Kitabı oku: «Gemeinsam gegen Krebs»

Yazı tipi:

Prof. Dr. Gustav Dobos

Dr. Sherko Kümmel

GEMEINSAM

GEGEN

KREBS

Naturheilkunde und Onkologie –

Zwei Ärzte für eine menschliche Medizin

unter Mitarbeit von Dr. Petra Thorbrietz

Liebe Leserin, lieber Leser,

Diagnose: Krebs. Im ersten Moment können die Betroffenen keinen klaren Gedanken fassen. Der Kopf versucht staunend, die Botschaft zu verstehen, während der Körper schon längst realisiert hat, dass es um Leben und Tod geht: Kaskaden von Botenstoffen überschwemmen den Organismus, schicken heiße und kalte Wellen durch den Leib, schnüren die Kehle zusammen, lassen das Herz rasen und den Bauch revoltieren. Es ist nur natürlich, Angst zu haben, wenn man von einem Ereignis erfährt, welches das ganze Leben auf den Kopf stellen wird. Plötzlich ist man krank, auch wenn man sich eben noch nicht so gefühlt hat – und ist Lichtjahre von der Normalität der anderen Menschen entfernt.

Das Trauma, vom Tod bedroht zu sein, um sein Leben kämpfen zu müssen, um den Preis vielleicht, weibliche Attribute wie eine Brust oder männliche wie die Erektionsfähigkeit einzubüßen, ist unendlich groß. Es verändert nicht nur psychisch, sondern auch körperlich: Jede einzelne Zelle wird von ihm erschüttert. Umso wichtiger ist es, den Folgen dieses Schocks entgegenzuwirken – von Anfang an, also schon bevor mit einer Chemotherapie, Bestrahlung oder Operation begonnen wird.

Die Allianz von Onkologie und Naturheilkunde

Gemeinsam gegen Krebs – in diesem Buch geht es um neue Allianzen im Kampf gegen Krebs. Da ist erstens die Zusammenarbeit von Onkologen und naturheilkundlich spezialisierten Internisten. Lange Zeit wollte die eine Seite nichts von der anderen wissen – und umgekehrt. »Was wollen Sie denn mit Heilkräutern? Sie haben eine lebensgefährliche Krankheit!«, wurden die Patienten von den Onkologen beschieden. »Wenn Sie eine Chemotherapie anfangen, zerstören Sie die Reste Ihrer Widerstandskraft«, warnten die Anhänger traditioneller Heilverfahren.

Im Grabenkrieg zwischen moderner, naturwissenschaftlich orientierter Hochleistungsmedizin und der Naturheilkunde mit ihrem jahrtausendealten Erfahrungsschatz wurden viele Chancen verschenkt – und die Patienten häufig alleingelassen. Denn die meisten von ihnen waren zwar bereit, alles Notwendige gegen den Krebs zu tun, aber gleichzeitig wollten sie sich auch dem Medizinapparat nicht passiv ausliefern, sondern auch selbst etwas zu ihrer Gesundung beitragen. Aus Angst, dass dieses Ansinnen von ihrem Arzt abgelehnt wird, wenden sich Schätzungen und Umfragen zufolge drei von vier Krebspatienten einem oder mehreren traditionellen Heilverfahren zu, ohne darüber mit dem Onkologen zu sprechen. Die Risiken aber, die ein solches Vorgehen birgt, sind beträchtlich.

Es muss Schluss sein mit den Heimlichkeiten, der Kommunikationslosigkeit und den Vorurteilen. Es geht nicht mehr um konkurrierende Weltbilder, sondern um reproduzierbare Erfahrungen, um nachprüfbare Daten und um wissenschaftliche Erklärungen. Liegen diese vor, muss der beste Therapieplan für den jeweiligen Patienten vorurteilsfrei aufgrund dieser Erkenntnisse gefunden werden. Dieser muss an jedem Punkt der Behandlung immer wieder überprüft und neu überdacht werden: Mal ist ein modernes Antibrechmedikament das Mittel der Wahl, mal reagieren ein Patient oder eine Patientin so gut auf eine Akupunktur, dass sie alle Ängste löst und keine weitere Arznei nötig wird. Eine Antihormontherapie, die von vielen Betroffenen vorzeitig abgebrochen wird, kann durch eine naturheilkundliche Begleittherapie deutlich verträglicher gemacht werden. Das steigert ihre Akzeptanz. Auch den negativen Begleiterscheinungen einer Chemotherapie oder Bestrahlung kann vonseiten der Patienten aktiv entgegengewirkt werden.


Gemeinsam für den Patienten: Das multidisziplinäre Therapeutenteam am Brustzentrum der Kliniken Essen-Mitte. In der Mitte die Autoren Prof. Dr. G. Dobos und PD Dr. S. Kümmel. Weiterhin C. Hohmann (o.l.), S. Lange (o.m.), Dr. P. Klose (o.r.), Dr. P. Voiß (m.l.), C. Handmann (m.r.), Dr. A. Paul (u.l.), I. Schwidde (u.m.) und S. Conrad (u.r.). Nicht mit im Bild: Dr. F. J. Saha.

Die Allianz von Ärzten und Patienten

Das ist die zweite neue Allianz in der Krebsmedizin, deren Wichtigkeit keinesfalls unterschätzt werden sollte: Die Patienten werden zu Partnern der Ärzte. Die Stressforschung hat herausgefunden, dass sowohl Psyche als auch Immunsystem durch die Möglichkeit verändert werden, einer Belastung bewusst begegnen zu können – anstatt ihr hilflos ausgeliefert zu sein. Und das erhöht auch die Widerstandskraft. Naturheilkundliche Verfahren bieten viele Möglichkeiten, aktiv zu werden: Sie wirken direkt auf Nervensystem, Psyche und Stoffwechsel. Das gilt vor allem für die Verfahren der Mind-Body-Medizin, in denen sich uralte Traditionen der Meditation mit modernen Bewusstseinstechniken auf der Basis der Stress- und Hirnforschung verbinden.

Auf den Patienten zugeschnittene Therapien

Jeder Betroffene reagiert anders, und kein Tumor gleicht dem anderen – die Erkenntnis, dass die Medizin sich »individualisieren« muss, will sie in dem komplexen Krebsgeschehen ihre Erfolge verbessern, bringt die auf der Molekularbiologie basierende Hochleistungsmedizin der Naturheilkunde näher. Diese hat schon immer Patienten behandelt und nicht Krankheitsbilder, was wegen des individuellen und schwer messbaren Vorgehens häufig als »unwissenschaftlich« angesehen wurde. Dass sie ihre Verfahren besser begründen und nachvollziehbar machen muss, haben inzwischen auch die Experten für traditionelle Heilverfahren akzeptiert, und sie arbeiten daran – mit den modernen Mitteln der Molekularbiologie.

Die Integrative Onkologie, von der dieses Buch handelt, ist daher mehr als Medizin mit ein wenig Naturheilkunde »on top«. Sie ist, so Matthew P. Mumber, ein amerikanischer Strahlentherapeut, »ein umfassender evidenzbasierter Ansatz der Krebsbehandlung, der sämtliche daran Beteiligten auf allen Ebenen ihres Seins und ihrer Erfahrungen mit einbezieht«. All die Empfehlungen, die Sie in diesem Buch finden werden, wurden einer strengen wissenschaftlichen Prüfung unterzogen. Sie sind entweder durch kontrollierte Studien belegt oder zumindest »empirisch«, also durch nachweisbare praktische Erfahrung an einer Vielzahl von Patienten belegt.

Die Evolution der Krebsmedizin

Die Integrative Onkologie, bisher nur an wenigen, wenn auch renommierten Kliniken praktiziert, bedeutet eine riesige Evolution der Krebsmedizin. Sie bietet keine »alternativen« Heilverfahren und distanziert sich nicht von der klassischen Krebsmedizin – im Gegenteil: Sie nutzt all ihre Errungenschaften. Gleichzeitig sprengt sie aber auch die Strukturen der herkömmlichen Onkologie. Denn sie umfasst mehrere Dimensionen gleichzeitig – neben der Krebszelle den ganzen Körper, neben der Psyche auch den Geist, neben der stofflichen Seite des Menschen auch seine energetischen Ebenen.

In der klassischen Onkologie werden die Kranken von den Medizinern meist aufgefordert, möglichst wenig in die Behandlung einzugreifen, um die komplexen Veränderungen im Körper durch die Therapie nicht zu stören. »Gehen Sie viel spazieren, entspannen Sie sich«, heißt es maximal. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Die Integrative Onkologie dagegen will die Patienten aktivieren. An die Stelle des Gefühls der Hilflosigkeit treten langfristige Strategien zur Bewältigung der Krankheit, die von den Betroffenen selbst mitbestimmt und getragen werden. Wie es ihnen selbst geht, warum sie vielleicht krank geworden sind, was ihnen in diesem Moment guttut, das können nur sie selbst wissen oder ergründen. Die Integrative Onkologie bildet Sie zu wachsamen und achtsamen Experten für sich selbst aus.

Das Wort »Gesundheit« ist ein trügerischer Begriff. Eigentlich gibt es keinen solchen Zustand der stabilen Unversehrtheit. Leben ist Veränderung, und nur wer auf diesen Wandel immer wieder reagieren kann, ist »gesund«. Wer das einmal erkannt hat, meint der französische Psychiater David Servant-Schreiber, der selbst an einem Hirntumor erkrankt war, der macht sich auf einen Weg, der vielleicht zur Heilung führt.

Der Schweizer Literat Adolf Muschg hat das sehr treffend ausgedrückt, als er schrieb: »Ich wünsche mir als Patient nichts weiter als einen Fachmann. Zu dem würde gehören, dass er (der Arzt) den Menschen, bevor er ihn untersucht, wahrnimmt. Zu dem würde gehören, dass er die Grenzen seines Faches so gut kennt, dass er sich traut, den Patienten an dieser Erkenntnis zu beteiligen. Denn diese Grenzen sind es, wo der Patient für seine Gesundheit selbstverantwortlich tätig werden kann und soll.«

Herzlichst

Ihr

Prof. Dr. med. Gustav J. Dobos und PD Dr. med. Sherko Kümmel

Krebs als Schicksal – Hoffnung auf die Wende

Viele Patienten haben mehr Angst vor der Tumormedizin als vor dem Tumor selbst. Das ist einerseits verständlich – wegen der massiven Nebenwirkungen, die Chemotherapie und Bestrahlung mit sich bringen können. Aber es ist auch fatal, denn mit »sanfter« Medizin lässt sich ein so komplexes Geschehen wie Krebs nicht aus der Welt räumen. Gegen die lebensbedrohliche Krankheit helfen nur entschiedenes Handeln und der Mut, trotz vielfacher Belastungen den Kampf mit der Krankheit aufzunehmen.

Weil sie sich von der Onkologie nicht umfassend behandelt fühlen, wenden drei von vier Krebspatienten Naturheilverfahren an – ohne das mit ihrem Onkologen zu besprechen. Das aber kann weitreichende negative Folgen haben: Schon ein paar Gläser Grapefruitsaft oder eine Hochdosis Vitamin C im falschen Moment können die onkologische Therapie gefährden oder sogar zunichtemachen. Die Patienten haben dann möglicherweise sogar subjektiv den Eindruck, dass es ihnen besser geht. Doch sie vertragen vielleicht die gefürchtete Chemotherapie nur deshalb besser, weil diese selbst – und nicht nur deren Nebenwirkungen – abgeschwächt wird.

Onkologie und Naturheilkunde sind kein Gegensatz

Es geht in diesem Buch darum, mit den Vorurteilen gegenüber der Onkologie wie der Naturheilkunde aufzuräumen: Weder ist die eine unmenschlich und kalt, noch ist die andere sanft und ungefährlich. Die Leistungen der Schulmedizin werden in der Bevölkerung unterschätzt, den Naturheilverfahren wird zu viel Vertrauen geschenkt, und bei den Ärzten ist es genau umgekehrt: Sie überschätzen die Möglichkeiten der modernen Hochleistungsmedizin und vernachlässigen die der traditionellen Heilverfahren.

Onkologie wie Naturheilverfahren haben beide in der Krebsbehandlung ein großes Potenzial, aber sie müssen richtig – und in Abstimmung untereinander – eingesetzt werden. Das setzt bei den Ärzten Wissen voraus und bei den Patienten Aufklärung. Doch statt von Fakten werden die Ansichten auf allen Seiten immer noch von Vorurteilen bestimmt.

Das spielt der Armada unseriöser Geschäftemacher und Heilsversprecher in die Hände, die mit »biologischen« Verfahren werben, ohne irgendeine Gewähr für deren Behandlungserfolg geben zu können, spezielle Krebsdiäten verkünden oder fragwürdige Rezepturen gegen Krebs verkaufen. Sie preisen die »Ganzheitlichkeit« ihrer Verfahren genauso an, wie sie die angeblichen »Verschwörungen« der Pharmaindustrie gegen den Patienten verdammen. Das Geschäft mit der Angst ist ein besonders düsteres Kapitel im Umgang mit der Krankheit Krebs.

Dieses Buch ist geschrieben worden, um ein Zeichen gegen die Angst zu setzen – und zu zeigen, dass Onkologie und Naturheilkunde kein Gegensatz sind, sondern vielmehr gemeinsam gegen den Krebs wirken können. Die Zeit der Grabenkämpfe zwischen den naturwissenschaftlich geschulten Medizinern und den naturheilkundlichen Ärzten und Therapeuten ist vorbei. Die neue Ära der individualisierten Medizin führt, wie wir zeigen werden, beide Ansätze zusammen, dort, wo sie wissenschaftlich begründet sind und sich Respekt in der klinischen Praxis erwerben konnten.

Paradigmenwechsel in der Krebsmedizin

Wer die Berichte über die Behandlung von Krebs in den Medien aufmerksam verfolgt, wird feststellen, dass die Onkologie im Aufbruch ist. Von »neuen Generationen« von Medikamenten ist da die Rede, von Tumorgenetik, Stammzelltherapie, Antikörpern und Nanomedizin. Vor allem die Fortschritte in der Molekularbiologie haben den Blick auf eine der schicksalsschwersten Krankheiten unserer Gesellschaft völlig verändert.

In der Integrativen Onkologie, einem noch jungen Zweig der Tumormedizin, erhalten naturheilkundliche und traditionelle Heilverfahren eine neue Rolle, die vor allem darin besteht, die Betroffenen aus ihrer Hilflosigkeit herauszuholen, und sie dabei unterstützt, die Krankheit aktiv zu bewältigen. Auf diese Weise wird der Patient zum Partner des Arztes. Es gibt wieder Hoffnung.

PRINZIP UNENDLICHKEIT: WAS IST KREBS?

Unser Organismus besteht aus etwa 100 Billionen Zellen. Wenn sie beschädigt oder zu alt sind, töten sie sich selbst. Bis zu 50 Millionen Zellen werden täglich neu gebildet, um ausgediente oder fehlerhafte Exemplare zu ersetzen. Wenn alles reibungslos verläuft, fügt sich die neue Zelle an ihrem Platz ein und leistet ihre Arbeit – zum Beispiel in der Lunge, in der Leber, im Gehirn oder in den Knochen.

Auf Chaos programmiert

Doch Krebszellen tun das nicht: Sie sind auf Chaos programmiert, teilen sich ständig, ungezügelt und unnötig. Ihr Selbstmordprogramm ist abgeschaltet. Erhalten sie genügend Sauerstoff und Energie, vervielfältigen sie sich immer weiter – trotz schwerer Schäden, die sie nun unendlich kopieren und weitergeben.

Gestörte Kommunikation

Gesunde Zellen haben eine Art Sozialverhalten: Sie sind kommunikativ und tauschen über Kontaktstellen und Kanäle an ihren Oberflächen Botschaften aus. Wenn sie sich teilen, sorgen sie zum Beispiel dafür, dass sie ihren Nachbarn nicht zu nahe kommen: Sie schicken chemische Stoppsignale an ihre Nachbarn. Das verhindert unnötige Teilungen. Auf diese Weise begrenzen sich die Zellen gegenseitig in ihrer Anzahl. Normale Zellen sind außerdem spezialisiert: Sie sind präzise auf die Bedürfnisse des Organs ausgerichtet, zu dem sie gehören. Herzzellen zum Beispiel können sich rhythmisch zusammenziehen, Knochenzellen bilden ein dichtes Balkengerüst, Lungenzellen tragen eine feine Schleimhaut.

