Kitabı oku: «Hans Fallada – Gesammelte Werke», sayfa 95
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Vor der Tür vom »Boten« bleibt Herr Brödchen überlegend stehen. »Sie brauchen nicht neben mir zu gehen, Herr Kufalt«, sagt er schließlich. »Freese sagt, Sie haben sich verlobt. Ich gehe hinter Ihnen. Aber wenn Sie Geschichten machen …!«
»Knallt’s!« bestätigt Kufalt. »Weiß schon. Ich mach keine Geschichten. Wenn Sie mir nur sagen wollten, was los ist mit der Frau Zwietusch, Herr Kriminalassistent.«
»Also ab nach Ihrer Wohnung!« kommandiert der.
»Schön«, sagt Kufalt und marschiert los.
Auf der Treppe vereinigen sie sich wieder. Brödchen scheint schlechter Stimmung, dass Kufalt hierher ohne Wippchen marschiert ist.
»Fein wohnen Sie für zwei Mark fünfzig den Tag.«
»Ich hab auch schon mehr verdient«, erklärt Kufalt. »Zweihundertvierzig Mark die Woche.«
»Davon hat mir Freese nichts gesagt«, bemerkt Brödchen unzufrieden.
»Dafür gibt’s Zeugen, Herr Assistent. Nach so was müssen Sie Herrn Kraft fragen«, entgegnet Kufalt fröhlich. »Das steht alles in den dicken Büchern. Und Quittungen sind auch da.«
Er knipst das Licht im Zimmer an.
»Und nun ist das Geld wieder alle?« fragt der Kriminale.
»Wieso denn?« wundert sich Kufalt. »Wer hat Ihnen denn den Quatsch erzählt? Elfhundertdreiundsiebzig Mark habe ich auf der Sparkasse.«
»So«, sagt der andere und wird immer unzufriedener. »Darüber sprechen wir noch. Schließen Sie erst mal den Kleiderschrank auf.«
»Der ist offen, Herr Assistent«, sagt Kufalt höflich.
»Feine Klamotten haben Sie«, bemerkt der Assistent. »Alles vom Werbelohn bezahlt?«
»Die Sachen hat mir mein Schwager geschickt. Auch dafür gibt’s Zeugen, Herr Sekretär.«
»So! – Setzen Sie mal diesen Hut auf«, sagt der Beamte triumphierend. »Der sieht entschieden grünlich aus. Das müssen Sie doch wenigstens zugeben, Herr Kufalt.«
»Bläulichgrau, finde ich«, entscheidet Kufalt vor dem Spiegel.
»Ach was, grün ist der! Das hat doch gar keinen Zweck, alles zu leugnen. – Zeigen Sie mal Ihr Sparkassenbuch.«
Kufalt holt es aus dem verschlossenen Schreibtisch.
»Seit den zweiten Januar haben Sie nichts mehr eingezahlt? Wie viel Bargeld haben Sie noch hier«
Kufalt sucht es zusammen, es sind sechsundvierzig Mark.
»Und wo sind die dreihundert Mark?« fragt der Beamte.
»Welche dreihundert Mark?«
»Die Sie der Zwietusch aus der Kommode genommen haben. – Tun Sie doch nicht so, Kufalt, es hat gar keinen Zweck. Ich mach heute Abend noch Haussuchung in Ihrer Bude, und wenn Sie’s beiseite geschafft haben, finde ich es auch.«
Kufalt ist ganz fröhlich. Sein Herz hat einen erleichterten frohen Schlag getan.
»Also der Frau Zwietusch hat einer dreihundert Eier aus der Kommode geklaut? Na, Herr Assistent, dann ist es das Einfachste, wir gehen gleich zu ihr. Und dann wird sie Ihnen bestätigen, dass ich es nicht war.«
Der Beamte sieht ihn aufmerksam an.
»Warum freuen Sie sich denn so?« fragt er.
»Weil ich nun weiß, was es ist, und weil ich nun weiß, es wird sich gleich aufklären. – Gehen wir also los.«
Aber Herr Brödchen setzt sich. »Und warum haben Sie vorhin solche Angst gehabt am Ofen?«
Kufalt wird verwirrt. »Gar keine Angst habe ich gehabt«, bestreitet er.
