Kitabı oku: «Curriculum Prothetik»

Yazı tipi:

M. Kern, S. Wolfart, G. Heydecke, S. Witkowski, J. C. Türp, J. R. Strub

Curriculum Prothetik • Band I

Curriculum

Prothetik

Band I

 Geschichte

 Grundlagen

 Behandlungskonzept

 Vorbehandlung

M. Kern,

S. Wolfart

G. Heydecke

S. Witkowski

J. C. Türp

J. R. Strub

5., überarbeitete und erweiterte Auflage


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5., überarbeitete und erweiterte Auflage


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© 2022 Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin

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Zeichnungen: Christine Rose, Florian Curtius, Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin

Lektorat: Anita Hattenbach, Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin

Layout und Herstellung: Ina Steinbrück, Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin

Reproduktionen: Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin

ISBN: 978-3-86867-614-3 (Band I)

ISBN: 978-3-86867-615-0 (Band II)

ISBN: 978-3-86867-616-7 (Band III)

Die Autoren dieses Buches

Prof. Dr. med. dent. Matthias Kern

Ärztlicher Direktor der

Klinik für Zahnärztliche Prothetik, Propädeutik und Werkstoffkunde

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Prof. Dr. med. dent. Stefan Wolfart

Ärztlicher Direktor der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomaterialien

Universitätsklinikum Aachen

Prof. Dr. med. dent. Guido Heydecke

Klinikdirektor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik

Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg

ZTM Siegbert Witkowski

Laborleiter der Klinik für Zahnärztliche Prothetik

Universitätsklinikum Freiburg

Prof. Dr. med. dent. Jens Christoph Türp

Klinik für Oral Health & Medicine

Universitäres Zentrum für Zahnmedizin Basel (UZB)

Prof. em. Dr. med. dent. Dr. h. c. Jörg Rudolf Strub

Ehemaliger Ärztlicher Direktor der Abteilung für Zahnärztliche Prothetik

Universitätsklinikum Freiburg

unter Mitarbeit von:

Prof. Dr. med. dent. Kurt Werner Alt

Direktor des Zentrums Natur- und Kulturgeschichte des Menschen

Danube Private University Krems

Prof. em. Dr. med. dent. Dr. rer. nat. Jens Fischer

Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin

Universitäres Zentrum für Zahnmedizin Basel (UZB)

Prof. Dr. rer. biol. hum. Dipl.-Ing. (FH) Bogna Stawarczyk, M.Sc.

Wissenschaftliche Leiterin Werkstoffkunde

Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik

Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)

Vorwort zur 5. Auflage

Vor mehr als 25 Jahren ist die erste Auflage unseres dreibändigen Lehrbuchs Curriculum Prothetik erschienen. In relativen kurzen zeitlichen Abständen erschienen dann die überarbeiteten Auflagen zwei, drei und vier. Inzwischen sind über 11 Jahre vergangen, bevor nun diese grundlegend aktualisierte fünfte Auflage erscheinen konnte. Dieser relativ lange Zeitraum war unter anderem dadurch begründet, dass alle Autoren in dieser Zeit mit umfangreichen Leitlinienprojekten und anderen Buchprojekten beschäftigt waren, die eine Neuauflage Curriculum Prothetik in der Prioritätenliste immer wieder nach hinten rücken ließen. Und als Anfang des Jahres 2020 für die nun fachlich dringlich gebotene Neuauflage alle Manuskripte druckfertig vorlagen, trat die Corona-Pandemie auf den Plan und stoppte vorerst die Umsetzung in den Druck.

Mit zwei Jahren Verzögerung ist es nun aber so weit: Sie halten die fünfte Auflage des dreibändigen Lehrbuchs Curriculum Prothetik nochmals aktualisiert in Ihren Händen. Denn durch die erneute Verzögerung konnten ganz aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen und Leitlinien berücksichtigt werden. Beispielhaft erwähnt sei das Erscheinen der S3-Leitlinie zur Parodontitistherapie (Dez. 2020) und deren Umsetzung in die GKV-Behandlungsrichtlinien (Juli 2021), die leicht in das synoptische Behandlungskonzept integriert werden konnten, da dieses deren Prinzipien in allen Vorauflagen schon beinhaltete. Aber auch aktuelle digitale Entwicklungen und erst in diesem Jahr publizierte Studienergebnisse konnten so noch Eingang in diese Auflage finden.

Prof. em. Dr. Dr. h. c. Jörg R. Strub, der die ersten vier Auflagen federführend verantwortete und für die Etablierung des Curriculum Prothetik als umfassendes deutsches Standard-Lehrbuch in der Zahnärztlichen Prothetik maßgeblich verantwortlich ist, hat den Staffelstab an seine Schüler übergeben und sich in die Rolle des Seniorautors begeben. Lieber Jörg, die Autoren danken Dir für Deine Arbeit, Dein Leiten und Dein Motivieren über die vergangenen Jahrzehnte, ohne die das Curriculum Prothetik nicht zu dem geworden wäre, was es heute ist.

Neu zu unserem Autor*innen-Team hinzugestoßen ist Frau Prof. Dr. Bogna Stawarczyk, München, die die werkstoffkundlichen Kapitel mit Unterstützung des bisherigen Autors Prof. em. Dr. Dr. Jens Fischer, Basel, aktualisiert und ergänzt hat. Wir freuen uns über diese kompetente Erweiterung unseres Teams. Erstmalig wurde den neu entwickelten Hochleistungskunststoffen ein eigenes Kapitel gewidmet.

Liebe Leser*innen, wenn auch viele schon in der ersten Auflage des Curriculum Prothetik vermittelte Grundlagen heute noch Bestand haben, so haben sich die prothetischen Verfahren und Möglichkeiten in den letzten Jahren doch stark verändert. Vor allem minimalinvasive und implantatprothetische Therapieansätze, neue metallfreie Materialien und digitale Methoden in Diagnostik, Planung, Therapie und zahntechnischer Herstellung haben zu erheblichen Verbesserungen in der prothetischen Versorgung der Patienten geführt. Dies alles hat Eingang in die vorliegende Neuauflage gefunden, so dass diese nicht nur für die aktuell Zahnmedizin Studierenden, sondern auch für alle diejenigen von hohem Nutzen sein wird, die vielleicht früher mit Hilfe einer der vorigen Ausgaben des Curriculum Prothetik aus- oder fortgebildet wurden, und jetzt ihr Wissen updaten wollen.

Liebe Leser*innen, wir hoffen, dass die fünfte Auflage des Curriculum Prothetik Ihnen nicht nur im Studium, sondern auch darüber hinaus in der täglichen zahnärztlichen Praxis eine sichere Hilfestellung bietet, eine qualitativ hochwertige zahnmedizinische Therapie zum Wohle Ihrer Patient*innen durchzuführen.

Was in diesem Vorwort gut funktioniert, stellte sich für das gesamte Curriculum Prothetik als schwierig umsetzbar heraus, so dass wir aus Gründen der besseren Lesbarkeit in den drei Bänden auf die gleichzeitige Verwendung männlicher, weiblicher und weiterer Geschlechterformen verzichten. Dies impliziert keinesfalls eine Benachteiligung der jeweils anderen Geschlechter. Personen- und Berufsbezeichnungen sind daher in der Regel als geschlechtsneutral zu verstehen.

Kiel, im Februar 2022

Matthias Kern

Vorwort zur 4. Auflage

Der beständige Erfolg der bisherigen drei Auflagen veranlasste Herrn Wolters, Geschäftsführer des Quintessenz Verlages, bei mir nachzufragen, inwieweit mit einer überarbeiteten Neuauflage zu rechnen sei. Gerne würde er uns eine renommierte Zeichnerin an die Seite stellen, die für neue Impulse sorgen würde. Selbstverständlich reagierte ich sofort und nahm Kontakt mit dem Autorenteam auf.

An dieser Stelle danke ich Prof. Dr. M. B. Hürzeler und Prof. Dr. H. Kappert ganz herzlich für die jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit. Sie sind anderweitig gebunden und waren leider nicht mehr in der Lage mitzuarbeiten. Wir haben uns überlegt, wer von den jungen, dynamischen Hochschullehrern in Frage kommen könnte, im Autorenteam mitzumachen. Prof. Dr. G. Heydecke, Hamburg, Prof. Dr. S. Wolfart, Aachen, und PD Dr. Dr. J. Fischer, Bad Säckingen, erklärten sich auf unsere Anfrage hin spontan dazu bereit, diesen intensiven Überarbeitungsprozess zu unterstützen.

Infolgedessen können wir Ihnen mit dieser Auflage den Stand der Wissenschaft in Bezug auf die synoptische Zahnmedizin und Zahntechnik präsentieren. Studierende, Zahnärzte und Zahntechniker können sich möglicherweise von unserer Begeisterung für eine hochkarätige Zahnmedizin anstecken lassen.

Wir wünschen uns, dass Sie beim Lesen des überarbeiteten Curriculum Prothetik Themen und Techniken finden, die Ihre Neugier und Ihren Forschergeist wecken.

Freiburg, im Juli 2010

Jörg R. Strub

Vorwort zur 3. Auflage

Der anhaltende Erfolg unseres Curriculum Prothetik hat die Autoren in ihrer Auffassung bestätigt, mit diesem dreibändigen Werk eine Lücke gefüllt zu haben. Erfreulicherweise ist der Zuspruch der beiden vorigen Auflagen nicht auf Studierende beschränkt geblieben; auch von vielen ZahnärztInnen und ZahntechnikerInnen haben wir positive Resonanz erfahren. Teile des Curriculum liegen inzwischen in einer albanischen Fassung vor; eine englischsprachige Version der jetzt vorliegenden Neubearbeitung ist in Vorbereitung. Seit Erscheinen der (inzwischen vergriffenen) 2. Auflage sind wiederum 5 Jahre vergangen. In diesem Zeitraum haben sich in der zahnärztlichen Prothetik und den angrenzenden Gebieten (Werkstoffkunde, Implantologie, Funktionsdiagnostik und -therapie usw.) zum Teil gewaltige Fortschritte und Neuerungen ergeben. Daher war es höchste Zeit für eine Aktualisierung. Jedes Kapitel wurde gründlich überarbeitet. Neue Themen sind hinzugekommen (Patientenzufriedenheit und mundgesundheitsbezogene Lebensqualität); gleichzeitig wurden zwischenzeitlich überholte Lehrinhalte gestrichen. Dadurch ist es uns gelungen, den mit Neubearbeitungen meist verbundenen Zuwachs an Seitenzahlen gering zu halten. Wir hoffen, dass unsere 3. Auflage eine ähnliche positive Zustimmung finden wird wie die beiden Auflagen zuvor.

Freiburg, im Mai 2004

Jörg R. Strub

Vorwort zur 2. Auflage

Im Frühjahr 1998 sind wir von den Mitarbeitern des Quintessenz-Verlages gebeten worden, die zweite Auflage des Curriculum Prothetik vorzubereiten. Da zwischen der ersten und zweiten Auflage nur vier Jahre vergangen sind, läge es nahe, die Bände ohne Änderungen zu veröffentlichen. Auf Anregung unserer StudentInnen und einiger Rezensenten haben wir uns dennoch bei der Neuauflage entschlossen, einige Ungereimtheiten zu eliminieren, gewisse Kapitel umfassender zu gestalten und neue Bereiche hinzuzufügen. Zu diesen Überlegungen trug die Beobachtung bei, dass sich der Kreis der Leser über die angesprochene Gruppe der Studierenden hinaus erweitert hat und die diskutierten Themen auch niedergelassene ZahnärztInnen und ZahntechnikerInnen angesprochen haben. Damit haben wir zum Teil das in meinem Vorwort von 1994 erwähnte Ziel erreicht.

Freiburg, im Oktober 1998

Jörg R. Strub

Vorwort zur 1. Auflage

Die zahnärztliche Prothetik hat sich in den letzten zwanzig Jahren aufgrund der Entwicklung neuer Materialien und Behandlungsmethoden und der Gewinnung neuer Erkenntnisse aus der Forschung sehr stark weiterentwickelt. Die zahnärztliche Sanierung unserer Patienten im Rahmen unseres synoptischen Behandlungskonzepts gewinnt, unter Einbeziehung der klassischen Gebiete, wie der festsitzenden, abnehmbaren und kombinierten Prothetik, und unter Berücksichtigung materialkundlicher Aspekte, immer mehr an Bedeutung. Für den Langzeiterfolg sind die Prävention von Erkrankungen des stomatognathen Systems, die präprothetische Vorbehandlung, eine qualitativ hochwertige prothetische Behandlung und eine oft lebenslang andauernde Nachsorge von entscheidender Bedeutung. Nach Zahnverlust ist der aufgeklärte Patient oft nicht mehr nur mit der Wiederherstellung der Kaufunktion und des Kaukomforts zufrieden, sondern es müssen auch ästhetische, phonetische und psychische Aspekte mitberücksichtigt werden. Der optimal informierte, prothetisch tätige Zahnarzt arbeitet heute im Team mit verschiedenen Spezialisten der Medizin, Zahnmedizin, Zahntechnik und zahnärztlichen Prophylaxe (Dentalhygienikerin, Prophylaxehelferin) zusammen. Vor rund drei Jahren wurde mir von Mitarbeitern des Quintessenz-Verlags der Vorschlag gemacht, den Inhalt der Vorlesungen und Seminare, die im Rahmen der Studentenausbildung und Assistentenfortbildung gehalten wurden und werden, zu einem Kompendium zusammenzufassen. Obwohl auf aufwändige Darstellungen bewusst verzichtet worden ist, um den Verkaufspreis in einem erschwinglichen Rahmen halten zu können, sind es dennoch drei Bände geworden. Der Grund liegt in den umfangreichen Lehrinhalten der modernen zahnärztlichen Prothetik und ihren Randgebieten. Die vorliegenden Bände erheben aber nicht den Anspruch, ein Lehrbuch im klassischen Sinne zu sein, welches unter Darlegung des gesamten wissenschaftlichen Hintergrunds das Fach Zahnärztliche Prothetik darstellt, denn in einem solchen Werk würde der Leser mit Recht ein umfangreicheres Literaturverzeichnis erwarten. Die Literaturhinweise in dieser Buchreihe beschränken sich bewusst auf die wichtigsten Publikationen und Lehrbücher, die auch in jeder medizinischen Bibliothek zur Verfügung stehen. Vermittelt werden in dem vorliegenden Kompendium vor allem die Lehrinhalte, die an der Abteilung Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg vertreten und unterrichtet werden, so dass eine schwerpunktmäßige Auswahl nicht ausbleibt. Meinen früheren Lehrern und Mentoren Prof. Dr. P. Schärer, Zürich, Prof. Dr. Dr. h. c. H. R. Mühlemann, Zürich, Prof. Dr. N. K. Sarkar, New Orleans, Prof. Dr. H. H. Renggli, Nijmegen, und Prof. Dr. U. C. Belser, Genf, bin ich zu großem Dank verpflichtet, denn sie haben mir die theoretischen Grundlagen und das klinische Rüstzeug mitgegeben, um das synoptische Behandlungskonzept in Lehre und Forschung realisieren zu können. Den Freunden und Mitarbeitern meiner Klinik bin ich für die große Unterstützung und die kritischen Anregungen bei der Herstellung des Manuskripts dankbar. Weiterhin bedanke ich mich bei Herrn cand. med. dent. H. Schulze für die Anfertigung der Zeichnungen, sowie bei der Sekretärin Frau A. Wehrle, dem Verleger Herrn H.-W. Haase und allen Mitarbeitern des Quintessenz-Verlags, Berlin, die dieses Projekt in aufopfernder Art und Weise unterstützt haben.

Es war mir seit längerer Zeit ein Anliegen, den Studierenden der Zahnmedizin eine Darstellung der Grundlagen der synoptischen Zahnmedizin unter spezieller Berücksichtigung der zahnärztlichen Prothetik, der Materialkunde und der Zahntechnik in die Hand zu geben, die so gestaltet ist, wie ich es mir während meines Studiums als unterrichtsbegleitendes Fachbuch gewünscht hätte. Ich würde mich freuen, wenn das Autorenteam diesem Ziel sehr nahe gekommen ist. Es ist zu hoffen, dass das Curriculum Prothetik in dieser aktuellen Form nicht nur Studierende der Zahnmedizin anspricht, sondern auch engagierte ZahntechnikerInnen und interessierte ZahnärztInnen.

Freiburg, im Juni 1994

Jörg R. Strub

Danksagung

Die Autoren danken dem Quintessenz-Verlag und hier allen voran Frau Anita Hattenbach, die mit beispielhaftem Engagement und einer unglaublichen Genauigkeit das Entstehen dieser Neuauflage befördert hat. Der Zeichnerin Frau Christine Rose ist für die präzise und geduldige Umsetzung aller Wünsche bezüglich der Zeichnungen zu danken. Dem aus dem Quintessenz-Verlag ausgeschiedenen ehemaligen Verlagsleiter Herrn Johannes Wolters danken die Autoren für die Initiierung der 5. Auflage und dem Verleger Christian W. Haase und allen ansonsten beteiligten Verlagsmitarbeiter*innen für die angenehme und problemlose Zusammenarbeit.

Zu besonderem Dank sind die Autoren allen Mitarbeiter*innen ihrer universitären Kliniken und den Studierenden an allen Standorten verpflichtet, die durch vielfältige Anregungen zur Überarbeitung und Aktualisierung dieser 5. Auflage beigetragen haben.

Weiterhin wird folgenden Kollegen herzlich für Ihre Unterstützung bei der Überarbeitung der Neuauflage gedankt: Herrn Dr. Matthias Krummel, Kiel, und Dr. Ove Peters, San Francisco, bei Aktualisierung endodontischer Aspekte in Kapitel 9 sowie Herrn Prof. Dr. Dr. Peter Proff, Regensburg, bei Aktualisierung kieferorthopädischer Aspekte in Kapitel 13.

Inhaltsverzeichnis

Band I

1Die historische Entwicklung der zahnärztlichen Prothetik

1.1Einleitung

1.2Heilkunst und Kulturgeschichte

1.3Der kosmetisch-ästhetische Wert der Zähne in Vergangenheit und Gegenwart

1.4Ernährung und Zahnverlust

1.5Die Bedeutung archäologisch-prothetischer Fundobjekte für die zahnmedizinhistorische Forschung

1.6Früheste archäologische Quellen zur Zahntechnik aus Ägypten

1.7Zahnersatz zur Zeit der Antike (Etrusker, Phöniker, Griechen, Römer)

1.7.1Etrusker

1.7.2Phöniker

1.7.3Griechen

1.7.4Römer

1.8Zahnersatz vom Ende der Antike bis zum Ausgang des Mittelalters

1.9Zahnersatz der Neuzeit

Literatur

2Einführende anatomisch-prothetische Grundlagen

2.1Terminologie, Zahnschemata und Zahnmerkmale

2.1.1Terminologie

2.1.2Zahnschemata

2.1.3Zahnmerkmale

2.2Phylogenese der Zähne

2.3Odontogenese, Zahndurchbruch und Milchzähne, Durchbruchszeiten der bleibenden Zähne

2.3.1Odontogenese

2.3.2Zahndurchbruch und Milchzähne

2.3.3Durchbruchszeiten der bleibenden Zähne

2.4Aufbau der Zähne und des Zahnhalteapparats

2.4.1Aufbau der Zähne

2.4.2Aufbau des Zahnhalteapparats

2.5Makroskopische Anatomie der Perioralregion und der Mundhöhle

2.6Morphologie der bleibenden Zähne

2.6.1Wurzeln, Wurzelkanäle und Höckerzahl

2.6.2Zahnlängen und Zahndurchmesser

2.6.3Frontzähne

2.6.4Seitenzähne

2.7Gebiss als Ganzes

2.7.1Zahnbogen und Bezugsebenen – Definitionen

2.7.2Okklusion der Zahnreihen

2.7.3Zahn-zu-Zahn-Beziehungen

2.7.4Okklusionskonzepte der dynamischen Okklusion

2.8Anatomie: Stomatognathes System, Unterkiefer, Kaumuskulatur, Zungenbeinmuskulatur, Kiefergelenke

2.8.1Stomatognathes System

2.8.2Unterkiefer

2.8.3Kaumuskulatur

2.8.4Zungenbeinmuskulatur

2.8.5Kiefergelenke

2.8.6Unterkieferbewegungen

Literatur

3Synoptisches Behandlungskonzept

3.1Einleitung

3.2Behandlungskonzept

3.3Diskussion

Literatur

4Anamnese

4.1Einleitung

4.2Erläuterungen zum Gesundheitsfragebogen

Literatur

5Befundaufnahme und Planung

5.1Einleitung

5.2Erhebungen anhand des Befundbogens

5.2.1Anamnese

5.2.2Befund

5.3Praktische Maßnahmen am (bezahnten) Patienten

5.3.1Situationsabformung in Ober- und Unterkiefer

5.3.2Arbiträre Gesichtsbogenübertragung

5.3.3Zentrisches Wachsregistrat

5.4Arbeiten und Analysen im Labor

5.4.1Montage des Oberkiefermodells im Artikulator (SAM 2P)

5.4.2Montage des Unterkiefermodells

5.4.3Kontrolle und Analysen

5.5Komplettierung des Befundbogens

5.5.1Diagnose

5.5.2Zahnbezogene Prognose

5.5.3Weitere diagnostische und Behandlungsmaßnahmen sowie Behandlungsplanung mit Terminplanung

5.6Rechtliche Aspekte – Patientenaufklärung

Literatur

6Hygienephase: Parodontale Vorbehandlung

6.1Einleitung

6.2Ablauf

6.2.1Behandlung akuter Probleme

6.2.2Zahnsteinentfernung/Zahnreinigung

6.2.3Beeinflussung der Plaque durch chemische Agentien (Spüllösungen)

6.2.4Rekonturieren insuffizienter Füllungen, Entfernen abstehender Kronenränder und Korrektur von falsch gestalteten Brückenzwischengliedern

6.2.5Elimination grober Vorkontakte

6.2.6Provisorische Versorgung kariöser Läsionen und apikaler Aufhellungen

6.2.7Reparatur und provisorische Versorgung von abnehmbarem Zahnersatz

6.2.8Reevaluation der Hygienephase

Literatur

7Hygienephase: Aufklärung, Mundhygienemotivation und -instruktion

7.1Einleitung

7.2Aufklärung und Motivation zur Mundhygiene

7.3Instruktion in die Mundhygiene

7.3.1Zahnbürste

7.3.2Zahnputztechniken

7.3.3Elektrozahnbürsten

7.3.4Zahnpasta

7.3.5Interdentalraumreinigung

7.3.6Mundduschen

7.3.7Anwendung von Spüllösungen zur Plaquehemmung

7.3.8Empfehlungen zu Häufigkeit und Dauer der Mundhygienemaßnahmen

7.4Kariesprophylaxe durch Fluoridanwendung

7.5Prothesenpflege

Literatur

8Hygienephase: Ernährungsberatung – Der Einfluss der Ernährung auf die Zahngesundheit

8.1Einleitung

8.2Plaque, Kohlenhydrate und Zahngesundheit

8.3Erosionen

8.4Ernährungsanamnese und -beratung

8.5Zuckeraustauschstoffe und künstliche Süßstoffe

8.6Ernährungsempfehlungen

9Präprothetische Vorbehandlung, Phase I

9.1Einleitung

9.2Möglichkeiten der präprothetischen Vorbehandlung, Phase I

9.2.1Oralchirurgische Vorbehandlung

9.2.2Extraktion nicht erhaltungswürdiger Zähne

9.2.3Provisorische Versorgung, Schienung gelockerter Zähne

9.2.4Scaling und Root Planing

9.2.5Endodontische Vorbehandlung

9.2.6Konservierende Vorbehandlung vitaler Pfeilerzähne

9.2.7Konservierende Vorbehandlung devitaler Pfeilerzähne

Literatur

10Funktionelle Vorbehandlung: Symptome, Epidemiologie, Ätiologie und Klassifikation von Myoarthropathien des Kausystems, Bruxismus

10.1Einleitung

10.2Definition und Leitsymptome

10.3Behandlungsbedürftigkeit

10.4Subjektive und objektive Symptome

10.5Der persistierende/chronische Schmerz

10.6Epidemiologische Aspekte

10.7Ätiologie und Pathogenese

10.8Risikofaktoren für Myoarthropathien

10.9Diagnostische Klassifikation der Myoarthropathien: Die DC/TMD

10.10Bruxismus

Literatur

11Funktionelle Vorbehandlung: Diagnostik der Myoarthropathien des Kausystems

11.1Einleitung

11.2Grundsätzliche Bemerkungen

11.3Schmerzanamnese

11.3.1Schmerzfragebogen für Patienten mit persistierenden myoarthropathischen Schmerzen

11.4Klinische Untersuchung

11.4.1Allgemeine Hinweise

11.4.2Allgemeine Hinweise zur Bestimmung der Kieferöffnung

11.4.3Allgemeine Hinweise zur Bestimmung der Ab- oder Anwesenheit von Kiefergelenkgeräuschen

11.4.4Allgemeine Hinweise zur Palpation von Kiefermuskeln und Kiefergelenken

11.4.5Beschreibung der Lage der zu palpierenden Bereiche

11.5Weitere Diagnostik

Literatur

12Funktionelle Vorbehandlung: Therapie der Myoarthropathien des Kausystems

12.1Allgemeine Bemerkungen

12.2Aufklärung (= Informationstherapie)

12.3Selbstbeobachtung

12.4Schmerzpsychologische Therapie

12.4.1Stressbewältigung/Muskelentspannung

12.4.2Psychologische Schmerztherapie: kognitive Verhaltenstherapie

12.5Schienentherapie

12.5.1Stabilisierungsschiene (Michigan-Schiene)

12.5.2Anteriore Repositionierungsschiene

12.6Pharmakologische Therapie

12.6.1Kiefermuskelschmerzen

12.6.2Kiefergelenkschmerzen

12.7Physiotherapie/Physikalische Therapie

12.7.1Kältetherapie (Kryotherapie)

12.7.2Wärmetherapie

12.7.3Selbstmassage/Kieferbewegungsübungen

12.8Definitive okklusale Maßnahmen

Literatur

13Präprothetische Vorbehandlung, Phase I: Kieferorthopädie und Kieferchirurgie

13.1Einleitung

13.2Kieferorthopädische Vorbehandlung

13.2.1Indikationen

13.2.2Kontraindikationen

13.2.3Ziele

13.2.4Behandlungsmittel und -grundsätze

13.2.5Kleinere präprothetische orthodontische Maßnahmen

13.2.6Interdisziplinäres Behandlungskonzept (Kieferorthopädie/Kieferchirurgie/Prothetik)

13.2.7Stabilität des Behandlungsergebnisses

13.3Kieferchirurgische Vorbehandlung

Literatur

14Präprothetische Vorbehandlung, Phase II: Parodontal- und oralchirurgische Eingriffe

