wir uns nahestanden. Alle paar Monate verlor ich etwa ein Drittel meines Teams.
Die Chancen, wieder nach Hause zurückzukehren waren gleich null, und wir alle wussten das. Wie ich so lange überlebt hatte, blieb ein Rätsel. Die anderen ReCon-Einheiten hatten mir den Spitznamen “Seven” verpasst, sieben Leben, wie bei einer Katze. Aber in Wahrheit hatte ich einfach nur Glück gehabt. Als die Hive mich gekidnappt hatten, hatten meine Schwester Sarah und ihre Bestie von einem Mann mich aus der Hölle befreit. Danach war ich vorsichtiger geworden, plante alles peinlich genau. Aber nichts, was ich tat, rettete alle. Jedermann hielt mich für eine Art Glücksbringer. Jeder wollte bei der ReCon 3 dabei sein.
“Zu spät, Mills.” Dorians Stimme klang unglimpflich und durch den Gang hindurch ertönte ein lautes Brüllen, dessen Vibration wie ein Donnerschlag in meiner Brust widerhallte.
“Heilige Scheiße.” Das war Trinity und sie sprach für uns alle. Der Atlane war zur Bestie geworden. Eine aufgemotzte, Hive-gesteuerte Cyborg-Bestie.
“Immer mit der Ruhe, Leute. Ionenfeuer wird ihn niederstrecken. Wir werden sie alle ausschalten.”
“Nicht, ohne dabei draufzugehen,” bemerkte Trinity.
“Wir werden sowieso alle draufgehen, Trin. Also halt die Fresse und mach dich an die Arbeit.” Das war Jack, mein zweiter Kommandant, und sein gnadenloser Befehl war begründet. “Es sei denn du willst, dass die Bestie bis zur Karter gelangt und das ganze Universum mit in den Abgrund reißt.”
Die Kampfgruppe Karter war ein Verbund aus Militär- und Zivilschiffen, die diesen Sektor des Weltalls vor dem Vorrücken der Hive verteidigten. Über fünftausend Krieger sowie zivile Mitarbeiter, Partner und Kinder lebten unter Kommandant Karters Schutz. Und wir dienten Karter. “Diese Mistkerle werden nicht einmal in die Nähe der Karter kommen.” Damit war genau genommen das Hauptschlachtschiff auf dem wir stationiert waren gemeint, aber der Spitzname bezog sich auf die gesamte Armada. Meine Worte waren ein wütendes Fauchen, konnten die Anderen aber gerade noch beruhigen.
Wieder ertönte ein Brüllen.
Die letzte Kurve. Dreißig Schritte. Vielleicht weniger.
Ich machte meinem Team ein Zeichen, damit sie warteten und rannte mit Jack und zwei weiteren Männern nach vorne. In der linken Hand hielt ich die DPG, mein Gewehr in der rechten.
“Deckung!” rief ich, dann ging ich aufs Knie und schleuderte die DPG nach vorne. “Feuert auf das Loch!”
Die Prillonischen Krieger waren nahe und ich konnte hören, wie sie sich zuriefen und in Deckung gingen. Die Hive … keine Ahnung, was die Hive taten, denn meine Männer und ich kauerten mit zugehaltenen Ohren vor der letzten Biegung. Wir warteten auf eine Explosion, die nie kam.
“Ein-ein-tausend. Zwei-ein-tausend. Drei-ein-tausend.” Jack zählte laut, während wir warteten.
Nichts.
“Nun, dem Geheimdienst können wir wohl offiziell sagen, dass das Ding ein Blindgänger war,” Trinitys knapper, britischer Akzent war das Sahnehäubchen.
Mit gezücktem Gewehr schwang ich herum, um nachzusehen. Die Hive krümmten sich lautlos schreiend, Hände auf den Ohren. Zwei mussten kotzen, einige strauchelten und stolperten ineinander. Sie waren orientierungslos und durcheinander, verwirrt. Die DPG wirkte … bei den Hive.
Nur bei der Bestie wirkte sie nicht. Sie stand weiterhin aufrecht, die Fäuste in die Hüften gestemmt und blickte mir direkt ins Auge. Zitternd. Sie zitterte, reagierte aber nicht wie die übrigen Hive. Ich konnte nicht erklären, wie die DPG arbeitete und ich wollte es jetzt auch nicht herausfinden. Offensichtlich aber funktionierte die Technik bei den vollständig Assimilierten und die Reaktion der Bestie war ein Beweis, dass noch ein bisschen Atlane in ihr steckte.
Jack blickte sich um und rief die anderen. “Knallt sie ab. Sofort. Tötet sie. Eröffnet das Feuer.”
Die restliche Einheit kam den Korridor entlang gestürmt und es war, als würden wir ein paar Fische in einer Tonne abknallen. Die Bestie erwischte es an der Schulter. Am Bein. An der Hüfte. Die restlichen Hive-Soldaten, überwiegend Prillonische Krieger, die von ihren Integrationseinheiten zu Hive-Marionetten gemacht worden waren, gingen mühelos nieder. Nicht aber die Bestie. Einen Atlanen im Bestienmodus zu töten war schon schwer genug, nie aber hatte ich einen gesehen, der so viele Treffer einkassiert hatte und trotzdem auf beiden Beinen stand. Zum Teufel, er wirkte, als würden wir mit Paintballkugeln auf ihn schießen.
Ich wollte die Bestie zwar ungern töten, ohne Zweifel aber würde sie in einem lichten Moment sowieso lieber sterben, als in diesem Zustand weiterzuleben. Ich war selbst von den Hive gefangen worden, hatte vor der Aussicht gestanden, ebenfalls in eine hirnlose Drohne verwandelt zu werden. Diese Realität war mehr als grauenhaft. Ich hatte lange genug an der Seite anderer Alienrassen gekämpft, um zu wissen, dass deren Krieger genauso dachten.
Selbst der Partner meiner Schwester, der Atlanische Kriegsfürst Dax, hatte es mehrere Male erwähnt. Niemand wollte mit Hive-Technologie überzogen enden, nicht mehr Herr seiner eigenen Sinne sein.
Dieses Schicksal war schlimmer als der Tod. Und dieser arme Atlane? Der Tod würde zu seinem Besten sein.
“Macht sie nieder. Trinity, bleib bei mir. Nimm die Bestie unter Beschuss. Wir müssen sie ausschalten.”
Die Hive-Soldaten fielen einer nach dem anderen. Nach drei oder vier Schüssen waren sie erledigt, aber sie waren weiter wie erstarrt, paralysiert durch unsere neuartige Waffe, die zu ihren Füßen einen hohen, heulenden Ton verströmte, wie das Surren einer Hochspannungsleitung. Mein Team und die Prillonen im Maschinenraum feuerten ohne Unterlass. Einige dieser Soldaten waren einst Prillonische Krieger oder Trionen oder Menschen. Zum Teufel, ich hatte null Ahnung, wo sie herkamen. Einige sahen so merkwürdig aus, ich musste annehmen, dass sie quer durch die Galaxie gereist waren und von Welten kamen, von denen ich nie gehört hatte.
Uns allen war klar, dass es besser war zu sterben, als in die Fänge der Hive zu geraten. Nicht nur war es ein höllisches Dasein, nein, wir würden auch noch zu Tötungsmaschinen umfunktioniert werden. Wir würden Koalitionskämpfer töten, Männer, an deren Seite wir gekämpft hatten, bis die Hive uns umgepolt hatten.
Und eine wütende Bestie konnte ganze Schiffe zerstören. Aus gutem Grunde gab es auf ihrem Heimatplaneten spezielle Sicherheitszellen. Unverpartnerte Bestien wurden hingerichtet, sobald sie ein gewisses Alter erreichten. Sie waren wie ein Ein-Mann-Abräumkommando.
Ich schoss auf die Bestie, traf sie genau in der Brust. Ein Gnadenschuss mitten ins Herz. Das Monster schwankte kaum.
“Mein Gott, was haben die mit ihm gemacht?” Jack gesellte sich an meine Linke, Trinity an meine Rechte und gemeinsam zielten wir auf die Bestie, und zwar genau, als sie ihre riesigen Hände anhob und ihren Helm abnahm. Ihr Gesicht war fast gänzlich mit Silber bedeckt, an einigen Stellen aber war der Mann darunter noch zu erkennen. Dunkle Augen. Kein Silber.
Ich hob meine Waffe zu einem Kopfschuss an und er blickte mir in die Augen. Zurechnungsfähig. Herr seiner Sinne. Verzweifelt. Die Hände an die Flanken gestützt ließ er den Helm zu Boden fallen und wartete darauf, dass ich ihn tötete. Was zum Teufel?
Ich zögerte.
“Töte mich, Mills.” Die tiefe Stimme dröhnte nur so, war aber nicht bedrohlich. Es war eine Bitte. Und woher zum Teufel kannte dieser Atlane meinen Namen?
“Tu es. Ich bin Kriegsfürst Anghar. Töte mich.”
“Scheiße. Angh?” Ich erstarrte. Das hier war der Kumpel von Kriegsfürst Nyko. Sein bester Freund und Kommandant. Ich hatte zwei Jahre lang mit ihm gedient und nicht mitbekommen, dass die Hive ihn geschnappt hatten. Verflucht. “Scheiß drauf. Feuer einstellen.”
Ich blickte kurz zu Trinity, dann zu Jack und der unsagbare Schmerz in Trinitys Augen war ein Schock. Jack jedoch schaute mich an, als ob ich von allen guten Geistern verlassen war.
“Sobald das Signal ausgeht, wird nichts mehr von ihm übrig sein. Das ist dir doch klar.” Jack verzog das Gesicht zu einer Grimasse und zielte weiter auf den Atlanen. Schussbereit.
“Ich weiß. Aber er steckt noch da drinnen.”
“Du darfst ihn nicht erschießen, Jack. Wage es nicht.” Trinity senkte leicht den Lauf ihrer Waffe und feuerte auf die übrigen Hive-Soldaten, die hinter der Bestie herumstanden. Fast alle hatten wir erledigt.
Die Bestie starrte nur und ich starrte zurück, während ich fieberhaft nach einer Lösung suchte. Es musste einen Weg geben ihn zu retten. Wenn Angh da drinnen steckte und gegen die Hive-Technologie kämpfte, die ihn fast vollständig unter Kontrolle hatte, würde ich ihn niemals abknallen können. Er verdiente Besseres. Er verdiente eine Chance.
Das Signal der Granate verblasste und das, was von den Hive übrig war erlangte plötzlich wieder die Kontrolle.
Was nicht viel war. Zwei Soldaten. Es wäre ein Klacks gewesen, eine einfache Säuberung, wäre da nicht die Bestie.
Brüllend machte sie kehrt und stürmte davon, sie durchbrach was von den Türen übrig war und flüchtete in den Raum, in dem die Prillonische Crew in der Falle saß.
“Kümmert euch um die beiden, sammelt die DPG wieder ein und stellt sicher, dass die übrigen tot sind,” befahl ich, als ich der Bestie in den Maschinenraum folgte. Kriegsfürst Anghar. Herrgott. Was für eine Sauerei.
Unsere Prillonischen Teamkollegen hatten nicht nur Däumchen gedreht. In allen Ecken des Raumes hatten sie Barrieren und Schutzsperren errichtet. Aber nichts davon würde die Bestie aufhalten.
“Höchste Zeit, Mills,” rief Dorian mir zu, dann kam er hinter einem umgeworfenen Tisch hervor und feuerte auf die Bestie.
Die Bestie brüllte und schritt voran, außer sich. Riesige Fäuste schwangen wie Abrissbirnen hin und her. So viel zum Thema Zurechnungsfähigkeit. Was auch immer von Angh übrig geblieben war, war jetzt weg. Er war eine Drohne. Ein Diener der Hive.
Ich wusste, dass der Atlanische Kriegsfürst immer noch da drinnen steckte. Er hatte sich gezeigt. Einen kurzen Moment lang.
Alles war nach Plan gelaufen, alles außer das hier. “Nicht schießen.” Ich hielt meine Hand nach oben gestreckt und erteilte den Befehl, als der Rest von ReCon 3 in den Raum stürmte.
