Kitabı oku: «Natürlich gesund mit Dr. Hans Gasperl»
NATÜRLICH
GESUND
mit Dr. Hans Gasperl

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1. Auflage
© 2020 Benevento Verlag bei Benevento Publishing Salzburg – München, eine Marke der Red Bull Media House GmbH, Wals bei Salzburg
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Medieninhaber, Verleger und Herausgeber:
Red Bull Media House GmbH
Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15
5071 Wals bei Salzburg, Österreich
Umschlaggestaltung: wir sind artisten
Lektorat: Arnold Klaffenböck
Coverabbildungen: shutterstock.com
Illustrationen: Thomas Wizany
ISBN 978-3-7104-0260-9
eISBN 978-3-7104-5040-2
»In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst!«
Augustinus
INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort
Was geschieht im Körper zur Gesunderhaltung oder Heilung?
Regulationsmedizin
Salutogenese
Gesundheitsgrenzen – gesunde Grenzen
Falsche Fürsorge, falscher Weg
Heilen helfen – eine Wegbeschreibung
Was ist Gesundheit, was ist Krankheit?
Wege zur Krankheit
Training für die Gesundheit ist angesagt – ein sicherer Stand
Bausteine zum »Haus der Gesundheit«
Ernährung – das Fundament unserer Gesundheit
Essen: Wo lauern die Gefahren?
Pflanzen und ihre Geheimnisse
Wirkung und Nebenwirkung
Essen und Trinken – Vorsorge und Medizin
Gedanken zu Produkten aus der Naturapotheke
Auf den Baustoff kommt es an
Empfehlungen aus der medizinischen Ernährungswissenschaft
Gemüse und Obst – Einkaufen in der Naturapotheke
Lebensfreude und Lebenskraft durch genussvolles Essen
Saisonale »Notwendigkeiten«
Reduktionstage – der Wohlfühl- und Gesundheitsturbo
Nahrungsaufnahme und Epigenetik
Sinnvolle Nahrungsreduktion
Weitere Gedanken zur Ernährung – Gefahr der Fehlinformation
Übung macht den Meister – Wohlbefinden ist trainierbar
So könnte es ablaufen – eine Wegbeschreibung
Wie gesund sind Smoothies?
Die Entgiftungszentrale Leber
Blutfette – Freund oder Feind?
Alkohol – Genussmittel oder stille Gefahr?
Das Lebenselixier Wasser
Detox – der Mythos vom Entgiften
Darmgesundheit – Helfer und mögliche Gefahr, Antibiotika
Ballaststoffe – »Gesundheitserreger« aus der Nahrung?
Probiotika, Präbiotika – Helfer zur Darmgesundheit
Übergewicht – der moderne Ablasshandel
Zukunftsperspektiven – Kinder und Jugendliche im Gesundheitsdomino
»Übersäuerung« – Märchen oder Tatsache?
Gibt es tatsächlich »gesünderes Salz«?
Wo treiben sich Salz und seine Ionen im Körper herum?
Bewegung – Schwungrad für einen gesunden Körper
Der gute körperliche Allgemeinzustand – Basis für unsere Leistungsfähigkeit
Der Tanz der Botenstoffe
Bewegung und Gewicht – eine Stoffwechsel-Betrachtung
Bewegung im Alter – eine Kapitalanlage
Lebensordnung – Gesundheit im biologisch-natürlichen Rhythmus
Erlebnisqualitäten – auf den Pulsschlag der Natur horchen
Alter und unser »regeneratives Potenzial«
Vorsorgen, nicht abbauen – Altern ist keine Krankheit
Information durch Lebensstil – Ordnungstherapie erleben
»Natürlich« – und das über ein ganzes Jahr
Ordnen zu einem Weg
Überlegungen zum Botenstoff Melatonin
Gesund mit oder ohne Impfung – ein Aspekt der Lebensordnung
Glossar
Register
VORWORT
Bei meiner Ausbildung zum Turnusarzt war es mir ein großes Anliegen, mich mit den Techniken der medizinischen Behandlung vertraut zu machen. Ich hatte wertvolle Lehrmeister, von denen ich vieles erfahren und abschauen konnte. Besonders hilf- und lehrreich zugleich war das Vertrauen der Ausbildner, die mich dazu anhielten, selbstständig und verantwortungsvoll zu arbeiten und medizinische »Aktivitäten« zu setzen.
Damals erlebte ich, wie das Zeitmanagement während der Aufnahmeuntersuchungen (Erheben der Anamnese, Erfassen der Vor- bzw. Krankengeschichte) durch lange Gespräche zwischen Patienten und Ärzten litt. Ich beobachtete, dass bei der Durchuntersuchung von Frauen und Männern keine bildgebenden (Röntgen) oder laborchemischen pathologischen Untersuchungsergebnisse zu erheben waren – auch nicht bei bestehenden Voruntersuchungen der Betroffenen. Trotzdem schilderten Patienten Beschwerden, die augenscheinlich vorhanden waren und belastend wirkten. Somit wurde mir bewusst, dass man zwar manchen radiologischen Zufalls- oder grenzwertigen Laborbefund erfasste und behandelte – nicht aber den offensichtlich leidenden Menschen!
Den Menschen in seinem Leidensdruck ernst und seinen seelischen Zustand anzunehmen – besser noch: anzuerkennen – wurde zu meinem ärztlichen Credo. In diesem Zusammenhang lernte ich den Begriff Zuwendung im Sinne von Aufmerksamkeit und Mitempfinden richtig zu verstehen. Innerlich reifte in mir die Überzeugung: Ich möchte als Helfer nicht vorhandene oder vermeintliche Befunde behandeln, sondern den Hilfesuchenden. Die Verbundenheit von Leib und Psyche ist wohl für uns Menschen ein Grundzustand, den wir nicht vernachlässigen sollten. Daran zu arbeiten und dabei Empfehlungen weiterzugeben ist eine Aufgabe, die ich als Arzt erfüllen möchte. Der Weg dazu führt über die Botschaft, dass sich gesundheitlicher Erfolg und anhaltendes Wohlbefinden nur durch eigenständiges Denken und Handeln einstellen. Wir sind nun mal keine funktionierenden Maschinen, sondern Lebewesen mit Verantwortung für unseren körperlichen und seelischen Zustand. Dies betone ich deshalb, weil ich immer wieder erfahre, dass jene menschliche Kompetenz (un-)bewusst abgegeben oder sogar vergeudet wird. Viele handeln erst, und dies oft nur kurzfristig, wenn Probleme auftauchen und »Reparatur« angesagt ist. Die Lösung scheint darin zu bestehen, Beschwerden und Symptome körperlicher, aber auch psychischer Art bloß zuzudecken, häufig mit kurzfristigem Erfolg. Sollte es den Leidtragenden weiterhin an Einsicht fehlen, den wahren Grund der Problematik zu erfassen, entsteht wohl in absehbarer Zeit eine Spirale an Missempfinden, Erkrankungen von Organen oder durch psychische Überlastung infolge des »Ausbrennens« eines wertvollen Menschen.
Gerade als Hausarzt und »Landbader« durfte ich über zwei, drei Generationen die Eigenheiten vieler Familienstrukturen und deren Aktivitäten erleben und auch verstehen. Deswegen konnte ich bei vielen Problemen als »Heilgehilfe« beratend zur Seite stehen und Fährten legen zum Verständnis der krankmachenden Situation. Kam etwa ein Ratsuchender nach der intensiven Saison im Gastgewerbe völlig ausgelaugt zu mir, so sollte er nicht schnell wieder fit gemacht werden für den nächsten beruflichen Einsatz durch Verabreichen einer Vitamininfusionsserie und Antidepressiva. Zunächst galt es, seiner selbst beziehungsweise der eigenen Lebensumstände bewusst zu werden, also sich selbst erleben zu dürfen und nicht erleiden zu müssen. Denn die seelische Belastung lässt sich nicht wegschlucken mit Medikamenten, der Körper wird sich nur regenerieren, wenn er »stimmig« behandelt und dadurch seine Eigenregulation gefördert wird.
Der »Gesundheitsmarkt« agiert in seiner Werbung sehr verführerisch und untergräbt, ja unterbindet oftmals die Eigenverantwortung. Dabei wäre es für uns so wichtig, nicht ein Spielzeug seiner Wirkmechanismen zu werden, die in erster Linie darauf abzielen, Symptome auszuschalten und folglich den Eindruck erwecken, »die Sache« sei aus gesundheitlicher Sicht »erledigt«. Wir müssen dem Körper die Chance geben, durch sein individuelles Regulationsgeschehen Gesundheit und Wohlbefinden zu ermöglichen. Dies kann trainiert und soll geübt werden. Das ist der Denkanstoß, den ich mit meinem Buch setzen möchte. Gesundheit lässt sich selbst mit den teuersten Präparaten nicht erkaufen, und wer davon anhängig wird, läuft Gefahr, zur »Gesundheitsmarionette« zu werden. Das Wichtigste ist, körperlich, geistig, seelisch aktiv und fit zu sein, den Organismus in seinem Regulationsgeschehen zu unterstützen und nicht ein permanenter »Patient« zu werden, der leidend seine »Mängel« nur verdrängt!