Krebszellen sind ganz anders: Auf Signale der anderen Zellen reagieren sie nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben verweigern sie. Stattdessen wachsen sie zu einem nutzlosen Zellhaufen heran – dem Tumor.

Blinde Passagiere

Beschädigte Zellen kreisen ununterbrochen durch den Organismus. Sie senden Signale aus, die zeigen, dass sie krank, entartet oder beschädigt sind. Das Abwehrsystem markiert die betroffenen Zellen und zerstört sie in einer Signalkette aus verschiedenen Immun- und Killerzellen.

Krebszellen aber können solche Signalstoffe unterdrücken, die auf sie hinweisen. Manche verändern immer wieder ihre Oberflächenstruktur, um den Wächtern des Immunsystems zu entgehen, oder sie scheiden Hemmsubstanzen aus, um sich die Abwehrzellen vom Leib zu halten.

Anzapfen der Blutgefäße

Sobald ein Haufen von Zellen zu einem Tumor heranwächst, beginnt ein Kampf um Ressourcen. Gesunde Zellen sind genügsam, sie erhalten ihren Sauerstoff und ihre Nahrung über die Blutgefäße, die das Organ versorgen. Doch ein Tumor wächst ständig und verbraucht viel Energie durch die häufigen Zellteilungen. Darum zapfen die Krebszellen nahe gelegene Blutgefäße an und produzieren chemische Stoffe, die das Wachstum von weiteren Blutgefäßen anregen. Diese bilden irgendwann ein eigenes Versorgungsnetz für den Tumor.


Quelle: nach Medizin Medien Austria, krebs:hilfe! 1/2006

Wandernde Tumorzellen

Die letzte Stufe der Krebsentwicklung ist erreicht, wenn sich Zellen von dem Tumor ablösen und über Blut- und Lymphbahn in andere Körperregionen gelangen. Während gesunde Zellen an ihr jeweiliges Organ angepasst sind und dort bleiben – sie wandern nicht, wenn es sich nicht um Blutoder Lymphzellen handelt –, können manche Tumorzellen ihren Körper sogar zusammenziehen und sich wie eine Amöbe auf diese Weise fortbewegen. Biologen kennen diese Fähigkeit von den weißen Blutkörperchen – die Krebszelle eignet sich also für ihre Verbreitung eine Überlebenstechnik an, die eigentlich zu einem ganz anderen Zelltyp gehört.

Warum sich Tumorzellen überhaupt auf Wanderschaft machen, ist bislang noch nicht geklärt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert ein aufwendiges Forschungsprojekt der Universität Freiburg und des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie, um diese Frage zu klären. Bekannt ist bisher nur, dass es Parallelen zwischen dem Krebswachstum und der Embryonalentwicklung gibt.

Metastasenbildung

Die Zelldifferenzierung im Ungeborenen durch Wanderung (Morphogenese) ist präzise reguliert, unter anderem durch ein Programm, das »epitheliale mesenchymale Transition« (EMT) heißt. Wird dies fälschlicherweise in den Krebszellen reaktiviert, durchlaufen die Zellen eine ganze Palette von Veränderungen, die es ihnen ermöglichen, mobil zu werden. Zum Beispiel verlieren sie die Haftung an ihre Nachbarzellen. Durch andere Gewebsschichten dringen sie, indem sie Proteasen absondern – das sind Enzyme, die Membranen auflösen. Diese Prozesse werden vermutlich durch irregeleitete Signalketten des Immunsystems unterstützt.

Streuen der Geschwulst

Doch auch, wenn die Krebszelle mobil wird, ist damit noch lange nicht gesagt, dass sie sich an anderer Stelle anheften kann. Gehäuft bilden sich Metastasen deshalb dort, wo Blut- oder Lymphstrom besonders langsam fließen, oder die Gefäße besonders eng sind, beispielsweise in den Kapillaren, feinsten Gefäßen, und Lymphknoten. So ist die Lunge so häufig betroffen, weil sie das erste Kapillargeflecht ist, welches das Blut von vielen Organen kommend erreicht. Ein anderer typischer Ansiedelungsort ist die Leber, die der Blutstrom aus dem Dickdarm als erstes Organ durchfließt. An ihrem neuen Platz bildet die Krebszelle dann eine Tochtergeschwulst – die gefürchtete Metastase.

Gut und Böse

Tumoren lassen sich in gutartig (lateinisch: benigne) und bösartig (maligne) unterscheiden. Gutartige Tumoren kopieren meist genau das Gewebe, aus dem sie entstehen. Entsprechend sind die einzelnen Zellen gut entwickelt und gesunden Zellen sogar zum Verwechseln ähnlich. Gutartige Tumoren wachsen in der Regel langsam, haben klare Grenzen und sind auf das betroffene Organ beschränkt. Sie zerstören also die Umgebung nicht und verursachen lange Zeit keine oder zumindest nur wenige Beschwerden.

Langsames Wachstum

Gutartige Geschwulste bilden keine Metastasen. Sie lassen sich meist durch einen chirurgischen Eingriff gut entfernen und sind selten lebensbedrohlich. Durch ihr Wachstum können allerdings benachbarte Organe oder Blutgefäße abgedrückt und dadurch andere Organe in der Umgebung geschädigt werden. Gefährlich wird das, wenn für Wachstum der Platz fehlt – zum Beispiel im Kopf. Ein Hirntumor kann wichtige Regionen des Nervengewebes von der Blutversorgung abschneiden und auf diese Weise auch tödlich sein. Beispiele für gutartige Tumoren sind die Fettgeschwulst, also das Lipom des Fettgewebes, und der Nävuszellnävus der Haut – auch als Leberfleck oder Muttermal bezeichnet.

Isolierter Genschaden

Krebs ist eine Krankheit der Gene, aber keine Erbkrankheit. Denn dabei verändert sich nur die Erbsubstanz einzelner Körperzellen, nicht aber die Erbsubstanz des ganzen Körpers. Krebs wird also nur in sehr seltenen Ausnahmefällen direkt von der Mutter oder dem Vater auf das Kind übertragen. Meistens ist Krebs ein Leiden des höheren Lebensalters. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Männern bei 66, bei Frauen bei 67 Jahren, so das Robert Koch-Institut. Der Zusammenhang zwischen Lebensalter und Krebs lässt vermuten, dass die Kontroll- und Abwehrmechanismen des Körpers irgendwann erschöpft sind.

Krebs im Alter

Weil immer mehr Menschen länger leben, steigt die Zahl der Krebskranken in der Bevölkerung der westlichen Industrieländer insgesamt rapid. Ältere Patienten kommen aber in Therapiestudien nur selten vor. Dies liegt unter anderem daran, dass ältere Patienten Grunderkrankungen haben, die eine Behandlung mit den intensiven Therapiekonzepten der Onkologie nicht erlauben. Für diese wachsende Patientengruppe müssen die Behandlungsstrategien angepasst und weiterentwickelt werden.

Mehr als 200 Arten

Weil jeder Mensch genetisch verschieden ist, ist kein einziger Krebsfall identisch mit einem anderen. Außerdem gibt es so viele Tumorarten, wie es Zelltypen gibt: mehr als 200 verschiedene.

Generell lassen sie sich in Karzinome unterscheiden (ausgehend vom Deckgewebe von Haut und Schleimhaut), Sarkome (aus Bindegewebe, Knochen und Muskel), Lymphome (in Lymphdrüsen) und Leukämien (Krebs der Blutzellen).

40 Jahre »Krieg gegen den Krebs« – was hat sich getan?

Jahrzehntelang hatten sich die Fronten zwischen der Medizin und der Krankheit, die sie bekämpfen wollten, kaum verschoben. Der »war on cancer«, zu dem der US-amerikanische Präsident Richard Nixon 1971 aufgerufen hatte, ist auch 40 Jahre später längst nicht gewonnen – trotz der 100 Milliarden Dollar, die allein das National Cancer Institute bisher in die Forschung investiert hat.

Zwar ist die Rate der an einem Tumor Verstorbenen in der US-Bevölkerung um rund 18 Prozent gesunken (1974 - 2006, Daten des National Cancer Institutes). Bei anderen Volksleiden waren die Erfolge aber deutlich größer: So sank im Vergleichszeitraum, schreibt die New York Times, die Rate der Opfer durch Lungenentzündung oder Grippe um 58 Prozent und die der Herz-Kreislauf-Toten sogar um 64 Prozent. Krebs ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Das macht es unmöglich, so zeigt sich immer deutlicher, ein »Patentrezept« dagegen zu entwickeln.

Immerhin wird in Deutschland heute jeder zweite Krebs erfolgreich behandelt, was in der statistischen Interpretation bedeutet, dass zumindest fünf Jahre lang kein erneuter Tumor auftritt. Das betrifft 60 Prozent der weiblichen und 53 Prozent der männlichen Tumorpatienten (2000-2004, Zahlen des Robert Koch-Instituts). Die Onkologie kann sich auch einige spektakuläre Erfolge auf die Fahnen schreiben: Über 90 Prozent der Männer mit Hodenkrebs besiegen heute die Krankheit, 1960 lag die Sterblichkeit noch deutlich höher (rund 58 Prozent). Neuartige Medikamente halten die chronische myeloische Leukämie jahrelang in Schach, und die Überlebensraten bei krebskranken Kindern sind deutlich gestiegen: von 67 Prozent in den 80er-Jahren auf nunmehr 80 Prozent.

Erfreulich sind auch die Zahlen bei Brustkrebs: Die Sterblichkeit ist hier in den vergangenen 30 Jahren um fast ein Drittel gefallen. Inzwischen überleben 83 bis 87 Prozent der Brustkrebspatientinnen (2005-2006, Zahlen des Robert Koch-Instituts von 2010) dank spezialisierter zielgerichteter Therapien, zum Beispiel antihormoneller Medikamente. Vor allem die verbesserte Früherkennung hat die Behandlungschancen deutlich erhöht.

Hat der Tumor jedoch bereits gestreut, wenn die Therapie beginnt, bleiben ihre Chancen eingeschränkt: Die Überlebensrate bei metastasierendem Dickdarm- (rund 10 Prozent) oder Prostatakrebs (rund 30 Prozent) hat sich in 40 Jahren kaum verbessert, geschweige denn die von Lungenkrebs, die immer noch unter 10 Prozent liegt. Grund dafür ist, dass die onkologische Therapie, wenn der Tumor nicht mehr lokal begrenzt ist, den gesamten Organismus erfasst. Sie wirkt dann »systemisch«, um alle oder möglichst viele Absiedelungen (Metastasen) zu erfassen. Häufig wird der Körper dabei so stark geschwächt, dass das überforderte Immunsystem irgendwann kapituliert und die Krankheit dann doch siegt.

Probleme in der Tumormedizin

Eine große Schwierigkeit bei solchen systemischen Therapien besteht darin, dass sie nicht bei allen Patienten gleich wirken – warum das aber so ist, liegt häufig im Verborgenen. Gleichzeitig haben die meisten Krebskranken den Wunsch, auch jede noch so kleine Chance für sich wahrzunehmen – und noch erfüllt das Gesundheitssystem diesen Anspruch. Einige Menschenleben können zweifelsohne auf diese Weise gerettet werden, ein viel größerer Anteil an Patienten aber unterzieht sich einer (zudem sehr teuren) Chemotherapie, ohne dass sie ihnen immer helfen kann. Stattdessen schwächt sie den Organismus weiter und mindert die Lebensqualität.

Zu wenig Versorgungsforschung

Hinzu kommt, dass auch aus epidemiologischer Sicht nur unzureichend erfasst wird, ob jede Tumortherapie wirklich Erfolg hat. Zwar halten die Kliniken fest, was bei der routinemäßigen Behandlung ihrer Patienten herauskam. Weil aber das nationale Krebsregister wegen jahrzehntelanger politischer Debatten immer noch unzureichend ist, lassen sich die Ergebnisse nicht bundesweit vergleichen und in der ganzen Fülle auswerten. Während man in den Niederlanden etwa verpflichtet ist, jede Krebsbehandlung zu melden und Daten über erfolgte Therapien und verabreichte Medikamente zu erfassen, wird in Deutschland nur die Ersterkrankung registriert.

CHEMO- UND STRAHLENTHERAPIE

Bis zu 60 Prozent aller Krebspatienten werden im Verlauf ihrer Behandlung bestrahlt. Seit der Erfindung der Röntgenstrahlen sind die Bestrahlungstechniken perfektioniert und verfeinert worden. Heute werden je nach Therapieziel Elektronen oder Neutronen, Protonen oder schwere Ionen eingesetzt. Über dreidimensionale Computermessverfahren können Bestrahlungen viel präziser als früher dosiert und ausgerichtet werden.

Die Strahlentherapie wirkt gegen Krebs, indem sie in den Tumorzellen Moleküle zerschlägt und dabei energiereiche freie Radikale produziert, die dann über verschiedenste Prozesse die DNS als Trägerin der Erbsubstanz beschädigen. Bei der nächsten Zellteilung führt dann die Häufung verschiedenster Fehler beim Ablesen des DNS-Strangs dazu, dass die Zelle abstirbt.

Bestrahlung in Etappen

Auch das umliegende gesunde Gewebe wird in Mitleidenschaft gezogen, doch in der Regel verfügt es über bessere Reparaturmechanismen als die Tumorzellen. Um den gesunden Zellen Zeit zur Erholung zu geben, aber auch um möglichst sämtliche Phasen der Zellteilung im Tumor zu erreichen, wird die Bestrahlung auf mehrere Behandlungen verteilt (fraktioniert). Die Dauer kann wenige Tage, aber auch bis zu zwei Monate betragen.

Wie tief eine Bestrahlung reicht und in welcher Region des Körpers sie den Großteil ihrer Energie abgibt, hängt von den gewählten Strahlenquellen und der Art der Behandlung ab. Ihren Schwerpunkt hat die Strahlentherapie neben der Behandlung von Brust-, Prostata- und Enddarmkrebs bei inoperablen Tumoren im Gehirn sowie im übrigen Kopf- und Halsbereich. Doch sie kann auch nach einer Operation ergänzend (adjuvant) eingesetzt werden, um eventuell verbliebene Krebszellen zu vernichten, oder in bestimmten Fällen mit einer Chemotherapie oder Hyperthermie (Überwärmung) zur Wirkungsverbesserung kombiniert werden.

Nebenwirkungen und Folgen

Als Nebenwirkungen können chronische Müdigkeit (Fatigue), Blutarmut (Anämie) sowie Übelkeit und Erbrechen auftreten, je nach Zielgebiet auch Schleimhautschäden und Hautreizungen. Erst nach etwa sechs Monaten treten Spätfolgen wie Vernarbungen (Fibrosen) im Unterhaut- oder Organgewebe auf, auch Funktionsstörungen der Schilddrüse und Hormonprobleme. Ein späterer Kinderwunsch sollte wegen möglicher Schäden der Fruchtbarkeitsorgane frühzeitig ausführlich besprochen werden. In etwa 0,5 bis 1,5 Prozent der Fälle, wird geschätzt, führt die Strahlentherapie langfristig auch selbst zu Tumoren.

Gift auf Rezept

Die Geschichte des medizinischen Einsatzes von Zellgiften (Zytostatika) begann mit einer Explosion: Im Hafen der italienischen Stadt Bari explodierte 1943 nach einem Bombenangriff ein Schiff mit 100 Tonnen Senfgas. Das Gas breitete sich aus, es kam zu zahlreichen Opfern. Die Betroffenen litten unter einer schweren, akuten Immunschwäche. Das Gas hatte vor allem diejenigen Zellen geschädigt, die sich schnell teilten, wie etwa die weißen Blutkörperchen. Weil sich auch Krebszellen rasch vervielfältigen, begann man, mit Senfgas als Therapeutikum zu experimentieren.

Auch die meisten der modernen Wirkstoffe beruhen auf diesem Prinzip. Wie in der Strahlenmedizin findet die Chemotherapie in Intervallen (Zyklen) statt, um möglichst viele Phasen der Zellteilung des Tumors zu treffen. Meistens werden die Mittel direkt in die Blutbahn injiziert (intravenös), es gibt aber auch einzelne Zytostatika als Tabletten (oral).