»Natürlich hat er Angst gehabt«, sagt der Beamte wie zu sich. »Freese wird’s bestätigen können. – Nein, nein, Kufalt, etwas haben Sie auf dem Kerbholz – wenn Sie es auch bei der Zwietusch nicht gewesen sein sollten … was ich bezweifle …«
»Ich hab keine Angst gehabt«, sagt Kufalt und hat sich wieder gefasst. »Aber wenn einer vorbestraft ist wie ich, dann ist es ihm ungemütlich, wenn er mit ’nem Kriminaler redet. Man weiß ja nie, kann man seine Unschuld auch beweisen, unsereiner ist doch immer gleich im Verdacht …«
»Nee, nee, Kufalt«, sagt der andere. »Mich reden Sie nicht dumm. Ich kenn euch Brüder doch. Irgendwo stinkt’s bei Ihnen.« Er versinkt wieder ins Grübeln. »Na, gehen wir also erst einmal zur Zwietusch.«
»Ja, gehen wir«, sagt Kufalt trotzig. »Verdächtigen, das kann jeder … Sehen Sie, Herr Assistent, wo ich so schön Geld verdient habe, und es liegt auf der Kasse, und ich will zu Ostern heiraten – ich wär doch saudumm, wenn ich wegen dreihundert Mark mir alles vermasseln wollte.«
»Mancher ist dumm und weiß es nicht«, sagt der Assistent melancholisch. »So klauen ist überhaupt dumm.«
»Ja, und darum tu ich’s auch nicht. Ich hab mal unterschlagen; das wissen Sie doch selbst, Herr Assistent, dass Unterschlagen und Klauen was ganz Verschiedenes ist.« Er macht ein Geständnis: »Ich wär viel zu feige zum Klauen, Herr Assistent.«
»So, so«, sagt der. »Trinken Sie jeden Tag so viel Kognak?«
»Ich hab doch nicht viel Kognak getrunken!«
»Jedenfalls mehr, als Ihnen gut ist, und auch mehr, als Ihnen Freese gegeben hat. – Haben Sie auch Kognak getrunken, als Sie in der Töpferstraße geworben haben?«
»Nein, ich trinke fast nie Kognak.«
»Aber heute haben Sie getrunken?«
»Ja … ich war schlechter Laune, weil ’s Geschäft schlecht ging.«
»Wo?«
»Bei Lindemann.«
»Und wie viel?«
»Vier.«
»Und dazu den von Freese. Macht fünf. Mit fünf Kognaks kann ’ne Hand schon mal ausrutschen.«
»Ich hab aber nicht getrunken, wie ich in der Töpferstraße werben gegangen bin.«
»Das werden wir sehen.« Der Beamte gähnt. »Gehen wir also zur Frau Zwietusch.«
4
»Ich glaube, in dem Haus bin ich nicht gewesen«, sagt Kufalt und sieht an dem Mietskasten Töpferstraße 97 hoch, der im ungewissen Licht einer Gaslaterne daliegt.
»Glauben ist Religionssache«, antwortet Kriminalassistent Brödchen. »Warum sollten Sie grade in diesem Haus nicht gewesen sein, wo Sie die ganze Töpferstraße abgeklappert haben …?«
»I wo, ich geh doch nicht in alle Häuser! Manche sehen mir von vornherein nicht so aus, da gehe ich erst gar nicht hinein!«
»So!« sagt Herr Brödchen. »Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, aber man kann auch zu vorsichtig sein, Kufalt. – Kennen Sie das Treppenhaus?«
»Ist ein Arbeitertreppenhaus«, sagt Kufalt prüfend. »Direkt kennen, mich erinnern …? Die sehen sich doch alle ähnlich!«
Und er bückt sich, um die Schilder an den drei Etagentüren im Parterre zu lesen.
»Nee! Zweiten Stock doch!« ruft Brödchen ungeduldig, und Kufalt ersteigt gehorsam die erste Treppe, die zweite Treppe, Brödchen hinterher.
»Also kommen Sie wieder runter«, sagt Brödchen unzufrieden. »Wenn Sie es gewesen sind, sind Sie ein ganz ausgekochter Hund. Es ist natürlich im Parterre.«
»Ach Gott, Herr Assistent«, sagt Kufalt fröhlich, »seit ich weiß, worum es sich dreht, habe ich gar keine Bange mehr.«
Aber das war ein Fehler, denn der Kriminale sagt mit Bedeutung: »Seit Sie wissen, dass es sich nicht darum dreht! – Klopfen Sie an, und gehen Sie zuerst rein … Ich möchte mal sehen …«
Also Kufalt klopft, und eine fette Weiberstimme ruft: »Herein!«
Es ist eine kleine Arbeiterwohnung, zuerst kommt man in die Küche, die Tür zur Stube dahinter steht offen. Kufalt sieht zwei Betten mit einer weißen Waffeldecke.
Am Herd steht eine dicke, schwammige Frau, schmierigdunkel gekleidet, mit einem weißen, vollen Gesicht mit hängenden Backen, dunklen, unruhigen Augen.
Kufalt sieht die Frau prüfend an, er ist ganz sicher, er hat sie nie gesehen. Dann nimmt er seinen (doch bläulichgrauen!) Filz ab und sagt höflich: »Guten Abend.«
»’n Abend«, sagt die Frau. »Was soll’s denn sein?«
Kufalt antwortet ihr nicht.