“Die anderen sind tot,” informierte mich Jack und ich nickte, während die Prillonische Crew aus ihren Verstecken hervorkam und jede einzelne Ionenkanone auf die Bestie zielte.
“Nicht schießen,” rief ich erneut, nur um sicher zu gehen.
“Was zum Teufel soll das, Mills?” raunte Dorian mir zu, als die Bestie auf ihn zu marschierte.
“Vertrau mir.” Ich blickte ihn kurz an. “Haltet ihn in Schach, aber keine Kopfschüsse. Körpertreffer werden ihn nicht umbringen. Lenkt ihn ab. Ich brauche etwas Zeit.”
“Du bist verrückt, Mills.” Der imposante, goldene Prillone nickte aber und trat einen Schritt zurück, er feuerte auf die tobende Bestie, zielte dabei vorsichtig auf ihre Schultern. Ihre Oberschenkel. Ohne Zweifel hatte Dorian nicht mitbekommen, dass es sich um Kriegsfürst Anghar handelte. Das Gesicht der Bestie war praktisch unkenntlich gemacht. Und selbst dann hatte ich Angh nur über Dax und Sarah kennengelernt. Der Prillone hatte den Atlanen wohl niemals getroffen. Nicht alle Einsatztruppen mischten sich auf dem Schlachtfeld.
“Was auch immer du vorhast, jetzt ist der Moment,” rief Dorian mir zu, während er immer wieder feuerte. Die Bestie schmorte praktisch, ihre Schultern qualmten sichtbar, aber sie lief weiter. Die Hive-Technologie hatte die Bestie in ein wahres Monster verwandelt. Stärker als jede Kreatur, die ich je gesehen hatte.
“Trinity, mach das Beruhigungsmittel klar.”
“Wie viele?” fragte sie.
“Alle,” antwortete ich. Ich wollte Angh flachlegen, ihn nach Hause bringen. “Wenn ihn das nicht umhaut, bringt es ihn um.”
“Das kann nicht dein Ernst sein,” murrte Jack, aber Trinity hielt schon das Beruhigungsmittel bereit, während Jack ihr bereitwillig Deckung gab.
Ich trat zurück und entnahm ihr die Spritzen mit dem Beruhigungsmittel, gerade als die Bestie auf Dorian losging. Mit den Händen umpackte sie Dorians Hals und hob ihn nach oben, als ob der reichlich über zwei Meter große Prillone ein Fliegengewicht wäre, dann schleuderte die Bestie ihn gegen die Wand.
Dorian flog zu Boden, rappelte sich aber umgehend wieder auf und ging in Hockstellung. Blut tropfte von seinem Schädel, sein wütender Blick verhieß nichts Gutes. Dann stieß er einen lauten Kampfschrei aus, um die Aufmerksamkeit der Bestie weiter auf sich zu ziehen während ich mich von hinten an das Ungetüm heranpirschte.
Das Ablenkungsmanöver funktionierte, denn die Bestie trat einen weiteren Schritt nach vorne, um ihn zu erledigen.
Ich warf meine Waffe zu Boden und ließ meine gesamte Ausrüstung fallen, damit ich schnell und wendig zum Angriff übergehen konnte. Ich ignorierte Jacks Gefluche und prüfte die Position der Spritzen in meiner Hand.
“Jetzt!” Dorians Befehl donnerte durch den Raum und ich rannte los, während er sich auf die Bestie stürzte und sie mit gesamter Kraft ein paar wertvolle Sekunden lang festhielt, damit ich ihr das Mittel injizieren konnte.
Lautlos preschte ich vorwärts und sprang auf den Buckel der Bestie. Sobald ich an ihm dran war, rammte ich dem Kriegsfürsten die Spritzen in den Hals.
Brüllend fasste die Bestie nach hinten, packte meine Panzerung und schleuderte mich weg, sodass ich mit dem Rücken gegen jene Wand knallte, neben der Dorian wenige Sekunden zuvor gekauert hatte. Wie ein lebloser Haufen rutsche ich zu Boden und hatte Mühe mich wieder zu besinnen. Mein Schädel brummte und schmerzte, als wäre er aufgebrochen. Der Geruch von Blut und Eisen erfüllte meinen Helm, ich aber blinzelte ihn weg, während Trinity auf die Beine der Bestie ballerte, um sie so von mir fernzuhalten.
“Feuer einstellen!” wollte ich rufen, konnte aber nur ein lahmes Krächzen hervorbringen. Ich hatte nichts mehr zu befürchten. Die Bestie begann zu schwanken, sie kämpfte gegen die Medikamente in ihrem Blutkreislauf, aber ich hatte ihr genug verabreicht, um einen großen Elefanten einzuschläfern. Selbst die Atlanen waren nicht so robust.
Jack feuerte einen Schuss. Zwei. Genau wie Trinity, und zielte dabei auf die Hive-Implantate an den Beinen und Schultern der Bestie, bis diese schließlich bewusstlos umkippte.
Trinity nahm ihren Helm ab und blickte zu mir, dann blickte sie mit einem zaghaften Leuchten in den Augen auf den gefallenen Atlanen. “Warum hast du das getan, Seth? Warum sollten wir ihn retten?”
“Weil er mein Freund ist.” Einer der wenigen, die noch am Leben waren, wenn man ein Dasein mit Hive-Implantaten als Leben bezeichnen konnte. Aber zumindest hatte er jetzt eine Chance. Die Ärzte würden ihm den Großteil der Technik entnehmen und ihn in die Kolonie schicken. Er würde nie wieder kämpfen, aber wenigstens würde er überleben.
Vielleicht würde er mich dafür hassen. Irgendwie konnte ich es ahnen. Aber ich hatte zu viele Tote gesehen. Er würde einfach damit klarkommen müssen. Er könnte sich für eine Braut testen lassen, so wie meine Schwester Sarah es mir letztes Jahr aufgeschwatzt hatte. In einem schwachen Moment, voller Whisky und Erinnerungen an die Heimat hatte ich nachgegeben und war mit ihr zum Abfertigungszentrum gegangen. Ihr Weihnachtsgeschenk sozusagen. Sie und ihr Auserwählter, Kriegsfürst Dax, waren dermaßen verliebt, dass ich einfach nicht nein sagen konnte. Sie hatte alles riskiert, um mich zu retten. Ihr diesen einen Herzenswunsch abzustreiten stand außer Frage.
Der Test? Nun, der hatte sich als riesiger Fehler entpuppt. Erstens war ein Jahr vergangen, seit ich in diesem blöden Stuhl gesessen hatte und ich hatte immer noch kein Match. Zweitens bezweifelte ich, dass ich bis zum Ende meiner Dienstzeit überleben würde, um eines zu bekommen. Und sollte ich verpartnert werden, bevor mein Dienst zu Ende war, dann würde ich ungern eine trauernde Witwe zurücklassen wollen. Eine schwangere Frau? Ein Kind? Niemals. Denn sollte ich eine Partnerin bekommen, dann würde ich das komplette Programm durchziehen, aber das war unmöglich. Das war mehr als grausam. Ich konnte nicht dermaßen egoistisch sein.
Sarah verstand es nicht. Sie führte ein anderes Leben. Kriegsfürst Dax war nach ihrer Verpartnerung in den Ruhestand gegangen und die beiden lebten jetzt als Zivilisten auf Atlan. Sie waren wohlhabend, wohnten in einem riesigen Haus mit Dienern und er hatte für seine Zeit in der Koalitionsflotte unendlich viele Auszeichnungen erhalten. Sie veranstalteten Dinnerpartys und spielten mit ihrer Tochter. Ein völlig anderes Leben und nicht das, was ich einer Frau bieten konnte.
Dorian kauerte an meiner Seite und wir blickten uns in die Augen. “Mills, du bist total durchgeknallt.”
Ich musste grinsen. Es war nicht das erste Mal, dass Dorian exakt diese Worte zu mir sagte und ich bezweifelte, dass es das letzte Mal sein würde.
“Danke, dass du mich gerettet hast. Und was von meiner Crew übrig ist. Wie lange bleibt uns, bis mein Schiff in die Luft fliegt?” fragte er und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
Ich blickte auf den Countdown in meinem Helmvisier. “Zwei Minuten.”
Er grinste nur. “Mehr als genug Zeit.”
Gruppenweise hetzten wir zum Evakuierungsshuttle, sechs Prillonen trugen den ohnmächtigen Atlanen in ihrer Mitte. In den Transporträumen würde es nur so vor Hive-Gesindel wimmeln und uns blieb keine Zeit für eine weitere Auseinandersetzung.
Dorian stürzte sich auf den Pilotensitz und ich gesellte mich hinter ihn, Trinity nahm zu seiner Rechten Platz. Sie war Pilotin. Ich nicht.
Binnen Sekunden gingen die beiden durch ihre Checkliste und meine Knie knickten kurz ein, als das Shuttle sich vom Frachter abkoppelte. Der Ruck bewirkte, dass alle die nicht angeschnallt waren kurz das Gleichgewicht verloren.
“Bereit?” fragte Dorian.
“Bereit,” bekräftigte Trinity, während ihre Hände routiniert über die Steuerung huschten. Ich war zu erschöpft, um auch nur zu versuchen, ihren Bewegungen zu folgen. Das Shuttle schlingerte vorwärts, als die Druckwelle des explodierenden Frachters uns von der Seite traf und mich gegen eine Steuerkonsole hinter Dorians Pilotensitz schleuderte.
Zu meiner Linken schrillte ein Alarm und Dorian langte mit einer irritierten Handgeste nach hinten. “Mills, rühr hier bloß nichts an.”
“Halt’s Maul und flieg,” pöbelte ich zurück.
Er schmunzelte nur und Trinitys Schultern entspannten sich zusehends, als wir uns weiter und weiter von den zertrümmerten Überresten des Hive-kontaminierten Frachters entfernten.
Als wir in sicherem Gebiet waren, in einer Schutzzone, die von den Patrouillen der Kampfgruppe Karter überwacht wurde, ergriff Trinity das Mikrofon. “ReCon 3 für Karter.”
“Schlachtschiff Karter. Ihr Status ReCon 3.”
Trinity blickte zu Dorian, dieser seufzte. “Wir haben acht Crewmitglieder verloren sowie alle Ladegüter des Frachters.”
“Sieben Überlebende?” Richtig, und sie wusste es. Verdammt, so schwer war die Rechnung nun auch nicht. Ich war überrascht, dass diese sieben Mann so lange durchgehalten hatten.
Als Dorian nickte, gab sie die Information an die Kommandobrücke auf der Karter weiter. Ohne Zweifel hörte Kommandant Karter persönlich mit.
“Hier ist Kommandant Karter.”
Ich verdrehte die Augen, als ich die Stimme hörte. Klar hatte er mitgehört.
“Ich möchte gerne Captain Seth Mills Status erfahren.”
Trinity blickte erschrocken zu mir auf. Das war eine Premiere, Karter, der nach einem spezifischen Crewmitglied fragte. Ich beugte mich nach vorne, um ihm selber zu antworten. “Hier bin ich, Kommandant.”
“Ausgezeichnet.” Ich hörte ein scharrendes Geräusch und Kommandant Karter sprach erneut, aber seine Stimme klang leise, als würde er zu jemandem sprechen, der weiter weg war. “Sagt der Erde sie sollen mit dem Transport beginnen.”
“Erde?” fragte ich.
“Ihre ausgewählte Partnerin wird in wenigen Stunden eintreffen, Captain. Ich gratuliere.” Der Kommandant klang erfreut, mein Herz aber wurde plötzlich schwer wie Blei, als das nackte Entsetzen mich überkam. Ach du Scheiße. Einen Hive-gesteuerten Atlanen zu bekämpfen fühlte sich jetzt gar nicht mehr so furchterregend an.
Eine interstellare Braut.
Von der Erde.
“Schickt sie zurück,” plärrte ich.