Für die Leserinnen und Leser dieses Buches will ich ein persönlicher Begleiter und Gedankengeber sein bei der gemeinsamen Wanderung auf dem Pfad zu Gesundheit und Wohlbefinden. Ich versuche daher auch, wie ein guter Freund zu sprechen, und erlaube mir anstelle des förmlichen »Sie« das sympathischere »Du«.

WAS GESCHIEHT IM KÖRPER ZUR GESUNDERHALTUNG ODER HEILUNG?
Regulationsmedizin
Die Naturheilkunde beobachtet und die universitäre Wissenschaft der Medizin bestätigt, wie Lebensprozesse funktionieren beziehungsweise aufrechterhalten werden. Ungestört ablaufende oder wiederhergestellte biophysikalische Lebensvorgänge in allen unserer Zellen sind die Grundlage für einen gesunden Organismus. So kann das Geschehen der Regulationsmedizin definiert werden: »Sie wirkt vorwiegend funktionell steuernd und modulierend auf den Organismus, unterstützt Kompensationsmechanismen, aktiviert Restfunktionen und setzt Regenerationsprozesse in Gang« (Roche Lexikon Medizin).
Regulieren bedeutet, etwas so zu regeln oder zu steuern, wie es für bestimmte Zwecke sein soll. Der menschliche Organismus ist keine definierbare Maschine, sondern er lebt. In jeder Zelle findet fortwährend ein Stoffwechsel statt. Das ist ein ständiger Fluss von Energie und interzellulärer Information und gelingt durch fein abgestimmte Regelmechanismen aller Stoffwechselvorgänge. Diese Lebendigkeit resultiert aus dem laufenden Prozess vieler Körperfunktionen und ergibt sich aus der Steuerung jedes einzelnen Organs in seiner Funktion. So kontrolliert sich der Organismus permanent in seinem Auf- und Umbau. Um in einem optimalen Zustand zu gedeihen, damit wir gesund bleiben, versucht der Körper, durch »Regulation« sich den verschiedensten Gegebenheiten anzupassen. Ob es Temperaturen sind, welche den Körper beeinflussen, der Blutdruck, der Herzschlag oder die Steuerung der idealen Funktion jeder Körperzelle – alles hängt zusammen und wird geregelt, ohne dass wir darüber nachdenken müssen, wie es geschieht.
Diesen Abläufen liegt ein wunderbarer Steuermechanismus zugrunde, den wir unterstützen oder (zer-)stören können. Das Hormonsystem mit seinen Botenstoffen, das Nervensystem, das Immunsystem im Allgemeinen, alle Organe sind dabei die wesentlichen Spieler. Eine stimmige Balance, das Gleichgewicht der physiologischen Körperfunktionen – die Homöostase – wäre der Idealzustand. Unsere Umwelt sowie unsere Lebensweise sind Steuerungsmechanismen dieses Geschehens. Eine Störung, die der Organismus nicht mehr korrigieren kann, wird dagegen zum Problem. Schlimmstenfalls führt sie zu einem Schaden, der sich vom menschlichen Körper nicht mehr ausgleichen, regulieren lässt. Eine anhaltende Störung ruft Fehlfunktionen hervor, die sich durch gewisse Symptome zeigen. Solche Störungen werden Krankheiten genannt, die in verschiedensten Ausprägungen auftreten. Sie zu verhindern oder zu beheben versucht unsere Regulationsmedizin. Sie zielt nicht darauf ab, einzelne Symptome zu behandeln, sondern will jene Wege, die zu einer Störung führen, gezielt erkennen und vorhandene Störfaktoren ausschalten oder gar nicht erst wirksam werden lassen.
In den folgenden Abschnitten des Buches möchte ich schrittweise eine für dich gut nachvollziehbare Gedankenkette bilden und bei dir allmählich Begeisterung zum selbstbestimmten, eigenverantwortlichen Handeln auslösen. Denn um das Regulationsgeschehen unseres Körpers zu fördern, ist es notwendig, Falschinformationen abzuwehren, Fehlbelastungen zu vermeiden und damit ein Gesundheitsbewusstsein aufzubauen. Sämtliche Vorsorgeaktionen, die ich dir vorschlagen will, folgen meiner ganz persönlichen Devise, dass Gesundheit und Genuss zusammengehören, ohne einander auszuschließen. Die naturgegebenen Mechanismen, die Regulationskraft des menschlichen Organismus arbeiten zu lassen, werden dich körperlich und mit Sicherheit auch psychisch-emotional in den Wohlfühlbereich führen.
Salutogenese
Wir verfügen über ein sehr breites Feld, um dem Körper und der Psyche helfend beizustehen, damit wir schlussendlich Wohlbefinden, Selbstbewusstsein und gesundheitlichen Erfolg erreichen dürfen. Das entscheidende Schlagwort dazu lautet Salutogenese (Salus = Heil, Gesundheit; Genesis = Entstehung, Schaffung). Aaron Antonovsky, ein Medizinsoziologe, prägte diesen Begriff. Antonovsky befasste sich wissenschaftlich mit der Entstehung und Erhaltung von Gesundheit. Er entwickelte ein medizinischphysiologisches Modell zu menschlichen Eigenschaften und Aktivitäten, welche erforderlich sind, um gesund zu werden oder gesund zu bleiben. So versteht man unter Salutogenese eine kraftvolle (dynamische) Balance von Schutz- und Risikofaktoren für unsere Gesundheit. Dahinter steckt der Gedanke, dass Gesundheit über unser Regulationsgeschehen von selbst entsteht und sich auch von selbst erhält. Der grundlegende Mechanismus hierbei ist, dass dieser natürliche Weg nicht blockiert wird und die körpereigenen Regulationsaktivitäten ungehindert ablaufen können. Salutogenese bildet also das Gegenstück zur Pathogenese, welche die Entstehung beziehungsweise den Verlauf einer Krankheit beschreibt. Wir wollen im Buch aber nur das positive Geschehen betrachten.
Unser Gesundheitsstatus, eine »Momentaufnahme« des physischen und psychischen Zustands, ist für jeden von uns zu erfassen und zu begreifen. Damit vermögen wir unsere gesundheitsfördernden Möglichkeiten zu überdenken, um anschließend überlegt zu handeln. Ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren muss entstehen, wie Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit dieser einzelnen Komponenten. Ein signifikantes Beispiel dazu sind die »fünf Säulen« der Kneippmedizin, durch die sich gesundheitsrelevante Folgereaktionen im Sinne der Salutogenese entwickeln können. (Mehr dazu findest du in meinem Buch Gesund aus eigener Kraft.) Dieses Verständnis für unser Gesundheitsgeschehen – Gesundheitsgelingen – möchte ich als Arzt, der den ganzen Menschen behandeln und beraten will, weitergeben.
Im Laufe unseres täglichen Lebens werden wir mit mannigfachen Situationen konfrontiert, die uns (heraus-)fordern. Die Exposition (Ausgesetztheit) ist breit gefächert, sie reicht von körperlicher Belastung, mikrobiologischen Herausforderungen (z. B. bakterielle Infekte), unserer Lebensform, der Ernährung und Bewegung über psychisch-psychosoziale Belastungen und Aspekte hin zu Signalen aus der Umwelt. Auch körperliche Fehlbelastungen, in der Physiologie als Stressoren bezeichnet, als allgegenwärtige Begleiter sind hier zu beachten. Der Körper mit seinem Vegetativum (Steuernervensystem) reagiert auf die Summe dieser Einflüsse entsprechend, zum großen Teil unbewusst, aber auch durch überlegte, von uns gesetzte und gezielte Handlungen. Zwar unterscheiden sich Menschen voneinander in ihrer regulierend-ausgleichenden Grundausstattung und Reaktionsbereitschaft, doch wir alle sind Lebewesen mit der Fähigkeit, nachzudenken und nicht nur marionettenhaft gelenkt zu werden, zu funktionieren.