14.1Einleitung

14.2Reevaluation der präprothetischen Vorbehandlung, Phase I

14.3Lokalanästhesie

14.3.1Arten von Lokalanästhetika

14.3.2Kontraindikationen für Adrenalin

14.3.3Empfehlungen für eine individuelle Lokalanästhesie

14.3.4Höchstdosis

14.4Eingriffe während der präprothetischen Vorbehandlung, Phase II

14.4.1Gingivektomie und Gingivoplastik

14.4.2Mukogingivale Chirurgie: Freies Schleimhauttransplantat

14.4.3Access-Flap (Scaling unter Sicht)

14.4.4Chirurgische Kronenverlängerung

14.4.5Tunnelierung, Hemisektion/Trisektion/Prämolarisierung, Wurzelamputation

14.4.6Wurzelspitzenresektion (WSR)

14.4.7Geführte parodontale Geweberegeneration

14.4.8Kieferkammaufbau

14.5Reevaluation der präprothetischen Vorbehandlung, Phase II

Literatur

Sachregister Band I bis III

Band II

15Artikulatoren

15.1Einleitung

15.2Einteilung der mechanischen Artikulatoren

15.2.1Einteilung nach der Einstellbarkeit (Justierbarkeit)

15.2.2Einteilung nach der Art der Gelenksimulation bzw. Anordnung der Führungsflächen

15.3Unterschiede SAM-Artikulator – Gerber-Condylator

15.3.1Charakteristika des SAM 2-Artikulators

Literatur

16Farbe, Farbbestimmung und Farbangleichung

16.1Physikalische Aspekte des Farbsehens

16.2Physiologische Aspekte des Farbsehens

16.3Farbvalenzen und Farbklassen

16.4Primär-, Sekundär-, Komplementär-, Kompensationsfarben

16.5Einflüsse auf die Farbempfindung

16.6Metamerie und ihre Konsequenzen

16.7Farbordnungssysteme – Das Munsell-Color-System

16.8Grundlegende Prinzipien für die Farbbestimmung in der Zahnmedizin

16.9Ästhetisch relevante Co-Faktoren

16.10Farbringsysteme zur Bestimmung der Zahnfarbe

16.11Farbringsysteme zur Bestimmung der Stumpffarbe

16.12Spezifische Einflüsse auf Farbbestimmung und Farbangleichung

16.13Schrittweises Vorgehen bei der Farbbestimmung

16.13.1VITA classical A1-D4-Farbskala

16.13.2VITA Touthguide 3D-MASTER

16.13.3VITA Linearguide 3D-MASTER

16.14Farbkommunikation mittels digitaler Fotografie

16.14.1Objektive Analyse digitaler Bilder

16.15Farbmessgeräte

16.16Perspektiven

Literatur

17Ästhetik in der Zahnmedizin

17.1Einleitung

17.2Das Zeigen der Zähne – Kulturgeschichtliche Anmerkungen

17.3Prinzipien der Ästhetik

17.4Kosmetik

17.5Ästhetik im Gesichtsbereich

17.6Die Bedeutung von Lippen und Gingiva für die Ästhetik in der Mundregion

17.7Die Sichtbarkeit der Zähne

17.8Morphologie der Zähne aus ästhetischer Sicht

17.9Ästhetische Kurzanalyse

17.10Klinische Konsequenzen

17.10.1Genereller Umgang mit schwierigen Situationen

17.10.2Festsitzender Zahnersatz

17.10.3Kombinierter Zahnersatz

17.10.4Abnehmbarer Zahnersatz: Modellgussprothetik

17.10.5Abnehmbarer Zahnersatz: Hybrid- und Totalprothetik

17.11Simulation der dentalen Ästhetik

17.12Messung und Bewertung von Ästhetik

17.13Schlussbetrachtung

Literatur

18Provisorische Versorgung

18.1Einleitung

18.2Provisorien bei festsitzendem Zahnersatz

18.2.1Anfertigung direkt im Mund

18.2.2Schalenprovisorien

18.2.3Langzeitprovisorien laborgefertigt (ohne oder mit Gerüst)

18.2.4Langzeitprovisorien mit NEM-Gerüst

18.2.5Provisorien mittels CAD/CAM-Technologie hergestellt

18.3Provisorien bei abnehmbarem Zahnersatz

Literatur

19Abformung

19.1Konventionelle Abformung

19.1.1Abformtechniken

19.1.2Einteilung der Abformmassen

19.1.3Allgemeine Anforderungen an Abformmassen

19.1.4Eigenschaften und Einsatzbereich der Abformmassen

19.1.5Abformlöffel

19.1.6Desinfektion von Abformungen

19.2Digitale Abformung

Literatur

20Kronenpräparationstechnik

20.1Einleitung

20.2Erhaltung der Zahnstrukturen und Schutz der Pulpa

20.3Schutz des marginalen Parodonts

20.4Retentions- und Widerstandsform

20.5Werkstoffkundliche und konstruktionsbedingte Kriterien

20.6Ästhetische Kriterien

20.7Weitere zu beachtende Faktoren

20.8Präparationsformen

20.9„Präparationssatz Prothetik“

20.10Hilfsmittel bei der Präparation

20.11Kontrolle der Präparation

20.12Versorgung der Dentinwunde

20.13Abformung und Präparation

20.14Empfohlene Präparationsformen

20.15Perspektiven

Literatur

21Metallische Werkstoffe

21.1Grundlagen

21.1.1Metallische Bindung

21.1.2Legierungen

21.1.3Mechanische Eigenschaften

21.2Metallische Werkstoffe und Verarbeitungstechnologien für festsitzenden Zahnersatz

21.2.1Edelmetall-Legierungen

21.2.2Edelmetallfreie Legierungen

21.2.3Titan

21.2.4Verarbeitungstechnologien

21.2.5Fügetechnik

21.3Metallkeramik

21.3.1Verblendkeramik

21.3.2Verbund Metall-Keramik

21.4Metallische Werkstoffe für die abnehmbare Prothetik

21.4.1NiCr-Legierungen

21.4.2CoCr-Legierungen

21.4.3Edelmetall-Legierungen für Retentionselemente

21.5Biologische Reaktionen

21.5.1Toxizität

21.5.2Allergenität

21.6Biologische Prüfung dentaler Legierungen

21.6.1Zytotoxizitätstest

21.6.2Sensibilisierungstest

21.7Orale Manifestation von Materialunverträglichkeiten

21.8Ansätze zur Risikominimierung

21.8.1Geeignete Auswahl der Materialien

21.8.2Qualitätssicherung

Literatur

22Keramische Werkstoffe

22.1Einleitung

22.2Silikatkeramik

22.2.1Traditionelle Silikatkeramiken

22.2.2Verstärkte Silikatkeramiken

22.2.3Verarbeiten von Silikatkeramiken

22.3Oxidkeramiken

22.3.2Aluminiumoxid

22.3.2Zirkonoxid

22.4Festigkeits- und Bruchzähigkeitsprüfung

22.4.1Festigkeiten und Bruchzähigkeiten von Keramiken

22.4.2Korrelation zur klinischen Beanspruchung

22.5Klinische Bewertung

Literatur

23Hochleistungskunststoffe/Thermoplaste

23.1Einleitung

23.2Grundlagen

23.2.1Mechanische Eigenschaften

23.2.2Chemische Eigenschaften

23.2.2Optische Eigenschaften

23.2.2Politur und biologische Aspekte

23.3PAEK in der festsitzenden Prothetik

23.4PAEK in der herausnehmbaren Prothetik

23.5Verbund zu weiteren Kunststoffen

23.5.1Verblend- und Befestigungskomposite

23.5.2Prothesenkunststoffe

23.6Verarbeitungstechnologien

23.6.1Pressen

23.6.2Subtraktive Verarbeitung

23.6.3Additive Verarbeitung

23.7Weitere thermoplastische Hochleistungskunststoffe

Literatur

24Einführung in die Kronen-Brücken-Prothetik

24.1Definition von Kronen und Brücken

24.2Historische Entwicklung des Kronen- und Brückenersatzes

24.3Einteilung, Indikationen und Kontraindikationen von Kronenzahnersatz

24.3.1Einteilung von Kronenzahnersatz

24.3.2Indikationen von Kronenzahnersatz

24.3.3Kontraindikationen von Kronenzahnersatz

24.4Aufbau, Einteilung, Aufgaben, Indikationen und Kontraindikationen von Brückenzahnersatz

24.4.1Aufbau von Brückenzahnersatz

24.4.2Einteilung von Brückenzahnersatz

24.4.3Aufgaben von Brückenzahnersatz

24.4.4Indikationen von Brückenzahnersatz

24.4.5Kontraindikationen von Brückenzahnersatz

24.5Verblockungsarten

24.6Langzeitergebnisse mit Kronen und Brücken

Literatur

25Metall- und Vollkeramiksysteme in der Kronen-Brücken-Prothetik

25.1Einleitung

25.2Verarbeitungsverfahren für die Formgebung

25.3Metallkeramische Systeme

25.3.1Gerüstherstellung für metallkeramische Verbundsysteme

25.4Vollkeramische Systeme

25.4.1Gerüstherstellung für keramische Verbundsysteme

25.4.2Herstellung von vollanatomischen Nicht-Verbundsystemen (monolitisch/mehrschichtig)

Literatur

26Kronen-Brücken-Prothetik: Zahntechnische Arbeitsunterlagen

26.1Einleitung

26.2Sägemodellherstellung

26.2.1Richtlinien zur Sägemodellherstellung

26.2.2Desinfektion, Lagerung und Vorbehandlung der Abformungen

26.2.3Die Herstellung des Zahnkranzes

26.2.4Der Modellsockel mit integriertem Magnetsplit-Cast

26.2.5Segmentierung des Zahnkranzes

26.2.6Die Modellstumpfvorbereitung

26.3Sägeschnittmodelle mit Kunststoffbasis

26.4Die flexible Zahnfleischmaske für das Arbeitsmodell

26.5Die Herstellung eines individuellen Frontzahnführungstellers

26.6Das Aufwachsen von Zahnformen (Wax-up)

26.6.1Additives Wax-up

26.6.2Komplettes Wax-up („full wax-up“)

26.6.3Wachsmodellation

26.7Digitale Arbeitsunterlagen

26.7.1Modelle einscannen und Datenfiles exportieren

26.7.2Digitales Wax-up und Mock-up

Literatur

27Kronen-Brücken-Prothetik: Gestaltung und Herstellung von Gussteilen

27.1Einleitung

27.2Die Wachsmodellation

27.2.1Die äußere Kontur

27.2.2Die Passgenauigkeit des Käppchens insgesamt

27.2.3Passgenauigkeit im Randbereich

27.3Gerüstgestaltung für die verblendete Restauration (mit Keramik oder Kunststoff)

27.3.1Unterstützung der Keramik

27.3.2Stabilität des Gerüsts

27.3.3Gerüstgestaltung aus ästhetischer Sicht

27.3.4Konturierung im marginalen Bereich

27.3.5Zwischengliedgestaltung

27.3.6Lötverbindungsflächen

27.3.7Übergang vom Metall zur Keramik

27.3.8Gerüstgestaltung für die Kunststoffverblendung

27.4Setzen der Gusskanäle

27.4.1Direktes Anstiften

27.4.2Direktes Anstiften mit Extrareservoir

27.5Lage des Gussobjekts in der Muffel

27.6Einbetten und Vorwärmen

27.7.1Muffeleinlage

27.7.2Expansionssteuerung

27.7.3Vorwärmen der Gussmuffel

27.7Das Vergießen von Dentallegierungen

27.8Ausbetten

27.9Feinaufpassung der Gussteile

27.10Oberflächenpolitur der Gussteile

Literatur

28Kronen-Brücken-Prothetik: Klinischer und labortechnischer Ablauf

28.1Einleitung

28.2Labor: Diagnostische Präparation

28.3Klinik: Farbauswahl, Präparation am Patienten

28.3.1Zirkuläre Stufenpräparation

28.3.2Zirkuläre Hohlkehlpräparation (Seitenzähne)

28.3.3Zirkuläre Hohlkehlpräparation (Frontzähne)

28.3.4Kontrolle der Präparation

28.4Klinik: Postpräparatorische Maßnahmen am Patienten

28.4.1Abformung

28.5Labor: Modellherstellung

28.6Klinik: Gesichtsbogenübertragung, Kieferrelationsbestimmung, Modellmontage

28.7Labor: Vom Gipsmodell zur Restauration

28.8Klinik: Gerüstanprobe

28.9Die Verblendung von Gerüsten

28.9.1Die keramische Verblendung

28.9.2Die Kunststoffverblendung

28.10Klinik: Rohbrandanprobe (Keramik)

28.10.1Allgemeines

28.10.2Oberflächenkorrektur an der Keramik

28.11Labor/Klinik: Fertigstellung und Anprobe der Arbeit

28.12Klinik: Eingliederung der festsitzenden Arbeit

28.12.1Vorgehen beim Zementieren mit Zinkoxid-Phosphat-Zement

28.12.2Vorgehen beim Zementieren mit Glasionomerzement (GIZ)

28.12.3Vorgehen bei adhäsiver Befestigung

Literatur

29Einführung in die Adhäsivprothetik

29.1Definition

29.2Geschichte der Adhäsivprothetik

29.3Klebeverbundsysteme

29.3.1Kleber-Schmelz-Verbund

29.3.2Kleber-Metall-Verbund

29.3.3Kleber-Keramik-Verbund

29.3.4Probleme beim Kleben

29.4Adhäsivbrücken

29.4.1Indikationen von Adhäsivbrücken

29.4.2Kontraindikationen von Adhäsivbrücken

29.4.3Langzeitresultate von metallkeramischen Adhäsivbrücken

29.4.4Zusammenfassung: Vor- und Nachteile von metallkeramischen Adhäsivbrücken

29.4.5Vollkeramische Adhäsivbrücken

29.5Keramische Veneers und Teilkronen

29.5.1Indikationen und Kontraindikationen von Veneers und Teilkronen

29.5.2Prinzipien bei Veneers und Teilkronen

29.5.3Langzeitresultate mit Veneers und Teilkronen

Literatur

30Adhäsivprothetik: Klinischer und labortechnischer Ablauf

30.1Klinik: Anamnese, Befundaufnahme, Situationsabformung, Gesichtsbogenübertragung, Kieferrelationsbestimmung, Diagnose, Planung

30.2Labor: Herstellung von Studienmodellen, Modellanalyse, diagnostisches Wax-up

30.3Klinik: Hygienephase, präprothetische Vorbehandlung, Reevaluation der Vorbehandlung

30.4Labor: Diagnostische Präparation, diagnostisches Wax-up

30.5Klinik: Präparation am Patienten

30.6Klinik: Definitive Abformung, Gesichtsbogenübertragung, Kieferrelationsbestimmung

30.7Labor: Modellherstellung, Modellmontage im Artikulator

30.8Labor: Technische Vorgehensmöglichkeiten bei der Herstellung von Adhäsivbrücken

30.9Labor: Modellation des Gerüsts in Wachs oder Kunststoff

30.10Labor: Einbetten, Gießen, Ausarbeiten

30.11Klinik: Gerüstanprobe und Farbauswahl

30.12Labor: Verblendung von Adhäsivbrücken

30.13Klinik: Rohbrandanprobe (Keramik)

30.14Labor: Fertigstellung

30.15Klinik: Anprobe der fertigen Arbeit

30.16Konditionierung der Klebeflächen

30.17Klinik: Eingliederung von Adhäsivbrücken

30.18Klinik: Kontrolle und definitives Ausarbeiten der Ränder

30.19Klinik: Nachsorge

30.20Klinik: Wiederbefestigung von Adhäsivbrücken

30.21Behandlungsablauf bei Veneers und Teilkronen

Literatur

Sachregister Band I bis III

Band III

31Einführung in die Teilprothetik

31.1Ziele der Versorgung mit Teilprothesen

31.2Zahnverlust und seine Folgen

31.2.1Epidemiologie

31.2.2Auswirkungen des teilweisen Zahnverlustes

31.3Aufgaben von partiellem Zahnersatz

31.4Die historische Entwicklung des partiellen Zahnersatzes

31.5Einteilung der Lückengebisse

31.5.1Einteilung nach Kennedy

31.5.2Einteilung nach Eichner

Literatur

32Gestaltung, Konstruktion und technische Aspekte von Teilprothesen

32.1Einleitung

32.2Einteilung der partiellen Prothesen

32.2.1Topographische Einteilung

32.2.2Einteilung nach Tragedauer

32.2.3Einteilung nach dem Material oder der zugrunde liegenden zahntechnischen Konstruktion

32.2.4Einteilung nach dem Funktionswert (funktionelle Einteilung)

32.2.5Einteilung nach der Abstützungsmöglichkeit

32.3Forderungen an eine dental-tegumental gelagerte Teilprothese

32.4Aufbau und Bestandteile von partiellen Prothesen

32.4.1Zahntragende Sattelteile

32.4.2Großer Verbinder

32.4.3Kleine Verbinder

32.4.4Verankerungselemente

32.5Konstruktions- und Gestaltungsprinzipien für Teilprothesen

32.5.1Statische Grundlagen

32.5.2Ästhetische Grundlagen für Teilprothesen

Literatur

33Einführung in die Modellgussprothetik

33.1Einleitung

33.2Bestandteile einer Gussklammer

33.3Aufgaben, Vor- und Nachteile von Gussklammern

33.4Empfohlene Gussklammerformen

33.5Werkstoffkundliche Aspekte

33.5.1Elastizitätsmodul (Tab. 33-1)

33.5.2Elastische Verformung

33.5.3Die 0,2-%-Dehngrenze (Tab. 33-1)

33.5.4Korrosionsfestigkeit und Biokompatibilität

33.5.5Titan

33.6Langzeitresultate

Literatur

34Modellgussprothetik: Klinischer und labortechnischer Ablauf

34.1Einleitung

34.2Klinik: Vorbehandlung des Restgebisses

34.2.1Füllungstherapie

34.2.2Präprothetische Mukogingivalchirurgie

34.2.3Ästhetische Überlegungen

34.3Klinik/Labor: Planung der Modellgussprothese

34.4Klinik: Präparation und Abformung

34.5Labor: Herstellung der Arbeitsmodelle und, sofern nötig, Herstellung von Registrierschablonen

34.6Klinik: Kieferrelationsbestimmung

34.7Labor: Aufstellen der Prothesenzähne in Wachs

34.8Klinik: Anprobe der Wachsaufstellung

34.9Klinik: Komplettierung der Arbeitsunterlagen für das Labor

34.10Labor: Vermessung, Design und Gerüstherstellung

34.10.1Labor: Vermessung, Design und Gerüstherstellung im digitalen Workflow

34.11Klinik: Gerüstanprobe

34.12Labor/Klinik: Kompressionsabformung bei vorhandenen Freiendsätteln (Altered-Cast-Technik)

34.13Klinik/Patient: Gesamteinprobe der Modellgussprothese

34.14Labor: Fertigstellung der Modellgussprothese

34.15Patienteninstruktion

34.16Nachsorge

Literatur

35Einführung in die Geschiebeprothetik (mit klinischem und labortechnischem Ablauf)

35.1Einleitung

35.2Teilhülsengeschiebe

35.3Semipräzisions- und Präzisionsgeschiebe

35.4Steggeschiebe und Steggelenke

35.5Scharnier- und Resilienzgelenke

35.6Adhäsivattachments (extrakoronale Adhäsivverankerungen)

35.6.1Indikationen und Kontraindikationen von Adhäsivattachments

35.6.2Prinzipien bei Adhäsivattachments

35.7Langzeitergebnisse mit geschiebeverankerten Teilprothesen

35.8Klinisches und labortechnisches Vorgehen bei konventionellen Geschieben

35.9Klinisches und labortechnisches Vorgehen bei Adhäsivattachments

Literatur

36Geschiebeprothetik: Doppelkronensysteme – Einführung

36.1Einleitung

36.2Vor- und Nachteile von Doppelkronen

36.3Zylinderteleskope

36.4Galvanoteleskope

36.5Konuskronen

36.6Doppelkronen mit zusätzlichen Retentionselementen

36.7Verblendung von Doppelkronen

36.8Gestaltung des Modellgussgerüsts bei Doppelkronen

36.9Langzeitergebnisse mit Doppelkronen

Literatur

37Geschiebeprothetik: Doppelkronensysteme – Klinischer und labortechnischer Ablauf

37.1Einleitung

37.2Planung

37.3Klinik: Präparation und Abformung der Pfeilerzähne

37.4Labor: Herstellung von Präparationsmodell (Sägemodell) und Innenkronen

37.4.1Herstellung der Innenkronen mit CAD/CAM-Verfahren

37.5Klinik: Anprobe der Innenkronen und Fixationsabformung

37.6Labor: Herstellung von Konstruktionsmodell und Registrierschablone

37.7Klinik: Gesichtsbogenübertragung, Kieferrelationsbestimmung und Modellmontage

37.8Labor: Zahnaufstellung in Wachs

37.9Klinik: Anprobe der Zahnaufstellung in Wachs

37.10Labor: Herstellung der Außenkronen und des Modellgussgerüsts

37.10.1Herstellung der Außenkronen und des Verbinders im CAD/CAM-Verfahren

37.11Klinik: Anprobe des Modellgussgerüsts zusammen mit der definitiven Zahnaufstellung in Wachs

37.12Labor: Fertigstellung der Doppelkronenkonstruktion

37.13Klinik: Anprobe der fertigen Arbeit und Zementieren

37.14Nachsorge

37.14.1Haftkraft bei Doppelkronen nach Eingliederung korrigieren

Literatur

38Einführung in die Hybridprothetik

38.1Einleitung

38.2Indikationsstellung und Voraussetzungen

38.3Verankerungselemente

38.4Gestaltung der Wurzelstiftkappe

38.5Gerüstgestaltung

38.6Okklusionskonzept

38.7Langzeitprognose

Literatur

39Hybridprothetik: Klinisches und labortechnisches Vorgehen

39.1Klinik: Präparation der Pfeilerzähne und Abformung der Wurzelkappen

39.2Labor: Herstellung der Wurzelstiftkappen und eines individuellen Löffels

39.3Klinik: Anprobe der Wurzelstiftkappen und Abformung

39.4Labor: Herstellen der Meistermodelle und der Registrierschablonen

39.5Klinik: Gesichtsbogenübertragung und intraorale Registrierung

39.6Labor: Einartikulieren der Meistermodelle und Zahnaufstellung in Wachs

39.7Klinik: Anprobe(n) der Zähne in Wachs/Labor: eventuelle Korrekturen

39.8Labor: Verschlüsselung der Situation, Auswahl der Verankerungselemente, Erstellung eines Einbettmassenmodells, Anfertigung der Wachsmodellation des Gerüsts

39.9Klinik: Anprobe der Wurzelstiftkappen und des Gerüsts

39.10Labor: Zahnaufstellung in Wachs

39.11Klinik: Wachsanprobe der Aufstellung/Labor: Fertigstellung in Kunststoff

39.12Klinik: Anprobe der fertigen Arbeit, Einkleben der Matrizen, Eingliederung der fertigen Arbeit

39.13Klinik: Kontrolle, Nachregistrierung

40Einführung in die Totalprothetik

40.1Epidemiologie

40.2Folgen des totalen Zahnverlusts

40.3Geschichte der Totalprothetik

40.4Anamnese, Befund, Vorbehandlung in der Totalprothetik

40.4.1Faktoren, die den Halt einer Totalprothese beeinflussen

40.5Abformmethoden in der Totalprothetik

40.6Klinische Konzepte für Totalprothesen

40.6.1Front-Eckzahn-kontrollierte Aufstellung – sequenzielle Führung

40.6.2Merkmale des Totalprothetikkonzepts nach Gerber

40.6.3Weitere Aufstellungskonzepte

40.7Ausmodellieren der Prothesenaußenflächen

40.8Reokkludieren

40.9Einschleifen von Totalprothesen

40.9.1Einschleifen der Zentrik

40.9.2Einschleifen der Protrusion

40.9.3Einschleifen des Seitschubs nach rechts und links

40.9.4Einschleifen der Retralbewegungen

40.10Nachsorge

40.11Klinische Studien

40.11.1Knochenabbau

40.11.2Zufriedenheit und Behandlungsbedarf

Literatur

41Totalprothetik: Klinischer und labortechnischer Ablauf

41.1Einleitung

41.2Klinik: Situationsabformung

41.3Labor: Herstellen von Situationsmodellen und individuellen Abformlöffeln

41.4Klinik: Löffelanprobe, Randgestaltung, modifizierte mukostatische Abformung

41.4.1Randgestaltung

41.4.2Abformung

41.5Labor: Herstellung der Meistermodelle und Registrierschablonen

41.5.1Modellherstellung

41.5.2Herstellung der Registrierschablonen

41.6Klinik: Vertikale Kieferrelationsbestimmung und zentrisches Wachsregistrat

41.7Klinik/Labor – Sequenziell geführte Prothesen: extraorale Registrierung, definitives Einartikulieren der Meistermodelle

41.7.1Montage des Oberkiefermodells

41.7.2Montage des Unterkiefermodells

41.8Klinik/Labor – Gerber-System: extraorale Registrierung, definitives Einartikulieren der Meistermodelle, horizontale Kieferrelationsbestimmung

41.8.1Vorbereitung des Artikulators

41.8.2Provisorisches Einartikulieren

41.8.3Herstellung der Registrierbehelfe

41.8.4Extraorale Registrierung

41.8.5Einartikulieren des Unterkiefermodells

41.8.6Horizontale Kieferrelationsbestimmung

41.8.7Einartikulieren des Oberkiefermeistermodells

41.9Klinik: Frontzahnauswahl

41.10Modellanalyse, Frontzahnaufstellung in Wachs

41.11Klinik: Registratkontrolle, Anprobe der Frontzahnaufstellung

41.12Labor: Seitenzahnaufstellung in Wachs, Ausmodellieren der Wachsaufstellung

41.13Klinik: Gesamtanprobe in Wachs

41.14Labor: Einbetten, Pressen des Kunststoffs, Polymerisieren, Reokkludieren, Ausarbeiten

41.14.1Einbetten der Wachsaufstellung

41.14.2Ausbrühen und Vorbereiten der Küvette zum Kunststoffpressen

41.14.3Kunststoffpressen

41.14.4Reokkludieren

41.14.5Ausarbeiten der eingeschliffenen Prothesen

41.15Klinik: Anprobe der fertigen Prothesen, Patienteninstruktion

41.16Klinik: Nachregistrierung intra- und extraoral

41.17Labor: Remontage, Einschleifen

41.18Nachsorge, Unterfütterung

41.19Digitalisierung der Herstellung von Totalprothesen

Literatur

42Einführung in die dentale Implantologie

42.1Einleitung

42.1.1Was ist ein dentales Implantat?