Eine Prostatakrebszelle teilt sich: Strahlen- und Chemotherapie führen jedoch zum Absterben der sich teilenden Zellen.

Störung der Zellteilung

Weil diese Art der »systemischen« Therapie auf den gesamten Organismus wirkt, schädigen Chemotherapeutika auch gesunde Zellen – vor allem solche, die sich oft reproduzieren. So kommt es vorübergehend zu Haarausfall, Magen-Darm-Beschwerden oder Immunschwäche.

Chemotherapeutika haben ein schmales Wirkungsspektrum: Über einen ziemlich großen Dosisbereich zeigen sie (noch) keine Wirkung, umgekehrt ist aber auch rasch der Punkt erreicht, wo sie keine weitere Wirkung haben und zu giftig sind. Das zeigt, wie wichtig es ist, mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auszuschließen. Ob der jeweilige Tumor dann auf die Behandlung anspricht, wird zunehmend versucht, durch neuartige Gentests vorauszusagen. (siehe Kapitel: Brustkrebs)

Wehrhafte Tumorzelle

Den Angriffen durch Strahlen oder Gift ist die Krebszelle nicht wehrlos ausgesetzt. Weil sie bei ihren vielen Zellteilungen sehr viel Energie verbraucht, hat sie zum Beispiel einen sehr intensiven Stoffwechsel – dabei entledigt sie sich häufig leider auch der gegen sie gerichteten Zellgifte.

Manche Tumoren wehren sämtliche Arten von Zytostatika ab – man nennt das »Multidrugresistenz«. Man kennt inzwischen mindestens 50 verschiedene Eiweißstoffe und auch Genmutationen, die dafür verantwortlich gemacht werden. Zum Beispiel verändern sie Zellwände so, dass diese keine Giftstoffe mehr durchlassen. Einige Zellen tief im Inneren der Tumoren werden nur schlecht mit Blut versorgt und deshalb von den Zellgiften nicht erreicht. Dort »schlafen« auch die Krebsstammzellen. Irgendwann, oft erst nach Jahren, können sie plötzlich erwachen und sich zu teilen beginnen. Dann kommt es zu einem »Rezidiv«, der Krebs kehrt zurück.

Wirkstoff im Huckepack

Um ein möglichst breites Spektrum an Krebszellen zu erreichen und ihre Abwehrmechanismen zu unterlaufen, enthalten Zytostatika häufig mehrere Wirkstoffe. Eine Kombination von Chemotherapie und Bestrahlung kann Krebszellen empfindlicher machen. Außerdem suchen Tumorbiologen nach geeigneten Trägersubstanzen, denen es gelingt, in die Zellen einzudringen, und die dabei – sozusagen huckepack – chemotherapeutische Wirkstoffe transportieren können.

Giftbilanz

Chemotherapien werden mit dem Ziel der Heilung eingesetzt, manchmal als Ergänzung zu einer Operation (adjuvant), um das Rückfallrisiko zu senken, oder »neoadjuvant«: Dann soll ein Tumor noch vor einer Operation verkleinert werden oder das Risiko von Metastasen so rasch wie möglich gesenkt werden.

Zytostatika sind bei einigen Tumoren sehr effektiv, etwa bei der Behandlung von Leukämien im Kindesalter, von Morbus Hodgkin oder Keimzelltumoren – mit Heilungsraten von 60 bis 90 Prozent. Bei anderen häufig vorkommenden Karzinomen, wie etwa Blasen-, Kolon-, Lungen-, Nieren-, Pankreas-, Gallengang- oder Magenkrebs, oder den Sarkomen haben sie sich jedoch nur bedingt bewährt.

Unerwünschte Wirkungen

Übelkeit und Erbrechen entstehen dadurch, dass Zellen der Darmschleimhaut geschädigt werden und Botenstoffe (Serotonine) freisetzen, die das Brechzentrum im Gehirn reizen. Zellgifte führen außerdem zu einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten), was die Blutgerinnung beeinträchtigt. Eine erhöhte Infektanfälligkeit entsteht durch die Schädigung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), vor allem der neutrophilen Granulozyten, die als Immunzellen dienen. Auch die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) werden durch die Zellgifte in Mitleidenschaft gezogen. Wenn ihre Reifung im Knochenmark gebremst wird (oder die Nieren geschädigt werden, die durch Ausschüttung des Hormons Erythropoetin die Neubildung der Blutkörperchen anregen), kommt es zu Sauerstoffmangel im Organismus. Dann fehlt der in den Erythrozyten enthaltene rote Blutfarbstoff Hämoglobin, der den Sauerstoff bindet und durch den Körper transportiert. Das kann zu chronischer Müdigkeit und starker Abgeschlagenheit (Fatigue) führen. Gefürchtet sind auch Auswirkungen auf das Herz, etwa eine Herzmuskelschwäche.

Zielkonflikte

Weil die Chemotherapie auf den gesamten Organismus wirkt, ist sie immer auch ein Wettlauf zwischen Zerstörung und Heilung – in der Hoffnung, dass die gesunden Zellen sich schneller erholen können als die Tumorzellen.

Für diesen Zielkonflikt gibt es unterschiedliche Lösungsansätze: Volker Möbus, Leiter der Gynäkologie der Städtischen Kliniken Frankfurt, plädiert zum Beispiel bei Brustkrebs in bestimmten Situationen für verkürzte Zyklen und höhere Dosen, will den Zellbeschuss also intensivieren.

Robert Gatenby, mathematischer Onkologe am Moffit Cancer Center in Tampa/Florida, geht den genau umgekehrten Weg: Er plädiert dafür, Zytostatika (kombiniert mit anderen Medikamenten) lieber in kleineren Dosen zu verabreichen. Diese adaptive Therapie (metronome Therapie) würde den Krebs zwar nicht zum Verschwinden bringen, aber die Lebenszeit verlängern und die Qualität verbessern. Sie wird vor allem in fortgeschrittener Erkrankungssituation angewendet.

Signalwege zum Zelltod

Dass Krebs trotz massiver Therapien so schwer auszumerzen ist, liegt daran, dass an einer Tumorerkrankung viele Faktoren beteiligt sind. Eine besondere Rolle spielen dabei Störungen des biologisch programmierten Zelltods (Apoptose). Als eines der Schlüsselgene, die für das kontrollierte Absterben kranker oder durch Zytostatika geschädigter Zellen verantwortlich sind, gilt das Gen »p53«. Es existieren jedoch mehrere Signalwege, auf denen eine geschädigte Zelle in den Prozess des programmierten Zelltods eintreten kann.

Häufig nicht weiterverfolgt wird hierzulande, wenn bei einem Patienten der Krebs zurückkehrt. Der Patient braucht nur das Bundesland zu wechseln – zum Beispiel weil er glaubt, dass bei der ersten Therapie Fehler gemacht wurden. Dieselbe Person gilt dann in einem Klinik-Krebsregister als geheilt, im anderen als Patient mit schwerwiegendem Verlauf. Die Versorgungsforschung, die sich mit den gesamten Rahmenbedingungen von Gesundheit und Krankheit beschäftigt und sie auf Schwachstellen und Redundanzen hin überprüft, wurde in Deutschland erst zu Beginn des neuen Jahrtausends auf den Weg gebracht.

Ein funktionierendes Qualitätsmanagement in der Medizin ist in Deutschland erst durch den steigenden Kostendruck zum Thema geworden und steckt vielerorts noch in den Kinderschuhen.

Qualität wird nicht honoriert

Wären all diese Faktoren optimiert, so ließe sich ohne Zweifel nachweisen, dass die Krebsmedizin in Deutschland von sehr unterschiedlicher Qualität ist, aber dennoch von den Krankenkassen gleich vergütet werden muss. Das vergeudet nicht nur Geld, sondern auch Menschenleben. Die Daten, die das an einzelnen Krebsarten belegen, werden jedoch selten öffentlich – zu groß ist der Druck von Niedergelassenen und kleineren Kliniken auf die Gesundheitspolitik. Nachgewiesen und publiziert ist jedoch die Tatsache, dass Patienten an spezialisierten Krebszentren besser behandelt werden als im Gros der regionalen Kliniken oder Praxen. Das gilt vor allem für diejenigen, die an einer Studie teilgenommen haben.

Neue Behandlungsstrategien der Krebsmedizin

Nur Zentren, die auf dem neuesten Stand der Krebsforschung sind, bieten die Chance, die individuellen Behandlungschancen auszuschöpfen. Neue Methoden benützen Erkenntnisse der Molekularbiologie, um gezielter als bisher möglich am Tumor selbst wirksam zu werden und den Radius der Behandlung zu begrenzen. Diese zielgerichteten Ansätze, oft mit dem englischen Begriff »targeted therapies« belegt, nutzen zum Beispiel neue Verfahren, um Tumorzellen im Körper aufzuspüren, noch bevor sie auf irgendeinem Röntgenbild sichtbar werden – zum Beispiel durch Antikörper. Das sind maßgeschneiderte Moleküle, die sich im Organismus auf die Suche nach ihrem passenden Gegenstück (einem Teil der Krebszelle) machen und dann dort andocken. Dieses Verfahren kann vielfach nutzbar gemacht werden: Es kann Tumorzellen identifizieren, Funktionen in ihrem Stoffwechsel lahmlegen oder auch Abwehrzellen anlocken, um den Tumor zu zerstören.

Der Trend: individualisierte Medizin

Noch sind viele dieser Methoden in der Erprobung, andere erweisen sich bisher nur bei manchen der Tumorarten als erfolgreich, oder sie stehen auch nur in wenigen spezialisierten Zentren zur Verfügung. Doch der Trend ist eindeutig: Die Art und Weise, wie die Medizin Krebs behandelt, wandelt sich. Während heute von zehn Patienten mit einem Magenkarzinom vielleicht acht auf dieselbe Art und Weise behandelt werden, wird das in zehn Jahren schon völlig anders sein. Tumorgenetiker prognostizieren, dass dann jeder von ihnen völlig unterschiedlich therapiert werden könnte, je nach individuellem Stoffwechsel. Dann nämlich, wenn immer mehr der »Schalter« aufgeklärt werden, die in einer Art Kettenreaktion dazu führen, dass Krebs entsteht.

Weniger der Tumor selbst, sondern vor allem die Signalketten der Krebsentstehung stehen im Fokus moderner Forschung: Welche Faktoren setzen die körpereigenen Reparaturmechanismen außer Kraft, wenn eine Zelle beginnt, sich ungehemmt zu teilen? Was erlaubt einer vagabundierenden Tumorzelle, sich irgendwo im Gewebe anzuheften? Wie »organisiert« sie ihre Nährstoffversorgung, lässt neue Gefäße sprießen, die sie mit Blut versorgen? Auf welche Weise können Urzellen des Tumors, sogenannte Krebsstammzellen, sich jahrelang im Körper verstecken, um dann plötzlich zum erneuten Ausbruch der Krankheit zu führen?

Manchmal gelingt es, eine Schlüsselstelle im Krebsgeschehen zu blockieren – wie das etwa der Wirkstoff Imatinib bei der chronisch myeloischen Leukämie tut. Hier wurden 20 Jahre Forschung investiert, um einer relativ kleinen Patientengruppe zu deutlichen Fortschritten in Überlebenszeit und Lebensqualität zu verhelfen. Mittel- und langfristig zeichnet sich der Paradigmenwechsel in der Tumormedizin jedoch eher durch intelligentes Kombinieren verschiedenster Strategien aus – und Medikamente sind nur ein Teil davon. Eine wichtige Rolle spielen neben verbesserter Früherkennung neuartige diagnostische Instrumente – die zum Beispiel anhand von Genprofilen Prognosen darüber treffen, ob eine bestimmte Chemotherapie anschlagen wird oder nicht.

Die therapeutischen Möglichkeiten werden sich in eine Vielzahl möglicher Strategien auffächern, die immer genauer auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sein werden. Da dem Organismus vieler älterer Patienten – bedingt durch Verschleiß oder andere Grunderkrankungen – keine »harten« systemischen Therapien mehr zuzumuten sind (medically non-fit), wird die Tumormedizin in Zukunft immer stärker abwägen, welche Risiken mit einer Behandlung verbunden sind, die das Ausmerzen der Krebserkrankung zum Ziel hat. Immer häufiger wird sie den Patienten Behandlungswege anbieten, die auf eine »Koexistenz« abzielen – den Tumor und mögliche Metastasen nicht völlig vernichten, sie aber längerfristig »einfrieren«, indem zentrale Signalketten blockiert werden.

Grundlage solcher Strategien ist einerseits die Genetik beziehungsweise die molekularbiologische Entschlüsselung der individuellen Entwicklungsgeschichte der Krankheit Krebs. Aber auch der Lebensstil wird immer wichtiger, das, was jeder einzelne Patient zu seinem Wohlbefinden beitragen kann. Die Erkenntnisse der Epigenetik zeigen seit einigen Jahren auf beeindruckende Weise, dass Umwelt und Verhalten gravierenden Einfluss auf das Erbgut haben – auf die Frage nämlich, welche Gene zu welchem Zeitpunkt an- und abgeschaltet werden, aktiv oder stumm werden.

Neue Perspektiven der modernen Naturheilkunde

Vor dem Hintergrund dieser zunehmend »individualisierten« Medizin erlangen auch die Therapien der Naturheilkunde eine neue Legitimierung. Sie zielen in der Regel nicht auf ein akutes, lokales Krankheitsgeschehen ab, sondern wecken oder stärken die Regulationsfähigkeit des Körpers. Das fördert mittel- und langfristig nicht nur die Lebensqualität, sondern stärkt auch die Abwehrkräfte. Die Naturheilkunde setzt dabei von jeher auf die unterschiedliche Konstitution des Patienten, bemüht sich, der Individualität jedes Menschen Rechnung zu tragen. Sie erkennt in der Art und Weise, wie ein Körper reagiert, auch viele Einflüsse seiner Umwelt und therapiert deshalb »ganzheitlich« – von innen und von außen.

Integration statt Abgrenzung

Die USA sind Vorreiter in der individualisierten Medizin, sowohl in der Tumorbiologie als auch beim Einsatz traditioneller Heilverfahren, die dort meist als »Komplementärmedizin« (CAM, complementary and alternative medicine) bezeichnet werden. Unter dem Druck des enormen Patienteninteresses wurde die Forschung auf diesem Gebiet staatlich gefördert: Seit 1992 gibt es ein National Center of Complimentary and Alternative Medicine (NCCAM), das allein im Jahr 2010 128 Millionen Dollar in Studien investierte.

Das Land wissenschaftlicher Eliten mit multiethnischen Wurzeln betrachtet traditionelle Heilverfahren nicht (wie in Europa häufig üblich) isoliert und in den engen Grenzen ideengeschichtlicher Dogmen, sondern praktiziert sie in Kombination mit schulmedizinischen Verfahren und wissenschaftlich überprüft. CAM ist also nicht mit den in Deutschland als »alternativ« bezeichneten Außenseiterverfahren gleichzusetzen.

Die Reaktion auf die Nachfrage der Patienten

Weil 80 Prozent der Männer mit Prostatakrebs nach ergänzenden Therapien fragen, sah sich die einflussreiche American Urological Association gezwungen, eine onkologische CAM-Arbeitsgruppe zu gründen. 2002 wurde der erste Fachartikel über Integrative Onkologie, die Kombination aus konventionellen und naturheilkundlichen oder traditionellen Behandlungen, in einem anerkannten Journal veröffentlicht. 2003 gründete sich als internationale Fachgesellschaft eine Society for Integrative Oncology (SIO), die seither entsprechende Forschungsansätze und Erfahrungen aus der klinischen Praxis koordiniert und diskutiert. 2007 wurden von ihr die ersten Leitlinien für die klinische Praxis veröffentlicht.

KREBS UND GENETIK

Im Rahmen des internationalen Humangenomprojekts wurden in 13 Jahren 30.000 Gene mit 2,9 Milliarden Bausteinen sequenziert und identifiziert. Analyse und Interpretation dieser ungeheuren Datenmenge werden noch viele Jahre dauern. Doch um 2020, so glauben Tumorbiologen, könnten die wesentlichsten Ergebnisse vorliegen, was den Zusammenhang zwischen Krebs und Genetik angeht.