»Na?« ruft er triumphierend zum Kriminalbeamten, der im Schatten geblieben war. »Hat sie mich erkannt, oder hat sie mich nicht erkannt?«
Ihm nun wieder antwortet Herr Brödchen nicht. Er tritt aus dem Schatten. »’n Abend, Frau Zwietusch. Das ist also der junge Mann?«
»Ich protestiere!« schreit Kufalt wütend. »Wenn Sie der Frau erzählen, ich bin das, so glaubt sie es auch. Ich bin es nicht, Frau Zwietusch, Sie haben mich überhaupt noch nicht gesehen, nicht wahr?«
»Halten Sie den Mund, Kufalt«, sagt Brödchen grob. »Sie haben hier gar nichts zu fragen! – Frau Zwietusch, das ist also der junge Mann, der hier in der Straße für den ›Boten‹ geworben hat. Ist er bei Ihnen gewesen?«
»Sehen Sie mich an!« beschwört Kufalt. »Sehen Sie mich bitte genau an.«
»Den Mund sollen Sie halten, Kufalt!«
Die Frau sieht hilflos von einem Mann zum anderen.
»Ich weiß ja nicht …«, sagt sie. »Man sieht sich die Leute doch nicht so an. – War er so groß?« fragt sie hilfesuchend den Beamten.
»Das frage ich Sie – heller Gummimantel, dunkle Hornbrille, fahles Gesicht – Sie sehen, das stimmt, Mutter Zwietusch.«
»Ja …«, sagt sie zögernd.
»Hab ich denn so ’nen Hut aufgehabt?« fragt Kufalt dringend. »Ich meine, hat der solchen Hut aufgehabt? Sie haben doch gesagt, er hat einen grünen Hut aufgehabt! Mein Hut ist doch nicht grün …?«
»Nee …«, sagt sie misstrauisch. »Grün ist der wohl nicht …«
»Hat der Mann denn solchen Hut aufgehabt, solche Fasson, Mutter Zwietusch?« fragt auch der Beamte.
»Ich weiß doch nicht«, sagt sie. »Er hat ihn doch gleich abgenommen. Hab ich grün gesagt?«
»Grün haben Sie gesagt.«
»Vielleicht hat er auch so ausgesehen?«
»Ja, Sie müssen es wissen, Frau Zwietusch«, sagt der Beamte streng. »Sie haben übrigens ausgesagt, er hat den Hut auch drüben, im Zimmer, aufbehalten, erst beim Schreiben hat er ihn neben sich auf den Tisch gelegt.«
»Hab ich das? Dann wird es wohl stimmen. Dann wird es wohl der Hut sein, Herr Kommissar.«
»So!« sagt Herr Brödchen. Aber er ist sichtlich sehr unzufrieden. »Und ist das der junge Mann?«
»Erst hab ich gedacht, er ist es nicht, der andere ist größer gewesen und hat auch ’ne rauere Stimme gehabt. Aber jetzt glaube ich beinahe, er ist es doch gewesen.«
»So«, sagt Brödchen, immer unzufriedener.
»Hat er denn das Geld noch, Herr Kommissar?« fragt sie zutraulich und deutet mit dem Daumen auf Kufalt.
Der Kriminalassistent antwortet nicht.
Kufalt steht da. Nichts mehr von Fröhlichkeit, nur Furcht, grenzenlose Furcht. Dafür hat er sich abgestrampelt, dafür hat er sich gequält, dass ihn solch ein altes dummes Weib grundlos reinsenkt. Brödchen braucht es bloß ein bisschen leicht zu nehmen: Hat ihn erkannt, also gut, ist er’s auch gewesen, hab ich die Sache geklärt – und er sitzt drin. Denn nur noch fünf Minuten – und sie erkennt ihn bestimmt wieder. Ja, sie glaubt sogar felsenfest daran, beschwört es besten Glaubens vor jedem Richter der Welt!
Und er hat gar keine Möglichkeit, sich zu wehren, er ist vorbestraft, jeder traut es ihm zu, sinnlos ist alles. Was soll werden? Was in aller Welt soll werden mit Hilde und Harder und Freese und Kraft? Und mit ihm? Und mit ihm!
»Frau Zwietusch!« beschwört er sie. »Sehen Sie mich doch genau an! Hat der solch dunkelblondes Haar gehabt? Hat er so den Scheitel getragen? Hat er hochdeutsch gesprochen wie ich? Oder hat er platt geschnackt? Überlegen Sie doch mal …«
Brödchen sitzt auf einem Küchenstuhl und sieht musternd von Kufalt zur Frau, von der Frau zu Kufalt.