42.1.2Warum wünschen Patienten Implantate?

42.1.3Implantate aus zahnärztlicher Sicht

42.2Indikationsstellung

42.2.1Differentialindikation zwischen konventionellem und implantatgetragenem Zahnersatz

42.2.2Festsitzender implantatgetragener Zahnersatz

42.2.3Implantatgetragener abnehmbarer Zahnersatz

42.2.4Verkürzte Zahnreihe

42.2.5Tertiärprophylaxe – Erhalt oraler Strukturen

42.2.6Differentialtherapeutische Abwägungen

42.3Implantatsysteme

42.3.1Überlebensraten der Implantate bei schmalen und kurzen Implantaten

42.3.2Merkmale der Implantat-Abutment-Verbindung

42.3.3Beispielhafte Darstellung unterschiedlicher Implantatsysteme

42.4Versorgungskonzepte

42.4.1Einzelzahnersatz

42.4.2Multipler Zahnersatz im Lückengebiss

42.4.3Stark reduziertes Restgebiss

42.4.4Zahnloser Kiefer

42.5Biomechanische Aspekte bei der Versorgung von Implantaten

42.5.1Kaukräfte

42.5.2Überbelastung von Implantaten

42.5.3Verblockung von Implantaten

42.5.4Kronen-Implantat-Verhältnis

42.5.5Angulierte Implantate

42.5.6Funktionelles Zusammenspiel osseointegrierter Implantate und deren Restaurationen mit natürlichen Zähnen

42.5.7Okklusionskonzepte in der Implantologie

Literatur

43Implantat-Werkstoffe

43.1Anforderungen an Implantat-Werkstoffe

43.1.1Mechanische Eigenschaften

43.2Werkstoffe für dentale Implantate

43.2.1Reintitan

43.2.2Titanlegierungen

43.2.3Zirkonoxid

Literatur

44Implantologie: Klinisches und labortechnisches Vorgehen

44.1Behandlungsplanung

44.1.1Anamnese

44.1.2Festlegung des Behandlungsziels

44.1.3Röntgendiagnostik

44.1.4Bohrschablonen

44.1.5Augmentationsschablonen

44.2Implantationszeitpunkt und Belastungsprotokolle

44.2.1Zeitpunkt der Implantation

44.2.2Belastungsprotokolle

44.2.3Klinische Empfehlungen bezüglich Implantationszeitpunkt und Belastung

44.3Chirurgisches Vorgehen

44.3.1Implantation

44.3.2Freilegungsoperation

44.3.3Komplikationen

44.3.4Nachsorge

44.4Prothetisches Vorgehen

44.4.1Provisorische Versorgung

44.4.2Abformtechnik

44.4.3Klinische und labortechnische Arbeitsabläufe: Festsitzende Restaurationen

44.4.4Klinische und labortechnische Arbeitsabläufe: Herausnehmbare Restaurationen

44.5Nachsorge

Literatur

45Ursachen und Therapie der periimplantären Mukositis und Periimplantitis

45.1Einleitung

45.2Formen der periimplantären Entzündungen

45.2.1Periimplantäre Mukositis

45.2.2Periimplantitis

45.3Prävalenz der periimplantären Mukositis und Periimplantitis

45.4Mikrobiologische Aspekte

45.5Diagnostik bei Verdacht auf periimplantäre Infektionen

45.5.1Periimplantäre Sondierung

45.5.2Röntgen

45.6Prävention von periimplantären Erkrankungen

45.7Therapie der periimplantären Mukositis und der Periimplantitis

45.7.1Therapie der periimplantären Mukositis

45.7.2Nichtchirurgische Therapie der Periimplantitis

45.7.3Chirurgische Therapie der Periimplantitis

45.8Zusammenfassung

Literatur

46Nachsorge in der Prothetik

46.1Einleitung

46.2Ablauf der Anamnese und Befundaufnahme im Rahmen der Nachsorge

46.2.1Anamnese

46.2.2Befundaufnahme

46.3Therapie im Rahmen der Nachsorge

46.3.1Patientenaufklärung

46.3.2Mundhygiene-Remotivation und -Reinstruktion

46.3.3Entfernung von Plaque, Zahnstein und Konkrementen

46.3.4Zahnreinigung und Politur

46.3.5Fluoridierung

46.3.6Weitere Maßnahmen

46.3.7Festlegen eines Nachsorgeintervalls

Literatur

47Mundschutz (Zahnschutz) im Sport

47.1Einleitung

47.2Definition

47.3Indikationen

47.3.1Hauptaufgaben und Vorteile eines Mundschutzes

47.4Mögliche Nachteile eines Mundschutzes

47.5Anforderungen an einen Mundschutz

47.6Materialien

47.7Mundschutztypen und deren Herstellungstechniken

47.8Verhaltensmaßregeln und Nachsorge

47.9Schlussbewertung

Literatur

48Messung von Behandlungsergebnissen aus Patientensicht

48.1Konzept der Patientenzufriedenheit

48.2Lebensqualität und Mundgesundheit

48.2.1Allgemeiner Gesundheitsstatus

48.2.2Lebensqualität und Mundgesundheit

48.3Messung von Patientenaussagen

48.3.1Psychometrische Grundlagen

48.3.2Messung der Patientenzufriedenheit und Lebensqualität

48.3.3Messung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität

48.4Studien unter Verwendung patientenbezogener Messgrößen in der Zahnheilkunde

48.4.1Zufriedenheit

48.4.2Lebensqualität

48.5Zusammenfassung

Literatur

49Evidenzbasierte zahnärztliche Prothetik

49.1Hintergrund

49.2Die drei Säulen der EbM/EbZ

49.3Hierarchie der klinischen externen Evidenz

49.4Checklisten

49.5Grenzen der EbM

49.6Externe Evidenz in der zahnärztlichen Prothetik

Literatur

Sachregister Band I bis III

1Die historische Entwicklung der zahnärztlichen Prothetik

Kurt Werner Alt

„Sind die Zähne schon allein zur Erhaltung der Gesundheit wichtig, so sind sie für die Sprache, für die Aussprache und Artikulation der Worte und zur Zierde des Gesichts absolut notwendig.“

(Pierre Fauchard, 1678–1761)

1.1Einleitung

Die geschichtliche Herausbildung einer medizinischen Spezialdisziplin wie der zahnärztlichen Prothetik (Zahnersatzkunde) kann nicht ohne den Hintergrund der allgemeinen zahnmedizinhistorischen und der gesamthistorischen Entwicklung gesehen und erörtert werden. Nur eine Betrachtungsweise, die in hinreichendem Maße die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen sowie die technischen Möglichkeiten und geistigen Strömungen der jeweiligen Zeit erfasst, kann Erklärungen dafür liefern, weshalb Entwicklungen diesen oder jenen Weg nehmen, geographisch oder zeitlich beschränkt bleiben, und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit sie sich durchsetzen und schließlich etablieren können. Die historische Beschäftigung mit den Zähnen darf sich nicht auf Fragen nach den Behandlungsmethoden, nach der Anwendung und Weiterentwicklung von Instrumenten und Materialien reduzieren, sondern sollte immer im Kontext mit den jeweiligen sozialen Verhältnissen und Lebensgewohnheiten der Menschen gesehen werden. Aus diesen Gründen muss in eine Darstellung der Entwicklung der zahnärztlichen Prothetik neben der allgemeinen Medizin- und Zahnmedizingeschichte die Kulturgeschichte angemessen eingebunden sein.

1.2Heilkunst und Kulturgeschichte

Heilkunde und Pflege, die sich aus ursprünglichen Instinkthandlungen und empirischen Wurzeln entwickelt haben, stellen einen wichtigen Mosaikstein innerhalb der kulturellen Leistungen des Menschen dar. Sie kommen universal vor, unterscheiden sich jedoch inhaltlich aufgrund differierender, kulturell determinierter Vorstellungen von Krankheit und Heilung stark voneinander. Heilhandlungen und Pflegemaßnahmen aus der Frühzeit der Menschheit können lediglich indirekt erfasst werden, und zwar zum einen über archäologische Funde und Befunde, zum anderen durch die Beurteilung und Interpretation biohistorischer Quellen. Als solche zählen die sterblichen Überreste ur- und frühgeschichtlicher Menschen, meist in Form der Überlieferung von Skelettfunden, seltener Mumien, die fast immer Hinweise zu Krankheit und Gesundheit (Paläopathologie) liefern und mitunter verschiedenartigste Spuren durchgeführter medizinischer und zahnmedizinischer Anwendungen und Therapien zeigen.

Diesbezügliche Funde und Befunde mit zahnärztlicher Relevanz reichen weit in die Menschheitsgeschichte zurück. Sie betreffen nahezu alle heutigen Arbeitsbereiche in der Zahnmedizin: Zahnchirurgie, Zahnerhaltung und Zahnprothetik. Insbesondere bei den teilweise visionär anmutenden Manipulationen, was die Behandlung von kariösen Kavitäten in den Zähnen angeht, finden sich inzwischen immer mehr direkte Beispiele im biohistorischen Fundmaterial. Zeitlich gesehen erstrecken sich die Einzelbeobachtungen von der Altsteinzeit (Paläolithikum) über die Jungsteinzeit (Neolithikum) bis in die Antike, bevor die Zahnerhaltung im 17. Jahrhundert in Mitteleuropa dann endgültig Fuß fasst (Oxillia et al. 2015, Seguin et al. 2014, Bernardini et al. 2012, Nicklisch et al. 2019). Zu den sehr frühen Fundplätzen, an denen Beobachtungen zahnmedizinischer Eingriffe an Bestattungen gemacht wurden, gehört auch ein steinzeitliches Gräberfeld in Pakistan. Dort wurden neun Individuen geborgen, deren Zähne die Spuren von Bohrungen aufwiesen, die im Zeitraum zwischen 7.500 und 9.000 Jahren vor heute durchgeführt wurden. Inwieweit die Eingriffe in diesem Fall medizinisch indiziert waren, blieb bei der Untersuchung an den Betroffenen jedoch ungeklärt (Coppa et al. 2006). Bei Grabungsarbeiten an einer steinzeitlichen Fundstelle in Ägypten wurde eine aus einer Muschel gefertigte Nachbildung eines menschlichen Schneidezahns gefunden. Da dieser artifizielle Zahn nicht in situ gefunden wurde, kann über seinen Verwendungszweck nur spekuliert werden. Neben seiner Verwendung als Ersatz eines verloren gegangenen Inzisivus kann dieser geschnitzte Zahn auch als bloßes Schmuckobjekt gedient haben (Irish et al. 2004). Auch aus den süd- und mittelamerikanischen Hochkulturen sind zahlreiche Manipulationen und Eingriffe im oralen Kontext bekannt (Gantzer 1969, Tiesler et al. 2017, Watson und Garcia 2017).

Unter Berücksichtigung des archäologischen oder historischen Kontextes ermöglichen die Erkenntnisse aus der Untersuchung der überlieferten Skelettfunde eine Vielzahl sozial- und kulturgeschichtlich relevanter Aussagen über die jeweilige Zeit und gehen damit weit über die engere Paläopathologie hinaus. Neben empirisch erworbenen Erfahrungswerten mit Krankheiten und Gebrechen prägen über die längsten Phasen der Menschheitsgeschichte magisch-religiöse Vorstellungen das Verhalten und Handeln im Bereich der Heilkunde.

Die Entstehung von Hochkulturen und die Entwicklung von Schriftsystemen markieren den wesentlichen kulturellen Rahmen für die in der medizinhistorischen Forschung als archaisch bezeichnete Medizin des 3. bis 1. Jahrtausends v. Chr., die jedoch geographisch-kulturell beschränkt bleibt. Ihre Fortschritte und Veränderungen gegenüber der magisch-religiösen Medizin beruhen auf der langsam einsetzenden Anwendung des Kausalitätsdenkens in der Diagnostik, auf exakter Beobachtung und Systematik und erstmalig in der schriftlichen Weitergabe des medizinischen Wissens. Eine Vielzahl hygienischer Maßnahmen für das Gemeinwohl (z. B. Kanalisationen, Bäder, Latrinen) sind durch Baudenkmäler eindrucksvoll überliefert. Die Bedeutung solcher Vorkehrungen für die Gesundheit der Menschen im Römischen Reich wird jedoch weit überschätzt (Mitchell 2017). Im letzten Jahrtausend vor der Zeitenwende etabliert sich in Griechenland die erste theoretisch begründete Medizin. Sie entsteht auf dem Boden eines kulturellen Neubeginns, der stark von naturphilosophischen Strömungen beeinflusst ist. Dadurch vermag sie sich von der religiösen Dogmatik der sogenannten Tempelmedizin zu lösen und in ersten Einrichtungen, Vorstufen der späteren medizinischen Schulen, den Boden für die „hippokratische Lehre“ zu bereiten. Deren wissenschaftliche Grundlagen bilden nicht nur die Basis für die griechisch-römische Medizin der Antike (7. Jh. v. Chr. bis 4. Jh. n. Chr.), sondern stellen auch für die Medizin der Neuzeit die wichtigste Entwicklungsphase dar. Die Überwindung der magisch-religiösen Priestermedizin im ersten Jt. v. Chr. ist gleichzusetzen mit dem Beginn der wissenschaftlichen Medizin in Europa. Eine eigenständige Entwicklung in Westeuropa nimmt sie jedoch erst nach dem Untergang des weströmischen Reiches (Hoffmann-Axthelm 1973).

Ihre Errungenschaften zeitigen Auswirkungen bis heute und sind durch ein umfangreiches medizinisches Schrifttum belegt. Wichtige Quellen für die medizinische Literatur jener Zeit sind das „Corpus Hippocraticum“, eine Sammlung medizinischer Schriften, die auf Hippokrates (460 bis 370 v. Chr.) und seine Schüler zurückgeht, der medizinische Teil „De medicine libri octo“ einer Enzyklopädie von Aulus Cornelius Celsus aus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. sowie die Gesamtdarstellung der Medizin bei Galen (129 bis 199 n. Chr.). Das Ende der Periode der antiken Medizin wird chronologisch unterschiedlich bewertet. Häufig werden der politische Zerfall des römischen Weltreichs in einen östlichen und westlichen Teil (330 n. Chr.), teils auch das Jahr 395 n. Chr. als Zäsur genannt, aber inzwischen liegen die Daten für das Ende der Antike eher in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts oder sogar noch später (Demandt 2014).

Während die medizinische Tradition der Antike im Osten durch byzantinische Kompilatoren ihre oft als steril bezeichnete Fortführung fand – positive Stimmen heben allerdings ihre Originalität hervor –, gerieten im Westen die medizinischen Fertigkeiten und Kenntnisse aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Folgeerscheinungen, die mit dem Untergang des weströmischen Reiches verbunden waren, in Vergessenheit. Wesentliche Ereignisse im Westen stellen die Germaneneinfälle und die Wirren der Völkerwanderungszeit dar.

Während des Mittelalters (5. bis 15. Jh. n. Chr.) gelangt antikes medizinisches Wissensgut durch Rezeption, Kompilation und Übersetzungstätigkeit allmählich aus dem arabisch-islamischen Sprach- und Kulturraum in die christliche Welt (Übersetzungen aus dem Arabischen ab 11. Jh., aus dem Griechischen ab 12. Jh.). Frühe Medizinschulen wie Salerno, Toledo, Montpellier und Bologna fungieren ab dem 11. Jahrhundert als Vermittler des theoretischen Wissens für die in der medizinhistorischen Forschung als Zeit der Klostermedizin und Scholastik bekannten medizinischen Perioden (Hoffmann-Axthelm 1973, Strübig 1989).

Bis zum Spätmittelalter verharren Medizin und Zahnmedizin in West- und Mitteleuropa weitgehend auf dem Kenntnisstand der Antike. Im Laufe der Zeit werden jedoch eigene Konzepte entwickelt und gegen Ende des Mittelalters entsteht eine weniger stark von dem antiken medizinischen Gedankengut geprägte Literatur. Eine selbständige Entwicklung der Medizin (die Zahnmedizin eingeschlossen) beginnt in West- und Mitteleuropa erst mit dem 16. Jahrhundert. Die Erfindung der Buchdruckerkunst (um 1450) begünstigt das Entstehen und die Verbreitung einer eigenständigen medizinischen Literatur und führt damit schließlich zu einer immer stärkeren Abwendung vom traditionellen antiken Schrifttum.

Vom allgemeinen Aufschwung der Chirurgie wesentlich mitgetragen, beginnt dann im 16./17. Jahrhundert eine eigenständige Entwicklung der Zahnmedizin, was u. a. in der Entstehung einer spezifischen Fachliteratur zum Ausdruck kommt. Bis weit in das 18. Jahrhundert hinein besteht zahnärztliche Therapie jedoch noch primär in der Durchführung von Extraktionen durch Chirurgen, Barbiere und umherreisende „Zahnbrecher“. Daneben erbringen aber bereits geschickte Handwerker Leistungen auf zahntechnischem Gebiet, allerdings für eine nur verschwindend geringe Zahl von begüterten Patienten. Wie schriftliche Quellen und Funde prothetischer Arbeiten aus dieser Zeit belegen, erfolgte die methodische Abkehr von den antiken und mittelalterlichen Behandlungsmaßnahmen eher langsam. Dennoch standen die „Zahnbehandler“ des 18. Jahrhunderts an der Schwelle zu einer autonomen Zahnheilkunde (vgl. Hoffmann-Axthelm 1985, Ring 1997, Groß 2019).

1.3Der kosmetisch-ästhetische Wert der Zähne in Vergangenheit und Gegenwart

Den individuellen Wert und die kulturelle Bedeutung der Zähne und des Gebisses in Vergangenheit und Gegenwart spiegeln archäologische Funde, schriftliche antike Quellen sowie ethnologische Feldstudien wider. So haben z. B. Zähne bei Naturvölkern weniger einen funktionellen als einen idealisierenden Wert. Für die in vielen Gebieten der Welt vorkommenden artifiziellen Veränderungen an Zähnen, wie Färbungen, Schmuckeinlagen und Zahnfeilungen, werden religiös-kultische, soziologisch-wirtschaftliche, ästhetisch-künstlerische und medizinisch-hygienische Gründe geltend gemacht (Alt et al. 1990, Alt und Pichler 1998, Garve 2014, Burnett und Irish 2017). Diese Bräuche stehen scheinbar im Widerspruch zu der von Europäern schlechthin als Schönheitsideal empfundenen Natürlichkeit der Zähne in Form, Farbe und Stellung, die bereits Griechen und Römer vertraten. Dass kosmetisch-ästhetische Vorstellungen aber stark von kulturspezifischem Brauchtum abhängen, zeigt die in islamischen und osteuropäischen Ländern noch häufig zu beobachtende Sitte, Zähne im sichtbaren Bereich mit Gold oder anderen Metallen zu überkronen, um damit die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht zu demonstrieren, ähnlich wie in Japan die Schwarzfärbung der Zähne bis ins 19. Jahrhundert die Verheiratung einer Person angezeigt hat (zum Themenkomplex „Ästhetik“ siehe Kap. 17). Auch in Laos und Vietnam sind solche Schwarzfärbungen der Zähne bekannt. Hier wird vermutet, dass die Prozedur nicht nur ästhetischen Wert, sondern auch medizinischen Nutzen bei der Kariesprävention haben könnte (Tayanin et al. 2006).

In der modernen Zahnmedizin bildet die Wiederherstellung der gestörten Kaufunktion den Schwerpunkt jeder prothetischen Behandlung. Daneben sind funktionelle, ästhetische und phonetische Aufgaben zu erfüllen. Wie jeder zahnärztliche Behandler bestätigen wird, sind für die Patienten primär ästhetische Beweggründe für den Wunsch nach Anfertigung von Zahnersatz maßgebend, weil den Zähnen für das Leben in der Gesellschaft und Öffentlichkeit hohe Bedeutung zukommt. Zahnlosigkeit im Frontzahngebiet wird in der Regel nur kurze Zeit von den Betroffenen akzeptiert, wobei viele Patienten bis zur Fertigstellung einer Interimsversorgung sogar krank geschrieben werden möchten. Während im lückigen Frontzahngebiss Patienten meist von sich aus mit dem Wunsch nach einer prothetischen Rehabilitation kommen, stört Zahnlosigkeit im Seitenzahngebiet selten und es bedarf vielfach besonderer Hinweise des Zahnarztes auf entstehende Funktionsstörungen, bevor hier in eine prothetische Versorgung eingewilligt wird.

Erfahrungsgemäß sind es also weniger die funktionellen Auswirkungen von Zahnverlust und Zahnlosigkeit – einmal abgesehen von den Sprachschwierigkeiten – als vielmehr die negativen Einschränkungen des äußeren Erscheinungsbildes, das Empfinden eines körperlichen Defektes, die Patienten in die zahnärztliche Praxis und in eine prothetische Behandlung führen. Fehlfunktionen werden oft über längere Zeit durch reaktives Verhalten kompensiert, Schmerzen bisweilen durch Selbstmedikation therapiert und die Nahrungsaufnahme den gegebenen Möglichkeiten angepasst. Ein lückenhaftes, schadhaftes und ungepflegtes Gebiss dagegen weckt bei vielen Menschen ein tief verankertes Schamgefühl und löst psychosoziale Störungen aus, weil mit dem schlechten Gebiss ein Verlust an Jugend, Schönheit und Attraktivität assoziiert und der Gebisszustand vielfach dem individuellen Fehlverhalten des Trägers angelastet wird (Böhme et al. 2015).

Die Erkenntnis, dass seitens der Patienten kosmetische Beweggründe Priorität vor funktionellen Erwägungen bei Zahnverlust haben, ist nicht auf die Verhältnisse in modernen Gesellschaften beschränkt. Bereits in der zeitgenössischen antiken Literatur werden die negativen Auswirkungen von Zahnverlust auf das Befinden der Betroffenen geschildert, die, wenn sie es sich leisten konnten, technisch zwar unzulänglichen, kosmetisch aber wohl befriedigenden Zahnersatz herstellen ließen. Archäologisch überlieferte, kaufunktionell völlig insuffiziente Konstruktionen von Zahnersatz sind der konkrete Beweis dafür, dass die Wiederherstellung des Kauorgans allenfalls sekundär von Bedeutung war. Bis weit in das 19. Jahrhundert bestimmte primär der Wunsch nach ästhetischer Rehabilitation die Herstellung von Zahnersatz (Alt 1993).

An Behandlungsgrundsätzen sind, außer der Absicht, die entstandene Lücke zu schließen und eingefallen wirkende Gesichtspartien auszupolstern, meist keine weiteren Kriterien erkennbar. Funktionelle Erwägungen scheinen kosmetischen Zwecken immer nachgeordnet, wenngleich einige Fundstücke belegen, dass „Zahnkünstler“ mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und mit Geschick und Können gelegentlich versucht haben, funktionelle Gesichtspunkte (z. B. Okklusion) bei der Herstellung von Zahnersatz zu berücksichtigen. Dies gelang meist nur unvollkommen und war immer nachrangig. Ein klassisches Beispiel für die Unzulänglichkeit seines Zahnersatzes stellt George Washington dar, der bereits im Alter von 40 Jahren eine Teilprothese aus Nilpferdknochen erhalten hatte, in die menschliche Zähne unbekannter Herkunft eingesetzt waren (Weinberger 1948). In vielen Anekdoten wird erzählt, dass G. Washington lebenslang an den Veränderungen gelitten hat, die mit dem Zahnverlust und dem Tragen des insuffizienten Zahnersatzes zusammenhingen (Lässig und Müller 1983). Überhaupt hatten die Behandlungsversuche oftmals nur kurzfristig Erfolg, da eine den Restzahnbestand schonende Verankerung des Zahnersatzes noch nicht möglich war. Nach Eingliederung des Ersatzes waren die Pfeilerzähne durch Fehlbelastungen bald geschädigt und gingen vielfach vorzeitig verloren (vgl. Alt 1993).

Als Werkstoff für die Herstellung von Stiftzähnen, Brücken und Prothesen mussten, sofern diese nicht in einem Stück, aus Knochen, Elfenbein, Walroß- und Flusspferdhauern (Stoßzähne) geschnitzt waren, sonstige Tierzähne oder auch menschliche Zähne von Toten herhalten (Paulson 1908, Lorenzen 2006). Die aus organischen Materialien bestehenden Werkstoffe waren für prothetische Konstruktionen wenig geeignet: Sie fielen wie die eigenen Zähne der Karies zum Opfer, verfärbten sich rasch, verbreiteten einen intensiven Geruch und mussten häufig erneuert werden. Nahezu unumgänglich war es, den vermeintlichen „Zahnersatz“ vor dem Essen herauszunehmen, da damit nicht gekaut werden konnte. Weil das Tragen von Zahnersatz wahrscheinlich lange Zeit nichts Beschämendes an sich hatte, sondern die Zugehörigkeit zur Oberschicht bezeugte, kam der späteren Verwendung von Metall (meist Gold) im sichtbaren Bereich eher ein dekorativer Effekt zu.

Von den frühesten prothetischen Arbeiten durch Etrusker und Phöniker um die Mitte des ersten Jahrtausends v. Chr. bis weit ins 19. Jahrhundert bedeutete das Tragen von Zahnersatz ein Privileg, das sich auf wenige Begüterte beschränkte. Die Art der prothetischen Versorgung, die Werkstoffe und Herstellungsmethoden blieben während der ganzen Zeit nahezu unverändert, jedoch gab es kulturspezifisch deutliche Unterschiede bezüglich der technischen Umsetzung, was in hohen Qualitätsunterschieden beim Zahnersatz zum Ausdruck kam. Erst nachdem die Zahnheilkunde im 16. Jahrhundert ein Teilbereich der Medizin wurde, ab dem 18. Jahrhundert eine eigenständige Entwicklung nahm und im 18./19. Jahrhundert als fachspezifische Disziplin die Zahnprothetik entstand, wurden deutliche Fortschritte erzielt. Für die Erfindung und Nutzung geeigneter Materialien spielten die allgemeine technische Entwicklung, die Fortschritte in den Naturwissenschaften und die politische Neuordnung Europas eine wichtige und entscheidende Rolle (Hoffmann-Axthelm 1973, Bennion 1988).