Dass Krebs so schwer zu besiegen ist, hängt auch damit zusammen, dass das ihr zugrunde liegende Prinzip der Mutation schon uralt ist und im Laufe der Jahrmillionen evolutionär das Leben auf diesem Planeten geprägt hat. Ohne dieses gäbe es keine Vielfalt in der Natur: Alles Leben bestünde aus identischen Kopien.

Vor etwa eineinhalb Milliarden Jahren jedoch begannen sich in den primitiven Mehrzellern einzelne Zellen zu spezialisieren. Das war nicht nur der Beginn der Entwicklung höherer Lebewesen, sondern zugleich auch die Grundlage der Krebsgenese. Denn ein Tumor entsteht, wenn die Zellen in einem Organismus ein Eigenleben zu führen beginnen und sich unkontrolliert vermehren.

Krebs kann sämtliche Wirbeltiere befallen und sogar bei einigen Schnecken vorkommen. Der älteste bekannte Tumor wurde in einem 150 Millionen Jahre alten Dinosaurierknochen gefunden.

Schäden an der Erbinformation

Die Nukleotide, das sind Moleküle der Erbsubstanz, bilden im Zellkern Codes aus unterschiedlichen Kombinationen der vier Nukleinsäuren A, T, G und C. Diese fügen sich zu einem geschraubten Doppelstrang (Doppelhelix) zusammen – zur Desoxyribonukleinsäure (DNS).

Täglich treten durch die verschiedensten Einflüsse mehrere zehntausend Schäden am Erbgut auf, von denen die meisten repariert werden. Trotzdem trägt jeder Mensch in seinen Zellen Fehler mit sich herum. Bei jeder Zellteilung öffnet sich der Doppelstrang, wird abgelesen und kopiert; dabei werden diese Schäden auf die Tochterzellen übertragen. Manchmal passieren währenddessen auch Kopierfehler, und Abschnitte der DNS werden doppelt vervielfältigt. Lebt die Zelle in einer ungesunden Umgebung, kommen weitere Fehler hinzu – zum Beispiel durch Sonneneinstrahlung. Diese kann mit ihrer Energie die Doppelhelix auseinanderreißen. Auch Umweltgifte wie zum Beispiel Zigarettenrauch verändern das Erbgut: Das DNS-Molekül kann sich dadurch verformen. Wieder werden die Schäden bei der Teilung an die Tochterzellen weitergegeben.

Der Mensch besteht aus etwa hundert Billionen Zellen. Bei jeder Zellteilung und der Verdoppelung des menschlichen Genoms mit seinen drei Milliarden Bausteinen entstehen ungefähr 12 Fehler – das macht 1,2 Billiarden Fehler. Irgendwann führt diese Rechenlogik zu Krebs – wenn der Mensch nicht vorher an einer anderen Krankheit stirbt. Denn wenn sich die Fehler auf einem Abschnitt häufen, der für die Vermehrung der Zelle oder ihre Lebensdauer von Bedeutung ist, verliert diese eines Tages die Kontrolle und beginnt, sich unkontrolliert zu teilen: Der Zellhaufen wächst, ein Tumor entsteht.

Ausgangspunkt Stammzellen

Krebs befällt vor allem Gewebe, die sich häufig erneuern oder nach Verletzungen regenerieren müssen. Dazu verfügen sie über Stammzellen, die speziell dazu da sind, neue Zellen hervorzubringen. Sie sind langlebig, wenig spezialisiert, unbegrenzt teilungsfähig und können im Körper wandern. Diese Stammzellen sind ein idealer Ausgangspunkt für einen Tumor. In Muskeln, Knochen oder Augen sind Stammzellen nur so lange aktiv, wie der Körper im Wachstum begriffen ist. Deshalb tritt Krebs dort vor allem in Kindheit und Jugend auf.

Der Krebsgenom-Atlas

Im Jahr 2006 starteten Krebsgenetiker an amerikanischen Genomzentren und am britischen Sanger-Institut ein 100 Millionen Dollar schweres Pilotprojekt mit dem Ziel, defektes Erbgut von Tumoren zu decodieren. Erprobt wurde dabei die Logistik für ein epochales Unterfangen: »The Cancer Genome Atlas«, eine Bibliothek sämtlicher Gendefekte bei allen bekannten Krebsarten. Dafür werden in den kommenden Jahren die Gendaten von mehr als 100.000 Tumoren erfasst.

Weil dieses Projekt nicht im Alleingang zu bewältigen ist, gründeten Ende 2008 Genomzentren aus 22 Industriestaaten das International Cancer Genome Consortium. Das Ziel: Zunächst sollen die Zellfunktionen der 50 wichtigsten Tumorarten komplett dechiffriert werden. In Großbritannien und Frankreich werden Typen von Brustkrebs durchleuchtet, Chinesen kümmern sich um die Gendefekte von Magenkrebs, Japaner decodieren Leberkarzinome, Inder die Krebstypen der Mundhöhle. In Deutschland werden unter Führung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg kindliche Hirntumoren »kartiert«. Das Bundesforschungsministerium und die Deutsche Forschungsgemeinschaft haben dafür 15 Millionen Euro zugesagt.

Ziel ist es, die Proteine kennenzulernen, die der Körper anhand von krankhaft veränderten Genen herstellt, um sie sodann zielgerichtet blockieren zu können. Auch sollen Prognosen möglich werden, wie schnell die Krankheit voranschreiten wird, um den Behandlungsplan daran anzupassen. Drittens möchte man herausfinden, ob ein Patient aufgrund seines individuellen Gencodes auf eine bestimmte Behandlungsform überhaupt ansprechen kann. Um diese Ziele zu erreichen, sollen für jede Krebsart 500 Proben von erkranktem und ebenso viele von gesundem Gewebe analysiert werden.

Die »prognostische Signatur«

Um schneller zu praktischen Erfolgen zu gelangen, hat der deutsche Genforscher Hans Lehrach vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin gemeinsam mit Kollegen vom Charite Comprehensive Cancer Center (CCCC) und von der Harvard Medical School im Jahr 2009 das Treat-1000-Projekt gestartet. Es arbeitet mit Computermodellen, welche die wichtigsten tumorbiologischen Erkenntnisse der vergangenen Jahrzehnte enthalten, und will anhand individueller Genomdaten Prozesse in den Krebszellen simulieren und den Effekt von Wirkstoffen voraussagen. Im Zentrum stehen dabei Signalketten, eine Art Kommandostruktur, die das Geschehen in der Zelle steuert. Ob sich eine Zelle teilt, ob sie abstirbt oder sich auf Wanderschaft in andere Bereiche des Körpers begibt, hängt nach dem jetzigen Wissensstand von etwa einem Dutzend Signalketten ab, die wiederum aus verschiedenen Molekülen bestehen – Angriffspunkte für eine Krebstherapie. Gesucht wird nun nach einer Art »prognostischer Signatur«, die bei einzelnen Krebsarten ein Anzeichen für einen besonders bösartigen Verlauf darstellt.

In diesem Forschungsprojekt soll das Krebsgenom von 1000 Patienten untersucht werden. Der erste Patient, der sich für diese Forschung zur Verfügung stellte, verstarb, bevor das Computerprogramm zwei Vorschläge für Therapeutika machen konnte. Wie komplex das Krankheitsgeschehen bei Krebs ist, zeigte die Analyse seines Krebsgenoms: Dort fanden die Tumorbiologen 670 veränderte Gene, und mindestens 25 davon schienen unmittelbar am Krebsgeschehen beteiligt zu sein.

Unterschiedlichste Gendefekte

Die rund 230 bekannten Tumorarten, die nach zellbiologischen Besonderheiten unterschieden werden, sind wahrscheinlich auf unterschiedlichste Gendefekte zurückzuführen. In der Praxis bedeutet das, dass zum Beispiel Magenkrebs von Patient zu Patient unterschiedlich behandelt werden muss – wenn man die Genetik irgendwann entschlüsselt und ihre Auswirkungen verstanden haben wird. Oder das Glioblastom, ein meist tödlicher Hirntumor: Hinter dieser Krankheit, ergaben Genomanalysen, stecken mindestens vier unterschiedliche genetische Ursachen.

Im Moment jedenfalls scheint sich das bisherige Wissen der Onkologie im Fokus der Krebsgenetik aufzulösen: Jede Tumorzelle, schrieb das renommierte Wissenschaftsjournal Nature, sei ein genetisches Katastrophengebiet, übersät mit Mutationen, die sich nicht nur von einer Krebsart zur nächsten unterscheiden, sondern auch von Patient zu Patient.

Tests zur Medikamentenwirksamkeit

Ein erstes Praxisfeld für die Tumorgenetik sind Tests, die zeigen sollen, ob die Krebsgeschwulst auf ein Medikament überhaupt anspricht. Auch die großen Pharmahersteller arbeiten dabei mit den Verfahren der Genomanalyse: Sie testen zunehmend neue Präparate nur an solchen Patienten, bei denen das Genprofil des Tumors Wirksamkeit in Aussicht stellt. Vielleicht führt das auch zu einer Revision früherer klinischer Tests und so zu einer Fülle von »Lazarus-Medikamenten«. Denn Wirkstoffe, die wegen schwacher Wirksamkeit in der letzten Phase der Prüfung durchgefallen waren, könnten bei einzelnen genetisch definierten Patientengruppen dennoch wirksam sein.

Trastuzumab bei Brustkrebs zum Beispiel, aber auch Imatinib bei Leukämie oder Gefitinib bei Lungenkrebs wirken immer nur bei einem Teil der Tumorpatienten. In der vorklinischen Prüfung in Deutschland ist ein Test für Bauchspeicheldrüsenkrebs, der zeigt, ob eine Chemotherapie noch Aussicht auf Besserung bringt oder nur noch die Lebensqualität beeinträchtigt. Weil das Krebsgeschehen aber sehr komplex ist, erlauben auch solche Tests keine hundertprozentigen Aussagen.

Große Hoffnungen setzen Genforscher in die Entschlüsselung des Prozesses der Metastasierung. Tochtergeschwulste nämlich zeigen ein vom Ursprungstumor abweichendes Genprofil (Diskordanz), das zumindest bei Lungen-, Prostata- und Brustkrebs dasselbe zu sein scheint. Sollte sich diese Annahme als richtig erweisen, wäre es möglich, eine gemeinsame Strategie gegen die Tochtergeschwulste zu finden.

Hoffnungen für die Zukunft

Die Sequenziertechnik, die diese Genanalysen ermöglicht, entwickelt sich mit Lichtgeschwindigkeit: Schon 2013 sollen sämtliche Gendaten eines Patienten in wenigen Minuten zu ermitteln sein. Die Kosten dafür, so wird erwartet, werden von Tausenden von Dollar auf weniger als 100 sinken.

Mit der Geschwindigkeit im Ablesen von Genfehlern können die therapeutischen Antworten jedoch nicht mithalten: Obwohl man inzwischen Defekte in rund 350 Genen kennt, die mit Krebs in Verbindung gebracht werden, hängt es von vielen weiteren individuellen Faktoren ab, ob sich ein Tumor entwickelt. Erst wenn dieses »Mutationsspektrum« bekannt ist, kann eine Therapie zielgerichtet bestimmt werden.

Integration in ein gemeinsames Konzept

Donald Abrams, Medizinprofessor an der University of California und Leiter der Abteilung für Hämatologie/Onkologie am General Hospital in San Fransisco, betont, dass die Integrative Onkologie evidenzbasiert ist, das heißt, sie gründet sich auf wissenschaftlich überprüfte Studien. Wo sie nicht vorliegen, können auch gut dokumentierte Verfahren der Erfahrungsmedizin zum Einsatz kommen – wenn das mit einer Therapie verbundene Risiko gering ist.

In der Integrativen Onkologie versteht sich die Naturheilkunde nicht als Gegensatz zur, sondern als selbstverständlicher Bestandteil der onkologischen Heilkunde, wissenschaftlich evaluiert und abgestimmt mit den klassischen Methoden wie Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung. Zugleich aber erweitert sie die herkömmliche Onkologie, indem sie neben der Krebszelle den ganzen Körper, neben der Psyche auch den Geist, neben der stofflichen Seite des Menschen auch seine energetischen Ebenen berührt.

Während sich die Hochleistungsmedizin auf ihre Weise immer stärker ausdifferenziert und personalisiert, nähert sich die Naturheilkunde diesem Ziel, indem sie die individuellen Stärken der Patienten zu wecken sucht und diese zu Mitstreitern gegen die Krankheit macht, Seite an Seite mit dem Arzt.

Krebskliniken mit Vorreiterrolle

Viele führende Krebskliniken der USA haben Abteilungen für Integrative Onkologie gegründet, wo dieser Ansatz praktiziert, weiter erforscht und auch multiprofessionell gelehrt wird. Ein Leukämiepatient war der Initiator der ersten – im Dana-Farber Cancer Institute in Boston. Leonard P. Zakim, als Leiter einer Menschenrechtsorganisation ein erfahrener Lobbyist, suchte 1995 gemeinsam mit seinem Arzt nach Möglichkeiten, sich selbst intensiver an seiner Behandlung zu beteiligen. Es gelang ihm, ein multidisziplinäres Team für seine Idee zu begeistern und eine Million Dollar an Spenden aufzutreiben. Er lebte noch drei Jahre. Ein Jahr nach seinem Tod eröffnete die Harvard Medical School 1999 das Leonard P. Zakim Center for Integrative Therapies. Dessen Ziel ist insbesondere die Integration komplementärer Behandlungsansätze (vor allem der chinesischen Medizin).

Eine der renommiertesten Krebskliniken ist das Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York. 1884 gegründet, ist es die älteste und größte private Institution dieser Art weltweit. Auch sie unterhält seit 1999 eine Abteilung für Integrative Medizin, in der ein Schwerpunkt die Behandlung von Krebskrankheiten ist. 17.000 Patienten werden dort jährlich von rund 50 Mitarbeitern betreut.

Ein wichtiger Schwerpunkt im »Sloan-Kettering« ist die Beschäftigung mit der Kräutermedizin. Eine auch für Laien verständliche Internetseite zu diesem Thema (www.MSKCC.org/aboutherbs) hat in den USA Schlagzeilen gemacht: Sie wurde bereits ein Jahr nach ihrer Gründung im Scientific American zu einer der fünf besten US-Medizinseiten gekürt. 2008 wählten sie die Wissenschaftsautoren der New York Times zudem zu einer von neun Top-Informationsseiten im Bereich Gesundheit. Die Internetseite bietet über 240 Monografien zu Kräutern, Vitaminen, Mineralstoffen, aber auch zu ungeprüften Verfahren im Bereich der Krebsmedizin auf der Basis nachvollziehbarer wissenschaftlicher Daten. Der Zugang ist kostenlos.

Im MD Anderson Cancer Center der Universität Texas stehen Kooperation und Kommunikation im Mittelpunkt eines patientenzentrierten Ansatzes der Krebsbehandlung. Neben den klassischen onkologischen Behandlungen kommen dort seit 1998 viele unterstützende Verfahren wie Akupunktur, Physiotherapie, Ernährungsmedizin oder Mind-Body-Medizin zum Einsatz. Die CIMER-Website (www.mdanderson.org/cimer) informiert nicht nur alle interessierten Laien über wichtige Studienergebnisse und unerwünschte Wechselwirkungen zwischen naturheilkundlichen und onkologischen Therapien. Sie liefert auch Basiswissen für die Therapeuten der Onkologie und der Naturheilkunde.

Die Johns Hopkins Medical Institutions in Maryland gehören zu den traditionsreichsten medizinischen Einrichtungen der USA, gegründet 1889 in Baltimore/Maryland. Inzwischen umfasst sie auch eine medizinische Fakultät, eine Akademie für die Pflegeausbildung und ein Institut für Public Health (Gesundheitswissenschaften). 1999 entstand der Plan, ein Forschungszentrum für komplementäre Medizin zu gründen. Dieses wurde durch stationäre und ambulante Kliniken ergänzt. Behandlungsschwerpunkte sind Akupunktur, Massage und Mind-Body-Medizin.

Die Mayo-Klinik in Minnesota ist berühmt für ihren besonders hohen Anspruch an eine wissenschaftlich fundierte evidenzbasierte Medizin. Sie pflegt darüber hinaus in besonderem Maße die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten, Physikern, Biologen und Labormedizinern. 2002 nahm sie die evidenzbasierte Forschung zur Komplementärmedizin auf sowie klinische Studien auf diesem Gebiet. Seit 2004 existiert eine Beratungsstelle für Patienten.