Mit diesen Gedanken möchte ich dich für meine Botschaft empfänglich machen und zu bewusstem Handeln verführen! Die uns von der Natur gegebenen Ressourcen, die vorhandene Widerstandskraft zum Wohle unserer Gesundheit zu erhalten oder auszubauen, muss aus Überzeugung unser Anliegen werden. Jenes Regelsystem des Körpers – also die Aufgabe, das dynamische Gleichgewicht für die Lebenserhaltung (Homöostase) zu fördern – sollte für uns nicht eine lästige Pflicht sein, sondern ein Verlangen werden! Bildlich gesprochen sind wir nicht nur »störungsfrei« (= gesund) oder »gestört« (= krank), sondern bewegen uns stets zwischen zwei Polen: dem Zustand der Salutogenese mit der Frage »Was hält uns gesund?« (= Gesundheitsfaktoren) und der Pathogenese mit der Überlegung »Was macht uns krank?« (= Krankheitsfaktoren). In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns das ganze Leben und sollten daher den optimalen, für jedes Individuum tauglichen und notwendigen Pfad gehen. Ich glaube, es gibt so viele Möglichkeiten dazu, wie es Menschen gibt. Dies ist auch der Grund, weshalb überall in der Medizin oder Physiologie statistische Mittelwerte herangezogen werden und keine absolut gültige Norm. Ein Beispiel aus dem Stressgeschehen soll veranschaulichen helfen, was ich meine: Eine Person verspürt höchsten Druck und Belastung, wenn sie öffentlich sprechen muss, eine andere hingegen erfüllt das mit Freude und verspürt keinerlei Stress. Jetzt hängt es davon ab, welche Strategie die belastete Person entwickeln kann, diesen Druck abzubauen, um nicht Schaden zu erleiden. Hier wird der Betroffene jene Methoden wählen, die ihm probat erscheinen.
Situationsbedingte Unterschiede müssen mit entsprechender effizienter Strategie personenabhängig ausgeglichen werden. Dabei ist folgende Überlegung wichtig: Bin ich imstande, die entsprechenden »Zustände«, Lebenssituationen zu meistern? Hier kann körperlich oder geistig trainiert und anschließend gehandelt werden. Selbstverständlich dürfen wir auf Erfahrungen anderer Personen zurückgreifen. Bei einer Blinddarmentzündung etwa werde ich einen Chirurgen konsultieren, bei Depressionen einen Psychologen um Rat fragen, je nachdem, welche Leiden oder Belastungen mich gerade quälen. Silvia Breier, eine Mentaltrainerin aus Wien, nennt in einem Artikel (»Resilienz und Salutogenese – was ist das?«) ihrer Homepage Grundeigenschaften, um sich hierbei richtig und erfolgreich zu verhalten: »Flexibilität ist gefragt. Immer dieselbe Lösung für ein Problem funktioniert nicht. Geistige Flexibilität und die Entwicklung situationsadäquater Handlungsstrategien sind gefragt. Die gute Nachricht: das kann man lernen.«
Damit sind wir wieder bei meinem Ansinnen, dich zu »programmieren« in deiner Gesundheitseinstellung und bei der Überzeugung, den Körper reagieren zu lassen in seiner Abwehr- und Regenerationsbereitschaft (Regulationsmedizin), aber auch bei der Bildung von Resilienz auf psychischer (psychosomatischer) Ebene. Wobei wir Resilienz als Widerstandsfähigkeit definieren können, um psychische wie körperliche Krisen zu überwinden. Menschen mit Autos zu vergleichen ist höchstens mit Einschränkungen zulässig. Dennoch möchte ich dir ein Zitat des Modeschöpfers Karl Lagerfeld nicht vorenthalten, das einen gewissen Wahrheitsgehalt besitzt: »Der Körper ist wie ein Auto. Wenn man gut darauf aufpasst, hat man am Ende ein Vintage-Modell« – folglich einen besonders ausgezeichneten Jahrgang.
Gesundheitsgrenzen – gesunde Grenzen
Wir Menschen sind von Natur aus Bewegungswesen und sollten diese Eigenschaft nutzen und genießen. Fehlverhalten in Form von Bewegungsmangel oder Überforderung stellt einen Risikofaktor dar. Ärztliche Beratung durch Fachleute ihres Gebiets ist gewiss nicht unwichtig – aber ab wann muss eingegriffen werden? Wenn jemand schneller über die Stiege zu gehen versucht: Muss man hier schon eine Palette von Untersuchungen apparativer Art bis zu einem Lactattest durchziehen? Muss das Kind, der Jugendliche, weil es/er für eine Sportart Interesse zeigt, ein breit gefächertes Untersuchungsprogramm durchlaufen? Sollte sich eine besondere Neigung für eine bestimmte sportliche Richtung herauskristallisiert haben, ist es sinnvoll, adäquate Untersuchungs- und Trainingsprogramme zu starten. Wie oft habe ich es erlebt, dass Eltern aus falschem Ehrgeiz ihre Kinder zu Sportarten gedrängt haben, bei denen sie offensichtlich selbst gern Erfolg gehabt hätten. Trainer oder Pädagogen können in solchen Fällen, wo der Wunsch der Eltern der Neigung und Eignung der Kinder entgegensteht, erfolgreich beratend vermitteln. Aus der idealen Kombination von Selbstbewusstsein, Selbstbestimmung und Beachtung eines Heranwachsenden kann Großes entstehen. Daher wäre es fatal, den Willen oder den Elan junger Menschen zu brechen.
Ist es verboten, ein Café oder Wirtshaus zu besuchen, weil dies manchen (sektiererischen) Ernährungskriterien nicht entspricht? Lassen wir uns von den verführerischen Botschaften aus der Reklame beeinflussen und durch Dogmen charismatischer Gurus manipulieren, sodass wir uns in fremdbestimmte Marionetten verwandeln? Dürfen wir noch eigene Empfindungen haben und auf die Signale unseres Körpers achten oder sind wir bereits Gefangene einer raffinierten Werbeindustrie oder von Gesundheitsphilosophien? Ganz klar zu unterscheiden ist zwischen Trainingsmaßnahmen und Kontrolluntersuchungen, die bei Leistungssportlern erforderlich sind, um entsprechende Trainingserfolge zu »vermessen«, sowie den »gewöhnlichen« Bedürfnissen und Ansprüchen der übrigen Bevölkerung. Als hoffentlich aktive (sportliche) Personen können wir »Normalverbraucher« auf unseren Körper und seine Reaktionen horchen. Wichtig dabei ist die Freude an der Bewegung, wie immer sie gestaltet wird, und unbestritten die enorme Bedeutung, die regelmäßiger körperlicher Betätigung zur Förderung unserer Gesundheit zukommt. Dementsprechende Aktivitäten – allein, im Freundeskreis oder in einem sinnvoll arbeitenden Fitnessstudio – machen sich gewiss positiv bemerkbar, sofern sie mit dem individuell passenden Ausbau unserer Leistungsfähigkeit einhergehen.
Falsche Fürsorge, falscher Weg
In meiner ärztlichen Praxis beobachtete ich immer wieder eine ganz falsche Spur der »fürsorglichen« Hilfe für Kinder in, wie ich es sehe, einer nachteiligen Art, wenn offensichtlich »Belastung« angesagt war. Eltern versuchten oft (übergewichtige) Kinder vom Turnunterricht zu befreien. Ein gewisses Maß an emotionaler oder körperlicher Herausforderung ist, ja sollte ein ganz normaler Weg in der Entwicklung zur Selbstständigkeit einer Person sein. Passende Forderung erscheint mir immer wichtiger und wertvoller als die Unterforderung zur körperlich-geistigen Reifung eines jungen Menschen. Was meine ich damit, welcher Umstand mir während meiner ärztlichen Tätigkeit ernsthaft Sorge bereitete und mich innerlich belastete?
Ein Mädchen oder ein Bub im Kindergarten lernt spielerisch unter der Anleitung von erfahrenen Pädagoginnen ein Gedicht oder etliche Sätze für ein kleines Theaterstück, für ein Hirtenspiel oder eine andere Festlichkeit. Da kommt die Mutter und will, weil das Kind »aufgeregt« sei, homöopathische Globuli oder Notfalltropfen, um die »Spannung« zu reduzieren. Ähnliche Situationen sollten später dann in der Schule oder bei Sportveranstaltungen eintreten. Bei meiner medizinischen Beratung versuchte ich zu vermitteln, dass ein gewisses Maß an Spannung oder Erwartungsangst die Form einer »gesunden Belastung« für das Kind sei, also etwas durchaus Positives darstelle – im Unterschied zu dem von der Mutter ausgesprochenen Wunsch nach Hilfe, um dem Kind Erleichterung zu verschaffen. Meine ablehnende Haltung traf auf Unverständnis bei den besorgten Erziehungsberechtigten: Dass ich ihrem Kind nicht helfen wolle, sei unverständlich, man werde sich wohl anderswohin wenden müssen. Selbst in einer derart komplizierten Lage setzte ich darauf, mit Argumenten zu überzeugen. »Gesunder Stress« sei Kindern zumutbar und elterliche Zuwendung wohl das Wertvollste. Man könnte aufgeregten Kindern vor einem Auftritt etwa vermitteln, dass in derartigen Situationen auch bei uns Spannung vorhanden war, gelegentlich sogar Angst. Dies würde jedoch nicht Schwäche zeigen, sondern eher das Gegenteil.
Eine gewisse Spannung, Herausforderung in verschiedenen Lebensabschnitten ist wichtig zur Persönlichkeitsformung, denn sie lässt Pflicht, Verantwortung und sogar berufliche Drucksituationen entsprechend positiv verarbeiten. Die Chance, aus Belastung und Ausgleich den Körper und Geist reifen zu lassen, ist und wird ein wertvoller Trainingsverlauf für das (spätere) Leben! Der Aufbau von Anpassung, Stabilität und Gleichgewicht führt uns in einen harmonischen Zustand – modern bezeichnet als »Work-Life-Balance«.