1.4Ernährung und Zahnverlust

Traumen, parodontale Insuffizienz und periapikale Entzündungen (Ostitiden) – über die Karies hinaus oft als Folge progressiver Abrasion mit Eröffnung der Pulpa – sind Ursachen, weshalb Zähne in ur- und frühgeschichtlicher Zeit verloren gehen; Zahnverlust durch Karies kommt aufgrund der Ernährungsgewohnheiten demgegenüber lange Zeit nur in geringem Ausmaß vor (Nicklisch et al. 2016). Die Ernährung von Jägern und Sammlern beschränkt sich über Jahrhunderttausende auf das Sammeln von Pflanzen, Wurzeln und Früchten, die vielfach roh verzehrt werden und etwa zwei Drittel der Nahrung ausmachen. Ergänzend dazu findet Jagd auf verfügbares Wild statt, dessen Fleisch eine wichtige Energiequelle bildet. Die grobe, faserreiche Kost, die das Gros der Nahrung stellt, bewirkt eine starke Abrasion der Zahnhöcker und -fissuren, weshalb auf den Okklusalflächen der Zähne kaum einmal Karies entsteht (Alt et al. 2017). Ein nennenswerter Konsum niedermolekularer Zucker findet vor dem 18. Jahrhundert in der Normalbevölkerung nicht statt und ändert sich erst mit Beginn der Industralisierung (Skelly et al. 2020). Wilder Honig, Früchte, Sirup und Most, geographisch-regional Datteln und Feigen sind Beispiele für vorhandene Nahrungsmittel mit kariogenem Potential. Rohrzucker ist bereits seit dem Altertum verfügbar, wird anfänglich jedoch nur in der Oberschicht konsumiert (u. a. als Medikament).

Da die mittlere Lebenserwartung unserer Vorfahren bis ins Mittelalter nur bei etwa 30 bis 40 Lebensjahren liegt, ist die Kariesfrequenz limitiert und der Zahnverlust in prähistorischen Zeiten gering, steigt aber seit der Antike ständig an und erreicht im Mittelalter sehr hohe Befallszahlen (Alt 2001). Relativ chronologisch lässt sich das Anwachsen der Karies und damit einhergehend erhöhter Zahnverlust mit bestimmten kulturhistorischen (zivilisatorischen) Ereignissen in Verbindung bringen. Im Zuge der sogenannten neolithischen Revolution domestiziert der Mensch in der Jungsteinzeit Pflanzen und Tiere. Durch den wirtschaftlichen Wechsel ändert sich die Zusammensetzung und Zubereitung der Nahrung in der Folgezeit entscheidend, da zunehmend neue Produkte (z. B. Getreide) und weichere (gekochte) Nahrung verzehrt werden. Als Folge dieser geänderten Ernährungsgewohnheiten steigen Karieshäufigkeit und Zahnverlust immer stärker an (Nicklisch et al. 2016). Nach den schriftlichen Quellen wurde die Zahnextraktion von der Antike bis ins Mittelalter hinein primär „nur“ an bereits lockeren Zähnen vorgenommen. Der Grund dafür sollen die schlechten Erfahrungen sein, die man bei der Extraktion schmerzender, aber fester Zähne gemacht hatte. Allenthalben wurde daher eine medikamentöse Vorbehandlung eines zu extrahierenden Zahnes gefordert (vgl. zusammenfassend Hoffmann-Axthelm et al. 1995). Für die Entwicklung der praktischen Zahnmedizin generell, im Besonderen was die Extraktion betrifft, wurde der Araber Albucasis zum Pionier, der im 30. Kapitel seiner „Chirurgia“ aus dem 11. Jh. n. Chr. zum ersten Mal in allen Einzelheiten die Zahnextraktion beschreibt (Albucasis 1778). Sigron (1985) hat die Bedeutung dieses Werkes für die Zahnmedizin bis in das 18. Jahrhundert hinein betont und darauf hingewiesen, dass vor dem Erscheinen dieses Werkes die Zahnextraktion „zwar als Behandlungsart genannt [wird], ihre Erwähnung ist aber stets mit der Warnung verbunden, nur lockere Zähne zu ziehen“. Vielfach wird überhaupt bestritten, dass es in ur- und frühgeschichtlicher Zeit Zahnextraktionen gegeben hat. Grund dafür ist die Tatsache, dass es bei fehlenden Zähnen schwierig ist zu sagen, ob diese durch ein Instrument (z. B. Zahnzange), nach (eventuell medikamentöser) Lockerung mit der Hand entfernt wurden oder allmählich im Munde verfault sind. Es vereinfacht die Diagnose Extraktion, wenn gleichzeitig Frakturen der Krone, beschädigte Nachbarzähne, Frakturen oder Dislokationen der Kiefer beobachtet werden, weil dies auf Komplikationen bei der Extraktion hinweist. In der Regel lässt sich aber auch beim Fehlen solcher Begleitfunde durch einen geübten Untersucher (Dentalanthropologen) feststellen, ob es sich bei einem fehlenden Zahn möglicherweise um einen extrahierten Zahn handelt. Letztlich kommt es jedoch eigentlich nur darauf an, ob eine wie auch immer geartete Behandlung eventuell durch einen „Heilkundigen“ stattgefunden hat oder der Zahn einfach sukzessive aus dem Kiefer „herausgefault“ ist. Nach dem bioarchäologischen Quellenmaterial scheint klar zu sein, dass man durchaus in der Lage war, Zähne zu trepanieren oder auch zu extrahieren, auch wenn dafür unterschiedlichste Methoden in Frage kommen, somit die Zahnextraktion wahrscheinlich weit in die Menschheitsgeschichte zurückreicht (Lunt 1992).

Soziokulturelle Aspekte, die in den Hochkulturen das Interesse an Zahnersatz aufkommen lassen und später das Herausbilden eines prothetischen Handwerks begünstigen, sind zu Beginn der Jungsteinzeit noch zu vernachlässigen. In einer mehr oder weniger egalitären Gesellschaft mit wenig ausgeprägtem Statusdenken hat Zahnverlust keine gesellschaftlichen Benachteiligungen zur Folge, da Altern und die damit verbundenen Einschränkungen zum Dasein dazugehören und unabwendbar sind. Da nur wenige Menschen ein hohes Alter erreichen, ist Zahnverlust, vor allem im Frontzahnbereich, zunächst eher selten. Erst in den sozial stratifizierten Bevölkerungen der nachfolgenden Metallzeiten und in den Hochkulturen finden wir gesellschaftliche Bedingungen vor, die bei Zahnverlust den Wunsch nach prothetischer Versorgung aufkeimen lassen. Jedoch ist anzunehmen, dass sich allenfalls eine sehr begrenzte Oberschicht den Luxus von Zahnersatz leisten konnte. Die Erfolge der ersten „Zahnkünstler“ mögen dann zur Nachahmung animiert haben. Wie weit letztlich der Wunsch nach Zahnersatz historisch zurückreicht, kann jedoch nur spekulativ bleiben.

1.5Die Bedeutung archäologisch-prothetischer Fundobjekte für die zahnmedizinhistorische Forschung

Wenngleich prothetische Wiederherstellungen in historischer Zeit zunächst sehr begrenzt und auf die Oberschicht beschränkt gewesen sein mögen, begründete der Wunsch nach ästhetischer Rehabilitation eine immer stärkere Nachfrage nach derartigen Diensten und schuf so mit der Zeit die Notwendigkeit eines speziellen zahntechnisch tätigen Handwerks. Ein Problem der medizinhistorischen Forschung ist der häufige Widerspruch zwischen schriftlichen Quellen – auf die Prothetik bezogen z. B. der Nachweis der Tätigkeit eines zahntechnischen Handwerks in der Antike – und den konkreten Funden an Zahnersatz, die durch die Ausgrabungstätigkeit von Archäologen zutage kommen. Insgesamt gesehen erstaunt die Seltenheit der Funde, und in vielen Fällen sind die technischen Details und Materialien andere, als sie nach der Lektüre der medizinischen Literatur jener Zeit zu erwarten wären. Gerade wegen dieser häufigen Diskrepanzen sind archäologische Objekte als Vergleichsmaterial einmalige Quellen.

Da Fundobjekte aus dem Bereich der zahnärztlichen Prothetik bis ins 19. Jahrhundert selten sind und wir unser Wissen darüber primär dem Schrifttum der jeweiligen Zeit verdanken, ist jeder archäologische Fund von Zahnersatz aus medizin- und kulturhistorischer Sicht eine wertvolle Quelle. Während Ausgrabungen in antiken oder mittelalterlichen Fundkomplexen, wo Zahnersatz noch wenig verbreitet ist, häufig vorgenommen werden, stellen Ausgrabungen in frühneuzeitlichen Fundzusammenhängen, in denen öfter Zahnersatz zu erwarten wäre, eher eine Ausnahme dar. Diesbezügliche Funde stammen häufig aus Kirchengrabungen, da sakrale Bauten grundsätzlich unter Denkmalschutz stehen. Von der Antike bis ins 19. Jahrhundert ist Zahnersatz ausschließlich unter den gehobenen Ständen verbreitet, für die es auch ein Privileg darstellt, sich innerhalb der Kirchen bestatten zu lassen. Es verwundert daher nicht, dass fast alle frühneuzeitlichen Funde von Zahnersatz aus Sakralbauten stammen.

1.6Früheste archäologische Quellen zur Zahntechnik aus Ägypten

Halten wir uns an die direkten Quellen als Belege für die Herstellung von zahntechnischen Arbeiten, so weisen diese zuerst nach Ägypten. Chronologisch gesehen gelten die Funde von Gizeh (ca. 2500 v. Chr.; Junker 1929), eine Schienung zweier unterer Molaren mit Golddrahtgebinde (Abb. 1-1), und eine weitere Schienung von oberen Frontzähnen aus dem Gräberfeld von El-Quatta aus der gleichen Zeit (Harris und Iskander 1975) als die frühesten Beispiele für Zahnersatzkonstruktionen. Es ist allerdings fraglich, ob hier überhaupt zahnärztliche Tätigkeiten vorliegen (Fotshaw 2009). Ähnlich alt soll der Fund einer Zahnimitation aus Muschelkalk mit spatelförmiger Krone und konischer Wurzel sein, die an einen oberen mittleren Schneidezahn erinnert. Der Autor vermutet u. a., dass es sich dabei um ein Zahnimplantat handeln könnte (Irish 2004). Wahrscheinlicher ist, dass es sich dabei um postmortale Maßnahmen handelt, weil angenommen wurde, dass für das Leben nach dem Tod die Unversehrtheit des Körpers wichtig wäre (Harris et al. 1975). Nachdem jüngst ein paläopathologischer Befund einer Zehprothese bei einer ägyptischen Mumie (1600–1300 v. Chr.) veröffentlicht wurde, wo sich deutliche Abnutzungsspuren an der Prothese finden, darf zumindest angezweifelt werden, dass es sich bei beobachtbaren Behandlungsmaßnahmen grundsätzlich um Vorgehensweisen im Zusammenhang mit dem Totenkult handelt (Nerlich et al. 2000). Die Auswertungen von Beamtentiteln sowie von medizinischen Papyri (Papyrus Ebers/Smith) ergeben zwar Hinweise auf Zahnbehandler, nennen Zahn- und Kiefererkrankungen und erwähnen medikamentöse Therapien; es fehlt aber jedes Indiz für die Anfertigung von Zahnersatz oder für die Schienung gelockerter Zähne bei Lebenden. Die beiden oben genannten Funde sind die bisher einzigen Fälle zahntechnischer Maßnahmen aus dem ägyptischen Kulturbereich, obwohl Tausende von Bestattungen, darunter viele Königsmumien, paläodontologisch untersucht worden sind. Das dürftige Ausgrabungsmaterial und die Schriftquellen lassen gegensätzliche Interpretationen und widersprüchliche Ansichten zu (Kornemann 1989, Weinberger 1946). Es wird daher nicht von ungefähr vermutet, dass die beiden oben genannten Zahngebinde von Präparatoren im Zusammenhang mit dem Bestattungszeremoniell post mortem hergestellt sein könnten.

Abb. 1-1 Schienung von zwei unteren Molaren mit Golddraht; Ägypten: Gizeh, ca. 2500 v. Chr. (Roemer- und Pelizaeus Museum, Hildesheim).

1.7Zahnersatz zur Zeit der Antike (Etrusker, Phöniker, Griechen, Römer)

Die ersten echten zahntechnischen Arbeiten repräsentieren Fundobjekte, die aus der Mitte des ersten Jahrtausends vor der Zeitenwende stammen. Aufgrund archäologischer Fundzusammenhänge, geographisch-regionaler Feinheiten in der Ausführung und Herstellung und der relativen Häufigkeit ihres Vorkommens, aber auch aufgrund der historischen Überlieferung wird angenommen, dass sie nicht, wie für die ägyptischen Fundstücke vermutet wird, religiös-kultischen Ursprungs sind. Wahrscheinlich ist der Wunsch nach Zahnersatz in erster Linie allein auf die menschliche Eitelkeit, weniger auf die Wiederherstellung der Kaufunktion zurückzuführen. Die Kulturen bzw. Ethnien, bei denen Zahnersatz aus ästhetischen Beweggründen erstmals eine Rolle spielt, sind Etrusker, Phöniker, Griechen und Römer, die alle Hochkulturen darstellen.

In das erste Jahrtausend vor Christus datieren Funde von Zahnersatz etruskischer und phönikischer Herkunft, die nahezu zeitgleich, wohl aber unbeeinflusst voneinander hergestellt wurden (Hoffmann-Axthelm 1973). Nimmt man die als unsicher einzuschätzenden ägyptischen Funde von „Zahnersatz“ aus, liegen mit ihnen die ältesten Beispiele für kosmetische Bemühungen vor, parodontal insuffiziente Zähne durch Schienung zu erhalten bzw. entstandene Zahnlücken durch Zahnersatz zu schließen. Eine Einmaligkeit stellt der Fund einer Zahnwurzel mit einem Metallstift aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. aus Palästina dar (Zias und Numeroff 1987). Über die Bedeutung dieser Maßnahme kann man nur spekulieren. Eine endodontische Behandlung scheint jedoch ausgeschlossen.

Während über die archäologisch-prothetischen Fundobjekte hinaus von den Etruskern keine und von den Phönikern kaum schriftliche Quellen zur Zahnmedizin vorliegen, existieren diesbezügliche Textstellen im medizinischen Schrifttum der Griechen und Römer in größerer Zahl. Ihre Inhalte sind jedoch primär Ausführungen über die Zahnheilkunst der jeweiligen Zeit, der im Wesentlichen eine Mischung aus Volksbrauch und Aberglaube zugrunde liegt, während nur wenige Aussagen über die Zahnersatzkunst darin zu finden sind.

1.7.1Etrusker

Die zahlreichen, technisch herausragenden etruskischen Funde von Zahnersatzarbeiten und parodontalen Schienungen datieren vor und zeitgleich mit den phönikischen Arbeiten, weshalb man die Etrusker als die ersten Hersteller von Zahnbrücken und -prothesen bezeichnen darf. Das Volk der Etrusker ließ sich im Zuge indogermanischer Wanderungen zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. in Oberitalien nieder und dehnte seinen Machtbereich weit nach Süden aus, bevor es im 4. Jahrhundert v. Chr. von den Römern unterworfen wurde. Wenngleich kaum schriftlichen Quellen über die Zahnmedizin der Etrusker vorliegen, sprechen die direkten Zeugnisse einer hoch entwickelten Zahntechnik für eine frühe Blütezeit der Prothetik (Becker und MacIntosh Turfa 2017).

Zur Schienung gelockerter Zähne benutzten die Etrusker meist 3–5 mm breite Goldbänder. Bei Zahnverlust wurden Goldbänder aneinander genietet (Abb. 1-2a) oder gelötet und in die entstehenden Schlaufen Ersatzzähne von Menschen und/oder Tieren gesetzt und mit Klammern oder Draht befestigt. Mehrere Zähne wurden mittels Draht oder Bändern als „Zahnbrücken“ an Pfeilerzähnen verankert (Abb. 1-2b). Wie eine große Anzahl originaler prothetischer Arbeiten in italienischen Museen (z. B. Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia, Rom; Museo Archeologico, Florenz) zeigt (Baggieri 1999, Becker 1996, Tabanelli 1958), bestimmten primär kosmetische Zwecke diese Bemühungen, während kaufunktionelle und phonetische Erwägungen noch keine Rolle spielten. Überblickt man die Folgezeit, wird deutlich, wie vergleichsweise zufrieden stellend die Etrusker zahntechnische Probleme lösten, denn ihr „Qualitätsstandard“ handwerklicher Leistungen wurde erst im 19. Jahrhundert wieder erreicht. Wie eine in Westanatolien gefundene Goldbandprothese etruskischer Provenienz zeigt, blieb die hoch entwickelte etruskische Zahntechnik nicht auf Italien bzw. die ehemaligen römischen Provinzen beschränkt (vgl. Capasso und Di Totta 1993, Teschler-Nicola et al. 1998), sondern hat sich weit über deren Grenzen hinaus ausgebreitet (Terzioglu und Uzel 1988, Becker und Macintosh Turfa 2017).

Abb. 1-2 Etruskische Brückentechnik: a zwei an Goldbänder vernietete Ersatzzähne, b zwei mit Goldbändern gefasste Pfeilerzähne für eine Brückenkonstruktion.

1.7.2Phöniker

Aus Gräbern in und nahe bei Sidon im heutigen Libanon stammen zwei Zahnersatzarbeiten, die den Phönikern zugeschrieben werden und sich anhand von Grabbeigaben in das 6. bis 4. Jh. v. Chr. datieren lassen (Renan 1864). In beiden Fällen handelt es sich um Schienungen aus Golddrahtgebinde. Während im erstgefundenen Fall eine sorgfältig vorgenommene Bindung von sechs Frontzähnen in Form eines Brückenersatzes vorliegt, der von Eckzahn zu Eckzahn reicht und zwei hinsichtlich des Materials unbekannte Ersatzzähne einbezieht (Louvre, Paris) (Abb. 1-3), handelt es sich im zweiten Fall um eine klassische Schienung von parodontal insuffizienten unteren Frontzähnen mit gleichzeitigem Ersatz von zwei Frontzähnen, die in situ aufgefunden wurde (Abb. 1-4). Das damals schon vorgenommene Schließen einer Frontzahnlücke mittels zweier am Restzahnbestand befestigter Ersatz-Schneidezähne darf als echte prothetische Leistung gelten, auch wenn sie funktionell natürlich unzulänglich war. Einflüsse aus den Hochkulturen des Zweistromlands (Euphrat und Tigris) und Ägypten wären aufgrund der geographischen Mittellage des Libanon denkbar, jedoch sprechen zwei Jahrtausende Zeitdifferenz und technische Details gegen diese Vermutung. Aufgrund der hohen Mobilität der Menschen und kultureller Kontakte weit über lokale Regionen hinaus haben sich auch in der Antike neue Errungenschaften schnell ausgebreitet.

Abb. 1-3 Phönikische mit Golddraht befestigte Unterkieferfrontzahnbrücke zum Ersatz der Zähne 31 und 32 (Louvre, Paris) (nach Hoffmann-Axthelm 1985).


Abb. 1-4 Phönikische Schienung mit Golddraht und Brückenersatz im Unterkiefer-Frontzahnbereich (Zähne 31, 32 sind ersetzt) (nach Hoffmann-Axthelm 1985).

1.7.3Griechen

Im klassischen Griechenland etabliert sich im 5. Jahrhundert v. Chr. eine neue, wissenschaftlich ausgerichtete Medizin, als deren Begründer Hippokrates gilt. Dessen umfangreiches medizinisches Schrifttum enthält auch zahnmedizinisch relevante Passagen, welche sich jedoch primär auf die Zahnanatomie und auf Therapievorschläge bei Erkrankungen der Zähne und Kiefer beziehen. Hippokrates erwähnt zwar die Drahtligatur zur Fixierung lockerer Zähne, doch fehlen bei ihm wie bei weiteren wichtigen Medizinautoren der Antike (z. B. Galen) jegliche Hinweise auf eine wie auch immer geartete prothetische Versorgung. Archäologische Funde von Zahnersatz aus dem klassischen Griechenland sind selten, was insofern verwundert, als der unausweichliche Zahnausfall nicht mit den Schönheitsvorstellungen der Griechen vereinbar war und die Medizin sich weit entwickelt darstellt (Künzl 2002). Eine Erklärung für die Seltenheit der Funde könnten Verluste durch antike Grabräuber sein, die nach Gold suchten (Jankuhn 1978). Das Fehlen von Hinweisen in der medizinischen Literatur kann durch die Zugehörigkeit der Zahnprothetik zum Handwerk begründet sein (Hammer 1956).

1.7.4Römer

Die Heilkunde im römischen Imperium war stark griechisch beeinflusst. Nach der Eroberung Griechenlands wurde sie zunächst von griechischen Sklaven, später von freigelassenen und zugewanderten Ärzten ausgeübt. Die Zahnersatztechnik hatten die Römer von den Etruskern übernommen, und nach historischen Quellen soll Zahnersatz in der Oberschicht weit verbreitet gewesen sein. Die Verwendung von Gold für Zahnersatzarbeiten ist bereits durch die Zwölftafelgesetze (Cicero, de legibus 2, 24, 60) aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert belegt.

Hygiene, Gesundheitsfürsorge und kosmetische Aspekte sind zwar charakteristisch für die römische Medizin, da Zahnersatzarbeiten aber als handwerkliche Tätigkeiten galten, fanden sie in der medizinischen Literatur kaum Erwähnung. Eine gute Quelle ist dagegen die zeitgenössische römische Literatur (z. B. Horaz, Ovid), wo häufig indirekt auf Zahnersatz eingegangen wird. Wie in Griechenland steht auch im römischen Reich die geringe Zahl an Fundobjekten nicht mit den schriftlichen Überlieferungen in Übereinstimmung, die auf eine existierende Zahnersatzkunst verweisen. Der Widerspruch lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass auch hier viele Zahnersatzarbeiten antiken Grabräubern zum Opfer fielen.

Zwei Funde von Zahnprothesen dokumentieren die in den Schriftquellen gefundenen Angaben zur Versorgung der römischen Oberschicht mit Zahnersatz. Zahnprothese 1 wurde während Ausgrabungen in der Viale della Serenissima zusammen mit Überresten einer Frau geborgen, die im 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr. in Rom gelebt hat. Die beiden mittleren Schneidezähne der Frau waren vermutlich intra vitam verloren gegangen. Der rechte Schneidezahn ist durchbohrt und mit Golddraht an zwei Nachbarzähnen befestigt. Der linke Schneidezahn fehlt post mortem und war wohl ebenfalls mit Golddraht an den Nachbarzähnen befestigt. Die Form und die Abnutzung der künstlich eingesetzten Zähne lässt vermuten, dass es sich wahrscheinlich um die eigenen Zähne der Frau handelt, die wegen ihrer Lockerheit in die Prothese eingearbeitet wurden (Minozzi et al. 2007). Zahnprothese 2 wurde in einem Kloster in der Toskana entdeckt und stammt vermutlich aus dem frühen 17. Jahrhundert. In diesem Fall waren alle vier unteren Schneidezähne und der linke Eckzahn über Goldbänder in die Prothese eingebunden und an den noch erhaltenen Nachbarzähnen wahrscheinlich ebenfalls durch Golddrähte befestigt (Minozzi et al. 2017). Zahntechnisch ist diese Prothese ziemlich einzigartig für diese Zeitstellung.

1.8Zahnersatz vom Ende der Antike bis zum Ausgang des Mittelalters

Der Niedergang des römischen Reiches, gleichbedeutend mit dem Ende der klassischen Antike, geht einher mit einem Rückgang in Kunst und Wissenschaft. Die Heilkunde der Antike wird lediglich vom kulturellen Aufschwung des Islam weitergetragen, der an die griechisch-römische Heiltradition anknüpft. Medizingelehrte des islamischen Kulturkreises, darunter so berühmte Vertreter wie Albucasis (936–1013?) und Avicenna (980–1037), die medizinische Texte der Antike kompilieren und systematisieren, benötigen zwar Jahrhunderte, um das Erbe griechisch-römischer Errungenschaften umzusetzen, sind letztlich jedoch in ihrer Auswirkung auf die Medizin des europäischen Mittelalters nicht hoch genug einzuschätzen.

Aus der Zeit vom Ende der Antike bis zur Verselbständigung der Zahnmedizin im 16. Jahrhundert liegen nur wenige schriftliche Quellen zur Zahnmedizin und speziell zur zahnärztlichen Prothetik vor. Arabischen Quellen wie Albucasis ist zu entnehmen, dass zur Schienung gelockerter Zähne weiterhin Golddraht benutzt und auch Zahnersatz aus Rinderknochen angefertigt wurde. Aus anderen Teilen der Welt liegen ebenfalls kaum Zeugnisse für die Existenz einer zahnärztlichen Prothetik bis zum Ende des Mittelalters vor. Aus der Neuen Welt gibt es von den Maya medizinische Texte, die über die Anfertigung von Zahnersatz aus Knochen berichten, archäologische Zeugnisse dafür fehlen (Schultze 1944, Tiesler et al. 2017). In Japan belegen historische Quellen, dass keine zahnärztliche Prothetik existierte.

Das für die Entwicklung der europäischen Medizin herausragende Ereignis war die Entstehung der medizinischen Schule von Salerno, wo im 12. Jahrhundert der erste universitäre Medizinunterricht beginnt. Die Anfänge der Schule von Salerno datieren bereits in das 9. Jahrhundert und stehen unter griechischem Einfluss, was auf enge Beziehungen zu Byzanz zurückzuführen ist. Entscheidend für die gesamte spätere Entwicklung der Medizin in Europa war aber die Rezeption und Vermittlung islamischer Heilkunde. Die Araber gelten im Sinne von „ex oriente lux“ als die eigentlichen Bewahrer des medizinischen Wissens des Altertums. Ein wesentlicher Anteil der Bedeutung von Salerno etwa ist Constantinus Africanus (1010/15–1087) zuzuschreiben, dessen Übersetzungen medizinischer arabischer Autoren ins Lateinische das z. T. verloren gegangene Wissen der Antike wieder zugänglich machten, da die großen Kompendien der islamischen Medizin in wesentlichen Teilen direkte Übersetzungen fundierter antiker Quellen, wie Hippokrates und Galen, waren.

Wissenschaftliche Anleihen aus dem Altertum und der Einfluss der arabisierten galenischen Medizin bleiben im Hoch- und Spätmittelalter in der zahnmedizinischen Literatur bestimmend, allerdings vermischen sie sich mit volksmedizinischem Gedankengut und eigenen Beobachtungen. Wichtige lokale Medizinzentren sind Montpellier, Toledo, Verona, Padua und Bologna. Bezüglich der zahnärztlichen Prothetik ist die medizinische Literatur jener Zeit relativ unergiebig, wie beispielsweise die „Chirurgia Magna“ von Guy de Chauliac (gest. 1368) zeigt, der lediglich den schon bekannten, aus Knochen geschnitzten Zahnersatz erwähnt. Schwerpunkte im kompilatorisch entstandenen Schrifttum bilden Empfehlungen gegen den Zahnschmerz, Vorschläge zur chirurgischen und medikamentösen Zahnentfernung und Rezepturen gegen Zahnfleischerkrankungen.