»Nee, nee, junger Herr«, sagt die alte Frau weinerlich. »Sie wollen mich bloß verwirrt machen. Der Herr Kommissar hat auch gesagt, Sie sollen den Mund halten. Und eine Schande ist es von Ihnen, einer alten Frau ihr ganzes Erspartes aus der Kommode zu klauen, und ganz scheinheilig haben Sie noch gesagt: ›Machen Sie nur erst am Herd, dass Ihr Essen nicht anbrennt, ich kann warten‹ …«
Plötzlich erzittert Kufalt, eine Erinnerung kommt ihm, als hätte er wirklich irgendwo gesessen, hätte wirklich so was gesagt …
Da erklärt Herr Brödchen streng: »Nee, Zwietuschen, so einfach ist das nun auch nicht. Jetzt dürfen Sie sich nun auch keine Geschichten einbilden! Viel spricht bisher nicht dafür, dass Sie ihn wiedererkannt haben.«
»Aber wo ich es doch sage, Herr Kommissar«, klagt sie. »Natürlich habe ich ihn erkannt. Der ist es gewesen!«
»Nie, nie bin ich bei Ihnen gewesen!« ruft Kufalt erbittert.
»Und so ’nen goldenen Ring hat er auch an der linken Hand getragen, genau hab ich’s gesehen, als er das Buch beim Schreiben festhielt!«
»Davon haben Sie aber bisher nichts angegeben, Frau Zwietusch!«
»Weil’s mir eben erst eingefallen ist, Herr Kommissar. Bestimmt hat er solchen Ring gehabt!«
In diesem Augenblick wird sie unterbrochen.
Ein großer, untersetzter Mann in gelblichweißer Maurerkleidung stürzt herein, eine blaue Emaillekanne wie ein Wurfgeschoss in der Hand schwingend. In das von Kalkspritzern befleckte Gesicht hängen lange schwarze Haarsträhnen.
»Wo ist der Lump, der meiner Frau ihr Erspartes geklaut hat?!« schreit er wütend. »Komm her, du Aas, ich schlage dir alle Knochen im Leibe zu Brei …!«
Und er springt auf Kufalt zu, fasst ihn an der Brust …
»Sachte, Zwietusch …«, sagt Brödchen. »Sachte …«, sagt der Herr Brödchen und beeilt sich nicht sehr, dazwischenzutreten.
»Lassen Sie mich gefälligst los!« schreit auch Kufalt. »Nichts habe ich Ihnen geklaut!«
Und er versetzt dem Riesen einen Stoß.
In der offenen Tür drängen sich die Nachbarinnen.
Der Stoß ist nicht sehr kräftig gewesen, denn Kufalt ist nicht sehr kräftig. Aber doch verliert der große Mann sofort den Halt, er taumelt zurück, rutscht, aus und setzt sich auf den Fußboden.
An der Küchentür wird bedauerndes Tuscheln hörbar. In die schwarzen, eben noch wutfunkelnden Augen des Maurers tritt ein Ausdruck blöden Erstaunens, dann lacht er schallend auf.
»Betrunken! Schon wieder betrunken!« ruft Frau Zwietusch klagend. »Jeden Abend jetzt betrunken …!«
»Das ist der Kummer wegen dem Geld!« ruft eine spitze Frauenstimme von der Küchentür her.
»Totschlagen müsste man solche jungen Kerls!«
»Arbeitergroschen mit ihren Weibern veraasen …!«
Brödchen hat die Szene aufmerksam betrachtet. »Sie dürfen aufstehen, Zwietusch. Seit wann trinken Sie denn wieder?«
»Das geht keinen was an«, sagt der starke Mann mürrisch, mühsam mit Hilfe eines Küchenstuhles hochkommend. »Aber wenn ich dich Bürschchen mal wieder erwische …!«
»Dürfen Sie nicht wieder besoffen sein«, ergänzt Brödchen trocken. »Kommen Sie, Kufalt. Vielleicht sprechen wir morgen früh noch mal vor, Frau Zwietusch, dass Sie sich den Herrn bei Tageslicht ansehen. Guten Abend!«
Und durch das schimpfende Spalier der Weiber geht er ab mit seinem Beschuldigten.
5
Ein Weilchen gehen sie auf der Straße stillschweigend nebeneinander.
Dann sagt Kufalt: »Wenn Sie mich der morgen noch mal vorführen, Herr Kriminalassistent, bin ich hops. Dann erkennt sie mich bestimmt wieder.«
Und, da der andere nicht antwortet: »Wo sie mich heute den ganzen Abend beglotzt hat.«
»So«, sagt Herr Brödchen nur.
Dann, nach einer Weile: »Sie haben schöne Begriffe von unserer Arbeit. Sie denken auch, Sie sind allein schlau.«
»Und was denken Sie?«
»Jetzt denk ich, Sie sind gar nicht ausgekocht, jetzt denk ich, Sie sind dumm. Und Dumme machen immer die meiste Arbeit.«
Pause. Sie gehen wieder schweigend nebeneinander.
»Wo gehen wir eigentlich hin?« fragt Kufalt.
Brödchen brummt nur.
»Sie lassen mich doch wieder laufen? Die Olle heute beweist doch gar nichts.«
Aber auch darauf antwortet Herr Brödchen nicht.