Die größte Gefahr – und das versuchte ich eindringlich zu transportieren – sei die möglicherweise falsche »Programmierung« eines heranwachsenden jungen Menschen, die ihn zu der Annahme verleiten könnte, dass es gegen jede Form von Belastung (Stress, Exposition) ein entsprechendes Mittel gäbe. Aufgrund einer solchen Erwartungshaltung könnte in späteren Lebensabschnitten der Zugang zu »beruhigenden Hilfsmitteln« jeglicher Art von Alkohol, Medikamenten oder anderen abhängig machenden Substanzen vorgezeichnet sein. Leider musste ich dies bei manchen Jugendlichen, die ich über viele Jahre kannte, tatsächlich beobachten, daher die angesprochene Betroffenheit meinerseits. Wachsen Kinder mit der Information auf, dass sie in Belastungssituationen Globuli und bei leichtesten Infekten Vitaminsäfte oder propagierte immunstärkende »Aufbaumittel« erhalten, erliegen sie möglicherweise einer irreführenden Prägung.
Heilen helfen – eine Wegbeschreibung
Zuwendung durch die Kraft der Worte, Zuwendung durch körperlichen Kontakt im Sinne des Wortes »behandeln«, also »Hand anlegen«, bildet eine wesentliche Grundlage eines Heilerfolges. Berühren erzeugt Heilkraft und verursacht durch die taktilen Reize vielfältige Signale, die wiederum Botenstoffe unseres Körpers in Bewegung setzen, um eine positive Regulation zu bewirken. Soma, die Gesamtheit des Körpers, der Leib, und die Psyche, der Ort menschlichen Fühlens und Denkens, reagieren über unseren Steuernerv Vagus, der jede einzelne Zelle kontrolliert. Hier liegt die Wurzel unserer regulatorischen Systeme, die den Körper in Form von Ausgleich und Heilung beeinflussen. Im Prinzip läuft ein ständiger Selbstheilungsprozess, den wir durch unseren Lebensstil und Gedanken (Emotionen) beeinflussen. So glaube ich, wird jeder Mensch den Wunsch haben, gesund zu bleiben oder gesund zu werden. Ebenso muss der Heiler/Arzt den Wunsch in sich tragen, durch seine Beeinflussung dem Klienten Heilung zu bringen. Moralische und physische Gesundheit des Behandlers sind wichtige Grundbausteine einer heilhelfenden Person. Der Heiler, in den meisten Fällen der Arzt, ist wie ein Katalysator Antreiber oder Beschleuniger zu Gesundungsprozessen. Viele »Heilhelfer« unterschiedlichster Anschauungen und Behandlungsarten nutzen ebenso mit Erfolg solche Heilwege. Heil, gesund zu werden ist wohl nicht in jedem Fall ein klar definierter Weg, der bei allen Menschen in gleicher Weise funktionieren und gelingen kann. Die Beeinflussung dazu, »gesund zu werden« oder »gesund zu sein«, bleibt im Rahmen der Selbstheilung, des Regulationsgeschehens in vielen Aspekten ein verborgenes Geschehen. Welche »Mitspieler« hier ihre Kraft entwickeln und welche Signale weitergegeben werden, entscheidet eine noch sehr geheimnisvolle Welt. Ein Faktor ist gewiss der heilsuchende Mensch, ein zweiter der Behandler. Unbestritten bleibt: Wir sind (beeinflussbare) Lebewesen und keine (funktionierenden) Automaten!
Betrachten wir das Wunderwerk des menschlichen Körpers, der mit so vielen erforschten und wohl noch verborgenen Funktionen ausgestattet ist. Jeder einzelne Körper vermag aufgrund seiner Regulationssysteme seine Homöostase wohlgeordnet ablaufen zu lassen. Das Gleichgewicht der physiologischen Körperfunktionen ist eine Mitursache für unsere Selbstheilungskräfte. Somit heilt, regeneriert sich der Körper selbst (vorausgesetzt, wir behindern ihn nicht dabei) – es arbeitet sozusagen unser innerer Arzt. Diese biologisch-physiologisch-chemisch-elektrischen Abläufe sind »Leben«. Hier liegt eine große Gefahr, derartige Prozesse zu unserem Nachteil zu stören. Auf den Körper zu hören, seine Regulationskräfte arbeiten zu lassen oder zu fördern sollte Aufgabe für unsere Gesundheit sein. Wesentlich ist die Verinnerlichung, dass wir ein hohes Maß an Selbstverantwortung haben, solch positive Reaktionen zuzulassen und nicht zu beeinträchtigen. Wir müssen uns auch der Tatsache stellen, dass wir mit Naturgesetzen nicht verhandeln können; es ist nicht möglich, sich von ihnen freizukaufen. »Um der Natur befehlen zu können, muss man ihr gehorchen!«, hat schon der englische Philosoph Francis Bacon postuliert. Darüber könnte jeder von uns gelegentlich nachdenken – ich versuche im Buch, einen solchen Denkanstoß zu bewirken.
Was ist Gesundheit, was ist Krankheit?
Unser aller Wunsch ist, gesund zu sein, sich rundum wohlzufühlen. Kann uns dies gelingen und gegebene Tatsache werden? Wunschdenken und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander. Wann bin ich gesund, wie wird Gesundheit definiert? »Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen«, lautet eine Erklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Gibt es nach dieser Bestimmung überhaupt gesunde Personen?
Die Grenzen zwischen einer Befindlichkeitsstörung und einer Krankheit sind feststellbare Störungen der normalen Funktionen des Körpers, der Organe beziehungsweise des seelischen oder psychischen Zustands. Interessanterweise denken wir über Gesundheit erst nach, wenn sich in der Umgebung jemand befindet, der »nicht der Norm« entspricht oder falls wir selbst davon betroffen sind. Philosophen, Naturwissenschaftler oder Theologen stellen Überlegungen dazu an und kommen zu ganz unterschiedlichen Erkenntnissen. »Gesundheit ist (…) weniger ein Zustand als eine Haltung, und sie gedeiht mit der Freude am Leben«, ist etwa Thomas von Aquin überzeugt, während der deutsche Journalist und Kritiker Ludwig Börne behauptet: »Es gibt tausend Krankheiten, aber nur eine Gesundheit.« Der deutsche Hochschullehrer Heinrich Schipperges sagt über den Begriff Gesundheit: »Gesundheit ist kein Begriff, sondern eine Einstellung, kein Zustand, sondern ein Habitus«, und das medizinische Wörterbuch Pschyrembel bietet folgende Definition an: »Gesundheit ist das subjektive Empfinden des Fehlens körperlicher, geistiger und seelischer Störungen oder Veränderungen bzw. ein Zustand, in dem Erkrankungen und pathologische Veränderungen nicht nachgewiesen werden können.«
Immer schon dürften sich (betroffene) Menschen bei körperlichen, geistigen oder seelischen Abweichungen Gedanken gemacht haben über die Ursachen einer subjektiv empfundenen »Erkrankung«. Wodurch entsteht ein »irregulärer« physischer oder/und psychischer Zustand – ein sogenanntes Krankheitsgeschehen? Das ist ein für jede Person interessantes, wohl auch geheimnisvolles und in den meisten Fällen nicht sicher definierbares Geschehen. Über Jahrtausende gibt es Erklärungsversuche, welche dem Thema Krankheit eine »Ursache« geben wollen. Die Ursachen vermutet man an vielen unterschiedlichen Stellen und mannigfaltigen Quellen und interpretiert sie dementsprechend. Der Mensch in seinem Wissensdrang und oft auch in vorhandener religiöser Abhängigkeit versucht Lebensabläufe zu verstehen und zu begreifen, aber auch immer wieder hinter so manches Geheimnis zu blicken. Besonders im Mittelalter neigte man dazu, Krankheiten als eine Strafe Gottes im Zusammenwirken mit der Macht des Teufels zu deuten. Folglich könne Heilung lediglich durch die Kräfte und das Wohlwollen Gottes erfolgen. Doch auch bei den »heidnischen« Göttern lassen sich unterschiedliche Qualitäten festmachen, um uns Menschen zu strafen, abhängig von unserem Lebenswandel.