Archäologischer Fund: In Mitteleuropa datiert der früheste Nachweis von Zahnersatz in das 12. Jahrhundert. Bei einem Individuum aus dem slawischen Gräberfeld Sanzkow, Kr. Demmin (Vorpommern), wurden vermutlich die eigenen, locker gewordenen mittleren Schneidezähne im Unterkiefer extrahiert. Sie fanden dann als Prothesenzähne Verwendung, indem sie mittels einer zementartigen Kittmasse und einer kleinen Metallplatte befestigt wurden (Ullrich 1973). Die Kittmasse ist dem Kieferkamm sattelförmig angepasst und liegt den Nachbarzähnen dicht an. Die Ausführung lässt vermuten, dass dem Hersteller die antiken Vorläufer unbekannt waren (Abb. 1-5a und b). Für das Gebiet nördlich der Alpen scheint dieser mittelalterliche Fund eine absolute Ausnahme darzustellen, datieren doch die nächsten, zeitlich nachfolgenden Prothesenfunde frühestens in das 17. Jahrhundert, also in eine Zeit, in der der Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit bereits vollzogen war (Thierfelder et al. 1987, Czarnetzki und Alt 1991).

Abb. 1-5 Kleine sattelförmige Unterkieferprothese aus dem 12. Jahrhundert; Zähne 41 und 31 mit zementartiger Kittsubstanz befestigt; durch bronzenes Metallplättchen im Vestibulum abgestützt (nach Ullrich 1973). a Defekt; b Prothese in situ.

1.9Zahnersatz der Neuzeit

Das 16. Jahrhundert markiert den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Die von Italien ausgehende kulturelle Bewegung der Renaissance ist durch eine allgemeine Rückbesinnung auf die Vorbildfunktion der Antike gekennzeichnet und zieht weit reichende Veränderungen auf vielen Gebieten nach sich. Sie beeinflusst Wissenschaft, Kunst, Literatur und Philosophie, nicht zuletzt auch die Politik. Die geistigen Wandlungen machen auch vor dem Gebiet der Medizin nicht halt, wobei die ersten Fortschritte von außen in das Fach getragen werden. Der Künstler Leonardo da Vinci (1452–1519) etwa ist mit seinen exakten anatomischen Studien, darunter Zeichnungen von Zähnen und Kiefern, einer der Vorläufer einer rasanten Entwicklung der Anatomie, die dann durch Anatomen wie Andreas Vesal (1514–1564) geprägt wird. Einer der bedeutendsten Ärzte dieser Zeit ist Paracelsus (1493–1541), der mit den alten Traditionen bricht und als Begründer einer neuen Heilkunde gilt.

Der Aufschwung der Anatomie hatte starke Auswirkungen auf die Chirurgie. Deren Entwicklung in Frankreich ist nicht zuletzt das Verdienst von Ambroise Paré (1510–1590), der zu den wichtigsten Medizinautoren des 16. Jahrhunderts zählt. Er bringt vielfach eigene, praktische Erfahrungen in seine Schriften ein, allerdings sind seine Ausführungen über Zahnersatz nur Rezeptionen früherer Theoretiker, wie ein Zitat aus Parés Werk „Dix livres de la chirurgie“ zeigt: „Dentz artificielles faittes d’os, qui s’attachent par vn fil d’argent en lieu des autres qu’on aura perdues“ (zit. n. Hoffmann-Axthelm 1985) (deutsch: „Künstliche Zähne aus Knochen, die mit Hilfe eines Silberdrahts anstelle der verloren gegangenen Zähne befestigt sind“) (Abb. 1-6).

Abb. 1-6 Brückenzahnersatz des 16. Jahrhunderts (Paré), der mit Gold- oder Silberdraht an den Pfeilerzähnen verankert wird (nach Hoffmann-Axthelm 1985).

Im 16. Jahrhundert erscheint in deutscher Sprache das erste, vollständig der Zahnheilkunde gewidmete Kompendium eines anonym bleibenden Verfassers („Artzney Buchlein“, 1530) (Abb. 1-7), das unter dem bekannteren Titel „Zene Artzney“ ab 1532 viele weitere Auflagen erfährt, jedoch keine Kapitel über zahnärztliche Prothetik enthält. Zum Teil werden zu dieser Zeit odontologische Gegebenheiten in der chirurgischen Literatur abgehandelt; daneben entstehen zahnheilkundliche Volksbücher. Wesentlichen Anteil an dem Aufschwung, den die Medizin insgesamt nimmt, hat die Entwicklung der Buchdruckerkunst, da wissenschaftliche Neuerungen dadurch rascher einem größeren Personenkreis bekannt werden und durch den Druck kaum noch Übertragungsfehler von Wort und Bild auftreten. In die Zeit des 16. Jahrhunderts fallen auch die ersten Dissertationen mit zahnmedizinischem Inhalt, die jedoch wenig ergiebig sind und keine prothetischen Themen abhandeln (vgl. Monau 1578, Rümelin 1606).


Abb. 1-7 Titelblatt der 1. Auflage des ältesten zahnärztlichen Lehrbuchs der Welt („Artzney Buchlein“, 1530); Verfasser unbekannt.

Das 17. Jahrhundert bringt der Zahnmedizin noch keinen entscheidenden Durchbruch zu Eigenständigkeit. Therapeutisch steht weiterhin die Zahnextraktion im Vordergrund, für die bisher kaum in Erscheinung getretene Prothetik werden jedoch bereits wichtige Erkenntnisse gewonnen und weitergegeben, welche im folgenden Jahrhundert die Entwicklung dieser Fachdisziplin prägen sollten. In seinem erstmals 1684 erschienenen Buch „Großer und gantz neu-gewundener Lorbeer-Krantz, oder Wund-Artzney“ gibt M. G. Purmann (1648–1711) aus Breslau erstmals eine Empfehlung für ein Wachsmodell vor der Anfertigung von Zahnersatz, das allerdings noch außerhalb des Mundes modelliert wurde. Der Vorschlag zum Durchbohren gesunder Zähne zur Befestigung des so hergestellten Zahnersatzes mit Drahtligaturen lässt auf praktische Unkenntnis Purmanns auf diesem Gebiet schließen, der als Stadtarzt primär chirurgisch tätig war.

Archäologischer Fund: In der Oberhofener Kirche in Göppingen (Baden-Württemberg) wurde bei einem dort bestatteten Individuum eine Frontzahnprothese, die vermutlich aus Flusspferdzahn besteht, zum Ersatz der vier Schneidezähne des Oberkiefers gefunden. Nach der Baugeschichte der Kirche datiert der Fund an das Ende des 16. bzw. den Anfang des 17. Jahrhunderts (Czarnetzki und Alt 1991). Wie Durchbohrungen an der Prothese zeigen, wurde diese, wahrscheinlich mit Golddraht, an den Eckzähnen befestigt. Da erste Hinweise auf die Verwendung von Flusspferdzahn erst Ende des 17. Jahrhunderts auftauchen (Nuck 1692), der Werkstoff dann allerdings bis zur Ersetzung durch Kautschuk in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das führende Basismaterial für Zahnersatz bleibt, bliebe physiko-chemisch zu überprüfen, ob die Vermutung, es handele sich hier um Flusspferdzahn, auf diesen frühen Fund zutrifft (Abb. 1-8a und b).

Abb. 1-8 Frontzahnbrücke zum Ersatz von 4 Schneidezähnen im Oberkiefer aus Flusspferdzahn in situ; ehemals mit Golddraht an Pfeilerzähnen befestigt (nach Czarnetzki und Alt 1991). a Defekt; b Prothese in situ.

Erste Hinweise, die auf die Bedeutung der Kaufunktion bei der Herstellung von Vollprothesen verweisen, finden sich in dem oben erwähnten Werk des Leidener Anatomen A. Nuck (1650–1692) von 1692. Abgesehen von den geschilderten Ausnahmen ist die zahnärztliche Literatur des 17. Jahrhunderts, insbesondere was die Prothetik betrifft, ein Spiegelbild früherer Jahrhunderte. Diesbezügliche Ausführungen lassen erkennen, dass nach wie vor keine kaufunktionellen, sondern nur kosmetische, allenfalls phonetische Gründe die Anfertigung von Zahnersatz bestimmen.

Im 18. Jahrhundert löst sich die zahnärztliche Prothetik in Mitteleuropa allmählich von der Chirurgie und dem „Zahnbrecherwesen“ und erreicht eine gewisse Selbständigkeit. Ausgangspunkt der Entwicklung, die zur Etablierung der Zahnmedizin als selbständiger medizinischer Disziplin führt, ist Frankreich. 1728 erscheint das zweibändige Werk „Le Chirurgien Dentiste ou traité des dents“ von P. Fauchard (1678–1761), das erstmals das Fachwissen der Zeit zusammenfasst (Abb. 1-9a bis c). Mit einer Reihe weiterer Publikationen, wie dem ersten speziellen Buch über Zahntechnik von C. Mouton (1746) sowie Veröffentlichungen von L. Lécluse (1754) und E. Bourdet (1786), hat Fauchards Werk Auswirkungen auf die generelle Entwicklung der Zahnheilkunde und deren Etablierung als Wissenschaft in den Nachbarländern. Der bedeutsamste Erfolg von Fauchard war zweifellos die Überführung der Prothetik – seines Spezialgebiets – vom reinen Handwerk in eine wissenschaftliche Disziplin. Fauchards Wirken war durch seine präzisen technischen Beschreibungen zur Herstellung von Zahnersatz für die Fortentwicklung der Prothetik enorm innovativ.

Abb. 1-9 Verschiedene Ausführungen von Zahnersatz des 18. Jahrhunderts nach Fauchard (nach Hoffmann-Axthelm 1985).

Als Werkstoffe für Zahnersatz dienten Fauchard nach wie vor Menschenzähne (meist an Toten gewonnen), Tierknochen, Flusspferd- bzw. Walrosshauer und Elfenbein. Zur Fixierung des Zahnersatzes im Mund verwendete er noch immer, wie früher üblich, Fäden oder Draht; eine Neuheit bedeutete jedoch die Herstellung von Stiftzähnen, wobei gekerbte Metallstifte mit Kittmasse an gekürzten menschlichen Zähne befestigt und dann im Wurzelkanal mit organischen Materialien wie Hanf oder Flachs verankert wurden. Einzelne Zähne oder Stiftzahnbrücken wurden an Gold- oder Silberschienen genietet, Ober- und Unterkieferersatz durch die Verwendung von Federn miteinander verbunden. Vollprothesen aus den Oberschenkelknochen von Tieren wurden an der Basis mit Gold- oder Silberblech eingefasst und der sichtbare Teil mit Email überzogen.

Das erste spezifisch prothetische Fachbuch publizierte Mouton 1746 unter dem Titel „Essay d’Odontotechnie“. Wie Fauchard beschreibt auch Mouton Stiftzahnkonstruktionen, die als optimaler Ersatz gelten, Neuerungen betreffen die Befestigung von Brückenersatz durch Federn, was einer Art Klammerbefestigung gleichkommt. Ungleich wichtiger ist die Herstellung von Bandkronen (Goldkappen), wenngleich die Verwendung für den Frontzahnbereich als kosmetisch unzulänglich bezeichnet wird, was er durch Emaillierung umgeht. Bourdet führt dann für Zahnersatz die Metallbasis aus Gold ein, die ein Goldschmied nach einem Wachsmodell herstellt (Bourdet 1786). In künstliche metallene Alveolen, die in die Basis eingearbeitet waren, wurden die gekürzten Leichenzähne mit Stiften befestigt (Abb. 1-10) oder mit Mastix eingekittet. Der sichtbare Bereich wurde mit Email überzogen.

Abb. 1-10 Zahnersatz des 18. Jahrhunderts mit Metallbasis nach Bourdet (nach Hoffmann-Axthelm 1985).

Den bedeutsamsten Beitrag zur Entwicklung der Zahnmedizin in England leistet J. Hunter (1728–1793), allerdings nicht auf prothetischem, sondern anatomischem Gebiet. Sein 1771 erschienenes Werk „The Natural History of the Human Teeth“ ist die erste neuzeitliche anatomische Beschreibung über Zähne und Kiefer. Bei Zeitgenossen Hunters wie dem britischen Hofzahnarzt T. Berdmore (1771) finden sich lediglich unbedeutende Anmerkungen über Zahnersatz.

In Deutschland lag die praktische Ausübung der Zahnheilkunde nach wie vor in den Händen von Zahnbrechern und Wundärzten – ein bekannter Vertreter dieses Standes im 18. Jahrhundert ist J. A. Eisenbart (1663–1727) –, weshalb sie sich nur langsam aus der traditionellen Rolle befreien konnte. L. Heister (1683–1758), ein Anatom und Chirurg, widmete sich eingehend odontologischen Problemen. Er erwähnt in seinem Werk „Kleine Chirurgie oder Handbuch der Wundartzney“ von 1755 das von Purmann bekannte Wachsmodell, das bereits als Abdruck bezeichnet wird, und beschreibt differenziert die Herstellung von partiellem und totalem Zahnersatz aus den bekannten Materialien.

Auf gleich hohem wissenschaftlichen Niveau wie Fauchards Werk steht die 1756 erschienene „Abhandlung von den Zähnen des menschlichen Körpers und deren Krankheiten“ von P. Pfaff (1713?–1766), in die sowohl eigene Erfahrungen als auch neue Ideen einfließen. Neben Altbekanntem, wie der Schienung parodontal erkrankter Zähne mit Golddraht und der Bevorzugung von Walrosshauern als Werkstoff für Zahnersatz (Abb. 1-11), erfährt man, dass Pfaff von der Verwendung menschlicher Zähne wegen ethischer Bedenken und der Abscheu vieler Patienten meist Abstand nimmt. Forschungsgeschichtlich wichtige Neuerungen in seinem Werk stellen die direkte Abdrucknahme des Kiefers mit Siegelwachs, die Modellanfertigung mit Gips und die Bissnahme zur Okklusionssicherung bei Restzahnbestand dar, die präzise beschrieben werden.


Abb. 1-11 Zahnersatz des 18. Jahrhunderts nach Pfaff (nach Hoffmann-Axthelm 1985).

Archäologische Funde: Eine Prothese zum Ersatz der Schneidezähne im Oberkiefer wurde in einem barockzeitlichen Grab eines Mannes gefunden, der um 1700 in der Nikolai-Kirche in Berlin bestattet wurde (Thierfelder et al. 1987). Sie war durchbohrt, um ihre Befestigung am Restzahnbestand mit Hilfe von Draht zu ermöglichen (Abb. 1-12).


Abb. 1-12 Viergliedrige geschnitzte Oberkieferfrontzahnbrücke aus tierischem Horn vom Ende des 17. Jahrhunderts in situ; ehemals mit Golddraht an den Pfeilerzähnen befestigt (nach Thierfelder et al. 1987).

Zwei aktuelle Funde aus Grand-Saconnex, Genf, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts demonstrieren, dass die Zahnersatzkunst der Antike bis dato noch immer Anwendung fand (Alt 1993). Im Einzelnen finden sich Drahtligaturen zum Schienen parodontal insuffizienter Frontzähne, primitiver, aus Tierzähnen geschnitzter Brückenersatz, der mit Golddraht an Nachbarzähnen befestigt war, sowie eine große, aus einem Stück geschnitzte Prothese, die ebenfalls an den Nachbarzähnen mit Golddraht befestigt wurde. Diese Beispiele für Zahnersatz, zur Zeit des Wirkens eines P. Fauchard in Paris angefertigt, verdeutlichen, dass sich Neuerungen vermutlich nicht so rasch durchsetzen konnten (Abb. 1-13a bis d).

Abb. 1-13 Fund aus Grand-Saconnex, Genf, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts (Alt 1993): a Schienung mehrerer Frontzähne im Oberkiefer mit Golddraht; b Geschnitzter Brückenersatz aus Tierzahnmaterial zum Ersatz der Zähne 34, 35 und 36; mit Golddraht an den Pfeilerzähnen 33 und 37 befestigt; c Prothese aus Elfenbein zum Ersatz von 9 Zähnen; mit Golddraht an den Pfeilerzähnen 43 und 38 befestigt; d Elfenbeinbrücke für den linken Frontzahnbogen im Oberkiefer.

Einen ausgezeichneten Einblick in jene Zeit, als sich in den großen Städten Europas die ersten „Zahnärzte“ niederließen und um „Patienten“ wetteiferten, liefern von D. Cubitt (1992) veröffentlichte Zeitungsanzeigen, mit denen „Zahnärzte“ aus Norwich, England, für ihre Arbeit werben. „This is to inform the public that Mr. William Turner, Whitesmith, in St. Margaret’s Parish in Norwich, makes all sorts of surgeon’s instruments, as well as in London, and much cheaper [sic], viz. cauteries of all kinds, and all instruments for the teeth. Also makes artificial teeth, either single or doubles; and fixes them in so nicely, that they are not to be distinguished from the real (as several persons will attest, if called upon) either for sight or service: those who have made trail are able to eat, and perform with them that natural teeth can inable them to do. N.B. He makes trusses of all sorts, and to any pattern.“ (Norwich Gazette, Samstag 1. Juni, 1745).

Und von einem weiteren Zahnheilkundigen heißt es: „Agabus Molden, operator for the teeth, in St. Mary’s in Norwich, cleans teeth so as to cause the gums to grow up; which used in time, it a means to preventing their aching and decay. He taketh out stumps be they ever so decayed, or broken in unskilful pretenders. He also displaces teeth, after the best and most easie method. N.B. His wife also cuts hair for women, better than any one in town.“ (Norwich Gazette, 13. und 27 Februar, 1731).

Es hat den Anschein, dass sich im frühen 18. Jahrhundert in den Städten die Keimzelle der heute niedergelassenen Zahnärzte etabliert. Es gelingt ihr, sich gegen die Konkurrenz der Bader, Barbiere und Zahnbrecher durchzusetzen, allerdings war es im Unterschied zur Gegenwart damals noch erlaubt, für seine Fertigkeiten und Dienstleistungen öffentlich zu werben, was in der schwierigen Anfangszeit sicher auch notwendig war. Trotz anders lautender Beteuerungen befand man sich zahnprothetisch jedoch immer noch auf dem technischen Stand der Antike, da sich bei den meisten historischen Fundstücken kein wesentlicher technischer Fortschritt erkennen lässt (Czarnetzki und Alt 1991, Alt 1994a, Valentin und Granat 1997). Dass fast alle Funde bei Ausgrabungen in Kirchen zutage kamen ist ein Beleg dafür, dass sich nur die dort bestattete soziale Oberschicht derartigen Luxus leisten konnte. Bei 987 Bestattungen des Spitalfields in London fanden Whittaker und Hargreaves (1991) nur in 9 Fällen Zahnersatz, der teils aus Elfenbein, teils aus Gold besteht. Gelegentlich lässt sich sogar die Identität der Bestatteten anhand von Grabinschriften und Schriftquellen klären (Alt 1993, Whittaker und Hargreaves 1991).

Die allmählich einsetzende, allgemeine staatliche Anerkennung der Zahnheilkundigen und die Möglichkeit, als Stadtzahnarzt zu praktizieren, trugen in Mitteleuropa nicht unwesentlich zum Wechsel vom „Zahnkünstler“ zum Zahnarzt bei. Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung einer wissenschaftlichen Fachdisziplin bedeutet die Ausgrenzung der zahnärztlichen Prothetik aus dem Handwerk. Damit verlagert sich im 19. Jahrhundert die Herstellung von Zahnersatz aus dem handwerklich-künstlerischen Gewerbe in einen speziellen, zahntechnischen Bereich, der bis Mitte des 20. Jahrhunderts von den Zahnärzten zum Teil selbst abgedeckt wird, sich heute aber, zumindest in den Industrieländern, berufsmäßig weitgehend von der Zahnmedizin getrennt hat. Wenngleich die Konstruktionsprinzipien für Zahnersatz seit Beginn des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen feststehen, nimmt, wie in den Jahrhunderten zuvor, auch in der unmittelbaren Gegenwart die Entwicklung neuer Materialien und innovativer Behandlungskonzepte immer wieder wesentlichen Einfluss auf die Weiterentwicklung der zahnärztlichen Prothetik. „Geschichte der Zahnheilkunde ist zu einem wesentlichen Teil auch immer eine Geschichte der Instrumente und Werkstoffe unter Berücksichtigung technologischer Entwicklungen“ beschreibt Wolfgang Strübig (1989) die Abhängigkeit der Fachgeschichte von der generellen technischen Entwicklung (Braun 1978).

Eine entscheidende Erfindung war Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Entdeckung und Weiterentwicklung eines anorganischen Grundstoffs, der sich als Basismaterial für Zahnersatz eignete. 1774 ließ sich der Pariser Apotheker F. T. Duchateau (1751–1829) für sich selbst ein Gebiss aus Porzellan brennen. Nach diesem Rezept brachte der Pariser Zahnarzt N. D. de Chémant (1753–1824) 1788 die erste Mineralpaste für Zahnersatz auf den Markt. Aufgrund der bei der Herstellung auftretenden Schrumpfungen, die die Passgenauigkeit stark beeinträchtigten, führten die in einem Stück gebrannten Porzellangebisse zu massiven Druckstellen, waren bruchanfällig und klapperten. Trotz dieser Mängel scheint die Popularität der Gebisse, für die mit den Schlagworten „geruchlos und unverweslich“ geworben wurde, groß gewesen zu sein, wie plakative Karikaturen von Porzellangebissträgern vermuten lassen. Die in einem Stück gebrannten Porzellanprothesen ließen sich durch die Verwendung von Metalloxiden in verschiedenen Farben tönen.

Dem Italiener G. Fonzi (1768–1840) gelang 1808 die Entwicklung einer Methode zur Herstellung von Einzelzähnen mit eingebrannten Platinstiften (sog. Crampons). Damit war der entscheidende Schritt zum neuzeitlichen Zahnersatz getan, denn nunmehr konnte man Basis und Zähne getrennt herstellen. Die industrielle Produktion von Mineralzähnen begann 1825 in Amerika durch S. W. Stockton (1800–1872), ab 1844 auch durch die noch heute bestehende Firma S. S. White Corporation. Obwohl nun verschiedene Varianten von Industriezähnen zur Verfügung standen, wie die Röhrenzähne des Engländers C. Ash (1815–1892), die einen zentralen Kanal zur Verankerung eines Stifts hatten, oder die sogenannten Blockzähne („continuous gums“) von J. Allen (1810–1892), drei zusammengefasste Frontzähne mit angrenzendem Zahnfleisch, wurden noch bis weit über die Jahrhundertmitte hinaus weiterhin menschliche Zähne und Zahnbein von Tieren für Zahnersatz verwendet.

Ohne die Entwicklung der Bohrmaschine zum Aufbohren von Kavitäten und zum Beschleifen von Zähnen wären die technischen Möglichkeiten für Zahnersatz und zum Füllen von Zähnen jedoch wenig erfolgreich geblieben (Schuh 1937). Zwar ist die Verwendung von Fiedel- oder Drillbohrern schon aus der jüngeren Steinzeit bekannt, wo bereits Zähne mit Feuersteinbohrern trepaniert wurden (vgl. Alt 1989, Bennike 1985, White et al. 1997), im Bereich der Zahnmedizin dauerte es jedoch nach bescheidenen Vorläufern bis 1871, bevor mit der Tretbohrmaschine von J. B. Morrison (1829–1917) das erste voll funktionstüchtige Gerät zur Verfügung stand. Ebenso wichtig wie der Gebrauch der Bohrmaschine waren neue Abformmaterialien für den Fortschritt in der Prothetik. Auf diesem Gebiet zählen die Entwicklung eines Verfahrens mit hydrokolloidalen Agar-Stoffen durch A. Poller (1927), die Benutzung von elastischen Gelatinemassen seit 1938 und ab 1940 die Verwendung des Naturprodukts Alginat als Abformmaterial zu den wesentlichen Neuerungen.

War die Zahnersatzkunst über Jahrtausende allein durch den Wunsch von Patienten nach Ästhetik bestimmt, so wurde im 19. und 20. Jahrhundert der Wiederherstellung der Funktion eine immer größere Bedeutung zugemessen, was durch die Tendenz zu einer funktionellen Betrachtung des stomatognathen Systems zum Ausdruck kommt. Davon beeinflusst, und bedingt durch technische Innovationen, kam es und kommt es in den einzelnen prothetischen Teilgebieten wie Kronen-Brücken-Ersatz, kombiniert festsitzend-herausnehmbarer Zahnersatz und Totalprothetik zu entscheidenden Fortentwicklungen. Mit der Adhäsivprothetik und dem implantatgestützten Zahnersatz wurden wichtige Ergänzungen zum bestehenden Behandlungsspektrum geschaffen. In jüngster Zeit hat sich mit der CAD/CAM-Technologie (computer-aided design and computer-aided manufactoring), die computergesteuerte maschinelle Herstellung von Zahnersatz, die prothetische Versorgung von Patienten mit Zahnkronen, Inlays, Onlays und Veneers weiter vereinfacht (Schweiger und Kieschnick 2017). Die Darstellung dieser Entwicklungen ist den jeweiligen Spezialkapiteln dieses Buches vorbehalten. Die essentiellen Fortschritte der Zahnprothetik im 20. und 21. Jahrhundert bedeuten jedoch nicht, dass die ästhetischen Aspekte der Zahnersatzkunde in den Hintergrund getreten sind. Das Gegenteil ist der Fall. Es steht außer Zweifel, dass die Ästhetik heute alle Teilbereiche der Zahnmedizin einschließt und die therapeutischen Leistungen der Zahnmedizin entscheidend beeinflusst.

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2Einführende anatomisch-prothetische Grundlagen

2.1Terminologie, Zahnschemata und Zahnmerkmale

2.1.1Terminologie

Zum Zwecke genauer Richtungsangaben werden in der allgemeinen Anatomie bestimmte, aus dem Lateinischen abgeleitete Bezeichnungen verwendet. Dazu zählen unter anderem (Abb. 2-1 bis 2-3):


Abb. 2-1 Anatomische Richtungsbezeichnungen; Ansicht von frontal.


Abb. 2-2 Anatomische Richtungsbezeichnungen; Ansicht von rechtslateral.


Abb. 2-3 Anatomische Richtungsbezeichnungen; Ansicht von kranial.

medial: zur Mitte (medius) hin

lateral: zur Seite (latus) hin

ventral: zum Bauch (venter) hin

dorsal: zum Rücken (dorsum) hin

kranial: zum Kopf/Schädel (cranium) hin

kaudal: zum Steiß/Schwanz (cauda) hin

anterior: nach vorne hin

posterior: nach hinten hin

Vor allem in der Zahnmedizin sind darüber hinaus spezielle Termini verbreitet. So unterscheidet man an einem Einzelzahn (Abb. 2-4 und 2-5):


Abb. 2-4 Anatomische Bezeichnungen am Beispiel des Zahnes 21.


