Kitabı oku: «Von Pirna bis Bad Schandau»

Yazı tipi:

Von Pirna bis

Bad Schandau

Gunter Pirntke

VON PIRNA BIS

BAD SCHANDAU

Eine geschichtliche Zeitreise

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2013

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.dnb.de abrufbar.

Copyright (2013) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

die Sächsische Schweiz und ihre Städte sind auch für jeden „Nicht- Sachsen“ Begriffe, die verbunden sind mit wundervollen Urlaubserlebnis- sen, herrlichen Bildern, unvergessenen Eindrücke, Klettertouren, Wande- rungen und Erlebnisse auf den Schiffen, die auf der Elbe stromauf- und stromab fahren. Wir nehmen alles mit heutigen Augen auf, denn wir sind ja aufgeklärte Menschen und leben bereits über zehn Jahre im 21. Jahrhun- dert. Doch wie war das alles vor langer, langer Zeit z.B. im Mittelalter? Diese Frage zu klären ist Anliegen dieses kleinen Buches. Begeben wir uns also auf eine Reise in die Vergangenheit und schlagen eine Brücke in unsere jetzige, nicht minder erlebnisreiche Epoche.

Dass Ihnen diese Zeitreise genau so viel Spaß macht wie mir, wünscht Ihnen Ihr

Gunter Pirntke

ISBN 9783954882519

Inhalt

Cover

Titel

Copyright

Einleitung

Die Sächsische Schweiz und das Elbsandsteingebirge

Geschichte der Gesteine und Felsen

Der Schwindel vom Elbsandsteingebirge

Pirna – Das Tor zur Sächsischen Schweiz

Die Geschichte

Die tapfere Jungfrau von Pirna

Schwarzkünstler zu Pirna

Das Bäckermädchen zu Pirna

Peter Bucher ein Barbier von Pirna wird Erzbischof von Mainz

Der Erlpeter zu Pirna

Der Mönch Antonius mit seinem Schweine

Wasserflut zu Pirna verschont das Weihwasser

Der Teufel holt eine Bürgersfrau zu Pirna

Reise durch die Luft gelingt nicht

Der Pesthändler bei Pirna

Pirna und sein „Dach“

Krieg und Reformation

Schmalkaldische Krieg

Der Dreißigjährige Krieg

Siebenjähriger Krieg

5. Koalitionskrieg

Reformation in Pirna

Stadt Wehlen und die Felslandschaft

Geschichtliche Entwicklung

Stadt und Dorf Wehlen

Wehlen als Ausgangspunkt der Felslandschaft

Bärensteine

Kleiner Bärenstein

Großer Bärenstein

Rauenstein

Nonnenstein

Lilienstein

Pfaffenstein

Wehlen und die Steinbrüche

Kurort Rathen und die Bastei

Die Geschichte von Rathen

Burgen und Raubrittertum

Woher die Birken von Duba ihren Namen haben (nach einer Sage)

Das Erdmännlein und der Schäferjunge

Steinschleuder

Die Bastei, die Schwedenlöcher und andere Auffälligkeiten

Schwedenlöcher

Basteiweiher

Tiedgestein

Amselsee, Amselgrund, Amselfall

Die Felsenbühne

Eine Stadt und ihre Festung

Am Fuße der Festung

Die Bielatalbahn

Festung Königstein

Geschichten um den Königstein

Nie erobert?

Die Eroberung durch einen Kaminkehrer

Gewichtszunahme

Der diebische Kommandant

Das Pagenbett

Das Riesenfass

Noch Fragen, Majestät?

Die Spukgeister auf dem Königstein

Wie Burggraf Jeschke um die Hauptmannsbestallung zu Königstein gekommen ist

Zwischenstation

Bad Schandau und seine Umgebung

Der feurige Hund zu Schandau

Raubritter und Dreißigjähriger Krieg

Der Ursprung der Stadt Schandau

Die Sage vom Kuhstalle bei Lichtenhayn

Schandauer Mineralbad

Kirnitzschtal

Die Elbe und Ihre Schifffahrt

Schlussbemerkungen

Anhang

Quellen

Initial

Bilderverzeichnis

Einleitung


evor wir unseren historischen Streifzug beginnen, sollten wir zuerst die Fragen klären, warum die Hauptstadt der Sachsen mit der italienischen Stadt Florenz in Verbindung gebracht wird und wieso die Felsenlandschaft von Pirna bis hin nach Tschechien nach dem Land der Eidgenossen benannt ist.

Es war ein heiliger Mann, der Bischof der römischen Kirche namens Giovanni Dolfin, aus der venezianischen Diözese Torcello, der bei seinem Besuch der sächsischen Residenzstadt im Mai 1577 Dresden als „das zweite Florenz“ bezeichnete. Das Florenz der Medici sollte sich namentlich mit Dresden integrieren? Heute kann man es sicherlich nicht mehr ungeteilt als Begriff hinnehmen. Ein Großteil von „Elbflorenz“ ist nämlich längst schon einen abstrakten Kunstgeschmack der Landes- und Stadtoberen, die seit 1920 bis heute das Sagen haben, zum Opfer gefallen. Selbst der Titel eines Weltkulturerbes wurde leichtfertig und borniert verspielt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Durch Künstler italienischer Herkunft, die sich in der sächsischen Hauptstadt niederließen, begann eine „Italienisierung“ Dresdens, die nach Anfängen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu datieren ist. Einflussreiche und bekannte Bildhauer, Maler und Künstler bereicherten und bestimmten zunehmend das Leben in Dresden bis in das 18. Jahrhundert hinein. Der bekannteste sächsische Kurfürst Friedrich August II. (1696-1763), holte vor allem italienische Künstler nach Dresden, die in der sächsischen Residenzstadt eine starke Kolonie bildeten. Die meisten Schauspieler und Opernsänger waren Italiener, die Mitglieder der Hofkapelle waren zumindest italienisch geschult. Der Bildhauer Lorenzo Matielli (1687-1748), der Architekt Gaetano Chiaveri (1689-1770) und der Maler Stefano Torelli (1712-1784) haben an der Elbe bedeutende Spuren hinterlassen. Und nicht zuletzt trugen die sächsischen Kurfürsten, neben dem bereits genannten Friedrich August II., dann auch sein Sohn, Kurfürst Friedrich August III., in Dresden eine der größten Sammlungen italienischer Malerei zusammen. Der Anteil italienischer Maler, Musiker, Bildhauer und Architekten an Dresdens Kunstschaffen stärkte den Ruf der Stadt als „Florenz des Nordens“. Der Kunsthistoriker Carl Justi (1832-1912) vertrat die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weit verbreitete kunsthistorische Auffassung, dass Kunstgeschichte im Wesentlichen Künstlergeschichte sei. Er schrieb voller Begeisterung, Dresden sei „die erste Kunststadt Deutschlands, ja scheinbar eine in den Norden vorgeschobene Kolonie des Südens, Italiens selbst und seiner Künste“.

Dieser Mythos gründet sich auf drei Faktoren. Zum einen sind es die Künste, von der Baukunst über die Musik bis zur Malerei, zum anderen ist es die Schönheit der Landschaft, in welche die Stadt Dresden eingebettet ist und zum dritten sind es die vielen Geschichten und Sagen, die mit unserem Buch einher gehen. Das schimmernde Bild von der einzigartigen Kunststadt bildete sich im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts heraus, etwa zwei Generationen, nachdem Dresden tatsächlich zu einer Residenzstadt von europäischer Bedeutung aufgerückt war.

In der Gemäldegalerie hängen die populärsten Bildzeichen dieses Mythos. Es sind die Stadtansichten des italienischen Malers Bernardo Bellotto (1721-1780) – oder kürzer: Canaletto, denn unter diesem Beinamen ist er in die Geschichte der Elbestadt eingegangen. Der in Venedig geborene Bellotto wurde 1747 nach Dresden geholt. Hier schuf er wunderbare Werke von Dresden, Pirna und Königstein.

Die Stadtansichten bestimmen noch heute das Bild Dresdens als Kunststadt. Canaletto malte wie im Traum das Bild vom Florenz an der Elbe.

Der zweite Bestandteil ist die Schönheit der Landschaft. Im späten 18. Jahrhundert vollzog sich die eigentliche Entdeckung des Naturraums dadurch, dass Schriftsteller und Maler den Reiz der Poesie des Elbtals und die Einheit von Stadt und Naturraum wahrnahmen. Der Schriftsteller Johann Paul Friedrich Richter – bekannter als Jean Paul – (1763-1825) schrieb im Mai 1798: „Betrittst Du die Dresdner Brücke, so liegen Paläste wie Städte vor Dir, und neben Dir eine Elbe, die aus einem weiten Reich in das andere flieget; ferne Berge, Ebenen, verlorne Schiffgen [...] und das Getümmel des Lebens ergreifen Dich.“


Abb. 1: Canaletto: Dresden, Neustädter Markt

Die Schwerpunkte der sächsischen Natur haben unterschiedliche Gestalt. Es sind Städte und Landschaften (Pirna, Wehlen, Rathen, Königstein und Bad Schandau; Elbe, Elbsandsteingebirge), Gebäude (Bastei, Festung Königstein und Sonnenstein, Burgen) und Denkmäler (Lutherdenkmal in Bad Schandau, Alte Fähre in Bad Schandau, Historische Raddampfer), also Orte, die man tatsächlich besuchen kann. Es sind historische Persönlichkeiten, die das Zugehörigkeitsgefühl prägen (August der Starke, Gräfin Cosel, Brühl, Böttger), aber auch Produkte und Erzeugnisse der Region. Man nimmt sich historischer Ereignisse an (Schwedenlöcher, Schlacht bei Pirna im Siebenjährigen Krieg), wuchert aber auch in Bildern und Begriffen, die auf den ersten Blick keinen historischen Bezug haben (Sächsischer Dialekt).

Was gibt es für Legenden um Elbflorenz und was ist Wahrheit? Sind es die 365 Kinder des starken August? Jeder normal denkende Mensch weiß, dass diese Behauptung wirklich in das Reich der Fabeln gehört. Aber andere Geschichten könnten wahr sein – oder auch nicht. In seiner weit über 1000-jährigen Geschichte hat Sachsen nicht nur Kriege, Phasen des wirtschaftlichen und künstlerischen Erblühens, erholsame Friedenszeiten oder bittere Hungersnöte durchlebt. Von den Menschen, denen sich das Schicksal dabei glücklich oder verderblich zeigte, erzählt man manchmal heute noch. Dabei hat jede Region ihren eigenen reichen Schatz an örtlichen Legenden.

Jenseits der Elbe – in der Altstadt, soll sich die Geliebte des Grafen Brühl über das Geländer der Brühlschen Terrasse in den Tod gestürzt haben – die Opernsängerin Teresa Albuzzi-Todeschini. Der Sturz der Diva der sächsischen Oper ist freilich nur Legende. Trotzdem soll an jener Stelle noch immer eine Weiße Frau erscheinen. Die Untote eilt aus dem Brühlschen Palast, um sich an Ort und Stelle immer wieder in die Tiefe zu stürzen.

Auf der Brühlschen Terrasse gibt es eine weitere Geschichte: Hier soll August der Starke einen Fingerabdruck im Geländer hinterlassen haben. Leider nur Fiktion, denn das erste Geländer wurde hier erst 1744 angebracht. Da war August der Starke aber schon elf Jahre tot.