Welche »Götzen« sind heute Ursache von Erkrankungen? Von welcher Seite erfahren wir gegenwärtig Druck oder erhalten Fehlinformationen für unseren Körper und Geist? Zum »modernen Ablasshandel« werden wir uns später ausführlich Gedanken machen, aber eines noch vorweg: Um Gesundheit zu erlangen, wurden immer Opfer gebracht und werden bis heute intensiv eingefordert. Haben Menschen früher Opfer in Form kultischer Handlungen im Heiligtum einer Gottheit, in Tempeln oder Kirchen dargebracht, so geschieht es in modernen Zeiten gegenüber unserer Gesundheitsreligionen und Wellnesskultur. Häufig vergessen wir dabei, dass sich Fitness durch Ausdauer und fleißiges Training erarbeiten lässt, Gesundheit hingegen weitaus komplexer ist, nämlich ein Kompendium von Genetik, maßgeblich beeinflusst von der jeweiligen Lebensweise und unseren Aktivitäten sowie der Qualität unseres Lebensraums. Beobachten, Erfahrungen sammeln und entsprechendes Handeln sind die Grundelemente unseres Daseins.
Wege zur Krankheit
Den Zustand von körperlichem und geistigem Wohlbefinden, kurz die Gesundheit möchten wir erhalten. Durch ein stimmiges Maß an Eigenverantwortung und Training ist dies tatsächlich möglich. Manchen Menschen sind gesundheitliche Probleme von Geburt an mitgegeben, anderen dagegen nicht – haben wir hier schon Pech oder Glück? Was soll das heißen? Betrachten wir den möglichen Weg zu einer Erkrankung, zum Entgleisen eines erwünschten Idealzustands, aber auch, wie wir ihn beeinflussen können:
•Ein Teil unseres »Gesundheitsschicksals« wird von den Genen, also den Trägern der Erbinformation festgelegt. Damit gibt es eine gewisse Vorbestimmung zu gesundheitlichen Zuständen, die wir nicht beeinflussen können. Vorbestimmung durch unsere Gene – das ist gleichsam die »Büchse der Pandora« im positiven oder negativen Sinne. Niemand kann etwas dafür, dass er beispielsweise Träger einer Erbkrankheit ist und diese sich später nachteilig zeigt durch ein fatales Krankheitsbild. Freilich dürfen wir hier nicht nur das Negative sehen, aber es ist schon von eminenter Bedeutung, wie aufgrund der genetischen Vorgaben die Karten gemischt sind. Habe ich die »gute« Karte, eine besondere geistige Entwicklung zu erreichen, oder kann ich keine besonderen Begabungen entwickeln, weil ich die »schlechte« gezogen habe? Bei dieser Frage müssen wir uns wohl mit einem gewissen Maß an »Ungerechtigkeit« in der Natur abfinden, einer schicksalhaften Bestimmung oder Vorsehung, der wir nicht entfliehen können.
•Die naturgegebene Beschaffenheit, unsere Konstitution, vermögen wir durch körperliches und geistiges Training auszubauen. Ebenso kann unser Abwehrgeschehen (Immunsystem) auf vielfältige Weise trainiert werden. Das große Problem ist hier leider oft die Unterforderung.
•Unsere »Exposition«, das Ausgesetztsein jedes einzelnen Organismus ist ein ganz wesentlicher Hebel zum Zustand unserer Gesundheit. Hier spielen eine Unzahl von Umständen unserer Lebensweise und Umwelt hinein, darunter die Ernährung, die Umwelt, die psychosoziale Situation, jeder anhaltende negative Stress oder ein chronischer körperlicher und geistiger Bewegungsmangel. Hinzu kommt die Wirkweise der epigenetischen Informationen, ein Geschehen, das manche Gene ein-, ab- oder umschalten kann. Derartige »Programmierungen« können später weitervererbt oder wieder durch Änderung unserer Exposition gelöscht werden. Diese Gedanken werde ich noch ausführlich betrachten.
Gesundheit ist ein wertvolles Gut, welches wir nicht erst beachten sollten, wenn wir Mängel feststellen, sondern laufend und von früh an. Wir sollten vorsorgen! Dazu ein Zitat des Philosophen Demokrit: »Da flehen die Menschen die Götter um Gesundheit an und erkennen nicht, dass sie selbst die Macht darüber besitzen.«
Training für die Gesundheit ist angesagt – ein sicherer Stand
Aus dem bisher Gesagten ist hoffentlich deutlich geworden, dass für das Erreichen und Aufrechterhalten von Gesundheit aktives Tun, das heißt ein permanentes Trainingsgeschehen erforderlich ist. Um an dieses hohe Ziel zu gelangen, stehen uns viele Pfade offen. Dabei möchte ich ein Wegbegleiter sein, gleichsam ein Verbündeter zum Thema Gesundheitsvorsorge, der dir helfen will, einen sicheren, dich überzeugenden, ganz persönlichen Weg zu gehen.
Damit du dir gedanklich besser vorstellen kannst, auf welchen Gebieten wir bei unserer gemeinsamen Reise unterwegs sein werden, wähle ich ein traditionelles Bild, das aus der bäuerlichen Welt stammt – den Melkstuhl. Ein einbeiniger Melkstuhl wird nicht von allein stehen, außer du »leihst« ihm beim Sitzen deine Beine. Ungeachtet dieser Unterstützung wird es dennoch ein wackeliges Geschehen bleiben. Ganz anders verhält es sich mit einem dreibeinigen Stuhl: Aufgrund seiner Beschaffenheit gewährt er relativ große Sicherheit, die Sitzgelegenheit wackelt nicht, sondern steht fest. Diese Metapher soll für uns ein Beispiel sein, wie ein gutes Fundament zu einem standhaften »Haus der Gesundheit« beschaffen sein muss. Als Ausgangsbasis für unser gesundheitliches Trainingskonzept wähle ich die Kneippmedizin, das Modell für erfolgreiche, moderne Regulationsmedizin, die auf fünf Säulen ruht. Es sind dies die Behandlung mit Wasser, die Ernährung, die Arbeit mit Heilkräutern, die Bewegung sowie die Lebensordnung.
Für unser dreiteiliges Gedankenmodell auf dem Weg zu anhaltender Gesundheit fasse ich die Bereiche Wasser, Heilkräuter und Ernährung als eine Einheit zusammen, dazu kommen als weitere Stützen die Bewegung und die Lebensordnung. Ordnung klingt zwar streng, ist aber nicht so gemeint. In der modernen Medizin verstehen wir darunter die Chronobiologie, die biologischen Rhythmen, welche auf unser ganzes organisches System als Signalgeber Einfluss haben. Im weiteren Sinne gehört auch die Fähigkeit, Belastungen und Stresssituationen auszugleichen, Balance zu finden und wohl auch wieder unsere »innere Uhr« in den richtigen Takt zu bringen, dazu. Unser gesundheitliches Anliegen sollte sein, das biologische Alter so lange wie möglich in optimaler Form zu halten. »Man ist so alt, wie man sich fühlt« ist eine alte Weisheit, und unser Gefühl zum körperlich-psychischen Zustand mag dies bestätigen. Medizinisch gesehen wird das »biologische Alter« als Summe unserer Lebensjahre unter Berücksichtigung des Körperzustands beschrieben. In welcher Verfassung sind unsere Gefäße, die Gelenke und Organe, wie ist es psychisch um uns bestellt? Hier haben wir großen Einfluss, selbst zu handeln. Das kann uns gelingen, und wir dürfen uns über unsere Vitalität, Spannkraft und Dynamik freuen. »Handeln – nicht hadern« lautet das Motto, und der Weg dorthin führt über bewusste Ernährung, regelmäßige Bewegung sowie die passende Lebensordnung.
Ehe wir uns aufmachen, um die drei Säulen zur Gesundheit und Gesundheitserhaltung zu erkunden, darf ich dich noch einmal an Grundsätzliches erinnern: Jeder Mensch ist für die Gestaltung seines Lebens selbst verantwortlich und bestimmt durch die Exposition (Lebenswandel) maßgeblich dessen Güte. Ein Blick in die Statistik sollte uns aufrütteln, vorsorgend zu handeln und nicht zu glauben, dies wäre erst nötig, wenn Probleme auftreten. 2018 wird die durchschnittliche Lebenserwartung neugeborener Frauen mit 84 Jahren, jene der neugeborenen Männer mit 79,3 Jahren berechnet. Noch eine statistische Tatsache: Im Jahr 1971 konnten Frauen und Männer im Durchschnitt acht Jahre die Pension erleben, 2014 waren dies schon 22 Jahre. In Zukunft wird das Lebensalter noch ansteigen. Ältere Jahrgänge werden immer mehr – daher ist unser biologisches Alter so wichtig! Dazu müssen wir die Eigenverantwortung entsprechend ernst nehmen, um ein »gesundes und lebenswertes Alter« genießen zu können.
Die menschliche Gesundheit ist kein Geschäftsmodell, wo Produkte gekauft werden können, mit deren Hilfe du quasi runderneuert wie der Phönix aus der Asche aufsteigst. Geschickte Werbebotschaften wollen uns das gern glaubhaft machen, und es scheint ein offensichtlich simpler Weg zu sein. Nur ist diese Form der Gesunderhaltung eine Fehlkalkulation. Wie aber kann man sich von solchen Einflüssen freihalten? Indem du dir bewusst machst, dass du ein denkendes Lebewesen bist, das seine Entscheidungen selbstständig treffen darf, und kein Automat, der gedankenlos irgendwelche Produkte in sich einwirft, in der falschen Hoffnung, dadurch würde jegliches gesundheitliches Problem bequem »gelöscht«. Eigene Überlegung und gezieltes Handeln können ein bedeutender Beitrag für unser »Haus der Gesundheit« werden, das auf sicheren Fundamenten ruht.