Wissenschaft statt Magie

Auch in Deutschland hat die Naturheilkunde das Reich der Kräuterweiblein und der Magie längst verlassen und die Wissenschaft erobert. Seit 2003 ist sie anerkannter Teil der Medizinausbildung, und die Zahl der Lehrstühle wächst: 1989 Lehrstuhl für Naturheilkunde mit angeschlossener Akutklinik an der FU Berlin; 2002 Universität Rostock mit dem Schwerpunkt Rehabilitation; 2004 Stiftungsprofessur und Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Duisburg-Essen; 2005 Kompetenzzentrum für Naturheilverfahren an der Universität Jena; 2008 drei Stiftungsprofessuren zur Erforschung der Komplementärmedizin, zur Klinischen Naturheilkunde sowie zur Naturheilkunde an der Charite Berlin; 2009 Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin an der Universität Witten-Herdecke; 2010 Stiftungsprofessur für Naturheilkunde und Komplementärmedizin an der Technischen Universität München. Die Liste zeigt allerdings, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Naturheilkunde in Deutschland ohne die Hilfe von Stiftungen und Spendern nicht denkbar wäre.

Dabei weist das Institut für Demoskopie Allensbach nach, das seit 1970 regelmäßige Befragungen zur Anwendung »komplementärmedizinischer« Verfahren durchführt, dass die Nachfrage weiterhin steigt. 2007 gaben bereits 73 Prozent der Bevölkerung an, Naturheilmittel zu verwenden. Der Anteil der Frauen war mit 75 Prozent deutlich höher als der unter Männern (57 Prozent). Nur 9 Prozent der entsprechenden Medikamente wurden vom Arzt empfohlen.

Der Großteil der Patienten wünscht sich dabei gerade die Kombination konventioneller Verfahren mit der Naturheilkunde: Im Jahr 2000 gaben 81 Prozent der Befragten an, die beiden Richtungen sollten sich ergänzen. 2005 wünschten sich zum Beispiel 61 Prozent eine Verbindung aus Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) und westlicher Medizin. Unter denjenigen Patienten, die bereits Erfahrung mit TCM hatten, waren es sogar 89 Prozent. Nur 18 Prozent wollten ausschließlich konventionell behandelt werden.

Das Essener Modell

An den Kliniken Essen-Mitte gibt es diese Kombination. Seit 1999 existiert dort eine Abteilung für Integrative Medizin, ursprünglich ein Modellprojekt des Landes Nordrhein-Westfalen. In einzigartiger Weise arbeiten seither internistische Mediziner mit naturheilkundlich ausgebildeten Ärzten und anderen Therapeuten, zum Beispiel der chinesischen Medizin, zusammen. Begleitend zur internistischen Behandlung helfen Bewegung und Mind-Body-Medizin, Hydrotherapie, Pflanzenheilkunde, Ernährungsumstellung und chinesische Medizin bei der Therapie chronischer Erkrankungen: etwa Rheuma, Bluthochdruck und Schmerzsyndrome. 2004 wurde mit Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung an der Universität Duisburg-Essen ein Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin (Prof. Dr. Gustav J. Dobos) etabliert.

In den Kliniken Essen-Mitte findet auch eine begleitende Therapie onkologischer Erkrankungen statt: 12 bis 15 Krebspatienten besuchen zehn Wochen jeweils für einen Tag eine Tagesklinik, wo sie integrativ-naturheilkundlich betreut werden. Sie lernen optimale Ernährung, Bewegung, Entspannung, naturheilkundliche Selbsthilfestrategien und die Bewältigung ihrer Krankheit. Die gegenseitige Unterstützung ist dabei eine ganz wichtige Ressource.

Basierend auf den positiven Erfahrungen, die mit diesem Modell gemacht wurden, bauen die Kliniken Essen-Mitte seit dem Jahr 2010 eine Abteilung für Integrative Onkologie nach internationalen Vorbildern auf. Ein erstes wichtiges Standbein ist eine neue spezialisierte Klinik für Senologie (Leitung PD Dr. med. Sherko Kümmel). Dort ist bei der Behandlung von Brustkrebspatientinnen die Naturheilkunde gleichberechtigter medizinischer Partner der Onkologie. Eine naturheilkundlich spezialisierte Internistin ist zusammen mit Ordnungstherapeuten von der Anamnese an in die Therapieplanung einbezogen. Gemeinsam wird für jede Patientin ein individuelles Behandlungskonzept erarbeitet. Weitere Bereiche der onkologischen Gynäkologie werden diesem Weg folgen.

Die Naturheilkunde dient dabei zwar häufig dazu, die teilweise belastenden Nebenwirkungen einer onkologischen Medizin zu lindern. Sie bringt aber mehr Aspekte ein als die reine Symptomkontrolle. Sie versteht Tumorerkrankungen als eine Störung der komplexen Regulationsmechanismen des Körpers, zu denen zum Beispiel das Immunsystem gehört, aber auch die Transportfähigkeit des Bindegewebes oder das Nervensystem, das sämtliche Drüsenfunktionen beeinflusst. Sie versucht, die Selbstregulation wieder in Gang zu bringen und bemüht sich dabei, die individuellen Ressourcen des Patienten zu ermitteln: Wie ernährt er sich? Ist er körperlich aktiv? Schläft er genügend? Welchen Stressfaktoren ist er ausgesetzt? Und nicht zuletzt: Wie nimmt er die Krankheit wahr?

Zudem hilft die Integrative Onkologie den Patienten bei der Therapiezielentscheidung, indem sie ganzheitliche Aspekte wie Lebensqualität, seelische und spirituelle Ebenen mit einbringt. Sie diskutiert das Nutzen-Risiko-Verhältnis therapeutischer Eingriffe und thematisiert Strategien für die Nachsorge. Sie geht auf Möglichkeiten der Symptomlinderung bei unheilbaren Fällen ein.

Die Integrative Onkologie, wie sie in Essen praktiziert wird, ist also mehr als Medizin mit ein wenig Naturheilkunde »on top«. Sie ist ein umfassender wissenschaftlich geprüfter Ansatz der Krebsbehandlung, der sämtliche daran Beteiligten auf allen Ebenen ihres Seins und ihrer Erfahrungen mit einbezieht.

So gibt es eine Reihe wissenschaftlicher Nachweise für die erfolgreiche naturheilkundliche Behandlung von Beschwerden, die durch Tumorleiden oder die onkologische Therapie bedingt sind, zum Beispiel bei:

• Fatigue

• Übelkeit und Erbrechen

• Muskel- und Gelenkschmerzen

• Durchfall

• Depressionen

• Schleimhautentzündung

• Verstopfung

TEAMARBEIT FÜR DIE PATIENTEN

In der Integrativen Onkologie stehen die Patienten im Mittelpunkt. Ihre Mitwirkung ist ganz entscheidend, wenn es um die Entscheidung für eine bestimmte Therapie geht, um deren Akzeptanz, aber auch um längerfristige Lebensstilveränderungen.

Um die Betroffenen dabei zu unterstützen, arbeitet ein Team unterschiedlichster Therapeuten zusammen – neben den onkologischen Ärzten und naturheilkundlichen Internisten sind es vor allem die Ordnungstherapeuten der Mind-Body-Medizin, die ganzheitliche Aspekte von Gesundheit und Krankheit thematisieren. Ganz wichtig dabei sind Entspannung und Meditation. Sportlehrer und Physiotherapeuten sorgen dafür, dass die Patienten sich bereits im Krankenhaus ausreichend bewegen, und sie geben ihnen zudem langfristige Trainingsempfehlungen.

Auch die Ökotrophologen beraten nicht nur in der Phase der onkologischen Behandlung, wenn es zum Beispiel akut zu Durchfall oder Nährstoffmangel kommt. Sie geben auch Tipps, wie die Ernährung grundsätzlich umgestellt werden kann, zum Beispiel auf fleischarme Kost. Und geschulte Krankenpfleger zeigen Selbsthilfestrategien wie Akupressur oder Güsse.

Bei seelischen Problemen können auch Psychoonkologen zum Einsatz kommen. Der Sozialpädagoge hilft nicht nur bei sozialrechtlichen Fragen, sondern berät auch Familien und Angehörige.


SenoExpert – ein einzigartiges Pilotprojekt in Europa

Kernstück der Integrativen Onkologie in Essen ist eine in Europa bisher einzigartige Methode für Therapieempfehlungen. Sie hat das Ziel, jeder Patientin mit Brustkrebs eine auf ihre ganz individuellen Bedürfnisse ausgerichtete Behandlung zu ermöglichen – auf höchstem wissenschaftlichem Niveau.

Ein solches konzertiertes und individuell begründetes Vorgehen ist bislang nicht selbstverständlich. So werden zum Beispiel Therapieempfehlungen meist erst nach einer Operation getroffen. Der ideale Zeitpunkt für die Festlegung einer Behandlungsstrategie ist jedoch bereits unmittelbar nach der Diagnose. Dann bereits können der geplante chirurgische Eingriff und mögliche weitere Behandlungen wie eine Chemo- oder Antikörpertherapie sowie die Verordnung weiterer Medikamente wie etwa von Antihormonen in ihrer zeitlichen Abfolge festgelegt und optimal miteinander vernetzt werden. Wird das onkologische Vorgehen frühzeitig unter allen denkbaren Gesichtspunkten geplant, können oft nicht nur kosmetisch günstigere Methoden gewählt, sondern auch bessere Ergebnisse erzielt werden.

Die Frage zum Beispiel, ob eine Patientin von einer späteren Bestrahlung aller Voraussicht nach profitieren wird, beeinflusst bereits die Art der Schnittführung bei der Operation – um späteren Fibrosen (Gewebsverhärtungen) vorzubeugen. Dann sollte zum Beispiel auch auf die Einlage von Implantaten – zugunsten anderer Verfahren der Rekonstruktion – verzichtet werden. Auch kann es sinnvoll sein, eine Chemotherapie bereits vor der Operation (neoadjuvant) zu beginnen, um das Risiko von Metastasen zu senken. Dafür sollten eine genetische Beratung und die notwendigen Tests frühzeitig bedacht und angegangen werden.

Zu solch einem frühen Zeitpunkt individuell an die Patientin angepasste Therapieentscheidungen zu fällen erfordert eine andere – wesentlich präzisere und ausführlichere – Art der Datenerhebung und -analyse, als sie bisher die Regel ist. (siehe Kapitel: Brustkrebs)→

Üblich ist, dass sich die Vertreter verschiedener Disziplinen, zum Beispiel Onkologen oder Brustkrebsspezialisten, Pathologen und Strahlentherapeuten, zu gemeinsamen Tumorkonferenzen treffen. Dort werden die aktuellen Fälle durchgesprochen – für jeden Patienten stehen dabei durchschnittlich zwei bis fünf Minuten zur Verfügung. Bei solchen Tumorkonferenzen kann keine genaue Analyse des einzelnen Falls auf der Basis der aktuellsten Daten stattfinden. Die getroffenen Entscheidungen beruhen meist auf dem – generalisierten – Wissensstand der Teilnehmer, und der ist häufig nicht der aktuellste, wenn allein zum Thema Brustkrebs monatlich bis zu hundert Artikel mit neuen Forschungsergebnissen erscheinen. Aus demselben Grund können auch die für Entscheidungen herangezogenen Leitlinien nicht ausreichend sein, da sie nur alle ein bis zwei oder sogar mehr Jahre überarbeitet und neu herausgegeben werden. Durch unsere aktuellen und umfangreichen Recherchen können wir 30 Prozent unserer Patientinnen noch zusätzliche Informationen geben, vor allem zu einem spezifischen Nebenwirkungsmanagement und möglichen Medikamenteninteraktionen, sodass die Behandlung individuell auf jede Patientin abgestimmt werden kann.

Umfangreiche Datenanalysen

Um für jede Patientin die individuell beste Lösung zu finden, müssen durch die Auswertung der Leitlinien, der Recherche neuerer Publikationen und der Klärung eventueller Zwischenergebnisse alle aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Daten zur jeweiligen Patientengeschichte recherchiert und ausgewertet werden. Daneben kommen auch modernste molekularbiologische Prognoseinstrumente zum Einsatz, zum Beispiel Oncotype DX®, der Aussagen über das Risiko eines späteren Rückfalls (Rezidiv) erlaubt und letztlich Auskunft darüber gibt, ob die betroffene Patientin auf eine bestimmte Chemotherapie anspricht.

Am Zentrum für Senologie der Kliniken Essen-Mitte wird eine Datenbank mit den detaillierten Fallanalysen der dort vorgestellten Patientinnen aufgebaut: SenoExpert. Sie zeigt die jeweils aktuellste Studienlage zu den einzelnen Krankheitsgeschichten und ermöglicht dann, nach Abwägen aller Argumente, eine für die einzelne Patientin bestmögliche Therapieentscheidung. Die Naturheilkunde ist mit ihren Möglichkeiten der Stärkung und Symptomlinderung von Anfang an auf der Basis wissenschaftlicher Evidenz eingebunden.

So wird Akupunktur nicht nur verordnet, um Übelkeit und Erbrechen nach einer Operation oder Chemotherapie zu lindern, sondern auch, um zum Beispiel Hitzewallungen oder Knochenschmerzen unter einer antihormonellen Therapie zu bessern. Das sorgt dafür, dass viel weniger Patientinnen die Medikation abbrechen.

Die Ergebnisse der SenoExpert-Analysen werden in einer medizinischen Datenbank für weitere Recherchen und die Beantwortung wissenschaftlicher Fragestellungen hinterlegt. Gleichzeitig stehen die begründeten Therapieempfehlungen auch den niedergelassenen und weiterbehandelnden Ärzten zur Information und für die weitere Therapie zur Verfügung.

Über 60 Prozent aller Brustkrebspatientinnen aus den Kliniken Essen-Mitte nehmen an Studien teil und werden mit neuen Medikamenten behandelt. Eine solche wissenschaftlich fundierte Basis von Therapieentscheidungen, das zeigen Studien, verlängert das Leben: durchschnittlich um 10 Prozent.

Dieses wissenschaftlich orientierte, multidisziplinäre Vorgehen führt zu deutlich besseren Ergebnissen als Konzepte, bei denen die onkologische Therapie lediglich durch Empfehlungen einzelner naturheilkundlicher Sprechstunden ergänzt werden. Es fördert ein systematisches Vorgehen und die wissenschaftliche Begründung von Therapieentscheidungen sowohl vonseiten der onkologischen Disziplinen als auch im Bereich der Naturheilkunde. Diese höhere Therapiequalität führt für die Patientin zu mehr Lebensqualität, was die Compliance der Patientinnen stärkt. Das hilft nicht zuletzt dabei, dass auch insgesamt mehr Patientinnen überleben können.

Auf dem Weg in eine neue Krebsmedizin

Im Fall einer Brustkrebsdiagnose, das zeigt eine Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2010, wünschen sich nur 29 Prozent eine rein schulmedizinische Therapie. Von den tatsächlich an einem Mammakarzinom Erkrankten unter den Befragten sprachen sich 70 bis 80 Prozent für eine kombinierte Behandlung aus Onkologie und Naturheilkunde aus. Vor allem möchten sie sich aktiv an ihrer Gesundung beteiligen. Auch die damit verbundene Zuwendung ist ein nicht zu unterschätzender Punkt.

Die naturheilkundliche Erstanamnese in der Senologie in Essen dauert etwa eine Stunde. Eine Lebensstilberatung kann dabei viele Stressfaktoren der onkologischen Therapie auffangen. Die Naturheilkunde kann dazu beitragen, medizinische Probleme zu lösen, Narbenschmerzen zum Beispiel oder Hautirritationen durch Bestrahlung. Wenn die Patientinnen sich mit all ihren Problemen aufgehoben fühlen, dann sind sie auch eher bereit, die Chemotherapie oder eine antihormonelle Therapie durchzuhalten.

Neue Kraft durch mehr Lebensqualität

Eine Krebspatientin – und das gilt für andere Tumorarten und männliche Patienten genauso – macht in der Regel eine Abwärtsspirale durch: Zuerst kommt der Schock durch die Diagnose, dann wird sie operiert, dann kommt die Chemotherapie mit dem Haarverlust, was häufig Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit auslöst. Um diese Negativspirale zu stoppen, ist die Behandlung von Nebenwirkungen ganz zentral: Wenn eine Frau sich zum Beispiel permanent übergeben muss oder Gelenkschmerzen hat, dann fehlt ihr diese Energie für sich selbst und ihren seelisch-körperlichen Heilungsprozess.