Die nächste Sagengestalt ist ein kleiner Stein mit einer menschlichen Figur. Das Brückenmännchen soll den Erbauer der ersten steinernen Brücke darstellen – den Italiener Matten Ficcio, von den Dresdnern despektierlich nur Matz Votze genannt Die Plastik mit der wohl deshalb recht tief unter die Augen gezogenen Mütze prangte einst am fünften Pfeiler der Steinernen Brücke. Im Jahre 1813 sprengten sie Napoleons Truppen in die Luft. Der kleine Italiener versank dabei in den Elbfluten.

Heute hängt eine Kopie am ersten Pfeiler auf der Altstadtseite der Augustus-Brücke.

Dann geht es in die Neustadt. Ihrem Namen verdankt sie allerdings einer Tragödie. Am 6. August 1685 tobte hier ein verheerender Brand und August der Starke veranlasste, dass sie als Neue Königstadt wieder neu aufgebaut wurde. Am Gebäude gegenüber vom heutigen Blockhaus „blieb das Feuer einst abrupt stehen“. Hofbildhauer Balthasar Permoser schuf hier zur Mahnung den Teufel leibhaftig, den Todesengel mit Sense und Stundenglas als Fassadenfigur für die zweite Etage. Als Mieter in dem Haus wohnte damals auch Hofnarr Joseph Fröhlich. Doch weil er zu viel Lärm machte, setzte ihn sein Vermieter vor die Tür.

Fröhlich blieb seinen Hauswirt nichts schuldig und baute sein „Narrenhäusel“ frech mitten in die freie Aussicht seines vormaligen Vermieters. Der setzte daraufhin seinerseits den Teufel an Fröhlichs Haus, der darüber so erschrak, dass er tot umfiel. Auch das nur eine Sage, denn Fröhlich starb bekanntlich 1757 in Marienmont hei Warschau, nachdem er bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges aus Dresden geflüchtet war.

Viele Mythen ranken sich auch um die Mordgrundbrücke im Stadtteil Loschwitz. Namensgeber ist auch hier wieder eine Sage. Ende des 13. Jahrhunderts residierten genau am Hang die Geschlechter der Familien Clohmen und von Birken, ihre Grundstücke trennte nur der tiefe Grund des Hanges. Kein Hindernis für die schöne 19-jährige Elsbeth Clohmen und ihren Nachbarn, den gleichfalls schöne Benno von Birken, sich der Liebe hinzugeben. Benno hielt bei Elsbeths Vater um ihre Hand an und die Bitte wurde erfüllt. Doch der Verspruch wurde alsbald gebrochen. Aus Böhmen nährte sich Graf Lodomar Kinsky, der sich im Auftrag des böhmischen Königs Wenzel nach Dresden aufgemacht hat. Nach Landkäufen seines Herrn im Dresdner Umland sollte er auch die Herzen der Dresdner für den König der Böhmen gewinnen. Wie es sich so traf, begegnete er Elsbeth. Lodomar sprach mit EIsbeths Vater und diesem gefiel die Idee, durch eine Heirat mit einer Ortsansässigen König Wenzel populär zu machen. Er gab also schnell seine Zustimmung und auch der Heiratssegen wurde schnell gesprochen.

In einer stürmischen Nacht sahen sich der abgeschossene Liebhaber Benno und seine Elsbeth ein letztes Mal. Benno war den steilen Hang zum Haus seiner Liebsten empor geklettert. Elsbeth stürzte weiß gekleidet wie ein Engel in seine starken Arme. Beide flüchteten den Abgrund hinab. Da erschall ein lautes „Halt!“ und der gehörnte Lodomar stand vor dem fliehenden Pärchen. Benno ergriff sein Schwert und versenkte dessen Spitze in dem Böhmen.

Elsbeth ergriff den Geliebten und sie suchten gemeinsam den Freitod. Elsbeth erdolchte sie sich mit eben demselben Schwert, übergab es wankend an Benno, so dass er sich selbst richten konnte.

Vater Clohmen, der nun voller Reue war, ließ das unglückliche Paar genau an der Stelle begraben, wo es zu Tode kam.

Fortan hatte der Mordgrund seinen Namen weg. Und wer heutzutage genau sucht, der soll auch einen „Grabstein“ finden – einen Baum mit der eingeritzten Inschrift: „Vereint lasst uns sterben, es schließt ein Grab uns ein. Wir werden noch verbunden in bessern Welten sein.“

Und damit kommen wir zu der eingangs gestellten zweiten Frage: Wieso Sächsische Schweiz?

Die faszinierende Felsenlandschaft zwischen Tschechien und Pirna wurde im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts als romantisches Ausflugsziel entdeckt. Der erste, die die landschaftliche Schönheit des Felsengebirges bewunderten, war der aus der Schweiz stammenden Maler des Klassizismus Anton Graff (1736-1813), der an der am 6. Februar 1764 gegründeten Dresdner Kunstakademie lehrte. Er und sein Freund und Landsmann Adrian Zingg, der ebenfalls 1766 an die Kunstakademie Dresden berufen wurde, fühlten sich von der Landschaft an ihre Heimat, den Schweizer Jura, erinnert. Sie machten oft gemeinsame Ausflüge in diese Gegend. Zur Unterscheidung von ihrer Heimat berichteten sie in ihrem Briefwechsel von der „sächsischen Schweiz“, womit Graff und Zingg dem Gebiet seinen heutigen Namen gaben. Zuvor wurde der sächsische Teil des Elbsandsteingebirges lediglich als Meißner Hochland, Meißnisches Oberland oder Heide über Schandau bezeichnet. „Von ihrer neuen Wahlheimat aus sahen sie ostwärts, etwa einen Tagesmarsch entfernt, ein Gebirge liegen. Es zeigte ein merkwürdig abgeflachtes Panorama, ohne eigentliche Gipfel (...)“.

Einer der ersten gemeinsamen Ausflüge in die Sächsische Schweiz dürfte Anton Graff und Adrian Zingg noch etwas länger in Erinnerung geblieben sein. Die beiden Freunde machten Ende August 1766 einen Ausflug in die Umgebung von Dresden. Es war Adrian Zingg, der bei dieser Gelegenheit Prospekte von der Festung Königstein zeichnete. Dies kam einigen Ordnungshütern wohl verdächtig vor und sie verhafteten die beiden Schweizer. Das Missverständnis scheint sich dann aber schnell aufgeklärt zu haben, denn weitere Folgen blieben offenbar aus.

Wilhelm Leberecht Götzinger (1758-1818), ein deutscher lutherischer Theologe und Autor, gilt als Erschließer der Sächsischen Schweiz. Er griff den von Anton Graff und Adrian Zingg geprägten Namen auf und machte die Sächsische Schweiz durch seine Bücher europaweit bekannt.

Ihm kommt das Verdienst zu, die ersten umfassenden Beschreibungen über die Region und teils auch über ihre Randgebiete verfasst zu haben. Im Gegensatz zu einer Reihe weiterer Reiseführer und Reisebeschreibungen, zeichnen sich Götzingers Werke durch umfangreiche heimatkundliche und heimatgeschichtliche Darstellungen aus, die sowohl auf Archiv- und Quellenauswertungen als auch auf intensiven eigenen Beobachtungen basieren. Götzingers Werke wurden bereits zu Lebzeiten als beachtliche heimatkundliche Beiträge gewertet. Sie leisteten einen wesentlichen Beitrag zum Bekanntwerden der Sächsischen Schweiz legten somit den Grundstein für eine touristische Entwicklung der Region.

Die Besucher ergötzen sich an den bizarren Felsen, erschauderten vor den dunklen Abgründen und bewunderten die herrliche Aussicht ins Elbtal.

„Es wird Dich, lieber Naturfreund, ein unnennbares Wohlseyn ergreifen, sobald Du hierher trittst und schaust. [...] O wie gern und wie lange weilt das Auge an diesem herrlichen Gemälde“, notierte Götzinger 1804, als er die Basteiaussicht beschrieb. Nicht nur Reiseführer, auch Stiche und Gemälde verbreiteten das romantische Bild und davon können wir uns gleich im Ersten Kapitel überzeugen.

Nicht unerwähnt soll auch Carl Heinrich Nicolai (1739-1823) bleiben. Er war Lehrer, Theologe und Schriftsteller. Nicolai war einer der ersten Wanderführer in der Sächsischen Schweiz.

Die Sächsische Schweiz und das Elbsandsteingebirge


aben Sie schon einmal einen so sonderbaren Werbespruch „Wenn Sie Urlaub am Meer machen wollen, dann kommen Sie hundert Millionen Jahre zu spät“ gehört? Doch dieser Spruch trifft auf das Elbsandsteingebirge zu. Er ist unglaublich, aber wahr: Das Kreidemeer wurde zum Felsenmeer.

Hunderte von Felsentürmen und tiefe, wildromantische Schluchten inmitten eines unendlich erscheinenden Waldmeeres. Die Sächsische Schweiz ist eine der merkwürdigsten und faszinierendsten Landschaften Europas.

Das Gebirge besteht, wie es der Name bereits ausdrückt, aus Sandstein, der vor ungefähr hundert Millionen Jahren vom Wasser des Kreidemeeres hier abgelagert wurde. Die Wasser wälzten Steine, die Winde trieben Quarzsande und Ton vor sich her. Als das Meer abgeflossen war, wurde der vom Kreidemeer zurückgelassene Sandsteinblock zur Modelliermasse. Es entstand eine Landschaft mit freistehenden Felstürmen und schroffen Steilwänden, flachwellige Ebenheiten, die von Tafelbergen überragt werden und von Schluchten durchschnitten sind. Tafelberge wie der Lilienstein, der Königstein und der Pfaffenstein – Schluchten und schlanke Felsnadeln wie die Barbarine – bizarre Felsformationen wie die Schrammsteine und die Affensteine.

Das Erscheinungsbild prägen drei „Landschaftsstockwerke“. Zu ersten Stockwerk zählen wir die Täler und Schluchten, auf dem auch die Elbe fließt. Das zweite Stockwerk bilden die „Ebenheiten“, die vorwiegend aus einer leicht gewellten Ebene bestehen. Darüber erheben sich die Tafelberge und Felsenriffe aus Sandstein. Die Höhenunterschiede betragen dabei bis zu 450 Meter.

Das ausgeprägte Relief des Elbsandsteingebirges trägt die Verantwortung für eine klimatische Besonderheit, der Klimaumkehr: Unten ist es kalt, oben warm. Pflanzen und Tiere haben sich an dieses sogenannte Keller-Klima optimal angepasst.


Abb. 2: Die Sächsische Schweiz gehört zu den einzigartigsten und schönsten Landschaften in Europa. Blick auf die Schrammsteine von Kleinhennersdorf aus

So finden wir in den tiefsten Gründen gewaltige Fichten, die eigentlich in den Mittelgebirgslagen wachsen. Auch haben hier das Gelbe Veilchen oder der Sumpfporst überlebt, Relikte der Eiszeit. Bereits im zeitigen Frühjahr blühen auf dem Großen Winterberg der Hohle Lerchensporn, Frühlingsplatterbse, der Neunblättrige Zahnwurz oder das Gelbe Buschwindröschen.

Auch seltene Tierarten fühlen sich in der einmaligen Felsenlandschaft der Sächsischen Schweiz heimisch. Fischotter und Schwarzstörche, Gemsen und Uhus – und selbst der extrem scheue Luchs sowie der Wanderfalke, der Symbolvogel der Sächsischen Schweiz.