Sie gehen in das Zentrum der Stadt, über den Marktplatz, in das Rathaus, durch die Polizeiwache, in der auf Pritschen ein paar Stadtsoldaten liegen, eine halbdunkle Treppe hinauf – und Brödchen stößt die Tür zu einem schmalen kleinen Büro auf. Hier sitzt hinter einer Schreibmaschine ein Polizist, ein Oberwachtmeister, Kufalt kennt die Abzeichen.
»Setzen Sie sich!« sagt Brödchen zu Kufalt. Und ungeduldig: »Also setzen Sie sich schon! – Wrede, dieser Herr darf nicht …«
»Weiß Bescheid«, sagt der Oberwachtmeister Wrede gleichmütig und tippt weiter.
»Ich geh mal ’nen Augenblick zum Chef rein«, erklärt Brödchen und verschwindet durch eine Polstertür im Nebenbüro.
Eine Weile sitzt Kufalt dösend da. Er möchte gerne auf die Stimmen im Büro nebenan lauschen, aber die Polstertür ist zu dick, und die Maschine klappert zu sehr – so bleibt ihm nichts als das Dösen: Lassen sie dich raus? Natürlich lassen sie dich raus, ist ja gar kein Beweis da!
Es dauert lange Zeit, schließlich steht Kufalt auf und fängt an, hin und her zu gehen.
»Von der Tür weg! Setzen!« ruft der Mann an der Schreibmaschine scharf, und Kufalt setzt sich und döst weiter: Natürlich lassen sie dich raus. Da komm ich grade noch recht zu Hilde.
Wieder vergeht eine endlose Zeit, dann tut sich die Polstertür auf, und mit Herrn Brödchen erscheint ein großer gewichtiger Mann in Polizeiuniform.
Kufalt springt auf und nimmt seine Habachtstellung ein, die er im Kittchen gelernt hat.
Aber der Polizeioffizier betrachtet ihn nur flüchtig.
»Also vorläufig in Polizeigewahrsam«, sagt er.
»Aber …«, fängt Kufalt fast schreiend an.
»Abführen!« sagt der Offizier scharf und verschwindet durch die Polstertüre.
Der Oberwachtmeister ist von seiner Maschine aufgestanden und nimmt von einem Brett Schlüssel.
»Herr Assistent!« schreit Kufalt. »Sie wissen doch selbst, ich bin’s nicht gewesen. Lassen Sie mich doch raus, ich lauf Ihnen bestimmt nicht weg. Sie wissen doch, ich muss heute noch …«, sehr leise, »… zu meiner Braut. Machen Sie mir doch nicht alles kaputt!«
»Aber was sind denn das für Zicken, Kufalt«, sagt Brödchen. »Was macht Ihnen eine Nacht im Kittchen schon aus! Wenn Sie wirklich unschuldig sind, kommen Sie morgen wieder raus. Und für die Aufklärung ist es besser, Sie sind uns erst einmal aus dem Wege.«
Er verstummt, dann sagt er geschäftsmäßig: »Außerdem besteht Verdunkelungsgefahr und Fluchtverdacht. – Abführen, Wrede!«
»Mitkommen!« sagt Wrede. »Na, ein bisschen dalli! Ich habe heute Abend noch mehr zu tun.«
Sie gehen über einen dunklen Hof, eine Eisentür klirrt, der Wachtmeister knipst Licht an, ein Steinflur, die geliebten Gitterstäbe, eine Zellentür …
»Geheizt ist nicht«, sagt Wrede zögernd. »Na, die eine Nacht geht es schon mal. Ich gebe Ihnen eine Decke mehr. Wollen Sie noch etwas essen? Einen Kanten Brot kann ich Ihnen geben. Suppe ist schon verteilt. Legen Sie alles aus den Taschen raus. So. In fünf Minuten hole ich Hosenträger und Schlips und mache das Licht aus. Ein bisschen dalli also!«
Es ist nicht ganz dunkel in der Zelle, dieser Eisgruft. Die Hoflampe wirft einen fahlen Schein gegen die Decke. Kufalt hockt, vor Kälte am ganzen Leibe zitternd, auf seinem Lager und starrt gegen die graue Wand.
Was macht Ihnen eine Nacht im Kittchen aus! – Was macht Ihnen schon eine Nacht im Kittchen aus! – Was macht Ihnen eine Nacht im Kittchen schon aus!
Eine unsägliche Wut erfüllt ihn. Nein, es ist nicht nur die Kälte, die ihn so zittern macht.
Wartet nur, wenn ich wieder raus bin, ihr sollt sehen …!
Und immer wieder: Was macht Ihnen eine Nacht im Kittchen schon aus!
Später hört er die Feuerwehr klingeln.
Ja, das wäre schon das Richtige, Bruhn hat ganz recht: Alles abbrennen … totschlagen muss man euch alle, ihr Speckjäger! Was macht Ihnen eine Nacht im Kittchen schon aus …
6
Die Feuerwehr, die Kufalt hatte klingeln hören, fuhr zur Holzwarenfabrik. Es brannte. Ja, nun brannte es – und einen langen, bitteren Weg hatte der kleine seehundsköpfige gutmütige Emil Bruhn gehen müssen, bis es zu diesem Brande kam, seinetwegen, aber nicht durch ihn.