Zur Behandlung von Nebenwirkungen liefert auch die Onkologie inzwischen eine ganze Reihe verbesserter Medikamente. SenoExpert jedoch bietet eine einzigartige Möglichkeit, das individuell beste Verfahren aus der internistischen Medizin wie auch der Naturheilkunde zu ermitteln und auch zu dokumentieren. Auf diese Weise wird es möglich, nicht nur auf Symptome zu reagieren, sondern Nebenwirkungen auch schon rechtzeitig vorzubeugen.

Methoden zum Stressabbau wie Yoga und Meditation sind wichtige Bestandteile der Integrativen Onkologie. Das gilt bereits für die Zeit vor der Operation, wo sie Angst nehmen, aber auch begleitend für die unterschiedlichen Phasen der Chemotherapie oder Bestrahlung. Die Patientinnen sollen vor allem aber auch lernen und dazu motiviert werden, über das Jahr hinaus, das eine Krebsbehandlung durchschnittlich einnimmt, ihre Lebensqualität zu verbessern und neue Kraft zu schöpfen, um auch der ständigen Angst vor einem Rückfall begegnen zu können.

Naturheilkunde gegen Krebs

Drei Dinge kann die Naturheilkunde in der Integrativen Onkologie leisten: Sie lindert die Nebenwirkungen der Krebsbehandlung. Sie stärkt Körper und Psyche. Und sie gibt dem Patienten einen wichtigen Teil der Verantwortung zurück – indem sie ihn motiviert, sich selbst für seine Gesundheit einzusetzen.

Was kann der Patient selbst tun?

Die Diagnose Krebs ist wie ein Erdbeben ohne jede Vorwarnung. Sie zerreißt Ihre Welt und lässt in Ihrem Leben keinen Stein mehr auf dem anderen. Während der Arzt sich bemüht, Ihnen die Konsequenzen der Befunde darzulegen, werden Sie von einer Welle widersprüchlicher Gefühle überrollt: Unglauben, Angst, Verblüffung, Wut und Aggression, Panik und Taubheit lösen einander ab. Das beängstigende Urteil versetzt Ihren Körper in einen Alarmzustand: Kaskaden von Stresshormonen überfluten Ihr Gehirn und Ihren Organismus mit der Botschaft: »Flucht!« Doch vor dieser Diagnose können Sie nicht davonlaufen.

Der Panik begegnen

Im Verlauf Ihrer Krankheit wird die Panik trotz aller Anstrengung vielleicht immer wieder zurückkehren, und Sie sollten von Anfang an wissen, dass Sie etwas dagegen tun können: Sie können lernen, der Angst etwas entgegenzusetzen. Das ist wichtig, denn aus der Psychoneuroimmunologie wissen wir, wie stark psychische Faktoren auf die Krankheit Einfluss nehmen. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass bei jedem dritten Krebspatienten eine schwere psychische Belastung die Verarbeitung und damit auch die Behandlung der Erkrankung erheblich verschlimmert. Doch eine Depression kann die Aussicht auf Heilung um bis zu 39 Prozent verschlechtern. (siehe Kapitel: Soziale Unterstützung aufbauen)

Am Senologie-Zentrum (französisch: le sein = die Brust) der Kliniken Essen-Mitte, an dem Gynäkologen und naturheilkundlich orientierte Internisten gemeinsam Brustkrebspatientinnen betreuen, erhalten die Patientinnen aus diesem Grund gleich zu Beginn eine naturheilkundliche Beratung, die ihnen helfen soll, auch die psychischen Belastungen ihrer Krankheit zu meistern.

Viele hören hier auch zum ersten Mal im Zusammenhang mit Gesundheit die Begriffe »Achtsamkeit« und »Mind-Body-Medizin«, über die Sie mehr im Kapitel »Mind-Body-Medizin: Strategien gegen die Angst« erfahren werden. An dieser Stelle nur so viel: »Achtsamkeit« steht für eine meditative Haltung, durch die Sie lernen, das Hier und Jetzt wahrzunehmen, den Moment zu leben und für eine Weile nicht an Vergangenheit oder Zukunft zu denken. So hat es keinen Sinn, sich auszumalen, dass Sie vielleicht sterben könnten – wenn Sie das davon abhält, jetzt zu leben.

Niemand weiß, was morgen sein wird – auch keiner der gesunden Menschen um Sie herum. Das ist die erste wichtige Botschaft, die Sie im Zusammenhang mit Ihrer Erkrankung verstehen sollten.

Regelmäßig praktiziert können Mind-Body-Techniken Ihnen helfen, »Abstürze« in Ihrem Leben körperlich und seelisch abzufedern, denn sie tragen Sie wie ein Fallschirm durch Schicksalsstürme. Je früher Sie damit anfangen, desto besser: Befinden Sie sich erst einmal im freien Fall, wird es viel schwieriger, diesen ohne Hilfsmittel zu bremsen. Die Mind-Body-Medizin (siehe Kapitel: Mind-Body-Medizin) wird Ihnen deshalb vom Zeitpunkt der Diagnosestellung bis zur Nachsorge eine wertvolle Stütze sein.

Lernen Sie eine Entspannungstechnik oder eine Form der Meditation, am besten Achtsamkeit. Wenn Ihnen das im Moment noch schwerfällt, bleiben Sie trotzdem dran – der Erfolg kommt erst mit regelmäßiger Übung. Die gewonnene innere Kraft hilft Ihnen bei der Vorbereitung auf die Therapie, kann Sie auch während der Behandlung stärken und begleitet Sie in ein neues, gesünderes Leben.

DIAGNOSE KREBS: SCHOCK UND TRAUMA

Wie ein Erdbeben auf einem Quadratzentimeter, sagt eine Patientin, habe sich das angefühlt, als der Arzt ihr die Diagnose »Krebs« mitteilte. In der Tat löst der Schock einer solchen Botschaft ein massives Trauma aus, das im gesamten Organismus Spuren hinterlässt. Die Bedrohung des Ichs ist so groß, dass viele Patienten beim ersten Gespräch mit dem Arzt nur ein Drittel dessen aufnehmen, was ihnen an Folgen und Konsequenzen eröffnet wird: Die Seele schützt sich und lässt nur Stück für Stück der Botschaft an sich heran.

Von Anfang an sollten der Arzt und andere Therapeuten dieses Trauma ernst nehmen und ihm entgegenarbeiten, denn es schädigt jede einzelne Zelle des Körpers: Was dabei genau passiert, erforscht die Psychoneuroimmunologie, die seit den 80er-Jahren die Zusammenhänge zwischen Psyche, Nervengerüst und Immunsystem untersucht. Dabei wird deutlich, dass Botenstoffe des Nervensystems auf die Körperabwehr wirken.

Zum Beispiel können bestimmte Eiweiße (Neuropeptide) sich an Immunzellen andocken und dadurch die Geschwindigkeit und die Bewegungsrichtung von Fresszellen (Makrophagen) beeinflussen. Stress kann deshalb Immunfaktoren negativ beeinflussen: Er führt zum Beispiel dazu, dass das Immunglobulin A im Speichel abnimmt, gleichzeitig aber mehr Glukokortikoide ausgeschüttet werden, welche die Reaktivität von T- und B-Lymphozyten und die Aktivität der natürlichen Killerzellen hemmen. Auch unterdrückter Ärger, Depression und vor allem auch Angst wirken sich auf die Körperabwehr aus. Sie verändern aber auch das Muster der Genexpression – das heißt, heftige Gefühle führen dazu, dass bestimmte Erbinformationen aktiviert oder abgeschaltet werden.

Die Schaltzentrale dieser Regelkreise ist das Gehirn. Der Hypothalamus ist ein Bereich des Zwischenhirns, er steuert das vegetative Nervensystem, das unter anderem den Blutdruck, die Atmung und die Darmaktivität regelt. Die benachbarte Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) entlässt Botenstoffe wie das Bindungshormon Oxytocin und das nierenregulierende Vasopressin, aber auch das Wachstumshormon Somatropin, das die Nebennierenrinde stimulierende adrenocorticotrope Hormon (ACTH) und das die Schilddrüse anregende Hormon (TSH). Chronischer Stress hat deshalb viele negative Folgen auf den Organismus (siehe auch folgendes Bild).

Entspannungsübungen wie Meditation helfen als Teil der Mind-Body-Medizin von der Diagnose an und weit über den Zeitraum der onkologischen Behandlung hinaus, die Immunabwehr zu stabilisieren. Sie sorgen für psychische Ausgeglichenheit und stärken so die Patienten ganzheitlich.


Angst lähmt und löst häufig den Impuls aus, sich zurückzuziehen oder zu verkriechen. In der Folge bilden sich die Muskeln zurück, und das Herz pumpt weniger Blut durch den Organismus. Das kann in einen Teufelskreis aus Bewegungsmangel und abnehmender Leistungsfähigkeit und Depression münden. Da eine Krebsbehandlung ein langer schwerer Weg ist, vergleichbar mit einem Aufstieg auf einen hohen Berg, ist es besonders in diesem frühen Stadium der Diagnose wichtig, alle Kräfte zu sammeln und sich also nicht nur psychisch, sondern auch körperlich auf die kommenden Anstrengungen vorzubereiten. Dabei kann regelmäßiges körperliches Training helfen. (siehe Kapitel: Die Macht der Entscheidung ff.)

Sich der eigenen Stärke bewusst werden

»Am besten, Sie gehen viel an die frische Luft und machen sonst gar nichts«, sagen Onkologen häufig ihren Patienten, in der Sorge, dass ihre Therapien durch eigenmächtiges Handeln torpediert werden, und auch, weil sie den Kranken Enttäuschungen und Geld ersparen wollen. Doch dieser Ratschlag vernachlässigt ein ganz wichtiges Kapital, das die Kranken mitbringen – die Bereitschaft, selbst zu ihrer Gesundung beizutragen.

Die Kraft der Suggestion

Krankheit ist ganz entscheidend eine Frage der inneren Einstellung, auch wenn man sie leider nicht einfach »wegdenken« kann. Obwohl Suggestion ganz verblüffende Folgen haben kann. Der amerikanische Arzt Larry Dossey beschreibt in einem seiner Bücher ein beeindruckendes Beispiel:

Ein Mann wurde in die Klinik eingewiesen, in der Dossey als junger Assistenzarzt arbeitete, mit allen Anzeichen von Magenkrebs. Es half ihm nichts, dass die Untersuchungen keinen Tumor anzeigten; der Patient nahm in rasendem Tempo ab, hatte große Schmerzen und wurde immer schwächer. Das stellte die Ärzte vor ein unlösbares Rätsel. Bis er eines Tages enthüllte, dass er sterben müsse, weil ihn die böse Nachbarin im Auftrag seiner Frau verhext habe – indem sie eine Haarlocke von ihm verbrannt und ihn verflucht habe. Die Aufklärungsgespräche der Mediziner, dass so etwas gar nicht möglich wäre, blieben wirkungslos, die Situation spitzte sich zu. Bis Dossey und einer seiner Kollegen sich zu einem »Gegenzauber« entschlossen: Um Mitternacht – der Geisterstunde wegen, aber auch, um vom Oberarzt nicht entdeckt zu werden – holten sie den Patienten im Rollstuhl ab, fuhren ihn in einen Laborraum, schnitten mit einer OP-Schere ein zweites Haarbüschel ab und verbrannten es feierlich in einer Petrischale im bläulichen Licht einer brennbaren Bluthochdrucktablette. Damit der Gegenzauber wirke, erfuhr der Patient, dürfe er kein Wort darüber verlieren. Der Trick funktionierte: Der Mann genas.

Was Suggestion vermag, erklärt die Wissenschaft als komplexe Wechselbeziehung zwischen Nerven, Hormonen und Immunsystem mit dem, was wir Psyche nennen und nicht wirklich erklären können. So entstand die Hypnose, ursprünglich als Magnetismus gedeutet und von Sigmund Freud genutzt, der sich später von ihr abwandte und stattdessen eine Gesprächstechnik, die Psychotherapie, entwickelte. Die Psychosomatik beschreibt rätselhafte Reaktionen auf traumatische Erlebnisse, und die moderne Psychoneuroimmunologie versucht, diese molekularbiologisch anhand von Nervenfunktionen und Botenstoffen zu erklären.

Liebe, Hoffnung und Glauben

Die Kraft des »positiven Denkens« ist wissenschaftlich »geadelt« worden, als 1976 ein Laie, der US-Publizist Norman Cousins (1915 - 1990), in dem renommierten New England Journal of Medicine einen Bericht über seine Selbstheilung veröffentlichen durfte: Seine entzündliche und schmerzhafte Rheumaerkrankung mit einer fast aussichtslosen Prognose kurierte er, indem er sich aus dem Krankenhaus in ein Hotelzimmer verlegen ließ und dort Berge von komischen Büchern verschlang und witzige Filme betrachtete.

Seine selbst verschriebene »Lach-Therapie« begründete er mit Erkenntnissen der Stressforschung: »Wenn negative Gefühle negative Veränderungen im Körper hervorrufen, können dann nicht positive Emotionen positive Veränderungen auslösen? Kann es nicht sein, dass Liebe, Hoffnung, Glauben, Lachen, Vertrauen und Lebenswille therapeutischen Wert besitzen?« Das tun sie, doch leider kann man sich nicht allein darauf verlassen.

Zunehmend wurden nun die Rolle von Zuneigung, Geborgenheit und sozialer Unterstützung diskutiert und der Stress der modernen Gesellschaft, der ihnen entgegenstand. Die US-Forscher Leonard Syme und Reuel A. Stallones fanden heraus, dass es nicht nur der amerikanische Lebensstil war, der japanische Immigranten innerhalb weniger Jahre krank machte, sondern auch der fehlende Kontakt zu ihrer Familie und die mangelnde soziale Integration. Der Stanford-Psychiater David Spiegel und sein Kollege Irvin Yalom experimentierten mit Gruppengesprächen in der Therapie unheilbar Krebskranker, und tatsächlich lebten Brustkrebspatientinnen, die sich mit anderen über ihr Leben wie auch ihre Todesangst austauschen konnten, doppelt so lange wie die in der Vergleichsgruppe. Spiegels Ergebnisse wurden heftig debattiert, weil sie einer strengen wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhielten. Doch ähnliche Untersuchungen bestätigten später, dass die Unterstützung durch eine Gruppe zumindest die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen deutlich erhöht.

Spritualität und Psyche

Spirituelle Fragen begannen die Medizin zu interessieren. Die Beatles machten Maharashi Mahesh Yogi (1917-2008) berühmt, einen indischen Physiker und Mathematiker, der nach westlichem Vorbild erzogen worden war, seine Identität aber in alten, vedischen Meditationstechniken wiederentdeckte. Sie wurden zu einer Wurzel der Mind-Body-Medizin, begründet von dem amerikanischen Kardiologen Herbert Benson von der Harvard Medical School. 1975 veröffentlichte er sein Buch The Relaxation Response die »Entspannungsantwort« auf den krank machenden Zivilisationsstress. Jon Kabat Zinn entwickelte etwa zur selben Zeit die »Mindfulness-Based Stress Reduction« (MBSR), ein auf Achtsamkeit aufbauendes Konzept der Stressbewältigung. (siehe Kapitel: Haltung bewahren)

Immer häufiger wurde die Frage gestellt, ob Krebs psychische Ursachen haben könnte. Während die Theorien über sogenannte »Krebstypen« (besonders gefährdet waren danach Menschen, die unselbstständig und überangepasst, antriebsgehemmt, defensiv und depressiv sind) heute widerlegt scheinen, rückt seit den 90er-Jahren immer mehr die Frage in den Mittelpunkt, welche psychischen Störungen sich durch eine Krebserkrankung ergeben können und wie man diesen entgegenwirken könnte. War dieser Ansatz ursprünglich noch symptom- und damit defizitorientiert, so wenden sich Psychoonkologie und Mind-Body-Medizin inzwischen zunehmend der Frage zu, welche Ressourcen in den Patienten gestärkt werden können. (siehe Kapitel: Sich der eigenen Stärke bewusst werden)

Die Krise als Chance

Dass Menschen gerade in Krisen außergewöhnliche Kräfte entwickeln, konnte der amerikanisch-israelische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky (1923 - 1994) zeigen. Ende der 70er-Jahre untersuchte er jüdische Frauen, die in einem Konzentrationslager inhaftiert gewesen waren. Ein Drittel der 300 ehemaligen Gefangenen, so das Ergebnis, blieb trotz extrem schlechter Lebensbedingungen in Kindheit und Jugend seelisch und körperlich gesund und erreichte vielfach ein hohes Alter. Was zeichnete diese Gruppe aus?