Der mannigfaltige Formenreichtum der Sandsteinlandschaft ist eine Folge chemisch-physikalischer Erosion und biologischer Prozesse von Gesteinen, die aus den in der Kreidezeit abgelagerten Sanden gebildet wurden. Wie bereits erwähnt transportierten die Zuflüsse eines kreidezeitlichen Meeres und mariner Strömungen über große Zeiträume hinweg in eine Flachmeerzone Sand, welcher über diagenetische Prozesse bei verschiedenen Druckregimen zur Ausbildung von Sandsteinschichten führte. Die erstmals von den sächsischer Landesmuseumspfleger Friedrich Lamprecht (1893-1941) – ein deutscher Geologe und Bergsteiger – vollständig beschriebene Schichtung des Elbsandsteins ist durch wechselnde horizontale Strukturunterschiede (Einlagerungen von Tonmineralen, Korngrößen des Quarzes, Unterschiede in der Kornbindung) sowie eine typische aber überwiegend geringe Fossilführung sowie mehr oder weniger Wasser führende Schichten charakterisiert.

Nachdem sich das kreidezeitliche Meer zurückgezogen (Regression) hatte, formten Verwitterungseinflüsse und Wasserläufe die Oberfläche, von denen die Elbe den stärksten Einschnitt erzeugte.

Geschichte der Menschen

Wenn wir von der Geschichte des Elbsandsteingebirges sprechen, verbindet sich das bei vielen vor allem mit den Felsenburgen oder der mittelalterlichen Kolonisation. Weitaus geringer aber und weniger bekannt, sind dagegen die Spuren von Menschen, die vor Tausenden von Jahren hier durchzogen, sich kürzer oder länger aufhielten, siedelten oder lebten. Das zerklüftete Felsengewirr belebt die Phantasie mit Geheimnissen.

Die Felsenwelt der heutigen Böhmisch-Sächsischen Schweiz haben schon in der Mittelsteinzeit (Mesolithikum) vor annähern achttausend Jahren kleine Gruppen von Jägern und Sammlern bewohnt. Es wird angenommen, dass ihre Lebensweise ähnlich war wie bei den Waldindianern Nordamerikas vor der Ankunft der Europäer. Ihre Werkzeuge und Waffen bestanden aus Holz, Knochen, Feuerstein oder Quarzitgestein. Es waren kleine Gruppen von Menschen, die in dieser Fels- und Waldwildnis gejagt haben und sich unter den Felsüberhängen Rastplätze errichteten. Die Funde aus dieser Zeit wie Knochensplitter, Feuersteinabschläge und verkohlten Holzreste sind zwar geringfügig, aber sie können für die Forscher bemerkenswerte Erkenntnisse bringen.

Auch von den ersten Landwirten wurden die Felsüberhänge der niedrigeren Lagen als Unterschlupf genutzt. Rund fünftausend Jahren sind die ältesten Funde im Elbsandsteingebirge alt. Als erstes wurde durch die jungsteinzeitlichen Landwirte das Landschaftsbild geändert. Auf abgeholzten Flächen legten sie Felder und Weideplätze an.

Anfänglich benutzten sie noch steinerne Werkzeuge und Waffen, später lernten sie Kupfer, Bronze und Eisen zu verarbeiten und erzeugten bereits Tongefäße.

Vor ca. 1000 Jahren dann war die Sächsisch-Böhmische Schweiz als Grenzgebiet dreier slawischer Gaue in Erscheinung getreten. Der Gau Nisane (ostelbisch von Dresden bis Pirna), der Gau Milzane (heutige Oberlausitz) und im Süden der Gau Dacine prägten die damalige politische und ökonomische Landschaft.

Seit dem 7. Jahrhundert u. Z. drangen Slawen (Sorben-Wenden) in das unwirtliche Waldgebirge ein. Ihre Zahl mag bescheiden gewesen sein. An sie erinnern noch verschiedene Orts- und Flur-, Berg- und Flussnamen; z. B. Kirnitzsch, Sebnitz, Pplenz, Wesenitz, Biela, Müglitz; Rathen, Wehlen, lähmen, Pirna, Olsen, – Weißig, Gohrisch, Postelwitz, Schmilka, Prossen, Wendischfähre, Wendische Aue (in Flur Heeselicht) und Wendisch-Heinersdorf, Wünschendorf („das Windische dorf“) usw. Auch in der Volkssprache der Sächsischen Schweiz sind manche wendische Reste erhalten geblieben. Die hauptsächlichste Nahrungsquelle der hier ansässigen Slawen dürfte der Fischfang und daneben die Zeidelweide (Waldbienenpflege) gewesen sein; Ackerbau und Viehzucht scheinen nur bescheidenen Umfang gehabt zu haben. Außerdem deuten Namen wie Lohnten (altslawisch lomu „Steinbruch“) und Kleppisch (slawisch klepafi „Hammer“) auf alte industrielle Tätigkeit. Man vergleiche auch Orts- und Flurnamen, wie Brausnitz, Bahra, Oatza. Die deutsche Kolonisation setzt hier frühestens im 12. Jahrhundert ein; ihren Höhepunkt erreicht sie offenbar erst um die Mitte des 13. Jahrhunderts. Ob zuerst Wiprecht v. Groitzsch deutsche Siedler nach dem Meißner Hochland gerufen hat, da ihm Judith (gestorben 1109), die Tochter des Bohmenherzogs, späteren Königs Wratislaus, die beiden Gaue Milsca (Budessin) und Nisani, zu denen der größte Teil der Sächsischen Schweiz gehörte, als Mitgift zugebracht hatte, muss noch dahingestellt bleiben. Auf dem linken Elbufer begegnet uns schon in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts der Johanniterorden, seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts die böhmisch-mährische Ordensbailei der Herren vom Deutschen Hause. Vermutlich sind beide geistliche Ritterorden die Leiter der deutschen Kolonisation in dieser Gegend gewesen. Untergegangene Ortschaften (Erdmannsdorf, Nebelsehitz, vielleicht auch Stolzenhain, Reichenau und Altkunnersdorf) und Dörfer mit wohl verkümmerten Ansätzen zu städtischer Entwicklung (Krippen, Rosenthal, Struppen, Schöna, Reinhardtsdorf) scheinen aber darauf hinzudeuten, dass dem Deutschen Orden (besonders nach der Niederlage bei Tannenberg 1410) Kraft und Neigung fehlten, hier weiterzubauen.


Abb. 3: Darstellung der Schlacht bei Tannenberg in der Berner Chronik von Diebold Schilling dem Älteren um 1483

Ob und in welchem Umfange die Burggrafen v. Dohna in ihrem Gebiete zwischen Gottleuba und Lockwitz an der deutschen Kolonisation beteiligt waren, liegt noch ganz im Dunklen. Auf dem rechten Elbufer darf die Herbeiführung deutscher Siedler im 13. Jahrhundert, wenn sie nicht durch die böhmischen Könige unmittelbar erfolgte, vielleicht den Herren v. Michelsberg, die mit dem um die Einführung deutscher Kultur in Böhmen so außerordentlich verdienten Herrengeschlechte der Markwarte verwandt waren, zugeschrieben werden. Wahrscheinlich hat die im Besitz des Hauptteils der Sächsischen Schweiz östlich der Elbe nachweisbare Familie der Birken v. d. Duba dieses Gebiet erst von den Michelsbergen erworben; letztere besaßen noch bis 1406 die Herrschaft Rathen. Namentlich aus sprachlichen Gründen ist als Heimat der deutschen Kolonisten in unserem Gebiete das Frankenland (die Bamberger und Würzburger Gegend) anzusehen. Die Mundart der Sächsischen Schweiz auf dem linken Elbufer zeigt Anklänge an das Osterzgebirgische; vielleicht sind hier Franken und Thüringer gemischt angesiedelt worden. In der Hauptsache verdankt die Sächsische Schweiz ihre deutsche Kultur dem Pfluge.

Als im 13.Jahrhundert die deutsche Besiedelung begann, kam es zur systematischen Rückdrängung des böhmischen Einflusses und zahlreichen lokalen kriegerischen Auseinandersetzungen um die strategisch wichtigen Festungsanlagen, die in erster Linie der Grenzsicherung und der Sicherung der Verkehrswege diente. Aufgrund fehlender Zentralgewalt wurde diese „Schutzfunktion“ durch die ansässigen Rittergeschlechter wahrgenommen. Durch eine fortschreitende Zergliederung der Einflussbereiche aufgrund Erbteilung, war das wirtschaftliche Gleichgewicht in der Region nicht mehr gegeben. Zahlreiche Trutzanlagen verkamen zu Raubritterburgen. Erst die Machtübernahme zahlreicher Burgen durch die Wettiner Mitte des 16. Jahrhunderts machten diesem Treiben ein Ende.

Auch in späteren Zeiten dienten die Felsüberhänge nicht nur als Unterschlupf vor der Witterung, sondern auch vor Feinden. Wir werden noch darauf kommen. Die Menschen im Mittelalter hinterließen uns größere „schmutzige“ Schichten mit Knochensplittern, teilweise auch mit Keramikscherben. Durch die Gesetze der Natur ist die letzte neuzeitliche Schicht auch die stärkste. Sie durchdringt und zerstört die unteren älteren Schichten.

Geschichte der Gesteine und Felsen

Häufig trifft man im Elbsandsteingebirge Felsstrukturen an, die auf Brauneisenanreicherungen zurückzuführen sind. Eisenoxide wurden vom durchsickernden Wasser gelöst und lagerten sich in bestimmten Sandsteinschichten ab. Dort verfestigen sie den Sandstein und schützten ihn vor schneller Erosion. Über einen längeren Zeitraum entwickelten sich die charakteristischen Brauneisenbänder, -röhren und -schwarten.

Wenn sich zwei nahe beieinander liegende Felsöffnungen durch Erosion vergrößern, entstehen sogenannte Sanduhren. Dort wo der Sandstein am weichsten ist, kommt es zunächst zur Verbindung der hinteren Teile der Löcher. Die Felskruste im vorderen Teil ist widerstandsfähiger. Dies führt dazu, dass sich eine Säule herausbildet.


Abb. 4: Wabenverwitterung

Eine der typischen Verwitterungsform im Sandstein sind die Waben. Ihre Entstehung geschieht vorwiegend durch chemische Kräfte und nicht, wie man früher annahm, durch Winderosion. Salze werden an der Gesteinsoberfläche ausgeschieden. Dabei bilden sich Kristalle, die den Sandstein sprengen und damit die Verwitterung beschleunigen. Gleichzeitig kommt es unter dem Einfluss von Kieselsäure zu einer Verfestigung des Felsens. Diese beiden entgegengesetzten, in enger Nachbarschaft ablaufenden Vorgänge führen zu der charakteristischen Wabenstruktur.

An einigen Stellen der Felswände lassen sich auch sogenannte schiefe Schichtungen beobachten. Deren Ursprung liegt darin, dass sich Sand aus fließendem Wasser in Schwemmkegeln absetzte. Hier kann man als Schlussfolgerung ableiten, dass die Ablagerung der Sande in einem Flachmeer stattfand und dass der Sedimenteintrag durch zufließende Gewässer erfolgte.