Allerdings hatte er sich geirrt, damals, als er erzählte, die Werkleitung hielte ihn wegen seiner Äußerung über leicht brennbare Holzwarenfabriken. Nein, so etwas und Ähnliches hörte man dort nicht allzu selten, Hunde, die bellen, beißen nicht, und für den schlimmsten Fall war man ausreichend versichert.
Nein, man hielt ihn allein darum, weil er wirklich ein außergewöhnlich tüchtiger Arbeiter war, dazu noch ein Wühler, Roboter, wie er sich selbst genannt hatte. Einen Antreiber wie ihn – noch dazu einen so billigen – fand man in zehn Jahren nicht wieder!
Bedenklich wurde die Sache erst, als sein Saal wirklich anfing, schlecht abzuliefern, als man auf die von Bruhn organisierte Sabotage der Arbeit stieß.
Damals hatte Bruhn wirklich direkt vor einem Hinauswurf gestanden. Aber immer wieder hemmte der Gedanke an den wirklich unersetzbaren Arbeiter. Es musste doch möglich sein, diesen Kerl kleinzukriegen!
Es war ein Buchhalter, ein galliger, gelber älterer Lohnbuchhalter, der den Vorschlag machte, Bruhns Lebenslauf seinen Arbeitskollegen bekanntzugeben, ihn dadurch zu isolieren und auf die Werkleitung als seinen einzigen Schutz zu verweisen. Zur Ehre der Firma Steguweit muss gesagt werden, dass dieser Vorschlag abgelehnt wurde. Man kannte den Buchhalter, der, niedrig bezahlt, von einem grimmigen Hass gegen jeden gut verdienenden Arbeiter, dessen Lohn er auch noch errechnen musste, erfüllt war. Man amüsierte sich über ihn und behielt ihn, weil man bei ihm vollkommen sicher war, es wurde kein Pfennig zu viel ausbezahlt. Aber so etwas wollte man nun doch nicht.
Stattdessen besann man sich auf einen gewissen polnischen Wanderarbeiter Kania, der an der Hobelmaschine ein nicht völlig ausgenutztes Dasein führte. Kania, gegen Vorgesetzte schmeichlerisch, devot, zu jedem Dienst und jeder unbezahlten Überstunde bereit, hasste niemanden so sehr wie seine eigenen Arbeitskollegen, die er als dumm, nicht strebsam und untüchtig verachtete. Immer bereit, sie zu denunzieren, ihnen Schaden zuzufügen, war er der geborene Vorarbeiter, der an nichts als an seine Fabrik und damit an sein Vorwärtskommen denkt, bis er dermal einst sein Ideal einer Zweizimmerwohnung mit Radio und Plüsch erreicht hat.
Ihn dem Bruhn vor die Nase zu setzen und die beiden zu einem irren Wettstreit anzutreiben würde im Interesse der Arbeit das Bekömmlichste sein.
Leider kamen beide Pläne zur Ausführung, und zwar der des galligen Lohnbuchhalters noch eher als der der Werkleitung. Dem Zahlenknecht hatte es keine Ruhe gelassen, dass sein ausgezeichneter Vorschlag abgelehnt worden war. Heimlich hetzte er die Arbeiter gegen Bruhn. Der aber ergab sich nicht. Ja, es glückte ihm sogar, eine kleine Gruppe in der Werkstatt zu bilden, die auf seiner Seite stand und der größeren Partei der Lästerer alles zuleide tat, was nur möglich war. Die Stunden, die früher dem emsigen Zusammenschlagen von Fallennestern gewidmet waren, galten jetzt nur dann dieser Beschäftigung, wenn gerade das Auge eines Werkmeisters auf der Belegschaft ruhte. Kaum kehrte der Mann den Rücken, begannen die Feindseligkeiten neu, die bis zum Aufbrechen von Kleiderschränken und zum Verwüsten ihres Inhaltes gingen, bis zum Beschädigen der Transmissionsleitungen, damit der Gegner von einem schlagenden Riemen erwischt und ins Getriebe gezogen wurde. Hämmer flogen unversehens durch die Luft, und das Schimpfwort »Raubmörder«, halblaut gesagt, genügte, um eine Schlacht zu entfesseln.
Dazu kamen ständige Petitionen der stärkeren Gruppe an die Werkleitung, den »Raubmörder« sofort zu entlassen. Blessuren wurden gezeigt – er hatte sie hervorgerufen. Geld fehlte – er hatte es gestohlen. Anzüge waren von Säure zerfressen – er allein besaß eine Säureflasche.