Bausteine zum »Haus der Gesundheit«
Um gesundheitliche Empfehlungen nachvollziehen und vorteilhafte Aktivitäten für den Organismus setzen zu können, ist es notwendig, dementsprechende Hinweise in ihrer Folgewirkung zu verstehen und von der Richtigkeit des Handelns überzeugt zu sein. Daher möchte ich dir Ratschläge an die Hand geben, verbunden mit Hinweisen auf Erkenntnisse wissenschaftlicher Arbeiten und zu erreichbaren Erfolgen. In vielen Fällen ist dies recht einfach und ohne bedeutenden finanziellen Aufwand möglich. Ich bin ein Prediger für Genuss und Lebensfreude, und dazu könnten wir vielleicht umsonst ausgegebenes Geld für überflüssige »Gesundheitsprodukte« in Urlaub, sportliche Unternehmungen, genüssliches Essen oder in sinnvolle Wellness-Aktivitäten investieren. Unser Angebot an bioaktiven Stoffen wie Vitaminlieferanten aus der Natur ist in einer ausgewogenen Ernährung mit Gewissheit ausreichend vorhanden. Hier brauchen wir uns einer den Jahreszeiten angepassten Werbung, die im Frühling propagiert, einen angeblich während des Winters entstandenen Vitaminmangel beheben zu müssen, und im Sommer »Gesundheitsprodukte« empfiehlt, um die »Immunkraft« für die kalte Jahreszeit ausreichend zu stärken, nicht zu unterwerfen. Ausreichend Bewegung, bewusste Ernährung und regelmäßiger Schlaf unter Berücksichtigung der Tagesrhythmen sind das beste Trainingsmittel für unsere Fitness und Lebensfreude, für unseren Immunstatus. Dies zu bedenken und danach überlegt zu handeln – hier wäre ein Weg! Inaktivität ist der Feind idealer Lebensweise, genauso wie der Mangel an Genuss. Die abwechslungsreiche Tour auf einem sportlichen Bike, eine mehrtägige Bergwanderung mit Hüttenaufenthalt oder eine Genussreise bringt mit Sicherheit mehr Lebensenergie und damit Gesundheit als etliche Packungen spezieller »Produkte«, die uns das Optimum an Lebensqualität versprechen. Die sich ergänzenden beziehungsweise untereinander aufbauenden Folgereaktionen durch Aktivitäten wie die oben erwähnten Beispiele sind das wertvolle Produkt Gesundheit für Körper und Psyche.

ERNÄHRUNG – DAS FUNDAMENT UNSERER GESUNDHEIT
Beginnen wir unsere Betrachtungen zum Gesundheitstraining mit der Ernährung. Unser Körper braucht feste und flüssige Nahrung, wobei die Qualität und Wertigkeit der verzehrten Lebensmittel unsere Gesundheit beziehungsweise das Wohlbefinden beeinflussen.
Die passende Energiezufuhr für unseren Körper ist (über-) lebenswichtig. Unsere heutige Wohlstandsgesellschaft kennt Hunger glücklicherweise nur als Wort. Dieses Privileg müsste uns ständig bewusst sein und Dankbarkeit bei jeder Mahlzeit aufkommen. Wir sind aber an den täglich konsumierbaren Wohlstand derart gewöhnt, dass uns Ernährungsfehler, die wir häufig sogar wider besseres Wissen machen, erst belasten, sobald Gewichtsprobleme auftreten oder ein »saisonbedingtes« Bodyforming ansteht. Der Aspekt der Gesundheit ist häufig nachrangig und die Erkenntnis kommt reichlich spät, nämlich wiederum erst, wenn es Probleme mit der Gesundheit gibt. In beiden Fällen stellt sich den Betroffenen dann oft die Frage: Sind meine Bemühungen tatsächlich meiner Gesundheitsvorsorge dienlich oder handle ich lediglich aus Aktionismus, weil ich einer bestimmten »Norm« nicht entspreche, das heißt einem Zustand, wie ihn uns ein Werbeprospekt, ein Journal als Ideal darstellt?
Das nächste wichtige, aber leider zu spät bewusst gewordene Problem unserer »Überfütterung« mit Nahrungsmitteln ist eine beginnende oder manifeste Erkrankung. Davon sind wir oft überrascht, haben wir doch lange die warnenden Signale des Körpers geflissentlich übergangen. Nun aber packt uns das schlechte Gewissen und wir versuchen, einsichtig zu werden. Falls die sich abzeichnende gesundheitliche Beeinträchtigung nicht mit Schmerzen verbunden ist, verfliegt diese reumütige Einsicht wieder – bis zur nächsten Attacke. Die Einsicht, eine Lebensstiländerung einzuleiten, ist nur von kurzer Dauer, die vom Körper gegebenen Signale werden »erfolgreich«, aber nachteilig unterdrückt! Besteht weiterhin eine Fehlernährung, ein Mangel an körperlicher oder geistiger Aktivität, macht sich das unweigerlich als permanente Fehlinformation bemerkbar. Diesen Nachteil zur Erhaltung unseres guten biologischen Alters nehmen wir allerdings in Kauf, um später wieder zu jammern. Wenn wir unser Nahrungsüberangebot berücksichtigen, so verwundert es nicht, dass aus dem vorhandenen und leicht erreichbaren, käuflichen Überfluss entsprechende Ernährungsmythen entstehen. Jahreszeitlich und regional haben wir passende Angebote aus der Natur – doch haben wir auch die richtige Ideologie oder Theorie, saisonal richtig zu essen?
Du ahnst vielleicht schon, worauf ich hinaus möchte: Ich meine den »Gesundheitsmarkt« mit seinen mannigfaltigen Empfehlungen an uns Kunden, um »richtig« und »gut« zu leben oder körperlichgeistig fit zu bleiben. Bedenken wir, wie lange die Menschheit schon existiert und durch die Aufnahme jeweils vorhandener Nahrungsmittel überlebt hat. Ernährung und Nahrungszubereitung werden stets eine Mischung aus dem regional und saisonal Vorhandenen und der Kunst der Zubereitung gewesen sein. Und eine gute, geschmackvolle Kost wird auch immer geschätzt worden sein, wobei man die ernährungsbedingten Erfahrungen weitergegeben hat. Ich bin überzeugt, essen zu können war immer von Freude erfüllt und von Genuss begleitet. Der große Feind und auch die Todesursache für viele Menschen war häufig ein Nahrungsmangel, hervorgerufen durch Hungerperioden oder Seuchen. Unsere Zeit hingegen leidet unter dem Überfluss mit allen daraus folgenden Zivilisationskrankheiten. Um hier Abhilfe zu schaffen, ist in unserem »Fütterungsmodus« sicher so manche Korrektur angezeigt, was die Energiemenge über die Nahrungsaufnahme betrifft – wir essen häufig zu viel, zu fett oder/und zu zuckerreich. Leider wird hier nicht selten ein falscher Weg eingeschlagen, indem Betroffene verunsichert oder gar verängstigt Empfehlungen zu unnötigen, ja unsinnigen »Ernährungsmodalitäten« in Form verschiedenster »Wunderdiäten« folgen, anstatt auf die Vernunft und auf ihren Organismus zu hören.
Die Psychologin Rosemarie Felder-Puig spricht in einem Interview mit der Tageszeitung »Der Standard« im Juli 2019 über die Notwendigkeit zur Beratung bei übergewichtigen Kindern. Alarmiert durch die Ergebnisse der Studie »Gesundheit und Gesundheitsverhalten von österreichischen Schülerinnen und Schülern« des WHO-HBSC-Survey 2018, sieht sie dringenden Handlungsbedarf. »In Österreich gibt es zu wenige Programme für Kinder, die bereits in der Volksschule dick sind. Die müsste man intensiv begleiten – samt ihren Familien. Die WHO sieht Übergewicht und Adipositas als Epidemie und hat als Ziel nicht einmal die Reduktion der Übergewichtsraten ausgegeben, sondern nur deren Stabilisierung. Ein Ziel, das auch Österreich anstrebt.« Auf die Frage, wie dies gelingen soll, meint die Expertin: »Es braucht wieder mehr Elternbildung, auch wenn das streng klingt.« Dieses Beispiel führt eindringlich vor Augen, wie wichtig es ist, so früh wie möglich mit der Beratung zu Ernährung und Bewegung zu beginnen.