Wie kommt es nun zu den Felsstürzen? Die Sandsteinmassive unterliegen einer ständigen Veränderung. Unter den Felswänden häufen sich kleinere herabgestürzte Steine und Blöcke bis zur Größe eines Einfamilienhauses. Um einen solchen Felssturz auszulösen genügt manchmal nur ein Dauerregen. Felsstürze gab es im Laufe der geologischen Geschichte immer wieder, die meisten sind auch heute unabwendbar. Es ist zu befürchten, dass die Gefahr durch den zunehmenden Klimawechsel in den kommenden Jahren immer häufiger auftreten wird. Wir wollen die Hauptmechanismen des Felsabtrags im Elbsandsteingebirge näher beschreiben.

Durch Prozesse der Verwitterung werden von der Felsoberfläche ständig einzelne Sandminerale bis hin zu kleineren, einige Kilogramm schweren Steinen abgelöst. Sie werden von Frost, Baumwurzeln oder durch Salze aufgelockert.

Detaillierte Messungen haben gezeigt, dass die Hänge der Sandsteinebenheiten sich in ständiger Abwärtsbewegung befinden, auch wenn es sich oft nur um Millimeter oder sogar Zehntel von Millimetern im Jahr handelt. Diese langsame Bewegung kann durch Regenwasser beschleunigt werden. Das Wasser weicht nicht nur das Grundgestein auf, sondern macht den Sandstein, der eine durchschnittliche Porosität von 20% aufweist, auch schwerer. Eine besonders gefährliche Jahreszeit ist der zeitige Frühling, wo die Blöcke noch dazu vom Frost gelockert werden.

Am 22. November 2000 kam es am Wartturm zu einem der spektakulärsten Felsstürze der vergangenen Jahrzehnte in der Sächsischen Schweiz. Dabei brach etwa ein Drittel des Felsens ab, etwa 450 m³ Sandstein mit einem geschätzten Gesamtgewicht von 800 Tonnen stürzten über 60 bis 75 m zu Tal. Das war die größte Felsmenge seit einem Felssturz im Jahr 1961 am Bienenkorb, der zudem keine so große Fallhöhe hatte.


Abb. 5: Wartturm im April 2001

Die Felsstürze sind oft dadurch bedingt, dass das Sandsteinmassiv unterhöhlt ist.

Die Sandsteinoberfläche verhält sich anders, als das tiefer gelagerte Gestein. Sie wird von der Sonne erwärmt und vom Wasser durchfeuchtet. Dadurch kommt es zu Volumenänderungen und Temperaturspannungen. Es sind zwar nur geringfügige Veränderungen, aber sie erfolgen regelmäßig zu jeder Jahreszeit und manchmal auch jeden Tag und jede Nacht. So kommt es zum ständigen Lostrennen und Abfallen der Oberfläche. Manchmal löst sich der Fels schalenartig. Diese Erscheinung ist z. B. an Felsüberhängen gut erkennbar.

Dennoch: „Ich habe auf meinen früheren Reisen durch das südliche Deutschland, die Schweiz, Salzburg, Österreich und Schlesien sehr viel Schönes dieser Art gesehen, doch solche herrlichen Felsengruppen sind mir dort nirgends aufgestoßen“, sagte Carl Merkel, Höhlen- und Naturforscher 1826.

Der Schwindel vom Elbsandsteingebirge

Fassen wir unser erstes Kapitel zusammen und klären gleich die Frage, ob die Bezeichnung Elbsandsteingebirge ein Schwindel ist. Es mag wie ein Gebirge erscheinen. In Wirklichkeit handelt es sich, wie wir nun wissen, um den Grund eines Kreidemeeres.

In der Kreidezeit vor 135 bis 65 Mio. Jahren wurden die wesentlichen Grundlagen für das heutige Erscheinungsbild der Sandsteinablagerung der Sächsischen Schweiz geschaffen. Zu Beginn der Oberkreide vor 95 Mio. Jahren begann sich die nahezu ebene Landoberfläche aus Erzgebirgsgneisen, Elbtalschiefer und dem Südlichen Lausitzer Granitmassiv in Richtung Nordost zu senken. Dadurch konnte das Kreidemeer vordringen und sich ausdehnen. Während der mittleren Oberkreide bestand eine Meeresverbindung zwischen dem Böhmischen und dem Nordwestdeutschen Kreidemeer, im Umfeld der Sächsischen Schweiz begrenzt vom Festland des Erzgebirgskristallins im Südwesten und im Nordosten von der Lausitzer Granitinsel. Die Sandablagerung auf dem Boden des Kreidemeeres dauerte etwa 8 Mio. Jahre – eine Zeit, während der sich die Elbzone weiter senkte. Dabei wurden Sandsteinmächtigkeiten gebietsweise von heute mindestens 600 m erreicht. Allgemein einsetzende Hebungsvorgänge in der Oberkreide drängten das Meer zurück, wodurch die Ablagerung der Sedimente, also von Schottern, Sand und Schlamm zum Erliegen kam. Eine weite ungegliederte Sandsteintafel blieb zurück.

Im Tertiär (als Tertiär bezeichnet man informell den geologischen Zeitabschnitt der Erdneuzeit vor Beginn des Quartärs – Das Quartär ist der jüngste Zeitabschnitt der Erdgeschichte einschließlich der „Jetztzeit“-). Das Tertiär begann vor 65 Millionen Jahren (Ende der Kreidezeit) und dauerte bis zum Beginn der Klimaveränderung vor rund 2,6 Millionen Jahren, in deren Folge das Eiszeitalter im Quartär einen Wechsel von Kalt- und Warmzeiten brachte. Das Klima auf der Erde war im Tertiär wesentlich wärmer als heute. Nach dem Massenaussterben der großen Saurier und vieler anderer Tierarten am Ende der Kreidezeit entwickelte sich hauptsächlich im Tertiär die Tier- und Pflanzenwelt, wie wir sie heute kennen. Klüfte und Brüche unterteilten das Gesteinspaket in Quader. Im Nordosten schob sich die Granitdecke des heutigen Lausitzer Berglands über den Sandstein, im Süden hob sich die Erzgebirgsscholle und stellte sich schräg. Die Flüsse bekamen dadurch ein viel größeres Gefälle und schufen Durchbruchstäler und die tiefen Schluchten an den Bruchstellen und senkrechten Spalten der einzigen Sandsteinplatte. An den Bruchstellen quollen zum Teil Basaltische Magmen hervor und bildeten Vulkankegel. Dieser Prozess wurde zum Ende der Eiszeit beschleunigt, denn das Abschmelzen des Eises führte zu einer stärkeren Wasserführung der Flüsse, insbesondere der Elbe. Diese grub sich insgesamt ca. 300 m in den Sandsteinsockel ein, Schluchten und Klammtäler, wie die Kirnitzschklam, entstanden.

Über Jahrmillionen wurde also diese Schichttafel stark zerklüftet. Die Elbe und ihre Nebenflüsse fraßen sich ein und „räumten“ sie aus. Es entstand eine bizarre Ruinenlandschaft aus Quadersandstein, die ganz allmählich weiter zu Sand zerfällt. Kegelförmige Basaltberge und angrenzende Hanglagen aus Granit ergänzen das Landschaftsbild.


Abb. 6: Sandstein-Felsbrücke Prebischtor

Diese Landschaft geht von eigenartigen Funktionen aus: Im Gegensatz zur Klimaabfolge eines richtigen Gebirges herrscht im Sommer in den Gründen und Schluchten ein feuchtkühles Kellerklima. In den höheren Lagen, auf den Felsriffen, ist es dagegen warm und trocken. Deshalb steht auch die Verbreitung der Pflanzen- und Tierarten praktisch auf dem Kopf: Gebirgsbewohner siedeln im Keller und Flachländer haben die Gipfel erobert. Wie sonst nur im Hochgebirge, markieren auf den Felsriffen geringwüchsige Kiefern, die an Bonsai erinnern, die Kampfzone zwischen Wald und Fels.

Eine typische Erscheinung im Elbsandstein ist die Wasserarmut. Die Schwammwirkung des porösen Steins lässt Fließgewässer schnell versickern. Die Bezeichnung „Dürre Bäche“ weist darauf hin.

Elbsandstein, das Material für die zerstörenden und zugleich formenden Kräfte der Natur, ist trotz seiner einfachen Zusammensetzung vielgestaltig und wandelbar. Die Farbe des Quarzsandsteines ist grauweiß bis gelblich. Im Süden des Gebietes ist er grob-, im Norden feinkörnig. Das hat großen Einfluss auf die Form der Felsen.

Die Quarzkörner werden durch verschiedenste Bindemittel zusammengehalten. Werden diese herausgelöst, entstehen beeindruckende Formen.

Sie reichen von bizarren Eisenröhren bis hin zu Felswänden volle Wabenstrukturen.

Aber nun soll unsere geschichtliche Zeitreise den ersten Ort passieren.

Pirna – Das Tor zur Sächsischen Schweiz


eit wann existiert menschliches Leben im Gebiet um Pirna? Feuersteinwerkzeuge aus dem späten Paläolithikum am Ende der letzten Eiszeit sind die ältesten Zeichen einer menschlichen Besiedlung in diesem Gebiet. Durch die klimatisch günstige Lage und fruchtbare Lößböden begünstigt, lebten hier Ackerbauern und Viehzüchter in der Zeit der Bandkeramik und ihre nachfolgenden Kulturen. Nach dem Abzug von germanischen Stämmen aus dem Elbtal, welche hier ab dem 4. Jahrhundert v.u.Z. ansässig waren, besiedelten um etwa 600 n.u.Z. die slawischen Sorben als Fischer und Bauern dieses Gebiet. Der Name Pirna soll sich aus dem sorbischen „Perno“ – „na pernem“ – „auf dem Harten (Stein)“ ableiten. Der heutige Forschungsstand der Namensdeutung bezieht sich auf einer Darstellung von Professor Ernst Eichler auf die slawische Form von pirno oder pirna. Das Wort pir bedeutete glühende Asche in der slawischen Sprache. Geografisch könnte dieses eine Feuer-Rodungsstelle oder Opferstätte mit Feuer bedeuten.

Die Geschichte

Wir schreiben das Jahr 1233. Eine Urkunde des Bischofs Heinrich von Meißen nennt erstmals ein Ort namens Pirna. Diese Urkunde von 14. März 1233 hat aber als solche nichts mit Pirna zu tun. Lediglich am Schluss der Urkunde wird der Name erwähnt, da dort als Zeuge der Beurkundung, ein Priester Gottschalk aus Pirna („godeschalcus de pne, plebanus”) erwähnt wird. Stadtgründer mag da wohl Heinrich der Erlauchte, Markgraf von Meissen sein. Er urkundete hier erstmals. So erwähnt ein Schriftstück aus dem Jahre 1245 einen Bürger („burgensis”) aus Pirna, so dass die junge Ansiedlung spätestens zu diesem Zeitpunkt Stadtrecht besessen hat. Das geschah aber bereits fünf Jahre früher. Zum einen gab es möglicherweise auf der Anhöhe des heutigen Sonnensteins weit vor ihrer Erwähnung als Burg eine slawische Burgwarte. Außerdem wird angenommen, dass es bereits Ansiedlungen am Hausberg und „Am Plan“ gegeben hat. Im Bereich der Breiten Straße könnte auch schon eine Kaufmannsniederlage bestanden haben. Doch das sind alles nur vage Vermutungen, die bisher nicht sicher erwiesen wurden. Frühere Namen von Pirna waren Pern, Perne, Perna, Pernis, Pernaw und Pyrn. Die Ableitung des Namens von dem auf dem Stadtwappen dargestellten Birnbaum ist nicht nachgewiesen. Einerseits dehnte sich die alte Burggrafschaft Donna auf langer Strecke bis zu Gottleuba aus und dieser Ort bildete vermutlich einst die Ostgrenze des Doninschen Reichslehens und andererseits aber der Burgbezirk von Königstein gegen Westen noch die Fluren von Struppen, Leupoldishain und Nikolsdorf einschloss, so kann Pirna ursprünglich nur einen geringen Umfang gehabt haben. Wahrscheinlich bestand sie bloß aus der Burg und ihrem allernächsten Zubehör, also etwa aus einzelnen Fluren, wobei es sich hier um Cunnersdorf, Ebenheit, Nieder-Vogelgesang, Mannewitz, Rottwerndorf und Krietzschwitz bzw. Neundorf gehandelt haben kann.