Abb. 2-5 Anatomische Bezeichnungen am Beispiel des Zahnes 36.

koronal: zur Zahnkrone (Corona dentis) hin (im Kronenbereich)

zervikal: zum Zahnhals (Cervix dentis) hin (im Kronen- und Wurzelbereich)

apikal: zur Wurzelspitze (Apex radicis dentis) hin (im Wurzelbereich)

okklusal: zur Kaufläche hin [Seitenzähne]

inzisal: zur Schneidekante hin [Frontzähne]

approximal: zum Nachbarzahn hin

mesial: zur Zahnbogenmitte hin

distal: von der Zahnbogenmitte weg

Die Zähne selbst befinden sich in der Mundhöhle (Cavum oris).

Außerhalb dieser intraoralen Region liegt der extraorale Bereich (Gesicht). In ihrer Gesamtheit bilden die Zähne in Ober- und Unterkiefer jeweils einen Zahnbogen. Der Zahnbogen des Oberkiefers ähnelt in seinem Verlauf einer halben Ellipse, der des Unterkiefers einer Parabel (Mühlreiter 1870; vgl. Abb. 2-73).

Durch die Zahnbögen (Zahnreihen) wird die Mundhöhle in einen zungenwärtigen oralen Abschnitt, der zur eigentlichen Mundhöhle (Cavum oris proprium) hin gerichtet ist, und einen vestibulären, d. h. im Mundvorhof (Vestibulum oris) befindlichen Bereich unterteilt (Abb. 2-6).


Abb. 2-6 Richtungsbezeichnungen in der Mundhöhle.

Anstelle der Bezeichnung „oral“ kann in beiden Kiefern auch der Begriff lingual verwendet werden. Im Oberkiefer wird die orale (linguale) Seite aber häufiger als palatinal (zum Gaumen hin) bezeichnet. Der vestibuläre Abschnitt der Mundhöhle kann nach der topographischen Lokalisation innerhalb des Kiefers weiter differenziert werden. Anterior, im Bereich der Frontzähne, liegt der labiale (zur Lippe hin gerichtete), posterior, im Bereich der Seitenzähne, der bukkale (zur Wange hin gerichtete) Teil.

Bei den Zähnen unterscheidet man das Milchgebiss von dem bleibenden Gebiss. Das Milchgebiss besteht aus 20 Zähnen. In jeder Kieferhälfte kommen fünf Zähne vor, nämlich zwei Schneidezähne (Inzisivi), ein Eckzahn (Caninus) und zwei Molaren. Das bleibende Gebiss weist mit den Weisheitszähnen 32 Zähne auf. Jeder Quadrant besitzt i. d. R. acht Zähne, nämlich zwei Schneidezähne, einen Eckzahn, zwei Prämolaren und drei (häufig auch nur zwei) Molaren. Schneide- und Eckzähne bilden zusammen die Frontzähne, Prämolaren und Molaren die Seitenzähne.

2.1.2Zahnschemata

Im Laufe der Geschichte wurden in der Zoologie, Anthropologie und Zahnmedizin diverse Zahnschemata vorgestellt. Sie alle hatten bzw. haben das Ziel, bestimmte Zähne eindeutig zu kennzeichnen. Große Verbreitung in der Zahnmedizin fanden vor allem die Einteilungen nach Zsigmondy (1861) und Palmer (1870), nach Haderup (1887) sowie das amerikanische und das internationale Zahnschema der Fédération Dentaire Internationale (FDI) aus dem Jahre 1970 (FDI 1971).

Die Zahnschemata nach Zsigmondy und Palmer, nach Haderup und nach der FDI weisen folgende Gemeinsamkeiten auf:

 Das Gebiss wird mittels eines Achsenkreuzes in vier Quadranten (Kieferhälften) eingeteilt.

 Wenn man vor dem Patienten steht, entsprechen die auf der rechten Seite der Zahnschemata befindlichen Quadranten (I, IV) der linken Seite des Behandlers.


Quadranteneinteilung der bleibenden Zähne

 Die Milchzähne werden gesondert gekennzeichnet.

2.1.2.1Zahnschema nach Zsigmondy und Palmer

Charakteristisch für dieses Zahnschema ist, dass die Quadranten durch Platzierung eines Winkelzeichens gekennzeichnet und die Zähne von mesial nach distal gezählt werden. Das bleibende Gebiss wird mit arabischen Ziffern, das Milchgebiss mit römischen Ziffern angegeben. Beispiel:

Bleibender linker oberer Eckzahn:

Rechter unterer zweiter Milchmolar:

2.1.2.2Zahnschema nach Haderup

Die Quadrantenkennzeichnung erfolgt durch Gebrauch von Plus- (Oberkiefer) und Minuszeichen (Unterkiefer). Auch hier verläuft die Zahnkennzeichnung von mesial nach distal. Milchzähne werden zusätzlich mit einer „Null“(0) vor der Zahl des jeweiligen Zahns gekennzeichnet.

Bleibendes Gebiss:


Milchgebiss:


Beispiel:

Bleibender linker oberer Eckzahn: +3,

Rechter unterer zweiter Milchmolar: 05–

2.1.2.3Amerikanisches Zahnschema (Universalzahnschema nach Parreidt)

Die Nummerierung im Universalzahnschema beginnt mit dem oberen rechten Weisheitszahn. Die bleibenden Zähne werden fortlaufend im Uhrzeigersinn mit arabischen Zahlen, die Milchzähne mit großen lateinischen Buchstaben gekennzeichnet. In Nordamerika ist dieses Zahnschema heute noch stark verbreitet.

Bleibendes Gebiss:


Milchgebiss:


Beispiel:

Bleibender linker oberer Eckzahn: 11,

Rechter unterer zweiter Milchmolar: T

2.1.2.4Internationales Zahnschema der FDI

Das Internationale Zahnschema ist ein zweiziffriges Schema. Es ist heute international am weitesten verbreitet. In einigen Ländern, darunter den USA, hat es allerdings leider immer noch keine weite Verbreitung gefunden (Türp und Alt 1995). Die Quadranten werden im bleibenden Gebiss mit 1 bis 4, im Milchgebiss mit 5 bis 8 bezeichnet. Die Zahnkennzeichnung erfolgt in jedem Quadranten von mesial nach distal, beginnend mit dem mittleren Schneidezahn und endend mit dem dritten Molaren.

Die bleibenden Zähne werden demnach wie folgt gekennzeichnet:


Kennzeichnung der Milchzähne nach dem FDI-System:


Beispiel:

Bleibender linker oberer Eckzahn: 23,

Rechter unterer zweiter Milchmolar: 85

Im deutschsprachigen Raum ist im klinischen Sprachgebrauch neben der Bezeichnung der Zähne nach dem FDI-Zahnschema auch eine informelle Benennung verbreitet, indem beispielsweise vom „linken oberen Dreier“ oder vom „rechten unteren Milch-Fünfer“ gesprochen wird.

2.1.3Zahnmerkmale

An jedem Zahn lassen sich topographisch-anatomisch verschiedene Abschnitte voneinander unterscheiden. Im Bereich der Schmelz-Zement-Grenze (Zahnhals, Cervix dentis) geht die von Zahnschmelz überzogene Zahnkrone (Corona dentis) in die zementbedeckte Zahnwurzel (Radix dentis) über, die an der Wurzelspitze (Apex radicis dentis) endet.

Jeder Zahn weist bestimmte Merkmale auf, die es erlauben, gleiche Zähne der rechten und linken Seite voneinander zu unterscheiden. Es sind dies das Krümmungs-, das Winkel- und das Wurzelmerkmal (Mühlreiter 1870).

2.1.3.1Krümmungsmerkmal (Abb. 2-7)

Die Beurteilung des Krümmungsmerkmals erfolgt von inzisal bzw. okklusal. Aus dieser Sicht ist der Wölbungsgipfel der Vestibulärfläche nach mesial verschoben, d. h., der Zahn ist im mesialen Bereich massiger.

Abb. 2-7 Krümmungsmerkmal am Beispiel des Zahnes 11.

2.1.3.2Winkelmerkmal (Abb. 2-8a)

Das Winkelmerkmal wird von vestibulär beurteilt. Bei Beurteilung des Winkels, der zwischen der Schneidekante und den Seitenflächen der Zahnkrone entsteht, erkennt man, dass dieser mesial spitzer als distal ausfällt. Das Winkelmerkmal ist bei den Oberkiefer-Schneidezähnen am ausgeprägtesten vorhanden.

Abb. 2-8 a–c Winkel-, Wurzel- und Zahnhalsmerkmal am Beispiel des Zahnes 11.

2.1.3.3Wurzelmerkmal (Abb. 2-8b)

Das Wurzelmerkmal wird bei Betrachtung des Zahns von vestibulär beurteilt. Man erkennt, dass die Zahnwurzeln nach distal gekrümmt sind. Außer bei den mittleren unteren Schneidezähnen kommt dieses Merkmal in der Regel bei allen Zähnen vor. In einzelnen Fällen kann es jedoch schwach ausgeprägt oder gar nicht wahrnehmbar sein.

2.1.3.4Weitere Unterscheidungshilfen

Zahnhalsmerkmal. Das Zahnhalsmerkmal (Abb. 2-8c) wird von vestibulär beurteilt. Hierbei ist der apikalste Punkt des labialen Zahnhalses nach distal verschoben. Dieses Merkmal tritt bei den Frontzähnen auf und ist bei oberen mittleren Schneidezähnen besonders ausgeprägt.

Furchenmerkmal. Im Wurzelbereich weisen untere Frontzähne distal oftmals eine Eindellung auf. Durch diese Konkavität lassen sich die in der Regel sehr symmetrisch gebauten unteren Schneidezähne gut der jeweiligen Seite zuordnen.

2.2Phylogenese der Zähne

Die heutigen Zähne des Menschen sind das Ergebnis einer langen stammesgeschichtlichen (phylogenetischen) Entwicklung, die bei den Fischen begann und sich über Amphibien und Reptilien zu den Säugetieren fortsetzte. Vorläufer der „echten“ Zähne waren sog. „unechte“ Zähne. Diese zeigen zwar noch nicht den typischen Aufbau echter Zähne, nehmen aber zahntypische Aufgaben wahr. Unechte Zähne können z. B. epitheliale Hornbildungen („Hornzähne“) sein, wie sie etwa im und um den Saugmund von Zyklostomen (= Rundmäuler) (z. B. Neunauge Petromyzon marinus), am Lippenrand von Amphibienlarven oder in Mundhöhle, Schlund und Speiseröhre der Lederschildkröte vorkommen. Auch Knochenzacken, wie beispielsweise bei Plakodermen (Panzerfischen), können die zahntypischen Funktionen erfüllen.

Im Gegensatz zu „unechten“ Zähnen bestehen „echte“ Zähne neben einer Zahnpulpa aus Zahnhartsubstanzen (Dentin, Schmelz, Zement). Mindestens Dentin muss vorhanden sein, weshalb „echte“ Zähne nach Waldeyer auch als „Dentinzähne“ bezeichnet werden (Peyer 1963). Dentinzähne traten in der Stammesgeschichte erstmals vor rund 300 Millionen Jahren bei den Fischen auf.

Bei Fischzähnen handelt es sich um einfache spitze Fangzähne, die alle dieselbe Form aufweisen (Homodontie, Isodontie) und in sehr großer Zahl vorkommen. Ein Zahnwechsel findet unbegrenzt häufig statt (Polyphyodontie). Die Befestigung der Zähne erfolgt entweder über Bindegewebsfasern bzw. Bänder oder durch Verwachsung mit dem Kieferknochen (Keil 1966). Dies bedingt, dass die Zähne relativ leicht ausfallen, ein Umstand, der durch die vorhandene Polyphyodontie ausgeglichen wird. Am Beispiel des Hais (Klasse: Knorpelfische) lassen sich typische Charakteristika der Fischzähne besonders deutlich zeigen. Bei den heute lebenden Haien sind der gesamte Körper und die Mundschleimhaut mit Tausenden sog. Plakoidschuppen bedeckt. Diese tragen jeweils einen kleinen Zahn. Im Mundbereich, genauer gesagt auf den Kieferrändern, haben sich im Laufe der Stammesgeschichte die typischen größeren Gebisszähne differenziert. Diese auf einer knöchernen Basalplatte aufsitzenden Zähne bestehen aus einer kegelförmigen Dentinkrone, die mit einem schmelzartigen Überzug bedeckt ist und eine Bindegewebspapille mit Blutgefäßen, Nerven und Odontoblasten, die Zahnpulpa, einschließt. Es lassen sich Funktionszähne von Ersatzzähnen unterscheiden. Der Zahnwechsel beim Hai läuft unbeschränkt häufig ab und erfolgt von lingual nach vestibulär (sog. „Revolvergebiss“). Je nach Haiart wechseln jeweils nur einzelne Zähne oder ganze Zahnreihen im Block. Eine Resorption der knöchernen Basalplatte findet nicht statt. Aufgrund der Zahn- und Kieferform ist nur ein Schnappen bzw. Abbeißen sowie ein unzerteiltes Verschlucken der Beute möglich, d. h., ein Kauen und Zermahlen der Beute im Mund kann nicht erfolgen.

Die nächste Stufe der Evolution sind die Amphibien. Sofern diese bezahnt sind, weisen die Zähne noch typische Charakteristika von Fischzähnen auf: Sie sind homodont, kegelförmig (haplodont) und polyphyodont. Erstmals in der Phylogenese kommt echter Zahnschmelz vor, der dem Dentin in einer dünnen Schicht aufliegt, aber noch prismenlos ist.

Die in der Regel polyphyodonten und homodonten Reptilienzähne zeigen eine haplodonte oder eine dreihöckerige Form. Die Befestigung im Kiefer erfolgt, wie beim Leguan, in einer Knochenrinne (Pleurodontie) oder, wie beim Chamäleon, auf dem Kieferkamm (Akrodontie). Dabei sind die Zähne über sog. Befestigungsknochen mit dem Kiefer ankylosiert (Peyer 1963). Bei Krokodilen sind demgegenüber erstmals in der Stammesgeschichte die mit einer Zementschicht überdeckten Wurzeln über einen Zahnhalteapparat in einem knöchernen Zahnfach (Alveole) federnd-elastisch aufgehängt. Diese auch für den Menschen typische Verankerungsform bezeichnet man als Thekodontie.

Die heutigen Vögel sind im Gegensatz zu ihren fossilen Vorläufern (z. B. Archaeopteryx [im Jura]) nicht mehr bezahnt. Stattdessen besitzen sie einen Hornschnabel zur Aufnahme und einen Kaumagen (darin Sand, Kieselsteine) zur Zerkleinerung der Nahrung.

Die typischen Säugetierzähne sind unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass sie verschiedene Zahnformen aufweisen (Heterodontie, Heteromorphie). Als weiteres Charakteristikum kommen bei den Säugern im Gegensatz zu ihren phylogenetischen Vorläufern nur zwei Zahngenerationen vor (Diphyodontie). Da bei einigen Säugern, darunter auch beim Menschen, nicht alle bleibende Zähne Milchzahnvorläufer besitzen, kommt bei ihnen keine reine Diphyodontie vor. So entstehen beim Menschen die bleibenden Molaren odontogenetisch aus einer distalen Aussprossung der Milchzahnleiste, der Zuwachszahnleiste, und nicht, wie die anderen bleibenden Zähne, aus der Ersatzzahnleiste. Daher sind die Molaren der zweiten Dentition monophyodont (nur eine Zahngeneration vorhanden), weshalb das menschliche Gebiss im Gesamten auch als semiphyodont bezeichnet werden kann.

Säugetierzähne sind in Alveolen verankert (Thekodontie). Der Schmelz besitzt eine Prismenstruktur.

Die Urzahnformel der Säugetiere (bleibende Zähne) lautet für die bleibende Zahngeneration 3 – 1 – 4 – 3, d. h. pro Quadrant kommen drei Schneidezähne, ein Eckzahn, vier Prämolaren und drei Molaren vor (Abb. 2-9). Diese Zahnformel kann auch auf andere Arten ausgedrückt werden, z. B.


oder


Abb. 2-9 Hypothetischer plazentaler Säuger mit der Urzahnformel 3-1-4-3.


oder


Bei vielen Säugern, so auch den schmalnasigen Altweltaffen (Catarrhini), zu denen auch der Mensch gerechnet wird, fand eine sog. phylogenetische Gebissreduktion statt: Die beiden ersten Prämolaren und wahrscheinlich der dritte (eventuell stattdessen der zweite) Schneidezahn der Ursäuger gingen in der Evolution verloren.

Die Zahnformel lautet dementsprechend


oder


Die Zähne der verschiedenen Säugetierarten unterscheiden sich bezüglich der Zahnzahl und der Zahnform zum Teil deutlich voneinander (vgl. Hillson 1986). Diese feststellbaren Unterschiede sind in engem Zusammenhang mit der jeweils verzehrten Nahrung zu sehen.

Herbivore (pflanzenfressende) Säuger erzielen mit ihren Zähnen eine Erhöhung der Kaueffizienz, indem die Kaufläche der Seitenzähne verbreitert und der Schmelz in anterior-posterior Richtung zu sog. Schmelzrippen gefaltet ist („Schmelzfaltigkeit“). Da die Zahnwurzeln permanent offen bleiben, findet ein langes oder dauerndes Wurzelwachstum statt. Zu den herbivoren Säugern zählen die Paarhufer. Die Wiederkäuer unter den Paarhufern – darunter fallen zum Beispiel Schaf und Hausrind – weisen für das bleibende Gebiss folgende Zahnformel auf (Keil 1966):


Die schweineartigen Nichtwiederkäuer sind im Vergleich zu den Wiederkäuern durch eine erhöhte Zahnzahl gekennzeichnet (Keil 1966):


Dabei bezeichnet man das Phänomen, dass an Höckern von Prämolaren und Molaren halbmondförmige Leisten vorkommen, als Selenodontie.

Pferde als typische Unpaarhufer besitzen demgegenüber noch die Zahnformel der Ursäuger:


Nagetiere sind durch eine stark reduzierte Zahnzahl gekennzeichnet. So weist die Maus folgende bleibende Zahnformel auf (Keil 1966):


Ratten besitzen in jeder Kieferhälfte einen Molaren mehr. Die mittleren Schneidezähne der Nagetiere sind zu Nagezähnen umgewandelt, die ein permanentes Längenwachstum zeigen. Auf diese Weise ist ein Ausgleich der verschleißbedingten Abnutzung der Nagezähne möglich. Da laterale Schneidezähne nicht vorkommen, werden Nagetiere auch als Simplizidentaten bezeichnet.

Hasentiere weisen ebenfalls zwei zentrale Nagezähne auf. Da sie darüber hinaus auch seitliche Schneidezähne besitzen, bezeichnet man sie als Duplizidentaten. Die Zahnformel eines typischen Vertreters der Hasentiere, der Kaninchen, lautet (Berkovitz et al. 1980):


Bei den Elefanten ist der mittlere Schneidezahn zu einem Stoßzahn (Dentinzahn) umgewandelt. Auch sie sind Simplizidentaten. Sie haben in der Summe die Zahnformel (Keil 1966):


Die sechs Seitenzähne sind nicht alle zugleich, sondern nacheinander vorhanden. Die zeitlich als erste drei Seitenzähne durchbrechenden Molaren werden als Milchmolaren, die letzten drei als bleibende Molaren eingestuft. Beim Elefanten steht pro Kieferhälfte immer nur ein Zahn in Funktion. Der Zahnwechsel erfolgt in horizontaler Richtung: Der von distal durchbrechende Zahn bewegt sich mesialwärts und ersetzt den vorhergehenden, abgenutzten Zahn (Keil 1966).

Fleischfresser (Carnivoren) sind vor allem durch lange und zugespitzte Eckzähne gekennzeichnet, die zu Reiß- oder Fangzähnen umgewandelt sind. Das Auftreten scharfkantiger, spitzer Prämolaren bezeichnet man auch als Sekodontie (Sekonodontie). Die Carnivoren werden in verschiedene Familien untergliedert. Beispielhaft sei die Zahnformel der katzenartigen Raubtiere (Feliden) genannt, zu denen u. a. Löwe, Tiger und Hauskatze zählen (Hillson 1986):


Hunde besitzen die Zahnformel


Bären die Zahnformel


Wale heben sich, bezogen auf das Zahnsystem, von den anderen Säugern dadurch ab, dass sie in der Regel nur eine Zahngeneration aufweisen (Monophyodontie) und eine zunehmende Tendenz zur Homodontie zeigen. Hatte der Urwal (Protocetus) noch 44 heterodonte Zähne (Inzisivi, Canini, Prämolaren, Molaren) (Ursäugerformel!), so ist der rezente weibliche Narwal zahnlos, während die männliche Form nur einen durchgebrochenen Zahn besitzt, nämlich in der Regel den linken oberen Caninus (Stoßzahn, Dentinzahn) (Peyer 1963). Delphine können demgegenüber je nach Art in beiden Kiefern zusammen bis über 200 haplodonte Zähne aufweisen (Keil 1966).

Die rezenten Primaten werden in die Unterordnungen der Halbaffen (Prosimii) und der echten Affen (Simii) eingeteilt (Henke und Rothe 1994). Bei den echten Affen unterscheidet man die Zwischenordnung der breitnasigen Neuweltaffen (Platyrrhini) und die der schmalhalsigen Altweltaffen (Catarrhini).

Die Platyrrhinen weisen zwei Familien auf: Die Cebidae mit der Zahnformel


und die Callitrichiden (Krallenaffen) mit der Zahnformel


Die Catarrhinen setzen sich aus zwei Überfamilien zusammen: den Cercopithecoidea und den Hominoidea. Während die Cercopithecoidea, zu denen beispielsweise die Gattungen Macaca und Papio (Pavian) zählen, die Zahnformel


aufweisen, sind die Hominoidea mit ihren drei Unterfamilien Hylobatidae (Gibbons), Pongidae (Menschenaffen, mit den Gattungen Orang-Utan, Schimpanse und Gorilla) und Hominidae (mit der Gattung Homo) durch die Formel


gekennzeichnet.

Vergleicht man die Kiefer und Zähne der Familien der Pongiden und der Hominiden miteinander, so kann man folgende charakteristische Unterschiede ausmachen:


Pongiden Hominiden
Kiefer lang schmaler
Zahnbögen U-förmig verkürzt, parabelförmig
Zähne breit, sehr große Canini schmaler, in der Größe reduzierte Canini
Besonderheiten „Affenlücken“ (= „Primatenlücken“) im bleibenden Gebiss OK: zwischen 2 u. 3 UK: zwischen 3 u. 4 „Affenlücken“ (= „Primatenlücken“) im Milchgebiss OK: zwischen II u. III UK: zwischen III u. IV

(Für weitere Einzelheiten zur Phylogenese der Zähne siehe Alt und Türp 1997).

2.3Odontogenese, Zahndurchbruch und Milchzähne, Durchbruchszeiten der bleibenden Zähne

2.3.1Odontogenese (vgl. Radlanski 2011)

Die Zahnentwicklung kann verkürzt wie folgt zusammengefasst werden: In der 6. Embryonalwoche bildet sich durch Verdichtung von Mundepithel eine Epithelleiste, die sich in das mesenchymale Bindegewebe einsenkt. Diese Epithelleiste differenziert sich in eine generelle Zahnleiste und eine Vestibularleiste. Sie bestehen aus Ektomesenchym der Neuralleiste. Aus der generellen Zahnleiste sprossen in jedem Kiefer zehn epitheliale Zahnknospen aus (Zahnanlage im Knospenstadium). Die Zahnknospen differenzieren sich weiter zu Zahnkappen (Zahnanlage im Kappenstadium) und zu Zahnglocken (Zahnanlage im Glockenstadium; Abb. 2-10a bis c). Letztere bleiben über die laterale Zahnleiste zunächst noch mit der generellen Zahnleiste verbunden.

Abb. 2-10 Stadien der Zahnentwicklung: a Knospenstadium; b Kappenstadium; c Glockenstadium.

In der Zahnglocke kann man drei Strukturen, nämlich das äußere Schmelzepithel als Außenfläche der Zahnglocke, die Schmelzpulpa (= epitheliales Schmelzretikulum) sowie das innere Schmelzepithel als Innenfläche der Zahnglocke, voneinander unterscheiden. Dieses Gebilde wird als Schmelzorgan bezeichnet. Nach Bildung des Glockenstadiums werden die generelle Zahnleiste und die Vestibularleiste (aus dieser entwickelt sich der Mundvorhof) aufgelöst. In der Konkavität der Zahnglocke befindet sich die Zahnpapille (Dentalpapille). Sie besteht aus Mesenchymzellen (embryonales Bindegewebe). Aus der Zahnpapille entwickeln sich später Pulpa (zentrale Zellen) und dentinbildende Odontoblasten (periphere Zellen). Zahnglocke und Zahnpapille werden vom ebenfalls mesenchymalen Zahnsäckchen (Follikel) umgeben, aus dem sich Zement und Desmodontalfasern differenzieren. Alle drei Strukturen – Zahnpapille, Zahnglocke und Zahnsäckchen – bilden den Zahnkeim.

Eine Aussprossung der generellen Zahnleiste von den zweiten Milchmolaren nach distal (ab ca. der 14. Embryonalwoche) wird als Zuwachszahnleiste bezeichnet. Aus ihr werden sich palatinal bzw. lingual der Milchzahnkeime die Zuwachszähne, d. h. die bleibenden oberen und unteren Molaren, entwickeln. Weil es für die bleibenden Molaren keine Milchzahnvorläufer gibt, gilt für sie das Prinzip der Monophyodontie. (Man beachte: Die Nachfolger der Milchmolaren sind die Prämolaren des bleibenden Gebisses.) Lingual der Milchzahnanlagen bildet sich die Ersatzzahnleiste für die Ersatzzähne, d. h. für die bleibenden Frontzähne und die Prämolaren (Diphyodontie). Wenn die Ersatzzähne mit der Schmelz- und Dentinbildung beginnen, lösen sich auch die generelle und die Ersatzzahnleiste auf. Reste können als (harmlose) Serres’sche Epithelkörperchen erhalten bleiben (Abb. 2-11 bis 2-13).


Abb. 2-11 Zahnentwicklung (24. bis 26. Schwangerschaftswoche).


Abb. 2-12 Zahnentwicklung (8. bis 10. Lebensmonat).


Abb. 2-13 Zahnentwicklung (2. Lebensjahr).