Alle diese Frauen hatten eine tief verankerte positive Einstellung zum Leben. Dabei grübelten sie weniger darüber nach, was eine Krise vielleicht ausgelöst hatte, sondern setzten alles daran, diese so gut wie möglich zu meistern. Sie waren in der Lage, auch schwierigsten Situationen noch etwas Positives abzugewinnen und ihnen Sinn zuzuschreiben. »Kohärenzgefühl« nannte Antonovsky diese entscheidende Fähigkeit, sich als sinnvollen Teil eines Ganzen betrachten zu können. Er gilt als der Begründer der »Salutogenese« – der Wissenschaft, die nicht nach den Ursachen von Krankheit, sondern nach den Wurzeln der Gesundheit sucht.

Krebspatienten beschreiben mitunter das verblüffende Gefühl, durch die Bedrohung ihres Lebens stärker geworden zu sein, etwas Wichtiges gefunden zu haben. Zum Beispiel entdecken viele eine spirituelle Dimensionen in ihrem Leben oder lernen die Hilfe anderer schätzen. Solche Erfahrungen führen an einen Punkt, wo sie sich plötzlich nicht mehr ausgeliefert fühlen, sondern ihr Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen. »Ich habe hier bei einer Meditationsübung gelernt, > in Würde< zu sitzen«, beschreibt etwa eine Patientin der naturheilkundlichen onkologischen Tagesklinik ihr Lernen in der Gruppe. »Das hat mir etwas ganz Zentrales zurückgegeben, was ich in meiner Krankheit verloren zu haben schien.«

ANLAUFSTELLEN FÜR KREBSPATIENTEN

Wohin sich wenden mit der Diagnose Krebs? Gerade wenn es um Tumorkrankheiten geht, gibt es Kliniken und Ärzte, die mit dem Versprechen »natürlicher« Heilmethoden und Alternativen zur klassischen Onkologie um Patienten werben. In vielen Fällen lassen sich ihre Methoden nicht mit denen der Schulmedizin vereinbaren. Oft kosten die Behandlungen dort sehr viel Geld, werden aber nicht von den Krankenkassen übernommen.

Hier finden Sie dagegen eine Auswahl von Adressen von Kliniken, die sich auf der Basis seriöser Medizin mit naturheilkundlichen Ansätzen in der Tumortherapie befassen und diese auch erfolgreich mit der Onkologie kombinieren. Viele von ihnen arbeiten mit multiprofessionellen Teams – neben den Ärzten zählen dazu qualifizierte Pflegekräfte, Ordnungstherapeuten oder Psychoonkologen, Sportmediziner, Ernährungsexperten, Masseure usw.

Bad Aibling

Ganzheitlich-integrativ arbeitet die Klinik St. Georg.

Rosenheimer Straße 6-8, 83043 Bad Aibling

Tel.: 08061-398-0

Mail: info@klinik-st-georg.de

Internet: www.klinik-st-georg.de

Bad Bergzabern

In der BioMed Fachklinik für Onkologie, Immunologie & Hyperthermie Bad Bergzabern wird die klassische Onkologie vor allem mit verschiedenen Hyperthermieformen ergänzt.

Tischberger Straße 5+8, 76887 Bad Bergzabern

Tel.: 06343-705-0

Mail: info@biomed-klinik.de

Internet: www.biomedklinik.de

Berlin

Die Klinik für Anthroposophische Medizin des Akademischen Lehrkrankenhauses der Charite in Berlin bietet an dem dazugehörigen Brust-, Darm- und Lungenkrebszentrum neben der klassischen Onkologie zusätzlich einzelne naturheilkundliche Verfahren an. Kladower Damm 221, 14089 Berlin

Tel.: 030-36501-0

Mail: info@havelhoehe.de

Internet: www.krankenhaus-havelhoehe.de

Essen

Integrative naturheilkundlich-onkologische Tagesklinik der Kliniken Essen-Mitte

Am Deimelsberg 34a, 45276 Essen

Tel.: 0201-174-25008

Mail: naturheilkunde@kliniken-essen-mitte.de

Internet: www.kliniken-essen-mitte.de/naturheilkunde

Klinik für Senologie/Brustzentrum, Evang. Huyssens-Stiftung

Henricistraße 92, 45136 EssenTel.: 0201-174-33001

Mail: brustzentrum@kliniken-essen-mitte.de

Internet: www.kliniken-essen-mitte.de/brustzentrum

Frankfurt

Seit Frühjahr 2010 berät die Frankfurter Universitätsklinik Krebspatienten zu Therapien aus der Naturheilkunde. An diesem Universitären Centrum für Tumorerkrankungen (UCT), das von der

Deutschen Krebshilfe als Onkologisches Spitzenzentrum ausgezeichnet wurde, soll die wissenschaftliche Erforschung natürlicher Behandlungsmethoden vorangetrieben werden.

Tel.: 069-6301-0

Mail: info@kgu.de Internet: www.kgu.de/

Freiburg

Informationen zu naturheilkundlichen Verfahren und eine spezielle Beratung zur Ernährungsumstellung bei Krebs bietet die Uniklinik Freiburg, Abteilung Hämatologie und Onkologie:

Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg

Tel.: 761-270-33680

Internet: www.oncoconsult.de oder www.uniklinikfreiburg.de/ip/live/patientenservice/zusatzangebote/onko.html

Heidelberg

Die Universitäts-Frauenklinik Heidelberg hat eine Abteilung für Integrative Medizin, die sich um gynäkologische Tumorerkrankungen kümmert: Abt. 4.2 - Gynäkologische Endokrinologie und Fer-tilitätsstörungen

Voßstr. 9, 69115 Heidelberg

Mail: frauenklinik.ambulanz.nhv@med.uni-heidel-berg.de

Internet: http://tinyurl.com/3y5l7ww

Herdecke

Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke hat eine Fachabteilung Integrative Onkologie: Gerhard-Kienle-Weg 4, 58313 Herdecke

Tel.: 02330-62-0

Mail: kontakt@gemeinschaftskrankenhaus.de Internet: www.gemeinschaftskrankenhaus.de

Jena

Seit März 2003 existiert an der Universität Jena eine von der Karl und Veronica Carstens-Stiftung geförderte »Ambulanz für Naturheilkunde in der Onkologie«. Sie berät Tumorpatienten über komplementäre naturheilkundliche Therapien, bietet Akupunktur, Entspannung und Gesundheitstraining an und organisiert klinische Studien.

Tel.: 03641-9324256

Mail: Heidrun.Pupke@med.uni-jena.de

Internet: www.kim2.uniklinik-jena.de/Naturheilkunde.html

Köln

An der Universität Köln berät das Institut zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren Patienten:

Tel.: Stefan Wilk 0221-478-6414

Mail: naturheilverfahren@uk-koeln.de

Internet: www.uk-koeln.de/institute/iwenv

München

Die Frauenklinik der Technischen Universität München bietet Sprechstunden zu naturheilkundlichen Verfahren im Bereich der Gynäkologie an: Frauenklinik der TU München Ismaninger Str. 22, 81675 München

Mail: konsile.frauenklinik@lrz.tum.de

Außerdem gibt es am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität ein Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde mit einer Ambulanz und Tagesklinik für Naturheilkunde und Gesundheitsförderung Kaiserstr. 9, 80801 München Tel.: 089-726697-15

Mail: nhv.ambulanz@lrz.tum.de

Öschelbronn

Klinik Ö schelbronn, Centrum für Integrative Medizin und Krebstherapie

Tel.: 07233-68-0

Mail: info@klinik-oeschelbronn.de Internet: www.klinik-oeschelbronn.de/

Wien

Seit 2004 gibt es die Spezialambulanz »Homöopathie bei malignen Erkrankungen« an der Klinischen Abteilung für Onkologie der Klinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Wien. Währinger Gürtel 18-20, A-1090 Wien, Mail: michael.frass@meduniwien.ac.at.

Wenn die von einer Krankheit Betroffenen aktiv werden, lassen sie sich selbst plötzlich nicht mehr nur auf ihre körperlichen Symptome reduzieren. Sie fühlen sich gesünder, auch wenn das Leiden noch lange nicht verschwunden ist.

Die Basis dafür kann man trainieren, zum Beispiel in Achtsamkeitsübungen, wie sie im nächsten Kapitel beschrieben werden. (siehe Kapitel: Die Wirkung auf Körper und Bewusstsein) Unsere Erfahrungen in der Behandlung von chronischen Schmerzpatienten zeigen, dass diese davon sogar häufig mehr profitieren als von Medikamenten.

Die Selbstheilungskräfte wecken

»Nicht nur behandeln lassen, sondern auch selbst handeln«, ist eine der Herausforderungen, denen sich Krebskranke stellen sollten. Naturheilkundliche Verfahren sind dabei eine weitere wichtige Hilfe. Sie dienen dazu, den »inneren Arzt«, wie das Paracelsus nannte, also die Selbstheilungskräfte, zu wecken. »Gesundheit« nämlich ist kein statischer Zustand und nicht vergleichbar mit einem hygienisch reinen und keimfreien Milieu.

Der Mensch befindet sich in einem kontinuierlichen Anpassungsstress an seine sich ständig wandelnde Umwelt – um auf die wechselnden Reize richtig reagieren zu können, braucht er Phasen der Entspannung und Ruhe. Doch im Dauerstress hat der Organismus diese Flexibilität verloren: Wir bleiben verspannt und laufen weiter auf Hochtouren, auch wenn die Auslöser dieser Aktivität schon längst verschwunden sind.

Weil chronischer Stress, aber auch falsche Ernährung und mangelnde Bewegung dazu geführt haben, dass unsere Sensorien verkümmern, registrieren wir Belastungen häufig erst dann, wenn unser Organismus sich bereits mit massiven Symptomen dagegen wehrt. Selbsthilfestrategien können Patienten dazu befähigen, die Signale ihres Körpers wieder besser wahrzunehmen und die Balance zwischen Reizen und Entspannung wieder herzustellen.

Naturheilkundliche Reize wie Wassergüsse und feuchte Wickel setzen Stimuli, die – so jüngste Thesen der Psychoneuroimmunologie – vermutlich das Gehirn dazu bringen, seine Körperbilder zu überprüfen und dabei die Regelkreise zu »justieren«. Das löst Blockaden und setzt Energien frei. Häufig führt das nach einigen Tagen zu einer Art »Umstimmung«: Die Patienten fühlen sich plötzlich besser und schildern das als Gefühl, »wieder Land zu sehen«. Plötzlich, sagen sie, habe es »Klick« gemacht.

Entspannung, Rhythmisierung und Stimulation durch Naturheilverfahren helfen Krebspatienten, ihre innere Ruhe zurückzugewinnen, Kräfte zu sammeln und die Selbststeuerung des Organismus anzustoßen. Außerdem können sie ganz entscheidend dazu beitragen, die Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung zu mildern (siehe Kapitel: Linderung von Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie), und sie sind Teil einer langfristigen Überlebensstrategie in der Integrativen Onkologie.

Mit dem Onkologen offen reden

»Ich sehe immer wieder sein Gesicht vor mir«, die Patientin in der onkologischen Tagesklinik starrt ins Leere, »wie der Arzt mir sagt: >Sie haben Krebs, und es sieht nicht gut aus.c« Zwölf Mitglieder hat die Gruppe, die sich einmal wöchentlich in den Kliniken Essen-Mitte unter Anleitung einer Ordnungstherapeutin trifft, um ihre Krebserkrankung zu verarbeiten. »Das wird dann ganz eng hier«, sagt die 55-jährige Frau und deutet auf die Region über ihren Bronchien, eine Handbreit über ihrem Herz. »Da ist dann sofort die Angst wieder da.« »Die Diagnose Krebs«, sagt eine andere, »ist wie ein Erdbeben der Stufe 8 auf einem einzigen Quadratmeter.«

Gemeinsam versuchen die Tumorkranken, einen Weg zu finden, der scheinbaren Auswegslosigkeit etwas entgegenzusetzen, sich nicht unterkriegen zu lassen, auch wenn ihre Lebenszeit vielleicht begrenzt ist. Die Kommunikation mit dem Arzt spielt dabei eine besondere Rolle, denn viele haben negative Erfahrungen damit gemacht. »Wir haben heute das Ergebnis der Pathologie bekommen«, eröffnete etwa ein Arzt im Beisein von drei Praktikantinnen ein Gespräch am Krankenbett, im Stehen. Es blieb ein einseitiges Gespräch: »Es ist leider Krebs im fortgeschrittenen Stadium, und wir können ihn nicht mehr heilen. (Pause) Haben Sie noch Fragen?«

Der enorme Zuwachs an biochemischem Wissen in den letzten Jahrzehnten war in der Medizinerausbildung zugleich mit einem Verlust an kommunikativer und psychosozialer Kompetenz bezahlt worden. Seit die Kritik daran nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern

PATIENTENFRAGEN AN DEN ARZT

• Was bedeutet die Diagnose?

• Warum empfehlen Sie diese Therapie?

• Warum lehnen Sie eine andere Therapie ab?

• Was versprechen Sie sich von der Therapie?

• Warum sollen die Untersuchungen und Behandlungen in dieser und keiner anderen Reihenfolge ablaufen?

• Was sind mögliche Risiken der Behandlung? Was kann man gegen diese Unwägbarkeiten tun?

• Wie können zu erwartende Nebenwirkungen behandelt werden?

• Gibt es naturheilkundliche Behandlungsverfahren, die hier helfen würden?

• Gibt es Behandlungen, die in dieser Praxis/Klinik nicht zur Verfügung stehen?

• Was halten Sie von naturheilkundlichen Begleittherapien?

auch unter den Studenten immer lauter wurde, ändert sich das: »Shared decision making«, das gemeinsame Entscheiden, oder auch »breaking bad news«, die Art und Weise, wie Patienten eine für sie dramatische Diagnose mitgeteilt werden sollte, wurden inzwischen Bestandteile der Ausbildung.

Auch Ärzte haben Ängste – natürlich sind auch wir gerade bei so einer lebensbedrohlichen Krankheit in Sorge, dass die gewählte Therapie nicht anschlägt. Vielleicht tun sich deshalb so viele Mediziner mit dem Patientengespräch schwer und flüchten sich stattdessen lieber in ihr professionelles Handwerk. Nur 30 Prozent einer Diagnose, so die Erfahrungen, werden beim ersten Gespräch mit dem Arzt verstanden. Das jedoch liegt nicht nur an der Fachterminologie, sondern auch an der Überforderung des Patienten, die sich plötzlich mit einer veränderten Lebensperspektive konfrontieren zu sollen.

Für den Arzt ist wichtig, dass er richtig einschätzt, wie viel sein Gegenüber in diesem Moment aufzunehmen bereit ist. Und es hilft ihm, wenn seine Patienten signalisieren, wo sie immer noch nicht alles verstanden haben. Eine gute Beziehung zwischen Therapeut und Patient nimmt Angst, mindert Stress und Schmerz, senkt den Blutdruck und bessert das Allgemeinbefinden.1 Wenn die Kommunikation funktioniert, werden Kranke schneller gesund.2 Und diejenigen Ärzte, die dem Patienten gegenüber eine freundliche und vertrauensvolle Haltung einnehmen, erzielen eine deutlich bessere Wirkung als jene, die sich nur auf medizinische Inhalte beschränken.3

Haben Sie deshalb keine Scheu, Fragen und Ängste zu äußern: Der Arzt ist Experte für Ihre Krankheit, Sie aber sind Experte für sich selbst! Sie sind beide aufeinander angewiesen. Fragen Sie also immer wieder nach, was Sie bisher nicht verstanden haben: Es ist wichtig, dass Sie das Ziel Ihrer Behandlung kennen! Offenheit im Gespräch mit dem Arzt und Mut zu unbequemen Fragen helfen Ihrem Onkologen, die für Sie beste Therapie zu finden.