Die Stadt Pirna aber mag einen riesengroßen Verwaltungsbezirk gebildet haben, in dem ein Burggraf als Vertreter des Landesherrn nur die hohe Gerichtsbarkeit und den militärischen Befehl hatte. Die Gegend um Gottleuba endlich scheint namentlich durch den Bergbau erschlossen worden zu sein. In jene Zeit fällt wohl auch die Anlage der schon immer zu Pirna gerechneten Fluren Langenhennersdorf, Hermsdorf, Markersbach und Erdmannsdorf. Gleichzeitig und vermutlich im Zusammenhang mit diesen Vorgängen erblühte Pirna. Durch seine Lage am Elbstrome, an dem uralten Straßenzügen Bautzen – Stolpen – Prag sowie unter der nahen Schutzburg (Sonnenstein) begünstigt, erhielte sie um 1240 das Stadtrecht. Dabei bildete der Marktplatz den Mittelpunkt.


Abb. 7: Marktplatz Pirna von Canaletto

Vom fast rechteckigen (leicht trapezförmigen) Markt gingen rechtwinklig die Straßen ab. Dieses System ist mit einem Schachbrett vergleichbar. So verliefen viele Wege der Stadt von Ost nach West sowie von Nord nach Süd parallel. Nur um die Kirche herum waren die Gassen etwas unregelmäßiger angelegt. Ursachen dafür waren aller Wahrscheinlichkeit nach der Anstieg zum Burgberg und bereits vorher existierende Ansiedlungen. Dieses Straßennetz ist noch heute in der Altstadt vorhanden.

Außer seinem geringen Umfange ist aber Pirna auch noch seine ungewöhnliche Gestalt auffallend. Während die viel größeren Nachbarämter gut abgerundete Landkomplexe darstellen, die auch über natürliche Gebilde (Flussgebieten) verfügten, so erscheint Pirna wie ein schmales, in der Mitte noch besonders verengtes Band, das sich an die Gottleuba anschmiegt. Nach allem ist davon auszugehen, dass sich Pirna aus einem alten Markwaldstreifen entwickelt hat, der ursprünglich die Burggrafschaf Dohna von dem Königreich Böhmen (zu dem es in der Hauptsache gehörte), trennte. Das Schloss Pirna war zunächst nur eine Geleitburg an der Kreuzung von Strom und Straße.

Das Aufblühen Pirnas und seine industrielle Erschließung eben dieser Markwaldstrecke leitete die besondere Entwicklung dieses Landstriches ein. Vermutlich hat hierbei Markgraf Heinrich der Erlauchte (1221 – 1288) mitgewirkt, denn durch besagten Markgrafen erhält Pirna Stapelrecht und wird damit privilegierte Handelsstadt an der oberen Elbe.


Abb. 8: Pirna, Kupferstich von Merian (1650)

1269 ist dann der erste urkundliche Nachweis der Burg Pirna vorhanden, obwohl die Burg bzw. Schloss vermutlich schon früher vorhanden waren (siehe dazu den Kapitelunterpunkt). Im Jahre 1292 wird mit den Schuhmachern die erste Handwerkerzunft durch den Bischof bestätigt. 1293 wurde Stadt, Schloss und Pflege Pirna durch den Meißner Bischof an den böhmischen König veräußert. Das war aber zur damaligen Zeit eigentlich mit vielen Gebieten gang und gäbe.

Die Dominikaner, ein Bettelmönchorden, gründen in Pirna um 1300 ein Kloster und um 1317 eine Lateinschule. König Johann von Böhmen erneuert 1325 die durch ein Feuer verlorenen Privilegien und festigt Pirnas Stellung als wirtschaftlich starke Grenzstadt zur Mark Meißen. Zu hohen Ehre kommt Pirna im Jahre 1351, als Kaiser Karl IV. in Pirna einen Fürstentag abhält.

1405 kommt die Stadt wieder unter Markmeißnischer Herrschaft (bedeutendste Ansiedlung im oberelbischen Raum) und daraus ergibt sich, dass im Pirnaischen Wappen 1462 der meißnische Löwe erscheint. Die Stadt war von einer ca. 10 m hohen Stadtmauer umgeben, welche um 1628 ausgebaut wurde und bis Ende des 18. Jahrhunderts noch in einem gut erhaltenen Zustand existierte. Durch die Mauer führten 4 Tore (Elbtor, Schifftor, Obertor und Dohnaisches Tor) sowie eine Pforte für Fußgänger. Bereits 1811 begann der Abriss der Stadtbefestigung und keines der Tore blieb erhalten. Nachdem 1836 Pirnas Stadtmauern und Stadttore gefallen waren, wurden die außerhalb gelegenen Ansiedlungen der Stadt zugeordnet. Einige Reste der Stadtmauer sind bis heute noch erhalten.


Abb. 9: Pirna vom rechten Elbufer von Canaletto

Dann im Jahre 1472 wird die Eisenkammer als Handelsniederlage errichtet. Diese garantiert die kurfürstliche Kontrolle über den Eisenhandel, 1686 erfolgte aber dann die Schließung. Infolge der sächsischen Landesteilung gelangt Pirna 1485 zum albertineschen Sachsen und erlangt 1491 die Obere Gerichtsbarkeit.

Auch eine unrühmliche Persönlichkeit ist in dieser Zeit in Pirna zu verzeichnen: Johann Tetzel (um 1465-1519). Der Dominikaner und Ablassprediger Johann Tetzel wurde um 1465 in Pirna geboren (Geburtshaus in der Schmiedestraße). Nach unterschiedlichen Überlieferungen soll Tetzels Vater ein kleines Fuhrmanns- und Handelsgeschäft betrieben bzw. das Handwerk des Weißbäckers ausgeübt haben. Nach der Vorbildung des begabten Sohnes an der Pirnaer Lateinschule brachte er ihn zu theologischen Studien nach Leipzig. Etwa 1489 trat Johann Tetzel in das Leipziger Dominikanerkloster ein. Er entwickelte sich zum Gegenspieler Martin Luthers. Wiederholt besuchte er seine Heimatstadt Pirna. (1539 kam es Einführung der Reformation in Pirna – siehe dazu entsprechende Unterkapitel).

1519/20 opponiert die Bürgerschaft gegen den Rat. Herzog Georg erlässt daraufhin eine neue Ratsverfassung. Im Jahre 1532 stirbt etwa ein Drittel der Stadtbevölkerung an der Pest. Mit dem Stadtpfeifervertrag 1545 begründet Pirna als erste Stadt im meißnisch-sächsischen Raum eine Stadtpfeiferei. Ferdinand I., der spätere Kaiser verleiht 1549 ein neues Stadtwappen und das Recht, mit rotem Wachs zu siegeln.

Schon im 16. und 17. Jahrhundert gelangte Pirna durch die rege Handelstätigkeit zu Wohlstand. Dieser spiegelte sich in der Architektur wieder, die heute noch an vielen Bauwerken der Altstadt erhalten ist. Pirna war Umschlagort für Salz, Getreide, Stoffe, Tonwaren und vor allem für Sandstein.

Im 17. Jahrhundert kommt es dann um 1620 zur Niederlage der Böhmischen Stände. Mit der Vertreibung der böhmischen Protestanten wird Pirna ein Hauptzufluchtsort. Neun Jahre später leben in der Stadt über 2000 böhmische Flüchtlinge. Die Exulantengemeinde versammelt sich in der Nicolaikirche zu Gottesdiensten in tschechischer Sprache. 1634 wird dann Pirna zum Ort der Friedensverhandlungen zwischen Sachsen und Habsburgern, die 1635 zum Prager Frieden führten.

Eine Besonderheit war das „Pirnisch Eisen“ (Pirnaer Eisenwaren). Das war ein wichtiges Handelsgut. Das Erz kam aus dem nahegelegenen Berggießhübel. Das verarbeitete Eisenerz wurde monopolistisch durch die kurfürstliche Eisenkammer, welche sich 1472-1686 im jetzigen Stadthaus befand, gehandelt. Abgebrochen wurde die Wohlstandsentwicklung durch die Eroberung der Stadt durch die Schweden im Jahr 1639. Diese belagerten 1639 die Stadt, wie viele andere Orte der Sächsischen Schweiz auch, und plünderten sie aus. Das „Pirn’sche Elend“ wird sprichwörtlich. Dieser schwerwiegende Einschnitt in die Entwicklung der Stadt brachte die Wirtschaft zum Erliegen. Der Apotheker Theophilius Jacobäer verhinderte die völlige Zerstörung Pirnas durch einen Fürbittbrief, unterzeichnet von der Kurprinzessin in Dresden, den er bei der schwedischen Herrschaft einreichte.

1679 wird dann in Pirna wird der Buchdruck dauerhaft ansässig.

Johann Siegmund von Liebenau (1607-1671) wurde im nahe bei Pirna gelegenen Krumhermsdorf geboren und durchlief eine glänzende militärische Karriere. Verdienste für die Stadt Pirna erlangte er 1639 während des Dreißigjährigen Krieges durch erfolgreiche Verteidigung der Festung Sonnenstein gegen die Schweden. Als Amtshauptmann zu Pirna hatte der Obrist Besitzungen im heutigen Ortsteil Zehista sowie in Struppen. Dem Oberkommandanten der Bergfestungen Königstein und Sonnenstein wurde 1674 auch das Kommando über die Haupt- und Residenzfestung Dresden übertragen. 1668 befehligte er sämtliche Festungen in Sachsen und deren Besatzungen. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in der Pirnaer Stadtkirche Sankt Marien.

Die Stadt hat 1706 über 100.000 Taler Schulden durch den Nordischen Krieg. 1719 kommt es zum prachtvollen Einzug des sächsischen Kurprinzen mit der österreichischen Kaisertochter Maria Josepha. Das Paar ist auf dem Weg zur Hochzeit nach Dresden und 1731 kann die Stadt erstmals seit dem Dreißigjährigen Krieg wieder einen Gesandten zu den Landtagen schicken.