Probleme, welche mit zunehmendem Alter im körperlichorganischen Bereich entstehen können, sollten so weitestgehend verhindert, zumindest aber verlangsamt werden. Dabei ist zu bedenken, dass die Schäden schon in der Jugend einsetzen. »Alterskrankheiten« beginnen leider früh und zeigen sich später im Alter. Sich dann erst zu besinnen und auf »Anti-Aging-Präparate« verlassen zu wollen ist keine wirksame Lösung, denn was vielleicht in Laboratorien funktioniert, muss noch lange nicht dem alten oder alternden Menschen dienlich sein.
Essen: Wo lauern die Gefahren?
Immer wieder hörst du, dass unsere Nahrung angeblich immer schlechter werde durch den Mangel an Inhaltsstoffen oder durch Hinzufügung künstlicher Zusatzstoffe, beispielsweise aus dem Reich der E-Nummern-Gruppe oder von Konservierungsmitteln. Eine wesentliche Überlegung allerdings wird dabei oft gern verschwiegen, nämlich weshalb man überhaupt derartige Nahrungsmittel erwirbt und aufnimmt, aber nicht biologisch unverfälschte, saisonale und regionale Produkte, die auf Derartiges verzichten. Dieses Paradoxon stelle ich bei meinen Vorträgen immer wieder zur Diskussion. Damit mache ich mir freilich auch Feinde aus mancher »Verkäufergilde« von »Ergänzungsprodukten«. Meine Argumente dazu habe ich nicht frei erfunden. Sie haben ihren Ursprung aus dem Studium vieler Arbeiten von Ernährungswissenschaftlern, welche universitär forschen und nicht eine Arbeit dezidiert für den Vertrieb eines Produkts erstellen. Und hier scheiden sich tatsächlich dann manchmal die Geister.
Ungeachtet dessen, welche Haltung man einnimmt, ist es eine grundlegende und überaus berechtigte Frage, woher bestimmte Rohstoffe unserer Nahrung stammen, und auch, wie sie verarbeitet werden. Bernhard Url, Chef der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), nimmt im Nachrichtenmagazin »profil« (Nr. 42/15. Oktober 2018) dazu Stellung: »Es gibt aber keine Evidenz, dass die Inhaltsstoffe abgenommen hätten, dass Lebensmittel weniger wert oder nährstoffärmer wären. (…) Unser Problem in der sogenannten zivilisierten Welt ist nicht die Armut an Nährstoffen, sondern das Gegenteil. Wir nehmen zu viele Nährstoffe, also Energie, zu uns. Wir haben ein riesiges Problem mit einer Überaufnahme an Energie, und zwar sowohl was Kohlenhydrate betrifft als auch Fette und teils Proteine.« Und stellt später fest: »Es stimmt, dass Lebensmittel heute einen höheren Verarbeitungsgrad aufweisen. Das ist eine Folge unserer veränderten Lebensgewohnheiten. Wir kochen nicht mehr selbst und greifen zu Convenience-Food. Diese Produkte sind natürlich prozessiert, haben manchmal einen höheren Salzgehalt und mehr Zusatzstoffe.«
Gesundheitsbewusstes Handeln ist hierbei gefordert – und ein Mitdenken, wie ich es immer wieder anregen möchte. Auf dem Gebiet der Nahrungsmittelbeschaffung und der Qualität unseres eigenen Konsumverhaltens ist möglicherweise eine »Lebensstiländerung« keine Fehlinvestition, um einem »Ernährungsmarionettendasein« zu entkommen. »Es gibt einen Konflikt zwischen der Bequemlichkeit, immer alles haben zu wollen, und dem unguten Gefühl, dass wir nicht mehr wissen, wo die Produkte herkommen«, so Bernhard Url weiter. Es ist äußerst sinnvoll, sich über die Herkunft und damit die Qualität von Nahrungsmitteln umfassend zu informieren und sich dadurch ein gewisses »Qualitätsmanagement« anzueignen.
Das Problem unserer Zeit und der vorherrschenden Ernährungsgewohnheiten ist das nachteilige und gesundheitsschädigende Übergewicht durch die »Überfütterung« mit Nahrungsmitteln. Dieser Umstand wird offensichtlich nicht so ernst genommen wie die vorhandene Bedrohung der Nahrungsmittelsicherheit, ausgelöst durch politische Krisen oder Ernteausfälle. Es gibt hier interessanterweise staunenswerte Unsicherheiten und wohl auch Vorurteile beziehungsweise Fehlinformationen. Alle wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit Übergewicht und Fettleibigkeit befassen, weisen darauf hin, dass mit der vermehrten Einlagerung von Körperfett eine Zunahme von Herz- und Kreislauferkrankungen gegeben ist. In diesem Zusammenhang spricht man von »Wohlstandserkrankungen« beziehungsweise dem Metabolischen Syndrom. Ein Speckbauch ist allein schon ein ästhetisches und möglicherweise auch ein »körpermechanisches« Problem, weil er etwa die Bewegungsfreiheit einschränkt. Das Schädigungspotenzial für den menschlichen Organismus, das von derartigen Fett- und Energiereserven ausgeht, wird drastisch unterschätzt, obwohl sie regelrecht lebensgefährlich sind. Dass Übergewicht auch den wichtigsten Risikofaktor für Krebserkrankungen darstellt, ist leider noch nicht in vielen Ernährungsberatungen angekommen.
Beim Wiener Menopause-Kongress 2019 wurde dies im Rahmen der Ernährungsmedizin thematisiert. Dr. Tahereh Setayesh und Prof. Dr. Siegfried Knasmüller am Institut für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien berichten, wie ich notiert habe, dass etwa zwei Drittel aller Krebstoten durch Ernährung und daraus folgendem Übergewicht verursacht werden. Zahlreiche Organe sind von der Auslösung von Tumoren betroffen, bei Frauen vor allem die Gebärmutter und die Brust, bei Männern primär die Leber und bei beiden Geschlechtern die Bauchspeicheldrüse. Als Vorsorgepfad, so die Schlussfolgerung, wird die Kontrolle des Körpergewichts durch den Verzehr ballaststoffreicher Vollkornprodukte und kalorienarmer pflanzlicher Nahrungsmittel empfohlen, ebenso der reduzierte Konsum von zucker- und stärkehaltigen Lebensmitteln sowie Sport. Auch der kanadische Tumorexperte Michael Pollak beschreibt in seinen Arbeiten im Zusammenhang mit den Forschungen zu Übergewicht und den damit verbundenen Erkrankungsbildern die gesundheitlichen Risiken (http://www.mcgill.ca/pollak-lab/) und weist auf die Notwendigkeit von Bewegung hin. Im Fachmagazin Lancet warnen Forscher der Harvard University vor den Gefahren des Bewegungsmangels: »Ein Drittel der Erwachsenen und 80 Prozent der 13- bis 15-jährigen Jugendlichen verfehlen die Bewegungsvorgaben permanent« (Quelle: ZEIT ONLINE, Gesundheit »Die fette Gefahr«, Juli 2012, S. 6). Die untere zeitliche Grenze für moderate Bewegung – Aktivitäten, bei denen ich mit dem Partner eine Unterhaltung führen kann, ohne in Atemnot zu geraten – läge bei 150 Minuten in der Woche. Dies ließe sich auf mehrmalige Übungseinheiten aufteilen. Obwohl das nur der unterste Schwellenwert wäre, könnten wir tatsächliche positive physiologische Reaktionen erwarten.
Ernährung und Bewegung, bewusste Energieaufnahme und Energieverbrauch, sind Regelgrößen für unsere Gesundheit. Ursprünglich waren dies wohl durchwegs pflanzliche Produkte, rohe Eier möglicherweise und ebenso rohes Fleisch, denn die Verwendung von Feuer zum Kochen, Sieden oder Braten hat sich erst viel später in der Entwicklungsgeschichte ergeben.
Pflanzen und ihre Geheimnisse
Bei den Überlegungen zu unserer Ernährung in diesem Kapitel werfen wir nun einen Blick auf die Urnahrungsmittel sowie deren Qualitäten und Wirksamkeit. Es geht um die Pflanzen, sie sind Lebens- und Heilmittel zugleich. Seit jeher sind alle für uns Menschen verzehrfähigen beziehungsweise verwertbaren Pflanzen Nahrung. Auch hier gab es im Laufe der Geschichte durch den Gebrauch des Feuers merkbare Veränderungen an Geschmack und Verträglichkeit mancher Inhaltsstoffe, sodass ursprünglich ungenießbare Pflanzen wie grüne Bohnen, Hülsenfrüchte mit Lektin, das zu Verklumpungen der roten Blutkörperchen führt, oder Kartoffeln für unseren menschlichen Verdauungstrakt aufschließbar und daher verwertbar wurden. Für die Erhaltung unseres Wohlbefindens – besonders als Hilfe bei irregulären Zuständen – wurden aus der Erfahrung im Laufe der Menschheitsgeschichte entsprechende Beobachtungen gemacht, mit welchen Einzelpflanzen beziehungsweise Mischungen aus ihnen heilende oder lindernde Wirkung herbeigeführt werden konnte.