Da erschien Kania in der Werkstatt. Kania war kein beliebiger Arbeiter, der bei den Fallennestern beschäftigt wurde, mit Kania hatte die Werkleitung etwas vor, das wusste der ganze Nestersaal sofort. Was – darüber gingen die Ansichten auseinander, aber dass es sich um Bruhn handelte, darüber waren sich alle klar.
Kania trat auf, und damit kam es vorerst einmal zu der von der Werkleitung lange ersehnten Beruhigung. Beide Parteien warteten ab. War Kania einfach ein Aufpasser, der alles, was gesagt und getan wurde, der Leitung melden würde? Oder war er mehr? Er war jedenfalls ein bescheidener Mensch. Er kam von der Hobelmaschine, er verstand nichts von Fallennestern, die Kunst, Nägel im Akkord in Bretter zu treiben, war ihm fremd. Er püttjerte so herum, schielte rechts, schielte links – »der macht pro Tag ein Fallennest«, schrie einer, und alle lachten. Kania lachte auch. Zur Mittagspause hatte Kania sein erstes Fallennest fertig. »Ausschuss, zurück!« sagte der Werkmeister, und Kania lächelte bescheiden.
Sofort war man sich einig, mit Kania war nichts los, und am nächsten Tage schon war er eine gewohnte Sache. Beim Regal für die Nägel gerieten Willi Blunck und Ernst Holtmann aneinander.
»Brauchst mir auch nicht auf die Zehen zu pedden!«
»Wer peddet auf die Zehen? Du oder ich?«
Und trat ihm auf die Zehen.
»Dreckiger Raubmörder!«
»Dreckiger Ehebrecher!« Denn Blunck war in einen Ehescheidungsprozess verwickelt, von dem er gerne und nicht sauber erzählte.
»Hallo, Bruhn!«
»Hallo, Stachu!«
»Lässt du den Willi los, ich schmeiß mit dem Hammer!«
»Wenn du meinen Hammer an deine Birne haben willst …!«
»Dreckiger Raubmörder!«
Etwas wie ein tierisches Gebrüll ertönte. In das Knäuel Streitender, schon sich Schlagender sprang Kania mit nackten Armen, nacktem Hals.
»Hach!! Wer hier Raubmörder?! Du? Du auch? Da hast du! Willst du noch! Da hast du auch! Gehst du, dreckiger Polacke!« (Das galt Stachu und sprach für die Überparteilichkeit des kommenden Vorarbeiters.) »Wer will noch schlagen? Ich mich immer schlagen! Komm her du, wie heißt du?«
In drei Minuten hatte er das Knäuel von zwanzig Balgenden aufgelöst. Blutige Gesichter, zugeschwollene Augen gab es genug. Stachu hatte einen Riss wie von einem Schlagring über die ganze Backe, Bruhn war unverletzt weggekommen.
Kania schrie wie ein Berserker: »Wenn einer schlagen, immer zu mir kommen! Hach! Ich immer schlagen! Wenn einer Raubmörder, zu mir kommen, ich ihn raubmorden! Wie heißt du, wie du kommst, Brustkind, ich dich zerschlagen.« Und ruhiger: »Mach, Bruhn. Was du arbeiten, mir zeigen. Was ich arbeiten – Scheiße! Du mir zeigen! Rrrichtje Arbeit, verstehen?!«
Das gab es einmal und nicht wieder. Es kam zu keiner neuen Massenschlägerei. Es brauchte nur eine kleine Reiberei, ein kurzer Wortwechsel zu sein, schon ertönte das fürchterliche »Hach!« Kanias, und sein Ruf erscholl: »Wie du heißen, Hundeblut? Zu mir kommen, ich dich schlagen!«, und es war ruhig. Das Wort »Raubmörder« verschwand aus dem Sprachschatz der Nestleute, die Sympathien zwischen Kania und Bruhn waren zu offensichtlich.
Kania war ein gelehriger Schüler Bruhns, und solange er das war, herrschte Friede. Vielleicht hatte Kania gehofft, Bruhn zu schlagen, wenn er erst einmal eingearbeitet war, und so glatt zum Vorarbeiter aufzurücken. Darin aber hatte er sich getäuscht. Hier entschied eben nicht nur Körperkraft, darin war Kania dem Bruhn sicher zwei-, dreimal überlegen, vor allem gehörten eine angeborene Geschicklichkeit, ein unfehlbares Auge, eine kluge Hand dazu.
Solange Bruhn den Kania anlernte, hatten sie ihre Arbeitsplätze nebeneinander gehabt, dann, als Kania merkte, es gab nichts mehr zu lernen, verlegte er seinen Arbeitsplatz ans andere Ende des Saales, er sagte, es sei ihm zu kalt am Fenster. Noch nannten sich die beiden weiter Josef und Emil und redeten miteinander während der Mittagspause, aber der Ton war kühler geworden. Bruhn spürte, dass ihn Kania nie aus den Augen ließ, er spürte, wie jedes Nest, das er zusammenschlug, ihm nachgezählt wurde, wie Kania mit Aufbietung aller Kraft arbeitete – und mit lächelnder Leichtigkeit schlug er Nagel um Nagel ein, half noch anderen, und doch kam Kania nie auch nur in die Nähe seines Pensums. Saß Bruhn noch beim Essen oder stieß er noch schnell eine auf der Toilette, so stand Kania längst wieder verbissen arbeitend an seinem Tisch. Schließlich kam Bruhn, quatschte noch was, sah dem Kania womöglich noch zu, griff endlich zum Hammer, und keine halbe Stunde, und Kania war eingeholt und hinten.