Der bereits erwähnte bedeutende venezianische Vedutenmaler Bernardo Michiel Bellotto, gen. Canaletto (1721-1780) kam 1747 nach Dresden und wurde ein Jahr darauf vom sächsischen Kurfürsten Friedrich August III. zum Hofmaler ernannt. Der Künstler war bis dahin mit hervorragenden Gemälden italienischer Städte in Erscheinung getreten. Nachdem er Dresden im wahrsten Sinne des Wortes „ins Bild“ gesetzt hafte, schuf er in den Jahren 1753 – 1755 insgesamt elf große Ansichten von der Stadt Pirna, die als einzige Kleinstadt überhaupt unter den Werken Canalettos vertreten ist. Sämtliche Pirna-Bilder sind erhalten geblieben und gehören zum Bestand der Dresdener Kunstsammlungen, einige Repliken befinden sich in den Galerien zwischen Houston und Sankt Petersburg.


Abb.10: Blick vom Schloss Sonnenstein auf Pirna von Canaletto

Während des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763) weilte der sächsische Kurfürst, zugleich auch König von Polen, in Warschau. Canaletto hatte in dieser Zeit in Dresden keinen Auftraggeber und ging deshalb nach Wien und München, um auch dort Stadtansichten zu malen. Nach dem Ende des Krieges und dem Tode Friedrich August III. war der Höhepunkt für den Künstler in Dresden überschritten. Er wollte in Sankt Petersburg ein neues Auskommen suchen, wurde aber in Warschau vom polnischen König in Dienst genommen. Dort ist Canaletto auch gestorben und hinterließ 24 Veduten der Stadt.

Friedrich II. von Preußen (der Große) (1712 – 1786) hat ebenfalls Bezug zu Pirna. Er führte zwei Schlesische Kriege. Im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) nahm er bereits im ersten Kriegsjahr die gesamte vernachlässigte sächsische Armee am Lilienstein gefangen. Der Preußenkönig weilte im Juli 1757 persönlich in Pirna. 1759 verlor er bei Maxen eine seiner Armeen unter dem Befehl des Generalleutnants von Finck („Finckenfang“).

Im Siebenjährigen Krieg 1756-63 und auch 1813 durch Napoleons Eroberungsversuch kam es nochmals zu größeren Zerstörungen Pirnas, dennoch blieb der Großteil des alten Stadtkerns erhalten.

Im 19. Jahrhundert werden vorwiegend aktive Bildungsprojekte im Mittelpunkt stehen. So 1805 die Einführung der Schulpflicht, 1805 die Gründung einer Fabrikschule, 1810 erscheint regelmäßig ein Pirnaisches Wochenblatt und 1811 erfolgt die Gründung der Königlich-Sächsischen Heil- und Verpflegungsanstalt auf dem Sonnenstein. Unter Dr. Ernst Gottlob Pienitz entwickelt sie sich zu führenden psychiatrischen Anstalt in Europa. 1830 wird eine neue Bürgerschule für Jungen und Mädchen eingeweiht.

1813 holt der Krieg wieder Pirna ein. Französische Truppen besetzen die Stadt, Napoleon weilt einige Tage in Pirna.

Während der Waffenruhe zwischen der französischen Armee und den verbündeten russisch-preußischen Streitkräften traf Napoleon am 20. Juni 1813 das erste Mal zu einer Inspektion in Pirna ein. Im September 1813 gewann der Elbübergang bei Pirna an strategischer Bedeutung. Am 11. und 12. September sowie vom 18. bis 21. September nahm Napoleon im Hause des Kaufmanns Meißner am Marktplatz in Pirna sein Quartier. Er überwachte von hier die Truppenbewegungen und veranlasste den Ausbau des Sonnensteins zur Festung.

1814 erfolgt die Gründung eines Waisenhauses und 1816 entsteht durch Zusammenlegung von Ämtern die Amtshauptmannschaft Pirna.

Die Unterzeichnung der Elbschifffahrtsakte 1821 beschert Pirna den Verlust der alten Handelsprivilegien. Auf Grundlage der liberalen sächsischen Verfassung werden erstmals 1832 Communrepräsentanten gewählt. 1837 wird der Dampfschiffverkehr auf der Elbe wird aufgenommen. 1845 erreicht die bisher größte Elbeflut die Stadt.


Abb. 11: Festung Sonnenstein von Canaletto

1848 wird der fahrplanmäßige Eisenbahnverkehr zwischen Dresden und Pirna aufgenommen und 1851 erfolgt die Weiterführung der Eisenbahnstrecke über Bodenbach (Decin) nach Prag. Im Mai 1870 erreicht die Kettenschleppschifffahrt Pirna. 1871 erfolgt die Gründung der Sächsischen Eisenindustriegesellschaft. Das Unternehmen musste aber bereits nach vier Jahren schließen. In den Jahren 1872 – 75 erfolgt der Bau der steinernen Elbebrücke und 1875 kommt es zur Eröffnung der Eisenbahnlinie Pirna-Arnsdorf-(Kamenz).

1862 wurde die Gewerbefreiheit eingeführt und im gleichen Jahr gründen die Gebr. Gebler eine Fabrik emaillierter Blechwaren. Es ist das erste bedeutende Industrieunternehmen der Stadt. Die Gebrüder Hirsch eröffnen 1874 das erste Glaswerk. Die Branche wird das Wirtschaftsleben in Pirna wesentlich beeinflussen. 1885 bis 1900 kommt es zu einem weiteren Industrialisierungsschub in Pirna, es entstehen u. a. die Maschinenfabrik Gebr. Lein, die Cellulosefabrik Hoesch und die Vereinigten Zwieseler und Pirnaer Farbenglaswerke.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Stadt. Es erfolgte die Erschließung der Westvorstadt, repräsentative Wohnviertel werden errichtet. In den Jahren 1897, 1927, 1957 und 1958 kam es durch verheerende Hochwasserkatastrophen zu großen Schäden in der Stadt.

Am 19. April 1945 wurde die Elbbrücke durch amerikanische Bomberverbände zerstört. Am 8. Mai besetzen sowjetische Truppen die Stadt.

Pirna, im Mittelalter weit bekannter als Dresden, blickt auf zahlreiche historische Gegebenheiten zurück und empfiehlt sich auch heute noch für die Besucher – nicht nur als Tor zur Sächsischen Schweiz.

Pirna und seine Sagen

Nach dieser Vielzahl von geschichtsträchtigen Daten, die wir von den Chronisten der damaligen Zeit erfahren haben, wollen wir weitere Zeugen anhören. Eine Vielzahl davon entdecken wir im Sagenschatz über Pirna.

Die tapfere Jungfrau von Pirna

Im Jahre 1227 ist ein Bürger zu Pirna, genannt Frantzback, der am Ringe daselbst gewohnt, mit seiner Ehefrau und einer Magd nach Dresden zu einer Hochzeit gereist und hat seiner Schwester Tochter, ein Mädchen von 17 Jahren, so sie als Kind angenommen, um indessen das Haus zu hüten, zurückgelassen. Da haben sich zwei Tuchmacher, so dem Trunke und Nichtstun ergeben gewesen, mit einander verschworen, sich am Tage heimlich in das Haus zu stehlen, sich da zu verstecken und des Nachts die Jungfrau zu erwürgen. Wie gedacht, so geschehen, sie sind gegen Abend ins Haus gekommen, haben sich im Keller verborgen und gemeint, die Jungfrau werde, um Bier oder Wein zu holen, da hinab kommen. Solches ist jedoch nicht geschehen; wohl aber ist das Mädchen vor Schlafengehen heruntergegangen, um die Haustüre zu verriegeln, während dem haben sich die beiden Bösewichter in die Stube geschlichen, und als jene ebenfalls hereingetreten, ist sie so erschrocken, dass sie kein Wort hat hervorbringen können. Die beiden Kerle haben ihr aber freundlich zugeredet, sie solle sich nicht fürchten, man werde ihr nichts zu Leide tun, sie solle ihnen nur den Ort zeigen, wo ihr Vetter sein Geld aufgehoben, sie wollten sich etwas Weniges davon nehmen. Weil nun das Mädchen sich vor Angst nicht zu helfen gewusst, auch so ihr Leben zu retten gehofft, hat sie in Alles gewilligt, auch noch ein Licht angezündet und gesagt: „so kommt denn, nehmt nur nicht zu viel.“ Sie schließt hierauf das Gewölbe auf, darin Geld und Gut nebst andern Pretiosen vorhanden, und sie geraten über einen eisernen Kasten, darinnen ein schönes Lädlein stand, weil aber kein Schlüssel an solchem, drohen sie der Jungfrau, sie möge solchen gleich herbeischaffen, sonst würde sie des Todes sein. Gott regiert aber das Mägdlein, dass sie darauf mit Zittern spricht: „ach mein Herr Vetter hat ihn in der Stube in seinem Schränkchen.“ Jene fulminieren aber noch ärger und drohen sie in Granatstücke zu zerhauen und wie sie nun in der Angst eben darin ist, den Schlüssel zu holen, da gibt ihr Gott ein, das Gewölbe aufs Festeste zu verschließen, auch ein Vorlegeschloss, so gleich daran gewesen, vorzulegen. Die Nachtraben erschrecken darin nicht wenig, bitten auch, um Gottes Willen aufzumachen, sie wollten gar nichts nehmen; die Jungfrau aber läuft aus dem Hause auf den Markt und ruft, um Gottes Willen ihr zu helfen, es wären Leute bei ihr, die wollten sie umbringen. Da wird gleich ein großer Zusammenlauf, die Wache kommt und die beiden Urians werden arretiert und nach geschehenem Verhör, und wie sie ausgesagt, dass sie wirklich Willens gewesen, die Jungfer umzubringen, dass sie auch schon zu Dresden eine Frau in ihrem Hause erwürget, sind sie gerädert und alsdann aufs Rad gelegt worden. Das ist die Geschichte der tapferen Jungfrau von Pirna, und zum Andenken hat man auf dem Markte einen Mühlstein auf der Stelle, wo jene Bösewichter hingerichtet worden sind, eingegraben.

Schwarzkünstler zu Pirna

Im Jahre 1476, als der König von Böhmen gestorben, warf sich ein Schreiber zu Pirna auf, der sich in der Schule äußerte und vorgab, er solle König von Böhmen werden, welches doch von den wenigsten Leuten ist geglaubt worden. Er war aber ein Schwarzkünstler und machte, dass alle Abende viele Diener in herrlichen Kleidern gar höflich vor ihm standen und köstliche Speisen auftrugen. Derselbe zog mit köstlichen Pferden auf, hielt große Gepränge und zog darauf wirklich nach Böhmen, die Bürgerschaft hoffte zwar täglich auf seine Wiederkehr, allein er blieb außen, und nach der Zeit hat man erfahren, dass er zu Cottwitz in der Lausitz Reitknecht geworden.

Das Bäckermädchen zu Pirna

Als das Licht der Reformation über Sachsen noch nicht angebrochen war, musste die Tochter eines Bäckers in Pirna täglich eine bestimmte Anzahl Brode in das daselbst befindliche Mönchskloster schaffen. Als sie jedoch einst nicht zurückkam, sagten die Mönche dem sie suchenden bekümmerten Vater, sie sei mit dem Gelde fortgegangen. Nun war eines Tages ein betrunkener Zimmermann (nach Andern wäre es ihr Bräutigam gewesen) in der Klosterkirche eingeschlafen; um Mitternacht erwachte er durch ein verworrenes Geräusch von männlichen und einer klagenden weiblichen Stimme, und sah, wie zwei Mönche das Mädchen geschleppt brachten und ermordeten und dann in eine Falltüren hinter dem Altare fallen ließen. Wegen dieser Schandtat ward das Kloster aufgehoben; ein Stein mit dem Bilde bezeichnet noch heute das Haus ihres Vaters auf der Langengasse.