Dorian wandte sich um und zog sich den Helm vom Kopf, mit weit aufgerissenen, goldenen Augen starrte er mich an. “Was zum Teufel redest du da, Mills? Eine Braut ist das Beste, was dir passieren kann.”
“Nicht für mich.” Ich stierte auf das Steuerpult, als ob ich den Kommandanten dazu bringen konnte mir zu gehorchen. “Schicken sie sie zurück, Sir. Ich kann keine Braut annehmen.”
“Das ist nicht ihre Entscheidung, Captain.” Die Stimme des Kommandanten klang jetzt ungnädig, meine Antwort hatte jegliche Freude über die frohe Botschaft zunichtegemacht. “Sie sind getestet worden und ihnen wurde eine ausgewählte Partnerin zugesprochen. Ihre Braut wird dreißig Tage lang Zeit haben, sie zu akzeptieren oder zurückzuweisen. Diese Entscheidung obliegt ihnen nicht. Ihre Partnerin hat jetzt das letzte Wort, Mills. Ich schlage vor, dass sie zur Karter zurückkommen und sich am Kopf untersuchen lassen. Deck 3.”
“Jawohl, Sir.” Dorian antworte eine Bruchsekunde bevor die Verbindung abbrach. Dann wandte er sich Trinity zu. “Kannst du uns reinbringen?”
“Ja, Sir.”
“Tu es.” Er erhob sich, packte mich am Arm und zerrte mich aus der Pilotenkanzel. “Mills, du kommst mit mir.”
2

Chloe Phan, Abfertigungszentrum für interstellare Bräute, Miami
Ein paar Lippen wanderten über meinen Bauch. Meinen nackten Bauch. Ein sanftes Streifen, dann ein Zungenschnalzen. Hitze überschwemmte meine Sinne und ich spürte raue Bartstoppeln, als er den Kopf wendete, sein Atem über meine verschwitzte Haut fächerte.
Meine Finger waren in seinem Schopf vergraben. Wann hatte ich zugepackt? Ich erinnerte mich nicht daran, durch die seidigen Strähnen zu fahren, an ihnen zu ziehen. Andererseits erinnerte ich mich auch nicht mehr daran, wann das letzte Mal ein Typ vor mir kniete und meine Aromen, meine Falten erkundete.
“Ich kann deine Hitze riechen.”
Meinen Geruch. Heilige Scheiße, seine Hände umfassen meinen nackten Arsch und zogen mich nach vorne, sodass sein Mund nach … eben dorthin gehen konnte.
“Oh!” schrie ich, fand keine Worte. Warum? Weil er eine sehr geschickte Zunge hatte.
“Mach die Beine schön breit, Liebling. Ich will an deine Pussy ran.”
Seine Stimme klang rau. Tief. Zutiefst erregt.
Anders als frühere Typen, die nicht einmal mit einer Stirnlampe auf dem Kopf und einem Kompass in der Hand meinen Kitzler finden konnten, fand er ihn mit laserartiger Präzision und schnippte sanft über mein geschwollenes Fleisch. Nur ein winziges Schlecken linkswärts, über die Spitze und wieder zurück war nötig, und mein Kopf fiel kapitulierend nach hinten.
Ich war feucht. Begierig. Leer.
Vielleicht war er gleichermaßen Gedankenleser wie Pussyflüsterer, denn sogleich strich eine Hand meinen Innenschenkel hinauf und fand zielsicher meine Mitte, sie umkreiste meine Scheide, dann glitten zwei Finger in mich hinein.
“Du bist so eng,” knurrte er.
Ich vergrub meine Finger in seinen Haaren und zog ihn zurück. “Nicht aufhören.”
Jepp, das kam von mir. Ich bettelte.
An meiner empfindlichsten Stelle spürte ich ihn lächeln.
“Es gefällt ihr.”
Und wie. Es gefiel mir verdammt gut, aber ich verstand nicht ganz, warum er in der dritten Person über mich sprach.
“Das sehe ich.”
Die Stimme kam von hinten und ein paar Hände wanderten nach vorne und umfassten meine Brüste. Hände, die nicht zu jenem Typen gehörten, der mich gerade ausschleckte. Ich wusste das, denn seine Hände umpackten immer noch meinen Arsch.
Diese neuen Hände waren groß, gebräunt und mit versprengten dunklen Haaren auf den Handrücken. Ich konnte ein Hauch von Schwielen auf den Handflächen fühlen, als sie zu Heben begannen und das Gewicht meiner Brüste austesteten.
“Ja.” Ich drückte den Rücken durch. Nie zuvor hatte ich es mit zwei Typen getrieben, aber das hier fühlte sich so richtig an. Irgendwie wusste ich, dass sie mir gehörten. Und nicht nur “mir” wie in einer heißen Nacht nach ein paar Gläsern in einer Bar. Sondern mir. Für immer mir.
Der Gedanke ließ mich aufschreien und ich hörte ihr gedämpftes Gelächter.
“Ja, Liebling?” Seine Stimme war an meinem Ohr. Sanft, aber tief. Ein Anflug von Bedürftigkeit und ein ordentliches Stück Macht schwangen mit. Seine Hände bekräftigten das; seine Berührung war sanft, aber auf die Art wie seine Finger meine Brustwarzen rollten und zwackten, wollte er mich führen. Er wollte mich dominieren, selbst mit den kleinsten Bewegungen.
Und es funktionierte. Klar, meine Brustwarzen waren empfindlich, schon immer, aber dieser Typ wusste genauestens, was er tat.
Alle beide wussten das.
Ohne viel Anstrengung und in Windeseile brachten sie mich an die Schwelle zum Orgasmus. Allerdings schien ich auch keine Kontrolle mehr über meinen Körper zu haben. Oder über meinen Mund, denn ich flehte darum, dass sie sich beeilten, dass sie mich nahmen. Denn ich nannte sie “Liebling” und sagte ihnen, dass ich sie liebte.
Und das tat ich auch. Gleich einer Explosion quoll das Gefühl in mir auf, dermaßen heftig und erbittert, dass es mich fast erstickte.
Was absolut keinen Sinn ergab, denn sie gehörten mir nicht. Ich konnte nicht einmal ihre Gesichter sehen. Und ich hatte seit … nun, einer Weile schon keine Verabredung mehr gehabt. Und nie mit zweien …
“Zwei Männer sind besser als einer, oder nicht?” Der Mann an meiner Rückseite spreizte die Finger über meiner Brust und drückte mich runter, während sein Kumpane mich immer stärker bearbeitete, einen Finger in mein empfindliches Poloch einführte, während er mich mit den Fingern fickte und meinen Kitzler wie einen Schnuller lutschte.
Hätte der Mann hinter mir mich nicht festgehalten, ich hätte gebuckelt und wäre davongekrabbelt. Ihre Zuwendungen waren zu viel für mich. Zu intensiv. “Ich halt’s nicht aus.”
“Doch, das kannst du.” Er zwickte meine Brustwarze, feste, gerade als der Orgasmus mich überkommen wollte. Keine Ahnung, woher er es wusste, aber ich konnte seine absolute Aufmerksamkeit spüren. Sein Verlangen. Seine tiefe Zufriedenheit, als ich mich beiden unterwarf.
Es war, als ob wir miteinander verbunden waren.
Und der Typ zwischen meinen Beinen? Irgendwie konnte ich seine Emotionen wahrnehmen. Ich wusste, dass er entschlossen war mich zum Beben zu bringen. Zum Kreischen.
Zum Betteln.
Oh Gott. Ich war soooo am Arsch. Hätte ausflippen sollen. Aber dieser Körper, dieser fremdartige Frauenkörper erlag der Lust. Sie begrüßte es. War mit ihrer speziellen Art des erotischen Spiels vertraut. Sie war gespannter als je zuvor, die Vorfreude war unwiderstehlich. Der Orgasmus würde ihren Leib regelrecht explodieren lassen, bis ihre Zehen sich kräuselten und ihr Kopf ganz leer sein würde. Und sie wollte es.
Was bewirkte, dass ich es auch wollte. Unbedingt.
Was vollkommen verrückt war, denn ich hatte keine Ahnung, wo ich überhaupt war, dennoch fühlte ich mich sicher und von zwei Fremden beschützt. Dem Körper, in dem ich steckte, waren sie aber ganz und gar nicht fremd, dieser Frau. Sie gehörten ihr. Ihre Partner.
Der Mann hinter mir blies seinen heißen Atem über meine Ohrmuschel, seine Zunge folgte zugleich. “Zwei Partner.”
“Vier Hände.” Seine Handflächen drückten vorsichtig meine prallen Brüste, während sein Kumpel mit einer Hand meine Pussy und meinen Arsch bearbeitete. Seine andere Hand lag auf meinem Abdomen und drückte mich nach unten. Ich war zwischen zwei mächtigen Kriegern gefangen. Ein Finger krümmte sich in meinem Inneren, traf eine Stelle, die mich die Hüften buckeln ließ. Die Hand auf meinem Bauch hielt mich entschlossen fest.
“Zwei Münder.” Ich drehte den Kopf zur Seite, als seine Lippen meinen Nacken hinunterglitten und ein hitziges Erwachen befeuerten. Statt der Zunge, die über meinen Kitzler schnippte, setzte ein heißer, feuchter Mund auf, er leckte und saugte behutsam, als ob er mich dort küssen würde. Er betete mich an. Eine unerwartete Zärtlichkeit, das Gefühl, geliebt zu werden, flutete meinen Geist wie das allmächtigste Aphrodisiakum und ich verkrampfte mich sogar noch stärker. Ich wollte sie verzweifelt. Alle beide. “Oh Gott!”
“Zwei Schwänze.”
Ich spürte, wie einer davon fest gegen meinen unteren Rücken stocherte. Er war lang und dick. Dann spürte ich etwas Feuchtes und wusste, dass ihm der Lusttropfen aus der Spitze sickerte. Er war genauso erbärmlich geil wie ich.
“Meine Eier tun weh, ich muss in dich rein.”
Der Typ vor mir wischte seine abgeflachte Zunge von dort, wo eben noch sein Finger in mir steckte nach oben über meinen Kitzler. “Du wirst meine Größe spüren. Wie steif ich deinetwegen bin. Wie rappelvoll du sein wirst.”
Ich leckte mir die Lippen und zog meine Pussy um seinen Finger herum zusammen. Was nicht ausreichte. Ich wollte diesen Schwanz. Ich wollte das Teil, das an meinem Rücken herumstocherte. Ich wollte sie beide. Ich wollte dermaßen vollgestopft werden, dass ich sie nie mehr vergessen könnte. Ich wollte dominiert werden. Und ich wollte diejenige Frau sein, die ihnen das höchste Vergnügen verschaffte. Die ihren Samen in sich aufnahm, jene Frau, die sie vergötterten, für die sie sterben würden. Die ihnen gehörte.
Es war verrückt, krank! Ich träumte—es musste ein Traum sein—von zwei Männern. Nie war ich mit zwei Männern zusammen gewesen und schon gar nicht mit auch nur einem Typen, der mich dermaßen anmachte. Rattenscharf.
Ich hatte nicht zum ersten Mal Sex und ich war nicht prüde. Aber früher fickte ich nur, um aufgestaute Energien abzulassen. Zum Entspannen. Jahrelang hatte ich in einem äußerst stressigen Job gearbeitet und hin und wieder musste es ein Mädel einfach mal richtig besorgt bekommen; Finger oder Vibrator würden es einfach nicht tun.
Nur ein großer, dicker Schwanz konnte dann Abhilfe verschaffen.
Und obwohl ich schon den einen oder anderen dicken Schwanz zwischen die Beine bekommen hatte, konnte keiner davon mit den beiden hier mithalten. Und wir waren noch nicht einmal zur eigentlichen Sache gekommen.
“Aber zuerst wirst du kommen.”
“Ich will euch, sofort,” forderte ich und wusste, dass sie mich hinhalten würden. Ich wusste, dass sie ihre Zuwendungen, ihre sinnliche Folter steigern würden. Ich keuchte, als sie mich weiter bearbeiteten.
“Du bist unsere Partnerin. Es ist unsere Aufgabe, unser Privileg dich zu verwöhnen,” flüsterte der Mann hinter mir, dann zwickte er meine Brustwarzen.