Allmählich entstanden Wissenstraditionen, sowohl zur Ernährung als auch zur Hilfe bei körperlichen Problemen, die von den Heilkundigen weiter überliefert wurden. Nachfolgende Generationen ergänzten dieses Wissen fortlaufend durch neue Erfahrungen, wobei viele Kräuterkundige vor der Zeit des Buchdrucks ihre Kenntnisse nur mündlich an auserwählte Personen weitergaben. Im Mittelalter übernahm die Klostermedizin viel an altüberliefertem Wissen. Aufgrund der lateinischen Sprache blieb es nur einem elitären Kreis von gelehrten Leuten aus dem kirchlich-universitären Bereich vorbehalten. Paracelsus war einer der ersten »medizinischen Fachberater«, ein für die damalige Zeit Universalgelehrter, der auf Deutsch Empfehlungen weitergegeben hat. Heute gibt es Unmengen an Büchern zur Pflanzenheilkunde, und es ist sinnvoll, auf entsprechende Qualität der Fachliteratur zu achten. »Natürlich« ist gegenwärtig ein Trend – auch oder besonders in der Anwendung von Hausmitteln pflanzlicher Provenienz. Mitunter habe ich aber den Eindruck, dass manche »Gesundheitsprediger« bei der Beratung und Anwendung pflanzlicher Heilmittel, insbesondere von Teemischungen, deren Wirkkraft fehlinterpretieren und bestimmte Wege zu sinnvoller und wichtiger medizinischer Behandlung verzögern. Eine fachlich begründete oder qualitativ ungeeignete Verwendung von Ratschlägen ist schlussendlich für Betroffene eine vielleicht gut gemeinte Empfehlung, für die Gesundheit mancher Anwender jedoch ein Nachteil. Um nur ein Beispiel zu bringen: Husten und geschwollene Beine können eine Schwäche des Herzens oder Störung der Nierenfunktion anzeigen. Um den Wasserstau zu verringern, sind Hustentees freilich nicht angebracht. Fieberzustände deuten im Allgemeinen auf Abwehrreaktionen des Körpers hin. Sollten aber zusätzlich Schmerzen im Brustkorb und/oder Probleme bei der Atmung auftreten, könnte die betroffene Person an einer Lungenentzündung leiden – auch hier wird ein Husten- oder ein fiebersenkender Tee wenig hilfreich als Therapie sein.
Wirkung und Nebenwirkung
Bei meinen Vorträgen schätze ich Zwischenfragen aus dem Publikum oder anschließende Diskussionen zu dem referierten Gegenstand. Dabei ist es interessant zu sehen, welche Meinungen und Anschauungen, aber auch Fehlinterpretationen und Falschinformationen zu bestimmten Gesundheitsthemen verbreitet sind. Gerade bei den Nahrungsergänzungsmitteln (Supplementen) zeigt sich manchmal eine große Verunsicherung, genauso wie Einflüsse oder Abhängigkeiten von der Werbung sichtbar werden. Die Unsicherheit betrifft ältere Personen oder junge Frauen mit Schwangerschaftswunsch beziehungsweise bestehender Schwangerschaft. Das Potenzial, tatsächlich Schaden statt Nutzen zu stiften, ist durchaus beträchtlich. Die Erwartungshaltung, sich Gesundheit zu (er-)kaufen oder mögliche Krankheiten durch Nahrungsergänzungsmittel verhindern zu können, scheint nur allzu verständlich. Für diesen Wunsch erbringt man bereitwillig Opfer und greift mitunter tief in die Tasche für jene Produkte, die diese Wirkung verheißen. Der Gedanke, dass es Nebenwirkungen geben könnte – schließlich sei doch alles »so gesund« –, ist bloß rudimentär anzutreffen. Hier wären ärztliches Wissen und auch entsprechende Beratung sehr wertvoll, um den Irrglauben zu vermindern, es handle sich bei jenen Mitteln doch nur um Nahrungsergänzung – wo kann hier ein Problem sein?
Aus dem Gedanken der medizinischen Vorsorge heraus und um gegen den »supplementären Ablasshandel« aufzutreten, versuche ich in solchen Fällen auf unsere Naturapotheke, die wertvollen Ernährungsmodalitäten und die Qualität der Lebensmittelinhalte hinzuweisen. Zusätzlich zitiere ich Empfehlungen von klinisch arbeitenden Wissenschaftlern, die fast durchgängig feststellen, dass es bei gesunden Menschen keinerlei bemerkenswerte Erfolge oder Vorteile durch die Aufnahme von Nahrungsergänzungsmitteln gibt. Besonders warne ich eindringlich vor dadurch möglichen Überdosierungen bestimmter Substanzen (Mikronährstoffe = Spurenelemente, Vitamine, Mineralstoffe), allen voran Vitaminen. Das ausgewogene Verhältnis aller Nährstoffe wie Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße (Energielieferanten – Makronährstoffe) sowie der Mikronährstoffe ist physiologisch wertvoll und notwendig, um den idealen Ablauf sämtlicher Zellfunktionen des Körpers zu erhalten. Hier scheiden sich oftmals die Aussagen wissenschaftlich-klinischer Arbeiten und solche der Anbieter von »Ergänzungspräparaten«. Klinisches Know-how gegen Verkaufsstrategien von Pressure-Groups und damit Situationen, in denen eine Abhängigkeit aus Wissensmangel entstehen kann, auszutarieren, fällt oft nicht leicht.
Alles was wirkt, hat auch Nebenwirkungen, welche nicht unterschätzt werden dürfen! Dieses an sich einleuchtende Argument ist aber erstaunlich schwer zu transportieren angesichts der hartnäckigen Meinung, dass die propagierten Produkte »so gesund« seien – und teuer, wie ich ätzend bemerke! Nachweislich kann die Fehldosierung von Vitamin A (Betacarotin als Vorstufe) Schwindel, Kopfschmerzen oder Erbrechen verursachen. Eine Vitamin-E- Überdosierung stellt bei Menschen, die Blutverdünnungsmittel nehmen, eine Gefahrenquelle zu vermehrter Blutungsneigung dar. Überdosierungen aus der Reihe der B-Vitamine (Vitamin B12 – Folsäure) oder durch den beworbenen Alleskönner Selen, einem Spurenelement, rufen Nebenwirkungen hervor, die als Krankheitssymptome fehlgedeutet und erst recht mit Supplementen weiterbehandelt werden. Bei der Erschließung von Krankengeschichten konnte ich oftmals auf solche »Ursachen« stoßen, wenn ich nach der Einnahme von Präparaten fragte, die mir zunächst verschwiegen worden waren. Kompetente ärztliche Beratung oder Auskunft seitens verantwortungsbewusster Apotheker (über Wirkung und Nebenwirkung) vermag hier manches Phänomen der Wirkmechanismen zu erklären. Bei auftretenden Symptomen, die bei der gewissenhaften Aufnahme einer Beschwerdegeschichte (Krankengeschichte) »herausgehört« werden können, lässt sich so manche Ursache auf eine diesbezügliche Fehldosierung zurückführen.
Sind bestimmte Risikodiagnosen gegeben, wie chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Osteoporose, Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), um einige Beispiele zu nennen, hat eine ärztliche (Labor-)Untersuchung Sinn, und dann kann durch wohldosierte Unterstützung gezielt geholfen werden. Kurz gesagt: Es bringt wenig, nur zur »Vorsorge« Präparate einzunehmen, im Irrglauben, es sei »ohnehin alles so gesund«! Eine umfassende fachliche Beratung bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft, bei der Einnahme bestimmter Medikamente (beispielsweise der häufig notwendigen »Magenschutzpräparate«) oder im höheren Alter ist überlegenswert. Keinesfalls sollte hierzulande jahreszeitlich bedingt etwa ein Defizit an Vitamin D auftreten, das auch lichtgesteuert im Körper gebildet wird, wobei in unseren Breitengraden durch den niederen Sonnenstand im Herbst und Winter Mangel entstehen kann. Bewegungs- und Lichtmangel sind dabei besonders nachteilige Kumpel für Knochen, Muskel und Gelenke.
Führe ich mir die vielen wissenschaftlichen Studien zu »Mangelzuständen« vor Augen, darf ich dir ruhigen Herzens empfehlen, deinem Körper Gutes zu tun, vielleicht sogar das Wertvollste zu geben durch regionale, abwechslungsreiche Ernährung. Bei einem gesunden Menschen wird bei unserem Nahrungsangebot sicherlich kein Mangelzustand auftreten. Mein Rat: Bereite deine Nahrung genussvoll zu. Genieße das vorhandene Angebot an wertvollen Lebensmitteln und empfinde Dankbarkeit dafür – vom knackigen Salat und den würzigen Kräutern aus dem eigenen Garten bis hin zu wunderbaren handgefertigten Produkten von der Bäuerin am Wochenmarkt. Deine Möglichkeiten, gesunde, appetitliche und Sinnenfreude schenkende Nahrungsmittel auf den Tisch zu bringen, sind nahezu grenzenlos!
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