Peter Bucher ein Barbier von Pirna wird Erzbischof von Mainz

Im Jahre 1242 hat zu Pirna ein Bürger, so Barbier gewesen, am Markte gewohnt, welcher Peter Bucher geheißen. Den hat sein Vater fleißig zur Schule angehalten, also daß er wohl studiert und nachmals Erzbischof von Mainz worden, wie solches in dem hohen Domstift zu Magdeburg in der Kirche zu finden. Es soll aber also zugegangen sein. Weil der dasige Erzbischof Bernhardus eben solches Jahr gestorben, hätten zwei geistliche Herren um das Bistum gestritten, und da habe der Papst diesen Peter Bucher zum Bischoff gemacht, der habe auch wohl regiert und sei so geschickt gewesen, dass, wenn er einen Menschen angesehen oder reden gehöret, er sogleich gewusst, was ihm gefehlt. Denn da einmal Kaiser Albrecht zu ihm gekommen, und sie mit einander nach dem Rhein spazieren gegangen, hätten zwei Jungfrauen in einem Hause gar schön gesungen; weil nun der Kaiser daselbst stehen geblieben und ihnen mit Lust zugehört, sie auch gegen den Erzbischof ungemein gelobt, hätte derselbe gesagt, eine von diesen werde dieses Jahr sterben, das schlösse er aus der Stimme. Da hat der Kaiser beide bewachen lassen und befohlen, beiden einerlei Speisen zu geben, damit sie keinen Kummer haben dürften; ehe aber das Jahr völlig zu Ende gewesen, sei es wirklich wahr geworden, so dass die eine gestorben, und wie darauf dem Kaiser solches berichtet worden, habe er noch mehr von ihm gehalten und ihn ausnehmend ästimiret. Es soll aber dieser Peter Bucher, ehe er zu dieser Würde erhoben worden, zuvor des Kaisers Rudolf von Habsburg und darauf Kaisers Henrici von Lützelburg Leibmedicus gewesen und auf folgende Art Erzbischof geworden sein. Der damalige Papst habe gerade schwer und gefährlich krank gelegen, auch aller Ärzte Mühe und Fleiß vergeblich gebraucht gehabt, so dass ihm fast keiner mehr was geben wollen; da habe dieser Peter Bucher ihn innerhalb 3 Tagen völlig gesund wieder hergestellt. Damit nun der Papst sich gegen denselben recht dankbar erweisen möchte, habe er gesagt: „wohlan, Peter, weil Du bist so glücklich mein Leibarzt gewesen, so will ich Dich nun mehr zum Seelenarzt machen,“ welches auch sogleich in Erfüllung gegangen.

Der Erlpeter zu Pirna

Erlen Peter nennt man einen über der Stadt Pirna diesseits der Elbe gelegenen, schönen Quell, dessen Wasser durch eine Flasche läuft, welche eine steinerne männliche Figur unter dem Arme hält, über welcher folgender Vers stand:

Der Erle Peter bin ich genannt,

Den armen Leuten wohlbekannt,

Wer nicht Geld hat in seiner Tasche,

Der trinkt umsonst aus meiner Flasche.

Im Jahre 1549 ist der Quell fast ganz vertrocknet und versunken und hat es viele Mühe gekostet, daß man ihn nur ein wenig wieder gefunden, denn weil man aus ihm hat Geld lösen wollen, ist das Wasser außen geblieben, dafür ist er 1687 mit einem Behältnis verschlossen und mit einem steinernen Gewölbe versehen worden. Um 1670 entstand die Gewohnheit, alljährlich an der Mittwoch nach Pfingsten nach diesem Brunnen zu ziehen und sich hier mit Musizieren, Tanzen, Singen, Schießen u. s. w. zu belustigen. Unter den Wallfahrenden befanden sich sogar viele Dresdner, und man nannte dies Fest Pirnaische Wallfahrten. Ehedem stand über dem Brunnen auch eine steinerne Tafel eingemauert mit der Aufschrift: „Deut. VIII. Hüte: Dich: und: Vergiss: Deines: Gottes: Nicht, der Dir Wasser aus dem harten Felsen gibt. George Dinckel ad DMJ. 1541.“ Die Sage erzählt noch, dass einst ein Viehhirte, der mit dem Ausschlage behaftet war, daraus getrunken und sich mit seinem Wasser gewaschen habe, wovon er die reinste und schönste Haut bekam.

Der Mönch Antonius mit seinem Schweine

Unter den Bettelmönchen zu Pirna soll auch einer Antonius (um 1488) geheißen und sich jährlich ein Schwein aufgezogen haben, wie er denn demselben ein Glöckchen angehangen und solches in der Stadt herum laufen lassen. Wenn nun solches auf den Gassen von den Bürgern gemerkt und gehört worden, sollen sie gesagt haben: „wir müssen Herrn Antonius’ Schweine auch was zu essen geben“, und da hat es von Manchem eine Butterschnitte, von Andern etwas Anderes bekommen, dass also Herr Antonius mit seinem Schwein sich ganz wohl befunden.

Wasserflut zu Pirna verschont das Weihwasser

Am Mittwoch nach Mariä Empfängnis des Jahres 1501 hat sich die Elbe so ergossen, dass sie in die Klosterkirche gegangen bis an den roten Strich, so über dem Predigtstuhl gezeichnet ist, auch zu allen Toren hereingedrungen. Es ging so hoch, dass man mit Schiffen und Kähnen hineinfahren können bis an’s Rathaus, ging auch bis an den Sprengel, der vor dem Kloster an der Kirchtüre stand und halb voll geweihten Wassers war und ein Spreng-Wedel (Weihwedel) darin lag. Doch berührte das wilde Wasser das geweihte Wasser nicht, und blieb der Spreng-Wedel im Weihwasser, und obgleich das wilde Elbwasser hart an den Stein schwebte, so blieb doch das Weihwasser und der Sprengel darin unversehrt.


Abb. 12: Pirna von der Schiffervorstadt aus gesehen (von Canaletto)

Der Teufel holt eine Bürgersfrau zu Pirna

Im Jahre 1411 ist am Fastnachtsdienstage eine reiche Bürgerin auf allen Gassen mit einem Schlitten herumgefahren; weil nun die Pferde nicht anziehen wollen, hat sie weidlich geflucht, auch den bösen Feind gerufen, der auch sogleich dagewesen und ihr den Hals umgedreht. Zum steten Gedächtnis ist an diesem Tage eine Messe gehalten worden.

Reise durch die Luft gelingt nicht

Es ist einmal ein Sattler zu Pirna gewesen, der ist allemal des Sonntags auf einem bloßen Sattel sitzend durch die Luft in die Kirche gefahren. Er hat einen Lehrling gehabt, eines Bürgermeisters Sohn von Sonnenwalde, der hat einmal um 12 Uhr mittags des Jahres 1545, da der Meister heim zu Tische gegangen, sich auf diesen hölzernen Sattel gesetzt und auch hinauffahren wollen, ist aber vom Sattel zur Erde gefallen und sogleich Tod geblieben.

Der Pesthändler bei Pirna

Zu Ausgang des Monats Mai im Jahre 1669 ist ein Mann mit 3 Säcken zu einem Schiffer zwei Meilen von Dresden bei Pirna gekommen und hat von ihm über die Elbe gesetzt zu werden begehrt. Der Schiffer hat aber einen von den Säcken angefasst, um ihn in den Kahn zu legen, allein er konnte ihn seiner Schwere wegen nicht bewältigen, und doch hat jener sie alle drei auf den Buckel genommen und ist damit fortgegangen, als wären sie nichts. Als er nun diese Schwäche des Schiffers ersieht, ladet er seine drei Säcke selber in den Kahn und verlangt nur übergesetzt zu werden. Darauf stößt der Schiffer vom Lande und gelangt mit genauer Not in die Mitte des Flusses, wo aber der Kahn sinken will, und jener erklärt, ein Sack müsse herausgeworfen werden, denn sonst müssten sie umkommen und untergehen. Der fremde Mann aber will davon nichts wissen, sondern sagt, er solle ihm seine Säcke liegen lassen und nur fortfahren, denn es werde keine Not haben, ob es sich gleich so anlasse. Mit diesen Worten geht es fort und so kommen sie endlich ans entgegengesetzte Ufer. Hier begehrt nun aber der Sackmann, dass der Fährmann den Kahn immer noch längs dem Ufer hinschiebe; dies geschieht auch, allein immer ist es ihm noch nicht genug, bis endlich der Schiffer böse wird und spricht: wer weiß, was Ihr in Euren Säcken habt, ich fahre nicht weiter, ich habe mein versprochenes Geld einmal zur Genüge verdient, und hier müsst Ihr ausladen. Darauf spricht jener: Du bist mir auch trotzig genug gewesen und hast Dich mehr als zu viel gegen mich grob gezeigt, und damit Du es weißt, hier hast Du Dein Fährgeld und ich meine Säcke, in dem einen habe ich das hitzige Fieber, in dem andern das kalte, im dritten die Pest, und davon sollst Du Deinen Part am ersten bekommen, denn nach Johannis wird eine solche Hitze werden, dass die Leute auf dem Felde verschmachten und umfallen werden. Damit hat er seine Säcke wieder auf den Rücken genommen, ist ausgestiegen, fortgewandert und hat dem Schiffer das Nachsehen überlassen.

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Eng verbunden mit der Geschichte Pirnas ist die der Burg/Festung/ Schloss Sonnenstein.

Pirna und sein „Dach“

In einer Höhe von 70 Meter über der Elbe liegt das Schloss Sonnenstein auf einem Felsplateau. Der ursprüngliche Bau geht auf eine slawische Ansiedlung und Befestigung zurück, die in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts angelegt wurde.

Nachdem die Meißner Markgrafen einen Landesausbaus betriebenen, entstand um 1200 eine Burg mit der Aufgabe der Kontrolle der Elbfurt zu bilden. Im Schutz dieser wichtigen Grenzburg zwischen der Mark Meißen und dem Königreich Böhmen entstand um 1200, wie wir bereits wissen, der Handelsplatz Pirna.

Am 5. Dezember 1269 entstand durch eine Urkunde des Markgrafen Heinrich des Erlauchten das Castrum Pirne, mit der gleichzeitig die erste urkundliche Erwähnung als Burg erfolgte. Dieses Castrum Pirne unterstand seit 1293 der böhmischen Krone, die sie jedoch mehrfach verpfändeten. Am 15. November 1372 unterzeichnete hier, wie wir von der Geschichte Pirnas wissen, Kaiser Karl IV. mit den Markgrafen Friedrich III., Balthasar und Wilhelm I. den Pirnaer Vertrag zur Grenzregelung zwischen dem Königreich Böhmen und der Mark Meißen. Der Pirnaer Vertrag war damit ein wichtiger Vorläufer der mit dem Vertrag von Eger (1459) geschaffenen umfassenden Grenzregelung zwischen Sachsen und Böhmen. 1405 gelangte die Burg mitsamt des dazugehörigen umliegenden Verwaltungsgebietes (Pflege) in den Besitz der Meißner Markgrafen.