Ich schnaufte laut und der Mann zwischen meinen Beinen knurrte. “Mach das nochmal. Eben hat sie meine Hand vollgetropft.”
“Nicht aufhören,” flehte ich erneut, als er kurz aufhörte meine Pussy zu lecken.
Wieder zwickte es an meinen Brustwarzen, aber keinerlei Worte folgten. Binnen Sekunden wurde ich zum Höhepunkt gebracht und ich kreischte. Mein Körper erbebte und ich wusste nicht, wo ich war. Sie waren dabei, mich total auseinanderzunehmen, bis nur noch sie existierten. Sie waren real. Heiß. Sie umzingelten mich. Gaben mir Halt, als ich mich wieder sammelte.
Mein Blut pumpte schwerfällig, meine Haut war klitschnass vom Schweiß, meine Ohren rauschten. Vor meinen Augen flackerten sogar grelle Lichter auf. Was für ein Wahnsinn von einem Orgasmus.
“Wir sind noch nicht fertig, Liebling.” Der Mann, der eben noch gnadenlos an meinem Kitzler herumgespielt hatte, ließ von mir ab und der hintere wechselte die Stellung, er zog mich hoch, sodass mein blanker Rücken gegen seinen heißen Brustkorb presste. Seinen festen, muskulösen, enormen Brustkorb. Er zog mich an sich heran und plötzlich wurde ich an seinen Schoß gepresst, meine zarten Schenkel rieben an seinem steinharten Kolben, seine Knie waren so angewinkelt, damit ich seine dicke Eichel von hinten über meine nassen und äußerst empfindlichen Falten gleiten spüren konnte. Ich spürte die Härte seines Körpers, die Hitze, die seine Haut abstrahlte. Er war so viel größer als ich und ich wusste, dass er mir mühelos etwas antun könnte. Aber das war nicht seine Absicht. Seine Absicht war es, mich zu ficken, mich zu verwöhnen. Mission erfüllt, aber nicht vollendet. “Das war nur das Vorspiel, um dich feucht und hitzig zu machen, bereit für unsere dicken Schwänze.”
Seine Eichel rutschte ein Stück weit hinein, machte es sich bequem. Himmel, war er groß. Ich spannte meine Pussy an und zog sie um ihn zusammen, gewöhnte mich an die Dehnung.
“Mehr?” fragte er.
“Mehr,” keuchte ich und ließ die Hüften kreisen, die Hände an meiner Taille aber ließen mir keinen Bewegungsraum, erlaubten mir nicht, mich auf seine harte Länge zu setzen, so wie ich es wollte. Ich wollte ihn tief. Ausdehnen sollte er mich, wie ein Wilder durchficken. Außer Kontrolle.
“Sie ist ganz schön vorlaut, oder?” sprach der Mann, der meine Pussy ausgeleckt hatte. Er stand auf, aber ich konnte immer noch nicht sein Gesicht sehen. Was für ein komischer Traum; ich konnte nicht das Antlitz des Mannes erkennen, der mich eben ausgegessen hatte, sehr wohl aber seinen nackten Körper, seinen schlanken Torso und den großen Schwanz, der auf mich deutete, gerne in mir stecken wollte. Aber ich hatte ja schon einen in mir drin, der andere Schwanz glitt in mich hinein, zog ein Stück zurück und füllte mich noch tiefer.
Ich griff nach dem riesigen Schwanz vor meiner Nase, legte meine Finger um seine Eichel und bediente meine Hebelkraft an seinem feinfühligen Organ, um ihn an mich heranzuziehen. Langsam, damit ich es auskosten konnte. Ihn begutachten konnte. Mir die Lippen lecken konnte. Um ihn zappeln zu lassen. Ihn so zu quälen, wie er mich gequält hatte.
Er schmunzelte und strich mit einer Hand an meinem Kiefer entlang, über meine Unterlippe. “Liebling, du wirst erst gefickt werden, wenn mein Schwanz in diesem heißen Mund steckt.”
Der andere Mann hinter mir erstarrte, hielt mich halb aufgespießt und in der Luft schwebend an Ort und Stelle. Ich war verzweifelt.
Lächelnd zog ich den Schwanz noch näher und beugte mich vorwärts, dann legte ich meine Lippen um seine Eichel.
“Den Göttern sei Dank.” Der Ausruf des hinteren Mannes rang mir ein zufriedenes Lächeln ab und unverzüglich rammte er seinen Kolben vollständig in mich hinein, vergrub seine harte Länge in meiner engen Pussy, während mein anderer Partner ebenfalls die Hüften nach vorne stieß und seinen Schaft in meinen Rachen schob.
Meine Geschmacksknospen explodierten förmlich, nie hatte ich so etwas erlebt. Sie aber schon. Diese Frau, deren sexuelle Fantasie ich irgendwie gehijackt hatte. Er schmeckte göttlich. Nach Hitze, Moschus und Kerl und ich saugte ihn, feste, spielte an seinen Eiern herum, während der Andere mich von hinten fickte und meine Brüste mit jedem seiner Stöße nur so wackelten.
Lust baute sich in mir auf. Mir. Ihnen. Es war eigenartig und überwältigend und wunderbar, als wir alle auf einmal abgingen. Meine Pussy zog sich um den einen Partner zusammen, während mein Mund den anderen in sich hineinsog und ich uns regelrecht aneinanderkettete.
Wir waren eins.
Perfekt.
Nachbeben rüttelten durch mich hindurch und die Stimmen der beiden Männer wurden leiser, flüsterten Worte der Liebe. Lob. Verehrung. Ich wollte mich in ihren Worten verlieren. Mich in ihnen wälzen. Nie hatte irgendjemand so zu mir gesprochen. Mit so viel Liebe. Hingabe. Vertrauen.
Ich wollte, dass es nie mehr aufhörte. Aber die Stimmen verstummten. Der Raum driftete dahin, wie ein Traum, der langsam verblasste. Ich wollte mich festklammern, aber er verschwand. Wie geplündert blieb ich zurück. Allein.
Kalt.
Wo auch immer ich war, es war klirrend kalt. Mein Körper, mein echter Körper zitterte unter einem sehr dürftigen Stück Stoff.
Erschrocken wachte ich auf und starrte an die weiße Decke hoch. Ich war außer Atem, als ob ich eben einen hundert-Meter Sprint hingelegt hätte, meine Haut war nass vor lauter Schweiß. Und meine Pussy? Schmerzte, nachdem sie mit Schwanz gefüllt würde.
Einem imaginären Schwanz.
Ich blinzelte und mir wurde klar, dass ich auf dem Teststuhl im Abfertigungszentrum für interstellare Bräute saß. Für den Test. Ein Traum war das nicht gerade gewesen. Aber was war es dann? Die Aufseherin sagte, die Technologie der Koalition war so fortgeschritten, dass sie förmlich in meinen Verstand blicken konnte, genau sehen konnte, was für einen Partner ich brauchte. Nicht wollte. Brauchte.
Brauchte ich zwei Lover? War mir nie in den Sinn gekommen. Aber gütiger Himmel, es war heiß. Sexy. So verdammt sexy.
Meine Mutter musste sich im Grabe umdrehen. Schon wieder. Vor fünf Jahren, als ich freiwillig dem Geheimdienst der Koalitionsflotte beitrat, dachte ich dasselbe.
Aufseherin Egara kam um den Stuhl herumgelaufen und stellte sich mir gegenüber, Tablet an der Hand. Mein plötzliches Erwachen vom Test schien sie nicht zu überraschen, ebenso wenig wie mein Zustand. Schweißbedeckt. Mit dicker, wundgefickter Pussy—nicht, dass sie das mitbekommen hätte. Keuchend. Ich wünschte, ich wäre immer noch im Weltall, oder wo immer das eben war und nicht in diesem blöden Untersuchungsraum, wo ich mir wie ein Versuchskaninchen vorkam, dass mit einem spärlichen Krankenhauskittel bedeckt an einen Zahnarztstuhl festgeschnallt war.
“War das richtig so? Bin ich eingeschlafen? War es ein Traum?” fragte ich und leckte mir dabei die Lippen.
Ich war ganz ausgetrocknet vor lauter Geschrei, aber hatte ich das wirklich getan? Oder hatte ich nur im Traum geschrien, während diese grimmige, ernste Frau über mich gewacht hatte? Der Gedanke ließ mich knallrot werden.
“Ja. Die Technologie erforscht Ihre geheimsten unbewussten Wünsche, um unter den verfügbaren Kriegern den perfekten Partner auszuwählen.”
Mein geheimster Wunsch war, es mit zwei Männern zu treiben? Hatte ich nie gemacht. Sicher, manchmal hatte ich mir einen Dreier ausgemalt. Welche Frau hatte das nicht? Mich zwischen zwei heißen Typen wiederfinden? Gerne, aber bisher konnte ich kaum einen einzigen Typen halten, geschweige denn zwei. Wenn es aber wie in diesem Traum laufen würde? Ich hätte nichts dagegen.
“Während des Testvorgangs habe ich mir Ihre Akte angesehen,” sprach sie. Ihr Ton war professionell. Sie war von der Erde, arbeitete aber für die Koalition, oder zumindest bei der Bräute-Filiale der Koalition. Ihre Uniform war ein dunkles Rostbraun, schmucklos und familiär.
“Vier Jahre in der Koalitionsflotte. Beeindruckend.” Sie wanderte umher und stützte sich schließlich am Tisch in der Mitte des kleinen Untersuchungszimmers ab. “Ich nehme an, ich wäre noch viel beeindruckter, wenn der Großteil Ihrer Dienstzeit nicht versiegelt wäre.”
“Wie eigenartig. Ich weiß nicht, was Sie damit meinen.” Da war sie. Die Standardantwort, die wie auf Autopilot aus meinem Mund herausplatzte. Ich konnte nicht darüber reden. Nicht mit ihr. Mit niemanden.
Aber ich musste wieder ins Weltall. Sonst würde ich hier ersticken. Die minutiöse Routine meines Bürojobs würde mich sonst erledigen. Mein düsteres Appartement. Rechnungen. Beschissene Fernsehshows. Von Leuten umgeben, mit denen ich einfach nichts gemein hatte. Die Erde? Fühlte sich nicht länger wie mein Zuhause an. Ich wollte ins Weltall zurück und das Bräute-Programm würde es möglich machen.
3

Captain Dorian Kanakor, Prillone, Koalitionsshuttle
Vor lauter Wut packte ich Captain Seth Mills Handgelenk, aber wie von einem Krieger zu erwarten war, wehrte er sich und machte einen auf stur. Der Zoff schien vorprogrammiert. Er war beinahe so groß wie ich, also ziemlich groß für einen Menschen. Und seine seltsam blauen Augen funkelten mich herausfordernd an.
Sie funkelten auch vor Schmerz.
Einen Schmerz, den wir Tag für Tag miteinander teilten.
“Was soll das, Dorian?” Seth blickte finster, seine Stimme hallte bis zu der kleinen Gruppe Krieger hinüber, die sich um uns drängte. Wir alle waren schweißgebadet und rußverschmiert, nachdem wir endlose Stunden lang in dem Frachter gekämpft hatten. Es wurde still im Raum, als meine Crew und sein ReCon-Team gespannt darauf warteten, was als Nächstes passieren würde.
Es kam nicht oft vor, dass der Kommandant höchstpersönlich sich einschaltete. Verdammt, und noch viel seltener kam es vor, dass einem von uns eine Braut zugewiesen wurde.
“Wir müssen reden, Mills. Allein.” Ich versuchte meine Aufgebrachtheit zu verschleiern, denn mir war klar, dass er sich gegen meine Idee sträuben würde. Er musste aber kooperieren, damit dieses wahnwitzige Anliegen funktionieren konnte. Eine Idee, die mir in den Sinn gekommen war, nachdem ich die Worte des Kommandanten vernommen hatte.