Die Dentin- und Schmelzbildung nimmt (ungefähr im 6. Monat) durch die Differenzierung der an das innere Schmelzepithel angrenzenden (peripheren) Zellen der Zahnpapille in Prä-Odontoblasten (den späteren Odontoblasten) ihren Anfang, gefolgt von der Umwandlung der Zellen des inneren Schmelzepithels in Prä-Ameloblasten (den späteren Ameloblasten [= Adamantoblasten]). Odontoblasten sind für die schichtweise Bildung von Prädentin verantwortlich, das zu Dentin mineralisiert (Dentinogenese). Die Odontoblasten rücken immer mehr nach innen Richtung entstehender Pulpa (Abb. 2-14). Von den Ameloblasten wird ebenfalls schichtweise eine Schmelzmatrix abgeschieden, die allmählich zu prismenförmig aufgebautem Zahnschmelz mineralisiert (Amelogenese). Dabei bewegen sich die Ameloblasten immer mehr an das äußere Schmelzepithel heran. Als Abschluss der Schmelzbildung wird der Zahnschmelz von dem sog. reduzierten Schmelzepithel überdeckt, welches u. a. reduzierte Ameloblasten enthält. Beim Zahndurchbruch wird das reduzierte Schmelzepithel zum Saumepithel (erster Epithelansatz, epitheliales Attachment) umgewandelt.


Abb. 2-14 Bildung der Zahnhartsubstanzen. a Odontoblasten; b Dentin; c Schmelz; d Ameloblasten: hochprismatisch, mit basalen Kernen und pyramidenartigen Fortsätzen; e Äußere Schmelzepithelzellen: flach; f Schmelzpulpa; g Zahnpapille; h Hertwig’sche Epithelscheide; i Alveolarknochen; j Mundhöhlenepithel.

Kurz vor Zahndurchbruch beginnt aber bereits die Wurzelbildung: Die zervikalen Ränder der Zahnglocke, d. h. das aneinander liegende äußere und innere Schmelzepithel, wachsen, ohne dass sie zwischen sich Schmelzpulpa einschließen, als Doppellamelle apikalwärts (Hertwig’sche Epithelscheide oder Wurzelscheide). Wurzeldentin wird dadurch gebildet, dass sich der Epithelscheide benachbarte Mesenchymzellen der Zahnpapille zu Odontoblasten umwandeln, die dann mit der Bildung von Prädentin beginnen.

Reste der sich auflösenden Epithelscheide können im Desmodont als sog. Malassez’sche Epithelreste erhalten bleiben. Die dem Wurzeldentin zugewandten Mesenchymzellen des Zahnsäckchens (Lamina cementoblastica) differenzieren sich zu Zementoblasten, welche sich an die Dentinoberfläche der sich bildenden Wurzel anlagern und eine dünne Zementschicht auf der Wurzeloberfläche ablagern (Zementogenese). Die äußeren Zellen des Zahnsäckchens (Lamina osteoblastica) wandeln sich in Osteoblasten um. Sie bilden die Alveolarfortsätze von Ober- und Unterkiefer. Die Bildung der kollagenen Faserbündel des Zahnhalteapparats erfolgt durch die Fibroblasten der mittleren Zone des Zahnsäckchens (Lamina periodontoblastica).

2.3.2Zahndurchbruch und Milchzähne

Der Zahndurchbruch (Eruption) beginnt nach Vollendung der Kronenbildung, wenn die Wurzelbildung eingesetzt hat. Die Wurzelbildung ist in der Regel erst mit vollständigem Zahndurchbruch, d. h. nach Erreichen der Okklusionsebene, beendet.

Die Durchbruchszeiten der Milchzähne (Dentes decidui, Dentes lactales) sind durchschnittlich wie folgt:


1. mittlerer Inzisivus 6. bis 9. Lebensmonat
2. seitlicher Inzisivus 8. bis 12. Lebensmonat
3. 1. Molar 13. bis 15. Lebensmonat
4. Eckzahn 17. bis 19. Lebensmonat
5. 2. Molar 25. bis 27. Lebensmonat

Die Durchbruchsreihenfolge lautet demnach 1 – 2 – 4 – 3 – 5. Die Abbildungen 2-15 bis 2-24 zeigen die typische Anatomie der Milchzähne in den Ansichten von vestibulär, oral und mesial.


Abb. 2-15 Zahn 61.


Abb. 2-16 Zahn 62.


Abb. 2-17 Zahn 63.


Abb. 2-18 Zahn 64.


Abb. 2-19 Zahn 65.


Abb. 2-20 Zahn 71.


Abb. 2-21 Zahn 72.


Abb. 2-22 Zahn 73.


Abb. 2-23 Zahn 74.


Abb. 2-24 Zahn 75.

Milchzähne weisen folgende Charakteristika auf: Sie sind kleiner, gedrungener und rundlicher als bleibende Zähne. Ihre Pulpakammer ist relativ groß, ihr Hartsubstanzmantel ist dünner als derjenige bleibender Zähne. Milchzähne besitzen zum Teil einen ausgeprägten zervikalen Schmelzwulst (Cingulum basale). Ihre Farbe ist bläulich-weißlich; von daher rührt auch der Name „Milchzähne“ (= Dentes lactales).

Milchzähne haben ein nur schwach ausgeprägtes Wurzelmerkmal. Die Inzisivi weisen eine Wurzel auf, die unteren Molaren zwei, die oberen Molaren drei. Die Wurzeln der Milchmolaren sind gespreizt, die der Milchfrontzähne sind nach vestibulär abgebogen. Milchzähne unterliegen einer schnelleren Abnutzung (Attrition; Abrasion) als bleibende Zähne. Die Krone des ersten Milchmolaren stellt eine Zwischenform der typischen Prämolaren- und Molarenkrone dar. Der zweite Milchmolar ähnelt stark dem ersten bleibenden Molar.

Den Milchzahnwurzeln können folgende Funktionen zugeschrieben werden:

 Verankerungsfunktion des betreffenden Zahns

 Schutzfunktion für die Anlage des Ersatzzahns (aufgrund der starken Wurzelspreizung)

 Platzhalterfunktion für den Ersatzzahn

 Steuerungsfunktion für den Durchbruch des jeweiligen Ersatzzahns (Resorption der Milchzahnwurzel)

2.3.3Durchbruchszeiten der bleibenden Zähne

Die bleibenden Zähne brechen im Durchschnitt zu folgenden Zeiten durch (Abb. 2-25 bis 2-27):


Abb. 2-25 Zahnentwicklung (5. bis 6. Lebensjahr).


Abb. 2-26 Zahnentwicklung (8. bis 9. Lebensjahr).


Abb. 2-27 Zahnentwicklung (12. Lebensjahr).


1. 1. Molar 5. bis 8. Lebensjahr
2. mittlerer Inzisivus 6. bis 8. Lebensjahr
3. seitlicher Inzisivus 7. bis 9. Lebensjahr
Eckzahn 9. bis 11. Lebensjahr
1. Prämolar 10. bis 11. Lebensjahr
2. Prämolar 10. bis 12. Lebensjahr
7. 2. Molar 11. bis 12. Lebensjahr
8. 3. Molar ab 16. Lebensjahr (oder nie)

Typische Durchbruchsreihenfolge:


Oberkiefer: 6–1–2 — 4–5–3–7 — 8
Unterkiefer: 6–1–2 — 3–4–5–7 — 8
frühes Wechselgebiss (5.–9. Jahr) Ruhepause spätes Wechselgebiss (10.–12. Jahr)

Variationen in der Durchbruchsreihenfolge kommen vor. So bricht bei vielen Kindern der mittlere Inzisivus vor dem 1. Molaren durch.

2.4Aufbau der Zähne und des Zahnhalteapparats

Zähne sind aus der Pulpa und den Hartsubstanzen Dentin, Schmelz und Zement aufgebaut. Das Zement ist integraler Bestandteil des Zahnhalteapparats (Abb. 2-28).


Abb. 2-28 Längsschnitt durch Zahn und Zahnhalteapparat. a Pulpa; b Dentin; c Schmelz; d Zement; e Desmodont (hier: apikaler Bereich); f Alveolarknochen; g Gingiva.

2.4.1Aufbau der Zähne (vgl. Radlanski et al. 2011)

2.4.1.1Pulpa (Inhalt der Cavitas dentis)

Die Pulpa (Zahnmark; Markorgan) besteht aus einer inneren Pulpakernzone und drei peripher gelegenen Randzonen. Bei den peripheren Randzonen handelt es sich von innen nach außen um eine zellkernreiche Gewebszone (bipolare Zone mit Fibroblasten und undifferenzierten Mesenchymzellen), eine zellkernarme Weil-Zone (Zellfortsätze) und die Odontoblastenschicht, die die Auskleidung der Pulpahöhle bildet (Abb. 2-29). In der Weil-Zone liegen u. a. der Raschkow-Nervenplexus (subodontoblastische Pulpazone mit Bündeln nichtmyelinisierter Nervenzellfortsätze [Axone]) und große Teile des subodontoblastischen Kapillarplexus.


Abb. 2-29 Pulpagewebezonen. a Pulpakernzone; b zellkernreiche Zone; c zellkernarme, subodontoblastisch gelegene Zone; d Odontoblastenreihe.

2.4.1.2Dentin

Eines der typischsten Strukturmerkmale des Dentins (Zahnbein) sind die in ihm gelegenen Dentinkanälchen (Dentintubuli). Dichte und Durchmesser der Kanäle nehmen mit zunehmender Entfernung von der Pulpa ab. Als typische Durchschnittswerte für die bleibenden Zähne eines jungen Erwachsenen können für pulpanahe (0,1 bis 0,5 mm von der Pulpa-Dentin-Grenze entfernt) und pulpaferne Bezirke (3,1 bis 3,5 mm entfernt) angesehen werden (nach Garberoglio und Brännström 1976):


Pulpanah Pulpafern
Kanaldichte [Anzahl/mm2] 45.000 19.000
Kanaldurchmesser [µm] 2,5 0,8

In den Dentinkanälchen liegen die Tomes-Fasern, d. h. die Fortsätze der Odontoblasten. Der um die Fortsätze befindliche periodontoblastische Raum ist mit Gewebsflüssigkeit (Dentinliquor) ausgefüllt.

Chemisch ist das Dentin wie folgt zusammengesetzt (Gewichtsprozent):


Mineralien 70 % (v. a. Kalzium und Phosphat in Hydroxylapatitkristallen)
Organische Matrix 20 % (v. a. Kollagen)
Wasser 10 %

Im Längsschnitt durch einen Zahn erkennt man pulpanah eine relativ schmale Schicht unverkalkten Prädentins, an die sich die Hauptmasse des Dentins anschließt, das zirkumpulpale Dentin. Schmelznah liegt als äußerste Dentinschicht das Manteldentin; es besteht aus stark verzweigten Odontoblastenfortsätzen, weist viele kollagene Fasern (von-Korff-Fasern) auf und ist weniger dicht mineralisiert als das zirkumpulpale Dentin (Abb. 2-30).


Abb. 2-30 Längsschnitt durch das Dentin. a Odontoblasten; b Prädentin; c zirkumpulpales Dentin; d Manteldentin.

Im Querschnitt lässt sich das um die Kanälchen befindliche stark mineralisierte und faserlose peritubuläre Dentin von dem weniger mineralisierten, dafür kollagenfaserreichen intertubulären Dentin unterscheiden. Strukturelle Besonderheiten im Dentin stellen die schwächer mineralisierten (hypomineralisierten) Wachstumslinien (von Ebner-Linien) dar, die, wenn sie besonders deutlich ausgebildet sind, als Owen-[Kontur-]Linien bezeichnet werden. Die am stärksten ausgeprägte Linie ist die bei der Geburt (Umstellung des Stoffwechsels) entstehende Neonatallinie.

Bestimmte Dentinbezirke sind weniger dicht mineralisiert als normal üblich. Im peripheren Bereich des zirkumpulpalen Dentins der Zahnkrone befindet sich in den sog. Interglobularräumen (Czermak-Räume) das Interglobulardentin. Im Manteldentin der Zahnwurzel liegt die hypomineralisierte Tomes’sche Körnerschicht.

Im Allgemeinen werden drei Dentinarten unterschieden:

 Primärdentin ist regulär strukturiertes Dentin (Orthodentin), das während der Entwicklung des Zahns entsteht.

 Sekundärdentin ist ebenfalls regulär strukturiertes Dentin; es wird nach der Bildung der Zahnwurzel gebildet. Dadurch werden Pulpahöhle und Wurzelkanäle verkleinert.

 Tertiärdentin (Reizdentin) ist demgegenüber irregulär aufgebaut. Es wird bei einem durchgebrochenen Zahn beispielsweise im Zuge von Karies, Attrition oder Abrasion abgeschieden und gilt als Zeichen einer Abwehrreaktion der Pulpa.

2.4.1.3Zahnschmelz

Zahnschmelz besteht chemisch aus folgender Zusammensetzung (Angaben in Gewichtsprozent):


Mineralien 95 %
Organische Matrix 1 %
Wasser 4 %

Da Schmelz weder Zellen noch Zellfortsätze enthält, wird er nicht als Hartgewebe, sondern als kristallines Gefüge angesehen (Schroeder 1997); gleichwohl wurde er von Zellen gebildet, den Ameloblasten.

Menschlicher Zahnschmelz besteht aus Schmelzprismen (Dichte: 20.000 bis 30.000/mm2 Schmelzfläche; durchschnittlicher Durchmesser: 5–10 µm), die aus Apatitkristallen [Hydroxylapatit: Ca10(PO4)6(OH)2]) aufgebaut sind. Die oberflächliche Schmelzschicht ist bei allen Milchzähnen und bei ca. 70 % der bleibenden Zähne prismenlos. Die Schmelzfläche ist an der Kronenoberfläche größer als an der Schmelz-Dentin-Grenze. Da die Schmelzprismen auf ihrem Weg von der Schmelz-Dentin-Grenze zur Schmelzoberfläche in ihrer Dicke jedoch konstant bleiben und zudem keine Hinweise für eine „interprismatische Kittsubstanz“ vorhanden sind, gilt es heute als wahrscheinlich, dass die Prismen nach peripher zur Schmelzoberfläche hin immer gewundener verlaufen. Dabei nimmt ihre Schräglage zu, so dass in einem Schliff tangential zur Schmelzoberfläche eine immer breitere Schicht von einem Schmelzprisma sichtbar wird.

Auch der Zahnschmelz weist strukturelle Besonderheiten auf. Dazu zählen Hunter-Schreger-Streifen. Dabei handelt es sich um Hell-Dunkel-Streifungen, die im Schmelzschliff aufgrund des gewundenen Verlaufs der Schmelzprismen zustande kommen. Quer getroffene Schmelzprismenbündel ergeben im Lichtmikroskop dunkle Streifen (Diazonien). Längsgetroffene Prismenbündel imponieren im auffallenden Licht als helle Streifen (Parazonien).

Die Wachstumslinien im Schmelz werden Retzius-Streifen (Retzius-Linien) genannt. Wie im Dentin, so kommt auch hier eine deutliche Neonatallinie vor. Die Schmelzoberfläche erreichenden Retzius-Streifen bilden Erhebungen und Einsenkungen, die als Perikymatien („Wellen“) bzw. Imbrikationslinien (Furchen, „Abflussrinnen“) bezeichnet werden.

Im Schmelz lassen sich drei Strukturfehler unterscheiden (Schaffner et al. 2017):

 Die grasbüschelförmigen Schmelzbüschel verlaufen entlang der Schmelzprismen von der Schmelz-Dentin-Grenze ins dentinangrenzende erste Drittel des Schmelzmantels. Sie stellen schwächer mineralisierte Bezirke dar.

 Schmelzlamellen sind solche Schmelzbüschel, die den gesamten Schmelz durchziehen. Sie sind hauptsächlich im zervikalen Schmelzbereich anzutreffen.

 Die spiral- oder kolbenartigen Schmelzspindeln oder Schmelzkolben sind in Zahnschmelz übertretende Dentinkanälchen bzw. Odontoblastenfortsätze. Sie verlaufen nicht entlang der Schmelzprismen.

Bei bleibenden Zähnen beträgt die Schmelzdicke im inzisalen/okklusalen Drittel rund 1,2 mm und im mittleren Bereich durchschnittlich 0,8 mm; im gingivalen Zahndrittel (zervikaler Bereich) ist der Zahnschmelz mit rund 0,35 mm am dünnsten (Ferrari et al. 1987). Zahnspezifisch gibt es teilweise markante Unterschiede: So ist die Schmelzschicht an Schneidezähnen grundsätzlich dünner als an Seitenzähnen, und an unteren Zähnen ist sie meist schmaler als an oberen Zähnen (Ferrari et al. 1987, Smith et al. 2006).

Aufgrund des sehr gering ausgeprägten Schmelzmantels im Zahnhalsbereich (Abb. 2-31) ergibt sich als klinische Konsequenz, dass in der Adhäsivprothetik der Schmelz zervikal nur leicht angeschliffen werden darf. Keinesfalls darf eine tiefere Hohlkehle angelegt werden, weil der Schmelzmantel sonst nicht erhalten werden kann.


Abb. 2-31 Dreidimensionale Darstellung des Schmelzmantels (S) und des unterstützenden Dentinkerns (D) mit Wurzelstamm (W) eines unteren Molaren. Man beachte die starke zervikale Verdünnung des Schmelzmantels (Bild: aus Radlanski 2011).

2.4.2Aufbau des Zahnhalteapparats

(vgl. Rateitschak et al. 2004, Radlanski et al. 2011)

Die Zähne sind über den Zahnhalteapparat (Parodont, Parodontium, Periodontium) in Knochenfächern (Alveolen) der Kieferknochen (Alveolarknochen) bindegewebig verankert. Dadurch weisen sie eine physiologische Eigenbeweglichkeit auf. Das Parodont ist ein funktionelles System, das aus Wurzelzement, Desmodont (Wurzelhaut, Parodontalligament), Gingiva und Alveole besteht (Abb. 2-32).


Abb. 2-32 Parodontium. a Wurzelzement; b Desmodont (der besseren Anschaulichkeit wegen breiter gezeichnet als in Wirklichkeit); c Alveolarknochen; d Gingiva.

2.4.2.1Wurzelzement

Das Wurzelzement gehört anatomisch zum Zahn, funktionell zum Zahnhalteapparat. Es ist chemisch wie folgt zusammengesetzt (Gewichtsprozent):


Mineralien 61 %
Organische Matrix 27 %
Wasser 12 %

Es gibt drei Möglichkeiten, wie das Zement im Zahnhalsbereich, d. h. an der Schmelz-Zement-Grenze, in den Schmelz übergehen kann:

 Zement und Schmelz treffen scharf aufeinander. Diese Situation trifft man in rund 30 % aller Fälle an (Abb. 2-33a).

 Das Zement überragt den zervikalen Schmelzrand („supraalveolärer Zementkragen“). Dies kommt in rund 60 % der Fälle vor. In einem Längsschnitt durch den Zahn erkennt man im Zahnhalsbereich von innen nach außen folgende Schichten: Pulpa, Dentin, Schmelz, Zement (Abb. 2-33b).

 Das Zement endet apikal vom Schmelz (10 %). In diesem Fall liegt das dazwischen befindliche Dentin frei (Abb. 2-33c).

Abb. 2-33 Übergangsmöglichkeiten Schmelz-Zement: a Schmelz und Zement treffen scharf aufeinander. b Das Zement überragt den zervikalen Schmelzrand. c Das Zement endet apikal vom Schmelzrand.

Generell wird die Zementschicht von koronal (50 bis 150 µm) nach apikal (200 bis 600 µm) dicker (Rateitschak et al. 2004). Während der koronale Zementbereich zellfrei ist, kommen im apikalen Abschnitt Zellen (Zementozyten) vor.

Zement enthält in der Regel kollagene Fasern. Zwei Fasersysteme können unterschieden werden:

 Um die Zahnwurzel verlaufende, nur auf das Zement beschränkte Bündel kollagener Fibrillen (Fäserchen) („intrinsische Fasern“), die sog. von-Ebner-Fibrillen. Solche Fasern sind immer vorhanden, wenn das Zement zellhaltig ist.

 Vom Periost in das Wurzelzement einstrahlende Bündel kollagener Fasern („extrinsische Fasern“), die sog. Sharpey-Fasern.

Es lassen sich vier Zementarten unterscheiden (Abb. 2-34):

 Azelluläres Fremdfaserzement. In diese zellfreie Zementart strahlen von außen Fremdfasern (Sharpey-Fasern) ein. Es kommt in den zervikalen und mittleren Wurzelabschnitten vor.

 Zelluläres Gemischtfaserzement. Diese zellhaltige Zementart enthält Zementozyten und damit die von diesen Zellen gebildeten von-Ebner-Fibrillen (Eigenfasern). Darüber hinaus inserieren Sharpey-sche Fasern (Fremdfasern). Zelluläres Gemischtfaserzement ist im apikalen Wurzeldrittel und im Bereich von Bi- und Trifurkationen lokalisiert.

 Azellulär-afibrilläres Zement. Diese Zementart liegt dem zervikalen Bereich des Schmelzes in Form von Zementzungen und Zementinseln auf.

 Zelluläres Eigenfaserzement. Es besteht aus Zementozyten und von-Ebner-Fibrillen. Es wird bei Reparationsprozessen (Wurzelresorptionen, Wurzelfrakturen, Zahntraumata) gebildet.


Abb. 2-34 Lokalisation der verschiedenen Zementarten. a azelluläres Fremdfaserzement; b zelluläres Gemischtfaserzement; c azellulär-afibrilläres Zement; d zelluläres Eigenfaserzement.

Als Paraplasie (Fehlbildung) treten im Wurzelbereich von Milch- und bleibenden Molaren bisweilen rundliche oder halbmondförmige Schmelzperlen auf. Man unterscheidet zwei Arten (Schaffner et al. 2014): Die bis 0,3 mm großen echten Schmelzperlen bestehen aus Schmelz und werden häufig von Zement um- oder überlagert. Die bis zu mehreren Millimeter großen zusammengesetzten Schmelzperlen bestehen aus Schmelz und Dentin und können Anteile der Zahnpulpa enthalten. Bis zu 6 % aller Molaren (Verhältnis Ober- zu Unterkiefer = 4 zu 1) weisen zusammengesetzte Schmelzperlen auf.

2.4.2.2Desmodont und Gingiva

An jedem gesunden Zahn können bindegewebige und epitheliale Befestigungsstrukturen unterschieden werden. Sie werden vom Desmodont bzw. von der Gingiva gebildet.

a) Bindegewebige Befestigungsstrukturen des Zahnes

Desmodont (Wurzelhaut). Synonyme für den Facherminus Desmodont sind Ligamentum periodontale, dentoalveolärer Faserapparat, Desmodontalfasern, Fibrae dentoalveolares und Fibrae cementoalveolares.

Das Desmodont besteht aus untereinander dreidimensional verflochtenen kollagenen Faserbündeln, die in dem zwischen Alveolarknochen und Wurzelzement gelegenen (dentoalveolären) Desmodontalspalt (Parodontalspalt) verlaufen und entsprechend ihrer funktionellen Beanspruchung ausgerichtet sind. Der Desmodontalspalt ist beim Erwachsenen normalerweise zwischen 0,1 und 0,4 mm breit. Auf einer 1 mm2 großen Zementoberfläche setzen durchschnittlich 28.000 Faserbündel an (Rateitschak et al. 2004). Je nach Verlauf und Topographie der Bündel lassen sich krestale, horizontale, schräge, apikale und interradikuläre Fasern unterscheiden (Abb. 2-35). Die sich schräg in einem Winkel von rund 45° vom Alveolarknochen zum Zement erstreckenden (Sharpey-)Fasern stellen die am häufigsten vorkommende Fasergruppe dar. Darüber hinaus enthält das Desmodont Zellen (v. a. Fibroblasten, ferner Osteoblasten, Osteoklasten, Zementoblasten, Leukozyten und Epithelzellen), dichte Gefäßnetze (Blut-, Lymphgefäße), Nervengeflechte, Schmerz- und Mechanorezeptoren (Druck) und Gewebsflüssigkeit.


Abb. 2-35 Desmodontale Faserbündel. a krestale Fasern; b horizontale Fasern; c schräge Fasern; d apikale Fasern; e interradikuläre Fasern.

Gingivale Faserbündel (supraalveolärer Faserapparat). Bei der zweiten bindegewebigen Befestigungsstruktur handelt es sich um kollagene Faserbündel, die sich koronal der Desmodontalfasern zwischen Gingiva und Wurzelzement erstrecken. Die wichtigsten Vertreter sind die Fibrae dentogingivales (dentogingivale Fasern), die die Gingiva (apikal des Saumepithels) auf der Zahnoberfläche fixieren (Abb. 2-36a). Andere, nicht am Zahn ansetzende gingivale Faserbündel verlaufen innerhalb der Gingiva, um oder zwischen den Zähnen und/oder zur Kompakta des Alveolarfortsatzes. Diese Faserbündel stabilisieren die Zähne, gewährleisten die Formfestigkeit der Gingiva und bewirken die Befestigung der Gingiva am Alveolarfortsatz.


Abb. 2-36 Gingivale Faserbündel. a gingivale Fasern; b Alveolenwand; c Spongiosa; d Kompakta.

b) Epitheliale Haftstruktur der marginalen Gingiva an der Zahnoberfläche

Für die Haftung der Gingiva an Schmelz, Zement oder nicht von Schmelz oder Zement bedecktem Dentin (dentogongivale Verbindung) ist das Saumepithel verantwortlich. Das Saumepithel umschließt ringförmig den Zahnhalsbereich. Seine Höhe beträgt durchschnittlich 1 mm.

Die (marginale) Gingiva ist auf der Zahnoberfläche durch den vom Saumepithel gebildeten Epithelansatz fixiert (sog. epitheliale Verhaftung), der seinerseits aus einer internen Basallamina und Hemidesmosomen besteht. Die koronalsten Zellen des Saumepithels bilden den Boden des Sulcus gingivae (Sulkusboden). Auf der Höhe des Sulkusbodens geht das Saumepithel in das orale Sulkusepithel über. Letzteres stellt die laterale Begrenzung des Sulcus gingivae dar. Vestibulärwärts schließt sich an das Saumepithel das subepitheliale Bindegewebe (Lamina propria) an. Es enthält kollagene (gingivale) Faserbündel, Zellen (v. a. Fibroblasten), Blut- und Lymphgefäße, Nerven, Schmerz- und Mechanorezeptoren (Druck) und Gewebsflüssigkeit. Die äußere Schicht der Gingiva wird vom oralen Gingivaepithel gebildet. Subepitheliales Bindegewebe und orales Epithel bilden zusammen die sog. mastikatorische Schleimhaut der Gingiva.

c) Alveolarknochen

Der Alveolarknochen ist ein Teil der (zahnabhängigen) Alveolarfortsätze. Die Alveolarfortsätze bestehen aus drei Strukturen: Innen befindet sich die Alveolenwand (= Alveolarknochen, Os alveolare, Lamina cribriformis, Lamina dura [da sie im Röntgenbild als röntgendichte Struktur erscheint]). Die Alveolenwand weist Perforationen auf, durch die Blut-, Lymphgefäße und Nerven in den Desmodontalspalt gelangen. In der Mitte des Alveolarfortsatzes liegt die mit Fettmark gefüllte Spongiosa. Die Kompakta bildet den äußeren Anteil des Alveolarfortsatzes. An ihr setzt ein Teil der gingivalen Faserbündel an.