Nein, es gab nun nichts mehr von Schimpfworten und Schlägereien, aber eigentlich spürte jeder im Saal, dass etwas viel Schlimmeres im Gange war. Bruhn fühlte den Hass auch, aber er nahm ihn nicht wichtig. Er vertraute da auf Kania. Aber er hatte nicht begriffen, dass Kania die Angriffe gegen ihn nur darum gestoppt hatte, um der Werkleitung seine Autorität und damit seine Eignung zum Vorarbeiter zu beweisen. Für Kania war es eine Lebensfrage, Bruhn zu schlagen, er verstand ganz gut die Taktik der Vorgesetzten, sie beide gegeneinander auszuspielen. Er war sich klar darüber, dass er sich selbst helfen musste, und das nicht auf den früheren Wegen.
An einem Mittag ging Bruhn, kaum hatte er seine Brote verdrückt, wie gewohnt auf die Toilette, um eine Zigarette zu rauchen. Er hatte sich eingeriegelt und war im schönsten Rauchen, da hörte er Wispern an der Tür. Dann erschollen dröhnende Hammerschläge, und es war zu spät, als er sich gegen die Tür warf: Sie war vernagelt.
Zwei oder drei Stunden schrie er aus Leibeskräften, er hörte, holte er Atem, die Maschinen surren, die Treibriemen schlagen und das Süt-Süt der Sägemaschinen, ihn aber schien niemand zu hören. Schließlich verlor er die Geduld und warf sich mit seinem kurzen stämmigen Körper gegen die Türfüllung, die er auch zerbrach.
Er kam in den Saal, niemand schien ihn zu beachten, er ging an seinen Arbeitsplatz. Natürlich war sein Handwerkszeug verschwunden, der Werkmeister nicht aufzufinden, und als er ihn nach einer Stunde Suchen im Kesselhaus aufgetrieben hatte und mit ihm in den Saal zurückkam, lag das Werkzeug schön ordentlich an seinem Platz. Unterdessen war aber die Meldung eingelaufen, die Toilettentür sei zerbrochen. Bruhns Beteuerungen wurden nicht beachtet: Er hatte mit einem Wochenlohn die zerbrochene Füllung zu bezahlen.
Wenige Tage darauf hatte Bruhn etwas länger auf der Werkstatt gearbeitet als die anderen, sie waren alle längst fort. Als er durch den ziemlich dunklen Gang zwischen Maschinenhaus und Pförtnerei ging, fiel plötzlich von oben aus einem dunklen Fenster ein Holzklotz mit aller Wucht, die ihm ein kräftig schleudernder Männerarm geben kann, auf seinen rechten Arm: Er hätte einen schwächeren Knochen wie den Bruhns glatt zerbrochen. Drei oder vier Tage konnte er den Arm nicht bewegen, und auch als er wieder in die Fabrik kam, brauchte er noch zwei Wochen, ehe er seine alte Arbeitsleistung wieder erreichte.
In diesen zwei Wochen triumphierte Kania, fing wieder an, mit Bruhn zu reden, alles schien in Ordnung.
Aber dann begann es von Frischem. Es war sicher längst nicht mehr nur einer, der ihm nachstellte. Es mussten viele sein, vielleicht alle. Es war eine Hetzjagd; der Instinkt dieser Leute, zu jagen, war erwacht, von allen Ecken hetzten sie ihn.
Nirgends war er mehr sicher. Ob zu Haus, ob in der Werkstatt, im Kino, auf der Straße – überall geschahen ihm Dinge. Seine Fensterscheiben zerbrachen, ein Passant, den er sicher nie vorher gesehen hatte, schlug ihm den Hut in die Gosse, Nadeln stachen ihn im Dunkeln, seine Hemden verschwanden, der Hammerkopf war immer lose, Glatteis lag auf den Stufen, kam er nachts zurück. Er konnte in kein Lokal mehr gehen, eine dumpfe Mauer von Feindschaft umstand ihn. Jetzt hätte er Kufalt gebraucht, aber den hatte er sich verscherzt. Er erwog den Gedanken zu fliehen, nach Hamburg, nach Berlin, wo man nichts von ihm wusste, wo er untertauchen konnte, aber da war die Chance beim Direktor, die er nicht preisgeben mochte, da war der Ehrgeiz, diesen Kerlen nicht zu weichen.