Er musterte mich in Sekundenschnelle und wandte sich der Copilotin zu, einer bissigen Erdenfrau namens Trinity. “Bring uns zur Karter zurück.” Dann blickte er zu seinem ersten Offizier, ebenfalls ein gestählter Krieger von der Erde, den ich zu respektieren gelernt hatte. “Jack, du hast die Führung.”
Ich wartete nicht auf ihre Antwort und meine eigene Crew hatte solche Anweisungen nicht nötig, die Kommandostruktur war bei uns fest eingeübt. Unter neugierigen Blicken führte ich ihn in den winzigen Vorratsraum im Heck des Shuttles. Das Evakuierungsshuttle war nicht dazu gedacht, so viele Passagiere aufzunehmen. Mit der gesamten ReCon 3 und den Überlebenden meiner Crew war das Schiff rappelvoll. Seth folgte mir in den kleinen Raum und ich nahm auf einer Kiste Arzneimittel Platz. Er setzte sich ebenfalls und die Tür ging wieder zu, wir waren eingeschlossen.
Sein berechnender Blick tastete mich ab und er wartete. Schweigend. Geduldig. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich zu erklären.
“Mein Cousin Orlinthe ist vor ein paar Monaten im Kampf getötet worden.”
“Ich erinnere mich,” entgegnete Seth. Und das sollte er auch. In den letzten drei Jahren hatten wir mehr als einmal auf der Karter zusammen unseren Kummer ertränkt. Als Orlinthe im Kampf an die Hive verlorenging, war ReCon 3 zur Stelle gewesen und hatte die Mannschaft, mich und meine Prillonischen Waffenbrüder, mit einer Flasche Whisky getröstet, um den Schmerz runterzuspülen. Oder ihn zumindest aus meiner Kehle zu brennen.
“Ich war sein zweiter Mann. Ich habe mich niemals selbst für eine Partnerin testen lassen.”
Seth erstarrte, als er dabei war sich den Ruß vom Ärmel zu wischen. Ein auswegloses Unterfangen, da es nichts anderes bewirkte, als den Fleck noch weiter zu verschmieren, aber so musste er meinem Blick nicht standhalten. “Und? Geh einfach zur Krankenstation und zieh es durch.”
“Das möchte ich gar nicht.”
Er blickte zu mir auf und seufzte. “Verflucht, Dorian. Ihr Aliens seid zum Verzweifeln. Was soll dieses Gespräch?” Seth legte den Kopf schräg, sein verbissener Mund und nervöses Fußgetippel verrieten schließlich seine Anspannung. Er begann hin und her zu rutschen, der Kolben seines eisernen Gewehres ruhte neben ihm auf dem Boden, seine Hand umfasste krampfartig den Lauf und seine Knöchel waren ganz weiß.
“Du hast eine Partnerin, Seth. Eine ausgewählte Braut. Hast du eine Ahnung, wie besonders das ist? Was für ein seltenes Geschenk?” Am liebsten wollte ich ihm einen Tritt verpassen, ihn wachrütteln. Er war ein Vollidiot.
“Oh nein.” Seth verdrehte die Augen und hob das Kinn zu einem eigenartigen Winkel an, bevor er befremdliche lächelnd wieder zu mir blickte. Menschliche Emotionen waren manchmal schwer zu entziffern und ich konnte mich auch nicht auf die aufschlussreiche Wirkung eines Prillonischen Halsbands verlassen, um die Gefühle meines Gegenübers besser zu verstehen. “Willst du mir jetzt eine Standpauke darüber halten, wie viel Glück ich doch habe? Dass ich auf die Knie fallen und deinen Göttern danken soll, weil sie mir eine unschuldige Frau als Braut ins Universum geschickt haben?”
“Ja.” Also verstand er es doch.
“Nein.”
“Nein?”
Seth stand auf und ich erhob mich ebenfalls und die Enge des Raumes bewirkte, dass wir uns praktisch Nase an Nase gegenüberstanden. Zorn kam in mir auf. Wie konnte dieser Krieger, dieser Mensch es wagen, seine ausgewählte Partnerin zu verschmähen? Das gehörte sich einfach nicht. “Warum verschmähst du deine Braut?”
Seth fing an zu Lachen, aber ohne jeden Anflug von Freude. Nur Schmerz. “Ich verschmähe sie nicht. Ich rette sie.”
Ich runzelte die Stirn. “Wovor?”
“Vor mir. Vor dem Kummer. Davor, einen Mann zu lieben, der schon morgen sterben könnte. Ich kann noch nicht mit dem Kämpfen aufhören. Ich kann nicht nach Hause, zur Erde, zurückgehen. Ich habe mich verändert. Zu sehr, um mich mit den banalen Kleinigkeiten auf der Erde herumzuschlagen.” Er seufzte. “Ich kann keine Partnerin nehmen. Das werde ich ihr nicht antun.”
“Also bist du ein Feigling.”
Ich dachte, dass der Erdling mir dafür vielleicht die Fresse polieren würde. Er aber ließ nur die Schultern hängen und schloss die Augen, gab sich geschlagen. Er ließ den Kopf hängen, sodass sein Kinn das Oberteil seiner Panzerung berührte. “So ist es wohl. Ich werde keine Witwe hinterlassen. Kinder ohne einen Vater, der sie beschützt. Eine Partnerin zu nehmen wäre egoistisch, Dorian. Ich würde alles haben wollen, würde sie ficken, bis mein Baby in ihr heranwachsen würde. Und dann noch eins. Ganz einfach.”
Sicher, er hatte dieselben Wünsche wie die meisten Männer, egal von welchem Planeten. Ich konnte seinen Standpunkt zwar nachvollziehen, erkannte aber auch das eigentliche Problem dahinter. Das irdische Problem dahinter.
“Wenn es keine Gefahr für sie gäbe, keine Möglichkeit bestünde, dass sie allein und ungeschützt zurückbleiben würde, würdest du sie dann akzeptieren?”
Er schaute mich an, als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank. “Natürlich, aber das ist—”
“Abgemacht,” sagte ich und schnitt ihm das Wort ab. “Ich werde dein zweiter Mann sein. Du bist ein Krieger und wirst sie wie es einem Krieger gebührt für dich beanspruchen, mit einem zweiten Mann, um ihr Vergnügen, ihren Schutz und ihr Glück zu gewährleisten. Sie wird von uns beiden verehrt werden, wie bei einer Prillonischen Braut üblich. Die Gefahren, die du erwähnt hast, wären dann nicht länger ein Problem. Ich schwöre, dass ich für deine Partnerin sorgen und deine Nachkommen beschützen werde, solltest du umkommen. Und ich versichere dir—” ich musste lächeln. “—, dass sie doppelt so schnell ein Baby in sich tragen wird, wenn sie uns beiden gehört.”
“Was zum Teufel redest du da?”
“Du wirst mir denselben Schwur leisten müssen. Dass du dich um unsere Partnerin und unsere Kinder kümmerst, wenn mir etwas passieren sollte.”
Seth war sprachlos, aber ich wartete einfach. Er kannte die Gepflogenheiten Prillonischer Krieger. Er war lange genug im Weltraum, um mit unseren Bräuchen vertraut zu sein. Wir teilten uns immer eine Braut, um sie vor einem Schicksal, wie Seth es befürchtete, zu bewahren. Eine Prillonische Braut blieb nie allein zurück, wurde nie sich selbst überlassen. Sollte ein Partner umkommen, würde der andere ihre Partnerin und die Kinder beschützen. Ich war davon ausgegangen, mir irgendwann mit meinem Cousin eine Braut zu teilen, aber dazu sollte es nicht kommen. Ich respektierte Seth als Krieger. Er war einer der wenigen Menschen, die ich zu meinen Freunden zählte. Und er hatte mir mehr als einmal das Leben gerettet. Ich vertraute ihm darin, für eine Partnerin zu sorgen. Sie zu beschützen, wie ich es täte.
Aber Seth war ein Mensch und kein Prillone. Die Menschen waren, wie ich gehört hatte, besitzergreifend, eher wie Atlanische Bestien und nicht wie wir Prillonen. Vielleicht war die Vorstellung eine Partnerin zu teilen, zu weit hergeholt für ihn. Es könnte Eifersucht geben. Rivalität. Streit. Anstatt mit einer gemeinsamen Braut die engste aller Verbindungen einzugehen, würde es uns auseinanderreißen. Also wartete ich ab, damit er sich mein Angebot durch den Kopf gehen lassen konnte. Ich kannte die Macht der Geduld. Des Schweigens.
Als er zu mir aufblickte, erkannte ich Hoffnung, aber auch Zweifel. “Und was, wenn sie damit nicht einverstanden ist? Sie wurde mir zugesprochen. Einem Menschen. Einem Mann. Einen Zweitpartner wird sie womöglich nicht wollen. Verflucht, vielleicht ist sie ja eine verklemmte, puritanische Fanatikerin, die jedes Mal, wenn sie einen Orgasmus hat, den lieben Gott um Vergebung bittet.”
Ich konnte mir eine solche Frau zwar nicht wirklich vorstellen, musste aber davon ausgehen, dass es solche Leute auf der Erde gab. Eigenartig.
“Würdest du etwa so dein perfektes Match beschreiben?” fragte ich nach.
“Verdammt, nein.”
Ich nickte beruhigt. Ich bezweifelte, dass ein tüchtiger Krieger wie Seth sich zu so einer Frau hingezogen fühlen würde. Und wenn es nicht das war, was er sich wünschte, dann würde er auch nicht so eine Partnerin bekommen. “Nimm sie. Ich werde dein zweiter Mann sein. Und wir werden sie zusammen verführen. Wir werden sie überzeugen, dass zwei Männer besser sind als einer.”
Seth streckte mir die Hand aus, wie es bei den Menschen üblich war, wenn man ein Abkommen besiegelte. “Sie hat das letzte Wort. Und wenn sie nicht uns beide will, dann wird sie zurück nach Hause gehen, oder zu jemand anderem. Ich werde keine heulende Witwe hinterlassen.”
Ich legte meine Hand in seine. “Abgemacht. Außer für den Fall, dass du nicht wissen solltest, wie man eine Frau beglückt, mache ich mir darum keine Sorgen.”
Diese unverblümte Beleidigung ließ ihn zum Gegenschlag ausholen. “Was für eine große Klappe du hast, Prillone. Dabei hast du von den Frauen auf der Erde keine Ahnung.”
“Dann klär mich auf.”
Seth zuckte nur die Achseln. “Anhänglich. Hilfsbedürftig. Zart besaitet. Sie machen sich nicht gerne die Finger schmutzig.”
“Ich benötige kein schmutziges Weib. Ich will, dass sie mich braucht und dass sie sanft ist.” Mein Schädel brummte vor Verwirrung. “Würdest du etwa so Trinity beschreiben? Kommt sie nicht von der Erde?”
Seth schmunzelte. “Sie ist keine Frau, sondern eine Soldatin, wie meine Schwester. Soldaten sind anders gestrickt. Knallhart, schwierig. Sie führen dich an den Eiern herum und bestimmen über dein Leben. Das gefällt mir allerdings auch nicht.”
“Was willst du dann?” erkundigte ich mich.
“Wenn ich das nur wüsste. Wenn euer Bräutewahlverfahren so gut ist, wie ihr Aliens immer behauptet, werden wir es wohl bald herausfinden.”
In der Tat.

Chloe
“Ich gehe nicht davon aus, dass Sie mir erläutern können, was genau Sie in den letzten vier Jahren für die Koalition getan haben? Ich würde Ihre Akte gerne mit ein paar grundlegenden Informationen für Ihren Partner ergänzen. Dadurch wird er Sie und Ihre Vergangenheit besser verstehen können.”
“Nein, ich glaube nicht, dass ich das darf,” entgegnete ich. Ich war seit einem Jahr wieder auf der Erde. Vier Jahre lang hatte ich beim Geheimdienst gedient. In den vergangenen zwölf Monaten aber wurde ich nur selten zu meiner Zeit bei der Koalition befragt. Kaum jemand auf der Erde glaubte an die Existenz der Hive—besonders, weil die Nachrichtenagenturen nichts über das Grauen, das dieser Abschaum des Weltraums verübte, berichteten. Bis zum jetzigen Zeitpunkt war die Erde dank der anderen Koalitionsplaneten von den Hive verschont geblieben. Und obwohl es Leute gab, die sich wie ich freiwillig zum Dienst in der Flotte gemeldet hatten, so war der Anteil doch verschwindend gering. Die Erde erfüllte ihre Quote an Freiwilligen, um weiter vom Schutz der Koalition zu profitieren, sonst nichts.