2.5Makroskopische Anatomie der Perioralregion und der Mundhöhle

Extra- bzw. perioral sind für den Zahnarzt verschiedene oberflächlich gelegene anatomische Strukturen von Bedeutung. Die wichtigsten Muskeln der mimischen Muskulatur sind der die Wangen (Buccae) bildende M. buccinator sowie der die Lippen (Labia oris) bildende M. orbicularis oris. Vom Nasenseptum verläuft in der Medianen eine seichte Rinne nach kaudal in Richtung Oberlippe (Labium superius), das Philtrum. Dieses endet an der Oberlippe mit einem kleinen Höcker, dem Tuberculum labii superioris (Abb. 2-37).


Abb. 2-37 Periorale Strukturen. a Philtrum; b Tuberculum labii superioris; c Limbus cutaneus oris; d Angulus oris; e Rima oris; f Sulcus nasolabialis; g Sulcus mentolabialis.

Die Grenze zwischen Lippenweiß und Lippenrot wird als Limbus cutaneus oris bezeichnet. Die Commissura labiorum markiert im Bereich des Mundwinkels (Angulus oris) den Übergang der Ober- in die Unterlippe (Labium inferius). Bei geschlossenem Mund bildet die Berührungslinie beider Lippen die Mundspalte (Rima oris). Sie liegt in der Regel auf Höhe der Inzisalkanten der unteren Schneidezähne und reicht in etwa bis zu den Eckzähnen. Vom Ansatz des äußeren Nasenflügels zum Mundwinkel verläuft der Sulcus nasolabialis (Nasolabialfalte). Er trennt Oberlippen und Wangen voneinander.

Die Unterlippe wird vom Kinn (Mentum) – einer typisch menschlichen Bildung – durch eine quer verlaufende Falte, den Sulcus mentolabialis (Sulcus transversus menti, Supramentalfalte, Kinnlippenfurche), abgegrenzt. Bei vielen Personen ist im Kinnbereich ein Kinngrübchen (Fovea mentalis) ausgebildet.

Über die durch die Lippen gebildete Mundöffnung gelangt man von extraoral nach intraoral in die Mundhöhle. Die Gesamtoberfläche der Mundhöhle wird zu rund einem Fünftel von den Zähnen, und zu vier Fünftel von der Schleimhaut gebildet. Durchschnittlich kommen in der Mundhöhle fünfzig Billionen (5 x 1013) anaerobe und aerobe Mikroorganismen vor. Von den Speicheldrüsen werden pro Tag 1 bis 1,5 l Speichel produziert. Alle Oberflächen der Mundhöhle sind von einem ca. 1 µm dicken Film überzogen, der vor allem aus dem Speichel stammende Glykoproteine enthält (sog. Speichelmuzine).

Begrenzt wird die Mundhöhle kaudal vom Mundboden (M. mylohyoideus), ventral von den Lippen (Rima oris), lateral von den Wangen, kranial vom harten und weichen Gaumen und dorsal von der Rachenenge (Isthmus faucium) [hier geht die Mundschleimhaut in die Rachenhöhle (Mesopharynx = Oropharynx) über] mit vorderem Gaumenbogen (Arcus palatoglossus), Gaumenmandel (Tonsilla palatina) und hinterem Gaumenbogen (Arcus palatopharyngeus).

Die Mundhöhle hat verschiedene Funktionen. Sie nimmt die Nahrung auf, zerkleinert sie, leitet die Vorverdauung der Kohlenhydrate ein und befördert den Speisebolus schließlich Richtung Speiseröhre (mastikatorische Funktion). Dabei wird aufgenommene Nahrung entsprechend ihrer Geschmacksqualität beurteilt (sensorische Funktion, Geschmacksfunktion).

Darüber hinaus hat die Mundhöhle aufgrund ihrer reichen Innervation und ihrer Ausstattung mit Rezeptoren für z. B. Druck und Geschmack eine Tast- und Warnfunktion (sensitive Funktion).

Die Mundhöhle ist im Zusammenwirken vor allem mit dem Kehlkopf maßgeblich an der Lautbildung beteiligt (phonetische Funktion). Des Weiteren erfüllt sie Aufgaben bei der Mundatmung und erwärmt die Luft beim Einatmen (respiratorische Funktion). Letztendlich kommt der Mundhöhle mit den nach extraoral angrenzenden Strukturen (Lippen, periorale mimische Muskulatur) eine wichtige ästhetisch-physiognomische Rolle zu.

Durch Zahnreihen und Alveolarfortsatz wird die Mundhöhle in zwei Abschnitte unterteilt, nämlich in das Vestibulum oris (Mundvorhof) und das Cavum oris proprium (Cavitas oris propria), die eigentliche Mundhöhle.

a) Vestibulum oris

Verfolgt man den Mundvorhof von der Außenfläche der Zähne Richtung Umschlagfalte und Lippen bzw. Wangen, so trifft man auf folgende anatomische Strukturen: An die Vestibulärfläche der Zähne (Facies vestibularis) schließt sich in kaudaler Richtung am Limbus gingivae (Margo gingivalis, Zahnfleischrand) die Gingiva an. Zahnwärts befindet sich der unter physiologischen Verhältnissen 0,5 bis 1 mm tiefe und von außen nicht einsehbare Sulcus gingivalis (= gingivaler Sulkus) (Abb. 2-38). Der Limbus gingivae ist die koronale Begrenzung der „freien“, marginalen Gingiva (Gingiva marginalis). Diese ist wie die Schleimhaut des harten Gaumens verhornt (keratinisiert) und wird mit dem Überbegriff „mastikatorische Schleimhaut“ bezeichnet.


Abb. 2-38 Schnitt durch den zervikalen Bereich des Zahnhalteapparats. a Limbus gingivae; b Sulcus gingivae.

Zwischen zwei Zähnen befindet sich (vestibulär und lingual) je eine Interdentalpapille (Papilla interdentalis, Papilla gingivalis). Dazwischen liegt interdental eine sattelförmige Einsenkung, der „Col“.

Begrenzt durch die inkonstant vorkommende gingivale Furche geht die freie Gingiva in die ebenfalls keratinisierte befestigte Gingiva („mastikatorische Schleimhaut“) über. Letztere wird auch als angewachsene Gingiva, unverschiebliche Gingiva, „attached“ Gingiva, Gingiva propria oder Gingiva fixa bezeichnet (Abb. 2-39).


Abb. 2-39 Vestibuläre Gingiva. a vestibuläre Interdentalpapille; b „freie“, marginale Gingiva; c (gingivale Furche); d befestigte Gingiva; e mukogingivale Grenze; f bewegliche Alveolarmukosa.

An die mukogingivale Grenze (Linea girlandiformis) schließt sich die bewegliche Alveolarschleimhaut (Alveolarmukosa, Mucosa alveolaris) an (Abb. 2-39). Sie ist im Gegensatz zur Gingiva nicht verhornt und wird als „auskleidende Schleimhaut“ bezeichnet. Im Bereich der Alveolarmukosa inserieren Lippen- und Wangenbändchen zum Teil bis in die befestigte Gingiva hinein. Median liegen das Frenulum labii superioris und das Frenulum labii inferioris, lateral die Frenula buccae superioris und die Frenula buccae inferioris.

Im Bereich der Umschlagfalte (Fornix vestibuli) geht die Alveolarmukosa in die ebenfalls nicht verhornte Lippen- und Wangenschleimhaut über. In ihr liegen verschiedene kleine Speicheldrüsen (Glandulae labiales; Glandulae buccales, Glandulae molares). Auf Höhe der zweiten Oberkiefermolaren befindet sich an der Innenseite der Wange eine Vorwölbung, die Papilla parotidea, an der der Ausführungsgang (Ductus parotideus) der Glandula parotis in die Mundhöhle mündet. Die Glandula parotis sorgt für rund 25 % der Gesamtspeichelmenge.

b) Cavum oris proprium

Im Oberkiefer wird das Cavum oris proprium kranial vom Gaumen begrenzt. Im Bereich des harten Gaumens erkennt man eine median verlaufende Schleimhautleiste (Raphe palatini), an deren anterioren Ende sich oberhalb des Foramen incisivum eine Schleimhauterhebung, die Papilla incisiva, befindet. Im vorderen Bereich des Palatum durum verlaufen, weitgehend rechtwinklig zur Raphe palati angeordnet, quere Schleimhautfalten (Plicae palatinae transversae). Nicht selten kommt im hinteren Abschnitt des harten Gaumens in der Medianen eine längsförmige Knochenverdickung vor, die als Torus palatinus bezeichnet wird. Seitlich davon liegen die Gaumenspeicheldrüsen (Glandulae palatinae).

An der Ah-Linie geht der harte Gaumen in den weichen Gaumen (Palatum molle) über, der das Gaumensegel (Velum palatinum) bildet. Das Gaumensegel endet dorsal median mit dem Gaumenzäpfchen (Uvula palatina) (Abb. 2-40).


Abb. 2-40 Gaumen von oral. a harter Gaumen; b Ah-Linie; c weicher Gaumen; d Uvula ; e Raphe palati; f Papilla incisiva; g Plicae palatinae transversae.

Im Unterkiefer verläuft im Bereich der lingualen Schleimhaut oberhalb der Glandula sublingualis ein Schleimhautwulst, die Plica sublingualis, der dorsal der mittleren Unterkiefer-Frontzähne jeweils seitlich des Frenulum linguae mit einem kleinen Schleimhauthöcker (Caruncula sublingualis) endet. Dort münden zwei Ausführungsgänge von Speicheldrüsen in die Mundhöhle: zum einen der Ductus submandibularis, also der Ausführungsgang der Glandula submandibularis (Unterkieferdrüse), die rund 70 % der Gesamtspeichelmenge liefert; zum anderen der Ductus sublingualis major, der Ausführungsgang der Glandula sublingualis (Unterzungendrüse), die zusammen mit den kleinen Speicheldrüsen rund 5 % zur Gesamtspeichelmenge beiträgt. Auf der Plica sublingualis und der Caruncula sublingualis münden in jeder Unterkieferhälfte rund vierzig kleine Ausführungsgänge in das Cavum oris proprium.

Die Hauptmasse der Zunge wird vom Zungenkörper (Corpus linguae) gebildet. Er geht ventral in die Zungenspitze (Apex linguae) und dorsal in die Zungenwurzel (Radix linguae) über. Die dem harten Gaumen gegenüberliegende Oberfläche des Zungenkörpers ist der Zungenrücken (Dorsum linguae) (Abb. 2-41). Der seitliche, mit den Zähnen in Kontakt stehende Zungenrand wird als Margo linguae bezeichnet. Zwischen Mundboden und Zungenunterfläche (Facies inferior linguae) verläuft in der Medianen das Zungenbändchen (Frenulum linguae) (Abb. 2-42).


Abb. 2-41 Zungenrücken. a Dorsum linguae; b Corpus linguae; c Apex linguae; d Margo linguae.


Abb. 2-42 Zunge, angehoben. a Frenulum linguae; b Glandula lingualis anterior.

Topographisch lassen sich zwei Arten von Zungendrüsen unterscheiden, nämlich die im Bereich der Zungenspitze lokalisierte paarige Glandula lingualis anterior (= Glandula apicis linguae = Nuhn-Drüse) (Abb. 2-41) sowie die seitlich und dorsal anzutreffenden Glandulae linguales (posteriores).

Verschiedenen auf der Zunge befindlichen Schleimhautpapillen (Papillae filiformes, fungiformes, vallatae, foliatae) kommen Geschmacks- und Tastfunktionen zu („spezialisierte Schleimhaut“).

2.6Morphologie der bleibenden Zähne

Im Folgenden werden die wichtigsten Charakteristika der bleibenden Zähne dargestellt.

2.6.1Wurzeln, Wurzelkanäle und Höckerzahl

Angaben über die Anzahl der Wurzeln, Wurzelkanäle und Höcker der jeweiligen Zähne sind der Tabelle 2-1 zu entnehmen.

Tab. 2-1 Anzahl der Wurzeln, Wurzelkanäle und Höcker der bleibenden Zähne des Ober- und Unterkiefers. [Die Angaben bezüglich der Anzahl der Wurzelkanäle stammen von Ingle und Bakland (2003). Die Angaben hinsichtlich Wurzel- und Höckerzahl beruhen auf Schumacher (1991).]


Oberkiefer Wurzeln Wurzelkanäle Höcker
11/21 1 1 –
12/22 1 1 –
13/23 1 1 –
14/24 2 (> 60 %) 1 (3) 1 ( 9 %) 2 (85 %) 3 ( 6 %) 2
15/25 1 (> 85 %) 2 1 (75 %) 2 (24 %) 3 ( 1 %) 2
16/26 3 3 (41,1 %) 4 (56,5 %) 5 ( 2,4 %) 4 (ohne Tuberculum carabelli als akzessorischer Zusatzhöcker am mesiopalatinalen Höcker)
17/27 3 3, 4 4
Unterkiefer Wurzeln Wurzelkanäle Höcker
31/41 1 1 (70,1 %) 2 (29,9 %) 3 ( 0,5 %) –
32/42 1 1 (56,9 %) 2 (43,1 %) –
33/43 1 1 (94 %) 2 ( 6 %) –
34/44 1 (74 %) 2 (26 %) 1 (73,5 %) 2 (26,0 %) 3 ( 0,5 %) 2 (75 %) 3 (25 %)
35/45 1 (85 %) 2 (15 %) 1 (85,5 %) 2 (13,0 %) 3 ( 0,5 %) 3
36/46 2 2 ( 6,7 %) 3 (64,4 %) 4 (28,9 %) 5
37/47 2 2, 3, 4 4

Bei den Seitenzähnen unterscheidet man Arbeits- von Nichtarbeitshöckern. Im eugnathen Gebiss sind die Arbeitshöcker (andere Bezeichnungen: tragende Höcker, zentrische Höcker, Stützhöcker, Stampfhöcker) im Oberkiefer die palatinalen Höcker, im Unterkiefer die bukkalen Höcker.

Die Nichtarbeitshöcker (andere Bezeichnungen: nichttragende Höcker, nichtzentrische Höcker, Führungshöcker, Scherhöcker) liegen im eugnathen Gebiss im Oberkiefer bukkal, im Unterkiefer lingual.

2.6.2Zahnlängen und Zahndurchmesser

In Tabelle 2-2 ist die Spannbreite der Gesamt- sowie der Kronenlänge der bleibenden Zähne bis einschließlich der ersten Molaren aufgeführt.

Tab. 2-2 Kronen- und Wurzellänge der bleibenden Zähne in mm (Ash und Nelson 2003).


Zähne Kronenlänge Wurzellänge
11+21 10,5 13,0
12+22 9,0 13,0
13+23 10,0 17,0
14+24 8,5 14,0
15+25 8,5 14,0
16+26 7,5 13,5
17+27 7,0 13,5
18+28 6,5 11,0
31+41 9,0 12,5
32+42 9,0 14,0
33+43 11,0 16,0
34+44 8,5 14,0
35+45 8,0 14,5
36+46 7,5 14,0
37+47 7,0 13,0
38+48 7,0 11,0

Tab. 2-3 Kronen- und Zahnhalsdurchmesser der bleibenden Zähne in mm (Ash und Nelson 2003).


2.6.3Frontzähne

Zu den Frontzähnen rechnet man die Schneidezähne (Inzisivi) und die Eckzähne (Canini). Bei ihnen lassen sich fünf Zahnflächen voneinander unterscheiden, nämlich eine Labial-, eine Lingual-, eine Mesial-, eine Distal- und eine Inzisalfläche. Entsprechend ihrer Schneidefunktion haben die Schneidezähne eine spatel- bzw. meißelartige Form. Die Eckzähne sind demgegenüber dafür ausgelegt, Nahrung bzw. Beute festzuhalten und abzureißen; sie weisen daher eine spitz zulaufende Form auf. Bei Raubtieren sind die Eckzähne zu Greif- oder Reißzähnen ausgebildet; ihre Funktion als Waffe wird besonders beim Wildschwein und Gorilla deutlich. Beim Gorilla hat der Eckzahn darüber hinaus eine wichtige Aufgabe für das innerartliche Drohen und Imponieren. Frontzähne weisen in der Regel immer nur eine Wurzel auf.

2.6.3.1Oberkiefer-Frontzähne

Mittlere Schneidezähne (Abb. 2-43 und 2-44)

Die oberen mittleren Schneidezähne sind die größten aller Inzisivi. Sie weisen ein Krümmungsmerkmal, ein Winkelmerkmal und ein Wurzelmerkmal auf. Von labial betrachtet, ist der höchste Punkt des Zahnhalses nach distal verschoben (= Zahnhalsmerkmal). Palatinal befinden sich ein Tuberculum (Höckerchen) und zwei Randleisten. Der Wurzelquerschnitt ist rundlich.


Abb. 2-43 Zahn 11 von vestibulär und palatinal.


Abb. 2-44 Zahn 11 von mesial und inzisal.

Seitliche Schneidezähne (Abb. 2-45 und 2-46)

Die oberen seitlichen Schneidezähne sind schmaler und kleiner als ihre mesialen Nachbarn. Winkel- und Zahnhalsmerkmal sind vorhanden, während das Krümmungsmerkmal weniger deutlich ausgeprägt ist. Der Zahn weist palatinal eine V-förmige Fissur auf. Häufig ist palatinal ein Foramen caecum vorhanden, d. h. eine blind endene Einsenkung. Der Wurzelquerschnitt ist mehr oval. Formvariationen des Zahns kommen relativ häufig vor.


Abb. 2-45 Zahn 12 von vestibulär und palatinal.


Abb. 2-46 Zahn 12 von distal und inzisal.

Eckzähne (Abb. 2-47 und 2-48)

Die oberen Eckzähne sind die längsten Zähne des Menschen. Da ihre Wurzelspitze erst kurz vor der Augenhöhle endet bzw. direkt dorthin zeigt, werden die oberen Eckzähne auch als „Augenzähne“ bezeichnet. Der Eckzahn weist eine Kauspitze auf. Die von dieser abfallende mesiale Kante ist kürzer und flacher als die distale Kante. Am Übergang der distalen Kante zur distalen Approximalfläche weitet sich der Zahn etwas aus („Ohr“). Palatinal kommen meist Randleisten vor. Winkel-, Wurzel-, Krümmungs- und Zahnhalsmerkmal sind vorhanden. Der Wurzelquerschnitt ist mehr birnenförmig.


Abb. 2-47 Zahn 13 von vestibulär und palatinal.


Abb. 2-48 Zahn 13 von distal und inzisal.

2.6.3.2Unterkiefer-Frontzähne

Mittlere Schneidezähne (Abb. 2-49 und 2-50)

Die unteren mittleren Schneidezähne sind die kleinsten Inzisivi des Menschen. Sie besitzen in der Regel kein Wurzel-, Winkel- und Zahnhalsmerkmal. Ein Krümmungsmerkmal kann vorhanden sein. Die Zähne weisen eine sehr symmetrische Form auf. Tuberculum dentis, Randleisten und Furchen sind nur schwach ausgebildet. Der Wurzelquerschnitt ist nierenförmig-oval.


Abb. 2-49 Zahn 41 von vestibulär und lingual.


Abb. 2-50 Zahn 41 von distal und inzisal.

Seitliche Schneidezähne (Abb. 2-51 und 2-52)

Die unteren lateralen Schneidezähne sind (im Gegensatz zu den Verhältnissen im Oberkiefer) etwas breiter als ihre mesialen Nachbarn. Die Zähne zeigen ein leichtes Winkel- und ein leichtes Wurzelmerkmal. Der Wurzelquerschnitt entspricht dem der unteren mittleren Schneidezähne.


Abb. 2-51 Zahn 42 von vestibulär und lingual.


Abb. 2-52 Zahn 42 von distal und inzisal.

Eckzähne (Abb. 2-53 und 2-54)

Die unteren Eckzähne sind schmaler als die oberen. Es ist ein fast glatter Übergang von der Wurzel zur Krone festzustellen. Lingual sind schwache Randleisten und ein kleines Tuberculum vorhanden. Wie die Unterkiefer-Seitenzähne zeigen die unteren Eckzähne bereits eine leichte Kronenflucht. Krümmungs- und Wurzelmerkmal ist deutlich ausgeprägt.


Abb. 2-53 Zahn 43 von vestibulär und lingual.


Abb. 2-54 Zahn 43 von distal und inzisal.

2.6.4Seitenzähne

Die Seitenzähne (Prämolaren und Molaren) besitzen wie die Frontzähne fünf Flächen. Anstelle des Margo incisalis ist bei Seitenzähnen eine Okklusalfläche vorhanden. Die weiteren Flächen sind die Bukkal-, die Lingual-, die Mesial- und die Distalfläche.

Die Aufgabe der Prämolaren (Dentes praemolares) besteht darin, Nahrung zu zerkleinern. In ihrer typischen Form bestehen sie aus zwei Höckern (bikuspid). Bei vielen Primaten kann die Kronenform des seitlichen Schneidezahns oder des mesial(st)en Prämolaren Richtung Eckzahnmorphologie (Caninisierung), die des distal(st)en Prämolaren Richtung Molarenmorphologie (Molarisation, Molarisierung) gehen. Auch die Molaren (Dentes molares) haben die Aufgabe, Nahrung zu zerkleinern und zu zermalmen. Sie weisen beim Menschen vier Höcker auf; als Ausnahme besitzt der erste Unterkiefermolar fünf Höcker.

2.6.4.1Oberkiefer-Seitenzähne

Erste Prämolaren (Abb. 2-55 und 2-56)

Die oberen ersten Prämolaren zeigen in der Regel ein umgekehrtes Krümmungsmerkmal, d. h. von okklusal betrachtet ist der Wölbungsgipfel nach distal verschoben. Die Grundform des Zahns bildet ein Trapez; wenn eine mesiale Eindellung vorhanden ist, hat der Zahn ein mehr nierenförmiges Aussehen. Der bukkale Höcker ist etwas höher und größer als der palatinale. Die bukkale Höckerspitze ist gegenüber der palatinalen nach distal versetzt, so dass die palatinale Höckerspitze weiter mesial liegt als die bukkale. Die Krone verjüngt sich stark nach zervikal. Die okklusale Hauptfissur verläuft schräg von mesiopalatinal nach distopalatinal und weist, wie allgemein bei Seitenzähnen üblich, ein Gefälle nach distal auf.

Abb. 2-55 Zahn 14 von vestibulär und palatinal.


Abb. 2-56 Zahn 14 von distal und okklusal.

Zweite Prämolaren (Abb. 2-57 und 2-58)

Die oberen zweiten Prämolaren sind etwas kleiner als ihre mesialen Nachbarzähne. Bezüglich der Kronenform unterscheiden sie sich nur geringfügig von ihnen. Das Krümmungsmerkmal ist schwach ausgeprägt. Beide Höcker sind in etwa gleich hoch und gleich groß.


Abb. 2-57 Zahn 15 von vestibulär und palatinal.


Abb. 2-58 Zahn 15 von distal und okklusal.

Erste Molaren (Abb. 2-59 und 2-60)

Ein Rhombus bildet die Grundform der oberen ersten Molaren. Die Zähne besitzen vier Höcker. Die mesialen Höcker sind größer und höher als die distalen: Der mesiopalatinale Höcker ist der größte, dann folgen der mesiobukkale, der distobukkale und der distopalatinale. Nicht selten kommt am mesiopalatinalen Höcker noch ein zusätzliches Tuberculum Carabelli vor. Obere erste Molaren weisen ein Winkel-, ein Krümmungs- und ein Wurzelmerkmal auf. Von den drei Wurzeln sind die ovale mesiobukkale und die rundlich-ovale distobukkale Wurzel nach distal abgespreizt, während die runde palatinale Wurzel in palatinaler Richtung abgebogen ist.


Abb. 2-59 Zahn 16 von bukkal und palatinal.


Abb. 2-60 Zahn 16 von distal und okklusal.

Zweite Molaren (Abb. 2-61 und 2-62)

Die Grundform der oberen zweiten Molaren entspricht der der ersten. Gleichwohl sind zweite Molaren etwas kleiner, und sie zeigen eine größere Variationsbreite.


Abb. 2-61 Zahn 17 von bukkal und palatinal.


Abb. 2-62 Zahn 17 von mesial und okklusal.

Dritte Molaren (Abb. 2-63)

Weisheitszähne haben eine sehr unregelmäßige Form. Die Wurzelspitzen sind häufig stark abgebogen und häufig miteinander verschmolzen.


Abb. 2-63 Obere Weisheitszähne (verschiedene Varianten).

2.6.4.2Unterkiefer–Seitenzähne

Erste Prämolaren (Abb. 2-64 und 2-65)

Untere erste Prämolaren sind die kleinsten der vier Prämolaren. Sie zeigen eine deutliche Kronenflucht, d. h., die Kronen sind gegenüber der Wurzel nach lingual abgeknickt, so dass sich die bukkale Höckerspitze in vertikaler Verlängerung der Wurzelachse befindet. Der bukkale Höcker ist deutlich höher als der oder die lingualen, die die Kauebene nicht erreichen. Die Hauptfissur fällt nach distal ab. Die Grundform eines unteren ersten Prämolaren beschreibt fast einen Kreis (Glockenform). Krümmungs- und Wurzelmerkmal sind vorhanden. Der Wurzelquerschnitt ist rundlich-oval.


Abb. 2-64 Zahn 34 von bukkal und lingual.


Abb. 2-65 Zahn 34 von mesial und okklusal.

Zweite Prämolaren (Abb. 2-66 und 2-67)

Untere zweite Prämolaren besitzen fast immer drei Höcker: einen bukkalen und zwei linguale.


Abb. 2-66 Zahn 35 von bukkal und lingual.


Abb. 2-67 Zahn 35 von mesial und okklusal.

Wie untere ersten Prämolaren weisen zweite Prämolaren Kronenflucht, Winkelmerkmal und Krümmungsmerkmal auf. Die Grundform eines unteren zweiten Prämolaren bildet einen Kreis (Glockenform). Die Y-förmige Hauptfissur sinkt nach distal ab. Der Zahn hat in den meisten Fällen eine Wurzel, deren Querschnitt eine dreieckig-runde Form aufweist.

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