Mittelpunkt der früheren Burganlage waren ein Bergfried, ein steinernes Wohngebäude und mehrere aus Holz und Lehm errichtete Nebengebäude. Durch Umbaumaßnahmen in den 1470er Jahren entstanden zwei Burgtürme und ein herrschaftliches Kemenatengebäude. 1486 zerstörte ein Brand und 1489 ein Unwetter diese Anlage. 1491 veranlasste Herzog Albrecht der Beherzte den Wiederaufbau. Dann kam es zwischen 1545 und 1548 durch Kurfürst Moritz zur Errichtung eines Schlosses. Insoweit wurde damit eine bauliche Trennung zwischen den Anlagen zur Verteidigung (Burg) und zum Wohnen (Schloss) vorgenommen. Zwischen 1570 und 1573 entstanden unter der Leitung des Festungsbaumeisters Rochus zu Lynar und des Landbaumeisters Hans Irmisch eine Festungsanlage mit 3 Türmen und mehreren Bastionen auf Befehl des Kurfürsten August und damit der Ausbau der Verteidigungsanlagen zur sächsischen Landesfestung.

Den Ausbau zu einer achtungsgebietenden Festung erfuhr der Sonnenstein unter Kurfürst August, der Basteien und drei niedrige, aber sehr starke Türme errichten ließ. In den Turmanlagen befanden sich drei übereinanderliegende Reihen von Geschützen, mit denen die Elbe strategisch beherrscht werden konnte. Der Standort gewann damit zeitweilig den Rang einer Hauptfestung des Landes Sachsen.

Nicht unerwähnt bleiben darf in der umfangreichen Baugeschichte des Denkmals das Lusthaus im Schlossgarten unter Christian II. durch den Baumeister Melchior Brenner im Jahre 1604 errichtet und fiel den Kämpfen von 1639 zum Opfer.

Die Eigenartigkeit des Gebäudes bestand in seiner Form, das als „Willkomm“ wie ein Trinkbecher gestaltet war. Eine metallene Nachbildung wird im Dresdner Grünen Gewölbe aufbewahrt. Bauhandwerkliche Meisterleistungen am Festungswerk folgten der Zerstörung während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Unter der Leitung des Festungskommandanten Johann Siegmund von Liebenau wurden von der damals 150 Mann starken Festungsbesatzung die Wohnhäuser im Schlosshof als Mannschaftsquartiere wiederhergestellt und auf dem inneren Festungshof ein neuer Brunnen angelegt.

Außerdem wurden die Tore erneuert und ein Brauhaus angelegt. Besonderes Augenmerk richtete man auf den Bau neuer Verteidigungswerke. So konnte bis November 1677 die Außenwerke und Brücken fertiggestellt werden.

Seit 1638 stand die Burg unter dem Kommando von Johann Siegmund von Liebenau und ab 1688 war der Barockbaumeister Wolf Caspar von Klengel Festungskommandant. Mit dem in Sachsen aufkommenden Barockstil wurde die Festung Sonnenstein ab etwa 1670 nach modernen militärischen Erkenntnissen ausgebaut. Nur die mächtigen steinernen Außenwerke zeugen heute noch davon. Unter Klengel erfolgte eine wesentliche Umgestaltung der Festungsanlagen, die u. a. den Bau des Kommandantenhauses beinhaltete.

Dann war es Hauptmann Kaspar Löwe, der weitere Umbauarbeiten an der Bergfestung leitete. Vorhandene Bollwerke wurden verstärkt und neue Außenwerke angelegt, darunter im Jahre 1668 das „neue Werk am Schlosse“; der „Wall auf dem Schlosse“ wurde 1672 mit Rasen bedeckt.

Weitere Um- und Neubauten erfolgten durch den Architekten Jean de Bodt, der zwischen 1735 und 1737 den bis heute erhaltenen Elbflügel der Festung sowie die Neue Kaserne errichten ließ.

Mit der Ernennung von Wolf Caspar von Klengel zum neuen Kommandanten im Jahre 1675 begann ein grundlegender Umbau der Festung. Zu den damaligen Baumaßnahmen, die der alten Festung noch heute das charakteristische Äußere geben, zählte die Gestaltung der mächtigen steinernen Außenwerke. Zugleich entstand im Westen des äußeren Hofes das neue Kommandantenhaus. Dieser Gebäudeteil verfügte im Erdgeschoß, nach der Stadtseite gerichtet, über zwei Batterien, im Stockwerk darüber lag die Kommandantenwohnung. Außerdem sei auf die Errichtung der Neuen Kaserne nach 1736 hingewiesen. Als architektonische Meisterleistung präsentiert sich bis in die Gegenwart der Elbflügel des Denkmals – ein Werk des bekannten Festungsbaumeisters Jean de Bodt, das aus Ruinen des Dreißigjährigen Krieges entstanden ist. Militärische Bedeutung gewann die Festung Sonnenstein verstärkt unter Kurfürst Moritz, als dieser 1552 vor Beginn seines Feldzuges gegen Kaiser Karl V. die Festungen und festen Plätze Sachsens in den Verteidigungszustand setzte. Damals wurde auch der Sonnenstein mit einer Besatzung von 100 Knechten belegt.

Schritt für Schritt wurde die Bewaffnung ergänzt. So verfügte das Zeushaus im Jahre 1565 über einen Bestand von 14 Stück grobem Geschütz und 71 Doppelhaken, nachdem im Jahre 1465 erst fünf große Hakenbüchsen und fünf kurze Büchsen vorhanden gewesen waren.

Strategisch wichtig wurde der Sonnenstein während des Dreißigjährigen Krieges: von hier aus war der Elbpass zu beherrschen und die sächsischböhmische Grenze zu kontrollieren. Um 1632 war die Festung nur relativ schwach mit sächsischen Militärpersonen, meistens in Kompaniestärke besetzt.

Oberstleutnant Hans Georg Speett traf im Auftrag des Kurfürsten Vorkehrungen zur Verteidigung der Stadt Pirna und der Festung. An seine Stelle trat 1638 der Kommandant der sächsischen Feldartillerie, Oberstleutnant Johann Siegmund von Liebenau, dem Kurfürst Johann Georg I. wegen der Beweise seiner militärischen Tüchtigkeit den Befehl über Festung und Stadt übertrug.

Drei Monate später begann der schwedische Feldmarschall Johan Banér die Stadt Pirna einzuschließen. Am 23. April 1639 gelang es den Schweden, die Stadt im Sturm zu nehmen; dagegen schlugen alle Versuche fehl, die Festung zu erobern. Der schwedische Heerführer zog weiter, ließ aber zwei Regimenter zurück. Diese setzten die Belagerung fort. Im Juli 1639 unternahmen sächsische Entsatztruppen Angriffe gegen Pirna, bei denen den Schweden große Verluste zugefügt wurden. Dann wurde bei einem Ausweichmanöver des kaiserlichen Hilfsheeres unter seinem Befehlshaber Graf Hatzfeld, an dessen Seite sich auch der sächsische Kurfürst befand, vor den erneut nahenden Schweden die Beschießung von Pirna eingestellt, denn man wollte nicht von Dresden abgeschnitten werden. Trotzdem zogen das schwedische Heer und die Besatzung Pirnas am 25. September 1639 ab, womit eine der schwersten Belagerungen der Festung Sonnenstein ihr Ende fand.

Während des Nordischen Krieges und der Schlesischen Kriege blieb der Sonnenstein von Kriegsereignissen verschont. Doch bereits zu Beginn des Siebenjährigen Krieges kapitulierte die Festung am 15. Oktober 1758 vor den Preußen, nachdem die sächsische Armee ihr Lager bei Struppen verlassen hatte. Am 14. April 1764, nach der Niederlage sächsischer Truppen im Siebenjährigen Krieg verlor die Festung Sonnenstein mit der Streichung aus der Liste der Landesfestungen offiziell ihren militärischen Status.

Letztmalig spielte die strategische Lage der Festung in den nationalen Befreiungskriegen eine Rolle. Im September 1813 ließ Napoleon I. den Sonnenstein in den Verteidigungszustand setzen. Bereits vier Wochen später wurde die Festung durch russische Artillerie beschossen. Die im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts und im beginnenden 18. Jahrhundert wiederhergestellten und neu errichteten Festungswerke bewiesen ihre Verteidigungsqualitäten, so dass die französische Besatzung mehrere Angriffe der verbündeten Truppen erfolgreich abwehren konnte. Mit der Kapitulation Dresdens am 11. November 1813 und dem Abzug der Franzosen verlor der Sonnenstein seine militärische Bedeutung.

Neben der Festung Königstein wurde auch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Sonnenstein als Staatsgefängnis eingerichtet.

Seit 1764 wurde dann die halb verfallene Festung zivil genutzt und 1811 zur Anstalt für als heilbar angesehene Geisteskranke ausgebaut. Die Konzeption der Anstalt war von Christian August Fürchtegott Hayner im Auftrag des sächsischen Ministers Gottlob Adolf Ernst von Nostitz und Jänkendorf erstellt worden. Nostitz hatte auch für die Ausbildung des ersten Hausarztes und Direktors der Heilanstalt Ernst Gottlob Pienitz in Paris bei Philippe Pinel gesorgt. Nach einigen Umbauten wurde die Anstalt am 18. Juli 1811 eröffnet.

Am 14. September 1813, nachdem französische Truppen den Sonnenstein besetzt und die Evakuierung der 250 Patienten sowie die Beschlagnahme der Vorräte erzwangen, organisierte Pienitz die Unterbringung und Versorgung der Patienten in der Stadt. Bereits im Februar 1814 konnte der Betrieb der Heilanstalt wieder notdürftig aufgenommen werden, allerdings für einige Jahre nur mit einer verminderten Kapazität für etwa 135 Patienten.

1928 wurde Prof. Hermann Paul Nitsche zum Direktor der auf über 700 Patienten angewachsenen Heilanstalt Sonnenstein berufen. Mit seinem Antritt begann die systematische Ausgrenzung der chronisch psychisch Kranken. Als Befürworter der „Rassenhygiene“ und „Euthanasie“ setzte er Zwangssterilisationen, fragwürdige „Zwangsheilbehandlungen“ und „Verpflegungssparrationierungen“ gegen „erbkranke“ Patienten durch. Im Herbst 1939 wurde die Anstalt durch einen Erlass des sächsischen Innenministers geschlossen und als Reservelazarett und Umsiedlerlager eingerichtet.

Berüchtigt wurde der Sonnenstein durch den Einsatz im Rahmen der Aktion T4, als unter der Leitung des Arztes Horst Schumann in Pirna von Juni 1940 bis August 1941 13.720 Patienten sowie mehr als 1.000 KZHäftlinge vergast wurden. Die meisten Euthanasie-Opfer stammten aus psychiatrischen Anstalten, Heimen für geistig behinderte Menschen sowie Alters- und Pflegeheimen. In den Zeiten des „Hochbetriebs“ wurden bis zu 100 Menschen pro Arbeitstag vergast. In der Pirnaer Bevölkerung kursierten trotz strengster Geheimhaltung in der Tötungsanstalt Gerüchte über die Krankenmorde. Dass die damalige Bevölkerung darüber schwieg, mag mit passiver Akzeptanz und diffuser Angst vor Sanktionen zusammengehangen haben. Heute erinnert die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein daran.

Nach dem Ende der Krankenmorde 1941 wurden auf dem Gelände des Sonnensteins die Adolf-Hitler-Schule für den Gau Sachsen, eine Reichsverwaltungsschule und ein Wehrmachtslazarett eingerichtet, welche bis 1945 Bestand hatten.

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