Die Regierungen auf der Erde waren zu sehr damit beschäftigt, sich gegenseitig zu bekriegen, anstatt dem Weltall mehr Ressourcen zu widmen.
Und meine Rückkehr zur Erde? Niemand, der da draußen gewesen war, durfte darüber reden. Selbst wenn die Vorschriften weniger streng gewesen wären und wir reden dürften, würde es niemand verstehen können oder uns auch nur Glauben schenken. Niemand, außer die Leute in der Notrufzentrale in Houston, hatte mir geglaubt. Ich nahm fünfzig Stunden in der Woche Notrufe entgegen und half dabei, die übelsten Probleme zu lösen. Häusliche Gewalt. Amokläufe an Schulen. Hurrikans. Überflutungen. Herzinfarkte. Autounfälle. Die Leute glaubten Geschichten über Geister oder Hellseher im Fernsehen, die ihnen ihr Liebesleben voraussagten. Aber die tödlichen Hive im Weltraum? Meine Undercovermission im Weltraum? Ich, wie ich gegen Aliens gekämpft und den Feind infiltriert hatte? Meine Arbeitskollegen hätten sich wahrscheinlich schlapp gelacht.
Viel konnte ich sowieso nicht erzählen. Genau wie bei Mitarbeitern in der US-Armee war alles streng geheim. SEALs konnten auch nicht verraten, wohin sie entsendet wurden. Den Ehefrauen konnte ihr Standort nicht mitgeteilt werden. Missionen waren Geheimsache. Top Secret.
Und ganz besonders die neu entwickelten Technologien, mit denen die Kommunikationsfrequenzen der Hive gestört wurden. Leute wie ich, die ein gewisses Talent dafür hatten, ihrem Geschwätz zuzuhören und zu enträtseln, was sie sich untereinander so alles erzählten. Ich konnte nicht erklären, wie ich das fertigbrachte, aber ich hörte einfach hin und manchmal machten diese merkwürdigen Laute auf unerklärliche Weise einfach “Klick” mit meiner NPU. Es gab zwar andere Leute wie mich, aber nicht viele.
Und besonders einer unter ihnen, Bruvan, lag viel zu oft daneben. Zu oft. Aber irgendwie brachte er es jedes Mal fertig, jemand anderes die Schuld in die Schuhe zu schieben. Die Hive waren schuld, weil sie ihre Pläne geändert hatten.
Oder ich.
Auf der letzten Mission hatte er beinahe mein gesamtes Team ausgelöscht, fast wäre ich auch draufgegangen und dann wurde ich nach Hause geschickt, aus gesundheitlichen Gründen ausgemustert und er war immer noch da draußen. Er verbreitete weiterhin seinen Bullshit, ließ gute Krieger ins Messer laufen.
Ich biss meine Lippe, um den Zorn herunterzuschlucken, als die Aufseherin mir ihr offenes Ohr anbot. Aber ich wusste nicht, auf welcher Ebene sie mitspielte und ich würde nicht danach fragen. “Ich kann ihnen wirklich nichts darüber sagen.”
Die Aufseherin zog eine dunkle Augenbraue hoch und spitzte die Lippen. “Nun, der Bericht sagt, Sie haben zwei Einsätze für den Geheimdienst absolviert und vier Jahre lang dort gedient, bevor Sie zur Erde zurückgekehrt sind. In Ihrer Heimatstadt haben Sie als Notrufmitarbeiterin gearbeitet, sind ins zivile Leben zurückgekehrt. Mit einem Job, einem Appartement. Freunden. Und dennoch haben Sie sich dazu entschlossen, eine Braut zu werden. Warum?”
Ich runzelte die Stirn. “Ist das von Bedeutung? Ich bin aus freien Stücken hierhergekommen.”
Ich blickte auf meine Hände herunter, die mit dicken Metallbändern an die Armlehnen des Teststuhls gefesselt waren. “An diesen Stuhl gefesselt zu sein, fühlt sich allerdings gar nicht so freiwillig an.”
Sie blickte auf ihr Tablet und mit einem Fingerwischen befreite sie mich von den Fesseln. “Die sind zu ihrer Sicherheit während des Testvorgangs gedacht und um mich vor den verurteilten Straftätern unter den Bräuten zu schützen. Bis der Test abgeschlossen wurde und sie auf ihrem neuen Heimatplaneten eintreffen, bleiben diese Frauen Häftlinge.”
“Danke.” Ich rieb meine Handgelenke, obwohl sie nicht weh taten. Die Bewegung gab mir eine Gänsehaut und in dem Krankenhauskittel wurde mir plötzlich kalt. Ein Luftzug am nackten Arsch? Nichts lieber als das.
“Sie sind alles andere als ein Häftling, Chloe. Ganz im Gegenteil. Ich nehme an, dass Ihre Akte vor Auszeichnungen der Flotte nur so strotzt.”
“Wie beim Angeln,” erwiderte ich und konnte der Frau ein Lächeln abgewinnen.
“Ist das so?” Sie seufzte. “Sie können mir wenigstens verraten, warum Sie sich freiwillig als Braut melden.”
Ich zuckte mit den Achseln. “Ich war im Weltall. Ich kenne die Koalition, die Art von Typen, die sich für eine Braut qualifizieren. Und ich kenne mich selbst. Ich bin von der Erde, aber vier Jahre im Weltraum haben mich verändert. Die Erde ist nicht mehr dasselbe für mich. Ich kann über meine Vergangenheit nicht reden. Selbst wenn ich es könnte würde mir niemand glauben. Mir ist einfach … langweilig. Ich gehöre hier nicht mehr hin.”
“Dann gehen Sie zurück zum Geheimdienst.”
“Kann ich nicht.”
“Warum nicht?” wollte sie wissen.
Ich deutete auf ihr Tablet. “Steht da nicht, dass ich nicht zurück kann?”
Sie blickte nach unten und schaute genauer hin, ihr Finger wischte mehrmals über den Bildschirm. Sie las das Kleingedruckte, musste ich annehmen. Ich hatte nie meine eigene Akte zu Gesicht bekommen. “Ach ja. Hier steht, dass Sie aufgrund von Verletzungen ausgeschieden sind. Aber da steht nicht was für Verletzungen Sie erlitten haben.” Mit hochgezogener Augenbraue wartete sie darauf, dass ich sie aufklärte.
“Auf meiner letzten Mission bin ich verwundet worden. Irgendwann bin ich wieder gesund geworden, wollte aber nicht an den Schreibtisch verbannt werden.” Das war alles, was ich ihr anbieten konnte. Es stimmte. Ich musste ihr nicht noch verklickern, dass ich gar nicht zurückkehren durfte. Sie hatten mich vor die Wahl gestellt entweder freiwillig aus dem Dienst auszuscheiden oder letztendlich zum Ausstieg gezwungen zu werden. Der Geheimdienst rechnete nicht mit meiner Rückkehr.
Ich selbst hätte nie gedacht, dass ich je zurückwollte.
Vielleicht war meine Kopfverletzung schlimmer als angenommen. Vielleicht war ich verrückt geworden, weil ich ins Weltall zurückwollte. Aber ich würde nicht zurückgehen. Zumindest nicht in mein altes Leben dort. Ich wusste, wie es lief und es war mehr als unwahrscheinlich, dass ich mit Bruvan oder irgendwem sonst aus meinem früheren Team verpartnert werden würde.
Diese Leute mochte ich einfach nicht genügend.
Aber mit wem würden sie mich verkuppeln? Ich hatte die meisten Alienrassen getroffen. Atlanen. Prillonen. Trionen. Ich hatte nur einen Kopfgeldjäger vom Planeten Everis kennengelernt und der war verdammt sexy gewesen. Alle davon wären mir recht. Und nach diesem Traum mit zwei Kerlen war ich mir ziemlich sicher, dass es für mich nach Prillon Prime gehen würde. Ich musste es wissen. Vor lauter Neugierde würde ich sonst sterben. “Haben Sie ein Match für mich?”
Aufseherin Egara erhob sich, kam um den Tisch herumgelaufen und setzte sich auf den Metallstuhl. “Sie haben ein Match. Und es ist eine Premiere für mich.”
“Oh?”
“Sie wurden mit einem Menschen verpartnert. Einem Mann von der Erde.” Sie blickte erneut auf ihr Tablet. “Die Übereinstimmung beträgt neunundneunzig Prozent.”
Ich kletterte aus dem Stuhl und stemmte die Hände auf die Hüften. “Was? Ich werde nicht hierbleiben.” Ich war zum Testen hergekommen, um diesen Planeten zu verlassen, nicht um hier festgenagelt zu werden.
Sie schüttelte den Kopf. “Nein. Sie bleiben nicht hier. Sie wurden einem Koalitionskämpfer von der Erde zugesprochen. Er ist Captain einer ReCon-Einheit in einer Kampfgruppe der Koalition.”
“In welchem Sektor?” Ich war immer noch am Taumeln, meine Gefühle ein wildes Durcheinander nach dieser Neuigkeit. Ein Mann. Von der Erde. Ich hatte nichts gegen Männer—also menschliche Männer. Aber nach diesem heißen Traum hatte ich mir zwei riesige Prillonische Schmackos erhofft, die mich um den Verstand bringen würden.
“437. Kampfgruppe Karter.”
“Was, im Ernst?” Sektor 437 war ein bekannter Hive-Brennpunkt. Von der Kampfgruppe Karter hatte ich gehört. Äußerst fortschrittliche Technologie war in diesem Sektor beschafft worden. Die erste Nexus-Einheit der Hive war dort gefangen und eliminiert worden, von einer anderen Erdenfrau, mit der ich zusammen beim Geheimdienst gedient hatte. Meghan Simmons. Wir waren befreundet gewesen, bis sie mit einem Atlanischen Kriegsfürsten, Nyko, verpartnert wurde und sich ins zivile Leben auf Atlan zurückgezogen hatte. Ich freute mich für sie, aber nach ihrem Ausscheiden war ich allein zurückgeblieben, mit einer ganzen Menge Testosteron um mich herum.
Und dann wurde unser Schiff in die Luft gejagt. Bruvan beschuldigte mich deswegen. Das war verdammt lustig und brachte mir die Suspendierung ein.
Aber ich gehörte nicht mehr hierher. In meiner eigenen Stadt kam ich mir wie eine Fremde vor. Niemand verstand mich. Über meinen Dienst bei der Koalition konnte ich nicht reden. Morgens stand ich auf, ging zur Arbeit, gab der Nachbarkatze etwas zu fressen. Das war’s. Tag für Tag.
Ich dachte an den Traum zurück, der sich so schnell verflüchtigt hatte. Zwei Typen. Definitiv nicht menschlich. Keiner der Männer, die ich je getroffen hatte, war dermaßen geschickt. Oder vielleicht hatte ich einfach noch nicht den Richtigen getroffen? “Sind Sie sicher, dass ich nicht gerade einen riesigen Fehler mache?”
“Überaus sicher. Sollten Sie das Match akzeptieren, werden Sie zu seinem Standpunkt transportiert werden.”
Ich begann auf und ab zu marschieren und hob den Arm, um mir eine lange schwarze Haarsträhne hinters Ohr zu klemmen. Meine dunkle Mähne war eine Erinnerung an meine vietnamesische Großmutter und mehr als alles wünschte ich mir, dass sie noch am Leben wäre. Dass alle von ihnen noch da wären. Aber abgesehen von ein paar Cousins, die ich ein oder zweimal in zehn Jahren gesehen hatte, war ich auf mich allein gestellt. “Was, wenn ich ihn nicht mag?”
“Sie haben dreißig Tage Zeit, um das Match abzulehnen und jemand anderen zugeteilt zu werden.”