Wenn Sie Angst haben, wichtige Dinge zu vergessen, dann schreiben Sie sich Ihre wichtigsten Fragen auf.

Auf jeden Fall sinnvoll ist es, bei einer so schwerwiegenden Erkrankung wie Krebs eine Zweitmeinung einzuholen. Kein seriöser Onkologe wird Sie davon abhalten, im Gegenteil. Lassen Sie sich nicht »irgendwo« behandeln. An den großen Universitätskliniken und spezialisierten Tumorzentren haben Sie die Chance, nach dem neuesten Forschungsstand behandelt zu werden. Studien zeigen, dass zum Beispiel Patienten, die an Studien teilnehmen – und diese werden in der Regel an spezialisierten Zentren durchgeführt -, eine bessere Überlebenschance haben. Die Adressen erfahren Sie über die Fachgesellschaften.*

Im Gespräch sollten Sie vor allem auch dann mit dem Onkologen bleiben, wenn Sie nach Behandlungsalternativen oder ergänzenden Verfahren suchen. Das ist nicht immer ganz einfach: Das wissenschaftliche Institut der niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (WINHO) veröffentlichte 2006 eine Befragung von rund 3500 Patienten in 25 onkologischen Schwerpunktpraxen. Aus der insgesamt positiven Bewertung der Krebsärzte fielen drei Punkte deutlich heraus: Die Patienten fühlten sich nicht gut beraten, was Alternativen zur Schulmedizin betraf. Zudem kritisierten sie die mangelnde Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen ihrer Behandlung.

DIAGNOSEN UND PROGNOSEN

Um sich ein genaues Bild der Krebserkrankung zu machen, kombiniert der Onkologe verschiedene Diagnoseverfahren. Am Anfang steht, wie bei jeder medizinischen Untersuchung, eine ausführliche Anamnese, die nicht nur die Ausprägungen der aktuellen Beschwerden klären soll, sondern auch die Krankheitsgeschichte des Patienten ermittelt. Das beinhaltet seine körperliche Konstitution, eventuelle erbliche Belastungen in der Familie und sein soziales – stützendes oder belastendes – Umfeld. Spezielle Untersuchungen wie etwa das Abtasten der Lymphknoten oder eine Echokardiographie dienen dazu, nach Metastasen zu fahnden oder Risikofaktoren zu identifizieren – denn die Chemotherapie kann das Herz belasten.

Was Tumormarker leisten

Im Blut werden Tumormarker gemessen, das sind Stoffe (meistens Zucker-Eiweiß-Moleküle), die entweder vom Tumor selbst produziert werden oder durch ihn vermehrt gebildet werden. Tumormarker treten allerdings nicht nur bei Krebs, sondern auch bei anderen Erkrankungen auf und haben deshalb nur eine eingeschränkte Aussagekraft. Zur Identifizierung einer Tumorart eignen sie sich nur bei Hodenkrebs4 sowie Keimzell- und Lebertumoren (Hepatoblastomen) bei Kindern und Jugendlichen.5 (Letztere sind jedoch so selten, dass eine Früherkennung hier nicht sinnvoll ist).

Weitere Hinweise aus dem Blut

Wenn bei der Anamnese familiäre Risiken festgestellt werden, kann der Onkologe aus dem Blut auch die Vererblichkeit einer Krebserkrankung ermitteln (Gentest). Bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie oder ein Kernspin klären die Lage von Tumoren ab. Ob das Knochenmark angegriffen ist, klärt eine Punktion des Beckenkamms. Eine Kontrastmittelaufnahme (sog. Szintigramm) gibt Aufschluss darüber, ob die Knochen selbst befallen sind.

Umgehen lernen mit Prognosen

Die Prognose, die aus solchen Befunden erstellt wird, beruht auf statistischen Mittelwerten. Sogenannte Fünf-Jahres-Überlebensraten verweisen auf den Prozentsatz der Patienten, der nach diesem Zeitraum noch lebt. Statistisch gesehen hat diese Gruppe danach dieselbe Lebenserwartung wie der normale Durchschnitt der Bevölkerung. Der individuelle Krankheitsverlauf kann ganz anders aussehen – besser, aber auch schlechter.

Sie fühlten sich nicht ernst genommen: 55 Prozent gaben an, bei der Erstellung eines Therapieplans nicht beteiligt worden zu sein. Und 62 Prozent bedauerten, nur lückenhafte Erklärungen bei der Ablehnung von Therapien erhalten zu haben, die sie vorschlugen. 6

Leider ist ein gestörtes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient häufig der Grund dafür, warum rund drei Viertel der Krebspatienten nicht über eigene Therapieversuche mit naturheilkundlichen Verfahren sprechen – obwohl solche Alleingänge den Behandlungserfolg gefährden können.

Teilen Sie Ihrem Onkologen alles mit, was Sie bewegt. Wenn Sie mit Ihrem Krebsarzt zum Beispiel nicht offen über Ihren Wunsch sprechen können, sich begleitend naturheilkundlich behandeln zu lassen, dann verzichten Sie entweder auf diese Option oder suchen Sie nach einem anderen Arzt. Verschweigen Sie auf keinen Fall, wenn Sie sich zusätzlichen Therapien unterziehen.

Naturheilkundliche Kompetenz finden

Die Onkologie hat lange ignoriert, dass sich die Mehrheit ihrer Patienten zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten sucht – häufig, ohne das ihrem Arzt mitzuteilen. An diesem mangelnden Vertrauen sind die Mediziner nicht unschuldig, denn die meisten kennen sich im Bereich der Naturheilkunde oder in den Möglichkeiten der Integrativen Onkologie nicht aus. Wenn Sie danach fragen, ob Ihre Behandlung naturheilkundlich unterstützt werden kann, werden Sie vielleicht solche Sätze hören, wie »Sie sind ernsthaft krank, was wollen Sie da mit Kräutern?«

Wo aber finden Sie naturheilkundliche Kompetenz? Jemanden, der Sie berät und begleitet, wenn es um Ihr Potenzial geht, selbst zur Genesung oder Besserung beizutragen – mit Kneipp-Therapien und Akupunktur, Ernährung, Bewegung und Mind-Body-Verfahren? Die Suche ist nicht ohne Risiko, denn auf dem »Markt« der Krebskrankheiten tummeln sich viele selbst ernannte Heiler und gutmeinende Gesundheitsapostel neben wenigen seriösen Kennern der Integrativen Onkologie. In den USA dagegen haben viele renommierte Krebszentren seit einigen Jahren Abteilungen aufgebaut, in denen komplementäre Verfahren aus verschiedenen traditionellen Heilsystemen in Kombination mit der Tumortherapie angewendet werden. (siehe Kapitel: Integration statt Abgrenzung)

In Deutschland gibt es – regional breit gestreut – einige Krebszentren, die sich für die komplementäre Behandlung von Krebspatienten geöffnet haben und in Sprechstunden Auskünfte dazu erteilen oder auch selbst Behandlungsangebote machen. Eine weitere Möglichkeit, die komplementären Therapiemöglichkeiten sachkundig abzuklären, bieten Fachgesellschaften.

Naturheilkundliche Sprechstunden an onkologischen Zentren sind ein großer Fortschritt, doch sie arbeiten in der Regel komplementär, das heißt ergänzend. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Entwicklung weitergehen muss: Wir brauchen eine integrative Krebsbehandlung, bei der beide Seiten voneinander lernen, weil sie sich täglich miteinander abstimmen. Nur das schafft eine grundsätzlich andere Qualität der Krebsmedizin.

Soziale Unterstützung aufbauen

Sobald Sie eine Krebsdiagnose erhalten haben, sind Sie mit Zetteln und Röntgenbildern in der Hand unterwegs von einer Untersuchung zur anderen, die alle immer mehr Befunde produzieren: Tumorstadien, Blutwerte und Überlebensraten. Sie treffen auf Zahlen, die häufig Angst machen, und Meinungen, die widersprüchlich sind. Das geht nicht nur Ihnen so: Eine Studie mit prostatakrebskranken Männern aus dem Jahr 2006 zeigte, dass diese sich mit einer riesigen Fülle von Informationen und Desinformationen konfrontiert sahen, mit unterschiedlichsten Prognosen und Therapiemöglichkeiten. Die meisten dieser Männer verstanden die Erklärungen der Mediziner nicht und fühlten sich außerstande, mögliche Alternativen in Ruhe zu bedenken. Der überwiegende Teil gab an, seine Therapieentscheidung allein aus Angst und Ungewissheit heraus getroffen zu haben.7 Panik aber ist kein guter Ratgeber.

Da die Krankheit Krebs über Jahre heranreift, wird die Dringlichkeit des Handelns häufig überschätzt. Zwei, drei Tage sind in den seltensten Fällen entscheidend für Leben und Tod. Lassen Sie sich also nicht zu vorschnellen Handlungen verleiten, auch nicht von Ihren eigenen Ängsten und Befürchtungen. Wenn Sie Ihr Onkologe dazu drängt, sich sofort zu entscheiden, dann fragen Sie nach seinen Gründen und den Konsequenzen, die ein Aufschub hätte.

BELASTUNGEN BEWÄLTIGEN MIT EMDR

Es muss nicht ein Zugunglück sein oder eine andere Form von Gewalteinwirkung. Auch Diagnose, Behandlung und Verlauf einer Tumorerkrankung können zu einer sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen. Nach Erkenntnissen der US Cancer Society tritt eine solche Traumatisierung in den frühen Phasen der Erkrankung bei 3 bis 4 Prozent der Patienten auf. Bis zum Ende der Behandlung ist sogar jeder dritte Krebskranke davon betroffen. Bei langanhaltenden Krebserkrankungen mit Rückfällen spielt sie bei bis zu 80 Prozent der Patienten eine Rolle.

Die Symptome

Diese Patienten leiden unter den für PTBS typischen plötzlich auftretenden belastenden Erinnerungen. Sie haben Albträume, sind ängstlich und schreckhaft.

Die Behandlung

Posttraumatische Belastungsstörungen sind durch die üblichen Psychotherapien schwerer zu behandeln als andere seelische Leiden. Sie erfordern »traumamodifizierte Therapien«, um die spezifischen Veränderungen im Erinnerungssystem der Patienten beeinflussen zu können.

Eine neue und sehr effektive Methode dafür ist EMDR (eye movement desensitization and reprocessing). Sie wurde 1987 von Francine Shapiro, einer kalifornischen Psychologin, 8 entwickelt. Inzwischen wird sie weltweit zur Behandlung schwerer psychischer Traumafolgestörungen angewendet. 9-11 Im Jahr 2006 wurde EMDR auch in Deutschland als wissenschaftlich begründete Psychotherapiemethode anerkannt, auch wenn der Wirkmechanismus nicht völlig geklärt ist.

Die Wirkung von EMDR

Die Patienten folgen den horizontalen Bewegungen der Hand des Therapeuten (z. B. mit einem Stab) mit den Augen, während sie sich auf die belastende Erinnerung konzentrieren. Das scheint in ihrem Gehirn eine Umstrukturierung der Erinnerung zu aktivieren, die eine deutlich zügigere Verarbeitung ermöglicht, als dies mit anderen Methoden möglich ist.

EMDR in Deutschland

In Deutschland gibt es etwa 1500 durch die Fachgesellschaft EMDRIA zertifizierte EMDR-Therapeuten (fast alles psychotherapeutisch tätige Psychologen und Ärzte, www.emdr.de). In der Regel ist die EMDR-Behandlung Teil einer von den Kassen finanzierten Richtlinienpsychotherapie (Kurztherapie). 12 An den Kliniken Essen-Mitte wird diese Methode künftig zum Repertoire der begleitenden Krebstherapien gehören.

Handeln Sie nicht überstürzt: Ziehen Sie sich für zwei, drei Tage zurück, bevor Sie Ihre onkologische Behandlung beginnen. Nutzen Sie diese Zeit, um sich klarzumachen, was Sie erwartet, für welche Therapie Sie sich entscheiden, welche Fragen Sie noch an den Arzt haben, welche Hilfestellungen Sie sich von Ihrer Familie, Freunden oder vielleicht weiteren Therapeuten wünschen.

Viele Patienten scheuen sich, ihre Familie oder ihre Freunde mit ihrer Krankheit zu »belasten«. Dabei können diese ein wichtiges Netzwerk sein, das sie unterstützt, zum Beispiel in praktischen Fragen des Alltags – jemand, der im Haushalt hilft oder sich vielleicht um ihre Kinder oder die kranke Mutter kümmert. Besonders wichtig ist, jemanden zu finden, mit dem Sie über alles sprechen können, auch über Ihre Ängste – diese emotionale Unterstützung kann ein Partner oder eine Partnerin geben, aber auch eine Schwester oder ein Bruder, vielleicht auch ein langjähriger Freund.

Sehr zu empfehlen ist ein »Lotse« durch die medizinische Behandlung, vor allem, wenn Sie sich von den vielen Informationen und Therapieoptionen überfordert fühlen. Ideal wäre ein Hausarzt, der Sie schon länger kennt. Dieser Arzt oder diese Ärztin müssen keine Experten für Krebs sein, aber schon eine Person, die keine Angst davor hat, alle wichtigen Fragen an die Fachleute zu stellen und Termine durchzusetzen. Vielleicht haben Sie auch jemanden, der Sie begleitet, wenn unangenehme Gespräche oder Untersuchungen anstehen.

Lassen Sie sich helfen: Suchen Sie sich Menschen, die Sie zum Lachen bringen, aber auch keine Scheu haben, Sie weinen zu sehen. Andere, die organisieren können und immer einen kühlen Kopf behalten. Dritte, die einfach da sind oder einspringen, wenn alle organisatorischen Stricke reißen.

BESSER SCHLAFEN

Ausreichend Schlaf stärkt Sie für die Belastungen des Tages und der Therapie. Falls Ihnen der Schlaf durch die Sorgen um den Ausgang Ihrer Behandlung abhanden gekommen ist, versuchen Sie es mit progressiver Muskelentspannung. Diese Methode kombiniert körperliche mit geistiger Entspannung und ist daher ideal bei Schlafstörungen. Das Prinzip besteht darin, dass einzelne Muskelgruppen an- und dann wieder entspannen. Nach einer Weile Training können Sie Ihre Muskeln dann sogar willentlich entspannen.

Setzen Sie sich auf einen Stuhl und schließen Sie die Augen. (Sie können die Übung aber auch im Liegen ausführen). Machen Sie mit Ihrer rechten Hand eine Faust. Spannen Sie Ihre Faust mit maximaler Kraft an, fühlen Sie die Anspannung und ordnen Sie ihr den Wert 100 zu. Halten Sie die Spannung 6 Sekunden. Lassen Sie wieder los und warten Sie, bis die Spannung auf 0 heruntergegangen ist. Fühlen Sie die Entspannung 40 bis 50 Sekunden. Probieren Sie nun mittlere Spannungswerte aus: 50, 70 oder 30, und spüren Sie, wie sich das jeweils anfühlt.

Kombinieren Sie diese Übung dann mit Ihrer Atmung: Atmen Sie beim Anspannen ein, halten Sie dann gleichzeitig mit der Spannung 6 Sekunden den Atem an, atmen Sie dann mit der Entspannung fühlbar und hörbar aus. Das Gleiche machen Sie nun mit der linken Faust.

Danach ziehen Sie die Augenbrauen hoch und die Mundwinkel zu den Ohren. Halten Sie die Spannung 6 Sekunden und entspannen Sie. Spüren Sie den Veränderungen im Körpergefühl nach. Ziehen Sie dann das Kinn zur Brust und die Schultern kräftig nach oben.

Weitere Muskelgruppen spannen Sie so an: Drücken Sie die Schulterblätter fest gegen die Stuhllehne. Winkeln Sie dann die Beine so an, dass die Unterschenkel genau waagerecht parallel zum Boden verlaufen, ziehen Sie dann die Zehen nach unten in Richtung Fußsohle und halten Sie diese Spannung.

Zum Schluss gehen Sie im Geist noch einmal alle angespannten Körperbereiche durch. Spannen Sie noch einmal abwechselnd die Fäuste an und entspannen Sie sie dann wieder. Dann räkeln Sie sich noch einmal und öffnen die Augen.


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Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
12 kasım 2024
Hacim:
407 s. 63 illüstrasyon
ISBN:
9783898833011
Telif hakkı:
Bookwire
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