“Sind sie sicher, dass ich mit einem Menschen verpartnert wurde?”
“Ja. Warum fragen Sie?” Ihre Brauen zogen sich mit mehr als bloßer Neugierde nach oben und ich fragte mich, wie viel genau sie über die perversen Fantasien wusste, die sie mir ins Hirn gesetzt hatte, als ich auf dem Teststuhl lag.
Ich dachte zurück an den Traum. Zwei Männer berührten mich, ließen mich vor Lust und Verlangen regelrecht dahinschmelzen. Zuvor hatte ich diese Möglichkeit zwar nie in Betracht gezogen, aber ich konnte mich anpassen. Ein Mann reichte mir vollkommen. Ich würde bestens zurechtkommen. Mein perfektes Match. Ein Erdling. Wenigstens würde er keine Tentakel oder sonst eine Abartigkeit haben. Hervorquellende Insektenaugen. Eine gespaltene Zunge. Schuppen. Klauen. Igitt. Ich erschauderte. “Kann er zur zurück zur Erde gesendet werden, wenn sein Dienst vorüber ist?”
“Nein.”
“Warum nicht?” fragte ich wie aus der Pistole geschossen.
“Weil verpartnerte Männer nicht auf der Erde leben. Sobald er das Match akzeptiert, darf er nicht mehr zur Erde zurückkehren, dieselbe Regel gilt für Sie.”
“Dann werden wir den Rest unseres Lebens auf einem Raumschiff verbringen?”
Die Aufseherin seufzte.
“Frau Kommandantin, setzen sie sich bitte.”
Sie sprach mich mit meinem Dienstrang an und das beruhigte mich. Sie behandelte mich wie jemand aus dem Weltall und nicht wie eine gewöhnliche Erdenfrau. Also kam ich ihrer Bitte nach.
“Es sind noch nicht alle Fragen geklärt worden, genau wie zu Ihrer Zeit in der Flotte nicht alles klar ist. Aber Eines kann ich Ihnen sagen, der Test ist zu neunundneunzig Prozent zuverlässig. Ich kann Ihnen mit Sicherheit bestätigen, dass Sie mit ihrem Partner zufrieden sein werden.”
Ich dachte daran, wie zufrieden die Männer aus dem Traum mich gemacht hatten. Einen Moment lang dachte ich darüber nach, dann an eine Einzelheit, die sie eben erwähnt hatte. “Sie sind sich nur deswegen so sicher, dass das Ganze funktioniert, weil Sie selber im Weltraum waren.”
Sie nickte.
“Und trotzdem sind Sie wieder hier.”
“Ich wurde mit zwei Prillonischen Kriegern verpartnert. Sie sind im Kampf gestorben. Ich habe mich entschieden, weiterhin eine Bürgerin von Prillon Prime zu bleiben und diene der Koalition als Aufseherin, hier auf der Erde. Irgendwann, wenn ich bereit bin, werde ich neu verpartnert werden.”
Ich konnte sie verstehen. Ich sah den Kummer in ihren Augen, die Trauer über den Verlust nicht nur eines Partners, sondern zweier. Fühlte sie sich besser, wenn sie andere Bräute testete, oder verstärkte das nur den Schmerz?
Sie ließ mir keine Gelegenheit, um nachzufragen, denn sie stand auf und der Stuhl quietschte über den Boden.
“Für die Akten, nennen sie mir Ihren Namen.”
“Chloe Phan.”
“Sind Sie gegenwärtig verheiratet?”
“Nein.”
“Haben Sie biologische Nachkommen? Oder adoptierte Kinder?”
“Nein.”
“Über das Testprotokoll wurde Ihnen ein Partner zugeteilt und Sie werden vom Planeten transportiert und können nie mehr zurückkehren. Ist das korrekt?”
Nie mehr zur Erde zurückkehren. Genau, was ich wollte. “Sie meinen, ich werde die Erde verlassen und zum Schlachtschiff Karter geschickt?”
“Ja, Chloe. Genau das meine ich damit.”
Ich blickte über ihre Schulter hinweg an die Wand. Ich wollte weg hier. Ich wollte mich wieder heimisch fühlen. Dorthin, wo ich hingehörte und ein Schlachtschiff fühlte sich eher wie ein Zuhause an. Vielleicht lag der Test ja richtig.
Zum Teufel. Ich würde es schon bald herausfinden.
“Ich willige ein.”
Aufseherin Egara schaute auf ihr Tablet, wischte mit den Fingern. “Gut. Legen Sie die Hände wieder auf die Armlehnen. Ja, danke sehr. Stören Sie sich nicht an den Fesseln, die sind notwendig, damit sie für den Transport vorbereitet werden können.”
Vorbereitet? Transport? Nie zuvor war ich auf einem Stuhl transportiert worden. Und nie hatte ich dabei einen Krankenhauskittel angehabt. Ich probierte die Fesseln aus, aber es war eher eine pragmatische Geste als Panik—wie beim Klarmachen fürs Gefecht.
Wieder wischte sie über den Bildschirm und zu meinem Entsetzen schob sich der Stuhl in Richtung Wand, wo sich ein großes Loch auftat. Der Untersuchungsstuhl bewegte sich wie auf Schienen direkt auf den neuen Raum hinter der Wand zu. Der Raum war winzig und wurde von hellblauen Lichtern erleuchtet. Dann stoppte der Stuhl abrupt und ein Roboterarm mit einer langen Nadelspitze kam lautlos an meinen Hals herangefahren und hielt an, als eines der Lichter rot aufleuchtete.
“Was?” Die Aufseherin blickte verwundert auf ihr Tablet, also ersparte ich ihr eine weitere Verzögerung und erklärte ihr so viel ich konnte.
“Ich brauche keine NPU. Ich habe schon eine—mehr oder weniger.” Das Ding, das man mir damals in den Kopf gepflanzt hatte, war keine normale NPU, aber das durfte ich ihr auch nicht sagen.
Ihre grauen Augen blickten zu mir herüber, ihr Blick versprühte Neugierde und Scharfsinn zugleich. “Und warum sehe ich dann nichts davon auf meinen Scannern?”
Ich zuckte die Achseln. “Das weiß ich wirklich nicht.”
“Natürlich nicht.” Sie wirkte irritiert und ich grinste nur, um die Situation zu entspannen. Meine NPU übersetzte alle Sprachen der Koalitionsflotte, genau wie die anderen auch, war aber … mehr als nur ein Dolmetscher. Doktor Helion, der Spezialist für Hirnimplantate beim Geheimdienst hatte mir gesagt, dass diese experimentelle neurale Prozessionseinheit mit einem speziellen Material überzogen war, damit die Integrationseinheiten der Hive im Falle der Gefangennahme sie nicht aufspüren konnten.
Was Gott sei Dank nie eingetreten war.
“Na schön, Miss Phan. Viel Glück da draußen.”
Ein wohliges Gefühl der Müdigkeit ließ meinen Körper erschlaffen, als ich in die warme, blaue Flüssigkeit getaucht wurde. Es war so schön warm …
“Entpannen Sie sich, Chloe.” Ihr Finger presste auf das Display und ihre Stimme hallte zu mir herüber, als wäre sie weit, weit weg. “Ihre Abfertigung beginnt in drei … zwei … eins …”
4

Dorian, Schlachtschiff Karter, Transportraum
Als ich diesen Morgen aufwachte, war ich davon ausgegangen womöglich im Kampf gegen die Hive zu sterben und nicht, eine Partnerin in Empfang zu nehmen. Heilige Scheiße.
Und doch, als das vertraute elektrische Wummern der Transportanlage ihre Ankunft ankündigte, standen mir alle Haare zu Berge. Ihre Ankunft. Ich blickte kurz zu Seth, der, obwohl er vollkommen entspannt wirkte, fast am Durchdrehen war. Seine Hände waren zu Fäusten geballt. Nicht, um irgendjemanden die Fresse zu polieren, vielleicht aber als einziges äußeres Anzeichen seiner Furcht, seiner Angst und Sorge darüber, eine Partnerin willkommen zu heißen und was es für sie bedeuten würde, sollte er im Kampf das Leben verlieren.
Nachdem er mir erklärt hatte, warum er dieses verfluchte Weihnachtsgeschenk seiner Schwester Sarah gar nicht haben wollte—genau das waren seine Worte—, erschien seine Aufgebrachtheit sehr viel nachvollziehbarer. Er war, verständlicherweise, vollkommen paranoid, was aber mit unseren Verpflichtungen in diesem Krieg zu tun hatte. Für Seth waren diese Befürchtungen umso schwerwiegender, nachdem er von den Hive gefangen und gefoltert worden war.
Ich war nicht dabei gewesen, als er gekidnappt wurde, wusste aber sehr wohl, was für ein Schweineglück er hatte, dass er nicht getötet oder, schlimmer noch, integriert worden war.
Er war unversehrt geblieben, hatte Glück gehabt. War ohne irgendwelche Cyborg-Implantate davongekommen. Aber er sah es nicht so.
Für ihn war es ein Vorgeschmack auf das Unvermeidbare. Er wollte keine Partnerin haben, weil er sie oder ihre gemeinsamen Kinder nicht allein und wehrlos zurücklassen wollte. Seine Ansichten glichen denen eines Prillonischen Kriegers, obwohl Seth von der Erde stammte. Was die Verpartnerung eines Kriegers anbelangte, so teilte er aber die eigenartigen Moralvorstellungen seines Heimatplaneten. Ein Mann für eine Frau. Auf Prillon gab es immer zwei Krieger für eine interstellare Braut. Zwei Männer, um sie zu beschützen, zu verehren, zu lieben und ihre Partnerin in den siebten Himmel zu ficken.
Ich rührte mich und der bloße Gedanke daran, diese Frau für mich zu beanspruchen, ließ meinen Schwanz hart werden. Mir und Seth würde sie gehören. Eine Frau, um sie miteinander zu teilen.
Und als ich diesen Morgen aufwachte, hatte ich definitiv nicht gedacht, mit meinem besten Kumpel zusammen heute eine Frau ins Bett zu bekommen. Wir würden ihr das Hirn rausvögeln und ihr derartiges Vergnügen bereiten, dass sie sich nicht mehr daran erinnern würde, von welchem Planeten sie kam.
Zu kühn? Götter, und wie. Mein ganzes Leben lang hatte ich auf meine Partnerin gewartet, nach dem Tod meines Cousins hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben. Ich war nicht getestet worden, hatte im Grunde gar kein Anrecht.
Seth allerdings war durch die Hölle gegangen. Er hatte eine Partnerin verdient. Er brauchte sie.
“Transport.” Die Worte des Technikers unterbrachen meinen Gedankenflug.
Seth verkrampfte sich sichtlich.
Das Knistern und Summen des Transportvorgangs wurde eindringlicher und verstummte, als eine weibliche Gestalt auf der Transportfläche materialisiert wurde. Sie sah aus wie eine ohnmächtige Flüchtige aus einer Krankenstation, ihr kleiner Körper war in ein familiäres Gewand gehüllt, aber die Worte, mit denen der Stoff bedruckt war, waren fremdartig. Englisch. Seth sprach ebenfalls Englisch und während ich die Sprache perfekt verstehen konnte, wann immer er mit mir redete, funktionierte die NPU ohne vorherige Praxis nicht bei der geschrieben Sprache.
War sie verletzt? Oder vor dem Transport krank gewesen? Seth eilte an ihre Seite und fiel vor ihr auf die Knie.
“Ruft die Sanitäter!” brüllte er, ohne darauf zu achten, ob seiner Anweisung Folge geleistet wurde.
Aber ich achtete darauf. Mit zusammengekniffenen Augen beobachtete ich die beiden Techniker und stellte sicher, dass umgehend ein Arzt zur Stelle sein würde. Diese Frau war meine Partnerin und was sie betraf, so würde ich keine Risiken eingehen, auch keine Verzögerung dulden, sollte jemand halbherzig seinen Job machen. Ich hatte noch nicht einmal ihr Gesicht gesehen. Nur bemerkt, dass sie winzig war, im Vergleich zu mir. Der dünne Kittel bedeckte ihren Torso und reichte ihr bis zu den Knien, aber der Schlitz—am Rücken entlang—entblößte ihren schlanken Oberschenkel. Ihre Haut war dunkler als Seths, jedoch heller als mein goldener Teint. Ihr Haar war schwarz wie endloser Weltraum und als Seth sie in die Arme schaufelte, fiel es in einer seidigen Welle über ihren Rücken und über Seths Brust.
Er strich ihr das Haar aus dem Gesicht, während er jeden Zentimeter an ihr begutachtete. “Sie atmet.”
Mir war nicht bewusst, wie angespannt ich war, bis meinen Lungen ein aufgestauter Atemzug entwich. Erleichtert ließ ich die Schultern hängen. Wenn sie atmete, dann hatte sie auch einen Puls. Sie war nicht tot. Als sie ein zartes Wimmern verlauten ließ, zog Seth sie noch enger an sich heran.
Ich knickte ein und berührte sie, behutsam umfasste ich ihr Sprunggelenk, ich spürte die Wärme ihrer Haut, wie zart sie war. Ich spürte den Pulsschlag in der Vertiefung zwischen ihren schmalen Knochen.
Ich blickte zu Seth und sah etwas, was ich nie zuvor an ihm gesehen hatte.
Ehrfurcht.
Staunen.
Eifersucht.
All das konnte ich ausmachen, denn ich fühlte genau dasselbe. Jedes einzelne dieser Gefühle. Aber als Prillone war ich auch stolz darauf, dass Seth unsere Partnerin in den Armen hielt, dass er sie mit seinem Leben beschützen würde, wie ich mein Leben für sie geben würde.
“Wo zum Teufel bleibt der Doktor?” fragte ich.
Der Techniker wurde ganz bleich und schluckte schwer, als er meine Frage hörte.
“Sir, sie ist unterwegs.”
“Sie wacht auf,” sprach Seth, in seiner Stimme lag ein Hauch von Hoffnung und … Verwunderung.
Ich sprang an ihre Seite und rutschte ebenfalls auf meine Knie, damit sie zwischen uns lag, auch wenn sie weiterhin auf Seths Schoß ruhte.
Blinzelnd öffnete sie die Augen und ich spürte einen Ruck in der Magengegend. Es war wie ein Betäubungsschuss aus einer Ionenkanone. Ihre Augen waren groß und grün. Ich hatte nur wenige Leute mit dieser Augenfarbe gesehen und diese waren definitiv alle von der Erde. Mit ihrem schwarzen Haar und ihrer getönten Hautfarbe aber leuchteten ihre Augen beinahe.
Ich beobachtete ihre schlanke Kehle, als sie schluckte und wie ihre rosa Zunge hervorhuschte und ihre dralle Unterlippe befeuchtete. Auf einmal war sie wach, zu meiner Überraschung—und Seths. Sie setzte sich auf, ihr Scheitel stieß gegen Seths Kinn und klappte ihm den Kiefer zu, sodass er nach hinten fiel und auf dem harten Boden landete.
“Langsam,” beschwichtigte Seth und strich ihr über den Arm.
“Alles bestens,” sprach sie, ihre Stimme klang bestimmt, aber lieblich. Alles an ihr war lieblich, fein. Sanft. Sie wirkte … verletzlich.
Wie zum Teufel sollte ich sie nur ficken, ohne ihr dabei eine Rippe zu brechen oder die Zähne zu ramponieren? Ich war alles andere als klein oder zaghaft. Vorsichtig richtete ich sie auf und setzte sie etwas ungeschickt auf meine Oberschenkel, da ich weiter auf den Knien hockte. Ich wollte sie nicht auf dem kalten Boden sitzen lassen. Sie sollte es bequem haben. Das verdiente sie.
Wieso? Weil sie meine Partnerin war. Kein weiterer Grund war nötig.
“Sicher, alles bestens, lass dir aber einen Moment Zeit,” sprach ich. “Du hast einen weiten Weg hinter dir.”
Daraufhin hielt sie inne, dann drehte sie sich zu Seth um.
Ich hatte zwar nicht die Tür gehört, aber ich hörte deutlich die hastigen Schritte, bevor ich den Unterkörper der Ärztin sehen konnte, als sie sich neben uns hockte.
“Sie sehen gut aus,” merkte sie zu unserer Partnerin an.
Ich hatte die Ärztin zuvor schon getroffen. Eine sachkundige Atlanin.
Unsere Partnerin befreite sich aus meinem Griff, sie stützte sich auf meinen Arm und stand auf. Mit einer Hand fasste sie sich an den Rücken, um die Lücke ihres eigenartigen Umhangs zu schließen. Seth stand hastig auf und stellte sich hinter sie.
Gut. So bekamen die Techniker nicht ihre nackte Haut zu sehen. Auf keinen Fall. Wenn Seth sich nicht ihrer Blöße angenommen hätte, dann hätte ich es getan. Stattdessen aber blieb ich unten, was unseren Größenunterschied nur umso eindringlicher machte. Seth war ein Mensch, überragte sie aber um gut einen Fuß. Ich würde noch weitere fünfzehn Zentimeter draufsetzen und ich wollte sie nicht verschrecken.
Sie durfte keine Angst vor mir bekommen. Niemals.
“Alles bestens,” wiederholte sie. “Bis auf den Kopfschmerz.”
“Hmm,” summte die Ärztin und musterte sie mit professionellem Blick von Kopf bis Fuß. “Dann fangen wir mal von vorne an. Wie lautet ihr Name?”
“Chloe Phan.”
Chloe.
“Woher kommen Sie?”
“Von der Erde. Texas.” Chloe seufzte. “Sehen Sie, ich brauche nur einen ReGen-Stift für den Kopfschmerz und alles ist wieder in Ordnung. Nach dem Transport bekomme ich immer einen.”
Die Ärztin legte verwundert den Kopf zur Seite, sparte sich aber jeden Kommentar. Seth allerdings nicht.
“Du bekommst nach dem Transport immer einen? Wie oft hast du das schon gemacht?” Er packte ihren Kittel und knüllte die Enden in seiner Faust zusammen, als er sich vorbeugte und ihr in die Augen blickte.
Sie rüttelte ihre Schultern, um sich aus seinem Griff zu befreien, fasste aber nach hinten, um ihr schmuckloses Gewand selbst zusammenzuhalten. Ich wollte sie in etwas sehen, das nicht wie ein schlaffer Kartoffelsack aussah. Verdammt, ich wollte sie gänzlich unbekleidet haben—aber erst, wenn wir zurück in Seths Quartier sein würden. Einem Quartier für frisch Verpartnerte.
Einen Moment lang wirkte Chloe nachdenklich. “Zu oft, um mitzuzählen.”
Die Ärztin stocherte auf ihrem Tablet herum, blickte auf den Bildschirm. “Können Sie mir “Phan” bitte buchstabieren?”
Chloe tat, wie sie wünschte.
Die Ärztin erstarrte.
“Ist sie krank?” wollte ich wissen, als die Ärztin wie angewurzelt dastand und auf den Bildschirm starrte. Mein Herz setzte einen Schlag aus, genau wie meine Atmung, während ich auf ihre Antwort wartete.
Anstatt zu antworten, nahm sie ihren ReGen-Stift vom Gürtel und überreichte ihn unserer Partnerin.
Chloe fuchtelte nicht unbeholfen damit herum, sondern betätigte ihn zielgerichtet und das blaue Licht leuchtete auf, als sie mit dem Stab über ihrem Kopf hin und her wedelte. Sie schloss die Augen und ließ den Stift seine Arbeit tun.
“Stopp. Was zum Teufel ist hier los?” fragte Seth und verschränkte die Arme vor der Brust. “Warst du schon mal im Weltraum?”
“Ja.”
“Als Braut?”
Sie schüttelte den Kopf, hielt ihre Augen aber geschlossen. “Nein. Nicht als Braut. Ist das wichtig?”
“Nein.” Seth und ich antworteten im Gleichtakt und ihr Mund verzog sich zu einem zaghaften Lächeln. Die dünnen Sorgenfältchen um ihre Augen und Lippen entspannten sich und sie erschien, wenn das überhaupt möglich war, sogar noch schöner als zuvor, während sie sich der heilenden Wärme des ReGen-Stifts hingab. Ich kannte dieses Gefühl nur zu gut, wenn der Schmerz sich einfach in Luft auflöste. Ihre Stimme klang jetzt weicher, als ob sie halb eingeschlummert war und mein Schwanz richtete sich in freudiger Erwartung auf, bis ich ihre nächsten Worte registrierte.
“Ich war eine Koalitionskämpferin.”
“Ich würde sagen,” die Ärztin erhob sich grummelnd aus ihrer Hockstellung, “… ich bin hier überflüssig. Denken Sie daran, Chloe, Sie sind nicht im Dienste der Koalition hier, sondern als Braut. Ihre Partner werden sich hervorragend um Sie kümmern.”
Sie machte auf dem Absatz kehrt und entfernte sich. Wovon zum Teufel redete die Ärztin da?
“Halt.” Chloe riss die Augen auf und ließ die Hand mit dem ReGen-Stift in ihren Schoß fallen. “Partner?”
Daraufhin musste Seth grinsen. “Du bist mit mir verpartnert worden. Mein Name ist Seth Mills.” Mit dem Kinn deutete er in meine Richtung. “Und Dorian ist mein Zweiter.”
Sie runzelte die Stirn, zwischen ihren zarten Augenbrauen formte sich ein kleines V. “Du bist von der Erde. Amerikaner, Kanadier?”
“Amerikaner. Durch und durch, Liebling.” Seth grinste über beide Ohren.
Ihre grünen Augen wanderten von Seth zu mir. “Ja, aber Erdenmänner teilen sich normalerweise keine Frauen. Es sei denn, sie stehen auf Dreier.”
Als Seth lachen musste, blickte sie wieder zu ihm. “Nur mit Dorian.” Er trat näher und strich ihr Haar zur Seite. “Ich werde dich ausschließlich mit ihm teilen. Solltest du uns aber nicht zu zweit haben wollen, musst du es nur sagen, Liebling.”
Mein Herz setzte aus, als Seth ihr ein Schlupfloch anbot, vor ihm. Vor mir. Ich war erst ein paar Minuten lang in ihrer Nähe, aber ich wollte sie schon jetzt für mich behalten. Sie ficken. Sie beschützen und für mich beanspruchen. Sie war ein Traum, die wahr gewordene Fantasie eines Kriegers, voller Kurven und seidiger Schönheit. Ihre Augen sprangen von Seth zu mir und ihre Atmung beschleunigte sich, ihr Puls hämmerte an ihrem Hals.
Ich starrte sie an, ohne irgendetwas zu verbergen, weder meine Lust noch die Art, wie ich ihre Schönheit bewunderte. Sie sollte genau wissen, was ich ihr zu bieten hatte. Was wir von ihr erwarten würden. Selbstaufgabe. Unterwerfung. Ihr Herz. Ich würde mich nicht mit weniger begnügen und ich wusste, dass Seth genauso unnachgiebig sein würde wie ich, wenn es darum ging, unsere Partnerin auf jede erdenkliche Art zu erobern. Mit Leib und Seele.
Ich erkannte den Augenblick, als sie ihre Entscheidung traf, die Sehnsucht in ihren Augen, nur Momente, bevor ihre Wangen dunkelrosa anliefen. “Bist du dir darüber sicher?” Die Frage galt mir, aber wie wandte sich wieder Seth zu. “Er ist Prillone. Du bist ein Mensch. Wenn wir das hier durchziehen, dann kannst du es dir hinterher nicht anders überlegen und sauer werden, wenn ich ihn ins Bett kriegen will. Oder falls ich mich auch in ihn verliebe. Oder falls ich ein Prillonisches statt ein menschliches Baby bekomme.” Sie zählte diese Möglichkeiten auf, als handelte es sich um unausweichliche Tatsachen. Dass sie mich lieben würde. Mich wollen würde. Mein Kind in sich tragen würde.
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